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Deutsche
Entomologische Zeitschrift
„Lris“
herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Band XXXVll. Jahrgang 1923.
(Mit 1 Tafel.)
Schriftleiter: Dr. H. Walther.
Dresden 1923.
- Verlag des Entomologischen Vereins ‚Iris
” Druck von Kupky & Dietze (Inh.: ©. und R. Müller), Radebeul.
Inhalts -Uebersicht
des XXXVll. Bandes 1923.
Seite
Draeseke, Joh., Die a der Stötznerschen Ausbeute.
Papilionidae . ... 2
Hering, Dr. Martin, Neue: seien rd Castniiden 0 Be
Petry, Dr. A., Ueber Elachista hedemanni Rbl. . . . . EEE
Petry, Dr. A,, zur Biologie und geographischen Verbreitung von Conchriis
Conjunetana Mn. ee
Petry, Dr. A., Zur VRRENTINE AP Gnoohe Ga Tr. EEE 1
Schopfer, Ed., Beitrag zur Microlepidopteren-Fauna der Dresdener Gasna 82
Stauder, H., Park ıssiuis apollo f. albofimbriata Stdr.n.ab. .....76
Stephan, Julius, Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz . . . . 20
Wagner, Sg Herbstfang in Süddalmatien . .«. . . 2
Walther, Dr., Ueber wissenschaftliches Sammeln . . . . 9
Wehrli, Dr. Eur Neue paläarktische Geometriden - Arten ua Fouien
aus Ostchina . . . .
Bücherbesprechungen „ . 2 0000 00 0m un m
Kleine Mitteilungen . . 2 22 m um un un. EE
Zugänge zur Bücherei . . . . et ee ee a 87
Vereinsnachrichten . . . . en a
Einsendung von Autobiographien . . . .,92
Alphabetische Liste der im XXXVIl. Bad neu beschrieben Por ne
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Doppelheft 1/2 erschien 15. Juni 1922.
Doppelheit 3/4 erschien 31. Dezember 1923.
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A. Petry. Zur Naturgeschichte der Gnophos pullata Tr. 1
Zur Naturgeschichte der Gnophos pullata Tr.
Von Dr. A. Petry in Nordhausen.
Es hat immer mein höchstes Interesse und Erstaunen
erweckt, wenn ich als Knabe in Florenwerken las, daß am
südlichen Flarzrande eine Anzahl „alpiner“ Pflanzen vor-
kommen, so bei Ellrich Arabis alpina, etwas westlich davon
am Sachsenstein bei Walkenried Gypsophila repens und
Arabis petraea, endlich östlich von Nordhausen im Alten
Stolberg bei Stempeda die nordisch-alpine Weide Salıx
hastata. Als ich dann 1882 nach Nordhausen verschlagen
wurde, habe ich mir natürlich so bald als möglich diese
interessanten Pflanzen an Ort und Stelle angesehen und
diese Besuche seitdem unzählige Male wiederholt.
Dabei kam mir der naheliegende Gedanke, ob wohl
auch unter den Insekten, speziell Käfern und Schmetter-
lingen, analoge Fälle aufgedeckt werden könnten. Diese
Hoffnung hat sich denn auch im bescheidenen Maße erfüllt.
So habe ich an demselben Felsen des Sachsensteins, an
dem die Polster der Gypsophila repens wuchern, 1889
Gnophos pullata Tr. aufgefunden und später ebenda
auch einen nordisch-alpinen Rüsselkäfer, Otiorrhynchus
rugifrons Gyll., über den ich an anderer Stelle berichtet
habe).
Gn. pullata habe ich auch noch an einer zweiten
Stelle, der steil nach Osten abfallenden Gipswand des
Alten Stolbergs bei dem Dorfe Stempeda, nicht weit vom
Standort der Salix hastata konstatieren können, allerdings
nur durch den Fund einer einzelnen Raupe. Beide Fund-
stellen liegen in der Luftlinie 25 km auseinander und sind
schroff abfallende Gipsfelsen des sogen. Zechsteingürtels,
welcher den südlichen Harzrand umsäumt. Es sind dies
die nördlichsten, isolierten Fundorte, an denen Gn. pullata
in Europa je gefunden worden ist, im Harze selbst komm
die Art nicht vor. |
Gn.püllata ist bekanntlich nicht nur über die Alpen
verbreitet, sondern kommt auch in einigen Mittelgebirgen
1) Entomol. Blätter 1921, S. 92.
Deutsche Entomologische Zeitschrift ‚Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein I
Iris zu Dresden. Jahrgang 1923
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0094
2 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
vor, so im Glatzer Gebirge, im Lausitzer Bergland, im Erz-
gebirge, im nordwestlichen Thüringer Wald, im Taunus,
auch ın Belgien (Huy), zahlreicher sind die Fundstellen im
süddeutschen Berglande. Die Art ist weniger ein „alpiner“
als vielmehr ein „Felsenschmetterling‘‘, denn er steigt .tief
herab, wenn er nur Felsen findet, die ihm Lebensbedürfnis
sind.
Das Vorkommen im Thüringer Wald wird hiermit zum
ersten Male bekanntgegeben. Es handelt sich um 2 Stücke,
die Herr E. Bohl im Johannistal bei Eisenach am 28. Juli
1907 am Licht fing und mir liebenswürdigerweise überließ.
Nun zeigt Gn. pullata eine starke Neigung zum
Variieren hinsichtlich der helleren oder dunkleren Färbung
der Fl, und diese Erscheinung steht offensichtlich mit der
Färbung der Felsen, an denen sie lebt, im engen Zusammen-
hang und stellt eine Anpassung an dieselbe dar.
Schon aus den Alpen ist eine besonders dunkle Form
als confertata Stgr., aus Steiermark, Kärnten usw. sowie
im Gegensatz dazu eine sehr helle Form als impec-
tinata Gn. beschrieben worden, die aus den Französischen
Alpen, der Schweiz und Krain angegeben wird. An den
Flugplätzen der Art im Mittelgebirge ist wohl infolge der
stärkeren und daher wirksameren Isolierung diese Diffe-
renzierung z. |. noch weiter gehend. Ein besonders krasses
Beispiel liefert die Taunus-Form und in entgegengesetzter
Richtung unsere Rasse vom ’Sachsenstein. Dort an den
dunklen Taunus-Schiefern hat sich eine extrem dunkle
Varietät entwickelt, die Fuchsals var. nubilata beschrieben
hat, hier an den weißen Gipsfelsen sind die Stücke so auf-
fallend hell weißgrau, wie sie mir von keiner anderen
Lokalıtät bekannt geworden sind. Dabei ist die Entwicklung
anscheinend noch gar nicht abgeschlossen, denn bei den
zahlreichen gezogenen Stücken vom Sachsenstein schwankt
der Grad der Helligkeit bei den g'g' noch etwas, während
die @QQ gleichmäßig helles Kolorit aufweisen. Ich besitze
4 einst von Fuchs erhaltene Original-Exemplare aus dem
Taunus, neben ihnen erscheint die Sachsensteiner Form
so verschieden, daß man versucht sein könnte, an zwei
verschiedene Arten zu denken, wenn nicht die Stücke aus
den Alpen eine vermittelnde Stellung einnähmen.
Die beiden erwähnten Stücke von Eisenach sind viel
dunkler als die Sachsensteiner, aber ‘doch heller als die
Taunus-Stücke. Sie ähneln im Grade der Helligkeit zwei
A. Petry. Zur Naturgeschichte der Gnophos pullata Tr. 3
schönen gezogenen Stücken vom Czerneboh in der Ober-
lausitz, die ich K. T. Schütze, ihrem Entdecker daselbst,
verdanke, sind aber gleichmäßiger gefärbt, nicht so unruhig
gezeichnet wie die Lausitzer.
Da die Varietät impectinata Gn. als „heller, fast weiß-
lich“ beschrieben wird, so wird man unsere Sachsensteiner
Rasse zu der so benannten Form stellen können, obwohl ich
keine Original-Exemplare vergleichen kann. Vermutlich lebt
die impectinata-Form auch an hellen Kalkfelsen. Wir
hätten dann eine Konvergenz-Erscheinung: weit voneinander
getrennte Vertreter derselben Art hätten unter ähnlichen
Lebensbedingungen unabhängig voneinander dieselbe Ent-
wicklungsrichtung eingeschlagen. |
Die Raupe der Gn. pullata ist bekanntlich polyphag,
sie lebt gern an Sedum, aber auch von allerlei anderen
an den Felsen wachsenden Kräutern. Sie überwintert und
verpuppt sich Ende Mai, Anfang Juni, um den Falter Ende
Junı oder Juli zu liefern. Seine Flugzeit hält hier bei uns
bis in den August hinein an. Man kann den Falter am
Rande der Felswand in der Abenddämmerung mit dem Netz
fangen oder im Frühjahr die Raupen suchen. Letzteres ist
freilich wenig ergiebig und an der Steilwand des Sachsen-
steins lebensgefährlich, denn man muß immer mit der
Möglichkeit eines Absturzes rechnen.
Die erwähnten Pflanzen sind als Glazialrelikte anzusehen,
die sich hier seit dem Ausklingen der letzten Eiszeit in-
folge des Zusammentreffens mehrerer günstiger'Umstände
erhalten haben. Vor allem sind sie an den Steilwänden
nie durch den Wald bedroht worden, da die für Holz-
gewächse nötige Erde an den Felswänden fehlt. In dem-
selben Maße wie der Gips verwittert und abbröckelt, bläht
sich auch die Felswand wieder auf infolge fortschreitender
Umwandlung des ursprünglichen Anhydrits durch Wasser-
aufnahme in Gips.
Mit den betreffenden Pflanzen ist unsere Gnophos
pullata durch die gleiche Schicksalsgemeinschaft ver-
bunden und sie hat dabei auch noch die geschilderte Um-
“ bildung erfahren.
4 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 19923.
Ueber Elachista hedemanni Rbl.
Von Dr. A. Petry in Nordhausen.
Elachista hedemanni ist von Prof. Rebel in den
Verh.d.zool.-bot. Ges. in Wien 1899, S.524, nach Exemplaren
beschrieben worden, die v. Hedemann 1893 auf den Kalk-
bergen von Mödling bei Wien gesammelt hatte. Sie ist
außer diesem Fundort in Niederösterreich noch aus Ungarn,
Oberösterreich (1 Stück bei Scharlinz) !) und neuerdings von
Zengg in Kroatien?) bekannt geworden.
Ich finde diese Art seit etwa 30 Jahren an sehr eng
begrenzter Stelle auf den Gipsbergen am Südhang des
kleinen Kyffhäuser-Gebirges im nördlichen Thüringen, nahe
dem Städtchen Frankenhausen. Zahlreiche Stücke, die ich
vor Jahren von Prof. Krone von Mödling erhielt, stimmen
genau mit meinen Kyffhäuser-Stücken überein, so daß über
die Identität nicht der leiseste Zweifel herrscht. Es ist
dies bis jetzt der einzige Fundort im Deutschen Reich,
und es ist aus bestimmten Gründen, auf die ich gleich
näher eingehen werde, wenig wahrscheinlich, daß die Art
noch anderswo in Deutschland je gefunden werden wird,
wohl aber könnte sie leicht im innersten, wärmsten Teil
Böhmens vorhanden sein und wird vermutlich auch in
Süd-Rußland oder sonst in Südost-Europa (Rumänien ?)
vorkommen.
Das schöne Tierchen gehört zu den Elachisten,
deren weiße Fl mit schwarzen Pünktchen übersät sind, und
ähnelt etwas der E.pollinariella Z., von der sie sich
aber durch die viel schmaleren Fl sowie dadurch unter-
scheidet, daß die sehr feine ockergelbe Bestäubung nicht
wie bei pollinariella Querbinden, sondern zarte Längs-
streifen bildet. Dieser ockergelbliche Ueberflug unterscheidet
die Artauch sofort von derähnlichen E.dispunctella Dup.,
welche reinweiße Fl besitzt. E. dispilella Z. kann eben-
falls nicht damit verwechselt werden, da der Ofl dieser
Art nur zwei schwarze Punkte aufweist.
!) Hauder, F. Beitrag z. Microlep.-Fauna v. Oberösterreich. Linz,
1913, S. 238.
?) Schawerda, K. Beitrag z. Lep.-Fauna d. kroat. Küste. Iris
1921, S. 137.
A. Petry. Ueber Elachista hedemanni Rbl. | D
Es fiel mir bald auf, daß ich die Art nur da fand, wo
das Federgras, Stipa pennata L., zahlreich wächst. Während
sich der Falter am Tage möglichst im Grase verbirgt, er-
scheint er am Abend bei oder kurz nach Sonnenuntergang
an den betreffenden Stellen; regelmäßig fand ich die Pärchen
in copula auf den starren Blättern des Federgrases sitzend,
so daß der Gedanke nahe lag, die Art müsse an diese
Pflanze gebunden sein. Da ich aber keine Minen finden
konnte, grub ich schließlich wiederholt im April auf gut
Glück Büsche des Federgrases aus und pflanzte sie in
Töpfe, wo sich die Pflanze längere Zeit leicht erhalten läßt.
In der Tat erzog ich daran zum ersten Male am 29.5.1903
ein Stück der Art, später aber in größerer Zahl, so z.B.
1912 6 Stück, 1913 5 Stück und 1914 sogar 32 Stück! Es
kann demnach wohl kein Zweifel sein, daß E.hedemanni
‚ wenigstens hier bei uns im Kyffhäuser-Gebirge monophag
an Stipa pennata lebt. Bei Mödling beginnt nach Rebel
die Flugzeit Ende April; ich finde in meinen zahlreichen
Notizen als frühestes Datum den 2. Mai, als letztes den
3. Juni für das Vorkommen im Freien angeführt, Haupt-
flugzeit ist etwa zwischen 15. und 25. Mai.
Stipa pennata ist eine charakteristische Steppenpflanze
. Süd-Rußlands und Ungarns, sie findet sich sonst noch
sporadisch auf dürren, sonnendurchglühten Hügeln des wär-
meren Teils von Europa. In Deutschland fehlt sie dem ganzen
Nordwesten, aber auch sonst in weiten Gebieten, z. B. im
Freistaat Sachsen; in Schlesien ist sie nur an einer Stelle
vorhanden, usw. Dagegen findet sich im sonnigen Thüringer
Hügelland noch eine Reihe von Standorten, aber wohl an
keinem derselben und vielleicht auch sonst nirgends ın
Deutschland kommt sie in so starken Trupps bei einander
vor wie im südlichen Teil des Kyffhäuser-Gebirges. Haben
doch die Frankenhäuser, die leider einen Sport daraus
machen, im Mai große Sträuße der prächtigen federigen
Grannen wegen zu sammeln, einen besonderen Lokalnamen
„Faax“ für das „Kyffhäusergras“.
Daß E.hedemanni sich an einer so weit nördlich von
ihrem sonstigen Verbreitungsgebiet entfernten, völlig iso-
lierten kleinen Stelle findet, ist an sich schon interessant,
daß sie aber zugleich an Stipa pennata gebunden erscheint,
ist von allgemeinerem biogeographischen Interesse. Schon
1889 bin ich, angeregt durch eine pflanzengeographische
Arbeit Loews, lebhaft dafür eingetreten, daß gewisse
6 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Florenelemente der Kyffhäuser-Gipsberge wie die beiden
Stipa-Arten, Astragalus exscapus, Oxytropis pilosa, Gypso-
phila fastigiata usw. als Relikte einer längst vergangenen Per-
ıode kontinentalen Klimas, einer sogenannten Steppenperiode
in postglazialer Zeit anzusehen sein müßten). Diese An-
schauung wird durch das enge Verhältnis von Pflanze und
Tier im vorliegenden Falle wesentlich unterstützt. Denn
es wird wohl kaum jemand annehmen wollen, daß das
zarte Tierchen in weiten Sprüngen der Pflanze an ihre
heutigen Standorte gefolgt sei. Nach meiner festen Ueber-
zeugung sind sie vielmehr beide in ihrer engen Gemeinschaft
Ueberbleibsel aus jener Periode und haben hier, tapfer
ausharrend, einen letzten Posten im Daseinskampfe gehalten.
Nun muß ich freilich ausdrücklich auf einen dunklen
Punkt hinweisen, der noch der Aufklärung bedarf: sonder-
barerweise habe ıch niemals weder die Raupen noch die
Minen in den Blättern der Stipa gefunden. Ich vermute
fast, daß sie im Wurzelstock der Pflanze lebt, aber auch
da habe ich sie bisher nicht feststellen können. Und doch
erscheint ein Beobachtungsfehler ausgeschlossen, da ich in
6 verschiedenen Jahren 50 Stück des Falters aus den
Büschen der Stipa erzog.
Dazu kommt ferner, daß Prof. Krone ın den Jahresber.
des Wiener ent. Ver. 1904, S. 101, angibt, die Raupe der
E.hedemanni, die er auf Tafel I, Fig. 13, abbildet, an
Carex humilis gefunden zu haben. Carex humilis gehört
in die Lebensgemeinschaft der Stipa pennata und wächst
hier überall mit ihr zusammen, ist aber viel verbreiteter
als jene. Wahrscheinlich werden auch bei Mödling beide
Pflanzen zusammen wachsen. Ich habe aber bei meinen
Versuchen mit der größten Sorgfalt beide Pflanzen von-
einander getrennt, zumal ich die Publikation Krones kannte.
In den Blättern der Carex humilis leben hier bei uns zwei
von E.hedemanni völlig verschiedene Elachisten,
nämlich E. martinii Hfm. und E. freyi Stgr., die ich
beide oft aus der Pflanze erzog. Auch mein verstorbener
Freund W. Martini, der sich sehr eingehend mit den Ela-
chisten der Carex humilis beschäftigt hat, hat niemals
eine E.hedemanni gefunden. Ich habe die lebende Raupe
der E.martinii mit der Abbildung der angeblichen E.
!) Petry, Die Vegetationsverhältnisse des Kyffhäuser-Gebirges.
Halle a.S. 1889.
A. Petry. Ueber Elachista hedemanni Rbl. 7
'hedemanni auf der Tafel Krones verglichen, sie ähnelt
ihr sehr, erreicht aber bei weitem nicht die auf der Tafel
angegebene Länge. Da Krone aus Stipa pennata eine weitere
bei uns hier nicht vorkommende Art, E.heringi Rbl,,
‚erzogen hat, deren Minen er in den vorjährigen Wurzel-
blättern der Stipa pennata fand, so hat er vielleicht beide
Pflanzen, Stipa pennata und Carex humilis, zusammenge-
halten und hat dann angenommen, daß die geschlüpften
Stücke der hedemanni von letzterer stammen, während
er in den Blättern derselben Raupen der E. martinii ge-
sehen hat. Es ist kaum anzunehmen, daß E.hedemanni
bei Mödling an Carex humilis und im Kyffhäuser-Gebirge
an Stipa pennata leben sollte.
Jedenfalls möchte ich an unsere österreichischen Fach-
genossen, welche sich mit den Microlepidopteren beschäf-
tigen, die Bitte richten, daß sie mithelfen, diesen Wider-
spruch aufzuklären und das noch bestehende Rätsel zu lösen.
Zur Biologie und geographischen Verbreitung
von Conchylis conjunctana Mn.
Von Dr. A. Petry in Nordhausen.
Als ich mich gegen Ende der achtziger Jahre mehr und
mehr der Beschäftigung mit den Microlepidopteren zuwandte,
traf ich mehrfach an einem nach Südwesten gerichteten Ab-
hang im nördlichen Teile des Kyffhäuser-Gebirges einen
zur Gattung Conchylis gehörenden Wickler, den keiner
meiner damaligen treuen Berater, Eppelheim ın Grünstadt,
©. Hofmann in Regensburg, E. Hering in Stettin u. a. zu
determinieren vermochte. Major Hering sandte ein Stück
an Prof. Rebel nach Wien, und diesem gelang es endlich,
die Art als die von Mann aus Brussa in Kleinasien be-
schriebene Conchylis conjunctana festzustellen. Rebel
hat danach auch unseren Fundort im Kyffhäuser-Gebirge
in den Katalog der palaearktischen Lepidopteren 1901
mit aufgenommen. Ich habe mich später in der Stau-
dingerschen Sammlung in Blasewitz, in der ein Original-
‚Exemplar Manns steckt, überzeugt, daß es in der lat diese
Artzist. |
8 Deutsche Entom,. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Mann hat die Art auf dem israelitischen Friedhof in Brussa
gefangen). Nach dem Katalog von Staudinger und Rebel
kommt sie auch in Dalmatien vor, Mann selbst erwähnt
sie in seiner Aufzählung der Lepidopteren, die er auf drei
Reisen nach Dalmatien gesammelt hat?), allerdings nicht,
wohl aber aus der Dobrudscha, wo er sie bei Tultscha
zugleich mit C.elongana F.R. fing’). Sonst ist meines
Wissens überhaupt kein weiterer Fundort bekannt geworden.
Die Art ist mit keiner anderen zu verwechseln. Sie
ähnelt ein wenig der C.richteriana, aber die Grund-
färbung der Vfl ist viel heller, besonders beim ©. Die
schmale braune Querbinde ist nahe unterhalb des Vrds unter-
brochen, außerdem finden sich zahlreiche mehr oder minder
deutliche braune Fleckchen, insbesondere zieht am Außenrde
eine Reihe solcher in Form eines Streifens entlang. Die
Fransen sind nicht einfach weißlich, wie in der Beschreibung
des Spulerschen Werkes steht, sondern dunkel gescheckt.
Die ©Q besitzen deutlich kürzere Fl (ca. 14 mm Spannung),
während die Flspannung der g'g'! 16 mm beträgt.
Ich finde die Art an drei offenen, d.h. waldfreien Stellen
nur im nördlichen Teil des Kyffhäuser-Gebirges, wo sie
auf Hornblendegneis und Sandsteinen bez. Konglomeraten
des Rotliegenden fliegt. Sonst kam sie mir nirgends vor,
also auch nicht an den floristisch und faunistisch so überaus
reichen Gipsbergen im südlichen Teil des kleinen Gebirges.
Natürlıch lag mir daran, die Nahrungspflanze festzu-
stellen. Zunächst dachte ich an Artemisia campestris, aber
das erwies sich als ein Irrtum, und bald kam ich auf die
richtige Pflanze: Achillea nobilis. Die Raupe lebt im
Wurzelstock dieser an der Fundstelle häufigen Pflanze, und
ich habe den Falter seit mehreren Jahrzehnten nicht selten
daraus erzogen, wenn ich im zeitigen Frühjahr die Pflanzen
ausgrub und in Töpfe pflanzte. Bei dieser Gelegenheit
erhielt ich zugleich Dichrorampha alpinana Tr.,
Lipoptycha tanaceti Stt, auch zweimal Conch.
elongana F.R. und erzog an den Blättern Depr.
!) Staudinger, Lepidopteren.-Fauna Kleinasiens II. St. Petersburg.
1880. S. 81.
?) Mann, J., Lepid., ges. während dreier Reisen nach Dalmatien.
Verh. d. zool.-bot. Ges. Wien 1869.
3) Ders. Aufzählung der 1865 in der Dobrudscha ges. Schmett.
Ebenda 1866. S. 346.
A. Petri. Z. Biologie u. geograph.Verbreit. v. Conchylis conjunctana Mn. 19)
olerella Z. und in großer Zahl Sophronia sica-
riella Z.
Die Falter der C. conjunctana erscheinen schon
zeitig im Mai, als äußerste Termine, an welchen ich’ die-
selben im Freien beobachtete, habe ich den 7. Mai und
2. Juni notiert.
Das Kytfhäuser-Gebirge ist also der einzige bisher be-
kannte Fundort in Mitteleuropa, und der Sprung von hier
nach Dalmatien oder der Dobrudscha ist, wie mir jeder
zugeben wird, ein ziemlich weiter. Es ist ja leicht möglich,
daß noch Zwischenstationen aufgefunden werden, namentlich
nachdem ich nun die Nährpflanze bekanntgegeben habe.
Man wird also da suchen müssen, wo Achillea nobilis auf
lockerem Boden in größerer Zahl beieinander wächst.
Ich kann mir die merkwürdige geographische Verbreitung
der Art nur ebenso erklären wie diejenige der Elachista
hedemanni, nämlich, daß sie als ein Ueberbleibsel aus
einer früheren Zeitperiode kontinentaleren Klimas anzu-
sehen ist, wo Pflanze und Falter allgemeiner verbreitet
waren als dies heutigen lages der Fall ist.
Ueber wissenschaftliches Sammeln.
Von Dr. Walther, Dresden-Loschwitz.
Die jetzigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
Deutschlands, insbesondere der schlechte Markstand ver-
bieten Reisen in die früher so gern und oft aufgesuchten
Sammelgebiete. Um so mehr kommt die engere und weitere
Heimat zu dem Rechte, das sie in reichem Maße verdient.
Noch sind hier entomologische Schätze in Menge ungehoben.
Dafür ein Beispiel. In der warmen Märzwoche vom 24.
bis 31. Ill. d. J. ging ein befreundeter Sammler allabendlich
zum Kätzchenfang, die letzten zwei Abende durfte ich ihn
begleiten. Seit 13 Jahren waren wir außer 1915/16 all-
jährlich zusammen nach den Weidenkätzchen gegangen.
Neues erwarteten wir daher kaum mehr. Und doch wurden
wir überrascht. Der Anflug war allabendlich sehr reich,
besonders die hier vorkommenden laeniocampen waren alle
vertreten und die bei uns seltene T.populeti kam dieses
Mal zu Tausenden, neben der Stammform fand sich die
10 Deutsche Entom., Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
F. atropunctata Geest und eine ganz dunkle, fast schwarze
Form, der ab. nigra Tutt nahestehend, als neu für Dresden.
Von allen Formen wurden @©9 zur Eiablage mitgenommen.
Die Zuchten sollen — neben tadellosem Material für die
Sammlung — uns Einblick gewähren in die Vererbbarkeit
und den Zusammenhang der einzelnen Formen. Und damit
komme ich zu dem Zwecke dieser Zeilen. Sie sollen an-
regen, mehr biologisch zu arbeiten und zu sammeln, nicht
nur letzteres rein systematisch zu betreiben. Der Ento-
mologe soll sich mit den einfachsten Grundlagen der Ver-
erbungsforschung, vor allem mit den Mendelschen Gesetzen
bekannt machen (s. Iris 1910, Bd. XXIV, die Arbeit von
Standfuß).
Bald wird er dann erkennen, welche Menge fehler-
hafter Bezeichnungen wir gebrauchen, wie viele als Aber-
rationen bezeichnete Formen reine Mutationen sind, mit
strenger Vererbbarkeit begabt, wie die Zucht durch mehrere
Generationen hier überraschende Einblicke in die Be-
ständigkeit, Veränderlichkeit und Entwicklung der ein-
zelnen Arten ergibt. Er wird an der Beseitigung dieser
fehlerhaften Bezeichnungen mitarbeiten und dadurch der
Wissenschaft dienen. Zugleich entsteht aber ein Sammlungs-
material, das die Mühe lohnt. Man muß solche ganze Zucht-
ergebnisse einmal sauber gespannt und geordnet neben-
einander gesehen haben, um neben der Freude am Resultat
Verständnis für dessen Wert zu bekommen. Und noch eines.
Diese Art zu sammeln ist zugleich Naturschutz im Gegen-
satz zu dem Raubbau, der jetzt bei uns getrieben wird.
Für gewisse, besonders dekorativ wirkende Arten, werden
von gewissenlosen Händlern hohe Preise, z. T. in fremder
Valuta gezahlt, die zum Einsammeln alles Erreichbaren
anspornen und unsere an sich durch die fortschreitende
Bodenkultur in ihrem Bestande immer mehr bedrohte Fauna
allmählich vernichten. Für den Züchter ergeben 1 oder 2 QQ
ein Material, so reich, daß er für sich und zum Abgeben
genug hat. |
Nicht blindlings alles fangen, nadeln und in die Kästen
stecken. Einzelne Arten, Genera oder Familien durchzüchten
und durchforschen, die Zuchtergebnisse richtig zusammen-
stellen und durcharbeiten. So werden nicht nur Sammel-
freude, Auge und Geist Befriedigung finden, sondern neue
Erkenntnis wird gewonnen und der Wissenschaft entstehen
auch durch diese Kleinarbeit unschätzbare Vorteile.
M. Hering. Neue Cossiden und Castniiden. 11
Neue Cossiden und Castniiden.
Von Dr. Martin Hering, Berlin 4, Zool. Museum.
I. Cossidae.
1. Schausiania ophthalmodes Mart. Hering, sp. n.
Aehnlich H.gaudeator Schaus, sicher von dieser unter-
schieden durch eine den Terminalfleck wurzelwärts be-
grenzende, nach dem Tornus zu erweiterte Transversal-
binde. — Kopf schwarzbraun, Stirn zwischen Augen und
Fühlerbasis heller, ockerbraun, etwas dunkel gemischt.
Fühler gelbbraun, einreihig (beim g'! kürzer) gekämmt.
Palpen wagerecht vorgestreckt, zweites Glied fünf bis sechs
mal so lang wie das dritte, dieses fast unter seiner Be-
haarung verdeckend. Beide Glieder dunkelbraun, mit
schmalem weißen Endring. Thorax und Patagia vorn
braun, sonst weiß, auf dem Rücken mit feinen schwarz-
braunen Punkten. Abdomen schokoladenbraun. Der Schnitt
der Vfl bei 9’ und © gleich, der Außenrd der Hfl beim g!
grade, beim © konvex. Vfl bräunlich blaugrau, mit spärlicher
Querrieselung, besonders am Vrd. An der Wurzel wie bei
gaudeator ein weißer Fleck. Zwei schwarze unbestimmt
begrenzte Flecke liegen bei !/, des Fl, einer unter dem vor-
deren, der andere unter dem hinteren Rd. der Mittelzelle.
Zwei weiße Flecke bei !/, des Fl, der vordere mehr saum-
‚ wärts; letzterer am Ursprung von m,, der hintere zwischen
an. und ax. auf !/, ihrer Länge. (Adernbezeichnung nach
Comstok-Needham-Enderlein.) Der ganze Saumteil zwischen
r, und cu, von einem ockergelbbraunen, proximal mehr
rötlichbraunen Streifen begrenzt. Dieses Feld enthält eine
samtschwarze Zeichnung, die wurzelwärts als ein der rost-
braunen Begrenzung paralleles Band verläuft; von hier
gehen nach dem Saum Longitudinalstreifen, die gebrochen
sein können, zuweilen am Außenrd. entlang und dann
wieder zurücklaufen. So kann diese ganze augenartige
Zeichnung des Terminalfeldes den Eindruck eines schwarzen
Fleckes mit ockergelben Fleckchen darin machen. Beim 9!
ist das Schwarz reduziert, immer aber am Wurzelteile des
Fleckes deutlich. Zwischen dem rostbraunen Felde und
dem übrigen Flteile liegt die artcharakteristische weiße
12 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Ouerbinde, die den Vrd. nicht erreicht, subkostal sehr schmal
ist, nach dem Hrd. breiter wird, mit einem besonders breiten
Vorsprung über an. Hfl rötlich schokoladenbraun, Fransen
rötlicher, beim g' mit einigen weißlichen Fleckchen. Useits
die Vfl hell rötlichbraun, die letzten ?/;, des Vrd weißlich,
mit schwarzbraunem an der Kosta hängenden dreieckigen
Fleck. Der samtschwarze Fleck des Saumfeldes durch-
scheinend. Useite der Hfl wie die Öseite, manchmal dunkler
quergerieselt. Länge des Vfl g' 25,9 30 mm. Patria: Obidos
(Brasilien). Typus: 1 @ (mit zerstörten Hfl). 1 g' im Zool.
Mus. Berlin (ex coll. Staudinger). {
2.Schausiania furfureus Mart. Hering, sp.n. Körper
bläulichgrau, Thorax mit breitem samtschwarzen, vorn und
hinten etwas erweiterten Längsstreifen oben in der Mitte.
Palpen schokoladenbraun, unten mit einigen weißen Haaren,
das zweite Glied 2!/, mal so lang als das dritte. Antennen
hell gelbbraun. Vflan der Wurzel breit, Vrd. und Hrd. des-
wegen fast parallel. Vfl kleiefarbig weıß, ınit schwarz-
braunen Querrieselungen. Stärker treten hervor ein
schwarzer Fleck an der Wurzel, ein kommaförmiger Strich
zwischen Vrd. der Zelle und an., auf der Flmitte eine
Fleckreihe, beginnend zwischen an. und ax., deren erster
Fleck zwischen beiden Adern etwas saumwärts gerückt ist.
Unter dem Apex am Außenrd. eine Halbkreis-Linie, vom
Apex nach m, und von dort zwischen m, und m, parallel
mit diesen zum Saume gehend. Von dieser Bogenlinie gehen
vorn zwei schwache Verästelungen ins Kreisinnere, kurz
vor dem Apex noch ein schwarzbrauner Punkt. Fransen
bräunlich, am Grunde heller, mit feiner weißer Teilungs-
linie. Hfl weiß, Enden der Adern mit braunen Fleckchen,
die zuweilen zur Randlinie zusammenfließen. Useite der
Vfl braun, Wurzel weißlich, ebenso die Kosta, sonst wie
oben, nur undeutlicher, gezeichnet. Hfluseite wie oben,
aber mit scharfem braunen Fleck am Ende der Diskalzelle
zwischen m, und m,. Länge des Vfl 14 mm. Patria:
Bogota, 8. April 1871 am Licht (Nolcken). Typus: 1 g' im
Zool. Mus. Berlin (ex coll. Staudinger).
Anastomophleps m., gen. nov. Nahe Hypopta Hb,,
von Ihr unterschieden durch die Anastomose von r, und r,.
Vfl sehr schmal, r, aus der Diskoidalzelle, r, aus der
Anhangszelle, bald nach ihrem Ursprung mit r, anasto-
mosierend, später wieder getrennt; beide, sowie die aus
der Hinterecke der Anhangszelle kommende r, in den Vrd.
M. Hering. Neue Cossiden und Castniiden. 13
mündend. r, und r, gestielt, der Stiel aus der hinteren
Ecke der Anhangszelle. m, an m, genähert, basale Teile
von m weit vor Beginn der Anhangszelle gegabelt. an.
anastomosiert bei ca. °/, mit ax., später wieder gegabelt.
Im Hifl sc. ganz frei, rr und m, aus einem Punkte aus der
Zellvorderecke, m,, m, und cu, mit annähernd gleichem
Abstande aus dem hinteren Teile der Diskalzelle, cu, weit
vor der Hinterecke. Genotype:
3. An. claosticha Mart. Hering, sp. n. Körper grau, Ab-
domen useits etwas heller, drittes Palpenglied nur !/, des
zweiten. Fühler !/, der Länge des Vfl, beim g' ganz kurz
doppelt gekämmt, fast gesägt. Beine grau, Mittelschiene vorn
unterhalb des Knies und innen in ihrer Mitte mit einem auf-
fallend schwarzen Fleck. Vrd des Vfl konkav, die Oseite
wie der Körper in der Grundfarbe, im ersten Drittel mit
einer Querreihe samtschwarzer Flecke, die die Diskoidal-
zelle da schneidet, wo r, abgegeben wird. Der letzte auf
dem Ird. liegende Fleck ist saumwärts verschoben. In der
Mitte zwischen dieser Reihe und der Wurzel liegt an der
Kosta ein gleichfarbiger Fleck. Kleinere Flecke und Punkte
von derselben Farbe an mehreren Stellen des Fl. Bei ?°/,
des Vrd zwei ebensolche Flecke, einer zwischen r,,, und
m,, der andere, mehr distale, auf der Mitte von m,. Vor
dem Apex eine Fleckreihe, von der der Kostalfleck der
kleinste ist, zwischen r, und m,; ein gleichfarbiger Fleck
in der Spitze selbst. Hfl weißlich, gegen Apex und Anal-
winkel mit brauner Bestäubung. Useite der Vfl wie oben,
aber undeutlicher. Hfl ebenso, aber mit drei scharfen
Flecken unter der konvexen Ausbuchtung des Kostalrandes
auf sc. liegend. Länge des Vfl 15 mm. Patria: Mendoza,
Argentinien, Januar 1905 (leg. Jensen-Haarup). Typus:
1 3 im Zool. Mus. Berlin.
4. Hypopta selenophora Mart. Hering, sp. n. Kopf
und Thorax gelblichgrau, Abdomen dunkler. Fühler ab-
gebrochen, Palpen gelblichbraun, mit langer Behaarung am
zweiten Glied, letztes Glied sehr viel kürzer als das vor-
letzte. Fl ziemlich schmal, Vrd. grade, r, des Vfl aus der
Diskoidalzelle, r, aus der Vorderecke der Anhangszelle,
r, und r, aus deren Hinterecke, r, aus der Diskoidalzelle,
an. und ax. anastomosieren in einem Punkte. Vfl blaugrau,
mit braunen Zeichnungen, von denen am auffallendsten
ein vor dem Apex an der Kosta hängender, nach ıhr zu
offner Halbmond ist. Weiter wurzelwärts ein dunkler
14 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923,
brauner, annähernd dreieckiger Fleck zwischen r, und der
basalen m. Im Wurzelfelde eine Transversalbinde, deren
Begrenzung nach der Wurzel undeutlich ist, deren termi-
nale Begrenzung sich in einem konvexen Bogen nach dem
Ird. wendet, die an. überschreitet, bei ?/, der ax. wurzelwärts
gebogen ist und dort einen halbmondförmigen weißen Fleck
umschließt. Terminal davon ein rundlicher Fleck, der durch
eine schmale Brücke mit einem zweiten Halbmond zusammen-
hängt, der am Zellende an den kostalen Halbmond anschließt.
Zwischen m, und m, zwei kleine schwarze Flecke in der
Verlängerung des unteren Halbmondes. Stellenweise ist der
Fl bläulichweiß bereiht, die braunen Zeichnungen weißlich -
gerandet. Hil bläulichgrau. Useite beider Fl heller grau,
auf dem Vfl sind die distalen Hälften der Halbmonde
deutlich erkennbar. Länge des Vfl 12 mm. Patria: S. Rosa,
Mendoza (Argentinien) 25. November 1904. (leg. Jensen-
Haarup). Typus: 1 9' im Zool. Mus. Berlin.
Wegen der bei dieser und anderen Hypopta-Arten vor-
handenen Anastomose zwischen an. und ax. wird für diese
Arten eine neue Gattung notwendig werden.
5. Hypopta albicosta Mart. Hering, sp. n. Kopf und
Thorax weißlich grau, letzterer hinten dunkler, Abdomen
dunkelgrau, unten heller. Antennen nur in einem doppelt ge-
kämmten Fragment erhalten. Palpen schwarzbraun, zweites
Glied useits lang behaart, viermal so lang wie das dritte.
r, der Vfl aus der Diskoidalzelle, r,, rs, r,,r, und m, aus
der Anhangszelle, m, sehr weit von m, getrennt, an. und
ax. gegen das Ende durch Querader verbunden. Im Hfl sc.
ganz frei, rr und m, lang gestielt, m, weiter von dem
Stiel als von m,. Vfl rötlich graubraun, Kosta bis rund r,
„weiß, subterminal eine undeutliche braune Querlinie, proxi-
mal davon ein Parallelstreifen weißlicher Bereifung. Hfl
hellgrau, Useite aller Fl einfarbig grau, die der Hfl heller.
Länge des Vfl10 mm. Patria: Mendoza (leg. Jensen-Haarup).
Typus: 1 g' im Zool. Mus..Berlin.
6. Eugivira quadroides Mart. Hering, sp.n. Nahe der
Eug. quadra Schaus, aber im Vfl die Terminalbegrenzung
des großen braunen unter der Diskalzelle liegenden Fleckes
nicht konkav, sondern grade. Grundfarbe der Vfl einfarbiger,
nicht so kontrastreich wie bei quadra, alle bei letzterer
weißen Stellen sind bei der neuen Art lehmgelblich. Der
Wurzelfleck heller, nicht so samtbraun wie bei quadra.
Hfl dunkler als bei quadra, der Fleck am Ende der Zelle
Be u ee
M. Hering. Neue Cossiden und Castniiden. 3)
fehlt bei der neuen Art oseits ganz. Useite aller Fl ähnlich
quadra, aber trüber und kontrastloser. Länge der Vfl
21 mm, die Art also auch größer als Eug. quadra. Als
‚echte Eugivira sind im Hfl rr und m, gestielt, bei der
untersuchten (vielleicht nur subspezifisch verschiedenen)
Eug. quadra entspringen rr und m, aus einem Punkte.
Die angegebenen generischen Unterschiede zwischen Gi-
vira und Eugiviıra sind also sehr zweifelhafter Natur.
Patria: St. Catharina, Brasilien (leg. Scheidemantel 1896)
ex coll. Staudinger. Typus: 1 g' inı Zool. Mus. Berlin.
Synaptophleps Mart. Hering, gen. nov. Nahe Azy-
gophlebs Hmps., von ihr dadurch getrennt, daß im Vfl
der Radialramus, der die Anhangszelle wurzelwärts begrenzt,
mit dem einen Gabelast der Media durch eine Querader
verbunden ist. r, und r, aus dem Vrd. der Anhangszelle,
r, und r, gestielt, ihr Stiel mit r, aus der Spitze der An-
hangszelle, m, aus deren hinterem Ende. Vor dem Ursprung
von r, geht ein Ast von rr nach dem Mediastamm und
mündet in diesen kurz nach der Gabelung (innerhalb der
Zelle). Im Hfl sc. mit rr außerhalb der Zelle durch Quer-
ader verbunden. Alle übrigen Adern getrennt aus der Zelle
entspringend. Genotypus: FOR
7. Syn. pelostema Mart. Hering, sp. n. Schon von Auri-
villius ın Arch. f. Zool. 1905 p. 42 Nr. 294 erwähnt, aber
nicht beschrieben. Kopf, Thorax und Abdomen ockergelb
bis rein grau, ebenso die beim g' bis zur Mitte doppelt
kammzähnigen Fühler. Beine grau, Tarsen braun geringt,
Palpen kurz, braun; das dritte, ganz kurze Glied ver-
schwindet fast völlig unter der abstehenden Behaarung
des vorletzten. Grundfarbe der Vfl hell ockerstrohgelb bis
. grau, besonders am Ird. wurzelwärts fast weißlichgrau;
Adern überall lehmgelb bestäubt. Zwischen den Adern feine
schwarze Querrieselungen, die unter sich verbunden und
stellenweise, besonders am Ird gehäuft sind. Fransen
weißlich, z. T. dunkel gescheckt. Hil hell gelblichweiß, an
den Aderenden mit braunen Fleckchen, die auch die Fransen
durchsetzen. Useite der Vfl dunkler, rauchgrau gerieselt,
Hfl hell gelblichweiß, am Vrd bräunlich bestäubt. Länge
des Vfl 20 mm. Patria: logo, Misahöhe. 1893 (leg. E.
Baumann), (Typus). Kamerun, Tibati, 24. Januar 1909 (leg.
Riggenbach). Nigerien, Locodja, 15. Februar 1903 (leg. Arnold
Schultze) Typus: 1 g' im Zool. Mus. Berlin, Paratypen eben-
dort und in coll. A. Schultze.
16 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Zu Synaptophleps m. gehört außerdem Syn.
(Azygophl.) boisduvali HS., während die untersuchten
Arten scalaris F,aburae Pl,inclusa WIik,asylas
Cr, borchmanni Grünb. und atrifasciata Hmps. .
bei Azygophlebs verbleiben müssen.
Allostylus Mart. Hering, gen. nov. (Genotypus: Allost.
(Cossula) caerulescens Schaus.) Es wurde ein von
Schaus dem Zool. Mus. Berlin übersandtes Exemplar unter-
sucht. Im Vfl entspringt r, aus dem Vrd der Anhangszelle,
r, und r, gestielt, ihr Stiel mit r, kurz aus der Spitze der
Anhangszelle gestielt. r, entspringt in gleichem Abstande
von dem Stiel und m, hinten aus der Anhangszelle. Im
Hfl verläuft sc. ganz frei, rr und m, deutlich getrennt; die
Fühler des g' lang doppelt kammzähnig bis zur Spitze.
II. Castniidae.
Die von Herrn Werner Hopp in Columbien ge-
sammelten Castnien wurden von Herrn Walter Hopp
dem Zool. Mus. Berlin zur Bearbeitung überlassen, wobei
sich einige neue Arten herausstellten. Für das überlassene
Material sei beiden Herren, dem Sammler und dem Geber,
aufs herzlichste gedankt. Die Arten stammen von der West-
küste, Tumaco, am Flusse Jacula, einem ' Nebenfluß des
Rio Patia und aus dem Quellgebiet des Rio Caqueta und
Putumayo.
1. Gazera gephyra Mart. Hering, sp.n. ©. Zwischen
G.daguanaPreiß und G zagraea Feld. Kopf schwarz,
Fühler schwarz mit unten hellbrauner Keule. Halskragen
schwarz, vorn mit einigen roten und blauen Schuppen,
hinten schmal hellgelb gerandet. Patagia schwarz, am Grunde
rotbraun, mit schmaler gelber Spitze. ‘Thorax oben in der
Mitte mit gelbem Querstreifen, hinten mit zwei gelben
Flecken, Useite großenteils gelb. Abdomen schwarz, an
der Basıs dicht, nachher dünner rotbraun beschuppt. An
den Seiten ein rotbrauner, dann wieder ein schmaler
schwarzer Längsstreifen, Useite hellgelb. Beine rotbraun,
z. 1. weiß beschuppt. — Vfl 47 mm lang, also länger als
bei G. daguana Preiß., darin der G. zagraea Feld.
näherstehend. In der Zeichnung ist die neue Art aber
mehr der ersteren ähnlich; jedoch ist der keilförmige Fleck
unter der Basis der Diskoidalzelle hell rotbraun, nicht hell-
gelb wie bei daguana und bedeutend größer. Der folgende
Fleck am Zellende ist an der Kosta weniger verschmälert,
M. Hering. Neue Cossiden und Castniiden. 17
seine Ränder wenig konvergierend. Der folgende große
Bindenfleck vor der Spitze ist nach dem Vrd sehr ver-
schmälert (bei daguana fast parallelrandig!) Er setzt sich
fort in-drei Flecken in den Zellen zwischen cu, und m,,
cu, und an. und an. und ax. Diese Flecken fehlen der G.
daguana. Die submarginale Fleckreihe wie bei der
letzteren. Der Längsfleck hinter cu, am Ird. rotbraun
(bei daguana gelb) und von dem zwischen m, und cu,
liegenden Fleck durch die schwarze Grundfarbe so breit
getrennt, daß die Breite des Trennungsfleckes !/, der Breite
des zuletzt genannten gelben Fleckes beträgt (bei daguana
sehr viel schmaler). Dieser letztgenannte Fleck ıst bei
gephyra rotbraun, bei daguana gelb. Im Hfl dringen
die gelben Submarginalflecke nicht so tief in den schwarzen
Saum ein, sind deswegen nur an der äußersten Spitze
hellgelb, sonst rotbraun. Die davor liegende schwarze
Fleckreihe durch einen viel breiteren rotbraunen Streifen
vom schwarzen Saum getrennt und geht nach hinten nicht
über ax, hinaus, wie bei daguana es der Fall ist. Der
schwarze Wurzelstreifen hat distal von sich in der sub-
marginalen Fleckreihe noch einen runden schwarzen Fleck,
der bei daguana fehlt. Auf der Useite sind die Unter-
schiede zwischen beiden Arten dieselben wie auf der Öseite.
Die Art wurde mit dem Typus von G. daguana Preiß.
verglichen. Patria: Columbien, Westküste. Buena visto, in
700 m Höhe. Typus: 1 9, überwiesen dem Zool. Mus. Berlin.
2.Castnia(Cyanostola) hoppi Mart. Hering, sp.n.
g'. Ami nächsten stehend der C. diva chiriquiensis
Strand. Körper, Fühler und Beine wie bei dieser gefärbt.
Vfl 38 mm lang, unter dem Apex ein wenig mehr ein-
gezogen, ebenso gefärbt wie bei chiriquiensis, Binde
sehr undeutlich, nur durch blassere Bestäubung angedeutet.
Im Hfl reicht der violette Schimmer viel weniger saum-
wärts, dafür ist der rote Rand der F] außerordentlich breit,
nach dem Analwinkel kaum verschmälert, ca. 6 mm breit.
Fransen schwarzbraun und rot gemischt (bei diva schwarz-
braun). Auf der Useite der Vfl der ganze Saum bis zum
Apex rot, letzterer nur mit Spuren von’ schwarzer Be-
stäubung. Der proximale Zweig dieser roten Binde viel
schmaler, ebenso breit wie der distal davon an der Kosta
'hängende schwarze Haken. (Bei diva die rote Binde
mindestens 11/, mal so breit wie der schwarze Haken. Hil
useits ebenfalls mit breitem roten Saum, proximal davon
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein I
Iris zu Dresden. Jahrgang 1923.
18 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
eine rote Fleckreihe, zwischen beiden eine schmale Zone
schwärzlicher Bestäubung. — Patria: Columbien, West-
küste; Buena visto, am 15. Juli 1921 ın 700 m Höhe gef.
Typus: 1 g' im Zool. Mus. Berlin. Die durch ihre breiten
roten Ränder der Hfl auffallend prächtige Art ist zu Ehren
des Gebers, Herrn Walter Hopp-Charlottenburg, benannt,
3. Castnia jeanneei Rebel. Gehört in Gruppe B.
in Strands Bearbeitung im Seitz. Körper und Grundfarbe
der Fl schwarzbraun, bei gewissem Lichte grün bis violett
irisierend. Nur entfernt an C. cacica HS. erinnernd;
Vfl 65 mm lang, mit sehr schmalem, hell schwefelgelbem
graden Querstreifen, der den Vrd. nicht erreicht und
nahezu parallel dem Saum läuft, und kleinem gelben
Zellenfleck. Den Querstreifen fortsetzend befindet sich auf
dem Hfl eine schmale, etwas dunkler gelbe Binde (nicht
rot wie bei cacica), die aus mehreren Flecken zusammen-
gesetzt ıst. Der zwischen sc. und rr liegende Fleck ist
longitudinal ausgezogen, so daß er in der Reihe der Saum-
flecken endet. Die folgenden beiden Flecke oval, darauf
folgen drei halbmondförmige Flecke, deren konkave Seite
distal liegt, dann drei grade Flecken, der letzte am Anal-
winkel verwaschen verbreitert. Vor dem Saum stehen fünf
ebenso gefärbte rundliche Flecke in jeder Zelle zwischen
rr und cu,. Useits ähnlich, die gelbe Binde der Vfl heller
und breiter, außerdem vor dem Saum eine gelbe Fleckreihe
zwischen r, und an., in jeder Zelle ein Fleck. Im Hfl die
gelben Flecke etwas braun bestäubt, in der Mitte der
Medianbinde nicht so deutlich halbmondförmig wie oben.
Fransen der Hfl schmutzig weiß, z. T., besonders am Innen-
winkel, grau übergossen. — Patria: Columbien, Jacula
Pacico, Juli 1921. 1 9' in coll. Walter Hopp.
4. Castnia govara Schaus. ©. Diese Art ist nicht,
wie Strand im Seitz vermutet, eine g'-Form von C. vera-
guana Westw. Von Hopp wurde das zugehörige © er-
beutet, dessen Beschreibung hier folgt.
Vfl fast nicht von denen des g'! verschieden, nur ist
der außerhalb der Mittelbinde der Vfl liegende angedeutete
helle Raum beim © größer und heller. Hfl wie beim g\,
das rote Band am Apex zwischen sc. und m, springt tiefer
wurzelwärts vor und deutet so eine postmediane Binde an,
die in Spuren von rötlicher Bestäubung auch in andern
Zellen nachzuweisen ist. Auf der Useite der Vfl ist der
genannte helle Raum viel größer und mit dem Mittelbande
- M. Hering. - Neue Cossiden :und Castniiden. 19
zwischen m, und cu, verschmolzen; das Mittelband reicht
bis cu,. Die Hfl sind-dunkelbraun, vor der Mitte zwischen
sc. und m, rötlich violette Bestäubung. Eine violett be-
stäubte, schwarz begrenzte dunkle Querlinie läuft hinter
der Mitte von rr zum Tornus, vor letzterem etwas geknickt,
am Saum ebenfalls violette Bestäubung, davor drei dunkler
braune Bogenlinien, zwischen den letzten beiden ebenfalls
violette Bestäubung. Länge des Vfl 60 mm. — Patria: Co-
lumbien, Muzo; Mai 1921. Typus: 1 @ in coll. Walter Hopp.
Ferner wurden folgende Castnien von Herrn Werner
Hopp erbeutet: C. hodeei Oberth. (Muzo), C. papi-
lionaris WIk. (Putumayo), C. evalthoides Strand
(Condagua), C. divaBtl., C.cronida HS. Q (Putumayo),
C. atymnius Dalm. (Westküste). C. licus Dru.,
meonessBed. und:C. licoidella Strand; C.tara:-
potensis Preiß (Mocoa), C. inca WIk. mit einer Form
ohne schwarzes Wurzelfeld der Hfl, an dessen Stelle nur
ein rotbrauner Längsstreifen in der Zelle, der zum Apex geht.
Nachbemerkung. Infolge der traurigen Zustände
der Nachkriegszeit und des dadurch bewirkten Fehlens
. ausländischer Literatur war es dem Verfasser nicht möglich,
die Arbeiten von Barnes & Mc. Dunnough über
Cossiden und die von Houlbert & Oberthür über
Castnien einzusehen, so daß beide in der vorliegenden
Abhandlung nicht berücksichtigt werden konnten.
Bücherbesprechung.
R. Ferreira d’Almeida: Melanges L&epidopterologiques.
Etudes sur les Lepidoptereres du Bresil. Berlin, R. Friedländer und Sohn,
1922, lautet der Titel eines in französischer Sprache verfaßten Buches von
226 Druckseiten, das hauptsächlich durch die Fülle biologischer Beobachtungen
von hervorragender Bedeutung für die Schmetterlingskunde ist. An 149
verschiedene Arten wurden vom Verfasser gezogen und deren Entwicklungs-
stände ausführlich, meist überhaupt zum ersten Mal, leider ohne Beigabe
von Abbildungen, beschrieben. Außerdem finden sich einige systematisch
wichtige Notizen in dem Werke verstreut vor. Vermissen wird man nur
einige einleitende Worte, die die unverständliche Numerierung der Arten,
beginnend mit Papilio Nr. 5, 4, 1,6, 13, 8, 11 usw., erklärt hätte, so wie
eine genauere Angabe der Fundorte, denn das riesige Reich, Brasilien,
dürfte in klimatologischer und faunistischer Hinsicht doch zu große Ver-
schiedenheiten aufweisen, um an wenigen Stellen gemachte Beobachtungen
(der Verfasser ist in der Prov. Rio de Janeiro seßhaft) verallgemeinern zu
können. Die kleine und große Schreibweise der Artnamen, die angewendet
wird (z. B. Papilio Iysithous Platydesma R.H.) ist mindestens recht ab-
sonderlich. Ze K.M.H.
20 Deutsche Entomol. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz.
Von Julius Stephan, Reinerz (Friedrichsberg).
Vorbemerkungen.
Das Kesselland der Grafschaft Glatz, politisch die Kreise
Glatz, Habelschwerdt, Neurode umfassend und der Provinz
Niederschlesien (und zwar dem Regierungsbezirk Breslau)
zugehörig, ist eine geschlossene Landschaftseinheit. Ein
viereckiger Gebirgsrahmen schließt es fast ringsum ein
und hebt es scharf aus der Sudetenlandschaft heraus. Der
höchste und gewaltigste (wenn auch nicht der längste)
dieser Wälle ıst das den ganzen Südostrand ausfüllende,
aus Urgestein (Gneis, Glimmerschiefer) bestehende, Glatzer
Schneegebirge, das sich vom Paß von Mittelwalde in
beträchtlicher Breite bis zum Altvatergebirge erstreckt und
in der mächtigen kahlen Kuppel des Großen Schnee-
berges eine Höhe von 1424 m erreicht. Es entsendet
sowohl nach dem Innern des Kessels als auch nach Mähren
mehrere Bergreihen und fällt nach beiden Seiten hin steil
ab. (Der 25 m hohe Wölfelsfall ist der bedeutendste
Wassersturz Schlesiens). Das Schneegebirge bildet eine
berühmte Wasserscheide, denn die auf ihm entspringenden
Gewässer nehmen ihre Richtung nach drei Meeresgebieten
hin: Die Glatzer Neisse (Wölfel, Mohre) durch die Oder
zur Ostsee, die Stille Adler durch die Elbe zur Nordsee,
“die March durch die Donau zum Schwarzen Meer. Der
äußerste rechte Flügel des Schneegebirges führt die Be-
zeichnung Bielengebirge; es endigt am Eckpfeiler des
Fichtlich (1128 m) und schließt die mit alpiner Pflanzenwelt
bestandene, von dichten, urwaldähnlichen Forsten umge-
bene Hochfläche der Saalwiesen (1032 m), einen Flugplatz
von Erebia melampus sudetica Ob., ein. |
Die nordöstlichen Randgebirge ziehen sich an der
schlesisch-glätzischen Grenze als eine mehr als 50 km lange
Mauer hin, die sich nach ihrer Entstehung und ihren Berg-
formen in drei Teile gliedert. Der südliche, das Reichen-
steiner Gebirge, läuft von der Östecke der Grafschaft
bis zum Paß von Neudeck und besteht gleichfalls aus
Gneis und Glimmerschiefer; nur stellenweise sind die alten
Gesteine von Granit- und Basaltdurchbrüchen durchstoßen.
(Die höchste Erhebung ist der Gneisgipfel des Heidel-
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. Bi
berges [902 m] unweit von Bad Landeck.) Der mittlere
Teil, das Warthagebirge, reicht vom Paß von Neudeck
bis zum Paß von Silberberg und wird durch den Paß von
Wartha, den sich die Glatzer Neisse geschaffen hat, in
zwei Stücke zerlegt. Es baut sich fast durchweg aus Grau-
wackenschiefer und Grauwackensandstein auf und erreicht
nicht die Höhe der Nachbargebirge (Königshainer Spitz-
berg bei Glatz 752 m). Der nördliche Teil endlich ist der
steile Gneiswall des Eulengebirges, der bei Silberberg
beginnt und in der Hohen Eule (1014 m) endigt.
Im Nordwesten der Grafschaft zieht sich als scharf-
kantiger Zug das Heuscheuergebirge von Böhmen
herüber, dort die Felsen von Adersbach und Weckelsdorf
bildend, im Glatzer Ländchen sich in zwei Aeste gabelnd,
von denen der südliche, die Friedrichsgrunder Lehne, klotz-
artig aus dem Tal der Reinerzer Weistritz aufsteigt, an
Rückers, Johannesthal und Friedrichsberg vorbeizieht und
in dem schroffen Tafelzuge des Spiegelberges (mit den
sog. „Wilden Löchern“) endigt; der nördliche Arm heißt
Wünschelburger Lehne und tritt bei dem Städtchen
Wünschelburg in das zu Böhmen gehörige Braunauer
Ländchen über. Zwischen diesen Armen liegt eine mäch-
tige breite Hochfläche, auf der sich die Sandsteinkolosse
der Großen Heuscheuer (920 m) und Kleinen Heuscheuer
4890 m), die Glanzpunkte der Grafschaft, erheben.
Zwischen Heuscheuer- und Eulengebirge, im nördlichen
Teile des Kreises Neurode, breiten sich Ausläufer des
Waldenburger Gebirges aus. Rotliegendes, Porphyr,
Melaphyr und Gabbro überdecken hier den Neuröder
Steinkohlengürtel.
Die Südwestseite des Glatzer Kessels wird von einem
Doppelrahmen gebildet, zwei parallel laufenden Bergzügen,
dem fest geschlossenen vom Eckpfeiler der Hohen Mense
(1084 m) ausgehenden und fast ganz auf böhmischer Seite
liegenden Adlergebirge und dem viel breiteren, aber
_ niedrigeren, durch das Kressental geteilten Habelschwerd-
ter Kamm. Beide beginnen am Paß von Mittelwalde und
endigen an der Senke, die von Glatz über Reinerz nach
Nachod zieht; sie sind von einander geschieden durch eine
lange Talflucht, deren höchster Punkt das in floristischer
und faunistischer Hinsicht hochinteressante, jetzt zum staat-
lichen Naturschutzgebiet erklärte Hochmoor der Seefelder
(750 m) bildet. Beide Züge bestehen aus Urgestein, in das
22 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
stellenweise Kalk eingeschaltet ist; der Habelschwerdter
Kamm zeigt auch, namentlich im östlichen Teile, vielfach
Quadersandstein. — |
Von diesen Hauptgebirgszügen, auf deren Kämmen ge-
wöhnlich die Grenzen entlang laufen, ziehen sich in das
Innere des Landes niedrigere Querzüge, zwischen denen sich
zahlreiche Täler öffnen. Die Hauptlängstäler des Kessels
sind das Tal der Glatzer Neisse, das der Landecker Biele,
das der Steine und das der Reinerzer Weistritz, die sich
sämtlich unweit der Stadt Glatz vereinigen. Ein sehr
großer Teil der recht reichlichen Wassermassen fließt in
diesen Talmulden bis zum niedrigsten Punkte der Graf-
schaft, dem tief eingesägten Paß von Wartha (270 m).
Das Klima der Grafschaft Glatz ist entsprechend der
Lage und der rings sich erhebenden hohen Gebirge ein
ziemlich rauhes, nur einige geschützt liegende Täler machen
hierin eine Ausnahme. Die Durchschnittstemperatur der
höheren Tallandschaften kommt etwa der des mittleren
Schweden gleich. Die mittlere Jahrestemperatur des relativ
günstig gelegenen Glatz (286 m hoch) beträgt etwa 7,5°C,
die von Reinerz (560 m) etwa 6° C, die von Friedrichs-
berga. d.Heuscheuer (770 m), meinem derzeitigen Wohn-
orte, etwa 5°C. Das Städtchen Habelschwerdt hat
ein Jahresmittel von 7,3°, eine mittlere Sommerwärme von
13,1°, eine mittlere Wintertemperatur von 4 1,4°, einen
mittleren Barometerstand (Normalhöhe) von 731 mm. Der
Winter ist lang und ziemlich streng; in höheren Lagen
fällt das Quecksilber aber fast niemals so tief wie manch-
mal in der Ebene. Der Frühling ist nur von kurzer Dauer
und durch oftmalige Kälterückschläge ausgezeichnet; in
tieferen Tälern tritt er ca. 3 Wochen früher ein als in etwa
800 m hoch gelegenen Orten. Die höchsten Erhebungen
haben keinen frostfreien Monat. Der Herbst ist gewöhnlich
beständig, wenn auch oft recht kurz. Lange, kalte, schnee-
reiche Winter mit darauffolgenden warmen Sommern sind
übrigens, wie ja auch von anderen Orten her bekannt ist,
für die Entwicklung der Schmetterlinge bei weitem günstiger
als mildeWinter mit folgenden kühlen regnerischen Sommern.
Freilich haben viele Arten, die in der Ebene zwei Genera-
tionen haben, in den Höhen nur eine Brut. Sehr wärme-
liebende Falter fehlen bei uns; so sind die Hesperiden und
Satyriden nur spärlich vertreten. (Die Gattung Satyrus
hat meines Wissens hier nur eine einzige Art: semele L.)
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 25
Was die Feuchtigkeitsverhältnisse betrifft, so ist
zunächst zu sagen, daß Niederschläge in Form von Regen
und Schnee besonders auf den Höhen sehr reichlich sind.
Bei 500 m Höhe betragen die Niederschlagsmengen im Jahre
durchschnittlich 80 cm, bei 700 m Höhe 90 cm, bei 900 m
Höhe 100 cm, bei 1200 m Höhe 115 cm, wobei allerdings
zu berücksichtigen ist, daß diese Zahlen gewissen lokalen
Schwankungen unterworfen sind. Recht regenreich sind
die Gebiete um Bad Reinerz und Bad Landeck. Die Anzahl
der Tage mit Schneedecke beträgt bei 500 m Höhe etwa
100, bei 900°. m Höhe etwa 150, bei 1400 m etwa 185 (also
mehr als !/, Jahr). Nebel sind auf den Höhen außer-
ordentlich häufig, vorzüglich im Herbst und Frühjahr.
Gewitter kommen oft vor, durchschnittlich im Jahre 30; die
Grafschaft Glatz gehört demnach nebst einigen Teilen
Böhmens zu den gewitterreichsten Gegenden Europas.
Die geologischen, die Wärme- und Feuchtigkeitsverhält-
nisse, sowie die bedeutenden Höhenunterschiede (270 bis
1425 m) sind dıe Hauptbedingungen für eine abwechslungs-
reiche Flora und Fauna. Die höheren Gebirge sind
größtenteils mit Waldungen bedeckt, von denen allein die
fiskalischen Forsten von Carlsberg, Reinerz und Nessel-
grund eine Fläche von 13000 ha einnehmen. Vorherrschend
ist die Fichte, während Tanne und Kiefer stark zurück-
treten. Ausgedehnte Buchenwaldungen sind nicht häufig,
finden sich auch meist nur auf Plänerboden und Basalt-
kuppen. Erlen- und Weidengebüsch zeigt sich an Fluß-
und Bachufern, auch in der Höhe. Eichen, Linden und
Pappeln sind spärlich vertreten; erstere gehen kaum höher
wie 600 m. Birken, Espen, Ebereschen, Vogelkirschen,
Bergahorn finden sich häufig, desgleichen niedere Vorhölzer,
wie Hasel, Weißdorn, Brom- und Himbeere, Hagebutten,
Schneeball, auch Schlehe und Wachholder. Heidel- und
Preiselbeeren sind sehr reichlich vorhanden. Schon in
Höhen von 400 m beginnt in den. Tälern der montane
Pflanzencharakter, der je höher hinauf um so mehr zur
Geltung gelangt. (Meum, Petasites, Aruncus, Lunaria,
Arnica, Thlaspi usw.). Flora und Fauna der höchsten
Erhebungen sind subalpin, z. T. alpin. _ Charakteristische
Hochmoorpflanzen: Moorkiefer, Moorbirke, : Zwergbirke,
Sumpfheidelbeere, Carex-Arten u. dgl. }
Zusammenfassende Daten über die Schmetterlingsfauna
möchte ich erst nach Abschluß .der ganzen Arbeit, deren
24 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
erster Teil ja nur erst vorliegt, geben. Die Zahl der Tag-
falterarten ist in dem engbegrenzten, klimatisch wenig
begünstigten Gebiet eine relativ hohe, nämlich 100. Für
die ganze Provinz Schlesien (einschließlich Gesamt-Ober-
schlesien und des früheren Oestreich-Schlesien) gibt die
demnächst zu erwartende Neuauflage des Wockeschen Ver-
zeichnisses 130 an. Auf die einzelnen Familien verteilt,
kommen im Glatzer Lande vor: 2 Papilioniden, 11 Pieriden,
16 Satyriden, 29 Nymphaliden, 1 Erycinide, 22 Lycaeniden,
9 Hesperiden. (Nur einige wenige Spezies sind als nicht
ganz sicher zur Fauna gehörig zu betrachten.) Wie schon
erwähnt ist die Artenzahl der Hesperiden und Satyriden
verhältnismäßig niedrig, erstere beträgt 56 ,, letztere 64 ®,
der Gesamtartenzahl für Schlesien. Reich vertreten sind
die Pieriden (92 %,) und Nymphaliden (85°/,). Charakter-
istische Bergfalter sind Erebia melampus sudetica Stgr.,
ligea L. und euryale Esp.; erstere fliegt nur noch im Alt-
vatergebiet, sonst merkwürdigerweise nirgends auf den
Sudeten. Ausgesprochene Bewohner des Moores (See-
felder u. dgl.) sind Colias palaeno-europome Esp. und
Lycaena optilete Kn. — Als Ueberläufer aus dem benach-
barten schlesischen (Paß von Wartha) und böhmisch-
mährischen Gebiet (Pässe von Nachod und Mittelwalde)
betrachte ich u.a. Apatura ilia Schiff., Vanessa xanthomelas
Esp., Polygonia l-album Esp. Ausgerottet bzw. nicht mehr
nachweisbar sind die beiden Parnassier apollo L. und
mnemosyne L. — |
Daß genaue Angaben von Fundorten seltener und ge-
fährdeter Arten in dem nachfolgenden Verzeichnis absicht-
lich vermieden worden sind, wird jeder Entomologe und
ernsthafte Sammler ohne weiteres verständlich finden.
+ % »K
Bei der Abfassung der vorliegenden Arbeit bin ich in
dankenswerter Weise durch die Herren Medizinalrat Dr.
Dannenberg-Glatz, Rektor Scholz-Lewin, Rektor Hedwig-
Breslau, Lehrer Guder-Voigtsdorf, Kretschmer-Landeck,
Raebel-Hindenburg O./Schl. u. a. unterstützt worden; den
beiden erstgenannten Herren schulde ich besondern
Dank für freundliche Durchsicht und Ergänzung des
Manuskripts. |
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 25
Abkürzungen:
F = Falter, R—= Raupe, P = Puppe, Fl = Flügel, Vfl
— Vorderflügel, Hfl = Hinterflügel, Gen. — Generation,
g. v.—= Frühlingsgeneration, g. aest. = Sommergeneration.
Literatur-Nachweis.
Neustädt und Kornatzki, Die Schmetterlinge Schlesiens.
Breslau, 1842.
Catalogus Lepidopterorum Silesiae. Breslau, 1853. |
Aßmann, Verzeichnis der in der Grafschaft Glatz, vorzugs-
weise in der Umgebung von Reinerz vorkommenden
Schmetterlinge. In „Der Kurgast in Reinerz‘‘ 1858.
" Wocke, Verzeichnis der Falter Schlesiens. Breslau, 1872.
Nickerl, Verzeichnis der Großschmetterlinge von Böhmen.
Prag, 1897.
Pax, Die Tierwelt Schlesiens. Jena, 1920.
Pagenstecher, Die geograph. Verbreitung der Schmetter-
linge. Jena, 1909.
Skala, Lepidopterenfauna von Mähren. In Frankf. Ent.
Zeitschr. 1913.
Scholz, Ed. J. R., Insekten-phänologische Beobachtungen in
„Jahresberichte des Schles. Lehrervereins für Natur-
kunde. Görlitz, 1908—11.
Stephan, Fliegende Blumen. Mittelwalde, 1923.
Grützner, Hundert biologische Fragen und Antworten aus
der heimischen Insektenwelt. Beuthen, 1910.
Lederer, Handbuch für den praktischen Entomologen.
Frankfurt, 1922.
Meyer, Die Nährpflanzen der in Europa lebenden Raupen.
Frankfurt, 1922.
Kleine, Unsere heimischen Schmetterlinge, Leipzig, 1922.
Glaser, Die niedere Tierwelt. Mannheim, 1875.
Ferner die einschlägigen Werke von Seitz, Hofmann-
Spuler, Berge-Rebel, Rühl-Heyne-Bartel, Lampert, Stand-
fuß, Staudinger-Rebel, Eckstein. |
Periodica:
Jahreshefte des Vereins für schlesische Insektenkunde
(Breslau). Deutsche Entomolog. Zeitschrift Iris (Dresden),
Berliner Entom. Zeitschrift, Gubener Entom. Zeitschr., Frank-
furter (früher Stuttgarter) Entom. Zeitschr., Entomol. Rund-
26 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
schau (früher Insektenbörse und Entomol. Wochenblatt),
Stuttgart, Societas entomologica (Zürich, Stuttgart), Entomol.
Mitteilungen (Dahlem), Entomol. Anzeiger (Wien), Zeitschr.
für wissensch. Insektenbiologie (früher Zeitschr. für Ento-
mologie, Neudamm), Berlin. — Entom. Jahrbücher, Leipzig.
Papilionidae.
Papilio podalirius L. Nicht überall, bevorzugt wär-
mere Lagen. Nur in manchen Sommern (1911, 17, 21, 22)
häufig, in manchen Jahren sehr spärlich. Im Gebirge bis
900 m. Ende IV bis Mitte VII; die spät erscheinenden Tiere
sind „Nachzügler‘, entstammen nicht einer 2. Generation. —
Ei ruht 2—3 Wochen. R häutet sich 5 Mal, verläßt nie ihr
Futter. Nährpflanzen: Prunus spinosa, avium, domestica,
Pirus communis, Crataegus, in höheren Lagen auch Sorbus.
P gelblich oder grünlich, überwintert. — Von Äberrationen
sind in der Grafschaft beobachtet worden: ab. ornatus Wh.
(von Stephan an den Böhmischen Häusern bei Friedrichs-
berg) u. ab. undecimlineatus Eim. (Guder bei Späten-
walde); Uebergänge zur letzteren häufig.
P. machaonL. Nicht selten, vornehmlich im Sommer;
im Juli 1922 in großer Anzahl. In tieferen und mittleren Lagen
regelmäßig 2 Generationen: Ende IV— VIu.VII,VII, Anfg. IX.
(Ich fand 1 Exempl. noch 19. IX. 21 bei Friedrichsberg in
770 m Höhe). Im höheren Gebirge wohl nur einmal jährl.;
ist noch in 1200 m Höbe angetroffen worden. F nächtigt
auf Bäumen, auch freistehenden Blumen. Frische Stücke
duften intensiv nach Fenchel. Kopulation in den Mittags-
stunden. Eidauer 8—10 Tg. R häutet sich nur 4 Mal;
wird, obwohl sie in ihrer Nackengabel ein „Abwehrorgan“
besitzt, häufig angestochen. Futterpflanzen: Umbelliferen,
besonders Daucus (Il. Gen.), Carum, Pimpinella (II. Gen.).
P der Sommerbrut meist grün, der Herbstbrut gelb bis
braun, überwintert zuweilen mehrmals (Torka). — In der
Grafschaft beobachtete Aberrativformen: ab.sphyrus Hbn.
(von Kretschmer bei Bad Landeck, von mir bei Friedrichs-
berg a. d. Heuscheuer), ab. aurantiaca Spr. (Stephan bei
Friedersdorf), ab. pallida Tutt (Stephan bei Friedrichs-
berg), ab. bipunctata Eim. (Stephan bei Carlsberg), ab.
contluens Schultz u. ab. dissoluta Schultz (Stephan bei
Friedrichsberg u. Johannesthal), ab. rufopunctata Whl.
(Stephan bei Seitenberg), ab. convexifasciatus Cuno u.
concavifasciatus Cuno (Stephan bei Keilendorf), ab,
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 27.
marginalis Rott (Stephan bei .Kessel). Zwei interessante
monströse Exempl. erbeutete ich VIII 22; ein Stück besitzt
schmale, eingebuchtete Vfl von goldbrauner Färbg., das
andere einen seltsam verkürzten rechten Vfl. — Riesen-
stücke beobachtete E. Scholz bei Neundorf u. Pompe bei
Ullersdorf.
— Parnassius apollo L. u. mnemosyne L. Kamen bis
zur Mitte des vorigen Jahrhunderts im Glatzer Lande vor
(Assmann); müssen jetzt leider als ausgestorben gelten.
Näheres hierüber findet sich in meinem soeben bei Walzel-
Mittelwalde erschienenen Buche ‚Fliegende Blumen‘.
ERS. Pieridae. A ae
Aporia crataegiL. Nur hie u. da in gewissen Jahren,
1897 (bei Landeck), 1907 (Giersdorf, Bad Langenau, Verloren-
wasser, Mittelwalde), 1908 (Seitenberg, Landeck, W olmsdorf),
1916 (Friedrichsberg, Carlsberg, Bad Kudowa, Straußeney),
sehr häufig; meist spärlich oder ganz fehlend. — Ende V bis
Anfg.VII, in höheren Lagen noch Mitte VII.. F fliegt elegant
segelnd, nächtigt in Getreidefeldern (Dietze), besucht gern
Feldblumen, nach meinen Beobachtungen auch blühenden
Flieder. — Eiablage auf der Blattoberseite. R. sehr sonne-
‘ liebend, überwintert nach der 1.Häutung. Futterpflanzen:
alle Obstbaumarten, Crataegus, Prunus spinosa, auch Sorbus.
P sehr beweglich, reich gezeichnet (im Gegensatze..zum
zeichnungslosen F). Auf beschränktem Raum schlüpfen oft
sehr viele F aus, behindern u. beschmutzen sich dann
gegenseitig; sowohl 1908 als 1916 beobachtete ich zahlreiche
Exempl. mit Exkretionsflecken. Uebergänge zu der hyalinen
Form alepica Csm. nicht selten.
Pieris brassicae L. Ueberall gemein bis ins höhere
Gebg. Die I. Generation chariclea Stph. (von Ende IV bis
Mitte VI) mehr vereinzelt, die II. Gen. (VII—IX) sehr häufig,
oft massenhaft, doch in gewissen Jahren mit kaltem Vor-
sommer spärlich (1907, 1922). Massenwanderungen
wurden in der Grafschaft 1908 (Glatz, Warthapaß), 1910
(Landeck, Neurode), 1917 (Habelschwerdt, Langenau,
Mittelwalde), 1920 (Glatz, Reinerz) beobachtet. — Flug aus-
dauernd, zieml. rasch, oft wird 1 Q@ von mehreren J'g!
gejagt u. umwirbelt. F nächtigt in Furchen der Kartoffel-
äcker, an Kartoffelkraut, in u. an Sträuchern. Kopulation
nachmittags; bei fliegenden Pärchen trägt in der Regel
das g'.das © (Gillmer), ich beobachtete indes auch einmal
28 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
den umgekehrten Fall. — Eiablage meist an der Blatt-
unterseite. R schlüpft nach 4—8 Tg., häutet sich 4 Mal.
Futterpflanzen: wildwachsende Cruciferen (I. Brut), allerlei
Kohlarten, Raps, Radieschen u. dgl. (II. Brut). P je nach
der Färbg. des Untergrundes verschieden gefärbt, die der
Sommergeneration mit einem Dornenpaar versehen (Dr.
Fischer in Societas entomologica, 35. Jhrg., No.6). F schlüpft
morgens aus. Zwergstücke beider Generat. häufig. Ein
kleines g' der Aberrativform reducta Frtsch. fing ichVI1917;
ein Exempl. der ab. obscurata Ob. fand Ing. Berndt 1910
bei Reichenstein.
P.rapaeL. Fast ebenso gemein wie brassicae, in höheren
Lagen aber zuweilen selten. Die I. Gen. metra Stph.(IV—V])
weitaus spärlicher als die Sommerbrut (VII, VII). In Küchen-
gärten u. auf Krautfeldern häufig ganze Wirbel legebe-
dürftiger 99. Die g'g'! nächtigen im Gebüsch, auch an
hellen, reifen Haferrispen, die QQ mehr an niederen Pflanzen.
Eier einzeln an Ober- u. Unterseite von Blättern. R träge,
wärmeliebend, wachsen rasch, fressen auch Blüten von
Cruciferen. — Aberrationen: deleta Strand (3 ©9 von
mir bei Friedrichsberg), messanenis Zell. (öfters unter der
Sommerform), leucotera Stef. (unter der Frühjahrsform),
flavescens Röb. (2 QQ von Stephan bei Seitenberg, 19
bei Friedrichsberg), immaculata Cck (1 g! bei Landeck,
1 asymetrisch gezeichnetes [links normal, rechts ohne Dis-
kalfleck] bei Karpenstein).
P.napiL. Nicht ganz so gemein wie brassicae u. rapae,
ım Walde u. im höheren Gebg. aber der häufigste Weiß-
ling. Die I. Gen. Mitte V—VI, die zahlreichere Sommerform
napaeae Esp.VII—IX, Nachzügler noch an warmen Oktober-
tagen. F hat ein großes Trinkbedürfnis. (Im heißen Sommer
21 fand ich an einem Rinnsal der Heuscheuerstraße eine
„Schule“ von 39 Exempl., ausnahmslos J'g'.) Nächtigt in
ganzen Genossenschaften im Unterholz u. Gebüsch der
Waldränder, die Q@ auch frei an hellen Blüten. Fälle von
Necrophilie habe ich mehrfach konstatiert (Zool. Beobachter,
49. Jhrg.,. No. 6). R meist an wilden Cruciferen. P zeigt
Saisondichroismus. — Die ab. impunctata Röb. kommt
häufig unter der g. v. vor, hin u. wieder aber auch unter
der g. aest. Zwergformen (nana Rb.) habe ich in beiden
Geschlechtern öfters gefunden, ebenso stark gezeichnete
Stücke (sabellicae H.). Am Fuß des Heuscheuer fing ich
V17 19 ab. virilis Rb., im V 22 ein Uebergangsstück zu
_ J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 29
Q@f.meta Wgn. Ein Stück der dunklen ab. radıata Rb.
fand Dr. Dannenberg am Glatzer Schneeberg; die
Form soll auch anderwärts (Seefeldern?) beobachtet wor-
den sein.
Leucochlo& daplidicel. In der Ebene meist häufig,
oft gemein, in höheren Lagen selten oder ganz fehlend, in
600—800 m Seehöhe ist mir die Art in 15 Jahren nur
zweimal (1910, 1922) zu Gesicht gekommen. Dieg.v. belli-
dice O©.(V, VI) überall spärlicher als die g. aest (VII, VID;
‚unter letzteren finden sich zuweilen Stücke der ab.raphani
Esp. (10. VII. 22 Stephan, Friedrichsberg). Dem F wird
von großen Raubfliegen eifrig nachgestellt, wird auch häufig
von Drosera „eingefangen‘ (Natur, 13. Jhrg., H. 22). R an
trockenen sonnigen Stellen, auf Alyssum, Sisymbrium,
Turritis, auch an Reseda, Kresse, Kohl; frißt gern Blüten
und Samen. =
Anthocharis cardamines L. Von Ende IV bis VI],
in höheren Lagen von Mitte V bis Anfg. VII. Das © ent-
fernt sich nie weit vom Erdboden. F nächtigt in dichtem
Gebüsch; von einem blühenden Fliederstrauch scheuchte
ich einmal Dutzende schlafender F auf. R wächst unregel-
mäßig; man findet im Freien alle Größen. Futterpflan-
zen: Cardamine, Turritis, Alliaria, Sisymbrium, Arabis,
Hesperis, Capsella; R frißt auch Blüten und Schötchen.
überwintert zuweilen zweimal. — Zwerghafte Stücke
beider Geschlechter (hesperides Newn.) nicht selten.
Beobachtet wurden ab. turritis O. (Johannesthal von
Stephan), ab. immaculata Pbst (Stephan, Friedrichsberg),
ab. alberti Hffm. (bei Carlsberg, Passendorf), ab. lutea
Gillm. und Transitionen hierzu (Seitenberg, Friedrichsberg),
ferner die von mir(Ent.Rdschau, 34. Jhrg., No 3) beschriebene
ab. flaveoradiata Jul. Steph') (Ende V 1914 u. 20. VI 16
an den Hängen des Spiegelbergs). Zwei im V 1915 er-
beutete QQ haben am Vrd der Vfl einen stark schwarz be-
stäubten Streif, der von der Wurzel bis zum Mittelmond
zieht; ich nenne diese Form ab. umbratilis Jul. Steph.
Ein Pärchen von Friedrichsberg (V 1920), sonst normal,
besitzt sehr stark ausgebildete schwarze Randflecke der
Hfl: nov. ab. marginemaculata Jul. Steph. Zwei
dd" (V 1916 u. 17 in 750 m Höhe an der Heuscheuer-
1) Diese Form ist, wie mir Herr Warnecke schreibt, auch bei Kiel
gefangen worden.
30 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923...
straße gefangen), zeigen o.berseits den ganzen Flügelraum
zwischen Wurzel u. Orangefleck gelb überlaufen; für
diese exquisite Aberration schlage ich die Bezeichnung
luteola Jul. Steph. vor. (Bei einem weiteren Stück sind
nur Spuren dieser Gelbfärbung zu bemerken.) |
Leptidia sinapis L. Nirgends häufig; hie und da
in Tälern, in höheren Lagen sehr vereinzelt, geht nicht über
600 m hinauf. (Seitenberg, Winkeldorf.) Die g. v.lathyri
Hb. (Ende IV, V) im allgem. seltener als die g. aest. (VII,
VID; doch ist mancherorts der umgekehrte Fall konstatiert
worden. Ein @ der ab.erysimi Bkh. fand ich 30. V. 1908
auf dem Wege von Seitenberg nach Wolmsdorf. F ver-
läßt fast nie den windgeschützten Wald, nächtigt an den
Hängeköpfchen von Anemonen. RanLotus, Vicia, Lathyrus,
Coronilia u. a. Papilionaceen, aber niemals an „Senf“.
Colias palaenoL.v.europomeEsp. Glazialrelikt;
nur auf den Seefeldern bei Reinerz u. in der nächsten Um-
gebung dieses jetzt zum Naturschutzgebiet erklärten Hoch-
moors. Von Mitte VI bis Ende VII. Unter den ©Q die
seltene gelbe Form illgneri Rühl, etwas häufiger die licht-
zitronengelbe illgnerina Vorbr. Am 29. VI. 1921 fing
ich 3 g'g', am 5. VII. 21 zwei weitere J'g' von ganz
blaßgelber Grundfärbung, die auffallend an die nordische
Norminatform palaeno palaeno L. erinnert; ich benenne
diese „Rückschlags“-Aberration atavista Jul. Steph. —
R.an Vaccinium uliginosum, sehr träg, geht nach 2. Häutg.
in den Winterschlaf. P zeigt wenig Leben, ruht 2—3 Wch.
C. hyale I. Die I. Gen. (V, VI) gewöhnlich weniger
häufig als die II. Gen. (VIII, IX); im Frühjahr 22 war der
F indes viel zahlreicher als im Hochsommer (Folge ab-
normer Witterungsverhältnisse!) In günstigen Jahren auch
in höheren Lagen (bis 900 m) häufig, sonst spärlich. F saugt '
auch an feuchten Bodenstellen. Eier werden einzeln oder
zu mehreren abgelegt. R fressen im letzten Stadium sehr
gierig. Futterpflanzen: Trifolium, Vicia, Coronilla, Lotus,
Hippocrepis, Medicago. P hängt an Futterzweigen. F. recht
variabel. Beobachtet:ab. inversa Alph. (VI 22, Stephan,
Friedrichsberg), ab. obsoleta Tutt (1 g', 15. VII 21,
Friedersdorf), ab. intermedia Tutt (2 g'VIL 1916, Wünschel-
burg), ab. apicata Tutt (VI 22, Kessel), ab. flavo-
fasciata Lb.(V 21, Friedrichsberg), ab. pallida Tutt
(VII 1917, Passendorf). Bei Keilendorf- fing ich VIIE 22
mehrere winzig kleine Stücke (ab. heliccides Se.) .
ie ER nn ERTETETTTT —.
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. at
C. croceus Fourc. (edusa F.) Fehlt in den meisten
Jahren völlig, auch sonst nur sehr vereinzelt. Ist 1910 an
‘ verschied. Orten der Grafschaft (Habelschwerdt, Landeck)
beobachtet worden; seitdem fing ich ein einziges Exem-
_ plar, ein frisches g', am 3. VIII 22 in meinem Garten in
|
Friedrichsberg.
Gonepteryx rhamni L. Ueberall häufig, in manchen
Jahren (1917, 21, 22) sehr zahlreich; kommt noch in den
höchsten Lagen vor. Frisch geschlüpfte Stücke von Ende VI
an; Ueberwinterer von den ersten milden Vorfrühlingstagen
‚ bis Mitte VI. Kopulation bei uns ausnahmslos im Frühjahr;
‘ vereinigte Pärchen (der g' trägt in der Regel das ©) sieht
_ man nicht selten fliegen. Eier an der Blattoberseite. R fertigt
' sich ein seidenes Fußpolster. Futterpflanze: Rhamnus;
‚In höheren Lagen, wo dieser nicht vorkommt, vermutlich
[
Vaccinium. P fast unbeweglich. F schlüpft morgens; über-
‚ wintert an der Unterseite von Heidelbeer-, Brombeer-,
Efeublättern, auch zwischen Grasbüscheln; die Q9 schwer
‚ auffindbar. — Unter der normalen ©-Form kommt als
' Seltenheit ab. intermedia Tutt vor (10. VII 22, Stephan,
' Heuscheuer). Ein Zwergstück (g'! von noch nicht 4 cm
Spannweite) ging mir VII 21 bei Friedrichsberg ins Netz.
Satyridae.
Melanargia galathea L. In tieferen Lagen u. in den
Tälern meist häufig, höher hinauf in manchen Jahren zieml.
selten. VII, VII; die QQ etwas später als die g'g'. Kopu-
lation auf Blüten; im Fluge trägt das g' das ©. F nächtigt
zwischen hohen Halmen. Das © streut die Eier lose aus.
R träge, an Phleum, nach der Ueberwinterung (nach der
1. od. 2. Häutung) an allerlei weichen Gräsern. Pam Grunde
von Grasbüscheln. — Aberrationen: ab. galene O.
| (Eulengebirge), ab. leucomelas Esp. (Rengersdort, Raiers-
‘dorf, Konradswalde), ab. fulvata Lw. (Friedrichsberg,
Ludwigsdorf). Bei 2 g'g' (VII 1916 Wünschelburg) fehlt
ober- u. unterseits der Augenfleck der Vfl; ich nenne diese
' Form ab. depuncta Jul. Steph. Zwerge habe ich öfters
! beobachtet; ein (VII 21) bei Lewin gefg. Exempl. ist asy-
metrisch (nicht gynandromorph) gebildet: das linke Flpaar
| ist weit größer als das rechte.
Erebia melampusFssl.v.sudetica Stgr. Bisher nur
\ (Ende VI 22 von Raebel-Hindenburg) auf den Saalwiesen
im Bielengebg. beobachtet. Sonst vom Altvater bekannt.
52 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Er. medusa F. Häufig in den Tälern u. Vorbergen, von
Ende V bis Anfg. VII. Flug langsam, suchend; die QQ träge,
erscheinen etwas später; die J'g' kurzlebig. R lebt nächtlich,
an Paniceum, Milium u. dgl., geht vor der letzten Häutg.
zur Winterruhe. P in leichtem Gespinst an der Erde. F
variabel; am Spiegelberge bei Friedrichsberg fing ich am
.1.VI. 22 in 800 m Höhe 2 Stück mit reduzierter Flecken-
binde u. kleineren Augen (ab. hippomedusa O).
Er. ligea L. Charäkterschmetterling der Berge. VII, VII.
Flug langsam, flatternd, g'g' häufig an Blumen u. feuchten
Bodenstellen, QQ träge im Grase. Sowohl Eier als junge
R überwintern; in beiden Fällen kommt es vor, daß die F
bereits im nächsten Sommer oder aber erst nach der
2. Ueberwinterung (der dann fast erwachsenen R) im über-
nächsten Jahre erscheinen. In höher gelegenen Gegenden
regelmäßig nur jedes zweite Jahr, dann aber in großer
Zahl. — Außer der kleineren dunklen Form adyte Hbn.
wurde in unserem Gebiet die ab. caeca Kol. häufig be-
obachtet. — Ein interessantes, partiell albinotisches Exempl.
fing ich 30. VII. 21 am Fuchswinkel bei Friedrichsberg; es
zeigt die Binden der Vfl rötlichweiß überlaufen.
Er. euryale Esp. Am Glatzer Schneeberg von etwa
1000 m Höhe ab bis zum Gipfel; in tieferen Lagen bis in
die Vorberge hinab sieht man zur selben Zeit (VII, VID)
nur ligea L., die bei uns nie höher als bis etwa 1100 m
steigt. (Lediglich in der Zone von 1000—1100 m kann man
beide Arten treffen.) R von Pastor Standfuß zuerst auf
dem Riesengebirgskamm aufgefunden u. beschrieben, zwei-
jährig. P von der ligea-P ganz verschieden. (cfr.Warnecke
in Ent. Zeitschr. Frankfurt, 35. Jhrg., No. 27.)
Satyrus semele L. In den Tälern u. tieferen Lagen
hie u. da nicht selten, im höheren Gebg. sehr vereinzelt.
Mitte VII, VIH. Saugt an blutenden Bäumen, an Blumen u.
nassen krdstellen. Das befruchtete © trägt eine Art „Lege-
tasche‘. R überwintern klein, fressen bei trübem Wetter
auch tags; an süßen Gräsern. — Am 4. VIII. 22 fing ich
bei Friedrichsberg auf einem blühenden Kleefelde, 800 m
vom Walde entfernt, ein @ der ab. pallida Tutt.
Pararge aegeria L.v. egerides Stgr. Verbreitet u.
häufig in Laub- u. halblichten Nadelwäldern, nur wenigen
Orten fehlend. ‘Im höheren Gebg. einbrütig, in tieferen
Lagen 2 Generationen: V, VI u. Mitte VII, VIII. Liebhaber
des Halbschattens. Kopulation oft schon Vormittags; das @
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 33
sitzt dabei gewöhnlich auf der Erde. R an Triticum, Poa,
häutet sich 4 oder 5 Mal; im Herbst trifft man alle Größen-
stadien. P frei an Stengeln, Halmen. F saisondimorph
(cfr. Standfuß). — Anfg. VI 1920 fand ich bei Carlsberg
3 Exempl. der ab. pallıda Tutt., bei Nauseney ein Ueber-
gangsstück zu egestus Frh. — Zwerge häufig.
P.megeral. Im ganzen Gebiet, in höheren Lagen
spärlich. Die g. v. (V,VI) viel weniger zahlreich als die
2. Brut (VII, IX). F nächtigt in Löchern u. Ritzen der Ge-
steinswände. R an Festuca u. a. — Aberrationen: ab.al-
berti Al. (10. VIII 19 bei Altheide), ab. furialis Schultz
(VII 22 bei Walddorf).
P.maeral. Stellenweise überaus häufig, bis ins höhere
Gebg., dort nur einmal (Anfg. VII bis Anfg. VII). Flug
taumelnd, hüpfend. F sitzt gern am Boden u. an Steinen,
saugt an Blumen u. Pferdedünger, nächtigt in ganzen Ge-
sellschaften an Felsen, wobei die Fl eine schräge Lage
einnehmen u. sich dem grauen Untergrunde förmlich an-
schmiegen. R an Poa, Festuca, Hordeum; überwintert nach
der 3. Häutg. P am Grunde von Grasstengeln, am Fuße
von Steinen; hellgrün bis schwärzlich, je nach der Farbe
des Untergrundes. — Zwerg-g'g' u. Riesen-QQ, sowie
asymetrisch gezeichnete Stücke habe ich öfters gefangen,
nicht selten ist auch ab. triops Fuchs (Grunwald, Seiten-
berg, Friedrichsberg) u. ab.monotonia Schld. (Kudowa,
Keilendorf).
Aphantopus hyperanthus L. In den Tälern
ziemlich gemein, auf den Höhen seltner. Ende VI bis
VI. Lichte Gehölze, Waldwiesen; Blumenbesucher; ruht
auf Blättern niederer Gebüsche, das © träg im Grase. R
überwintert halberwachsen; an Milium, Poa und anderen
süßen Gräsern. P hängt nicht, sondern liegt zwischen
Halmen an der Erde. — Bei Bad Reinerz fing ich mehrmals
ab. vidua MII. und Uebergänge dazu.
Epinephele jurtina L. Gewöhnlich bis ins Hoch-
gebirge hinauf, dort nur in manchen Jahren spärlich. Wiesen,
Waldblößen, Hänge, Bahndämme, Chausseegräben, selbst
in Gärten und Anlagen der Städte. Flug niedrig, hüpfend,
unregelmäßig. Blumenbesucher. Nächtigt auf Bäumen und
-Sträuchern, sitzt gern auf der nackten Erde, Maulwurfs-
haufen. Flugzeit von Ende VI bis Anfang IX; bei uns nur
1 Brut. Kopuliert oft schon gleich nach dem Ausschlüpfen,
das stärkere © trägt das g'. R sehr verborgen, über-
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein II
Iris zu Dresden. Jahrgang 1923
34 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
wintert nach der 2. Häutung; an allerlei Gräsern. P hängt
gestürzt. — Aberrationen: ab. caeca Rbl. (VII 22 Stephan,
Straußeney), ab. anomala Vt. (VIL 18 Carlsberg, Scharfen-
berg), ab. nana Jul. Steph. (VII 21, mehrere g'g! bei
Bukowine), ab. @ pallens Th.M. (VII 21, Friedersdorf),
ab. semialba Brd. (VII 1913, Reinerz), ab. g’ cine-
rascens Fchs. (VIII 22, Langenbrück). Ein prachtvolles
großes, wohl zu ab. rufocincta Fchs. gehöriges © fing
ich am 30. VII. 1912 bei Schreckendorf in 500 m Höhe, es
erinnert an die Form fortunata Alph., wie ich sie in An-
zahl auf den Kanaren erbeutete. Albinotische (auch asy-
metrisch ausgebildete) Stücke fand ıch öfters, darunter am
15. VII. 17 in Johannesthal ein wundervolles Exemplar mit
fast weißen, grünlich irisierenden Hifl.
Ep.lycaon Rott. Wenig verbreitet, vielerorts sehr
selten, am Fuße der Heuscheuer erst zweimal. von mir
gefunden. VI, VII. Flug unruhig, stoßend.
Coenonympha iphis Schiff. In lichten Gehölzen,
‚auf Bergwiesen hie und da recht häufig. Mitte VI bis
Ende VII. Die Q9 meist dicht an der Erde, taumeln nur
wenige Meter weit vorwärts. In Grunwald und Carlsberg
fing ich mehrfach. ab. anaxagoras Assm. — Ran
Bryza, Melica, Brachypodium, überwintert klein.
C.arcania L. Stellenweise häufig, in höheren Lagen
nur hier und da. Sonnige Waldränder, grasige Wald-
schläge, auch im offnen Gelände. Mitte VI bis Ende VII.
Nächtigt in Baumkronen, spielt um sonnenbeschienene
Büsche. |
C.pamphilusL. Unsere gewöhnlichste Satyride. Von
Anfang V bis X in 2 Bruten; im Hochgebirge nur 1 Gen.
Komnit selbst in die Städte. Nächtigt, oft zu Hunderten,
an Grashalmen. Ruht mit schräg zur Seite geneigten Fl,
R an Cynosurus, Nardus, Anthoxanthum, Poa u. dgl., wächst
unregelmäßig; überwintert z. T. klein, z. T. halb oder ganz
erwachsen. In wärmeren Lagen kann man während des
ganzen Sommers sämtliche Stadien von pamphilus finden.
— Aberrativformen: ab. pallida Tutt. (5.VI.17 Friedrichs-
berg), ab. obsoleta Tutt. (VII 22 Carlsberg), Uebergänge
zu ab. marginata Rbl. (Neurode, Mittelwalde). Zwerge
häufig. SEEN
C.tiphon Rott. Auf nassen Wiesen, Mooren (See-
feldern), stellenweise ziemlich häufig. Mitte VI bis Ende VII.
Flug unruhig, hüpfend. R sehen Blattwespenlarven ähnlich,
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz, 35
fressen tagsüber, überwintern nach der 2. Häutung; an
Carex, Eriophorum und anderen Sumpfgräsern. — Ueber-
gangsstücke zu philoxenus Esp. fing ich auf den See-
feldern bei Reinerz, ein Stück der ab laidion.Bkh. im
sog. Großen See bei Carlsberg.
Nymphalidae.
Apatura ıris L. Verbreitet, aber nirgends häufig.
Ende VI bis Anfang VIII. Kommt auch in höher gelegenen
Orten vor (Grunwald, Friedrichsberg). F fliegt auch nach
dem Schweiß von Menschen und Pferden; nächtigt in
Baumkronen. R an Salix-Arten und Populus tremula; über-
wintert nach der 2. Häutung. Freisitzend an Zweigspitzen;
liebt Halbschatten. — Namensberechtigte Aberrationen
habe ich in der Grafschaft noch nicht beobachtet.
Ap.ilia Schiff. Nur ganz vereinzelt. Von mir hier
noch nicht gesehen.
Limenitis populi L. Verbreitet bis in die höheren
Lagen, von Mitte VI bis Mitte VII, in manchen Jahren sehr
rar. Kommt auch nachmittags auf den Erdboden, setzt
sich zuweilen auf Heuhaufen. (Vgl. meine Abhandlung in
„Entom. Wochenblatt‘, 24. Jahrg., pag. 191). In Walddörfern
findet sich der F mitunter auf den Düngerhaufen der Ge-
höfte ein; entfernt sich manchmal bis 500 m vom Wald-
rande. Nach längeren Perioden kalten regnerischen Wetters
findet man halberstarrte Exemplare an der Erde. — Eier
an der Oberseite von Blattspitzen von Populus tremula,
werden leicht vom Regen herabgespült. (Nach Grützner
eine Hauptursache des seltnen Auftretens von populi in
manchen Jahren!) R überwintern in einem walzenförmigen,
oben offnen Gespinst. (Vgl. Lederer, Handbuch). P an der
Blattoberseite, nur selten an Zweigen. — Ein großer Prozent-
‚satz der in unserm Gebiet fliegenden populi gehört der ab.
tremulae Esp. (oder Uebergängen hierzu) an.
L.camilla L (= sibylla L.). Selten und nur -an ganz
wenigen Stellen (sonnigen Tälern des Eulengebirges
[Wocke]) obwohl die Futterpflanze der R, Lonicera, fast
überall angetroffen wird.
Fasrameis atälanta L. DUeberall. verbreitet; ın
rauheren Lagen nur spärlich. VII—X. Ueberwinternde
Stücke sterben in unserm Klima ausnahmslos ab; zur
Arterhaltung wandern aus angrenzenden, günstiger ge-
legenen Gebieten neue F zu. (Vor Mitte VI habe ich hier
36 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
nie eine atalanta gesehen.) R an Nesseln, auch an Cirsium.
In sehr warmen Sommern tritt eine partielle 2. Generation
auf, die aber oft nur bis zur P gedeiht. — Unter der
Stammform findet sich nicht selten die ab. fracta Tutt
(Passendorf, Wilhelmsthal, Marienthal). Häufig sind auch
Stücke, die in der roten Binde der Vfl einen kleinen weißen
Punktfleck tragen: ab. nov. martha Jul. Steph.”) Bei Seiten-
berg fing ich (VIII 1911) ein winzig kleines Exemplar der
ab.nana Schultz. |
Pyr. cardui L. In manchen Jahren sehr vereinzelt,
in andern Jahren (1903, 9, 11, 17, 21, 22) massenhaft. Ende
VII bis Mitte X; die im Vorsommer beobachteten Stücke
sind Zuwanderer. Ueberwinterer gehen bei uns zugrunde.
R an Carduus, Urtica, Echium, Lappa, Tussilago, Achillea,
Artemisia; lebt einzeln. P meist frei am Stengel oder Blatt-
stiel; Goldglanz beweist nicht immer Angestochensein. —
Unter normalen Stücken tritt nicht selten die Zwergform
ab.minor Cnn. auf (von mir in Friedrichsberg, Carlsberg,
Seitenberg, Eisersdorf gefg.). Anfang VIII 21 erbeutete ich
in Kaiserswalde 2 hübsche Uebergangsstücke zu ab. inor-
nata Brs.
Vanessa 10 L. Ueberall häufig, auch in höheren
Lagen. Ende VII bis Ende IX, bei uns nur in 1 Gen.
Ueberwintert (oft in Mengen) in Gebäuden, Holzhaufen, er-
scheint zeitig im Frühjahr und fliegt bis Ende VI. Eiablage
währt Wochen hindurch. R an Nesseln, seltner wilden
Hopfen. P braungrau oder (auf hellerem Grunde) grünlich.
— Zwergstücke (ioides O.) auch im Freien. Ein sehr
großes © der ab. pallida Tutt fing ich bei Alt-Mohrau.
V. urticae L. Allenthalben, von der Ebene bis zu
den höchsten Gipfeln. Fliegt in frischen Stücken vom
Frühsommer bis zum Herbst, überwintert vom zeitigsten
Frühjahr bis Mitte V. In den Höhen sicher nur 1 Gene-
ration, in tieferen Lagen teilweise auch nur eine Brut, teil-
weise deren 2 (in langen Sommern sogar 3). Ueber das
Problem der Ueberwinterung vgl. Gillmer in Entomol.
Jahrbuch 1919, über Kopulation Gub. Entom. Zeitschr. 1920,
Nr. 13, sowie Lederer, Handbuch. — Eiablage in Häufchen
an Urtica. Metallisch schimmernde g'g' gewöhnlich (nicht
. *) Frau Dr. Martha Kirschner, meiner einzigen, mir jäh durch den
Tod entrissenen Schwester, der lieben Gespielin meiner Jugend, zu
Ehren benannt.
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 37T
durchweg) von Parasiten bewohnt. — Zwergstücke (ab.
urticoides F. W. erhält man durch Zucht häufig. Von
weiteren Aberrationen wurden von mir im Glatzer Länd-
chen beobachtet: ab. discolor Hn. (VII 16, Friedrichs-
berg) ab. cruentaFrtsch. (VII 17, Johannesthal; VII 22
Carlsberg, Scharfenberg), ab. sordida Frtsch. (VII 16
Dörnikau, VII 21 Kessel. 2 g'g! (VIII 16 Johannesthal),
1 © (VII 21 Bukowine) zeigen den äußern gelben
Costalfleck der Vfl zu einer leicht gebogenen,
fast bis zum Innenrand ziehenden Binde (in
der die Zwillingsflecken stehen) erweitert; die gelbe
Begrenzung des schwarzen Basalteiles im Hfl erstreckt -
sich weit nach unten. Nach der mir vorliegenden umfang-
reichen Literatur ist diese recht auffällige Form nicht be-
kannt; ich schlage dafür die Bezeichnung elisa Jul. Steph.*)
ab. nov. vor. — Bei Friedrichsberg fand ich (VII 21, VIII 22)
mehrere Stücke der ab. turica Stgr., die sich der sar-
dinischen ichnusa Bon. nähern. (Ein herrliches g' dieser
letztgenannten Form, die neuerdings als „gute“ Art an-
gesprochen wird, fing ich 20. VIII 1905 in Broschütz bei
Krappitz O/S). Ferner erbeutete ich 20. VIII 21 in der
Nähe der Böhmischen Häuser bei Friedrichsberg ein leider
etwas beschädigtes Exemplar der ab. ichnusoides Selys;
das Tier, das durch sein fremdartiges Aussehen schon von
weitem auffiel, flog an einem ungewöhnlich heißen Vor-
mittag in sehr raschem Fluge auf einem Brachfelde. —
Interessante Temperaturformen, auf die hier nicht näher ein-
gegangen werden kann, erhielt ich von urticae (u.io) durch
Kältezucht. Sehr reiches Material von sämtlichen Vanessen
enthält in dieser Beziehung die wundervolle Sammlung
des Medizinalrats Dr. Dannenberg in Glatz. |
V.polychlorosL. Nicht ganz so gemein wie urticae,
stellenweise aber auch sehr häufig; in höheren Lagen (bis
900 m) in manchen Jahren ganz vereinzelt. Ueberall nur
in einer langdauernden Generation; frische Stücke von
Anfang VII; der F geht schon Ende VII zur Ueberwinterung,
erwacht im Frühjahr nicht ganz so zeitig und fliegt auch
nicht mehr so lange wie urticae. Kopulation nach dem
Winterschlafe. Das © beginnt mit der Eiablage schon an
warmen Apriltagen. Eier werden wie bei Mal. neustria L.
*) Frau Elisabeth Bammert, meiner schwesterlichen Freundin und
feinsinnigen Naturbeobachterin, zu Ehren benannt.
38 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
rings an die Zweige geklebt. Futterpflanzen: alle Obst-
bäume, Rüstern, Weiden, selten Pappeln und Espen, noch
seltener Linden. — Kleine Exemplare von polychloros von
dunkler Tönung (ab. pyromelas Frr.) erhält man hier
nicht nur durch Zucht. Anfang IX nahm ich 2 Exempl.
der ab. pallıida Tutt von der Balkendecke meines
Hühnerstalles. Mehrere Stücke von ab. pluripuncta
Hrch., sowie2 g'g' 19 von ab. kassubiensis Hch.
zog ich (VII 22) aus Raupen, die ich in etwa 800 m Höhe
auf den sog. Weichen bei Friedrichsberg gefunden hatte.
V. xanthomelas Esp. Von mir hier noch nicht be-
obachtet; nach einer Mitteilung des Herrn Hedwig-Breslau
aber soll die Art schon einige Male im Gebiet gefangen
worden sein.
V. antiopa L. Ueberall verbreitet bis in die hohen
Berge. In einer langdauernden Generation von VII bis IX,
überwintert bis Mitte VI. (Einer der langlebigsten Falter.)
Ueberwinterte Stücke meist (nicht immer) mit weißlichem
statt gelbem Saum. Kopulation IV oder V, erfolgt auch
mehrmals. F an blutenden Stämmen, saugt zuweilen an
Blattlaushonig, äuch an Weidenkätzchen. R in Gesell-
schaften an Weiden und Birken. P sehr lebhaft. — Riesen-
und Zwergstücke (letztere besonders in hohen Lagen) nicht
selten. 3 J'g' von nur 4cm Spannweite nana Jul. Steph.
ab. nov. erzog ich aus in 800 m Höhe gefundenen P. Zwei
Exemplare mit braunem Saum, sonst normal, züchtete
ich bei gewöhnlicher : Temperatur VIII 1917; diese auf-
fallende Aberration mag emma Jul. Steph.*) heißen.
Polygonia L-album Esp. Nach Wocke einige-
male bei Habelschwerdt u. Wölfelsgrund beobachtet. Diese
östliche Art dringt wohl über Mähren und Böhmen zu-
weilen in die Grafschaft ein.
P. C-album L. Nirgends selten, nur in höheren
Lagen vereinzelt. Sonnige Waldstellen, Bachufer, Gärten.
An günstigen Lokalitäten in 2 Generat., die erste von
Ende VI bis Mitte VII, die zweite (f. hutchinsonii Rbs. ?)
von VIII bis zum Spätherbst (ich fand noch 10. XI ein
halberstarrtes Stück auf einer späten Blume) und über-
wintert im Frühjahr. Ein Teil der 1. Brut geht wie bei
urticae bald nach dem Ausschlüpfen (also schon im VII)
ins Ruhequartier, der andere Teil paart sich, legt Eier und
*) Meiner Lebensgefährtin und Helferin zu Ehren benannt.
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 39
stirbt; die 2. Brut fällt im Herbst in Winterschlaf. (Gillmer.)
Kopulation und Minnespiel wie bei Vanessa. Eiablage ver-
teilt sich auf mehrere Wochen, einzeln an die Spitzen und
Zähne der Blätter von Nessel, Hopfen, Ulme, auch Stachel-
und Johannisbeere, Haselnuß, Heckenkirsche. R nicht
gesellschaftlich, gern an der Blattunterseite. — Häufig unter
der Stammform zeigt sich bei unsab. variegata Tutt,
etwas seltener ab. pallidior Tutt; 2 Stücke von ab.
jota-album Newn fing ich VII 18 in Carlsberg, 1 Exem-
plar von ab. c-extinctum Schultz Mitte IV 21 in
Friedrichsberg.
Araschnia levana_L. In geschützten Tälern hie
und da; in höheren Lagen stets sehr spärlich. Die g. v.
Ende IV bis Anfg.VI, die g.aestprorsa_L.von Mitte VII bis
Mitte VIIL Einzelne Sommerpuppen liegen bis zum Frühjahr
und ergeben dann levana, ein Beweis, daß die Art an ge-
wissen Lokalitäten teilweise nur in 1 Gen. auftritt.
Melitaea maturna L. Soll an verschiedenen Stellen
der Grafschaft vorkommen (vielleicht früher?); ich habe
die wohl mehr dem Flachlande angehörige Art hier noch
nicht gefunden.
M. aurinia Rott. Nur an wenigen Stellen, in tieferen
Lagen. VI bis Mitte VIII. Feuchte Wiesen, Waldgrasplätze,
Ran Plantago, Veronica, Succissa; verkriecht sich im Herbst
am Boden, unter Moos u. dgl. |
Deceinzıa rl. In lälern.hie und da; in den Bergen
meist fehlend V, VI. Wiesen, trockene Grasränder, Bahn-
dämme. R an Plantago, sehr wärmebedürftig.
M. didyma OÖ. Wird von Aßmann als Grafschafter
Art angeführt; ich habe sie hier noch nicht gesehen.
M. athalıa Rott. Ueberall, auch in höheren Lagen
ziemlich häufig, stellenweise massenhaft. Ende VI bis
- Mitte VII. Nur 1 Generation. F sitzt auf Blüten, auch bei
Regen und in der Nacht; fliegt schwimmend, etwas
stoßend, wird von Mordfliegen verfolgt. Kopulation im
Sonnenschein, das © trägt das g. R an Plantago, Melam-
pyrum, überwintert nach der 2. Häutung in gemeinsamem
Gespinst, liebt Schatten. P gleicht einer vertrockneten
Blüte oder unentwickelten Knospe. — Aberrationen: ab.
obsoleta Tutt, ab. virgata Tutt, ab. navarina Selys,
ab.corythalia Hb. und Uebergänge zu diesen Formen.
M. aurelia Nck. Seltener und weniger verbreitet
als athalia. VII, VII. Waldränder, grasige Hänge. F ist
40 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
der vorigen Art täuschend ähnlich und wird von Sammlern
meist übersehen; allerdings fängt man sowohl von athalia
wie von aurelia (vielleicht auch von der noch immer recht
problematischen Form britomartis Assm.) Exemplare, die
in einer Weise ineinander übergehen, daß ihre Art-
angehörigkeit nicht sicher festzustellen ist.
M. dietynnaEsp. Nicht allgemein verbreitet. VI, VI.
Feuchte Gehölze, nasse Wiesen. Auch diese Art wird
häufig mit athalıa und aurelia verwechselt.
Argynnis selene Schiff. Verbreitet und häufig, be-
sonders in tieferen Lagen. Lichte Gebüsche, Waldwiesen,
Brachäcker. Bei uns wohl nur 1 Generation; Ende V bis
Anfang VII. — Uebergänge zu ab.gerda Schultz nicht
selten. R liebt Schatten, frißt auch Heidel- u. Erdbeeren.
A.euphrosyneL. Häufig, besonders in den Bergen.
Bei uns sicher nur 1 Gen., V bis Mitte VII; die trägeren QQO
später. Uebergangsstücke zu ab. pauca Tutt häufig
(Kudowa, Johannesthal), ebenso ab. obsoleta Tutt,
ab. melanotica Spl. u. ab. pallida Tutt. In Friedrichs-
berg fand ich 1. VII. 22 ein Stück, das melanotische u.
albinotische Elemente gewissermaßen in sich vereinigt: die
Zeichng. der Vfl u. der Basalteil der Hfl sehr stark schwarz,
der Außenrand der Hfl zeigt (etwas asym.) 2 längliche,
weiße Flecke. R im Sonnenschein, überwintern nach der
2. Häutg. (zuweilen schon VIII) unter dürren Blättern, Moos.
A.dıaL. Nicht selten, auf sonnigen Hügeln; manchen
Orten ganz fehlend. Anfg. V bis Mitte VI; g. aest. VIII,
seltner u. nicht überall. Fliegt niedrig. Nächtigt auf Blüten,
besonders Heidekraut. Uebergänge zu ab. vittata Schultz
mehrfach gefg. (Rote Berg). R überwintert im 4. Stadium
(Gillmer).
A.ıino Rott. Recht zerstreut. Mitte VI bis Ende VII.
Sumpfige Wiesen, Moore, nasse Chausseegräben. Mela-
notische Stücke fing ich wiederholt bei Reinerz, Frieders-
dorf u. im sog. „Großen See“ bei Carlsberg. (Uebergänge
zu lambinii Lb.?); bei 1 Stck. sind die schwarzen Ante-
marginalflecken zu einer fast ununterbrochenen Binde
zusammengeflossen. Ein sehr schönes, violett überhauchtes
Stück Anfg. VII bei Carlsberg. — R an Spiraea, Sanguis-
orba, Rubus.
A.lathonia L. Ueberall gewöhnlich. Von Ende IV
bis zum Spätherbst; meist 2 Gen., einzelne Herbsttiere
mögen überwintern; ich fand schon Ende IV abgeflogene
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 41
Exempl. Aberrative Stücke öfters, u.a. fing ich (Anfg.VII 17
Johannesthal) 1’ Exempl., bei dem die schwarze Flecken-
zeichnung des Basalteils u. des Innenrandes fast völlig
zusammengeflossen ist. Auch albinistische Stücke (Ueber-
gänge zu ab. alba Spl.) wurden im Gebiet beobachtet. —
R auch an Anchusa, auf Brachäckern leicht zu finden.
A.aglaia L. Ueberall häufig, auch im höhern Gebg.;
nur in sehr regnerischen Sommern spärlich. Ende VI bis
Ende VIII (1 Gen.); die QQ oft beträchtlich später. Flug
der g'g' rapid, die QQ träge. Nächtigt auf Disteln, Skabiosen,
an Getreideähren. — Eine ganze Serie verschwärzter, z.T.
mit bläulichem Schiller übergossener OO (ab. suffusa
Tutt) fing ich Ende VII, Anfg. VIII 15, 16, 22 auf den sog.
Weichen bei Friedrichsberg. Eine ganz wundervolle mela-
notische Aberrativform ging mir 5. VII. 22 auf dem Fouque-
Weg an den Seefeldern bei Grunwald ins Netz. Oberseite
der Vfl ist etwas dunkler rotgelb als bei normalen g'g‘,
die Zelle z. T. schwarz ausgefüllt, die Antemarginalflecken
strahlenförmig verlängert u. mit den Marginalflecken ver-
bunden, der Saum breit schwarz; Oberseite der Hfl fast
völlig schwarz mit bläulichem Schimmer, die Grundfärbg.
tritt nur noch in einigen zum Saum ziehenden (nach dem
Innenwinkel zu immer kürzer werdenden) Strahlen zum
Durchbruch. Noch eigenartiger sieht die Unterseite aus:
auf dem Vfl ist die Zelle u. der Raum zwischen den Adern
im Basalteil u. Diskus mit mächtigen schwarzen Flecken
gefüllt, die Antemarginalfleckchen z. T. erhalten, das Saunı-
feld rotgelb ohne jede Zeichng., die Hfl zeigen im Basalteil
3 lange breite Silberstreifen, im Mittelfeld eine rostbraune
Fleckenbinde nur mit Spuren von Perlmutterfärbg., ım
Saumfeld strahlenförmig nach innen verlängerte silberne
Randmonde. Dieses einzig schöne, schon von fern auf-
fallende u. ganz fremdartig anmutende Tier flogin glühender
Mittagshitze (kurz vor einem niedergehenden Gewitterregen)
überaus scheu u. ungestüm auf blumigem Waldwege, floh
bei jeder Annäherung, bis ich es nach fast halbstündiger
Verfolgung mit einem verzweifelten Schlag ins Netz bekam.
A.niobe L. Häufig in den Bergen, auch in der Ebene
nicht selten, die silberlose Form eris Meig. oft in Ueberzahl.
Ende VI-VIII, in 1 Gen. In Gesellschaft von aglaia auf
Waldwiesen, Halden. Tächpiet auf Blütenköpfen. R über-
wintert innerhalb der Eihülle F sehr variabel; ich fing
wiederholt brennend rotgelbe (VII 21) und auch blaß leder-
42 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
farbene Stücke (VII 15), auch dunkel übergossene QQ
(VII 22 Friedrichsberg, Carlsberg). Exempl. mit stark redu-
zierter Silberfleckg. (ab. intermedia Spl.) fand ich in.
Seitenberg (VII 1910, 11) und bei Bad Kudowa (VII 20).
A.adippeL. Nicht überall u. viel spärlicher als die
Vorigen. Anfg. VII bis Mitte VIII, in 1 Gen. Gehölzränder,
.Waldstraßen. Ein großes @ mit stark ausgebildeten Ante-
marginalflecken fing ich 2. VII. 22 bei Grunwald. — Fliegt
ruhiger als aglaia u. niobe. R schlüpft erst im Frühjahr
aus dem Ei.
A. paphia L. Ueberall verbreitet u. nicht selten; auch
im höheren Gebg. Anfg. VII bis Ende VII; die g'g' früher
als die Q9. Kopulation vor- u. nachmittags; oft trägt das ©
den g!. Eiablage nicht an die Futterpflanzen, sondern an
Nadelholzrinde (Seitz, Berge-Rebel u.a.). R lebt einzeln,
hält sich tagsüber versteckt, oft weit entfernt von der
Nährpflanze. P zeigt beim g' einen gelblich gefärbten
hyalinen Streifen auf ‘der Flügelscheide (cfr. Dr. Fischer
in Soc. entom., 1920, No. 4). — Aberrationen mit größeren
oder kleineren Flecken wurden nicht selten beobachtet,
besonders @9. Ein großes (VIII 18) bei Bukowine gefg. ©
zeigt auf der Rückseite der Hfl neben der breiten Silber-
mittelbinde 3 sehr deutliche, schwarzgekernte Ozellen.
(Transition zu ab. diluta Spl.?) Ein schönes © ab. valesina
Esp. fand ich 15. VIII 15 bei sehr kühlem Wetter an der
Heuscheuerstraße. Melanismen nicht gar zu selten; Mitte VII
1907 fing ich ein g' der ab. confluens Spl. Zwergstücke
(ab. nov. nana Jul. Steph.) besitze ich aus höheren Lagen
mehrere Exempl., sowohl g'g' als @9. Ein frisches, nur
4‘), cm spannendes g' fing ich 21. VII. 1906 in einem
Bauerngehöft, 1'/), km vom nächsten Walde entfernt; das
Tier saß auf einer Brennessel u. hat dort wohl auch als
Raupe gelebt. (Pabst gibt Urtica auch als Nährpflanze an.)
Erycinidae.
Nemeobius lucina L. An gewissen Stellen mittlerer
Höhenlagen häufig, vielerorts selten. Anfg.V bis Anfg.VJ;
die @Q erscheinen erst, wenn die g'g' schon abgeflogen
sind. Fliegt ganz anders wie die Melitaea; setzt sich auf
Blüten (Erdbeeren), Fichtenzweige u. dgl., liebt Sonnen-
schein. R frißt nachts, wächst schnell; an Rumex, Primula.
P überwintert, in Moos, am Boden an der Seite von
Steinen angesponnen. 1 ee
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 43
Lycaenidae.
Callophrys rubi L. Im ganzen Gebiet verbreitet,
auch in höheren Lagen nicht selten. Ende IV bis Mitte VI.
(Bei uns nur 1 Gen.) Ruht gern auf Zweigen u. Blatt-
werk, bewegt sich eigentümlich ruckend fort. Kopulation
in den Mittagsstunden. R an Veronica, Vaccinium, Genista,
Rubus, Sedum. P überwintert zuweilen 2 mal; sieht einer
kleinen Bohne ähnlich. F zieml. langlebig. Aberrationen:
ab. immaculata Fuchs, ab. punctata Tutt u. (selten)
ab.brunnea Tutt. '
Thecla w-album Knch. Hier u. da, nirgends in
Anzahl, vielerorts sehr selten. Ende VI bis Anfg. VI.
Besucht Blüten (Schafgarbe), setzt sich in Straßenstaub.
R schlüpft bei uns erst im Frühjahr; an Ulmus, Viburnum,
Berberis, Rhamnus u. dgl.; ist infolge ihrer Schutzfärbg.
(sie täuscht eine Falte an der Blattrippe vor) schwer zu
entdecken. Nach Vollschow finden sich die Geschlechter
schon als R zusammen u. verspinnen sich an gemein-
samem Orte, das g' hinter dem ©. — An der Heuscheuer-
straße fing ich Vll 17 ein Stück der ab. butlerowi Krl.
Ih. spini Schiff. Soll als Seltenheit an einigen
Punkten der Grafschaft, auch in der Gegend von Wartha,
vorkommen; von mir noch nicht angetroffen.
BEriliecıs Esp. Spärlich u. nur .in tieferen Lagen.
Ende VI bis Anfg. VII. An Brombeerblüten, in lichten
Gehölzen, die mit Eichengebüsch durchsetzt sind. R als
Mordraupe bekannt. P einer großen Schildlaus ähnlich.
Th. pruni L. Habe ich hier noch nicht gefunden, soll
aber schon verschiedentlich gesehen worden sein.
Zephyrus quercusL. In geschützten Tälern, auch
noch in mittleren Höhenlagen, soweit Eiche vorhanden.
Scheu, fliegt schnell, besucht selten Blüten, hält sich meist
in Baumkronen auf. Ende VI, VII; bei Seitenberg fand ich
in 600 m Höhe noch Mitte VIII 19.
Z. betulaeL. Vielen Gegenden ganz fehlend. Hecken,
Gebüsche, Obstbaumschulen. Mitte VII bis zum Herbst.
Lebt gewöhnlich einsam, fliegt rasch um Bäume u. Sträucher,
setzt sich gern auf Blätter. R an Pflaume, Schlehe, Kirsche,
Hasel, nicht an Birke (wenigstens hier noch nicht be-
obachtet).
Chrysophanus virgaureae L. Fehlt fast nirgends,
ist aber nicht überall gleich häufig. Anfg. VII bis Mitte VII.
Auch im höhern Gebg. Fliegt schnell, aber nicht hoch;
44 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Blumenbesucher. Die ©9 nicht ganz so lebhaft wie die J'’g',
erscheinen etwas später. Kopulation in den heißen Mittags-
stunden. Eı überwintert. R an Rumex, hier nicht an
Solidago virgo aurea. P einer kleinen bohnenförmigen
Frucht ähnlich. — Aberrationen: ab. Q sincera Schultz,
ab. g’ angustimargo Cr., ab.Q lateradiata Schultz,
1 Stück mit partiellem Albinismus fing ich VII 20 bei
Friedrichsberg; der linke Vfl ist im Saum- u. Mittelfeld
ganz ausgebleicht u. schillert fast silbern.
Chr. hippotho&L. Noch häufiger, auch im höhern
Gebg. Von Mitte VI bis Ende VII; die @Q fliegen länger,
schlüpfen aber in einzelnen Stücken gleichzeitig mit den J’g".
F an bestimmten Tummelplätzen auf feuchten Wiesen. Ran
Rumex, Polygonum, überwintert nach der 1. Häutg., ruht
in den Rillen der Blattstiele nahe am Boden. — Aberra-
tionen: elongataC., confluens Gerh. (nicht selten),
crassipunctaC., parvipunctaC., paucipunctaC;
auch Transitionen zu eurybina T.H. (uO9). 1g,
gef. 22. VI. 22 auf einer sehr nassen Wiese bei Friedrichs-
berg, zeigt hellkupferige Grundfärbg., stellt also etwa ein
Mittelding zwischen Stammform u. der ab. argenteola Schultz
dar. Winzig kleine Stücke, besonders g'g', fing ich in den
heißen Sommern 1917 u. 21 öfters.
Chr.alciphron Rott. In Tälern u. mittleren Berg-
lagen, aber vereinzelt u. nirgends häufig. Ende VI, VII.
Fliegt schnell, unregelmäßig. Sonnige Wiesen, grasige Wege
u. Hänge. R an Rumex, auch an trocknen Stellen. —
Aberrationen: melibaeus Stgr. g' (VII 22 Friedersdorf),
ab. caerulescens Rbl. 9! (VII 18 Friedrichsberg), ab.
intermedia Stef.Q (VII 16, 17 Johannesthal).
‚Chr. phlaeasL. Ueberall verbreitet u. häufig, wenn
auch mehr einzeln, im höhern Gebg. selten. Setzt sich auf
Blüten, an den Boden. An klimatisch günstigen Lokalitäten
2 Gener. (V, VI u. VII, IX), auf den Höhen nur 1 Brut.
Kopulation auf Blumen oder an der Erde. R vor der
1. Häutg. nicht asselförmig; wächst sehr unregelmäßig
heran, überwintert z. T. — Aberrationen: ab. caeruleo-
punctata Stgr. (Grunwald, Kaiserswalde, Nesselgrund),
ab. parvipuncta Strd., ab. crassipunctaC, ab.
suffusa Tutt (Altheide).
Chr. dorilis Hfn. Nur stellenweise; in geschützten
Lagen 2 Gener. (V, VI u. VII, VII). Buschränder, blumige
Wiesen. Gute Flieger, eifrige Blumenbesucher. F variiert
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 45
stark: ab. © brantsi T.H., ab. pluripuncta C., ab. parvi-
puncta C., ab. paucipuncta C.
Zizera minima Fuessl. In den Bergen stellen-
weise die häufigste Lycaenide; manchen Orten fehlend.
Wiesen, Feldwege, sonnige Chausseen in der Nähe des
Waldes. In ganzen Trupps an feuchten Wegstellen. In
hohen Lagen nur 1 Brut (VI, VID. Nächtigen oft zu vielen
Hunderten gemeinsam an Halmen und Blüten. Kopulation
nachmittags im Sonnenschein, vereinigte Pärchen häufig
_ an Roggenhalmen. R in der Jugend im Innern von Blüten
(Melilotus, Anthyllis, Coronilla), frißt auch Samen; Myrme-
_ kophilie noch nicht festgestellt. P überwintert gewöhnlich.
F ändert in der Größe beträchtlich ab; VI 22 fing ich in
Johannesthal eine Serie ganz winziger Stücke ohne jede
Blaubestäubung, das kleinste Exemplar spannt 14 mm. Ich
benenne diese Zwergform ab. minutissima Jul. Steph.
Andere Stücke, die ich an derselben Lokalität fand, sind
im Vergleich zu jenen riesenhaft und mit Blauglanz ganz
übergossen: ab. alsoides Gerh. 1 Stück von ab.
pallida Tutt fing ich in Seitenberg a. d. Biele.
Everes argiades Pall. In tieferen und mittleren
Lagen hie und da nicht selten, aber meist einzeln. Die
g.v.(polysperchon Bgstr.) hat meist blaue @9, die
großen g. aest. (VII, VII) meist braune @9. Nach Cour-
voisier sind die Saisonformen nicht scharf geschieden. Die
Form coretas O., über die man sich heut noch nicht klar
zu sein scheint, habe ich hier vergeblich gesucht. R
myrmekophil, an Kleearten; überwintert fast erwachsen.
P sieht einem Kleeblättchen ähnlich.
Lycaena.argus_L.=aegon Schiff. Verbreitet, aber
nie so zahlreich wie in manchen Gegenden der Ebene.
Ende VI bis Anfang VII. Blütenbesucher; saugen an
feuchten Stellen. R oft in Gesellschaft von Lasius niger,
Formica cinerea. P am Boden, auch in Ameisennestern. —
Aberrationen: pluripuncta C., crassipuncta C; parvipunctaC.,
paucipuncta C., ab. @ caerulescens(C. (selten).
L. argyrognomon Bgstr.=argus Schiff. Nicht
überall und bei uns nicht gerade häufig. Waldwiesen,
Blößen, Heideplätze, sandige Stellen. Ende VI bis Anfg. VII.
Sitzt gern auf Erica. R und P häufig in Ameisennestern. —
Die braune Form des © (brunnea Spl.) bei weitem häufiger
als die blaubestäubte (callarge Stgr.); ein winzig kleines ©
der ersteren fing ich im heißen Sommer 21 bei Friedrichsberg.
465 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
L. optilete Knch. Lokal; auf Torfmooren, nassen
Wiesen (Seefeldern, bei Reinerz, Friedrichsberg, Carls-
berg, an der Heuscheuer. Glazialrelikt. Ende VI bis An-
fang VII, die QQ stets etwas später als die g'g'. Die
Glatzer Stücke zeigen auffallende Annäherung an die
hochnordische und alpine Form cyparissus Hbn. — F auch
zuweilen (als einzige Lycaenide unserer Breiten) im
lichten Hochwald. R an Vaccinium-Arten; Myrmekophilie
nicht festgestellt.
L. orion Pall. Wenig verbreitet, selten. Liebt Kalk-
boden, sonnige felsige Lehnen, Steinbrüche. Ende V bis
Mitte VII. Nicht scheu. R an Sedum, myrmekophil.
L. astrarche Bgstr. Wird von Aßmann als Glatzer
Falter aufgeführt, von mir noch nicht angetroffen.
L. eumedon Esp. Nur vereinzelt (Glatz, Dr. Dannen-
berg). VI bis VIII. An Geranium-Blüten. R in Blüten und
Kapseln der Nährpflanze, soll myrmekophil sein.
L. icarus Rott. Ueberall gewöhnlich, stellenweise '
massenhaft. In tieferen Lagen 2 Gener., die ineinander-
greifen: V bis Anfang IX. Eifriger Blumenbesucher, saugt
häufig an nassen Stellen. Nächtigt auf Wiesenblumen und
Getreideähren. Kopula dauert oft stundenlang; bei fliegen-
den Pärchen trägt das g' das ©. Flug- und Minnespiele
häufig zu beobachten. R myrmekophil, wächst sehr un-
gleich an Papilionaceen. — F variiert sehr stark: ab.
crassipuncta C., parvipuncta C., icarinus Sc., polyphemus
Esp., confluens C. u. a Außer den gewöhnlichen 99
fliegen bei uns auch ab. fusca Gillm., ab. caerules-
cens Wh, ab. caerulea Fchs.
L. amanda Schn. An einzelnen Stellen (Landeck,
Seitenberg, Wilhelmsthal, Wölfelsgrund, Reinerz, Friedrichs-
berg, Keilendorf) nicht selten, sonst sehr einzeln. Ende VI
bis Anfang VII. F hat dieselben Lebensgewohnheiten wie
icarus. R an Vicia; myrmekophil. P ? F variiert auch
stark in der Größe; 2 sehr große g'g' fing ich Mitte VII 18
in Friedrichsberg, 2 Zwerg-g'g' VII 22 bei Keilendorf. Die
blaue Q-Form hier nicht gesehen.
L. hylas Esp. Zerstreut, auf Kalk- und Sandboden.
Bei uns nur 1 Gener. (Ende VI bis Anfang VII). Fliegt
rasch, aber nicht hoch. Sonneliebend. R myrmekophil; an
den Blüten von Melilotus, Anthyllis, Medicago, Trifolium. —
Aberrationen:parvipunctaC., crassipuncta C., multipunctaC.,
glycera Schultz. Mehrere von mir bei Friedrichsberg ge-
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 47
_ jJangene OO haben auf den Vfl rotgelbe Randflecken. Die
blaubestäubte Q-Form noch nicht gefunden.
L.meleager Esp. Nur an ganz wenigen Stellen als
Rarität gefunden. Von Standfuß sen. und Aßmann in der
Gegend von Reinerz festgestellt. Sehr wärmebedürftig.
Erbellargus Rott. Vielerorts selten. VI, VII auf
Lichtungen, Brachäckern. Liebt trocknen Kalkboden.
Nächtigt auf Grashalmen, Dolden, Disteln. R myrmekophil,
frißt Blätter und Blüten. |
L.coridon Poda. Auf Kalkboden hier und da, nur
stellenweise (Rote Berg bei Glatz) zahlreich. Sonnige,
grasige Hänge. VII, VIII. Flug rasch, anhaltend. Die QQ
mit Vorliebe an den Blütenrispen des Ampfers. R myrme-
kophil. P oft in Gängen von Ameisennestern. Hier be-
obachtete Aberrationen: suffusa Tutt, marginata lutt, semi-
nigra Prs. (Dr. Dannenberg), ab. @ aurantia Tutt.
L.semiargus Rott. Verbreitet und meist nicht selten.
In höheren Lagen nur 1 Gen. (Ende VI, VID. Fliegt niedrig.
Buschreiche Bergwiesen, lichte Waldplätze. Blütenbesucher.
R auch am Tage munter. P in leichtem Gewebe. — An
_ der Heuscheuer fing ich auffallend kleine Exemplare; vor-
nehmlich ©9.
L. cyllarus Rott. Verbreitet, aber einzeln, in tieferen
Lagen häufiger. Ende V bis Anfang VII. Fliegt langsam,
"nie hoch; QO auf Gras und Blumen. R myrmekophil. —
Bei Seitenberg fing ich Anfang VII 1912 ein oben ganz
einfarbig schwarzbraunes © (andereggi Rhl.).
L. alcon F. Wenig verbreitet und meist selten. Nasse
Wiesen. Ende VI bis Anfang VII. R myrmekophil, frißt
später Ameisenpuppen. (Selzer.)
L. euphemus Hb. Lokal, aber stellenweise ziemlich
häufig. Nasse Wiesen, moorige Waldstellen: VII, VIII. Sitzt
an Sanguisorba, woran auch die myrmekophilen R leben.
— Bei Reinerz und Goldbach fing ich eine Anzahl ganz
verdunkelter Stücke (Uebergänge zu ab. obscura Stgr.?),
sowie 1 kleines g', bei dem nur noch Spuren der blauen
Grundfarbe vorhanden sind (ab. paula Schultz).
Besrcas Rott. Nur an einzelnen Stellen, dort aber
gewöhnlich in Anzahl. Auf feuchten Wiesen, wo Sangul-
sorba wächst. VII bis Mitte VII. Fliegt ziemlich langsam,
in Gesellschaft von euphemus; die QQ erinnern an Aphan-
topus. R überwintert nach der 2. Häutung; die weitere
Entwicklung noch nicht bekannt, erfolgt wahrscheinlich auch
48 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
in Ameisennestern. — Aberrationen: lucida Geest, minor
Rtz, paucipuncta C, parvipuncta C. Auf Wiesen bei Frieders-
dorf fing ich (10. VIII 22) 2 sehr dunkle g'g! ohne jeden
Diskalfleck, sowie 1 ©, bei dem Spuren blauer Bestäubung
auf den Vfl deutlich hervortreten.
L. arıon L. Ziemlich verbreitet, aber nicht gerade
häufig. Trockne, sonnige Bergwiesen, Abhänge. Ende VI
bis Anfang VIII. Fliegt nicht schnell, etwas hüpfend, klappend.
Sitzt gern mit geschlossenen Fl auf Blumen (Thymus).
Nächtigt auf Blättern und Blüten. R an Blüten von
Thymian; überwintert wahrscheinlich in Ameisennestern.
— Aberrationen: obscura Frey, unicolor Horm., subtus-
maculis-extensis Obth., bipuncta C., tripuncta L. 2 g'’g!
mit sehr großen, zu einer Binde zusammengeflossenen
Diskalflecken fand ich Ende VII 21 bei Johannesthal.
Cyaniris argiolus L. Verbreitet und meist nicht
spärlich. Waldsäume, buschreiche Wiesen. In 2 Gen.: IV,
V und VII, VIll. Fliegt hüpfend, ziemlich hoch, setzt sich
häufig und spaziert nach Art der Iheclinen auf dem Laub
von Sträuchern umher. R frißt auch Früchte; myrmekophil.
P in feinem Gespinst an der Blattunterseite. — Aber-
rationen:! parvipuncta Fchs. (VIII 18 Kudowa), ab. © clara
Tutt. (IV 1911 Wolmsdorf).
Hesperidae.
Carcharodus alceae Esp. Hier und da in tieferen
und mittleren Lagen. Feldwege, Raine, Gärten, Schutt-
plätze. In 2 Gen.: V und VI, VII; an höheren Orten nur
1 Brut. Liebt Wärme und Trockenheit. Fliegt gut und
schnell, besonders mittags. R in einer Blatthülle an Malve,
überwintert erwachsen.
C. altheae Hb. Soll schon in der Grafschaft be- °
obachtet worden sein; ich vermute, daß hier eine Ver-
wechslung vorliegt.
Hesperia malvae L. Ueberall verbreitet, nirgends
selten. Manchmal 2 Gen., in höheren Lagen stets nur ein- °
mal (V— VII. Fliegt schnell, lebhaft, saugt an feuchten
Bodenstellen, Urinlachen. Wird von Mordfliegen verfolgt. R
an Brombeere, Himbeere, Erdbeere, Fingerkraut, zwischen
zusammengezogenen Blättern; liebt Dunkelheit. — Unter
der Stammform traf ich öfters ab. restricta Tutt. und Ueber-
gänge zu taras Bgstr.
Eine TEE ze I Zu a
J. Stephan. Die Tagschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 49
H. alveus Hb. Ziemlich selten. Sonnige Abhänge,
trockne Gräsplätze. VI, VII. R überwintert klein, an
Polygala, Carduus. P ähnelt einer Spannerpuppe.
Ihanaos tages _L. Ueberall gewöhnlich. Auch in
mittleren Höhenlagen 2 Gen.: V und VII, VII. Fliegt sehr
niedrig, aber schnell, setzt sich häufig auf Blumen oder an
den Erdboden. Im Zustande völliger Ruhe nimmt der F
nachtfalterartige Flügelhaltung an. R überwintert fast er-
wachsen. P sphingidenähnlich. — Unter der Stammform
zeigen sich mitunter ab. clarus Crd. undab. isabellae
Lb. (VII 22 Johannesthal).
Pamphila palaemon Pall. Vielerorts in den
Bergen, aber nicht zahlreich. Mitte V bis Ende VI. Wald-
blößen, Lichtungen. Fliegt gewandt, setzt sich auf Blumen
und erinnert etwas an Nemeob. lucina L. R in röhren-
förmigem Häuschen an Gräsern, überwintert erwachsen. —
Unter der Stammform die ab. excessa Tutt (V 1920/21
Johannesthal).
P. silvius Knch. Nach dieser Art fahnde ich seit
langem vergeblich; sie soll verschiedentlich im Glatzer
Lande gesehen worden sein; auch Herr Hedwig-Breslau
schreibt mir, daß sie auf Moorböden vorkommen dürfte.
(Wie Warnecke in Iris, 1919, S. 104, mitteilt, vergrößert die
Spezies ihr Verbreitungsgebiet seit Jahrzehnten ständig.)
Adopaea lineola O. Verbreitet u. überall zieml.
häufig. VII, VIII. Liebt Wärme u. Trockenheit. Fliegt sehr
rasch, hüpfend, besucht gern Blumen. Hält die Fl im
Zustande völliger Ruhe nach Art der echten Tagfalter.
R überwintert in der Eihülle, lebt an Gräsern. P in weißem
netzartigem Gespinst. — Die bleiche strohfarbene ab.
.pallida Tutt ist hier mehrfach gefangen worden.
Ad. thaumas Hfn. Ebenso häufig, auch in höheren
Lagen. VI, VIII. Getreidefelder, Wiesenraine. Ruht an
Getreideähren. R an Schmiele, Lieschgras, überwintert
klein. — Die ab. pallida Tutt zuweilen.
Ad.acteon Esp. Nur sehr vereinzelt auf trocknen
kalkigen Anhöhen. VII, VII. R überwinternd an Quecke,
Schwingelgras in einem röhrenförmig zusammengezogenen
Blatte.
AugiadessylvanusEsp. Im ganzen Gebiet häufig.
"VI, VII. Wiesen, Grasplätze, Waldblößen. Saugt gern
Blumenhonig, Tau, Vogelexkremente. Fliegt sehr rasch;
die J'g' sitzen zuweilen auf Buschspitzen, um vorüber-
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein IV
Iris zu Dresden. Jahrgang 1923.
50 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
fliegende QQ zu erwarten. F nächtigt an Kornähren,
Blütenköpfen. — Aberrationen: clara Tutt, paupera Tutt,
obsoleta Tutt.
Aug. commaLl. Ebenso weit verbreitet, aber mancher-
orts seltner. VII, VIIL. R in einer Gespinströhre an Gräsern.
P in Gespinst an der Erde. — Hier beobachtete Aberra-
tionen: clara Tutt, intermedia Tutt, suffusa Tut.
Kleine Mitteilungen”).
Ticera castanea Swh. 2 Im Heterocerenteil der Fauna indoaustralica
des Dr. Seitzschen Werkes erwähnt Dr. K. Grünberg, p. 394, daß das ? von
T. castanea noch unbekannt sei. Im Dresdener Museum für Tierkunde
belinden sich zwei Paare dieser Art von Dr. Alex. Schadenberg in Vigan,
auf Nord-Luzon, gesammelt. Die ?Q ähneln sehr dem im Seitz X. Bd.
Taf. 34a dargestellten von Taragama siva Lef, nur sind alle Fi etwas
schmäler. Kopf und Thorax weißlich, Tegulae gesättigt rotbraun, Palpen
unterseits goldgelb, oben weißlich behaart, Fühler dunkelbraun. Hinterleib
oben rotbraun, der Hrd der Tergite, alle Sternite und das ganze Anal-
segment weißlich behaart. Beine rotbraun, Tarsen weißlich geringelt. Vfl
auf der Oseite der Wurzel gesättigt rotbraun, nach außen zu in blasses
Weinrot übergehend, mit schwachem, dunklen Zellfleck und weißlichem
Keilfleck am Vrde, weißliche Postdiskalbinde ungezackt vom Vrd aus in
sanftem Bogen nach dem dunklen Irande hin verlaufend nur gegen jenen
und diesen zu deutlicher werdend. Der weiße Fleck zwischen Ader 4 und 5,
wie ihn das T.siva % zeigt, fehlt. Vor der Postdiskalbinde ein dem Saum
paralleler, dunkel rotbrauner, kurzer Subapikalwisch,. Saum und Fransen
schmal weißlich. Hfl schwach dunkel rotbraun bestäubt, mit hellerer, un-
deutlich begrenzter mittlerer Zone, Saum nebst Fransen ebenfalls weißlich,
nur die Analgegend schwarzbraun befranst. Die Useite aller FI heller als
die Oseite. Das Postdiskalband der Vfl vom Vrd breit und deutlich, zum
Irande hin in die Quere fließend. Joh. Draeseke.
Dicranura vinula, L. Am 4. April d. J. vormittags schlüpfte mir ein
vinula. An das Gehäuse hatte sich eine andere vinula Raupe so angebaut, °
daß ich für das Schlüpfen des Falters Befürchtungen hegte. Ich er-
öffnete den Cocon und sah in der Puppe einen Riß am Thorax, aus dem
auch bald ein Beinchen zum Vorschein kam. Mit Hilfe einer Pinzette und
eines Seidenfadens entwickelte ich ein vinula 9, dessen Flügel normal an-
gelegt waren. Sie zeigten indessen keine Neigung zum Wachsen. Besonnung
und einige kalte Duschen blieben ohne Einfluß. Auch am nächsten Tage
änderte sich nichts. Am Abend setzte ich zu dem Zwecke, das Q wenigstens
befruchten zu lassen, ein $ hinzu. Am nächsten Morgen fand ich zu meinem
Erstaunen das ? mit voll ausgebildeten FI vor und bereits am nächsten
Tage fing es an Eier abzulegen. Ich lasse es dahingestellt, ob ein von den
Geschlechtsorganen ausgehender Reiz zuwege gebracht hatte, was physi-
kalische Heilfaktoren nicht vermocht hatten — oder hatte die weibliche:
. *) Für diese neue Abteilung werden die Mitglieder um recht zahlreiche
Beiträge gebeten. Schriftleitung.
Kleine Mitteilungen. 51
Eitelkeit auch hier ihre Hand im Spiele? Jedenfalls mahnt das Erlebnis,
in Fällen von langsam fortschreitender Entwickelung, noch nicht ohne
weiteres die Hoffnung aufzugeben. Dr. Karl Werner.
Limantria monacha, L. Gewitzigt durch die trüben Erfahrungen
im Vorjahre hat man in Sachsen in diesem Jahre frühzeitig mit den
Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Nonnengefahr begonnen. Bei einem
Heidespaziergang am 3. Mai habe ich bereits schöne Erfolge konstatieren
können. Unter den Teer-Ringen der Kiefern, Buchen und Birken wimmelte
es von jungen Nonnen-Räupchen. Leider ist man mit der Beteerung recht
unsystematisch vorgegangen. In einzelnen Beständen sind nur die Kiefern,
nicht aber die Buchen und Birken mit Teer-Ring versehen worden. Da-
zwischen stößt man auf Streifen, wo nur die Rinde der Kiefern abgehobelt,
die Teerung aber unterblieben ist und endlich auch auf Streifen, wo. gar
nichts getan worden ist, sondern nur ein Jahrzehnte alter eingetrockneter
Teer-Ring an frühere Kriegsjahre erinnert. Unter diesen Umständen darf
man auf das Ergebnis gespannt sein. - Dr. Karl Werner.
Dasypolia templi ihub. Herr Starke in Bautzen fand gelegentlich
einer Sammeltour in dasErzgebirge am 29. April 1923 in Rehefeld an einer Buche
ein 5 genannter Eule. Er sowohl als sein Reisebegleiter, Herr Grai aus
Niederneukirch, waren über diesen Fund sehr erstaunt und Herr Starke
zeigte mir auf seiner Durchreise durch Dresden am nächsten Tage den
Falter und verglich ihn mit den 4 Stücken meiner Sammlung. Gegen-
über diesen nordischen Stücken ist dieser etwas kleiner, dunklergrau
mit weniger ockerfarbener Beschuppung. Er war tadellos erhalten, fransen-
rein, so daß er durchaus den Eindruck eines kurz vorher geschlüpften
Falterss machte, weshalb auch die übliche Leseart, daß D templi
im Herbst schlüpft und überwintert, analog vieler anderer Eulenarten,
die im Herbst und im Frühjahr gefunden werden, stark bezweifelt werden
muß, es scheinen vielmehr Puppen auch den Winter zu überliegen, viel-
leicht bei zeitig im Herbst eintretendem Frostwetter. Was den Fund so
interessant macht, ist das außerordentlich seltene Vorkommen in Deutschland.
Der Falter in nordischen Ländern verbreitet, geht südlich bis Reval und
Flensburg, an welch’ letzterem Orte er in Anzahl gefunden worden ist.
Sonst ist nur der eine Fund im Riesengebirge bekannt, wo Pastor Standfuß
. in Schreiberhau am 13. Ill. 1842 einen Falter fand, dann ist er noch 1892
in Karlsbad, also am Südabhange des Erzgebirges gefunden worden. In
den Alpen ist die mehr graue Form alpina verbreitet. Für Sachsen ist die
Art neu und eine sehr bemerkenswerte Bereicherung unserer Fauna.
E. Möbius.
Je,
En
J. Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute. 53
Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute.
Papilionidae. |
Von Joh. Draeseke, Dresden.
Im Januar 1914 unternahm Herr Walter Stötzner in
Begleitung von fünf Gelehrten von Shanghai aus eine
Forschungsreise, die durch den Ausbruch des Weltkrieges
abgebrochen werden mußte, durch die westchinesische
Provinz Sze-Ischwan. Trotz alledem liegt mir ein sehr
reichhaltiges Material von Lepidopteren vor, das größten-
teils von dem bekannten Entomologen E. Funke aus Dresden
gesammelt wurde.
Da viele der von den Reisenden berührten Orte weiten
Kreisen unbekannt sein dürften, sei deren genauere Lage,
bei der die Längengrade von Greenwich zugrunde gelegt
sind, angegeben.
Die Expedition folgte dem Lauf des Yangtsekiang bis
Tschungkingfu, zog von hier in fast gerader westlicher
Richtung zum Luho, dessen Tal aufwärts bis Kientschou,
und erreichte von hier in gerader nordwestlicher Richtung
Tschengtufu. Nordwestlich von Tschengtufu, etwa 103°
40‘ö.L. auf dem 31.° n. Br., liegt Kwanbsien, der erste Ort,
von dem eine größere Anzahl Insekten vorliegt. Hier weilten
die Zoologen der Expedition von Anfang April bis Mitte
Maı 1914, während der Hauptteil der Forscher sıch westlich
wandte und aus dem Hsiau-Kinhotal, woselbst, soweit es die
anderen Arbeiten zuließen, zwischen den Orten Lianghokou
103° 30‘ ö. L., 31° 20°n. Br. und Rumitschango 101° 55‘ ö.L.,
300 55‘ n.Br., Insekten gesammelt wurden.
Von Kwanhsien reisten die Zoologen nach Norden, dem
Lauf des Minho oder Min-Kiang aufwärts nach Sumpanting,
103° 30‘ö6.L.und 32"40‘n.Br. Hier war das Standquartier
der Sammler während des Sommers 1914. Sowohl von
diesem Ort, als auch aus dem Minho-Tal liegt ein gewaltiges
Material von Schmetterlingen vor.
Die Hauptexpedition, die südwärts bis Tatsienlu vor-
drang, wegen der politischen Unsicherheit aber wieder
zurückgehen mußte, bereiste den nördlichen Teil Sze-
Tschwans, mußte aber in Moukungting, wo sie die Nachricht
des Kriegsausbruches 19.VII. 1914 traf, ihre weitere Tätigkeit
54 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
einstellen. Rasch zogen sie nach Kwanbhsien, in welchem.
Ort auch die Zoologen weilten, um mit ihnen so bald als
möglich nach Deutschland zu kommen. In Itschang zeigte .
sich aber bereits die vollkommene Aussichtslosigkeit dieses
Vorhabens, weshalb die Zoologen ihre Tätigkeit wieder auf-
nahmen und in Tschengtufu ihr Standquartier für den
Winter wählten.
Herr Dr. Weigold ging am 29. XI. nach Kwanhsien, um
die dortige Winterfauna vollends kennen zu lernen und
kehrte am 20. 1.1915 nach Tschengtufu zurück, wo er sich
bis zum 2. III. der Aufarbeitung der gesammelten Tiere
widmete. Am 3. Ill. verließen die Zoologen ihr Winter-
quartier und gelangten südöstlich über Yatschoufu zum
Yaho, auf diesem nach Omisien bei Kiatingfu. Ungefähr
103° 48° 6. L. und 29° 30‘ n. Br. mündet der Yaho in den
Tatungho. Etwa 0° 5‘ westlich und 0° 1‘ südlich dieser
Mündung liegen dicht beieinander, aber in bedeutenden
Höhenunterschieden, die Orte Omisien und ÖOmischan.
Ersterer war von Mitte März bis Mitte Mai Aufenthaltsort
des Entomologen Funke. Von Omisien, sowie auch vom
Waschan, einem 3300 m hohen Berg, 29°" 40° n. Br., 103”
2'6.L., wohin Dr. Weigold während dieser Zeit reiste, liegt
ebenfalls reichhaltiges Material von Schmetterlingen vor.
Von Omisien kehrten die Herren zurück nach Yatschoufu
und von hier über Yungkihsien, Tsingkihsien, Nito, Luting-
kıan und Wassekou nach Tatsıenlu. In der etwa 10 km
südwestlich von Tatsıenlu gelegenen Sommerresidenz des
TI'schalafürsten, in Yülingkong, fand Herr Funke bis Anfang
Dezember 1915 einen für seine Zwecke außerordentlich
günstigen Sammelplatz. Herr Dr. Weigold unternahm von
hier zwei Reisen, eine südwärts über Yülungtse zum Kia-
kiang, dessen Lauf aufwärts nach Tongola und von hier
nach latsienlu. Die zweite führte ihn über Tschango,
Kansego, Rombadsa und Horbo nach Batang. Von dieser
Tour brachte Herr Dr. Weigold eine weniger umfangreiche,
aber um so interessantere Ausbeute mit. Im Dezember
1915 traten die Herren die Reise zusammen von Tschung-
- kıng nach Peking an, um dort die Ergebnisse der zoolo-
gischen Ausbeute zu verpacken.
Während des Aufenthaltes in Peking 1916—19 ruhte
dıe Sammeltätigkeit keineswegs und liegt namentlich aus
dem Gebiet der Westberge, dem Kloster Tie-tai-tse, ge-
waltiges Material vor.
J- Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute. 55
Die aus Wassekou stammenden Tiere wurden von einem
dorthin gesandten Chinesen im Jahre 1916 gesammelt.
Ganz besonderen Dank schulde ich Herrn Stötzner für
die gütige Ueberlassung seines gesamten Schmetterlings-
materials zur Bearbeitung, ebenso Herrn Professor Dr.
Heller, der mir mit seinen reichen Erfahrungen auf ento-
mologischem Gebiet hilfreich zur Seite stand.
Zur Bestimmung gestattete mir Herr ©. Bang-Haas die
Tiere mit seinen reichhaltigen Vorräten zu vergleichen und
stellte mir außerdem in liebenswürdigster Weise Tiere zu
anatomischen Untersuchungen zur Verfügung, wofür ihm
auch an dieser Stelle gedankt sei.
Die Arten sind fast alle bekannt, aber bisher teilweise
nicht erschöpfend beschrieben, so daß ıch glaube, durch
meine ergänzenden Bemerkungen zu deren genauerer
Kenntnis beitragen zu können.
Abkürzungen der häufigsten Fundorte: Itschang = It.
Kinhotal = Kin. Kwanhsien = Kwan. Lianhokou = Lian.
Omisien = Om. Peking = Pek. Sumpanting — Sump. Tat-
sienlu — Tat. Wassekou = Wa. Yahotal = Ya.
An Papilioniden waren vertreten:
Ornithoptera aeacus Feld.:9 gg’ 1Q Wa.19
Luting.
Papilio nıvelli W. Mas.: 10 gig’ 19 Wa. P.
philoxenus v. polyeutes Dbl. 13 g’g' 19 Wa.
Ag 1 Q Tat. P. philoxenus’v. roseus v. nov.:
3 g'g' Wa, bei denen die weißen Flecken der Hfl zart rosa
überstäubt sind. P.lama Oberth. 16 J’g'’ 19 Wa.
2 Jg Tat. P.confusus Rothsch. 72 g'g' 8QQ Wa.
8 g'g' 290 Tat. Eine Form des japanischen P. alcionus,
von der Stammform leicht durch die rote Behaarung des
Kopfes und Halses zu unterscheiden. Die g'g' varııeren
zwischen bräunlichem und fast sammetschwarzem Grundton.
Je einige g'g' von den beiden genannten Fundorten, die
möglichst stark in der Färbung kontrastierten, ergaben bei
der Untersuchung der Harpe die zweifellose Zugehörigkeit
zu P. confusus Rothsch. Auf die außerordentliche
Variabilität der Harpe wies bereits v. Rothschild in den
„Nov. Zool.“ Vol.1I. 1895 auf S. 268—272 T. VI Fig.13 bis
‘20 hin. |
Auf S. 136—138 im „Bull. de la Soc. ent. de France‘
1907 gibt Oberthür eine genaue Beschreibung der Papilio
56 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
alcionus-Gruppe, mit Bezug auf die Seitzschen Abbildungen
des Palaearktenteils. Nach seiner Meinung, die ich, soweit
die hier erwähnten Tiere in Betracht kommen, mit ihm
teile, sind die Seitzschen Tafeln nicht ganz einwandfrei.
Die auf T.2c abgebildete P. plutonius g' Useite ist
ohne allen Zweifel die von P.confusus, während die
Abbildung des @ von P. plutonius richtig ist. Das als
P. confusus © dargestellte Tier T.2cistloochanusQ,
auch vermutet er, P. ıimpediensQ T. 3a sei confusus ©?
2 QO Tat. mit sehr stark ausgebuchteten Hfl ähneln sehr
dem plutoniusQ Seitz T.2c. Eines dieser Tiere be-
stimmte mir Herr F. Ney Aachen als plutonıus®. Aber
im „Bull. de la Soc. ent. de France‘ 1907 beschreibt Oberthür
P.confusus v. decora © Obthr. aus Taho und Tatsienlu.
„La queue, en dessous, est d&coree de 2lignesroses, dechaque
cöte et le long de la nervure; ces deux lignes se relient
aux deux taches roses en croissant, voisines.‘‘ In „Etudes
de Lepidopterologie comparee‘‘, Mai 1914 Seite 45 erwähnt
Oberthür dieses Zitat und gibt gleichzeitig auf T. 252
Nr. 2134 die Abbildung dieses Tieres, die den beiden @O
aus latsıenlu in Form und Farbe, außer den langgezogenen
Submarginalhalbmonden, recht nahe kommt. Auch erwähnt
er noch: „C’est un des exemplaires de cette Aberration
decora dont je donne la figure dans le present ouvrage;
ıl y a des exemplaires plus ou moins caracterises“. Dies
bestärkt mich ın der Annahme, daß ich hier confusus
QOQ vor mir habe. P.confusus v.n. parvummaculatus.
1 g' Wa. Die roten Submarginalhalbmonde der Hfl, oseits
vollkommen fehlend und useits bis auf einen kleinen Fleck
ın der Änalgegend und eine schwache Andeutung zwischen
der Kostal- und Subkostalader reduziert. v.n. nana? 2 J'
Om. 1 g'19 Itschang, alle stark beschädigt. In der Größe
etwa um !/, hinter confusus zurückbleibend. Durch das
Fehlen der roten Haare an Hals und Kopf mehr an den
japanischen alcionus erinnernd, auch hat das © die blaß-
graue Farbe der alcionus ©. Das Vorkommen von hellen
OO erwähnt auch Rothschild, Nov. Zool. Vol. II. 1895 S. 268
aus Ost- und Zentralchina unter P. alcionus mencius.
„In Eastern and Central Chine the female is often of the
same pale fawn-colour as that sex of P.alcionus, while
other specimens from the same districts, and the individuals
from Western China, assume the darker colour of the
male“. P. plutonius v. daemonius Alp. 1%
J. Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute. 57
Umgegend Batang. Die Oseite aller Fl mehr oliv-grau, die
Duftpelzchen sahnegelb. : Die Useite aller Fl hellgrau, die
Hfl mit schwarzem breiten Saum, in dem die blaßroten
Submarginalmonde eingebettet sind. P.bootes v.nigri-
cans Rothsch. 4 g' Wa. Zwei davon mit den weißen
Diskalflecken der Hfl wie bei P.bootes Westw., zwei
ohne dieselben. Schwänze bei allen Tieren tiefschwarz,
ohne die beiden roten Flecken. 2 g' Tat. 1 Stück mit ganz
schwachem Diskalfleck, das andere Tier ganz schwarz.
Schwänze wie bei den vorigen. P.protenor Cram.
26 g' 10 9 Om. 4 g! Wa. 30 Jg’ 12 Q Kwan. 3 Jg’ Tat.2 g'
Lian. Die Tiere variieren außerordentlich in der Größe,
namentlich unter denen aus Kwan. befinden sich riesige
Stücke. P.rethenor Westw.2 g'1Q9 Kwan. P.mem-
nonwv.agenorL. 19! 29 Sump. 2 g' Kwan. 19 Wa.
80° 200m. P. macilentus scaevola Ch. Obth.
4 Q' Wa. 4 g' Tat. Die Tiere haben große Aehnlichkeit mit
den Abbildungen in Oberthürs Et. II S.37 T. VI und
E. Janson’s in „Cistula entomologica“ Bd. II S. 158 T.5
Fig.1. Die mir vorliegenden Stücke sind in der Grund-
farbe dunkler, die Vfl schwarzgrau, mit vier deutlichen,
dunklen Strichen in der Zelle und ebensolchen zwischen
den Adern, die zum Außenrande führen. Die Linien
entspringen nahe dem Zellrande, woselbst sie auch am
breitesten sind, während sie sich zum Außenrande hin ver-
jüngen. Der Vflrand verläuft mehr konvex und nicht so
gerade wie bei der Oberthürschen Abbildung. Die Hfl
sind oseits samtschwarz, mit beingelbem Kostalfleck. Die
Submarginalhalbmonde kaum angedeutet, indischrot, mit
einigen blauweißen Schuppen an ihrem oberen Rand. Der
Analfleck tiefschwarz, von einem indischroten Ring um-
schlossen. Die Ausbuchtungen der Hfl mehr gerundet als
bei der Abbildung von Oberth. und der Schwanz nicht
ganz so lang, aber etwas breiter. Auf der Useite sind
die Vfl fein grau bestäubt, die schwarzen Adern und die
zwischen ihnen und in der Zelle liegenden Linien heben
sich deutlich ab. Die Hfl sind dunkler, mit ziegelroten
Monden und eben solchem großen Analaugenring. Dem
Tiere sehr ähnlich ist der P. macilentus v. minima
Sheljuzhko, Iris 1913 B. XXI. S. 15 aus Japan, den mir
Herr O. Bang-Haas gütigst als Vergleichsstück zur Ver-
fügung stellte. Der Außenrand der Vfl dieses Tieres ver-
läuft mehr gerade und die Schwänze sind etwas länger.
DEN Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
P. bianmor''Cräm: '75’3156:Q0 Wa:10 George
Tat. 1 g' Kwan. 1 g' Om. P.bianor v.majalis Seitz
24 g' 7Q Wa. 7 g' Tat. 11 g' 10 9 Kwan. 12 9'909 Om.
7 g' 19 Lian. P. bianor dialis Leech. 3 g' Kwan.
5 g' Wa.3 J' Om. P.bianor v.n. superans 1 g' Tat. In
der Färbung und Größe der v. dehaani ähnlich. Die Hfl
von einer bronzegrünen Binde durchzogen. Die Sub-
marginalhalbmonde sehr breit, indischrot. Ein ebensolcher
Ring umschließt den schwarzen Analfleck, dieser ist, wie
auch die Submarginalhalbmonde an der der Wurzel zu-
gekehrten Seite, lila begrenzt. Die Useite der Vfl mit spär-
licher weißer Bestäubung, den Diskus der Hfl umschließt
ein helles Band, ähnlich wie bei v. maakı Men. Die
Submarginalhalbmonde der Hfl sehr stark ausgeprägt, rot,
mit schmaler lila Binde, an der der Basis zugekehrten Seite.
Unter den mir vorliegenden Tieren befindet sich auch eines,
das man nicht als var. ansprechen kann. Die Useite ist
weißlichgrau, ausgenommen ist nur ein schmaler Saum am
Außenrand, der der Wurzel zunächst liegende Teil, die
Adern und die zwischen denselben liegenden Linien. P.
paris v. chinensis Rothsch. 2g'! Kwan. 1 9' Om.
1 g' Wa. P.arcturus Westw. 2 g’ Wa. P.polytesv,
porealıs Fldr. 15 9’ 4 Q@ Kwan.5 g’49 Wa.3 g' Sump.
12 9'49 Om. Die @9 sind alle in der Färbung von den
Jg" verschieden. P.polytes ab. thibetanus Obth.
18 9' Wa.6 g' Om. Seitz beschreibt im ersten Teile der
„Großschm. des Pal. Faunengebietes“ S. 11 diese Tiere:
„Bei der ab. thibetanus Obth. von Tibet, Nord-China und
den Liu-Kiu-Inseln, sind die Perlen der Hflbinde teilweise
verloschen oder reduziert“. Oberthür erwähnt diese ab. in
den Et. XI S. 14: „Pammon de Tä-Tsien-Loü, et une
variete g' de cette m&me espece, de Chapa, dans laquelle
les taches blanc jaunätre du disque des ailes inferieures
sont extremement retrecies et partiellement obliterees, de
plus, on voit le long du bord exterieur des ailes inferieures
une rangee Intranervurale de croissants fauves, qui se
termine par une grosse tache anale de m&me nuance; j’ai
designe cette variete, dont le facies est tout A fait different
du type, sous le nom de Thibetanus.“ Da die Flecke sehr
stark in der Größe variieren, nenne ich diejenigen Stücke
ab. thibetanus, bei denen der helle Fleck in der Anal-
falte fehlt. Die roten Halbmonde, die Oberthür. als
charakteristisch für die ab. thibetanus erwähnt, kommen
J. Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute. 59
auch bei Tieren mit sehr stark entwickelten weißlichen
Perlenreihen vor und fehlen nicht selten völlig bei solchen
mit sehr schmalen Perlenreihen. Dieses Merkmal kann
daher für ab. thibetanus Obth. nicht ausschlaggebend sein.
Bezuthus xuthus L. in Anzahl aus Pek. 1 g' mit
stark verbreiterten Schwänzen, deren Rippe breit schwarz
bestäubt ist, und zu beiden Seiten, bis kurz vor die Spitze,
von den lang ausgezogenen, nächst dem Schwanz liegenden
gelben Submarginalhalbmonden begrenzt wird. P. xuthus
Bemeozuthus Fr. 18 g 4 O9 Wall Jg’ 209 Tat: 23 J'
900m. 22 69 Kin. 3 g' 19 Kwan. 42 Jg’ Sump. 1!
Tschöngtufu 1 g' 19 Sump. 22. VII. 1914. P.xuthus v.
Bema 90 AO Wa. 11 gt 1% Tat. 26 772
Om.18 g’ 7 O9 Kwan. P. machaon v. sikkimensis
moosre ig Wa. 27 930 Tat. 9g'Kwan.3 J19Kin.
1 g' Om. 1 g' Tschöngtufu. 1 g' 15. VII. 1915. 3 g' Batang.
mach aon v.archias Ver 19.Wa. 11 g! 19 Tat.
9 g' 109 Batang. P. machaon chinensis hippo-
BratıdesVer. 11g'20Wa.14g'!309 Tat. P.machaon
Chinensis chinensis Ver. 2g' Om. 10 Jg’ 29 Wa.
Bar 856 © Kwan. 7 g'Kin.5 g’29 Pek. P.agestor
m restrictus Leech. 19 Om. P.horatius Blanch.
Bez oWa Prtamerlanus Obth, 12 Jg’ Wa. 17 g' Tat.
Ben FO Kwan. P.tamerlanus v.timor FE. Ney.
Ent. Zeitsch., Frankfurt a. M., Jahrg. 24. 15 g’ Wa. 2 9'409
Berzekwan P.eurous Leech. 3 gt Wa. 4 ZJ' Tat.
Bandarınus Obth. 6 J’:Wa. 1 g' Sump.. 22. VII.
Berzrelymenus Leech15 g’ Wa. P.clymenus
v.cloanthus Westw. 30 J' Wa. 7 g'1Q9 Kwan. 2 g!
1 Q Om. 2 g'Sump. 22. VIIL 1914. P.sarpedonL.15 g'
Wa.6g'59Kwan. 1 g' Sump. 29 Om. 1 g'It. 2 9’ Sump.
22. VII. 1914. — 2 g' Wa. 1 Q Kwan. haben in der Zelle
der Vfl kleine grüne Flecke, ähnlich der v. imparilis
Rothsch. P.sarpedon v. semifasciatus Honr.
BG: 70 Wa. 2 S-Sump: 19! Om. P.hercules Blanch.
39 1Q@ Wa. Armandıa thaidina Blanch. 8 J'69 Tat.
3020@Wa.Suicinus ttelamon Don. Pek. in größerer
Anzahl. Sericinus telamon v. telmona Gray. ca.
100 g'g'! 30 @9 Pek. zum großen Teil stark beschädigt.
Bernassius stubbendorfi v. tartarus Aust.
Be Sump. Parnassius stubbendorfi v.
Eanetaua B. Haas 2 © Pek., die durch. ihre. hellere
Färbung und Größe von v. citrinaius Motsch. abweichen. P.
60 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
epaphus v. poeta Obth. 65 g'g' 8 22 Om. 10 gig!
19 Tat. 22 gg! 499 Wa. P.epaphus v.oberthuri
Verity. 75-g'g' Om. 13 90 On.13 IT 29 Tar. P.
mercurius Gr.Grsch. 17 g’ 19 Sump. P.orleans
Obth. 42 gJ' 17 9 Sump. 78 g' 239 Tat. 54 Jg’ 219 Om.
18 9' 99 Wa.1 9 Tschong. P.szechenyiv.germanae
Aust. 3Q Kwan. P. cephalus Gr Grsea2 29
Sump. P.imperator Oberth. 10 © Tat. 27 © Sump.
1 @ Sump. 1 © Dschang. 8. III. 15.
Bücherbesprechungen.
Entomologisches Jahrbuch 1923. 32. Jahrgang. Mit Originalabbildungen.
Herausgegeben von Oberstudienrat Prof. Dr. Oskar Krancher, Leipzig.
Trotz der gegenwärtigen Schwierigkeiten gelangt das Jahrbuch in be-
kannter netter Ausstattung 160 Seiten stark zur Ausgabe. Eine ganze Reihe
großer und kleiner Aufsätze und Abhandlungen über Lepidopteren, Coleopteren
une Hymenopteren, deren Aufzählung zu weit führen würde, bilden den
interessanten Inhalt des Jahrbuches, welcher mit dem Aufsatz: Einführung
in die Kenntnis der deutschen Schildläuse von Dr. Leonhard Lindinger ab-
schließt. Hierzu ist eine Titeltafel beigegeben.
Die Anschaffung des Jahrbuches verdient aufs wärmste empfohlen zu
werden und können wir nur wünschen, daß durch Zugang zahlreicher neuer
Freunde ein lohnender Absatz erzielt werde. E. Schopfer.
Falterleben. Von Dr. Kurt Floericke. Mit einem farbigen Umschlagbild
und 18 Abbildungen im Text. Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Natur-
freunde, Geschäftsstelle: Franckhsche Verlagshandlung. Preis Anfang
Mai 1923 geheftet 4000 Mark, geb. 5000 Mark.
In bekannter musterhafter Weise führt der Verfasser in Leben und Natur-
geschichte der heimischen Falterwelt ein und reiht in geschicktem Plauder-
tone alles Wissenswerte aneinander, in weite Kreise damit vertiefende Er-
kenntnis und Anregung zur eigenen Weiterbeschäftigung mit diesen zarten
Kindern der Natur tragend. Vereinzelte kleine sachliche Unstimmigkeiten
fallen dem gegenüber nicht ins Gewicht. Auf den überaus reichen Inhalt
mögen folgende Stichworte hinweisen: Ueberwinternde Frühlingsboten,
Stellung im Haushalte der Natur, der Falter in Geschichte, Sage und Volks-
aberglauben, anatomischer Bau, Morphologie, Biologie, Geruchssinn und
Duftapparate, Schutzfärbung, Mimikry, Warnfarben, Schreckstellungen, Schup-
penbedeckung, Temperatureinflüsse in der Natur und im Experiment, Wande-
rungen von Schmetterlingen und Raupen, geographische Verbreitung, Schaden
und Nutzen, Raupenplagen und anderes mehr. Möchte dem Werke eine
recht weite Verbreitung gesichert sein! Joh, Skell.
Dr.E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u. Formen aus Ostchina. 61
Neue paläarktische Geometriden-Arten und Formen
aus Ostchina.
(Sammlung Höne).
Mit Tafel I.
Von Dr. Eugen Wehrli, Basel.
Die vorliegende, prachtvolle Ausbeute von über 800
Geometriden, die mir von der Firma Dr. Staudinger und
Bang-Haas zur Determination und Bearbeitung übergeben
wurde, ist von Herrn Höne in verschiedenen Teilen Ost-
chinas, in Schanghai und seiner weiteren Umgebung ge-
sammelt worden, in Gebieten, die zum Teil wenig bekannt,
zum Teil noch ganz unerforscht als Grenzgegenden der
paläarktischen gegen die indomalayische Zone im Vorder-
grunde des Interesses in zoogeographischer Hinsicht stehen.
Ich hoffe später im Zusammenhang über alle dort ge-
fundenen Arten und Formen referieren zu können; heute
muß ich mich darauf beschränken, eine Anzahl derselben,
die nirgends unterzubringen waren und deshalb als neu
gelten dürften, zu beschreiben und abzubilden. Sicher ist,
daß weder in Seitz, Paläarkten, noch in Hampson, der
Fauna Indiens, noch in den zusammenfassenden Arbeiten
von Leech über die Heterocera Chinas, Japans und Koreas,
noch in den späteren mir zugänglichen von Warren, Ober-
thür, Swinhoe und Prout über beide Faunengebiete eine
Beschreibung oder Abbildung der von mir als neu an-
' geführten Arten enthalten ist. Wie aber besonders hervor-
gehoben werden soll, sind in den letzten zwei Jahrzehnten
Hunderte von Geometriden-Neubeschreibungen und solche
von Dutzenden neuer Genera jener Faunen erschienen,
ohne Beigabe einer einzigen Figur — OÜberthür macht eine
rühmliche Ausnahme — so daß, ohne die Typen vergleichen
zu können, eine sichere Identifizierung kritischer Arten
schwieriger Gattungen mit bloßen, nicht einmal immer guten
Beschreibungen total unmöglich ist.
Aus diesen Gründen habe ich, um die Aufstellung neuer
Synonyma tunlichst zu vermeiden, die Photographien der
neuen Arten Herrn Louis B. Prout, London, dem besten
Kenner der östlichen Geometriden, zur Ansicht zugesandt
und seine wertvollen Bemerkungen, für die ıhm auch an
/
62 Deutsche Entomol, Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
dieser Stelle noch mein bester Dank ausgedrückt sei, finden
sich bei der Beschreibung der Spezies. Ohne das schöne
Seitzsche Werk wäre vorliegende Arbeit nicht möglich
gewesen. Hoffentlich erscheinen bald die übrigen Teile.
Die in der Schrift erwähnten Lokalitäten liegen alle, mit
Ausnahme der Provinz Kiangsi, die aber jedenfalls noch
größtenteils in das paläarktische Gebiet einzubeziehen ist,
nördlich des 30. Grades. Kiangsu erstreckt sich nördlich
und nordöstlich von Schanghai, Nanking ist westlich,
Mokanschan in der Provinz Hangtschou, südlich von
Schanghai gelegen; der Berg Peo-hwo bei Lungtan, westlich
von Nanking, ein Ausläufer des Hwai-Gebirges. (Nach
dem Andreeschen Atlas.)
Schließlich ist es mir eine angenehme Pflicht, den Herren
Kustoden Dr. Roux in Basel und Dr. Ferriere in Bern für
liebenswürdigste Unterstützung mit englischer Literatur
meinen besten Dank auszusprechen.
Jodis putata L. f. orientalis f. n. Rein grasgrün,
dunkler, gesättigter, nicht weißlichgrün wie die europäische
Form. Postmediane gestreckter; der zweite spitzige Vor-
sprung nach außen in der Mitte der Linie fehlt oder ist:
viel schwächer. Nach Leech (zit. nach Prout, Seitz, Geometr.
IV, p. 32) sind auch japanische Stücke beträchtlich dunkler
als europäische. 1 g' 4 QQ Mokanschan, Schanghai, China.
Von allen meinen gegen 40 europäischen putata L.,
darunter 6 e.]., die übrigen gefangen, zum größten Teil
tadellos, zum Teil abgeflogen und einzelne aufgeweicht und
gelblich verfärbt, weıst kein Stück eine der orientalis
ähnliche rein grüne Farbe auf und keines ist so dunkel.
OÖrganopoda Hmps. atrisparsaria sp.n. T.I, F.10°
und 21. Spannung g' 21—22, © 26 mm. Vfl g' 11—12, ©
14 mm. Fühler g' gesägt, lang und ziemlich grob bewimpert.
Geißel oben weiß. Gesicht rotbraun. Scheitel weiß. Kragen
rötlich. Thorax und Abdomen von der Farbe der Fl, fein
schwarz und rötlich bestreut. Geäder: Vfl: mit doppelter
Areole; C, vor dem Winkel, von M, getrennt entspringend;
Hfl: R mit M, gemeinsam vom Winkel, M, und C, eben-
falls getrennt. Grundfarbe der Fl gelbbräunlich, dicht
und fein rotbraün und schwarz bestäubt. Kosta der Vfl,
schwächer auch der Hfl, breit schwarz überfärbt. Eine
nicht immer scharfe und deutliche erste, aus Bogen be-
stehende, rötliche Linie. Mittelstreif dick, schwach gezackt,
meist schwarz, bei einzelnen schwärzlich braunrot, auf den
Dr.E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u. Formen aus Ostchina, 63
Vfl, etwas hinter dem scharfen Mittelpunkt, auf den Hfi
direkt durch den leicht ovalen, schwarzen, weißlich zen-
trierten Mittelfleck laufend. Die feine Postmediane rötlich
gezackt, zweimal nach außen vorspringend, meist scharf.
Wellenlinie undeutlich. Saumfeld besonders am Iwinkel
beider Fl dunkel bewölkt. Saum zwischen den Adern mit
scharfen, schwarzen, bei 1 Expl. roten, dreieckigen Punkten.
Fransen in der basalen Hälfte dunkler rötlich, Außenhälfte
heller. Useite ziemlich heller gelblich; Zeichnung wie oben,
nur daß die basalen Linien fehlen, die Mittelflecke schwächer
und nicht zentriert sind, dıe rote Postmediane scharf und
das Saumfeld außen rötlich oder bräunlich bewölkt ist.
Hintertibien des g' mit zwei ungleichen Sporen und einem
langen, in zwei Teile differenzierten Haarbusch. 16 Expl.
von Schanehai, Kiangsi, Nanking, Mokanschan (Hangtschou).
BeeollHöne, Iypı, 2 g!gt, 7 Q9 in coll. m.
Ich habe diese Spezies zuerst als Form der Ephyra
brunnearia Leech (Annals u. Magaz. Nat. Hist. Serie 6,
Bd. 20, p. 107) angesehen, weil die Fig. 3356, Bd. XII. Etud.
Lep. compar. Oberthürs bezüglich Zeichnung, ausgenommen
die zusammenhängende Saumlinie und das nicht bewölkte
Saumfeld, gut mit ihr übereinstimmte, nicht aber die Färbung.
Herr Prout machte mich an Hand der Photographie (des ©)
darauf aufmerksam, .daß die von Leech als Ephyra be-
schriebene Art, in Seitz (aberrierend) zur Gattung Aniı-
sephyra Warren gestellt, abgebildet B. IV. T.5 t, besser
bei Synegiodes Swinhoe untergebracht werde. Erst
jetzt untersuchte ich die Tiere genauer und fand, was
Herr Prout aus den Photos unmöglich ersehen konnte, daß
sie nach Geäder, Fühlern und Hintertibien nur zu Orga-
nopoda Hampson (Ill. Het. IX. p. 147) gehören mußten,
wohin wohl auch die Oberthürsche Figur, die mit der
Proutschen des Leechschen Originals nicht harmoniert, zu
ziehen ist.
Asthena undulata Wileman (Entomologist, 48,p.17)
eeeuel2, Spannung g' 20,9 .23: mm; Vil g' 12, 9
13 mm. Gesicht und Stirne weiß; Palpen kurz, kaum auf
die Höhe der Stirne reichend, gelblich; Scheitel und I'horax
weiß, fein ockrig bestreut. Abdomen weiß. g' Fühler ein-
fach, sehr kurz bewimpert. Kosta der Vfl gebogen, Apex
spitz, leicht vorgezogen. Hfl auf Ader M, leicht geeckt.
Geäder mit doppelter Areole auf allen Fl, genau dem von
Asth.plurilinearia Moore, abgebildet von Hampson
64 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Fig. 194, Moths of India, entsprechend. Grundfarbe rein
weiß. Das Feld zwischen der etwas hinter oder durch
den Mittelpunkt verlaufenden, verwaschenen und undeut-
lichen, blaß ockrigen, in der Gegend des Mittelpunktes fast
rechtwinklig geknickten, mittleren Querlinie wird von etwa
vier unterbrochenen, ganz verwaschenen, ebenfalls blaß
ockrigen Querlinien eingenommen, die auf der Kosta leicht
fleckig verdickt, am Irand teilweise verdunkelt sind. Mittel-
punkte der Vfl scharf, schwarz, fein. Das Feld zwischen
Mittellinie und Postmediane rein weiß. Letztere beginnt
an der Kosta fein gezackt, dünn, braun, über dem Mittel-
punkt, zieht zunächst außenrandwärts, dann, dicker und
dunkler geworden, im Winkel unter der Kosta innenrand-
wärts bis zu der Ader M,, bildet hier, doppelt geworden,
wieder einen schwächeren Winkel nach innen, basalwärts,
und geht dann im Bogen zum Irand, kurz vor dem Iwinkel
in einen kleinen tiefschwarzen Fleck endigend. Der teil-
weise deutlich doppelten Postmedianen folgt ein schmales
grauockriges Band, das sich subkostal zu einem unregel-
mäßigen, rostbraunen, in der Mitte dunkleren Fleck ver-
dickt, an Ader M, und C, zwei scharfe, hervortretende,
schwarzbraune, aneinanderliegende rundliche Flecke enthält,
und am Irand in den erwähnten Fleck mündet. Im Saum-
feld drei unterbrochene, unscharfe, blaßockrige Querlinien.
Kostal und Subkostalteil gegen den Apex graubraun be-
wölkt; ın der Mitte zwischen letzterem und der Post-
medianen zwei ziemlich scharfe, schrägstehende, braun-
schwarze subkostale Fleckchen. Vor dem Saume schwarze
Punkte, der mittlere gewöhnlich der stärkste. Fransen
weiß. Hfl ohne deutliche Mittelpunkte. Basale Linien
fehlen; als Fortsetzung der Mlinie der Vfl eine ver-
schwommene, ockrige Linie, die, am Irand am deutlichsten,
den Vrand nicht erreicht. Die Postmediane ist nur durch
ein scharfes, dunkles Irandfleckchen mit einem ganz kurzen
Stück der Linie angedeutet. Nahe dem Saum zwei scharfe,
blaßockrige, aus Bogen gebildete, dem Saum ungefähr
parallel verlaufende Linien. Zwischen diesen und dem Saum
eine dritte unterbrochene und undeutliche gleicher Farbe.
Die schwarzen Punkte vor dem Saum wie auf den Vfl.
Useite glänzend weiß; basale Hälfte der Kosta rauchig
dunkelbraun; ein ebenfalls unscharfer, breiter, rauchbrauner
Fleck an der Kosta, von der Postmedianen bis zum Apex
reichend. Postmediane fein dunkel sichtbar; dahinter .ein
Dr. E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u.Formen aus Ostchina. 65
mehr hervortretendes dunkles Band, entsprechend dem-
jenigen nach der Postmedianen der Öseite; Doppelflecken
und Irandsfleck treten nicht hervor. Hfl bis auf die ganz
undeutliche kaum sichtbare Postmediane und einige an-
gedeutete dunkle Punkte vor dem Saum zeichnungslos.
1 g' Schanghai, 1 © Kiangsi; ersteres in coll. Höne, letz-
teres in coll. m.
Wie Herr Prout bemerkt, ist diese Art, von mir vor-
erst als geminimaculata n. sp. beschrieben, bereits
von Wileman Il. c. als E. Leuctenorrhoe publiziert
worden, gehört aber zu Asthena nach dem Geäder. Da
es sich um eine für das paläarktische Gebiet neue, Seitz
Paläarkten fehlende Art und wohl um eine besondere Form
handelt — die Urbeschreibung ist mir nicht zur Hand —
bringe ich Abbildung und Beschreibung derselben.
Eupithecia insignioides sp. n. T.I, F. 11 und 22.
Flform und Zeichnung sehr ähnlich der insigniata
Hb., dieser nahestehend, aber ziemlich größer, dunkler, mit
viel weniger scharfer Fleckung und bräunlicher Grund-
farbe (nicht grauweiß wie insigniata). Spannung 23 mm;
Vfl 121, mm. Palpen kaum den Durchmesser des Auges
erreichend. Gesicht, Scheitel und mittlere Teile des Thorax
weißgrau; Abdomen dunkelgraubraun. Vor und hinter
dem Mittelfeld ein rostfarbener Kostalfleck, ebenso im Be-
reich des Mittelfeldes eine Kostalstrieme, die mit dem
schwarzen, langen, scharfen Mittelstrich zusammenhängt;
die Flecken und Striemen weniger scharf und dunkel wie
bei insigniata. Ganz anders wie bei dieser letzteren ver-
läuft der erste basale Querstreif, der zweimal, unter der
Kosta und in der Mitte, scharf gewinkelt ıst und dann
schräg körperwärts zum Irand zieht, während er beı
insigniata etwa in der Mitte nur ganz schwach gewinkelt
ist und hierauf ganz schräg nach außen, nicht körperwärts,
zum Irand geht. Auch der zweite Doppelquerstreif ist
schärfer gewinkelt wie bei der Verwandten und endet
ebenfalls senkrecht auf den Irand, bei insigniata im spitzen
Winkel schräg nach außen. Mittelstreif und Postmediane
ähnlich wie bei insigniata, dach mit schärferen Winkeln.
Zwischen der basalen und der zweiten Linie (Antemedianen)
liegt ein den Zwischenraum ausfüllender, größerer, rost-
brauner, allen meinen insigniata sowie der Fig. 245 Hübners
stets fehlender Irandsfleck. Das ganze Außenfeld bräunlich
getönt, mit einer unscharfen, hellen, gewellten Wellenlinie,
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein V
Iris zu Dresden. Jahrgang 1923.
66 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
die insigniata fehlt. Die schwarze Saumlinie weniger zu-
sammenhängend, stärker unterbrochen als bei der nächsten
verwandten Art. Auch der sonst ähnliche, aber mehr braune
Hfl besitzt einen sofort auffallenden braunen, bei insigniata
nie vorhandenen Irandfleck, nahe der Basis. Useite ähnlich
wie bei insigniata, aber Zeichnung und Fleckung der Kosta
viel weniger scharf und dunkel, ebenso die Saumlinie.
Typus 1@ von Schanghai in coll. m.
Peratophyga Warr, hyalinata Koll. und Hüg.
Kaschmir IV, p. 491 = aerata Moore. Proc. Zool. Soc.
London, 1867, p. 643. Prout, Seitz IV, p. 316, T.15f., var.
nov. totifasciata. T.1I, F.6 u. 17. Kleiner als die Stamm-
form, 16—19!/, mm Spannung gegenüber 1 inch = 25 mm.
Das breite Saumband fast vollständig dunkel ausgefüllt,
etwa doppelt so breit als auf der Seitzschen Figur, useits
noch dunkler und schärfer. Die indische Form von Darjeeling
hat nach Moore (Proc. Zool. Soc. 1867, p. 654) gewöhnlich
nur ein schmales, dunkles, submarginales Band o- und useits;
es könnte sich also möglicherweise um eine östliche Lokal-
rasse handeln. Auch die Fig. 91 Hampsons, Moths of
British India Vol., II, p. 164, weist nur ein zackiges, sub-
margıinales, inkomplettes Band der Vfl auf, Leech, der die
Art von Japan sah, und sie von Öst-, West- und Zentral-
china und aus dem Himalaja erwähnt, bemerkt [Annals
und Magaz. Nat. Hist. 1897, Bd. 19 (6), p. 203], daß sie in
Größe und Intensität beträchtlich zu variieren scheine. In
seiner Zuschrift erwähnt Prout, daß diese breitrandige Form
in China verbreitet und namensberechtigt ist, daß sie aber
wie die japanesischen (grata Btl.) und die indischen Formen -
individuell variiere. 6 Expl. aus Kiangsi, China. 2 in coll.
Höne, 4 (und Typ) in coll. nı.
Nothomiza (= Caberodes Hmps. nec. Gn.) Prout,
ın Seitz, Pal. IV, p. 420, nur in der englischen Ausgabe,
obscuristrigata sp. n. T.I, F.7 u. 18. Vfl-Spannung g'
23, © 26 mm; Vfl g'13 mm, © 14'!/, mm. Fühler des
einfach, sehr kurz bewimpert, oben weißlich, unten braun.
Scheitel weiß, Gesicht hellbraun, Palpen sehr kurz. Thorax
und Abdomen weißgrün, letzteres (auch unter dem Mikro-
skop) ohne Rückenschöpfe. Beine lang, glatt beschuppt,
Hintertibien mit zwei Paar Sporen. Vfl mit gleichmäßig
gebogenem Vrand; Apex spitz; Arand fast gerade (etwas
schräg). Hfl auf Ader M ganz leicht geeckt, Saum gegen
den Analwinkel gerade. Grundfarbe aller Fl oseits bläulich-
Dr.E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u. Formen aus Ostchina. 67
grün; Mpunkte scharf schwarz, auf den Vfl sehr fein, auf
den Hfl etwas gröber. Zwischen Basis der Vfl und dem
Mpunkt ein nicht bei allen Stücken sichtbarer, undeutlicher,
gebogener Querstreif. Die deutlichere, ungefähr in der
Mitte zwischen Mpunkt und Saum, etwas näher dem erste-
ren, verlaufende zweite Querlinie (Postmediane) aller Fl ist
schwach entwickelt, dunkel, unter dem Vrand wenig ge-
bogen, dann dem Saume parallel ziehend, ganz leicht gewellt.
Eine sehr feine dunkle Saumlinie aller Fl wird auf den Vfl
gegen den Apex deutlicher und dicker. Kosta weißgrün,
ungefleckt. Fransen hell, weißgrün, glänzend. Useite grün-
weiß, mit feinen schwarzen Mpunkten. Steht der Aplo-
Behblorawviridis Warren, F.7,.T.31, Proc. of Zool. Soc.
of London 1893, p. 386, nahe, unterscheidet sich aber sofort
durch die viel geringere Größe (g' 23:26 mm Spannung),
durch die viridis fehlenden Ouerstreifen, die bläulichgrüne,
bei viridis bleichgrüne, Grundfarbe, die Farbe der Kosta,
bei viridis breit gelbockrig, bei der sp.n. hell grünweiß,
die wie bei der Kosta differierende Farbe der Fransen, die
viridis fehlenden Mpunkte der Useite, das bei viridis weiße, -
bei der sp. n. hellbraune Gesicht und vor allem durch das
verschiedene Geäder. Nach Warren (l.c.p.386), hat Aplo-
chlora das Geäder wie Bapta. Mit dieser, übrigens im
Rippenverlaufe durchaus nicht einheitlichen Gattung stimmt
obscuristrigata keineswegs überein. Bei letzterer entspringen
Ader M, und C, nicht wie bei Bapta aus einem Punkt,
sondern ziemlich weit getrennt; der erste Subkostalast, R,,
ist ganz frei, nicht wie bei B.temerata W.V.R, be-
rührend oder wie bei B. bimaculata F. mit Sc ana-
stomosierend, Ader 2—5 gestielt. Das Geäder stimmt eher
mit der Gattung Pseudothalera Warren überein; in-
_ dessen ist der Saum der Hfl bei obscuristrigata einfach,
nicht wie bei dieser Gattung vorn leicht gezackt. Da aber
die neue Art der Aplochlora viridis Warr. sicher nahe
verwandt ist, stellte ich sie trotz der Verschiedenheit des
übrigens bei Bapta stark variierenden Geäders zu Aplo-
chlora, bis mir Herr Prout mitteilte, daß sie in seine Gattung
Nothomiza |.c. gehöre und möglicherweise eine reicher
und stärker gezeichnete Form der irrtümlich als Eu-
chloris von Leech (Annals and Magaz. Nat. Hist. Ser. 6
Bd.20 p.239) beschriebenen simpliciaria aus Zentralchina
sein könnte. Diese letztere, auf ein einzelnes @ gegründet, ist
aber wesentlich größer, 30 mm, ganz ohne Querstreifen und
68 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
ohne Verdickung der Saumlinie im Apex; auch ist bei
obscuristrigata m. das Frenulum gut ausgebildet und Ader
M, der Hfl fehlt, im Gegensatz zu Euchloris. _
Von A. vivilaca Wkr. durch die geringere Größe,
die vivilaca fehlenden Querstreifen und vor allem durch
das Geäder verschieden, das nach der Abbildung in Hamp-
son, Moths of India, Fig. 86, p.157 und der Gattungsdiagnose,
p. 156, bei vivilaca Anastomosen der Ader R, mit Sc und
R, mit R, aufweist, während obscuristrigata Ader R, frei
aus der Zelle hat und R,_, ebenfalls aus der Zelle gestielt
sind. Das übrige Geäder, auch das der Hfl stimmt mit
Aplochlora überein; Ader M, des Hfl fehlt gänzlich.
Auch A. eucosmeta Prt. und subflava Warr.,die
ganz anders gefärbt sind und Fleckenzeichnung aufweisen,
überdies anderes Geäder besitzen, kommen nicht in Frage.
2 Jg’ 19 von Mokanschan bei Hang-tschou, Ostchina;
1 g' ın der coll. Höne, 1 g', 19, Typi, in coll. mea.
Dalima hönei sp. n. T.1l, F.3 und 14. Spannung
35-—39 mm; Vfl 18—22 mm. Fühler des g' gezähnt, bü-
schelig bewimpert. Gesicht rostfarben, Scheitel hellgrau,
Kragen bräunlich, Thorax und Abdomen von der Flfarbe.
Vfl mit stark gebogenem Vrand und leicht vorgezogenem
Apex (weniger als bei ochrearia Leech). Hfl unter dem
Awinkel mit vorgezogener Spitze, Saum dahinter schwächer
gezackt als bei ochrearia. Grundfarbe aller Fl grau
mit rötlichem Schimmer, nicht fleischfarbig-ockergelb wie
ochrearia. Mpunkte klein, dunkel, undeutlich. Vrand mit
drei deutlichen, dunkelbraunen Flecken und zwischen dem
äußersten und dem Apex mit einem undeutlichen, dunkel-
grauen Subkostalflecken, auf der Useite deutlicher erkenn-
bar, von dem die Linie des Saumfeldes ausgeht. Vom
ersten Kostalfleck eine feine, nicht sehr deutliche, dunkle,
erste Linie zum Irand. Eine zweite, mittlere, noch un-
deutlichere, verbindet den zweiten Kostalfleck mit dem
Irandsfleck. Die dritte, gelbliche, außen bräunlich angelegte
Postmediane bildet, vom dritten Kostalfleck ausgehend,
unter dem Apex einen sehr scharfen Winkel und mündet
an der äußeren Fläche des großen, quadratischen, dunkel-
braunen Irandfleckes am Irand; sie ist schmaler als bei
ochrearia. Die vierte Linie geht vom vierten Kostalfleck
aus, kreuzt undeutlich die Postmediane, bildet einen Winkel,
legt sich dann viel deutlicher dunkelgrau der letzteren an,
verläßt sie etwa in der Mitte und verläuft in der Mitte
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Dr.E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u. Formen aus Ostchina. 69
zwischen der Postmedianen und dem Iwinkel zum Irand,
‘den sie nicht ganz erreicht. ‘Auf dem Hfl eine nicht beı
allen Stücken deutliche, gerade, braune erste Linie. Hinter
dem Mpunkte die gelbe, außen braun angelegte, ziemlich
gerade äußere Linie, der, entsprechend der vierten Linie
der Vfl im Saumfeld eine dunkelgraue dritte Linie folgt,
die, nur im vorderen Teil deutlich, etwas vor der Mitte
gewinkelt ist und den Irand vor dem Iwinkel erreicht.
Fransen schmal, braun. Useite orange, mit vielen dunkel-
braunen Punkten und Fleckchen besät. Mpunkte viel
schärfer als oseits, Irand der Vfl gelbweiß, den weniger
dunklen Irandsfleck der Oseite enthaltend. Von allen Linien
erscheint useits allein die oseits gar nicht hervortretende
Linie des Saumfeldes, hier, soweit vorhanden, dunkelbraun
und sehr auffallend, auf den Vfl in den mittleren, auf den
Hfl in den Vrandspartieen hervortretend.
Der ochrearia Leech (Leech Annals and Magazine
.of Nat. Hist., Serie 6, Bd. XIX, p. 217 und Seitz IV. Geometr.
Taf. 16h) nahestehend, in der Zeichnung ähnlich. Unter-
scheidet sich durch den weniger vorgezogenen Apex der
Vfl, den weniger gezackten Saum der Hfl, die graue Farbe,
deutlichere erste Linie der Vfl, die stets vorhandene dunkel-
graue vierte Linie, die ochrearia fehlt, die Useite mit
scharfen Mpunkten und den bei ochrearia nicht vorhandenen
sehr deutlichen Saumfeldlinien, ferner durch die geringere
Größe: ochrearia 50—52 mm, hönei 35—39 mm Spannung.
6 g'g' von Nanking, Prov.Kiang-su, China. Typı,4 ın coll.m.,
‚2 in coll. Höne.
Tristrophis opisthommata sp. n. Spannung 33 bis
34 mm, Vfl 18—19 mm. Im Habitus der veneris etwas
ähnlich. Fühler einfach; Gesicht braunschwarz (veneris
weiß); Stirne weiß, ebenso wie der Thorax und das Ab-
domen. Grundfarbe aller Fl weiß, opak, weniger glänzend
als bei veneris. Außer einem großen, länglichen, die Kosta
meist berührenden Mittelfleck sind auf den Vfl zwei sehr
dicke, graubraune, gegenüber veneris weniger dunkle und
weniger scharfe, von der Kosta schräg, konvergierend,
zum Irand verlaufende Querstreifen vorhanden; der innere,
weniger schräg, kürzer und viel breiter als bei veneris,
besitzt einen fast geraden, basalen Rand, während die
äußere Begrenzung mehr gekrümmt und wellig ist. Der
äußere Querstreif ist gerade und geht vom äußeren Drittel
des Vrandes gegen den Iwinkel, seine innere Grenzlinie,
70 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923. .
leicht wellig oder bogig, leicht gegen den Iwinkel ab-
gebogen. An der Basis der Vfl bilden einige unregelmäßige
Fleckchen eine Andeutung eines ersten Basalstreifens. Im
Saumfeld und bei 1 Expl. auch im Mfeld vereinzelte
Strichelchen und Fleckchen in der Farbe der übrigen
Zeichnung. Saum unbezeichnet, Fransen in der Farbe der
Querstreifen, vielleicht etwas dunkler. Ein dritter Quer-
streif, wie ihn veneris besitzt, fehlt. Besonders die Hfl
ähneln wegen der ockerfarbenen Randbinde veneris;
opisthommata besitzt aber ein längeres und spitzeres
Schwänzchen auf der dritten Medialen M,; überdies ist der
Saum vor demselben stärker gezackt und hinter ihm stärker
gewellt.e An der Basis des Schwänzchens, zu beiden
Seiten von M, liegen zwei größere, schwarze, ockrig über-
stäubte, halbrundliche, hell ockrig umzogene, wie Augen-
flecke aussehende Tupfen; ebensolche kleinere Fleckchen
in der benachbarten Zelle zwischen Ader M, und R und
bei 1 Expl. zw. R und Sc. eine Andeutung eines solchen.
Die innere, basale Begrenzung der Augenflecke wird durch
ein unregelmäßiges, graubraunes, dunkel ockrig bepudertes,
im Bereich der Flecke scharf gezacktes Band gebildet, das
die Wirkung der Augenflecke erhöht. Es reicht, sich ver-
breiternd, bis zum Vrand und, sich stark verschmälernd,
anderseits zum Iwinkel. Vor diesem schmalen Irandteil ein
länglicher, graubrauner Querfleck und vor diesem 1—2
viel kleinere. Bei einem Tier ein größerer runder Mfleck,
hinter dem ein noch größerer, längsovaler Fleck liegt; beim
anderen Exemplar sind diese beiden Flecke verbunden zu
einem einzigen. Die ockrige Bestäubung geht vom Schwänz-
chen bis zu den Mpunkten. Die Useite wiederholt die
Zeichnung der Öseite, doch ist besonders der Apex der
Vfl stärker durch Strichelung und Fleckung verdunkelt,
während auf den Hfl die Ockerbinde und die dunkle Binde
davor weniger deutlich und reduziert sind. Geäder: R,
und R, entspringen gemeinsam aus der Zelle vor dem
Winkel, anastomösieren mit Sc.; R,, ,,„ lang: gestielt aus
der Zelle vor dem Winkel. C, .entspringt etwas vor dem
Winkel. 19! 19 Nanking, Prov. Kiang-su. 1 in coll. Höne,
1 Typ in coll. m.
Heterolocha jobaphegrapha sp. n. T.I,F.4u. 15.
Spannung 22—25!/, mm, Vfl 13—14!/, mm, Fühler doppel-
kammzähnig, gegen die Spitze einfach; Geißel oseits gelb, fein
dunkelviolett gefleckt; Kammzähne oben gelb, unten dunkel.
_Dr.E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u. Formen aus Ostchina. 71
Palpen braun, wenig über die Stirne vorragend. Gesicht
braun, Scheitel gelb, mehr oder weniger violett getönt,
ebenso wie der Thorax; Abdomen heller gelb. Grundfarbe
aller Fl hellgelb, mit zahlreichen feinen violetten Strichelchen
und Punkten besät. Alle Zeichnungen, auch die Mpunkte,
oseits und useits in verschiedener Intensität, blaß rötlich-
violett, schärfer und kontrastreicher als bei den verwandten.
Der Vrand der Vfl fein dunkel gefleckt. Von der Basis
bis zum ersten Querstreif, diesen gewöhnlich nicht er-
reichend, eine rotviolette Kostalstrieme. Zwischen Basis
und Mpunkt eine breite, unregelmäßige, basal unscharf be-
grenzte Querbinde, deren etwas dunklerer und schärferer
Arand meist drei Bogen bildet, und die den Vrand nicht
erreicht. Mpunkt sehr groß, oval, ziemlich scharf und innen
lineär fein gelb gekernt. Etwas hinter der Mitte des Irandes
beginnt breit die direkt gegen den Apex ziehende, ihn
meist nicht erreichende, sich stark verschmälernde und im
oberen Teil sich oft in violette Flecken auflösende Post-
mediane; ihr basaler Rand wenig dunkler und schärfer,
besonders in der Irandhälfte. Im Apex stets ein kleines
dunkel rotviolettes Fleckchen. Bei demfmeisten Exemplaren
geht vom Iwinkel ein weiteres undeutliches Band schräg
gegen die Postmediane und vereinigt sich etwa in der Mitte
mit ihr, oder nähert sich ihr wenigstens. Saum unbezeichnet,
Fransen reiner gelb, glänzend. Hfl im kostalen Drittel bis
Hälfte bleicher gelb; hier die feine violette Strichelung und
Punktierung stärker und deutlicher; dafür macht gewöhnlich
der äußere Querstreif (Postmediane) an der Grenze dieses
helleren Bezirkes Halt. Unweit der Hilbasıs ein undeutliches
basales Band, meist nur als Irandsfleck angedeutet. Mpunkt
kleiner als auf den Vfl, länglich oval, ebenfalls fein gelb
zentriert. Die zweite Linie, die Postmediane, bildet ein
breites, hinter der Mitte am Irand beginnendes, dem Saum
parallel gegen die Kosta ziehendes, näher dem Mpunkt ver-
laufendes, scharfes Band, das, wie erwähnt, nur bis zum
'helleren Vrandsteil, also bis !/,, höchstens bis ?/, des Fl
reicht; nur bei 2 Expl. erreicht es undeutlich den Vrand
und ist unter demselben bajonettförmig abgeknickt. Eine
dritte, ganz nahe dem Asaum verlaufende Binde geht vom
Iwinkel gegen die Kosta; sie endet gewöhnlich ziemlich
vor derselben und läßt zwischen dem Saum und ihr (der
Binde) ein schmales Streifchen der Grundfarbe frei. Useite
der Fl gelb, mit vielen feinen violetten Punkten und
«
12 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Strichelchen bestreut. Zeichnungen violett, wie oben, aber
stark reduziert und weniger scharf und deutlich. Mpunkte
wie oseits, die der Hfl zuweilen stärker reduziert. Charakte-
ristisch ist ein kleines, dunkel rotviolettes Fleckchen in der
äußersten Spitze des Apex. — Vfl mit spitzem Apex; Asaunı
schwach gebogen, fast gerade, schräg. Arand der Hfl eben-
falls schwach gebogen, viel schwächer als bei stulta Bil.
und ihren Formen. Das Geäder stimmt mit laminaria
H.S. und rosearia Leech überein, ist aber von dem-
jenigen von phoenicotaeniata Koll., abgebildet in
Faune of Indıa, Bd. III, Moths, p. 179, Fig. 97, etwas ver-
schieden. Ader R, anastomosiert mit Sc. in der Höhe des
Zellabschlusses; R, entspringt mit R, aus der Zelle; aus
deren Stiel die übrigen Aeste R,_, gemeinsam gestielt.
R, anastomosiert bei der Mehrzahl der Individuen nicht,
oder nur unvollkommen, wie bei phoenicotaeniata
Koll. stulta Btl. und falconarıa Wkr. mit R, und ..
Nur beı wenigen ist die Anastomose vollendet nachweisbar.
Unterscheidet sich von stulta Btl. und ihren Formen
wie von notata Warren durch die Flform,.die bei der
neuen Art bez. Vfl Schmäler und im Apex spitzer, bez. Hfl
im Asaum weniger gerundet ist, das Gleiche gilt auch gegen-
über Jlaminaria H.S. und ihren Formen. Ueberdies ist
die Zeichnungsanlage ganz anders. Die Postmediane ver-
läuft bei der neuen Art schräger und geht stets direkt in
die Apexspitze, während sie bei stulta, notata, phoeni-
cotaeniata, laminaria (besonders deutlich bei der Form
bicolor Prt.) ziemlich vor dem Apex in die Kosta mündet. °
(Vergl. auch die Abbildungen der stulta in Seitz, Bd. IV,
Taf.18a.) Letztere Art, sowie ihre Form notata Warren
nec Leech und phoenieotaeniata Koll. sind wesentlich größer.
Stulta und notata nach Leech 30—32 mm, phoenicotaeniata
32 mm; dıe neue Art 22—25'/, mm Spannung.
Het. stulta Btl. aberr. notata Warr. ist von Warren
als bloße Aberration beschrieben worden und er bemerkt
ausdrücklich, daß Uebergänge zur Stammform vorlagen,‘
(Novit. zool. I. 1894, p. 449). Leech zitiert die Form unexakt °
als var. notata Warr. und gibt (Annals and Magazine of
Nat. Hist. 6. Ser. Vol. XIX, p. 229) eine ausführliche Be-
schreibung, die aber von der Urbeschreibung der notata
wesentlich abweicht, nicht nur bezüglich Zeichnung, sondern °
auch betr. Farbe. Grundfarbe: Warren: Dulloliveyellow,trüb
olive gelb; Leech: straw-colour, strohfarben. Zeichnung:
Dr,E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u.Formen aus Ostchina. 73
Warren: Dull rosy olive, trüb rötlich olive; Leech: pin-
kisch, fleischfarben. Es scheinen Leech andere, von den
Warrenschen ganz verschiedene Tiere vorgelegen zu haben.
Prout schreibt: Seitz, Geometriden, Bd. IV, p. 340: „H.no-
tata Warr.ist wie stulta (18a) gefärbt, aber mit einem rosigen
Hauch über denLinien. Hauptsächlich dadurch verschieden,
daß der Hilsaum gerade, oder fast gerade ist, nicht geründet.
Zentralchina. Ich folge Leechs Bestimmung, da ich Warrens
Type nicht gesehen habe, die vielleicht nur eine Aberration
von stulta ist‘. Es ist also auch Prout ein Gegensatz der
Beschreibungen aufgefallen. Davon aber, daß der Hflsaum
bei notata Warr. gerader sei als bei stulta, ist weder im
Urtext Warrens noch in der Beschreibung Leechs irgend
etwas erwähnt. Hingegen hebt Leech Il. c. p. 228 den gleichen
Unterschied des Hflsaums bei H. latifasciaria Leech
gegenüber subroseata Leech hervor. Wahrscheinlich
liegt eine Verwechslung vor. Die vorliegenden 20 Expl.
der H. jobaphegrapha m. weisen in Größe und in der Zeich-
nung nur geringe Variabilität auf; die Art ist recht konstant
und ändert nur in der Ausdehnuug der Bänder wenig ab.
Von irgend einem Uebergang zu einer benachbarten Art
kann keine Rede sein. 9 g'g' von Kiangsı und 11 g'g!
von Mokanschan, bei Hang-tschou, China. 5 in coll. Höne,
Typı; 14 in coll. m., 1 g' Hofmuseum Wien.
Nyssiodes ochraceussp.n. T.I,F.5 und 16. Flspannung
27—80 mm; Vfl 18—21 mm. Wenig kleiner als N. lefuarius
Ersch., in der Erscheinung ähnlich. Vfl breiter, Vrand weniger
konkav, fast gerade. Asaum der Hfl gleichmäßig gerundet.
Fühler des g' bis zur Spitze doppelkammzähnig; Kammzähne
sehr lang, kürzer als bei lefuarius, gegen die Spitze an Länge
gleichmäßig abnehmend. Fühlergeißel wie bei lefuarius,
weiß. Kopf, Thorax und Beine dicht zottig behaart, wie das
Abdomen hellbraun, ockrig; Gesicht rostbraun. Augen sehr
klein, Hintertibien mit 1 Paar Sporen, Länge wie bei lefuarius.
Palpen kurz, lang behaart. Grundfarbe aller Fl ockergelb,
auf den Vfl durch dichte braune Bestäubung dunkler braun,
besonders im Saumfeld, dessen Verdunklung den Fl scharf
in zwei Teile teilt. Mpunkte klein, scharf, dunkelbraun, bei
einem Stück auf den Vfl in kurze Striche ausgezogen, auf
den Hfl größer und schärfer. Die erste Linie fehlt. Die
zweite, Postmediane, zwischen Mpunkt und Saum, näher _
dem ersteren,fein,schwarzbraun, verläuft demSaume ziemlich
parallel. Adern im Saumfeld beider Fl deutlich, dunkler,
74 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
hell angelegt. Die Zeichnung der Ffl stimmt, wie die dunklen
Adern, auffallend mit lefuarius überein, außer in der Farbe,
die ockergelb ist und der schmaleren dunklen Bestäubung _
des Irandes. Hinter dem Mpunkte eine feine, dunkelbraune,
auf den Adern durch Punkte oder Striche verstärkte, auf
Ader R gegen denVrand gebogene, dort undeutlichwerdende
Querlinie. Im Gegensatz zu den Vfl ist auf den Hfl nur
die äußere Hälfte des Saumfeldes als Saumband dunkel
gefärbt. Adern dunkel, deutlich. Fransen graubraun. Useite
aller Fl ähnlich wie oben, schwächer und undeutlicher ge-
zeichnet, das Saumfeld der Vfl heller als oben, nur am
Saume dunkler. Das Geäder stimmt mit Nyssiodes nicht
überein; R, und R, fallen nicht zusammen, sondern ent-
springen, wie bei Nyssia Dup., mäßig lang gestielt aus der
Zelle. R,-, gestielt aus dem Zellwinkel. Wegen der sehr
kleinen Augen, der lang gekämmten Fühler, des ähnlichen
Habitus und der übereinstimmenden Zeichnung der Hflund °
ihres Geäders stelle ich das Tier trotzdem vorläufig zu
Nyssiodes. Erst die Kenntnis der ersten Stände, des noch
unbekannten © und der mikroskopischen Beschaffenheit
wird eine definitive Einordnung ermöglichen. Von N. lefuarius
Ersch. liegen aus dem Sammelgebiet 13 Expl. vor, der
größte Teil stammt ebenfalls aus der Gegend von Nanking.
3 J'g' vom Berg Pao-hwo bei Lungtan, Nanking, 4. April
1922. (Name des Berges etwas unleserlich). 1 9! coll. Höne,
2 'g9', Typi, in coll. mea.
Boarmıa pseudopunctinalis sp. n. T.1l, F.9 und 20.
Spannung g'g'! 41—42; Q 44 mm, von gleicher Größe wie
punctinalis Sc.(consortariaF.)var. conferendaBil.
Fühler des g' doppelt gekämmt bis ®/,; freie Spitze kürzer
als bei conferenda; Kammzähne wenig länger als bei dieser.
Fühler desQ einfach. Vfl breiter, Asaum weniger schräg und
mehr gebogen wie bei genannter Art. Im Gegensatz zu puncti-
nalis Sc, die mit ihren Formen, wie conferenda Btl., ausnahms-
los den Fleck besitzt, fehlt allen 4 g'g' von pseudopunctina-
lis m. jede Spur eines Haarfleckes auf der Useite der Hfl; auch
mit dem Mikroskop ist nichts davon zu entdecken, während
alle meine conferenda aus der Schanghaier Gegend den noch
stärker als bei der europäischen punctinalis entwickelten
Haarfleck schon makroskopisch leicht unterscheiden lassen.
Gesicht braun, Scheitel, Thorax und Abdomen von der F-
farbe, letzteres oseits dunkelbraun quergestreift. Hintertibien
wie conferenda. Grundfarbe der Fl ungefähr so dunkel
Dr.E.Wehrli. Neue paläarkt. Geometriden-Arten u. Formen aus Ostchina. 75
_ wie bei letzterer Art, aber glänzender, weniger gleichförmig,
graubraun, mehr grau als die bräunliche conferenda, durch
Einstreuung zahlreicher weißlicher und dunkelgrauer Schup-
pen bunter, unruhiger gefärbt. Die Zeichnung kopiert o- und
useitsfastbisinalleEinzelheitenconferenda,LinienundZacken
indessen schärfer ausgeprägt. Costa mit 3—4 schwach her-
vortretenden Flecken. Mittelflecke oval, wie bei punctinalis
und conferenda hell zentriert. Vom ersten Kostalfleck geht
eine deutliche gebogene Linie, Antemediane, zum Irand.
Die Mittellinie entspringt aus dem zweiten Kostalfleck über
dem Mittelring, schlägt sich außen um diesen herum, berührt
ıhn auf der Irandseite und zieht dann, der Postmedianen
genähert, hier fast parallel derselben, zum Irand. Im Gegen-
satz zu punctinalis und conferenda ist diese Mediane deutlich,
aus sehr stark gekrümmten Bogen bestehend, scharf und
tief gezackt. Die Postmediane wie bei punctinalis, aber
deutlicher und schärfer gezackt. Dahinter ein auf den Vfl
verschwommenes, auf den Hfl ausgeprägteres bräunliches
Band. Die Wellenlinie scharf gezackt, weißlich, nicht bei
allen ExplIn. vollständig, nach innen kontinuierlich dunkel an-
gelegt. Hfl mit einer verwaschenen Basallinie. Der Mittel-
streif setzt sich direkt auf die Hfl vor dem Mring verlaufend
fort. Postmediane scharf gezackt, durch schwarze Ader-
striche verstärkt, dahinter das erwähnte bräunliche Band,
von einer helleren Zone gefolgt. Wellenlinie gleichmäßig
stark gezackt, weißlich, nach innen dunkel angelegt. Saum
mit schwarzen Punkten, Fransen grau Useite aller Fl hell-
grau, glänzend, wie bei conferenda, dunkler als bei unserer
punctinalis. Mittelflecken deutlich, schwarz, meist nicht hell
zentriert. Die gezähnte Postmediane deutlich, nicht immer
kontinuierlich ; auch die Mlinie verschwommen sichtbar. Afeld
gegen den Saum ganz schwach verdunkelt, gegen den Apex
etwas dunkler. © größer, schärfer gezeichnet. Aehnlich wie
bei punctinalis entspringt R, und R, lang gestielt aus der
Zelle. 1 Q 4 g'g' Schanghai, China. 2 g'g' in coll. Höne,
2 05'051, 19,Typi in coll. m.
76 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Parnassius apollo f. albofimbriata Stdr. n. ab.
Von H. Stauder, Innsbruck.
Unter den paläarktischen Parnassiern besitzen apollo-
‘nius und delphius ausgesprochen rein weiße Vflbefran-
sung. P. apollo hat fast durchgängig gescheckte, ım 9,
besonders bei den dunklen Rassen, schwarze Vflfransen; nur
höchstselten wird der befranste Rand reinweiß wie der
Flfond. Nach Bryk (P. apollo und sein Formenkreis, p. 55)
kann er bei manchen Rassen auch „hell wie der Flfond“
sein (sbsp. zarathustrae Bryk aus West-Kurdistan,
welche der Autor auf Taf. XIV, Fig. 107 auch dermaßen
ins Bild bringt). Normaliter ist auch bei den großen, hellen
apollo-Rassen der Fransenrand gescheckt, namentlich
im g', beim © meist schwarz oder auch variegiert.
Rein weiße Vflfransen liegen in meiner nach Tausenden
zählenden Apollo-Serie vor: neunmal unter pumilus, vier-
mal unter oenipontanus Stdr. und Felk., einmal unter
suaneticus, zweimal unter dubius aus der Provinz
Kars (Iranskaukasien) und zweimal unter merzbacheri
aus Abas-Tuman. Den höchsten Prozentsatz an Weißbe-
fransung weisen die großen, blanken, vorderasiatischen
Rassen auf, dann folgt der südmediterrane pumilus und
an letzter Stelle stehen die geschwärzten alpinen Rassen,
bei welch’ letzteren dieser Zustand geradezu als eine große
Seltenheit bezeichnet zu werden verdient.
Stücke mit völlig reinweißen Fransen verdienen daher,
insoweit dieser Zustand nicht ohnehin zum Rassenmerk-
mal geworden ist, die Bezeichnung: albofimbriata, wie
diese bei vielen anderen normal geschecktfransigen Arten
(z.B. Lyc. bellargusab.albofimbriata, welche Form
stellenweise, so in Südtirol, auch die vorherrschende werden
kann!) schon in Anwendung steht.
Innsbruck, Anfang Oktober 1923.
F. Wagner. Herbstfang in Süddalmatien. 17
Herbstfang in Süddalmatien.
Eine lepidopterologisch-faunistische Skizze
von Fritz Wagner, Wien.
Die über Erwarten günstigen Resultate meiner im
Frühling d. J. nach Dalmatien unternommenen Sammelreise
ließen in mir den Wunsch rege werden, auch die Herbst-
fauna dieses Landes aus eigener Anschauung kennen zu
lernen, und so beschloß ich denn ım Oktober abermals
‘dahin zu reisen.
Mitbestimmend für die Ausführung des Vorsatzes war
der Umstand, daß auch Freund Schwingenschuß, Wien,
seinen Urlaub zu Sammelzwecken in Dalmatien verbringen
wollte, ich also wenigstens während eines Teiles meines
dortigen Aufenthaltes mit dessen lieber Gesellschaft, nament-
lich beim nächtlichen Sammeln, rechnen konnte.
Unsere: Absicht war, hauptsächlich den Lichtfang, der
mir schon im Sommer manch schönen Erfolg brachte und
welcher im Herbste ungleich ergiebiger zu werden ver-
sprach, zu betreiben. -
Am 6. Oktober verließ ich Wien, um über Agram—Bosn.
Brod—Serajevo—Mostar wieder Gravosa (jetzt GruZ ge-
heißen) zu erreichen, das ich mir auch diesmal als Stand-
quartier ausersehen hatte.
Während es in Wien schon stark zu „herbsteln“ be-
gann, die bosnischen Gebirge bereits weit herab mit neuem
Schnee bedeckt waren, empfing mich in Dalmatien ein
zweiter Frühling. Herrlicher Sonnenschein, sommerliche
Wärme und viele Kinder Floras in frischem Grün und
neuer Blütenpracht prangend!
Die im Herbst einsetzenden, noch nicht zu wochen-
langer Sintflut ausartenden Regen, die zeitweise überaus
starke Taubildung, bedingen nämlich eine vollständige
Neubelebung der Natur (das sogenannte l'istadella di San
Martino — St. Martinssommerchen). Viele Sträucher, die
im Juli schon alles Laub verloren hatten, wie z. B. Cali-
cotome spinosa, bedecken sich mit frischem Grün, die
ganz verdorrt gewesene niedere Vegetation sproßt und
grünt überall und manche Pflanzen, so eine große schöne
Campanula, die gelbblühende, große Büsche bildende Inula
viscosa, Scylla, Cyclamen usw. sind jetzt erst in voller
18 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Blüte. Daß unter solchen Verhältnissen auch die Insekten-
welt eine Auferstehung feiert, insbesondere aber die Lepi-
dopteren zu neuem Leben erstehen, ist naheliegend und
begreiflich.
Tatsächlich erscheinen viele Arten in 2. oder 3., ja
selbst 4. Generation und eine große Reihe von Arten,
namentlich eine große Zahl von Noctuen, hat überhaupt
jetzt erst ihre erstmalige Erscheinungszeit im Jahre. *)
Der Tagfang ist wohl ganz unbedeutend. Außer einigen
verspäteten oder schlechten Pieris ergane, S.statilinus-
allionia, P. megaera-Ilyssa sowie massenhaften P. bras-
sicae und P. cardui waren nur wenige Exemplare von
Polyg. egea in deren o- und useits dunkleren gen. aut.
I-album und spärlich Lamp. telicanus, dagegen zahlreich
Colias edusa zu erbeuten. Unter letzteren ganz prächtige
Stücke der ab. helice, helicina und Zwischenformen.
Sehr ergiebig jedoch war der, wie im Sommer mittelst
freibrennender großer Azetylenlampe und Leintuch aus-
geübte Nachtfang. Zahlreiche gute Arten, darunter manche
wirkliche Seltenheit und abermals einige für Dalmatien
neue Spezies, Hydroecia moesiaca H.S., Praestilbia
armeniaca Stgr, Larentia fitzi Schawerda usw.,
erschienen am Lichte und wurden unsere willkommene
Beute. Allerdings hieß es bis weit nach Mitternacht oder
gar bis zum Morgengrauen ausharren, da die frischen
Exemplare vieler Arten erst in der Zeit von 11—3 Uhr
erschienen, vorher meist nur abgeflogene. Da andere Arten
aber ihre Flugzeit kurz nach Einbruch der Dämmerung
hatten, mußte man schon nach Sonnenuntergang an Ort
und Stelle sein, wollte man auch diese erbeuten. An die
Zähigkeit und Ausdauer des Sammlers werden da also
nicht unbedeutende Forderungen gestellt und es kostet
manchmal viele Ueberwindung bei der Leinwand auszu-
halten.
Da Freund Schwingenschuß und ich beabsichtigen, die
Resultate unserer diesjährigen Reisen in einer umfang-
*) Interessant ist übrigens auch, daß manche Art, die in nörd-
lichen Breiten ebenfalls vorkommt, in Dalmatien wesentlich später
erscheint. So besitzt z. B. Episema glaucina bei Wien ihre Haupt-
flugzeit in den ersten Tagen des September, während wir sie um
Gravosa erstmalig am 8. X. auffanden und ich am 25. X. noch
tadellose, frisch geschlüpfte Exemplare in Anzahl erbeutete.
F. Wagner. Herbstfang in Süddalmatien. 19
reicheren Publikation zu veröffentlichen, beschränke ich mich
hier nur auf die vorläufige Beschreibung einiger interes-
santer neuer Formen.
Dagegen will ich es mir nicht versagen, vorher noch
die Ausbeute eines einzigen Abends und zwar, was Arten-
zahl betrifft, des besten, bekannt zu geben, weil sie Zeugnis
gibt von der Reichhaltigkeit der dortigen Fauna und von
der mitunter erstaunlichen Individuenmenge. Freilich sind
solche Abende nur seltene Ausnahmen; im allgemeinen
muß man schon zufrieden sein 'I-'/ der gen. Arten- und
Individuenzahl an einem Abende zu erbeuten. Ja es kam
vor, daß wir nach mehrstündigem Leuchten mit insgesamt
10—12 Schmetterlingen heimkehren mußten.
Die äußeren (Witterungs-) Umstände des betr. Abends
(3.XI.) waren die folgenden: Warm, ruhig, keine Taubildung
(starke Taubildung beeinflußt nach meinen Erfahrungen den
Anflug ungünstig), bedeckter Himmel; ab 10 Uhr leichter
Sprühregen.Von 6—12 Uhr am Leuchtplatze. Es erschienen:
Peris. caecigena, zahlreiche Agr. saucia mit ab. mar-
garıtosa, cast. v. neglecta, viele segetum, ypsilon,
leucogaster, Dianth. capsophila, mehrere Cel. matura v.
provincialis, Had. solieri, Episema glaucina und var.,
Aporoph. australis mit ab. albıidior, etwa 60 Apor.
nigra, zahlreiche Amm. senex, mehrere Polia serpentina,
gegen 50 Polia rufoc. v. mucida, pumicosa, Dryob. furva,
roboris, saportae, monochroma, Call. latreillei, Trig.
flammea, Leuce. vitellina, Caradr. exigua sehr zahlreich,
Amph. effusa, mehrere Orth. kindermanni, Orrh.
erythrocephala, Xyl.cupressivora, Cal. vetusta,
viele Hel. peltiger und armiger, Ihalp. ostrina, parva,
Pseud. tirrhaea, Hyp. lividalis, Eucr. indigenata, beryl-
larıa, Acid. virg. v. canteneraria, infirmaria, marg.v. '
pastoraria, imitaria, Eph. pupillaria und ab. badiarıa,
Sterrha sacraria mıt ab.atrifasciaria, etwa 1 Dtz.
Ches. spartiata-capriata, Cheim. boreata, mehrere
Lar. cupressata, viele salicata-probaria, fluctuata, fluviata,
oxybiata, mehrere Eup. mnemosynata, je einige oxycedrata
und ericeata, pumilata, Him. pennarıa, Hyb. defoliarıa,
Hemer. abrupt. var. dalmata, Scod. raunaria,Lith.
caniola.
Da es gewiß von Interesse ist zu ersehen in welch
außerordentlichem Maße sich das Faunenbild innerhalb
eines Zeitraumes von knappen 4 Wochen geändert hatte,
80 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
lasse ich vergleichsweise eine Liste der Ausbeute folgen,
welche Freund Schwingenschuß am 2.Oktober — also genau
1 Monat früher — am Lichte und zwar an derselben Loka-
lität machte.
Las. trifolii v. medicag., Lem. taraxacı, Cilix glau-
cata, Agr.castanea, puta-lignosa, trux, Mam.serena,
Dianth. capsophila, Cel. matura-provincialis, Had. solieri,
Polia serpentina, pumicosa, Call. latreillei, Hydr. moesiaca,
Leuc. scirpi, putrescens, vitellina, Praest. armeniaca,
Car. exigua, Thalp. velox, purpurina, Gram.algira,
geometrica, Leuc. stolida, Eucr. indigenata, herbaria,
Acid. consolidata, incarnaria, virg.-canteneraria,
filicata, marg.-pastoraria, submutata, imitaria, An.
plagiata, Lar.v.probaria, olivata-fitzi, fluctuata, fluviata,
galiata-emina, oxybiata, Eup. semigraphata, mnemosynata,
oxycedrata, pumilata, B. umbrariıa, Gnoph. sartata,
supinaria,varieg.-cymbalariata,tibiaria, Nyct.
falsalıs, Lith. caniola.
Ich habe in beiden Listen jene Arten, welche nur an
einem der beiden Abende erschienen durch gesperrten
Druck hervorgehoben. Am 3. X. kamen noch 31 Arten,
welche 1 Monat später bereits verschwunden waren, am
3. XI. 41 Arten, die anfangs Oktober noch nicht erschienen.
Dagegen beiden Abenden gemeinsam waren nur 20 Arten.
Zusammen ergibt das für 2 Leuchtabende*) die stattliche
Zahl von 92 Arten, wobei ganz gewöhnliche, wie Agr. comes,
pronuba, Brot. meticulosa, Pl. gamma usw. überhaupt nicht
berücksichtigt wurden; gewiß ein Beweis für die Reich-
haltigkeit der dortigen Fauna.
Für Dalmatien besonders charakteristische Heteroceren
rekrutieren sich aus den Gattungen Aporophyla, Ammo-
conia und Polia. Die Arten dieser Gattungen haben erstens
eine sehr lange Flug- resp. Erscheinungszeit und treten z.T.
ın ganz unglaublicher Individuenmenge auf, wie ein Blick
auf die Liste vom 3. XI. lehrt. Aporoph. australis und
*) Man könnte allerdings ebensogut sagen „für sämtliche (— 33)
Leuchtabende“, denn die Gesamtzahl der in der Zeit vom 3.X,
bis 8. XI. erbeuteten Arten betrug nur um 13 mehr und zwar:
Drep. binaria v. uncinula, Ap. dumerilii, Car, ambigua,
Tox. craccae und limosa, Plusia chalcytes, Orect. probos- .
cidata, Hyp. obsitalis, Lar. malvata, Metr. honoraria,Croc.
tusc. v. gaigeri, Gnoph. dumetata und Deiop. pulchella.
F. Wagner. Herbstfang in Süddalmatien. ; 81
Polia serpentina wurden von uns bereits anfangs
Oktober, von mir aber auch noch am 8. November also
nach reichlich 5 Wochen in frisch geschlüpften Exemplaren
zahlreich erbeutet und kamen jeden Abend zum Lichte.
Der Steineichen- (Quercus ilex) Formation gehören
neben verschiedenen Catocalen, davon in erster Linie
nymphagoga,sowie Ephyra pupillata, die Arten
der Gattung Dryobota an. Diese ist in ihren europä-
ischen Arten vollzählig vertreten. Natürlich treten dieselben
hauptsächlich dort in größerer Zahl auf, wo Quercus ilex
mehr minder geschlossene Bestände bildet, was beispiels-
weise auf Lapad der Fall ist. Weitere für Dalmatien
charakteristische Arten sind die an Erica und Juniperus
lebenden hıppocastanarıa,Lar.cupressata,Eup.
mnemoösynata, oxycedrata und ericeata. Es ist
dies allerdings nicht verwunderlich, wenn in Betracht ge-
zogen wird, daß Erica sowie Juniperus oxycedrus und
phoenicea überall in großen oder kleineren Beständen vor-
kommen. Namentlich hippocastanarıa,oxycedrata
und ericeata erschienen sehr zahlreich, während cu-
pressata und mnemosynata bedeutend spärlicher
waren.
Von charakteristischen Felsenbewohnern wären vielleicht
Polia canescens-pumicosa, die Gnophos-Arten
sowie Scod. raunarıa zu nennen. Wir fingen diese
besonders an solchen Stellen in Mehrzahl, wo das Gelände
vorwiegend verkarsteten Charakter aufwies. |
Eine ausführliche Würdigung der lepidopterolog.-fau-
nistischen Verhältnisse Dalmatiens, namentlich auch die Zu-
sammensetzung der dortigen Lepidopteren-F auna nach ihrer
Herkunft, behalte ich mir für die gemeinschaftlich mit Freund
Schwingenschuß in Aussicht genommene Bearbeitung unse-
rer diesjährigen Gesamtausbeute (einschl. der von mir ım
Sommer erbeuteten Arten) vor.
| Für jetzt möge diese kurze faunistische Skizze genügen
‚und Anregung geben zu weiterer intensiver Erforschung
des so überaus schönen und interessanten Landes; nament-
lich die Anwendung moderner Sammelmethoden, ıinsbe-
sondere der systematisch‘ betriebene Lichtfang, aber auch
die Exploration anders gestalteter Sammelplätze und der
Fang zu anderen Jahreszeiten wird sicherlich noch unge-
ahnte Schätze zutage fördern.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein VI
Iris zu Dresden. Jahrgang 1923
82 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Neubeschreibungen.
Callopistrialatreillei nov.ab. anthracita. 2 Exem-
plare g'Q unterscheiden sich von normalen Stücken durch
die kohlschwarze Färbung der Vfl, die beim Q bis auf
die Vrandshäkchen, die Anfänge der Wellenlinien im Apex
und einem hellen Fleckchen an der Basis jede Zeichnung
verschwinden läßt.
Thalpochares parvanov.ab. fumosa. Unter einer
kleinen Zahl parva-rubefacta vom 3. XI. befindet sich ein
g', das durch seine rauchig verdüsterte Flfärbung einen
ganz merkwürdigen, fremdartigen Eindruck macht. Es möge
diese interessante, jedenfalls sehr seltene Abänderung als
ab. fumosa in die Literatur Eingang finden. Die Zeichnung
der Vfl weist keine Veränderung auf.
Episema’glaucina meridionalis nov.ab. griseo-
violacea. Unter einer großen Serie dieser Art fällt eine
Anzahl Exemplare auf, welche mit keiner der bisher be-
kannten Formen zu identifizieren sind. Die Färbung des
Thorax und der Vfl ist ein ganz eigenartiges Violettgrau,
Fransen rötlich, Zeichnung so wie bei der roten, als glaucina
Esp. geltenden Ferm dieser unendlich variierenden Art,
jedoch nur angedeutet. Ich komme auf diese Form a. O.
noch zurück.
Beitrag zur Microlepidopteren-Fauna
der Dresdener Gegend.
Von Eduard Schopfer, Dresden.
V.
Zu einem sowohl von Meißen wie von Dresden aus gut
besuchten, idealen Fangplatz für Lepidopteren gehörte schon
immer der Kalkbruch bei Weinböhla (K.W.). Ein ziemlich
umfangreiches, durchaus unebenes Gelände, das infolge des
ungestör ten Wachstums seiner Str äucher, wilden Obstbäumen
und eigentümlichen Flora stets ein reichliches Insektenleben
zeigte. Besonders zahlreich waren dort die Microlepidopteren
vertreten. Die fortschreitende Kultur hat jetzt auch diesen
Fangplatz zerstört.
Crambinae Crambus tristellusab. aquilella
Hb. VIN/IX. 1919, K. W., Georgteich, Moritzburger
Revier. Einfarbig dunkelbraune Stücke mit hellen
E. Schopfer. Beitrag zur Microlepidopteren-Fauna der Dresdener Gegend. 83
Fransen. Cr. selasellus Hb. VII/IX mit tristellus
fliegend. K. W., Georgteich in Anzahl. Selasellus unter-
scheidet sich von tristellus durch abweichenden Flschnitt.
Schoenobiinae Schoenobius forficellus
Thnbg. Von dieser bereits notierten Art, hatte ich wieder-
holt Gelegenheit im Georgteich, Moritzburger Revier, die
Raupen in Anzahl zu beobachten. Sie kommt in zweierlei
Gehäuse vor. Entweder in einem 2—3 cm langen, ausge-
höhlten Schilfstengelstück, dessen hinteres Ende durch das
vorhandene Mark verschlossen bleibt oder in einem 3 cm
langen Gehäuse bestehend aus zwei zusammengefügten
- Schilfblätterteillen. Mit diesen Gehäusen schwimmen die
Raupen meist an der Oberfläche des Wassers, wenn sie
nicht sonst unter Wasser ruhend an Wasserpflanzen oder
Steinen festsitzen. Der Falter nicht selten am unteren
Waldteich bei Volkersdorf oder auch am dGeorgteich.
NymphulanymphaeataL. Die Raupen fand ich in
Anzahl an der Wassernuß, Irapa natans. Auch Puppen
waren bereits vorhanden, die den Falter ergaben.
Buwcrtinae. Nycetegretisvachatinella Hb.
BEN 1920 im K. W;. :Selagia. spadicella Hb.
Anfang IX. 1919 wiederholt zahlreich und schon abgeflogen
im K. W. fliegend.
Tortricidae. Tortrix diversana Hb. Anfang
VI. 1919 an der Baumwiese Bactra furfurana
Hw. 18. VI. 1920, Georgteich, Moritzburger Revier.
AncylisderasanaHb. 27. VI. 1920, unterer Waldteich
bei Volkersdorf. |
Depressarinae Henicostoma lobellum
Schiff... 5. VI. 1922 1 Stück im Moritzburger Tiergarten.
Oecophorinae Oecophora oliviella F.
27. VII. 1922 1 Stück bei Häßlich, Müglitztal.
Gelechiinae. Lita hübneri Hw. 10. IV. 1921
1 überwintertesQ, Baumwiese. L.maculea Hw. 11. VII. 1920
1 Stück an einer Telegraphenstange bei Edle Krone.
Anacampsis cincticulella HS. Anfang VI. 1920
- 1 Stück am unteren Waldteich bei Volkersdorf. Mega-
craspedus binotellus F.R. 14. VII. 1920 1 Stück
in meiner Wohnung. |
Heliodinidae. Heliodines roesellaLl,
26. V. 1918 bei Kaitz, V. 1919 Baumwiese.
Coleophorinae. Coleophora juncicolellaHb.
Mitte VI. 1920 wiederholt in Anzahl, Moritzburger Revier.
84 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
C.troglodytella Dup. Anfang VII. 1919 in Anzahl
bei Döltzschen.
Elachistinae. ElachistanobilellaZ. 11. VII.1920
1 Stück bei Tharandt.
Lithocolletinae. Lithocolletis lautella Z.
24. V1.1920 an der Baumwiese. L.mannii Z. 18. V1.1919
an der Baumwiese. L. schreberella F. 2. VII. 1920
bei Räcknitz.
Lyonetiinae Bucculatrix nigricomella Z.
Anfang VII. 1920, unterer Waldteich bei Volkersdorf.
Talaeporidae. Solenobia triquetrellaF.R.
V./VI. einzeln Baumwiese, Zitzschewig, Dresdner Heide.
Tineidae Teichobia verhuellellazsttr
11. VII, 1920 Tharandt. Diese Art meldete ich be-
reits von Hirschsprung (Bielatal, Nemophora meta-
xella Hb. 16. V. 1920 im K. W. von Gebüsch geklopft.
Kleine Mitteilungen.
Entomologische Miscellen: Auf der Mitte eines Espenblattes saß
eine bifida-Raupe. Da stieß das Arbeitstier von Vespa vulgaris in
wildem Flug gegen sie vor. Ebenso schnell nahm die Gabelschwanzraupe
ihre Abwehrstellung an, stülpte die Schwänzchen gegen den frechen Angreifer
aus. Noch ein heftiger, abgeschlagener Angriff und fort flog die Wespe.
Ich habe aber auch gesehen, wie eine der großen, honiggelben Schlupf-
wespen (Pimpla) auf dem Rücken der vinula-Raupe saß, ohne daß Umsich-
schlagen und Peitschen den eierlegenden Feind zum Abfliegen bewogen hätte.
Ein auffallend großer, bleigrauer Falter wirbelte empor, ließ sich höher
oben am Berghang nieder, war nicht mehr hochzubringen. Es konnte nur
Gnophos furvata sein, für die waldreiche, steinarme Gegend hier ein
Neuling. Beim Stochern in ein zur Wiederbepflanzung ausgeworfenes Erdloch
flog ein etwas kleinerer Falter heraus, rettete sich sofort in die nächste
Erdgrube. Da saß nun mit ausgebreiteten Flügen auch das furvata-Q. Es
war am 13. Juli. Die Art scheint nordwärts vorgerückt zu sein. Sie wird
als in den Weinbergen beim südlicheren Bensheim vorkommend angegeben.
Bei Weinheim war sie häufig. Mit dem verstorbenen Mikrolepidopterologen
Anton Schmidt habe ich dort vor vielen Jahren auch die ersten überwinterten
furvata-Raupen unter Lippenblümlern im Fall-Laub versteckt gesehen. — Als _
ich am 22. Juli d. J. mit dem Stock in einen verlassenen Dachsbau stieß,
flog ein furvata 5 heraus. Der Platz liegt am abgeholztem Südhang, unter
überhängender Lößwand, entfernt von der Stelle, wo ich das Tier vor zwei
Jahren zum ersten Male traf. Die Art kann also als vorläufig hier ein-
gebürgert gelten.
Mit der fortschreitenden Bodenkultur gehen leider letzte Zufluchtstätten,
an bestimmte Bedingungen gebundener Schmetterlings- Arten immer mehr
verloren. Manchmal haben wir es noch in der Gewalt, neue Heimstätten
damit anzusiedeln. Es sollte beispielsweise ein Fundplatz der wundervoll
Kleine Mitteilungen. . 86
rot geringelten Zygaena peucedani nahe Seeheim zum Weinberg um-
gerodet werden. Da setzte ich vorher ein Dutzend eingefangener Pärchen
an einem mit der Kronenwicke reichlich bewachsenen Hang bei Alsbach aus,
einem Platz, wo bislang nur Lycaena bellargus flog. Jetzt, nach wenigen
- jahren, hat die Zygaene sich dort so vermehrt, daß ‚sie Mitte Juli zu den
häufigsten Besuchern der Origanum-Blüten und. Scabiosen gehört. - Um-
gekehrt ist carniolica, in den achtziger Jahren auf dem Heiligenberg bei
Jugenheim eine der gemeinsten Erscheinungen, mit dem Aussterben des
Esparsette-Klee dort auch ganz verschwunden.
Welche Beziehungen mögen bestehen zwischen der als coronillae
benannten Zygaenen-Form, bei der ein Wurzelfleck und der Hinterleibs-Ring
statt rot gelb, die anderen Flecken weiß sind, und der täuschend ähnlich
aussehenden Syntomis phegea? Bis auf die anders gebauten Fühler
sehen beide einander geschwisterlich ähnlich. Beide kann man im Sommer
in Süd-Tirol nebeneinander fliegen und saugen sehen. Wie lückenhaft ist
doch unser Wissen noch!
In einer Liebhaber-Sammlung steckt ein Riesen-Exemplar von Pap.
machaon, hier gefangen, das 92 mm spannt bei 47 mm Vrand der Vil.
Jm Berge-Rebel wird der Schwalbenschwanz mit 34—45 mm aufgeführt,
Ein Gehäuse von Hoplitis milhauseri war bei Baden-Baden an
der Rinde einer freistehenden zahmen Kastanie (Castanea vesca) angebracht,
auf welcher die Raupe vermutlich gelebt hatte.
Im Hausgarten sind angepflanzte Stauden von Eupatorium cannabinum,
wenn sie blühen, der Tummelplatz vieler Falter. Zu diesen gehört alljährlich
Callimorpha quadripunctata. Von weit her kommt sie angeflogen,
läßt sich vom Duft berauscht mit den Fingern greifen. An einem August-
abend kroch ein Exemplar nach Eintritt der Dunkelheit noch auf den Blüten
herum; es war 9%/, Uhr. Als ich um 10 Uhr mit der Laterne nachsah, flog
_ hera noch freiwillig herum.
Im Gegensatz zu den tagliebenden Bären-Faltern sind andere um so
nächtlicher; casta und maculosa kamen bei Digne erst gegen Mitternacht
an das Licht, und zwar auf der Fußwanderung, mit den Fl wild vibrierend.
Dido besuchte die Gaslaternen in Philippeville etwas früher.
Cucullia campanulae kam als Raupe bei St. Blasien im Schwarz-
wald einmal gerade nicht selten vor. Ueberraschend war ihr Auftreten in
hiesiger Gegend, vielleicht als Nachkommen eines verirrten Exemplares.
Von einer kleineren Anzahl, an den Blütenstengeln der Campanula rotundi-
folia ruhender Raupen, waren etliche selbst draußen von Flacherie befallen.
Auch eine, hier im Garten an den Blüten von Eupatorium cannabinum
gefangene Plusia chryson, mag aus höheren Lagen des Gebirges zu-
geflogen sein und ihre Futterpflanze erkannt haben.
Aus einer im Freien gefundenen copula von trifolii x filipendulae
gingen reichlich Eier und junge Raupen hervor. Zur Ueberwinterung machte
- jede ein lockeres Gespinnst um sich. Es war auffallend, wie sie nach der
f
Ueberwinterung- als erstes sich häuteten, dann viel größer aussahen. Aus
Zeitmangel konnte die Aufzucht nicht fortgeführt werden. Sie wurden auf
Wicken in das Freie gesetzt.
Am Christles-See bei Oberstdorf flog ein grünliches paphia-Q immer
wieder an das Moospolster eines Ahornstammes, wo es etwa 1'/,m über dem
Boden ausruhte. Dort: hatte es eine Anzahl Eier versteckt, nicht an den
Veilchen auf der Erde.
Ganz unerwartet schnell geht das Wachstum der lathonia-Raupe
vor sich, bis die anfangs anders gefärbte, vielleicht dem Vogel-Exkrement
36 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
ähnliche Raupe, sich verpuppt. Und nur der Tage bedarf es, bis der
Falter die Puppe verläßt. Im Zuchtkasten suchten die Raupen sich einen
Winkel an der Decke aus, wo die Hänge-Puppe nicht frei hing, sondem
durch iockeres Schutzgitter von Gespinnst abgesperrt war.
Die ilicifolia-Raupe, eine von ihren Verwandten recht verschieden
aussehende Raupe einmal hier im Garten auf der Kornelkirsche (Cornus
mas) beobachtet.
Ein gänzlich schwarzes 3 von Aglia tau in der Spielmanns-Au bei
Oberstdorf beobachtet. Als bei uns der Sommer längst eingezogen war,
flogen im oberen Rappenalptal jener Gegend dem Bach entlang, wo die
Alpen-Erle (Alnus alnobetula) wuchs, bei Sonnenschein wilde, braune Spinner.
Es waren die 55 von Endromis versicolora.
Exemplare von Cidaria caesiata, die abends an einer grünlichen
Orchis aus der Verwandtschaft der albida Scop. saugten, hatten am Kopfe
die Pollen-Büschel dieser Pflanze ankleben; sie tragen also zu deren Be-
fruchtung bei.
Man soll bei den Schmetterlingen nur im Notfalle Geburtshelfer oder
Hebamme sein. Als Schulknabe erkannte ich einmal an den Bewegungen
einer, im Gespinnst herausgenommenen potatoria-Puppe, daß der
Falter im Begriff war, die Hülle zu sprengen. Ein wenig helfen konnte da
nicht schaden. Nur das letzte Herausschälen des Hinterleibes machte Mühe.
Sehr erschöpft suchte das freigewordene Tier den Ruhesitz, fiel dabei mehr-
mals nieder. Aufblähen und Werden ging zwar rasch vor Sich; dann aber
stockte es. Ach, da saß nun einer der wunderlichsten Zwitter verkrüppelt.
da! Fühler und Fl, alles teils männlich, teils weiblich einzeln in gelb und
braun durchteilt. Ich schämte mich meiner Tat und bedaure sie heute noch.
Die „Zuneigung zum Weißen bei einigen Weißlingen“ (Iris 1919) betr.,
teilte Herr Direktor Patzschke, Wurzen, mit, daß Weißlinge sich auf weiße
Wollflöckchen setzten, die auf einer Wiese zum Trocknen ausgebreitet lagen.
Doch ist in diesem Falle nicht sichergestellt, ob nicht der Geruch des Urins,
mit dem die Wolle behandelt war, die Falter angelockt hatte.
Karl Dietze, Jugenheim.
Xystophora lutulentella Z. Raupe und Lebensweise scheinen bis-
her noch unbekannt zu sein. Die Verbreitung der relativ seltenen Art ist
wohl ziemlich lokal. Schütze führt nur ein bei Rachlau gefangenes Stück
an, ich habe den Schmetterling noch nie im Freien erbeutet. Die Raupe
lebt in der Wurzel von Filipendula ulmaria Maxim. vom Juli bis Mai, sie
überwintert ziemlich erwachsen. Die Falter schlüpfen Ende Mai und Juni.
Im Zuchtglas benehmen sich die Schmetterlinge recht schlau, bei der ge-
ringsten Störung lassen sie sich blitzschnell zu Boden fallen und verharren
dort wie tot. Einen gewissen Schutz bietet ihnen auch das erdfarbene Kleid,
welches sich der Umgebung gut anpasst. Die Eier werden jedenfalls gleich
am Wurzelhals abgelegt, wo sich die schlüpfende Raupe dann einbohrt,
denn am Stengel habe ich keine Fraßspuren beobachtet. Ich fand in einer
Wurzel bis vier Stück, dieselben Wurzeln sind auch oft noch mit Fliegen-
maden bzw. Tönnchen derselben besetzt, eine Art, welche ihr Larvendasein
im Stengel und Wurzelhals von Filipendula verbringt. Die Pflanze wächst _
vorwiegend an feuchten Orten, an diesen habe ich immer vergebens gesucht.
Der Falter scheint zur Eiablage mehr trockene und sonnige Orte zu wählen.
Die Raupe ist erwachsen 10—12 mm lang, walzig und von weißer Farbe.
Kopf hellbraun, Hals und Afterschild gelblich, ebenso die Brustfüße, jedes
Segment trägt zwei Wärzchen in zwei Reihen auf den Rücken geordnet mit
feinen hellen Haaren besetzt. H. Starke, Bautzen.
‘Kleine Mitteilungen. 87.
| Hydroecia petasitis Dbld. Vor vielen Jahren schon wurden, wie auch
in der Fauna von Sachsen erwähnt ist, bei Meißen Raupen dieser Art von
'Zeidler: gefunden, die Aufzucht mißglückte jedoch, da die Raupen noch zu
klein waren. Am 9. VII. 1922 fand ich gelegentlich’ einer Sammeltour bei
Meißen in Pestwurzstauden, die an einem Graben standen, beim Abschneiden
einen mit Kot gefüllten runden Gang. Ich hackte den 20 cm tiefen Wurzel-
stock heraus und fand in ihm eine ziemlich große, bleistiftstarke Raupe,
‚ elfenbeinfarben, oseits wenig und fein punktiert, mit 4 Punkten seitlich auf
jedem Segment, rotbraunem Kopf, schwärzlichem nach hinten zu aufhellenden
Halsschild und schwärzlichem Afterschild. Mit einer großen Hacke gelang
es mir die Wurzelstöcke herauszuhacken und 140 Raupen verschiedenster
Größe nach und nach zu sammeln. Bewohnt waren nur die Pflanzen, die
nicht im’Wasser standen. Ich pflanzte die Fraßstücke in einen großen
Gazekasten und stellte diesen in den Garten. Bei der Nachschau Ende
Juli hatten kleine Ameisen alle Raupen bis auf eine, die sich vorzeitig ver-
puppt hatte, aufgefressen. So erhielt ich nur } gutes ? am 2. VIII. Ich
köderte nun an der Fundstelle mehrmals bis Ende August, es ging jedoch
nur einmal 1 Q von petasitis an den Köder, 1 weiteres fing ich mit der
E Eiablage glückte nicht. Dagegen gelang es mir Mitte August 6 braune
uppen zu finden und zwar direkt an der Pflanze lose auf dem Erdboden
unter Gras liegend, die vom 20.— 25. VIII. schlüpften. — Dieses Jahr fand
ich am 10. Juni schon viele kleine Raupen im Blattstengel, der dann später
ausfällt und verfault und die Anwesenheit der Raupe anzeigt. Ich holte mir
dann Mitte VII. zirka 80 Raupen, pflanzte die Wurzelstöcke wieder ein,
behielt sie aber im Zimmer. Von den Raupen waren zirka 75°. von Schlupf-
wespen gestochen, so daß ich nur wenige Puppen erhielt. Erwähnen möchte.
ich noch, daß die Raupe Mordraupe ist und daß das Fangen der Falter
mit dem Netz schwer ist, da sie sehr scheu sind und sich schnell unter
den großen Pestwurzblättern verbergen. OÖ. Wilhelm, Meißen.
Zugänge zur Bücherei vom 1. X1. 1922 bis 1. XI. 1923.
1. Eingänge durch Geschenke.
Aurivillius, Description af some South African Heterocera (Annals South
African Museum Vol. XVII).
Aurivillius, EineneuePapilio-Art (P. Mörneri). (Entomologisk Tidskrift 1919.)
Aurivillius, New Species of African Lasiocampidae and Striphnopterygidae
from English Collections (Arkiv för Zoologi Bd. 9, 1915).
Aurivillius, New Forms of Lasiocampidae from the Transvaal Museum
(Annals Transvaal Museum Vol. 9, 1922).
Aurivillius, Results of Dr. E. Mjöbergs Swedish Scientific Expeditions to
Australia 1910 —1913,21.Macrolepidoptera (Arkiv för ZoologiBd.13,1920).
"Aurivillius, Sammlungen der Schwedischen Elgon-Expedition im Jahre 1920,
Lepidopteren (Arkiv för Zoologi Bd. 14, 1921).
Aurivillius, L.B.Prout und E. Meyrick, Lepidopteren von Juan Fernandez
u. der Öster-Insel (Natur. History Juan Fernandez and Easter Island
Vol. I).
Aurivillius, Diagnosen neuer Lepidopteren aus Afrika 10 (Arkiv för Zoologi
Bd. 10). (Geschenke des Verfassers.)
Aurivillius, Ergebnisse der Zweiten Deutschen Zentral-Afrika-Expedition
1910—1911, Ill. Teil (Geschenk von Dr. Schulze).
88 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Ferreira d’Almeida R., Melanges Lepidopterologiques, Etudes sur les
Lepidopteres du Bresil, Berlin 1922 (Geschenk des Verfassers).
Heller, K. M., Neue malayische, meist philippinische Bockkäfer und ein
neuer Rüsselkäfer (Tijdschrift v. Entomologie, Deel LXVI, 1923).
Heller, K. M., Die Coleopterenausbeute der Stötznerschen Sze-Tschwan-
Expedition 1913—1915 (Entom. Blätter 19. J., 1923).
Heller, K. M., Ein neuer Cryptophagine (Coleopt.) aus Java (Treubia
Vol. III, 1923).
Heller, K. M., Some new Malayan Carabidae, especially Philippine (Philip.
Journal Science Vol. 23, 1923). (Geschenke des Verfassers.)
Ragusa, E., Note Lepidotterologiche Siciliane (Bollet. Soc. Entom. Ita-
liana 1923).
Ragusa, E., Le Aegeridae (Sesiidae) della Sicilia (Bollet. Labor. Zool. gen.
e agr. Portici Vol. XVI, 1923). (Geschenke des Verfassers.)
Riley, Some new Rhopalocera from Brazil collected by Wickham (The
Entomologist Vol. XII, 1919).
Riley, A Note on some African Rhopalocera (l.c. Vol. LIII, 1920).
Riley, Some undescribed Rhopalocera in the British Museum (l.c. LIV, 1921).
Riley, A new Form of Tajuria from Ceylon (I. c.).
Riley, The Genus „Amblypodia“ auctorum (de Niceville, Moore, Swinhoe etc.)
nec Horsfield (I. c.LV, 1922).
Riley, Some undescribed Rhopalocera in the British Museum Lycaeni-
dae (l.c.
Riley, On ih undescribed Rhopalocera from Mesopotamia and N. W. Persia
and other Notes (Annals and Magasine of Natural History 1921).
Riley, Notes on the Genera Names of Indian Theclinae and Amblypo-
diinae (Journal Bombay Hist, Society 1923).
Riley and Godefrey, Some undescribed Rhopalocera from Siam (Journal
Natural History Society Siam Vol. IV, 1921). |
2. Eingänge durch Kauf und Tausch.
Seitz, Exotica, Liefer. 315—335.
Krancher, Entomologisches Jahrbuch 1923.
Metschl und Sälzl, Die Schmetterlinge der Regensburger Umgebung 1.Teil.
3. Zeitschriften.
Entomologische Mitteil. Berlin-Dahlem Bd. XI No. 5, Bd. XI No. 1-6.
Societas entomologica, Stuttgart, J. 37 No. 11 u. 12, J. 58 No. 1—9.
Insektenbörse, Stuttgart, J. 39 No. 21—24, J. 40 No. 1—18
Entomol. Rundschau, Stuttgart, J. 39 No. 11 u. 12, J. 40 No. 1—9.
Internat. Entomol. Zeitschr. Guben, J. 16 No. 16—26, J. 17 No. 1—13.
Entomol. Zeitschr. Frankfurt a. M. J. 30 No. 15—24, J. 37 No. 1—14.
Deutsche Entomol. Zeitschr. Berlin J. 1922 Heft 3 u.4, J. 1923 Heft 1—3..
Entomological News, Philadelphia Vol. 33 No. 9 u. 10, Vol. 34 No.8.
Kosmos, Stuttgart, 1922 Heft 9—12 (Lotze, Jahreszahlen der Erdgeschichte).
Entomol. Anzeiger. Wien, J. II No.11 u. 12, J. II No. 1—10.
Aus der Heimat, Stuttgart, J. 35 Heft 9—12.
Zeitschrift d. Oesterreich. Entomologen-Vereins, Wien, J. 7 No. 7- 12,:
J.8 No. 1—8;
Tijdschrift voor Entomologie, s’Gravenhage 1922.
Boletin Real Soc. Espanola Hist. Natur, Madrid, T. XXII No. 9 u. 10, T. XXI
No. 1—6.
The Entomologists Record and Journal of Variation, London, Vol. 29— 34,
Vol. 35 No. 1—10.
Zugänge zur Bücherei. ei 89
Entomologisk Tidskrift, Upsala Bd. 42, u. 43.
Mitteil.. Schweizer Entom. Gesellsch, Vol. XIII Heft 5 u. 6.
Wiener Entom, Zeitung, Paskau, J. 39 Heft 5—10.
Zeitschr. wissenschaftl. Insektenbiologie, Berlin, Bd. 17 No. 9—12, Bd. 18
No. 1—11.
Mitteil. Entomologia, Zürich 1923, Heft Ö.
Mitteil. Münchner Entom. Ges. J. 12 No. 7—12, J. 13 No. 1—5.
Stettiner Entomol. Zeitung J. 83, J. 84 Heft 1.
" American Museum Novitates No. 48, 50, 60, 63, 66, 68, 69, 75, 76, 80,
81, 82.
Bulletin Americ. Mus. Nat. History Vol. XV No. 3—
Bulletino Laborat. Zool. Gener. .Agrar., Portici, Vol XV.
Entomologiske Meddelelser, Kjobenhavn, Bd. XIV, Heft 2—3, Bd. XV 1-2.
Koleopterol. Rundschau, Wien, Bd. 10 No. 1—3.
Verhandl. zool. bot. Gesellsch., Wien, Bd. 72.
Jahrbücher Nassauischen Vereins, Naturkunde ]. 75.
Vereinsnachrichten.
Die Not unsrer Tage hat auch dem Verein Abweichungen
vom lang Gewohnten aufgezwungen. Das Versammlungslokal
im Zool. Garten mußte aufgegeben werden. H. Zeumer öffnete
dem Verein in uneigennützigster, gastfreundlichster Weise
sein eigenes Heim. Erstmalig mußte der Verein mit Nach-
forderungen an seine Mitglieder herantreten. Die vielen
" darauf folgenden Eingänge und z. T. wiederholten freiwil-
ligen Spenden bewiesen, in wie mäßigen Grenzen er sich
dabei mit seinen Forderungen bewegte und daß seine Mit-
glieder ihn in diesen trüben Zeiten aufs einsichtsvollste unter-
stützten. Allen Spendern spricht der Verein auch an dieser
Stelle wärmsten Dank aus! Das weitere Bestehen hängt von
der Treue und Opferwilligkeit der Mitglieder ab. Die ein-
gehenden Beträge fielen leider, soweit sie nicht wertbe-
ständig angelegt werden konnten, der ungeheueren Geld-
entwertung anheim, so daß sie jetzt nicht mehr die Porto-
kosten decken. Um dem für die Zukunft vorzubeugen und
zugleich für das Erscheinen der Zeitschrift die unumgäng-
- lich nötige geldliche Unterlage zu schaffen, wurde der Mit-
- gliedsbeitrag für 1924 auf 10 Goldmark festgesetzt (Umschlag-
seite 3). Die Kosten für das vorliegende Heit, die fast
200 Billionen betragen, sind ungedeckt, so daß die Bitte um
Nachzahlung von wenigstens 1 Goldmark an alle Mitglieder
ergeht. DerVorstand blieb derselbe. Die Mitgliederzahl er-
höhte. sich von 258 auf 265. Aufgenommen wurden die
Herren: | |
90 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
Balzer (Xanten),v.Froreich(Aachen),Hastenrath (Dresden),
Kapp (Frankfurt a. M.), Kotzbauer (München), Lehmann
(Kl. Hehlen), Schmidt (Bogotä), Schneider (Bleischwitz),
Schneider (Cannstatt), Sheljuzhko (Kiew), Siegler (Frank-
furt a. M.), Vieweg (Kriebstein), Walther (Gersdorf), Wörz
(Cannstatt), sowie die Univers. Cambridge, der Verein für
Insektenkunde Hannover und die Entomol. Vereinigung
Freiburg ı. Br. |
Ausgeschieden sind: Döhring (Königsberg), Faßl (Tep-
litz) Y, Fritzsch (Frankenhausen) f, Lehmann (Kl. Heblen),
l.oos (Gießen) 7, Meyer (Chemnitz) Y, Nassauer (Frankfurt
a.M), Rooß (Weiden), Stange (Friedland) und das Provinzial-
museum Hannover.
Die mit dem Steigen des Dollars verknüpften wirtschaft-
lıchen Folgen nahmen einen großen Teil der Vereinsabende
ın Anspruch. Daß auch die Entomologie zu ihrem Rechte
kam, freilich in etwas geringerem Maße als sonst, mögen
folgende kurze Berichte zeigen:
9. Januar 1923: Herr Skell zeigt: 1. über 50 Stück Lym.
monacha L., meist QQ, sämtlich aus Puppen vom Kottmar
(sächs. Lausitz). Abgesehen von 1 ©, bei dem das Rot des
Hleibes durch ein schwaches Gelb ersetzt ist (flavoabdo-
minalıs Schltz.), sind ab. nigra Frr., ab eremita O. u. ab.
atra Linst neben zahlreichen Uebergängen vorhanden. Ein-
zelne Stücke sind schön rauchbraun überhaucht. 2. Eine
ex o.-Zucht von Arct. villica L., Eier aus Klausen (Süd-
tirol). Die Ueberwinterung der R. ging völlig verlustlos
im ungeheizten Zimmer an trockenem Futter vor sich.
3. Eine ex o.-Zucht von Cat. elocata Esp. von einem
Dresdner @ und 4. von bei Zitzschewig Mitte Mai geleuch-
teten R. eine Reihe Agr. fimbria L. mit einzelnen dunkel-
braunen und -grünen Stücken sowie ÄAgr. orbona Hufn.
17. Januar 1923: Herr Draesecke bringt einige Par-
nassier und Pieriden der Stötznerschen Ausbeute mit ein-
zelnen neuen Ärten und ÄAberrationen.
7. Februar 1923: Herr E. Möbius legt Parn. apollo
phrynius Frhst. aus dem Oetztale vor. Die Grundfarbe der
Fl ıst rein weiß, die schwarze Beschuppung bes. bei den OO
ziemlich ausgedehnt. Die Augen sind ziemlich klein aber
sehr stark schwarz umrandet, sodaß das Rot bei einzelnen
last verschwindet. Unter 2 g'g' und 3 @Q von Parn. delius
Esp. fällt 1 © ab. herrichi Obth. auf. er
Vereinsnachrichten. 91
7. März 1923: Herr Kretzschmar zeigt 1 Parn. delius
Esp. ©, am 4. 8. 92 bei Innsbruck gefangen, das einen Ueber-
gang zur ab. cardinalis Obth. darstellt.
21. März 1923: Eine ex o.-Zucht des Herrn Skell von
-Agl. tau L. aus Bienenmühle ı. Erzgbg. ergab z. T. die
>> ferenigra Th. Mieg und Uebergänge zur Stammform.
Eine im August 1922 vom Kottmar eingetragene R. lieferte
ein Arct. caesarea Göze g'. Das Auftreten dieser Art im
Bautzener Bezirk ist neu. Von im Februar 1923 ım Dresd-
ner Großen Garten gesammelten Spannern sind erwähnens-
wert 1 auf den Ufl dunkelrostbraun und auch auf den
Afl dunkler bestäubtes g' von Hyb. marginaria Bkh., sowie
‚eine über 50 Stück umfassende Reihe von Hyb. leucophaearia
Esp. Q'9' mit 3 ab. marmorinaria Esp. und 34 ab. merularia
- Weymer mit vereinzelten Uebergängen zu diesen Formen.
‚Die ersten Tiere waren bereits am 4. 2. 1923 erschienen.
Marmorinaria trat diesmal im Gegensatz zum vergangenen
Jahre ungefähr ın der gleichen Anzahl wie die typische
Stammform auf, die auch wiederum in bezug auf hellere
und dunklere Tönung: der Vfl großen Schwankungen unter-
worfen ist. Merularıa scheint, wenigstens nach den Beob-
achtungen der letzten 3 Jahre, hier einige Tage eher zu
‚erscheinen. Am 4. 2. wurde nur dıe schwarze merularıa
gefunden, am 27. 2 überwog sie beträchtlich, am 1. 3. fand
sie sich nur noch vereinzelt unter der zahlreichen Stamm-
form.
17. Oktober 1923: Herr Skell legt seine Tagfalteraus-
beute aus Partenkirchen und Umgebung vor. Wie schon
der Mangel zusammenhängender Literatur über die Fauna
dieser Gegend vermuten läßt, ist dieselbe nıcht so zahlreich,
wie das prächtige Sammelwetter und die abwechslungsreiche
Flora eigentlich erwarten ließ. Besonders genannt seien fol-
gende Tiere: 4 Q9, 9 g'g' Parn. appollo luitpoldus Frubst.
vom Kofel bei Oberammergau. Nach der Originalbe-
schreibung Fruhstorfers (Intern. Entomolog. Zeitschrift, 3.
Jahrgang, S. 161) bildet die Rasse das Bindeglied zwischen
\dem melliculus Stch. aus Franken und der Regensburger
Gegend und dem bartholomaeus Stch. vom Königsee. Die
gg" ähneln melliculus, die QO bartholomaeus. Die auf
räumlich eng begrenztem ‚Gebiete erbeuteten Tiere sind
unter sich in bezug auf Flform und Zeichnung ziemlich ver-
schieden. Pieris napi ab. bryoniae Hüb. (Schachen, Kreuzeck,
Höllentalanger); Lept. sinapis L., in beiden Generationen
92 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1921.
durcheinanderfliegend (Loisachtal, Badersee); Col. hyale L.;
Pol. c-album L. (Loisach, Kaseralm, Badersee) und ab..hut-
chinsoni Robson (Kofel); Arg. euphrosyne L., pales Schiff.,
aglaja L., amathusia Esp., adippe L., paphia EN Erebia
pharte Hb,, prono& Esp., gorge Esp. in sehr großen
Stücken (Schachen, Zugspitze, Höllentalanger), aethiops Esp.,
euryale Esp. mit ab. isarıca Rhl., ligea L., lappona Esp.
vom Schachen ein besonders großes Stück; Epin. jurtina.L.;
Coen. arcania L., ipbis W.V., tiphon Rott.; Chrys. hippo-
tho& L., Lye. orbitulus ab. alboocellata Gillm., astrarche
Bgstr. mit ab. allous Hb., 2 kleine icarus Rott. og! von der
Walhalla bei Regensburg, bellargus Rott., coridon Poda
(in Menge vorkommend), arcas Rott. (Kofel); Hesp. andro-
ar Wiler. (Zugspitze), alveus Hb., Aug. sylvanus Esp.
und Erynnis comma L.
7. November 1923: Herr Werner zeigt seine in Berch-
tesgaden VI./VII. gefangenen Falter. Herr Walther legt eine
Serie Chrysoph. aleiphron Rott. ex ovo ver. Die Räupchen,
an Sauerampfer gezogen, überwinterten verlustlos im Freien
ın einem Blumentopf mit Eichenblättern. Ab März auf an-
getriebenen, angepflanztem Ampfer anfangs im ungeheizten,
dann geheizten Zimmer gediehen die Raupen gut und gaben
ım Juni die Falter.
November 1923. Joh. Skell.
OTTO OTTO OO LO LIU LO OO OL > 0 0 0 0 0 > 0 a 0 a 0 T > >00 9 0 >00 >
Bitte um Einsendung von Autobiographien!
Seit Jahren sammle ich Stoff für ein mehrbändiges biographisches
Entomologen-Lexikon, das Biographien von Entomologen und Arach-
nologen aller Zeiten und Länder enthalten soll. Der die Verstorbenen
behandelnde Stoff ist aus der Literatur schon zum großen Teil zusammen-
getragen, noch schwieriger ist es aber, biographische Mitteilungen über
noch lebende Entomologen zu bekommen. Da ist man in erster Linie auf
Autobiographien angewiesen, und daher möchte ich hierdurch bitten, mir
solche zusenden zu wollen. In Betracht sollen alle Entomologen und
Arachnologen kommen, die wissenschaftlich tätig gewesen, sei es als Ver-
fasser oder als Sammler, Die Autobiographien sollen möglichst so, wie
sie geliefert, abgedruckt werden. Wer seine Biographie nicht einsendet,
darf mit Aufnahme nicht rechnen. Wer bereit wäre, für das Werk Beiträge
zu sammeln, möge sich mit mir in Verbindung setzen. Die Drucklegung
des Werkes ist gesichert.
Embrik Strand
0. 6. Professor der Zoologie und Direktor des Systematisch - Zoologischen
Instituts der Universität Riga (Lettland), Kronvalda bulvars 9.
BIS: 70 5 |
we .37
Alphabetische Liste.
Alphabetische Liste
der im XXXVI. Band neu beschriebenen Formen.
-Allostylus M.H.g.n
Anastomophleps M. H. EA
claosticha M. H. h
Anthöcharis cardamines ab. luteola Jul. Steph. .
er Pr ab. marginemaculata Jul. Steph.
ab. umbratilis Jul. a
| Argynnis paphia ab, nana Jul. Steph.
Boarmia pseudopunctinalis Wrli.
Callopistria latreillei ab. anthracita Wagner
Castusa hoppi M.H. .
Colias palaeno europome ab. atavista Jul. Steph.
Dalima hönei Wrli. . .
Engivira quadroides M.H. .
Epinephele jurtina ab. nana Jul. Steph. s
Episema glaucina meridionalis ab. griseo- _violacea Wagner
Eupithecia insignioides Wrli.
Gazera gephyra M.H. RNE
Heterolocha jobaphegrapha Wrli.
Hypopta albicosta M.H. . . .
R* selenophora M.H.. .
Jodis putata f. orientalis Wrli. R
Melanargia galathea ab. depuncta Jul. Steph.
Nothomiza obscuristrigata Wrli. \
Nyssiodes ochraceus Wrli,
Organopoda atrisparsaria Wrli.
. Papilio bianor v. superans Draeseke .
2 confusus v. parvummaculatus Draeseke . j
Be philoxenus v. roseus Draescke
Parnassius apollo f. albofimbriata Stdr.
Poratophyga hyalinata v. totifasciata Wrli.
a.
Pyrameis atalanta ab. martha Jul. Steph.
Schausiania furfureus M.H.. . :
= ophtalmodes M.H.
Synaptophleps M.H.g.n. .
pelostema M. H. er
Thalpochares parva ab. fumosa Wagner
Tristrophis opisthommata. Wrli.
Vanessa antiopa ab. emma Jul. Steph.
rr zZ ab. nana Jul. Steph. .
e urticae ab. elisa Jul. Steph.
Zizera minima ab. minutissima Jul. Steph.
Seite
{ 16
pe ne
u
Deutsche
Entomologische Zeitschrift
SErES
herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Band XXXVlll. Jahrgang 1924.
(Mit 2 Tafeln.)
Schriftleiter: Dr. H. Walther.
Dresden 1924.
Verlag des Entomologischen Vereins „Iris“.
Druck von Kupky & Dietze (Inh.: ©. und R. Müller), Radebeul.
Inhalts -Uebersicht
des XXXVIl. Bandes 1924.
Draeseke, Joh., Die Ki der Stötznerschen Ausbeute.
II. Pieridae
Krüger, Dr. E., Die one Kolumklene eb AIR: Eile
gemeinen Bemerkungen über Morphiden 23—39, 99—132,
Lange, E., Ueber einige Aberrationen von Lycaena argus Schiff,
Die Eupithecien der Freiberger Gegend
Schultze, Dr. Arn., Zur FlugenE an zwei version Iris-
Mitglieder .
Sheljuzhko, L., Zur leer von ri. caecus Ma
Zwei neue palaearktische Aegeriiden-Arten
Stauder,H., Ueber osteuropäische u. transkaukasische Syntomiien
Stephan, Jul., Die Schwärmer der Grafschaft Glatz .
Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz
Strand, Prof. Embr., Lepidoptera aus Südwest-Australien . .
Warnecke, G., Doerriesia Ve
Wehrli, Dr. Eug., Nice-St. Martin Vesubie- Digne. Ein Beitrag
zur Lepidopterenfauna der Alpes Maritimes und der Basses
Alpes . : ; 50—57,
Bilcherbeaprech innen A
Kleine Mitteilungen .
Zugänge zur Bücherei .
Vereinsnachrichten
vr
f
.22, 39, 98, 222
Seite
1—8
223—268
8-12
159-180
268— 278
181-182
183— 185
219-—222
13 —22
186—219
135—148
149—158
59-98"
132 —134
278-279
280 —287
Alphabetische Liste der im XXXVII. Band neu Deschrie Formen.‘ .-1
Heft 1 erschien 15. Juni 1924.
Doppelheft 2/3 erschien 1. November 1924.
Heft 4 erschien 15. Januar 1925.
2 RISSE
0 Aa A
Bery
! J. Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute. II. Pieridae. 1
Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute.
Il. Pieridae.
Von Joh. Draeseke, Dresden.
Roger Veritys Werk ‚Rhopalocera palaearctica, Papi-
lionidae et Pieridae, Florenz 1905—1911‘, als letzte um-
fassende Bearbeitung dieser Gruppe, diente im Wesentlichen
als Grundlage der nachstehenden Aufzählung.
we Aporiacrataegiv.atomosa Ver 15 g'g' 399
Wa.43 g’g' 15 99 Sump., 1 g' Tat., 19 Tschöng., 3 J'g'
1 Q Kinh., 4 Jg’g! 2 92 Camp Waldfrieden, einem Ort, der
‚nach dem Datum, Ende Mai bis Anfang Juni 1915, zwischen
'Ömisien und Tatsienlu liegen muß. Von der Stammform
"A. crataegi L. kaum verschieden, zeigt die Useite der Hfl
der g'g' zwischen den Medianadern im Diskus spärliche,
schwarze Beschuppung, die bei den ©@Q oft den ganzen Hil
"bedeckt und ihm ein lichtgraues Aussehen gibt. Die Tiere
‘von Camp Waldfrieden übertreffen alle übrigen an Größe.
Durchschnittliche Flspannung von g'g' und 90 55 mm,
bei Stücken von C. W. gig! 62 mm 909 67!& mm. A.
hınpıa v.thibetana Gr. 18 g'g'! Sump., 34 J'g' Kwan.
PD = yar. steht der nachfolgenden A. hippia v. bieti Obth.
sehı nahe. Die etwas breitere Vflzelle und die weniger
gestreckte Flform sind ihre wesentlichsten Merkmale. Auf
der Useite ist der gelbe Apikalfleck der Vfl nicht so stark
ausgeprägt wie bei der var. bieti, auch die Farbe der Hfl
ist matt gelb und der gelbe Basalfleck hebt sich wenig von
der Grundfarbe ab. A. hippia v. bieti Obth. 945 J’g!
128 O9 Wa., 288 J’g' 9 99 Sump., 873 J'g' 180 99 Tat.,
4 g'g' Kwan., 16 29 Horbo, 15.—17. VIlı.1915 von Dr.
Weigold gesammelt. 4 g’g' 1 Q@ Peking. Die schwarze
Beschuppung beider Seiten der Adern aller Fl verbreitet
sich wie bei der var. thibetana auf der Oseite zum Außen-
rand. Useite der Vfl mit lebhaftem gelben Apikalfleck, die
fl ganz gelb. Die schwarze Umsäumung der Adern auf
der Useite der Oseite entgegengesetzt; am breitesten um
‘und an der Zelle, zum Außenrand schmäler. Bei allen
mir vorliegenden @Q fehlt die Beschuppung im Diskus der
Vfl fast gänzlich, nur der Außen- und Vrand sind schwarz
beschuppt, wodurch die glasigen Fl düster aussehen. Hfl
Deutsche Entomologische Zeitschrift ‚Iris‘, herausgegeben vom Entomologischen Verein I
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924. .
2 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
ähnlich denen der g'g', schwächer beschuppt und mehr
gelblich. Useits Vfl Apex und Hfl- gelblich, Vfl am Außen-
rande spärlich weiß beschuppt. An der Basis der Hfl tragen
beide Geschlechter mehr oder weniger ausgeprägte gelbe
Flecke, die bei Tieren mit grünlicher Useite kaum wahr-
nehmbar sind. Spannung 40—50 mm. Herr Taggeselle-
Meißen hatte mir ın liebenswürdigster Weise von Graesser
gesammelte A. hippia Brem. zur Verfügung gestellt. Bei
diesen ist der gelbe Basalfleck der Hfl-Useite stärker ent-
wickelt als bei den mir vorliegenden bieti. Die Untersuchung
der Genitalorgane ergab keine wesentlichen Differenzen, nur
der Penis von hippia ist länger und mit mehr nach auf-
wärts gebogenem Ende als der von bieti. Als Mittelform
könnte der von martineti angesehen werden, der fast so
lang wie der von hippia, aber etwas dünner ist und eine
kaum stärkere Biegung als der von bieti aufweist. Var.
bieti magna f.n. 116 J'g' Wa., 19 g'g' Tat. Reiner weiß.
Spannung 50— 60 mm. Var. oberthüri © Ver. 41 OO
Wa. 31 @Q Tat. Dunklere und mehr transparente Tiere.
Var. fumosa Obth: 11 g'’g! Wa., 62 gig! Tat. Die
schwarze Beschuppung erstreckt sich bei dieser var. über
den ganzen Vfl. Var.sulfurea*, Obth.3 g'g' Wa.,1g'
Sump., 4 gJ’g' Tat. Verity und Oberthür ziehen diese var.
zu bieti und ersterer bildet auch eine var. sulfurea pl.
XXVI Nr. 18 ab, die zweifellos zu bieti. gehört, weshalb
auch ich die gelben Stücke zu- bieti rechne. Ein Tier
ist tief schwefelgelb, viel intensiver als die Abbildung
"im Seitz. A. martineti Obth. 74 g'g! 19 Wa., 139
g'g' 14 QQ Sump., 130 g'g' Tat., 130 gJ'g! 3 99 Kwan.
Der wesentlichste Unterschied von den vorhergehenden
var. ist, daß die Vfluseite kaum schwarz bestäubte Rippen
zeigt, die gerade im umgekehrten Verhältnis als bei var.
bieti, nämlich zum. Außenrand breiter sind. Die Hfl-
useite, die bei var. bieti schwächere, schwarze Begrenzung
der Adern zeigt, weist hier sehr breit schwarz beschuppte
Adern auf. Auch die gelbe Farbe der Hil ist nicht gleich-
mäßig, vor allem der obere Teil der Hflzelle ist bei allen
Tieren heller und hebt sich ziemlich deutlich gegen den
unteren dunkleren Teil ab. Der gelbe Basalfleck wie bei
den.Formen von hippia stets vorhanden und deutlich. Auch
*) Die Schreibweise des von „sulfur‘ abgeleiteten Artnamens
halte ich für richtiger.
J. Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute. II. Pieridae. 3
die Flform von martineti ist gedrungener und mehr ge-
rundet wie bei bieti. Ob hier wirklich eine Form von
bieti vorliegt, bezweifle ich stark, glaube vielmehr, daß die
bisher als var. kreitneri Friv. beschriebene Form, die ich
'i.c. Bang-Haas mit var. martineti verglichen habe, mehr
verwandtschaftliche Beziehungen zu dieser als zu hippia
"hat. Daher stelle ich martineti als eigene Art und
kreitneri als var. dieser auf. A. martineti stötzneri
ab. nov. 1 g' Sump. Etwas kleiner als normale g'g' mit
rußiger Verdüsterung des Vfl-Vrandes, die aber kaum in
den oberen Teil’ der Zelle eindringt und erst zwischen dem
vierten Subkostaladerast und der oberen Radialader einen
kleinen Fleck der weißen Grundfarbe frei läßt. Bei nor-
malen Tieren sind die Adern nur schwarz umzogen, so
daß zwischen Kostal- und Subkostalader und deren Aesten
die Grundfarbe durchblickt. Die Hfl sind im Vwinkel etwas
stärker rußig als bei normalen Tieren. Die Useite ist von
der typischer Tiere kaum verschieden, nur im Hfl haben
die Subkostal- und obere Radialader sehr breite schwarze
Bestäubung. A.alpheraki Ver. 3 gJ’g' Wa. 2 J'd!
Tat. Diese schöne auffallende Aporia erinnert beim flüch-
tigen Anblick an eine riesige hippia var. bieti. Reinweib,
mit schwarz begrenzten Adern. Die Useite aller Fl weiß,
die Hfl mit kräftigem, gelben Basalfleck, die Fühler ganz
schwarz, ohne gelbe Endglieder, wie sie alle vorherbe-
schriebenen Aporien aufweisen.
Metaporia largeteaui Obth. 211 g’g' 66 99 Kwan.
Fühler wie bei alpheraki ganz schwarz und allmählich ver-
dickt, ohne scharf abgesetzten Kolben. Der vorigen Art
ähnlich, aber noch größer, unterscheidet sie sich durch ein
schwarzbraunes Band, das Vfl und Hfl auf der Useite dem
Saum parallel durchzieht und auf der Oseite durchscheint.
Die ©O sind viel dunkler als die g'g', aber im Wesentlichen
der Zeichnung ihnen gleich. Die Hfl unten mit gelbem Basal-
Beck, M.acraea Obth. = M. lotis Leech.. 61 g’g! 3 E9
Wa.37 g'g' 399 Tat., 2 g'g' Tschöng. Fühler ganz schwarz,
einen deutlichen, flachgedrückten Kolben bildend. Aus-
dehnung der schwarzen Zeichnung der Fl sehr variabel. In der
"Anordnung der dunklen Flecken und Binden gleichen die
- 0 vollkommen den g'g', nur ist die Grundfarbe mehr
gelblich und die dunklen Flecken gelbbraun. Oberthür
beschrieb zuerst das © als M. acraea (Bull. Soc. Ent. France,
1885, p. CCXXVIJ; und Et. d’Ent., XI., 1886, p. 15, pl. II, f. 7);
4 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Leech, Butt. China, 1893—94, p. 463. M. lotis Leech (Ento-
mologist, XXIII, 1890, p.192. Butt. China, 1. c., pl. XXXVI,
f. 6). Verity, der die Tiere pl. XXIX, fig. 2 und 3 abbildet,
schreibt Seite 125 darüber: „L’exemplaire ©, probablement
aberrant, qui a servi A Oberthür pour sa description ori-
ginale de acraea, differe passablement de celui que je figure
ici, et qui m’a et&E communique aussi par Oberthür sous le
nom de acraea, ayant ete recolte dans la m&me localite
que le 9’ et lui ressemblant beaucoup. En effet l’exem-
plaire figure par Oberthür (l.c.) a les aıles plus allongees,
bien plus arrondies et leur limbe exterieur est tres convexe,
tandıs que le bord abdominal est au contraire concave et
non convexe. Ce sont ces differences qui ont empeche
Leech de reconnaitre acraea dans les exemplaires normaux
quil a regus de Chine, ce qui fait qu'il les a decrits A
nouveau sous le nom de lotis, figurant le g'; un examen
attentif du g' de acraea que m’a communique M. Oberthür
et de cette figure m’a toutefois convaincu qu'il s’agit du
meme insecte, quoique les taches blanches diffuses contigu&s
au limbe des posterieures soient un peu plus grosses chez
l’exemplaire figure par Leech.“ M.acraea funkei f.n.
2 9'9' Wa. Die schwarzen Zeichnungen so stark reduziert,
daß der Vflzellabschlußfleck fehlt und nur der Rand eine
breite, dunkelbraune Binde trägt. Sie ist nach dem ver-
storbenen Entomologen der Expedition E. Funke genannt.
M. goutelli Obth. 10 g’g! Wa., 8 g’'g' Sump., 130 J'g!
69 Tat, 8 g’g' Kwan. M.goutelliv.melanochroa
Ver. 2 J’g! Wa. 6 g'g' Tat. .M. procrısWererT
Jg Wa. 368 J'g', 1299 Sump., 12 g'g' Tat, 12 gg!
Pek. Die Fühler wie bei lotis und goutelli, am Ende stark
verdickt, aber im Gegensatz zu dem hier angeführten
Metaporien, mit gelbem Endglied. Die @9 gleichen den
Jg" vollkommen, nur die Grundfarbe ist schwach lehmgelb.
Mesapia peloria Hew. 25 g'g', 5 29 Sump., 3
J'J' Tat., 68 Jg’g', 8 QQ. Dschie song la, ein Gebirgsstock
von etwa 6300 m, südlich von Tat. Bei Tieren vom letzt-
genannten Fundort sind alle Fl ın beiden Geschlechtern
viel spärlicher beschuppt.
Delias belladonnaF. 265 J’g' 7799 Wa.,2g'g'
Sump., 4 g'g' Tat., 1 g' Pek., 1 g' 4909 Om. D.sanaca
v.subnubila Leech. 1 g'? Wahrscheinlich von Herrn
Dr. Weigold erbeutet. D.sanaca v.adelmaMitis. 1
J' Wa. D.patura v.lativitta Leech. 1 g! Wa.
J. Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute, II. Pieridae. 5
(Synchlo&ä=) Leucochlo&£ daplidice v. avidia
Ver. In großer Anzahl aus Peking. L. daplidice v.
Bmphimara 2 g’g' 192 Sump., 191300 Tat. L. da-
Bhidice .bellidice Ochsh. 19 Tat.
S.dubernardi Obth.5 g’g'Wa.3 g’g'Tat. S:duber-
nardiv.rothschildi Ver. 12 Sump. (Ver.pg.328 und 29,
pl. LIX, fig. 8—11.) Unterscheidet sich hauptsächlich von
der Stammform durch ein schwarzes Band, das in der Mitte
der unteren Diskozellularader der Vfl entspringt und sich
parallel dem Außenrand bis zur Submedianader fortsetzt. Hfl
weiß, mit schwarzen Adern. Die Vfluseite in der Zelle und
zwischen der Submedian- und dem dritten Medianaderast
grau, im Apex gelblich. Die Hfl gelb, mit breit:schwarz ge-
randeten Adern, die aber nicht wie bei der Stammform,
durch schwarze Flecke verbunden sind; so daß eher der Ein-
druck der Useite von S. venata Obth. hervorgerufen wird.
S.kozlovi Alph. 1 © (ohne genauere Fundortangabe).
Merkwürdig ist, daß bei allen mir vorliegenden Synchlo&
og" der dritte Subkostaladerast im Apex fast an der FI-
spitze, wie bei Pieris, gegabelt ist. Wenn dubernardi,
kotzlovi etc. hierher gehören, so ist absolut kein Grund
vorhanden, davidis und venata, die dasselbe Merkmal tragen,
in eine andere Gattung zu stellen. Die ©Q haben den
dritten Subkostaladerast ungegabelt, aber das mir vor-
liegende © von kozlovi macht hierin eine Ausnahme. S.
davidis Obth. 8 g’g' Wa., 68 J’g! 3 99 Tat. Weicht
von den Aporiaarten und Metaporiaarten durch die Fühler‘
ab, die wie bei Synchlo& mit weißen Schuppen bestreut
sind. Auch die Fransen der Fl sind länger als bei den
vorgenannten Gattungen und die Schuppen der Fl haben
eine länglichere Form als bei jenen, die abgerundet sind.
Davidis ist oseits rein weiß, alle Fl fein schwarz umrandet.
Vom Vrande der Vfl zieht ein schwarzes Band, dem Außen-
rande parallel zum Irand, den ersten Medianast kaum über-
schreitend; zwischen diesem, dem Vflrand und den breit
schwarz begrenzten Adern tritt die Grundfarbe hervor,
'weiße Randflecke bildend. Die Fransen sind lang, im
Apex der Vfl fast ganz schwarz, mit weißen Spitzen. Nach
dem Irande hin nimmt die weiße Farbe zu, so daß im I-
winkel ganz weiße Fransen stehen. Hfl mit durchweg hellen
Fransen und einem kleinen, schwarzen Subapikalfleck. Auch
ist die=-Medianader von der Wurzel bis zur Abzweigung
des ersten Medianastes breit schwarz bestäubt. Die Useite
6 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
der Vfl ist weiß, mit schwarzen Adern, sonst ohne jede
Zeichnung. Die Hfl mit etwas breiteren schwarz umzogenen
Adern und leicht gelblich getönt, ebenso auch der Apex
der Vfluseite. Durch den oberen Teil der Hiflzelle zieht
ein breiter, schwarzer Strich und ein feiner Mittelstrich,
der aber auch fehlen kann. Diese Striche, wenigstens der
\
obere stark ausgeprägte, finden sich bei dem mir vor-
liegenden Material nur bei S. dubernardi Obth., S. kozlovi
Alph., S. davidis Obth., S. venata Obth., S. stötzneri n. sp.,
P. melete v. mandarina Leech und v. orientalis Obth., aber
bei keiner sonstigen Aporia oder Metaporia. Die 99
gleichen den g'g', nur ist die weiße Grundfarbe mehr grau.
Die Hfl haben useits in beiden Geschlechtern, wie bei
dubernardi, vor der Subkostalis und zwischen der Sub-
mediana und Mediana kurze, gelbe Basalstreifen. S. da-
vidis v.nigricans Ver. 19 Tat, Verzerpenrn
XXIX, fig. 16. Seitz, Tagfalter. Bd. 1. Taf. 17d. S.-da-
vidis v. diluta Ver. 22 g'g' 10 99 Sump. Ver. Le.
pg. 329, pl. LIX, fig. 12. Reiner weiß, mit verminderter
schwarzer Zeichnung. S. venata Obth. 33 g'g! Wa.,
24 J’J' 7 29 Sump., 385 Jg! 19 Tat., 24 g'g' Kwan. Der
vorigen ähnlich, im Durchschnitt etwas kleiner, dieschwarzen
Fransen der Vfl weiter zum Irande reichend als bei da-
vidis. Erst vom ersten Medianaast ab, Hfl von der Sub-
mediana.an mit weißen Fransen. Die Oseite aller Fl gleicht
vollkommen der von davidis, nur die Hfluseite ist intensiv
gelb, ebenso auch der Apex der Vfluseite, auch sind die
Adern der Hfl sehr breit schwarz umrandet, so daß letzteres
Merkmal dem Tier fast das Aussehen einer kleinen duber-
nardı gibt. Die QQ9 sind den g'g! ähnlich, etwas dunkler,
aber scheinbar nicht so variabel als bei davidis; denn alle
mir vorliegenden QO sind sich vollkommen gleich. S.
stötzneri spec.nov. 8 g'g' Tat. Gleicht auf den ersten
Blick einer großen davidis, der aber das Submarginalband
der Vfl fehlt. Die Adern sind zum Außenrande hin nur
breit schwarz beschuppt, so daß die weißen Randflecken
fehlen und höchstens angedeutet sind. Hfl reinweiß, alle
Fl schmal schwarz umrandet. Fransen im Apex der Vfl’
schwarz, am Irand weiß, Hfl ganz weiß befranst. Useite
wie bei davidis, nur kräftiger gelb, ebenso der Apikalfleck
der Vfl. Der gelbe Basalfleck der Hfl verschwommen. Die M-
zellen, namentlich der Hfl breiter als bei davidis und»venata.
Verity bildet das Tier, Tafel XXX fig. 46, als davidis ab.
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d
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J. Draeseke. Die Schmetterlinge der Stötznerschen Ausbeute, II. Pieridae. 7
Breris melete v. mandärina Leech. 4dgdg
Bag'g" Sump., 1 g" Tat. 75 g'g! 56 29 Kwan., 5 gig!
Wolungkwan, 47 g’g' 6299 Omi. P.melete v. orientis
Obth. 13 g’g'! Wa., 74 g’g' 22 99 Omi. Verity zieht die
v. orientis zu melete nicht zu P. napi L., weshalb auch hier
orientis als Form von melete angeführt wird, da auch ich
mehr dazu neige, die Verwandtschaft der beiden anzunehmen.
Prextensa Poujade. 19! Wa. P.rapae v.orien-
Br Oobth gl 3 99 Wa., 12 J’g! 5 29 Sump;; 19
gg 40909 Tat., 283 Jg’g' 23 99 Kwan., 74 g'g' 38 99 Peking,
39'609 Wolungkwan. Die liere ähneln den europäischen
P. rapae L. außerordentlich, weisen auch dessen Variationen
auf, unterscheiden sıch aber leicht durch grüne, stark aus-
geprägte Basalflecke der Vfluseite. P.rapae v. metra
Steph. 3 g'g' Minh. Stücke, die der europäischen v.
immaculata gleichen. P.canidia ab. clarıpennis
Br 10 il 2 OO Wa., 36 JTTOO Tat., 34 Jg! 10 99
= Kwan., 76 g'g' 40 99 Om. P. canıdia ab. sordida
Btir. 4 gg! 19 Wa. 4 gig! 3 99 Sump., 4 909 Tat., 14
g'g' 18 90 Kwan., 23 Jg 6 22 Om. 19! 1Q Wolungkwan.
= Mideascolimus Btlr. 6 gJ’g!’ 2 99 Wa, 3 Jg’!
2 OO Kwan,, 4 g’g' 3 99 Omi.
Bchöchariıs bıeti.Obth. 11 g’g! Wa:, 2 g'g' 10
OO Sump., 4 g'g' Kwan., 1 9' Wolungkwan., 7 J’g' 2 99
Dome Arcardamines v.thibetana Obth. 21 Jg!
BeoaWa, 1620 09 Sump,, 79 g'g' 18 99 Tat., 4 Jg! 2
OO Kwan. 2 g’g' Wolugkw., 21 g’J' 5 29 Omi.
TeriashecabeLl. 120 gig! 15 99 Wa, 27 Jg! 3
©O Sump., 15 J’g' 299 Tat., 3 J'J' 3 29 Kinh., 4 J'g° 2.
Bes 1A nahe Tat., 4 g'g' 2 99 Omi. T.hecabev.
mandarina de l’Orza. 2 g'g' 799 Wa., 4 g'g' Sump,,
10.55 Tat., 17 g'g' Kinho., 6 J'g' Omi.
Colias hyalef.polyographus Motsch. 24 J'g'
4 00 Wa., 13 g'g' 5 99 Sump., 6 g'g" Batang, 9 J'JT5 29
Minh. In großer Anzahl aus Peking. C. polyographus
v.hera. Gr. Gr. 5 Q9 Wa., 3QQ9 Sump., 329 8. V. 1915
_ Batang, 11 QQ Peking. Gelbe @9. C.polyographus v.
alba © Stgr. In Anzahl aus Peking. Weiße 99. C.
Beim Obth. 11 gg 2 99 Sump.,.1 g' Tat. :C:
sifanica v.nebulosa Obth. 8 g’g' 7 99 Sump. Die
Zeichnung der Fl kräftiger als bei der Abbildung im Seitz
l.c. T.26f. Auch der Diskalfleck im Vfl ausgeprägter, mit
kleinem weißen Kern bei einigen Stücken. C. fieldi.
8 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1923.
21 Jg 2 QQ Wa., 234 Jg! 7 99 Sump., 25 gIg' 499 Tat.,
2 gg! 8. V1.15, 3 g'g! 9. VII. 1914. Beide Daten Nähe Tat.
52 gJ'g' 40 29 Kwan., 20 gJ'g' 7 99 Min., 11 g'g! Om. C.
fieldi v.chinensis Ver. 6 g’g' 29Q Wa.,8 g'g! 14
OO Sump., 6 J'g' 10 QQ Tat., 25 J'g' 30 99 Kwan., 8 J'g!
2 ©Q Min., 6 J'J' 2 99 Omi.
Gonepteryx rhamni v. nepalensis Doubl.
2 Jg! Wa., 1 g' 30. VII. 15 Batang..G.rhamni v. amu-
rensis Graes. 9 J’g' Wa. 2 J'g' Tat., 2g'g9'19Q9 Om.
&.alvinda Blanch.' 2 g'g' Wa. 13 9572 Osama
20 g'g' 6 99 Tat.. 3 g'g! 1 9 Kwan., 40 g'g' 19 Wolung-
kwan., 58 J'g'2099 Omi. G.amintha Blanch. 3 gJ'’g!
400 Wa.,7 gg! 5 QQ Tat., 299 Min. 4 gig! 599 Om.
Diese Art hat große Aehnlichkeit mit amurensis. Die
Ecken, namentlich der Hfl sind nicht so ausgeprägt und
stumpfer als ‚bei amurensis., deren dg'g' auch mehr
zitronengelb und die @9@ mehr grünlich sind, während
amintha orangegelbe g'g' und weißliche OO hat.
Leptidiaamurensis MeEn. 1 g'’ Peking, 7" g'g'1
oO Minh. L. amurensis v. morsei Fenton. 4 g'dg!
Minh., 10 J'g! 2 29 Wolungkwan., 14 g’g' Wa.
Schlußbemerkung.
Im ersten Teil meiner Arbeit hat sich auf Seite 4 Zeile 17
von unten ein Druckfehler eingeschlichen und ist parvun-
maculatus inparummaculatus umzuändern.
Ueber einige Aberrationen von Lycaena argus Schiff.
Von Sprachlehrer E. Lange, Freiberg.
In der Festschrift des Vereins für Naturkunde zu Cassel
1911 beschreibt Dr. Ebert ein @ von Lyc. argus, das er
ab. caeruleo-cuneata benennt. Auf der Abbildung
dieser wundervollen Aberration sieht man auf den Hfl oseits
je sechs radienförmige, himmelblaue Keile, ausgehend von
den roten Randmonden und in dem dunklen Wurzelfeld
sıch verlierend. Die Vfl sind normal dunkelbraun. 22. VII. 07
bei Cassel gefangen, i.c. Ebert. Ich fing am 13. VII. 23 auf
einer Halde bei Freiberg ein ganz ähnliches Exemplar von
tadelloser Beschaffenheit, das aber außer je sechs himmel-
E. Lange. Ueber einige Aberrationen von Lycaena argus Schiff. 9
blauen, radiären, keilförmigen Streifen auf der Öseite der
Hfl noch auf beiden Flpaaren eine intensiv blaue Wurzel-
bestäubung aufweist. Von den doppelten Analmonden geht
ein breiter blauer Streifen bis zur Flwurzel; die anderen fünf
Keile nehmen nach dem Iwinkel zu an Länge ab. Was den
Falter aber noch ganz besonders reizend macht, das sind
die weißen äußeren Einfassungen der schwarzen Saum-
punkte auf der Hfloseite.
An gleicher Stelle bringt Dr. Ebert die Beschreibung
und Abbildung eines Lyc.argyrognomong, bei dem
die schwarzen Saumpunkte der Hfl nach außen rein weiß
abgegrenzt sind, so wie ich es oben bei meiner caeruleo-
cuneata anführte. Dr. Ebert benennt das Stück albomar-
ginata. Er nimmt an, daß dies eine große Seltenheit ist,
da sogar dem Nestor der Lycaeniden, Prof. Dr. Courvoisier,
Basel, weder Beschreibung noch Bild einer ähnlichen Ly-
caenenaberration bekannt geworden ist. Auch hiervon be-
"sitze ich noch ein Pendant und zwar ein Argus ©, gefangen
. 25. VII. 23 auf der gleichen Halde. Die reinweiße äußere
Abgrenzung der sechs schwarzen Saumpunkte hebt sich
wunderbar scharf ab von der schwarzen Saumlinie und den
grauen Fransen. Nach innen. befinden sich über den
schwarzen Punkten nur ganz schwach angedeutete Orange-
fleckchen, während die Vfl dieselben ganz entbehren. Die
Grundfarbe aller Fl ist schwarzbraun mit bläulicher Wurzel-
bestäubung. Außer diesem und dem oben unter caeruleo-
cuneata angeführten Exemplar mit dieser weißen Begren-
zung besitze ich noch drei weitere Argus @Q, bei denen
diese jedoch weniger intensiv und mehr bläulichweiß ist.
Ich habe meine sehr umfangreiche Lycaenidensammlung
nachähnlichen Aberrationen bei anderen Arten genau durch-
gesehen, konnte aber kein ähnliches Stück entdecken, sodaß
ich auch annehme, daß es sich hier um eine große Selten-
heit handelt.
Ueberhaupt ist für mich das Jahr 1923 in bezug auf Lyc.
argus recht erfolgreich gewesen. Während die meisten
sonst häufigen Lycaenen, wie icarus, coridon, bellargus,
damon, hylas, heuer recht spärlich flogen, war argus im
Juli recht häufig auf einigen Halden. Es ist dies die Ginster-
form, deren Raupe nur an Genista tinctoria lebt. Im August
sammelte ich öfter in der Heide bei Dornreichenbach in der
Nähe von Dahlen in Nordsachsen ebenfalls argus, der dort
zwischen dem 5. und 15. August ungemein häufig flog. Das
10 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
ist die Heideform, die immer später fliegt als die Ginsterform.
Im allgemeinen ist.die Ginsterform ım Kolorit heller blau
als die Heideform, auch sind die Stücke der ersteren
Form gewöhnlich etwas größer und die bei der Heideform
selten fehlenden Mittelmonde auf den Oseiten der Vfl, manch-
mal auch der Hfl, treten bei der Ginsterform seltener so -
deutlich hervor, meist fehlen sie ganz. Gewöhnlich fliegt
bei uns die Ginsterform in der letzten Woche des Juni.
Heuer jedoch wurde die Flugzeit infolge des kühlen und
regnerischen Juniwetters um fast 14 Tage hinausgeschoben.
Die ersten Falter traten um die Mitte des Juli auf. Ich habe
schon früher die Erfahrung gemacht, daß argus im weib-
lichen Geschlecht sehr zur Blaufärbung neigt, wenn zur
Zeit der Puppenruhe, das ist gewöhnlich von Anfang Juni °
an, das Wetter unternormal und regnerisch ist. So war
es 1916 und so war es auch dieses Jahr. 1916 waren fast
alle QQ blau bestäubt und heuer fing ich ebenfalls ca. zwei
Dutzend schöner blaugefärbter Weibchen. Meist ist nur
dıe Flwurzel blau bis etwa zur Mitte der Fl, doch besitze
ich auch einige Falter, wo das Blau sehr ausgedehnt ist
und fast bis zum Flrand reicht, wie wir es als Norm bei
der var. corsica finden, von welcher ich eine erößere Serie
,
von ca. 50 Stück von Vizzavona besitze. Die Heideform,
welche erst im August zu fliegen begann und deren Puppen-
ruhe nicht mehr in die diesjährige kühle und regnerische
er
-
DIEBE Dr a ae
Periode fiel, lieferte mir kein einziges blaubestäubtes ©.
Niedrige Temperatur und reichliche Feuchtigkeit erzeugen
aber auch öfter verarmte Formen bezüglich der Ocellation. °
Hiervon habe ıch dieses Jahr eine ganze Reihe wunder-
schöner Aberrationen gefangen, darunter 3 QQ ohne jeg-
liches Auge auf den Vfl und mit nur noch einem bis drei
kleinen Augen auf den Hfl. Zwei g'g' sind auf den Vil
ebenfalls vollkommen blind, während auch hier die Hfl nür
noch einige winzige Ocellen tragen; ein Stück hat auf dem
linken Vfl nur ein kleines Auge, auf dem rechten zwei; ein
anderes trägt auf dem linken Vfl zwei, auf dem rechten
drei, eins lınks eins, rechts drei verschwindende Augen;
zwei haben auf beiden Vfl je ein Auge. Mehrere Exemplare,
in der Hauptsache g'g', zeigen eine geringere Reduktion
in‘der Augenzahl, bei anderen sind die Augen sehr klein
und gehören somit zur Form parvipuncta Courv.
ui
Daß niedrige Temperatur und Feuchtigkeit Blaufärbung
der Q2 und Ocellenabnahme hervorrufen, ist experimentell
E. Lange. Ueber einige Aberrationen von Lycaena argus Schiff. 11
_ nachgewiesen worden. In Band XXX, Heft 4, der Iris be-
findet sich eine diesbezügliche Angabe von Zerling. Er
_ hat die frischen Puppen von Lyc. damon, bellargus und
icarus längere Zeit (bis 28 Tage) einer durchschnittlichen
Kellertemperatur von — 10° C ausgesetzt und die Gaze-
glocke, unter der die Puppen lagen, mit recht nassen Tüchern
überdeckt und erzielte auf diese einfache Weise lauter
mehr oder weniger stark blaugefärbte OO sowie zahlreiche
Falter mit stark verminderter Augenzahl. Viele Falter
waren gänzlich augenlos.
Das Schönste kommt jedoch zuletzt. Am 16. VII. 23
fing ich auf einer Halde bei Freiberg einen prachtvollen
geteilten Zwitter von argus, links g', rechts ©; männliche
Flgröße 12 mm, weibliche 14 mm; Vflbreite — gemessen
_ vom Apex bis zum Iwinkel — männliche Seite 7, weibliche
8 mm. Die rechte, weibliche Flseite ist an der Basis leicht
blaubestäubt. Abdomen in der Hauptsache weiblich, links
‚jedoch blaubestäubt. Die männliche Vflseite ist ganz blind,
Hfl mit nur drei Augen, die weibliche Seite hat vorn nur
zwei, hinten jedoch alle Augen. Ich fing bereits in früheren
Jahren einige bemerkenswerte Zwitter von argus in hiesiger
Gegend, so einen geteilten Zwitter, rechts :g', links © am
21. VI. 1910; ein © mit-ausgedehntem Blau auf dem rechten
Vfl anı 23. VI. 1910; einen partiellen Zwitter am 5. V11. 1913,
wo die linke Seite mehrere blaue Streifen aufweist; des-
gleichen ein ähnliches Exemplar am 17. VII. 1916. Ein J'
vom 16. VII. 1923 hat auf dem rechten Vfl einen durch die
ganze Flmitte gehenden weiblichen Streifen. Der am 21.
VI. 1910 gefangene Zwitter gehört gleichzeitig der Form
rufomaculataRev.an, d.h., der männliche Hfl hat oben
einige rote Randmonde. Von Fleischmann - Regensburg er-
hielt ich vom Juni 1917 1 ©, das auf dem linken Vfl
einen blauen,. männlichen Streifen hat, welcher von der
Flwurzel durch den Mittelmond bis zum Außenrand reicht,
und von Fitz- Wien erhielt ich ein einfarbig schwarzbraunes
© ohne jedweden rostroten Fleck, mit vielen kleinen männ-
lichen Streifen auf allen vier Fl, gefangen am 20. VI. 1909
bei Pottschach in Niederösterreich. Auch die Heideform
lieferte mir am. 10. VIII. 1923 einen Zwitter. Bei diesem
ist nur der rechte Vfl ausgesprochen männlich, mit wenigen
dunklen Partien zwischen dem Blau.
Von useitigen Aberrationen fing ich noch in der Heide
5 QQ mit je einem Wurzelauge auf den Vfl; ein Stück weist
72 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
sogar zwei kleine Wurzelpunkte auf dem rechten Vfl auf,
wie der typische icarus. Dieses Auftreten eines oder
mehrerer Wurzelpunkte bei Arten, die sie sonst entbehren,
ist eine große Seltenheit. Courvoisier nennt solche Stücke
ab.novopuncta. Ich besitze von dieser Form einige
weitere Exemplare aus früheren Jahren und zwar 4 OO und
1 g',im ganzen demnach 10 Stück. Das weibliche Geschlecht
scheint also mehr zur Neubildung von Wurzelaugen zu
neigen als das männliche.
Erwähnen will ich noch einige andere Aberrationen, die
ich dieses Jahr unter der Heideform bei Dornreichenbach
gefangen habe. Drei QQ gehören zur Form costojuncta
Courv. Hier ıst das erste Auge der Bogenreihe mit dem
ersten Wurzelauge auf den Hfl zusammengeflossen. Ein ©
ist retrojuncta Courv. mit Verschmelzung des vorletzten
Bogenauges am Analwinkel mit dem dritten Wurzelpunkt.
Einige QQ gehören zur ab. limbojuncta Courv. Hier
sind einige Bogenaugen der Hfl mit den schwarzen Bogen
über den Orangeflecken zusammengeflossen. Daß ich auch
einige Falter fing, bei _ denen die silbernen Schuppen auf
den schwarzen Saumpunkten auf den Hil gänzlich fehlen,
will ich nicht unerwähnt lassen. Es erinnert dies an die
alpine Form aegidion Meissner.
Im Anschluß an diese Angaben über Lyc. argus möchte
ich noch erwähnen, daß ich von Jüngling-Regensburg 1 ©
von hylas erhielt, das auf der Oseite der Vfl einen sehr
auffallenden weißen Ring um den Zellschlußfleck hat. Das
ist bei hylas gewiß eine große Seltenheit, die ich bei den
zahlreichen Exemplaren meiner Sammlung nicht wieder-
finde. Bei coridon ist diese Erscheinung nicht selten. Auch
bei sehr vielen englischen astrarche von den Black Halls
Rocks tritt dieser Ring auf (ab. albiannulata Harr.). Diese
Aberration gehört zur ab. albicincta Courv.
J. Stephan. Die Schwärmer der Grafschaft Glatz. 18
Die Schwärmer der Grafschaft Glatz.
Von Julius Stephan, Friedrichsberg a. d. Heuscheuer.
Vorbemerkungen.
Das alte Wockesche Verzeichnis führt 18 Sphingiden-
- Spezies für die Provinz Schlesien auf; es ist nicht anzu-
nehmen, daß diese. Zahl in der demnächst zu erwartenden
Neubearbeitung eine Erhöhung erfahren hat. Nach Abzug
der drei als „Zugvögel“ bekannten Südländer nerii, livor-
nica, celerio bleiben noch 15 Arten, die sämtlich auch
im Gilatzer Gebiet vorkommen. (Bei der Flugkraft der
Schwärmer können die Gebirgsmauern kaum ein ernst-
haftes Hindernis bedeuten.) Freilich zeigt sich hier keine
einzige in dem Individuenreichtum wie an manchen Stellen
_ des Flachlandes; das gilt vor allem für den dort sehr ge-
meinen Sph. pinastri. Dagegen sind andere Spezies, die
in der Ebene meist nur spärlich auftreten, im Gebirge
zahlreicher, so proserpina, gallı und insbesondere die beiden
Hummelschwärmer tytius und fuciformis, die man in ge-
wissen Sinne geradezu zu den Charakterschmetterlingen der
höheren Lagen zählen kann. — Celerio euphorbiae L. fehlt
vielen Stellen des Glatzer Gebietes und zeigt sich an
andern nur als Seltenheit, weil die Futterpflanze der Raupe,
Euphorbia cyparissias, in den Bergen nur wenig ver-
breitet ist.
Im übrigen verweise ich auf die Einleitung zu
meiner Arbeit „Die Tagschmetterlinge der Graf-
schaft Glatz“ in der Iris, Band XXX VII (1923), p. 20—26.
Sphingidae.
Acherontia atropos L_ Nirgends im Gebiet häufig und
nur in tieferen Lagen; im heißen Sommer 191]. wurde mir
indes eine R. noch von einer 600 m hoch liegenden Fund-
stelle (Seitenberg) gebracht. 1X, X; im Frühjahr hier noch
‚nie beobachtet. Zuweilen an Bienenständen angetroffen
(Cudowa, Tanz), einmal auch in einer Konditorei (Altheide?),
fliegt spät abends, besucht Baumsaft, kommt ans Licht;
Kopulation soll oft im Fluge stattfinden (Head.). F. duftet
nach Moschus. Hier beobachtete Aberrationen: diluta
Closs., imperfecta Tutt. R. grüngelb, selten braungrau;
14 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
frißt meist nachts; sitzt tagsüber versteckt, zuweilen an
vergilbten Blattbüscheln und ist nicht leicht zu entdecken;
gibt bei Berührung knisternde Töne von sich. Polyphag,
wird bei uns fast nur an Solanum tuberosum gefunden;
ölt sich vor der Verpuppung ein, geht 10—15 cm tief in
die Erde, gräbt Löcher und Gänge (nach Art der Mäuse),
konmt häufig wieder an die Oberfläche und fertigt sich
endlich eine geräumige eiförmige glatte Erdhöhle, in der
sie 4—8 Tage unverwandelt liegt. P. zuerst gelblich weiß,
dann dunkel rotbraun, ruht 4—5 Wochen; @Q schlüpfen
meist am Abend oder späten Nachmittag, g'g' gewöhnlich
des Nachts. Daß auch der noch in der P. befindliche F.
quiekende Töne von sich geben kann, konnte ich wieder-
holt konstatieren. Der aus der Erde sich herausarbeitende
F. sieht anfangs aus, als wäre er mit Fett überzogen.
(Weiteres siehe die einschlägige Literätur, auch Stephan,
Fliegende Blumen.)
Herse (Protoparce) convolvuli L. Ueberall verbreitet,
auch in höheren Lagen; in manchen Jahren häufig. VII,
IX; ım Frühjahr hier von mir noch nicht gefunden. Be-
ginnt schon zu fliegen, wenn es noch hell ıst, besucht oft
starkduftende Blumen (Phlox, Nicotiana); in Carlsberg a. d.
Heuscheuer (750 m) sah ich VII. 1916 Dutzende die Pe-
tuinen-Kästen einer Veranda umschwärmen. Der F. fliegt
rasch und andauernd*), mit tiefem, starkem Brummton,
kommt auch ans Licht, ruht tagsüber an Zäunen, Baum-
stämmen, lelegraphenstangen; Kopulation erfolgt nachts
und dauert oft bis zum nächsten Tage. Die g'g' können
leise Töne hervorbringen (Rudow) und geben einen moschus-
artigen Geruch von sıch (Standfuß). — Abweichende Stücke
sind nicht selten: ab. grisea Tutt., ab. unicolor Tutt.
(1 großes @ IX. 1912 in Seitenberg in einem Kartoffelkeller
von mir aufgefunden), ab. virgata Tutt (1916 häufig,
Stephan, Carlsberg und Friedrichsberg a. d. Heuscheuer),
ab. minor Tutt. (1 g' von mir in Keilendorf, Kreis Glatz,
15. IX. 1919 nachmittags bei 4 20 C fast erstarrt an einem
Chausseestein sitzend gefunden). — Eiablage einzeln an die
Blattunterseite und Stengel von Convolvulus arvensis, auch
*) Anläßlich einer Mittelmeerfahrt konnte ich (im August 1910)
ein die Schiffslampen umschwirrendes Exemplar von convolvuli
beobachten, das jedenfalls mit dem Westwinde von der 110 km
entfernten Küste Spaniens gekommen war. |
J. Stephan. Die Schwärmer der Grafschaft Glatz. 15
an C. sepium (Lederer). R. meist braun, selten grün, ist
sehr gefräßig, frißt zuweilen auch am Tage, hält sich an
der Erde, an Kartoffelstauden, auf Stoppelfeldern u. dergl.
versteckt; häutet sich viermal; schlägt beim Ergreifen mit
dem Vorderkörper um sich und sondert aus dem Maule
‚eine grüne Flüssigkeit ab. Erwachsen „seift“ sie sich ein,
läuft unruhig umher, verfärbt sich und geht endlich tief in
die Erde, wo sie sich in einer Höhlung nach 4—6 Tagen
verwandelt. P. ist sehr empfindlich, überwintert häufig und
geht dann bei uns natürlich zugrunde. F. schlüpft nach-
mittags.
Sphinx ligustri L. Vielerorts in geschützten Lagen
häufig, in manchen Jahrgängen sehr gewöhnlich; im höheren
Gebirge meist einzeln. Von Mitte V bis Ende VI, in höheren
Lagen noch Ende VII. Fliegt spät abends an Blumen,
-blühendem Liguster u. dergl., umschwärmt gern das Licht;
sitzt bei Tage, durch die Färbung der Vfl geschützt, an
Planken, Zaunpfählen, Mauern. — Abweichungen! ab.
spiraeae Esp. (VI.1909, Seitenberg, Stephan), ab. pallida
Tutt, ab. obscura Tutt, Uebergänge zu rosacea Rbl.
(öfters durch Zucht erhalten). R. frıißt bei Tage, nimmt in
der Ruhe die bekannte Sphinx-Stellung ein; variiert in der
Färbung beträchtlich, häutet sich viermal, ist in ca. 6 Wochen
erwachsen. Futterpflanzen: Syringa, Spiraea, Viburnum,
Ligustrum, auch Fraxinus. P. in einer Erdhöhle, „überliegt‘
manchmal, ergibt aber in warmen Jahren zuweilen noch ım
Herbst den Falter. So fand ich X. 1921 ganz kleine Räupchen
(an Flieder), die nur von einem vorzeitig geschlüpften F.
herrühren konnten.
Sph. (Hyloicus) pinastri L. Im ganzen Gebiet ver-
breitet bis in Höhen von 900 bis 1000 m, aber nirgends
so massenhaft wie an manchen Stellen der Ebene. Von
Ende V bis Anfang VII, aber nur in einer Generation.
Sucht gleich nach Sonnenuntergang Blüten auf (Saponarıa,
Lonicera (Nachtkerze); ich beobachte ihn alljährlıch in
meinem Garten an blühendem Flieder. Stellt sich häufig
am Köder ein, auch am Lichte, sitzt bei Tage schlafend
in 1—2 m Höhe an Stämmen, verflogene Stücke auch an
Zäunen und Mauern. Kopula erfolgt nachts; das © sitzt
meist mit dem Kopfe nach oben, das g' umgekehrt; die
Tiere lassen sich am Tage ohne weiteres abnehmen. Der
F. variiert beträchtlich; nicht selten sind ab. typica-
virgata Tutt. (Eulengebirge) und Uebergänge zu
16 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
brunnea Sp. Die weißen und schwarzen Hinterleibsflecke
treten bei Glatzer Stücken in der Regel nur undeutlich
hervor. In einem auf sturmumbrauster Hochfläche (etwa
800 m hoch) gelegenen Fichtenschlage bei Friedrichsberg
fand ich fast alljährlich im VII zwerghaft kleine Exemplare
von 27 bis 29 mm Vfllänge; der schwarze Längsstrich im
Apex ist verloschen, die dunklen Saumflecken fehlen
gänzlich; die Form mag ab. minor Jul. Steph. heißen. —
R. hellgrün, sehr selten braun, lebt an Kiefern (auch Zier-
bäumen), bei uns meist an Fichten; an Lärchen habe ich
sie noch nicht gefunden. Hält sich meist in den Wipfeln
auf und frißt bei Tage, schlägt bei Berührungen heftig um
sich und läßt ein braunes Sekret aus dem Maule fließen.
Eidauer 10—12 Tage, die ganze Entwicklungsdauer der R.
je nach der Witterung 6—9 Wochen. P. unter Moos, Nadeln,
gewöhnlich am Fuß der Stämme; soll auf Glockentöne
durch Bewegen der freien Segmente reagieren. (Eckstein).
Mimas (Dilina) tiliae L. Nicht überall häufig, einzelnen
Stellen und höheren Lagen fehlend. VI, VII; eine Gene-
ration. Fliegt in der Dämmerung, zeigt sich oft am Licht;
sitzt am Tage än Stämmen, aufgeschichtetem Holze, im
Laube u. dergl.; ıch traf den F. auch auf blanker Erde.
Das Tier sieht einem welken oder noch nicht ausgebildeten
Blatte ähnlich und wird vielfach. übersehen. F. ändert
stark ab; hier sind beobachtet oder durch Zucht erhalten
worden: ab. pallida Tutt., virescens Jutt, lutescens
Tutt, brunnea Brt, maculata Wllgr., costipuncta
Clk.,, marginepuncta Tutt, centripuncta Clk. —
R. auf Linde und Birke (seltener auf Pflaume, Eiche, Ulme,
Erle, Esche, Wallnuß, Kastanie), sitzt, meist hoch, an Blatt-
stielen oder an der Mittelrippe der Blattunterseite, häutet‘
sich viermal und ist nach 6—8 Wochen erwachsen. P. oft
am Fuß von Alleestämmen, unter Wurzeln, Laub, Steinen,
zwischen Gras, zuweilen in Rindenspalten; besitzt grünes
Blut (Pabst).
Smerinthus ocellata L. In einzelnen Gegenden (be-
sonders in Gärten) recht häufig, im Gebirge einzeln. Mitte
V bis Ende VII. Fliegt meist erst spät nachts, oft erst
nach Mitternacht, zuweilen noch in der Morgendämmerung,
l.ommt häufig ans Licht; besucht nie Blumen, lebt nur
einige Tage; sitzt am Tage an Bäumen, Sträuchern, Zäunen,
dürrem Holz. (Trutzstellung und Wippbewegung!) Ko-
pulation langdauernd; die g'g' kommen oft aus weiter
= J. Stephan. Die Schwärmer der Grafschaft Glatz. 17
Entfernung zum ©. — Aberrationen nicht selten: ab. rosea
"Brt, ab.grisea Cl. ab. diluta Cl. — R. nicht leicht zu
entdecken, in der Färbung wechselnd je nach der Futter-
_ pflanze (Weide, Apfel, Birne, Pflaume, Schlehe, Pappel);
sitzt in Sphinx-Stellung gewöhnlich an der Blattunterseite,
häutet sıch drei- bis viermal, ist in 6—8 Wochen erwachsen.
P. glänzend, in einer Erdhöhle, ergibt den F. auch im Freien
_ manchmal noch ım VIII, IX. F. schlüpft frühmorgens; Ent-
wicklung sehr unregelmäßig.
Amorpha populi L. Meist häufig, an höher gelegenen
“Punkten selten oder fehlend. Mitte V bis Ende VII, in
geschützten Lagen und warmen Sommern eine unvoll-
ständige zweite Generation. Fliegt spät nachts bis zum
Morgen, wird vom Licht angelockt, nımmt keine Nahrung
zu sich, lebt nur 4—8 Tage, läßt sich bei Störungen oft
fallen und führt auch Wippbewegungen aus; Kopulation
nachts und morgens. Ed. Scholz fand bei Neundorf 1
populi g' mit 1 ocellata © in Kopula; Hybriden *)
sind im Freien meines Wissens im Gebiet noch nicht ge-
funden worden; häufig dagegen sind die Aberrationen:
fuchsi Brt., rufa Gillm., rufa-diluta Gllm., rufes-
censSel,ferruginea-fasciata Gllm.,pallida Tutt.
pallida-fascıata Gllm., roseotincta Rt. grisea-
diluta Gllm., cinerea-diluta Gllm. u.a. (Meist durch
Zucht erhalten). — R. auf Pappeln und Weiden (vereinzelt
auch auf Obstbäumen), verrät sich durch die Fraßspur
und die nach unten hängenden Blätter ; Färbung wechselnd,
manchmal fast weiß. Die R. ölt sıch, bevor sie zur Ver-
puppung in die Erde geht, ein. P. nicht glänzend wie die
von ocellata, sondern von stumpfer schwärzlicher Farbe.
Haemorrhagia (Hemaris) tityus L. (= scabiosae Z. —
bombyliformis Esp. = fuciformis Pd.) Im ganzen Gebiet,
bis in Höhen von 900 m; in manchen Jahren und an ge-
wissen Lokalitäten überraschend häufig. Von Anfang V
bis Mitte VII; bei uns nur eine Generation. Heliophil;
fliegt rasch und schnurrend, wie eine Hummel brummend,
besucht rastlos Blumen (Ajuga, Pulmonaria, Leontodon,
Cardamine, Lychnis, Scabiosa), schwärmt von 10 Uhr vor-
mittags bis 3 Uhr nachmittags. Besonders auf sonnigen
*) Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf die wundervoll reich-
haltige Sammlung von Schwärmer-Hybriden des Herrn Medizinalrats
Dr. Dannenberg-Glatz hinweisen.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Euntomologischen Verein II
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
18 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Waldwiesen und Waldwegen, kommt auch in die Dorf-
gärten. An einem blumenübersäten Abhang bei Friedrichs-
berg (ca. 800 m) konnte ich Ende VI 1923 in einer halben
Stunde mehrere Dutzend der honiglüsternen F. beobachten.
Zuerst erscheinen g'g', später QQ, zuweilen sieht man
auch spielende Pärchen im Wirbeltluge. Kopula tagsüber
im Grase. — Die Eier werden einzeln oder zu zweien an
die Blattunterseite von Scabiosa, Succisa, Knautia (angeblich
auch Lonicera und Galium) gelegt. R. liebt Trockenheit
und Wärme, versteckt sich gern an anderer Vegetation
und am Boden, sonnt sich aber auch zuweilen, besonders
in den letzten Stadien. P. an der Erde, zwischen: Moos,
Blättern u. dergl. in einem mit Krümchen durchsetzten
leichten Gespinst. Der auskriechende F. hat noch Schuppen
auf den Fl., die indes schon während des ersten Fluges
verloren gehen. Bei drei (geflogenen) Stücken meiner
Sammlung (1 g'Q gef. 1. VI. 1923 Friedrichsberg a. d. Heu-
scheuer, 1 g' 24. V. 1909 Olbersdorf bei Landeck) sind die
hyalinen Flteile rostgelb überlaufen: ab. nov. ferrugineus
Jul. Steph.
H. fuciformis L. (= bombyliformis ©. = lonicerae Z.)
Gleichfalls bis ın höhere Lagen hinauf verbreitet, wenn
auch nicht immer so zahlreich wie tityus. V, VI; abge-
logene Stücke noch im VII. Auf blumenreichen Wald-
lıchtungen und Wiesen, kommt öfters in Gärten, um (in
Gesellschaft des vorigen) an Fliederblüten zu saugen. Flug
schießend rasch. R.an Lonicera, Symphoricarpus, Galium (?),
sitzt anfangs an der Blattunterseite, später am Stengel; ist
in ca. vier Wochen erwachsen. — Die im Glatzer Gebiet
gefangenen Stücke zeigen oseits fast durchweg viel dunk-
leren, fast schwarzen Flsaum (etwa wie die aus dem Osten
bekannten a-ffinis Brem.), der bei einigen Exemplaren
deutlich gezähnt ist (Uebergang zu milesiformis Fr.)j;
der Hinterleibsgürtel ist nie rot, sondern schwarz (ab.
heynei Brtl.), die dahinter liegende Zone olivbraungrün,
die Seitenschöpfe weißgelb. Bei zwei Stücken (gef. von
mir 30.V. 1918 in Johannesthal bei Bad Reinerz), ist der
schwarze Hinterleibsgürtel sehr breit und durch zwei weiß-
graue, sılbrig glänzende Halbringe unterbrochen: ab. yov.
circularis Jul. Steph.
(Deilephila (Daphnis) nerii L. Soll nach einer (schwer
kontrollierbaren) Angabe von Nichtsammlern „vor Jahren“
bei Habelschwerdt beobachtet worden sein. Da nerii
. sowohl als Falter als auch als Raupe in heißen Sommern
]. Stephan. Die Schwärmer der Grafschaft Glatz. 29
schon öfters in Schlesien gefangen worden ist, ist es na-
türlich nicht unmöglich, daß die Art zuweilen auch in der
Grafschaft Glatz als „Irrgast“ auftritt).
Proserpinus (Pterogon) proserpina Pall. (= oeno-
therae Schiff.) In mittleren Lagen jahrweise nicht selten;
V, VI; E. Scholz fing den F. 1901 und 1902 bei Neundort
(bei Habelschwerdt) in Anzahl an Syringenblüten. Flug
rasch; beginnt bald nach Sonnenuntergang; am Tage ruht
der F. in der niederen Vegetation, wird zuweilen aber auch
fliegend getroffen. R. an Epilobium angustifolium (Oeno-
thera kommt hier an den meisten Flugplätzen nicht vor);
frißt nachts, bei trübem Wetter auch tagsüber, versteckt
sich sonst unter Steinen, Blattwerk, Wurzeln, verzehrt mit
Vorliebe Blüten; häutet sich viermal; läuft vor der Ver-
puppung oft weit umher; Färbung meist braun, selten grün.
P.in der Erde, unter Moos. F. schlüpft am Tage, läuft lange
_ mit unentwickelten Flügeln hin und her.
Macrogiossum stellatarım L. Ueberall, in manchen
Jahren sehr häufig, VII bis X*,) in geschützten Lagen
überwinternd bis V. Heliophil, fliegt aber auch an trüben
Tagen; saugt, schwebend vor der Blüte stehend, an Ga-
lium, Geranium, Saponaria, Echium, Stellaria, häufig auch
an Klee und überreifen Früchten; kommt nicht selten in
Gebäude, zeigt sich sogar in den Straßen der Städte, wo
er Blumenstöcke auf den Balkons und Veranden aufsucht.
Flug sehr rasch und gewandt. Ruht an Zäunen, Felsen
und Mauern; ich treffe jedes Jahr einige Stücke an der
Wand meines Arbeitszimmers. Man kann öfters beobachten,
daß der F. an Mauern oder Felsen lange nach einer pas-
senden Stelle sucht, bevor er sich niederläßt, am liebsten
dann an grauen Steinen, Planken oder an Mauerbewurf
(Seitz). R. an Galium (auf Böschungen, in Steinbrüchen),
angeblich auch an Rubia tinctorum; verrät sich durch die
_ kahlgefressenen Blütenstände; frißt auch bei Tage; leicht
zu finden. Die erwachsene Raupe „ölt“ sich ein und ver-
kriecht sich unter dürren Blättern und Moos. P. ruht vier
Wochen, die der zweiten Generation überwintert gewöhnlich.
Celerio (Deilephila) euphorbiae L. Nur an wenigen,
tiefgelegenen Stellen, in mittleren Lagen eine Rarität, im
höheren Gebirge völlig fehlend. VI, VI; in heißen Sommern
*) In Oberschlesien fing ich ein frisches ? noch am 10. XI.
20 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
eine teilweise zweite Generation. F.schwärmt nach Sonnen-
untergang an Echium, Selene u. dergl., kommt auch ans
Licht und an den Köder; nach 9 Uhr beginnt der Hoch-
zeitsflug: das g' umtanzt das ©, berührt es mit den Fühlern,
entfernt sich wieder, um dann blitzschnell mit ausgebreiteten
Afterbüscheln darauf loszuschießen und die Vereinigung
zu vollziehen. R.an sonnigen trockenen Stellen, wo Eu-
phorbia cyparissias wächst, soll auch andere Wolfsmilch-
arten (und nach Stichel auch Polygonum aviculare) fressen;
meine R. nahmen ungewohntes Futter nicht an, sondern
gingen nach mehreren Hungertagen ein. R. sitzt erwachsen
gern auf der Futterpflanze und ist weithin sichtbar, ver-
puppt sich flach auf der Erde unter einem lockeren aus
Hälmchen, Erdkrümchen, Steinchen zusammengesponnenen
Gewebe. P. überliegt oft mehrere Jahre; F. schlüpft zeitlich
sehr unregelmäßig. Hier beobachtete .Aberrationen: suf-
fusa Tutt, rubescens Grb., cuspidata Rb., grisea
Cl, demaculata Schu.
C. gallii Rott. An vielen Stellen, besonders in mittleren
Lagen, nicht selten, zeitweise allerdings recht spärlich. VI,
VI. Fliegt in der Abend- und Morgendämmerung an Epi-
lobium und anderen Blumen, zuweilen (nach Seitz) sogar
am hellen Tage, kommt auch ans Licht. Ruht in niederer
Vegetation, auch an Wänden. Kopula wie bei euphorbiae,
erfolgt: mehrmals. R. an Epilobium angustifolium, Galium
(angeblich auch an Rubia und Fuchsia), frißt gern Blüten,
liebt Trockenheit, wird viel von Parasiten heimgesucht;
hält sich am Tage meist im unteren Teil der Nährpflanze
auf, steigt abends höher hinauf; man findet sie meist an
trocknen Lehnen, sonnigen Waldschlägen, auch in Gärten.
P.in einer Mulde an der Erde; Verwandlung dauert ca.
eine Woche. Einige F. schlüpfen bei Zimmerzucht noch im
Herbst. — Aberrationen: pallida Tutt., flavescens Cl.
Eine hübsche Form mit größerem, gelbbraunen, abgesetzten
Fleck auswärts an der Keilbinde fing und züchtete Ed.
Scholz nicht selten in Neundorf bei Habelschwerdt; ich
nenne sie zu Ehren des genannten Entomologen und aus-
gezeichneten Naturkenners (z. Zt. Rektor in Oppeln) ab.
scholzi Jul. Steph.
(C. lineata f. livornica Esp. Ist wiederholt in Schlesien
gefangen worden; über das Auftreten des F. im Glatzer
Gebiet habe ich keine zuverlässigen Angaben erhalten
können).
J. Stephan. Die Schwärmer der Grafschaft Glatz. 21
| Pergesa (Chaerocampa) elpenor L. Nirgends selten,
geht bis 900 m hinauf. Von Mitte V bis Ende VII. Schwärmt
gleich nach Sonnenuntergang an duftenden Blumen; ich
fange den F. stets an blühendem Flieder. (Ein kostbares
Vergnügen, die hin- und herhuschenden gespenstischen
Gestalten zu beobachten!) Hochzeitsflug erst spät abends
oder in der Morgendämmerung; Minnespiel und Kopula
wie bei den Celerio-Arten. F. stellt sich häufig am Licht
ein, zuweilen auch am Köder, nach Lederer an reifen Erd-
beeren. R. meist braun, seltener grün, an Epilobium, Ga-
lium (auf Waldblößen, ın Steinbrüchen), frißt auch Vitis
und Ampelopsis, verträgt Futterwechsel; kommt auch an
schattigen feuchten Stellen vor; hält sich tagsüber gern in
der Nähe des Bodens auf, abends in den höheren Partien
der Futterpflanze, verzehrt mit Vorliebe Blüten. Bei Be-
unruhigungen wird die bekannte „Schreckstellung“ einge-
_ nommen (cfr. Seitz). ErwachseneRR. sehr lebhaft. Verpuppung
- Ende VIII, Anfang IX an der Erdoberfläche unter einer mit
Krümchen und Blattstückchen locker verwebten Decke.
P. lebhaft, zeigt Widerhäkchen an den Gelenken der Ab-
dominalsegmente. F.schlüpft manchmal schon im Herbst. —
- Abweichungen: ab. obsoleta Tutt. (Friedrichsberg, VI
1917), Transitionen zu ab. clara Tutt. (Eulengebirge).
Pergesa (Metopsilus) porcellus L. Verbreitet, aber
nirgends häulig, zeit- und stellenweise sehr selten. Ende V
bis VII. Fliegt, manchmal in Gesellschaft von elpenor, ın
der Dämmerung um Blüten (Lychnis, Echium, Symphori-
carpus, Lonicera u.a.) und hält sich beim Saugen mit den
Vorderfüßen fest, überspringt gewandt schon von andern
Faltern oder Insekten besetzte Blüten; kommt öfters ans
Licht, auch an Köder. Hochzeitsflug um Mitternacht; Ko-
- pulation sehr stürmisch. Am Tage fand ich den F. mehr-
fach auf Strauchwerk ruhend; beerensammelnde Kinder
brachten ihn mir wiederholt. R. an Galium, Epilobium,
Impatiens, an sonnigen Abbängen, Eisenbahndämmen,
trocknen Chausseegräben; liebt Wärme, versteckt sich bei
Tage (unter Geröll und Laub), verrät sich durch Exkre-
mente und durch die Fraßspuren; ringelt sich bei Störungen
zusammen und läßt sich fallen, häutet sich viermal, ist ın
-5—6 Wochen erwachsen. Färbung meist graubraun, manch-
mal grün; die kleine R. besitzt ein Horn, das sie später ver-
liert. P. an der Erde. — Aberrationen: clara Tutt. (Eulen-
gebirge), indistincta Tutt. Zwergstücke nicht selten.
22 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Hippotion (Chaerocampa) celerio L. Diesen Zugvogel,
den man in der Provinz schon mehrmals gefunden hat,
glaube ich Ende VII. 1922 bei Friedrichsberg gesehen
zu haben. Das Tier saugte bei brennendem Sonnenschein
an blühendem Klee (celerio fliegt ja zuweilen auch am
Tage, besonders im Süden); ein Netzschlag traf es nur mit
dem Reifen und muß es für Sekunden betäubt haben;
während ich es noch am Boden suchte, erhob es sich in
rasend schnellem Fluge hoch in die Luft. (Es war ein großer,
sehr schlanker, etwas hell schimmernder Schwärmer, der
nur celerio, allenfalls livornica, gewesen sein muß;
eine andere Art kommt hier kaum in Frage.)
Bücherbesprechung.
Die Krankheitsüberträger und Krankheitserreger unter den Arthro-
poden von Dr. Adolf Eysell, Ill. Aufl. Leipzig 1924, Verlag von
J. Amb. Barth.
Dieses umfangreiche Werk mit 723 Seiten Text bildet den 1. Band des
Handbuches der Tropenkrankheiten von Dr. Carl Mense. Von den zahl-
reichen Gliederfüßlern, welche die Gesundheit von Mensch und Tier ge-
fährden, seien hier wenige wichtige kurz genannt: Von den Zecken als
fast ausschließliche Ueberträger von Tierkrankheiten Boophilus annulatus
als Ueberträgerin des Texasfiebers der Rinder, dann von den Läusen die
seit dem Kriege wohlbekannte Kleiderlaus als Ueberträgerin des Fleckfiebers,
ferner die Bettwanze, dann die Flöhe, unter diesen der Sandfloh (Sarco-
psylla penetrans) als afrikanische Landplage. Von den Stechmücken Culex
pipiens und Anopheles maculipennis, letztere als Ueberträgerin der Malaria,
von den Kriebelmücken sei Simulia reptans als gefährliche Blutsaugerin bei
Haustieren genannt, von den eigentlichen Fliegen die Stechfliege bei uns,
besonders aber die berüchtigte Gattung Glossina als Ueberträgerin der
Trypanosomen in tropischen Ländern, s. G. morsitans der Tsetse-Krankheit
der Rinder und G. palpalis der Schlafkrgnkheit des Menschen. Dann
folgen die Milben mit Scabies scabiei usw. Die Systematik, Anatomie,
besonders der Angriffswerkzeuge, die Lebensweise, die Fortpflanzung, der
Fang und die Bekämpfung aller dieser Schädlinge sind auf Grund der
neuesten Forschungen vollendet, oft geradezu fesselnd geschildert. 341 in-
struktive Textfiguren und 12 zum Teil farbige Tafeln zieren das auch sonst
buchhändlerisch erstklassig ausgestattete Werk und erleichtern das Ver-
ständnis wesentlich. Umfangreiche Literaturangaben bei jedem Kapitel, bei
den Stechmücken (Anopheles) allein 62 Seiten, geben Zeugnis von der ge-
waltig angewachsenen Literatur und intensiven Forschung, besonders in den
letzten Jahren. Nicht nur jeder Arzt, sondern auch der entomologische
Leser dieser Zeitschrift wird den Inhalt mit großem Interesse studieren und
dadurch beitragen, daß die erwünschte Kenntnis über diese Feinde von
Mensch und Tier größere Verbreitung erlangt. Möbius.
_ _E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 23
Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgemeinen
Bemerkungen über Morphiden.
Beer rR. Krüpver, Halle as.
Unter den Tagfalterfamilien Südamerikas sind es ge-
wöhnlich die Morphiden, die dem Sammler das meiste
Interesse abgewinnen, teils durch ihre Schönheit, durch
das eigenartige leuchtende Blau, das in verschiedenen
Tönen schillert und vom tiefen Violettblau der rhetenor-'
und menelaus-Gruppe bis zum hellen Himmelblau des
adonis und zum weıßlichen Perlmutterblau des sulkowskyi
_ wechselt, teils durch ihre Größe, mehr noch durch dre
Seltenheit und die Schwierigkeit des Fanges bei vielen hoch-
fliegenden Arten. Unvergeßlich steht wohl jedem Sammler
nach Jahren der Tag, an dem er seinen ersten Morpho
fing, im Gedächtnis. Bei mir war es ein schöner klarer
Novembermorgen ım schattigen Maravaltal auf Trinidad. An
den Hängen der seitlichen Hügelketten Kakaopflanzungen
mit hohen gleichsam einen Wald bildenden Schattenbäumen.
Im Talgrund ein klares über steinigen Grund plätscherndes
Flüßchen, eingefaßt von Musazeen (Helikonien) und kleinen
Bambushainen, deren Halme sich gleich mächtigen Straußen-
federn über das Wasser wölben. Es war gegen 10 Uhr
vormittags, noch hob sich der tiefe Schatten der Ufer und
Bäume scharf und schwarz von dem sonnenhellen Grün der
Musazeenspreiten und der kleinen im Winde spielenden
Bambusblättchen ab. Da tauchte aus dem Schatten des
Bambus ein großer in der Sonne hellblau aufleuchtender
Schmetterling auf, schwebte in langsamen Bogen um das
Gebüsch, verschwand und erschien wieder an einer an-
deren Stelle, um bald hier, bald dort seine Kreise zu ziehen.
Aber vergebens waren alle Bemühungen, seiner habhaft
zu werden; bald flog er zu hoch, bald war er über dem
Flusse, bald verschwand er im Bambusdickicht, und als
das übliche Mittagsgewitter die Sonne verdunkelte, war er
eanz verschwunden. Mit dem ersten schwer fallenden
Tropfen machte ich mich schleunigst und enttäuscht durch
das Bambuswäldchen auf den Heimweg, da fiel mein Blick
auf ein Blatt in der Nähe des Fußbodens, und siehe da,
auf seiner Oberfläche saß mit geschlossenen Fl und vor-
ee
24 Deutsche Entomol. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
gezogenen Vfl regungslos der Morpho peleides, der jetzt
leicht zu fangen war.
In nachstehendem gebe ich meine Erfahrungen über die
Morphiden Kolumbiens wieder, das ich während 5'/, Jahre
durchwandert und zum größten Teil mit Ausnahme des
Amazonengebietes im äußersten Südosten kennen gelernt
"habe. Ehe ich zu den einzelnen Arten übergehe, seien
mir noch einige meist bekannte zusammenfassende Be-
merkungen über Lebensgewohnheiten, Vorkommen usw.
gestattet.
Alle Morpho-Arten sind Bewohner des Waldes und in
erster Linie des Urwaldes. Nur achilles und peleides trifft
man in Kolumbien auch noch in den kleinen mehr oder
weniger ausgeholzten Waldstreifen der Schluchten, wie
man sie vielfach als letzte Reste einstiger Waldungen im
Magdalena- und Caucatale findet. Weitaus die meisten
sind Bewohner des heißen Landes und von diesen gehen
wiederum nur achilles und peleides über 1000 m hinaus.
Achilles traf ich bis 1200 m und peleides sowohl im
Magdalena- wie im Caucatale bis 1600 m. Im gemäßigten
Lande von 1000 oder 1240 bis 2000 m ist in Kolumbien
wohl nur rhodopteron heimisch, den ich in der Sierra
Nevada de Sa Marta zwischen 1400 und 2000 m antraf.
Von außer kolumbianischen Morpho-Arten scheinen im ge-
mäßigten Lande heimisch zu sein: aurora“) und vielleicht
portis und Iympharis (Seitz, S. 348). Im kalten Lande (2000
bis 3000 m) findet sich nur sulkowskyi mit seinen Vertretern.
Ihrer Lebensweise nach kann man zwei jedoch nicht ganz
scharf geschiedene Gruppen unterscheiden: die Bewohner
des Unterholzes, die aega-menelaus-achilles-Gruppe und die
Besegler des grünen Wipfelmeeres, die adonis-sulkowskyi-
hekuba-rhetenor-Gruppe. Die ersteren trifft man auf
Waldwegen, wo sie plötzlich aus dem seitlichen Unterholz
auftauchen, dem Wege gewöhnlich eine Strecke weit in
einer Höhe von 1 bis 2m folgen und dann wieder geschickt
im Gebüsch verschwinden. Ebenso trifft man sie an
kleineren Flußläufen, wo sie dem Wasserlaufe in derselben
Höhe langsam und gemächlich folgen, einen Genossen
verwandter Arten, der ihnen begegnet, einige Male um-
kreisen und dann ihren Weg weiterziehen, um nach einiger
Zeit zurückzukehren. Die Angehörigen der anderen Gruppe
*) A. Fassl, Entomol. Rundschau Nr. 8. 37. J. (1920).
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 25
schweben über dem grünen Wipfelmeer, rhetenor und
ceypris halten sich dabei mehr an die kleinen Wasserläufe,
denen sie in einer Höhe von etwa 6 bis 10 m folgen, die
übrigen sind überall zu finden, bevorzugen dabei aber
vielfach bestimmte Wege, die anscheinend durch das von
der Sonne beleuchtete und erwärmte Grün zwischen den
Kronen gebildet werden und die mit dem Sonnenstande
wechseln. Meist kann man darauf rechnen, daß da, wo
ein Morpho. passierte, auch ein zweiter erscheinen wird
und oft sieht man ein und dasselbe durch seine Be-
schädigungen kenntliche Tier mehrfach die gleiche Rund-
tour machen oder sogar sich mehrere Tage an denselben
Stellen aufhalten, ehe sie entferntere Gegenden aufsuchen.
Bei manchen kann man beobachten, wie sie dem hellen
Grün folgen und vor tiefen Schattenstellen oder grell be-
leuchteten, hellen Felsen zurückschrecken; auch vermeiden
‚sie größere Wasserflächen. Im Fluge beobachten sie ge-
nau: die Wegstrecke, die vor und unter ihnen liegt, und
wenn man sie fangen will, tut man gut, sich verdeckt auf-
zustellen und von hinten zuzuschlagen. Sulkowskyi und
rhodopteron fliegen etwas tiefer, weil die Chusquebüsche,
die sie hauptsächlich absuchen, niedriger sind. Die hoch
fliegenden Morpho, besonders der hekuba-Gruppe, be-
nutzen meiner Ansicht nach die vom Grunde und von den
Baumkronen aufsteigende heiße Luft, um sich von ihr
tragen zu lassen und im bogenförmigen Schwebefluge mit
spärlichen Flschlägen — etwa einmal jede Sekunde oder
jede zweite Sekunde — umherzuziehen. Sie erscheinen
deshalb auch meist erst später gegen 9!/, oder 10 Uhr,
wenn die Sonne schon mindestens 15 Minuten lang tüchtig
eingeheizt hat und verschwinden manchmal mit jeder Wolke,
die vor die Sonne zieht. Sie beenden schon früh gegen
12 bis 1 Uhr ihr kurzes Tagewerk, um sich auf der Oseite
eines Blattes oder an einem herabhängenden Zweig meist
etwas versteckt und gewöhnlich hoch zur Ruhe zu setzen.
Auch die tiefer fliegenden Morpho setzen sich auf die O-
fläche eines Blattes oder an einen kleinen hängenden Zweig
zur Nachtruhe. Regen und Wind stören sie dabei nicht.
Einmal traf ich an einem regnerischen Vormittage um 10
Uhr ein patroklus @ in strömendem Regen auf der Ofläche
eines Farnblattes in 1'/, m Höhe, .wo es sichtlich noch
schlief, denn ich hatte die nähere Umgebung Schon ver-
schiedene Male auf der Suche nach einem anderen
26 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Schmetterlinge durchstreift, ehe es mir auffiel. In der
Ruhestellung sind bei allen die Vfl vorgezogen, so daß die
Augenzeichnung vollständig wie zur Abschreckung sicht-
bar wird. Alle Morpho-Arten sind zarte Schmetterlinge
mit kleinem meist schwachen Körper und großen vielfach
dünnen Fl. Mit Ausnahme von rhetenor und anscheinend -
auch anaxibia”) und polyphemus (Seitz S. 340) sind alle
langsame Flieger, aber gerade durch den langsamen Flug
und die Farbenpracht beleben Morphiden und Helikonier -
vor allen anderen den grünen Tropenwald. Vielen fällt °
es schwer, steil aufwärts zu fliegen. So sah ich an einem
steilen Waldhange einen M. theseus sich zweimal vergebens
bemühen, eine steile Stelle über den Baumkronen zu
nehmen und erst beim dritten Male gelang es ihm mit einem
weit ausholenden Fluge unter beständigem Flschlagen. Man
erstaunt immer wieder, wie die Muskulatur eines kleinen
Körpers, wie der von theseus, eine solche Flfläche be-
herrschen kann. Die g'g' wohl aller Arten besuchen gerne
Kot (Maultier-, Hunde- und Menschenkot), aber in sehr ver-
schiedenem Maße, am häufigsten achilles und seine Ver-
wandte, auch theseus und menelaus trifft man gelegentlich
dort, cypris sahen wir einmal auf Kot, nie dagegen adonis,
perseus, sulkowskyı und rhetenor, doch wurde mir von
einheimischen Sammlern berichtet, daß auch sulkowskyi
an Kot und Wasserstellen zu finden sei. Es sind, wie bei
den übrigen Tagfaltern, nur g'g'! und fast stets frische
Exemplare, die man auf Kot trifft. Es scheint, daß sie
vielleicht noch Salze und stickstoffhaltige Lösungen zur
Samenbereitung verwerten können. Jedenfalls nehmen
manche, z.B. Nymphaliden g'g', gelegentlich auch mit Maggi
oder reinen Kochsalzlösungen vorlieb. Manche kochsalz-
haltigen Gewässer sind gerade wegen zahlreichen Schmetter-
lingsbesuches bekannt. An Früchten und süßem Köder
trifft man dagegen mehr die älteren g'g' und die ©9, so-
wohl die frischen wie die älteren, hauptsächlich der niedrig
fliegenden Arten; von den höher fliegenden fing ich nur
einige ältere männliche Exemplare von theseus dort. Doch
berichtet A. Fassl das gleiche von cypris*). An Blumen
traf ich nie einen Morpho. Allerdings behauptete der
insektensammelnde, schwarze Schulmeister in Albina am
Maronifluß in Surinam, er habe öfter menelaus an den
*) Entom. Rundschau 1913, Nr. 3.
Der u 7
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1
-E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung, 27
Blüten eines gelbblühenden Baumes am Flußufer gefangen,
doch möchte ich diese Angaben bezweifeln. Die ©Q aller
Morpho-Arten bekommt'man viel seltener zu Gesicht und
besonders die der hochfliegenden Arten, wohl, weil sie
sich vorwiegend im Waldinnern und auf den Baumkronen
aufhalten und weil sie weniger fliegen als die g'g', denn
nach den bei herkules gemachten Beobachtungen (Seitz,
S.335) schlüpfen bei diesem mindestens so viel OO wie J’J'.
Um das Verhältnis der sichtbar werdenden OO ganz un-
gefähr in Zahlen abzuschätzen, würde ich bei den niedrig-
fliegenden Arten 1Q@ auf 5 g'09', bei den hochfliegenden
1:50 annehmen, wobei ich für erstere die am Köder er-
scheinenden QQO mitrechne und für letztere einen Ort vor-
aussetze, an dem man den Wald auf größere Strecken
überschauen kann. Für aega rechnet Fruhstorfer 1Q@ auf
etwa 70 bis 100 9’ (Seitz, S. 350). Die Nahrungspfanzen
der behaarten und meist bunten Raupen sind nur von
‚wenigen Arten bekannt. Nach den Angaben im Seitz lebt
herkules gesellig an einer Menispermacea (Polycarpicae),
catenarius, achilles und achillaena an Leguminosen (cate-
narıus gesellig an der Mimosacea: Inga semialata, achilles
und achillaena meist einzeln), anaxıbia auf canella (Cistiflorae)
und auf einer Myrtacea (Polycarpicae). Sulkowskyi, rho-
dopteron und Verwandte leben sicherlich auf Chusque
(Bambusarten des Gebirges, also auf Monokotyledonen).
Auf Bambusarten leben möglicherweise auch adonis und
aurora. Die Entwicklung scheint eine sehr langsame zu
sein, etwa 4 bis 5 Monate im ganzen (cf. Zikan: M. herkules,
Seitz, 5.335), so daß jährlich etwa zwei Generationen er-
scheinen. Da aber in Kolumbien an geeigneten Stellen
die meisten Arten wenigstens vereinzelt in allen Monaten
sichtbar sind, dürfte sich dort die Eiablage auf verschiedene
Monate verteilen. Gewisse Jahreszeiten sind dann der
Entwicklung günstiger. Jedenfalls sah ich die meisten ın
den Regenzeiten, rhetenor aber z.B. auch gegen Ende der
Trockenheit in. gleicher Anzahl längere Zeit. Ich möchte
annehmen, daß in den Gegenden mit gleichmäßig regen-
reichem Klima alle Morpho das ganze Jahr hindurch fliegen
respektiv fliegen können, in den Gegenden aber mit aus-
gesprochener Trockenheit vorwiegend in den Regenzeiten.
Bei den hochfliegenden Arten scheint sich die Schlüpfzeit
der aus einem Gelege stammenden Tiere auf längere Zeit,
1’/, bis 2 Monate, zu verteilen, so daß man, da sich ın
28 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
einer Gegend wohl stets mehrere Gelege befinden, wenn
man die ersten frischen Tiere zu Gesicht bekommt, für
etwa 3 Monate auf weitere frische rechnen kann, die dann
in kleiner Anzahl, etwa 2 bis 3 an einem Ort, besonders
nach Regenfällen erscheinen. Dagegen scheinen die tiefer
fliegenden in kürzerer Zeit und in größerer Zahl zu
schlüpfen. Die frisch geschlüpften Falter erscheinen, gJ'g!
wie QO, etwa gegen 10 bis 11 Uhr vormittags. Ich habe
in Kolumbien folgende nach dem Seitzschen Werke an-
geführten Morpho-Arten gefangen: adonis, perseus, theseus,
sulkowskyi, rhodopteron, rhetenor, cypris, menelaus, ama-
thonte, achilles, peleides (hierzu vitrea f. telamon), patroklus,
leontius f.leontius?, deidamia, granadensis. Von diesen waren
adonis, rhodopteron und rhetenor bisher nicht von Kolumbien
beschrieben. Das Höhentier sulkowskyi findet sich auf
allen drei Kordilleren, wird aber im Norden in der Sierra
Nevada de Sa Marta durch rhodopteron vertreten. Perseus,
adonis und patroklus kommen nur östlich der Ostkordillere
vor. Die übrigen werden, wie die meisten Tagfalter, durch
die lange und hohe Mauer der Östkordillere und durch
klimatische Verhältnisse in zwei korrespondierende Formen
(Varietäten) gespalten: in eine ostandine, östlich der Ost-
kordillere, und eine westandine (abkürzende Bezeichnung),
westlich der Ostkordillere, bei der letzteren kann man oft
noch’ drei Unterformen, die des Magdalenatales, des Cauca-
tales und des stillen Ozeans unterscheiden. Die elf übrigen,
oben nach Seitz aufgeführten Arten reduzieren sich nach
dieser Auffassung, die in der Fruhstorferschen Abhandlung
jedoch nur für theseus angenommen, für die übrigen nur mehr
oder weniger deutlich angedeutet ist, auf 4 bis 5. So ist cypris
dıe westandineVarietätvon rhetenor, amathonte die von mene-
laus, peleides die von achilles, granadensis die von deidamia.
Auberdem findet sich noch rein ostandin in den Llanos
eine achilles- bzw. achillaena-Form, die wohl als leontius
f. leontius beschrieben worden ist. Jedenfalls hat ohne”
Berücksichtigung der Gebirgstiere sulkowskyi und rhodop-
teron der Osten mit 8 respektiv 9 Arten weitaus das
Uebergewicht gegenüber der Westseite mit 5. Im Osten
gibt es einzelne Täler, wo man, falls das Glück günstig
ıst, 8 von diesen an einem Tage fangen kann, wie es sich
mir einmal am 14. Oktober 1918 ereignete. Leider sind
die hochfliegenden Arten meist schon nach kurzer Flug-
zeit beschädigt und selbst wenn man speziell für ihren Fang
we e
‚ E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 29
I
|
ausgerüstet ist und sich ihm ausschließlich widmet, ist die
Zahl der wirklich guten erbeuteten Exemplaren gering.
Ich glaube nicht, daß in Kolumbien außer den oben an-
geführten Morpho-Arten, vielleicht mit Ausnahme des
äußersten Südosten, wo sich möglicherweise noch hekuba
findet, noch weitere Morpho-Arten vorkommen. |
| Da sich bei der Besprechung der Einzelformen eine
knappe Beschreibung der Zeichnung, Behaarung usw. nicht
umgehen läßt, gehe ich hier kurz darauf ein. Man kann
wohl die Formen mit dunkler Useite und hellen Quer-
binden als die älteren auffassen, aus denen die meisten
Arten (catenarius, laertes, polyphemus) durch Verbreiterung
der hellen Binden hervorgegangen sind. Auf der Useite
der Hfl kann man nun bei vollständiger Zeichnung folgende
helle Ouerbinden unterscheiden: 1. drei Querbinden durch
die Zelle — davon zwei durch die Wurzel, eine durch die
Mitte —, hinter der Zelle verlaufen sie auf den Analwinkel
zu und sind gewöhnlich in mehrere Streifen gespalten.
Zwischen den hellen Binden liegen die dunklen Ouerbinden
der Grundfarbe. Oft treten noch 1 bis 2 weitere kurze, helle
Querstreifen am Zellschluß in der durch das Zellende zie-
henden dunklen Querbinde auf, wie überhaupt bei manchen
Arten die dunklen Binden dazu neigen, sich zentral aufzu-
hellen; 2. die Mittelbinde oder Subozellarbinde distal vom Zell-
schluß;3.dreiSubmarginalwellenstreifen, von denen der proxi-
male sich gerne verbreitert und der mittlere meist rot gefleckt
ist. Dazu kommt die Augenreihe auf der dunklen Augenbinde,
meist zwischen 2 und 3 gelegen, und eine weiße Einfassung
des Vorder- und Analrandes, die hinten meist mit der
Mittelbinde verbunden ist. Die Vfl haben unten eine ana-
loge Zeichnung, nur ist die erste Wurzelquerbinde durch
zwei Zelllängsstreifen ersetzt, die Querbinden sind hinter
der Zelle meist nur als distal gezackte Aufhellung vor-
handen, die Mittelbinde ist vorn zuweilen gegabelt, die
weiße Einfassung des Vrandes ist gewöhnlich undeutlich,
die des Hrandes fehlt. Die Augen bestehen gewöhnlich
aus einer farbigen Iris mit schwarzer Pupille und weißem,
zentralen Lichtfleck. Um die Iris legt sich ein schwarzer
und oft noch ein heller Ring. Auf der Oseite, besonders
der Vfl, können die Mittelbinde und die Submarginalwellen-
streifen als weiße-gelbe Flecken oder Binden vorhanden
sein. Auch die Augen finden sich auf den Vfl, besonders
der ©O, oft als weiße-gelbe, zuweilen noch dunkel geringte
30 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Flecken. Der Anfang der Mittelbinde ist oben stets als
weißer Kostalfleck vorhanden. Die bei der Beschreibung.
angegebenen Maße beziehen sich, wenn nicht anders ver-
merkt, auf 1 Exemplar und zwar das, dessen Größe (Länge
eines Vfl) angegeben ist. Die Augengröße ist in Längs-
richtung (Vfl parallel Hrand, Hfl parallel Zellmitte in Längs-
richtung) angegeben. Hinsichtlich der Adern werden 3
Radial- und 2 Medianäste angenommen.
Die Vfl führen unten oft einen roten basalen Kostal-
streifen, die Hfl zuweilen einen roten Wurzelfleck. Beide
Geschlechter tragen auf der Vfluseite hinter der submedia
basal einen langen, schmalen, grauen-grauweißen Fleck aus
kurzen, filzartigen Schuppen, der vielleicht als Duftfleck
aufzufassen ist. Dieser Fleck scheint auch bei anderen
Familien weit verbreitet zu sein und hat möglicherweise
einen anderen Zweck, nämlich den, die Flreibung hier
etwas zu vermehren, um ein Äbgleiten zu verhindern, da
ihm ein ähnlicher Fleck am Hflvrande entspricht. Bei den
useits dunkelbraunen Arten der menelaus- und achilles-
Gruppe und auch etwas bei der hekuba-Gruppe ist der
an den Hrand anstoßende Teil der Vfluseite hinter m!! mit
nach vorn bogenförmiger Grenze bei g' und Q matter und
meist heller gefärbt und abgesehen von der hellen Mittel-
binde, die hier oft lilafarbig wird, zeichnungslos. Zweifellos
ist dıes der Flteil, der gewöhnlich von dem Hfl bedeckt
wird. Bei patroklus ist dieser Teil dunkler gefärbt und
kontrastiert stark. Bei den hellen Formen ist diese Er-
scheinung, die sich mehr oder weniger deutlich bei den
meisten Faltern findet, nur angedeutet Die Augen sind
bei allen Arten behaart, meist sehr fein, sehr kurz und
spärlich gelblichweiß, besonders spärlich und nur mit Mühe
aufzufinden bei deidamia und catenarius, am dichtesten
und längsten und mehr gelbgrau bei menelaus. Die Palpen
erreichen oben etwa die obere Grenze der Augen und
sind auf der nach vorn außen gerichteten Fläche gewöhnlich
dicht und plüschartig, etwas nach oben anliegend behaart
respektiv beschuppt, unten und an den Seitenkanten (hier
besonders oben).mehr oder weniger ausgedehnt lang ab-
stehend dicht behaart. Auf der Vorderfläche führen sie
mit Ausnahme von adonis, sulkowskyi, rhodopteron und
deidamia einen roten Längsstreif, der bei perseus und pa-
troklus zuweilen undeutlich und schwach gelblich ist. Bei
den Gebirgstieren sulkowskyi und rhodopteron ist die ganze
#E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 31
Vorderfläche lang abstehend, zum Teil buschig behaart.
Auf Stirn, Scheitel, Nacken und Schultern führen alle je
zwei weiße-weißgelbe Fleckchen, die bei sulkowskyi und
rhodopteron zuweilen undeutlich sind. Kopf, Nacken und
Thorax sind oben stets braun (heller oder dunkler) gefärbt
und behaart. Die Schulterdecken sind hell gelbgrau-weiß
gerandet. Die Thoraxuseite und der Hleib haben entweder
eine weiße ockergelbe oder eine dunkelbraune Grundfarbe.
Der Thorax ist seitlich rot oder gelbbraun gestreift bzw.
gefleckt. Der Hleib ist unten entweder ganz hellweiß bis
ockergelb — an den Segmentkanten vielfach dunkler —
gefärbt (und behaart), oder diese helle Färbung ist bei den
dunklen Formen auf kleine ockergelbe Fleckchen reduziert,
die median und meist nach hinten seitlich an den Segment-
kanten auftreten. Die Färbung der Hleibsoseite schwankt
zwischen ockergelb, weiß, grauweiß und braun und ist
meist dunkler als die der Useite. Die Valven sind bei
den dunklen Formen stets heller behaart. Die Vbeine sind
bein g' auf der Aseite stets lang weiß-weißgelb behaart
und ebenso beschuppt, auf der Iseite meist schwarzbraun
beschuppt und nur in der distalen Tarsushälfte und am
Fuß gleichfarbig behaart. Die basale Tarsushälfte ist viel-
fach nur spärlich behaart, die distale und der Fuß meist
rundum und lang behaart. Beim © ist an den Vbeinen nur
die Aseite der Schenkel fein behaart, im übrigen sind sıe
nur beschuppt und zwar entweder rundum weiß-weißgelb
oder außen weiß, innen braun. M- und Hbeine sind bei
g' und’Q nur beschuppt, auf der Aseite mehr oder weniger
ausgedehnt weiß (besonders Schenkel), auf der Iseite dunkel-
braun. Nur bei sulkowskyi und rhodopteron sind bei J'
und © alle Beine stärker behaart. Zwischen den eigent-
lichen langen und spitzen, dünnen Haaren und den ty-
pischen breiten, elliptischen, ein-mehrspitzigen (meist zwei-
spitzigen) Schuppen finden sich alle möglichen Uebergänge,
so daß beide wohl als Gebilde derselben Art anzusprechen
sind. Die Schienen und Füße sind rundum und besonders
unten dicht und lang bedornt, mit stärkeren Dornen an
den Enden der Schienen und der Fußglieder auf der U-
seite. Die Fußendglieder der M- und Hfüße tragen zwei
Haupt- und vier Nebenkrallen, von den letzteren sind zwei
den Hauptkrallen gleich —, zwei entgegengerichtet. Die
zwei Hauptkrallen stehen auf einer breiten Basis weit aus-
einander.
82 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
1. M. adonis Cram. himmelblau, (Seitz S.349), eine Zierde
der ostandinen Urwälder, findet sich nur östlich der Ost-
kordillere. Ich traf ihn in der Umgebung von Villavicencio,
sowohl in den Bergwäldern, wo er am oberen Rio Negro
800 bis 900 m hoch zu finden war, als auch in den an-
stoßenden Llanoswäldern. Weiter östlich am Rio Humea, °
wo ich mich in den Monaten März, April, Mai, Juni im
ganzen etwa 6 Wochen aufhielt, habe ich ihn nicht be-
obachtet, ebenso nicht auf der Fahrt den Rio Humea und
Rio Meta herab nach Orocue. Jedenfalls scheint er nicht
weit nach Norden zu gehen —, vielleicht weil er ein gleich-
mäßig feuchtes Klima verlangt —, und aus diesem Grunde
ist es ihm wohl nicht gelungen, die-Östkordillere im Norden
zu überschreiten oder zu umgehen. |
Adonis gehört mit aurora, uraneis, aega und sulkowskyi,
rhodopteron, portis, lympharis zu der Morpho-Gruppe, deren
Useite mit langen geraden, eventuell leicht gewellten Quer-
binden von hellerer und dunklerer Farbe und mit einer
gerade verlaufenden Hflaugenreihe gezeichnet ist, die auf
den Hfl alle, Binden sowohl wie Augenreihe gegen den
Analwinkel konvergieren. Unter diesen nimmt er an-
scheinend mit aurora und uraneis eine besondere Stelle
dadurch ein, daß auf den Hfl die normalerweise vorhandenen
drei Augen (hinter sube, m!, m!!) nicht auf der eigent-
lichen Augenbinde, sondern weiter proximal auf der durch
das Zellende führenden dunklen Querbinde stehen. Die
kolumbischen Tiere sind im Durchschnitt größer als die
Abbildung im Seitzschen Werke, T. 68a. Vfllänge bei 44
J'g' 51 bis 64 mm, im Durchschnitt 60 mm. Die Vflspitze”
ist etwas ausgezogen, der Vflarand leicht konkav, die
Hfl nach hinten relativ kurz mit nur flach gebogenem A-
rande, letzterer auf allen Fl leicht gewellt, am Analwinkel
deutlich aber kurz gelappt. Analrand bei subm.!! etwas
vorgebogen, sonst ziemlich gerade. Die Fl sind zart, aber
nur wenig durchbscheinend. Die Oseite zeigt ein u
helles Himmelblau, das etwas in dunklerem, schwach vio-
letten Blau schillert und nicht so stark glänzt, als z. B. das
LE
von rhetenor und aega. Abgesehen von einer feinen etwas
wechselnden schwarzblauen Zeichnung der Aderenden der
\Vflspitze und des Arandes, die sich vielfach besonders auf
subc’, gelegentlich auch auf r! bis r!! zu submarginalen
dunklen Flecken verbreitert, und von drei kleinen gleich-
farbigen Fleckchen am Analwinkel zeigt die Oseite (Anal-
!
B
\
'
nam =
E. Krüger, Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 33
faltenteil natürlich ausgenommen) keine dunklere Zeichnung.
‘ Auch der Saum ist blau. Die Fransen scharf weiß und
“schwarz gescheckt. An weißer Zeichnung sind vorhanden:
- ein kleiner scharfer gelbweißer blauschillernder rhombischer
(2:2 mm) Vrandsfleck, ca. 2 mm distal von der vorderen
Zellecke dicht am Vrand gelegen und etwa 10 mm weiter
distal zwei runde, gleichfarbige, ein größerer (ca. 4 mm
Durchmesser) scharfer hinter sube’Y und ein kleinerer
punktförmiger, undeutlicher hinter r!. Der erste Fleck am
Vrande ist ein charakteristischer Fleck, der sich mehr oder
_ weniger deutlich bei allen Morpho findet, und den Anfang
und oben die vielfach einzige Andeutung einer weißen M-
_ binde darstellt, die von ihm um das Zellende und dann
_ proximal der Augenreihe nach hinten zieht. Sie ist be-
sonders deutlich bei cypris entwickelt. Auf der Useite ist
sie meist deutlicher (bei der achilles-Gruppe als Subozellar-
_binde). Die beiden anderen Flecke gehören nicht zu den
Flecken der Augenreihe wie z.B. die weißen Flecke von
aega und cypris und die Mflecke der hekuba und achilles-
Gruppe, sondern bilden den distalen Teil der vorn (unten
vor m!!) dunkel geteilten Mbinde, deren proximalen der erste
Fleck bildet. Die Useite ist viel lebhafter gezeichnet als
die der Abbildung. Die hellen Binden sind silbrig weiß-
grau, die dunklen glänzend gelblichbraun. Die Augen sind
schärfer gezeichnet, etwas größer und meist queroval. Die
Iris ist ockergelb, ca. 1 mm breit und scharf schwarz und
gewöhnlich noch undeutlich licht umrandet. Pupille schwarz
mit großem silberweißen Lichtfleck. Vfl 3 Augen hinter
r!, r!N m!. Hfl 3 Augen hinter subce m!, m!!,. Durchmesser
bei Vfllänge 60 Vfl 41/,:5, 5'/,:6, 51/, :61/, mm, Hfl 5:6,
4:51/,,3. Zuweilen findet sich noch ein kleines Auge von
1!/, bis 2 mm Durchmesser hinter r!!l, dieses ist dann etwas
distal verschoben und steht auf der folgenden hellen ‚Binde.
Selten findet sich noch ein sehr kleines Auge (ca. 1 mm
Durchmesser) hinter m!!, das dann etwas basal von Auge 3
auf der dunklen Binde steht, oder ein gleiches hinter r!
gleichfalls auf der dunklen Binde. Das Auge 1 der Hil
greift etwas über subc wie über r! hinaus. Die 3 nor-
malen Hflaugen stehen in gerader oder in distal konkaver
Reihe. Auf den Vfl finden sich eventuell 2 kleine Extra-
augen hinter subcY und r!!, so daß die Vfl bis zu 5, die
Hfl bis zu 6 Augen haben können. Der ockergelbe Sub-
marginalwellenstreif ist gleichfalls schärfer, er und die
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologischen Verein II
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
34 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
breite gelbbraune Submarginalbinde enden hinter m!! als
feiner schwarzer Zackenstreifen. Der Raum zwischen und
hinter diesen Zackenstreifen ist silbrigweiß. Am Anal-
winkel stehen 2 schwarze Fleckchen. Vfl unten ohne roten.
Kostalstreif. Palpenvorderfläche einfach weiß, nicht rot
gestreift. Thorax seitlich weiß behaart und beschuppt, mit
sehr schrägen, hellbraunen Querstreifen auf den vorderen
Segmentkanten ‘des II. und Ill. Segmentes. Hleib unten
dicht und lang weiß behaart. Oseite: Nacken rotbraun,
Kopf, Thorax und Hleib braun behaart, etwas graubraun
gemischt. Vbeine außen und unten lang weiß behaart,
besonders Schenkel und Fuß, außerdem kurz weiß be-
schuppt. Oseite weiß: Schenkel und basaler Tarsus be-
schuppt, distaler Tarsus und Fuß beschuppt und anliegend
dicht behaart. Iseite: Schenkeloberkante, Tarsus und Fuß
schwarzbraun beschuppt, Schenkelunterkante weiß be-
schuppt.
Adonis habe ich nur im Fluge gefangen, nie traf ich
ihn auf Kot oder an Fruchtköder, obwohl ich letzteren
eigens zu diesem Zwecke hoch aufgehangen hatte. Adonis
fliegt ziemlich langsam und unregelmäßig, auf und ab, nach
rechts und links abschwenkend, bald hoch, bald tief, zu:
weilen wie ein richtiges Irrlicht, 3 bis 6 bis 10 m hoch,
im Durchschnitt 3 bis 4 m, selten geht er auf 2 oder auf
1 m herunter. Er schlägt häufig und regelmäßig mit
den Fl, doch kann man ihn auch gelegentlich einmal
6 bis 10 m weit ohne Flschlag ruhig schweben sehen.
Sein Flug führt ihn meist über die grüne Oberfläche
des Waldes zwischen den Kronen hindurch, doch scheut
er es auch nicht unter diesen seinen Weg zu suchen. Bei
seinem Fluge treibt er sich überall im Walde umher. In
der Ebene ist er am ehesten an kleinen Flußläufen zu
finden, die er öfter kreuzt, aber nicht weit verfolgt oder
auf Waldwegen, denen er bis zur nächsten Lichtung folgt.
Im Gebirge bevorzugt er die kleineren Schluchten. Ich
beobachtete adonis 1918 von Anfang Mai bis Ende No-
vember in ziemlich gleicher Anzahl und in anderen Jahren
in den Monaten Februar bis April, so daß man wohl an-
nehmen kann, daß er das ganze Jahr hindurch fliegt,
wenn auch ın verschiedenen Jahren verschieden häufig.
Die größte Zahl an einem Tage sah ich in dem dort
regenreichen Jahre 1918 — ca. 7 — am 6. Mai und
22. September (bei Villavicencio). Ich fing ihn haupt-
Zu
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 35
‚sächlich am oberen Rio Negro in etwa 700 m Höhe, dort
‘wo ein in halber Berghöhe den Hang durchziehender Weg
‚die Schluchten quert. Täglich erschienen etwa 4 bis5 g’g',
die wiederholt vorbeizogen, den Wald von unten nach
oben und umgekehrt absuchend, so daß man ihrer im
Ganzen etwa 10 bis 12 zu Gesicht bekam. Ihre Flugzeit
war sehr kurz, gewöhnlich von 10'/, bis 12 Uhr, zu-
weilen schon von 10 Uhr ab, und sie war auf warme
mehr oder wenig sonnige Tage beschränkt. Nie traf ich
ihn vor 10 Uhr, dagegen einige Male, wenn der Vormittag
regnerisch gewesen war und es sich um Mittag aufklärte,
noch zwischen 1 und 2 Uhr nachmittags. Wir fingen
täglıch etwa 2 bis 3, aber nur wenige unbeschädigte.
Nach einem Fehlschlage fliegt adonis zuweilen noch einige
Zeit wie überrascht oder verwirrt tiefer umher und kann
dann evtl. noch nachträglich gefangen werden. In dieser
Gegend konnte man die Berghänge auf weite Strecken
überschauen, und so kam es, daß ich mehrfach ein © zu
Gesicht bekam, durchschnittlich etwa alle 4 bis 6 Tage.
Diese erschienen gegen 11'/, Uhr und umflogen meist in
unerreichbarer Höhe 15 bis 20 m hoch die Baumkronen
in langsamem Fluge. Hierbei wurde das @ gewöhnlich
bald von einem g' entdeckt, das g' eilte hinzu, beide um-
kreisten sich einige Male und verschwanden ım Walde.
Die anderen g'g' zogen dann in dieselbe Richtung, um
nicht wieder zu kehren. An Tagen, an denen viele
frische g'g' sichtbar wurden, die dann alle gegen 111/,
Uhr nach einer bestimmten Richtung zogen, konnte man
annehmen, daß sich dort ein © befand. Nach meiner
Schätzung erschien etwa alle 3 Tage ein ©. Die 99
waren alle gelblich-weiß. Blaue und weißliche Papier-
schmetterlinge blieben von den g'o' gewöhnlich un-
beachtet, dagegen verfolgten sie gelegentlich Gonepteryx
menippe. Einmal beobachtete ich ein @ um 12°/, Uhr,
das offenbar zur Eiablage in schnellem Fluge die Baun-
kronen unterhalb des Weges besuchte und sich hierbei
unseren Netzen bis auf '/, m. näherte. Ein Irupp von
Lastmaultieren machte der Jagd jedoch bald ein Ende, da
diese Tiere vor allem fremdartigen, wie Schmetterlings-
netzen, eine große Scheu zeigen und man oft sogar sich
genötigt sieht, das Netz zu verstecken, damit sie auf den
schmalen Pfaden an den steilen Hängen nicht verunglücken.
Nur einmal glückte es mir ein adonis @ zu fangen und
36 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
zwar unter schwierigen Umständen, die wohl eine kurze
Beschreibung verdienen. |
Am 6. September 1918, einem bedeckten warmen etwas
schwülen Tage, ein Wetter, bei welchem die 99 gerne
fliegen, bekam ich auf einem breiten Waldwege ein adonis ©
um 11?/, Uhr zu Gesicht, das in ca. 10 m Höhe seitlich
aus dem Walde auftauchte und sich auf die Oseite eines
hängenden Blattes unter überragenden Zweigen in ca.12 m
Höhe setzte, den Kopf abwärts gewandt. Da mein Netz
trotz großer Länge nur etwa bis 6 m reichte, wartete ıch,
ob es sich nicht einen zum Fange günstigeren Platz aus-
suchen würde, denn viele Morpho wechseln einige Male
bei der Wahl des Uebernachtungsplatzes. Aber es blieb
ruhig sitzen, obwohl das Blatt von den Windstößen eines
aufziehenden Gewitters stark geschüttelt wurde. Ich
wartete bis 1'/, Uhr nachmittags, wobei ich von dem be-
ständigen Schauen nach oben fast einen Genickkrampf
bekam, dann hatte ich die Ueberzeugung, es werde bis
zum anderen Tage sitzen bleiben und kehrte zur Wohnung
zurück, um meinen Gehilfen zu holen, der wegen Rekon-
valeszenz von Malaria zu Hause geblieben war. Als wir
zurückkamen, glückte es mir, die Stelle und das Blatt mit
dem Falter wieder aufzufinden. Jetzt, 2'!/, Uhr nachmittags,
kam die Sonne wieder heraus, und M. achilles und pa-
troklus begannen von neuem zu fliegen, aber für adonis
war es glücklicherweise zu spät. Nun überlegten wir;
den Baum anhauen und langsam sich senken zu lassen,
damit hatten wir wegen der unvermeidlichen Erschütterungen
schon schlechte Erfahrungen gemacht. Besser war ein
Versuch mit dem Netz. Mit jedem Meter Höhe wachsen
aber die Schwierigkeiten im Quadrat. Es wurden in der
Nähe 2 schlanke Bäume von je 10 m Höhe gefällt. Der
dünnere erwies sich als zu schwankend. An dem dickeren
wurde dann der etwa 3 m lange Stock eines Netzes be-
festigt. Im Ganzen ein kleiner Mastbaum, den wir nur
zu zweit und nur mühsam dirigieren konnten. Alsdann
wurde ‘in einiger Entfernung ein Vorversuch gemacht.
Darauf der Platz, wo das Netz aufschlagen mußte, von
Gebüsch und Steinen gesäubert. Wegen vorstehender
Aeste mußte der Niederschlag in einer Kurve erfolgen.
Eine dunkle Wolke wurde abgewartet, um Schatten-
bewegung zu vermeiden. Mühsam wurde der gewaltige
Baum seitlich gehoben und unter gewaltigen Schwanken
\
-E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 37
" in die richtige Höhe und in die richtige Entfernung
" gebracht. Ein Wunder, daß die Bewegung des schwarzen
“ Trauerstoffes — wegen des Krieges war kein besserer zu
* kaufen gewesen — den Schmetterling nicht aufscheuchte.
‚ Die Beruhigung des schwankenden Gebäudes wurde ab-
gewartet, dann ein Kommando und herunter sauste der
Baum und riß den Falter mit, der merkwürdigerweise
_ wenig beschädigt war, obwohl wir ihn aus einem Haufen
Blätter und Zweige herausholen mußten.
Es war ein frisches scharf gezeichnetes @ von 70 mm
_ Vfllänge. Die Flform entspricht der des g', nur sind alle
- F1 hinten länger, so daß die Außenränder im Vergleich
zur Längsachse des Körpers nach hinten weniger stark
konvergieren. Die Hil sind wie beim g' deutlich kurz gelappt.
| Die Grundfarbe der Öseite bildet ein helles mit Grau
gemischtes Braun, das nur in und vor der vorderen Ecke
der Vflzelle etwas dunkler ist und das am frischen Tier
_ durch stärkeren Glanz schöner ist. Die Zeichnungen sind
in hellem, etwas weißlichem Gelb gehalten, nur die letzten
Submarginalflecke am Analwinkel und der erste Fleck
der Hflmbinde vor sube sind reiner weiß. Der kleine
scharfe Kostalfleck der Vfl vor Zellende ist gelblich-weiß.
Die Fransen sind scharf weiß und braun gescheckt. Alle
Fl sind von einer querstehenden, nicht sehr breiten Mbinde
durchzogen, die mit im Ganzen beiderseits gerade gerich-
teten Grenzen gegen den Analwinkel verläuft, im Gegen-
satz zu rhetenor, cypris und aepa ©, wo auf den Hil
die distale Bindengrenze einen konvexen Bogen gegen den
Analrand beschreibt. Auf den Vfl setzt sie sich aus 7
verschieden großen anstoßenden, etwa halbmondförmigen
(distal konkaven) Flecken zusammen. Der erste hinter
subceV ist 7” mm und steht ca.3 mm distal von dem Ko-
stalflleck, an dem sich die Binde nicht direkt anschließt
(cf 91). Die beiden folgenden haben nur ca. 1 mm Länge.
Die 4 letzten nehmen wieder von 5 bis zu 15 mm am
Hrand zu und bilden ein zusammenhängendes Band, das
proximal vor m!! stark gewellt und hinter m!! nur leicht
gezackt, fast gerade ist. Auf den Hfl beginnt sie am
Vrande dicht distal der Mitte und bildet hier ein von
12 mm am Vrand bis auf ca.5mm dicht vor m!! sich
verschmälerndes Band, das nur auf den Adern distal
fein gezackt, proximal fein gekerbt ıst. Auf den Vfl ıst
auffallenderweise eine vollständige Reihe von 6 braunen
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Augenringen mit gelber Pupille vorhanden, die distal dicht
neben der Mbinde ın einer stark geschwungenen, distal kon-
kaven Reihe stehen und einen Durchmesser von 3 bis 5 mn
(Pupillen Dm. 1!/, bis 31) haben. An diese schließt sic
wiederum dicht distal die proximal-Reihe der Submarginal
flecken als 6 ziemlich. große, abgerundet dreieckige 2 bi
4'/, mm lange Flecken an. Diese Flecken ergänzen die der
Mbinde zu entsprechend größeren elliptischen-ovalen Flecken,
so daß man beide zusammen als eine breite Binde auffassen
kann, in welcher die Augen stehen. Aehnlich verhält
sich die Binde von rhetenor ©, in der aber die Augen-
ringe fehlen oder nur angedeutet sind. Bei cypris © ist
wieder die Mbinde vollständig von der Reihe der proxima
Submarginalflecken getrennt. Den Hil. fehlt die Reihe der
proximal Submarginalfiecken. Alle Fl führen aber noch
die 2 weiteren bei den Morpho vorkommenden Sub
marginalfleckenstreifen, die mittlere und die distale. Die
mittlere besteht auf den Vfl aus 7 Flecken, von denen die
5 letzten zugleich groß und rundlich, die zwei ersten’
schmäler sind, der erste ist strichförmig. Auf den Hfl
sind 6 Flecke vorhanden, die vorderen sind queroval, die
mittleren halbmondförmig, die 2 letzten haben die Form
eines in der Endhälfte weißen, bds. schwarzbraun ein-
gefaßten Zackenstreifens. Die distale Submarginalflecken-
reihe tritt als gelb-weißer auf den Adern breit grau
braun unterbrochener, dicht am Rande gelegener Wellen-
streifen auf, der am Hflanalwinkel ebenfalls weiß wird und
hier distal von einem schwarzen Zahn und einem schwarzen
Fleck begrenzt wird. Der den weißen Fransen entsprechende
Saumteil ist vielfach mehr oder weniger breit weiß-gelb,
am Analwinkel breit weiß. Die Augen der Useite
scheinen ziemlich deutlich durch, die übrige Zeichnung
sehr schwach. Die Useite ist sehr fein getönt. Grund-
farbe rein silberweiß mit sıilbrig glänzenden und mehr
oder weniger silbergrau ausgefüllten Querbinden. Die
Anordnung der Binden, entspricht der des g', nur ist die
breite Mquerbinde der OÖseite auch unten als silberweiße
in gleicher Breite vorhanden. An und etwas in ihr
stehen auf jeden Fl 3 scharfe Augen an den gleichen
Stellen wie beim g' mit safrangelber, ca. 1 mm breiter
Iris, die außen fein schwarz gefaßt ist und mit schwarzer
Pupille, die durch den großen silbrig-weißen Lichtfleck
auf einen feinen Ring beschränkt wird. Die 3 Vflaugen
' E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgem. Bemerkung. 39
stehen distal an der Binde. Die 3 FHiflaugen proximal
- von ihr, so daß die beiden vorderen Hflaugen etwas in die
- Binde hineinragen. Sie sind im allgemeinen rundlich, ein
wenig queroval, nur das mittlere Hflauge ist stärker quer-
wewalr Augendurchmesser: Vfl 4, 6, 5, Hil 5, 2:5, 2. Ein
ockergelber feiner Submarginalwellenstreifen. Eine feine
schwarze Saumwellenlinie. Fransen weiß, der anstoßende
Saumteil fein weiß gefleckt. Palpen und Körper wie g' ge-
zeichnet. \Vbeine rundum weiß, haarig beschuppt.
Adonis findet sich nach Fruhstorfer in Guayana und
am Nordufer des Amazonas bis Iquitos. Da ich ihn in
den ostandinen Gebirgstälern Columbiens angetroffen habe,
wird er. vermutlich auch noch in den östlichen Tälern
Ekuadors und Perus aufgefunden werden. Während
aurora (Seitz S. 349) anscheinend adonis in Südperu und
Bolivien vertritt, kommt uraneis(ib.) zusammen mit adonis
‚ am Amazonas zwischen Sao Paolo de Olivenca und Iquitos
wor. Da die Angaben über uraneis im Seitz sehr kurz
sind, führe ich hier nach ©. Michaelis*) an, daß beide sich
hauptsächlich durch die Flform und die Lebensweise
unterscheiden. Alle Fl sind bei uraneis g'Q viel breiter,
der Vflvrand ist besonders gegen die Spitze stärker ge-
bogen und der Vflarand stärker ausgeschnitten. Die
Zeichnung der O- wie der Useite ist bei g' und © die
- gleiche wie bei adonis. Beim © ist auch die Färbung die
gleiche, dagegen ist das 9’ oben mehr silbrig-grünlich-blau,
unten mehr gelb-braun gefärbt. Fortsetzung folgt.
Bücherbesprechung.
Lederer, G. Handbuch für den praktischen Entomologen. 1, Abteilung:
Lepidoptera,. B. Spezieller Teil. III. Bd. Sphingidae — Castniidae —
Zygaenidae — Syntomidae — Arctiidae — Lymantriidae. Frit. a. M.
1923. Verlag des Intern. Entomol. Vereins. E.V.
Wie schon bei der Besprechung des II. Bds. hervorgehoben, bringt auch
der III. Bd. vorliegenden Werkes eine solche Menge zum größten Teil aus
dem Born eigener Erfahrungen geschöpfter biologischer Daten, daß nur
jemand, der selbst Züchter ist, und sei es auch nur in kärglichen Muße-
stunden und in bescheidenem Umfang, die Mühe und Arbeit beurteilen
kann, die zu solchen Erfahrungen gehört. Ganz besonders wertvoll ist,
- daß auch die Parasiten der einzelnen Arten aufgeführt sind und die an-
gewandte Entomologie behandelt wird. Jeder Entomologe und insbesondere
jeder Züchter wird nach dem Buche greifen müssen, wenn er erfolgreich
arbeiten und sich vor unnötigen Enttäuschungen bewahren will, Dr.W.,
”) Fauna exotica Jahrgang I, Nr. 4.
40 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1994.
Die Eupithecien der Freiberger Gegend.
Von Sprachlehrer E. Lange, Freiberg (Sa.)
Allgemeiner /esz
Meiner Abhandlung über die Lygris- und Laren-
tia-Arten im Gebiete der oberen Freiberger Mulde
(s. Iris XXXV, Heft 3/4, 1921) lasse ich nun dıe Eupithe-
cien folgen. Ich bin mir sehr wohl bewußt, daß ich es
hier mit der schwierigsten Gruppe der Spanner zu tun
habe, deren Vollständigkeit ich auch jetzt noch nicht zu
behaupten wage, trotzdem ich mich eine lange Reihe von
Jahren ganz speziell dem Studium dieser Gruppe hin-
gegeben habe. Das oft sehr lokale Auftreten einzelner
Spezies, die nicht selten recht verborgene Lebensweise
der Raupen und Falter, lassen mich vermuten, daß ich
noch die eine oder andere Art übersehen habe. Dazu
kommt, daß man bei vielen gefangenen Exemplaren mit
dem Bestimmen nicht ins Reine kommt, weil die feine
Linienführung auf den Fl nach verhältnismäßig kurzer
Flugzeit verschwimmt und damit undeutlich wird; auch
blassen dunkle Arten rasch ab. Endlich ist die Aehnlich-
keit mancher Arten so groß, dab es ein recht geübtes
Auge erfordert, sie auseinanderzuhalten. Die bildliche
Darstellung vieler Eupithecien läßt oft auch sehr viel zu
wünschen übrig, leider auch die Diagnose. Karl Dietzes
wunderbares Spezialwerk: „Die Biologie der Eupithecien“,
das in jeder Beziehung allen Anforderungen gerecht wird
und das kein Spezialist entbehren kann, ist leider wenigen
zugängig. Ein anderes Werk möchte ich noch erwähnen,
das im Gegensatz zu Karl Dietze, der nur schwarze Licht-
drucktafeln bringt, auf 7 Tafeln 140 Eupithecien in künst-
lerıschster und naturgetreuester Handkoloration zeigt. Es
ist dies J. Culot: „Noctuelles et Geometres d’Europe“.
Beide, K. Dietze und J. Culot legen in ihren Beschrei-
bungen glücklicherweise viel Gewicht auf die unter-
scheidenden Merkmale leicht verwechselbarer Arten. Da
bei der Bestimmung der Eupithecien die Struktur der
Ventralplatten, teils auch der Dorsalplatten beim g', wie
auch der Genitalien, von größter Wichtigkeit ist, ist Petersens
Arbeit (Iris XXI, 1909, pag. 203—314: „Ein Beitrag zur
|
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 41
Kenntnis der Gattung Eupithecia Curt.“) heranzuziehen.
Petersen bringt darin die Beschreibungen und Abbildungen
von 112 Formen. 1891 hatte bereits Buchanan White im
„Entomologist* Untersuchungen über die Struktur der
Ventralplatten von 34 Eupithecia-Arten veröffentlicht.
Sehr wertvoll ist endlich auch Dr. Draudts Arbeit über
die Eupithecien-Eier (Iris XVII, 1905, pag. 280—320).
Es ist nicht der Zweck meiner Arbeit, näher auf alle
diese Werke einzugehen, doch wollte und konnte ich sie
nicht unerwähnt lassen. Ebenso beabsichtige ich nicht,
überall genaue Angaben über die Falterzeichnung und das
Aussehen der Raupen zu machen; nur dort, wo ich es für
besonders erforderlich halte, will ıch näher darauf eingehen.
Dagegen will ich möglichst recht viele praktische Winke
für das Sammeln geben, so wie ich sie mir im Laufe
einer intensiven Sammeltätigkeit erworben habe, un-
beschadet dessen, daß der eine oder der andere Leser
dieser Arbeit noch eine bessere Methode kennt.
Jede Gegend hat ihre Arten, die Ebene wie das Ge-
birge, letzteres ist meist reicher. Manche Arten sind
wärmeliebend, andere bevorzugen kühle und feuchte
Waldschluchten, einige lieben sandigen Boden, andere nur
Heideflächen, manche Kalk, wieder andere felsiges Gelände,
recht wenigen gefällt es im Hochmoor. Der Wald be-
sonders beherbergt viele Arten. Zu Gesicht . bekommt
man aber verhältnismäßig nur wenige Arten, die meisten
halten sich bei Tage verborgen. Der Lichtfang liefert
deshalb oft überraschende Resultate. Manche werden
auch infolge ihrer Kleinheit leicht übersehen, auch ist die
Harmonie ihres Kleides mit der gewählten Unterlage oft grob.
Wohin soll man gehen, um Eupithecien zu sammeln
und zu welcher Zeit des Jahres? Man gehe vor allem in
den Hochwald. Dort findet man schon im zeitigen Früh-
jahr, im April, lanceata und im Mai pusillata an
den Fichtenstämmen. Erstere ist weniger flüchtig als letz-
tere, die besonders bei warmem und sonnigem Wetter bei
Annäherung rasch abflieg.. Wenn die Flugzeit von
pusillata ihren Höhepunkt erreicht hat, erscheint die
oit wunderschön rindenfarbig gezeichnete und daher etwas
schwer erkennbare abıietaria(strobilata). In Kiefern-
waldungen sitzt schon im Mai die zarte, langflügelige ın -
digata an den Stämmen. Im Juni erscheint da, wo
Lärchen in Anzahl zu finden sind, lariciata, öfter
42 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
„
auch an Fichtenstämmen sitzend. Bei Erschütterung des.
Stammes läßt sich der Falter langsam zu Boden fallen. In
Laub- und Nadelwäldern mit viel Unterholz, besondersf
Rhamnus frangula und Sorbus aucuparia, sitzt zuweilen
im Juni auch exiguata an den Stämmen. Ende Juni
und im Juli erscheint, mehr in gebirgigen Teilen, unsere‘
größte und wohl auch mit die schönste Eupithecie, togata,
dann und wann an einer Fichte sitzend. Ist zuvor stür-
misches Wetter gewesen, kann man auf größeren Erfolg‘
rechnen, denn dann werden einzelne Falter, die sonst ge-
wöhnlich oben an den Aesten sitzen, herabgedrückt.
Zufall ist es, wenn man einmal an einer Mauer oder einem
Piahle ım Juni eine lınarıata oder oblongata sitzen
sieht, erstere immer nur in der Nähe von Linaria offici-
nalıs. Im lichten Laubwalde, wo viel Melampyrum wächst,
scheucht man im Juni und Juli leicht plumbeolata auf.
Diese Art fliegt beim Herannahen rasch auf und muß
deshalb mit dem Netz gefangen werden. In düsteren,
felsigen Schluchten, wo am Wasser besonders Angelica
sılvestris oder Heracleum sphondylium wachsen, findet
man wohl auch einmal zufällig an einem Felsen oder einem
Stamme eine albipunctata. Im allgemeinen jedoch
lebt dieser Falter. gern verborgen. In Gegenden mit viel
Juniperus communis sind im August und September die’
so variablen sobrinata leicht aus den Büschen heraus-
zuklopfen. Bevorzugt werden meist die Büsche, welche
geschützt als Unterholz zu finden sind. Wie plum-
beolata, so ist auch pyreneata leicht aufzuscheuchen
an Stellen, wo Digitalıs ambigua in Menge vorkommt.
Durchschreitet man Ende Mai, Anfang Juni Heideflächen,
dann stöbert man leicht nanata und goossensiata
auf, die aber bald wieder im Heidekraut verschwinden.
Im August fliegt nanata in 2. Generation. Von tenu-
iata habe ich nur selten einmal einen Falter an Salıx
caprea sitzend gefunden. In der Abenddämmerung aber
kann er oft in Anzahl gefangen werden, wenn er schnell
um dıe Spitzen der Weidenbüsche fliegt, wobei er nicht
schwer zu sehen ist. Isogrammaria kann man am
lage in einiger Anzahl aus Clematis vitalba-Gebüsch
klopfen im Juni und Juli. Der Schmetterling ist jedoch
ungemein flüchtig und ist auch mit dem Netz nicht leicht
zu fangen. Abends fliegt er sehr lebhaft um seine Futter-
pflanze. Es ist verwunderlich, daß man viele andere Arten,
"zu verbergen und fliegen selten Oder gar nicht auf
E. Lange. Die Eupitnecien der Freiberger Gegend. 43
die als Raupe recht häufig zu finden sind, als Imago
recht selten zu Gesicht bekommt. So ist es mit denotata,
Euccenturiata, subfulvata, castigata, saty-
Tata, scabiosata, absinthiata, innotata, lina-
riata u. a. Die meisten dieser Arten kann man als
Raupe zu Hunderten und Tausenden eintragen, selten
aber sieht man einen Falter. Sie verstehen es meister-
haft, sich im Gebüsch, an der Erde,. unter Blättern etc.
Zur Zeit der Dämmerung aber werden viele Arten lebendig.
Nach Eintritt der Dunkelheit besuchen sie dann Blüten,
auf denen sie mit geöffneten Fl längere Zeit ruhig sitzen
bleiben und eifrig saugen. Dann sind sie verhältnismäßig
leicht mit dem Giftglas abzunehmen.
Die Liste der angeführten Eupithecien ist nicht sehr-
groß. Ich habe nur die Arten angeführt, die ich selbst
beobachtet habe.
Von den nächsten Verwandten der Eupithecien, den
Chloroclystis-Arten, findet man im Juni ziemlich häufig
rectangulata an Wänden, Mauern und Stämmen, aber
nur dort, wo Apfel- und Birnbäume stehen, in Obst-
gärten und an Straßen. Wo sie einmal vorkommen, sind
sie dann jedes Jahr zu finden. Debiliata bevorzugt
"lichte Nadelwälder der Ebene mit viel Heidelbeerkraut.
Der Juni ist auch für diese Art der Flugmonat. Die
Schmetterlinge sitzen zuweilen am unteren Teile eines
Baumstammes, öfter jedoch unter den Heidelbeerblättern.
Coronata, die seltenste von den drei, fand ich bisher
nur zweimal an Ahornstämmen.
‚Eine Eigenart mancher Eupithecien möchte ich nicht
_ unerwähnt lassen, die ihren Ruheplatz oft leicht verrät,
‘das Schlagen oder Klappen mit den Fl, wenn man sich
ihnen nähert. Alle tun es nicht; besonders aufgefallen ist
es mir bei pusillata, indigata, strobiılata, rec-
tangulata im Freien und bei castıgata, satyrata,
"tenuiata, isogrammaria, innotata und sobri-
nata im Zuchtgefäß. Es gewährt immer einen drolligen
Anblick, wenn z. B. rectangulata, die sich von der
_ Unterlage kaum abhebt, auf einmal mehrfach mit den Fl
auf- und abschlägt und dabei ein Stück fortmarschiert.
E50-ist es auch: bei pusillata. Diese Art ist für
Störungen überhaupt ziemlich empfindlich. Man braucht
nur in die Nähe zu kommen, schon der Tritt auf den
44 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Boden, ein leichter Schatten, der nicht einmal den sitzen-
den Falter zu berühren braucht, genügen, ihn in Unruhe
zu versetzen. Er schlägt einige Male mit den FI, fliegt
dann ab, wenn das Wetter warm oder schwül ist, bei
kühlem und feuchtem Wetter aber wandert er ein Stück
um den Stamm herum. Das Klappen mit den Fl artet
nicht selten ın ein Vibrieren aus. Meist sind es die
trägeren Weibchen, welche es so machen, während die
Männchen bald abfliegen. Ganz besonders aufgefallen ist
mir diese vibrierende Bewegung der Fl beiindigata,
die ich im Juni 1923 zum ersten Male in unserer Gegend
an Fichtenstämmen fand. Da das Klappen mit den Fl
gewöhnlich der Auftakt zum Abflug ist, muß man das
Netz zum Fang bereithalten. Im Netz hält dann meist
das Vibrieren an, wobei die Falter am Netz emporlaufen.
Die abfliegenden Falter fliegen selten weit, gewöhnlich
auf den Boden, wo sie meist schwer zu sehen sind,
manche haben dabei aber die für den Sammler un-
angenehme Eigenschaft, auf dem Rücken ein Stück über
die Nadeln hinzurutschen, wodurch sie natürlich für die
Sammlung unbrauchbar werden. Falter, welche weit
oben am Stamme sitzen, können durch einige Schläge
an den Stamm zum Abfliegen gebracht werden. Sie
schweben dann oft langsam zu Boden, besonders wenn
das Wetter kühl und feucht ist. In solchem Wetter gehe
ıch übrigens gern zum Eupithecienfang aus. Die Schmetter-
linge sıtzen da fester und sind leicht abzunehmen. Man
braucht auch nur die dem Wind abgekehrte Bauniseite
abzusuchen. Die Falter meiden prinzipiell den Teil des
Stammes, der vom Wind getroffen wird. Zum Absuchen
sind die Bäume in der Nähe des Waldrandes gewöhnlich
ergiebiger.
Gefangene Eupithecien-@Q legen die Eier gewöhnlich
nur ab, wenn man die Futterpflanze beifügt und die Falter
füttert, andernfalls sterben sie sehr bald und ohne Ei-
ablage.e Am vorteilhaftesten sind dazu Gazebeutel, die
über die im Wasser stehende Futterpflanze gezogen sind.
Bei Arten, die an Blüten leben, genügt es oft, wenn man
ihnen einige Ampferblüten gibt, an die sie dann die meist
recht winzigen Eier festkleben. Bei Fütterung mit Zucker-
wasser oder Honigtau leben einzelne Arten oft ziemlich
lange, so lanceata, pusillata, indigata, togata,
plumbeolata, innotata. Solche Arten legen auch
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 45
nur langsam die Eier ab, meist kaum bis 5 Stück in einer
Nacht. Die Zucht ist gewöhnlich sehr leicht, oft jedoch
etwas langwierig. Nadeln fressende Raupen, wie pusil-
lata, indigata, larıciata und lanceata verzehren
zuerst meist nur die jungen TIriebe der Nadelbäume;
man darf ihnen deshalb keine alten, vorjährigen Nadeln
reichen, die sie nicht beißen können, sonst gehen sie zu
Grunde. Strobilata, die in den grünen Chermesgallen
auf niedrigen Fichten lebt, braucht öfters frische Zweige
mit solchen Gallen, aus denen man natürlich auch
Tausende von Chermes viridis zieht. Togata braucht
Fichten- oder Tannenzapfen, in denen sie bohrt und nagt,
um zu den unreifen Samen zu gelangen. Am leichtesten
sind solche Arten zu ziehen, deren Raupen von Blüten
leben und das ist die Mehrzahl‘ unserer Eupithecien.
Alles in allem genommen kann man wohl sagen, daß
die Zucht der Eupithecien wohl die leichteste und dank-
barste ist, dabei aber auch die interessanteste, wegen der
so verschiedenen Lebensgewohnheiten und besonders auch
wegen der so veränderlichen Färbung der Raupen, be-
sonders bei den Arten, die von Blüten leben. Die Zucht
führe ich meist in Gläsern durch, zur Verpuppung genügt
etwas Sand, der mit Moos bedeckt ist, wozu sich haupt-
sächlich Torfmoos (Sphagnum) gut eignet.
Ich komme nun zum Aufsuchen der Eupithecien-
Raupen. Da ich bei einer Anzahl Arten im systematischen
Teile dieser Arbeit näher darauf eingehe, will ich hier
nur in großen Zügen einige Winke erteilen. Eupithecien-
Raupen kann man den größten Teil des Jahres hindurch
erfolgreich suchen, etwa von Ende Mai bis November.
Alle Sammelmethoden sind dabei anwendbar: Klopfen,
Schöpfen, Absuchen. Ja, bei manchen genügt es sogar,
nur einen Strauß der Futterpflanze nach Hause zu tragen,
ohne daß man zunächst eine Raupe daran sitzen sieht.
So ist es bei denotata, die im September in den ver-
trockneten Samenkapseln von Campanula trachelium meist
in großer Menge vorkommt. Freilich darf man nicht im
offenen Gelände darnach suchen, die Pflanzen, die oft in
Feldern oder an Straßenrändern wachsen, enthalten keine
Raupen. Vielmehr muß die Pflanze zwischen Gebüsch
stehen, also geschützt sein vor Wind und Wetter. Viele
andere Arten lieben es so, und nur wenige sind un-
empfindlich gegen starken Wind und grelle Sonne.
u
46 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Linariata lebt, wenigstens als kleinere Raupe, nur in
den Blüten von Linaria offıcinalis. Sie bevorzugt eben-
falls etwas geschützte Stellen am Waldrande, an Feld-
rainen, welche starkem Winde nicht ausgesetzt sind. Man
untersuche im August an derartigen Lokalitäten, wo die
Pflanze in Menge wächst, nur einige Blüten, indem man
die Lippen öffnet. Entdeckt man darin ein Räupchen,
dann schneide man sich einen größeren Strauß ab. Die
Raupen sind unempfindlich für solche Störungen. Zu Hause
stelle man den Strauß ins Wasser. In den nun folgenden
Tagen und Wochen kann man dann täglıch erwachsene
Raupen ablesen, die die Blüten verlassen haben und
außen umherklettern. Es ist oft erstaunlich, wieviele
Raupen ein solcher Strauß enthält. Wie mit denotata
und linariata, so kann man es auch bei plumbeo-
lata und pyreneata machen. Erstere leben im Juli,
August in den Blüten von Melampyrum in lichten Laub-
gehölzen, letzere im Juli in den Blüten von Digitalis am-
bigua zwischen Gebüsch, größere Raupen der letzten Art
auch am Stengel zwischen den Blüten. Da Melampyrum
meist in üppiger Fülle wächst, kneife ich nur die Blüten
ab und sammle sie in einer Tüte oder einem kleinen Sack,
breite sie zu Hause aus, schüttele sie tüchtig durch-
einander und brauche dann nur die aus den Blüten
herausgekrochenen Raupen aufzulesen. Das Durchschütteln
geschieht mehrere Tage hintereinander, wobei ‘immer
wieder einige Raupen zum Vorschein kommen. Beipyre-
neata genügt es einen Strauß ins Wasser zu stellen und
nach und nach die sich zeigenden Raupen abzulesen. In
dem Maße wie die eingestellten Pflanzen die Blüten ent-
falten, werden die Raupen zunehmen, da die Falter gern
die Eier an die oberen Knospen ablegen. Im allgemeinen
kann man bei albipunctata auch so verfahren. Hat
man an einer günstigen Stelle im September zwischen den
Blütendolden von Angelica silvestris eine Raupe entdeckt,
dann genügt es, um das zeitraubende Suchen zu ersparen,
die Stengel abzuschneiden und mit nach Hause zu nehmen.
Die Raupen sitzen in allen Größen zwischen den Samen
und Blüten und sind gar nicht leicht zu entdecken,
während sie zu Hause in Muße abgesucht werden können.
Bei trisignata ist es ähnlich, nur daß die Raupe im’
September, Oktober vorzugsweise an Heracleum sphon-
dylium zu finden ist. Auch die venosata-Raupe ist
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 47
‚auf ähnliche Weise zu suchen. Sie lebt im Juli, August
in den Blüten und Fruchtkapseln von Silene inflata an
_ Straßenrändern, Eisenbahndämmen, Feldrainen etc., klettert
„bei Tage selten frei an der Pflanze umher, ist vielmehr
in den Blüten verborgen. Man schneide also auch hier
größere Sträuße dieser Pflanze ab oder sammle noch
‚besser die Blütenstände — auch die verblühten — in
eine lüte, schüttele sie wie bei plumbeolata tüchtig
durch und es wird außer allerlei Getier, wie Käfer, Ohr-
würmer, Spinnen, Raupen, besonders von Dianthoecia —
cucubaliı, carpophaga, compta — vielleicht auch die un-
verkennbare venosata-kRaupe mit dem breiten, dunklen
_ Rückenstreifen herauskommen. Um tenuiata zu er-
halten, sammle man zu der Zeit, wenn die Salıx
caprea -Kätzchen im Verblühen sind und herabzufallen
beginnen, diese ein, schüttele sie wiederholt tüchtig durch-
einander und die ebenfalls mit einem dunklen Rücken-
‚streifen versehenen Raupen werden herausklettern. Es
hat keinen Zweck, die Kätzchen eher als nach dem
Blühen hereinzuholen, da die Raupen erst um diese
Zeit fast erwachsen sind. Ich schüttele gewöhnlich die
abgeblühten Büsche Ende April oder ım Mai und lese
die dann leicht herabfallenden Kätzchen zusammen. An
weiblichen Büschen habe ich ebenfalls Raupen gefunden.
Auch wähle man solche Büsche, die geschützt stehen,
an ganz freistehenden sind selten Raupen zu finden.
Die eingetragenen Kätzchen dürfen nicht zu schnell weg-
geworfen werden, da beim wiederholten Umschütteln
immer wieder Raupen zum Vorschein kommen.
In Gegenden wo immundata vorkommt, trage man
im Juli, August die unreifen Beeren von Actaea spicata
ein, worin die einer weißlichen Made ähnliche Raupe lebt.
Erwähnt habe ich schon, daß man sırobilata in den
Chermesgallen an niedrigen Fichten findet. Die beste
Zeit zum Eintragen solcher Gallen ist der Juli. Man
nehme nur die grünen Gallen, aus denen Mulm hervor-
quill. Nach einem starken Sturm im August lese man
im Fichtenwalde die herabgefallenen frischen Zapfen auf.
Besonders solche, deren Spitze umgebogen ist und aus
denen Mulm und Raupenkot hervortritt, enthalten oft
togata. Häufiger allerdings findet man darin die fast
schwarze, mit einzelnen längeren Haaren bedeckte Micro-
raupe Dioryctria abietella F. Es ist nicht uipe sich der
48 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
schwierigen Arbeit des Auseinanderspaltens der Zapfen
zu unterziehen, man lege einfach die Zapfen in einen
Kasten auf etwas Moos und warte ab, was im kommenden
Jahre herauskommt.
“Fürs Klopfen kommen verhältnismäßig wenige Arten
in Betracht. Pusillata klopft man ungefähr im Juli von
herabhängenden Fichtenästen, auch wohl von jungen
Bäumchen; lariciata zu gleicher Zeit von Lärchen;
lanceata Ende Mai, Juni von Fichtenästen, besonders
auch von jungen Bäumen; indigata im Juni von Kiefern;
exiguata ım September im Hochwalde von Rhamnus
frangula und Sorbus aucuparia, gelegentlich auch einmal
von Weiden und anderen Laubgehölzen; sobrinata im
Mai und Juni von Juniperus communis; assimilata im
September von Humulus lupulus; abbreviata und
dodoneata im Juni von Eichen, erstere von den
Blüten, letztere mehr von den Seitenschößlingen am
Stamme; inturbata von Acer campestris, zur Zeit der
i
Blüte im Frühling. Von allerlei Gebüsch, auch von Him-
beeren, klopft man ım Herbst die Raupe von castigata
in den Schirm und von Senecio absinthiata. Letzte
Art kommt aber auch an Solidago, Eupatorium, Tana-
cetum etc vor. An den Fundstellen schneide ich gewöhn-
lich eine Anzahl Stengel ab und klopfe sie in den Schirm.
Die Raupen, die sonst oft nicht leicht zu sehen sind, fallen
auf diese Weise leicht heraus.
Das Schöpfen mit dem Streifnetz wende ich besonders
beinanata von August bis Oktober in der Heide an,
desgleichen bei goossensiata Ende September. In
jungen Fichtenkulturen, zwischen denen allerlei Pflanzen
wuchern, Campanula, Centaurea, Achillea millefolium und
ptarmica, Hieraceum, Hypericum etc., schöpfe ich im
September immer die Raupen von scabiosata, saty-
rata und castigata. Man kann diese allerdings auch
von den Blüten absuchen, doch ist diese Methode zu
wenig lohnend.
Die meisten noch verbleibenden Arten müssen ab-
gesucht werden, und zwar isogrammaria im Juli von
Clematis vitalba an Gartenlauben, Zäunen, Mauern usw.
Die schwarzen Flecken an den Knospen verraten das
Vorkommen der Raupen. Man sammle solche Knospen
und man wird neben vielen unbesetzten auch von Raupen
bewohnte finden. Valerianata lebt im August an
| a) E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 49
‘ Valeriana officinalis, gern am Wasser zwischen Gebüsch.
“Die Raupe ist nicht leicht in den Dolden zu entdecken;
subnotata sitzt in September auf Chenopodium und
“ Atriplex, die Früchte verzehrend, unkultiviertes Land mit
reichlichem Bestand dieser Pflanzen in sonniger und ge-
schützter Lage wird bevorzugt; pimpinellata und
oblongata leben im September, Oktober an Pimpinella
saxifraga, frei zwischen den Dolden sitzend, doch fand
ich oblongata ebenso häufig schon von August ab an
den Blütenrispen von Rumex acetosa und acetosella,
auch an Meum athamanticum im Gebirge und an anderen
* Umbelliferen. Innotata lese ich im Oktober immer in
größerer Anzahl von Artemisia campestris an Feldrainen
in Sandgegenden ab; ihre Sommergeneration fraxinata
könnte man im Juli gewiß an Crataegus finden. Ich habe
sie zwar noch nicht gesucht und gefunden, ich zog aber
1923 diese Form in größerer Menge aus Eiern, die mir
innotata im Juni ablegten. Schon in früheren Jahren
"hatte ich die Nachzucht von innotata versucht, hatte
aber nach Angaben in der Literatur Esche als Futter
gereicht, die sich schwer hält, und deshalb nur Mißerfolge
gehabt. Die Räupchen nahmen dieses Futter mit Wider-
willen an und gingen klein zu Grunde. Ich reichte des-
halb jetzt Weißdorn, den die Räupchen bereitwilligst an-
nahmen und damit gut gediehen. Bevorzugt wurden nur
die älteren Blätter, sogar von den ganz jungen Raupen.
In 3 Wochen war die Zucht durchgeführt und von Ende
Juli ab schlüpften die von innotata nur durch ihre
‚geringere Größe verschiedenen Falter. Daß mir jemals
innotata aus liegengebliebenen Puppen erst im August
geschlüpft wäre und die fraxınata-Form ergeben hätte,
wie es Dietze und Vorbrodt behaupten, ist mir noch
niemals vorgekommen, obgleich ich nun,schon sehr viele
„Jahre diese Art ziehe. Die Falter schlüpften bei mir alle
„schon im Mai und Juni. Zu den Letzten ım Jahre gehören end-
lich die Raupen vonsuccenturiataundsubfulvata,
die noch im Oktober zu finden sind. Beide finde ıch
hier nur an Achillea millefolium; Artemisia, woran suc-
centuriata nach Angabe bei vielen Autoren vorkommen
soll, ist bei uns nicht vorhanden; im Niederlande aber, in
der Dahlener Heide, wo ich alle Jahre innotata von
Artemisia absuche, habe ich noch niemals eine succen-
turiata-Raupe gefunden. Geschützte Feldraine und
e Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein IV
-Iris zu Dresden. Jahrgang 1924 z
50 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
besonders Waldkulturen, wo Achillea in Menge wächst,
sind die Heimstätten dieser Raupen.
Wie aus diesen Angaben ersichtlich ist, bevorzugen
die Eupithecien meist geschützte Oertlichkeiten; nur‘
wenige, wie innotata und oblongata machen sich
nichts aus Wind und Wetter. Wie die Liste der Falter,
so ist auch die der Raupen nicht vollständig. ° Andere
Gegenden haben noch andere Arten, deren Lebensweise
mir nicht bekannt ist und die ich deshalb weglassen
mußte. Weitere biologische Angaben sollen im zweiten,
systematischen Teile folgen.
Nice - St. Martin Vesubie -Digne.
Ein Beitrag zur Lepidopterenfauna der Alpes’
Maritimes und der Basses Alpes.
Von Dr. Eugen Wehrli, Basel.
Mit Tafel 1.
Ein seit fast 70 Jahren verschollener, von keines Künstlers
Hand der Nachwelt überlieferter, unscheinbarer Nachtfalter
hatte es mir angetan und zog mich mit magischer Gewalt
hin zu den Stätten seines dem gewöhnlichen Menschenauge
verborgenen geheimnisvollen Lebens, nicht nur seiner selbst,
sondern auch seines, zum Teil ebenfalls noch in Dunkel
gehüllten, engeren und weiteren Verwandtenkreises willen.
Wenig fehlte, daß zwei seines Stammes, ungefähr 50 Jahre
nach ihrer Bekanntschaft mit dem Menschen, an die ihnen
gebührende Stelle im strahlenden Lichte der Wissenschaft
gelangt wären, wenn nicht, auf der beschwerlichen Reise
von Rennes nach Dresden, ihre schönste Zierde, ihr Kopf-°
schmuck, ihr damaliges einziges Erkennungszeichen, durch
das Walten dunkler Schicksalsmächte in Verlust geraten
wäre, wodurch sie wiederum für fast ein Vierteljahrhundert
ın die Vergessenheit zurückgeschleudert wurden. Diesem,
so lange im Dunkel der Verkanntheit weilenden, Nacht-
falter, der Gnophos canitiaria Gn. und ihren Ver-
wandten Gn. serotinoides Wfrli. und vallesiaria
Wrli., galt meine diesjährige Erkundungsfahrt in seine
-E.Wehrli. Nice-St. Martin V&esubie -Digne. Ein Beitrag z. Lepidopterenfauna. bi
sonnige Heimat im Südosten Galliens, den Basses Alpes
und den Alpes Maritimes, der ein voller Erfolg beschieden
war. |
- Zur Orientierung über die Flugzeiten und Fangstellen
sei der Verlauf dieser Exkursion mit engbegrenztem Ziel
in Kürze im folgenden skizziert.
| Die ersten 8 Tage, 8.—15. VII, wurden zur Erlangung
einiger littoraler Arten an der herrlichen Baie des Anges
in Nice verbracht, wo es sich ın dem dicht am Badestrand
an der windreichen Rauba capeu gelegenen Hotel Suisse
trotz der Julihitze recht angenehm leben ließ und wo, trotz
des Sonnenbrandes, auch an Stellen mit scheinbar ganz
verdorrter Vegetation, manch interessanter Fang zu ver-
zeichnen war, sofern man morgens beizeiten auf die Jagd
auszog. Der späte Nachmittag war dem täglichen er-
frischenden Bade im Meer gewidmet, in dem manch
hübscher Käfer das Herz des Entomologen erfreute.
Ausflüge wurden unternommen auf die aussichtsreichen,
bewaldeten Höhen ‘des Mont Boron, 220 m, auf den Mont
Gros, 375 m, auf dem sich gute Fangstellen für Lycaeniden
und Zygaenen vorfinden und steinige, lavendelbesäte, sterile
Flächen, wo neben verschiedenen Thalpochares-Arten die
seltene Epimecia ustula ganz frisch flog, deren Fang
mir den Bruch zweier Rippen, durch Fall auf dem steinigen
Terrain, eintrug, ein etwas unangenehmer Zwischenfall, der
aber die weitere entomologische Tätigkeit nicht zu be-
einträchtigen vermochte.
Der folgende Tag brachte eine genußreiche Autofahrt
auf die Grande Corniche über La Turbie nach Monte Carlo,
mit Halten an günstigen, schönen Lagen, auf der zwar mehr
dielandschaftlichen Schönheiten zur Geltung kamen, während
die entomologische Forschung etwas ins Hintertreffen geriet.
Am 11. VII. ging es zu einer Erkundungsfahrt der Unter-
kunftsgelegenheiten und Lokalitäten nach St.Martin-Vesubie,
welcher Ausflug einige gute Eulen, Apopestes cata-
phanes, Eublemma suava und Spanner einbrachte.
Am 15. VII. wurde dem Strande von Cagnes, sowie den
landschaftlich interessanten wie entomologisch günstigen
Gorges du Loup ein Besuch abgestattet. |
So vorteilhaft für die entomologische Tätigkeit und so
angenehm für Ausflüge die herrlichen Tage mit wolken-
losem, tiefblauem Himmel sich gestalteten, wurde die Wärme
doch, besonders nachts, allmählich etwas drückend, so daß
52 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
es Zeit wurde, höhere, kühlere Lagen aufzusuchen. Am’
16. bezogen wir Quartier auf dem klassischen Boden des
reizend gelegenen St. Martin-Vesubie, 955 m hoch, im Hotel
de Londres, wo tagsüber bei dem andauernd schönen:
Wetter die Hitze nie drückend, die Nächte von erfrischender
Kühle waren.
Ueber die günstige Lage, die vorteilhaften klimatischen
und meteorologischen Verhältnisse, die für den Entomologen
aussichtsreichsten Exkursionen und Lokalitäten verweise
ich auf die Angaben Milliere’s, der sich lange in St. Martin
aufgehalten hat, (Catalogue Raisonne des Lepidopteres des
Alpes Maritimes 1873) und besonders auf die ausgezeichnete
Schilderung von Spröngerts, (Iris, 1914, p. 237, Bd. XXVID,
die mir gestatten, mich hierüber sehr kurz zu fassen und
nur wenige ergänzende Bemerkungen beizufügen über die
geologische Beschaffenheit der Gegend und Erweiterung
der Ausflüge. Eine leicht zu begehende und sehr lohnende
Tour bildet der Rundgang zum Col St. Martin, 1504 m,
von da zum Col de Such und durch saftige Alpwiesen und
prächtigen Bestand an alten Lärchen zum Col de Colmiane,
westlich der Tete de Colmiane, 1804 m, der eine sehr
schöne Aussicht auf die Täler und auf die schneegekrönten
höchsten Gipfel der Seealpen, besonders der Cima d’Argen-
tera und des Mont Gelas bietet, und dann hinunter auf
steinigem Pfad nach Venanson und zurück nach St. Martin,
eine Exkursion, die auf der Höhe viele alpine Falter ein-
bringt, und auf der ich eine neue Scythris-Art entdeckte.
Ich beging diese reizenden Oertlichkeiten am 23., 24. und
26. VI. |
Dieses eben erwähnte Gebiet, westlich und südwestlich
von St. Martin gelegen, gehört der Kalkformation, mit Felsen
von heller Farbe an und beherbergt hauptsächlich die
kalkliebende Fauna und Flora.
Die übrigen vielbegangenen und oft erwähnten Täler
und Lokalitäten östlich und nordöstlich vom Städtchen, das
Vallon de Fenestres und die Madona de Fenestres, 1904 m,
sowie das Val Bor&eon mit der Cascade du Boreon und
der Ciriegia, 1470 m, zu welchen gute Wege führen, haben
als Unterlage Urgestein und zwar Gneiß, verschiedener
Konsistenz und Farbe, oft rötlich, welcher Formation auch
Argentera und Mont Gelas angehören. Eine Zone hellen
Granites reicht von den Terme. die Valdieri bis ins obere
Val Boreon, unmerklich in den Gneiß übergehend.
- E.Wehrli. Nice -St. Martin Vesubie-Digne. Ein Beitrag z. Lepidopterenfauna. D3
Den Lockungen der besonders vom Col und der Tete
de Colmiane schön und klar sichtbaren, schneebekränzten,
in ihrer ganzen Pracht sich präsentierenden Hochgipfel
des Gelas und der Argenitera konnte ich auf die Dauer
nicht wiederstehen, aus Gründen sportlicher und wissen-
schaftlicher Natur, zumal das Hochgebirge der Seealpen
über 2600 m (Col de la Fremamorta und il Druos, er-
wähnt mit spärlichen Angaben in der Faunula Valderiensis),
so gut wie gar nicht entomologisch erforscht war.
Den 18. VIl..widmete ich dem Val und der Madona de
Fenestres, zu der zuerst eine Straße und dann ein guter
Saumpfad führt, zur Jagd auf die erwähnten Gnophos
und der Anaitis simpliciata, die ich an dem von
Spröngerts angegebenen Orte in Anzahl frisch erbeutete,
sowie zur Erkundung der Nächtigungs-Gelegenheiten und
des Aufstieges zum Gelas. Die besten Tiere waren 2 gJ’g'
der Fumea norvegica Schöyen. Das schon von Spröngerts
bei seinen Besuchen jeweils erlebte obligate Gewitter am
- Spätnachmittage fehlte auch diesmal nicht.
| Der Abend des 19. VIl..sah mich wieder im Gasthof
der Madona, um dort die Nacht zu verbringen und am
Morgen des 20. mit einem Führer den Mont Gelas (Cima
dei Gelas) 3143:m zu erklimmen. Herrlich war der Tag
der Besteigung, überwältigend die großartige Aussicht,
reichend vom Monte Rosa, dem Matterhorn und dem Mont
Blanc bis zu den Apeninnen, nach Süden in weiter
Ferne zu den zackigen Gebirgen Corsicas, umspült von
den blauen Fluten des Meeres, zu den Alpen des Esterel
und des Var, westlich und nordwestlich zum Gipfelmeer der
Alpes Basses und der Dauphine.
Die zweite Besteigung des Gelas erfolgte am 28. VII, bei
schönem Wetter bis am Nachmittag, der wieder vom ge-
wohnten Gewitter von kurzer Dauer begleitet war. Zwei
neue Solenobia-Arten, eine neue gute Rasse der Psodos
bentelii Rtzr. die f.alpmaritima ssp.n., eine eben-
solche des Crambus zermattensis Frey, der müller-
rutzi ssp.n. bildeten im Wesentlichen das Resultat der
zwei Besteigungen des Mont Gelas. Dazu noch eine Reihe
guter, weiter unten und im Tale erbeuteter Arten, worunter
auch Gnophos serotinoides Wrlı.
In der Hoffnung, außer den auf dem Gelas gefangenen
Tieren, auch die unter 3300 m nicht vorkommende Pso-
dos wehrlii Vorbr. anzutreffen, brach ich am 30. VII
54 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
frühmorgens mit 2 Führern von St. Martin auf zur Erklim-
mung des höchsten Gipfels der Alpes Maritimes, der Cima
d’Argentera (Punta dell’Argentera, oder Pointe d’Argent)
3300 m nach der offiziellen franz. Karte. Es ging durch
das ganze Val Boreon, oberhalb der Ciriegia durch schöne
alte Tannenwälder, dann hoch hinauf, die Caire dell’Agnel
rechts, die laghi dell Agnel links lassend, zum Col delle
Rovine (auch Rovino und Rorine geschrieben), circa 2900,
auf dem Anstieg die großen, wunderbaren Blütenstände der
hier endemischen, an senkrechten Felswänden wachsenden
Saxifraga florulenta Moretti bewundernd; oben rastend,
am Spiele einiger munterer Gemsen sich erfreuend; hierauf
steil auf Geröll und Schneehalden hinunter zu dem einsam
in einem wilden, rings von hohen Bergen umgebenen,
Hochtal gelegenen Lago delle Rovine (auch Lago dı Brocan
genannt), dessen kristallklare Wasser nach Norden ins Valle
d’Entraque zur Adria fließen, in dessen Nähe das als Nacht-
quartier ausersehene Rifugio di Genova auf einem Felsen
sich befindet (circa 1900 m?). Die ersten Sonnenstrahlen
erreichten uns anderntags schon hoch oben, dem Gipfel der
Argentera zustrebend, und bald erhoben sich taumelnden
Fluges schon die ersten Psodos, denen in Bälde die neuen
Solenobien und der Crambus f. müller-rutzi nach-
folgten. Ps. wehrliı Vorbr. wurde nicht gesehen. Die
Aussicht war an diesem strahlenden Sommertag noch unı-
fassender und klarer als auf dem Gelas und scharf und
deutlich hoben sich einerseits die Walliser Riesen, ander-
seits die fernen Gebirge Corsicas vom tiefblauen Himmel
ab; tief unten grüßten dıe weißen Häuser von Valdieri im
Valle dı Gesso herauf, wo Turati und Verity wiederholt
den Sommer verbrachten und ihre so erfolgreichen Jagden
unternahmen.
Der Gipfel der Argentera scheint nicht häufig Besuch
zu erhalten; nach dem Gipfelbuch des ital. Alpenklubs
waren wir die ersten Besteiger des Jahres 1923.
Nur widerstrebend, noch trunken von der Schönheit
des Rundblickes, machte man sich an den Abstieg, nicht
auf dem gleichen Wege des Aufstieges, sondern direkt
nach Süden, dem Grate folgend, zur Cima di Nasta, 3118 m,
dann auf der Westflanke der Cima Brocan zum Val. Ghille
. und über den Col Mercantour hinunter direkt zur Ciriegia,
von wo nach kurzer Rast unter Mitnahme vieler Raupen
der Eupithecia fenestrata Mill., beständig sammelnd,
— E.Wehrli. Nice-St.Martin Vesubie-Digne. Ein Beitrag z. Lepidopterenfauna. DD
gegen 6 Uhr abends St. Martin wieder erreicht wurde.
Während dieser zweitägigen Tour ließ das Wetter nichts
zu wünschen übrig.
' Die Abreise von St. Martin erfolgte am 2. VIII. per
Auto, mit längerem Halten an günstigen Fangstellen, auf
der Route des Alpes über Ve&subie, Villars, Puget, Annot,
Thorame, Barreme, nach Digne, wo ein "Aufenthalt von
mehreren Tagen gemacht wurde. Meine Ausbeuten von
dort sind durch die Vorräte eines Digner Entomologen
und Händlers durch eine größere Zahl guter Greometr iden,
alle aus der Umgebung von Digne, glücklich ergänzt
worden. Diese ausschließlich aus den Basses Alpes stam-
menden Spanner habe ich ebenfalls ins Verzeichnis auf-
genommen.
In St. Auban, wo während eines einstündigen Aufent-
‚haltes nahe beim Bahnhof noch Acidalıa elongaria
rbr. Il Gen. frisch in Anzahl, Hesp. cirsii und Sat.
arethusa f. dentata Stgr. und Anderes erwischt wurden,
fand der entomologische Teil der Reise seinen Abschluß.
Kürzlich ist über die Makrolepidopteren von Digne von
R. Heinrich ein sehr vollständiges, alle früheren Angaben
berücksichtigendes Verzeichnis herausgekommen, das den
Besuchern dieser Lokalität von großem Nutzen sein wird.
(Deutsche Ent. Zeitschr. 1923, Beiheft.) Ich bin im Falle,
einige ergänzende Angaben zu demselben zu machen,
hauptsächlich Geometriden betreffend.
Turati (mit seinem Sammler Krüger) und Verity HEBEN
von den von St. Martin in der Luftlinie nur 15!/, km ent-
fernten Terme dı Valdieri eine sehr reichhaltige Faunula
Lepid. Valderiensis nell Valle del Gesso herausgegeben, mit
vielen botanischen und geologischen Angaben (Bulletino
della Soc. Entomol. Italiana 1910 und 1911, Bd. XLI p.
170 und XLII) und mit Zugabe der Sammelergebnisse des
Kapitäns Parvis und W. Gieseking, die ebenfalls im Gebiet
entomologisch tätig waren. Die Faunenbestandteile des
Tales von Valdieri sind denjenigen des Ve&subietales sehr
ähnliche, obwohl das Erstere, nach Nordosten sich öffnend,
zum Einzugsgebiete des in die Adria mündenden Po ge-
hört, das Letztere aber, nach Süden verlaufend, seine Wasser
in den bei Nice ins Mittelmeer mündenden Var ergießt. Es
sind eben auch die klimatischen Faktoren, die geologischen
Substrate und die Flora nicht stark verschieden, und beide
Flußgebiete trennen keine sehr hohen, unüberwindlichen
56 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Gebirge, deren Pässe überdies im Sommer ganz schnee-
frei sind. Ich glaube deshalb nicht, daß nach genauerer
Erforschung beider Täler, trotzdem sie verschiedenen Fluß-
gebieten angehören, sich wesentliche faunistische oder flori-
stische Unterschiede eruieren lassen werden. Immerhin habe
ich nicht verfehlt, auf Arten, die ich bei St. Martin-Vesubie
gefangen, und die in der Faunula Valderiensis, die sich auf
drei Sommer erstreckt, nicht enthalten sind, hinzuweisen.
Während sowohl die Autoren der F. V., als auch Sprön-
gerts, laut oben zitierter Arbeit, intensiv den Lichtfang be-
trieben, habe ich ganz auf diese erfolgreiche Fangart und
den Köderfang verzichtet, und dafür mehr am Tage und im
Hochgebirge gesucht; es erklärt dies zum Teildie Differenzen
in unseren Verzeichnissen. Es ıst auffallend, daß Milliere
Arten als bei St. Martin häufig vorkommend angibt, die
weder von Spröngerts, noch von mir (noch in Valdieri laut
F. V.) aufgefunden wurden, wie z. B. die Ocnogyna
parasita Hb.; und doch ist an dem Vorkommen dieses
Tieres durchaus nicht zu zweifeln. Anderseits trafen wir
Schmetterlinge an, die dem Kataloge Millieres fehlen. Ebenso
fällt auf, daß auch von Spröngerts leichtam Tage zu fangende
Arten als häufig bezeichnet werden, von welchen ich kein
Stück sah, wie z. B. die Cid. verberata Sc., welche Art
mich besonders interessiert, auf dem Col St. Martin. Hin-
wiederum begegnete ich Arten an von uns Beiden be-
gangenen Stellen sehr häufig, die dem Spröngert’schen
Verzeichnis fehlen, obwohl er zwei Sommer und länger als
ich dort gesammelt hat, wie z. B. der Heterogynis
penella Hb. Coenonympha dorus Esp. Rhodo-
stroph.calabra Pet., Pt.rusticata F. am Col.St.Martin
und im Val. de Fenestres. Spröngerts und ich fanden ferner
Arten häufig, z. B. Melitaea didyma O,, die in F.V.
nicht erwähnt werden. |
Dürfen wir nun aus diesen Tatsachen den Schluß ziehen,
daß die von den Spätern nicht mehr gefundenen Spezies
ausgestorben und die von den Frühern nicht gefangenen
im Läufe der Zeit eingewandert sind? Sicher nicht, das
wäre ein böser Trugschluß, der aber in Lokalfaunen hie
und da gemacht wird. Die Ursachen dieser Erscheinung
liegen einmal in den ganz verschiedenen Sammelmethoden
des Einzelnen; je nachdem hauptsächlich die ersten Stände
beachtet (Milliere), oder Lichtfang getrieben (Spröngerts)
oder am Tage die Schlupfwinkel der Imagines gesucht
-E.Wehrli. Nice-St. Martin V&esubie-Digne. Ein Beitrag z. Lepidopterenfauna. D7
werden und auf die höchsten Gipfel geklettert wird (Autor),
wechseln die Resultate. Dann frequentiert der eine Sammler
vorzugsweise einzelne für gut befundene Fangstellen, der
Zweite wieder andere und so können jedem eng lokali-
sierte Arten entgehen. Ueberdies richtet jeder sein Haupt-
augenmerk auf bestimmte Gattungen oder Familien und
achtet weniger auf die andern. Ferner kann die nur kurze
Flugzeit mancher Arten, z. B. durch zweifelhafte Witterung,
verfehlt werden. Schließlich — und das ist wohl der wich-
tigste Grund — tritt dieselbe Art lange nicht alle Jahre gleich
häufig auf, sondern kann mehrere Jahre ausbleiben, um
dann plötzlich unter günstigen Umständen einmal wieder
sehr häufig zu erscheinen.
- — Der sichere Nachweis der Einwanderung einer Art, oder
ihres gänzlichen Verschwindens, begegnet aus den eben
erwähnten Gründen außerordentlichen Schwierigkeiten; aber
noch viel größere, m. E. unüberwindliche, türmen sich auf
gegen das Studium der Sukzessionen der Tierverbände in
der Lepidopterologie.
In der Aufstellung des folgenden Verzeichnisses bin ich
im allgemeinen dem Staudinger-Rebel’schen Katalog 1901
gefolgt, mit Ausnahme der Geometriden, die nach Prout-
Seitz geordnet sind.
Die Arbeit bringt für Nice und St. Martin nur selbst-
gefangene Arten, für Digne allein überdies noch eine
Anzahl von einem dortigen Händler erworbene Geome-
triden. Eigentlich 'beabsichtigte ich nur die Geometriden
und Psychiden zu berücksichtigen, entschloß mich aber
dann doch zur Publikation der ganzen Ausbeute, da auch
unter den andern Familien einige interessante Tiere sich
befinden.
Abkürzungen:
F. V. = Faunula Valderiensis; s = selten; h. — häufig;
Val.=Vallon; St. Martin = St. Martin —Ve&subie (Lantosque).
(Fortsetzung folgt.)
”.
-.
2 1 Ptychopoda vesubiata Mill. tripartita {. n.
.. 2 Ortholitha octodurensis Favre, ee FA:
#4 Hadlena anllis-DL. u. 20.
. 5 Gmophos furvata Schäf, meridionalis f Tex
. 6 Gnophos vallesiariaWrli. subnivea f.n.an ssp.?
. .* Gnophos canitiaria Gn. subpullata f.n.
ee Erklärung der Abbildungen.
An SSDIN... :. |
3 Gnophos Elkuchana. Hb. f. ee 2 n.
8 Psodos bentelii Rtzr. alpmaritimaf.n.an ssp.n.?
9. Solenobia alpicolella Rbl. argenterae SP n.
an sp.? ER
4 Solenobia alpivoleila. Rbi.
ig. 11 Solenobia rebeli sp.n.
.12 Crambus zermattensis. Frey. Mont Neben: Wallis
“Lo. Crambus zermattensis müller-rutzi ssp. n.
a A u ee
a
ED:
PD:
- P
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P-
Pr
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Dresden - Band XXXVIII Tafel I
Wehrli, Nice-St. Martin-Digne Vergr. Solenobia 2,5:1 Müller-Rutz pinx.
Geometridae 17/18 Dr. Wehrli phot.
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' E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 59
Nice - St. Martin V&subie -Digne.
Ein Beitrag zur Lepidopterenfauna der Alpes
Maritimes und der Basses Alpes.
Von Dr. Eugen Wehrli, Basel.
Mit Tafel I.
(Fortsetzung.)
Rhopalocera.
Papilio alexanor Esp. Val Bor&on, 25. VII. frisch. .
Fehlt F. V. Dürfte dort sicher noch gefunden werden.
P. machaon L.n.s.in gewöhnlicher Größe; die f. altica
Verity der F.V. habe ich nicht gefangen.
Parnassius apollo L. Häufig sowohl auf Kalk, als
auch auf Urgestein. Zeichnung und Ozellen variieren
ganz beträchtlich je nach der Höhenlage; einzelne
stimmen mit der f. valderiensis Trti und Ver. gut
überein, andere sind von provincialis Kheil, gemi-
nus Stich, nivatus Fruhst., auf gleicher Höhe ge-
fangen, nicht zu trennen, so daß hier m.E. von einer ein-
heitlichen Rasse nicht die Rede sein kann.
Bora crataegiL.n.s.
Pieris callidice Esp. Im Massiv der Argentera und
des Mont Gelas bis über 3000 m öfter gesehen, aber
kein reines Stück gefangen.
P. daplidice Grande Corniche.
P. rapae L. Grande Corniche.
P. brassicae L. Grande Corniche.
Euchloe cardamines L. St. Martin.
Leptidia sinapis diniensis B. Grande Corniche,
f. erysimi Bkh. Col St. Martin, Val Boreon.
Colias hyale L. Col Colmiane, Col St. Martin, große
45—46 mm spannende Exemplare, (in der F. V. mit
50 mm zur var. altica gerechnet).
Colias croceus Fourcr. Cagnes, Annot, Berthemont,
St. Martin-Ves.
Gonepteryx cleopatra L. Mehrfach um Nizza; 1 Stück
E55 Martin 11. VIL, 1100 m.
Pyrameis atalanta L. Venanson.
P. cardui L. h. St. Martin.
. Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris‘‘, herausgegeben vom Entomologischen Verein I
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924
60 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
— — — —— ==
Vanessa ioL. St. Martin.
V. urticae L. Steigt auch hier wie in den Walliser
Alpen zum Besuche der Blüten bis zu den höchsten
Erhebungen des Gebirges.
Melitaea cinxia L. Cagnes. f. pallidior Obthr. Col
St. Martın,
M.phoebe Knoch. Grande Corniche.
M. athalia Rott, Nice, Venanson.
M.didyma O. Von Spröngerts mit Recht als überall
häufig erwähnt, fehlt merkwürdigerweise der F. V.
Die Form ist die der alpina Stgr., wenigstens in den
höheren Lagen.
M. parthenie Bkh. In der F. V. wird dief.varıaM.D,
als bis zu 2500 m vorkommend angegeben. Die ty-
pische varia M. D. habe ich nicht gefunden, meine
vom Col Fenestre mitgebrachten Stücke von etwa 2200 m
haben unterseits eine hellgelbe nicht wie beivaria
silberweiße Binde.
Argynnis amathusia v.titaniaHb.n.s,
A. daphne Schiff, Venanson 1. VIII, ganz abgeflogen.
Satyrusalcyone W.V. Gegen Venanson und am Col
St. Martin n. s.
S.fagiScop.(hermioneL.)Nice, MontGros, GrandeCorniche.
.briseis f. meridionalis Stgr. Eher zu major Obth.
gehörig, Mont Gros, Nice.
semele L. Venanson, Col St. Martin.
arethusa f. dentata Stgr. St. Auban, nahe dem
Bahnhof, 2. VII. frisch.
.statilinus f. allionia F.Villars, Alp. marit.
.actaea f.cordula F.an heißen Abhängen, Venanson,
Col St. Martin.
. dryas Scop, Berthemont. Fehlt F.V.
Pararge aegeria L.und f. intermedia Weism. Nice,
in ganz frischen Stücken.
Epinephele ida Esp. Nice, Mont Boreon, 9. VI.
E. tithonus L. Annot. Villars,
E. jurtina hispulla Hb. Grande Corniche.
E. Iycaon Rott. Col Colmiane.
Coenonympha iphis W.V. Col Colmiane,
C. arcanıa macromma Trti und Vrty. Col Colmiane.
C. pamphilus L
C. dorus Esp. Die bei Nice, am Mont Gros 12. VH ge
fangenen Tiere weisen gegen die über 1000 m höher
n un on u
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 61
am Col St. Martin 23. VII. erbeuteten keine Unterschiede
auf. Wird von »-Spröngerts nicht erwähnt.
Melanargia galathea procida Hb. h.
Erebiaceto Hb.h.
E.gorgophone Bell. Auf Alpweiden des Col Rovine
und desCol Ghille, 30.und31. VII. Es gibt sehr schwierig
zu identifizierende Zwischenformen zwischen dieser Form
und gorge, o- und useits, auch auf der Hfl-Useite
ganz ohne Augenpunkte, auf letzterer mit ähnlicher
Färbung und ähnlichen Binden. Die breitere Mittel-
und die schmalere Randbinde der Hfl-Useite lassen sie
eher zu gorge ziehen. — An meinen g'g' Exemplaren
kann ich die Angabe Turatis bestätigen, daß die An-
droconialflecken zwischen den Adern in- und außerhalb
der Zelle auf der Oseite der Vfl ganz bedeutend stärker
ausgebildet sind, als bei mnestra, der sie oft fehlen.
Nach Turati sind auch die Valven verschieden: Nuove
Forme d. Lepid. III. p. 55.
. gorge Esp. Cima d’Argentera und Col Rovine, f.
erynis Esp. Mont Gelas, Col Fenestre.
.stygne ©. Val Bor&on und Fenestre n. S.
euryale Esp.n.s.
.ligea L. Etwas seltener als vorige, mehr in Wäldern.
.lappona Esp. Col Rovine, Col Ghille.
tyndarus Esp. Oberes Val. Fenestre und Val. Boreon.
Chrysophanus virgaurea L. Col St. Martin, ver-
einzelt, bereits vorbei.
Ch. phlaeas L. Nice. Zahlreich und ganz frisch am Col
St. Martin.
Ch. aleiphron columbanus De Prun. Venanson,
St. Martin, Annot. Eine interessante Aberration von
St. Martin: Die Zelle enthält oseits drei Flecken; die
Bogenaugen fehlen o- und useits völlig; die submargi-
nalen Augen auf den Vfl in der breiten Randbinde
aufgehend, auf den Hfl zu Strichen ausgezogen. Useits
nur die Flecken der Zelle und die submarginalen Punkt-
reihen der Vfl, auf den Hfl nur einige feine Basal- und
Mittelpunkte und nur die submarginale einfache Augen-
reihe deutlich. |
Lycaena idas f. alpina Berce. Vereinzelt ob. Venanson.
L. argus f. valmasinii Perlin. In höheren Lagen
häufig. Vom Col Rovine eine große, schöne, blaue
Form mit sehr hell bläulichweißer Useite und großen
Freem #8
62 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1994.
Ozellen. Mit Courvoisier (Ent. Zeitschr. Guben 1913,
p. 312) halte ich aus den gleichen Gründen die f. valm a-
sinii Perl. mit alpina Courv. für nicht identisch.
. medon Esp. Nice.
. icarus Rott. h. vom Strand bei Cagnes bis zum Col
St. Martin. Sehr kleine Exemplare von der (srande
Corniche und von Venanson, hier auch die f. celina
Aust. Die f. icarınus Scrib. nur in einem © vom Col
St. Martin; mehrfach die f. arcuata Courv.
.thersites Cant. Nice, Mont Gros, Grande Corniche.
. dolus Hb. Nice, Mont Gros. Lokal h.
.hylas Esp. Val. Bor&on, Venanson, Col St. Martin.
.meleager Esp. Die g'g' vom 23.VII. an, 99 erst
30. VII. Col St.Martin, Venanson, Berthemont, Villars.
Die zwei QQ von Venanson sind groß, fast ganz ohne
Blau oberseits, zur f. steeveni Tr. gehörig, während
das von Villars normal, kleiner ist.
.escheri Hb. h. besonders am Col St. Martin, und bei
Venanson. Auch von der Grande Corniche 10.VII. frısch.
L. bellargus Rott. Nahe bei St. Martin, Venanson,
Berthemont, Villars, frisch. Fehlt interessanterweise
der F
. coriden Poda. h.
.semiargus Rott. In höheren Lagen der f.montana
M.D.sich nähernd. Col St. Martin und Colmiane.
.alcon W.V.Col St. Martin.
. arıon L. In verschiedenen Stadien der Ueberschwär-
zung bis zur obscura Frey., besonders am Col St.
Martin und im oberen Val. Boreon. Alle meine Tiere
haben useits die großen Ozellen langoval ausgezogen.
L. minıma Fueßl. h.
Cyaniris argiolus parvipuncta Fuchs. Große
unten schwach punktierte Exemplare, St. Martin.
Thecla spini Schiff. Nice, Grande Corniche. Vom
Col St. Martin in großen, schönen Stücken; auch von
St. Martin; fehlt der F. V.
Ih-+jl1015 Esp. In der f. esculi Hb. von Nice, Mont
Gros und Grande Corniche.
(Herr Prof. Dr. Reverdin, Genf, hatte die Freundlichkeit,
die Hesperiden zu bestimmen, wofür ihm an dieser Stelle
bestens gedankt sei.)
Carcharodus alceae Esp. ‘Nice, Grande Corniche,
Cagnes.
et ‚ir:
.
Beeren
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 63
C. lavatherae Esp. St. Martin.
C. altheae Hb. Nice, Mont Gros.
Hesperia sao Bgstr. St. Martin.
.carthami Hb. Nicht s.
.serratulae Rbr. Col delle Rovine, s.
.cirsii Rbr. (= fritillum Hb.) St. Auban, Berthemont, je
ein Stück.
carlinae Rbr. Col St. Martin ein Exemplar.
foulquieri Obthr. St. Martin, Venanson, Col St.
Martin, sechs sichere und ein fragliches Expl. Fehlt F.V.
.onopordi Rbr. Cagnes, Annot, St. Martin-Vesubie.
Fehlt F.V. |
. malvoides Elw. Cagnes, vier Expl., frisch, 15. VII.
Thanaos tages L. Cagnes, frisch.
Adopaealineola O. Nice, Grande Corniche.
EIS LES EEERPOR EINEN,
| Heterocera.
Celerio lineata livornica Esp.Nice, im Hotelgarten
abends in der Dämmerung mehrfach an Blüten. Berthe-
mont, St. Martin, Val. Bor&on, am Tage fliegend.
Haemorrhagia scabiosae Z. Col St. Martin. 1 Stück.
Lymantria dispar L. Ein Zwerg (30 mm Spannung)
von Nice und ein großes g' aus dem Val. Bor&on.
Lasiocampa quercus f. alpina Frey, ein g', Col
Colmiane.
Drepana binaria Hufn. Digne.
Cilix glaucata Scop. Digne, in sehr kleinen Stücken;
zur f. aeruginata Trti gehörig mit reduzierter Zeich-
nung. Fig. 17/19, Tafel III. Naturalista Sicil. XX. 1907.
Metachrostis muralis Forst. Nice.
_ M. perla F. dunkle Form, Rifugio di Genova; ganz helle,
kleinere von Digne.
Agrotis comes Hb. Nice.
A. segetum Schiff. Cagnes.
A. candelisequa Schiff. Lago delle Rovine.
A. spinifera Hb. St. Martin, zwei @Q 16. VII. Fehlt
der F. V.und Spröngerts.
A. renigeraHb. Val. Boreon, an Felsen.
(Für die freundliche Ueberprüfung der Agrotitiden sei
Herrn Dr. Corti, Dübendorf, bestens gedankt.)
Mamestra oleracea St. Martin. Fehlt F.V.
M. dentina Esp. St. Martin, Madona de Fenestre.
M. serena F. Val. Fenestre.
64 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
M. reticulata Ville. Wie Vor.
Miana strigilis Cl. St. Martin.
Hadena anılis B. (Tafel I., Figur 4.) Genera et Index
method. p. 127. Herrich-Schäffer, Schmett. Europas Bd.
Il. p. 264; Taf. 75, fig. 385. Spuler 1910, Bd. III. Taf.
30, fig. 4; Berge-Rebel 1910, p. 197, Fußnote; Seitz-
Warren II. p. 131; Godart et Duponchel, Lep. d. France,
Suppl.-Bd. IV. p. 218, Taf. 69, fig. 1. Duponchel, Cat.
Method, Lep. d’Europe p. 438, Guenee Ann. Soc. France
Bd. X. p. 244. Favre, Faune du Valais, p. 163; Guenee,
Hist. Nat. Spec. Gen. Lep. Bd. Il./6 p. 42. Wiskott, Stett.
Ent. Ztg.1894,p.93. Püngeler, ibid.1896, p. 227. Spröngerts,
l. c. 248. Wiskott, Stett. Ent. Ztg. 1894, p. 93. Lederer,
Noctuinen Europ. Wien 1857, p. 106. Heinrich, R.,l. c.,
p. 80/82 und 1919, p. 204; Berliner Ent. Zeitschr. Bd. 57,
p. 37. Culot, Noct. d’Europe, Pl. 81, fig. 16.
Von dieser vielumstrittenen, von den Wenigsten ge-
kannten Art fing ich an derselben Stelle, bei Venanson
an Felsen, wo ihr neuzeitlicher Wiederentdecker Spröngerts
sein einziges Q@ gefunden, ebenfalls nur ein frisches Stück,
auch ein ©, am 17.VII. Am 15. VII. 1837 wurde die Art
von Donzel bei Digne in einem Exemplar entdeckt, aber
zunächst nicht beschrieben. Erst Boisduval brachte |. c.
eine kurze Diagnose, auf das gleiche versehrte Q@ gegründet,
1840, und gab außer Digne auch das Wallıs, Valesia, als
Fundort an, l.c. p. 127.
1842 beschreibt Duponchel dasselbe © l. c. und erwähnt
p. 219 nur Digne als Fangstelle; seine Abbildung ist ganz
unkenntlich. Vom Wallis steht dort kein Wort, wohl aber
in Cat. Lep. d’Europe 1844 p. 138 die nackte Angabe:
Valais. Eine bessere Beschreibung des Donzelschen Tieres
und eine gute Figur (etwas zu klein, der Mittelschatten zu
nahe der Nierenmakel, die Wellenlinie zu wenig scharf ge-
zackt), verdanken wir 1845 Herrich -Schäffer, der wieder
als Fundort das Wallis (ohne den Namen des Finders)
nennt. 1852 wird von Guenee l.c. das gleiche Donzelsche ©
beschrieben, nur mit Digne als Fundort, ohne das Wallis.
Später, 1896, berichtet Püngeler über ein mit ? zu anilis
gestelltes, bei Simpeln gefangenes ©, das aber zur sicheren
Bestimmung zu stark abgeflogen war. Es hat sich dann
als zu platinea ferrea Pglr. gehörig herausgestellt.
(Soc. Ent., XXI. p. 42, wo auch einige aus Digne stammende
anılis erwähnt werden, die Püngeler als recht auffallende
E. Wehrli. Nice-St. Martin Ve&subie-Digne. 65
lichtgraue Lokalform von Had. adusta Esp. bezeichnet.)
Die Art findet weiter Erwähnung bei Spuler, 2 g'g! von
den Grajischen Alpen aus der Sammlung Daub, gut
stimmend mit der H. S.schen Figur; er glaubt, daß es
sich um eine Varietät der H. platinea handeln dürfte,
später, p. 357, als var. zu adusta gestellt. Als Fundorte
werden noch Digne, das obere Wallis und Regensburg
angegeben. Seine Figur läßt den dunklen Mittelschatten
vermissen, ebenso auch die Abbildung Culots, deren Vfl
zu breit geraten sind, von Digne, 1 g' darstellend. Heimat:
Digne, Wallis. Rebel I. c. vermutet in einer Fußnote zu
platinea, daß die ungenügend bekannte Art vielleicht
nur eine auffallende lichtgraue Lokalform von H. adusta
oder eine deutlich gezeichnete dunkle Form der H. plati-
nea sein könnte; als Vorkommen meldet er Digne und Wallis.
Warren-Seitz stellt die Art als Form zu H.adusta,
ohne Heimatangabe. 1914. Schließlich findet sich anilis
auch von Favre l.c. als im Wallis, „Alpes du Valais en
juillet (Dup.); pres du village du Simplon.“ angegeben,
während Vorbrodt, Schmett. d. Schweiz, die Art nicht in
sein Werk aufgenommen hat, obwohl er das Favresche
Buch gründlich kennt und oft zitiert.
Die Angabe Simplon bezieht sich offenbar auf die oben
erwähnte, ferrea betreffende, Püngelersche Notiz in der
Stett. Ent. Ztg.; die Berichtigung Püngelers erschien erst
acht Jahre nach der Favreschen Publikation. Die zweite
Angabe Favres, Walliser Alpen, nach Duponchel (Catalogue
meth. des Lep. d’Europe 1844) zitiert, gibt offensichtlich die
oben erwähnte alte Notiz Boisduvals ın Genera und Index,
1840 wieder; ein Finder wird ebensowenig wie ein genauer
Fundort genannt, auch in den späteren Zitaten nicht, und
das Tier ist auch in der neueren Zeit nie im Wallis ge-
“ fangen worden.
' Vorbrodt hat also ganz recht, wenn er die alte un-
verbürgte Notiz Boisduvals, die auch in die neueren Lepi-
dopterenwerke übergegangen ist, nicht in die Schmett. d.
Schweiz übernommen hat. Allerdings schreibt B. 1. c. p.
VI in der lateinischen Einleitung, daß ihm Anderegg aus
dem Wallis viele neue Tiere gesandt habe, aber daß er
anilis von ihm erhalten habe, steht nirgends. Dazu
kommt noch, daß laut Mitteilung Wiskotts (l. c. p. 95), der
den Besitzer der Boisduvalschen Sammlung, Charles
Oberthür, über den Verbleib des Donzelschen Originaltieres
66 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
anfragte, dieses letztere weder in Rennes, noch in Lyon,
wo Donzels Coll. sein soll, auffindbar war, und Oberthür
auch von anderen Exemplaren, etwa Walliser, in der
Boisduvalschen Sammlung nichts berichtet.
Demnach sind die Heimatrechte der H.anilis für das
Wallis zurzeit noch unerwiesen.
Wie steht es nun mit den vielumstrittenen Artrechten
der anilis? Einiges wurde schon weiter oben angeführt,
Wiskott und Spröngerts verbreiten sich eingehend über
diese Frage. Letzterer kommt zum Schluß, daß wohl nur
die Eizucht Gewißheit bringen könnte; er führt aber anilis
als Art, nicht als Form einer anderen Hadena in seinem
Verzeichnis auf, und mit Recht wendet er gegen die Auf-
fassung als graue adusta Lokalform das von Turati ge-
meldete Vorkommen einer gewöhnlichen schwärzlichen
adusta, sieben Wegstunden von St. Martin, in d. Terme
di Valdieri ein. Auch bei Larche, Basses Alpes, wird von
Bellier die gewöhnliche adusta angegeben. Mit noch
mehr Berechtigung läßt sich der gleiche Einwand gegen
die Annahme einer platinea-Form erheben: Donzel und
Guenee, H.-S. melden die gewöhnliche platinea im
gleichen Verzeichnis ebenfalls von Digne, Tatsachen, die
doch sicher gegen die Annahme einer Lokalform der ge-
nannten Arten ins Gewicht fallen dürften.
Es ist sehr interessant, zu registrieren, mit welchen total
verschiedenen Eulen anilis differentialdiagnostisch außer-
dem noch verglichen worden ist.
Boisduval und Duponchel vergleichen sie ausschließlich
mit Polia rufocincta Hb, gegen welche Zusammen-
stellung Guenee energisch Front macht und erklärt, die
wohlcharakterisierte Art lasse sich leicht von allen anderen
Verwandten durch die sehr schmale, lange, im Apex vor-
gezogene Vflform unterscheiden, eine Ansicht, die ich
ebenfalls teile. Herrich-Schäffer bringt sie ausschließlich
in Vergleich mit M. nebulosa Hfn., betont als Unter-
schied aber ebenfalls die schmäleren und spitzeren Vfl,
Schließlich nimmt anilis bei der Aufstellung der Lu-
perina standfussi Wiskott differentialdiagnostisch
einen breiten Raum ein.
Außer den bereits geltend gemachten Unterschieden
gegenüber platinea und adusta, zu welchen anilis
als Form gezogen wurde, sei noch auf folgende wichtige
Abweichungen aufmerksam gemacht:
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 67
1. Die verschiedene Flugzeit. Platinea fliegt im Jura
in etwa 800 m. Mitte Juni ganz frisch, adusta sogar
schon Ende Mai bis Anfang Juni. Dies wird an den südlich
orientierten sehr heißen Abhängen von Venanson in etwa
1100 m ebenfalls der Fall sein; aus diesem Grunde hat
Spröngerts, der zu dieser Zeit, wie er angibt, noch nicht
in St. Martin sich befand, die adusta nicht gefangen.
Anilis erscheint erst Mitte Juli. Die F. V. meldet für
adusta allerdings Juli, aber ihre Fangplätze waren meist
weit über 1400 m gelegen, im engen Tal.
2. Die bereits erwähnte, von beiden Arten stark ab-
weichende, schmale, lange, im Apex vorgezogene Form
der Vfl, bei meinem Exemplar, entsprechend der Fig. 385
H.S., sehr deutlich vorhanden, und zwar derart ausgeprägt,
daß eine weitere Diskussion unnötig erscheint. Ich be-
merke noch, daß mir zum Vergleich in Anzahl adusta
aus 1700--1800 m Höhe aus den Walliser Tälern, ebenso
_ wie solche aus der Ebene sowie aus dem Jura von 800 m
Höhe, von hier auch platinea in Menge zur Verfügung
stehen.
3. Die beträchtlich differierende Zeichnung. Juratiere
sind im allgemeinen heller und schärfer gezeichnet, als
solche anderer Provenienz. Steckt man meine anilis
unter die jurassischen platinea, so kommt es einem
direkt verwunderlich vor, derart disparate Tiere zu einer
Art vereinigt zu sehen. Platinea ist viel kleiner, ganz
anders beschuppt, hat kleinere, anders geformte Nieren-
makel; eine kaum erkennbare, nicht oder nur ganz schwach
gezackte Wellenlinie, viel dunklere Useite, der die bei
anilis vorhandenen kontinuierlichen Querstreifen fehlen.
- Auch Heinrich |. c. p. 81 lehnt die Zugehörigkeit zu pla-
tinea entschieden ab; er fing bei Digne zwei Exemplare.
Etwas näher in Habitus und Zeichnung als platinea
steht änilis deradusta*), aber bei näherer Vergleichung
ergeben sich auch gegenüber dieser markante Unterschiede,
deren wichtigster, die Flform, bereits erwähnt wurde.
Adusta hat eine kleinere, anders geformte, namentlich
nach außen unregelmäßiger begrenzte Nierenmakel; die
*) Die adusta var. sylvatica Bell. Ann. Soc. France 1861,
p. 29, Taf. II, fig. 11 (als Mamestra), die ich kürzlich, VI/VII 1924,
selbst in Corsica fing, ist kleiner, dunkler, anders gezeichnet und
hat mit anilis nichts zu tun. Näheres darüber in einer spätern Arbeit.
68 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Wellenlinie ähnlich, aber schwächer gezackt; das Haupt-
merkmal der adusta, der dicke, tiefschwarze, bis zum
äußeren Querstreif reichende Längsstrich der Zapfenmakel
fehlt nicht nur an meinem Exemplar, sondern auch auf
allen mir bekannten Abbildungen der anilis, und zwar
nicht aus Mangel an Schwarzzeichnung, denn meine anilis
besitzt, wie auch die H.S.’sche, einen schwarzen durch-
gehenden Mittelschatten der Vfl, der adusta stets abgeht.
Die Querstreifen auf der Useite der letzteren verlaufen
ganz anders, stärker gebogen und weiter vom Mittelpunkt
entfernt als bei anilis.
Eine Zugehörigkeit zu H. zeta Tr. kommt ebenfalls
nicht in Frage; ich verweise auf die Gründe, die Spröngerts
l. c. p. 248 dagegen anführt.
Nach allem scheinen die Artrechte der anilis B. doch
gesichert zu sein, gemäß der Auffassung Donzels, Bois-
duvals, Guenees, Duponchels, Herrich-Schäffers, der ich
mich anschließe. Obwohl ich mich nur auf ein einzelnes
Exemplar stützen kann, fällt doch sehr ins Gewicht, daß
dasselbe, tadellos erhalten, mit den Beschreibungen ge-
nannter und späterer Autoren sowie mit der Abbildung
H. S.'s des Originaltieres in ausgezeichneter Weise har-
moniert. Zucht und anatomische Untersuchung werden
das letzte Wort sprechen.
Leucania L.album L. Venanson, 1 gefl. Exemplar.
L.Iythargyrea Esp. St. Martin.
Caradrina exigua Hb. Venanson. Fehlt F.V.
C.quadripunctataF.
Amphipyra effusa B. Nice 1 frisches Stück.
Manıa maura_L. St. Martin.
Epimecia ustula Frr. 1 tadelloses Exemplar vom Mont
Gros, Nice. Nur die Fig. 12, pl. 57 von Culot ist kennt-
lich; der Querstreif ist aber noch stärker gebogen und
beginnt von einenı Kostalfleck. |
Acontia luctuosa Esp. Cagnes.
Eublemma suava Hb. Venanson. g' am 11. VII, ©
am 17. VII, beide ganz frisch, fehlt F. V.und Spröngerts.
Thalpochares velox Nice.
Th.polygramma Dup. Mont Gros, verflogen. St. Martin,
Venanson, Col St. Martin n. s.; ganz frisch.
Ih. purpurina Hb. 1 ganz frisches Stück. Venanson.
Fehlt Spröngerts.
Ih.ostrina Hb. Nice.
E. Wehrli. Nice-St. Martin V&subie-Digne. 69
Th.pura Hb. Cagnes.
Prothymnia viridaria Cl. Mont Gros, Nice, frisch.
Heliothis peltigera Schiff. Nice, Cagnes.
Euclidia glyphica L. Venanson, h., frisch.
Plusıa chalcytes Esp.Nice, St. Martin, je 1 Stück, beide
geflogen, fehlt F. V. und Spröngerts.
Abrostola craccae F. Venanson, Cagnes.
Be Peste> cataphanes Hb. Venanson, an Felsen.
PIE VII:
Grammodesalgira L. Gorges du Loup.
Catocala nupta L. Mehrfach St. Martin, Val Boreon.
Fehlt F. V. und Spröngerts.
C. nymphaea Esp. Venanson, frisch. Fehlt F. V. und
Spröngerts.
C.nymphagoga Esp. Venanson, frisch. Fehlt F. V. und
Spröngerts.
Zanclognatha tarsicristalis H.S. Berthemont.
Herminia derivalis Hb. Venanson, St. Martin, Val
Bor&on. Fehlt F. V. und Spröngerts.
Hypena palpalis Hb. Venanson.
H. obesalis Tr. Nice frisch.
H.rostralis L. Cagnes.
Geometridae.
Odezia atrataLl. sehr h.
Aplasta ononaria Fueßl. Gorges du Loup, 1 kleines,
ziemlich scharf gezeichnetes rötliches Exemplar, Digne.
Pseudoterpna pruinata Hfn. Häufig an den süd-
lichen Hängen des Col St. Martin und des Col de Col-
miane, sowie bei Venanson. Falter etwas größer als
die der Ebene und unseres Jura.
Comibaena pustulata Hfn. Digne.
Chlorissa viridata L. St. Martin, Col Colmiane, h.
Chl. cloraria Hb. (porrinata Z.) Val Boreon, seltener
als Vor. Fehlt F. V. und Spröngerts.
Chl. pulmentaria Gn. Nice, Mont Boron. 1 frisches ©.
Microloxia herbaria Hb. Digne.
Thalera fimbrialis Scop. Venanson, n.s. Annot. Fehlt F.V.
Jodis lactearia L. St. Martin. Fehlt F. V. und Spröng.
Xenochlorodes beryllaria Mn. Digne. Fehlt Heinrich.
Rhodostrophia calabra Pet. St. Martin, Col St.
Martin bis etwa 1400 m meist abgeflogen, in einer
wenig kontrastreichen, mehr gelblichen Form. Auch
70 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
die f. separata Ih. Mieg. Die Art fehlt F. V. und
Spröngerts.
Rh. vibicarıa Cl. h., besonders am Col St. Martin und
Col Colmiane, oft in der Form strigata Stgr.
Timandra amata L. Venanson, Cascade d. Boreon.
2 kleine, schwach gezeichnete g'g', wenig größer als
japanische comptaria Wkr. Fehlt F.V.und Spröngerts.
Acidalia ternata Schrk. (fumata Steph.) Oberes Val
Boreon, n.h.
Ac.marginepunctata Göze. Venanson s., Digne viel-
fach in der hellen Form pastoraria Joann.
Ac.submutata Tr. Venanson, Col St. Martin, s. scharf
gezeichnet. Fehlt F. V. Digne. |
Ac. incanata_L.N.s. im Val Fenestre, Val Boreon, Col
Colmiane, Col St. Martin, Venanson, in der gewöhnlichen
hellen Form, die sich von den Wallisern, Tessinern und
Jurassiern nicht wesentlich unterscheidet; die dunklere
adjunctaria B. ist mir nicht vorgekommen, auch nicht
in höheren Lagen, Col Rovine, Refugio di Genova, sie
wird auch in der F. V. nicht angegeben. Ein einziges
Exemplar vom Val Fenestre ist etwas dunkler als die
anderen und nähert sich der übrigens nicht sehr dunklen
Abbildung desBoisduvalschen Typus, Fig.3457, Pl. CDl in
Oberthür Et. comp. XI. Ich besitze aber aus dem Wallis
und den Voralpen dunklere Stücke.
Ac. nigropunctata Hfn. (strigilaria Hb.). Venanson,
Berthemont. Fehlt F. V.
Ac. imitaria Hb. Venanson, vielfach, Berthemont nur in
der hellen Form.
Ac. decorata Schiff. St. Martin 6, Digne 2 Exemplare in
einer fast rein weißen, großen schönen Form, fast doppelt
so groß wie meine Elsässer, durchschnittlich auch größer
als meine Walliser, der Form magna Prt. sich nähernd,
doch fehlt kein Kostalfleck wie jener. Prout-Seitz IV.
p- 80. Fehlt F. V. und Spröngerts. Leider ist kein Maß
für magna angegeben.
Glossotrophia confinariahH.S. Nicht h., ein Exem-
plar sehr dunkel, von der Madona de Fenestre, ein
wenig helleres von Venanson. Fehlt F.V. und Spröngerts.
Cleta filacearia H.S. Digne.
Ptychopoda ochrata Scop. h. bei Cagnes, Nice, Mont
Gros, Berthemont. Von allen Flugorten in Größe und
Helligkeit. stark variierend. Fehlt F. V. und Spröngerts.
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 1
P.rufaria Hb. Col St. Martin und Colmiane, Venanson,
nicht s.
.mediaria Hb. Nice, Mont Gros, Mont Boron, nicht s.,
ganz frisch.
moniliata Schiff. Grande Corniche, Gorges du Loup.
Nice, Mont Boron und Gros, St. Martin, Venanson.
Fehlt F. V. und Spröngerts.
.flaveolaria Hb.h.
dimidiata Hfn. Venanson ein Stück. Fehlt F. V. und
Spröngerts.
.eburnata Wocke (contiguaria Hb.) Val Boreon, nur
zwei geflogene Stücke.
.vesubiata Mill. St. Martin, abgeflogen; frisch vom Col
St. Martin, und von der Madona de Fenestre. Die An-
sicht Millieres (Ic. Bd. III. p. 349), vesubiata ersetze
Ac.incanatal. in St. Martin und Umgebung, ist nicht
richtig; beide finden sich an denselben Flugorten. (Siehe
bei incanata.) Spröngerts gibtincanata allerdings
auch nicht an, wohl aber die F. V., der indessen vesub.
fehlt.
Vom Col St. Martin und auch von Digne habe ich
Falter mit stark verdunkeltem Außenfeld aller Fl, in dem
nur die Wellenlinie deutlich ist; auch das Basalfeld ist
dunkler, sie bieten einen von den Fig. 10 und 11, pl. 143
Mill. recht abweichenden Aspekt und finden sich — an ge-
fangenen und gezogenen Stücken — häufiger beim dunk-
leren, ockrig getönten g', aber auch beim heller grauen 9,
wenn auch seltener. F.n. tripartita Taf. I, Fig. 1.
P.asellaria H.S. Nur zwei abgeflogene Exemplare von
Nice.
Yo.
{a vn vB eK o
P.seriata Schrk. (virgularia Hb.) Im Val Boreon fliegen
meist große Stücke, die von Baslern nicht verschieden
sind. Die helleren Tiere von den Kalkfelsen von Venan-
son sind bereits zur f. australis Z. zu zählen. Ebenso
die durchschnittlich ziemlich kleineren Falter von Nice,
von welchen einzelne derf. cantenerarıa Bsd. unter-
zuordnen sind. Die Art ist überall sehr h.
P. subsericeata Haw. Digne.
P.obsoletariaRbr. In rötlich ockriger bis graurötlicher
kleiner Form vom Mont Gros und Mont Boron, Nice und
"St. Auban; etwas größer, weniger rötlich von Annot. Neu
für Digne.
P. ostrinaria Hb. Digne.
12 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
"DV
.elongariaRbr. Nice, St. Auban, in Anzahl frisch, beim
Bahnhof. Fehlt Heinrich.
P. bisetata Hfn. Col St. Martin; die f. fimbriolata
Steph. von der Cascade d. Boreon.
P. politata Hb. In einem lichten Wald am Strand bei
Cagnes in sehr schönen frischen Exemplaren. Mont Gros,
Nice, Berthemont, auch in derf.abmarginataRtschld.
P. filicata Hb. Ein Stück von Digne.
P. rusticata Schiff. Von 31 in Nice, Gorges du Loup,
St. Martin, Venanson, Lago delle Rovine gefangenen
Faltern besitzt ein einziges g' aus den Gorges du Loup,
woher ich nur zwei Stück habe, keine Sporen der
Hintertibien; ein zweites von Nice hat nur je einen Sporn;
alle Uebrigen führen je zwei Sporen, gehören also zur
f.vulpinaria H.S.und nur ein Stück wäre zu rusti-
cata zu rechnen. Die Länge der Sporen variiert be-
trächtlich; oft ist der eine viel kürzer als der andere,
manchmal sind beide gleich.
Bei dieser Gelegenheit untersuchte ich auch alle Re-
präsentanten der Art meiner Sammlung auf ihren Sporen-
besitz. Von zwei aus Basel hat eines zwei Sporen, das
andere hat die Hintertibien verloren. Eine Zuchtserie von
32 Stück aus Südtirol, eine solche aus Bozen mit 15 Stück,
11 von St. Goarshausen, 7 aus dem Tessin, 4 von Leuk,
Wallis, zwei bezettelt mit Oesterreich, 3 aus Mombach,
1 von Sion, 1 von Peczel, tragen alle zwei Sporen, sind
also zu vulpinaria zu zählen. Von drei Wienern hat
eines, 1 g' aus dem Prater, keine Sporen der Hintertibien,
die anderen zwei, 2 QQ, haben je zwei Sporen; von 5
g'g' aus Graz sind zwei sporenlos, 3 g'g! haben je zwei
solche. 1 g'! aus Ungarn ist sporenlos; ebenso eines aus
Speyer, ein zweites trägt je zwei Sporen. Drei zentral-
asiatische aus Kuldja besitzen je zwei Sporen. Von 123
Exemplaren entbehren also nur sechs der Sporen, eines
erfreut sich nur eines solchen, die übrigen haben deren zwei,
einige wenige sind wegen Verlust der Hintertibien fraglich.
Unter beiden Formen bemerkt man solche mit dunkel-
braunem bis schwärzlichem und solche mit hellerem, mehr
rötlich tingiertem Mittelfeld, erstere entsprechend derrusti-
cata Schiff, letztere übereinstimmend mit der Fig. 473/4
H.S.der vulpinaria. Nach den Untersuchungen Speyers
und meinen eigenen würde ich es für richtig halten, in
Anbetracht der Variabilität der Bewaffnung der Hintertibien
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 13
bei dieser Art bei der Unterscheidung der beiden Formen
von diesem unsicheren Merkmal abzusehen und aus prak-
“tischen Gründen nur nach der Farbe des Mittelfeldes zu
urteilen; die schwarzen demnach zu rusticata Schiff,
die rötlichen hingegen zu f. vulpinaria H.S.zu rechnen,
sofern eine solche Trennung überhaupt notwendig erscheint,
in Berücksichtigung des Vorkommens beider Formen an
denselben Flugplätzen.
Die Art ist überall häufig und kann in Anzahl in den
Hotelgängen und Zimmern, angezogen vom Licht, von den
Wänden abgenommen werden.
Fehlt merkwürdigerweise der F. V. und Spröngerts.
P.dilutaria Hb.H. an sonnigen Abhängen bei Venanson,
am Col Colmiane und St. Martin und im Val. Boreon;
auch bei Nice.
.fuscovenosa Göze (interjectaria B.) h. an den
gleichen Orten wie Vor. Fehlt F. V. und Spröngerts.
.humiliata Hfn. h. in Wiesen im Val Bor&on oberhalb
St. Martin. Fehlt F. V. und Spröngerts.
.inornata Haw. Berthemont, Col St. Martin, von hier
auch eine stark verdunkelte Form.
.deversaria H. S. häufiger als Vor. St. Martin, Berthe-
mont, Venanson. 1 Trans. zu diffluata H.S>.
.aversata L.St. Martin, Berthemont; 1 interessante Ueber-
gangsform zu spoliata Stgr. (remutata L.) mit etwa),
verdunkeltem Mittelfeld von Venanson; von hier auch
eine spoliata aurata Fuchs. Spoliata häufiger
als aversata, von St. Martin, Venanson, Berthemont.
P.emarginataL. 1 verflogenes Exemplar vom Strand
bei Cagnes.
Cosymbiıa albiocellaria f.therinata Bast. 1 Paar
von Nice.
C.suppunctaria Z. Gorges du Loup, 1 Stück, frisch.
C.porata _L. Digne. Fehlt Heinrich.
Lythria purpuraria L. Digne. Wird von Milliere als
häufig am Weg zur Cascade d. Boreon angegeben; ich
konnte, ebensowenig wie Spröngerts, an diesem Weg,
den ich sehr oft beging, 1 Stück finden. Die F.V. er-
wähnt sie im Valle di Molliere, im Juli.
Ortholitha coarctata Schiff. Digne.
OÖ. mucronata Scop. (plumbaria F.). Im allgemeinen
größer und heller grau als die aus dem Jura, dem Flach-
land und dem Tessin, doch läßt sich keine bestimmte
De: Ba EV»
74 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1994.
Lokalrasse des an den Hängen von Venanson und des
Col St. Martin des Val Fenestre häufigen Tieres ab-
grenzen.
O.chenopodiataL. (limitata Scop.) h.
O.moeniata Scop. Nichts. an den Hängen von Venanson
und des Col St. Martin in prachtvollen, mächtig großen
Exemplaren, die mit Uebergängen in zwei verschiedene
Formen geschieden sind: In eine solche mit hellgelb-
bräunlicher Grundfarbe der Vfloseite, der f. diniensis
Neub. entsprechend, die ich in Mehrzahl in einem lichten
Gehölz am Col St. Martin in etwa 1500 m Höhe ganz
frisch gefangen und zuerst als moeniata gar nicht
erkannt habe, die einzeln aber auch bei Venanson
vorkommt. Dann mehr an offenen, felsigen Abhängen,
in einer ebenfalls sehr großen, helleren rein weißgrauen
Form, die sich auch noch durch viel schwächere Zeich-
nung im Basal- und Saumfeld und hellere Hfl aus-
zeichnet, gegenüber unseren kleineren, stärker ge-
zeichneten dunkleren Formen der Nord- und Südschweiz,
Deutschlands, des Elsasses und der früheren österr.
Monarchie; auch fehlen den Tieren von St. Martin die
schwarzen Aderstriche am Saum unserer hiesigen For-
men vollständig.
Ich bezeichne diese große helle graue Form, die Parallel-
form zu diniensis, als lantoscana f.n. Die Größe beider
beträgt 19—23 mm Vfllänge, während Scopoli für seinen
Typ 8'/, Linien =18 mm (gemessen an seinem beigegebenen
Maßstab), angibt; die größten Exemplare sind annähernd
doppelt so groß wie einzelne Formen Istriens (carvicola
Staud.. Nach meinem Material zu urteilen, scheint die
graue Form häufiger zu sein als die bräunliche ; von 20 Stück
der Umgebung St. Martins haben acht rein graue, sechs
ausgesprochen bräunliche Grundfarbe; vier bilden grau-
gelbliche Zwischenstufen, zwei sind abgeflogen und fallen
außer Betracht. Von Digne besitze ich nur 7 Stück,
zwei sind fast rein grau, drei ausgesprochen braun,
zwei graugelbe Zwischenstufen. Die Braunfärbung der
diniensis darf nicht verwechselt werden mit der
gelblichen Verfärbung uralter Sammlungsexemplare, von
welchen ich etwa acht aus Deutschland aus. den 70er
Jahren in der Sammlung stecken habe.
Die Färbung der f. diniensis Neub. steht zur grauen
Form moeniata Scop. in ähnlichem Verhältnis, wie die
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 75
gelbbraune f. jugicola Stgr. zur grauen ©. coeli-
narıa Grasl.
O.vicinaria Dup. Digne.
O.bipun.ctaria Schiff., überall h., bietet gegenüber den
alpinen und jurassischen Stücken keine Besonderheiten;
merkwürdigerweise ist diese Art eher kleiner als die
Genannten, im Gegensatz zu den anderen Gliedern der
Gattung und zur folgenden.
O.octodurensis Favre An steilen sonnigen Halden
bei Venanson nicht allzu selten von Steinen, Felsen und
aus Geröll aufscheuchbar. Einzeln auch im Val Boreon,
am Col St. Martin und am Col Such, bis 1700 m hoch.
Spröngerts gibt an: Mehrfach im Juni/Juli am Licht;
der Falter läßt sich aber auch gut in reinen Stücken
am lage erbeuten; alle meine 21 Stück wurden dort
am lage gefangen; dazu kommen noch 11 von Digne,
im ganzen 32. Sie sind durchschnittlich etwas größer,
die Grundfarbe der Vfl heller bläulich-weißgrau, Saum
und Basalfeld schwächer gezeichnet als die aus dem
Wallıs aus gleicher Höhe. Auch Püngeler erwähnt die
Form von Digne als heller als die Walliser (zit. nach
Vorbrodt II, p. 38 und Spröngerts Iris, Bd. 12, p. 93).
Nach dem vorliegenden Material liegt eine gut ab-
gegrenzte Lokalrasse vor, eine gallica f.n., Taf. I, Fig. 2,
zu der auch die nur wenig differierenden Tiere von
St. Martin gehören. Ein einziges Exemplar von Digne
ist aberrativ, im Saumfeld schärfer gezeichnet, ist auch
kleiner, und ein einziges Stück von Venanson ist aber-
rativ, auf allen Fl leicht verdunkelt. Die Form mit, als
breite dunkle Binde, schwarz verdunkeltem Mittelfeld,
“von der Püngeler 2 g'g' von Digne und Spröngerts
2 Jg‘ von St. Martin meldet, habe ich ebenfalls ın einem
schönen Paar erbeutet. Sie trägt den Namen f. kettem-
Bes Heinrich. Die, Notiz- der F. V. (die 'octo-
durensis nicht erwähnt) unter gachtaria Frr.,
p. 193, diese Form habe eine mehlig blaue Farbe (,„...di
un colore azzurrognolo farinoso“) und weniger schwarz
gezeichnete Querstreifung, dürfte sich ziemlich sicher
auf octodurensis Favre beziehen.
Als Futterpflanze dieser Art vermutet Wullschlegel
nach Vorbrodt, 1. c., Ononis natrix L., die tatsächlich ım
Wallis an den von mir besuchten Flugorten stets vor-
handen war. Bei St. Martin und Umgebung habe ich aber
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Eutomologischen Verein I
Iris zu Dresden. Jahıgang 1924.
76 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
an den Standorten der Art diese Pflanze nie angetroffen,
wohl aber eine andere, rotblühende Ononisart, aber nicht
überall und nur vereinzelt, ebenso vereinzelt OÖ. columnae
All.—= O. pusilla H., so daß hier jedenfalls außer ©. natrix
eine andere Nährpflanze in Frage kommen muß. Von H,
Arduino, Flore des Alpes Marıtimes, wird für St. Martin
noch eine andere Önonisart, striata Gouan, angegeben.
Minoa murinataScop. 1 kleines Exemplar der f.amy-
larıa Lah. von Nice, ein fast doppelt so großes der
gleichen Form von Digne und 1 der f. ıtalicata Mill.
nit feinen, aber deutlichen Querstreifen von Venanson.
Lithostege farınata Hfn. Digne.
Anaitis praeformata Hb. Madone de Fenestre, mit
der nachfolgenden; Val Bor&on, Lago Rovine. Helle
Form, kleiner als meine Walliser und Jurassier.
A.simpliciata Ir. Ein reicher Fangplatz ist der von
Spröngerts angegebene, etwa 5 Minuten vor der Ma-
done de Fenestre, bei den letzten Bäumen. Lokal nicht
selten auch im obersten Val Bor&on von 1800 m an,
sowie auf der anderen Seite des Col delle Rovine
gegen den Lago gleichen Namens, ebenso gegen den
Col de Chiapous, der zu den Terme dı Valdieri
hinunterführt.
Chesıas rufata F. Digne.
Oporinia dilutata Schiff. Digne. Neu für Digne.
Philereme transversata Hin. Digne.
Lygris prunatal. Nicht s.
L.pyraliata Schiff. St. Martin.
Cıdarıia varıiata Schiff., h., abgeflogen.
.cognata f. geneata Feisth. Berthemont, Digne.
.munitata Hb. Alpe Chagne, ob. Boreontal. Stimmt
genau mit meinen Wallisern überein.
.‚fluctuata L. Val Boreon, Lago di Rovine.
.montanata Schiff. ValBoreon, Val Fenestre. Schwach
gezeichnet, hell.
.obstipata Hb. Venanson, Digne. Fehlt F.V. Nicht h.
.aptata Hb. H.an Felsen, frisch nur noch in höhern
Lagen, 1400—1800 m, in der überwiegenden Mehrzahl
in einer Form, die von der von Culot pl. 25, Fig. 509
abgebildeten, aus dem Zermattertal und andern Walliser
Tälern bezüglich Farbe und Zeichnung nicht zu unter-
scheiden ist, höchstens etwa durch die geringere Größe
(derjenigen der Alpes Maritimes).
ON OD
iz
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. Le
| Es handelt sich um eine etwas spitzflügeligere, wenig
kontrastreich gezeichnete Form, mit mehr gleichmäßig grau-
grün tingiertem Mittelfeld und wenig gezeichnetem, hellem
nur schwach graugrünem äußern Saumfeld, während die
von Hübner gegebene Fig. 349 (offensichtlich verfärbt), die
typische Form aus den Zentralalpen, Graubündner und
früher österreichischen Alpen, die ich ebenfalls in größern
Reihen besitze, viel stärker gezeichnet ist und ein von
dunkleren, graugrünen bis schwarzgrünen Streifen ein-
gefaßtes, frisch lebhafter grünes Mittelfeld und intensiver
grünes Randfeld aufweist. Ich bezeichne die Form des
Wallis und der Seealpen (des westlichen Urgebirges)
als hesperina f. n. (westlich). Eine weitere gut ausge-
prägte Rasse finden wir im schweiz. und franz. Jura,
mit frisch hellbraunem, bis rotbraunem (f. pontissalarıa
Brd.), bis tiefschwarzem (f. nigrifasciata W.) im Jura,
aber niemals grünem oder auch nur grünlichem Mittel-
feld, von welcher ich gegen 100 selbstgefangene und
gleichen Tags gespannte tadellose Exple. in der Samm-
lung habe. In einem frühern Aufsatze, Int. Ztschr.
Guben, 1918, XI. p. 225, betrachtete ich diese braune
Juraform als identisch mit der f. suplata Frr. (N. Beitr.
Taf. 323 Fig. 3 und P. 54), irregeführt durch das gelb-
graue Mittelteil des von dunkelbraunen Streifen ein-
gefaßten Mittelbandes der damals benutzten Ausgabe
Freyers. Meine jetzige andere Ausgabe zeigt aber den
Mittelteil in ähnlicher Farbe wie in Hübners Fig. 349,
nur dunkel punktiert und die dunklen Streifen rein
schwarz, also nichts von einem wirklich braunen
Farbenton, wie ihn die jurassische Form aufweist.
Ueberdies bekam ich mittlerweile bedeutend mehr
frisches, aufgeweichtes und geflogenes Material der
alpinen Formen zu. Gesicht, und es passierte mir selber,
daß ich an der Bernina prachtvoll dunkelgrüne aptata
fing, die dann, zu Hause aufgeweicht, den gelblichen
Farbenton der Hübner’schen und Freyer’schen Figuren
annahmen, oder das Grün gänzlich verloren; ähnlich
verfärbte, etwas geflogene Tiere habe ich auch von
den Felsen abgenommen. Anderseits ist mir auf vielen
und langen Exkursionen in die Alpen noch kein ein-
ziges frisch braunes Stück begegnet. Ueberdies hat
Freyer seine Originalexemplare der suplata durch
‚Schmid aus Laibach, wie: die auf dem gleichen Blatt
78 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
beschriebene corticulata und undata wahrscheinlich
aus den Tiroler Alpen erhalten. Aus genannten Gründen
halte ich die suplata nunmehr, wie die meisten Autoren,
nur für eine verfärbte, alpine, grüngewesene aptata,
mit schwarzen Streifen, die von der braunen (bis roten
und schwarzen) Juraform scharf getrennt werden muß.
Auch die Useite der beiden Formen ist ganz verschieden:
Nach Freyers Figur und seiner Beschreibung ist die
der suplata weißgrau; ganz anders die der jurassischen
Form, die, bedeutend dunkler, frisch stets einen aus-
gesprochen braunen Farbenton besitzt. Frische, nicht ab-
geflogene oder aufgeweichte alpine grüne aptata sind
useits heller bis dunkelgrau, nicht braun.
Auch im biologischen Verhalten lassen sich äußerst
interessante Unterschiede konstatieren, insofern, als die
braune Form im Jura nicht an Felsen oder Steinen tags-
über sitzt, wie die grüne, sondern im dichten Geäst, auch
an den Stämmen von einzeln auf stein-. und felsenlosen
Weiden oder begrasten Lichtungen stehenden großen Rot-
tannen sich verbirgt, und herausgescheucht, nach kurzem
Fluge ins Gras flüchtet, während die felsbewohnende alpine
meist sofort wieder an benachbarten Felsen oder Steinen
Schutz sucht. Alle Exemplare meiner Sammlung wurden
an lannen gefangen. Möglicherweise verdanken die braunen
Falter ihre Farbe der Anpassung an die braune Rinde
der Aeste und Stämme der Tannen.
Es handelt sich also hier um eine gut abgegrenzte, so-
wohl durch die Farbe als auch durch das biologische Ver-
halten und ihr auf die Juraformation der Schweiz und
Frankreichs lokalisiertes Vorkommen von der grünen alpinen
Form wohl abgeschiedene Rasse, die einen Namen, jura-
helvetica f. n. verdient. Ihr Mittelfeld variiert von hellbraun
zu dunkelbraun, rotbraun und tiefschwarz, abgebildet in
Culot, Fig. 506, 507, 508.
Ich gab dieser Form absichtlich diesen Namen, weil im
bayrischen Jura, an kleiner engbegrenzter Lokalität, 350 m
hoch, bei Kelheim eine interessante, rein grasgrüne, useits
sehr dunkle Form vorkommt, die von Osthelderjuracolaria
benannt wurde, obwohl im schweizerischen und französischen
Jura grüne Formen bisher nie gefunden worden sind. Be-
merkenswerterweise fing sie Osthelder ausschließlich an
moos- und pflanzenbewachsenen Felsen im Schatten des
Laubwaldes und interessanterweise kommt die im Gegen-
E. Wehrli. Nice-St. Martin V&subie-Digne. 79
tz zur hellen Oseite sehr dunkle Useite derjenigen der
jurahelvetica sehr nahe, so daß man annehmen könnte,
die eine Form habe durch Anpassung an das Milieu sich
aus der anderen entwickelt. |
Die l.c. ausgesprochene Vermutung, die f.jurahelve-
tica möchte sich als besondere Art entpuppen, hat sich
bisher durch die vorläufige anatomische Untersuchung ein-
zelner g' und © nicht bestätigt.
Bei keinem anderen Schmetterling begegnet die Be-
urteilung der Farben- und Zeichnungsvarietäten so großen
Schwierigkeiten wie gerade bei der so häufigen grünen
alpinen aptata Hb., weil durch Witterungseinflüsse, Ab-
fliegen und die Feuchtigkeit beim Aufweichen die grüne
Farbe zu gelblich, gelbgrau, bräunlichgrau sich verfärbt, oder
ganz schwindet, und ein oft verwaschenes heller oder dunkler
graues Mittelfeld zurückbleibt. Ich habe mich bei der vor-
stehenden Besprechung der Formen deshalb nur an die-
jenigen gehalten, die ich selber in größerer Zahl frisch ge-
fangen oder, wie die juracolarıa ÖOsth., frisch erhalten
habe.
Cidaria olivata Bkh.Val Bor&on, Val. Fenestre.
C.aqueata Hb. Digne, in einer ziemlich scharfgezeichneten,
der f. jurassica Wrli. sich nähernden Form.
C. salicata Hb. Cascade d. Boreon; Digne.
C.caesiata Schiff. H. an Felsen und Baumstämmen, in
einer etwas kleinern Form als die gewöhnliche alpine,
ziemlich schwach gezeichnet, grau, mit feiner gelblicher
Bestäubung.
C. flavicinctata Hb. Val Boreon, nur ein Stück am 30.VIl.
an einem Felsen. Die Art erscheint erst später. Digne,
- ebenfalls nur ein Stück, beide auffallend klein.
C.infidaria Lah. Sehr h. an allen Felsen, besonders ım
Wald, in der gewöhnlichen alpinen Form; das Mittel-
feld variiert von völlig schön goldgelb, bis heller oder
dunkler grau, fast ohne gelb, oder normal gelb gesäumt.
C. cyanata Hb.Digne. Wird auch von Spröngerts von
St. Martin nicht angegeben, wohl aber von der F. V.
als selten.
C. nobiliaria H.S. Mehrfach aus Digne, von der Gegend
des Cheval blanc. Neu für Digne.
C. verbereta Scop. wird von Spröngerts als sehr häufig
auf Bergwiesen am Col St. Martin im Juli angegeben.
Ich fand bei meinen wiederholten Besuchen beim
850
ann an
anann a
elele ortaln-
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
schönsten Wetter kein Stück; die Art muß dies Jahr ge-
fehlt haben, oder schon vorbei gewesen sein. Auch auf
dem Wege nach Mad. d. Fenestre, wo sie Milliere 1. c.
p. 193 zahlreich gesammelt hat, war kein Stück zu sehen.
tophaceata Schiff. Val Bor&on, zwei Exemplare.
.nebulata Tr. Digne; in der f. vallesiarıa Lah. Val
Fenestre, Col Chiapous. Fehlt F. V.
‚achromariıa Lah. Venanson.
.incultraria H.S. Ob. Venanson, verflogen.
‚frustrata Tr. Nicht selten. Aus den Val Bor&eon und
Fenestre große, sehr dunkle Stücke; von den Kalk-
felsen von Venanson und des Col St. Martin kleinere
und hellere, durchgehends hellgrau gebänderte, mit
vielen Uebergängen.
.putridaria f. bulgariata Mill. Digne.
.molluginata Hb. Col Colmiane, Val Fenestre, ab-
geflogen.
.bilineata L. H. bei Nice, eine ziemlich kleine Form
mit oft rötlichen Hfl. Venanson.
polygrammata Bkh. Cagnes, ein frisches Stück aus
einer Hecke gescheucht.
.silaceata Schiff. Val Bor&on, abgeflogen.
.rubidata Schiff. Digne.
.galiata Schiff. Von Nice und von Digne je ein Stück,
vom Col St. Martin zwei mit braunem Mittelfeld, das nur
Spuren blauer Fleckchen am Mittelfleck aufweist. Zwerg-
formen von Digne. Die gewöhnliche Form vom Val
Bor&on, Venanson, von wo auch im Saumfeld sehr
schwach’ gezeichnete Stücke. Die Art neigt hier stark
zur Verbreiterung der braunen Streifen des Mfeldes.
Fehlt Spröngerts. |
.alternata Müll. (sociata Bkh.). Cagnes, frisch. Berthe-
mont, Venanson.
alchemillata L. Val Boreon.
albulata Schiff. Digne.
.furcata Borgström. St. Martin.
.ruberata f. grisescens Huene. Val Fenestre.
Cataclysme rıguata Hb. Nice, Mont Gros, abgeflogen.
Digne.
Euchoeca’'nebulata Scop. (obliterata Hfn.). Val Boreon.
Eupithecia haworthiata Dbl. (isogrammaria H. S.).
Er
Digne.
plumbeolata Haw. Vor Venanson b. Belvedere.
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne., sl
E. undata Frr. Ein abgeflogenes Stück bei der Cascade
d. Boreon.
E. venosata F. Digne.
E gueneata Mill. Digne.
E. breviculata Donz.
E. denotata Col St. Martin.
E.veratraria H.S. Die Raupe nicht s. im oberen Val
Bore&on in der Nähe der Cascade und im Eingange ins
Val de Saleses Ende Juli.
E. fenestrata Mill. Die Raupe an denselben Stellen wie
Vor., eher noch häufiger, zuweilen, wie Turati in der
F.V. angibt, beide gemeinsam am selben Blütenstand. Bei
der Madone de Fenestre, wo Milliere die Art ent-
deckte, hat sie Spröngerts nicht gefunden; ich selber
habe sie dort nicht gesucht, da die erwähnten Fund-
orte näher und bequemer liegen. Die Raupe der
fenestrata, die mir aus dem Val de Bagnes, Wallis
wohlbekannt war, ist durch die gelben Segmentein-
schnitte von der mehr einfarbigen veratraria leicht
zu unterscheiden. Beide finden sich in feinen Gespinsten
verborgen in den dichten Blüten- oder Fruchtständen
des weißen Germers.
.impurata Hb. St. Martin, Col St. Martin, Venanson,
Digne. |
subumbrata Schiff. (scabiosata Bkh.). Venanson.
.semigraphata B. Venanson, Digne.
.setaceata Dietze. Digne.
. distinctaria H. S. Digne.
E. indigata Hb. Val Boreon, abgeflogen.
E. larıciata Frr. Digne. Fehlt Heinrich.
E.tantillaria B. Val Boreon, abgeflogen, h.
Gymnoscelis pumilata Hb. Ueberall sehr h. am
Licht in den Hotel-Korridoren; in grauen und roten
Stücken.
Horisme vitalbata Schiff. Digne.
H.tersata Schiff. Nicht s. um St. Martin.
H.aemulata Hb. Col St. Martin.
Abraxas grossulariata_L. Col Colmiane, Val Boreon
nicht s.
. Ligdia adustata Schiff. Digne.
Bapta distinctata H.S. Digne.
Lomographa trimaculata Vill. Digne.
Cabera pusariaLl. Val Fenestre mehrfach, Val Boreon
Beamm
82 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1994.
in sehr großen Exemplaren, während zwei von Cagnes
bedeutend kleiner sind.
Püngeleria capreolaria Schiff. Val Boreon.
Ellopia fasciaria L. In den Wäldern an der Straße
zur Cascade kommen nicht nur die rote Nominativform
(1 frisches tadelloses ©), sondern auch die rein grüne
f.prasinaria Schiff. (4 J'g'), stark weiß gezeichnet,
und überdies eine sehr interessante Zwischenform vor,
1 @ Val Boreon und ein ganz gleicher g' vom Col St.
Martin. Die Grundfarbe mit einem ziemlich hellen
bräunlichen Oliv, mit deutlichem grünen Schimmer,
hellen breiten weißen Querstreifen und, bindenartig,
dunkler braunrotem Mittelfeld. Es handelt sich nicht
etwa um verflogene, sondern ganz frische Exemplare.
Da prasinarıa um Basel allein und häufig vorkommt,
sind mir ihre verfärbten und abgeflogenen Formen sehr
wohl bekannt. Die F. V. und Spröngerts geben nur die
f.prasinarila an.
Selenia bilunaria f.juliarıa Haw. 2 kleine Exem-
plare, 1 vom Col St. Martin, das andere auf dem Weg
zum Refugio di Genova., letzteres dunkler, die Fl mit
zwei scharfen Mittellinien.
Phalaena syringariaLl. Digne.
Ourapteryx sambucariaLl. Digne.
Pseudopanthera macularial. Nicht s., geht bis
zur Madone de Fenestre.
Macaria liturata Cl. 2 g'g! Val Boreon.
Erannis bajarıa f. sorditaria Hb. Neu für Digne.
Nychiodes lividaria Hb. Digne.
Hemerophila abruptaria Sebaldt. Digne.
H.nycthemeraria Hb. Mehrfach von Digne, in, bez.
Größe, sehr stark variierenden Stücken.
Synopsia sociaria Hb. Digne.
Boarmia occitanaria Dup. Digne.
B.subflavaria Mill. Je 1 Stück g' von Venanson, etwa
1300 m, 1 vom Col Colmiane, 15(0 m, und 1 © von
Digne, gut mit der Fig. 15 und 16, Taf. I. Annales Soc.
Belge Bd. XX, und mit der Beschreibung Millieres im
Cat. Lep. Alpes Maritimes p. 404/05 harmonierend, ganz
verschieden, namentlich useits, von perversaria DB,,
ebenso von dem, was ich als abstersariaB. aus
Spanien erhalten habe und der Abbildung der letzteren
von Oberthür, Et. Lep. comp. Bd. VII, Pl. 167, Fig. 1635
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 83
und 1636. Größer als ihre Verwandten, die Grundfarbe
ein glänzendes Hellgelbgrau („blond argileux“, wie
Mill. treffend schreibt). /
Es ist das offenbar dieselbe Art, die Spröngerts selten
am Licht gefangen hat und als B. abstersaria B. aufführt,
1. ce. p. 253. und wohl auch das, was die F.V. als perver-
sarıa B. meldet. Spröngerts, Püngeler und Heinrich be-
trachten abstersaria als synonym mit B.subflavaria
Mill. (Iris. Bd. XII. 1909, p. 95), während Oberthür, der im
Besitze der Originaltiere Boisduvals (der abstersaria B.)
und einiger Cotypen der subflavariıa Mill. von Milliere
ist, mit Bestimmtheit beide als ganz verschieden erklärt
und subflavaria als Rasse zu perversaria B., und
abstersaria als helle Pyrenäenform zu der rhom-
boidaria Schiff. zieht. Nach dem mir vorliegenden
Material möchte ich mich ebenfalls dieser Ansicht an-
schließen, halte aber mit Püngeler und Spröngerts die bei
St. Martin fliegende Boarmia nicht nur für eine Rasse,
sondern für eine Art.
EBreınetaria Schiff. Digne..
B.rhomboidaria Schiff. Nur zwei frische große, recht
dunkle, bunte g'g! von Venanson. Digne, in Anzahl.
B.psoraliata Mill. 5 g’g' und 2 99, die ich zuerst als
kleine rhomboidaria ansah, haben nur 30—33 mm
Spannung — psoraliata spannt 33 mm —, sind
grau und harmonieren sehr gut mit der Abbildung
Millieres, Ic. Taf. 130, Fig. 9 (als consimilaria Dup.), so
daß möglicherweise diese Art vorliegt; typische Stücke
aus Cannes fehlen mir allerdings zum Vergleich. Maß-
gebend sind die Zucht, die anatomischen Unterschiede.
Bmanuelaria H.S. EinQ Digne.
B.umbraria Hb. Digne.
B.repandata_L. h. an Felsen und Baumstämmen. Auch
in den Formen simulata Vorbr.und dealbata T[rtı.
und Verity. F. V. p. 210. Ich besitze aus dem schweiz.
Jura noch weißere Stücke als letztere.
B.lichenaria f. cineraria Bkh. Digne. Fehlt Heinrich.
Rhoptria asperaria f.pityata Rmb. Ein frisches J'
von Berthemont. |
Gnophos furvata Schiff. Mehrfach von den waldigen
Abhängen bei Venanson und am Col St. Martin am
Tage aufgescheucht. Ganz frische Stücke sind dunkler,
schärfer gezeichnet, oseits stärker gelb-ockrig und
84 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
schwarz gesprenkelt und gestrichelt, als unsere Tiere
nordwärts der Alpen, die Mittelpunkte useits schärfer;
eine südliche Form meridionalis f.n., Taf.I, Fig. 5, die
ich in Anzahl besonders schön ausgeprägt aus dem Tessin,
den Südtälern Graubündens, Lostallo, Grono und ausSüd-
tirol besitze. Maßgebend für die Farbe ist nicht die, wie
schon Herrich-Schäffer betont, (Schmett. Europas, Bd.
III, p. 73), viel zu braune Figur Hübners 144, die Turati
(Naturalista sicil. 1919, p. 117/8) als Typus auffaßt, sondern
die Angabe des W. V. p. 108, die den Spanner als
schwarzgrau bezeichnet.
Gn.obscurata Schiff. Zwei ganz frische Stücke von Ve-
nanson hell graubräunlich zur f. pullata Dup. (argilla-
cearia Stgr.) gehörig, etwas dunkler als die Fig. 1175
Culots. 1 sehr schönes, fast ganz weißes ©, mit dunklen
scharfen Linien von Digne, noch heller als die Fig. 1754
Oberthürs — mundata Prt., letztere neu für Digne.
Gn.ambiguata Dup. Mehrfach vom Col St. Martin und
Colmiane, Val Fenestre und Boreon.
Gn.pullata Schiff. Venanson, Col St. Martin, Val Boreon,
in der typischen Form.
Gn.glaucinaria Hb. H. an Felsen und Mauern. Es
ist mir bisher, trotz des großen Materiales aus dem
ganzen Alpengebiete, noch nicht gelungen, eine stand-
hafte alpine Lokalrasse aufzufinden.
Aus der Umgebung St. Martins, mit einigen von Digne,
habe ıch über 50 glauc. mitgebracht, von welchen nicht
ein Tier mit einem zweiten übereinstimmt, und die ein buntes
Gemisch aller bekannten Rassen und Formen, mit allen
Uebergängen, nebst einigen neuen darstellen. Im Val
Boreon und am Lago delle Rovine, im Urgebirge, traf ich
die gewöhnliche, nur etwas reicher im Saumfeld gezeichnete,
alpıne Form, unter welchen ein sehr dunkel gelbes, fast
ockriges g' auffällt, wie kein ähnliches in meiner Sammlung
steckt. Die gleiche, noch lebhafter gezeichnete, im Saumfeld
dunkel gestreifte und schwarzfleckige alpine Form auch im
Kalkgebiet, bei Venanson und am Col St. Martin, an den
gleichen Felsen mit fast ganz zeichnungslosen Individuen,
z. leil sehr dicht und fein gestrichelt; daneben die typische
dunkelgraue f.plumbeariaStgr. mitihrer gelb gestreiften
f.milvinaria Fuchs, sowie die dunkel graublauef.cyanea
Wrli. und eine, der supinaria Mn. in der Zeichnung
oseits durch die, dem Mittelfleck stark genäherten, äußern
E. Wehrli. Nice-St. Martin V&subie-Digne. 85
Querstreifen täuschend ähnlich sehende, schwach ge-
zeichnete, neue Form, deren Useite aber die der glau-
cinaria ist, als welche sie auch die mikroskopische
Untersuchung feststellt. Bei Einzelnen anastomosieren auch
die Querstreifen. Die oben erwähnte, sehr kontrastreich
gezeichnete, gelbliche, alpine Form mit sehr dunklen
Querstreifen, im Saumfeld sehr scharfer heller Wellenlinie,
nach innen mit tief dunklen, zu einem dicken Streifen
vereinigten Flecken, die perstrigata f. n., Taf. I Fig. 3,
kommt hauptsächlich in den Südtälern der Alpen vor,
z.B. im Tessin, auf der Südseite der Bernina, im Bergell
und in Südtirol, aber nicht als alleinige Rasse.
Von Digne liegen nur sieben Stück vor und nicht alle gut
erhalten. Zwei nähern sich der schweiz. f. juravolans
Wrli., sind aber heller; zwei andere auffallend kleine, sehr
hell weißgraue, schwachgezeichnete, scheinen zur f. fal-
conaria Frr. zu gehören. Zur sicheren Beurteilung be-
darf es mehr Materials.
Die f. plumbearia Stgr. wird auch von der F.V.
sowie von Spröngerts gemeldet, von letzterem eine blau-
graue Form (die f. cyanea Wrli.).
Gn. varıegata Dup. Digne.
Gn. mucidaria Hb. Digne vielfach. Von Venanson ein
frisches schönes g', an Felsen. Fehlt der F.V.
Gn.onustaria H. S. Variert außerordentlich in der
Größe; das kleinste g' spannt nur 20 mm, das größte
32 mm. Digne, 21 Expl.
Gn. myrtillata Akermann Mad. de Fenestre. Val
Fenestres. Von der Umgebung Digne’s zehn Stück, mit
Ausnahme von einem schwach gezeichnet, klein, Quer-
streifen und bei einzelnen auch die Wellenlinie ver-
loschen, zur f. destrigaria Wrli. gehörig, aber heller
als das von Culot fig. 1213, Pl. 60 abgebildete Exemplar.
Gn. serotinoides Wrli. (Schweiz. Entomol. Anzeiger 1922
Nr. 4, p. 26). Diese Art, auf die ich besonders geachtet,
findet sich im ganzen Gebiet, sowohl auf Urgestein,
also im Val Boreon und im Val Fenestre, als auch,
seltener, auf Kalk, Venanson und Col St. Martin, nicht
selten an Felsen und kann an kühlen Tagen mit dem
Glas abgenommen werden.
Unter allen 29 Stück, die ich erbeutete, ist keine einzige
serotinaria Hb., alle gehören zu serotinoides Wrlı.,
wie die mikroskopische Untersuchung mehrerer J'g' und
86 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
OO unzweideutig dartat. Serotinoides unterscheidet
sich von derähnlichen serotinaria durch ihre schwächer
gezackten und viel schwächer gezähnten Querstreifen.
Serotinaria hat ihr Hauptverbreitungsgebiet östlich des
Gotthards, Graubünden, Tirol, Steiermark, Kärnten, Oester-
reich; so fing ich vorletztes Jahr in Graubünden (Val Mustair,
Umbrail, Bernina, Val Poschiavo, Engadin, Bergell, ganz
ausschließlich serotinaria (21 Stück), keine einzige
serotinoides. Letztere bewohnt das Wallis, den Tessin,
Süd-Frankreich und, fraglich, die Waldai in Rußland.
Unter den serotinoides von St. Martin findet sich
auch die verdunkelte f. umbrosaria Wrli. (Entomo|.
Schweiz. Anzeiger 1922 Nr. 4) aus dem Val Boreon.
Gn. canitiaria Gn. Spec. General d. Lepidopt. (IX.)
I. p. 309.
Aue den Basses-Alpes, woher dıe Originalfalter Guenee’s
stammten, habe ich vom Cheval Blanc, westlich von Digne,
zwei J'g' und ein © einer Gnophosart, die nach der Be-
schreibung Guen&e's nur die umstrittene canitiaria sein
kann, da alle Angaben über Farbe und Zeichnung ganz
ausgezeichnet stimmen, vor allem die rötlichgelbe Stirne
(„Front d’un jaune-roux‘‘), die keine der in Betracht fallenden
verwandten Arten besitzt. Nur frischgeschlüpfte Tiere
haben diese gelbrötliche Farbe der Stirne, sowie der
Kosta, und der Adern Sc., R und M; durch Abfliegen und
Feuchtigkeit geht sie rasch verloren, und die genannten
Teile werden gelblichweiß bis ganz weiß. Oseits ähnelt
die Art täuschend einer stark gezeichneten dilucidaria
Hb., ist aber stets kleiner (Spannung 30—32 mm) und
oseits von gelblichem Farbenton, während dilucidaria
frisch rein grau ist. Charakteristisch ist die graue Useite
durch ein mehr oder weniger breites hell weißliches, nicht
immer scharfes Band nach dem äußern Querstreifen, oft
auch auf dem Hfl vorhanden, das dilucidaria in dieser
Form stets fehlt. Letztere hat ziemlich längere Kammzähne
(nicht, wie Guenee irrtümlich angibt, gleichlange) der
Fühler, und ihre Enden sind nicht, wie bei canitiaria,
keulenförmig, ähnlich den der caelibaria H.S. Dies
sind wichtige und sichere Unterscheidungsmerkmale. Be-
züglich der Größe trifft die Angabe Guenee’s mit 36 mm
Spannung auf meine Exemplare nicht ganz zu; keines hat
über 32 mm. Es wird sich wohl um einen Druckfehler
handeln, die O0 wird in 6 verdruckt sein.
E. Wehrli, Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 87
Wahrscheinlich war auch die dilucidaria Hb., die
Donzel als bei Digne vorkomnıend angibt, canitiaria Gn.
Die Art wird von Heinrich und Spröngerts nicht erwähnt.
Herr Oberthür war so liebenswürdig, je ein Exemplar
von Digne und St. Martin mit den Guenee’schen Typen
zu vergleichen, wofür ihm hier bestens gedankt sei. Er
erklärte beide als typische canitiaria Gn., auch die
folgende Form. Damit wäre diese verschollene und ver-
kannte Art, die anatomisch mit pullata Schiff. nichts zu
tun hat, obwohl sie bisher als Form derselben figurierte,
wieder neu entdeckt.
Eine wenig kleinere (Spannung 29 mm) und oft etwas
dunklere, sonst aber in allen wesentlichen Teilen mit
Vor. übereinstimmende Form wurde von Püngeler 1891 in
einem abgeflogenen g' und von Spröngerts 1912 in 1 ©
und 1913 in 2 g’g' und 1 © bei St. Martin-Vesubie ge- .
fangen, die als Gnophos spröngertsi Püng. (Iris 1914,
p. 51 und Taf. Ill, Fig. 17 und 25) beschrieben wurden.
Die Genitalorgane beider Formen sind identisch; ebenso
der Fühlerbau und die verdiekten Hintertibien. An der
Zusammengehörigkeit beider kann nicht gezweifelt werden.
Spröngertsi wäre eventuell als Form der Alpes Mari-
times der canitiarıa Gn. aufzufassen, unter dem Vorbe-
halt, daß mein zur sichern Entscheidung der Frage zu
kleines Material aus Digne einer in den Basses-Alpes herr-
schenden größern und hellern typischen Form tatsächlich
entspricht.
Speziell zur Erforschung der Gn. canitiaria f.
spröngertsi Püng. und serotinoides Wrli. habe ıch dıe
. Exkursion in die Basses-Alpes und Alpes Maritimes unter-
nommen und schon am Morgen des folgenden Tages, 17.VII.,
nach der Ankunft, blühte mir das Glück, ein frischge-
schlüpftes tadelloses g' f.espröngertsi, das einzige auf
französischem Boden, und mehrere serotinoides an
Felsen im Val Boreon zu erwischen. Der Nachmittag
brachte mir bei Venanson die Seltenheit Hadenaanilis B.,
habe aber dort, wo sie Spröngerts angibt, vielmal vergeblich
nach spröngertsi gesucht. Nach und nach erbeutete ich
noch 9 J'g! im oberen Val Boreon, stets an Felsen sitzend,
alle bereits jenseits der Grenze, auf italienischem Gebiet, zum
Teil frisch, zum Teil abgeflogen. Anfänglich glaubte ich
die Art auf die Waldregion beschränkt, zumal auch Sprön-
gerts als Höhenlage 1200—1500 m bezeichnet, fand dann
88 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
aber als neuen Flugort, sieben Wegstunden von St. Martin
entfernt, abends im Hochzeitsflug begriffen, noch ein Paar
in 1900 m Höhe, beim Lago delle Rovine, am Ostfuß der
Cima d’Argentera, 30.VIl., weit über der Baumgrenze.
Gesamtresultat demnach 11 g'g' und 1 ©. Dazu noch
2 gg’ 19 der typischen canitiaria von Digne. Mit
2 QQ, einem französischen und einem italienischen, habe
ich eine Schädigung des Bestandes sicher nicht auf dem
Gewissen. Die Art dürfte jedenfalls im ganzen Gebiet der
Seealpen und der Alpes Basses weit verbreitet, aber überall
zerstreut und selten sein. Die Flugzeit erstreckt sich in
Nord- und Nordwestlagen auf Mitte bis Ende Juli, während
an Südhängen der Falter schon vor Mitte Juli zu suchen
wäre.
Die Form der Seealpen neigt beim g' und © Geschlecht
zur Verdunklung der O- und mehr noch der Useite, welch
letztere an den Vfl, bei einem auch am Hfl von drei
Tieren dunkelgrau ist, mit einer scharfen, schmalen, hellen
Binde hinter dem äußern Querstreifen, so daß sie useits
einer pullata Schiff täuschend ähnlich sehen und nament-
lich das © leicht mit dieser verwechselt werden kann. Ich
bezeichne diese Form als subpullata f. n. Taf. I Fig. 7.
An einem geflogenen Exemplar hat sich auch die helle
Binde useits verwischt, so daß es der dilucidaria-
Useite sehr ähnlich wird. Einzelne Stücke kommen oseits
stark gezeichneten Walliser spurcaria Lah. sehr nahe,
sind aber leicht durch die ganz verschiedene Useite zu
trennen.
Der Fühlerbau sowie die mikroskopische Untersuchung
der Genitalorgane verweisen diese ausgezeichnete Art un-
zweifelhaft hinter dilucidaria und vor spurcaria.
Da weder von mir, noch von Spröngerts eine Gn.
dilucidaria Schiff. (obwohl sie von Milliere bei der
. Mad. de Fenestre als häufig angegeben wird) gefangen
worden ist, möchte ich die Vermutung aussprechen, daß
es sich sowohl in der F.V., die sie bei Terme und Valle
dı Mollieres aufführt, als auch bei Milliere, um eine Ver-
wechslung mit der f.spröngertsi gehandelt habe.
Canitiaria Gn. wird von Heinrich bei Digne nicht
_ erwähnt.
Gnophos caelibaria f.spurcaria_Lah. Ein sicheres
abgeflogenes gJ' vom oberen Val Bor&on. Fehlt F.V. und
Spröngerts und Milliere.
E. Wehrli, Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 89
eeNallesıaria Wrli. Soc. Ent. 37, Nr..5, p. 17/18.
g' f. subnivea f.n., Taf. I Fig. 6, eine extreme Form
der f.occidentalis Obthr. (Etud. Lep. comp. Bd.VIl.
pag. 321, Taf. 183 Fig. 1796/97), sehr klein, von der
Größe der caelibarıa H. S., oseits hell grauweiß mit
gelblichem Schimmer, meist sehr fein gesprenkelt, die
oft ganz verloschenen äußern Querstreifen gezackt und
gezähnt auf den Adern, unter der Costa rechtwinklig
gebrochen; Mittelflecke unscharf, bei einem ganz zeich-
nungslosen Stück ganz fehlend; Useite glänzend weiß,
sehr fein grau gepudert, völlig zeichnungslos mit Aus-
nahme der Mittelflecke, namentlich fehlt die für val-
lesiaria und zellerarıa sehr charakteristische dunkle
Randbinde auf allen Fl vollständig; eine kaum erkenn-
bare Andeutung derselben an der Kosta der Vfl bei
einem Exemplar ist nicht einmal so ausgesprochen wie
die bei caelibaria vorhandene.
| Diese subnivea istnochkkleinerals die occidentalis,
die 34—36 mm spannt, gegenüber 283—30 der subnivea (Vfl
16—18 mm). Die Oberthürschen Fig. zeigen auf allen Fl
useits eine deutliche, wenn auch bei einem Exemplar etwas
reduzierte, schwärzliche Randbinde, während sie bei allen
subnivea völlig fehlt und nur bei einem Stück ein
kaum sichtbarer Schimmer an der Kosta des Vfl zu
sehen ist.
Es scheint sich um eine gute Lokalform der Alpes
Basses zu handeln; denn ich habe vom Cheval blanc bei
Digne acht ganz gleiche g'g', die nur oseits ın der Deut-
lichkeit der Zeichnung variieren. Sie machen, oberflächlich
betrachtet, ganz den Eindruck einer sehr hellen, zeichnungs-
losen caelibaria, und habe ich sie tatsächlich zuerst,
vor der genaueren Prüfung, zu dieser Art gesteckt. Die
Fühler bringen aber sofort die sichere Diagnose.
Die mikroskopische Untersuchung der Genitalorgane
des g' ergab die unzweifelhafte Zugehörigkeit zu val-
lesiaria, deren typische Form bisher nur im Wallıs ge-
fangen wurde. Die Organe gleich großer Tiere sind beı
vallesiaria beträchtlich schwächer, der Penis kleiner,
seine Chitinstücke im Innern an Zahl geringer, die Fort-
sätze des Ductus inferior am freien Ende spitz (bei zel-
leraria abgerundet), schmal lanzettförmig und gerade
(bei zelleraria löffelförmig abgebogen, konkav), Unter-
schiede, die auf den ersten Blick die Diagnose sichern.
90 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Ich hielt früher die gelbe Farbe und die schärfere
Zackung der Querstreifen als charakteristisch für val-
lesiaria, habe mich aber inzwischen überzeugt, daß
auch zelleraria diese Eigenschaften haben kann, und
ich hatte einzelne österreichische Tiere, ohne anatomische
Untersuchung, als vallesiaria bestimmt, die nachträglich
mikroskopisch als sichere zellerarıa sich herausstellten.
Die breite Flform, die eigentümliche Sprenkelung, der ver-
schiedene Verlauf der Querstreifen und der anatomische
Befund charakterisieren die vallesiaria.
Jedenfalls muß auch die f.occidentalis Obthr., die
mir nur aus den Abbildungen bekannt ist, vom lac d’Allos
und von Larche, aus dem östlichsten und nordöstlichsten
Teile der Basses Alpes, unweit der Grenze des Dep. Alpes
Maritimes, herstammend, zur vallesiaria, nicht zur öst-
lichen zelleraria gezählt werden. Was ich bisher als
occidentalis, z. B. aus dem Triglavgebiet erhielt, deren
anatomische Untersuchung die Zugehörigkeit zu zel-
leraria erwies, (l.c. p. 18), entspricht demnach keines-
wegs der typischen occidentalis, was hiermit richtig
gestellt sei.
Mit der unicoloraria Rbr. aus Andalusien, (Cat.
Lep. Andalousie, Taf. 19 Fig. 6) hat subnivea nichts zu
tun. Die Querstreifen der ersteren verlaufen total anders,
als bei allen zelleraria und vallesiaria-Formen,
durch die Flmitte, und die der Vfl sind auf Ader M /3
scharf gewinkelt. Von der Useite wissen wir gar nichts;
eine Beschreibung der Art existiert nicht.
Psodos bentelii Rtzr. f. alpmaritima f.n., Taf. I Fig. 8.
g' viel kleiner als die typische Form, Vfl-Länge 9!/, bis
11!/, (gegen 12—14!/, des Typus), düsterer, dunkelgrau,
ohne den grünlichen Farbenton der f. zermattensis
Wrli., o- und useits schwach und wenig kontrastreich
gezeichnet, die Mittelpunkte oft fast in der Mitte des
Mittelbandes; die Useite schwarz, der trepidaria
‚nahekommend, aber durch den stärker gebogenen
äußern Querstreifen der Vfl zu unterscheiden. Abge-
flogene Stücke sind nur durch die mikroskopische
Untersuchung anzusprechen.
Diese Form ist auch anatomisch ausgezeichnet durch
die relative Kleinheit der g' Genitalorgane, besonders der
inneren Valven, deren Bezahnung am analen Ende auf-
fallend schwach erscheint; dafür treffen wir-den bei den
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. y1
andern Formen für die Art charakteristischen Zahn in der
Mitte der medialen Kante oft doppelt und verstärkt an.
Die recht beträchtlichen anatomischen Unterschiede stem-
peln die Form zu einer guten Rasse. Alle J’g' und 1 Q
wurden mikroskopisch untersucht; nur bei einem g'! mußte
das Abdomen geopfert werden; bei allen Uebrigen war
die Diagnose gut am unbeschädigten Trockentier möglich,
da die Valven weit offen und die charakteristischen inneren
Valven mit ihren Mittelzähnen nach Entfernung einiger
störender Schuppen mit einer feinen Nadel sehr gut bei
scharfer Beleuchtung sichtbar waren. Auch die äußeren
© Organe weichen ab; sie sind weniger gedrungen, über-
sichtlicher, weniger stark pigmentiert, als bei zermat-
tensis und dem Typus, so daß man fast von Art-
verschiedenheit sprechen könnte.
Unter 3000 m habe ich bentelii in den Alpes
Maritimes nicht angetroffen; sie fliegt spärlich auf dem
Mont Gelas 3150 und auf der Cima dı Garibaldi, sowie
_ auf der höchsten Erhebung der Seealpen, der Cima d’Argen-
tera 3300 m, auf deren Gipfel 31. VII. die meisten erbeutet
wurden, mit trepidaria Hb. zusammen. Der Fang der
sehr flinken Psodos bietet auf diesen Gipfeln, besonders auf
dem schmalen Kamme des Gelas erhebliche Schwierig-
keiten und erfordert außer guter alpinistischer Ausrüstung
akrobatische Geschicklichkeit und: Schwindelfreiheit des
Jägers.
5 J'g' und 5 ©9 bildeten die Beute dreier Besteigungen.
Fehlt F. V. und Spröngerts.
Psodos trepidarıa Hb. An denselben Flugorten wie
vorige, gemeinsam mit ihr fliegend, ist aber leichter zu
erhaschen, weil ihr Flug weniger rasch und unregel-
mäßig ist. Kommt auch tiefer vor, z.B. am Col delle
Rovine, war aber hier schon total abgeflogen, auch ın
höheren Lagen schon vorbei, weshalb ihre Rassenzu-
gehörigkeit nicht sicher beurteilt werden kann. Es
scheint sich um die typische Form mittlerer Größe zu
handeln; fast alle sind gleich groß, größer als die klei-
neren bentelii alpmaritima.
Alle der 10 919° unterlagen der mikroskopischen Unter-
suchung und zwar wieder am unbeschädigten Insekt, da
‘dank der geöffneten Valven die inneren Valven gut in-
spizierbar waren. Diese Letzteren sind bei trepidariıa
besonders charakteristisch und leicht erkennbar, wegen
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein II
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
02 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
der bedeutenden Asymetrie derselben; die eine innere
Valve übertrifft die andere bedeutend an Länge und Schmal-
heit und ragt weit vor, während die andere breit und
kurz ist. (Vergleiche die Fig. 8, Taf. V, Mitt. Schweiz. Ent.
Ges. 1921 Bd. XII.)
Die F. V. gibt nur Psodos alpinata und quadri-
farıa Sulz., Milliere nur letztere, Spröngerts gar keine
an. Für diese letzten beiden Arten war ich wohl zu spät.
Ps. coracinaEsp. Digne, Cheval Blanc, eine kleine ziem-
lich dunkle Form. Fehlt Heinrich.
IsturgialimbariaF. Vorherrschend die fe pedemon-
tarıa Stgr., am Col St. Martin und Colmiane nicht s.
Vereinzelt auch die f. delimbaria Stgr., die ganz
mit der von Digne übereinstimmt. Die Art geht bis
1804 m auf dem Gipfel der Tete Colmiane und wird
dort kleiner und schwächer gezeichnet. Auch im Val
Feenestre.
Fidonia pennigeraria Hb. Digne.
Ematurga atomarial. Digne.
Selidosema taeniolarıa Hb. Digne.
Itame wauaria_L. Nicht s. um St. Martin.
Diastictis artesiaria Schiff. Digne.
Lithina chlorosata Scop. Digne.
L.rippertaria Dup. Digne.
L.convergata Vill. Digne.
L.partitaria Hb. Digne; auch in der f. faeculenta
Thierry. M. |
Chiasma clathrata L. St. Martin, Venanson, Ber-
themont, Grundfarbe gelber als bei denen von Digne,
was vielleicht, wegen der geringen Zahl der gefangenen
Individuen, auf Zufall beruht. |
Tephrina murinaria Schiff. Digne. Etwas größer als
meine österreichischen Exemplare.
Enconista agaritharia Dard. Digne.
Crocota lutearia F. Col Colmiane und St. Martin,
Refugio di Genova, in sehr schönen, tief orange ge-
färbten zum Teil riesigen Exemplaren.
Aspilatesgilvaria Schiff. Col Colmiane, etwa 1500 m.
Asp.ochrearia Rossi. Digne.
Perconia strigillaria Hb. Digne.
Chemerina caliginearia Rbr. Digne.
Hylophila prasinanaL. Digne.
Nola cucullatella L. Digne.
E. Wehrli. Nice-St. Martin V&subie-Digne. 95
N. confusalis H.S. Digne. Fehlt Heinrich.
N. cristatula Hb. Weg z. Madone de Fenestre. Fehlt
den anderen Verzeichnissen.
Sarrothripus revayana f. dilutana Hb. Nice.
Dysauxes punctata F. Venanson, St. Martin, Col
Colmiane und St. Martin, nicht s. mit gelben und
weißen Fleckchen.
Phragmatobia fuliginosa L. St. Martin e puppa.
Parasemia plantaginis L. Mont Gelas.
Ocnogyna parasita Hb. Ebenso wenig wie Sprön-
gerts habe ich die Raupe, die nach Milliere um St.
Martin nicht selten, bei der Madona direkt gemein an
Gentiana lebt, gefunden. Auch die F.V. führt sie nicht
als selbst gefunden an. Ich habe allerdings auch nicht
speziell danach gesucht.
Callimorpha quadripunctaria Poda. Venanson.
Coscinia cribrum f. candida Cyr. St. Martin.
Kleiner und in der f. punctigera Frr. von Digne.
Nudaria mundanaLl.h. an Felsen und Mauern.
Paidia murina Hb. Digne.
Endrosa kuhlweini f. alpestris Z. Col St. Martin
und Colmiane.
E.aurita f.ramosa F. Col St. Martin, Col delle Rovine,
Col Chiapous und Cima d’Argentera bis 3250 m.
Lithosia complana L. St. Martin, Val Boreon, Col
St. Martin.
Heterogynis penella Hb. h.an den heißen Hängen
bei Venanson, dem Col St. Martın und Colmiane und
Val Fenestre. Wird merkwürdigerweise von Sprön-
‘gerts nicht erwähnt. Variiert sehr stark in der Größe
an denselben Lokalitäten.
Zygaena purpuralis Brünnich. Nice. Um St. Martın
nicht s.
Z. brizae Esp. s. St. Martin, Val Boreon, in der f. gallıca
Obthr.
.scabiosae Schev. Nicht h. St. Martin, Venanson, ın
der f.orion H.S.
sarpedon Hb. Nice, Mont Gros.
.lonicerae Schev. St. Martin, Val Bor£on.
Efransalpina f. maritima .Obthr. Nice, Val
Bore&on, mehrfach. In den höheren Lagen, Col St. Martin,
Venanson und oberes Val Bor&on Uebergänge zur ge-
wöhnlichen alpinen Form mit schmaler gerandeten Hfl
NNN N
94 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1994.
und useits auf den Vfl zusammengeflossenen roten
Flecken.
Z.ephialtesL. Erst im Erscheinen begriffen, nur 1 Stück
f. medusa Pall. 1.VIIl. bei Venanson. Ein zweites.
entwischte mir am Tage vorher am Col St. Martin.
exulans Hochenw. Madone de Fenestre, Mont Gelas.
.lavandulae Esp. Grande Corniche.
.hilaris ©. Nice; Col St. Martin, Venanson, vielfach,
auch als f.ononidis Mill.
.‚faustaf.nicaeaeStgr. Col St. Martin 1 Exemplar.
.carniolica f. diniensis Obthr. Venanson.
Procris globulariae Hb. Col St. Martin.
Pr.statices L. Col St. Martin, Colmiane.
OÖreopsyche vesubiella Mill. Die Säcke mehrfach
am Ufer des Boreon. ergaben aber keinen g' Falter.
O.tabanivicinella Brd. Je 1 gleicher Sack unter
Steinen am Mont Gelas, 3000 m und 1 an der ÄArgen-
tera 3100 m zirka.
Diese Säcke gehören sicher nicht zu plumifera O,,
deren f. valesıella Mill. ich zwar auf dem Gipfel des
Gornergrat, 3150 m, gefangen habe, und von der ich Säcke in
großer Zahl besitze. Die beiden Säcke sind dicker und kürzer
‚und dichter gesponnen als jene und gleichen am meisten in
der Zusammensetzung der tabanıvicinella. Beide sind
kleiner als dieder vesubiella Mill., enthalten aber neben
quer angeordneten pflanzlichen Trümmern, Grasstückchen
und Wurzelstückchen, auch kleine Steinchen.
Apterona crenulella Brd. Die Säcke an Steinen und
Felsen im Val Boreon.
Epichnopteryx pulla Esp. Zwei Säcke gefunden in
der Nähe der Cascade, dürften dieser Art angehören.
Fumea norvegica Schöyen. Am 18. VII. morgens fing
ich am Eingang ins Val Fenestre 2 g'g' einer großen,
grauen Fumea-Art, mit 21/22 Fühlergliedern, so groß
wie meine größten crassiorella Brd., die nur nor-
‚vegica sein kann, besonders, da auch die Exemplare
Millieres, bei St. Martin erbeutet, nach Heylaerts zu
dieser Art gehörten.
F.crassiorella Brd. Nice Die Säcke zahlreich an
Mauern und Bäumen, ergaben aber keine Falter.
F.casta Pall. Aus einigen bei Nice gefundenen Säcken
schlüpften am 15. VII. 1:9! und 2 99. Das J! ist sehr
klein, spannt 10 mm, hat gerundete Vfl, ist nicht erz-
NN NNN
' E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 95
braun wie casta, sondern gelbgrau, mit dunkleren
Schuppen, aber nicht gegittert; ich ‚hätte es zu der
kleinen ungegitterten Form von reticulatella ge-
rechnet, wenn die Fühler nicht nur 18 Glieder, statt
22, besäßen. Ä
Talaeporia tubulosa Retz. Yal Boreon.
Solenobiaalpicolella Rbl. (Iris, 1918, Bd. 32, p. 106)
f. argenterae subsp. n. an sp.n. Taf. I Fig. 9. Auf dem
Gipfel der Cima d’Argentera in 3300 m Höhe sowie
auf dem Kamm und dem Plateau des Mont Gelas 3000
bis 3150 m. 28. VII. flog in Anzahl eine mir unbekannte
Solenobia, die sofort an dem den Psychiden ähn-
lichen Flug als solche anzusprechen war und die sich
relativ leicht mit dem Netz fangen ließ.
Sowohl Herr Müller-Rutz, als auch Herr Prof. Rebel
erklärten diese Solenobia als neu und letzterer schrieb
mir, daß sie seiner S.alpicolella Rbl. sehr nahe stehe,
aber etwas weniger gestreckte Fl, mit fast gar nicht her-
vortretenden Adern, derberer weißgrauer Fleckung der Vfl
und glatterer Beschuppung, habe; Fühler und Aderbau
stimmen mit alpicolella überein. — Der Apex weniger
spitz als bei letzterer, doch nicht so gerundet wie bei
pineti L.; die Farbe der Vfl bräunlichgrau, glänzend,
die Zeichnung schärfer als alpicolella; das dunkle
Fleckchen am Querast der Vfl der alpic. fehlt der neuen
f. argenterae gänzlich. Die Fransen sind gleichmäßig
grau, während sie bei alpic. scheckiger, hell durch-
schnitten sind; Kopf und Thorax dunkler. Vfllänge 7 mm.
Da auch die Useite durch stärkere Gitterung verschieden
ist, dürfte es sich voraussichtlich um eine neue Art handeln.
Solenobia rebeli sp. .n. Taf. I, Fig. 11. Auch diese Art
flog mit Voriger morgens am Mont Gelas in einer Höhe
von 3000-3150 m in Anzahl am 20. VII.; sie hat eben-
falls den ruhigen Flug der Psychiden und ist ebenso
leicht zu erbeuten wie Vor.
Spannt 12 mm. Vfl 6 mm. Vrand der Vfl, kaum merklich
eingedrückt, der Apex gerundet. Grundfarbe hellgrau; das
dunkle Gitter nicht sehr deutlich sich abhebend, längs des
Saumes eineReihe heller Flecken bildend. Hfl.schmal, reiner
grau, die Fransen gelblicher. Ader III/3 IIl/2 getrennt, doch
bei einem Exemplar kurz gestielt. Der triglavensis Rbl.
zunächst stehend, doch nach Rebel, der die Tiere mit seiner
Art zu vergleichen die Freundlichkeit hatte, sicher von
96 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
triglavensis artlich verschieden durch die kürzer
bleibenden Flfransen, namentlich auf den Hfl, durch das
Fehlen des gelblichen Farbentons, durch viel schwächere
Gitterung und durch nach außen weniger erweiterte Vfl.
Fühler undAderverlauf sind nicht verschieden. Auch Müiller-
Rutz hält rebeli für eine neue Spezies und sicher von der
in seinem Besitze befindlichen viel größern S.wehrliiM.
R. (Mttlgn. Ent. Ges. Zürich 1920, Heft 5, Taf. II Fig. 14)
verschieden. |
Leider blieben für diese wie für die vorige Art die
Säcke und die @Q unauffindbar.
3 J'g' in coll. m., 1 g' in coll. Müller-Rutz.
Zeuzera pyrinal.. Nice.
Mikrolepidoptera
Diese Gruppe habe ich nicht speziell gesammelt; nur was
mir (als vermutliche Psychiden) zufällig ins Netz geriet, oder
was mir speziell beim Absuchen von Felsen und Bäumen
auffallend und fremdartig erschien, ließ ich mitgehen. Ob-
wohl meine Liste nur einen sehr geringen Bruchteil der
an den besuchten Lokalitäten vorkommenden Mikros ent-
hält, bringe ich sie der Vollständigkeit halber doch, da
immerhin einzelne interessante Tiere darunter figurieren.
Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, den Herren Müller-
Rutz und Prof. Rebel-Wien für die freundliche Determi-
nation der Mikropsychiden und der Mikros und dem ersteren
für die ausgezeichnete Präparation einer Anzahl derselben,
die Anfertigung der prächtigen Bilder, der Solenobien und
des Crambus zermattensis und seiner Form müller-
rutzi, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen.
Crambus zermattensis f. müller-rutzi ssp.
n. laf. I Fig. 13. An denselben Flugstellen am Mont
Gelas 3150 m und auf der Cima d’Argentera 3300 m,
und zu gleicher Zeit wie Psodos benteliif. alp-
maritima Wrli und gemeinsam mit den Solenobien
tummelt sich im Sonnenschein diese schöne Crambus-
form, die wegen ihres unrubigen, von dem der Sole-
nobien sofort sich unterscheidenden Zickzackfluges viel
schwieriger zu erhaschen: ist als jene, aber immerhin
noch leichter ins Netz gelangt, als die ungemein flinken
und scheuen Psodos.
Beschreibung: Vfllänge 11—11,5 mm. Von den Walliser
zermattensis hauptsächlich durch die viel dunklere
E. Wehrli. Nice-St. Martin Vesubie-Digne. 97
Färbung, die nicht ins gelbliche oder olivfarbige zieht,
sondern rein grauschwarz ist, verschieden. Die schwarzen
Keilflecke, die bei zermattensis im Mittelfelde der Vfl
als innere Begrenzung der weißen Querlinie so deutlich
sich abheben, gehen hier in der dunklen Grundfarbe unter;
sie sind nicht oder kaum zu erkennen; überdies liegen sie
der Vflbasis näher als bei zermattensis. Der äußere
weiße bogige Querstreif tritt bei zermattensis gegen den
Irand in einem scharfen Zahn saumwärts vor; dieser Zahn
fehlt bei der neuen Form; es findet sich an dessen Stelle
nur eine schwache Ausbiegung. Der weiße, von der dun-
keln Mittelbinde unterbrochene Längsstrahl aus der Wurzel
(ganz ähnlich wie bei C. coulonellus Dup.) ist bei
beiden Formen bald mehr, bald weniger deutlich und aus-
gedehnt. Die getrennten, tiefschwarzen Saumpunkte, wurzel-
wärts zart weißlich aufgeblickt beizermattensis, sind
bei müller-rutzi zu einer scharfen schwarzen Saum-
linie verschmolzen, nur die weiße Aufblickung ist geblieben,
bei einem Exemplar zu dreieckigen Flecken vergrößert.
Hfl o- und useits dunkelgrau. Kopf und Palpen dunkler,
weniger weiß gemischt, Abdomen oben ganz dunkel, unten,
wie auch die Beine, grau, so hell wie zermattensis.
Was die Größe der Form mit 11—11,5 mm Vfllänge
anbetrifft, bemerkt Müller-Rutz, daß alle seine Walliser
nur 11 mm die g'g', 10 mm die QQ messen, und nur
ein einziges aus dem Tessin 13 mm erreicht, während
Spuler Bd. II, p. 193 für zermattensis 13—15 mm angibt.
Ich benenne diese schöne zermattensis-Form, die
sich voraussichtlich als Art entpuppen wird, zu Ehren des
für die Erforschung der Schweizer Mikrolepidopteren-Fauna
hochverdienten Herrn Müller-Rutz, St. Gallen.
Scoparia valesialis Dup. Cima d’Argentera.
OÖrenaia rupestralis Hb. Col delle Rovine.
Pionea elutalis Schiff. Nice.
P.prunalis Schiff. Val Boreon.
Pyrausta falcatalis Gn. St. Martin 25. VII.
Salebria semirubella Sc. St. Martin.
Endotricha flammealis Schiff. Im ganzen Gebiet h.
Pyralis farinalis L. Col delle Rovine.
Ancylosis cinnamomella Dup. Annot.
Parastiaauriciliella Hb. St. Martin.
Pselnophorus brachydactylus Tr. Cascade Boreon.
Dichelia grotiana Tr. Col. St. Martin, Venanson.
98 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Thyris fenestrella Sc. Venanson.
Tortrix forsterana F. Madone de Fenestre.
Argyroploce rurestrana Dup. Col St. Martin.
Stenia stigmosalis H.S. Nice. Ein bemerkenswerter
Fund. Das Tier befindet sich im Hofmuseum Wien.
Sphaleropteraalpicolana Hb. Mont Gelas, mehrfach.
Lecithocera luticornella f.orsoviella Hein.
Col St. Martin.
Lita valesıella Stgr. Mont Gelas, Cima d’Argentera.
Borkhausenia nubiılosella H. S. Madone de Fenestre,
mehrfach.
B. rhaetica Frey. Mont Gelas öfter.
Laspeyresia succedana (S.V.) Froel. Cascade s.
Boreon 25. Vll.
Swammerdamia zimmermanni Now. Mont Gelas.
Melasina lugubris Hb. Ein Sack. St. Martin.
Tinea misella Z. Mont Gelas.
Scythris glacialis Frey. Cima d’Argentera.
Sc.productella Z. Mad. de Fenestre.
Sc.dissimilella H.S. Venanson, St. Martin.
Sc.(seliniella Z.) Col St. Martin 26. VII. Nach briefl.
Mitteilung hat Müller-Rutz die Genitalien eines Exemplars
untersucht und als von seinen typischen seliniella
verschieden gefunden, so daß es sich um eine neue
Species handeln dürfte, obwohl der Falter ursprüng-
lıch von beiden Mikro-Kennern als seliniella be-
stimmt worden war.
Bücherbesprechung.
Dr. Bischoff, Prof. Dr. Schoenichen und v. Chappuis: Das
Sammeln und die Naturdenkmalpflege. Beiträge zur Naturdenk-
malpflege. Bd. X, Heft 3, Berlin, Verlag von Gebr. Bornträger, 1924,
41 Seiten. Preis 3.75 G.-M.
Diese für Entomologen lesens- und beherzigenswerte Schrift gibt einen
Ueberblick über die Sammelmethoden und die durch diese mehr oder we-
niger bedingte Existenzbedrohung mancher Insekten, über die gesetzlichen
Maßnahmen, die zum Schutze der Insekten ergriffen worden sind, sowie
über das Für und Wider gegen solche und bringt zum Schluß eine Natur-
schutzverordnung zum Abdruck, wie sie am 5. März 1924 für den Polizei-
bezirk Berlin erlassen worden ist. Es wäre wünschenswert, daß letzterem
Vorgehen auch andere Großstädte, aber unter Berücksichtigung der oft
recht verschiedenen örtlichen Verhältnisse, folgen und somit nachhaltig für
den Schutz gewisser Schmetterlingsarten eintreten würden. K.M.H.
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 99
Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgemeinen
Bemerkungen über Morphiden.
Von Dr. E. Krüger, Halle a. S.
(Fortsetzung.
2.M. sulkowskyi Koll. ist ein Höhentier, das im kalten
Lande zwischen 2000 und 3000 m seine Heimat hat, und
dessen Vorkommen an das Auftreten des Bergbambus, der
Chusque gebunden zu sein scheint. Er findet sich in allen
drei Kordilleren, häufiger in der Öst- und der Zentralkordillere
und hier wieder vorwiegend auf der regenreicheren Ost-
seite, seltener in der Westkordillere. In letzterer sah und
fing ich nur ein einziges Exemplar etwa in der Höhe des
fünften Breitengrades bei ca. 1800 m Höhe am 2. 1V. Vm.
10—11. In der Östkordillere habe ich ihn auf der West-
seite nicht gesehen. Auch auf der Ostseite scheint er
auf den Wegen von Bogotä nach Villavicencio zu fehlen.
Dagegen ist er hier weiter nördlich nicht selten. Ich er-
hielt von dort verschiedene Exemplare, die in den Monaten
Mai und Juni gefangen waren. Am häufigsten findet er
sich wohl auf der Ostseite der Zentralkordillere — auf
ihrer Westseite sah ich ihn nur vereinzelt — dort wo
Chusque in größerer Menge in Waldlichtungen wächst.
Hier suchen die g'g'! 2—3 m hoch langsam und unregel-
mäßig fliegend die Oberfläche der Chusquebüsche ab.
Trotz des unregelmäßigen Fluges sind sie nicht schwer
zu fangen, wenn man sich nur gedeckt aufstellt. Doch nur
sehr wenige dieser zarten Tiere sind unbeschädigt. In
diesen Höhen überwiegen die kalten Nebel- und Regen-
tage und wohl infolge davon fliegt sulk. auch bei leicht
bedecktem Himmel, wenn es nur warm ist. Er fliegt ge-
wöhnlich zwischen 9 und 121/, und hat gleichfalls die Ge-
wohnheit, die Berghänge auf- und abwärts abzusuchen.
Zuweilen folgt er dann auch ein Stück den Wegen.
Auf Wiesen sah ich ihn nur, wenn er sie von einem
Chusquegebüsch zum andern überkreuzte. Er soll ge-
legentlich auch auf feuchter Erde und Kot leicht zu fangen
sein, doch habe ich ihn nie hierbei angetroffen. In der
Zentralkordillere in der Gegend des Tolima fing ich ihn
in den Monaten Februar, März und April, die dort meist
Regenmonate sind; in denselben Monaten war er in trocknen
100 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Jahren viel seltener. Sulkowskyiı hat eine andere
Flform als adonis: die Vflspitze ist nicht vorgezogen,
der Vflaußenrand nur sehr schwach konkav. Bei gleicher
Vfllänge sind die Vfl hinten und die Hfl im ganzen länger.
Vfl und Hfl sind etwas breiter, die Hfl etwas runder und
am Analwinkel stärker mit drei Vorsprüngen gelappt.
Die Außenränder sind nur sehr schwach gewellt.
Die Grundfarbe der Oseite ist beim g! ein zartes gelb-
liches Weiß, das perlmutterartig bald milchigblau, bald
hellblau, bald rötlichblau schillert. Vflvrand und die Außen-
ränder sind fein schwärzlichbraun, an der Vflspitze breiter,
nach hinten bis m! langsam abnehmend. Am Hflanalwinkel
findet sich ein großer auffallend kontrastierender grau-
brauner bis schwärzlichbrauner, etwa viereckiger (ca. 9:10
mm) Fleck, in dem zwei dunkle Wellenstreifen und drei
mattziegelrote radiäre, bis zum proximalen Wellenstreif
reichende Saumstrahlen sichtbar sind. Der weiße Kostal-
fleck ist schmal u. z. deutlich. Die Hflfransen sind in der
Endhälfte fein weiß und braun gescheckt, am gelappten
Analteil breiter. Die Zeichnung der Useite scheint voll-
ständig durch. Auf der Useite ist die gelbweiße Zeich-
nung so ausgedehnt, daß sie auf dem Vfl und zuweilen
auch auf dem Hfl zur Grundfarbe wird, in der dann die
braunen, innen meist mehr oder weniger stark weiß auf-
gehellten Querbinden des Wurzel- und des Mittelfeldes,
die breiten Augenbinden und die zwei ziemlich gerade
verlaufenden Seitenstreifen auftreten. Die Querbinden
sind lang und stoßen bei m!! gewöhnlich an die Augenbinde.
Die helle Mittelbinde ist auf den Vfl vor r!!!, auf den Hfl
vor m! bzw. rl! durch einen braunen Querstreif geteilt,
und auf den Hfl meist etwas unregelmäßig bogig begrenzt
und zwischen m! und m!! verschmälert. Die weiße Zeich-
nung der Hfl hat zuweilen einen schwach silbrigen Glanz.
Die Vfl führen 4—5 Augen zwischen subce’ und m! bzw.
m!! in schwach distal konvexer Reihe, die ersten 4 bilden
gewöhnlich eine Kette von querovalen Augen, das letzte
steht isoliert und ist rund. Die Hfl führen 5—6—7
Augen zwischen subc und subcl. Das Auge hinter r! kann
fehlen oder auch doppelt vorhanden sein. Das erste
Auge ist etwas größer und rund; die übrig’en meist quer-
oval, die 5 ersten bilden gewöhnlich eine grade oder
schwach distal konvexe Kette mit der Richtung auf den
mittleren Analvorsprung, das letzte Auge ist proximal ver-
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 101
schoben, kleiner und steht isoliert. Die Iris ist ca. 1 mm
breit, graugelb, fein schwarz und breiter gelblichweiß ge-
ringt und hat eine schwarzbraune Pupille mit großem sil-
brigweißen Lichtfleck. Augendurchmesser bei Vfllänge 55
mm Vfl 4, 3!/,, 3, 4, 3'/,, Hfl 6, 21/,, 2!/,, (2 Augen hinter r}),
3'/,, 4'/a, 4, 3%/,. Der schwarzbraune Analfleck der Öseite
ist auch unten als hellerer, mehr graubrauner Fleck von
gleicher Größe und Zeichnung vorhanden. Die Vfl führen
unten einen kurzen ziegelroten basalen Kostalstreifen. Die
Palpen sind weißgelb bis hellockergelb behaart, seitlich
anlıegend und hier zuweilen weißlich, vorn: lang buschig
_ „abstehend und mehr oder weniger schwarzbraun gemengt.
Die Spitzenkanten sind nur fein schwarz. Die Vorderbeine
sind mit Ausnahme der Schenkelinnenseite lang buschig
gelbweiß behaart.. Die ganze Innenseite ist schwarzbraun
beschuppt. Die Schenkel sind oben innen lang gelbweiß
und schwarzbraun beschuppt und nicht behaart. Die
- Schenkel der Mittel- und Hinterbeine sind außen und unten
lang gelbweiß behaart, oben weiß beschuppt und spärlich
gelbweiß behaart. Der Thorax ist seitlich weißlich ocker-
gelb behaart und an den Segmentkanten vorn ziegelrot
gefleckt (S. I) bzw. gestreift (S. II). Hinterleib unten
dicht und lang weißgelb-hellockergelb behaart, an den Seg-
mentkanten median dunkler. Auf der Oseite ist die Be-
haarung von Kopf- und Nacken dicht ockergelbgrau mit
graubraun gemengt, die des Thorax ockergelbgrau mit
grauweiß, die des Hinterleibes ziemlich kurz, dicht und an-
liegend weiß.
Die Exemplare der drei Kordilleren variieren nicht
mehr, als es unter den von demselben Orte stammenden
vorkommt. Vielleicht ist bei den von der Östkordillere
stammenden die schwarzbraune Zeichnung der Ränder
etwas tiefer und breiter. Vfllänge 16 g'g' 51—57 mm
Durchschnitt 55. Das © scheint durchschnittlich etwas
kleiner zu sein, 4 QQ 49—52 Durchchnitt 51. Die Flform
weicht von der des g' etwas ab. Bei gleicher Vfllänge
am Vrande sind die Vfl hinten besonders auf m! länger
und sogar länger als an der Spitze gemessen. Die Hifl
sind ebenfalls länger. Die Vfl ein:wenig schmaler, die Hil
ein wenig breiter, aber vielleicht nur durch den hier
größeren Anallappen. Die Außenränder sind stärker gewellt.
Die Grundfarbe der Oseite ist auf der Flwurzel und
Mitte gelblichweiß mit schwachem hellen bläulichen Schiller.
102 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Hier scheint die dunkle Zeichnung der Useite stark durch.
In den nicht schillernden Randteilen ist diese Zeichnung
auch oben vorhanden und zwar auf den Vfl in dunkel-
braun: als 1. weiß geteilter Zellschluß, 2. Querstreif in der
Mittelbinde vor r!!!, 3. Augenbinde mit den Lichtflecken und
mit Andeutung der übrigen Zeichnung (diese meist nur
durchscheinend sichtbar), 4. 2 Sbmstreifen; auf den Hfl in
hellbraun: als 1. distaler Teil der Augenbinde bis nahe an
die Lichtflecke und 2. zwei Sbmstreifen. Von den drei
hellen Submstreifen ist auf den Vfl der proximale gelblich-
weiß, die beiden anderen hell graubraun, auf den Hfl sind
alle drei ockergelb. Der dunkle Analfleck gleicht dem des
g. Auf der Useite ist die braune Zeichnung tiefer ge-
färbt, breiter, und innen viel weniger aufgehellt. Die
Augen sind größer, besonders das erste Hflauge. Die Iris
ist hellbraun, und in der schwarzen Pupille liegt oft noch
ein hellbrauner Kern um den Lichtfleck. Die hellen Bin-
den der Hfluseite glänzen stärker silbrig. Augendurch-
messer Vfllänge 52, Vfl 6, 5, 41/,, 51/,, Hfl 7'),, 5, 6, 41%,
1'/,. Palpen, Körper und Beine sind dem g° entsprechend
behaart und gezeichnet.
In der Sierra Nevada de Sa Marta scheint sulkowskyi
zu fehlen, dafür kommt dort rhodopteron vor, wenig-
stens glaubte ich die dort gefangenen Tiere so bestimmen
zu können, soweit die überaus knappe Beschreibung im
Seitz (S. 349) die Bestimmung zuließ.
3. M. rhodopteron Godm. Die Größe und Flform ent-
spricht im wesentlichen der von sulkowskyi,Vfllänge bei 7
dg' 52—57 mm, Durchschnitt 54. Der Vflaußenrand ist
etwas deutlicher konkav, der Vfl- und Hflaußenrand deut-
licher gewellt. Die drei Vorsprünge am Analwinkel auf
mt, sbm.! und dazwischen sind flacher, dafür tritt ein
vierter deutlicher Vorsprung auf m! auf. Die Färbung
der Oseite weicht beträchtlich ab. Sie erscheint im all-
gemeinen stark glänzend hellviolettblau, nur ganz schräg
basalwärts gesehen verschwindet der Schiller und macht
einer gelblichgraubraunen Färbung Platz. Die Zeichnung
der Useite scheint nur sehr schwach durch, viel weniger
als bei sulkowskyi.
Die Vfl führen oben außer dem schmalen und kleinen
weißen Kostalfleck noch eine Reihe von sechs undeutlichen
gelbweißen Submflecken und eine weitere Reihe von drei
gleichfalls undeutlichen und gelbweißen Augenflecken.
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 103
Die Submflecken nehmen von vorn nach hinten bis zum
vierten (ca. 3!, mm Durchmesser) an Größe zu und dann
wieder etwas ab. Siesind rundlich bis längsoval und senden
streifige Aufhellungen zur Gegend der Augenreihe. Der
erste Fleck steht über dem prox. Submstreifen der Useite,
die übrigen über dem mittleren, die drei letzten reichen
bis dicht an den Saum. Auf der Useite fehlen sie gänz-
lich. Die drei Augenflecke sind rundlich, der erste etwas
- größer (1'/,mm), die beiden folgenden kleiner und ent-
sprechen den Lichtflecken der Augen hinter subc’V, r! und
r!! der Useite. Der Vrand, die Spitze und der Außen-
rand der Vfl sind wie bei sulkowskyi schwarzbraun,
der Vrand fein, der Außenrand gegen die Spitze breiter.
Fransen schwarzbraun, nicht oder nur hinten und ganz
undeutlich heller gescheckt. Der Hflsaum ist ungezeichnet.
Die Fransen scharf und vollständig weiß und schwarz
gescheckt. Von den weißen Fransenteilen ausgehend finden
sich breite radiäre Aufhellungen bis etwa zur Gegend des
prox. Submstreifens der Useite. Der schwarzbraune Anal-'
tfleck ist beträchtlich kürzer und etwas schmaler (ca. 5—8
_ mm) und matter gezeichnet. Die Wellenstreifen ganz un-
deutlich, die drei roten Saumstrahlen mattgraurot. Auf
dem Vorsprung m! findet sich ein weiterer grauschwarzer
Fleck. Auch die Useite ist abweichend gezeichnet. Die
Grundfarbe bildet ein ziemlich helles Graubraun, das auf
den Vfl etwas heller ist. Die dunklen Querbinden sind mit
Ausnahme der Augenbinden vielfach an den Rändern oder
ganz etwas dunkler braun gezeichnet. Die hellen Binden
schmal, scharf und silberweiß. Die Vflzelle ist graubraun
und führt drei silberweiße Querstreifen. Die helle Vflmittel-
binde ist nur bis m! silbrigweiß, dann hellgraubraun, ihr
dunkler Teilungsstreif reicht bis m!!. Von den drei Seiten-
streifen sind auf allen Fl der proximale und der mitt-
lere silberweiß, der distale bis zum Saum reichende hell-
graubraun. Die Fransen sind auf den Vfl vorn einfach
schwarzbraun, hinten heller gelblich gescheckt und auf
den Hfl breit gelblichgrauweiß und schmal schwarzbraun
gescheckt. Der dunkle Analfleck ist unten nur als schwache
graue Verdunkelung der drei hellen Submstreifen ange-
deutet. Die beiden braunen Submstreifen werden auf ihm
schwarz. Auf dem Vorsprung m! und ml! findet sich je
ein kleiner schwärzlicher Fleck. Die roten Saumstriche
wie oben mattgraurot, zuweilen ockergelb. Am meisten
104 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
weicht die Augenzeichnung ab. Die Vfl. führen gewöhn-
lich zwei gleich große runde bis leicht querovale isolierte
Augen (Durchmesser ca. 4 mm) hinter r! und rll! und
zwei silberweiße Augenflecke hinter subceY und rl!. Das
Auge hinter r!!! ist in einem Falle (1 von 7) rudimentär
und kaum zu erkennen. Die Hfl führen gewöhnlich drei
größere isolierte Augen hinter subc, rl!!! und mı, Auge I
und Ill gewöhnlich rund, II queroval. Auge I ist ge-
gewöhnlich größer und greift beiderseits über die Adern
über. Die drei Augen stehen in gerader Linie in Richtung
auf den Analwinkel zwischen m!! und subm!. Oft findet
sich noch ein kleines viertes, etwas proximal verschobenes
Auge hinter m!!, Hinter r! findet sich noch gewöhnlich
ein kleiner, sehr undeutlicher heller Augenfleck. Die Iris
ist auf den Vfl hellgelb bis graugelb, auf den Hfl etwas
dunkler gelb bis braungelb gefärbt, ca. '/,—®, mm breit
und fein schwarz und undeutlich licht umrandet. Pupille
schwarz, auf den Hfl mit großem, rotbraunen Kern. Licht-
fleck silberweiß, auf den Vfl als Queroval, auf den Hfl
als Querstrich. Augendurchmesser Vfllänge 52: Vfl 4,4.
Hfl. 7, 5—7, 41,—5. Der rote Vflkostalstreif von sul-
kowskyi fehlt. Die Palpen sind lebhaft ockergelb, basal
mehr oder weniger breit weiß gefärbt, und auf der Schneide
buschig und ziemlich lang (jedoch weniger lang als bei
sulkowskyi), ockergelb mit spärlich schwarzbraun ge-
mengt, behaart. Die schwarzbraune Färbung der Spitzen-
kanten ist ausgedehnter. Der Thorax ist seitlich gelblich-
weiß behaart und an den Kanten hellgelbbraun gestreift.
Der Hinterleib ist dicht und ziemlich kurz ockergelb be-
haart. Auf der OÖseite ist der Nacken gelblichbraun, der
Thorax braun, der Hleib fein und kurz gelbweiß behaart.
Die Beine sind wie bei sulkowskyi, nur etwas kürzer
behaart.
Die Zeichnung der Useite hat gleich der von sul-
kowskyı große Aehnlichkeit mit der Zeichnung von
portis (Seitz Tafel 68a und S. 349), so daß wohl alle
drei die lokalen Formen einer Art bilden, zu der auch
Iympharis gehört. Ich traf rhodopteron, der nach
Fruhstorfer sulkowskyi in der Sierra Nevada von Ve-
nezuela vertritt, in der Sierra Nevada de Sa Marta von
Kolumbien im Monat September, der hier einfachen Regen-
zeit, sowohl auf der Nordseite wie auf der Südseite des
Gebirges in einer Höhe von 1500—2100 m. Er flog von
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 105
91/,—12!/, ein bis zwei bis drei m hoch unregelmäßig an
und im Walde vorwiegend um Chusque, die hier anschei-
nend in einer Varietät tiefer heruntergeht, und war nicht
schwer zu fangen. Leider glückte es mir nicht, das ©
dieses schönen Morpho zu erlangen.:
Sulkowskyı bewohnt nach Fruhstorfer die Kordil-
leren von Kolumbien bis Bolivien, in Kolumbien als Stamm-
form von sulkowskyi, in Ekuador als var. sirene,
in Peru als var. zephyritis, in Bolivien als var. eros,
welche alle relativ wenig voneinander abweichen, wenn
man die Variabilität ein und derselben Art berücksichtigt.
Nähere verwandtschaftliche Beziehungen bestehen sicherlich
zu Iympharis Peru und portis Brasilien, beides an-
scheinend mehr oder weniger ebenfalls Gebirgstiere.
Von der stolzen hekuba-Gruppe (iphimedeia-Gruppe
Fruhst.) finden sich in Kolumbien perseusundth.eseus.
Vielleicht wird auch noch hekuba im Amazonasgebiet
Kolumbiens dereinst entdeckt.
4. M. perseus Cram. (Seitz S. 337) kommt hier nur
ostandin in der var. iphiklus, nur unter 600 m Meereshöhe
und anscheinend sehr lokal vor; so daß man ihn in dem
einen Flußtale findet, während er in dem benachbarten fehlt.
Auch scheint er in manchen Monaten so selten zu sein,
daß man ihn nicht zu Gesicht bekommt. Obwohl wir
schon seit 1. Mai nach ihm suchten, bekamen wir das
erste Exemplar erst am 30. August zu Gesicht, von da ab
allerdings sahen wir, so lange wir in der dortigen Gegend
weilten — etwa zwei Monate lang — fast täglich ein bis
drei Tiere, aber auch nur in einem einzigen Tale. In
demselben Tale beobachtete ich perseus in anderen
Jahren, das eine Mal ebenfalls im September, das andere
Mal im Februar. Hier erschien er an sonnigen Tagen
schon um 9'/,, im langsamem Schwebeflug die Baumkronen
umziehend, meist in einer Höhe von 6—8 m, nur über
Wiesen und über dem Wasserspiegel sich zu erreichbarer
Höhe (4—5 m) senkend. Er folgte nur gelegentlich und
mehr zufällig dem Flußlaufe, verweilte bald hier bald dort
kurze Zeit und war meist schon nach !/, oder 1), Stunde
‚gänzlich verschwunden, so daß man die wenigen Exem-
plare nur ein- bis zweimal zu Gesicht bekam. Entsprechend
gefärbten Papierschmetterlingen nähern sie sich zuweilen
bis auf 1 m. Einmal sah ich ein g' auf ein Gonop-
teryx menippe dd! bis auf 2 m herunterstoßen.
106 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1994.
In zwei Monaten fingen wir zusammen nur 14 meist be-
schädigte Exemplare. Vfllänge bei 14 g'g! 62—76 mm,
Durchschnitt 69 mm. Flform und Zeichnung entspricht der
Abbildung von v.richardus Brasilien: Seitz, Tafel 69a,
nur ist die Färbung etwas lebhafter und die Zeichnung
etwas schärfer, und die Gelbfärbung der Adern im schwarz-
braunen Außenrande fehlt. Vfl zur spitzen Vflspitze etwas
ausgezogen. Außenrand deutlich konkav. Hifl relativ kurz.
Außenrand nur flach gebogen, deutlich gewellt und auf
r!I wie m! stumpf gezähnt.
Die Färbung der Mittelbinde auf der Oseite der g'g!
schwankt, wıe wohl allgemein bei perseus, in weiten
Grenzen, ihre Form ist dagegen ziemlich konstant. Auf
den Vfl nimmt sie den Wurzelteil zwischen Zelle und
Hinterrand ein, wobei sie vorn in die hintere Zellecke in
Form eines ca. 21/), mm breiten Längsstreifens zwischen rlll
und m! eindringt. Zuweilen ist diesem Streifen noch ein
kleines dreieckiges Fleckchen vorgelagert. Die distale
Grenze verläuft annähernd dem Außenrand parallel gerade
und ziemlich scharf ca. !/;, mm distal der hinteren Zellspitze.
Auf r!!! ist die Binde nur !/,—1 mm breit und verbreitert sich
dann nach vorn hin bis zum Ende hinter subc V auf ca.
10 mm. Vor r!!! verläuft die basale Grenze dieses etwa
dreieckigen Bindenstückes in zwei Bogen in einer Ent-
fernung von 2—3 mm vom Zellschluß zu dem kleinen
weißlichen Kostalfleck. Auf den Hfl nimmt sie den Wurzel-
teil bis etwa zur Flmitte (gewöhnlich etwas über Ab-
zweigung m! hinaus) ein und ist hier undeutlich begrenzt.
Die Mittelbinde ist meist hellgrünlichgrau gefärbt, bald
mehr weißgrau, bald mehr grünlich, vereinzelt auch etwas
bläulich, doch ist stets der dreieckige Bindenteil von rlll
der Vfl mehr oder weniger deutlich gelb-ockergelb gefärbt,
und auch der distale Bindenrand ist gewöhnlich schmal
gelblichbraun. Das Vfldreieck ist bald hell weißlichgelb,
bald ockergelb, bald tief rötlichockergelb gefärbt und die
letztere Färbung verbreitert sich dann gewöhnlich im
distalen Vflbindenteil bis nahe an den Hinterrand. In
einzelnen Fällen ist die ganze Binde gleichmäßig bräunlich-
ockergelb gefärbt, etwas mit grau oder grün gemischt. Die
Vflzelle ist im ganzen oder nur am Zellschluß 'schwarz-
braun gefärbt, sonst hell-olivbraun, und zuweilen ganz
schwach graugrün bestäubt. Der Außenrand ist schön
tief schwarzbraun gefärbt. Die Vfl führen in ihm proximal
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 107
eine Reihe von fünf ca. 2—3 mm großen rundlichen
Augenflecken, die meist tief rötlichockergelb, zuweilen mehr
weißgelb-grauweißgelb gefärbt sind. Außerdem haben alle
"FI noch zwei Reihen von scharfen lebhaft rötlich ocker-
gelben Flecken, die der proximalen und der mittleren
Reihe der Sbmflecken entsprechen. Auf den Vfl bestehen
beide Reihen aus sechs Flecken, von denen der sechste
geteilt ist, die proximalen sind groß, ca. 3—3"), mm, die
drei ersten vorn mehr viereckig, die folgenden pfeilspitzen-
förmig. Der geteilte letzte strichförmig, die distalen sind
schmal bogenförmig. Auf den Hfl sind die sieben bis acht
proximalen Flecken meist etwas kleiner und vorn rundlich,
die hinteren viereckig, die sieben distalen gleichen denen
‚der Vfl. Die Fransen aller Fl sind scharf gescheckt (hinter
m! der Vfl und r!! der Hfl doppelt, d.h. je ein dunkler
Fransenteil auf und zwischen den Aderenden) und zwar
auf den Vfl ockergelb-weißgelb, auf den Hfl weiß- weiß-
gelb. Die Useite hat im allgemeinen eine graurotbraune
Grundfarbe, die zuweilen leicht purpurn getönt ist, seltener
mehr ins gelbbraune übergeht, mit helleren Binden, die
einen entsprechenden Farbenton haben, aber oft außerdem
noch mehr oder weniger stark grauweiß-hlasilbergrau be-
stäubt sind. Die gleiche Bestäubung können die dunklen
Augenbinden tragen. Abweichend und charakteristisch
‚ist stets der Vflteil hinter der Zelle und Ader r!!! bzw.
Auge drei gefärbt, nämlich schwarzbraun mit drei ocker-
gelben-rötlichbraunen Zacken im Wurzelfeld und ocker- bis
weißgelber Mittelbinde und Augenflecken. Die Mittelbinde
ist schmal, auf den Vfl vor r!!! durch einen dunklen Quer-
streif geteilt (cf. adonis) und auf den Hfl zwischen r!! und
rl fast rechtwinklig gebogen... Im dunklen Hflwurzelteil
finden sich drei helle Querbinden, die sich bei den meisten
Morpho wiederfinden (als Reste z. B. bei der mene-
laus- und achilles- Gruppe), zwei schmale, meist
unterbrochene und vorn gewöhnlich grauweiße durch Zell-
wurzel und Mitte, und eine breitere durch das Zellende,
wobei auf dem (fehlenden) Zellschluß ein dunkler Quer-
streif bleibt (cf. den dunklen Fortsatz bei rhetenor und
cypris). Die Vflzelle führt die übliche Zeichnung: zwei
bis drei hellrotbraune Wurzellängsstrahlen, ein gleicher
Zackenquerstreifen am Zellende und zwei gewöhnlich
grauweißrote Zackenquerstreifen beiderseits Zellmitte, die
zuweilen hellrotbraun angelegt sind. Die dunkle Augenbinde
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein IV
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924
108 Deutsche Entomol. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
hebt sich gewöhnlich auf allen Fl. scharf ab und ist
proximal flachwellig, distal auf den Vfl zackig, auf den
Hfl stark wellig begrenzt. Die Vfl führen gewöhnlich
vier Augen zwischen r! und m!! in gerader Reihe, die Hfl
fünf bis sechs Augen zwischen r! und sbm.! und bei r!! —r!!!
in fast rechtwinklig gebogener Reihe. Das Auge hinter
r!! fehlt auf den Vfl zuweilen, auf den Hfl gewöhnlich.
Die Augen sind klein, ca. 3—4 mm Durchmesser, — nur
die zwei letzten Vflaugen sind größer, — und rundlich —
längs- oder queroval geformt. Das vorletzte Hflauge
ist meist distal konkav. Die Iris ist schmal, meist lebhaft
rötlich ockergelb gefärbt und fein schwarz geringt, selten
noch undeutlich hell geringt. Die Pupille ist schwarz und
fein silberweiß bestäubt. Der Lichtfleck hat die Form
eines auf den Vfl feineren, auf den Hfl breiteren Bogens.
Augendurchmesser bei Vfllänge 72: Vfl 4'/,, 21/,, 51/,:6'%,
6:7. Hfl 6:4'),, 4, 1/,, 4 4'/,, 6:31/,. Von den drei
hellen Submwellenlinien sind die distale und die mittlere
rötlichockergelb gefärbt, am Analwinkel wird die distale
weißlich und die mittlere ist dort grauweiß unterbrochen
(cf. adonis). Die proximale ist breiter und grauweißrot
gefärbt, nur auf den Vfl hinter r!!! hellockergelb. Auf allen
Fl finden sich in ıhr oft zwischen den Adern undeutliche
ockergelbe Längsstrahlen, die zuweilen bis an die Augen
durchgehen. In den proxim. Buchten treten gelegentlich
Andeutungen der Submflecken der Oseite auf. Von den
zwei dunklen Zwischenwellenstreifen ist der distale scharf
und schmal schwarzbraun, der proximale matter und breiter
dunkelbraun. Die Vfl haben keinen roten Kostalstreif.
Die Palpen sind weiß-gelblichweiß, meist ohne deutlichen
gelbbraunen Längsstreif. Der Thorax ist seitlich hellgrau-
braun bis weißgelb beschuppt und behaart. Die Schräg-
streifen sind braun; der vordere führt oben einen kleinen
weißen Fleck. Die Zwischen-, Vorder- und Hinterflächen
sind hellgraubraunrot lang behaart, seltener hellweißlich-
graubraun. Der Hinterleib ist unten braun behaart, mehr
oder weniger mit gelbgrau oder graubraun gemischt. Öseite:
Kopf, Nacken, vordere Thoraxhälfte dunkelbraun, hintere
Ihoraxhälfte und Hinterleib gelbgrau, mehr oder weniger
grünlich. Vorderbeine: Schenkel außen lang weiß behaart
und beschuppt, unten weiß, oben und innen schwarzbraun
beschuppt, Tarsus und Fuß oben rötlichockergelb, seitlich
hellockergelb und weiß, unten weiß, innen schwarzbraun
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 109
- beschuppt bzw. behaart, in der basalen Tarsushälfte mehr
_ beschuppt, in der distalen behaart, außen und unten länger.
Ich sah und fing nur ein einziges, ziemlich stark be-
_ schädigtes @ am 27. 9., das sich nach einem regnerischen
Vormittag auf einen über den Fluß gefallenen Baumstamın
setzte. Vfllänge 72. Die Färbung entspricht der Beschrei-
bung Seitz S. 337.
Die Mittelbinde ist breiter als beim g', besonders auf
den Hfl und auf den Vfl hinten (auf Vfl rl!!! ca. 2, mil 6,
Hfl m! 6 mm breiter) und heller gefärbt: auf. den Hfl
hellweißlichgraugrün, distal etwa von Abzweigung m! ab
allmählich in olivbräunlich übergehend, auf den Vtl grün-
lichweißgrau, etwas distal Abzweigung m!! in hellocker-
gelbgrau übergehend, ganz am Rande gelblichbraun, das
Dreieck vor rl!!! weißlichockergelb. Die Vflzelle ist mit
Ausnahme der Gegend am Zellschluß heller braun gefärbt
und an der Wurzel grüngrau bestäubt (hinten etwa bis
Abzweigung m!l), weiter distal an der hinteren Zellecke
von mll—-r!! breiter und deutlicher ockergelbgrau. Der
Außenrand ist etwas heller schwarzbraun gefärbt als beim
g'. Die Augen- und Submflecken sind größer und heller.
Auch die distale Submwellenlinie ist hier auf den Vfl als
feine Wellenlinie, auf den Hfl als feine Bogenflecke am
Saum vorhanden. Fransen weiß und schwarz gescheckt.
Die Useite ist viel heller gefärbt. Hflaußenhälfte und Vflspitze
distal Zelle vor r!!! srauweiß, schwach silbrig, mit durch-
scheinender Fleckenzeichnung der Oseite. Hiflwurzel
weißgrau aber durch bräunliche Tönung etwas abgehoben.
Die hellen Querbinden undeutlich darin sichtbar. Vflzelle
hellgraubraun mit weißlichen Zeichnungen. Der Raum
hinter Zelle und r!!! wie beim g' kontrastierend durch
basal dunkelbraune, distal schwärzlichbraune Grundfarbe
und weißlichockergelbe Zeichnung. Von den Augen sind
nur die beiden Vflaugen hinter r!!! und m! scharf ge-
zeichnet und ziemlich groß (5 resp. 7? mm). Auge I hinter
r! ist rudimentär, Auge II hinter r!ein gelblichweißer Fleck.
Die Hfl führen vier ähnlich wie beim g', aber feiner
_ und etwas unscharf gezeichnete Augen hinter subc., rl,
m!, ml! (Durchmesser 4, 21/,, 3'1/,, 4/, mm). Subm-
streifen ganz undeutlich, zum Teil nur durchscheinend.
Fransen wie oben, nur feiner gescheckt. Palpen weiß,
Kanten braun. Thorax seitlich hellrötlichgelb, an Kanten
gelblichweiß. Hleib unten gelblichweiß. Oseite: Thorax
110 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
braun, hinten graugrün gemischt. Hleib grünlich-grauweiß,
Vbeine rundum weiß-weißgelb beschuppt.
In Surinam sah ich perseus gleichfalls ganz lokal,
aber häufiger während des ganzen Monats Dezember am
Maronifluß, so lange ich dort weilte. Die g'g! flogen hier
etwa von 81/),—12—12!/, in ruhevollem Schwebefluge mit
gelegentlichen plötzlichen Seitenschwenkungen um die
Baumkronen, wobei sie bestimmte Zugstraßen bevorzugten,
sie vermieden jedoch die Ufer des breiten Stromes. Ge-
legentlich trafen sich zwei und umkreisten sich einige Male.
Ueber einer ziemlich unwegsamen Lichtung senkten sie
sich in langsamem Wellenfluge bis auf 6 und 4 m.
Es war hier fast unmöglich ihnen nachzulaufen, aber ich
konnte sie durch braune und blaue Papierschmetterlinge
heranlocken. Diese hatte ich an einer 4m hohen Stange
mit Fäden befestigt und wenn der Wind sie bewegte,
näherte sich ihnen der eine oder andere perseus bis
auf 1 oder 2 m. Zogen schwere Wolken an der
Sonne vorbei, so setzten sie sich so lange hoch in die
Baumkronen. Der surinamsche perseus g' weicht von
dem kolumbianischen beträchtlich ab. Er ist etwas größer,
51 g'g' 65—80 mm, Durchschnitt 73 (ein Exemplar 60 mm).
Die Fliorm ist etwas anders. Die Vflspitze ist nicht aus-
gezogen. Bei gleicher Vfllänge sind daher die Vfl hinten
und die Hfl im ganzen länger, und alle Fl etwas breiter.
Der Vflaußenrand ist wie bei v.iphiklus ausgeschnitten
und alle Außenränder sind in gleicher Weise gewellt.
Bemerkenswert ist, daß sowohl bei perseus wie bei
rhetenor und menelaus die Vflspitze in Kolumbien
stärker vorgezogen und die Submfleckung deutlicher ist
als in Surinam. Hinsichtlich der Färbung der Mittelbinde
ist der surinamsche perseus schärfer in eine ockergelbe
und eine hellblaue Form geschieden. Bei beiden Formen
ist der Farbenton ein viel lebhafterer, entweder gleich-
mäßig hellblau bis weißblau, bzw. graublau, oder auf den
Vfl tief rötlich ockergelb, auf den Hfl grünlichblauweiß mit
Ausnahme eines kleinen ockergelben Teiles distal vorn,
etwa vor Dz I und Il. Von den 52 g'g'! gehörten 29 der
blauen f. crameri und 23 der ockergelben f.scipio an.
Auch die @Q0 kommen nach Fruhstorfer dort in beiden
Farben vor f. perseus bzw. f. metellus. Zwei Na-
men, etwa perseus Z'Q und metellus g'Q wären
wohl ausreichend. Bei beiden Formen ist die Mittelbinde
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 111
_ schärfer begrenzt als bei v.iphiklus, auf den Vfl außer-
dem ca. 4-5 mm breiter und hier auf den Adern deutlich
gezackt. Die Submflecken und die Augenflecken sind
“ sehr klein und meist mit Ausnahme der proxm. Vflsubm-
flecken ganz undeutlich. Die Augenflecken haben, wenn vor-
handen zwischen den Zacken der Mittelbinde deren Farbe,
vor derselben sind sie rötlich ockergelb (stets?). Die
Fransen sind bei der blauen Form weiß und schwarzbraun,
bei der ockergelben auf den Vfl ockergelb, auf den Hfl weiß
bis gelbweiß und schwarzbraun gescheckt. Die Useite ist
ebenso gezeichnet wie bei v. iphiklus, aber im allge-
_ meinen etwas dunkler gefärbt, die dunklen Binden sind
meist purpurbraun getönt, die hellen Binden und die Hfl-
augenbinden gegen den Analwinkel vielfach silbergrau
bis silberlila bestäubt. Die Fransen sind ähnlich wie oben,
aber feiner und auf den Vfl undeutlich gescheckt. Palpen
gelbweiß, auf der Schneide, — bei der gelben Form mehr
unscharf rötlichockergelb. -Hleib oben hellbläulich — bzw.
gelblichweiß, sonst Körper und Beine wie bei v.iphiklus.
Ich fing nur ein der blauen Form angehörendes © von
68 mm Vfllänge am 19. 12. um 11'/, vormittags, das sich
auf einem Dach aus trockenen Palmblättern herumtrieb.
Die Hfl sind rundlicher als beim g'. Die Form der Mittel-
binde entspricht der des g', aber die Farbe ist ein etwas
helleres Blau, das auf den Vfl in dem dreieckigen Binden-
teil vor rl!!! größtenteils rein weiß wird. Vor und zwischen
den Bindenzacken der Vfl stehen fünf deutliche kleine
blauweiße Augenflecken. Auf den Vfl dringt die blaue
Färbung hinten etwa 2 mm breit in die Zelle ein. Vflzelle
hellbraun, Zellschluß dunkelbraun. Außenrand schwarz-
braun, aber etwas heller als beim g'. Alle Fl führen wie
beiv.iphiklus © drei Reihen kleiner, rötlich ockergelber
Submflecken. Auf den Hfl sind alle scharf und alle bogen-
förmig mit Ausnahme des ersten proximalen, der rund ist.
Auf den Vfl sind die distalen sehr undeutlich und strich-
förmig, die der zwei anderen Reihen scharf, klein und
rund. Die Fransen sind scharf weiß und schwarzbraun
gescheckt. Die Useite ist ähnlich, wie beiv.iphiklusQ
gezeichnet, nur etwas schärfer und lebhafter. Palpen,
Körper und Beine wie bei v.iphiklus 9, nur der Ihorax
ist seitlich mehr grauweiß und graurot behaart. Perseus
findet sich nach Fruhstorfer in Guayana, dem Amazonas-
gebiet, dem mittleren Brasilien und auf der Ostseite der
112 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Anden von Kolumbien bis Bolivien. Er hat anscheinend
überall und besonders in Guayana, wo er wohl beheimatet
ist, eine vermutlich ältere Form mit rötlichockergelber
Mittelbinde und eine zweite, bei der die Mittelbinde ent-
weder nur im Wurzelteil und dann hauptsächlich auf den
Hfl, oder ganz hellblau bis grünlichgrau wird. Die Gua-
yanaform weicht von der kolumbianischen, wie oben be-
schrieben, ziemlich stark ab, die übrigen Formen scheinen,
soweit sich dies nach den Angaben im Seitz beurteilen
läßt, der kolumbianischen Form sehr nahe zu stehn.
5. M. theseus Deyr. (Seitz S. 336) ist ein sehr naher
Verwandter von perseus. Beide stehen sich hinsichtlich
des Baues der männlichen Genitalien, der Flform und der
Zeichnung, besonders der Useite so nahe, daß man
vermuten möchte, theseus ist die westliche Form von
perseus, die sich westlich der Ostkordilleren entwickelt
hat, später aber wieder östlich vorgedrungen ist und jetzt
ostandin als völlig getrennte Form zusammen mit perseus,
vorkommt. Theseus ist größer als perseus, Vfllänge
im Durchschnitt von 57 g'g!:74!/, gegen 69 mm von
perseus v. iphiklus. Die Hfl sind im allgemeinen
nach hinten hin etwas runder und länger und auf r" und
m! stärker gezähnt. Was die Zeichnung der Öseite an-
betrifft, soisttheseus daran zu erkennen, daß die schwarz-
braune Grundfarbe zurückgedrängt ist auf einen nur etwa
5—10mmbreiten Außenrand und auf einen charakteristischen
abstechenden hakenförmigen Fleck distal am Zellschluß,
der ein wenig in die vordere Zellecke hineinragt. Der
übrige Flteil ist entweder ganz von der stark verbreiterten
und dann kreideweißen Mittelbinde eingenommen (v. ju-
turna) oder er ist hellolivbraun mit einem kleineren (v.
theseus) oder größeren (f. aquarius) hellweißgrauen
Wurzelfeld, in das er ganz allmählich übergeht. Die Reihe
der Augenflecken ist verschieden entwickelt. Alle Fl führen
stets drei Reihen von Submflecken (bei perseus ge-
wöhnlich nur. das ©.) Die proximalen sind größer und meist
rundlich oder viereckig, die mittleren und distalen fein und
entweder als isolierte Bogen, oder als zusammenhängende
Wellenstreifen entwickelt. Die Fransen sind bei v. the-
seus einfach schwarzbraun, bei v. juturna nur an den
Enden fein weiß gescheckt. Die Useite ist meist etwas
matter gezeichnet. Die Augenpupille ist nur bei den zwei
letzten Vflaugen schwarz, sonst lilagrau bisgrau. Die helle
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 113
Vflzeichnung hinter Zelle und rl!!! ist meist einfach hell-
rotbraun, zuweilen distal gelbbraun, nur bei v. juturna ©
ockergelb. Die Anlage der Zeichnung ist genau dieselbe.
Theseus ist weiter verbreitet und häufigeralsperseus,
_ er findet sich sowohl ostandın in einer weißen Form: v.
juturna, wie westandin im Magdalenatale und am Stillen
Ozean in einer hellolivbraunen: v. theseus. Er findet
sich wie perseus in regenreichen Urwaldtälern, wo er
etwas höher hinaufgeht als dieser, etwa bis 1000 m. Auf
der trockeneren Westseite des Magdalenatales habe ich
ihn nicht beobachtet. Theseus scheint ziemlich das
ganze Jahr hindurch zu fliegen, aber wahrscheinlich in
_ den Regenzeiten viel häufiger. In manchen Jahren, an-
scheinend in den trockneren, ist er seltener. Ostandın beı
Villavicencio sah ich ihn stets in ziemlich gleicher Zahl,
wenn ich dort war, das heißt in allen Monaten des Jahres
mit Ausnahme der Monate Januar, Februar, März, welche
drei Monate dort die Haupttrockenzeit vorstellen (die
Augusttrockenzeit ist kurz, schwach und kann ganz fehlen).
Einmal weilte ich dort auch vom 22. I. bis 5. II., sah
aber während dieser Zeit keinen theseus, wohl perseus
und adonis. Am stillen Ozean sah ich theseus im
Norden am Rio San Juan von April bis Juli (Regen-
monate) im Süden am Rio Micai, wo man überhaupt
keine eigentliche Trockenzeit mehr kennt im Oktober, an
beiden Orten ziemlich regelmäßig und in ziemlich gleicher
Zahl bis etwa 900 m. Am Magdalena in der weiteren
Umgebung von Muzo fand ich theseus 1915 im Oktober
ziemlich häufig, im Jahre vorher, das sehr trocken war,
in den Monaten Juli, August, Dezember überhaupt nicht.
In der dortigen Gegend ist die Sommertrockenzeit viel
ausgesprochener als die des Winters (erstere etwa Mai
bis September, letztere etwa Januar bis März).
Theseus erscheint gewöhnlich um 9 Uhr (auf der Ost-
kordillerenostseite. meist später gegen 10 Uhr), wenn die
Sonne schon die Waldoberfläche erwärmt hat und 'die
warme Luft aufzusteigen beginnt und fliegt auch an leicht
bedeckten Tagen (dann später) bis 12 oder 12'/, Uhr (an
Fruchtköder traf ich ihn noch bis 1 und 1’), Uhr). In
prachtvollem langsamen Schwebefluge, nur gelegentlich,
etwa alle zwei Sekunden anziehend, umsegelt er dann die
Baumkronen 6—10, meist 15—30 m hoch. Zuweilen ändert
er mit einer jähen Schwenkung die Richtung und gleicht
114 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
dann vollkommen einem jener großen trocknen braunen
Blätter, wie sie in den Tropen im Morgenwinde sich öfter
von den Baumkronen lösen, langsam im Kreise hernieder-
schweben und gelegentlich von einem Windstoße wieder
emporgetrieben werden, wobei sie in Sonnenlichte hell,
fast weißlich glänzen.. Oder er sucht die oft 800 m hohen
steilen Waldhänge von unten nach oben mit häufigem
(etwa alle halbe Sekunde) regelmäßigen schwerfälligen
Flschlage ab. Dabei übersteigt er oft die Kämme und
zieht von einem Tal ins andere. Er fliegt meist in un-
erreichbarer Höhe, nur da, wo eine grüne Wiese den
Waldhang unterbricht, oder über Wasserflächen geht er
tiefer hinunter, die ersteren hält er wohl für Waldober-
fläche und bei den letzteren wird ihm das Spiegelbild eine
doppelte Entfernung vortäuschen. Frische Exemplare traf
ich zuweilen gegen 11 Uhr auf Kot (von Maultieren,
Schweinen oder auch Menschen), wo sie mit geschlossenen
Fl ganz vertieft saugten und eventuell mit den Fingern zu
fangen waren. Hier wie bei allen Schmetterlings-g'g' auf
feuchter Erde oder Kot muß man warten, bis sie voll-
ständig ruhig sitzen, so lange sie noch mit dem Rüssel
umhertasten oder mit den Fl schlagen, sind sie wachsam
und scheu. Wenn sie auf Kot sitzen, gleichen sie mit
ihrer rotbraunen Useite vollkommen einem trocknen Blatt.
Der zarte Körper gibt dann der großen Flfläche so wenig
Halt, daß jeder stärkere Windstoß sie von einer Seite zur
anderen umlegt. Auch auf Bananen und anderen Früchten
trifft man sie an; hier fing ich aber nur ältere Exemplare.
In der Nähe von Früchten und Kot setzen sie sich auch
gelegentlich niedrig, 1—2 m hoch, auf ein Blatt. So fing
ich bei Muzo mein erstes und ganz frisches Exemplar auf
einem Blatt in 2m Höhe, wo es sich beim Auffliegen von
einer kotigen Stelle in einem tiefen Waldtale um 1", Uhr
nachmittags zur Ruhe setzte. Schon seit zwei Wochen
hatte ich dort theseus in einer Höhe von 30 m um die
stolzen Urwaldriesen fliegen sehen. Alle 2—3 Tage senkte
sıch wohl einer um die Mittagszeit einmal tiefer herab bis
auf etwa 3 m, aber trotz des anscheinend langsamen Fluges
war es auf den glatten Kieseln der Geröllbank nicht
möglich, ihn zu überholen. Die @Q sind selten. In der
Östkordillere sah ich im ganzen etwa vier, stets an warmen
bedeckten, selbst regnerischen Tagen, wo sie meist gegen
11 Uhr, in einem Falle schon um 10°/, Uhr, 6—-10 m hoch
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 115
langsam von einem Baum zum anderen flogen, oder von
einem Baum als Standort kurze Ausflüge machten. Die
OD dieser hochfliegenden Arten der hekuba- und
rhetenor-Gruppe verbringen ihr Leben in den Baum-
kronen und meist wohl auch auf einem beschränkten
Raum, da sie vermutlich nur ein Gelege machen, nur
adonis-Q@ sah ich in schnellem Fluge die Bäume eines
größeren Bezirkes bei der Eiablage, die hier wohl verteilt
stattfindet, absuchen. Erst wenn sie alt und beschädigt
sind, fliegen sie tiefer. Im Chocogebiete verfing sich
ein solches Q in einem Spinngewebsnetze, aus dem es
sich nicht befreien konnte, am 26. VI. um 11 Uhr vormittags,
ein zweites fingen wir am 6. VI. um 12 Uhr auf einem
Bananenblatt etwa 2 m ‚hoch in der Nähe von überreifen
Bananen sitzend.
Im Magdalenatale und am stillen Ozean findet sich
die v. theseus mit hell olivbrauner Grundfarbe.
Beim g' ist der Außenraum ca. 7—10 mm breit dunkel-
braun. Die gleiche Farbe hat der Hakenfleck am Zell-
schluß. Die Flwurzel ist hellweißgrau gefärbt, zuweilen
leicht grünlich oder bJäulich mit ganz allmählichem Ueber-
“gang in die olivbraune Farbe. Auf den Vfl dringt diese
Wurzelfärbung vorn nur wenig und ganz basal in die
Zelle ein, distal reicht sie gewöhnlich bis Abzweigung ml.
Auf den Hfl nimmt sie die Wurzelhälfte der Fl ein. Der
grauweiße Kostalfleck besteht aus zwei gegeneinander
abgesetzten viereckigen (ca. 4 mm langen) Flecken hinter
cost. und subc. Die Reihe der Vflaugenflecken umfaßt
fünf Flecke, der erste ist groß (ca. 4), mm), rund, scharf
und hellockergelb, die anderen sind klein (ca. 2 mm), pfeil-
spitzenförmig, unscharf und weißgrau. Die Reihe der
proxim. Submflecken führt auf den Vfl sechs große (ca.
4 mm), viereckige, scharfe, hellockergelbe Flecke, von
denen der letzte geteilt ist, auf den Hfl sieben etwas kleiı-
nere, von denen die vier ersten rundlich bis queroval,
die letzten bogenförmig sind, von gleicher Farbe und
Schärfe. Die mittlere und distale Reihe sind als feine
hellockergelbe Wellenstreifen vorhanden, die auf den Vfl-
adern etwas verdunkelt sind. Auf der Useite sind die
auch bei perseus vorhandenen rotbraunen Radiärstrahlen
der proxim. Submfleckenreihe oft besonders auf den Hfl
stark verlängert, sie reichen zuweilen durch die Augen
und durch die Mittelbinde hindurch bis in die dunkle
116 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1994.
Zellschlußbinde. Die pazifischen Exemplare sind gewöhn-
lich beiderseits etwas lebhafter gefärbt und unten öfter
purpurbraun getönt. Unter den Magdalenatieren finden
sich vereinzelt hellere und verschwommen gezeichnete
Formen: f.aquarius, die zu der ostandinen v.juturna
hinüberleitet. Bei dieser f. aquarius ist die weißgraue
Wurzelfärbung vielheller und vielausgedehnter, sowohlnach
vorn durch die Vflzelle, wie distal, wo sie auf den Vfl bis zur
Gegend der Augenflecken reicht. Der dunkelbraune Außen-
rand ist etwas heller und geht in den hier sehr schmalen oliv-
braunen Teil im Gegensatz zu v.theseus ohne erkenn-
bare Grenze über. Die Submflecken sind viel undeutlicher,
die proximalen sind grauweiß statt ockergelb und fehlen
auf den Hfl hinten ganz, Die dunkle f. thiasus (Seitz S.
336) dürfte wohl aberrativ sein. Vfllänge von v.theseus:
Magdalena 12 g'g' 71—85 mm. Durchschnitt 77, pazifische
Küste 19 g'g' 71—80 mm, Durchschnitt 75 mm. Augen-
durchmesser bei Vfllänge 83 (Magdalena) Vfl. 41), :5'/,, 6,
8. Hfl 51:6, 5, 5:51), AU: bi, 6744, Das Hatziası
dieselbe Flform wıe das g'. Die Ränder sind stärker
gewellt und gezähnt. Auf der Oseite sind alle Flecken
heller gefärbt und größer. (Kostalfleck 8 mm, erster Augen-
fleck 5 mm, die folgenden 3 mm, die proxim. Vflsubm-
flecken ca. 5 mm). Die Useite ist viel heller gefärbt. Die
dunklen Binden sind hellgraubraun, die hellen Binden
hellweißgrau und breit. Augendurchmesser bei Vfllänge
85 mm. Vfl 4, 6:7, 7:8, Hil bY,, 31 Dar
Vfllänge @: Magdalena 6 09 79, 80, 82, 85, 88, 90 mm,
pazifische Küste 2 @9 76 und 78 mm.
Die ostandine v. jJuturna weicht von der westandinen
v. theseus beträchtlich ab. Sie ist etwas kleiner. Vfl-
länge 26 g'g! 67—77, Durchschnitt 73 mm. Die Flform
ist eine andere: die Vflspitze ist bei beiden Geschlechtern
viel schärfer zugespitzt, der Vflaußenrand stärker konkav.
Die Oseite hat eine schöne reine gleichmäßige, fast kreide-
weiße Grundfarbe, die beim Vergleich mit rein weißem
Papier eine schwache graue bis graublaue Tönung zeigt.
Nur der schmale Außenrand und der Hakenfleck am Vfl-
zellschluß sind lebhaft kontrastierend, tief schwarzbraun
gefärbt.
Der schwarzbraune Außenrand ist beim g' auf den Vfl
am Vrande sehr breit, ca. 20 mm, verschmälert sich dann
stark und in gleichmäßigem Bogen bis r!!! auf ca. 7—10
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 117
mm, darauf verläuft er in ziemlich gerader Richtung, aber
auf den Adern ca. 2—-3 mm weit zackig vorspringend
nach hinten (Breite auf subm. 6—7 mm). Auf den Hfl
hat er eine ziemlich gleichmäßige Breite von ca. 7—10
mm (zwischen den Adern) und verläuft etwa parallel dem
Außenrande. Der Hakenfleck ist auf der subc. ca. 12 mm
lang. Der Kostalfleck ist klein, weiß und mit der Grund-
färbung verbunden. Von der Augenfleckenreihe sind ge-
wöhnlich nur die beiden ersten Flecke deutlich und auch
diese können fehlen. Der vordere liegt isoliert, ist weißlich
ockergelb und queroval, ca. 1:3 mm. Der zweite liegt
am oder im Weiß, ist weiß und rund und ca. 2 mm groß.
' Die Reihe der proxim. Submflecken hat auf den Vfl sechs
- meist deutliche Flecken. Von diesen liegen die drei ersten
isoliert, die drei letzten am oder im Weiß, die drei bis
vier ersten sind ockergelb, die folgenden weiß oder distal
gelblich, proximal weiß, der erste ist sehr klein und rund
ca." mm Durchmesser, die anderen sind größer, annähernd
gleich groß und rund bis längsoval. Die Größe schwankt
bei den verschiedenen Exemplaren zwischen 1!/, und 3
- mm; der letzte ist geteilt. Auf den Hfl sind von den sechs
proxim. Flecken oft nur die vier ersten deutlich, alle sind weiß
und viereckig, der erste liegt am Weiß und ist ca. 3 mm
lang, die folgenden liegen isoliert und nehmen nach hinten
an Größe und Deutlichkeit ab. Die mittleren Submflecken
haben die Form feiner scharfer gelbroter Bogenflecken
(Vfl 6, Hfl 8), die auf den Hfl hinten oft zusammenhängen.
Die distalen bilden eine feine, dicht am Saume stehende
Wellenlinie, die auf den Vfl gelbgraurot und undeutlich,
auf den Hfl gelbgrauweiß und deutlich ist. Die Fransen
sind nur an den Enden und nur auf den Hfl beiderseits
fein weiß und schwarzbraun gescheckt. Die Useite ist
nicht abweichend gezeichnet. Augendurchmesser bei Vfl-
länge 74 Vfl 21/,:3, 5:54,, 6:6'%. Hil 5%), 2, 5, 5, Alla.
Das © war bisher noch unbekannt. Wir fingen nur
ein @ am 4. IX. um 11 vormittags, das am Waldrande in
900 m Höhe ca. 3 m hoch langsam über einer Wiese flog.
Vfllänge 77 mm. Die Hfl sind etwas länger und runder
als beim g'. Die Außenränder stärker gewellt und ge-
zähnt. Die Zeichnung der Oseite ist der des g' sehr
"ähnlich.
Der Außenrand und der Hakenfleck sind etwas breiter
schwarzbraun (Vflaußenrand vorn 30, hinten 6 mm, Hflaußen-
118 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
rand zwischen den Adern 15 mm) und die Fleckenzeichnung
ist ausgedehnter. Die distale Begrenzung des Weiß ver-
läuft in gleicher Weise, nur ist sie auf den Vfl, nicht
auf den Adern gezackt. In dem vor r!! der Vfl liegenden
Bindenteil wird die weiße Grundfarbe distal weißlich-ocker-
gelb. Die Vfl führen fünf Augenflecken, die beiden ersten
liegen isoliert und sind ockergelb, der erste ıst groß,
scharf und queroval, 2!/,:4 mm, der zweite klein, weniger
scharf und rund, 2 mm, die beiden folgenden liegen zur
Hälfte im Weiß und sind proximal weiß, distal ockergelb,
längsoval 2:5 mm und ziemlich deutlich, der letzte liegt
im Weiß und ist undeutlich gelblichweiß und längsoval. Die
proximalen Sbmflecken sind auf allen Fl ziemlich groß und
scharf, auf den Vfl sind alle sechs isoliert und ockergelb,
der erste ist sehr klein und rund, 1!/, mm Durchmesser.
Die folgenden sind viel größer, längsoval, 4—5 mm lang,
mit einer nach hinten von 1'/), auf 3 mm zunehmenden
Breite. Der letzte ıst in zwei schmale Teilstücke geteilt;
auf den Hfl sind die sechs ersten isoliert und scharf ocker-
gelb, der erste ist schrägoval, 2:5 mm und distal weiß-
bestäubt, die fünf folgenden sind viereckig mit nach hinten
von 3 auf 2'/, mm abnehmender Größe, die beiden letzten
liegen als undeutliche gelblichweiße Bogenflecke im Weiß.
Die mittleren Sbmflecken haben die Form von gelbroten,
im allgemeinen undeutlichen Bogen, die nur auf den Hil
hinten schärfer und zusammenhängend werden. Die di-
stalen bilden feine Wellenlinien dicht am Saum; Färbung
auf den Vfl undeutlich graugelbrot, auf den Hfl scharf weiß.
Die Fransenenden sind auf den Hfl beiderseits, auf den Vil
nur unten fein weiß und schwarzbraun gescheckt. Auf
der Useite ist die Grundfarbe hellgraubraun, die helle
Bindenzeichnung hellrötlichgrau, etwas gelblich, nur aut
den Vfl hinter r!!! ockergelb, hinter der Zelle gelbbraun, die
Mittelbinde vor r!!! in ihrer proximalen Hälfte grauweiß-
rötlich. Von den drei Sbmfleckenreihen ist die proximale
breitgrauweißrot mit durchscheinenden ockergelben Flecken
der OÖseite, die mittlere ein matt braunroter Wellenstreifen,
die distale eine feine, auf den Vfl gelbrote, auf den Hil
weiße Wellenlinie.
Theseus führt wie perseus keinen roten Kostal-
streif auf den Vfl. Die Palpen sind bei allen Formen, g'
wie Q, weiß mit deutlichem rötlichgelbbraunen—gelbbraunen
Längsstreif und starker dunkelbraunen Kantenbehaarung.
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 119
Thorax beim g' seitlich hellrötbraun mit graugelb und
graubraun gemischt beschuppt und behaart. Schrägstreifen
grauweiß, der vordere oben mit graurotem Fleck. Vorder-
(S. I) und Zwischenflächen lang hellrotbraun behaart, mehr
oder weniger mit grau gemischt. Hfläche (S. III) gewöhnlich
hellgraubraun behaart. Hinterleib unten hellgrau-grauweiß,
an den hinteren Segmentkanten oft ockergelb. Oseite:
vordere Körperhälfte dunkelbraun, mehr oder weniger
grau gemischt, Nacken oft rötlichbraun (besonders pazifische
Küste), hintere Hälfte grauweiß bis fast rein weıß (v. ju-
turna) zuweilen schwach grünlich oder hinten gelblich.
Beim © ist der Ihorax seitlich weiß mit rötlichgelbbraun
gemischt. Die Schrägstreifen rötlichockergelbbraun, der
vordere oben mit ockergelbem Fleck. Vorder-, Zwischen-
und Hflächen des Ihorax weiß behaart. Hinterleib unten
weiß, oft hellockergelb gemischt, besonders an Segment-
kanten. Öseite — der des g', nur etwas heller. Vorderbeine
_ des g' wie bei perseus, an der Schenkeloberkante und
am Fuß geht dıe weiße Farbe zuweilen ins hellockergelbe
über, Vorderbeine des Q entweder ganz weiß beschuppt (v.Ju-
turna), oder ganz rötlichockergelb (pazifische Küste), oder
vorn rötlichockergelb, sonst weiß (besonders Magdalena).
Theseus findet sich nach Fr. nur im eigentlichen
Andengebiet. Die westandine hellolivbraune Form v.
theseus kommt etwa von Guatemala im Norden bis
Nordekuador im Süden und Venezuela im Nordosten vor.
Die ostandine Form ist im Norden weiß (v. juturna)
und wurde außer in Kolumbien noch in Ekuador (Sa ]Jnez)
und anscheinend auch in Peru *) (I’arapoto) beobachtet In
Kolumbien sah ich sie nur in den Gebirgstälern, nicht in
den Llanoswäldern. Im Süden (Süd-Peru, Bolivien) wird
sie anscheinend wieder dunkler, graublau-blauviolett (v.
amphitrion und v.susarion). In Brasilien wird the-
seus durch den sehr Ähnlichen herkules ersetzt (Seitz 336).
M. rhetenor Cram. (Seitz S. 350) mit seinem Vertreter
cypris der schönste aller Morpho, ist ein ausgesprochenes
Tier des heißen Landes und zwar der kleineren Flußläufe ım
Urwalde. Er bevorzugt diese und ihre nächste Umgebung
so sehr, daß man sich in einer Gegend, in der er zu Hause
ist, lange Zeit aufhalten kann, ohne ihn zu Gesicht zu
bekommen, wenn man ihn nicht an seinen meist pfadlosen
*) O. Michael. Fauna exotica Jahrgang I Nr. 4 S. 13.
120 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Flugstellen aufsucht. Rhetenor findet sich in Kolum-
bien sowohl am Fuße des Gebirges bis etwa 600, seltener
800 m, wo ich ihn im Mai und September bis November
beobachtete, wie auch in den Llanoswäldern, wo ich ihn
am Rio Humea im März und nordöstlich am Rio Meta,
nahe der venezolanischen Grenze im März und Anfang
April am Ende der dortigen Trockenzeit sah. Ich vermute,
daß er in Kolumbien das ganze Jahr hindurch oder we-
nigstens in der feuchteren Jahreszeit — Ende März bis
Ende Dezember — regelmäßig fliegt. Bei meinem ersten
Aufenthalte in Villavicencio am Ostfuße der Ostkordilleren
fand ich zwei einzelne Vfl dieses schönen Falters, aber
erst bei meinem fünften Aufenthalte entdeckte ich auf der
Suche nach M. perseus ein Tal am Gebirgshange, wo
er regelmäßig flog. Dort widmeten wir uns dann von
September bis November dem rhetenor-Fange.
Nachdem wir mit einiger Mühe einen Abstieg an den
steilen Hängen gefunden hatten, suchten wir uns ein ge-
eignetes Plätzchen im Flußbette, wo der Luftweg durch
Annäherung der beiderseitigen Baumgipfel etwas schmaler
war, und wo sich gleichzeitig ein Ausblick in die Ferne
bot, um das Erscheinen der Falter rechtzeitig genug wahr-
nehmen zu können. Zunächst wählte ich eine Kiesbank,
dıe etwas Bewegungsfreiheit gestattete. Aber es stellte
sıch heraus, daß hier das Netz, mit dem ich gewöhnlich
Morpho fing und das einen Durchmesser von 1 m hatte,
durch die für die dortige Flughöhe von rhetenor —
ca. 6—10 m — erforderliche Stocklänge zu schwer zu
handhaben war. Bei einem sehr schönen und sehr großen
Exemplar ereignete es sich, daß ich das Netz wohl recht-
zeitig in die richtige Höhe und Lage gebracht hatte, daß
ich aber mit dem schweren Gerät dem schnell fliegenden
Tier nicht voraneilen konnte, und daß es infolgedessen
entkam. Deshalb wurde das Netz auf Kosten der Länge
und der Stabilität erleichtert und ein 2 m höherer, leider
schattenloser Standpunkt auf einem mächtigen nur stark
abgeschliffenen und schwer zu besteigenden Felsblock im
Flußbett gewählt. Hier waren die Aussichten — allerdings
mit Gefahr eines Absturzes — besser. Hier ließ ich mich
in den ersten Tagen täglich einige Stunden von der heißen
Tropensonne durchglühn. Dann aber mußte ich Rück-
sicht auf die zu starke Erhitzung des Kopfes nehmen,
baute mir aus Geröllstücken eine wacklige Steintreppe
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 121
an den Felsblock und wartete geruhsam im kühlen Schatten,
mich am Rauschen des Wassers und an der schönen
Natur erfreuend, bis in der Ferne an der Talbiegung
_ ein kleiner leuchtend violettblauer Fleck, tiefer blau als
der klarste Tropenhimmel, vom sonnigen Grün sich abhob.
Dann war es höchste Zeit, eilig binaufzusteigen und sich
bereitzustellen um bei dem schnellen Fluge den Moment
nicht zu verpassen.
hetenor erschien hier gewöhnlich um 10, zuweilen
nach warmen Nächten um 9!/,, wenn das Grün anfing zu
blenden und die Schattenstellen sich erhellten und er-
wärmten und flog rastlos bis 11—11!/,, bei späterem Be-
‚ginn bis 12, selten länger. Die frischen g'g' erschienen
gewöhnlich etwas später und das einzige ©, das wir zu
Gesicht bekamen, um 11'),. Rhetenor hat wohl durch
den .kräftigen schlanken Bau der Vfl, welche mit der
sichelförmig gebogenen Spitze die Hfl weit überragen,
einen schnellen Flug, obwohl er die Fl nicht häufig,
vielleicht einmal in der Sekunde bewegt. Er fliegt ziem-
lich gerade aus, in leichtem Wellenfluge auf und ab, mit
_ kleinen seitlichen Schwankungen, so daß man gewöhnlich
die Stelle, an der er den Standort passieren wird, unge-
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M
i
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|
fähr berechnen kann. An bedeckten Tagen flog er dort
meist unregelmäßiger und höher, 8—10 m, an klaren Tagen,
besonders nach kalten Nächten, und um die Mittagszeit
nach 11 regelmäßiger und tiefer, 5—7 m. In der Regel
waren es während dieser drei Monate täglich 2—3, an
günstigen Tagen 4—5 Tiere, die man jedes etwa 2—3 mal
zu Gesicht bekam. Im allgemeinen verfolgten sie den
Flußlauf bergan, kehrten dann dort, wo das Ihal enger
und der Wald höher und finsterer wurde, wieder um, um
entweder denselben Weg zurückzufliegen, oder seitlich
höher die Hänge entlang talab zu ziehn und nach 15—30
Minuten wieder flußaufwärts fliegend zu erscheinen. Fingen
wir täglich zwei Exemplare, so waren wir sehr zufrieden,
dabei waren die meisten noch, wie alle hochfliegenden
Morpho. beschädigt. Aber welches Hochgefühl war es
‚dann auch, ein frisches Exemplar mit seinem wunderbaren
feurigen blauen Glanze im Netz zu sehen. Dann galt es
eilends herabzusteigen, damit das Tier sich nicht beschä-
digte, denn bei der Größe und Leichtigkeit des Netzes
‘war es nicht ratsam, das Netz in der Luft zu wenden und
einzuziehen, es wurde auf den Boden auf eine zu diesem
122 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Zwecke geebnete Stelle geschlagen. Viele Exemplare hatten
vom Streifen durch die Baumkronen Spinnegewebsfäden
an den Vfl. Ich versuchte rhetenor mit blauen und
gelben an einen Faden gebundenen Papierschmetterlingen
anzulocken. Die gelben blieben ganz unbeachtet, wohl
weil der Farbenton nicht mit dem der QQ übereinstimmte,
den blauen näherte sich gelegentlich der eine oder andere
etwas. Zuweilen wurden sie bei ihrem Fluge von einer
Prepona belästigt, dann flogen sie höher und unregel-
mäßiger. Trafen sich 2 g'g', so umkreisten sie sich einige-
male und trennten sich dann wieder. Der kolumbische
rhetenor weicht in Größe, Flform und Zeichnung be-
trächtlich von der Stammform in Guayana ab. Ich sah
rhetenor in Surinam November bis Februar relativ selten
und fing dort nur 1 g' von 68 mm Vfllänge, dessen
Vflspitze 5 mm gegen die Linie des hinteren Außenrandes
vorspringt. Der kolumbianische rhetenorist bedeutend
größer. Vfllänge bei 29 g'g' vom Fuße des Gebirges
68—82 mm, Durchschnitt 77'Y/,, 1 @ 85 mm, bei 15 gJ'g!
aus den Llanos 66—79, Durchschnitt 74. Die Vflspitze
ist stärker nach außen vorgezogen, bei einem g' von eben-
falls 68 mm Größe springtsie 10 mm weit vor. Rhetenor
hat ein stark spiegelndes, ziemlich dunkles Blau, das je
nach dem Reflexionswinkel meist dunkelviolettblau (an der
Spitze stärker), zuweilen grünlichblau schillert. Der Vfl-
vorderrand ist vor der Zelle breiter schwarz bis zur
subcost, distal der Zelle schmaler. Die Vflspitze ist wieder
breiter schwarz, aber weniger breit, als bei der Stamm-
form. Der Außenrand ist hinter der Vflspitze auf allen
Fl deutlich gewellt und scharf weiß und schwarz gescheckt,
viel schärfer als bei der Stammform.
Der kolumbianische rhetenor hat auf den Vfl oben
stets ein bis zwei Reihen weißer Submflecken zwischen
subcost’ und submedia. Die distale Reihe hat fünf bis
sechs kleinere oft undeutliche Flecke, die zwei ersten stehen
etwas vom Rande ab und sind strichförmig, die vier fol-
genden stehen dicht am Rande und sind mehr viereckig.
Alle liegen im Rande des Blau, sind oft undeutlich und
können ganz fehlen. Die proximale Reihe liegt in der
Mitte zwischen hinterer Zellecke und Rand und hat sechs
bis sieben größere scharfe weiße Flecken, der erste ist
kleiner und längsoval, die folgenden fünf bis sechs sind
pfeilförmig mit "distal gerichteter Spitze und größer (der
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 20
vierte. ca. 2:4 mm), der letzte hinter m!! ist ein Doppel-
_ fleck von zwei schmalen länglichen Flecken. Zuweilen
findet sich noch eine dritte Reihe von drei bis fünf grö-
Beren (3—6 mm) mehr oder weniger deutlichen, längs-
ovalen weißen Mittelflecken, die im Anschluß an den mittel-
großen (ca. 3:5 mm) scharfen weißen Kostalfleck dicht um
das Zellende und dann proximal von der auf der Useite sicht-
baren Augenreihe parallel zu den Submflecken weiter zieht.
Der dritte Fleck ist gewöhnlich der größte (ca. 5—6 mm).
Alle diese Flecke liegen zwischen den Adern und haben
meist bei einem bestimmten Betrachtungswinkel einen
deutlichen gelben Farbenton. Die Hfl haben oft ebenfalls
ein bis zwei Reihen kleiner weißer Submflecken — bis
zu sechs — zwischen cost. und m!!. Die distale Reihe
und die hinteren 2 Flecke der proximalen sind oft undeut-
lich und können ganz fehlen. Selten fehlen alle. Die
Flschuppen sitzen bei rhetenor fester als bei den meisten
übrigen Morpho. Auf der Useite der Tiere vom Fuße
des Gebirges ist die Vflwurzel tief schwarzbraun, die
Hflwurzel und die breite Augenbinde aller Fl dunkel-
braun, die Mittelbinde und der größte Teil ‚des Randes
hellrötlichgrau gefärbt. Der schwarzbraune Vflwurzelteil
erstreckt sich vom Vrand bis zur submedia und reicht
distal vorn etwas über das Zellende hinaus, hinten bis
zur Hälfte der subm. und ist hinter der Zelle auf m!, m!!
und vor subm. gezackt. Bei dunkel gefärbten Exemplaren
sind diese Zacken breit mit der Augenbinde verbunden.
Die Zelle zeigt zwei gewöhnlich rein weiße, zuweilen grau-
weiße, nicht durchgehende Querbinden in der Zellmitte
und etwas distal davon, zuweilen eine grauweiße Zacken-
binde im Zellende und außerdem oft noch einige streifige,
meist grauweiße Aufhellungen in der Zellwurzel und hinter
der Zelle. Die Hflwurzel ist zwischen costalis und media-
stamm — zuweilen (mehr oder weniger aufgehellt) bis zum
Hinterrand — dunkelbraun. Die distale gewöhnlich unregel-
mäßig gewellte Grenze dieses dunkelbraunen Wurzelteiles
geht durch Ansatz r!, ist hier rechtwinklig gebogen und hat
oft auf r!! (wie cypris) einen zungenförmigen Fortsatz nach
hinten außen. Die dunkelbraune Augenbinde ist breit (auf Hfl
ca. 10 mm) und gewöhnlich nur proximal scharf begrenzt.
Die Binde ist etwas gewellt — gezackt und verläuft auf den
Vfl im ganzen gerade, auf den Hl ist sie auf r'"! rechtwinklig
gebogen und sendet gewöhnlich zwischen r! und r!!! einen
Deutsche Entomologische Zeitschrift ‚‚Iris“, herausgegeben vom Entomologischeu Verein V
Iris zn Dresden. Jahrgang 1924
124 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
breiten dunkelbraunen Fortsatz zum Rande. Die Vflbinde
trägt zwischen r! und subm. gewöhnlich vier Augen in
gerader Reihe, die Hflbinde zwischen subcost. und subm.!!
sechs bis sieben Augen in rechtwinklig gebogener Reihe.
Das Auge hinter r!! fehlt auf Vfl wie Hfl, nur ausnahms-
weise findet sich dort ein sehr kleiner, kaum sichtbarer
Ring. Die Hfl. haben zwischen m!! und subm! gewöhnlich
zwei Augen. Die Augen sind sehr klein, oft unvollständig
\
und undeutlich (besonders auf Vfl), auf den Vfl rund, auf
den Hfl queroval — nierenförmig und haben bei voll-
ständiger Zeichnung eine rötlich-hellbraune Iris mit schwarz-
dunkelbrauner und hellbräunlichgrauer Fassung, sowie eine
schwarzdunkelbraune Pupille, die auf den Hfl einen queren
rötlichbraunen, zuweilen helleren Lichtstrich führt. Oft
findet sich nur die dunkelbraune Pupille mit undeutlichem
grauen Ring. Augenlängsdurchniesser beı Vfllänge 82 mını.
Vfl ı,, 4, 2, !,, Hfl 4, 31/,, 4, 3, 21, 2. Die Mittelbinde
hat eine hellgraurötliche und gewöhnlich teilweise grau-
weiße Färbung. Auf den Vfl tritt sie in Form von vier
dreieckigen Flecken auf, von denen der erste am Vrande
groß und »grauweiß ist, die drei folgenden kleiner und
grauweiß oder ockergelb sind. Sie entsprechen dem Vrands-
fleck und den Mittelflecken der Oseite. Auf den Hfl’
bildet die Binde ein rechtwinklig gebogenes Band. Der
Außenrand ist im allgemeinen hellrötlichgrau gefärbt, auf
den Vfl gegen den Saum mehr oder weniger rotbraun,
auf den Hfl gewöhnlich zwischen r! und r!!! braun. An
Stelle der proximalen weißen Flecke der Öseite finden
sich größere meist undeutlich grauweiße, selten deutlichere
und fast weiße Flecken, die auf den Hfl hinten gewöhnlich
in eine Zackenlinie übergehen. An Stelle der distalen
finden sich gewöhnlich nur hinten und verschwommen
auf den Vfl kleine Fleckchen, auf den Hfl ein Wellenstreifen.
Am Vflvorderrand tritt noch zwischen der proximalen
Reihe und den Mittelflecken ein rundlicher grauweißer Fleck
auf. Auch in der Vflspitze findet sich meist ein größerer
grauweißer Fleck. Basal haben die Vfl einen scharlach-
roten Kostalstreif. Die Palpen tragen einen ebenfalls
scharlachroten Längsstreif und an den Kanten ausgedehnte
schwarzbraune Behaarung. Der Thorax ist seitlich ‚weiß
beschuppt und behaart (besonders Segm. II) und außerdeni
noch dunkelbraun und hellrot fleckig behaart (besonders
Flgelenke, Hüftmitte und Hüftende). Schrägstreifen dunkel-
|;
i
L
|
[
’
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 125
braun, der vordere oben mit rotem Fleck. Vorderfläche
stark weiß und rot behaart und etwas braun. Zwischen-
und Hinterflächen braun behaart, etwas grauweiß gemengt.
Hleib unten gelbgraubraun. Oseite schwarzbraun. Vorder-
beine nur am Tarsus und an der basalen Fußhälfte
auf der Oseite und Iseite schwarzbraun beschuppt, sonst
weiß beschuppt bzw. behaart. Behaart sind: die ganze
Außenseite (besonders am Schenkel und am Fuß), ferner
die distale Tarsushälfte und der Fuß auf der I- und der
Useite, sehr spärlich behaart ist die Schenkeluseite.
Die Llanosexemplare des Nordostens sind useits viel
heller gefärbt und gewöhnlich weniger scharf gezeichnet.
Die Hflwurzel und die Augenbinden sind oft hellbraun-
hellgraubraun, die Vflwurzel dunkelbraun, die Mittelbinden
und die Submflecken sind auf den Hfl. grauweiß, auf den
Vfl hellgrauweiß. Die Augen sind vielfach kleiner, heller
und undeutlicher. Augendurchmesser bei Vfllänge 74: Vfl
Et 2, 21/05, 3,:2,.21/8,.3, Der Fang
dieser Llanostiere auf einem der kleinen, ruhig fließenden
- cafions vom schwankenden Einbaum aus war nicht so
einfach. Zwar flogen die Tiere hier über dem stillen
Wasserspiegel niedriger (ca. 3—5 m), aber die Gefahr des
Umkippens beim Zuschlagen war groß.
Der kolumbische rhetenor g'! bildet wiev.eusebes
vom oberen Amazonas und v. cazica von Süd-Peru eine
Zwischenform zwischen der Stammform von Guayana, —
die außer dem weißen Vflkostalfleck oben keine weiße
Zeichnung trägt, — und der v. helena von Nordost-
Peru mit gelblichweißer Mittelbinde aller Fl. Cazica hat
nach Frubstorfer regelmäßig eine Mittelbinde von 4—5
weißgelben Flecken und gelegentlich noch ebensolche Subm-
flecken, während sich dies bei dem kolumbischenrhetenor
umgekehrt verhält, doch wäre es denkbar, daß die von
mir als proximale Submflecken bezeichnete Fleckenreihe,
welche auf der Useite dicht distal der dunklen Augenbinden
und auf der Oseite an entsprechender Stelle hegt, dort
Intramedianflecke genannt ist. Bei rhetenor liegt diese.
Fleckenreihe auf den Vfl ziemlich dicht an den Augen,
bei den Arten der hekuba- und achilles-Gruppe ent-
fernter. . Wir fingen nur ein ©, das am 22. X., 11!/,,
nachdem einige Tage lang nur ein stark beschädigter g'
sichtbar gewesen war, den Fluß hoch und langsam
kreuzte. In diesem Augenblicke erschien ein frischer g',
126 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
der sich sofort auf das Q© stürzte. Beide setzten sich
vereint auf ein Blatt in 10 m Höhe, wo es uns mit vieler
Mühe gelang, sie nach dem bei adonis © geschilderten
Verfahren zu fangen. Das schöne ganz frische aber durch
den Fang beschädigte © hatte eine Vfllänge von 85 mm.
Die Flform entspricht der des im Seitz 'lafel 68b abge-
bildeten v. rhetenor ©, — die Vflspitze springt zwar
um 1 mm weiter vor, aber dafür ist es 5 mm größer —,
in der Zeichnung weicht es jedoch in mancher Hinsicht ab.
Zunächst ıst es im ganzen heller und lebhafter gefärbt,
jedoch nicht kanariengelb wie die v.eusebes, sondern
auf den Vfl schön hell ockergelb, auf den Hfl dunkler
ockergelb, die Hfilwurzel kaum dunkler. Dann ist die
ockergelbe Grundfarbe ausgedehnter, auf Kosten der
schwarzbraunen Färbung, besonders amı Außenrande und
hinter der Zelle. Auf r!! und r!!! ist sıe etwa doppelt so
breit, ähnlich v. eusebes-@©. Der Außenrand ist schwarz-
braun, ein wenig ockergelb meliert, die Vflzelle und der
Zacken auf m! sind gleichmäßig tief schwarzbraun, die
drei folgenden Zacken auf m!!, sbm und dazwischen: hell-
braun, stark ockergelb gemischt. Von der Reihe der Augen-
flecken ist wie bei v. rhetenor-© nur der erste als
größerer runder hellockergelber Fleck vorhanden, die an-
deren Flecke dieser Reihe — bei adonis-Q als braune
Ringe deutlich sichtbar —, sind hier ın der Mittelbinde
verschwunden. Von den proximalen Sbmflecken sind auf
den Vfl nur die beiden ersten (bei v.rhetenor-Q3)als
hellockergelbe pfeilspitzenförmige Flecken vorhanden, die
übrigen breit und vollständig (nur der vorletzte unvollständig)
mit der Mittelbinde verbunden. (Bei cypris-Q sind die
prox. Submflecken alle von der Mittelbinde getrennt.)
Auf den Hfl sind alle isoliert und ockergelb, die drei
ersten rund, die drei letzten pfeilspitzenförmig. Die mitt-
lere und die distale Reihe sind auf den Vfl nur undeutlich
und unvollständig getrennt und bilden hier ein gemein-
saines ockergelbes, vor r!! mehr braunes, auf den Adern
scharf und schmal braun geteiltes Saumband. Die streifen-
förmigen Flecken der beiden Hflreihen sind unter sich
deutlicher durch eine feine braune Linie getrennt und auf
den Adern breiter dunkelbraun geteilt. Vermutlich bezieht
sich die nach Fruhstorfer bei v. eusebes-Q und v.
helena-Q@ vorhandene dritte Reihe der distalen Makeln
auf eine deutlichere Trennung der Flecken der mittleren
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 127
und der distalen Reihe. Die Zeichnung der Useite scheint
in der Mittelbinde etwas durch. Die Useite ist relativ hell
und lebhaft gezeichnet. Tief schwarzbraun ist nur die
Vflzelle und die beiden vorderen Zacken hinter ihr, die
drei letzten Zacken sind hellbraun und etwas unscharf,
die vier letzten Zacken sind breit ockergelb gefüllt. Die
Zelle hat die weiße Zeichnung des g. Der Zackenstreif
am Zellende ist bräunlichweißgrau, die übrige Zellzeich-
nung rein weiß. Der oben schwarzbraune Außenrand ist
unten in gleicher Ausdehnung hellrötlichgrau gefärbt und
auf den Vfl hinter m! durch einen dunkelbraunen Quer-
streif, auf den Hfl auf r!! durch einen undeutlichen rot-
braunen Längsstreit geteilt. Die Hflwurzel ist zwischen
cost. und hinterer Zellgrenze hellbraun mit scharfer distaler
der des g' entsprechender Grenze. Abgesehen von diesen
hellbraunen Wurzelteil entspricht die Breite der Mittelbinde
Ber TVseite der ’Oseite. Sie ist auf den Vfl vor rl!
- weißgrau, hinter r!!! hell ockergelb, auf den Hfl hellröt-
lichgrauweiß gefärbt. Die Vfl führen fünf Augen in distal
schwach konkaver Reihe zwischen subec.Y und m!!, die Hfl
sieben Augen zwischen subc. und r!! und zwischen r!!! und
Hrand (hinter m!! zwei Augen), welche zwischen r!! - r!'!" einen
rechten Winkel bilden. Mit Ausnahme des ersten punkt-
förmigen am Hinterrande des ersten grauweißen Augen-
flecks gelegenen Auges liegen alle innerhalb der Mittel-
binde. Die Iris ist hellrotbraun und schmal (auf den zweı
letzten Vflaugen rudimentär) und hellgrau (die zwei letzten
Vflaugen hellockergelb) und noch fein und undeutlich dunkel-
braun gefaßt. Die Pupille ist auf den fünf letzten Hefl-
augen rotbraun, beiden übrigen schwarzbraun-dunkelbraun.
Das dritte Vflauge ist ebenfalls sehr klein, das letzte Vfl-
und das erste Hflauge sind rundlich, die übrigen sind
queroval-nierenförmig. Der Lichtstreif ist als feiner gelb-
lichgrauer Querstrich vorhanden. Augendurchmesser Vfl
ar HA 41), 5, 5, 4,4. 31. - Die Subm-
lecken sind nur undeutlich und in der Form der Oseite
als verschwommene hellrötlichweißgraue Flecken sichtbar.
Auf den Vfl sind die proximalen hinter r!!! schwach gelb-
lich, die mittleren und distalen am Saum zwischen subc’
und m!! rotbraun gefärbt. Kostalstreif, Palpen und Thorax
wie beim g', nur die Thoraxhinterfläche ockergelb behaart.
Seitenflächen breit gelbweiß, weiß und rot gefleckt. Schräg-
streifen schwarzbraun. Hleib sehr lebhaft gefärbt, unten
128 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
hell-, oben dunkelockergelb. Kopf, Nacken, Thorax oben
schwarzbraun. Nacken etwas heller, Thorax hinten gelb-
braun meliert. Vbeineaußen weiß, innenhellbraun beschuppt.
Rhetenor © wurde von Dr. Hahnel auf nassen Boden-
stellen angetroffen, ebenso das verwandte anaxibia-Q
von Fruhstorfer. Ich traf nur die OO der niedrig fliegenden
Morphoarten gelegentlich auf dem Boden, sie suchten dann
entweder Früchte, oder sie sonnten sich mit offenen Fl,
wozu sie gewöhnlich Blätter bevorzugen.
Westlich der Ostkordilleren wird rhetenor durch
v. cypris (Seitz S. 351) vertreten.
M. cypris Westw. weicht von v.helena nicht mehr ab, als
diese von v. rhetenor, sie ist nur die hellste, westliche
Form. Die männlichen Genitalien weisen nur geringfügige
Unterschiede gegen rhetenor auf. Die Zähnelung des
Valvenendes ist etwas gleichmäßiger und kürzer, und die
Spangen sind etwas schmaler mit mehr gerundeten Ecken.
Cypris ist etwas kleiner als der kolumbische rhetenor.
Vfllänge bei 23 J'g' Magdalena 58—70, Durchschnitt 641/,,
3 99 68, 76, 77, 6 gg! pazifische Küste 62—66, Durch-
schnitt 63%/,. Die Vflspitze hat nicht die Sichelform der
vonrhetenor, hauptsächlich weil der Außenrand gerader
ist. Farbe und Glanz der glatten wie poliert erscheinen-
den Ofläche ist bei beiden gleich, doch ist cypris stets
mit einer scharfen weißen Mittelbinde und einer eben-
solchen Reihe von proxim. Submflecken geschmückt, die
bei einem bestimmten Beleuchtungswinkel in der Aufsicht
gelblich erscheinen und auch in der Durchsicht eine gelb-
liche Farbe besitzen. |
Auf den Vfl sind beide Binden fleckenförmig, auf den
Hfl hat die Mittelbinde die Form eines ziemlich breiten
Bandes, die Submfleckenreihe die eines fein unterbrochenen
Wellenstreifens. Zuweilen ist auch die mittlere Submflecken-
reihe als feiner undeutlicher weißlicher Streifen oder als
ebensolche Fleckchen sichtbar. Die Vfl führen vorn zwischen
Mittelbinde und Submflecken noch eine weitere Reihe von
drei rundlichen weißen Augenflecken, von denen der dritte
gewöhnlich mit dem entsprechenden proximalen Submfleck ©
verschmilzt. Die Useite ıst heller und schärfer gezeichnet.
Flwurzel und Augenbinde hellgraubraun, letztere grauweiß
gemischt. Distale Grenze der Hflwurzel gleichmäßiger
gebogen, der Fortsatz auf r!! gewöhnlich länger, so daß
hier die Entstehung der Mittelbinde aus der Verschmelzung
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 129
“mit der hellen Querbinde am Zellende noch zu erkennen
ist. Mittelbinde gewöhnlich rein weiß, zuweilen bräunlich-
grau getönt, auf den Vfl hinter der Zelle und r!!! zuweilen
gelblich. Die zwei Querbinden der Vflzelle ebenfalls rein
weiß, die übrige Zeichnung in der Zelle, die Submbinden
und die Vrandsflecken gewöhnlich mehr grauweiß. Die
proximale Submbinde tritt meist als Zackenstreif, die distale
als Wellenstreif (auf den Hfl hinten rötlich) auf. Der
Außenrand ist im übrigen ähnlich Flwurzel und Augen-
binde graubraun gefärbt, auf den Hfl aber vor subc und
_ hinter m!! scharf grauweiß aufgehellt. Der dunkelbraune
Fortsatz von rhetenor, der zwischen r! und etwa r!!l
von der Hflaugenbinde zum Rande führt, ist also hier
breiter und durch den proximalen Submstreif von der Augen-
binde abgetrennt und die Hflaugenbinde durch eben diesen
Submstreif distal schärfer begrenzt. Die Augen sind schärfer
und lebhafter gezeichnet. Irıs bräunlichgelb, schwarz und
meist noch grauweiß gefaßt. (Die schwarze Fassung der
zwei letzten Vflaugen, falls diese überhaupt vorhanden, ist
_ undeutlich oder fehlt.) Pupille schwarz mit großem weißen
Lichtfleck. Vfl 1—3 Augen in gerader Reihe hinter rı,
r!! mi. Hfl 6—7 Augen wie bei rhetenor, nur fehlt
das Auge hinter r!! meist, und das Auge hinter m! ist
etwas proximal verschoben. Die vier letzten Hflaugen
sind gewöhnlich längsoval oder birnförmig. Augendurch-
messer bei g' Magdalena Vfllänge 70 mm. Vfl 41/,, 4,4.
Eur 275, 64,, 31, 41), 31. Palpen, Körperzeichnung,
Vbeine, Vflkostalstreif im ganzen wie bei rhetenor. Die
Hfl führen unten noch 1-—2 rote Wurzelflecke, die bei
rhetenor fehlen. Der Palpenlängsstreif ist zuweilen gelb-
lich. Der Thorax ist stärker weiß behaart, auf den Zwischen-
und der Hfläche fast rein weiß. Der Hleib ist unten braun
und führt meist einen deutlichen, vorn weißen, hinten ocker-
gelben Medianstreifen und ockergelbe Seitenfleckchen an
‚den hinteren Segmentkanten. Die Vbeine sind ausgedehnter,
weiß beschuppt (besonders Fußoseite) und länger behaart.
Cypris hat gleiche Gewohnheiten wie rhetenor,
und findet sich ebenfalls in Urwaldtälern bis etwa 800 m,
die der g' an sonnigen Tagen von 9'/, oder 10 bis 12
oder 121/, in gleicher Höhe wie rhetenor, aber in etwas
langsameren Fluge durchzieht. Ich fing 1 g', der ın !/, m
Höhe über einer nassen, etwas kotigen Insel im Flußlaufe
kreiste, und mein Gehilfe sah zwei auf stark riechendem
130 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
Menschenkot. An Fruchtköder traf ich keinen, doch hat
A. Faßl sie an solchen gefangen.*) Cypris ist weit ver-
breitet, vom Magdalenatale bis zur pazifischen Küste und
hier wieder von Nikaragua im Norden bis wahrscheinlich
Nordekuador im Süden, wenigstens fing ich verschiedene
Exemplare noch in der Höhe des dritten Breitengrades. Im
Magdalenatale scheint er ebenso wie theseus vor-
wiegend auf der feuchteren Ostseite vorzukommen. Be-
kannt ist sein Auftreten in der Umgebung der Smaragd-
mine Muro, worüber A. Faßl näher berichtet hat (ob.) Dort
sahen wir in dem trocknen Jahre 1914 ım Juli und Anfang
August täglich ca. 2—3 g'g', in den ebenfalls noch trocknen
Monaten November-Dezember 1914 und Anfang Januar 1915
nur etwa alle drei Tage 1 9', in den regnerischen Monaten
September-Oktober und Anfang November 1915 dagegen
täglich 2—4 g'g'. Die beste Zeit für cypris soll dort
von März bis Ende Juni, also in der Sommerregenzeit sein.
Cypris scheint demnach in der dortigen Gegend, wo es
in normalen Jahren spätnachmittags oder nachts fast regel-
mäßıg Gewitter gibt, ziemlich gleichmäßig das ganze Jahr
hindurch vorzukommen, aber wohl häufiger in den eigent-
lichen Regenzeiten ähnlich wie rhetenor. Das spärliche
Auftreten November 1914 bis Januar 1915 erklärt sich
wohl aus der langen vorhergehenden Trockenzeit (ca.
zwölf Monate). An der regnerischen pazifischen Küste,
wo die Trockenzeiten im Norden milde (hauptsächlich im
Sommer) und im Süden kaum wahrnehmbar sind, sah ich
cyprıs am Rio San Juan von April bis August ver-
einzelt, am Rio Dagua im August und am Rio Micai im
September und Oktober, an den beiden letzten Flüssen
häufiger. Im Magdalenatale ist er bei Muzo selbst schon
seltener geworden, doch findet er sich noch in der weiteren
Umgebung, wo er von der einheimischen Bevölkerung
(Indianermischlingen) an einzelnen Orten gewerbsmäßig
gefangen wird. Da der Fang vom Talboden aus trotz der
langen Stangen und großen Netze bei dem hohen Fluge
zu schwierig ist, benutzen sie Felsvorsprünge, brückenartig
über die Schlucht gefallene Stämme und eigens zugerichtete
Bäume. Wir fingen dort zwar verschiedene g'g', aber
nur ein beschädigtes blaues © und ich erhielt zwei weitere
von dort stammende gleichfalls blaue.
*) Entom. Rundschau Jahrgang 30, Nr. 3.
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 131
Die Zeichnungsanlage entspricht der des g', nur ist
die beim g'! weiße Zeichnung, insbesondere die Mittelbinde
. viel breiter. Die Färbung weicht nicht unbeträchtlich ab.
Die Grundfarbe ıst schwarzbraun mit mäßigem violett-
blauen Schiller, der sich von der Wurzel noch etwas über
die Mittelbinde hinaus erstreckt. Auf den Vfl reicht er
etwas über die proxim. Submflecken hinaus. Auf den
Hfl vorn bis an diese, hinten nicht ganz so weit. Ueber
der Mittelbinde ist der Schiller nur schwach. Im übrigen
ist der Außenrand einfach schwarzbraun, ohne Schiller.
Die Mittelbinde, die Augenflecken und die proxim. Subm-
flecken der Vfl sind gelblichweiß, bei gewisser Beleuch-
tung gelb. Die proxim. Submflecken der Hfl sind ocker-
elb. Die mittleren und distalen Submflecken sind auf
allen Fl als zwei bräunlich ockergelbe Wellenstreifen vor-
handen. In der Mittelbinde der Hfl scheint die dunkle
Zeichnung der Useite, besonders die der Augen deutlich
- durch. Die Useite ist viel heller und matter gezeichnet. Die
Augen sind relativ klein. Augendurchmesser bei Vfllänge
16: Vil 31%, 31%, 4, Hil 31), .8%/,, 44, 315, 8%/,, 31.
Zeichnung der Palpen und des Thorax wie beim g!. Hleib
unten gelbweiß, oben dunkelbraun etwas gelbgrau meliert.
Vbeine rundum weiß beschuppt. Die Flform der Q9 weicht
von der der g'g' in der üblichen Weise ab; alle Fl sind
breiter, die Hfl länger und runder. Bei den gelben 99
(Seitz Tafel 68b) scheint die dunkler gelbe Mittelbinde
der Oseite noch breiter zu sein, und zwar auf Kosten der
schwarzbraunen Hflwurzel. DerBlauschillerfehltdiesen völlig.
An der pazifischen Küste flogen die Tiere im Norden
meist unerreichbär hoch, 20—30 m, um die Baumkronen,
dagegen gingen sie im. Süden — wohl veranlaßt durch
einen breiten grünen Waldweg — tiefer herunter, und
hier gelang es uns, einige Exemplare zu fangen. Diese
pazifischen Tiere sind durchschnittlich etwas kleiner, Vfl-
länge 6 g'g'! 62—66, Durchschnitt 63'/,. Die Useite ıst viel
lebhafter und schärfer gezeichnet. Die Augen sind größer,
die Iris ist breiter und lebhafter gefärbt, mehr ockergelb.
Die Hflaugenbinde hat einen tieferen purpurbraunen Ton,
doch findet sich unter den sechs auch ein Exemplar, das
sich von den Magdalenatieren kaum unterscheidet. Die
Flecken der Vflmittelbinde hinter rl!!! sind anscheinend
regelmäßig etwas gelblich getönt. Uebergänge zu dieser
lebhafteren Färbung der Useite finden sich auch bei den
132 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Magdalenatieren. Die Flform schwankt sowohl bei den
Magdalena- wie bei den pazifischen Tieren etwas, inso-
fern die Vflspitze bald deutlicher bald weniger deutlich
ausgezogen und dementsprechend der Außenrand bald
etwas ausgeschnitten, bald gerader ist. Rhetenor be-
wohnt nach Frubstorfer Guayana und das Amazonasgebiet
bis Süd-Peru. Da er auch in Kolumbien vorkommt, dürfte
er in Ekuador ebenfalls noch zu finden sein. In Süd-
Brasilien, südlich von Espiritu Santo tritt anaxıbiıa auf.
Anaxibia g' steht in bezug auf Zeichnung der Useite
und Bau der Genitalien dem rhetenor 9g' außerordentlich
nahe (nur die Spangenenden scheinen etwas runder zu
sein). Hinsichtlich der Färbung der Oseite, der Fliorm
und der Flugart (Seitz 352) steht er wieder wie auch sein
© dem menelaus näher. Man möchte vermuten, daß
zwischen dem Amazonasgebiet und Süd-Brasilien eine ver-
bindende rhetenor-Form vorkommt. (Schluß folgt.)
Kleine Mitteilungen.
Zygaena purpuralis ab. grossmanni Rühl (lutescens Tutt.). Diese
Aberration, die schon Ochsenheimer verzeichnet, fing ich und ein Sammel-
freund aıf eng begrenztem Gebiet in der Gegend von Ostrau i. S., als wir
in den Jahren 1922 und 1923 dort sammelten, in mehreren Exemplaren. °
Der Falter hat statt roter, eine hellgelbe Färbung. Im ersten Jahre nahm
ich nur ein Exemplar mit, da wir dachten, die hellen Tiere wären abge-
flogen. Zuhause stellte sich aber heraus, daß die Beschuppung vollständig
war. Als wir 1923 genau Ausschau hielten, gingen uns wieder einige Exem-
plare ins Netz, ab. grossmanni soll auf eng begrenzten Lokalitäten kon-
stant sein.
A. cardamines L.: Ein von Herrn Arno Hermann in Roßwein ge-
zogener 5 hat auf der Useite der Vfl zwischen IV! und IV? eine etwa zwei
mm lange, rotbraune Strichzeichnung. Sie fällt nicht mit dem schwarzen
Punkte der Oseite zusammen. Unter den vielen Hunderten von cardami-
nes, die mir durch die. Hände gingen, habe ich eine solche Zeichnung
bis jetzt nicht beobachtet.
Boarmia consortaria ab. humperti Humpert: Derselbe Sammler
zog aus eingetragener Raupe einen Falter, welcher bisher nur in wenigen
Exemplaren in Sachsen gefangen wurde*.
Agrotis speciosa Hb. Ich fand vor einigen Jahren bei Carlsfeld,
in der Nähe des Cranichsees, einen tadellosen Vfl. In der Fauna von Sach-
sen ist ein Exemplar von Schöneck i. V. erwähnt. R. Hiller- Roßwein.
* In der Dresdner Gegend wurde die f. humperti in den letzten
Jahren häufig beobachtet. Die Schriftleitung.
= Kleine Mitteilungen. RN 133
Cyclosia papilionaris philippinensis subsp. nov. Aus der Sammlung
der Museen für Tierkunde und Völkerkunde in Dresden liegt mir ein 5
einer Form von Cyclosia papilionaris Drury von der philippinischen
Insel Polillo vor, das wesentlich von der typischen Form, die bisher, so
wie andere Formen dieser Art überhaupt, noch nicht von den Philippinen
bekannt ’ist, abweicht. Kopf, Hals und Hinterleib schwärzlich grün, Thorax
und Schulterdecken dunkel Kupferbraun, schwärzlich grün gerandet. Fühler
bläulichgrün glänzend. Vfl dunkelbraun, mit grünem Kostalstreifen und
ebensolcher Medianader ünd deren Aesten, deutlicher schwärzlichweißer
Querfleckenreihe und schwachen, bläulichgrünen Subapikalstrichen. Hfl am
Vrand bräunlich, der übrige Teil stahlblau glänzend, ohne hellere Submar-
ginalflecke. Useite wie bei C. papilionaris. Vfl mit grünem Kostalstreifen
und ganz verschwommenen, grünblauen Submarginalflecken, ohne den
weißen Wisch zwischen der Submedian- und 1. Medianader. Hfl mit deıt-
lichem grünen Kostalstreifen und ebensolchen Submarginalflecken.
Johannes Draeseke.
Lycaena argus Schiff. Wie 1923') so fand ich auch in diesem Jahre
einige sehr bemerkenswarte Lyc. argus-Formen, darunter mehrere gynan-
dromorphe Exemplare, und zwar:
1. einen gemischten Zwitter, 1. 5, r. 2; die männliche Seite mißt 131% mm,
die weibliche 15 mm. Nach dem Analwinkel zu treten von der Mitte
des männlichen FI ab 3 rostrote Fleckchen aus dem Blau hervor und
an diesen Stellen sind die Fransen braun, im Analbogen aber sind
diese wieder weiß. Die Öseite des |. Hfl hat eine vollständige Reihe
roter Monde, die aber wenig leuchtend aus dem Blau heraustreten.
Fransen weiblich. Kopf, Thorax und Abdomen weiblich. Beide Useiten
weiblich. 4. Bogenauge auf der männlichen Seite doppelt. — Gef. 2. VII. 24.
2. anscheinend 5, doch mit verschiedenen weiblichen Charakteren,
r. Seite 13 mm, 1]. Seite 1l mm; auf dem r. Vfl einige rote Fleckchen
mit anschließenden braunen Fransen; der r. Hfl hat eine vollständige
Kette roter Flecken, die aber nur matt aus dem Blau hervortreten.
Die weißen Fransen dieses Hfl untermischt mit vereinzelten braunen
Haaren. Der Zellschlußfleck auf dem r. Vfl sehr groß, davor schwärz-
licher Fleck bis fast zur Flwurzel. Der |]. Vfil rein männlich mit weißen
Fransen; auf dem I. Hfil einige rostrote Flecken und hier sind die
weißen Fransen untermischt mit weiblichen. Körper vollkommen
männlich. Die r. Useite mehr bräunlich, die I. aber graugrün; die r.
Useite weist eine Kette rotbrauner Flecken auf, während diese auf der
l. Useite fast verschwinden. Gef. 16. VII. 24.
3-9. Auf 1. Vfl eine größere Anzahl reinblauer männlicher Streifchen; ein
11a mm breites blaues Band von der Fiwurzel längs des Irandes bis
kurz vor den Analwinkel am 1. Vfl. Fransen dieses FI reichlich mit
weißen Haaren vermischt. Gef. 2. VII. 24.
9. 1. Vfl mit blauem Streifen von der Fiwurzel längs des Irandes nach
dem Analwinkel zu, darüber noch mehrere blaue Fleckchen. Gef. 2. VII. 24.
. @. Alle 4 Fi mit vereinzelten männlichen Fleckchen, deren größter auf
dem r. Hfl uhalb der Mitte. Gef. 2. VII. 24.
. 9. Alle 4 Fl mit männlichen Fleckchen und Streifchen. Gef. 10. VII. 24.
. @1. Vfl nach dem Außenrand zu mit einigen blauen Schuppenhäufchen;
r. Hfl mit 2 größeren blauen Flecken uhalb der Mitte. Gef. 26. VI. 24.
. @. Auf Apex des 1. Vfl ein blaues dreieckiges Fleckchen, Gef. 30. VI. 24.
on Sn u
’) Siehe meine Arbeit 1. Heft 1924, pag. 8 bis 12.
134 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
9. 5. Auf beiden Hfl schimmern die roten Randmonde der Useite durch.
Gef. 5. VII. 24.
10. 3. Der Außenrand des r. Vfl und Hfl ist gebleicht, wodurch der
schwarze Flsaum ausgelöscht ist. Die Fransen sind hier nicht kreide-
weiß, sondern blaßweiß. Gef. 26. VI. 24.
ll. 3. Beide Hfl oben gebleicht. Gef. 26. VI. 24.
12. 5. Der I. Vfl zeigt in der Mitte des Außenrandes eine hufeisenförmige
Einbuchtung; der schwarze Rand macht hier ebenfalls einen Bogen
nach innen; die Fransen vollzählig. Gef. 26. VI. 24.
13. 14. 2 92 wo die schwarze Punktreihe auf beiden Hfl oben bläulich-
weiß nach außen eingefast ist. Man könnte solche Stücke ab.
caeruleo-marginata nennen im Gegensatz zu Dr. Eberts albomar-
ginata von argyrognomon. Gef.3 .Vl. resp. 2. VII. 24.
15. 9. Außer der unter 13 und 14 angeführten bläulichweißen Begrenzung
der schwarzen Marginalpunkte treten auf beiden Hfl kleine bläuliche
Keile auf, die sich von den schwarzen Hauben der Rostflecken nach
der Fimitte zu erstrecken. Es ist dies ein schwacher Uebergang zu
Dr. Eberts caeruleo-cuneata. Gef. 5. VII. 24.
16. 9. recht dunkel, fast ohne rote Flecken, schwarze Randpunkte auf
Hfl nach außen bläulichweiß abgegrenzt wie bei 13 bis 15. Gef. 5. VII, 24.
17. mehrere Exemplare mit überzähligen Augen (ab. pluripuncta C.) und
mit elongierten Ocellen (ab. elongata C.).
Die Größenverhältnisse sind oft recht schwankend. Das kleinste 3
mißt 24, das größte 34 mm, das kleinste 9 26, das größte 33 mm. Blau-
bestäubte PP? traten dieses Jahr höchst selten auf, d. h. solche, bei denen
eine Blaubestäubung von der Fiwurzel her auftritt; die oben angeführten
2 mit eingesprengter männlicher Färbung sind gynandromorph. — Alle
angeführten argus wurden bei Freiberg gefangen.
Sprachlehrer E. Lange-Freiberg.
Gonodontis bidentata ab nigra Prout (surtur Bg.-H.). Im Herbst
1922 trug ich aus dem oberen Erzgebirge von Himbeere eine Anzahl Gon.
bidentata-Raupen ein, die mir durch ihre pechschwarze Färbung auffielen.
Frühjahr 1923 schlüpften neben vielen typischen lehmgrauen Exemplaren
mehrere Falter mit stark hervortretenden schwarzen, konvergierenden Mittel-
binden und stark schwarz umrandeten Zellflecken und 4 ganz schwarze
Tiere, 3 55, 1 %, der ab. nigra Prout zugehörig. Ich paarte I nigra
mit dem nigra\Y und Inigra 5 mit einem typischen 9. Das nigra?
war außerordentlich schwächlich, legte nur wenig Eier ab, die zum größten
Teile auch unbefruchtet waren. Die Räupchen dieser Paarung sind mir
auch bald alle eingegangen. Die aus der Kreuzung resultierenden Raupen
aber waren sehr lebensfähig, wurden sehr groß und verpuppten sich in
Moos. Als Futter hatte ich Himmbeere und Weißdorn gereicht. Im all-
gemeinen frißt bidentata alle Blätter von Laub- und Nadelbäumen, auch
Heidelbeeren. Die Zucht ergab nun im Juni 1924 ungefähr !/, schwarze,
'/, typische und ?/, Exemplare mit stark schwarzen Binden und düsterer |
Färbung aller Fl, die Kreuzung mendelte demnach vollkommen.
Ich habe zum Vergleich eine Serie schwarze bidentata aus England
und kann folgendes feststellen: Während alle meine englischen Stücke
schwärzlich braun sind ohne deutliches Hervortreten einer weißlichen äußeren
Binde vom Kostalrand zum Irand der Vfl sind meine Stücke mehr rauch-
schwarz, mit sehr deutlich heraustretender weißer Binde auf den Vfl: die
Hfl sind weniger schwärzlich gefärbt, mehr lehmgrau wie beim Typus, jedoch
>
E. Strand. Lepidoptera aus Südwest-Australien. 135
dunkler und mit einer sehr deutlichen schwarzen Binde. Bei den englischen
Faltern sind die Hfl ebenfalls braunschwarz, nach der Basis lehmiger
werdend. Die Zellschlußflecke treten bei meinen nigra sehr deutlich
hervor, während sie bei den englischen undeutlich werden und besonders
auf den Vfl fast verschwinden. Wie bei den englischen nigra, so sind
auch bei meinen Kopf und Thorax lehmgrau, das Abdomen pechschwarz;
Beine schwärzlich, beim Typus lehmgelb; Fühler ebenfalls schwärzlich. Bei
mehreren Exemplaren meiner nigra sind die kurzen Fransen in den Aus-
buchtungen der Vfl weiß, andere haben dagegen dunkle Fransen. Auf-
fallend verschieden sind die Useiten meiner hiesigen von den englischen
Stücken. Die englischen nigra haben eine braunschwarze Useite, meine
dagegen eine lehmgelbe wie der Typus mit reicher schwarzer Besprenkelung,
besonders in der Nähe der Costa auf den Vfl und auf dem ganzen Hfl.
Endlich ist der Größenunterschied meiner und der englischen nigra be-
deutend. Die durchschnittliche Größe meiner Falter beträgt 52 mm, die
der englischen aber nur 46 mm.
Die Abbildung bei South: The Moths of the British Isles, vol. 2, Pl. 114,
fig. 5, gibt ein ganz genaues Bild der englischen nigra, so wie sie in
Lancashire und Yorkshire gefunden wird. Bei Gelegenheit bringe ich ein-
mal unsere nigra zur Abbildung.
Im Juni 1923 fand ich auch an einer anderen Stelle des oberen Erz-
gebirges in ca. 750 m Höhe, oberhalb Bienenmühle, 1 schwarzes ? an
einer Fichte. Am 10. V. 1915 hat bereits Herr Stadtbaurat R. Möbius-
Chemnitz in Grüna bei Chemnitz ein schwarzes 5 gefunden, habe dasselbe
jedoch noch nicht gesehen und kann deshalb nicht sagen, ob es meinen
nigra entspricht. —
Ich paarte heuer wieder mehrere schwarze Tiere und gab fast alle Eier
an Freunde ab, die sich hoffentlich im kommenden Jahre recht sehr über
die schönen Tiere freuen. Sprachlehrer E. Lange -Freiberg.
Lepidoptera aus Südwest- Australien.
Von
Professor Embrik Strand,
Ordinarius für Zoologie und Direktor des Systematisch-Zoologischen
Instituts an der Universität Riga.
Die von den Professoren W. Michaelsen und R. Hartmeyer
während der Hamburger südwestaustralischen Forschungsreise 1905
gesammelten Schmetterlinge wurden mir s. Z. zur Bearbeitung an-
vertraut und das Manuskript wurde von mir kurz vor dem Ausbruch
_ des Krieges den beiden genannten Herren für ihr Werk „Die Fauna
Südwest-Australiens“ übergeben, worin die Arbeit sofort gedruckt
werden sollte. Der Krieg kam aber dazwischen und da aus der Fort-
setzung der Drucklegung des Werkes immer noch nichts geworden
ist, ziehe ich es vor, die Arbeit anderswo drucken zu lassen. Das
Material gehört dem zoologischen Museum in Berlin.
Außer den im folgenden behandelten Arten enthielt das Material
eine Anzahl Geometriden und Kleinschmetterlinge, die ich wegen
136 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Mangels an Vergleichsmaterial Ares eildi habe unberücksichtigt
lassen müssen.
Fam. Arctiidae
Gen. Amsacta WIk.
Amsacta gangara Swh.
Fundnotiz: Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station, 7. VI. 1905
(1 Exemplar).
Gen. Maenas Hb.
Maenas fremantlei Strand n. sp.
Fundnotiz: Stat. 118, Fremantle; 30. V.05 (18). |
Ist mitM.maculifascia WIk. wenigstens nahe verwandt, weicht
aber durch mehr zusammenhängende dunkle Binden ab. Unter Zu-
grundelegung der Beschreibung in Hampsons Monographie der Arcti-
iden und der Abbildung in Sempers Schmett. Philipp I. t. LVI.
f. 9—10, ergeben sich folgende : Unterschiede: Palpen an der Basis
und unten rot, sonst geschwärzt, Thoraxrücken mit kurzer, medi-
aner, schwarzer, schmaler Längsbinde, eine ebensolche kurze Längs-
binde auf den Schultern, aber kein schwarzer Fleck auf den Patagien,
die Tibien und Tarsen schwarz mit heller Useite, die Femoren oben
rot mit weißlich behaarter Useite, die Patagia sind nicht angerötet.
Vfl ohne schwarzen Basalileck, wohl aber hat der Vrand einen fast
die Basis berührenden schwärzlichen Fleck (bei maculifascia
ist ein ähnlicher, der aber von der Basis weiter entfernt ist), die |
etwa am Ende des basalen Drittels in der Vrandhälfte vorhandene
schräge Fleckenquerreihe der maculifascia tritt hier als zu-
sammenhängende Binde auf, die noch die Basis des Feldes 2 bedeckt
und von da an eine ebensolche Binde gegen die Basis entsendet, |
ohne diese ganz zu erreichen; in dem Dorsalfelde, den Rand ganz
oder fast ganz berührend, finden sich 4 etwa gleich große und
gleich weit unter sich entfernte schwärzliche Flecke, von denen die
beiden distalen sich in je eine dunkle Schrägquerbinde, welche
Binden ebensolchen Fleckenreihen beimaculifascia entsprechen,
fortsetzen; die distale dieser Binden entspringt fast im Analwinkel,
ist kurz hinter der Rippe 2 schmal unterbrochen und verläuft dann
gerade bis zur Flspitze, entsendet aber von der Mitte der Rippe 4
einen Zweig nach dem Vrande und verbindet sich an der Basis
dieser Rippe mit der vorhergehenden Schrägquerbinde, die daselbst
etwa rechtwinklig (wurzelwärts offen!) gebrochen ist und mit den
3—4 dunklen Flecken am Ende der Zelle mehr oder weniger zu-
sammenfließt; die dunklen Flecke im Saumfelde der Vfl wie bei
maculifascia, jedoch mehr zusammenfließend und größer, als
sie bei dieser gewöhnlich zu sein scheinen; im Analwinkel nur ein
ganz kleiner dunkler Fleck. Hfl mit großem dunklen Discoidal-
querfleck und ebenso gefärbter Postmedianquerbinde, die im Kostal-
felde in zwei kleine Flecken zerfällt und sonst durch die hellen
Rippen linienschmal geschnitten wird (ob auch bei ganz frischen
Exemplaren?); auf der Useite der Hfl ist am Vrande ein basaler
E. Strand. Lepidoptera aus Südwest-Australien. 137
und. ein postmedianer schwarzer Fleck vorhanden. Filspannung 45,
Vfllänge 22, Körperlänge 19 mm. — Die Rippe 8 der Hfl entspringt
aus 7 unweit der Basis.
Gen. Utetheisa Hb.
Utetheisa pulchellaLl.
Fundnotiz: Stat. Subiaco; 21. VII. 1905 (1 Exemplar dieses Ubi-
quisten).
Pseudoedaleosia Strand n. g.
Eine der durch Frontalfortsatz ausgezeichneten Lithosiiden,
also an Dedaleosia Hamps, Dohertya Hamps., Onychi-
podia Hamps. usw. erinnernd. Der Frontalfortsatz ist gerade nach
vorn gerichtet, etwas zugespitzt, endet mit einem kleinen, fast kreis-
förmigen Chitinring, ist also mit anderen Worten an der Spitze etwas
ausgehöhlt; unten: wird der Fortsatz von einer horizontalen, nach
unten konvex gebogenen, querverlaufenden Chitinleiste begrenzt, die
aus der Beschuppung wenig oder kaum hervorragt. Proboscis ist
nicht erkennbar, da aber auch die Palpen fehlen, abgerieben sind,
so fragt es sich, ob Proboscis wirklich fehlt oder abgerieben worden
ist. Antennen fehlen ebenfalls; nach einem Stummel des einen zu
urteilen, wären sie einfach fadenförmig. Vfl lang und schmal (13,5 mm
lang, 5,2 mm breit) mit geradem Vrand, schrägem und konvexem
Saum, der in gleichmäßiger Krümmung in den Hrand übergeht, und
ziemlich scharfer Spitze. Der Hleib überragt den Analwinkel um
ein Beträchtliches und ist für ein ® auffallend dünn. Im Vil ent-
springt 2 von der Ecke der Zelle ziemlich weit entfernt, 3, 4 und 5
nahe beisammen, jedoch unter sich deutlich getrennt, 6 von nahe
der vorderen Ecke, 7 aus der Spitze der Areola und in den Saum
ausmündend, 8 7 9 gestielt, aus demselben Punkt wie 7, aber
in den Vrand ausmündend, 10 aus dem Vrand der Areola, 11 frei
aus der Zelle und in ihrem ganzen Verlauf von 12 ziemlich weit
entfernt. Areola ist mäßig groß. Im Hil fehlt Rinne 5 und die
Discocellulare ist sehr undeutlich, ich glaube aber nicht zu irren,
wenn ich 3 + 4 und 6 + 7 als. kurz gestielt bezeichne. — Die
Metatarsen und Tarsen aller Beine dicht bestachelt, die Tibien IV
ziemlich lang quadricalcarat. Daß das vorletzte Abdominalsegment
lang und nach unten gerichtet ist, dürfte als Gattungsmerkmal kaum
in Betracht kommen, zumal die Richtung desselben bei der Präpa-
ration entstanden ist. — Type:
Pseudoedaleosia scoparioides Strand n. Sp.
Fundnotiz: Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 21. VII 1905
1 Y).
Kopf, Thorax und Vil grau, mit schwarzen Schuppen ziemlich
dicht überstreut, so daß der Gesamteindruck der Vil als braun-grau
bezeichnet werden kann. Am Ende des basalen Drittels läßt sich
zur Not eine höchst undeutliche, innen weißliche, außen schwärzliche,
138 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
schmale, saumwärts konvex gebogene Querbinde erkennen. Am Ende
der Zelle liegt ein kleiner, hellerer, wenig deutlicher Fleck und
innerhalb dieses läßt sich zur Not Andeutung eines dunkleren Quer-
feldes erkennen, während außerhalb des Fleckes eine schwarze,
*
zickzackförmige Querlinie verläuft, die außen weißlich angelegt ist -
und um das Ende der Zelle saumwärts konvex gebogen ist, während
das hintere Viertel dieser Linie etwa senkrecht auf den Hrand ge-
richtet ist und ihr Vorderende wurzelwärts scharf umgedreht ist. Eine
1 mm breite Saumbinde, die ein wenig dunkler als die Grundfarbe
ist, tritt nur schwach hervor. Useite der Vfl hellgrau, mit großem,
weißlichem, unregelmäßigem Discozellularfleck und etwas bräunliche
Bestäubung um diesen und längs der Submediana. Hil oben und
unten grauweißlich, in der Saumhälfte oben mit ganz schwacher
Andeutung eines Schattens, und so ist auch der Hleib gefärbt. Fl-
spannung 27, Villänge 13,5 mm.
Fam. Noctuidae
Gen. Phalaenoides Lew.
Phalaenoides tristifica Hb.
Fundnotiz: Stat. 127, Mundiiong; 21. 1X. 1905.
Ein Exemplar ohne Kopf und mit nur dem einen Hfl erhalten
halte ich für diese Art.
Gen. Ectopatria Hamps.
Ectopatria distineta Strand n. sp.
ERTBANEER| Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 7. u. 21. VI. 1905
938).
Es liegen mir 933 einer neuen Ectopatria-Art vor. Von
den in Hampsons Monographie, Taf. LXXVII, abegbildeten Formen
am besten mit aspera übereinstimmend, aber u. a. dadurch, daß
die postmediane Querlinie der Vil im Kostalfelde fast gerade ist,
leicht zu unterscheiden; dadurch weicht sie auch von subrufes-
cens WIk. ab. Sonst stimmt die Zeichnung der Vil gut mit ge-
nannten Arten, weicht aber von der von E.aspera (cf.. ce. fig. 27)
durch folgendes ab: Ringfleck und Nierenfleck sind weiß, im Inneren
nicht oder höchst undeutlich dunkler, letzterer ist sowohl vorn als
hinten undeutlich begrenzt; die postmediane Querlinie zeigt einen
kleinen Winkel im Dorsalfelde wie beiaspera und einen deutlicheren
auf der Rippe 4 oder 5, der vordere Schenkel dieses letzteren
Winkels erscheint etwa gerade und steht etwa senkrecht auf den
Vrand, auch der hintere erscheint im ganzen etwa gerade, indem
der Winkel im Dorsalfelde sich nur unbedeutend von den durch die
zickzackförmige Krümmung der Linie gebildeten Winkeln unter-
scheidet. Mitten durch das Saumfeld der Vil erstreckt sich ein
schwarzer Längswisch ähnlich wie beispilomata,beidistincta
erreicht er aber nur ganz schmal die Hinterspitze des Nierenfleckes
und erweitert sich nur ganz schwach und allmählich saumwärts,
statt wie beispilomata den Nierenfleck zu umfassen. Die ganzen
“
Pe
en
te ee u Di hei Me a a ae
E. Strand. Lepidoptera aus Südwest-Australien 139
Vfl-sind erheblich heller als bei aspera mit rein weißen Flecken
auf dem Vrande und ebensolchen Querlinien, ferner liegt ein sub-
medianer, schmutzig-weißlicher, runder Fleck zwischen der sub-
basalen und antemedianen Querlinie. Hfl weiß, an der Spitze nicht
oder nur ganz schwach gebräunt. Kopf und Thorax hell bräunlich-
grau. Patagia ockergelblich angeflogen mit schmaler, tiefschwarzer
Vrandbinde. Tegulae mit schwarzem Innenrandstrich. Abdomen
‚oben braungelblich, unten weißlich mit einer medianen und je einer
seitlichen Längsreihe schwarzer Flecke, die mehr oder weniger
fehlen können. Unten sind beide Fl schmutzig weißlich mit gelblichem
‚Schimmer, gebräunter Spitze und dunkler Saumlinie. Stirn hell
graubräunlich, hat aber iederseits am Augenrande einen kleinen
schwarzen Fleck. Alle Tarsen sind oben schwarz, schmal weiß
geringelt, unten einfarbig hellgrau. — Flspannung ca. 33 mm, Fllänge
14 mm, Körperlänge ebenfalls 14 mm.
Der Zwischenraum von Nieren- und Ringfleck erscheint bei
einigen Exemplaren als ein schwarzer, scharf markierter Längsfleck,
in dem dunklen Längsstreifen des Saumfeldes können zwei tief-
schwarze parallele Längsstriche sich abheben.
Ectopatria dimidiata Strand n. sp.
Fundnotiz: Stat. 65, Denham; 19. VI. 1905 (13).
Ein & von Denham ist der distincta sehr Ähnlich, unter-
scheidet sich aber durch folgendes: Patagia mit einer schwarzen,
parallel zu der schwarzen Vrandbinde verlaufenden Medianbinde und
mit dunklem Hrand, Tegulae ohne schwarzen Irandstrich, Hil. reiner
weiß und ohne dunklere Spitze, die postmediane Querlinie der Vil
verläuft wie bei subrufescens WIk. (cf. Hampsons Monographie
p. 653, f. 123), ist also am Vrande wurzelwärts gerichtet, bildet
ferner in ihrer Mitte eine mehr gleichmäßige Krümmung ohne einen
scharf hervortretenden Winkel, zwischen dem Ring- und Nieren-
fleck trägt das Kostalfeld einen schwarzen Querwisch, der allerdings
auch bei der Type von distincta vorhanden, aber weniger di-
stinkt ist, der helle Fleck zwischen Subbasal- und Antemedianlinie
ist weniger deutlich. Unten sind nur die Vfl an der Spitze leicht ver-
dunkelt. Flspannung 29, Fllänge 14 mm.
Ectopatria contrasta Strand n. sp.
' Ba Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 21. VI. 1905
1%).
Durch die dunklen Vfl mit aspera WIlk. und E. umbrosa
Hamps. nahe verwandt, weicht aber von beiden dadurch ab, daß der
Zwischenraum des Ringflecks und des Nierenflecks kleiner als der
Längsdurchmesser eines dieser Flecke ist, bei den genannten: Arten
dagegen etwa doppelt«so groß, die postmediane Querlinie ist in
der Kostalhälfte wenig gekrümmt, die Hil sind ganz weiß, nur mit
einer den Analwinkel nicht ganz erreichenden dunklen Saumlinie
und .Andeutung dunkler Teilungslinie der Fransen. Von der Ab-
- - Deutsche Entomnlogische Zeitsehrift „Iris“; herausgegeben vom Entomologischen Verein VI
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
140 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
bildung von aspera in Hampsons Monographie t. LXXVII, fig. 27
außerdem durch folgendes abweichend: Die subbasale Querlinie der
Vfl verläuft stark schräg und zwar am Vrande nur etwa halb so weit
von der Wurzel wie am Hrande; auch die antemediane Querlinie
ist mehr schräggestellt als beiaspera und zwar am Vrande um 3,
am Hrande um 5 mm von der Wurzel entfernt, die Linie verläuft
somit mehr wie bei umbrosa und auch die zickzackförmigen
Krümmungen der Linie sind ziemlich genau wie bei umbrosa;
der Ring- und der Nierenfleck sind nach vorn offen, bzw. ihr
helles Innere verlängert sich bis auf den Vrand, wo je zwei schwarze
Punktfilecke wie bei umbrosa gelegen sind; die postmediane Quer-
linie besteht aus zwei fast geraden, nur ganz schwach wellig ge-
krümmten Teilen, von denen nur der hintere und zwar in seiner
dorsalen Hälfte zickzackförmig gebrochen ist, der vordere dieser
Teile ist etwa 3, der hintere etwa 4 mm lang und sie bilden unter
sich einen ganz flachen, wurzelwärts offenen Winkel, der vordere
Teil steht fast senkrecht auf den Vrand. nur ganz leicht apikalwärts
geneigt; der Zwischenraum dieser postmedianen und der höchst
undeutlichen weißlichen sublimbalen Querlinie ist hell braungraulich
mit spärlicher, undeutliche Längsstriche bildender weißlicher Be-
schuppung und mit je einem schwarzen Längsstrich in den Feldern
4 und 5. Der Saum mit 8 scharf markierten schwarzen Punktflecken,
die innen fein weißlich umrandet sind. — Kopf und Thorax hell
graubräunlich, Stirn ein wenig heller, Palpen schmutzig-weißlich, das.
mediane und basale Glied außen schwärzlich beschuppt. — Die
Useite der Fl weiß, die Kostalhälfte der Vfl jedoch gebräunt, auch
im Kostalfelde der Hil sind einige, aber wenige dunkle Schuppen
erkennbar. — Hleib oben braungelb, unten weißlich mit einer Längs-
reihe von 2-3 schwarzen Flecken. — Tarsen oben schwarz mit
schmalen weißen Halbringen, unten braungraulich. Antennen braun-
gelb, basalwärts graulich. Vfllänge 14 mm, Körperlänge 12 mm.
Gen. Euxoa Hb.
Euxoa radians &.
Fundnotiz: Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 7. VI. 1905
(1 Exemplar).
Ein nicht gut erhaltenes Exemplar möchte ich für diese in Austra-
lien weit verbreitete und häufige Art halten.
Gen. Melicleptria Hb.
Melicleptria stramineipicta Strand n. sp.
? angel Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 21. VI. 1905
Vil olivenbraungelblich mit spärlichen.braunen Schuppen, die
sich zur Not als in Reihen längs der ziemlich deutlich weiß beschupp-
ten Rippen angeordnet erkennen lassen; im V- und Irandfelde spär-
liche weiße Beschuppung zwischen den Rippen; Vrand, Irand, eine
schmale Längsbinde vom basalen Drittel der Zelle bis zum Saume
E. Strand. Lepidoptera aus Südwest-Australien. 141
(zwischen den Rippen 5—6) sowie ein Streifen in der Subdorsalfalte
_ strohgelblich und so sind auch die Fransen gefärbt, vielleicht aber
- mit Andeutung dunklerer Mittellinie. Useite schmutzig-weißlich mit
schwachem gelblichem Schimmer, bräunlicher Bestäubung im Kostal-
felde und sonst vereinzelten braunen Schuppen hier und da, sowie
mit scharf markiertem, dunklem Discocellularfleck. — Hifl wie die
Vfl, aber ohne dunkle Beschuppung und ohne Discocellularfleck, oben
sind sie im Saumifelde, im Dorsalfelde noch etwas weiter wurzelwärts,
bräunlich bestäubt. Fransen weiß. — Kopf und Thorax oben wie
die Vfil, Abdomen oben mehr ockergelblich, unten ist der ganze
Körper von der weißlichen Färbung der Fl. Palpen weiß, an der
Spitze und oben graulich. Fühler braungelb. — Villänge 13, Körper-
länge 10 mm.
Melicleptria bipartita Strand n. sp.
Kr iyach Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 7. VI. 1905
108).
Von derselben Lokalität wie vorige Art, aber mit anderer
Datumangabe, liest eine ebenfalls männliche Melicleptria vor,
- die mit der vorigen so nahe verwandt ist, daß die Unterschiede als
spezifisch etwas fraglich sind; wenn man aber die Artunterscheidung
in dieser Gattung so weit treiben will, wie es von Swinhoe und
- Hampson gemacht ist, so muß auch vorliegende Form als besondere
Art behandelt werden.
Wie vorige Art, aber die Vil ohne weiße Beschuppung, jedoch er-
scheinen die Rippen, unter der Lupe gesehen, ein klein wenig heller
als die Umgebung; von den strohgelben Binden ist nur diejenige
_ in der Zelle, die aber nicht oder kaum den Saum erreicht, sowie
die des Irandes vorhanden; die Fl erscheinen unter der Lupe spärlich
mit schwarzen Atomen überstreut, die nur in der helleren Binde der
Zelle fehlen; schwarze Saumpunkte fehlen ganz oder fast ganz, die
Fransen mit zwei deutlichen dunklen Teilungslinien; Useite fast ohne
dunkle Bestäubung im Costalfelde. Thoraxrücken ein wenig heller,
mehr gelblich als bei stramineipicta m. — Aehnelt jedenfalls
moribunda Gn. sehr, aber nach Hampsons Abbildung zu ur-
teilen, wäre letztere Art durch breitere, weniger zugespitzte, mit
gekrümmtem (bei unserer Art geradem) Vrand versehene Vfl und
mehr einfarbige Hfl zu unterscheiden.
Gen. Anugana Strand n. g.
Der Typus dieser Gattung erinnert an Cosmophila Boisd.,
hat aber einen Analpinsel wie die Eutelianae und zeichnet sich durch
doppelte Areola aus; die vordere Hälfte der Areola ist sehr lang,
doppelt so lang wie die hintere Hälfte und aus ihrer Spitze eni-
springt der Stiel der Rippen 10 und 11; die hintere Hälfte ist von
der vorderen durch eine einfache Rippe getrennt, wie diese ganz
geschlossen, und apicalwärts ebenso weit reichend, aus ihrer Spitze
die Rippe 7 und den langen Stiel von 8 + 9 entsendend, von welchen
142 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Rippen 8 in die Spitze, 9 in den Vrand münden. Charakteristisch
ist auch das dünne stielförmige, am Ende aber stumpfe und leicht
erweiterte, vorwärts gerichtete Endglied der Palpen, während das
vorhergehende Glied nur bei den verwandten Gattungen gerade und
aufgerichtet ist, sowie um etwa % länger als das Endglied; es
scheint unten kurz und fein, etwas samtartig, abstehend beschuppt
gewesen zu sein, sonst aber wie das Endglied anliegend glatt be-
schuppt, während das Basalglied mit ziemlich langen abstehenden
Schuppenhaaren dicht bewachsen ist. |
Proboscis mächtig entwickelt. Die Stirn ist bei diesem Exem-
plar glatt und kahl, also wohl sicher abgerieben, Scheitel mit kurzer
wolliger Behaarung bewachsen. Thoraxrücken mit langer und etwas
ruppiger Behaarung, die jedoch keine Bürsten oder Kämme bildet
und bei ganz frischen Exemplaren wahrscheinlich anliegend oder
fast anliegend wäre. Der spitz konische, in einen kleinen Pinsel
endende Hleib ist ganz glatt und anliegend behaart. Antennen ein-
fach, fein ziliiert,kaum mehr als ”/s so lang wie der Vfl.e. Augen
unbehaart, groß, rund. Tibien unbestachelt, die hinteren in der
Endhälfte mit 4 Sporen, von denen die inneren doppelt so lang wie
die äußeren sind. Die größte Breite der Vfl verhält sich zur Länge
wie 8:16,55 mm; der Vrand ist gerade, nur an beiden Enden fast
unmerklich gebogen, der Saum ist schräg und bildet an der Rippe 5
einen stumpfen Winkel, sonst ist der Saum leicht wellig gekrümmt
und geht ganz allmählich in den schwach konvex gebogenen Hrand
über. Der Saum der Hil ist flach gerundet und sonst wie die Vil
wellenförmig; der Hleib überragt die Hil. Der Thorax ist ziemlich
robust, der Hleib apicalwärts verhältnismäßig dünn.
Im Hfl entspringt 2 nicht weit vor der Ecke, 3 + 4 aus der
Ecke ganz kurz gestielt oder wohl bisweilen aus einem Punkt,
5 entspringt zwar hinter der Mitte der Discocellulare, aber doch von
der Ecke etwa so weit wie 3 von 2 entiernt, 6 zwar dicht an der
Ecke, aber doch von 7 unverkennbar getrennt, 8 ist nur nahe der
Basis mit 7 verschmolzen, ist dann kostalwärts konvex gebogen und
verläuft von 7 weit getrennt. Im Vil verhalten sich 5 und 6 wie im
Hil, aber 2 entspringt weiter vor der Ecke, und 4 ist von 3 und 5°
fast gleich weit entfernt. — Type: y
Pr
Anugana limbatis Strand n. sp.
Fundnotiz: Stat. 80, Eradu; 13.7.1905 (18).
S: Vfl matt schwarz mit grauer, scharf markierter, mit schwarzen
Atomen überstreuter, etwa gleichbreiter (2—3 mm) Saumbinde, in
welcher eine Reihe von 7 schwarzen Sublimbalpunkten gelegen ist;
die Fransen scheinen größtenteils schwarz, aber an der Basis heller
zu sein. In dem dunklen Rest des Fl läßt sich eine submediane,
graubräunliche, wenig hellere Querbinde erkennen, die außen fast
gerade, innen dagegen wurzelwärts konkav gebogen erscheint, in
der Mitte 1,5 mm breit, im Dorsalfelde nach innen doppel-zähn-
förmig erweitert und daselbst bis 3 mm breit ist und jedenfalls’
h
E. Strand. Lepidoptera aus Südwest-Australien. 143
wurzelwärts von einem rötlichen, höchst undeutlichen Streifen be-
grenzt wird. Unweit der Basis läßt sich eine rötliche, durch einen
schwarzen Querstrich geteilte, undeutliche und unbestimmt begrenzte
Querbinde erkennen. Hil grau, basalwärts am hellsten, mit einem
vom Dorsalrande entspringenden, den Costalrand nicht erreichenden
sublimbalen schwarzen Querstreifen. Unten sind beide Fl bräunlich-
grau mit Andeutung ie einer schmalen schwärzlichen Submedian- und
Sublimbalbinde; im Vfl lassen sich die schwarzen Sublimbalpunkte
der Oseite auch unten erkennen, während die Hfil unten einen kleinen
schwarzen Discocellularpunktfleck zeigen. — Kopf und Thorax schwarz,
Scheitel z. T. heller, Abdomen grauschwarz, Fühler rötlichbraungelb,
an der Basis weißlich, Palpen schwärzlich, an der Spitze aber weiß-
lich und unten mit weißlichen Schuppen eingemischt. T’arsen braun
beschuppt, die übrigen Glieder schwarz oder grauschwarz behaart.
Flspannung 36 mm, Körperlänge 15 mm.
Gen. Chloridae Westw.
CGhlorideasarmisera Hb.
Fundnotizen: Stat. 121, Rottnest; 12.IX. 1905 (1 Exemplar),
Stat. 131, Serpentine; 23.—25. IX. 1905 (1 Exemplar).
Fam. Geometridae
Gen. Chlorochroma Gn.
Chlorochroma dichloraria Gn.
Fundnotiz: Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 7. VII. 1905
(1 Exemplar).
Ein schlecht erhaltenes Exemplar dürfte dieser Art angehören.
Fam. Psychidae
Gen. Plutorectella Strand n. g.
Das erste Glied der Tarsen I ist fast so lang wie die 4 folgenden
zusammen, die unter sich etwa gleichlang sind; die Spina der Tibia I
ist, soweit an dem Obiekt in dem jetzigen Zustand zu erkennen ist,
eine ganz feine Stachelborste, welche die Spitze des Gliedes kaum
überragt; letztere zeigt einen kräftigen, scharf zugespitzten, ganz
schwach gekrümmten, an der Basis verdickten, kurzen Chitindorn,
wie er auch an den übrigen Tibien vorkommt. Dabei ist es aber nicht
ganz sicher, ob das hier für Bein I gehaltene wirklich auch dies ist,
denn an dem Tier sitzt es nicht mehr und auch sonst sind die Beine
nur teilweise vorhanden. — Die Dorsalrippen der Vfl wie bei
Amicta:lib kräftig vorhanden, von der ziemlich rudimentären,
nur bis kurz außerhalb der Wurzel sich erstreckenden Ic getrennt,
mündet in den Irand unweit von dem Analwinkel und sendet nur
eine (?) Pseudorippe in den Irand, die, denselben anscheinend nicht
ganz erreichend, etwa gleich weit von der Wurzel und der Spitze
der Rippe 1b entfernt ist. Die basale Gabelung von 1b ist etwa
so lang wie 1c. Im Vfl fehlt Rippe 5 und noch eine, die wohl
9 sein wird (7 ist im einen Fl nur als ein kurzer Stummel vorhanden,
im anderen vollständig), 3 ist von 2 etwa doppelt so weit wie von
144 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
[111mm —
4 entfernt, 6 ist von 7 deutlich entfernt,7 ist mit 8 ganz kurz gestielt
oder entspringt aus demselben Punkt, 8 mündet in den Saum dicht
hinter der Spitze, 10 aus dem apicalen Drittel des Vrandes der Zelle,
11 aus der Mitte dieses Randes. Im Hfl sind alle 8 Rippen vor-
handen, 3 ist etwa viermal so weit von 2 wie von 4 entfernt,
4 und 5 aus einem oder fast einem Punkt, 6 von 7 weit entfernt,
8 aus dem Vrande, von der Ecke weit entfernt, scheint keine Pseudo-
rippen in den Vrand zu entsenden. Alle Fl kurz, breit und am Ende
breit gerundet; Vrand in den basalen ”/s gerade, dann nach vorn
konvex zekrümmt, der Saum nur ganz schwach gebogen. Fühler
bis zur Spitze doppelkammzähnig. — Type:
Plutcrectella abdominalis Strand n. sp.
Fundnotiz: Südwest-Australien (ohne weitere Angabe).
1& mit nur 3 Fl und ohne Hleib, excl. im Museum 14. VI. 1906,
Flspannung 21,5 mm, Vfllänge 10 mm, Breite dieser Fl 5 oder fast
5 mm, Fühlerlänge 4,5 mm. — Kopf und Vorderteil des Thorax, oben
wie unten, schwarz oder schwärzlich, ziemlich dicht und lang be-
haart, der Rest des Thorax heller, etwa dunkel rehfarbig behaart.
Beine braungelblich mit ebensolcher Behaarung, an den Tarsen zum
Teil Andeutung hellerer Ringelung. Fühler schwärzlich mit ein
wenig hellerer Oseite der Geißel. Fl spärlich aber zum Teil ziem-
lich lang behaart oder mit haarähnlichen Schuppen bekleidet, im
Saumfelde fast ganz nackt erscheinend (abgerieben?) und auch sonst -
kommt die Flmembran überall zum Vorschein. Im Vfl, unten auch
im Hil, erscheinen die Rippen größtenteils ein wenig heller als ihre
Umgebung. Kammzähne der Fühler am Ende kürzer.
Aus welchem Sack dies Exemplar geschlüpft ist, ist nicht be-
sonders notiert.
Gen. Clania WIk.
Claniaignobilis WIk.
Fundnotiz: Stat 93, Kalgoorlie; 29.—30. VI. 1905.
Es liegen acht Säcke vor, die mit der Beschreibung, die Froggatt
in „Australian Insects“ p. 245 n. Taf. XXV und Meyrik & Lower in
ihrer Revision der australischen Psychiden geben, übereinstimmen.
Anm. Es liegen außerdem viele in Borkenritzen von Eucalyptus
gefundene Säcke vor, die einer und derselben Art anzugehören
scheinen, die ich aber nach den Säcken allein nicht bestimmen kann.
Einige ähneln allerdings dem von Froggatt 1. c. abgebildeten Sack
von Thyridopteryx huebneri Westw.
Ferner liegt in einem Exemplar ein Sack vor, der 55 mm lang
und 15—20 mm breit ist, nach beiden Enden verschmälert und sich
hauptsächlich dadurch auszeichnet, daß die Bedeckung aus kurzen,
etwa 10—15 mm langen, quer angebrachten Zweigen besteht, die
am Ende meistens schräg geschnitten und mehr oder weniger zu-
gespitzt sind. Der Sack ist an einem Borkenstück befestigt durch
einen ca. 10 mm langen, aus Seide gesponnenen und außen mit feinen
E. Strand. Lepidoptera aus Südwest-Australien. 145
Borkenstückchen dicht belegten Fortsatz, der sich auf dem Borken-
stück fußartig erweitert (bis 10 mm im Durchmesser). Fundnotiz:
Boorabbin, 2.VII. 1905. — In der Literatur kann ich keine mit Sicher-
heit auf diesen Kokon zu beziehende Beschreibung finden.
Fam. Pierididae.
Gen. Delias Hb.
Delias aganippe Don. God.
Fundnotiz: Stat. 75, Geraldton; 7. VII. 1901 (1 Exemplar).
Gen. Pieris Schrk.
Pieris (Anaphaeis) teutoniaF.
Fundnotiz: Stat. 67, Dirk. Hartog, Brown Station; 7. VI. 1905
(1 Exemplar).
Fam. Danaidae.
Gen. Danaida Latr.
Danaida (Limnas) petilia Stoll.
Fundnotiz: Stat. 76, Day Dawn; 9.—10. VII. 1905 (1 Exemplar).
Fam. Satyridae.
Gen. Xenica Westw.
XenicaKlugi Guer.
(Geitoneura singa Bil.)
Fundnotiz: Stat. 109, Subiaco, nördl.; 10.X.1905 (1 Exemplar).
Fam. Nymphalididae.
Gen. Pyrameis Hb.
FEN IITERSPTATOUL
Fundnotiz: Stat. 109, Subiaco, nördl.; 3.IX. 1905 (1 Exemplar).
Das Exemplar ist klein: Flspannung 41, Fllänge 22 mm. Die
dunkle Binde, die über die Mitte der Zelle der Vfl, über die Basis
des Feldes 2 und bis zum Irande hinzieht, ist zusammenhängend und
zwar unten wie oben.
Gen. Junonia Hb.
Junoniavillida-F.
Fundnotiz: Stat. 150, Jallingup, Höhlen-Bezirk; 4.X. 1905 (ein
stark geflogenes Exemplar).
Die Art soll überall auf Neu-Holland, sowie auf Tasmania, Neu-
Seeland, Java und Sumatra vorkommen.
Fam. Lycaenidae.
Gen. Chrysophanus Hb.
Chrysophanus discifer H.-Sch.
Fundnotiz: Stat. 139, Brunswick; 7.10.1905 (1 Exemplar).
Chrysophanus cyanites Meyr.
Fundnotiz: Stat. 65, Denham; 13. VI. 1905 (1 Exemplar).
Das Exemplar von Denham stimmt mit der Abbildung Herrich-
Schäffers von „LycaenaerinusF.“ in Exot Schmett. li. f. 121 mit
146 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
der Ausnahme, daß das Blau der Öseite heller und stark glänzend ist,
die schwarze Randbinde der Vil verbreitert sich plötzlich an der
Spitze der Vfl und erstreckt sich daselbst bis oder fast bis zur
Zelle, dagegen ist die schwarze Saumbinde der Hil ein wenig
schmäler, sowie wurzelwärts gezackt; die Fransen beider Fl grau
ohne dunklere Flecke. Dann ist die Größe geringer: nur 12 mm
Vfllänge.— Nach den mir unter dem Namen Holochila erinusF,
vorliegenden Vergleichsexemplaren ist die Färbung der Öseite
letzterer Art recht variierend, dagegen ist die Useite ganz konstant,
Am meisten abweichend bei meinem Exemplar ist eigentlich die
geringe Größe sowie die scharf markierte hellblaue Färbung der
Oseite, — Jedenfalls ist diese Form identisch mit dem von Meyrick
in Proc. Linn. Soc. N.S.Wales (2) II (1887) p. 828 beschriebenen
Polyommatuscyanitesn.sp.; ob diese aber von P.erinus
F. wirklich spezifisch verschieden ist, kann noch fraglich sein.
Gen. Lycaena F.
Lycaenabiocellata Feld.
Fundnotizen: Stat. 65, Denham; 13.—20. VI. 1905.
Stat. 88, Moora; 8. VIII. 1905.
Vorliegend 5 Exemplare.
„Lycaena“ serpentata H.-Sch.?
Fundnotizen: Stat. 65, Denham; 9.—13. VI. 1905;
Stat. 67, Dirk Hartog, Brown Station; 21. VI. 1905.
Vorliegend 5 Exemplare. Die Art ist mit Lyc. serpentata
H.-S. jedenfalls sehr nahe verwandt. Von dem einzigen mir vor-
liegenden, als serpentata bestimmten Exemplar weichen diese
fünf ab durch mehr oder weniger blaue Färbung der Basalhälfte der
OÖseite der Fl; bei einem Exemplar ist nur noch eine etwa 2 mm
breite Saumbinde und eine schmälere Vrandbinde von der schwarzen
Grundfärbung übrig, und die Grenze zwischen der schwarzen und
blauen Partie tritt ganz scharf hervor, bei den übrigen allerdings
weniger gut erhaltenen Exemplaren ist die Blaufärbung weniger
ausgedehnt und mit verwischten Grenzen. Dies gut erhaltene Exem-
plar zeigt im Vil Andeutung eines feinen schwarzen Discozellular-
querstriches und in der Saumbinde der Hil ist hinter der Mitte An-
deutung einer blau-weißlichen Submarginalbinde erkennbar. Die
Fransen beider Fl weiß mit dunklen Flecken. Hfl mit einem feinen
kurzen Schwänzchen. Vfl unten im Grunde dunkel, etwa graubräun-
lich, mit scharf markierten weißen Querstrichen, die längs der Mitte
des Fl in einer Anzahl von 6 vorhanden sind, abgesehen von einer
Reihe weniger deutlichen Submarginalstrichen. Useite der Hil am
meisten charakteristisch durch die weiße Postmedianquerbinde, die
in den Feldern 4 und 5 sich zu Längsflecken verbreitert und im
Felde 6 unterbrochen und nach innen verschoben ist. Ferner tragen
die Hil unten je eine basale und eine antemediane weißliche Querbinde
E. Strand. Lepidoptera aus Südwest-Australien. 147
Die Fransen sind an der Mitte des Saumes dunkel, sonst weißlich.
Flspannung 17, Villänge 9,5 mm (&). — Augen behaart.
Sollte die Art neu sein, so möge sie den Namen serpentatoides
m. bekommen.
Gen. Cupido Schrk.
Cuwbiao’boeticust.
Fundnotiz: Stat. 103, Guildford; 19. V.1905 (3 Exemplare).
Die Exemplare sind nicht ganz tadellos erhalten, gehören aber
jedenfalls einer mit boeticus wenigstens sehr nahe verwandten Art
an, die mit der von Herrich-Schäffer (in: Stettiner Entom. Zeitschr.
1869, p. 73) unter dem Namen „Lycaena archias Cr.?“ erwähnten
identisch sein dürfte, Cramers Papilio archias ist jedoch aus
Süd-Amerika beschrieben worden. Da boeticus auch aus Austra-
lien angegeben wird, dürfte es sich hier doch um diese Art handeln,
wenigstens kann ich, so wie die Exemplare sind, keine zuverlässige
spezifische Unterschiede von afrikanischen boeticus finden; daß
die Vfllänge nur 12—13 mm beträgt, möge iedoch erwähnt werden.
Fam. Pyralididae.
Gen. Mecyna Gn.
Mecynaornithopteralis @n.
Fundnotiz: Stat. 131, Serpentine;: 23.—25. IX. 1905 (1 Exemplar).
Fam. Tortricidae (sensu lat.).
Gen. Bactra Steph.
Bactra australiana Strand n. sp.
Fundnotizen: Stat. 146, Boyanup; 1.—3. VIII. 1905 (1 8);
19) 119, Fremantle, Obelisk - Hügel; 20. V. 1905
2):
d (Type!). Flschnitt weicht von dem der Type der Gattung (lan-
ceolana Hb.) durch weniger scharfe Spitze der Vfl ab, weniger
schrägen und hinter der Spitze nicht oder kaum eingebuchteten, daher
leicht konvex erscheinenden Saum der Vil, der Vrand dieser Fl ist
der Länge nach schwach und gleichmäßig konvex und die Spitze
der Hil ist nicht ganz so scharf wie bei anceolana. Ich glaube
auf diese Abweichungen keinen generischen Wert legen zu müssen und
befinde mich hierin in Uebereinstimmung mit Meyrick (cfr. Proc.
Linn. Soc. N.S.Wales 1911 XXXVI. 252), der die innerhalb der Gat-
tung in seinem (und meinem) Sinn vorhandenen Unterschiede im
Flschnitt nur für die Unterscheidung der Arten verwendet. — Vil
ockergelblich, auf dem Vrande bei % und °/s je ein kleiner bräun-
licher Wisch, in der apical-dorsalen Hälfte des Fl ein dunkel blei-
grauer, mitten mit einigen wenigen und am Rande dichter mit braun-
gelben Schuppen belegter, etwa dreieckiger Fleck, dessen eine Seite
parallel zum Vrande verläuft und dessen gegenüberstehende Spitze
auf dem Dorsalrande ruht, während die distale Spitze von dem Saume
deutlich entfernt bleibt. Der ganze Vil zeigt, wenn rein, offenbar
einen ganz schwachen messinggelblichen Schimmer. Unten sind die
148 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Vfl dunkelgrau mit gelblichem Vrand, Saum und Fransen; letztere
schimmern, ebenso wie oben, schwach metallisch; am Dorsalrande
ein grauweißlicher Streifen. Hfl oben dunkelgrau und matt mit hell-
gelblichen Fransen, unten ein wenig heller und gleichmäßig schwach
hellgelblich schimmernd. Kopf und Thorax oben und unten wie die Vil,
Hinterleib heller, insbesondere an der Spitze. Beine dunkel, oben
heller und mit feinen helleren Ringen an den Tarsen. Palpen ocker-
gelb, innen heller. Flspannung 18 mm, Vfllänge 8,3 mm, Körperlänge
6 mm.
Bei dem @ erscheint das Gelb der Vfl noch dunkler, mehr bräun-
lich und in der Endhälfte mit einigen feinen dunklen Schuppen über-
streut, der dunkle apical-dorsale Fleck ist etwa viereckig, jedoch
verwischt, weniger deutlich als beim 3 und erscheint der Länge
nach fein durchbrochen (was ein Zufall sein könnte); der ganze V-
rand der Vfl ist linienschmal dunkel, dagegen hat das Costalfeld
nicht zwei dunkle Flecke. Sonst von dem 3 kaum verschieden.
Gen. Procalyptis Meyr.
Procalyptis albanyensis Strand n. sp.
Fundnotiz: Stat. 165, Albany; 13.—22. VIII. 1905 (1 Exemplar).
Von der in West-Australien und zwar im November fliegenden
Proc. oncota Meyr. dürfte unsere neue Art abweichen durch
mehr dreieckige, an der Spitze schärfere Vil, die dunklen Zeich-
nungen der Vfl bestehen größtenteils aus tiefschwarzen Punktfleck-
chen, die Palpen sind nicht weißlich, wohl aber hell graugelblich
mit feinen dunkleren Punkten, Abdomen graubraun mit etwa 6 un-
deutlich helleren Querbinden, die Vfl zeigen einen schwach grau-
lichviolettlichen Anflug, während die rötlich-ockerbraune Grundfarbe
nur noch als feine subparallele Querbinden zum Vorschein kommt,
auf denen die zahlreichen schwarzen Punkte und Punktflecke mehr
oder weniger regelmäßig angeordnet sind, also etwa Querreihen
bilden. Hrand in den apicalen zwei Dritteln linienschmal weiß
mit tieischwarzen Punkten. Hil grau mit weißlichen, höchst un-
deutlichen Querflecken oder Fleckenquerreihen, die dem Flügel eine
etwa netzförmige, höchst verloschene Zeichnung verleihen, die auf
der Useite als reine deutlichere dunkle Fleckenzeichnung hervor-
tritt. Die Vfil sind unten graubräunlich, im Kostal- und Saumfelde
ein wenig heller mit dunkleren Querstrichen, die Fransen und der
Kostalrand leicht gebräunt. Villänge 8,5, Körperlänge 7 mm.
Die feinen fadenförmigen Antennen sind weißlich, an der Basis
ein wenig dunkler, sonst mit Andeutung äußerst feiner dunkler Ringe.
Die Palpen erscheinen im Profil etwa doppelt so lang wie der Kopi,
das zweite Glied durch die dichte und etwas abstehende Beschup-
pung der Oseite ungefähr dreieckig, das dritte an der Spitze ziemlich
stumpf, weil ebenfalls dicht und etwas abstehend beschuppt. Stirn
und Scheitel rauh und ebenfalls etwas abstehend beschuppt.
G. Warnecke. Doerriesia. 149
Doerriesia.
(Bemerkungen über ostasiatische und sibirische
Großschmetterlinge.)
Von G. Warnecke, Altona (Elbe).
(Hierzu Tafel II).
Die Anregung zu den nachstehenden Bemerkungen und
Untersuchungen verdanke ich meinem verehrten Lehrer
in der Entomologie, dem am 31. Dezember 1916 im fast
vollendeten 95. Lebensjahre verstorbenen Nestor der Ham- |
burger Entomologen, Fr. Doerries, in dessen reicher Samm-
lung ich oft Belehrung gefunden habe. Seinem Andenken
sollen die nachfolgenden Zeilen gewidmet sein. Sein Lebens-
bild ist in der Gubener Ent. Ztschr., Bd. XIV, 1920/21,
S.113ff von seinem ihm im Jahre 1921 in den Tod ge-
folgten Freunde A. Selzer, dem unvergeßlichen Vorsitzenden
“ des Entomologischen Vereins zu Hamburg-Altona, in liebe-
vollen Zügen gezeichnet. —
Die nachstehenden Ausführungen werden auch einige
Ergänzungen und Berichtigungen zu dem Seitzschen
Schmetterlingswerk enthalten. Kein billig Denkender wird
erwarten, daß ein derartig umfassendes Werk, das zum
. ersten Mal die ungeheure Formenzahl der Großschmetter-
linge übersichtlich dargestellt hat, so vollständig sein könnte,
daß für Zusätze kein Raum ist, und wird daher die nach-
stehenden Bemerkungen nicht als Bemängelungen deuten.
Das Seitzsche Werk ist eine so gewaltige Leistung, daß
es durch einzelne Berichtigungen nicht leiden kann. Es
liegt mir daran, dies ausdrücklich festzustellen.
1. Papilio xuthus L.n. f. unimaculata Warn.
Xuthus hat in der Regel im Apex der Vfl zwei schwarze
Flecke entsprechend der seltenen Form bimaculata
von P. machaon L. Zwei Exemplare, früher ın der
Doerriesschen Sammlung, weisen ausnahmsweise nur den
einen, bei machaon in der Regel nur vorkommenden
Fleck auf. Diese Form soll als unimaculata unterschieden
werden.
2.Lycaena arionides Stgr. und n. f. selzeri Warn.
T. I, Fig. 5—7.
Arionides ist in den größten Stücken der Riese unter
den paläarktischen Lycänen. Der Falter ist grade durch seine
150 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Größe, auch vom ästhetischen Standpunkt aus, dem selbst
eine wissenschaftliche Betrachtung wohl Rechnung tragen
darf, einer der schönsten seines Geschlechtes. Seine ganze
Erscheinung ist so auffallend, daß er auf den ersten Blick
schwerlich mit einer anderen Art verglichen werden kann.
Und doch haben sowohl Staudinger wie Courvoisier, die
allein über diesen Falter ausführlicher geschrieben haben,
Zweifelgeäußert,ober nichtalsRasse zu arion L.zu ziehen sei.
Staudinger, der die Art in den Memoires Romanoff Ill
(1887) S.141 zuerst beschrieben hat und auf Taf. VIL, Fig.1la
bis c hat abbilden lassen, meint in dieser Erstbeschreibung,
arıonides könne wohl nur als eine sehr interessante
Lokalform von arion angesehen werden und vertrete
arıon im Amurgebiet. Durchschnittlich sei arıonides
größer als arıon, es kämen aber auch recht kleine
Stücke vor. Gleichzeitig weist er aber auch auf die von
arıon recht verschiedene Useite hin, die ganz licht blau-
grau und mit großen Flecken geziert sei. Auch 1892
(Me&em. Rom. VI, p. 166, in der Schmetterlingsfauna des
Amurgebiets) scheint Staudinger von der Artberechtigung
nicht völlig überzeugt gewesen zu sein, wenn er an-
scheinend jetzt auch mehr zur Annahme einer eigenen Art
neigt. Er meint, ob man diese auffallende arıonides
als eine Lokalform (besonders des südlichen Amurgebiets)
von arıon oder als eigene Art anzusehen habe, müsse der
individuellen Ansicht überlassen bleiben; nachdem aber
Graeser eine andere arion var., wenn auch nur im nord-
westlichsten Amurgebiet gefunden habe (es handelt sich
um arion cyanecula Ev.), so dürfte arionides so
lange als Art zu betrachten sein, bis Uebergänge dazu im
Amurgebiet gefunden würden.
Es muß allerdings hierzu bemerkt werden, daß Graeser
die von ihm gefundenen cyanecula nur vorläufig zu
dieser Form gestellt, es aber entschieden abgelehnt hat,
sıe als zu arıon gehörig anzusehen. — Auch die Zu-
gehörigkeit der echten zentralasiatischen cyanecula zu
arıon erscheint übrigens noch nicht genügend gesichert.
Doch kann ich an dieser Stelle nicht näher darauf ein-
gehen. Wird die Zugehörigkeit dieser Form zu arion
verneint, so besteht nach unserer jetzigen Kenntnis gar
keine Verbindung zwischen den Verbreitungsgebieten von
arıonides und arion, ein Umstand, der ebenfalls für
zwei verschiedene Arten spricht.
G. Warnecke, Doerriesia. 151
Auch Uebergänge von arıon zu arionides sind
bisher nicht gefunden. Allerdings hat erst vor 3 Jahren
Scriba eine arion-Rasse aus Japan beschrieben (Ento-
mologische Rundschau, 1921, 38. Jahrg., S. 25, Fig. 1 und 2),
‚woher arıon bisher noch nicht bekannt war. Aber ich
vermag weder nach den Abbildungen der Öseite, die
übrigens erheblich an manche ostasiatischen euphemus-
Formen erinnern, noch aus der Beschreibung zu entnehmen,
daß hier ein Uebergang zwischen arıon und arionides
vorliegen könnte.
Vorber hat Courvoisier in der Stuttgarter Entom.
Zeitschrift 1910/11, 24. Jahrg., S. 203, über arıonides
ausgeführt, es lasse sich verantworten, diese prächtige '
Form zu arıon zu ziehen, denn abgesehen von der
durchschnittlich bedeutenderen Größe und der hellblauen
Färbung der oberen, der blauweißlichen Grundfarbe der
unteren Seite, lasse sich eigentlich kein Unterschied fest-
stellen, zumal die Zahl, die Form und die Anordnung der
verschiedenen Flecken und Punkte bei beiden genau gleich
sei. Nur die Größe der letzteren seı bei arionides in
der Regel bedeutender, doch erwähne auch Staudinger
Stücke mit nur wenigen kleinen Punkten.
Courvoisiers Darlegungen sind indessen unvollständig.
Er erwähnt nicht die ganz unzweifelhaft verschiedene
Zeichnung der Useite, trotzdem hierauf schon Staudinger
hinweist. Es genügt, Staudingers eigne Worte wieder-
zugeben: „Besonders auffallend sind (auf der Useite) die
beiden großen schwarzen Flecken in der Mittelzelle der
Vfl und die dahinter stehende Fleckstreifenbinde, die bei
‚arion stets nur aus runden Augenflecken besteht“. Ich
will hinzusetzen, daß ich unter etwa 100 arıon der ver-
schiedensten Herkunft nur 2 Falter gefunden habe, bei
denen diese Augenflecken in die Länge gezogen sind; es
handelt sich hierbei — wie schon die Seltenheit ergibt —
um eine individuelle Abänderung, wie sie bei allen Lycänen
mit runden Augenflecken ausnahmsweise beobachtet werden
kann. Außerdem erreichen die Flecken bei diesen beiden
Faltern auch nicht annähernd die Größe wie bei arıo-
nides und sind auch weiß umringt, was bei letzterer Art
nie der Fall ist.
Die Fleckenbinde auf der Useite von arıonides
‚entspricht der breiten Fleckenbinde der Oseite. Bei den
© schlägt sie nicht etwa nur auf der Useite durch, sondern
152 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
die einzelnen Flecke sind sogar noch vergrößert. Auch
bei den g' ist useits eine vollständige Fleckenbinde vor-
handen. Bei dem abgebildeten g', das oseits sehr wenige
Flecke zeigt (vgl. die Abbildung des g' im Seitz damit),
ist auf der Useite der Vfl eine zusammenhängende Flecken-
binde von ungefähr der Größe vorhanden, wie sie das
abgebildete @ oben zeigt. Man kann daher — ganz ab-
gesehen davon, daß die Färbung der Useite ganz hell blau-
grau ist und die Flecke auf den Vfl nicht hell umrandet
sind — nicht davon sprechen (wie Courvoisier es tut), daß
sich „eigentlich“ kein Unterschied auf der Useite feststellen
lasse.
Diese Unterschiede gegenüber arıon verringern sich
nun auch nicht — und das scheint mir von wesentlicher
Bedeutung zu sein — bei kleineren Stücken der ario-
nides. Wenn es sich wirklich um Formen ein und der-
selben Art handeln sollte, so liegt es nahe, anzunehmen,
daß mit dem Fortfall des einen Merkmals, das die beiden
unterscheidet, nämlich mit dem Fortfall der Größe, auch
die übrigen Unterschiede sich verwischen müßten, sodaß
solche Stücke sich als die Uebergänge zu arıon erweisen
könnten, von deren Auffindung ım Amurgebiet Staudinger
die Beantwortung der Frage der Zugehörigkeit zu arıon
abhängig machen will. Solche Uebergänge sind aber auch
die kleinsten Formen von arıonıdes nicht; auch sie
halten in Zeichnung .und Färbung die Unterschiede gegen
arıon ebenso konstant fest wie die großen Formen.
Ich besitze aus der Doerriesschen Sammlung ein Stück,
das an Kleinheit wohl schwerlich übertroffen werden kann.
Es ist trotz der stark ausgebildeten Flecken der Vfl ein g'.
Useits zeigt es diese Fleckenreihe noch größer als auf der
Öseite, ebenso zwei große schwarze Flecke in der Mittel-
zelle. Die Färbung der Useite ist blauweißlich wie bei den
größten arıonides, die der Oseite ist noch einen Ton
heller und entfernt sich dadurch noch mehr von dem Blau,
das arion zeigt. Es läßt sich leider nicht mehr aufklären,
ob diese auffallende Form eine individuelle Abänderung ist
oder — wie Doerries und Graeser öfter äußerten — eine
ausnahmsweise auftretende zweite Generation darstellt. In
jedem Fall ist aber die Erteilung eines besonderen Namens
gerechtfertigt. Ich benenne die Form zum Andenken an den
hervorragenden Kenner der Lycaenidenbiologie A.Selzer in
Hamburg.
G. Warnecke. Doerriesia. 153
Diese f. selzeri ist in jeder Beziehung eine Verkleinerung
von arionides und zeigt nirgends eine Annäherung an
arion.
Auch ohne Untersuchung der Genitalien, die mit Rück-
sicht auf die Seltenheit der abgebildeten Formen noch unter-
lassen ist, kann daher arıonidesals gute Art angesehen
werden.
3.Cerura bicuspis Bkh. und lanigera Butl.
Grünberg sagt im Seitz, Band II, S. 286, daß in Ostsibirien
(Ussuri) nur die Form infumata von bicuspis vorkomme.
Diese Angabe trifft nicht zu. Schon Staudinger erwähnt
in seiner Fauna des Amurgebietes (M&m. Rom. VD), daß
er 2 g' der Stammform, die den deutschen glichen, besitze.
Auch ich besitze aus der Doerries’schen Sammlung 1 g'
vom Ussuri, das eben so hell ist wie deutsche Exemplare; es
fehlt ihm sogar, wie aber auch einem g'! meiner Sammlung
aus Deutschland (Berlin), die mennigfarbene Begrenzung
- der Mittelbinde und des schwarzen Flecks am Apex der Vfl.
Nach Staudingers Angaben sind die ostasiatische lani-
gera und bicuspis infumata schwer voneinander zu unter-
scheiden. Doerries und ich haben gefunden, daß bei bicuspis
die beiden schwarzen Flecke auf der Spitze des Hleibes
schärfer ausgeprägt sind und weiter auseinander stehen als
bei lanigera.
4. Nadata splendida Obth.
Die Abbildung der Art im Seitz, II, Taf. 46c kann nicht
zutreffend sein; auch die Beschreibung auf S. 311 ist irre-
führend. Es wird in der Beschreibung gesagt, daß die Art
keinen Schuppenzahn am Irand habe. Tatsächlich hat
splendida einen Schuppenzahn, wenn er auch bei weitem
nicht so groß ist wie bei der Art cristata Butl. Staudinger
weist in seiner Fauna des Amurgebiets ausdrücklich darauf
hin, daß splendida einen Schuppenzahn zeige; es ergebe
sich schon daraus, daß diese zu keiner anderen bekannten
paläarktischen Notodontine passende Art doch zu den Noto-
dontinen gehöre.
Oberthürs Originalbeschreibung und Abbildung kann
ich augenblicklich nicht einsehen; ich habe aber kein Be-
denken, die mir vorliegenden, von Staudinger s. Zeit selbst
als Oberthürs splendida bestimmten Falter, die Doerries’
Söhne im Ussurigebiet aus Raupen gezogen haben, als die
wirklichen splendida anzusehen. Auch sie zeigen deut-
lich den von Staudinger erwähnten Schuppenzahn.
154 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Zu bemerken ist endlich noch, daß die auch im Seitz
erwähnten zwei kleinen Flecke nicht dunkelbraun, sonder
silberweiß sind. |
5. Actornisalba Brem.
Strand gibt im Seitz II, S. 123 an, daß Bremers Angabe,
der Falter habe in der Mitte der Vfl. einen ockerfarbigen
Fleck, wohl auf einem Versehen beruhe; es sei, da Bremer
den Diskozellularstrich gar nicht erwähne, diese Bezeichnung
jedenfalls ein Lapsus statt schwarzer Fleck.
Hierzu ist zu bemerken, daß alba sowohl einen schwar-
zen, wie einen ockerfarbigen Diskozellularfleck tragen kann.
Schon Staudinger schreibt in seiner Amurfauna (S. 308):
„Der äußerst kleine verloschene Mittelpunkt der Vfl, den
Bremer mit „ochraceum“ bezeichnet, ist meist schwärzlich,
nur selten wirklich ockergelb; aber er fällt fast garnicht auf.
Mir liegt ein Stück vom Ussuri vor, das ebenfalls einen
ockergelben Fleck trägt.
Die Form mit schwarzem Mittelpunkt soll als n. f. nigri-
punctata unterschieden werden.
6. Cosciniastriatal.und bona spec. bipunctata
Stgr. (T. II, Fig. 1—4).
Die Nominatform von striata hat, wenn wir Linnes
Diagnose auf beide Geschlechter beziehen, sowohl im
männlichen wie im weiblichen Geschlecht auf den Vfl
schwarze Längsstreifen (zu vgl. Linne, Systema naturae,
XI, p. 831 Sp. 75: grammica. Bomb. spirilinguis, alis
deflexis luteis, superioribus flavis nigrolineatis, inferioribus
fascıa terminali nigra, und Fauna suecica ed. nov. Nr. 1134:
alae sup. angustae, luteae, pallidiores, striis longitudinalibus‘
nigris subramosis, etc.). Die @Q zeigen allerdings meistens
nur Spuren der schwarzen Längsstreifen. 8
Aus der Beschreibung Linnes ist nicht zu entnehmen,
ob er die Form mit einem Mittelmond am Ende der
Mittelzelle der Vfl vor sich gehabt hat oder diejenige, die
statt dessen zwei Punkte dortselbst aufweist. Bei den
späteren Autoren sind die Ansichten darüber getrennt,
welche Form als die typische anzusehen ist. Meiner
Meinung nach sollte bei europäischen Faltern auf diese
Unterscheidung kein erhebliches Gewicht gelegt und es
sollten keine besonderen Namen gegeben werden. Denn
jedenfalls bei der mitteleuropäischen Rasse liegt die Sache
so, daß das g'! weit überwiegend einen Mittelmond au
weist, während beim © an dieser Stelle recht oft statt
irnecke, Doerriesia.
Be
a
ED
EEE TEEN,
en 2A
G. Warnecke. Doerriesia. 155
dessen nur zwei getrennte Punkte auftreten. Aber der
Mittelmond ist auch nur dadurch entstanden, daß die zwei
sattschwarzen Punkte durch eine, meist schwächer schwarze,
Linie verbunden werden.
Auf keinen Fall kann aber auf solche Formen der
europäischen striata mit zwei schwarzen Punkten am
Schluß der Mittelzelle der Name der sibirischen bipunc-
tata angewendet werden. Denn bipunctata ist als
eigene Art anzusehen. Ueber ihre genaue Charakterisierung
herrschen allerdings noch Zweifel. So wird sie im Seitz
(ll p. 72) als eine Form beschrieben, die hellisabellgelbe
Vfl habe und keine andere Zeichnung aufweise als zwei
separierte schwarze Punkte auf den Enden der Querader,
und weiter wird gesagt, daß diese Aufhellung zumeist
mit einer Reduktion der schwarzen Hflbinde zusammen-
gehe. In Müller-Vorbrodts drittem Nachtrag zur Schweizer
Lepidopterenfauna werden unter dem gleichen Namen und
mit fast der gleichen Charakterisierung, wie sie eben
wiedergegeben ist, mehrere bei Naters ın der Schweiz
gefangene g'g'! erwähnt.
Diese Kennzeichnung trifft indessen auf die sibirische
bipunctata nicht zu. Hier hat wahrscheinlich die un-
genügende Diagnose im Staudinger-Rebel-Katalog III p. 372
irre geführt. Allerdings hat bipunctata statt des Mittel-
mondes zwei Punkte. Aber sie zeigt außerdem, wie die
ausführliche Beschreibung Staudingers in der Iris V p. 345,6,
die ich im einzelnen zu vergleichen bitte, unmißverständ-
lich erkennen läßt, schwarze Längsstreifen zwischen den
Adern, allerdings teilweise verloschen. „Die schwarzen
Streifen, — sagt Staudinger — sind teilweise etwas ver-
loschen, meist nur im Diskus, sie treten aber an ihren
Enden fast stets als getrennte schwarze Strichelchen auf,
vor denen die von ihnen meist ziemlich deutlich getrenn-
ten schwarzen Außenrandstrichelchen stehen.“ Das Schwarz
der Hfl endlich ist verbreitert, nicht reduziert! Mir liegt
aus der Dörriesschen Ausbeute, aus der Staudinger seine
bipunctata beschrieben hat, ein mit dieser Beschrei-
bung in der Iris V völlig übereinstimmendes Pärchen vor.
Auch diese beiden Tiere sind, wie in der Urbeschreibung
hervorgehoben wird, erheblich kleiner als europäische
striata. Ich finde als weitere Unterschiede noch, daß die
Fühler meines bipunctata g' weit stärker gekämmt
sind als bei striata. Ferner sind die Fühler schwarz
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, heraungegeben vom Entomologischen Verein Vi
Irie zu Dresden. Jalırgang 1924
156 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
und nach der Spitze zu bräunlich gefärbt, BI .. sie bei
allen von mir verglichenen striata g' oben in ihrer ganzen
Länge ockergelb sind. Schon Staudinger sagt, daß die
var.bipunctata, mit striata nebeneinander gesteckt,
fast den Eindruck einer verschiedenen Art mache. Ich
trage kein Bedenken, sie auf Grund der vorstehenden
Feststellungen als gute Art anzusehen.
Die von Seitz bipunctata genannte Form, die unter
der europäischen striata als Abart vorkommt, kann
daher nicht als bipunctata bezeichnet werden. Ich lege
dabei das Hauptgewicht nicht so sehr darauf, ob die Form
am Schluß der Mittelzelle einen mehr oder minder gut
ausgeprägten Mittelmond oder zwei Punkte trägt, sondern
darauf, daß sie einfarbig gelbe Vfl ohne Längsstreifen und
Striche, abgesehen vom Schluß der Mittelzelle, hat (vgl.
die Beschreibungen im Seitz und Müller-Vorbrodt). Zu-
sammen mit dem Verschwinden der schwarzen Zeichnung
pflegt eine Aufhellung der gelben Grundfarbe zu gehen.
Diese Form, die sowohl im männlichen wie im weiblichen
(zeschlecht vorkommt, ist übrigens schon lange beschrieben,
es ist Butlers pallida. Die Urbeschreibung in Ent. Soc.
‚London 1877 p. 360 lautet: „Striata v.pallida. Veins
of primaries obsolete; secondaries pale, not dusky at base,
with slender discocellular litura and narrow marginal
blakısh border. Hab. — g', @ Europe.“
Der Name ist also für beide Geschlechter gegeben!
Entscheidend für die Kennzeichnung der Abart sind die
Worte veins—obsolete, d. h. die schwarzen Streifen sind
völlig ausgelöscht. Herr E. Lange-Freiberg war so
freundlich, mir diese Bedeutung des Wortes „obsolete“ in
den Beschreibungen der englischen Autoren zu bestätigen.
Demnach ist die Beschreibung im Seitz: „Die dunklen
Vilstreifen sind mehr oder weniger geschwunden“ nicht
ganz zutreffend, während die Abbildung auf Taf. 13, Reihe f
eher zutrifft.
Meines Erachtens ist xanthoptera Obth. nur Syno-
nym hierzu. Rondou (Catal. lep. Pyren.) gibt Oberthürs
Beschreibung folgendermaßen wieder: „var.xanthoptera
Obth. Les liıgnes noires des ailes superieures ont disparu
dans les deux sexes; le fond des ailes est alors d’un jaune
nankin uni Py. (Obth.).“
Daher dürften auch die von Müller-Vorbrodt erwähnten,
oben besprochenen Stücke von Naters in der Schweiz
z
s
G. Warnecke, Doerriesia. A841
hierher gehören. Es wäre möglich, daß hier eine Gebirgs-
form vorliegt.
Das Extrem der pallida Butl. bildet die weibliche Form
laetifica Stauder, die 1913 im Bollet. Soc. Adriatica di
Sci. natur. Band 27 p. 165 beschrieben und Taf. II Fig. 11
abgebildet ist, und deren Beschreibung ich mit Rücksicht
er die schwer zu erlangende Zeitschrift wiedergeben
will.
„Normale Größe. Vfloseite einfärbig schmutzig gelblich-
weiß mit fehlendem Doppelpunkte am Analast. Hfloseite
hellockergelb, schwarzer Mittelstrich nur mehr sehr schwach
angedeutet, die Randbinde nur mehr durch einige dunklere
Atome leise angedeutet.“ Thorax, Schulterdecken, Fühler
und Useite einfarbig hell ockergelb.
Was die Verbreitung der beiden Arten anlangt, so ist
bipunctata bisher nur aus Transbaikalien bekannt ge-
worden, wo sie an hochgelegenen Abhängen des Kentei-
gebirges flog. Striata selbst ist von dort noch nicht
bekannt, doch kommt sie am Amur, wie schon Staudinger
erwähnt, vor. Ich selbst habe bisher allerdings nur ein
von Maack in „Sibirien 1869“ gefangenes Stück gesehen,
ein normal großes g', mit typischer striata- Zeichnung
auf den Vil, die heller gelb sind, während die Hfl stark
geschwärzt sind. —
Daß funerea Ev. eine Form von bipunctata ist,
worauf schon Staudinger in der Iris V hinweist, dürfte
kaum zweifelhaft sein. Der entsprechenden schwarzen Form
von striata, die ja ebenfalls bekannt geworden ist —
z. B. von Wiesbaden (Rößler) — soll aber der Name er-
halten bleiben. Es handelt sich um die Form mit schwarzen
Fl, aber gelbem Hleib (Eversmann bemerkt für seine
funerea ausdrücklich: „abdomine ochraceo cingulato“).
- Die über funerea in der Schwärzung noch hinausgehende
Form, die also auch schwarzen Hleib hat, ist neuerdings
von Gaede nach einem bei Berlin 1922 gefangenen Stück
als aterrima beschrieben worden. Die Abbildung einer
„funerea Ev. g'“ im Bull. Soc. Lepidopt. de Geneve,
vol. IV pl. 4 Fig. 13, die mir allerdings nur unkoloriert
vorliegt, stellt offenbar ein solches Stück dar. Gaedes Be-
nennung ist indessen verspätet; diese Form ist bereits 1910
von Spuler im Hofmann-Spuler (Nachtrag S. 493) nach
einem von Thurau ebenfalls in der Mark (bei Strausberg)
gefangenen Stück als nigra beschrieben. —
158 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924,
Wir unterscheiden demnach, unter Berücksichtigung
einiger weiterer in letzter Zeit gegebenen Namen:
A. Coscinia striata L. (Europa bis Ostasien).
Il. Aufgehellte Formen:
nn
a) pallida Butl., G'Q (1X77). Die dunklen Vflstreifen
sind völlig ausgelöscht, die Hfl weniger ge-
schwärzt. Syn. xanthoptera Obth. g'Q (1884);
bipunctata auct., nec Stgr.
b)laetifica Stauder ©. Vfl schmutzig gelblichweiß
ohne alle Streifen und Punkte, Hfloseite bell-
ockergelb, Mittelstrich und Randbinde nur noch
schwach angedeutet.
Verdunkelte Formen:
a)intermedia Spul. (1910). Hfl verdunkelt (Ueber-
gang von der Nominatform zu melanoptera
Brahm).
b)melanoptera Brahm (1791). Hfl ganz schwarz.
c)nigrociliata Schawerda (s.Wien. Ent.Ver., 21,
1910 p. 136), Stücke der melanoptera Brahm
mit schwarz gefärbten Fransen.
d) funerea n.n. Warn. (= funerea auct., nec Ev.)
alle Fl schwarz, Hleib gelbgeringt.
e)nıgra Spuler (1910), wie funerea, aber auch
der Hleıb schwarz; Synon.: aterrima Gaede
(Deutsche Ent. Zeitschr., Berlin, 1923 p. 252).
Mischformen:
a) pfeifferi Stauder (Verh. zool.-bot. Ges. Wien,
70, 1920, p. [177). „Hfl=intermedia Spul,,
Vfl einfarbig weiß wie laetifica Stauder“, g'Q9.
b)commerelli Stauder © (l.c. bei lIlla). Vfl =
pallıda Butl. (also auch wie laetifica, pfeif-
ferı), Hil völligschwarz, wiebei melanoptera.
B. Coscinia bipunctata Stgr. (Südöstl. Sibirien).
II.
u
11.
—
a)funerea Ev. (1847). Alle Fl schwarz, Hleib
gelbgeringt.
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 159
Die Eupithecien der Freiberger Gegend.
Von Sprachlehrer E.Lange, Freiberg (Sa.).
DoSvstemwatıscher Leil
Ein altes Verzeichnis der Freiberger Schmetterlingsfauna
führt nur 10 Eupithecien an: linariata, pusillata,
nanata,tenuiata,plumbeolata, satyrata, casti-
gata,absinthiata,exiguata und sobrinata, von
denen sobrinata bestimmt ausscheiden muß, da sie
sicher auf Verwechslung beruht, denn die Futterpflanze
Juniperus fehlt hier vollständig. Es bleiben also nur 9 Arten
übrig. Diese außerordentlich klägliche Zahl konnte ich
durch rationelles Suchen und Züchten auf 26 erhöhen. Bis
jetzt habe ich folgende Arten im Gebiete feststellen können:
oblongata Thnb., linariata F., pusillata Hb,,
indigataHb,abietaria G,togata Hb., venosata
F,pimpinellata Hb., absinthiata Cl., goossen-
siata Hb.,, denotata Hb., -albipunctata Hw,,
trisignaria H.-S., lariciata Fr, castigata Hb,,
satyrata Hb,succenturiata_L.subfulvata Hw,,
scabiosata Bkh., semigraphata Brd., plumbeolata
Hw., isogrammaria H.-S, tenuiata Hb. nanata
Hb., exiguata Hb. lanceata Hb.
Zwei davon: lariciata Fr. und semigraphata
Brd. konnte ich gleich noch einreihen vor der Drucklegung
des systematischen Teiles, da ich sie erst jetzt aufgefunden
habe. Im System habe ich mich noch nach Staudinger
gerichtet, füge aber die Synonyma in Klammer beı.
1. E. oblongata Thnbg. (Seitz: centaureata Schiff.).
Diese unverkennbare Art ist bei uns nicht so häufig wie
in der Ebene, doch kommt sie bis weit hinauf ins Gebirge
vor und zieht offenes, sonniges Gelände bei weitem vor.
Man findet den Falter und seine Raupe darum gern auf
Wiesen, an Feldrainen, Straßenrändern, Bahndämmen. Er
hat eine ziemlich ausgedehnte Erscheinungszeit, denn man
findet ihn von Anfang VI bis Anfang VIII. Eine zweite
Generation konnte ich hier noch nicht feststellen. Raupen,
die ich erwachsen schon im August fand, ergaben niemals
den Falter im gleichen Jahre. Den Falter fing ich mehr-
mals nachts beim Raupenleuchten auf Umbelliferen saugend.
Er ist dabei so beschäftigt, daß er sich ruhig abnehmen
160 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
läßt ohne davonzufliegen. Im allgemeinen ändert der Falter
wenig ab, manchmal aber ist die sonst reinweiße Grund-
farbe mehr oder weniger durch ockerige Schuppen getrübt.
Ein Exemplar meiner Sammlung hat ganz lehmgelbliche Fl.
Auch wechseln die Binden quer über die Vfl an Deutlich-
keit; bei einigen Exemplaren fehlt die subbasale Binde
vollkommen, auch der blaugraue Kostalfleck neben dem
Mittelmond der Vfl neigt zuweilen zum Verschwinden. Der
Falter kommt dann der ab. centralisata Stgr. nahe.
Bei mehreren Exemplaren ist der Mittelfleck auf den Hfl
_-
ganz verschwunden, bei anderen ist nur noch ein feiner,
kaum merklich hervortretender Punkt vorhanden, während
der Mittelmond auf den Vfl überall recht deutlich hervortritt.
Ueberall vorhanden ist der dunkle Schatten zwischen
Wellenlinie und Mittelfleck, doch wechselt diese Sub-
marginalbinde zwischen aschgrau und lehmgelb. — Die
oblongata-Raupe finde ich an den obenbezeichneten
Oertlichkeiten etwa von August ab polyphag an vielen
Pflanzen. Oft noch bis in den Oktober hinein lebt sie an
den Blüten von Umbelliferen, gern an Pimpinella saxifraga,
aber auch an Heracleum sphondylium, Meum athamanticum
usw., selbst an Campanula, Linaria, Achillea, Hieraceum,
Rumex; von Calluna schöpfte ich sie ebenfalls öfters.
Junge Raupen haben oft eine milchweiße Farbe ohne
Ornamente; die an Meum athamantıcum lebenden Raupen
waren einfarbig lehmgelb. Ueberhaupt kann die Grund-
farbe weißlich, grünlich oder gelblich sein. Häufiger treten
blutrote Rückenornamente auf. Die Raupe sitzt ziemlich
fest zwischen den Dolden. Ein großer Prozentsatz der
Raupen ist gestochen.
2. E. linariata F. Linariata ist eine ungemein weit
verbreitete Art, dıe wohl nirgends selten ist. Bei uns
kommt sie bis weit hinauf ins Gebirge vor. Wenn man
allerdings die Häufigkeit nach dem Auffinden des Falters
beurteilt, ist man leicht geneigt zu behaupten, daß lina-
riata überall recht selten ist, obwohl gerade das Gegenteil
der Fall ist. Im Freien habe ich den Falter allerdings
auch nur ein- bis zweimal gefunden; sogar an den Stellen,
wo ich jedes Jahr die Raupen in großer Menge angetroffen
habe, war kein Falter zu sehen. Die gelblichgrüne Raupe
mit dem fast zu regelmäßigen olivgrünen, manchmal rost-
farbenen Ringen geformten Ornamenten lebt im August
und oft noch bis in den September in und an den Blüten
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 161
und Fruchtkapseln von Linaria officinalis. Die kleineren
stecken meist in den Blüten, die größeren klettern auch
bei Tage an der Pflanze umher, oft haben sie sich halb in
die Fruchtkapseln eingebohrt, um zu den Samen zu ge-
langen. Staubfäden und Blumenkronenblätter werden vor
allem gern gefressen. Man findet die Raupen gewöhnlich
an einer Stellein allen Größen und es ist einfach erstaunlich,
wieviele Raupen nach und nach zum Vorschein kommen,
wenn man einen Strauß mit nach Hause nimmt und ihn
in Wasser gestellt aufbewahrt. Sicherlich trägt man auch
sehr viele Eier mit ein neben fast erwachsenen Raupen.
Die linariata-Raupe ist wenig angestochen. Der über-
aus hübsche Falter ändert wenig ab, höchstens wechselt
die schwärzliche Mittelbinde an Intensität und Breite. In
Gegenden, wo linariata mit pulchellata oder pyre-
neata zusammenfliegt, könnte sie mit diesen wohl ver-
wechselt werden, da sogar die Größe nicht stichhaltig bleibt.
Im allgemeinen ist linariata viel kräftiger gezeichnet als
pyreneata und die blaugraue Binde ist bei letzterer
meist etwas verloschen, doch kommen auch hier Aus-
nahmen vor. Da pulchellata in ihrer typischen Form
nur aus England bekannt ist, kommt sie hier kaum ın
Frage. Gewöhnlich ist diese aber etwas größer und bunter
als linariata. Ich glaube aber kaum, daß jemand imstande
wäre, die 3 Formen auseinanderzuhalten, wenn man sie
untereinander mischte; ich getraute es mir jedenfalls nicht
mit Sicherheit.
3. E. pusillata Hb. (= subumbrata Hb., nach Seitz
tantillaria Bsd... Dem Auftreten des Falters nach ist
diese Art bei uns am häufigsten. Wenn man an einem
warmen Junitag durch hohen Fichtenwald geht, fliegen
die Schmetterlinge oft in großer Menge von den Stämmen
ab. An manchen besonders bevorzugten Lokalitäten habe
ich schon bis 20 Stück an einem einzigen Stamme gezählt.
Das fleckige Aussehen des Falters mit dem großen Mittel-
fleck läßt ıhn leicht zur Art gehörig erkennen. Die
Intensität der Fleckenzeichnung und Linienführung sowie
die graue, rötliche oder grünliche Grundfarbe der Fl
machen ihn sehr variabel. Leider verschwindet der röt-
liche und grünliche Schimmer sehr leicht, und bald sehen
alle Falter im Kasten grau oder gelblich-grau aus. Im
Mai beginnt bei uns pusillata bereits zu fliegen, weiter
oben im Gebirge findet man noch frischgeschlüpfte Stücke
162 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
im Juli. Ich wähle immer einen kühlen und trüben Tag
zum Heraussuchen von Aberrationen. Da fliegen die
Falter nicht gleich ab. Manche Falter tendieren zur
Schwarzfärbung, zum Melanismus. Solche melanotische
Stücke führen den Namen tantillaria Bdv.=laricis
Speyer. Da Dietze den Iypus subumbrata nennt,
ist bei ihm die verdunkelte Form pusillata. Prout
hat ım Seitz für die melanotische Form keinen besonderen
Namen; bei ihm ıst aber der Typus tantillaria eine
dunkle Form von Südeuropa; unsere namenstypische
pusillata nennt er piceata. Ich habe bereits eine
hübsche Serie solcher stark verdunkelter Formen ein-
getragen; ein besonders schönes, vollkommen dunkel
übergossenes Stück fing ich am 28. IV. 20 im hiesigen
Hospitalwald. Bei diesem Falter ist die Mittelbinde noch
dunkler ausgefüllt. Das schönste Stück fing ich aber im
Juni 1923 im oberen Erzgebirge. Es hat die Fl von der
Wurzel bis zur Mitte ganz speckig schwarz, der Außen-
rand ist heller. Die 2 hellen Fleckchen in der Mitte der
Wellenlinie treten aber auch bei den dunkelsten Stücken
hervor, allerdings nicht so auffällig wie bei typischen
Exemplaren. — Die schlanke, ungefähr 1!/, cm lange Raupe
ist ockergelb, oft ins Rötliche gehend, mit dunklen
Längsstreifen. Manche Exemplare sind trüb ockerig grün.
Drei dunkel olivgrüne Linien gehen über den Rücken, an
den Seiten ist eine gelbe Linie. Man kann die Raupe
Ende VI—VII von niedrigen Fichtenästen klopfen, auch
von Lärche klopfte ich sie.
4.E. abietaria Götze (= strobilata Hb., im Seitz
bilunulata Zett.). Diese schöne, meist rostrote und grün-
liche Art ist bei uns von VI ab nicht selten in Fichten-
waldungen. Sie erscheint immer einige Zeit später als
pusillata, von der sie am Stamm wegen ihrer ganz
anderen Färbung leicht zu unterscheiden ist, auch ist sie
durchweg etwas größer, doch nie so groß als die ähnlich
gezeichnete togata. Von dieser unterscheidet sie sich
durch längere Palpen, die, um mit Dietze zu reden, „um
das doppelte Maß des Durchmessers eines Auges darüber
(d.ı.über das Auge) hinausragen‘. Die Palpen von togata
sind immer ganz auffallend kürzer. In der Größe unter-
scheiden sich meine erzgebirgischen togata und abie-
tarıa ganz auffallend, während meine englische togata-
Serie kleinere Exemplare aufweist. Da diese aber brauner
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 163
sind, unterscheiden sie sich auch leicht von den abietaria.
Dann ist der Mittelfleck bei togata immer etwas größer
als bei abıetarıa, und die schwarzen Keilflecke, welche
das Mittelfeld begrenzen, sind bei togata schärfer aus-
geprägt. Sonst sind die Zeichnungselemente bei beiden
Arten fast gleich, doch ist mir der mehr grünliche Grund-
ton bei abietaria maßgebend und deshalb ausschlag-
gebend. Interessant ist die Lebensweise der Raupe von
abietaria. Sie lebt nur in den grünen Gallen der
Fichtenlaus, Chermes viridis und coccineus, von der Gall-
substanz sich nährend. Manche glauben auch, sie fresse
die Blattläuse, doch habe ich das niemals wahrgenommen.
Einige blasse, meist wellige Längsstreifen gehen über den
Rücken. Sie halten ihr Kämmerchen rein und stoßen
die Exkremente und den Mulm heraus, der dann an den
Gallen hängt und das Vorhandensein der Raupe verrät.
Da die Raupe gern an niedrigen ÄAesten und kleinen
Fichten vorkommt, an welchen die Gallen oft zahlreich
sind, ist das Suchen im Juli und August nicht schwierig.
Nur empfiehlt es sich, öfter frische Gallen in das Zucht-
gefäß zu tun, da die Raupen die älteren verschmähen,
weil sie sie nicht mehr beißen können und dann zu
Grunde gehen. Durch diese endophage Lebensweise
haben sich die Raupen auch einen mehr gestreckten Gang
angewöhnt. Die ungeheure Vermehrung der Läuse in
den eingetragenen Gallen verleidet einem jedoch oft die
Lust und Freude an der Zucht.
5. E. togata Hb. (= abietaria Göze; nach Seitz pini
Retz). Der mehr montane Falter scheint selten zu sein,
obgleich ich das bezweifle. Der Grund des seltenen
Auffindens dieser schönen und großen Eupithecie wird
vielmehr daran liegen, daß sich die Falter mehr in den
Wipfeln der Fichten aufhalten, wo die Zapfen hängen, an
die die Weibchen ihre Eier ablegen. Starker Nebel und
besonders stürmisches Wetter drückt hier und da einen
Falter weiter herab an den Stamm. Das Abklopfen der
starken zapfentragenden Bäume wird kaum zum Ziele
führen. Ich habe fast jedes Jahr im Juni oder Juli einen
oder zwei Falter gefunden. Ein abgeflogenes © nahm ich
1921 zur Eiablage. Ich legte einen grünen Fichtenzapfen
in das Glas, woran es noch 28 Eier legte. Einige Eier
waren unter die Schuppen geschoben. Die schwärzlichen
Räupchen schlüpften nach ungefähr 8 Tagen und ver-
164 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
schwanden in kürzester Zeit unter den Schuppen. Ich habe
dann keine Raupe wieder auf dem Zapfen gesehen, hervor-
gestoßener Mulm und Exkremente verrieten jedoch ihr
Zerstörungswerk. Später legte ich andere Zapfen ins Glas.
Der erste besetzte Zapfen war fast ganz zerfressen. Beim
Auseinanderbröckeln fand ich einige schwärzliche togata-
Raupen, bei weitem aber nicht 28, wie ich vermutet hatte.
Sie verkrochen sich sofort wieder in den Mulm und liefen
dabei wie Eulenraupen, den Spannergang hatten sie
gänzlich aufgegeben. Neben den togata-Raupen waren
aber auch noch andere schwärzliche Raupen vorhanden,
wohl dem Micro D abietella Sch. zugehörig. Von Zeit
zu Zeit brachte ich neue Zapfen in das Glas; die Unter-
suchung der alten förderte immer weniger togata zu
Tage, aber desto mehr abietella, und zuletzt hatte ich
nur noch eine Raupe und diese ist mir zuletzt auch noch
davongelaufen. So endete meine erste togata-Zucht,
auf die ich so große Hoffnungen gesetzt hatte. Ob die
Raupen einander aufgefressen haben oder ob der Micro
der Kannibale war oder was sonst geschehen ist, kann
ich leider nicht sagen. Jedenfalls werde ich bei passen-
der Gelegenheit die Zucht ab ovo wieder versuchen. Sehr
empfehlen möchte ich aber, die nach einem Gewittersturm
im August herabgeworfenen Zapfen aufzulesen und be-
sonders die an der Spitze umgebogenen mitzunehmen, sie
in einen Kasten zu tun und die Sache dann abzuwarten.
Ich fand 1920 bereits am 27. April einen ganz frischen
Falter an einem Stamme neben einem Schuppen im Dorfe
Bienenmühle. Die Leute haben sicherlich im vergangenen
Sommer Zapfen eingetragen, aus denen dann der Falter
infolge der geschützten Oertlichkeit vorzeitig geschlüpft ist.
Dietze fand die togata-Raupe bei Oberstdorf in Bayern
hauptsächlich in den zwar noch grünen, aber kranken
Fichtenzapfen, in solchen, die an der Iseite der Schuppen
von rostig-stäubenden Pilzen befallen waren. — In der
näheren Umgebung von Freiberg habe ich den Falter
noch nicht gefunden. Meine größten togata messen
28 mm, die größten abıetaria aber nur 22 mm; fast
alle meine englischen togata 24 mm.
6. E.indigata Hb. Da bei uns reine Kiefernbestände
kaum vorhanden sind und ich an den wenigen Stellen,
wo einige Kiefern stehen, niemals eine indigata ge-
funden habe, glaubte ich, daß diese Eupithecie bei uns
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 165
überhaupt nicht vorkäme. Umsomehr war ich überrascht,
im Mai und Juni 1923 in einem reinen Fichtenbestande
. oberhalb Bienenmühle diese Art in ziemlicher Menge zu
finden. Der Flschnitt wies mich zwar sofort zur indi-
gata-Gruppe hin, die überaus dunkle Zeichnung der QQ@
und die von mehreren Linien durchquerten Fl einzelner
o' Q' ließen mich die Art jedoch nicht gleich sicher erkennen.
Ich ließ daher durch meinen geschätzten Freund, Herrn
Obertierarzt Möbius, Dresden, dıe Ventralplatten einiger J'J'
herauspräparieren und da zeigte sich die ganz sichere Zu-
gehörigkeit zu indigata. Wir haben es also hier mit
einer Form zu tun, die an Fichte lebt und die höchst-
wahrscheinlich dadurch in einer etwas anderen Färbung
auftritt wie die an Kiefer gebundene Form. Wie ich
bereits oben erwähnte, ändert die Zeichnung oft ganz
wesentlich ab. Im allgemeinen ist die Grundfarbe seidig
- grau, vor allem bei den Jg’ g'; die QQ sind auffallend
- dunkel. Manchmal sind die Binden sehr deutlich, dann
- fehlen sie wieder ganz; einige Exemplare haben die
Mittelbinde dunkel ausgefüllt. Mehrere Exemplare gehören
zur ab. tristigata Fuchs, da sie 3 Linien durch die
Fl haben. Bei vielen Stücken treten aber solche Quer-
streifen sehr undeutlich hervor. Bei den 9 tritt dieses
Zeichnungselement weniger hervor, sie sind meist ein-
farbiger schiefergrau. Die Falter bevorzugten eine Wald-
ecke mit hohen Fichten, an deren Stämmen sie saßen.
Beim Herankommen fingen sie lebhaft mit den Fl an zu
schlagen was bei den QQ besonders so lebhaft wurde,
daß es wie Zittern aussah. Bei warmem Wetter flogen
die J' g'! bald ab, meist nach dem Waldboden zu auf dem
sie schwer zu sehen gewesen wären, wenn sie sich nicht
durch ihr Vibrieren verraten hätten. — Dieses Jahr flog
indigata an der ganzen Ringelstraße oberhalb Bienen-
mühle in 750 m Höhe, aber überall recht vereinzelt.
- Eingesperrte @Q legten bei Fütterung ihre blaßgrünen
Eier leicht an Fichtennadeln ab und die Räupchen
nahmen bereitwilligst Fichte an. — Ich habe hiermit
also festgestellt, daß indigata auch an Fichte
vorkommt und nicht an Kiefer gebunden ist. Mein
Freund, Herr Dr. Binder in Ampfelwang, Ober - Oester-
reich, teilte mir mit, daß er indigata bei Warta
in Böhmen auch in reinen Fichtenbeständen gefunden
habe.
166 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
7.E. venosata F. Erst im August 23 habe ich die
Raupe dieser prächtigen Eupithecie von einer Halde in
unmittelbarer Nähe Freibergs zum ersten Male eingetragen
und dadurch das Vorkommen der Art sichergestellt. Am
9. VII. 24 fing ich auf derselben Halde auch 2 Falter, die
ich von den Felsen aufgescheucht hatte. 6 Falter schlüpften
mir Anfang Juli aus den 1923 eingetragenen Raupen, ein
Teil der Puppen wird wohl bis nächstes Jahr überliegen,
denn ich zählte gegen 18 Puppen. Ich trug Ende August
Blüten und Fruchtkapseln von Silene inflata von unsren
Halden, Bahndämmen und Feldrainen ein, schüttete sie
auf einen großen Bogen Papier aus, schüttelte sie recht
durcheinander und fand auf diese Weise außer vielen
Dianthoecienraupen auch gegen 20 teils erwachsene
venosata-Raupen, die an ihrem breiten dunklen Rücken-
streifen leicht erkennbar sind. Sie suchten aber recht bald
wieder in den Kelchen der Blüten zu verschwinden, wo
sie eng an den Fruchtknoten angeschmiegt liegen blieben.
Ich glaube, daß venosata weniger auf ganz freiem
Gelände als mehr an mit Strauchwerk bewachsenen
Lokalitäten vorkommt. Auch dürfte es zum Aufsuchen
Ende August etwas zu spät sein. In niederen Lagen ist die
Raupe gewiß schon Anfang August erwachsen. Die ein-
getragenen Blüten und Kapseln werfe man nach öfterem
Durchschütteln nicht fort, sondern bewahre sie in Kästen
auf, denn es ist fast mit Bestimmtheit anzunehmen, daß
noch Raupen darin bleiben, umsomehr, als sich die Raupen
in die Fruchtkapseln einbohren sollen, „wo sie — nach
Dietze — oft so fest eingezwängt sind, daß es Mühe
macht, sie los zu bekommen“. Ich besitze eine große
Serie venosata-Falter verschiedenster Herkunft, meist
von ins Graue spielender Isabellenfarbe. Von den Shet-
land-Inseln habe ich mehrere Stücke der var. nubilata
Bhtsch., die viel dunkler sind als unsere, meist hell
schokoladebraun mit fast verschwindenden Linien.
8. E. pimpinellata Hb. Pımpinellata habe ich bisher
nur in wenig Exemplaren als Raupe gefunden, und zwar
im September an Pıimpinella saxifraga. Auch bei Dahlen,
wo diese Art häufiger zu sein scheint, habe ich sie nur
an dieser Pflanze gefunden und niemals an einer anderen
Umbellifere. Die von mir gefundenen Raupen waren alle
grün, trugen einen dunkleren Mittelstreifen und an der
Seite eine weißliche Linie, die jedoch sehr undeutlich
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 167
auftritt. Sie klammern sich mit den Haftfüßen an die Blüten-
stiele und sitzen lang ausgestreckt, täuschen also selbst
ein Stück Blütenstiel vor. Die sehr schlanke, oft 2 cm
messende Raupe sitzt ziemlich fest. Man kann also die
Pflanze abschneiden und so die Raupen bequemer absuchen.
Meine hier gezogenen Falter sind alle rötlich-grau und
ziemlich groß. Der Schmetterling schlüpft erst im Juli.
9. E. absinthiata Cl. Das ist bei uns eine der häufigsten
Eupithecien. Während ich die Raupe jedes Jahr im Sep-
tember und Oktober zu vielen Hunderten eintragen kann,
habe ich bisher den Schmetterling noch niemals im Freien
gefunden. Ich habe mich schon immer gewundert, wo er
sıch verbergen könnte, habe die Baumstämme abgesucht,
die Pflanzen abgeklopft und nichts gefunden. Je weiter
man ins Gebirge hinaufkommt, desto häufiger findet man
die Raupe. Die Hauptnahrung ist dort Senecio fuchsii
und zwar frißt die Raupe sowohl die Blüten als auch die
Früchte. Sie schmiegt sich ungemein fest an die Blüten
an und ist nicht so leicht wahrzunehmen. Besonders dann,
wenn die Blüten verblüht sind und wollig werden, sind
die sich in die Wolle einzwängenden Raupen schwer zu
sehen. Ich schneide gewöhnlich eine Anzahl Blüten ab
und klopfe sie an den Speichen des Regenschirmes ab.
Auf diese Weise fallen die Raupen leicht heraus. In der
nächsten Umgebung von Freiberg, wo Senecio fuchsii
wenig zu finden ist, finde ich absinthiata gewöhnlich
an Solidago virgaurea. Da hier die Blütenstände noch
viel dichter sind als bei Senecio, ist die sich fest ein-
klemmende Raupe noch schwerer zu entdecken. Hier ist
das Herausklopfen erst recht angebracht. Natürlich sind
Senecio und Solidago bei weitem nicht die alleinigen Futter-
pflanzen von absinthiata. Wohl alle Kompositen
werden angenommen. Die Färbung der Raupe ist sehr
verschieden. So kann die Grundfarbe gelblich, ockerig,
grünlich, rötlich und weißlich sein. Die dunklen, nach
vorn gerichteten Pfeilzeichnungen können braun, olivgrün,
rötlich oder schwärzlich sein. Nicht selten fehlen diese
Ornamente ganz. Junge Raupen sind meist einfarbig
orangegelb oder ockergelb. Die absinthiata-Raupe hat
die Angewohnheit, die vorderen Segmente zur Seite zu
biegen, meist nach rechts; sie bildet also beim Sitzen einen
Haken. Ich glaube bestimmt, daß im Gebirge gewöhnlich
ein Teil der Raupen erfriert; denn ich finde alljährlich
168 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1921.
noch kleine, kaum halb erwachsene Raupen im Oktober,
zur Zeit, wo Nachtfröste auftreten, denen die Blüten gleich
zum Opfer fallen. Ganz freies Gelände wird von der Raupe
gemieden, bevorzugt wird der Rand des Hochwaldes, auch
Buschwerk, zwischen welchem die Futterpflanze wächst.
Während in unserer Gegend die absinthiata-Raupe
erst von Ende September ab erwachsen zu finden ist, fand
ich sie heuer bereits Ende August bei Tharandt vollkommen
erwachsen an Eupatorium cannabinum-Blüten und meist
von rosaer Grundfarbe. Von der expallidata-Raupe,
die im Oktober auch an Solidago virgaureae vorkommt,
unterscheidet sich die absinthiata dadurch, daß die
Pfeilspitzen hier nach dem Kopfe gerichtet sind, während
sie bei expallidata nach hinten zeigen. Meine Samm-
lung enthält eine sehr große Serie von Faltern aus hie-
siger Gegend, die im Kolorit sehr verschieden sind. Meist
herrscht schokoladenbraun vor, doch besitze ich graue
Stücke, die sich von expallidata kaum unterscheiden.
Manchmal fehlen die Linien auf den Fl gänzlich. Der
Schmetterling schlüpft im Juli, zuweilen noch im August.
10. E. goossensiata Mab. (= minutata Dbd; callunae
Spr.) Dietze betrachtet goossensiata als Unterform
von absinthiata; andere Autoren fassen sie als eigne
Art auf. Wer hier Recht hat, will ich nicht entscheiden.
Genitalunterschiede hat Petersen nicht finden können, so-
gar nicht bei expallidata, sodaß absinthiata,
goossensiata und expallidata eine Einheit bilden.
Alle 3 sind im Falterstadium schwer zu unterscheiden;
sogar die immer kleinere goossensiata weist alle
Zeichnungselemente von absinthiata auf. Allerdings
ist die Grundfärbung der goossensiata mehr grau als
braun. Meine englischen Stücke sind jedoch wieder brauner
und nähern sich im Kolorit assimilata. Expallidata
unterscheidet sich von absinthiata durch dieam Apex
mehr gerundeten Vfl und blassere Grundfarbe, die nach dem
Außenrand zu ins Violette geht; der Zellschlußfleck ist größer
und schwärzer; die Kostalflecke sind ebenfalls schwärzer;
die gebrochene Linie besteht aus deutlicheren schwarzen
Punkten auf den Adern; die Subterminallinie ist fast immer
weniger weiß, vor allem der Fleck ım Iwinkel ist mehr
grau als weiß. (Culot.) Bei goossensiata sind die
Vfl schmäler und spitzer als bei absinthiata (South.)
Da aber die Raupenzeichnung bei expallidata von
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 169
absinthiata gänzlich verschieden ist, indem die Pfeile bei
ersterer nach hinten, bei letzterer nach vorn zeigen, müssen
wir trotz der Gleichheit der Genitalapparate beide als
differente Arten ansehen. Die goossensiata-Raupe aber
"unterscheidet sich von der absinthiata-Raupe nur durch
‚die rosenrote Grundfarbe, nicht durch die Ornamentation.
‚Diese rosenrote Färbung hängt ganz gewiß von der Nahrung
‘der Raupe ab; sie frißt im September, Oktober die Heide-
blüten. Dietze zog diese Raupen mit Artemisia vulgaris
und Achillea millefolium und erhielt gelbgrüne und weiß-
‚liche Raupen.
In der Freiberger Gegend ist goossensiata wenig
verbreitet, während ich die Raupe in den nordsächsischen
Heiden immer in Menge schöpfen kann. Ich fand hier
die Raupe nur vereinzelt im Zellaer Wald bei Groß-
voigtsberg. Den Falter habe ich ebenfalls noch nie im
‚Freien angetroffen. Die Zucht ist aber leicht und lohnend;
nur wenige Raupen sind angestochen.
11. E. denotata Hb. Das ist entschieden bei uns die
‚gemeinste Art. Ueberall, wo zwischen Gebüsch Campanula
trachelium steht, ist die Raupe im September in ungeheurer
‚Menge zu finden. Den Schmetterling bekommt man aber
nicht zu Gesicht. Am häufigsten finde ich die Raupe beı
dem Dorfe Mulda an den bewaldeten Feldrainen. Das
‘Gras wird hier nicht herausgeschnitten und so bleiben
die abgeblühten Pflanzen stehen. Diese hole ich mir dann
herein, breche die grünen und reifen Fruchtkapseln ab,
tue sie in Kisten oder große Gläser, auf deren Boden eine
“Schicht Torfmoos liegt und überlasse alles andere der
‚Zukunft. Die kaum 12 bis 15 mm lang werdenden, meist
'ockerbraunen oder graubraunen Raupen fressen sowohl
die unreifen als auch die reifen Samen, begeben sich dann
auf den Boden und verpuppen sich. Gern liegen sie,
rund zusammengebogen, auf dem Deckel der Frucht-
kapseln, verdeckt von den abgewelkten Blütenblättern.
Reißt man diese tütenförmige Hülle ab, dann sieht man
die Raupe liegen. Die kleineren, meist viel dunkler ge-
‚färbten Raupen gebärden sich dann immer recht lebhaft;
‘sie drehen sich rasch um ihre Achse und suchen auf
‚diese Weise dem Lichte zu entfliehen. Die Rauten-
‚zeichnungen fehlen auf dem Rücken selten; nur kurz vor
-der Verpuppung blassen sie stark ab. An einer Frucht-
kapsel habe ich immer nur eine Raupe gefunden; da aber
170 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
ein Stengel sehr viele solche Kapseln trägt, fand
ich an einer Pflanze schon über ein Dutzend Raupen.
Die Raupe bohrt sich unter der verblühten Hülle durch
den Kapseldeckel in die Kapsel und nach dem Ausfressen
nicht selten durch ein Loch an der Seitenwand wieder
heraus, was aber nur in der Nacht vorgenommen wird.
‚Bei Tage sieht man die Raupen nicht außerhalb der
Fruchtkapseln. — Der Schmetterling wechselt sehr in der
Größe und auch in der Färbung. Bei uns überwiegen
bräunlich-graue Exemplare, ockerige Stücke kommen aber
nicht -selten mit heraus. (ab. ochraceata Fuchs.) —
Die Zucht ist nach dem oben Gesagten ungemein leicht
und bequem, die Raupen sind selten angestochen, nur
muß man die Kapseln von Zeit zu Zeit wenden, damit
sie nicht modern.
12. E. albipunctata Hw. (nach Seitz tripunctaria H. S.)
Eine seltenere Art, deren Raupe ich nur in geringer An-
zahl bei Freiberg fand. Sie liebt düstere Waldesteile, wo
Wasser fließt und wo Angelica silvestris vorkommt. Der
September ist die beste Zeit zum Suchen der Raupe, die
sich zwischen den Blüten und Samen der Futterpflanze
sehr versteckt und daher nicht leicht zu entdecken ist.
Man muß die Dolden ganz genau durchsuchen, womöglıch
mit einer Lupe, sie von oben und unten betrachten, die
großen Samenbündel durchsuchen und man wird auf diese
Weise dıe Raupe finden, deren Grundfarbe grünlich, gelb-
lich oder weißlıch sein kann. Bei manchen Exemplaren ist
die Rückenzeichnung sehr intensiv schwärzlich, andere
wieder sind weniger stark gezeichnet. Pflanzen mit sehr
vielen Blattläusen werden meist von den Raupen gemieden.
Daß die albipunctata-Raupe auch Blattläuse fressen
soll, wie es Dietze behauptet, habe ich noch nicht beobachtet.
Im Rabenauer Grund bei Tharandt ist die Raupe bedeutend
häufiger als bei uns. Die Falter von dort sind auch auffallend
dunkler. Zahlreiche Uebergänge kulminieren in der ganz
schwarzen angelicata B. Ich fand dıe Raupe auchan Hera-
cleum sphondylium und sogar an Chaerophyllumtemulum, die
Hauptfutterpflanze scheint aber Angelica silvestris zu sein.
13. E. trisignaria H.-S. Von dieser Art fand ich bisher
nur einmal einige wenige Raupen in einem Bauerngarten
an Heracleum sphondylium und zog daraus 2 Falter. Ich
glaube, diese Art ist bei uns äußerst selten, denn ich habe
trotz eifrigen Suchens keine Raupen wieder gefunden.
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 171
14. E.lariciata Fr. Wie ich eingangs erwähnte, habe
_ ich diese Art erst jetzt für unsere Gegend sichergestellt.
_ Im Juni fand ich einen Falter an einem Baumstamm, den ich
, zunächst für castigata hielt. Er war schon etwas abge-
flogen, doch wies mich das untrügliche Erkennungszeichen
dieser Art, das rein weiße Schildchen am hinteren Ende des
Thorax, das bei castigata nicht vorhanden ist, bald den
richtigen Weg. Wäre dieses Kennzeichen nicht vorhanden,
dann würde man lariciata und castigata kaum von-
einander unterscheiden können. Nun habe ich jetzt auch
nach der lariciata-Raupe gesucht und sie in großer Menge
von Lärche abgeklopft. Ueberall, wo bei uns im Walde in
einiger Anzahl Lärchen angepflanzt sind und das ist meist
am Rande der Waldwege der Fall, klopfte ich von Anfang
August an die lange, grüne Raupe, die mit einem dunkleren
Rückenstreifen versehen ist. Die Raupe ist recht lebhaft;
nach wenig Augenblicken fängt sie an, sich von deni Schreck
des Herabfallens zu erholen, sie beginnt zu laufen, wobei
sie einen hohen Buckel macht. Ihre Körperfarbe gleicht dem
Grün der Lärchennadeln. Neben laricıata fielen mir auch
allerlei andere Spannerraupen in den Schirm, braune und
_ grüne, und zwar solche von Lar.variata, Bup. pini-
arius, Ell. v. prasinaria (noch sehr klein), Eup.
pusillata, ja sogar mehrere P. coenobita waren
dabei. Ich klopfte nur die kleinen Lärchen ab, glaube aber,
daß sich auch Raupen auf den hohen Bäumen vorfinden
dürften.
15. E. castigata Hb. Neben absınthiata und de-
notata ist auch castigata bei uns ziemlich häufig zu
finden, d. h. nicht als Falter, sondern als Raupe. Man trifft
diese überall im Gebiet an, mehr aber in geschlossenem
Gelände, Blätter, Blüten und Samen fressend. Alle niedrig
wachsenden Blütenpflanzen, viele Stauden und Büsche dienen
der unverkennbaren braunen, mit stark hervortretenden
Rautenzeichnungen versehenen Raupe zur Nahrung. Sie ist
seitlich etwas breitgedrückt, nach dem Kopfe zu schmäler
werdend. Die Rautenzeichnungen sind dunkelbraun bis
schwärzlich; mit noch dunkleren Säumen. Kleine Raupen
sind immer viel dunkler als große. Bei uns finde ich die
erwachsene Raupe gewöhnlich in der ersten September-
hälfte. Man kann sie von den Blüten absuchen, schöpfen
und vom Gebüsch klopfen. Geklopft habe ich sie von Rubus,
Salix, Sorbus, Senecio, Stachys, geschöpft und abgesucht
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein VII
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
172 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
von Centaurea, Hypericum, Campanula, allerlei Umbelli-
feren, besonders Heracleum. Wenn sie Samen verzehrt,
dann ist sie auf den verblühten Pflanzen schwer wahrzu-
nehmen, vor allem auf Centaurea. Die Färbung des Falters,
der im Juni fliegt, ist sehr verschieden. Die Grundfarbe
kann grau oder rötlichbraun sein mit vielen welligen Linien,
die aber bei einzelnen Exemplaren oft undeutlich werden.
Das ist besonders bei den dunklen Tieren der Fall. Die
Zellschlußflecke sind bei allen meinen vielen castigata
auf allen 4 Fl deutlich, wenn sie auch in bezug auf die
Größe schwanken.
16. E. satyrata Hb. Auch diese Art ist bei uns manche
Jahre häufig als Raupe zu finden, während sie als Schmetter-
ling von mir wenig beobachtet wurde. Die Art liebt:nicht
den Hochwald, auch nicht die offene Wiese, dagegen
niedrige Waldkulturen, wo viele Blütenpflanzen stehen.
Eine besondere Vorliebe hat die Raupe offenbar für
Kompositen, deren Blüten sie verzehrt. So fand ich sie auf
Centaurea, Gnaphalium, Filago, Tanacetum, Achillea, An-
themis, Arnica, Solidago, Leontodon, Hieraceum, Senecio,
Cirsium, aber auch an Knautia, Succisa, Scabiosa, ferner
an Ihymus, Hypericum, Trifolium, Galium, Campanula und
anderen. Je nach dem Vorkommen ist die Grundfarbe ver-
schieden: es gibt grünliche, gelbliche, weißliche, ja leicht
rötliche Formen. Der absinthiata sieht sie ähnlich, ist
aber schlanker. Die Pfeilflecken zeigen wie bei absinthiata
nach dem Kopfe. Nach rückwärts treten oft rautenförmige
Zeichnungen auf. Im übrigen schwankt die Intensität der
Zeichnung sehr; es kommen auch ganz schwach gezeich-
nete Exemplare vor. Satyrata ist als Raupe gewöhnlich
etwas eher zu finden als ıhre an gleicher Stelle lebenden
Trabanten castigata und scabiosata. Ich finde sie
schon im August erwachsen. Früher war sie bei uns ent-
schieden häufiger als in den letzten Jahren. In dem Maße,
wie die kleinen Fichten wachsen, verdrängen sie die Blüten-
pflanzen und mit ihnen die Eupithecien. — Wie die Raupe,
so ist auch der Schmetterling sehr veränderlich. Er vari-
iert sowohl in der Färbung als auch in der Deutlichkeit
der Zeichnung. Dutzende von Namen sind dafür erteilt
worden, ein Unfug, der nicht streng genug getadelt werden
kann; denn alle die benannten Formen hängen durch‘
Uebergänge miteinander zusammen, so daß es schwierig
ist, wenn nicht unmöglich, die einzelnen Formen streng
t
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 173
voneinander zu trennen. Die bei uns häufigste Form, welche
‚wohl zugleich den Typus darstellt, ist etwas ockerig grau
mit schwärzlichen Strichen und Punkten auf den Adern. Auf
den Hfl.fehlen die Mittelpunkte bei vielen meiner Stücke,
während sieauf denVfldurchweg vorhanden sind. Bei einigen
Exemplaren ist das Mittelfeld etwas verdunkelt, so daß
fast eine Binde entsteht. Dietze nennt solche Stücke trans-
versa. Ich besitze eine Serie satyrata von den Shet-
land-Inseln, wo die Fl mehrere solcher dunklen Binden
aufweisen. Es ist das die Form curzoni Gregson. Hier
sind auch die Vfl etwas schmäler und spitzer, doch besteht
auch bei diesen keine ÄAehnlichkeit mit larıcıata. Endlich
besitze ich mehrere satyrata mit verschwommener, un-
deutlicher Zeichnung. Das istwohldieab.subatrataStegr.
17. E. succenturiata L. In den letzten Jahren habe
ich vergeblich nach dieser Art gesucht, während sie früher
in einigen Jahren recht häufig war. Bei uns fehlt zwar
Artemisia vollkommen, die Raupe ist jedoch nicht allein an
diese Pflanze gebunden. Sie frißt auch Achillea mille-
folıum und an dieser Pflanze habe ich sie bei uns in Menge
gefunden, gern an geschützt liegenden Feldrainen und Wald-
rändern, aber auch zwischen niederen Kulturen, wo Achillea
in Menge wächst. Der Oktober ist die beste Zeit des Auf-
suchens. Sie sitzen bei lage gern an den bereits vertrock-
neten Blättern dicht an der Erde, nicht oben auf den
Blütenständen, wie essubfulvata tut. Die erdgraue oder
braune Färbung mit den dunkleren Rautenzeichnungen
lassen sie schwer erkennen, und man muß schon sehr
genau hinsehen, wenn man sie finden will. Bei Berührung
der Blätter läßt sich die Raupe leicht herabfallen, wo sie
sich sofort zusammenrollt. Da diesuccenturiata-Raupe
die Fiederblättchen von Achillea total abfrißt, die Stiele
aber stehen läßt, verraten diese entblätterten Stiele leicht
das Vorhandensein der Raupen, die man gewöhnlich in
großer Menge findet. In anderen Gegenden soll sie an dem
Laub von Artemisia leben, doch habe ich sie bei Dahlen,
wo Artemisia campestris ungemein häufig vorkommt, auch
noch nicht gefunden. Nun sind die Meinungen immer schon
sehr geteilt gewesen, ob succenturiata und subful-
vata eine einzige Art ist oder ob es zwei verschiedene
Arten sind. Nach den Genitaluntersuchungen von Petersen
und Pierce steht einwandfrei fest, daß wir es hier mit zwei
verschiedenen Arten zu tun haben. Draudt hat allerdings
174 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
an den Eiern keine wesentlichen Unterscheidungsmerkmale
gefunden. Nach Petersen. ist die Ventralplatte bei suc-
centuriata länger als bei subfulvata; auch ist sie
bei letzterer Art vorn und hinten ziemlich gleich breit;
der hintere Ausschnitt ist klein, fast rechtwinklig, so daß
hinten zwei breite, stumpfe Lappen entstehen, die an den
Rändern stärker chitinisiert sind (cfr. Dietze). Wir müssen
also beide Formen trennen und sie als besondere Arten
ansehen, so schwer es mir auch fällt. An den Raupen ist
wohl kaum ein Unterschied wahrzunehmen, wenn auch
gesagt wird, die succenturiata-Raupe sei etwas
höher gekörnt als subfulvata. Mir ist das noch nicht
aufgefallen. Leider stehen mir dieses Jahr keine succen-
turiata-Raupen zur Verfügung, sondern nur mehrere
Hundert subfulvata aus der Gegend von Dahlen, so
daß ich mich nicht präzisieren kann. Das Wunderbare liegt
aber darin, daß mir aus hier bei Freiberg an Schafgarbe
gefundenen Raupen, dazu noch von der gleichen Fundstelle,
sowohl succenturiata als auch subfulvata schlüpften.
Ja, in dem einen Jahre schlüpften fast nur succenturiata
mit höchstens 3—4 subfulvata, im nächsten Jahre in
überwiegender Anzahl aber subfulvata mit ganz wenigen
succenturiata. Das ist gewiß recht merkwürdig und
schwer zu erklären, besonders da es sich um ein und die-
selbe Futterpflanze handelt. Wenn es sich nach der Fest-
stellung Petersens wirklich um zwei spezifizierte Arten
handelt, dann haben beide sicherlich bis vor nicht zu langer
Zeit zu einer Einheit gehört und die Abtrennung ist erst
ein Produkt jüngerer Zeit. Sobald es mir möglich ist, Zucht-
material beider Arten zu erhalten, werde ich Kreuzungs-
versuche machen.
Ueber den succenturiata-Falter ist nur wenig zu
sagen. Die Art ıst mit keiner anderen zu verwechseln.
Das Weiß der Fl kann jedoch reiner oder getrübter sein.
Es kommen Stücke vor, wo die dunklen Partien stark zu-
rücktreten. Sie gehören zur Form exalbidata Stgr.
Andernteils habe ich einige Exemplare, bei denen die dunkle
Zeichnung vorherrscht und das Weiß auf ein kleines Fleck-
chen ın der Nähe des Zellpunktes reduziert ist. Das ist
wohl ab. disparata Hb. Succenturiata schlüpft
im Juni und wird im Freien wohl ganz selten angetroffen.
18. E. subfulvata Hw. (bei Seitz icterata de Villers).
Man wolle sich auf das bei voriger Art Gesagte beziehen.
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 175
Von subfulvata gibt es zwei Formen, eine mit sehr aus-
gebreitetem Rotbraun — die Namenstype, und eine wenig
braun übergossene Form mit stark hervortretender Lini-
jerung — die ab. oxydata Ir. Zwischen beiden Extremen
gibt es zahlreiche Intermediatformen, die aber keines Namens
bedürfen. Beim Typus ist das Rotbraun von wechselnder
Ausdehnung; einige besonders schöne Stücke sind bis zum
Außenrand fast einfarbig rostrot. Die dunklen Kostalpartien
fehlen aber bei keinem Falter, auch ist die weißliche Wellen-
linie vor dem Saum sehr konstant.
19..E. scabiosata Bkh. (bei Seitz subumbrata Schiff.).
In der von der Irıs herausgegebenen Sächsischen Fauna
wird diese Art als für Sachsen selten angegeben; sie soll
hauptsächlich nur in der Lausitz gefunden worden sein.
In der Freiberger Gegend ist sie jedoch jedes Jahr als
Raupe sehr häufig, und zwar in den niedrigen Fichten-
_ kulturen unsres Hospitalwaldes. Dort findet man im Sep-
tember die sehr schlanke Raupe an denselben Blüten wıe
satyrata und castigata. Sie verzehrt auch gern die
Blüten von Heracleum sphondylium. Es ist neben exiguata
die schlankeste Eupithecienraupe, denn sie wird über 20 mm
lang. Ihre Grundfarbe ist grün, grau oder lehmfarbig mit
einer nicht sehr breiten dunkleren Mittellinie. Die Seiten-
linien neben der Mittellinie sind meist undeutlich. Bei grünen
Exemplaren findet man zuweilen eine rötlich gefärbte After-
klappe, doch nicht immer. Bei Tage sitzt die Raupe ge-
wöhnlich lang ausgestreckt auf oder in der Nähe der
Blüten, zuweilen an den Blütenstielen. Abends wird sie
lebhaft, klettert rasch zu den Blüten empor und frißt die
Blütenblätter. Besondere Vorliebe scheint sie für Campanula-
blüten zu haben. Da frißt sıe zunächst die Staubfäden heraus,
wobei sie sich an dem Blumenkronenrande festklammert.
Dann verzehrt sie auch die ganze Blumenkrone. In der
Ruhestellung hält sie den Kopf meist abwärts und den
Körper abstehend. So täuscht sie in den Heracleum-Dolden
Blütenstiele vor. — Der Falter hat verhältnismäßig schmale
Fl. Die wellige Flzeichnung ist mehr oder weniger deutlich.
Sehr oft sind die Linien bis zum Diskus wie ausgewischt,
so daß die Flhälfte wie abgerieben aussieht. Die Grund-
farbe ist weißlich.
20. E. semigraphata Brd. Erst Anfang Juli d. J. ent-
deckte ich durch Zufall diese interessante Art. Ich hätte
nicht geglaubt, sie bei Freiberg aufzufinden. Für Sachsen
176 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
ist sie zwar nicht neu, ist sicher aber eine der selteneren
Arten. Früher — vor ca. 25 Jahren — hat der verstor-
bene R. Seiler sowohl Falter als auch Raupen in ziemlicher
Anzahl auf dem Lößnitzberge bei Dresden gefunden. Durch
rationellste und raffinierteste Bodenkultur ist dort aber schon
seit vielen Jahren die Futterpflanze der Raupe so gut wie
ausgerottet und damit dem Falter die Lebensbedingung
geraubt worden. Ich suchte dort im Herbst 1923 nach den
Futterpflanzen Calamintha nepeta und Ihymus serpyllum,
von denen erstere früher ungemein häufig vorkam, fand
aber nur noch am Bismarckturm einige Ihymuspflänzchen;
von einer Raupe jedoch keine Spur. Man wird also dort
semigraphata für ausgerottet halten müssen. Die Art
liebt heiße, offene Stellen mit Felsen oder Mauern, woran
der Falter gern bei Tage sitzt. Seine Raupe bevorzugt
dürftige Pflanzen auf recht sonnendurchglühtem, vonanderem
Pflanzenwuchs entkleidetem Boden. Alle diese Bedingungen
fand ich erfüllt auf einer alten Erzhalde unweit Freiberg.
Einige Falter vonLar. galiata, die an einer Steinmauer
ruhten, führten mich zu einer Eupithecie, die ich sofort als
semigraphata erkannte. Weiteres Suchen brachte mir
noch 5 andere Falter dieser Art. Manche, besonders die
g'g', waren schon stark abgeflogen und kaum des Mit-
nehmens wert, die @QQ@ aber waren noch tadellos. Den
ganzen Juli hindurch fand ich noch Falter, die, aufgescheucht,
im raschen Fluge ein Stückchen dahinsausten, sich aber
bald wieder auf einen Stein niedersetzten. Bei ruhigem
Herankommen konnte man die Falter auch bequem mit
dem Fangglas abnehmen. Die Steine bestehen aus Gneis,
auf welchem sich der Falter ganz unmerklich abhebt. Die
QOQ transportierte ich in den Fangschächtelchen lebend
nach Hause, legte einen Blütenkopf von Thymus serpyllum
bei und schon am nächsten Morgen klebten die weißlich-
grünen Eier an der Innenseite der Kelchblätter. Schon am
folgenden Tage verfärbten sich die Eier in rotbraun und
nach etwa 1 Woche schlüpften die Räupchen aus, die munter
auf den gereichten Thymusblättern herumkletterten. Nun
versuchte ich, Eier und Raupen auch im Freien aufzufinden.
Gleich der erste Blütenkopf von Thymus, den ich abpflückte,
enthielt 2 Eier, die man ganz gut mit bloßem Auge wahr-
nimmt, obgleich ihre Länge nur etwa 0,6 mm und die
Breite 0,4 mm beträgt. Alle weiteren gefundenen Eier
waren ohne Ausnahme mit der flachen Seite immer an ein
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 177
Kelchblatt geklebt und hafteten ziemlich fest. Viele Eier
warenschon geschlüpft. Die winzigen, etwa 1,5 mm langen,
schmutzig gelben .Räupchen verrieten sich leicht durch
ihre lebhaften tastenden Bewegungen. Meist ließen sie
sich bei Erschütterung zu Boden fallen, blies man sie aber
an, dann stutzten sie, hielten sich fest an und verkrochen
sich zwischen die Blüten. Wunderbarerweise fand ich aber
auch bereits gegen den 10. Juli herum größere Raupen, ja
einzelne waren schon halb bis dreiviertel erwachsen. Abends
saßen diese meist auf den Blüten, am Tage aber lang aus-
gestreckt am Stengel oder an einem vertrockneten Pflanzen-
rest hart über dem Boden. Die Raupe von semigra-
phata sieht grau oder bräunlichgrau aus, zuweilen sand-
farbig, und hat einen dunklen Streifen über den Rücken,
der sich auf den hinteren Segmenten öfter zu Rauten-
zeichnungen erweitert. Sie ist sehr schlank und gleicht
eher einer Acidalienraupe; auch in ihren zappeligen Be-
wegungen ähnelt sie manchen von diesen. Die Zucht
scheint leicht zu sein, denn meine Raupen wachsen an dem
in Wasser eingestellten Ihymus serpyllum rasch heran.
Da auf der betreffenden. Halde Calamintha nicht wächst,
wieüberhauptnnirgends hier herum, ist die Artnuran Ihymus
gebunden. Aufgefallen ist mir, daß viele Falter am Hals-
einschnitt ein kleines blutrotes Tröpfchen trugen, das ich
erst für eine rote Milbe hielt, das aber sicher ein Sekret
ist. Welchen Zweck aber dieses Sekrettröpfchen hat, ist
mir noch unbekannt. Sollte es irgendeinen widerlichen
Duft ausströmen, der, da der Falter für Raubinsekten so
exponiert dasitzt, diese abhält? — Jetzt, wo ich diese
Niederschrift beende (Anfang August), ist die Flugzeit von
semigraphata gänzlich vorbei, die Raupen finde ıch
aber in allen Größen, und ich glaube sicher, daß einzelne
auch bereits erwachsen sind, doch weiter als bis in den
September dürfte sich wohl bei uns kaum die Lebenszeit
der Raupen erstrecken, denn Anfang Oktober treten schon
die ersten Nachtfröste auf.
21. E. plumbeolata Hw. Wo bei uns Melampyrun
silvaticum oder auch nemorosum in Menge steht, kann man
sicher auf das Vorkommen dieser Art als Falter und Raupe
rechnen. Durchschreitet man im Juni und Juli diese Stellen
im lichten Laubwalde, dann scheucht man den kleinen Falter
leicht auf. Es ist ihm dann nur bloß mit dem Netz beizu-
kommen. Gegen Abend fangen auch die Weibchen an zu
178 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
fliegen. Langsam und dicht über den blühenden Wachtel-
weizen hin suchen sie meist die Pflanzen auf, die unter
den Büschen stehen, um ihre Eier an die Blüten und auf
die Blätter abzulegen. Eingesperrte QQ legen bei Fütterung
mit Zuckerwasser leicht die Eier ab und leben verhältnis-
mäßig lange, während die g'g' rascher absterben. Diese
kleine, düster gefärbte Eupithecie, die höchstens mit im -
mundata zu verwechseln wäre, hat gewöhnlich gelblich-
graue Fl mit sehr vielen welligen, dunklen Querlinien. Oft
geht ein mehr oder weniger deutlich ausgebildetes blasses
Band über die Mitte. Der Diskalpunkt ist immer sehr winzig,
nicht selten nimmt man ihn gar nicht wahr. — Die kurze,
vorn und hinten schmäler werdende Raupe von hellerem
oder blaß fleischfarbigem Grundton mit mehreren roten
Längslinien, die aber öfter auch sehr undeutlich auftreten
können, lebt im Juli und August nur in den Blüten. Ich
habe das Aufsuchen ım allgemeinen Teile behandelt und
kann deshalb hier darauf verzichten. Man wolle also dort
nachlesen.
22. E. isogrammaria H. S. Diese kleine Spezies, die
plumbeolata in der Zeichnung sehr nahesteht, unter-
scheidet sich leicht durch die ziegelrote Färbung der ersten
Abdominalringe. Betrachtet man zur Blütezeit vom Juni
bis August die Knospen von Clematis vitalba genauer,
wird man an denselben hier und da schwärzliche Flecken
wahrnehmen. Sie deuten auf das Vorhandensein deriso-
grammaria-Raupe hin. Man sammle diese Knospen ein
und wird in ihnen die grünliche oder gelbliche Raupe mit
3 dunklen Rückenstreifen finden. Sie frißt die Knospen
aus und kriecht dann in eine andere, sich durch ein Loch
Eingang verschaffend. So kommt es, daß nicht alle Knospen
mit den dunklen Flecken von Raupen besetzt sind. In der
Freiberger Gegend ist isogrammaria zwar überall zu
finden, wo an Zäunen, Hecken und Gartenhäusern die
Futterpflanze steht, jedoch bei weitem nicht häufig.
23. E. tenuiata Hb. Das ist wiederum eine Art, die
bei uns ungemein häufig ist, allerdings betrifft das auch
wieder nur die Raupe, obgleich man den Falter gelegentlich
im Juli an den Aesten der Sahlweidenbüsche findet oder
in der Nähe an’ Stämmen. Den kleinen Falter übersieht
man zu leicht. Seine starkgerundeten Fl machen das Be-
stimmen leicht. Die Färbung ist grau, mehr oder weniger
mit braun untermischt, der Vrand der Vfl ist ockerig und
E. Lange. Die Eupithecien der Freiberger Gegend. 179
rotbraun mit einigen dunkleren Flecken. Die Querlinien
sind dunkel graubraun und oft verloschen. Der Diskalpunkt
ist schwarz. — Die kurze, dicke, in der Mitte verbreiterte
Raupe ist blaßgrün gefärbt mit einem breiten, dunklen
Mittelband und einem weiteren dunklen Band an den Seiten.
Auch kleine Raupen haben schon diese Zeichnung, vor der
Verpuppung verblaßt sie aber. Manchmal ist die Grund-
farbe etwas rosa. Ueber die Lebensweise und das Auf-
suchen der Raupe bitte ich im Allgemeinen Teile nach-
lesen zu wollen. — Besonders häufig finde ich alljährlich
dietenuiata-Raupen am Eingang des Tharandter Waldes,
nicht weit von Klingenberg an den Salix caprea - Büschen
am Bahnkörper. In der nächsten Umgebung von Freiberg
ist sie selten; bei Bienenmühle tritt sie aber wieder häufiger
auf. Auch aus dem Zellaer Walde habe ich sie eingetragen.
Am 28. VII. 24 fand ich einen frischen Falter ganz oben
im Gebirge bei Moldau.
24. E. nanata Hb. Diese Art kommt überall wo
Heide steht vor, sogar weit hinauf ins Gebirge, istaber überall
sehr spärlich, doch glaube ich nicht, daß ın höheren Lagen
zwei Generationen vorkommen. Bei Freiberg kommt jedoch
eine wenigstens partielle Sommergeneration vor. Den win-
zigen Falter stöbert man manchmal beim Durchschreiten
der Heideflächen auf. Die schön gefärbten Raupen schöpft
man von Juli ab von Heidekraut. Vor der Heideblüte sınd
die meisten Raupen grün mit dunklen Ornamenten; nach
der Blüte schöpft man meist nur weißliche Raupen mit
etwas grünlichem Uebertflug und roten Flecken und Bändern.
Der spitzflügelige Falter mit der fast rechtwinklig gebro-
chenen weißlichen Binde ist leicht zu identifizieren.
25. E. exiguata Hb. Diese wohl im ganzen Lande nicht
- selten vorkommende Eupithecie kommt bei uns überall vor,
bis weit hinauf ins Gebirge. Den Falter fand ich schon
mehrfach im Juli an Stämmen ruhen. Allerdings scheint
diese Art feuchte Waldstellen vorzuziehen. Wo Rhamnus
steht, bevorzugt die lange, schlanke Raupe diese Pflanze,
deren Blätter sie frißt und auf denen sie lang ausgestreckt,
den Kopf nach der Blattspitze zu gewendet, sitzt; im Ge-
birge, wo Rhamnus sehr zurücktritt, lebt sie gern an Sorbus .
aucuparia. Ich fand sie aber auch schon an-Lonicera, Rubus
und anderen Sträuchern. Sie ist also ziemlich polyphag.
Ihre Farbe ist grün; über den Rücken gehen rot- und gelb-
punktierte Abzeichen, eine rötliche, gelb eingefaßte Linie
180 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
faßt die Seiten ein. Ein großer Teil der Raupen ist immer
angestochen. Ich klopfe im September die Raupe in den
Schirm. — In der Färbung steht exiguata der sobri-
nata ziemlich nahe, doch ist erstere mehr gelblich, letztere
mehr grau im Ton. Ein gutes Erkennungszeichen ist das
schwärzliche Band vor der Submarginallinie, das von grund-
farbenen Streifen durchbrochen ist, so daß das Band in drei
a zerfällt. !
E. lanceata Hb. Unsere lanceata, die nach dem
Ge in Zahl zunimmt, zeichnet sich von denen anderer“
Herkunft durch ihre mehr ockerige Färbung aus. Sie sitzt
schon im Mai an Fichten, ist nicht schwer zu sehen und
leicht zu ziehen. Gewöhnlich sitzt der Schmetterling wage-
recht am Stamm. Die sehr langgestreckten Fl und die
eigentümliche Zeichnung lassen die Art unschwer erkennen.
Ich kann mir deshalb die nähere Beschreibung ersparen.
— Die gefangenen @Q legen leicht die Eier ab. Man
füttert die rasch heranwachsenden braunen Raupen mit den
jungen Maitrieben der Fichte. Die Verpuppung geschieht
im Moos. In der Gefangenschaft schlüpfen die Falter, welche °
sich rasch paaren, oft schon im März. —
Von Chloroclystien habe ich bei uns bisher nur
rectangulata gefunden, deren Raupe im Frühjahr an
den Blüten der Apfel- und Birnbäume lebt. Neben der
typischen Form mit grünlichem Grunde fing ich auch die
stark geschwärzte ab. nigrosericeata Hw.
Es wundert mich, daß bei uns debiliata nicht vor-
kommt, da doch die Futter pflanze Vaccinium myrtillus
reichlich im Gebirge wächst. —
Nachwort.
Bi A ET
. Möge diese Arbeit unter den Lesern immer mehr Liebe
für diese höchst interessante Gruppe der Eupithecien er-4
wecken. Man wird sicher seine Freude daran haben. |
Freiberg (Sa.), August 1924.
L. Sheljuzhko. Zur Verbreitung von Smerinthus caecus Men. 181
Zur Verbreitung von Smerinthus caecus Men.
Bmresheiliuzhko (Kıjey).
Alle Angaben über die Verbreitung von Smerinthus
caecus Men., über die wir bis zum Jahre 1911 verfügten,
beschränkten sich auf Ostasien. „Amurgebiet: von Trans-
baikalien bis Askold und Nordchina, nicht in Japan“, so
schildert das Verbreitungsgebiet der Art Dr. K. Jordan!).
Im südlichen Ussuri-Lande und der östlichen Mandschurei
(Station Pogramtschnaja), von wo ich die Art mehrfach
erhielt, scheint sie nicht selten zu sein. Jedoch ist seine
Verbreitung durchaus nicht auf Ostasien beschränkt und
haben wir jetzt eine ganze Reihe von Fundortangaben, die
uns ein viel breiteres Verbreitungsgebiet der Art beweisen.
A. Djakonov?) war der erste, der Sm. caecus aus
mehreren recht interessanten Lokalitäten meldete, die weit
außerhalb des früher für die Art bekanntem Gebiete liegen.
Diese Fundorte sind: Gouvernement Jenissej (Krasnojarsk
und Dzhelam, Distrikt von Minussinsk). Altai (Gussinaja
pristanj, am Flusse Irtysh, 100 Werst von Ustj-Kamenogorsk),
Ural (Jekaterinburg) und endlich wird noch ein Stück er-
wähnt, welches aus der Sammlung des Herrn Keller in
den Besitz des Zoologischen Museums der Russischen Aka-
demie der Wissenschaft (in St. Petersburg) überging und
bezettelt war: „Aleksin, Gouvern. Tula, 3. III. 95. e.1.“ Das
Vorkommen dieser ostasiatischen Art in Zentralrußland
schien aber dem Autor so unwahrscheinlich, daß er die
Vermutung äußerte, die Raupe könnte aus einer anderen
Gegend eingeführt sein. Bald darauf aber brachte ].
Filipjev ?) den Bericht, daß es ihm gelang, 1 @ von Sm.
caecus aus einer bei Torbino (Gouvern. Novgorod) ge-
fundenen Raupe zu ziehen. In der neuesten Zeit wurde
die Art von A. T'shernyshov*) aus der Umgebung von
Kaluga (Zentralrußland) angeführt. Endlich wurde Sm.
caecus von V. Kozhantshikov:) wieder vom Distrikte
Minussinsk (Gouvern. Jenissej) gemeldet und soll die Art
in der Umgebung von Minussinsk nicht selten sein. Die
beiden letzten Autoren hatten die Freundlichkeit, mir je
1 g' dieser Art von den genannten Lokalitäten zu über-
lassen.
182 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
Außer den erwähnten Literaturangaben, die ich mir
etwas ausführlicher wiederzugeben erlaubte, da diese wohl
nicht allen ausländischen Lepidopterologen bekannt sein
dürften, muß ich noch meinen eigenen Fund angeben. Ich
fing nämlich 1 9! von Sm. caecus am 22. Mai (nach
altem Stil) 1915 in der Nähe von der Station Belebej-
Aksakovo (Distrikt Belebej, Gouvern. Ufa). Das Stück
kam ans Licht geflogen.
Eine Zusammenstellung der angeführten Fundorts-
angaben ergibt uns also folgendes Bild der Verbreitung
der Art: Amur- und Ussuri-Land, Mandschurei, Nordchina,
Iransbaikalien, Gouvern. Jenisse] (Krasnojarsk und Distrikt
von Minussinsk), Altai, Ural (Jekaterinburg), Ostrußland
(Belebej-Aksakovo, Gouvern. Ufa), Zentralrußland (Aleksino,
Gouvern. Tula und Kaluga) und Nordwestrußland (Torbino,
Gouvern. Novgorod).
Die Frage, wie es kommt, daß solch eine prägnante
und auch im europäischen Rußland so weit verbreitete
Art hier so lange nicht konstatiert wurde, beantworten
die beiden Autoren, die dies Thema behandeln, auf ver-
schiedene Weise. A. Djakonov (l. c.) spricht die Vermutung
aus, daß diese Art einfach übersehen, also mit Sm.
ocellatus L. verwechselt wurde. 12 Filipjev (l. c.) ver-
tritt dagegen die Ansicht, daß wir in Sm. caecus eher
eine Art haben, die ihre Uebersiedelung nach Westen be-
gann (wie es z. B. mit Te »phroclystia sinuosariaEv.
der Fall ist).
!) In Seitz, Groß-Schmett. d. Erde, vol. II, 1911, p. 244. Vergl.
auch Dr. W. von Rothschild und Dr. K. Jordan, Sphingidae in
Wytsman, Genera Insectorum, fasc. 57, 1907, p. 64.
?) Sur la distribution gtogrsphigie du Smerinthus caecus
Men. (Rev. Russe d’Ent., vol. XI, 1911, pp. 26—27.)
3) Zwei interessante Sherintus Arten aus Nordwestrußland.
(Rev. Russe d’Ent., vol. XII, 1912, pp. 250 — 253.)
*) Enumeratio lepidopterorum provinciae Kalugiensis, p. 4
(Separatum aus „Mitteil. d. Kalugischen Vereine zur Naturkenntnis“,
vol. III, 1919). |
’) Materialien zur Macrolepidopteren -Fauna des Minussinsk-
Bezirkes (Jahrbuch d. Martjanovschen Staatsmuseums in Minus£insk,
vol. I, NI, 1923,-p. 18).
u ET ET Fl LH un A re u
L. Sheljuzhko. Zwei neue palaearktische Aegeriiden-Arten. 183
Zwei neue palaearktische Aegeriiden-Arten.
Von L. Sheljuzhko (Kijev).
1. Dipsosphecia kalavrytana spec. nova.
Es liegen mir 299 dieser sehr eigentümlichen Art vor,
die von mir in Nord-Morea, bei Kalavryta am 7. und 9.
August 1919 auf einer Distel-Art sitzend gefunden wurden.
Vfllänge 10 mm, Spannweite 21,5 mm. Zunge ganz ver-
kümmert. Fühler rotbraun, ihre Spitze schwarz. Palpen
gelbrot, useits etwas schwärzlich behaart. Stirn rötlich.
Gesicht und Hrand des Kopfes weißgelb. Thorax schwarz
metallisch (leicht bläulich) glänzend. lIränder der Schulter-
decken intensiv goldgelb. An den Vflwurzeln ein gelblich-
weißer Scapula-Fleck. Hinter dem Thorax zieht sich eine
- deutliche goldgelbe Umrandung mit längerer Behaarung
von derselben Färbung auf den Seiten. Hleib schwarz.
Alle Segmentränder (2—6) breit -goldgelb. Diese Hleibs-
gürtel sind ventral nicht geschlossen. Bei 1 @ gehen sie
überhaupt nicht auf die ventrale Seite über, während
- beim zweiten sıe sich dort als kurze Ausläufer fortsetzen,
die aber bald verschwinden, ohne die Ausläufer der
anderen Seite zu berühren. Der Afterbusch ist schwarz,
oseits in der Mitte breit orangerot, wobeı die Basıs und die
Spitze auch hier schwarz bleiben. Vorderhüften gelb, nach
innen schwarz gerandet. Die Schenkel aller Beine schwarz,
nur beim vorderen Paare ist das Schenkel-Ende rotgelb.
Die Mittel- und Hschienen mit einem schwarzen Ringe, der
auf den letzten zwischen den zwei Paaren Endsporen liegt.
Die Tarsen oseits schwärzlich, mit rotgelber Beimischung.
Die restlichen Beinteile rotgelb. Die Vfl sind von der Basıs
bis zur Mittelbinde braunschwarz beschuppt; diese dunkle
Beschuppung ist mit der Mittelbinde so innig verbunden,
daß die letze (von der Oseite gesehen) gar nicht zum Vor-
schein kommt. Diese dunkle Beschuppung erreicht am
Vorder- und Hinterrande den Außenrand und: verbreitet
sich dort vom Vrande bis zur Ader R, und vom Hrande
bis zu M,. Die Mittelbinde wird von außen durch einen
intensiv roten Fleck begleitet. Der äußere Flteil, der, wie
bereits erwähnt, am Vorder- und Hinterrande durch die
dunkle Beschuppung begrenzt wird, ist goldgelb und wird
184 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
durch die dunkelbeschuppten Adern durchschnitten. Die
Irandszelle ist intensiv rot. Von der Mittelzelle bleibt bei
einem Q nur ein Teil als schmaler glasiger Keilfleck von
der dunklen Beschuppung frei. Beim zweiten © ist auch
dieser Keilfleck dunkel beschuppt, so daß die Ofläche der
Vfl gar keine glasigen Teile hat. Der Außenrand ist braun-
schwarz, die Befransung etwas lichter.
Die Hfl sind glashell, nur das äußere Fldrittel ist breit
dunkel bestäubt, etwa bis zur Ader C,. Bei 1 ist diese
Bestäubung sparsam auch am Vrande der Fl verbreitet und
dringt auch in die Mittelzelle ein, während beim zweiten
diese Flügelteile ganz glashell bleiben. Der Mittelstrich ist
schwarz, von außen durch rote Beschuppung begleitet, die
sich zum Vrande verbreitet. Die Umrandung und Befran-
sung wie auf den Vfl. Die Adern dunkel.
Die Useite der Vfl weicht in der Färbung von der
Öseite erheblich ab. Von der Flbasis bis zur Mittelbinde
sind die Fl gelb, auch die (oseits rote) Irandszelle ist hier
gelb beschuppt. Die schwarze Mittelbinde ıst deutlich sicht-
bar, von ihr zieht sich eine dunkle Beschuppung in die
Mittelzelle. Von außen ist die Mittelbinde durch einen röt-
lichen (etwas verschwommenen und weniger intensiven
als oseits) Fleck begleitet. Das Außenfeld, wie oseits, gold-
gelb mit dunkelbeschuppten Adern.
Die Useite der Hil entspricht der Oseite, nur kommt
hier der rote Fleck, der den Mittelstrich begleitet, deut-
licher zum Vorscheine und ist der Vrand deutlich gelb
beschuppt.
Hiermit erlaube ich mir diese, soweit ich urteilen kann,
neue Art mit dem Namen Dipsosphecia kalavrytana
spec. nova zu belegen. Die Originale in meiner Sammlung:
2. Chamaesphecia ferganae spec. nova.
Eine sehr eigentümliche Art, die ziemlich isoliert zu
stehen scheint. Vtllänge 11 mm. Die Zunge ist'gut entwickelt.
Die Fühler (deren Spitzen fehlen) sind beim g! (das © ist
mir nicht bekannt) ziemlich kräftig, useits stark bewimpert.
Palpen hellgelb, useits schwärzlich behaart. Fühler, Kopf,
Thorax), Abdomen und Beine etwa kaffeebraun, metallisch
‘) Der Thorax ist bei dem vorliegenden Stücke abgerieben,
so daß keine genaueren Angaben über diesen zu machen sind.
L. Sheljuzhko. Zwei neue palaearktische Aegeriiden-Arten. 185°
grünlich irisierend, wobei dieser Glanz besonders auf den
Beinen zum Vorschein kommt. Hrand des Kopfes gelb.
Auf der Rückenseite ist: der 4. Hinterleibssegment auf der
Hseite leicht gelblich begrenzt. Der kaffeebraune After-
busch ist useits in der Mitte gelblich.
Die Glasfelder fehlen den Vfl völlig. Der Vorder- und
Außenrand sind breit schwarzbraun beschuppt, diese
dunkle Beschuppung. hat am Vrande einen bestimmten
metallischen Glanz. Die ganze Vfloberfläche ist fahl gold-
gelb. Die Mittelbinde ist zu einem runden, schwarzen
Flecke umgewandelt, der den Vrandsaum berührt. Die Be-
fransung; ist schwarzbraun, etwas lichter als der Außen-
rand. Fast die ganzen Hfl sind dunkel schwarzbraun be-
schuppt. Diese dunkle Beschuppung: bildet eine breite (etwa
1), des Fl einnehmende), leicht violett irisierende Außen-
binde; diese Beschuppung ist auch auf den Adern und
zwischen diesen, auch im übrigen Flteile verbreitet, nur
‚ist sie hier sparsamer und läßt teilweise den glashellen
Grund erkennen. Nur die basalen ?/, der Zelle zwischen
den Adern IV, und a bleibt ganz glashell. Vom Mittel-
striche konnte ich keine Spur entdecken. Befransung wie
auf den Vfl.
Die Useite der Vfl ist fast ganz mit schwarzbrauner
Bestäubung bedeckt. Nur der Vrand (von der Basis bis
zur Mittelbinde), die Mittelzelle und die dem äußeren Glas-
felde entsprechende Stelle bleiben gelblich.
Die Hflunterseite wie die Oberseite.
Das einzige g' dieser, wie ich annehme, neuen Art,
die ich Chamaesphecia ferganae spec. nova bezeichne,
wurde am 17./30. Mai 1908 bei Osh (Fergana) von Herrn
J. Bojarsky, der auf meine Beauftragung sich dorthin für
Sammelzwecke begab, gefunden und befindet sich ın
meiner Sammlung.
“
186 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge
der Grafschaft Glatz.
Von Julius Stephan, Friedrichsberg a. d. Heuscheuer.
Vorbemerkungen.
Unter den „Bombyces‘“ vereinige ich hier die heterogenen
Gruppen der spinnerartigen Heterocera im.Seitzschen Sinne,
allerdings mit Ausschluß der Sphingidae, denen ich ein
eigenes Kapitel bereits gewidmet habe, hingegen mit Hinzu-
ziehung der Cymbidae, die Warren im Seitz bekanntlich
bei den Noctuiden einreiht.
Ein Vergleich des nachfolgenden Verzeichnisses mit der
durch Nachträge ergänzten Wockeschen Liste ergibt, daß
von den 198 für die Provinz Schlesien (in ihren früheren
Grenzen) nachgewiesenen Arten 138, das sind rund 70%,
bisher in der Grafschaft Glatz gefunden worden sind. (Das
alte Aßmannsche Verzeichnis gibt für das Glatzer Gebiet
nur 90 Spezies an.) Dazu kommen noch 11 Arten, deren
Vorkommen zweifelhaft ist, die aber möglicherweise bei
uns Asylrecht genießen.
‘Im einzelnen ist zu sagen, daß vor allem die Sesien
recht schwach vertreten sind, nur durch 8 von 19 schle-
sischen Arten; die wenig günstigen klimatischen Verhält-
nisse sagen diesen Tieren offenbar nicht zu; das mag zum
Teil auch von den Psychiden (10 gegen 17) gelten. Freilich
muß man hierbei in Betracht ziehen, daß diese Schmetter-
linge wegen ihrer Kleinheit und ihres unscheinbaren Ge-
wandes meist wenig beachtet werden, wieich denn überzeugt
bin, daß sich die Zahl der Glatzer Spinner bei genauerer
Durchforschung und intensiverer Sammeltätigkeit noch er-
höhen wird. Im allgemeinen gut vertreten sind. außer den
Hepialiden und den nur wenige Spezies umfassenden Satur-
niden, Endromididen, Lemoniiden usw., vor allem die No-
todontiden (26 gegen 30), Lymatophoriden (8 gegen 9),
Drepaniden (6 gegen 7) und Lasiocampiden (15 gegen 18).
Gänzlich fehlen die Thyrididae (wie überhaupt in Schlesien),
und anscheinend auch die T'haumetopoeidae — Bemerkt
sei ferner, daß die berüchtigten Kulturschädlinge (monacha,
dispar, neustria, pudibunda, pini, bucephala, chrysorrhoea,
salicis) wohl kaum irgendwo in gefährlicher Menge auftreten,
— =
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 187
in mittleren und höheren Lagen (mit alleiniger Ausnahme
von monacha) meist sogar sehr spärlich sind.
Im übrigen verweise ich zunächst wiederum auf die
Einleitung zum ersten Teil meiner faunistischen Arbeit.
(Iris, Bd. 37, 1923.)
Zygaenidae.
Procris (Ino) statices L. Ueberall verbreitet, bis in
Höhen von 1000 bis 1200 m. VI, VII, in den Bergen noch
im VIII; oft ın großer Menge auf blumenreichen Wiesen
und Waldlichtungen. Sitzt oft zu dreien, vieren an einer
Blüte, nächtigt dort auch. (Abends erscheint das Grün der
Fl infolge der Luftfeuchtigkeit rötlich, eine Erscheinung, '
die man ja auch beim Aufweichen der Falter bemerkt!)
Die g'9' schwirren im Sonnenschein in langsamen Fluge
geradeaus, die kleineren QQ fliegen selten. Kopulation
tagsüber. — R an Rumex, ziemlich versteckt, überwintert.
P in strohgelbem, losem Gespinst, meist an der Erde.
Zygaena purpuralis Brn. (= pilosellae Esp.). Fast
überall, auch in höheren Lagen, nicht selten. VII, VIII, auf
Waldwiesen, Lichtungen, Abhängen; saugt gern an Distel-
und Skabiosenköpfen; das g' schnurrt im Sonnenschein in
langsamen geradem Fluge umher, nach dem trägeren ©
suchend. Kopula in den wärmeren Mittags- und Nach-
mittagsstunden; vereinigte Pärchen trifft man sehr häufig.
Nachtruhe gleichfalls auf Blumen; abends sind die Tiere
oft ganz erstarrt. R an Genista, Thymus, Veronica, Tri-
folium, Pimpinella, auch an Gräsern und anderen niederen
Pflanzen; lebt versteckt, überwintert klein; fertigt sich
Mitte VI einen gelblichen hochgewölbten Kokon an, den
man an Halmen und Stengeln findet. Die R des Jf ıst
bläulichweiß, die des © gelblich. P ruht 2 bis 3 Wochen.
F schlüpft früh morgens. Aberrationen!: interrupta
Stgr. (Dr. Dannenberg bei Neurode, Stephan bei Kessel,
Kreis Glatz), dilatata Brg. (Dr. Dannenberg, Kunzendorf),
marginata Bre.
Z. achilleae Esp. Spärlich verbreitet, ziemlich selten,
‚liebt Kalkboden. (Bei Glatz von Dr. Dannenberg aufge-
funden). Waldränder, lichte Gehölze. VI, VII. Ran Astra-
galus, Coronilla, Onobrychis.
Z. meliloti Esp. Nur an wenigen Stellen, bei Habel-
schwerdt, Neuwaltersdorf (Dr. Dannenberg); in manchen
‘ Jahren ganz fehlend. Die Art sieht aus wie eine kleine
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein IX
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924
188 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
trıfoliiı und mag wohl manchmal mit einer solchen ver-
wechselt werden. VI, VII; auf Waldwiesen, Grasplätzen.
R auf Lotus, Trifolium, Vicia.
Z. trifolüi Esp. Ziemlich häufig, auch in höheren Lagen. -
Mitte VI bis Anfang VIII, auf feuchten Wiesen. Variiert sehr
stark; ab.minoides Sel., ab.orobi Hbn., ab. glycir-
rhizae Hbn. (Lewin) wurden nicht selten gefangen. R
an Kleearten. P in weißgelbem, firnisglänzendem Kokon,
der an Simsenstengeln, auch an Baumrinde angeheftet ist.
Z. lonicerae Esp. Nur ganz vereinzelt; VI, VII, an
trockenen sonnigen Abhängen und auf blumigen Wald-
lichtungen. R an Klee und Gräsern, die des g' weißlich,
des © grünlich. Ueber den Bau des Kokons, vergl. Frankf.
E. Z. 1920, Nr. 18. P des g' schwarzbraun, die desQ gelb
mit schwarzen Flscheiden.
Z. filipendulae L. Ueberall die häufigste Zygäne, noch
im höheren Gebirge. In manchen Jahren stellenweise in
Unmengen. (Auf der Friedrichsberger Hochfläche war die
Luft im VII 1922 in den Nachmittagsstunden geradezu er-
füllt mit schwirrenden Faltern; auf jedem Distelkopf saßen
4 bis 6 Stück, auf jeder Skabiose mehrere vereinigte Pärchen,
wobei nicht selten „Eheirrungen‘ festzustellen waren.) Von
Mitte VI bis Anfang VIII. Bergwiesen, Abhänge, Waldränder,
Chausseen. F läßt sich leicht an den Fühlern abnehmen,
fliegt ziemlich langsam und geradeaus, um sich bald wieder
zu setzen. Abweichende Exemplare nicht selten: ab. cytisi
Hb. (Kessel, Johannesthal, Wünschelburg; Stephan), ab.
confluens Dz. (Friedrichsberg, Friedersdorf, Grunwald;
Stephan) ab. bipunctata Sel.,, ab. communimaculata
Sel., ab.minor Tutt. Ich fing auch wiederholt sehr große
Stücke vom Iypus derochsenheimeriZ,., sie stammen
vermutlich von Raupen, die mehrmals überwinterten. R
an allerlei niederen Pflanzen und Gräsern, V, Anfang VI
erwachsen. Der schwefelgelbe Kokon an Halmen, Stengeln,
Pfählen, Bildstöcken.
L angelicae OÖ. Von Goetschmann bei Bad Kudara
gefunden, von mir bisher nicht beobachtet.
Z. ephialtes L. wird meines Wissens hier nur in der
Form peucedani Esp. gefunden. Diese letztere stellenweise
zahlreich (Wartha, Dr. Dannenberg), sonst selten. VII, auf
Brachäckern, Wiesen, selbst in Gärten. Die Form atha-
manthae Esp. wird von Ilgner aus der Umgebung von
Glatz gemeldet. R auf Plantago, Veronica, Vicia, Trifolium
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 189
und dergleichen; überwintert zuweilen zwei- oder dreimal,
wobei sie jedesmal eine besondere entfärbte Winterhaut
bildet, in der das Tier nicht zur Aufnahme von Nahrung
befähigt ist. (Vgl. hierüber Burgeff in „Z. f. wiss. Ins.-Biol.“,
VI, p.89—44, 97—98, sowie in „Mitt.d. Münchener Ent.Ges.“,
11. Jahrg., Nr. 9.)
Z. carniolica berolinensis Stgr. In der ehemaligen
llgnerschen Sammlung stecken einige Stücke mit der
Etikette „Neurode“. Möglicherweise ist die Angabe irr-
tümlich; ich kenne die Art sonst von keinem Orte der
Grafschaft. Wie mir Herr Guder mitteilt, ist sie von (dem ver-
storbenen Sammler) Nonnast im Höllental gefangen worden.
Syntomidae.
Syntomis phegea L. Nur an wenigen Stellen (Höllen-
tal u. a.); dort in manchen Jahren zahlreich, zeitweise ganz
fehlend. (Bei Wartha 1921 sehr häufig.) Mitte VI bis Ende
VII; sonnige Waldlichtungen, trockene Berglehnen. Die
g'" fliegen im Sonnenschein ziemlich hurtig und geschickt
von Blume zu Blume (— ich traf sie öfters an Brombeer-
blüten —); die trägeren @QQ ruhen meist im Grase. Ko-
pulation nachmittags. Eier werden häufchenweise ins Gras
abgelegt. R gesellschaftlich an Leontodon, Plantago, Rumex,
Gräsern und dergleichen, hält sich bei Tage versteckt; über-
wintert; Ende V erwachsen, fertigt sich (nach Art der Bären-
raupen)ein weißliches,mitschwarzen Borstenhaaren verfilztes
Gewebe. — Aberrationen: fenestrata Ra., pfluemeri Weg.
Dysauxes ancilla L. Recht selten, nur hier und da in
niederen Lagen. VII bis Mitte VII; fliegt einzeln ım
Sonnenschein, ist (anderwärts) aber auch schon am elek-
trischen Licht gefunden worden. Lichte Gehölze, Gebüsch-
ränder, sonnige Hänge. Aßmann führt die Art als bei Rein-
erz vorkommend auf, von mir noch nicht gefunden. R an
Baumflechten; kann schnell laufen; überwintert klein. P
in lockerem Gewebe.
Cymbidae.
Sarrothripus revayana Scp. (= undulana Hb.). Soll in
der Eorm degenerana Hb.an einigen Stellen des Neiße-
tales beobachtet worden sein; ich habe sie ım Glatzer
Gebiet noch nicht gefunden. VI und VII; F überwintert,
fliegt in Laubwäldern; R an Weiden, Birken, Eichen; P
in weißlichem kahnförmigem Gespinst.
190 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Earias clorana 1.. Vereinzelt, aber ziemlich verbreitet;
wird meist übersehen. V, VI und VII, VII; in Weiden-
gebüschen, kommt an Köder. R an Zweigspitzen von Salix,
die Blätter nach Wicklerart zusammenspinnend. Pin gelblich-
weißem Gewebe; überwintert.
Hylophila prasinana L. Nicht gerade häufig. V, VI, in
Buchenwäldern, auch in höheren Lagen; ruht am Tage mit
zusammengelegten Flügeln in niederer Vegetation. (Ich fand
den F öfters auf Petasitis- Blättern sitzend.) Kommt an
Köder. R auf Buche, spinnt sich auf der Blattoberseite
ein ziemlich festes, kahnförmiges, gelbbraunes Gehäuse, das
mit dem Blatte zu Boden fällt. P überwintert. — Ich fing
31. V. 1918 auf dem Wege von Friedrichsberg nach Ku-
dowa ein Stück mit stark rosa überlaufenem Apex.
Nolidae.
Nola cucullatella L. Vielerorts nicht selten, besonders
in tieferen Tälern. VII; fliegt nachts, aufgescheucht auch
bei Tage, sitzt mit ausgebreiteten, flach dachförmig ge-
haltenen Flügeln an Zäunen, Brettern, Telegraphenstangen,
ın Rindenrissen. R asselförmig, überwintert sehr klein
(— nach Pabst soll sie erst im zeitigen Frühjahr aus den
überwinterten Eiern kommen —), versteckt sich tagsüber
in Stammritzen oder zusammengezogenen Blättern; an
Apfel- und Pflaumenbäumen, Weißdorn, Schlehe. P in
kleinem grauen, kahnförmigen Gespinst.
Roeselia strigula Schiff. Selten; nur an wenigen günstig
gelegenen Punkten, Ende VI bis Anfang VII, in jungen
Eichenschlägen, sitzt an Baumstämmen, erinnert stark an
ein Microlepidopteron und wird meist übersehen. R bären-
artig, an Eichenbüschen, nagt die Oberhaut der Blätter
ab, sodaß helle, gitterige Flecken entstehen. P in braun-
grauem Gehäuse.
Celama centonalis Hb. Recht selten, an sonnigen
sandigen Stellen der tieferen Lagen, in Schonungen, lichten
Birkengehölzen, VII, sitzt mit flach dachförmig gehaltenen
Fl an flechtenüberwachsenen Stämmen. R an Fragaria,
Potentilla, Rubus, nach Hering auch an Birken.
Lithosidae.
Nudaria mundanaL.. Verbreitet; VII, VII, in geschützten
Gebirgstälern, noch in mittleren Lagen; sitzt mit flach
ausgebreiteten Fl unter Felsplatten, überhängenden Fels-
- J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 191
blöcken, Steinspalten, an Mauern, Fichtenzweigen. (Durch
Klopfen und Schütteln zu erbeuten!) F fliegt langsam und
gleichmäßig, erinnert mit seinen fast durchsichtigen schuppen-
losen Fl sehr an Chrysopiden. R überwintert klein; ge-
sellschaftlich an Baum-, Stein- und Mauerflechten, an altem
verwitterten Gemäuer von Forsthäusern, fertigt sich Ende
VI unter flachen Steinen, in Felslöchern ein lockeres mit
Haaren durchwebtes Gespinst. P sehr dünnschalig, ergibt
bei günstigem Wetter schon nach überraschend kurzer
Zeit den F. (Seitz fand R, P und F oft gleichzeitig bei-
einander unter Felsplatten.)
Miltochrista miniata Frst. Vereinzelt und ziemlich
selten, VII, Anfang VIII in lichten Gehölzen, Laubwäldern,
an Waldchausseen, sitzt bei Tage zuweilen saugend auf
Skabiosen, blühenden Dolden, Büschen u. dgl., fliegt ge-
mächlich, kommt auch an den Köder. R lebt anfangs
von dem grünen Algenanflug (Pleurococcus, Chlorococcum
u.a.) an Waldbäumen, Steinen, Zaunpfählen, später an
verschiedenen Flechten (Usnea, Parmelia), überwintert. P
in dichtem haarıgem Gewebe.
Philea irrorella Cl. Zerstreut, nur an wenigen Stellen
(Heideplätzen, grasigen Lichtungen, trockenen Gehölzen)
häufiger. VII bis Mitte VIII, sitzt mit steil dachförmig
gehaltenen Fl an Stengeln und Halmen, läßt sich bei
Störung ins Gras fallen und stellt sich tot, wobei die Fl
an den Seiten herabgeschlagen werden; fliegt zuweilen
kurze Strecken im Sonnenschein. Das kleinere @ träge
im Grase. R an Steinflechten, an flechtenbewachsenen
Birkenstubben, versteckt sich bei Tage am Fuße hoher
Waldbäume, am Boden steiniger Waldwege, unter altem
Steingerölle, überwintert fast erwachsen. P in durch-
scheinendem, mit Haaren durchwebtem Gespinst.
Cybosia mesomella L. Verbreitet, aber nicht so häufig
wie in der Ebene. Mitte VI bis Anfang VII, in lichten
Wäldern, im Grase, rollt beim Sitzen die Fl nach Motten-
art zusammen. R an Erd- und Steinflechten, Algen auf
Rinden und Holzplanken, überwintert mittelgroß. P
zwischen Flechten in einem mit Blattstückchen und Haaren
bekleideten Gewebe. — Hin und wieder findet man Ueber-
gangsstücke zu flava Pr. und cremella Krl.
Oeonistis quadra L. Hie und da zeitweise nicht selten,
in manchen Jahren ganz fehlend. VII, VIII, in 1 Generation,
in Wäldern und Gärten, fliegt zuweilen am Tage, meist
192 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
nachts, kommt gern ans Licht. R überwintert ziemlich
klein, versteckt sich in Baumritzen, lebt gesellig von Flechten
an Obst- und Waldbäumen (auch Nadelhölzern), frißt bei
Nahrungsmangel auch Blätter, sogar Nadeln, zeigt sich in
Nonnenjahren als Mordraupe, die die Raupen von Lym.
monacha L. zahlreich verzehrt und infolge der Fleisch-
nahrung sehr groß wird. P in leichtem Gewebe in Rinden-
spalten, ruht 3—4 Wochen. |
Lithosia deplana Esp. Weit verbreitet, nicht selten.
VII bis Mitte VIII, in Nadelwäldern, läßt sich von Zweigen
klopfen, sitzt mit um den Leib geschlagenen Flügeln, fliegt
aufgescheucht, kurze Strecken geradeaus. R meist an Nadel-
holzflechten, wird bei anhaltender Trockenheit zur Mord-
raupe, überwintert. Pin feinem Gespinst.
L. lurideola Znk. Ziemlich häufig, auch in höheren
Lagen. VII, Anfang VIII, in Wäldern, sitzt gern an Laub-
und Lärchenzweigen, läßt sich oft ins Gras fallen, um sich
zu verkriechen. R an Stein- und Baumflechten, vielfach
an Buchen.
L. complana L. Nicht häufig, VII, VII, trockene Hänge,
Lichtungen, Obstgärten, im Grase und an Stengeln sitzend,
fliegt, wenn aufgescheucht, nur wenige Meter, läßt sich
bald in Büschen, an der Blattuseite, nieder; kommt an den
Köder. R lebt von Erd- und Baumflechten, wird an Buchen,
Pappeln, Eichen, Obstbäumen gefunden, soll auch Blätter
fressen. P in lockerem braungrauen Gespinst.
L. Iutarella L. An einzelnen trocknen sandigen Stellen,
VI, VII, in grasigen Wäldern, Birkengehölzen, an sonnigen
Abhängen, sitzt an Halmen und Zweigen und sieht dann
wie ein Strohhälmchen aus, saugt zuweilen tagsüber an
Blüten. R an Bodenflechten.
L.sororcula Hufn. Nicht gewöhnlich, in höheren Lagen
sehr selten, von V bis VII, am Rande von Laub- und
Nadelwäldern, lichten Gehölzen, sitzt in Büschen und im
Grase, fliegt manchmal im Sonnenschein und besucht
Blumen. R an Baumflechten. P überwintert.
Pelosia muscerda Hfn. Von mir noch nicht gefunden,
soll als Seltenheit auf moorigen Wiesen des Neißetales
vorkommen; VII, VII. R an Algen, Flechten, welkem
Laub, hat Brennhaare. P in ganz lockerem Gespinst. (Pabst.)
Gnophria rubricollis L. Verbreitet, aber meist nicht
häufig, in manchen Jahren scheinbar ganz fehlend, VI bis
VII, an Waldwegen auf Fichtenzweigen, von denen man
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 193
den F klopfen kann, fliegt in eigentümlich schwingendem
Flug und erinnert dadurch an gewisse Phryganiden, die
zu derselben Zeit und an denselben Oertlichkeiten ge-
funden werden, kommt ans Licht, saugt aber auch zuweilen
im Sonnenschein an blühenden Disteln, Skabiosen u. dgl.
R an flechtenbewachsenen alten Fichten. P in graugelbem
Gespinst, überwintert. (Auch einzelne R sollen überwintern.)
Arctiidae.
Utetheisa pulchella L. Als Irrgast dürfte dieser süd-
liche „Zugvogel“ sicherlich auch schon in der Grafschaft
Glatz aufgetreten sein; in Schlesien ist die Art jedenfalls
schon wiederholt gefunden worden, u. a. von Fr. Graebisch
(jetzt in Mittelwalde) Ende IX 1893 auf einem Brachfelde
bei Breslau. (Gub. E. Z., VII, Nr. 7.)
Phragmatobia fuliginosa L. Nur stellenweise häufig, V,
VIund wieder VII, in höheren Lagen wohl nur 1 Generation,
in Wäldern, Gärten, an Bachrändern, sitzt träg an Zäunen,
Pfosten, Blättern, fliegt oft ans Licht. R polyphag (oft an
Nesseln, Ampfer, Miere), an Chausseegräben, Bahndämmen,
auf Brachen; VI und IX, IV, im Frühjahr und Herbst rasch
auf Wegen umherkriechend, überwintert meist erwachsen,
erwacht schon sehr zeitig aus der Winterruhe P in
dünnem, bräunlichen Gewebe.
Parasemia plantaginis L. Charakterschmetterling der
Berge, geht bis 1200 m hoch, stellenweise und in manchen
Jahren (1911, 13, 17, 20, 21, 22) überaus häufig, VI, VII (im
Hochgebirge noch Mitte VII), auf Waldwiesen, grasigen
Lichtungen, Wegen, fliegt am Tage (bis in die Abend-
stunden) in niedrigem, aber gewandtem, stürzend-schnellem
Fluge. Die g'g! lassen dabei hin und wieder einen
schwachen knackenden Ton vernehmen. Die dickleibigen
OO sitzen meist auf niederer Vegetation und schwirren
aufgestört nur wenige Meter weit. R an Plantago, Silene,
Lychnis u. dgl.; überwintert, im V erwachsen. P in lockerem
Gewebe, ruht 2—4 Wochen. — F sehr variabel, das g'
dichıom, die weiße Form hospita Schiff. überwiegt ın
hohen Lagen. Reine matronalis Frr. sind selten (Glatzer
Schneeberg, Hohe Mense), Uebergänge dazu häufiger.
Andere Aberrationen: nigrociliata Schw. (Friedrichs-
berg, Carlsberg, Heudort), lutea-obsoleta Tutt. J'
(Friedrichsberg), henrichoviensis Schu. (Johannesthal,
Friedrichsberg, Grunwald), roseipennis Schu. g'
%
194 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1994,
(Heuscheuer), albulae Kl. (Hohe Mense), bicolor Ritz.
(Keilendorf) elegans Rtz. (Klessengrund). 1 9' (gefg. 1.
VII. 22 bei Kudowa) entspricht der letztgenannten Form,
hat aber gelbe Hfl.
Spilarctia lubricipeda L. (= lutea Hfn.) Mit Ausnahme
der höheren Lagen ziemlich häufig, VI, VII, in Gärten und
Gehölzen, sitzt bei Tage träg an Wänden, Zäunen, Planken.
R polyphag an niederen Pflanzen (Leontodon, Urtica u.
dgl.), aber auch an Corylus, Lonicera, Sambucus u. a., kann
sehr schnell laufen. P in einem Gewebe, meist an der
Erdoberfläche, unbeweglich, überwintert. (Auch die R
soll stellenweise überwintern.)
Spilosoma menthastri Esp. Fast durchweg ge-
wöhnlich, Ende V bis Mitte VII, bei uns nur 1 Generation,
in Hausgärten, Parks, Anlagen, Gehölzen, tagsüber an
Steinen, Stämmen, Planken, Spalieren, Wänden, meist dicht
über der Erde ruhend, fliegt vom Einbruch der Dämmerung
bıs gegen Mitternacht, kommt an warmen (auch regnerischen)
Abenden oft sehr zahlreich ans Licht. (Unter und um
Bogenlampen kann man manchmal Dutzende von Exem-
plaren finden.) R an Urtica, Mentha, Tanacetum, Poly-
gonum und andren niederen Pflanzen, läuft im Herbst
häufig über Gartenwege. P in lockerem Gespinst, über-
wintert. — Aberrationen: krieghoffi Pbst. (Neurode),
paucipuncta Fchs.(Eulengebirge), Uebergänge zu luxeri
Gd. (Seitenberg, Stephan).
Sp. urticae Esp. Vereinzelt und meist selten, mehr
in trockenen Distrikten, V, VI, fliegt ans Licht, sitzt am
Tage an Wänden und Zäunen. R an niederen Pflanzen,
P überwintert.
Arctinia caesarea Gz. Soll einmal (in den neunziger
Jahren) in der Gegend von Wartha gefunden worden sein,
genauere Angaben waren nicht zu erhalten. |
Diaphora mendica Cl. Zumeist recht spärlich, in lichten
Gehölzen und Gärten, VI, sitzt im Grase, stellt sich am
Licht und Köder ein. R an Plantago, Urtica, Rumex,
Rubus u. dgl. P in lockerem Gewebe im Moos, über-
wintert.
Rhyparia purpurata L. Als Rarität an einzelnen ge-
schützten Punkten des Steine- und Neiße-Tales, nach
Wocke bei Mittelwalde; VI, VII, an warmen sonnigen
Plätzen, Hängen, Waldrändern, kommt an den Köder
(Möbius). Die g'g' flattern in den heißen Mittagsstunden
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz, 195
ziemlich rasch und hoch, verkriechen sich aber bald wieder
im Strauchwerk, die trägen @Q fliegen nachmittags und
abends. R gesellig an allerhand Kräutern (besonders
Skabiosa, Genista, Tanacetum, Achillea, Galium) und
Sträuchern (Sorbus, Prunus usw.), überwintert, sehr beiß-
lustig. P ın einem mit Haaren vermischten Gespinst.
Diacrisia sanio L. (= russula L.) In den meisten
Jahren häufig, VI, VII, bei uns nur 1 Generation, auf Berg-
wiesen, Lichtungen, grasigen Waldrändern, das 9° fliegt
am Jlage schnell und stoßweise, etwa alle 30 nı wieder
ins Gras einfallend, das kleinere träge © sitzt zumeist in
niederer Vegetation oder an der Erde und läßt sich mit
den Händen greifen, schwirrt seltener auf und zwar
niedrig und nur wenige Schritte weit. R an niederen
Pflanzen (Calluna, Leontodon, Galeopsis, Urtica, Galium,
Plantago u. dgl.), überwintert. P in einem lockeren an
Stämmen, Steinen, Stengeln angesponnenen Gewebe. —
Aberrationen: pallida Stgr., Uebergänge zu irene Bil.
(Seitenberg a. B., Stephan) und moerens Strd. (Carlsberg
a. d. Heuscheuer, Seefelder bei Reinerz, gefangen von mir
3. VII. 23 bzw. 2. VII. 22.)
Hyphoraia aulica L. Verbreitet, aber nicht eben häufig,
Ende V bis Anfang VII, auf sonnigen Wiesen und Wald-
wegen. R an Plantago, Achillea, Urtica, Stellaria, Alyssum
und ähnlichen Kräutern, überwintert fast erwachsen. P
in lockerem weißen Gespinst. — Hier beobachtete Ab-
weichungen: ab. hamata Spl. (Schneegebirge, Heu-
scheuer), ab.extensa Schu. (Eulengebirge).
Pericallia matronula L. Aeußerst selten, VI, VI, in
mittleren Lagen, sitzt an der Erde, fliegt rasch, zuweilen
schon am Tage (vormittags); H. Glaeser fing 1900
ein Stück am elektrischen Licht (Seitenberg a. Biele). R
polyphag, häutet sich 7mal, überwintert 2mal. P in großem
mit Haaren verfilzten Gewebe. — In den Strehlener Bergen,
wo matronula noch vor zwei Jahrzehnten nicht selten war,
ist sie dank der Bemühungen von Geschäftsentomologen
fast gänzlich ausgestorben.
Arctia caja L. Ueberall, bis in höhere Lagen; in den
meisten Jahren sehr gewöhnlich, Ende VI bis Mitte VII,
in Wäldern, Gärten, Parks, Friedhöfen, auf grasigen Wegen,
schwärmt zahlreich des Nachts, kommt ans Licht, fliegt
vorübergehend auch im Sonnenschein, sitzt sonst träg auf
Blättern, an Steinen, auf der Erde. F sondert aus dem
196 Deutsche Entomol, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Thorax ein ölartiges Sekret ab, das phosphoreszieren soll.
(cf. Frankf. Ent. Zeitschr. 1916, Nr. 13.) R polyphag, an
allerlei niederen Pflanzen, jahrweise überaus häufig, über-
wintert klein. P in weitläufigem lockeren Gewebe. — Die
Art variiert ungemein (Oberthür berichtet von ca. 500 Aber-
rationen); im Gebiet sind beobachtet worden: ab. pallens
Ob., dealbata Schu., clarkı Tutt,, confluens Rbl,,
standfußi Rb. u.a. (die meisten Abweichungen werden
durch Züchtung erhalten). Zwerg- und Riesenstücke nicht
selten, ich besitze 1 g' (Friedrichsberg ex 1. VI 22) von
21. mm Vfllänge. Ein deformiertes Exemplar (VI 1909,
Seitenberg a. Biele) zeichnet sich durch ganz schmale
Hfl aus.
A.villica L. Selten, nur hie und da in niedersten Lagen,
seit Jahren hier meines Wissens nicht mehr gefangen; VI,
VI, in Gärten und Anlagen, am Tage an Blättern, Zäunen,
Wänden sitzend, aufgescheucht in kurzen Bogen fliegend,
nachts lebhaft schwärmend, kommt gern ans Licht. R unter
Hecken, an den verschiedensten niederen Pflanzen, läßt
sich nach Standfuß mit rohem Fleisch erziehen; Mordraupe,
überwintert halberwachsen. P in grauem Gespinst.
Callimorpha dominula L. Nicht überall; stellenweise
nicht selten, VII, in lichten grasigen Wäldern, sonnigen
Waldhängen, stillen feuchten Gründen, auf Holzschlägen,
am Rande kleiner Gehölztümpel und Rinnsale, fliegt recht
gewandt, vormittags im Sonnenschein, besucht auch Blüten
(nach Seitz Linden), hält sich nachmittags meist im Blatt-
werk verborgen und schießt, wenn aufgestört, wild
davon. R öfters an Him- und Brombeeren, Nesseln,
Erdbeeren, auch an Myosotis, Lamium, Cynoglossum,
zuweilen an Lonicera, Sorbus, sogar auf Weiden und
Pappeln. P in hellem lockeren Gespinst zwischen Blättern,
am ae an Stengeln, ruht 2—3 Wochen. — F variiert
stark.
Hipocrita jacobaeae L. Soll an verschiedenen Stellen
vorkommen, wird auch im alten Aßmannschen Verzeich-
nis aufgeführt, jedenfalls scheint die Art recht selten zu
sein, ich habe sie hier noch nicht getroffen. V, VI auf
Bergwiesen, Brachäckern, Weideplätzen, in lichten Gehölzen,
an Waldrändern, fliegt aufgescheucht bei Tage, setzt sich
an Grashalme. R gesellschaftlich an Senecio, frißt auch
Blüten. P unbeweglich, in leichtem Gespinst an der Erde,
überwintert.
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 197
Lymantriidae.
Dasychira fascelina L. Ziemlich spärlich, nur an ein-
zelnen Stellen, Ende VI bis Mitte VII, fliegt nachts (das
© selten), ruht am Tage mit flach dachförmig gehaltenen
Fl, sehr versteckt, nicht leicht auffindbar. R an Chaussee-
rändern, Böschungen, lebt gesellig an allerlei niederen
Pflanzen (Trifolium, Vicia, Genista, Plantago, Erica, Leon-
todon), an Brombeer- und Schlehensträuchern, auch an
Laubhölzern, sogar an Lärchen, überwintert halberwachsen
unter Moos, in lockerem Boden, im V erwachsen. P in
eiförmigem, mit Haaren vermischtem Gespinst.
D. pudibunda L. Verbreitet, bei uns aber meist seltener
als im Flachlande, nur jahrweise (als R) zahlreich. Ende V
bis VII, in Gärten, Gehölzen, Anlagen, Alleen; sitzt träge
mit vorgestreckten Vfüßen an Baumstämmen, Zäunen,
Wänden, schwärmt nachts. R auf allerlei Laubhölzern
(Buche, Ahorn, Roßkastanie, Walnuß, Obstbäumen), auch
auf Rosen, Himbeeren, bei uns noch nicht schädigend
aufgetreten, im Herbste erwachsen, wird dann oft an
Stämmen gefunden, rollt sich bei Berührung zusammen
oder senkt den Kopf nach unten. P überwintert ın leichtem
mit helleren oder dunkleren Haaren durchflochtenen Ge-
webe. — F ändert verschiedentlich ab, durch Zucht erhielt
ich (VI 1911, Seitenberg a. Biele) ein dunkles, wenig ge-
zeichnetes Stück. (Transition zu concolor Stgr.)
Orgyia antiqua L. Ueberall, doch nicht immer häufig,
den ganzen Sommer hindurch in Wäldern, Gärten, städti-
schen Anlagen, auf Landstraßen und Waldwegen, in nie-
deren Lagen 2 Generationen. Das g' fliegt im Sonnen-
schein rasch und taumelnd, das auf dem Puppengespinst
ruhig sitzende ungeflügelte @ suchend, bei der Kopula
wird letzteres anfangs von den flatterndem g' umher-
gezerrt, aber nicht „getragen“, wie man noch vielfach lıest.
Die Eier werden auf dem miütterlichen Puppengespinst
abgelegt, überwintern und ergeben im Frühjahr die R, dıe
auf allerlei Sträuchern und Laubbäumen, zuweilen sogar
auf Fichten, leben. Die jungen R besitzen an den Haaren
„Aerophore“, durch die das spezifische Gewicht ver-
ringert und die Verbreitungsfähigkeit der Tiere vergrößert
wird; sie vermögen gewissermaßen zu fliegen, indem sie
(bei Störungen u. dgl.) von ihrem Ruheplatz abspringen
und sich vom Wind treiben lassen. Verwandlung in
198 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
leichtem eiförmigen Gespinst zwischen Stammritzen,
Blättern, Zweigen; die männlichen P und R stets schlanker
und kleiner als die weiblichen. Parthenogenesis fest-
gestellt.
O. gonostigma F. Einzeln, in niederen Lagen. VI bis
IX (2 Generationen?), in Waldungen und Gärten. Das g'
fliegt am Tage unstet hin und her, das dicke © fast un-
geflügelt. R an Laubhölzern. P in dünnem ovalen Gewebe.
Arctornis I-nigrum Mll. Als Seltenheit in niederen ge-
schützten Lagen (von mir hier noch nicht gefunden); VI,
VII, in Laubwäldern, Gebüschen; sitzt mit ganz flach dach-
förmigen F auf Blättern, schwer zu erkennen, da die F
(im Leben) grünen Schimmer haben; fällt bei Erschütte-
rungen, starken Regengüssen, Hagelschlägen wie leblos
auf die Waldwege. R überwintert klein, lebt an jungen
Buchen, Weiden, Pappeln, Linden; schnellt sich bei Be-
unruhigung (durch einen Luftsprung) fort und ist dann
nicht leicht zu finden; verspinnt sich zwischen zusammen-
gezogenen Blättern. P durchscheinend; ruht oft nur kurze
Zeit (b—14 Tage).
Stilpnotia salicis L. Nur in niederen Lagen häufiger;
(in 800 m Flöhe fand ich in 11 Jahren nur 1 Exemplar).
Mitte VII bis VIII; am Tage an Stämmen und Wänden
ruhend; die g'9' umschweben die Weiden- und Pappel-
kronen schon vor Einbruch des Abends; die QQ träge
sitzend. Eier in „Spiegeln“ an der Rinde; R überwintern
ganz klein; sitzt tagsüber oft in Mengen an den Bäumen
in Rindenritzen,; verwandelt sich in ganz dürftigem Faden-
gewebe zwischen Blättern oder direkt am Stamme. Hat
im Gebiet nennenswerten Schaden wohl noch nicht an-
gerichtet.
Lymantria dispar L. Gleichfalls in höheren Lagen
selten oder fehlend; in günstigen Tälern meist ziemlich
gewöhnlich, aber kaum schädlich. VI bis VII; die gig!
fliegen am Tage schnell und geschickt nach den träg an
Stämmen, Mauern, Planken festsitzenden @9. Eier in
Häufchen ım „Schwamm“, überwintern. R polyphag an
Laubhölzern (bes. Obstbäumen, Pappeln), selten an Fichten,
am Tage häufig an Stämmen und Zweigen sitzend; ver-
wandelt sich in ganz leichtem Gewebe in Rindenspalten,
unter Mauervorsprüngen, zuweilen innerhalb von Gebäu-
den, Aborten usw. Die männliche R (u. P) ist viel klei-
ner als die weibliche. F schlüpft nach 2—3 Wochen.
Bine u.
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz, 199
Parthenogenesis ist festgestellt. Riesen-QQ, Zwerg-g'g',
nicht selten, auch Fleckenzwitter wurden schon beobach-
tet. — Abweichungen: ab. disparina Mll, erebus Th.
Mg., insignata Schu., major Fchs.
L. monacha L. In den meisten Jahren nicht gerade
häufig, in höheren Lagen meist spärlich; Ende VII bis IX
(1 frısch geschlüpftes J' fand ich noch 20. IX. bei Bad
Landeck); fliegt nachts, kommt ans Licht; die g'g' auf-
gescheucht oft am Tage, geben, wenn man sie an den Fühlern
festhält, einen zirpenden Ton von sich; die @Q träg an
Stämmen, fliegen tagsüber nicht, legen, wenn man sie ab-
nimmt, die Fl tagfalterartig nach oben zusammen, krüm-
men das Abdomen nach unten auf den Kopf zu und '
strecken die Legeröhre weit aus. Kopulationsflug abends.
Eier in Rindenrissen; überwintern meist, ergeben aber,
manchmal schon ım Herbst die R. Die jungen R in
„Spiegeln“; an Nadel- und Laubhölzern, bei Massenauf-
‚treten auch an niederen Pflanzen und Flechten. P in
leichtem Fadengewebe. — Aberrationen nicht selten: ab.
nigra Fr, eremita O., auch atra Lst. — Mitte und
Ende VII 1921 u. 1922 monacha-Invasionen aus dem be-
nachbarten Böhmen. Die Falter bedeckten die Waldun-
gen bis in 1200 m Höhe und saßen an allen Stämmen,
Chausseebäumen, Steinen, Wänden u. dgl.; ein großer
Prozentsatz eremita, auch viele dunkle ©Q9. Im Sommer
22 merklicher Raupenfraß, besonders ın niederen Lagen;
die daraus kommenden F erschienen Mitte VIII; einige
Wochen vorher aber kamen mit südlichen und südwest-
licheu Luftströmungen bei sehr heißem Wetter abermals
ungezählte Millionen aus dem tschechischen Fraßgebiete.
Die F schwärmten abends in so dichten Scharen, daß die
elektrischen Bogenlampen verfinstert wurden. (Die Abend-
musik in den Bädern Reinerz und Altheide mußte mehr-
mals abgebrochen werden, weil die Tiere die Notenblätter
bedeckten und in die Instrumente krochen.) Die Befürch-
tungen für 1923 waren sehr ernst; Raupen im Frühjahr
in günstig gelegenen Distrikten (Wünschelburg, Cudowa u.a.)
sehr zahlreich; der unerhört kalte Sommer, insbesondere der
vierwöchige kalte Juniregen, vernichtete aber einen großen
Teil der Brut. Ein erheblicher Prozentsatz der Eier, vor-
nehmlich in höheren Lagen, war, wie Versuche erwiesen,
steril. Im VII 23 zeigten sich auf den Bergen kaum einige
Falter, in den Tälern nicht mehr wie in normalen Jahren.
200 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Porthesia similis Fssl. (-auriflua F.) Verbreitet, aber
einzeln, besonders in den. Bergen; VI, VII in Gärten
und Wäldern; duftet nach Moschus; sitzt fest mit steil
dachförmig gehaltenen Fl an Zäunen, Geländern, Stämmen;
stellt sich bei Berührung tot und legt sich mit angezoge-
nen Beinen auf die Seite; fliegt gern ans Licht. Eier mit
der Afterwolle desQ@ bedeckt. R überwintert einzeln un-
ter Rinde, zwischen dürren Blättern; auf allerlei Sträu-
chern und Laubhölzern, vielfach in Gärten. Pin dünnem
weißgrauen Gewebe.
Euproctis chrysorrhoea L. (-auriflua Esp.) In niederen
Lagen gemein, höher hinauf spärlich. Ende VI bıs Mitte
VII in Wäldern, Gärten, Parkanlagen der Städte; fliegt
nachts, kommt oft scharenweise ans Licht, sitzt am Tage
an Rinde, Steinen, Planken, unter Blättern. Eier, in
Afterwolle („kl. Schwamm“) eingebettet, an Blättern. R
skelettieren im Herbst die Blätter, überwintern gemein-
schaftlich in „großen Raupennestern“; jahrweise in gro-
ßer Anzahl an Laubholz (vornehmlich Obst- und Park-
bäumen), auch an Rosen, Vogelbeere, Weißdorn, Schwarz-
dorn u. dgl. (Brennhaare!) P in eiförmigem braungrauen
Gewebe. — Aberrationen: punctigera Sch. punc-
tella Strd.
Thaumetopoeidae.
Thaumetopoea processionea L. Ich erhielt von dem
verstorbenen Sammler Kretschmer 1 Exemplar mit der
Etikette „Landeck“; es liegt hier sicherlich eine irrtüm-
liche Angabe vor, denn meines Wissens ist die Art bis-
her hier nicht gefunden worden. „Soll nach den Tausch-
berichten bei Münsterberg vorkommen“, (Wocke.)
Lasiocampidae.
Malacosoma neustria L. In tieferen Lagen meist ge-
mein, in den Bergen meist selten. VII, VII, in Gärten
und Grehölzen ; sitzt an Zäunen, Mauern, Stämmen, schwärmt
nachts oft in großer Anzahl. Eier werden in den bekann-
ten „Ringen“ abgelegt, haften sehr fest; überwintern. R
anfangs in Astgabelungen nesterweise, nach der 3. Häu-
tung auch einzeln, fressen nachts, ruhen am Tage in Rin-
denrissen, sonnen sich gern, ziehen glänzende weiße Fä-
den; oft schädlich an Obstbäumen (besonders Prunus),
Schlehen, Weißdorn, Rosensträuchern, selten an Buche
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz, 201
und Pappel. P sehr beweglich, in ovalem mehlig über-
puderten Gewebe. — Aberrationen: pyri Scp., conflu-
ens Jutt.,, pallida Tutt., intermedia Tutt.
Trichiura crataegi L. Zerstreut und ziemlich selten,
VIH, IX in Hecken und Gebüschen; die Zwergform ariae
Hb als Rarität an einzelnen hochgelegenen Punkten (hohe
Mense, Siebengebirge, Spiegelberg) im VI, VI. F kommt
gern ans Licht. Eier ın Afterwolle eingebettet, über-
wintern. R außerordentlich variabel, einzeln auf Crataegus,
Prunus, Corylus, Betula, Salıx u.a. Pin länglichem, per-
gamentartigen Kokon; überliegt oft mehrere Jahre. ‘'R der
ariae nesterweise an Vaccinium, Salix, überwintert jung,
zuweilen auch noch fast erwachsen, im zweiten Jahre
überwintert aber meist die P. Eingehende Beobachtungen
über die Biologie von ariae teilt Dr. Staeger in „Soc.
ent.“, 1923, Nr. 11 mit.
Poecilocampa populi L. Verbreitet, doch im allge-
meinen nicht häufig; IX bis XI, die J'9' abends um Licht
schwärmend, tagsüber an Laternenpfählen, Baumstämmen,
Mauern sitzend; Q@QO sehr versteckt. Ei überwintert. R
schwer zu finden, frißt nur nachts, am Tage in Spalten
und Rissen verborgen, dicht angeschmiegt; an Populus
(bes. tremula), Prunus, Betula, Crataegus u. a. P in fes-
tem Schalenkokon, an der Erde oder an Stämmen.
Eriogaster lanestris L. Verbreitet und nicht selten,
jahrweise (als R) recht häufig; im Frühjahr, zuweilen
schon im Herbst; kommt ans Licht, fliegt rasend schnell,
lebt nur wenige Tage. Eier in Ringen um Zweige, in
Afterwolle eingehüllt. R bis zur letzten Häutung in Ge-
sellschaften bis zu 60—80 Stück in großem sackförmigen,
mehrkammerigen Gespinnst; wird stark von Parasiten heim-
gesucht; auf allerlei Laubbäumen; ich finde sie hier meist
an Vogelkirsche. P in festem glatten Tonnenkokon, am
Boden, unter dürrem Laub, unter Steinen; überwintert
gewöhnlich, überliegt sehr häufig. (Bei der hochalpinen
Form arbusculaeFr. 2—9 mal). Aberrationen: obso-
leta Tutt., grisea Tutt.
E. catax L. Nach Guder vereinzelt bei Voigtsdort
- (Habelschwerdt); vielleicht irrtümlich; ich habe die Art hier
noch nicht beobachtet.
Lasiocampa quercus L. Ueberall recht häufig, geht.
hier bis in Höhen von 1100—1300 m; in tieferen Lagen
von Mitte VII bis VII, im Hochgebirge schon Mitte VI.
202 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Die g'g! schwärmen bei Tage in wildem Zickzackfluge
umher, besonders in den heißen Nachmittagsstunden; die
OO sitzen mit dachförmig gehaltenen Fl träge im Gras
oder an der Erde, fliegen abends, zuweilen schon früher.
Eier werden lose abgelegt. R überwintert jung zwischen
dürren Blättern, in Moos, an der Erde; rollt sich bei Be-
rührung zusammen (Brennhaare); an verschiedenen Laub-
hölzern (Prunus, Betula, Salix, Sorbus), Sträuchern (Rubus,
Calluna u. a.) und niederen Pflanzen; ist auch schon mit
Kiefernnadeln erzogen worden. (Hier sind sie meist an
Vaccinium zu finden.) P in ovaleın festen Schalenkokon;
am Erdboden, unter Steinen; ruht 3—4 Wochen, überliegt
aber sehr oft (2—3 Jahre). Im Hochgebirge, auf den See-
feldern, dem großen See bei Carlsberg-Heuscheuer usw.
fliegt eine Form, die sowohl der alpina Frey als auch
der (schottischen) callunae Plm. nahe steht, d.h. Merk-
male beider Rassen in sich vereinigt; die g'g' sind sehr
groß und dunkel; unter den Seefeldern @2 fand ich auch
viele helle Stücke. R auf den Seefeldern an Vace. uligi-
nosum. Entwicklungsdauer hier mindestens zwei Jahre,
also wenigstens eine Ueberwinterung als P. — Im Gebiet
sind noch weitere Aberrationen beobachtet worden: ob-
soleta Jutt, basipuncta Tutt., latovirgata Tutt.,
curvata ]utt., sowie eine Reihe anderer Tuttscher Kom-
binationen. Zwerg- und Riesenstücke nicht selten.
L. trifolii Esp. Selten, in tieferen Lagen; VII, VII;
das J' fliegt am Tage rasch und rastlos nach dem am
Boden sitzenden ©; Waldwiesen, grasige Hänge. R schlüpft
meist schon im Herbst aus den einzeln abgelegten Eiern;
an Papilionaceen (besonders Trifolium); sehr empfindlich.
P in walzigem braunen Kokon. F variabel (ab. medi-
cagınis Bkh.).
Macrothylacia rubi L. Häufig, auch im höheren Ge-
birge, von Ende V bis VII, auf Wiesen, in Wäldern, auf
Feldern; das g' stürmt am Tage (von Mittag ab) in
reißend schnellem hakenschlagendem Fluge dahin; das ©
sitzt träg im Grase, fliegt nachts. Eier werden in
Häufchen abgesetzt. R an Calluna, Potentilla, Rubus,
Salıx, Trifolium u: dgl.; im Herbst erwachsen; rollt
sich gern zusammen, ist sehr träge, sonneliebend; auf
Wiesenrainen, Stoppelfeldern, grasigen Abhängen oft
in Mengen; überwintert unter Moos, Wurzeln und Laub,
verspinnt sich erst im zeitigen Frühjahr. P in lockerem,
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 203
_ langgezogenen Kokon. Während der Ueberwinterung geht
ein großer Prozentsatz der R durch parasitische Pilze zu
Grunde, auch sonsthaben die Tiere viel durch Schmarotzer
und Raubwanzen zu leiden; finden sich im Frühliug deshalb
viel seltener als im Herbst. — Der g' variiert ziemlich
stark; hier fand ich ab. virgata Tutt., unilinea Tutt.,
(Friedrichsberg a. d. Heuscheuer, VII 1922), grisea Tutt.,
rufa Tutt., (Carlsberg VIII 1923).
Cosmotriche potatoria L. Verbreitet; jahrweise häu-
fig; in höheren Lagen einzeln. VI, VII, auf Wiesen,
Feldern, Grasplätzen im Walde; fliegt spät abends, die
og" schnell und schnurrend, das @ schwerfällig, flatternd,
kommt auch ans Licht. Eier werden in Häufchen an Gräser
und Sträucher geklebt. R auf Waldwiesen, an Tümpel-
“ rändern, Zäunen, Hecken, in Gestrüpp, rollt sich zu-
sammen, trinkt gern Wassertropfen,; überwintert nach
der dritten Häutung; an Triticum repens, Carex, Luzula,
Dactylus, Bromus und ähnlichen Gräsern; auch an Vacci-
nium (Fuchs) und Leontodon; im VI erwachsen. P in stroh-
gelbem rauhen Kokon, der an Stengeln und Halmen an-
gesponnen ist. — Äberrationen: obsoleta Tutt., suffusa
Cl, berolinensis Heyne (Friedrichsberg, VII 1916 exl.)
Selenephera lunigera Esp. Sehr selten, in Niederun-
gen; VII; im höheren Gebirge (Habelschwerdter Kamm,
Mense, Schneeberg) die dunkle Form lobulina Esp.,
auch ziemlich selten, Ende VI, VII; kann geklopft werden.
R an Fichte und Tanne; sieht der R von Panthea coeno-
bita Esp. recht ähnlich (wie diese in zwei verschiedenen
Färbungen); überwintert klein, an einen Ast angeschmiegt
(Warnecke), verspinnt sich im VI nächsten Jahres. P ın
weichem, mit Raupenhaaren vermengtem Gewebe. Die
lobulina-R ist oft schon im Herbst erwachsen und über-
wintert dann als P. (cfr. Pabst in „Entomol. Jahrbuch“,
7. Jhrg., p. 182.)
Epicnaptera tremulifolia Hb. Verbreitet, aber ein-
zeln; Ende V, VI, in Gehölzen, Gärten; sitzt tagsüber mit
dachfömig gestellten Fl (ein dürres Blatt vortäuschend) an
Stämmen (selbst an Chausseen); fliegt abends schnell um-
her, geht auch ans Licht. R an Birke, Pappel, Weide,
Eiche, Eberesche, Esche, Apfelbaum, auch an Heidelbeere;
im Herbst erwachsen. P ın rötlich übermehltem Gehäu-
se; überwintert. — Ein sehr kleines Stück des F fand
ich 9. VI 1909 in Olbersdorf bei Bad Landeck.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein X
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
204 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Gastropacha quercifolia L. In Tälern und Niederun-
gen; auf den Höhen nur ganz vereinzelt; VI, VIH, in
Gärten, an Waldrändern; sitzt tagsüber mit dachförmig
gehaltenen Vfl und weit hervorragenden Hfl an Stäm-
men und Planken; fliegt spät abends, kommt ans Licht.
R überwintert klein, frei, dicht an Zweige angedrückt;
in Gärten, Baumschulen, an Straßenrändern, Hecken und
Gebüschen; an allerlei Obstbäumen, Schlehe, Eberesche,
Salweide, auch an Sträuchern. P in langem, rauhem Sack-
gespinst; mit weißem Mehl bepudert. — Aberrationen:
alnıfolia O., major Tutt, obsoleta Tutt.
G. populifolia L. Sehr selten, ist in den letzten Jah-
ren hier meines Wissens nicht gefunden worden. VII,
Vil. R an Populus.
Odonestis pruni L. Aeußerst selten. VII, in Gärten
und Parkanlagen; fliegt spät abends, kommt ans Licht;
R überwintert jung; drückt sich fest an Baumrinde an;
an Obstbäumen und anderen Laubhölzern. (Ich fand die
RaupeimFlachlande an mittelhohen Straßen-Apfelbäumen.)
Dendrolimus pini L. Dieser Forstschädling wird im
Glatzer Gebiet nur vereinzelt gefunden, fehlt ın höheren .
Lagen, wo die Futterpflanze der R (die Kiefer) nur wenig
vorkommt, ganz. VII, VII, ruht tagsüber an Stämmen.
R überwintert in allen Größenstadien am Fuß der Bäume,
unter Nadeln; soll bei Nahrungsmangel auch an andere
Nadelhölzer, selbst an Blätter gehen. P in großem, grau-
gelbem Sackgespinst in Borkenrissen, an Zweigen.
Lemoniidae.
Lemonia taraxaci Esp. Hier und da nicht gar selten;
geht nach meinen Beobachtungen bis in Höhen von 1200
m; Ende VII bis Mitte X; auf Bergwiesen; fliegt abends
rasch und andauernd, zuweilen schon am Tage, besucht
dıe Laterne; ruht in niederer Vegetation oder an Mauern.
Ei überwintert. R einzeln an Berglehnen, Bahndämmen,
auf Wiesen, an Hieracium, Taraxacum, frißt auch bei
Sonnenschein; im VI erwachsen. P ohne Gespinst in der
Erde. — Bei zwei meiner Exemplare (1 g' gefg. 25. VIII
1919 in Carlsberg a. d. Heuscheuer, 1 © gefg. 28. IX 1913
auf dem sog. Fort Carl bei Friedrichsberg) fehlt der
schwarze Mittelpunkt der Vfl; diese Aberration nenne ich
ab. depuncta Jul. Steph. zz
ee
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 205
L. dumi L. Selten, nur an wenigen Stellen (Reinerz,
Landeck, Habelschwerdt, Wustung, Neurode); auf Lich-
tungen, Bergwiesen, Abhängen, an Waldrändern; Ende
IX bis Anfg. XI; die g'g' fliegen ungestüm und unbe-
rechenbar, (wenn auch ziemlich niedrig) im Sonnenschein;
die OO ruhen im Grase und werden erst abends munter.
Ei überwintert. R am Tage versteckt, kann bei Mond-
schein leicht gefunden werden; auf Wiesen und Wald-
grasplätzen an Löwenzahn, Habichtskraut, Johanneskraut,
ım VII erwachsen. P nackt in einer Erdhöhle, überliegt
manchmal.
Endromididae.
Endromis versicolora L. Im ganzen Gebiet, wenn
auch meist nicht häufig; bei uns erst im IV, V; in Birken-
schlägen, an Waldrändern, in Schonungen. Das J' fliegt
schnell und schwirrend in der Mittagssonne, ruht morgens
an Stämmen, Aesten, Wänden, kommt auch in Gebäude;
das © sitzt an Zweigspitzen oder an der Erde, fliegt nachts,
stellt sich zuweilen am Licht ein. Kopulation nachmittags.
R anfangs gesellig, später einzeln, an Birken, Haseln, auch
Buchen und Erlen, an sonnigen Stellen, 3—4 m hoch,
läßt sich leicht klopfen; im VII erwachsen. P in läng-
lich rundem Pergamentgespinst an der Erde, unter oder
zwischen Moos; schiebt sich vor dem Ausschlüpfen des
F (früh morgens) halb aus dem Gehäuse heraus. (Stachel-
spitzen!); überwintert, überliegt oft.
Drepanidae.
Drepana falcataria L. Verbreitet und nicht selten;
V, VI und wieder Ende VII, VIII; auf den Höhen nur eine
Generation; die g’g' sehr scheu, fliegen am Tage schwan-
kend und ziemlich rasch, oft recht hoch; die ©Q sitzen
meist an Zweigen und lassen sich abklopfen oder ab-
schütteln; Fl werden in der Ruhe flach zusammengelegt.
R im Sommer und Herbst an jungen Birken, Espen und
Erlen, zuweilen auch an Weide und Linde; zieht Blätter
über sich schirmartig zusammen und durchlöchert sie.
P in leichtem Gespinst zwischen Blättern; sehr lebhaft;
Die P der zweiten Generation fällt mit den Blättern zu
Boden und überwintert an der Erde. — Dunkle Stücke
des F (ab. infernalis Hfm.) kommen in den Höhen
nicht selten vor. In Seitenberg a. Biele fing ich VII 1919
mehrmals ganz bleiche Exemplare mit fast verschwindender
206 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Zeichnung auf den Hfl; ich nenne diese Form ab. pallida
Jul. Steph.
D. curvatula Bkh. Recht selten, nur an wenigen
Orten; von mir Anfang VIII 1911 bei Seitenberg a. B. ge-
fangen. R auf Alnus; hier wohl nur eine Generation.
D. lacertinaria L. Meist nicht häufig; V und VII,
VII; ruht an Birkenbüschen und Stämmen; ich fand die
Art öfters in Spinnennetzen. Eier reihenweise an Betula
und Alnus. R sieht einem kleinen Vogelexkrement täu-
schend ähnlich; sitzt in der Ruhe mit erhobenem Vorder-
und Hinterteil und hält sich nur mit den mittelsten Fuß-
paaren fest. P in lockerem Gewebe zwischen Blättern;
weiß überpudert. — Die Sommerform aestiva Rbl.
größer.
° D. binaria Hfn. Verbreitet, aber selten; V und VII, VII,
in Laubwaldungen; fliegt nur wenige Tage. Eier „gleich
einem Perlbesatz rings um den Blattrand“ (Pabst). R an
Buche, Eiche, Erle.
D. cultraria F. Verbreitet bis ins Mittelgebirge; stellen-
weise ziemlich häufig; V und VIII; auf den Höhen nur
eine Generation, fliegt bei Tag in Buchenschlägen. R
meist an Buche. P bläulich bestäubt.
Cilix glaucata Sc. Sehr vereinzelt, in Niederungen,
V, VI und VI, VII in Schlehenhecken, sitzt im Gras;
Fl ın der Ruhe steil dachförmig zusammengelegt. R an
Crataegus; Prunus; gleicht ganz einem dornartigen Aus-
wuchs und ist darum schwer zu erkennen. P in leichtem
Gewebe zwischen Blättern.
Saturnidae.
Eudia (Saturnia) pavonia L. Ueberall häufig, noch
in Höhen von 1200 m; IV, V, im höheren Gebirge noch
Anfang VI. Das © fliegt nachts; das g' sehr oft im
Sonnenschein, besonders in den Nachmittagsstunden, schnell
und ungestün, schwer zu fangen. (Witterungsvermögen
sehr fein!) In der Ruhe werden die Fl flach ausge-
breitet. F kommt auch ans Licht. Eier ringförmig an
Zweigen und Aesten. R anfangs gesellig, später einzeln;
polyphag; hier meist an Heidelbeere und Heidekraut, auch
an Rubus, sonst noch an Schlehe, Weide, Birke, Eber-
esche, Wildrose, Kirsche und dergleichen. P in birn-
förmigem, pergamentartigem Gespinst, das innen einen
reusenähnlichen Verschluß hat; überwintert; liegt sehr
]. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 207
oft zwei bis drei Jahre. — Der ausschlüpfende Schmetter-
ling durchschneidet den Kokon mittelst eines Dornes, der
an der Vilbasis sitzt. — Der F. ist recht variabel; hier
wurden beobachtet: ab. macropis Schu., reducta
Schu., deflexa Schu, edendata Schu., angustata
Schu., rosacea Nwh.
Aglia tau 1. Wie pavonia Charakterschmetterling der
Bergwälder. Fast überall häufig, besonders auf den Höhen;
Ende IV bis Mitte VI; das g' in rastlosem, sehr schnel-
lem Fluge am Tage durch die Buchenschläge eilend; das
© regungslos an Baumstämmen nahe am Boden, in dürrem
Reisig sitzend, einem dürren Blatte ähnlich; fliegt nach 7
Uhr abends. Die Fl werden in der Ruhe tagfalterartig
nach oben zusammengelegt. — Eier zu mehreren an Zwei-
gen und Blättern. R bis zur dritten Häutung mit mäch-
tigem „Geweih“; im VIII erwachsen; an Buche, seltener
an Birke, Linde, Eiche, Weide, Hasel, wilden Obstbäumen;
verspinnt sich an der Erde zwischen Fallaub oder Moos.
P. überwintert; F variiert stark (ab. roseotincta Schu.,
decolor Schu., oblongo-maculata Schu., caecata
Schu., decaeruleata Schu. u. a.). Stark melanotische
Exemplare (ferenigra Ih. Mg. und Transitionen) wer-
den durch Zucht nicht selten erhalten, kommen zuweilen
aber auch im Freien, besonders in höheren Lagen (Schnee-
gebirge; E. Scholz) vor. Riesen- und Zwergstücke zien-
lich häufig.
5 Notodontidae.
Cerura bicuspis Bkh. Aeußerst selten; V bis VII, an
Stämmen („Eine frisch geschlüpfte bicuspis am Birken-
stamm zu erkennen, ist selbst für das geübteste Sammler-
auge ein Meisterstück“) Daher erklärt sich wohl auch die
Seltenheit der Funde. _R an Birke, Espe, Weide, Erle.
C. furcula Cl. Verbreitet, doch nicht häufig; bei uns
nur eine Generation. (V bis VID, in Wäldern und Parks;
am Tage an Bäumen sitzend mit steil dachförmig gehal-
tenen Fl und vorgestreckten Vorderfüßen. Ich traf ein
Stück an einem sehr kalten Maivormittage 1918 bei Carls-
berg a. d. Heuscheuer; es flatterte langsam im Sonnen-
schein und setzte sich dann an einen Bergahornstamm.
R an Weide, Birke, Buche, Espe. Gespinst manchmal
an ganz dünnen Zweigen.
C. bifida Hb. Auch ziemlich selten, mehr an geschütz-
ten Stellen; V bis VII, in Gehölzen und Anlagen, an
208 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Straßen- und Parkbäumen sitzend. R an Espen; nimmt
— wie die ihrer Verwandten — bei Beunruhigung die
bekannte Schreckstellung ein. P in sehr festem Ge-
häuse an Stämmen; liegt oft mehrere Jahre.
Dicranura erminea Esp. Meist selten; (bei Voigstdorf
ziemlich häufig, Guder.) Ende V bis VII; Waldränder,
Gehölze, an Chausseepappeln. R an Populus, Salix; Ko-
kon an Baumstämmen. P überwintert.
D. vinula L. Bis in Höhen von 800 m ziemlich ge-
wöhnlich; Ende V bis VII; an Stämmen (Chausseebäumen),
Pfählen, Planken, Klafterholz sehr fest angedrückt, mit
vorgestreckten Vorderbeinen; fliegt und kopuliert nur nachts;
vereinigte Pärchen trifft man manchmal auch am Tage.
F außerordentlich träge, läßt sich ruhig abnehmen, in die
Luft werfen, ins Wasser tauchen, mit einer Nadel durch-
bohren, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben. (Seitz.)
Eier einzeln oder paarweise auf Blättern, sehen aus wie
kleine Gallen. R an Espen, Pappeln, Weiden; die junge
R auf der Blattoberseite, gleichet ganz den braunen Flecken,
die oft auf Blättern zu sehen sind, wächst sehr unregelmäßig,
so daß man von VII bis X erwachsene Tiere findet; wird
trotz Drohstellung (Schwanzfäden, „Affengesicht“) und
Sekretion aus der Wehrdrüse viel von Parasiten heimge-
sucht, in der Jugend auch oft von Mordwanzen (Nabis)
angefallen. P ın meist sehr hartem mit Holzpartikelchen
vermischten Kokon an Stämmen, in Rindenrissen; über-
wintert. (R liegt 1—3 Wochen unverpuppt.) Trotz der
Festigkeit des Gehäuses können sich Parasiten daraus
hervorbohren. (cfr. Frankf. Ent. Zeitschr. 1922, Nr. 22.)
— Im höheren Gebirge zeigt der F Neigung zur Verdun-
kelung der Färbung (Transition zur nordischen Form arc-
tica Zett.).
Stauropus fagi L. Selten, auch in den Niederungen.
Ende V bis VII, nur in einer Generation, an Waldsäumen
und Gehölzen an Stämmen ruhend, fest angeschmiegt;
sehr träg; fliegt nachts, besucht das Licht. R an Buche,
Birke, Hasel, Eiche und anderen Laubhölzern; frißt erst
nach der ersten Häutung Laub; ist wasserbedürftig, bissig,
streitsüchtig, droht bei Berührungen mit den langen Spin-
nenbeinen. P überwintert in hellem, seidenartigen Gehäuse
zwischen Blättern, mit denen sie zur Erde fällt.
Hoplitis milhauseri F. Sehr spärlich; in tieferen La-
gen. (Von Illgner öfters gefunden; ich habe noch kein
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 209
Stück angetroffen). V, VI, in Eichenschlägen, fliegt spät
nachts, kommt ans Licht; ruht tagsüber an alten Stämmen,
1—2 m über dem Erdboden. R an Quercus, seltener an
Fagus, Betula; sitzt mit erhobenem Hinterteil. P über-
wintert, in flachen, aus Holzspänchen zusammengeleimtem
schwer auffindbaren Gehäuse (in Stammritzen, an Ast-
unterseiten), das öfters von Spechten ausgehackt werden soll.
Drymonia trimacula Esp. Soll mehrfach bei Glatz
am elektrischen Licht gefangen worden sein; ıch habe sie
noch nicht gefunden. F in V, VI, in Eichenwäldern. R
auf Quercus, am Tage in tiefen Rindenspalten; Kokon an
der Erde zwischen Wurzeln.
Pheosia tremula Cl. Nicht häufig, VI, VI; nur in
einer Generation, in Gärten, Anlagen, Wäldern; kommt
ans Licht. R bald grün, bald braun (der Farbe der Blät-
ter und der Zweige angepaßt; an Pappeln und Weiden.
P an der Erde in festem Gespinst.
Ph. dictaeoides Esp. Gleichfalls ziemlich selten; VI,
VII; auch zuweilen am Licht gefangen. R an Betula, an
Zweigspitzen ausgestreckt; liebt Schattige Stellen.
Notodonta dromedarius L. In manchen Jahren und
stellenweise nicht selten; in lichten niederen Waldschlä-
gen; sitzt an Birkenstämmen; VI bis VII (bei uns wohl
nur eine Generation.). R an Betula, selten an Corylus.
P in einer Erdhöhle.
N. ziczacL. Ziemlich häufig, an Waldrändern, Straßen-
böschungen, Bachufern; VI, VII; in geschützten Lagen
zwei Generationen. R an Pappeln und Weiden, sitzt mit
aufgerichtetem Hinterteil. P in festem Gespinst in oder
anı der Erde.
N. anceps Gz. (— trepida Esp. = tremula Hb.) Als Sel-
tenheit an einigen geschützten Stellen der Niederung. V,
VI. R an Quercus. P ziemlich tief in der Erde, in einer
leicht ausgesponnenen Höhle.
N. tritophus Esp. (= torva Hb.) Wird im Aßmannschen
Verzeichnis als bei Reinerz vorkommend aufgeführt, ich
habe den Falter hier noch nicht gefunden, auch von an-
deren Sammlern keine diesbezügliche Nachricht erhalten
können. |
Leucodonta bicoloria Schiff. Sehr vereinzelt und
selten; Ende V bis Anfang VII; kommt zuweilen ans Licht;
sitzt an Birkenstämmen. R an Betula. P zwischen Moos
und abgefallenen Blättern.
210 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Ochrostigma velitaris Hfn. Als Rarität an tief gele-
genen Stellen. VI, VI. R an kümmernden Pappel- und
Eichenbüschen, meist an den unteren Partien. P. in leich-
tem Gewebe an der Erde. Ä
Odontosia carmelita Esp. Spärlich, aber ziemlich ver-
breitet, auch auf den Seefeldern bei Reinerz; kann von
Birkenstämmen geklopft werden; V, Anfang VI Ran
Betula, in den oberen Partien. P in leichtem Gespinst
in der Erde.
Lophopteryx camelina L. Ziemlich gewöhnlich; V bis
VII, in Gärten, Wäldern; an Alleestämmen, Planken, Zäu-
nen, schwer zu erkennen; läßt sich bei Berührungen fallen,
legt sich auf die Seite und stellt sich tot. R an allerleı
niederem Gehölz oder niederen Aesten von Birke, Espe,
Buche, Linde u. a., lebt anfangs gesellig; hält den Kopf
in der Ruhe sphinxartig. P in ausgesponnener Erdhöhle
am Fuß von Stämmen.
L. cuculla Esp. Zerstreut, meist ziemlich selten; V
bis VIII. (Ob in zwei Generationen?) Ich fand ein Stück
noch am 25. VII. bei Bad Landeck.) Sitzt an Ahorn-
stämmen und Mauern, nicht leicht zu entdecken; kommt
auch ans Licht. R an Acer; sehr empfindlich. P in der
Erde, entwickelt sich sehr ungleichmäßig.
Pterostoma palpina L. Verbreitet, doch meist selten;
VI bis Anfang VII; hier nur eine Generatiön; sitzt an
Weiden- und Pappelstämmen (sieht wie ein Stückchen
faules Holz aus), mit vorgestreckten Palpen und sehr steil
aneinandergeschlagenen Fl. („Es gehört ein auf dieses
Vorkömmnis geradezu dressiertes Auge dazu, ein an Pap-
pelrinde ın Kopula sitzendes Pärchen als solches zu er-
kennen.“ Seitz.) R an Salix, Populus; sitzt oft auf der
Mittelrippe eines abgefressenen Blattes mit vorgestrecktem
Kopf, ist deshalb kaum zu bemerken. P in einer leicht
ausgesponnenen Erdhöhle; überwintert.
Ptilophora plumigera Esp. Nicht gerade selten; Mitte
X bis Ende XI je nach der Höhenlage, oft erst nach
starken Frösten; sitzt bei Tage an Stämmen, Holzver-
kleidungen, auf Blättern am Boden; fliegt zeitig abends,
manchmal schon nachmittags in eigenartig drehendem (an
das Wirbeln von Ahornfrüchten erinnernden) Fluge. Ko-
pula erfolgt abends; vereinigte Pärchen trifft man nicht
selten noch am Tage. Eier werden paarweise an Knos-
pen und dünne Zweige von Acer pseudoplatanus und
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 211
campestris (selten an Fagus), abgelegt. R im VII erwach-
sen, an jungen Bäumchen an Waldrändern, Böschungen.
P in einer Höhle ın der Erde; liegt sehr locker im Kokon;
soll manchmal bis zum Frühjahr liegen. F schlüpft ge-
wöhnlich mittags aus, ist aber erst abends völlig ausge-
bildet. — Es sind hier mehrmals sehr helle Stücke (ab.
pallida Cl.) gefunden worden.
Phalera bucephala L. In tieferen Lagen häufig, auf
den Höhen einzeln; VI, VII (bei uns nur eine Gener.);
an Wald- und Alleebäumen, auch an Stengeln und Hal-
men sitzend; macht den Eindruck eines abgebrochenen
(auf dem Bruch hellen) Aststückchens; die Fl werden eng
um den Leib geschmiegt; ist sehr träge, läßt sich, ohne
sich zu rühren, umherrollen und werfen; fliegt nachts.
Kopulierte Pärchen findet man oft am Tage; es gehört
aber ein geübtes Auge dazu, sie zu erkennen. R öfters
in Mengen an Weiden, Pappeln, Linden, Eichen; in der
Jugend gesellig, sitzen an der Blattunterseite, nagen an-
fangs nur Löcher, weiden später ganze Zweige und Äeste
kahl; lassen sich leicht abschütteln. P ohne Gespinst
an der Erde; überwintert. Frisch geschlüpfte F haben
Moschusgeruch. Hier beobachtete Aberrationen: nigro-
PBiecıararkt, paupercula Jul. Steph., nanula Jul.
Steph.
Pygaera anastomosis L. Selten und nur an wenigen
Punkten (nach Aßmann bei Reinerz), im Flachlande viel
häufiger. V bis VI. R an Weide und Pappel. P ın
weichem Gespinst zwischen Blättern.
P. curtula L. Hie und da nicht selten; in geschützten
Lagen zwei Generationen. (V und VI); sitzt (wie ihre
Verwandten) mit erhobenem Abdomen an Stämmen, Zäu-
nen, Mauern, zuweilen in Kopula; fliegt nachts, kommt
ans Licht. R an Espen und Weiden, jung zwischen zu-
sammengesponnenen Blättern, später frei, frißt nachts. P
in dünnem Gewebe zwischen Blättern.
P. anachoreta F. Stellenweise ziemlich häufig; V
und VII, in höheren Lagen nur eine Generation. Ran
Pappeln und Weiden. P der zweiten Generation über-
wintert.
P. pigra Hfn. Verbreitet und nicht selten, in den Nie-
derungen gleichfalls zweimal. (Frühling und Hochsommer).
R an Weiden und Espen. — Hybriden sind meines Wis-
sens im Gebiet noch nicht beobachtet worden.
212 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Cymatophoridae.
Habrosyne derasa L. Ziemlich selten; Ende V bis
VII; in Wäldern und Gärten; ruht an Bäumen, Lauben,
Mauern; fliegt abends. R an Rubus idaeus und fructi-
cosus, am Tage zwischen zusammengerollten oder unter
dürren Blättern; streckt in der Ruhe Kopf und Hinterleib
hoch. P in leichtem Gespinst; überwintert, entwickelt
sich sehr unregelmäßig.
Thyatira batis L. Verbreitet, mancherorts ziemlich
häufig; Ende V bis Anfang VII; an einigen Stellen soll
eine zweite Greneration im Herbst beobachtet worden sein;
in lichten Wäldern, Parkanlagen, Gärten; sitzt mit dach-
förmig gehaltenen Fl auf Blättern, an Stengeln und Stäm-
men; fliegt nachts. R an Rubus, richtet Kopf- und Brust-
segmente in der Ruhe meist seitwärts nach hinten, sieht
aus wie ein Vogelexkrement; man findet sie besonders
abends und zeitig morgens fressend, im Schatten auch
tagsüber; versteckt sich auch zwischen zusammengerollten
Blättern. P in lockerem Gespinst zwischen Blättern;
überwintert.
Palimpsestis (Cymatophora) duplaris L. Selten, in
lichten Gehölzen; VI, VII, Spätlinge noch im VII. R
zwischen zusammengezogenen Blättern von Betula, Populus,
Alnus. P in lockerem Gespinst zwischen Blättern; über-
wintert.
P. or F. Verbreitet, aber nicht häufig, VI, VII (eine
Generation!), an Waldrändern, Chausseestämmen, Tele-
graphenstangen; sitzt mit dachförmig angelegten Fl, kommt
ans Licht und an den Köder. R an Espen, zwischen zu-
sammengesponnenen Blättern; spritzt beim Anfassen einen
grünen Saft von sich. P. in leichtem Fadengespinst zwi-
schen Blättern; sehr lebhaft, überwintert (nachdem sie mit
dem Blatte abgefallen ist) am Boden. — F variiert als
uni-fasciata Spl., fuscostigmata Strd.,, fasciata
Ich.; melanotische Stücke (albingensis Warn. u. a.)
habe ıch im Gebiet noch nicht beobachtet.
P. ocularis L. (= octogesima Hb.) Sehr selten; von
Illgner mehrmals gefunden; ich habe die Art hier noch
nicht gesehen. VI, VI. R an Populus.
P. fluctuosa Hb. Sehr selten; kommt nach Aßmann
bei Reinerz vor; VI bis VII. Ran Betula, Populus, Salix.
P unter Laub oder Moos an der Erde; überwintert.
Da "Tu
J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 213
Polyploca flavicornis L. Verbreitet; stellenweise nicht
selten. (Eulengebirge); IV, V, an Wald- und Chaussee-
bäumen; fliegt oft am Tage. R in gerollten oder zusam-
mengesponnenen Blättern; an Betula, Populus. P über-
wintert. — Aberrationen; fuscomaculata Cl, rosea
Tutt.
P. ridens F. ?
Diloba caeruleocephala L. Verbreitet, jahrweise recht
häufig, besonders in niederen und mittleren Lagen; IX,
X, auch noch Anfang XI; fliegt nachts, kommt oft ans
Licht, auch an den Köder; sitzt an Stämmen, auf Blättern,
an der Erde. R oft in Menge, aber hier noch nicht schä-
digend; sehr gefräßig, frıßt Knospen, Blätter und Blüten; '
wächst rasch; im VII erwachsen; an Obstbäumen (bes.
Pflaumen) und anderen Laubhölzern (Haseln, Linden usw.)
P in einem aus Blattstückchen, Unrat und dergleichen zu-
sammengeleimten, festen Gehäuse an Stämmen, oft dicht
über der Erde. — F ändert als ab. separata Schu. ab.
Limacodidae.
Cochlidion limacodes Hin. Nicht überall; in mittleren
und höheren Lagen sehr vereinzelt oder fehlend; VI, VII;
die Jg! fliegen am Tage rasch an Waldrändern, die QQ
meist nachts, sitzen tagsüber an Aesten und Stämmen,
lassen sich abklopfen. R schneckenförmig, an Quercus,
Acer, Ulmus, Fagus, fest an der Blattuseite ruhend,
in Herbst öfters zwischen abgefallenem Laub am Boden
kriechend; fertigt sich einen braunen bis rosenroten Tönn-
chenkokon, in dem sie überwintert und erst im Frühjahr
zur Puppe wird. Der auskriechende F hebt den Gespinst-
deckel ab. |
[Heterogenea asella Schiff. In der Illgnerschen Samm-
lung in Glatz fanden sich mehrere Exemplare dieser Art,
leider ohne Fundortsangabe. Es ist indes leicht möglich,
daß der Falter an einigen Stellen der Niederungen (Laub-
wäldern) tatsächlich vorkommt, wegen seiner Aehnlichkeit
mit einer Tortricide nur übersehen wird.]
Psychidae.
Acantopsyche atra L. (= opacella H.S.). Vereinzelt
und nicht gerade häufig, kommt auch im Mittelgebirge vor.
V, VI; die g'g' sitzen an sonnenbeschienenen Stämmen
dicht über der Erde, fliegen bei Tage; leben nur einen
214 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Tag. Die @@ bleiben im Sacke und werden tagsüber
kopuliert. Eier werden im Sacke abgelegt. R überwin-
tert einmal, lebt an Vaccinium, Calluna und verschiedenen
Gräsern. Säcke mit Halmstückchen, Sand, Fichtennadeln,
Flechtenteilchen bekleidet, an Stämmen, Gestrüpp, Felsen
angesponnen. Auch die weiblichen Raupen kehren sich
vor der Verpuppung im Futteral um. (cfr. Linstow,
Zeitschr. f. wiss. Insektenbiologie, Bd. 10, S. 69).
Canephora (Pachytelia) unicolor Hfn. Nicht selten,
auch in höheren Lagen, VI, VII; an Waldrändern, auf
grasigen Lichtungen; fliegt stürmisch im Sonnenschein,
vor- und nachmittags, lebt bis 2 Tage; Kopulation sehr
kurz. R.anallerlei Gräsern, sehr gefräßig; Sack mit Blatt-
und Halmstückchen bekleidet, an Baumstämmen, Pfählen,
Planken und Steinen angesponnen. (Ich finde die Säcke
meist an Kilometersteinen auf Waldchausseen.) Auf den
Höhen anscheinend zweimalige Ueberwinterung. Wird
viel von Parasiten befallen.
Psyche viciella Schiff. Soll als Seltenheit an einigen
Punkten der Glatzer Umgebung vorkommen; VI VI;
g' fliegt nachts. R zweijährig, an Wicken. — Ich habe
die Art nie beobachtet.
Sterrhopteryx hirsutella Hbn. Verbreitet aber nicht
häufig; VI, VII, in Wäldern; entwickelt sich abends. R
polyphag, Sack mit Rinden- und Grasstückchen bekleidet,
an Stämmen (meist in 2 m Höhe) angesponnen. In hö-
heren Lagen zweimalige Ueberwinterung.
St. standfußi Wck. Meines Wissens nur auf den See-
feldern bei Grunwald. VII; 9! flattert ziemlich rasch am
Tage, setzt sich zeitweise an Halme und Stengel. Ran
Vaccinium uliginosum; Sack mit kleinen Pflanzenteilchen
unregelmäßig belegt; schlanker und länger wie der von
hirsutella. Entwicklung vom Ei bis zum F drei Jahre.
Die Art hat von Parasiten stark zu leiden, auch von Wes-
pen, die die Säcke aufbeißen, um ihre Brut mit der zer-
kaut servierten Raupe zu füttern.
Phalacropteryx graslinella Bsd. Hier und da an ge-
schützten sonnigen Hängen, bei Reinerz (Aßmann), Mit-
telwalde (Wocke), Habelschwerdt; V, VI. Ran Calluna
zwenjährig, soll auch die Beeren von Vaccinium fressen
(Sommer). Sack birnförmig, dicht übersponnen; der des
g' an Gras, des @ an Stämmen angesponnen. (Spuler.)
Q verläßt die Puppenhülle nicht. | |
Du A nn u nn un L
J. Stephan. Die spinnerarligen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 215
Epichnopteryx pulla Esp. Verbreitet und nicht selten,
auch in höheren Lagen, Heuscheuer, Mensegebirge, Schnee-
gebirge, Eulengebirge); V, VI, auf Lichtungen, Rasenwegen,
Waldstraßen. Das g' fliegt hurtig (wie eine schwarze
Fliege) im Sonnenschein, am häufigsten in der 4. und 5.
Nachmittagsstunde; setzt sich oft an Halme oder verkriecht
sich ins Gras. R. an Gräsern, besonders Poa, auch an
Klee. Sack mit Halm- und Blattsplitterchen besetzt; der
des g' an Sträuchern, Zäunen, Staketen, der des © an
Halmen und dürren Stengeln. Das © verläßt den Sack
nicht. Kopulation am Tage. — Auf den Seefeldern bei
Reinerz fliegt im VII eine Form, die fast noch mal so groß
ist wie die pulla der niederen Lagen; sie ist natürlich
zwejjährig und gehört der var. pontbrillantella Brd.
(= ?silesiaca Stdfs. = montana Hey]) an. — Die Form sie-
boldii Rtti. habe ich hier noch nicht gefunden, wohl
' aber einige Exemplare, die ıch fraglich zu pulla stelle, die
aber ev. zu ardua Mn. gehören; sie sind kleiner als jene
und mehr grau.
Psychidea bombycella Schiff. Soll nach schwer nach-
prüfbaren Angaben eines Sammlers in der Gegend von
Wartha vorkommen. VI, VII, fliegt in der Morgendäm-
merung und abends, umschwärmt auch das Licht. R an
niederen Pflanzen. — Ich habe die Art hier nirgends an-
getroffen. Dasselbe gilt von
Apterona crenulella Brd., (die in Deutschland nur in
der parthenogenetischen © Form helix Sieb. vorkommt)
und von Rebelia nudella O.
Fumea casta PIl. (— nitidella Hbn. = intermediella Brd.)
Vereinzelt, auch hin und wieder ın mittleren Lagen; VI],
VII, auf Waldwiesen, grasreichen Blößen. Das g' fliegt
scheu und sehr unruhig im Grase hin und her; das ©
verläßt bei der Kopulation denSack. R an Gras, niederen
Pflanzen, aber auch an Laubhölzern (Schlehe, Kirsche,
Hasel). Sack mit Halm-, Blatt- und Nadelfragmenten be-
kleidet, an Blättern, Stämmen, Zäunen angeheftet.
F. betulina Z. An verschiedenen Stellen des Kreises
Glatz gefunden; V, VI. Sack mit Flechtenstückchen be-
setzt, an Birkenstämmen und Steinen angeheftet. Ob die
R von Flechten lebt, ist mir unbekannt. Dr. Dannenberg
fand einige Säcke am 12. IV. 1923 bei Bad Altheide, die
am 13.V. die Falter ergaben (nur O9).
216 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Bacotia sepium Spr. Nach Illgner an verschiedenen
Stellen; VI, VII, in Wäldern und lichten Gehölzen. Wird
häufig übersehen oder mit betulina verwechselt. R an
Flechten. Sack an Bäumen und Klafterholz; wird „fast
horizontal abstehend getragen.“
Sesiidae.
Aegeria (Trochilium) apiformis Cl. Verbreitet, aber
nicht häufig, in höheren Lagen fehlend. VI, VII, beson-
ders früh und vormittags an Pappeln, seltener an Weiden
in /,—1!), m Höhe (E. Scholz fand ein Stück bei Lewin
an Espe); Flin der Ruhe mehr oder weniger dachförmig.
F zittert mit den Fl und bewegt das Abdomen wie eine
Hornisse, summt beim Fliegen auch wie eine solche. Flug
ziemlich langsam, im Sonnenschein; die Tiere besuchen
auch hin und wieder Blüten. © sehr träg, meist sitzend.
Kopulation oft gleich nach dem Verlassen der P; zuweilen
sind die Fl noch nicht ausgebildet. R besonders in jun-
gen und mittelstarken Stämmen, im unteren Teile und
den stärkeren Wurzeln, macht lange Gänge, verrät sich
durch vorstehende Holzteilchen und ausgestoßenes Holz-
mehl; im Herbst des 2. Jahres erwachsen; verwandelt sich
im nächsten Frühjahr. Pin länglichrundem Gespinst, das
mit -abgenagten Holzteilchen vermischt ist.
Aeg. crabroniformis Hb. Bei Landeck?
Paranthrene (Sciapteron) tabaniformis Rott. Ver-
breitet, aber nur einzeln; VI, VII, an Pappelstämmen ru-
hend; ich fand ein Stück (am 28. VI.) mit erhobenen Fl
auf einer blühenden Achillea sitzend und saugend. . Flug
schwirrend schnell, in den heißen Mittagsstunden. R in
Stämmen und Aesten von Pappeln, Espen und Weiden,
zuweilen auch in stärkeren Bäumen; zweijährig. P in
einem ausgenagten Gange, ohne Gespinst.
Bembecia hylaeiformis Lsp. An manchen Stellen,
(auch mittleren Lagen) ziemlich häufig; VII, VII, in den
Höhen noch Anfang IX; sitzt mit flach zusammengelegten
Fl, fliegt nachts. R einjährig, anfangs in Wurzeln, später
in Stengeln von Rubus ıdaeus; verrät sich durch das Aus-
sehen des Himbeerstockes und durch Spuren von Bohr-
mehl. Liebt Schatten.
Synanthedon (Sesia) tipuliformis Cl. In Niederungen
hie und da, den Höhen fehlend; VI bis VIII, umschwärmt
an,
]. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 217
an heißen Mittagen Gartenblumen und Johannisbeersträu-
cher, sitzt auch auf Blättern. R in Zweigen von Ribes,
verzehrt Mark; soll auch in Trieben von Corylus und
Evonymus gefunden werden.
S. cephiformis ©. Selten gefunden (Eulengebirge);
VI, VII, in Nadelwaldungen. R in Tannen, Fichten, Lär-
chen, in krebsartigen Anschwellungen von Aesten und
Zweigen.
S. vespiformis L. Sehr selten, in Eichenschlägen, VI
bis VIII. R in Stämmen von Quercus, in knorrigen Aus-
wüchsen, kranken Stellen, zwischen Rinde und Holz; soll
auch an Fagus und Nußbäumen gefunden worden sein.
S. myopaeformis Bkh. Stellenweise nicht gar selten;
in höheren Lagen fehlend, VI bis VII; in Gärten, an
Alleebäumen. R unter der Rinde und Krebsgeschwülsten
von Apfelbäumen, auf Kirschen und Ebereschen.
S. stomoxyformis Hbn. Wird von Aßmann in seinem
Verzeichnis aufgeführt; ich habe die Art im Gebiet nicht
gefunden, auch keinerlei Angaben über -ihr Vorkommen
hier erhalten.
Dipsosphecia ichneumoniformis F. ist von Goetschmann
bei Jakobowitz, Kreis Glatz, festgestellt worden. (cfr. Jahres-
heft des Vereins für schlesische Insektenkunde, 33. Heft,
1908, p. XVID.
Camaesphecia leucopsiformis Esp. führe ich gleich-
falls mit einem ? auf. Von diesen Arten sind einige
Exemplare in einer kleinen Sammlung vorhanden, leider
ohne patria- Angabe. Möglich wäre es schon, daß sie in
der Grafschaft hin und wieder vorkommen; bezüglich der
letzteren ist allerdings zu bemerken, daß sie im Wocke-
schen Verzeichnis nicht genannt ist.
Cossidae.
Cossus cossus L. Verbreitet, aber nicht so häufig
wie im Flachlande; ich fand die Art indes noch in 800 m
Höhe; VI, VII; fliegt nachts, bei Tage sehr träge, beson-
ders das ©. Sitzt mit erhobenem Vorderteil und ange-
zogenen Fl (einem Astknorren sehr ähnlich sehend) fest
angedrückt an Stämmen und Planken. R bekanntlich
zweijährig, in Pappeln, Weiden, Eschen, Apfelbäumen;
ist schon mit Brotrinde gefüttert worden; ich erzog sie
mit und in Insektentorf. Im Herbst und Frühjahr sıeht
man die erwachsenen R öfters im Freien. Verpuppung
218 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
nach der zweiten Ueberwinterung in einer Holzwiege.
Befallene Bäume haben einen charakteristischen Geruch.
— Riesen- und Zwergstücke von cossus nicht selten.
Zeuzera pyrina L. Recht selten, höheren Lagen ganz
fehlend. Ende VI bis Mitte VII; fliegt nachts, kommt
ans Licht, unter den Bogenlampen auf Bahnhöfen, in Parks,
Konzertgärten und dergl. findet man öfters mehrere Exem-
plare am Boden liegen; wird von Nachtvögeln und Fleder-
mäusen erbeutet; am Tage träg mit dachförmig gehaltenen
Fl an Baumstämmen, die QQ meist am Fuß, die g’g' mehr
oben und an den ÄAesten. R in Stämmen von Obstbäumen,
Roßkastanien, Pappeln, Espen, Eschen, angeblich auch Flie-
der; überwintert zweimal, nach Löwenstein (Frkf. E. Z.
1922, Nr. 25) sogar dreimal; verläßt den Stamm nicht zur
Verpuppung. Pnicht nur im unteren Stammteil, sondern
auch in oberen Partien. — Buntspechte wissen R und P
unfehlbar zu finden.
Hepialidae.
Hepialus humuli L. Charakterschmetterling der Berg-
wiesen, stellen- und jahrweise massenhaft; von Ende V
bis Anfang VIII je nach Höhenlage und Witterung; geht
bis 1200 m Höhe, fliegt kurze Zeit in der Abenddämme-
rung (?/,9—!/,10) angeblich auch in der Morgendämmerung,
auf Wiesen, Abhängen, Brachfeldern, g'g' in pendelndem
Fluge auf und ab, in Gärten, an Bachufern, in Chaussee-
gräben; die QQ fliegen höher und schneller; Kopula abends.
Vereinigte Pärchen im Grase, am Erdboden, an Zäunen.
Tagsüber sitzt g' mit steil dachförmig gehaltenen Fl sehr
versteckt. Lebensdauer kurz. Frische humuli-g' riechen
nach wilder Möhre. Eier werden wahllos ausgestreut.
R an und in Wurzeln von Gräsern, Leontodon, Rumex,
Urtica, Daucus, Fragarıa, Humulus und vieler anderer
Pflanzen. P in leichtem Kokon. — Aberrative Stücke,
besonders des @ werden oft gefangen; im Gebiet wurden
beobachtet: ab. grandis Pf. (Riesen), ab. pusillus
Jul. Steph. (Zwerge), ab. dannenbergi Jul. Steph. (un-
gezeichnete QQO). Vgl. meine Abhandlung „Die Geister-
motte“ in Soc. ent., 1923, No. 12.
H. fusconebulosa d. G. Nicht gar selten, besonders
in höheren Lagen (bei Carlsberg a. d. Heuscheuer von
mir öfters gefunden); Ende VI, VII; auf Bergwiesen an
Waldrändern; fliegt abends nur kurze Zeit schnell und
]J. Stephan. Die spinnerartigen Nachtschmetterlinge der Grafschaft Glatz. 219
lebhaft, nicht wie humuli; sitzt am Tage an Steinen und
Zäunen. R zweijährig, in Adlerfarnwurzeln.
H. sylvinus L. Stellenweise ziemlich häufig, auch im
Mittelgebirge, VII, IX, auf Wiesen und Lichtungen, fliegt
abends hüpfend und im Zıickzack, ruht am Tage an Chaus-
seebäumen, Telegraphenstangen, Stengeln, läßt sich (wie
dies die Verwandten auch tun) bei Berührung mit ange-
zogenen Beinen wie tot ins Gras fallen. R in Wurzeln
von Rumex, Echium und verschiedenen niederen Pflanzen,
auch in Pteris; macht spiralförmige Gänge. P ın einer
Erdhöhlung, F kriecht abends aus. — In Lewin fand ich
13. VIII. 22 ein sehr großes bleiches @ (pallidus Hrm.),
in Altheide 17. VIII. 21 ein auffallend kleines g'.
H. lupulinus L. Vereinzelt, bei Glatz, Altheide, Rein-
erz u. a., Ende V, VI in Hausgärten, auf Wiesen und
Brachäckern, g' fliegt bei Sonnenuntergang ganz kurze
Zeit sehr wild umher; am Tage träg an Stämmen, Pfosten,
Pfählen ruhend. R in Wurzeln verschiedener Garten- und
Feldpflanzen; wird manchmal von einem Schmarotzerpilz
(Cordiceps) befallen. P in länglichem Gespinst an der
Erde; schiebt sich vor dem Auskriechen des F an die
Bodenoberfläche.
H. hecta L. Verbreitet und meist häufig, geht bis
1000 m Höhe; VI, VII, auf Grasplätzen, Wiesen, Heide-
flächen. g'g' schweben abends pendelnd auf und ab wie
große rote Fliegen; QQ meist an der Blattuseite, an Halmen,
Stengeln, Pfählen. Frische g'g' duften nach Kienäpfeln.
R sehr lichtscheu, in Wurzeln von Pteris, Calluna, Rumex
u.a. P in leichtem mit Erde bekleideten Kokon.
Ueber osteuropäische und transkaukasische
Syntomiden.
Von H. Stauder, Innsbruck.
Syntomis phegea bessarabica Stdr. subsp. n. Herr
L. Sheljuzhko, Kiew, übersandte mir 4 g'g' von phegea,
bezettelt ‚„Tshobrutschi, akkermansk ujezd — Bessarabiya,
1. VI. 1916 — Paramonov legit“, welche von allen zentral-
europäischen Formen ganz erheblich abweichen, wohl aber
starke Anklänge an die von mir seinerzeit aus Sorrento
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein XI
Iris zu Dresden. Jahrgang 19
220 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
abgetrennte Rasse plinius?’) besitzen, ohne sich mit
letzterer völlig zu decken. Von plinius besitzt die
bessarabische Rassenform, die ich unter dem Namen
bessarabica in die Literatur einführe, den Fischnitt sowie
den stattlichen Habitus, während die Weißmakeln sich
noch massiver repräsentieren als bei dieser süditalienischen
Gebirgsrassenform; alle Makeln der Vfl haben eine be-
sondere Größe erreicht, wie wir sie selbst in den präch-
tigsten phegea-Rassen nicht wieder antreffen, sie sind
ausgesprochen marjanoid, d. h. eckig, stark vergrößert,
patzig und vollzählig, selbst die Makel 6 ist durchweg
noch als großer weißer Fleck vorhanden. Makel 2 und 3
sind ausgesprochen groß und patzig wie beimarjana Stdr.
Die Hflbasalmakel ist zweimal so groß und ebenso ge-
formt wie bei marjana, bei den weiteren zwei Belegen
klein wie bei typischen phegea-Exemplaren, einmal auch
in zwei kleine weiße Tüpfelchen aufgelöst. Besonders
stark aufgetragen erscheint inbessarabica die Präapikal-
makel des Hfl, dıe Stellung derselben entspricht genau jener
von phegea und kann somit als vorzüglichstes Diagno-
stikon (für die Zugehörigkeit zu phegea) gewertet werden;
denn bei marjana besteht diesbezüglich das gegenteilige
Verhältnis: Die Basalmakel ist patzig, die Präapikalmakel
dagegen stets klein und ganz nahe an die Basalmakel
herangerückt; außerdem ist bei marjana die Präapikal-
makel bedeutend weiter örtlich nach oben geschoben als
bei phegea und deren Rassen- und sonstigen Formen.
Der gelbe Abdominalring ist in bessarabica breiter als
bei typischen phegea-Stücken, jedoch von der gleich
lichten Färbung wie bei phegea, nicht ockrigglänzend
wie bei marjana. Die Antennen sind sehr lang und
bis über ein Drittel von der Spitze weg schmutzigweiß
beschuppt.
‚Dieser bessarabischen Rasse sehr nahestehend ist eine
Serie von 30 g', 3 @ aus der Umgegend von Kiew in
Südrußland, welche mir ebenfalls Herr Sheljuzhko
sandte. Der Habit ist bei diesen zwar etwas gedrungener,
die Weißmakelung aber nichtsdestoweniger ausgesprochen
marjanoid, 14 Männchen tragen oberhalb der Makel 4 noch
ein weißes Additionalstrichelchen, 2 weitere Männer über-
dies noch ein solches zwischen Makeln 4 und 5, gehören
!) cfr. Verh. zool. bot. Ges., Wien, LXXI. Bd., 1921, p. (13).
Si a ae
N en ee —
H. Stauder. Ueber osteuropäische und transkaukasische Syntomiden. 221
also der Entwicklungsrichtung repicta Trti. an; in noch
höherem Maße gilt dies von den vorliegenden Kiewer
Weibchen, deren gedrungener Habitus aber an jenen von
plinius nicht heranreicht.
Syntomis nigricornis Alph. aus Transkaukasien. Der
mehrgenannte Gewährsmann hatte die Liebenswürdigkeit,
mir noch eine Serie von 8 g' neuer Syntomis einzusenden,
die er als phegea L.e Transcaucasıa bezeichnete. Auf
den ersten Blick erkannte ich aber die Unrichtigkeit dieser
Bestimmung, denn es liegt entweder nigricornis Alph.
oder aber eine Abspaltungsform von marjana Stdr. vor.
Denn mit dieser stimmt die Weißflecken-Anlage und deren
Form so frappant überein, daß nur die etwas gedrungenere
Fliorm sowie die Gelbringung, welche durchaus nicht mit
marjana typ. übereinstimmen, den Zweifel aufkommen
lassen, es handle sich nicht um eine marjana-Form,
sondern um nigricornis, welche zwar seinerzeit als
bloße Nebenform von phegea erstellt, von Turati aber
als bona species erkannt wurde. Besonders erschwert
wird ein endgültiges Urteil durch den Abgang der dazu
gehörigen Weibchen. Die Gelbringe dieser Achterserie
sind charakteristisch phegeoid, d. h. schmal und honiggelb,
während bekanntlich marjana viel breitere und mehr
glänzendgelbrot gefärbte Ringe aufweist. Für die Zu-
gehörigkeit zum marjana-Kreis?), beziehungsweise zu
nigricornis sprechen folgende Merkmale:
1. die subquadratischen Makeln 2 und 3,
2. das dunkle Gesamtkolorit mit dem vollblauen Metall-
reflexe, |
3. das phegeoide, schmale, honiggelbe Abdominalband
und besonders |
4. die dunklen Antennen (die Spitzen nicht weiß, sondern
hellbräunlich schmutzig aufgelichtet).
Turati bildet 1. c. auf Taf. C Fig. 1—3 zwar bedeutend
kleinere Stücke aus Tiflis als nigricornis ab, die mir
vorliegenden tragen die Etikette Abas-Tuman, Anfang VII,
1914 und sind so groß und stattlich wie dalmatinische
oder andere illyrische marjana, von diesen aber sehr
markant differenziert durch die oben angeführten phegeoiden,
2) cfr. meine Abbildungen in Z. f. wiss. Ins.-Biol., Berlin 1915,
Tafel V, Fig. 10 und 11, ferner jene Turatis in Atti Soc. Ital. Sc.
Nat. LVI, Taf. II, IV und V sowie die dazugehörigen Ausführungen.
322 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
beziehungsweise nigricornis eigenen Charakteristika.
Erst jetzt, nachdem mir diese Achterserie vorliegt, ersehe
ich die markanten Unterschiede zwischen den Spezies
phegea, nigricornis und marjana. Es ist oft
geradezu unmöglich, sich selbst nach besten Beschreibungen
und Abbildungen ein richtiges Urteil zu bilden, nur Serien-
belege leisten Gewähr für die richtige Determinations-
ermöglichung. Und das Eine kann heute schon mit großer
Bestimmtheit prophezeit werden: in Vorder- und Zentral-
asien werden im Laufe der nächsten Jahre die neuen
Spezies von Syntomiden, bis jetzt durchwegs verkannt
oder vermengt, wie Pilze aus dem Boden schießen. Es
läßt diese hochinteressante Familie sicherlich viel größere
Ueberraschungen erwarten als die Zygaeniden, welche ja
auch erst in neuerer Zeit gewissenhafter analysiert werden.
Innsbruck, im August 1924.
Bücherbesprechung.
Petersen, W., Lepidopteren-Fauna von Estland (Eesti). Zweite
eıweiterte Auflage, Reval 1924.
In zwei stattlichen Heiten im Umfange von 588 Seiten bringt der Ver-
fasser die zwe.te erweiterte Auflaue seiner im Jahre 1902 erschienenen
Lepidopteren- Fauna von Estland. Die Literatur und sonstige Quellenangaben
weıden neben den eigenen vieljährigen Eriahrungen des Vertassers ganz
eingehend berücksichtigt. Die Herkunft der Faunenelemente wird kritisch
betrachtet, bemerkenswert ist seine Hypothese vom Ural als postglaziales
Verbreitungszentrum. Umfangreiche tabellarische Uebersichten ermöglichen
einen Vergleich mit dem Falterreichtum benachbarter Gebiete, Im speziellen
Teil wird bei schwer zu unterscheidenden Arten immer wieder auf die
ausschlaggebenden Unterschiede der Genitalorgane hingewiesen (z. B.
bei der Hydroecia nictitans-Gruppe mit den vier europäischen Arten:
nictitans Bkh.. paludis Tutt.. lucens Frr. und crinanensis B. und P.). Die
Aufzählung der Aıten geschieht nach dem Staudinger-Rebel-Katalog 1901.
Von interessanten Arten neben den vielen Lokalformen des Gebietes seien
genannt: Arg. freya Thnbg., A. frigga Thnbg , Oeneis jutta Hb., Od. sieversii
Men., Pyg. timon Hb., Agr. subrosea v. subcaerulea Stgr., Agr. obsolescens
Peters., Agr. eversmanni Peters., Agr. fennica Tausch., Agr. islandica v.
rossica Stgr., Had. bathensis Lutzau, Hydr. paludis Tutt., Plusia excelsa Kr,,
Pl. microgamma Hb., Cat. adultera Men., Malacodea regelaria Tngstr., L.
serraria Z., E.sinuosara Ev., Thamno. loricaria Ev, Cr. biarmicus Tngstr,,
Metriostola vacciniella Z., Asopia lienigialis Z, Pyr. commistalis WIKk,
Conch. griseana Stph., Conch. deutschiana Zeıt., Ol. sieversiana Nolck,
Steg. gimmerthaliana Z, Sw. nanivora Stt. und conspersella Tngstr., B.
plantariella Tngstr., Ps. pyrausta Pall, Depr. ciniflonella Z., Cosm lienigiella Z.,
N. tengströmı Nolck u.a. Es gehört diese ausgezeichnete Bearbeitung der
gesamten Falterwelt Estlands mit zu den vorzüglichsten faunistischen Werken
über Schmetierlinge, wofür ja auch der Name des durch viele lepidoptero-
logische Arbeiten allbekannten Verfassers bürgt. E. Möbius.
Sen ea
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 2253
Die Morphiden Kolumbiens nebst einigen allgemeinen
Bemerkungen über Morphiden.
yon Dr. FE, Kıruser,. Hallera, S.
(Schluß.)
Weiter verbreitet als adonis und rhetenor und
häufiger als diese ist der große prächtige menelaus.
Er findet sich ostandin sowohl in den Llanos- wie in den
Gebirgswäldern bis etwa 800 m Meereshöhe, tiefer häufiger.
8. M. menelaus L_*) ist der Frühaufsteher unter den
Morphiden. Gewöhnlich erscheint er um 9 Uhr, aber an
schönen Tagen nach warmen Nächten kann man ihn schon
um 8 Uhr beobachten. Er folgt gerne Waldwegen und kleinen
Flußläufen, auf denen er dann meist verschiedene Male
sichtbar wird. Er fliegt tiefer und langsamer als rhetenor,
aber etwas höher als die Arten der achilles-Gruppe,
gewöhnlich ca.2 m hoch und mit starken Wellenbewegungen
auf und ab, zuweilen — besonders im Walde — mit starken
seitlichen Abschwenkungen, ein andermal — besonders über
Flußläufen — mehr grade und ist dann leichter zu fangen.
Da, wo er häufig vertreten ist, trägt er durch seine Größe
und durch sein tiefes, dem des rhetenor ähnliches Blau,
sehr zur Belebung und Verschönerung der Landschaft bei.
Schon früh, meist gegen 10 -11 Uhr, verschwindet er und
setzt sich ebenso wie sein langsam und schwerfällig flie-
gendes © auf einem Blatt in 1'/,—2 m Höhe mit Vorliebe
ın der Nähe eines kleinen Baches zur Ruhe. Er besucht
gerne ebenso wie sein viel selteneres und meist stark
beschädigtes © kleine orangerote, auf dem Boden liegende
Früchte, auch wohl Zuckerrohr und Bananen und ist dann
noch später anzutreffen. Scheucht man ihn dort auf, so
setzt er sich gewöhnlich in der Nähe ca. 1 m hoch offen
sichtbar und abwartend auf ein Blatt und ist hier mit
Vorsicht zu fangen, doch tut man besser zu warten, bis
er zu den Früchten zurückkehrt, wo er dann weniger
scheu ist. Bei ihm wie auch bei achilles und Ver-
wandten kann man beobachten, daß frische Exemplare von
Kot oder Früchten aufgescheucht, sich nur wenige Meter
entfernt auf ein Blatt setzen und bald zurückkehren, wobei
*) Seitz S. 352.
Deutsche Entomologische Zeitschrift ‚Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein I
Aris zu Dresden. Jahrgang 1924
224 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
sie vielfach auf einem Stein dicht bei der Lockspeise vor-
sichtig noch etwas warten und auch noch einigemale um
dieselbe mit Pausen herumhüpfen, ehe sie wieder zugreifen.
Beim zweiten Male entfernen sie sich weiter und kommen
später zurück und beim dritten Male verschwinden. sie
gewöhnlich auf Nimmerwiedersehen, wenigstens für diesen
Tag. Aeltere Exemplare, besonders in besuchten Gegenden,
sind stets scheuer. Also gewisse geistige Eigenschaften
wie Gedächtnis und auch Folgerungsvermögen, das sich
in Form zweckmäßiger Handlungen erkennen läßt, sind bis.
zu einem bestimmten Grade sicher vorhanden. Das Ge-
dächtnis scheint mir aber wenigstens für Einzelfälle nicht
bis zum nächsten Tage vorzuhalten, da man selbst stark
verscheuchte Falter am folgenden Tage an demselben Ort
und womöglich an demselben Köder antreffen kann. Sel-
tener trıfft' man menelaus auf Kot und nasser vermutlich
verunreinigter Erde. Ein g' fing ich auf Hundekot. Ein
sehr großes, leider stark beschädigtes @ setzte sich eines
Tages um 11 Uhr vormittags auf meinen Rock, wo ich es.
mit der Hand fing.
Eigentümlich sieht es aus, wenn man an einem auf-
gehangenen Fruchtköder ein riesiges durch seine kontrast-
reiche Useite auffallendes menelaus © zusammen mit
1—2 Calıigo eurilochus und einigen Prepona und
anderen Nymphaliden (Katonephele, Gynaecia,
ÄAgeronia) sitzen sieht. Oft kommt dann eine Wespe
und benutzt die Vfl eines Caligo als Anflugsstelle. Gegen
solche kleine Störungen sind diese wenig empfindlich.
Einige Flügelschläge verscheuchen den Störenfried. Aber
der Köder ist für lange Zeit ins Drehen gekommen und
führt uns bald diesen, bald jenen Falter vor.
Die viel größeren OO sind, wie schon erwähnt, viel
seltener als die g'g', aber auch hier kann der Zufall mit-
spielen. So fing ich an einem Tage, 28. VI, 4 alte 90,
salı dagegen nur 1 g', alle 5 wahrscheinlich die Reste einer
Familie.
Der kolumbianische menelaus v. occidentalis*)
weicht von der surinamschen Stammform v. menelaus**)
in ähnlicher Weise ab wie der kolumbianische rhetenor
*) Seitz S. 353. |
##) Ich sah menelaus in Surinam ebenso häufig wie in
Kolumbien (cf. Seitz S. 353).
2
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 225
von dem surinamschen. Die v. occidentalis ist weit
größer. 35 g'g' 72—81 mm, Durchschnitt 77'!/, mm. (9
Jg" v.menelaus 60—68 mm, Durchschnitt 65'/, mm).
Die Vflspitze ist stärker vorgezogen. Auf der Öseite zeigt
sich eine Neigung zum Auftreten von weißen Submtlecken
und die Useite ist lebhafter gezeichnet. Außerdem ist der
ee Arand der OÖseite hinter Vflr! etwa doppelt so
reit.
Das Blau der Oseite ist das gleiche, ein ziemlich dunkles
glänzendes Blau, das etwas dunkler blau und ein wenig
ins violette schillert, aber weit weniger stark spiegelt. als
das von rhetenor. Der kleine weiße mehr oder weniger
stark blaue, zuweilen ganz blaue Kostalfleck ist bei beiden
der gleiche. Ebenso der erste Fleck der Augenreihe, ein
kleiner (ca. 2 mm Durchmesser) weißer Fleck hinter subc.Y
an der vorderen Grenze des Blau. v. occidentalis führt
aber oft außerdem noch eine Reihe von kleinen weißen,
proximalen Submflecken, die an Zahl wechseln, 0—7, sie
stehen entsprechend dem proximalen Submstreifen der
Useite ca. 4—5 mm vom Rande. Die vorderen Flecken
sind stets größer (ca. 1 mm) und deutlicher. Der schwarze
Arand ist bei Vfllänge 74, auf Vfl r! 6, r!!4, r!!! 2 mm breit,
auf den Hfl gleichmäßig 1—2 mm. Der Vflarand ist deutlich
konkav, alle Aränder stark gewellt. Die Fransen sind auf
den Vfl einfach, aut den Hfl doppelt (je 1 schwarzer Teil
auf und zwischen den Aderenden) scharf weıß und schwarz
gescheckt. Die Useite hat eine dunkelbraune, etwas rötlich-
braune getönte Grundfarbe und führt auf allen Fl folgende
Zeichnung: einen silbergrünen, zuweilen rudimentären Quer-
streif durch die Zellmitte, eine silbergrüne, aus meist ge-
trennten, mehr oder weniger breiten Bogen zusammen-
gesetzte Subozellarbinde, die auf den Vfl sich vorn an den
weißen Kostalfleck anschließt, die Augenreihe und die Subm-
streifen. Von den drei hellen Submstreifen sind der mittlere
und der distale auf den Hfl ziegelrot, auf den Vil graurot.
Der proximale ist zu einer breiten grauweißen-graugelben-
grauroten Bestäubung ausgedehnt, die auf allen Fl vorn
breiter ist und auf den Vfl vorn gewöhnlich bis an die
Augen reicht. Zwischen den drei hellen Submstreifen
stehen zwei feine dunkelbraune Wellenlinien. Die Augen
sind klein, an Größe nicht sehr verschieden (ca. 5—6 mm
Durchmesser), stehen vom Rande zu weit ab, und haben
eine runde-längsovale Form. Die Iris ist heller oder dunkler
226 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
ziegelrot, ca. !/,—?/, mm breit und tief schwarzbraun und
noch silbergrün gefaßt. Die Pupille ist schwarzbraun, fast
schwarz und führt einen kleinen silberweißen Lichtfleck.
Die Zahl der Augen wechselt stark, wie vielleicht bei
keinem anderen Morpho. Normal führen die Vfl drei
Augen hinter r!, r!!! m! in distal konkaver Reihe. Die
Hfl vier Augen hinter subc., r!!, m!, m!, die drei letzten
gewöhnlich in distal konkaver, zuweilen in grader, seltener
in distal konvexer Reihe. Die Zahl der Vflaugen kann
vermehrt sein bis auf fünf durch zwei weitere Augen
hinter r!! und (seltener) subc.Y; die der Hflaugen vermehrt
bis auf vermutlich acht (sieben zusammen beobachtet) durch
vier weitere Augen hinter r!, m!! cost. (seltener), r!! (noch
seltener), oder vermindert bis auf zwei hinter subc. und
m!. Die Hflaugen beschreiben ım ganzen einen flachen
distal konvexen Bogen. Augendurchmesser bei Vfllänge 74,
Vfl 51,, 2'/, (hinter r!!), 51/,, 51/,, Hfl 6, 41),, 51/,, 5 mm:
Die Vfl führen unten einen langen scharlachroten Kostal-
streif, auch auf den Hfl ist mehr oder weniger deutlich
ein solcher Streif bzw. Fleck vorhanden. Palpen mit breitem
scharlachroten Längsstreif, der nur median basal fein weiß,
sonst schwarzbıaun gefaßt ıst. Ausgedehnte schwarzbraune
Kantenbehaarung. Der Thorax ist seitlich braun beschuppt
und behaart (mehr oder weniger dunkel), mit roten Flecken
auf den Flgelenkhäuten und zuweilen auch auf den Hüft-
enden und einem kleinen gelblichweißen Fleck unter der
Schulterdecke, oben an der Mittelhüfte. Die Vorder-,
Zwischen- und Hinterflächen sind gewöhnlich etwas heller
behaart, hellbraun-graubraun. Hinterleib unten mehr oder
weniger hellgraubraun, gewöhnlich zeichnungslos, zuweilen
mit kleinen ockergelbgrauen Fleckchen hinten median oder
auch seitlich. Die Vorderbeine sind auf der Aseite ziemlich
schmal gelbweiß behaart und beschuppt und im übrigen
schwarzbraun, auf den Schenkeln mehr graubraun gefärbt.
Behaart sind die ganze Useite und auf der Iseite die distale
Tarsushälfte und der Fuß.
Das © ist bedeutend größer als der J', 9 99 84—91,
Durchschnitt 87 mm. Es gleicht in Größe, Flform und
Zeichnung vielmehr der v. mineiro (Seitz Tafel 70a) als
der v. menelaus (T.71b). Die Vflspitze ist stark vor-
gezogen, der Arand stark gewellt.
Die Unterschiede in der Zeichnung der OÖseite gegen v.
mineiro sind folgende: a) Vfl: das Blau ist etwas weniger
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 227
weit ausgedehnt, distal reicht es nur bis an die Augenreihe,
von Auge vier nach hinten. Der Vrand ist etwas breiter
braun. Der weiße Kostalfleck ist etwas länger und schmaler,
hinten reicht er nur bis r! und ist dann durch graublaue
Bogenflecke mit dem Grundblau verbunden. Es sind sechs
weiße Augenflecke statt fünf vorhanden. Von den sieben
proximalen Submflecken ist der erste bei v. mineiro
anscheinend fehlende hinter sube.!V klein, aber deutlich,
der zweite hinter subc.VY ist größer und abgerundet vier-
eckig, die folgenden sind birnförmig, die vier letzten etwas
eckig, der Doppelfleck hinter m! ist größer; b) Hfl: Das
Blau ist ein dunkles, distal helleres Blau, das distal unregel-
mäßig begrenzt ist und hinter r!! eine Einbuchtung zeigt
(ähnlich ach. v. bahiana I.X70b). Von den proximalen
Submflecken sind alle sechs weiß, nicht nur die drei
ersten. Außerdem ist weiter proximal an der Blaugrenze
hinter sube. ein deutlicher kleiner weißer Fleck der Augen-
reihe vorhanden. Die Useite ist noch viel lebhafter ge-
zeichnet als beim g'. Die Grundfarbe ist braun. Die
grünsilbernen Zellquerstreifen ähnlich wie beim g'. Die
Subozellarbogen sind stärker entwickelt und auf den Vfl
zusammenhängend und vorn zwischen Kostalfleck und r!!
weißlich. Auf den Hfl findet sich zwischen Subozellarbogen
und Zellquerstreif noch eine grünliche Bestäubung, die ın
Form von zwei Wellenquerbinden angeordnet ist. Die
Augen sind denen des g' ähnlich, die Iris meist etwas heller
und matter rot, der weiße Lichtfleck etwas größer und teil-
weise besonders auf den Vfl distal streifenförmig ın und
durch die Iris verlängert. Augendurchmesser beider Seiten
(rechts in Klammern) bei einem @ von 91 mm Vfllänge:
Vfl: hinter sube. V 34, (3), r!6 (6), r!5'/, &',,), r17 (2),
m!? (7), m!!3 @); Hfl: hinter sube. 7 (6'/,), r!3 8), r!!!6%,
(5), m161/, (6), m!! (2 Augen) 51/, (5), 4 (3'/,) mm. Wie vielfach
bei den Morpho sind die Augen auf beiden Seiten bei
menelaus nicht immer gleichmäßig entwickelt. Zuweilen
fehlen Augen auf der einen Seite, die auf der anderen
vorhanden sind. Von den drei hellen Submwellenstreifen
ist der mittlere auf den Hfl hellrot, auf den Vfl hellgrau-
braun, der distale auf allen Fl hellgraubraun. Der proximale
ist zu einer breiten weißgrauen mehr oder weniger braun
bestäubten und mehr oder weniger stark rosa gefärbten
Bestäubung ausgedehnt, die auf den Vfl sich noch zwischen
die Augen erstreckt. In ihr liegt auf allen Fl eine Reihe
228 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
größerer Submflecken, die auf den Vfl etwas deutlicher,
weißlich, rund, und undeutlich dunkel gefaßt sind, auf den
Hfl als größere grauweißbraun bestäubte, proximal von
dunkelbraunen Bogen gefaßte Aufhellungen auftreten. Die
beiden dunklen Submzwischenstreifen sind auf den Hfl
braun, auf den Vfl hellbraun. Die Wurzelzeichnung der
Useite, die Zeichnung des Thorax und der Palpen sind wie
beim g'. Hinterleib unten hellbraun, gewöhnlich mit deut-
lichen hellockergelben Medianflecken, oben dunkelbraun.
Vbeine außen und unten weiß, oben und innen braun
beschuppt.
Westlich der Ostkordilleren, im Magdalenatale und am
Stillen Ozean (von Nikaragua bis Ekuador) wird mene-
laus v.occidentalis durch v. amathonte vertreten.
V.amathonte ist durchschnittlich etwas größer und
hat eine etwas stärker ausgezogene Vflspitze. Vfllänge bei
68 g'g' von Magdalena 73—86 mm, Durchschnitt 80 mm,
300 83 und 92 (2) mm, bei 11 g'g! von der pazifischen
Küste 73—83 mm, Durchschnitt 79 mm. Die männlichen
Genitalien sind fast gleich gebaut. Die Zeichnungsunter-
schiede sind gering.
Auf der Öseite des g' ist das Blau das gleiche. Der
schwarze Arand ist etwas schmaler. Die weißen Subm-
flecken und der weiße Augenfleck der Vfl fehlen ganz.
In dieser Hinsicht variiert menelaus im Magdalenatale
anders als rhetenor. Auf der Useite, deren Grundfarbe
im Ton sehr wechselt (zuweilen findet sich „ein leichter
Purpurschimmer), istdie silbergrüne Zeichnung ausgedehnter
aber viel matter. Die Hfl führen zwei hellgrüne matt
bronzeglänzende Querstreifen durch die Zelle und ein
gleiches breiteres Band durch das Zellende. Die Augen
sind durchschnittlich etwas größer und etwas anders ge-
färbt. Die Iris ist statt rot lebhafter oder matter ockergelb
gefärbt. Die Hflaugen und zuweilen auch die Vflaugen
führen in der schwarzen Pupille einen großen aber un-
deutlichen purpurbraunen Kern. Der feine weiße-lilaweiße
Lichtfleck ist bogenförmig und auf den Vfl fast regelmäßig
mit der Iris durch einen breiten lilaweißen-purpurbraunen-
ockergelben Streif distal verbunden. Die Augen sind zu-
weilen wie bei v. occidentalis an Zahl vermehrt, be-
sonders auf den Vfl, aber anscheinend nicht vermindert.
Die Hflaugen bilden im ganzen wie bei v. occidentalis
einen flachen, distal konvexen Bogen, die letzten Hflaugen
De
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 229
hinter r!!! stehen jedoch nie in einer distal konkaven Linie,
wie meist bei v.occidentalis, sondern in einer graden
oder distal konvexen. Augendurchmesser bei Vfllänge 81,
Milbssakhinter'r11),7, 75 Hl. 8,01%, (inter rt), 6%, 7, 51/,.
Von den drei hellen Submwellenstreifen ist der distale
hell gelblichbraun, die beiden anderen sind weißgrau und
zuweilen noch stark lila getönt. An den proximalen schließt
sich basalwärts eine gleichfarbige aber gewöhnlich noch
mit Braun gemengte Bestäubung an, die proximal durch
einen deutlichen braunen Wellenstreif begrenzt wird. Helle
Submflecken fehlen in ihr. Der Raum zwischen diesem be-
grenzenden Wellenstreifen und der Augenreihe ist grünlich
bestäubt. Die zwei dunklen braunen Submwellenstreifen
sind deutlich. Die Zeichnung der Flwurzeln, des Ihorax
und der Palpen ist die gleiche wie bei v.occidentalis,
nur fehlt der Hflkostalstreif. Die Palpen sind seitlich breiter
weiß gezeichnet. Die Seitenflächen des Thorax sind hell
graubraun, die anderen Flächen hell gelbgrau, zuweilen
gelbgrauweiß behaart. Der Hinterleib ist unten mehr oder
weniger hell graubraun, die Oseite des Körpers hellbraun.
Die Vorderbeine sind etwas breiter weiß gezeichnet und
stärker behaart.
Auch das © scheint etwas größer zu sein als v.occi-
dentalis ©. Vfllänge 3 QQ Magdalena 82, 92 (2). Die
Flform ist dieselbe. In der Zeichnung unterscheidet es
sich folgendermaßen von v. occidentalis ©:
a) Oseite: a) Vfl: Das Blau ist etwas ausgedehnter, vorn
füllt es fast die ganze Zelle, und auch distal reicht es weiter
(der Zacken auf r!! springt ca. 7” mm über das hintere Zell-
ende hinaus, bei v.occidentalis nur ca. 2 mm) und ist
hier stark gezackt (bei v.occidentalis ziemlich gleich-
mäßige distale Grenze). Die sechs Augenflecke sind ab-
gesehen von dem ersten bedeutend größer. Der erste ist
kleiner und abgerundet viereckig, die beiden folgenden
distal dreispitzig, die drei letzten birnförmig, der größte
vierte ca. 4:8 mm groß (hinter r!!). Die proximalen Subm-
flecken sind dagegen sehr klein und dreieckig. Der weiße
Kostalfleck ist der gleiche; $) Hfl: Das Blau ist im ganzen
gleichmäßiger und heller, distal ist es stark gezackt, die
Einbuchtung fehlt, nur springen die hinteren Zacken weiter
‘vor. Die mittleren und proximalen Submflecken sind zwar
als zwei Fleckenreihen vorhanden, aber nur vorn als kleine
grauweiße-graubraune Fleckchen deutlicher, hinten ganz
230 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
undeutlich, die mittleren sind pfeilspitzenförmig, die proxi-
malen mehr rundlich; b) Useite: Die Zeichnung gleicht der
von v. amathonte g', nur ist die distale Verbreiterung
der Lichtflecke der Vtlaugen noch viel ausgesprochener
länger und breiter, sie ragt meist noch über die helle Augen-
einfassung hinaus, teilweise bis an den braunen Wellenstreif.
Außerdem finden sich noch in dem verbreiterten proxi-
malen Submstreif der Vfl kleine weißliche der Oseite ent-
sprechende Fleckchen, deren proximale Einfassung der
braune Grenzwellenstreif bildet. Im Vergleich zu mene-
laus v. occidentalis © ist die Useite von v. ama-
thonte © sehr matt gezeichnet, durch den fehlenden Silber-
glanz, durch die anders gefärbten Augen (Iris und Kern),
und besonders durch das Fehlen der Rosafärbung des
Randteiles. Augendurchmesser bei Vfllänge 83, Vfl 5, 7,
61), 5 (hinter m!!), Hfl 61/,, 5, 6, 51, mm. Die Zeichnung der
Palpen, des Körpers usw. entspricht der des g'. Die Seiten-
flächen des Thorax sind hell gelblichgraubraun, die an-
deren Flächen bell gelblichweißgrau behaart. Der Hinter-
leib ist unten hell gelblichgraubraun gefärbt, hinten an den
Segmentkanten etwas ockergelb gefleckt. Die ÖOseite des
Körpers ist graubraun. Die Vorderbeine sind rundum
gelblichgrau beschuppt.
Die pazifischen Exemplare (g'9') sind durchschnittlich
unten etwas schärfer gezeichnet. Die Gewohnheiten von
v.occidentalis und v. amathonte sind die gleichen.
Bei Muzo fing ich in einem tiefen Urwaldtale auf einer
Geröllbank am 31. Oktober um 11!/, Uhr vormittags g' und
Q© zusammen im Vorspiel der copula an einer etwas lichteren
Stelle des Flußbettes bei ca. 600 m.
Wie schon erwähnt, sind die männlichen Genitalien von
v.occidentalis undv.amathonte fast gleich gebaut.
Die Valven sind bei den untersuchten Exemplaren von
v.menelaus und v. amathonte gleichmäßig fein ge-
zähnt, während man bei v.occidentalis deutlich 2-3
größere Zähne unterscheiden kann. Das Ende der fein be-
stachelten Seitenspangen scheint bei v. menelaus gleich-
mäßiger gerundet zu sein als bei den beiden anderen. Hin-
sichtlich des Baues der Genitalien des g' steht die mene-
laus-Gruppe der rhetenor-Gruppe sehr nahe, Die Unter-
schiede sind gering. Bei menelaus sind die Valven etwas
ausgedehnter und feiner gezähnt, die Spangen etwas stärker
bestachelt, und die Oberkanten des uncus etwas höher und
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 231
dünner. Hinsichtlich des Baues der Vflzelle, der Zeichnung
der Useite und der Flugart steht menelaus wieder der
achilles-Gruppe näher, die wiederum durch den Bau
der männlichen Genitalien (bestachelter penis, nackte, dünne,
gebogene Spangen, Valven meist mit zwei langen Eck-
zähnen) und wohl auch durch das hellere und meist mattere
Blau der Öseite eine besondere Stellung einnimmt. Man
kann so menelaus als Zwischenglied zwischen der
rhetenor- und der achilles-Gruppe ansehen und
ananıbiıa wieder als Zwischenglied zwischen rhetenor
und menelaus. Menelaus hat eine weite Verbreitung.
Nach Fruhstorfer kommt er in Guayana, im Amazonas-
gebiet und in Kolumbien vor. Doch scheint es mir, daß
auch didius von Peru und godarti von Südperu und
Bolivien als seine dortigen Vertreter aufzufassen sind. Der
weiße polyphemus von Mexiko-Nikaragua ist vielleicht
als seine nördlichste Varietät anzusehen. Flform, Größe,
Form und Anordnung der Augen sprechen hierfür.
Von der achilles-Gruppe finden sich in Kolumbien
die drei rein ostandinen Arten: achilles, patroklus
und deidamia mit ihren Vertretern: einer vielleicht zur
achillaena-Gruppe gehörenden achilles-Form im
nordöstlichen Kolumbien, dem westandinen achilles-
Vertreter peleides und dem gleichfalls westandinen
deidamia-Vertreter granadensis. Es ist sehr wahr-
scheinlich, daß alle übrigen Formen dieser Gruppe — außer
den oben angeführten noch achillaena, leontius,
vitrea, rugitaenialus und evtl. noch catenarius
und laertes — nur Lokalrassen von achilles bzw.
deidamia sind.
Die Arten dieser Gruppe stimmen in bezug auf Flform,
Färbung und Zeichnung sehr überein. Vfl und Hil sind
im Verhältnis zur Länge sehr breit. Die Vflspitze ist meist
wenig oder gar nicht vorgezogen. Der Arand verläuft
ziemlich grade. Der Analrand springt bei sub. m! deutlich
stumpfeckig vor. Das Blau der Öseite ist ein helles, nicht
stark spiegelndes Blau, das hinsichtlich der Ausdehnung
sehr variabel ist und entweder nur als Querbinde die
Flmitte einnimmt, oder sich auch auf die Wurzel oder fast
über die ganze Ofläche ausdehnt. g' und © sind isochrom,
doch ist das Blau beim © distal stets eingeschränkter und
dafür die weiße Fleckenzeichnung ausgesprochener. Der
g' führt meist nur die Reihe der mittleren Submflecken,
232 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
auf den Vfl als deutliche weiße, auf den Hfl als oft un-
deutliche rote Fleckchen, zuweilen noch auf den Vfl feine
weiße oder blaue Punkte der Augenreihe. Beim @ sind
auf den Vfl diese beiden Fleckenreihen stets größer und
deutlicher, außerdem ist hier vielfach noch die Reihe der
proximalen Submflecken vorhanden und die drei hellgrauen
Submwellenstreifen sind fast stets auf allen Fl kenntlich.
Auf der Useite führen die Vfl einen meist etwas bräunlich-
roten, zuweilen undeutlichen basalen Kostalstreif. Der
Flteil distal der Subozellarbinde ist vielfach besonders auf
den Vfl — zuweilen stark kontrastierend — heller und
mehr grau gefärbt. Die hellen Binden der Useite sind wie
bei der menelaus-Gruppe auf schmale weiße-gelbweiße-
grünlichweiße Streifen reduziert, die teils vollständig vor-
handen sind, besonders bei deidamia, teils bis auf die
Subozellarbogen fehlen können. Die dunkle Grundfarbe
schwankt zwischen schwarzbraun und hellgraubraun und
ist beim © fast stets heller als beim g'. Die Submwellen-
streifen sind gewöhnlich deutlich, der mittlere der Hfl ist
meist rot gefleckt. Die Augen sind gewöhnlich groß, be-
sonders das Hflapıkalauge, scharf gezeichnet und wenig
veränderlich. Die Vfl führen drei Augen hinter r!, r!!,
m!ın schwach distal konkaver Reihe, die Hfl vier Augen
hinter sube. r!! m!, m!! in grader oder schwach distal
konvexer Reihe. Zuweilen tritt ein kleines Zusatzauge
auf den Vfl hinter subec. V auf den Hfl hinter m! auf. Die
Palpen haben einen meist lebhaft roten Längsstreif, der
nur bei deidamia schwach gelblich ist oder fehlt, und
ausgedehnte schwarzbraune Kantenbehaarung. Der Körper
ist schwarzbraun-braun-graubraun behaart, der Thorax auf
den Seitenflächen teils rot (unter Flwurzel und auf Hüft-
mitte von S.1I und III) teils gelbweiß-ockergelb (Hüftenden
und Mittelhüfte vorn oben) gefleckt, die Vorder- und
Zwischenflächen unten oft mehr oder weniger stark gelblich-
grau-gelblichweiß gemischt. Der Hinterleib führt unten einen
ocker-weiß-graugelben an den Segmentkanten dunkleren
Medianstreif und gleiche Seitenflecken. Das © ist auch am
Körper gewöhnlich etwas heller gefärbt als der g'. DieVorder-
beine sind beim g'auf deräußeren Seite gelb-weiß behaartund
weiß beschuppt, auf der inneren schwarz-braun beschuppt
undhiernuram FußundamTarsusende spärlich behaart. Beim
@ sind die Vorderbeine außen gelb-weiß, innen braun be-
schuppt u.dieSchenkel außen wie stets etwas weißlich behaart.
E. Krüger, Die Morphiden Kolumbiens. 235
10. Achilles L. (Seitz, S. 340) variiert wohl am meisten von
den Morphiden unter dem Einfluß des Klimas und der Ge-
birgsabtrennung. Im fast gleichmäßig feuchten Klima (Öst-
kordillereostseite und Westkordillerewestseite) scheint die
Blaufärbung der Oseite an Ausdehnung und auch etwas
an Metallglanz abzunehmen, in trocknerem oder stark
wechselndem Klima (Magdalena, Kauka, Nordllanos) zuzu-
nehmen.
Nach Frubstorfer ist bei achilles und patroklus
die Hflsubozeilarbinde der Useite zwischen r!! und r!!!
unterbrochen, bei peleides dagegen nicht. Speziell bei
den peleides-Formen Kolumbiens habe ich hiervon keine
Ausnahme gefunden, bei achilles und patroklus ist '
jedoch, wie dies auch Fr. angibt, die Binde gelegentlich
geschlossen und zwar bei den ©Q häufiger als bei den
g'Q" und unter den letzteren wieder beiachilles häufi-
ger als bei patroklus (bei achilles g' in vier Fällen
unter 61). Bei den kolumbianischen peleides-Formen
weicht auch die Flform etwas von der desachilles und
auch des patroklus ab, indem die Vflspitze deutlich
etwas nach außen vorgezogen ist. Die männlichen Geni-
talien sind bei achilles, patroklus und peleides
analog gebaut mit nur geringen Abweichungen. Patroklus
hat an dem relativen kurzen schmalen Valvenende zwei
besonders große Eckzähne und gewöhnlich einige sehr
feine Zähne darunter. Die penis-Stacheln sind glatt.
Peleides und achilles haben dieselbe Valvenform wie
patroklus, aber fast stets noch einen dritten großen
Zahn unter dem unteren Eckzahn. Bei achilles ist
dieser Zahn zuweilen fein und klein, bei peleides an-
scheinend stets ziemlich kräftig, zuweilen steht an seiner
Stelle eine Gruppe von Zähnen auf einem Chitinvorsprung, So
besonders im Cauca und ım nördlichen Choco; das Valven-
ende erscheint dadurch etwas schmaler und höher. Unter
diesem dritten Zahne finden sich gewöhnlich noch einige
sehr feine Zähne oder spitze Höcker. Der rechte, an und
für sich viel stärkere penis-Stachel ist bei peleides ım
allgemeinen etwas stärker entwickelt als bei achilles
und patroklus (so besonders f.peleides) zuweilen aber
auch schwächer (f.telamon). Der linke schwächere, meist
abgeplattete und anliegende Stachel ist an der langen
äußeren Kante bei patroklus glatt, bei achilles fein
gehöckert und bei peleides gewöhnlich. deutlich fein
234 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
gesägt oder gezähnt. Das uncus-Ende ist von der Seite
gesehen im allgemeinen bei peleides schlanker als bei
achilles und patroklus.
Achilles und peleides schließen sich gegenseitig
aus, dagegen kommen achilles und patroklus wenig-
stens teilweise zusammen vor. Die Lebensweise ist bei
allen Angehörigen dieser Gruppe dieselbe. Sie erscheinen
an klaren Tagen gegen 9'/;,—10 Uhr auf Waldwegen, an
kleinen Flußläufen und in lichterem Unterholz. Die 90
halten sich meist im Unterholz auf, fliegen aber auch die
Waldwege entlang, gegen 11 Uhr kann man die g'g' an
kleineren Flüssen oft ın größerer Zahl sehen, etwa zehn
gleichzeitig, wie sie das Flußbett entlang aufwärts und
abwärts promenieren und sich gegenseitig umkreisen. Sie
fliegen meist niedrig, 1 bis 11, m hoch, und langsam im
Wellenfluge auf und ab, achilles, patroklus und
peleides mit starken seitlichen Abschwankungen ab-
wechselnd nach rechts und lınks, deidamia und wohl
auch granadensis mehr geradeaus, so daß der Flug
der letzteren besser zu berechnen ist und sie leichter ge-
fangen werden können. Die frischen g'g! trifft man von
11 Uhr ab an Kot und die älteren, sowie die QQ gelegent-
lich an abgefallenen überreifen Früchten. Alle g'g! dieser
Gruppe stoßen gerne auf blaue Schmetterlinge und blaues
Papier, einachılles g', der im Walde auf und ab prome-
nierte, stieß jedesmal, wenn er vorbeikam, mindestens
achtmal hintereinander, auf einen toten, mit offenen Flügeln
am Boden liegenden menelaus. Sie gehen nicht so früh
zur Ruhe wie die übrigen Arten, man kann sie bis 1 und
2 Uhr, ja noch um 3 und 4 Uhr sehen. Dann übernachten
sie auf der Öseite von Blättern, offen oder versteckt,
mit stark vorgezogenen Vfl, fast als wollten sie die Augen-
zeichnung möglichst zur Geltung bringen. Ich beobachtete
sie das ganze Jahr hindurch, wobei die Häufigkeit an-
scheinend mehr mit den Jahren als mit den Jahreszeiten
wechselte. |
Mit Fruhstorfer (cf. hierzu und zum folgenden Seitz V,
S. 343) halte ich patroklus für eine eigene Art. Die
Flform und die Zeichnung (über die männlichen Genitalien
siehe oben) weichen konstant voneinander ab, außerdem
kommen beide Arten zusammen vor. Patroklus ist
durchschnittlich etwas größer als achilles. Vfllänge: pa-
troklus 57 g’g' 61—73, Durchschnitt 66, 14 QQ 68—76,
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 235
Durchschnitt 731, ,; achilles 63 gig! 58-69, Durch-
schnitt 62, 17 99 66—73, Durchschnitt 70 (achilles
ae 1 g'g' 55—62, Durchschnitt 60, 4 OO 57, 69,
1 [2)).
Legt man die Fl zweier, möglichst gleichgroßer g'’g'
beider Arten so aufeinander, daß sich Flwurzel, Hrand-
und Arandwellen so gut wie möglich decken, so springt
bei patroklus (Vfllänge 64) der Vflvrand an der Flspitze
in der Gegend der Submflecken 31/, mm nach vorn vor
(gegen achilles gut 63!/,). der Außenrand bei r!dagegen
um 2 mm zurück. Auf den Hil springt die Flspitze um 2 mm
nach vorn und außen vor, dagegen ist der Hfl hinten etwas
kürzer und zwar auf m! !/,, auf m!" 1, auf sub. m! 2 mm.
Der Hflvrand ist basal etwas weniger stark konvex. Beide
Fl sind also am Arande nicht unbeträchtlich breiter, ihr
Vrand ist weniger stark gebogen, die Vflspitze ist schmäler,
besonders in der Gegend r!—r!!.-ende, und die Hfl sind
hinten kürzer. Auch beim © sind die Hfl hinten etwas
kürzer als bei achilles 9, dagegen sind beide Fl an-
scheinend relativ schmaler. Die Useite ist beipatroklus
besonders distal charakteristisch okergelbbraun gefärbt und
hier oft noch besonders ockergelb oder grünlich bestäubt,
der basale Teil ist gewöhnlich rehbraun gefärbt. Bei achilles
ist die Grundfarbe der Useite dunkel rehbraun bis neukaffee-
braun. Die Vflaugen sind meist um ca. 2 mm größer als bei
achilles. Die beiden vorderen Hflaugen dagegen und be-
sonders das erste um ebensoviel kleiner. Die grünsilbernen
Subozellarbinden sind besonders beim © und auf den Hfl
breiter (ca. 1!/,—3 nım statt !/,—!/,). Die Iris ist tiefer gelb,
mehr safrangelb (bei achilles gewöhnlich hellgelb) und auf
allen Fl etwas breiter, besonders auf den Vfl (hier um
ca. 1 mm). Die schmalen schwarzen und grünlichen Ringe
um die Iris, die schwarze Pupille und der kleine weiße
Lichtfleck sind bei beiden ziemlich die gleichen, dagegen
ist der bei achilles rotbraune Kern bei patroklus
öfter violettbraun oder teilweise um den Lichtfleck herum
blau (besonders auf den Vfl). Die Submwellenstreifen sind
besonders auf den Vfl lebhafter gezeichnet und hier ist
speziell wieder die mittlere schärfer weiß und ockergelb
gefleckt. Die Zeichnung der Oseite zeigt ebenfalls einige
Verschiedenheiten. Im allgemeinen ist die blaue Querbinde
bei patroklus breiter als bei achilles und zwar nur
nach der distalen Seite (bei patroklus Jg! 64 auf Vflm!!
236 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
um ca. 4, auf Hfl r!!! um ca. 2, bei patroklus © 69 auf
Vfl und Hfl um ca. 5). Die Binde ist bei den 99 schmäler
als bei den zugehörigen g'g'. Sie variiert überhaupt et-
was, und es gibtachilles g'g'!, deren Binde ebenso breit
ist, wie die von patroklus. Die basale Bindengrenze
ist beipatroklusund achilles fast dieselbe. (Beim g!
verläuft sie auf den Vfl von der vorderen Zellspitze durch
die Abzweigungsstelle der Ader m!!ın querem, basal mehr
oder weniger deutlich konvexem und gewöhnlich zweimal
gezacktem Bogen; auf den Hfl durch die Mitte zwischen
Abzweigung subc. und r! und durch Abzweigung m!l
in gerader, schräg nach hinten außen laufender Linie. Beim
Q© verläuft sie in ähnlicher Richtung aber mehr distal, auf
den Vfl durch die Mitte zwischen Abzweigung m! und
ml; auf den Hfl bei patroklus @ durch Abzweigung
sube. und mI!; bei achilles @ gewöhnlich durch Ab-
zweigung r! und etwas distal von Abzweigung m!). Die
distale Grenze verläuft auf den Vfl hinter r! etwas ge-
zackt (fünf nach hinten abnehmende Zacken), aber im
ganzen in gerader Richtung, vor r! springt sie proximal
ein. Auf den Hfl bildet sie einen flachen, hinten stärkeren,
leicht gekerbten, distal konvexen Bogen. Der schwarze
Arand ist natürlich etwa um die Breitenzunahme der Binde
schmaler. Die Submflecke sind ziemlich gleich entwickelt,
g' und © führen auf den Vfl eine vollständige Reihe der
mittleren, proximalen Submflecken als scharfe weiße, vorn
größere Flecken, die QQ auch auf den Hfl eine gleiche
Reihe roter Flecken, die g'g' nur zwei rote, beipatroklus
zuweilen blau angelegte Analflecken. Die QQ haben im
Rande außerdem drei hellere, bei achilles gewöhnlich
schärfere Wellenstreifen, auf deren mittlerem die Subm-
flecken stehen. Die weißen Mittelflecke der Augenreihe
und der Kostalfleck sind gewöhnlich bei achilles besser
entwickelt. Bei patroklus J ist nur der erste Mittel-
fleck als blauer Fleck vorhanden oder sie fehlen ganz.
Bei achilles g' sind zuweilen alle fünf, wenn auch fein und
evtl. teilweise als blaue Flecken vorhanden, zuweilen fehlen
sie ganz. Die QQ haben stets fünf Mittelflecken, von denen
die zwei ersten in dem vorn breiteren schwarzen Arande
liegen. Die drei folgenden liegen bei achilles @ am
Rande des Blau, sind groß, scharf weiß und oft teilweise
(3 bis 5) ausgezogen, bei patroklus © liegen sie im
Blau, sind kleiner und oft teilweise blau. Auch der weiße
.
2
at
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 237
Vrandsfleck (9 1, @ gewöhnlich 3) ist bei patroklus
gewöhnlich kleiner und hinten durch blaue Bestäubung
undeutlicher. Gleichfalls ist der schwarze Vrandsfleck und
der beim © ausgedehntere schwarze Zellschluß bei achilles
stärker entwickelt. Der schwarze Wurzelteil schillert, basal
gesehen, bei achilles oft (nicht immer) dunkelblau, be-
sonders auf den Hfl., bei patroklus nicht. Das Blau
der Binde ist bei beiden ein helles, etwas weißliches, nicht
stark spiegelndes Blau, das an den Rändern und beson-
ders auf den Hfl etwas dunkler schillert und zuweilen
einen grünlichen oder dunklerblauen, selten rötlichen, Glanz
hat. Die Fransen sind wie bei allen Formen dieser Gruppe
scharf und breit schwarz und weiß gescheckt. Thorax
und Hinterleib sind bei beiden braun, oben schwarzbraun
gefärbt. Die gelbe Färbung des Körpers und der Beine
geht bei achilles mehr ins weißgelbe, bei patroklus
ınehr ins ockergelbe. Der rote Palpenlängsstreif fehlt bei
patroklus zuweilen.
Achilles und patroklus kommen ostandin bei Bo-
gotä in den tieferen Lagen von 300 bis 500 m zusammen vor
und sind dort meist gleich häufig; oberhalb von 600 m
trifft man dagegen patroklus nur vereinzelt, ich fing
nur 1 g' über 600 in 800 m. Dagegen findet sich achilles
noch häufig bis 1300 m und an geeigneten Orten wahr-
scheinlich bis 1400 m. Wie weit patroklus östlich geht,
ist zurzeit schwer festzustellen. Ich traf ihn noch ziemlich
häufig vier Fußtagereisen östlich von Villavicencio am
Rio Humea. Die kolumbische achilles-Form f. hektor
hat wie die übrigen Angehörigen dieser von Guayana
durch das Amazonasgebiet und West-Brasilien bis Paraguay
und Rio Grande verbreiteten Art eine breit schwarzbraune,
mehr oder weniger stark blau schillernde Flwurzel. Die
Arten mit metallisch blauer Flwurzel, welche wohl auch
als achilles-Formen aufzufassen sind, werden alsachiıl-
laena bezeichnet. Achillaena ist nach den Angaben
Fruhstorfers (Seitz V, S. 342) bis jetzt nur aus dem öst-
lichen Brasilien von Pernambuko bis Blumenau bekannt.
Eigentümlicherweise wird nun achilles f. hektor im
nordöstlichen Kolumbien, in dem Venezuela benachbarten
Llanosgebiet durch
12. eine derartige achillaena-Form mit metallisch blauer
Flwurzel ersetzt, diesich von peleides durch andere Flform,
viel breiterschwarzen Arand und durch die offene Subozellar-
238 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
binde der Hfluseite unterscheidet. Eine charakteristische ven-
trale uncus- Anschwellung, wie sie nach Fr. achillaena zu-
kommt, ist allerdings nicht vorhanden. Die männlichen Geni-
talien unterscheiden sich nicht von denen des achilles.
Die Unterkanten springen bei allen kolumbischen Formen
dieser Gruppe basal an dem offenen uncus-Teile etwas
seitlich vor und zuweilen auch (anscheinend bei derselben
Art in etwas wechselndem Maße) an der Uebergangsstelle
in den geschlossenen Teil auch etwas nach unten, bei
deidamia (weniger stark bei granadensis) haben sie
auch an dem hinteren geschlossenen uncus-Teile eine seit-
liche Ausladung.
Die Flform ist etwas anders als bei achilles: Vflspitze
breit rund, nicht vorgezogen, Arand der Vfl fast gerade.
Vflvrand vielleicht kürzer als bei achilles. Hfl runder.
Ich vermute, daß diese kolumbische Form schon als leon-
tius v. leontius beschrieben ist (Seitz S. 346).
Charakteristisch für diese Form, die als achilles v.
leontius bezeichnet werden könnte, sind: 1. Die bis zur
Wurzel ausgedehnte blaue Färbung der Oseite, die Flmitte
ist etwas dunkler blau als bei achilles und schillert an den
Rändern noch etwas dunkler violettblau, besonders stark auf
den Hfl hinten. Die Flwurzel ist etwas dunkler blau als die
Mitte und hat den gleichen Schiller. 2. Der breite schwarze,
vorn breitere Arand. 3. Die monotone hellgraubraune Üseite.
4. Die geringe Größe, Vfllänge 7 g'g' 53—61, Durchschnitt
59; 2 QQ 65 und 66 mm. Die distale Begrenzung des Blau
entspricht beim g' etwa der des achilles, sie verläuft
auf den Vfl vom Hrand in fast gerader Richtung aber nur
fein gleichmäßig gezackt bis r!!, und von hier in flachem
Bogen, nur wenig basalwärts einbiegend zum Vrand. Auf
den Hifl beschreibt sie einen leicht distal konvexen Bogen
und ist hier stärker, aber auch gleichmäßig gezackt. Der
tiefschwarze Arand ist bei Vfllänge 59, auf Vfl sube. V21,
r! 19, subm. 6 Hfl, sube. 2, m! 5, m!! 2 mm breit und führt
auf den Vfl eine vollständige Reihe von scharfen weißen,
vorn größeren Submflecken und proximal hiervon eine
feine graue Wellenlinie. Die Augenmittelflecke stehen
an der Grenze des Blau, sind fein, teilweise bläulich und
meist nur hinter subc. Y, r!!! und m! deutlicher. Der weiße
Vrandsfleck ist scharf. Der Vflvrand entlang der Zelle
und die Vflwurzel sind in einer Breite von ca. 3 mm
dunkelbraun gefärbt. Der Zellschluß ist im Anschluß an
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 239
den dunkelbraunen Vrandstleck fein schwarz gefärbt. Die
Useite ist basal hellgraurehbraun, distal beigegrau gefärbt.
Die Querbinden und die Randwellenstreifen fein und von
graugelber bis grauweißer Farbe, die ersteren fehlen zu-
weilen bis auf die Subozellarbinde ganz. Die rötlichen
Unterbrechungen des mittleren Hilwellenstreifens sind un-
deutlich. Die Augen sind klein. Durchmesser von vorn
nach hinten: Vfl4, 6, 5; Hfl 7, 61/,, 61/),, 5 mm. Die Iris
ist schmal (1, —?/); mm), trüb ockergelb, fein dunkelbraun
und hellgrau umringt. Pupille schwarzbraun mit grau-
rotem Kern und feinem weißen Lichtpunkt. Zuweilen ist
die Zeichnung der Useite schärfer und heller. Subozellar-
binde dann grünlich silbern, Iris hellgelb, die proximalen
Wellenstreifen deutlicher weiß. Das © gleicht dem g' mit
folgenden Unterschieden: a) Oberseite: Der dunkle Rand-
teil ist breiter und heller, mehr schwarzbraun. Randbreite
bei Vfllänge 65, Vfl sube. Y 25, r! 19, subm. 11, Hfl sube. 13,
m!13, m!!7. Die distale Begrenzung des Blau ist auf
‚den Vfl deutlicher konkav, auf r! schärfer basalwärts ge-
winkelt und stärker aber ebenfalls gleichmäßig gezackt,
auf den Hfl deutlicher konvex und nur hinten stärker ge-
zackt. Die Vflsubmflecken gleichen denen des g!, sie
stehen auf einem feinen grauen Wellenstreif, der beider-
seits von einem dunklen eingefaßt ist, und an dem sich
proximal ein zweiter grauer, aber ohne weiße Flecken,
anschließt. Die Augenmittelfiecke sind als vollständige
Reihe von 5 ziemlich großen scharfen, weißen Flecken an
der Grenze des Blau vorhanden, von denen der dritte
und vierte länglich, die übrigen rundlich geformt sind.
Der weiße Vrandfleck ist etwas größer als beim g' und
doppelt. Der schwarzbraune Vrandsfleck ist sehr groß.
Der Zellschluß schwarz. Vrand und Flwurzel ein wenig
breiter braun. Die Hfl führen eine Reihe von kleinen
roten, beiderseits von einem dunklen Wellenstreifen ge-
faßten Submflecken. b) Die Useite ist helier gefärbt, ba-
‚sal havannabraun, leicht grau getönt, distal hellbeigegrau
und etwas lebhafter gezeichnet. Augendurchmesser: Vfl
5, 7,5; Hfl 7, 7,7, 6. Thorax bei Q' und © hellbraun,
rot und ockergelbgrau gefleckt. Hinterleib braun, ebenso
‚gefleckt. Körperoseite hellgraubraun.
Ich fing diese Form in Orocu& am Rio Meta zu Ende
‚der Wintertrockenzeit (März), die dort weit ausgeprägter
ist als im Süden. Sie stellt höchstwahrscheinlich eine
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein II
„Iris zu Dresden. Jahrgang 1924
240 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Uebergangsform vor zwischen achilles und peleides,
die beide nach meinen Beobachtungen dort fehlen. Der
g' besucht Kot, Jg’ und © Früchte.
13. Peleides Koll. (Seitz, S. 343) findet sich in Kolumbien
in 4 sich gegenseitig ausschließenden Formen westlich der
Ostanden, hiervon 2 im Magdalenatale, 1 im Kaukatale
und 1 an der pazifischen Küste. Die letztere weicht am
meisten ab durch eine schwarze, dunkelblau schillernde
Flwurzel, während die 3 anderen eine blaue, nur leicht
verdunkelte Flbasis besitzen.
Im mittleren und südlichen Magdalenatale findet sich
13a v. peleides (Seitz, 5. 345).
Der g'! hat ein gleichmäßig helles Blau mit etwas.
dunkler schillernder Flwurzel und mit tief schwarzem,
relativ schmalen Arand aller Fl. Letzterer verbreitert sich
auf den Vfl nach vorn und springt dort auf den Adern in
fünf nach vorn an Länge zunehmenden Zacken (2—5 mm
weit) proximal vor, auf den Hfl ist er im ganzen breiter
und gleichmäßiger schwarz und regelmäßiger gekerbt.
(Randbreite bei Vfll. 68; Vfl sube. V 11, subm 9, Hfl subc. 9,
m!! 5 mm.) Die Vfl führen die in dieser Gruppe üblichen mitt-
leren Submflecken als eine Reihe kleiner Flecken, von denen
gewöhnlich nur die fünf ersten deutlich und weiß, die
folgenden undeutlich und grauweiß sind, die Hfl nur die
zwei roten Änalflecken. Von den Augenmittelflecken ist
gewöhnlich nur der vorderste als kleiner weißer Fleck
vorhanden. Kostalfleck klein, scharf, weiß. Vflvrand vor
Zelle graublau, an der vorderen Zellecke dreieckig
schwärzlich. Die Useite ist meist dunkelbraun, kirschbraun,
in der distalen Hälfte vielfach grauweiß bestäubt und ge-
wöhnlich fein und scharf gezeichnet. Iris meist schmal
ockergelb, fein schwarz und grün geringt, mit schwarzer
Pupille, verschieden großem gewöhnlich hellrotbraunem.
Kern und kleinem weißen, zuweilen blau angelegten Licht-
fleck. Zuweilen ist die Zeichnung breiter und heller und
auch die Iris kann hellgelb sein. Augendurchmesser Vfl 6,
8, 6, Hil 91/,, 7, 71/,, 5'!/, mm. Thorax dunkelbraun, Hinter-
leib braun. Oseite graubraun. Zeichnung ockergelb. Die
blaue Färbung der Öseite des Q@ hat einen ähnlichen Ton
wie die des g', sie reicht auf den Vfl bis nahe an die
Submflecken und ist hier in ähnlicher Weise begrenzt.
Der Arand ist breiter und mehr schwarzbraun gefärbt.
(Randbreite bei Vfllänge 78; Vfl subc.V 18, subm 8, Hfk
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 241
subc. 16, m!! 11 mm. Im Rande drei Wellenstreifen, auf dem
mittleren und proximalen derselben je eine Reihe mittel-
großer Submflecken, die mittleren auf den Vfl weiß, auf
den Hfl rot, schwarz gefaßt, die proximalen auf den Vfl
grauweiß auf den Hfl grau. Augenmittelflecke — fünf
deutliche runde Flecke im Blau, nur der erste groß, die
anderen klein. Kostalflecke = zwei viereckige, mittelgroße
weiße Flecken. Vflvrand graubraun mit großem dreieckigen
schwärzlichen Vrandsfleck vor Zellende. Useite gewöhnlich
etwas heller als beim g', kaffeebraun, distal oft weißlich-
graubraun. Augendurchmesser Vfl 81/,, 9, 8, Hfl11,9,9,8 mm.
Vfllänge 31 gg! 601/,—75, Durchschnitt 68, 13 O9 66— 81,
Durchschnitt 73 mm. Bei Muzo beobachtete ich eine copula
am 22. September 1915 um 11!/, Uhr. Das Pärchen saß
auf einem Ast in 3 m Höhe, Rücken an Rücken. Pe-
leides geht im Magdalenatale bis 1400, ja mehr im Süden
bei Neiva bis 1600 m.
13b. Eine sehr ähnliche peleides-Form, wahrscheinlich
v. cortone Fruhst., findet sich im nördlichen Magdalenatale
und speziell in der Umgebung und den Vorbergen (bis etwa
1000 m) der Sierra Nevada de Sa Marta, wo sie und rho-
dopteron die einzigen Morphoarten waren, die ich über-
haupt beobachtete.
Bei dieser Form ist der schwarze Arand bei g' und ©
deutlich breiter (Randbreite g' Vfll. 66, Vfl subc.Y 14, subm 5,
Hfl subc. 10, m! 5; © Vfll. 78, Vfl subc. 21, subm 10, Hfl
subc. 16, m! 14 mm. Das Blau ist im allgemeinen etwas
heller und reicht beim © nur bis an die weißen Augen-
mittelflecken (bei allen anderen weiblichen kolumbischen
peleides-Formen über diese hinaus), wo es mit einer distal
konkaven, schwach gezackten Grenze abschließt. Der
schwarze Vrandsfleck ist größer und reicht beim © bis
zur hinteren Zellecke (bei peleides © nur bis zur
Hälfte von dz. I). Auch die weiße Zeichnung ist, wie
anscheinend bei allen mehr nördlichen peleides-Formen
stärker ausgeprägt und besonders beim ©. Submilecke,
Mittelflecke und Vrandflecke sind größer, heller und voll-
ständiger. Der zweite und dritte Mittelfleck sind beim ©
länglich ausgezogen. Die Useite ist meist ebenfalls etwas
heller, basal kaffeebraun, distal graubraun (hell neubraun)
und breiter und lichter gezeichnet. Doch zeigten die Exem-
plare, die ich dort im Oktober nach einer längeren Trocken-
zeit fing, große Verschiedenheiten in der Färbung und
242 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Zeichnung der Useite. Diese nördliche im ganzen. von
f. peleides wenig abweichende Form dürfte wohl mit der
für Kolumbien beschriebenen f. cortone identisch sein.
Vfllänge 8 g’g! 58—70, Durchschnitt 63, 3 Q9 70, 71, 78 mm.
13c. Die Kaukaform, wahrscheinlich v. telamon Röb,.,
weicht in mancher Hinsicht ab.
Das Blau ist bei J' und © etwas dunkler getont mit
stärkerem mehr violettblauen Schiller. Die distale Be-
grenzung des Blau ist auf allen Fl gleichmäßiger. Der A-
rand ist viel heller grauschwarz gefärbt, schmäler und
gleichmäßiger breit. Besonders beim g' ıst er sehr schmal,
fast gleich breit und vorn nur sehr kurz und stumpf ge-
zähnt. Randbreite bei g' Vfllänge 70, sube.V 7, subm 5,
Hfl sube. 6, m!! 6, bei @ Vfllänge 75, die gleichen Maße:
11, 5, 11, 11 mm. Der g' hat eine vollständige Reihe
ziemlich großer, aber undeutlich grauweißer mittlerer Subm-
flecken und distal daneben einen gleichen Wellenstreif.
Die Mittelflecke fehlen ganz und anstatt des weißen bzw.
schwarzen Vrandfleckens findet sich nur je ein sehr kleines,
ganz verloschenes, bläulich weißes bzw. bläulichgraues
Fleckchen. Der Vflvrand vor Zelle ist etwas heller als
bei peleides, bläulichgraubraun. Das © hat die gleiche
Zeichnung wie peleidesQ, nur ist das Weiß etwas grau
getönt und die Vrandsflecke sind kleiner und undeutlicher.
Die Useite hat bei g’Q eine hellere mehr rötlichgraubraune
(2 havannabraune) Grundfarbe, die besonders distal vielfach
heller als basal und hier zuweilen hell graubraun ist (©
Vfl beige). Die Zeichnung ist vielfach etwas matter, mehr
grauweiß, seltener grünlich statt weiß. Augendurchmesser
I (70), Vfl 6, 7, 7, Hfl 10, 7, 8, 7 (4); © (75) Vfl, 6, 6, 54,
Hfl 9, 7, 7, 6 mm.
Vfllänge 7 g'9' 63—75, Durchschnitt 68, 1 @ 75 mm.
Der Arand ist stärker gewellt als bei f. peleides und
dıe Vflspitze ist (soweit sich dies an schon gespannten
Exemplaren feststellen ließ) etwas stärker vorgezogen.
Thorax und Hinterleib dunkelbraun, Oseite graubraun,
Zeichnung trübockergelbgrau. Die hier angegebenen Merk-
male stimmen — vielleicht abgesehen von den im Seitz
angeführten etwas unklaren Angaben über Flform — mit
der für das Kaukatal beschriebenen Morphoart vitrea
f.telamon überein (Seitz, S. 346) und da ich im Kauka-
tale überhaupt nur diese peleides-Form als einzige
Morphoart traf, möchte ich annehmen, daß sie hiermit
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E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 243
identisch ist. Sie würde dann zweckmäßig als peleides
v.telamon bezeichnet.
13d. v. chocoanus (makrophthalmus?). Die peleides-
Form der pazifischen Küste zeichnet sich einerseits durch
die tiefschwarze, stark dunkelviolettblau schillerndeFlwurzel
der Oseite, andererseits durch eine sehr lebhaft und reich
gefärbte Useite aus.
Das Blau der Oseite ist etwas heller und glänzender
als bei f. peleides und schillert etwas mehr in das grün-
lich- bis weißblaue hinein. Beim g' entspricht die proxi-
male Grenze der blauen Querbinde etwa der von achilles,
nur verläuft sie zwar auch in gerader Richtung aber etwas
mehr schräg nach hinten außen. Die distale Grenze ent-
spricht etwa der von f. peleides. Hinten endet die Binde
spitzer als bei achilles, etwas vor med.!. Der tiefschwarze
Arand ist ähnlich wie bei f. peleides gezackt und hat
bei Vfllänge 69 auf Vfl subc.’ 12, subm. 5, Hfl sube. 12,
med.!! 4 mm Breite. In ihm finden sich auf den Vfl 3, auf
den Hfl 2 grauweiße Wellenstreifen. Auf den Vfl führt der
mittlere eine vollständige Reihe von scharfen weißen mittel-
großen Submflecken, auf den Hfl eine Reihe von roten.
Die Vflmittelflecken sind als vollständige Reihe von fünf
kleinen weißen, auch im Blau gut erkennbaren Fleckchen
vorhanden. Ein mittelgroßer weißer Vrandsfleck. Zellschluß
im Anschluß an die schwarze Flwurzel bis r!! schwarz.
Useite tiefschwarz bis tief kirschbraun. Distal kaum helier.
Augen meist sehr groß. Durchmesser (69) Vfl 9'/,, 94/,, 91a.
Hfl 13, 10, 11, 10. Iris z. schmal (Vfl. ta. 1 mm, Hfl ca. !/,
bis 3/), mm) scharf, gelb, tiefschwarz und silbergrün ge-
faßt. Pupille tiefschwarz mit großem braunroten Kern und
scharfen weißen Lichtpunkten. Subozellar- und Wurzel-
binden scharf silbergrün. Die drei Randwellenstreifen scharf,
breit, scharf schwarz geteilt, auf den Vfl die distale ocker-
gelb, die zwei proximalen weiß, die mittlere ockergelb
geteilt, auf den Hfl die distale grauweiß, ockergelb geteilt,
die mittlere weiß, breit rot geteilt, die proximale weiß.
Besonders die Vfl, auf denen sich breite weiße Zeich-
nungen zwischen der Augenreihe und dem Zellende sowie
zwischen den Augen selbst finden, und wo die Zellend-
querbinden sowie die Vorderrandsflecken zuweilen gelb statt
weiß sind, sind dann oft sehr bunt. Mehr im Süden finden
sich dann auch Exemplare mit matter gezeichneter Useite
unter den anderen. Körper schwarzbraun. Zeichnung leb-
244 Deutsche Entomol. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
haft hell ockergelb bis weißgelb. Beim © ist die blaue
Binde schmäler als beim g', auf den Vfl mehr weißlich-
blau und im ganzen mit dunklerem Schiller. Arand und
Wurzel sind breiter schwarz. Die proximale Bindengrenze
geht auf den Vfl etwas basal vom Ursprung m! durch die
hintere Zellgrenze (beim g! etwas distal vom Ursprung m).
Die distale Grenze liegt auf den Vfl etwa in der Mitte
zwischen Mittelflecken und Submflecken und ist hier deut-
lich und gleichmäßig gezackt, auf den Hfl gleichmäßig
gewellt. Die Randbreite beträgt bei Vfllänge 73%/,, auf Vfl
subc.V 19, subm. 10, Hfl sube. 13, med.!!4. Alle Fl führen
zwei Reihen Sbmflecken auf helleren, schwarz getrennten
Wellenstreifen, eine proximale von undeutlichen grauweißen,
nur auf Vfl vorn weißen, und eine mittlere vorn auf den
Vfl weißen, auf den Hfl roten Submflecken. Auf den Vfl
findet sich noch wie beim g' ein dritter undeutlicher, di-
staler hellerWellenstreifen. Fünf ziemlich große runde weiße
Mittelflecken, von denen der vorderste viel größer ist. Zwei
mittelgroße, scharfe, weiße Kostalflecken. Zellschluß ganz
schwarz, Useite schwarzbraun, distal mehr graubraun.
Körper unten dunkelbraun, oben mehr schwarzbraun.
Zeichnung scharf und hell ockergelb.
Diese pazifische peleides-Form ist wohl zur limpida-
narcissus-Gruppe von Panama, Kosta Rika zu stellen, wenn
auch die Weißzeichnung der Öseite etwas zurückbleibt. Die
pazifische Fauna hat ja überhaupt stärkere Verwandtschaft
mit Mittelamerika als z. B. das Magdalenatal unter gleichen
Breitengraden. Möglicherweise ist auch die im Nachtrag
von Seitz S. 355 beschriebene patroklus-Form ma-
krophthalmus vom San Juan hier unterzubringen. Der
San Juan und der Atrato sind die beiden Hauptflüsse des
Chocogebietes (Nordwest-Kolumbien).
Deidamia und granadensis sind seltener als die
bisher besprochenen Arten der achilles-Gruppe, von
denen achilles und peleides in Kolumbien die häu-
figsten aller Morpho sind. Die Unterschiede zwischen
deidamia, granadensis einerseits und der engeren
achilles-Gruppe andererseits sind nicht sehr groß und
noch am deutlichsten in den männlichen Genitalien aus-
gesprochen.
Der uncus hat einen deutlich abgesetzten Endhaken
und seine Unterkanten sind hinten bei deidamia seitlich
stark verbreitert, bei granadensis nur schwach. Das
EEE EEE RER ERLERNEN
'E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 245
Valvenende ist reichhaltiger gezähnt, deidamia hat oben
einen größeren Eckzahn, dann einen dreifachen Zahn und
darunter zahlreiche feine Zähne in zwei Reihen, grana-
densis hat weniger, ca. 7 gleich lange feine Zähnchen
und evtl. darüber einige Nebenzähnchen. Das Spangenende
ist bei granadensis deutlich zweispitzig.
In Kolumbien findet sich die
14. deidamia-Form hermione Röb. (Seitz, S. 347) und
zwar nur östlich der Ostkordillere und nur in den tieferen
Lagen etwa von 300 bis 600 m, oberhalb von 600 m habe ich
kein Exemplar gefangen. Weiter östlich in den Llanos am Rıo
Humea, wo ich dreimal einige Wochen weilte, traf ich sie
häufiger als am Gebirgsfuße. Der Flug ist, wie schon er-
wähnt, regelmäßiger und grader als bei achilles, daß er
flacher und an und für sich schneller ist, fiel mir nicht auf. Vfl-
länge 34 gg! 68—76, Durchschnitt 70%/,, 11 QQ 76—86,
Durchschnitt 83mm. Deidamia v.hermione zeichnet
sich aus durch deutlich ausgezogene Vflspitze und durch
die breite blaue Binde der Oseite.
Beim g' ist der Arand tief schwarz und die Flwurzel
tief schwarzbraun, letztere schillert in der Nähe der Binde
etwa zur Hälfte dunkelviolettblau. Das Blau ist etwas
dunkler als bei achilles und schillert im ganzen und
besonders an den Rändern noch dunkler und etwas violett-
blau. Die basale Grenze des Blau entspricht etwa der
des patroklus, nur beschreibt sie auf den Vfl vorn
zwischen Ansatz m!! und vorderer Zellecke einen starken
Bogen nach außen, die distale der eines schmalrandigen
peleides, die letztere ist nur auf den Vfl vorn deutlich
gezackt, sonst nur schwach gewellt. Breite des schwarzen
Randes bei Vfllänge 74, auf Vfl subc.V 23, r!!! 6'/,, sbm. 4;
Hfl subec. 101/,, r!6,m!!4 mm. Hinten auf den Hfl be-
rührt die blaue Binde m!! in einer Ausdehnung von ca.
15 mm. Von den Vflsubmflecken sind nur die zwei ersten
als kleine weiße Fleckchen deutlich, dahinter liegen einige
feine undeutliche Punkte. Die Hfl führen zwei rote, schwarz
gefaßte und zuweilen blau angelegte Analflecken. Von den
Augenmittelflecken ist nur der erste als blaues Fleckchen
vorhanden. Der weiße Kostalfleck ist mittelgroß und deutlich.
Die Useite ist durch starke Entwicklung der silbrig weißen
zuweilen etwas grünlichen oder gelblichen Querbinden
besonders in den Zellen charakterisiert, außerdem dadurch,
daß (bei granadensis ebenfalls) der rotbraune Augen-
246 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1994.
kern anscheimend stets fehlt. Die Hflsubozellarbinde ist
zwischen r!! und r!!! in langer scharfer Spitze geschlossen
und die drei hinteren Hflaugen bilden einen nach außen
schwach konvexen Bogen. Iris gelb-hellockergelb, schwarz
und silberweiß gefaßt. Lichtpunkte scharf bläulichweiß.
Augendurchmesser Vfl. 10, 91/,, 8Y/s; Hfl 10, 81/,, 71/,, 61/,,
3 mm (zweites Zusatzauge hinter m!!). Kleine Zusatzaugen
hinter r! und m!! kommen öfter vor. Verminderung der
Augenzahl habe ich nicht beobachtet. Distal der zwei letzten
Augen findet sich beiderseits m!!ein großer weißer, an-
scheinend auch charakteristischer (für deidamia und
granadensis) Doppelfleck. Die drei hellen Submwellen-
streifen sind scharf und breit, die zwei proximalen, von
denen der äußere eine Reihe roter Flecken führt, silbrig
weiß, der distale mehr oder weniger bräunlichgelb. Zwischen
ihnen liegen zwei braune, auf den Vfl hellere Wellenstreifen.
Die (Grundfarbe der Useite ist ein dunkles Kastanienbraun,
das auf den Vfl distal meist heller, etwas graubraun ist
(zuweilen nur als streifige Aufhellungen auf den Adern
aller Fl). Palpen ohne oder mit schwachgelbem Längsstreif.
Körper braun. Zeichnungen scharf gelbweiß.
Das © hat auf der Floseite eine etwas hellere reh-
braune, auf den Vfl distal graubraune Grundfarbe und eine
viel schmalere blaue Binde (Bindenbreite bei Vfllänge 84
auf Vflm!ca.22 gegen g', Vfllänge 74, 25 mm, Hfl r!!!19
gegen 22 mm). Die basalen Bindengrenzen entsprechen
denen von achilles ©. Die distalen Grenzen verlaufen
auf Vfl und Hfl in leicht konvexem Bogen, auf den Vfl vom
weißen Kostalfleck aus am dritten Mittelfleck vorbei, den
vierten und fünften einschließend. Breite des schwarzen
Randes auf Vfl subc.V 33, rl! 15, sbm 9, Hfl sube. 13, r!!9,
m!6 mm. Das hintere Bindenende erreicht gewöhnlich
m!! nicht. Alle Fl führen im Rande drei helle graue Wellen-
streifen und die Vfl auf dem proximalen und dem mittleren
zwei Reihen weißer Submflecken, welche abgesehen vom
ersten klein und nur in der proximalen Reihe vollständig,
in der mittleren hinten undeutlich sind. Auf den Hfl stehen
zwei rote, schwarz gefaßte Analflecken. Die Vflmittelflecken
sind vollständig, groß weiß, länglich oval und zuweilen
teilweise distal zweispitzig. Zwei ziemlich große weiße Kostal-
lecken. Die Useite hat eine etwas hellere Grundfarbe als
beim g' und ist noch breiter und heller weiß gezeichnet
als dieser. Der Vorsprung der Hflsubozellarbinde ist zu-
„ = a u a Da u ee Ste ee ie
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 247
weilen bis an die Randwellenstreifen verlängert. Augen-
durchmesser Vfl 111/,, 11, 10; Hfl 12, 11, 10, 9 mm. Palpen-
und Körperzeichnung wie beim g'.
Ich besitze ein nicht von mir gefangenes deidamia Jg!
Exemplar aus Ekuador, das in mancher Hinsicht von der
kolumbischen f.hermione abweicht und wohl zur f. briseis
(Seitz S.348) von Peru gehört. Die Vflspitze ist viel weniger
ausgezogen, der Vflarand ist stärker konkav und stärker
gewellt, die Hfl sind hinten etwas länger.
- Die blaue Binde ist etwas heller gefärbt und auf den
Vfl vorn durch distale Abschrägung, auf den Hfl hinten
durch proximale verschmälert und hier auch verkürzt, in-
folgedessen ist der schwarze Arand vorn bei Vfllänge 72
bei f. r!! um ca. 7mm breiter, der dunkelbraune Wurzelteil
hinten auf m! um ca. 9mm breiter. Auf den Vil verläuft
die basale Bindengrenze vorn etwas gerader. (Binden-
breite Vfl r!! 19, m! 24, Hfl subec. 24, r!! 24, m! 17. Rand-
breite Vfl sube.V 23, r!!! 13, sbm. ca. 5, Hfl sube. 7, r!! 5,
m! 31/,.) Auf den Hfl reicht die blaue’Binde nur wenig
über m! hinaus. Die weiße Zeichnung entspricht der von
f. hermione. Der Wurzelteil schillert nur auf den Vil
und auch hier nur in nächster Nähe der Binde schwach
dunkelblau.
15. Granadensis Fldr. (Seitz, S. 346) ist in vielen Bezie-
hungen von deidamia f. hermione verschieden: Grana-
densis ist kleiner: Vfllänge: Magdalena? g'g' 62—65, Durch-
schnitt 64:/,, pazifische Küste 14 g'g' 63—69, Durchschnitt 66,
6 QQ9 64—75, Durchschnitt 70!/), und hat eine etwas ab-
weichende Flform: Die Vflspitze ist weniger ausgezogen,
der Vflarand grader, die Hfl sind runder und stärker
gewellt, außerdeni sind manche Unterschiede im Bau der
männlichen Genitalien (siehe oben) sowie in der Zeichnung
vorhanden. Trotzdem scheint mir für die Beurteilung der
Artberechtigung bei der großen Veränderlichkeit mancher
Morphoarten — und in dieser Hinsicht erreicht deidamia
fast achilles — der Umstand, daß beide sich vertreten,
maßgebender zu sein. Oestlich der Ostkordillere traf ıch
nur deidamia und westlich derselben nur granadensis.
Es erscheint einfacher, ingranadensis den westlichen
Vertreter von deidamia zu sehen. Bemerkenswert ist,
daß hinsichtlich des Blaus der Flwurzel die Abänderung
nach Westen zu im gleichen Sinne vor sich geht wie beı
achilles-peleides, insofern die Magdalenaform von
248 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
granadensis eine rein hellblaue Flwurzel hat, die nur
bei gewissem Reflexionswinkel etwas dunkler blau schil-
lert — analog peleides f. peleides —, während die
pazifische Form wieder — ähnlich peleides v. choco-
anus — eine stark verdunkelte Flwurzel besitzt, die beim
g' fast allseitig ‘ schwarzblau - dunkelviolettblau schillert
und nur bei ganz bestimmtem Betrachtungswinkel —
basal gegen das Licht gesehen größtenteils schwarzbraun
erscheint, und beim © schwarzbraun ist mit stahlblauem
Schiller. Die basale Bindengrenze fehlt also bei den Mag-
dalenaexemplaren (bezüglich des @, das ich nicht fing,
vergleiche Seitz, S.347) und ist bei den pazifischen Exem-
plaren beim g' nur annäherungsweise zu erkennen, beim
© aber vollständig deutlich vorhanden und entspricht in
ihrem Verlaufe dem von deidamia f.hermione. Der
schwarze Arand ist im allgemeinen und besonders bei der
Magdalenaform etwas breiter als wie bei f.hermione,
bei der pazifischen Form verläuft die distale Bindengrenze
auf den Vfl etwas schräger, sodaß hier der Arand vorn
etwas breiter, hinten etwas schmäler ist. Der schwarze Arand
des Hfl ist bei den pazifischen g'g' nur wenig, bei den Magda-
lena g'g' deutlich breiter als beihermione. Imübrigen ver-
läuft die distale Bindengrenze ähnlich f.hermione, viel-
leicht beim g' im ganzen gleichmäßiger und zwischen den
Adern etwas deutlicher gezackt.
Die Breite des schwarzen Arandes verhält sich z. B.
beim g' deidamia (69); granadensis Magdalena (65);
granadensis pacifica (66) auf Vfl r! wie 11:14:16 mm,
auf r!!! wie 61/,:7:7, auf subm. wie 41/,:5:2%/,, auf Hfl
subce. wıe 7:10:7, auf r!! wie 5:10:7, beim @ deidamia
(755): granadensis pacifica (75) auf Vfl r! wie
23:26 mm, auf rl!!! wie 14:19, auf subm. wie 9:5, auf
Hfl sube. wie 12:16, auf r!! wie 10 : 14, auf m! wie 5:13.
Bei denselben ©9© verhält sich die Breite der blauen Binde
auf Vfl r!!! wie 25:15, auf subm. wie 23:25, auf Hflsube.
wie 25:20, auf m! wie 26:12. Das hintere Bindenende
erreicht bei den pazifischen g'g! auf den Hfl gew. eben
die Ader m!!, bei den pazifischen QQ und den Magdalena-
exemplaren reicht es, ähnlich f. hermione nur bis etwa
halbwegs m! bis m!!. Granadensis g' hat auf den Vfl
zwei Reihen kleiner Submflecken, von denen jedoch distal
nur die ersten vier, proximal nur die ersten drei deutlich
und weiß sind, ferner vorn einen deutlichen weißen, runden
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 249
Augenmittelfleck, sowie einen kleinen, durch blaue Be-
stäubung etwas unscharfen Kostalfleck. Bei den Magdalena-
exemplaren ist die weiße Zeichnung etwas stärker ent-
wickelt. Beim pazifischen © entspricht die weiße Zeichnung
der Oseite im ganzen der von f.hermione, nur sind
die Augenmittelflecke mit Ausnahme des ersten und dritten
feiner und teilweise blau. Der Kostalfleck ist kleiner und
meist einfach, der zweite durch blaue Bestäubung mehr oder
weniger undeutlich. Auf den Hfl sind die Submwellenstreifen
mehr rötlichgrau gefärbt und auf dem proximalen treten
zuweilen undeutliche kleine weiße Submfleckchen auf. Die
Useite hat zwar die weiße Zeichnung in ähnlicher reicher
Entwicklung wie deidamia, nur viel feiner, weicht aber
- sonst vielfach ab. Im ganzen kommt der rötliche Farbenton
mehr zum Vorschein. Die Grundfarbe ist rötlichschwarz-
braun, am Magdalena kastanienbraun, am stillen Ozean J’Q
tief kirschrotbraun, die Iris ist matt ziegelrot, nur bei einem
pazifischen © bräunlichgelb wie bei f. hermione. Der
äußere Umfassungsring der Augen mehr oder weniger grau-
rot. Das Hflapikalauge ist rel. groß. Die übrigen kommen sich
untereinander an Größe mehr gleich wie bei deidamia.
Augendurchmesser Magdalena g' 65, Vfl 94/,, 9, 8, Hfl 11
OU 91L 8, pazif.g' 66, Vfl.11, 10, 9, Hfl 13%/,, 10, 101,,
DESSEN El 12,,11,°10,) Hifl’ 13, 9,10, 9. Die drei
letzten Hflaugen stehen in gerader Linie und ebenso wie
die zwei letzten Vflaugen so dicht, daß an der Berührungs-
stelle der schwarze Umfassungsring gew. verschmilzt oder
fehlt. Lichtfleck gleich f. hermione: scharf, fein und
bläulichweiß. Der weiße Fleck zwischen Vflauge eins und
zwei ist wie bei hermione groß, scharf und lang und
vielfach mit der Subozellarbinde verbunden. Der weiße
Fleck distal der zwei letzen Hflaugen ist ebenfalls vor-
handen aber kleiner. Zusatzaugen sind selten, nur bei
einem pazifischen © ein viertes Vflauge hinter subc.’, von
3 mm Durchmesser (cf. ferner Abbildung Seitz Tafel 71 b
ein fünftes Hflauge hinter m!!). Die Querbinden sind silbrig-
grün bis gelblich (bes. beim ©). Die Zeichnung am Vil-
zellende und hinter der Zelle ist vielfach rötlichbraun. Die
Submwellenstreifen sind scharf gezeichnet. Auf den Vil
sind die beiden proximalen gelblichweiß, zwischen den
Adern scharf weiß geteilt, der distale ist bräunlichgelb.
Von den Zwischenstreifen ist der distale schmal und dunkel-
braun, der proximale breit und hellbraun, zwischen den
250 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924,
Adern dunkel geteilt. Auf den Hfl ist der proximale weiß-
gelblichweiß, der mittlere breit und zinnoberrot, auf den
Adern gelblichweiß geteilt, der distale schmal und graurot-
graugelb. Die Zwischenstreifen sind dunkelbraun, der
distale schmäler und dunkler. Palpen mit deutlichem roten
Längsstreif. Körper: Magdalena g' braun, oben graubraun
mit ockergelber Zeichnung. Pazifisch g'Q schwarzbraun
mit tiefer und scharfer ockergelber Zeichnung. Grana-
densis pacifica ist wohl identisch mit granadensis
v.Iykanor von West-Ekuador, obwohl bei letzterer nach
Seitz der schwarze Arand breiter sein soll als bei grana-
densis Magdalena.
Die Morphiden Südamerikas bilden eine zusammen-
hängende Gruppe, die durch den Bau des Körpers und
der männlichen Genitalien, durch die offene Hflzelle und
die Zeichnungsanlage wohl genügend charakterisiert ist.
Andererseits weichen sie aber untereinander doch so ab, daß
es nahe liegt, sie in Unterabteilungen zu gliedern. Da die
ersten Stände noch wenig bekannt sınd, hat man hierzu
teils die Farbe der Oseite (Schatz), teils die Flform (God-
mann & Salvin), teils außerdem noch das Adersystem und
den Bau der männlichen Genitalien (Fruhstorfer) benutzt.
Fruhstorfer zweigt die hekuba (iphimedeia-Gruppe) von
der übrigen eigentlichen Morphogruppe ab. Prüft man diese
vier Momente nach, so findet man, daß zunächst 1.
die Flform und 2. die Färbung der Öseite in ziemlich
weitgehendem Maße bei ein und derselben Art veränderlich
sind, man vergleiche z. B. perseus von Surinam mit dem
von Kolumbien, rhetenor v.rhetenor mitv. cazica,
v.helena, v. cypris, sulkowskyi mit rhodopteron,
achilles mit peleides, die verschiedenen Arten von
peleides oder deidamia unter sich usw. Viel charak-
teristischer ist hier schon wie bei den meisten Tagfaltern
die Zeichnung der Useite. 3. Was den Bau der Vflzelle
anbetrifft, so zeichnet sich hier besonders die achilles-
Gruppe dadurch aus, daß dz. Il: 1. meist sehr lang ist und
stets länger als dz. III (meist sogar in grader Linie ge-
messen, z.B. dz.Il:dz.Ilachilles g' 61/, :5'/%,, 9 61, :6,
patroklus JI 7',:4 9 8:5, peleides gi 5, v5,
© 7:6, deidamia gi 51%:44,, 2 6'/,:5%/,, catenarius
g'5:5 mm), 2. nach der distalen Seite stark konkav und
vorlaufend ist, so daß die Zelle hinten an der vierten Spitze
(Abzweigung r!!!') beträchtlich (ca. 5—6 mm) länger ist als
E. Krüger, Die Morphiden Kolumbiens, 251
vorn an der zweiten (Abzweigung r!). Die vierte Zell-
spitze liegt gewöhnlich ca 1 mm (?/,—1!/,) weiter als die
dritte (Abzweigung r!)). Dz. 1 ist kurz, !/,—1 mm, dz. II
gewöhnlich stark distal konvex. Ferner verschmälert sich
die Zelle gegen das Ende etwas, so daß sie bei Abgang
subc.!! gemessen etwa !/; mm schmäler ist als bei Abgang
m!. Bei allen übrigen Arten (untersucht wurden außer den
kolumbianischen noch aega, anaxibia, aurora, cate-
narıus) mit Ausnahme der menelaus-Gruppe ist dz. II:
1. beim 9" fast stets, beim © meist kürzer als dz. III oder
grade so lang (dz. II: dz. III bei theseus v. theseus Jg!
nr 0, v.juturna gb’ 6 mm, © 39/58,
Bere Surmam 91 515.5, 9 48/, 4%, vw.iphiklus
ae 6,5%,, aeda geaird, adonis J Al, id:
Q 41/,:4, sulkowskyi g' 31/,:51/,, © 3:5, rhodopteron
O 215.5, aurora g' 31/,:5,rhetenor v. cazica J' 33/,—4:4,
Beeypris gi 4,5, © 51,75, ananibia:f
51/, :51/, mm), 2.nur schwach konkav-grade und mehr quer
gestellt, so daß die Zelle an Spitze vier nur wenig länger
ist als an Spitze zwei (z.B. aega J' 1, adonis gi 24,
05, sulkowskyi g’Q !',—1, rhodopteron g', aurorag',
PIrseus ww. uturna Q' 23/,)0°1',,'theseus'v. theseus
Denezzperseus Surinam G 31, O5, perseusv.
ern ru: 52,05, rhetenor Jg ca. 17), O3,cyprisd
21), Q3, ananıbia g' 3!/, mm). Zellspitzen drei und vier
sind gewöhnlich gleich lang oder vier ist !, mm kürzer.
Der Zellschluß im ganzen ist infolgedessen ein mehr grader
und querer. Dz.1I ist etwas länger, 1-2 mm lang. Dz. Ill
weniger stark konvex. Die Zelle verschmälert sich gegen
das Ende wenig oder gar nicht. Sehr schwankend sind alle
diese Maße bei der eine Art Uebergang bildenden mene-
laus-Gruppe. Dz. II ist gewöhnlich kürzer als III, schwach
konkav (besonders bei amathonte), zuweilen aber auch
länger und dann stärker gebogen (besonders bei v. mene-
laus) (z.B. d2.1i : dz.]ll bei je 3 Exemplaren g' mene-
Bermenkelaus T:21,7:6,6:51,, v.octidentalis
Em Tv. amathonte Magdalena’9T,
Br Cchoch, 520, 6:7, 7:6 mm). Die "Ditferenz
zwischen Zellspitze vier und zwei schwankte bei v. mene-
laus zwischen 3 und 5, bei v.occidentalis zwischen
21, und 5, bei v. amathonte Magdalena 3—6, Choco
5-7 mm. Dz. I ist gewöhnlich lang 1',—2 mm, zuweilen
kürzer (besonders v. menelaus) 1- ®/,—!/, mm. Dz. Ill
252 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
deutlich konvex und gewöhnlich lang. Die Zelle ver-
schmälert sich gegen das Ende ziemlich regelmäßig um °?/, mm.
Die männlichen Genitalien sind zwar nach demselben
System gebaut, differieren im einzelnen aber stark.
Die Valven sind breit und lang, ohrenförmig und dünn,
am Ende vielfach, jedoch nicht immer gezähnt, im übrigen
meist unbewehrt (Ausnahme adonis). Der uncus ist mit
Segment IX verwachsen, basal breit, dann schnabelförmig
gebogen, hohl, meist mit vorspringenden Kanten und End-
haken. Der Halbring ist in Form von zwei seitlichen
Spangen vorhanden, die sehr verschieden geformt und
vielfach bedornt sind. Der penis ist nackt oder mit zwei
seitlichen Stacheln versehen, von denen der linke ge-
wöhnlich größer ist. Außerdem findet sich noch außen
seitlich der Valven in der Tasche zwischen ihnen und
Segment VII ein wahrscheinlich ausstülpbares Duftorgan,
bestehend in einem Büschel von langen weißen nach Va-
nille duftenden Haaren. Bemerkenswert ist, daß die ver-
wandten Amathusiiden (wenigstens Amath. phi-
dippus) gleichfalls dieses Duftorgan besitzen. Außerdem
führen die Amathusiiden noch seitlich an den Aseiten
der Segmente IV—VIII des Hinterleibes fünf lange und
breite, nach hinten gerichtete Haarpinsel, von denen der
letzte das Duftorgan verdeckt. Auch die eigentlichen
männlichen Genitalien von Am. phidippus sind meiner
Ansicht nach im Bau denen der Morphiden verwandt:
der hakenförmige, lange und ziemlich flache, vorn breite
uncus mit deutlichen Oberkanten, die ohrenförmigen, an
der oberen Ecke in einen fast zahnförmigen Fortsatz aus-
laufenden Valven, der lange, dünne, röhrenförmige penis.
Abweichend sind: die Gabelung des uncus-Endes und das
Fehlen der Seitenspangen. Bei einer Einteilung der Mor-
phiden nach den männlichen Genitalien muß man berück-
sichtigen, daß sowohl die Bezähnung der Valven, wie die
Form des uncus (Hervortreten der Kanten, Endstachel)
schon bei nahe verwandten Arten ziemlich beträchtlich
schwankt. Am meisten begründet erscheint mir eine
Einteilung nach der Form der Seitenspangen und der
Bestachelung des penis. Es würde sich dann folgende
Gruppierung ergeben:
A. Halbringspangen schmal, stabförmig, nackt.
Penis unbestachelt. Uncusende schmal, unten geschlossen.
E. Krüger, Die Morphiden Kolumbiens. 253
I und II. Aega-, Adonisgruppen.
a)Spangen gebogen, spitz, ziemlich dick, mittellang,
peripher angesetzt. Valvenende mitzweilangen Zähnen.
Uncus in der Mitte schmal hoch, am Ende mit End-
haken und zwei rundlichen Seitenlappen.
l. Aegagruppe.
b)Spangen grade, dünn, lang, stumpf, tief angesetzt.
Valve ohne Endzähne, mit langem Seitenzahn nach
innen an der Mitte der unteren Kante. Uncusende
stumpf. Gleitrinne mit langem medianen Fortsatz,
der besonders an den Kanten hinten dicht und fein
gezähnt ist.
| II. Adonisgruppe.
B. Spangen breit, platt. Valvenende meist gezähnt, uncus
meist mit spitzem Endhaken.
a) Spangenendfläche mit vielen kurzen anliegenden
Stacheln oder mit Zähnen besetzt, Stiel grade. Penis
unbestachelt. Valvenende teils fein gezähnt, teils nackt.
Uncus meist mit spitzem Endhaken. Spangenende ge-
wöhnlich nach oben gewölbt.
II— VI. Sulkowskyi-, Aurora-,
Hekuba-, Rhetenor-, Menelausgruppen.
a) Uncusende schmal, hoch, unten meist geschlossen
und breiter als oben. Uncus mit dünnen hohen
stumpf gewinkelten Oberkanten.
II und IV.
Sulkowskyi-, Aurora-, Hekubagruppen.
I. Spangenendfläche schmal, zugespitzt, feiner und
vorwiegend längs Kanten der Useite gestachelt,
nicht gebogen. Uncusoberkanten erst gegen Ende
vereinigt, deutlicher Endhaken.
III. Sulkowskyigruppe.
1. Valven ungezähnt. Spangenende spitz, unten
deutlich gestachelt. Uncusunterkanten wenig
vorspringend, Ende unten geschlossen.
1.sulkowskyi.
2. Valvenende deutlich und dicht gezähnt, mit stär-
kerem oberen Eckzahn. Spangenende runder,
feiner, kürzer und fast nur an den Kanten
254 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
gestachelt. Uncusunterkanten seitlich breit vor-
springend, Ende unten offen, nur basal ge-
schlossen.
2.rhodopteron.
Il. Spangenende breit, lang, dünn. Spangenendkante
mit zwei proximalen Zähnen, an den distalen
derselben schließt sich auf der Oseite eine schräge
Zahnleiste an. Valvenende mit einem nach innen
gerichteten größeren Vorsprung, der sechs ziemlich
große, etwas verschiedene Zähne trägt. Uncus
mit langem spitzen Endhaken.
. IV. Auroragruppe.
III. Spangenendfläche sehr breit, lang, dick, mit ge-
rundeter Kante, mit dichten starken Stacheln auf
Useite, auf der Oseite mehr an den Kanten. End-
kante gewöhnlich nach oben gewölbt. Uncus-
unterkanten gleichmäßig schmal verbreitert.
V. Hekubagruppe.
1. uncus mit deutlichem Endstachel. Valven un-
gezähnt.
l.theseus v.juturna.
.uncus ohne Endstachel, evtl. stumpf geeckt.
!) Valvenende deutlich fein gezähnt.
2.theseus v.theseus.
?) Valven ungezähnt.
DD
3. perseus.
ß) Uncusende breit und unten ganz offen, Unterkanten
nicht breiter als Oberkanten. ÖOberkanten gleich-
mäßig gebogen, deutlicher, abgesetzter Endhaken.
Valvenende gezähnt.
VI und VII. Rhetenor-, Menelausgruppen.
I. Uncusoberkanten dick, niedrig, Endhälfte niedrig.
Spangen fein bestachelt, gewöhnlich nach oben
gebogen. Valvenende schmal, aber ziemlich
stark gezähnt.
VI. Rhetenorgruppe.
1. Spangen sehr breit, mit fast grader Endkante,
Valvenende ungleich, mäßig. gezähnt.
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens, 255
1l.rhetenor.
2. Spangen weniger breit, Ecken runder. Valven-
ende gleichmäßig und kürzer gezähnt (evtl.
oberer Eckzahn etwas stärker).
2.cypris.
3. anaxibia.
II. Uncusoberkanten dünn, hoch. Endhälfte hoch.
Spangen stärker gestachelt, grade. Valvenende
ausgedehnt, aber sehr fein gezähnt.
VII. Menelausgruppe.
1. Zähnelung ungleichmäßig, zwei etwas größere
Zähne oben, Spangenende deutlich abgeschrägt.
1. menelaus,v.occıdentaälis.
2. Zähnelung gleichmäßig.
1) Spangenende etwas abgeschrägt.
2, amathornte,
3.v.menelaus.
2) Spangenende gerundet.
b) Spangenende nackt, Spangen gebogen, mit freiem
unteren Ende. Penis bestachelt. Valvenende stark
und ungleichmäßig gezähnt, gewöhnlich zwei größere
Eckzähne. Uncus gleichmäßig gebogen, ım ganzen
flach, Endhälfte schmal, unten mehr oder weniger
geschlossen, mit oder ohne Endhaken. Unterkanten
seitlich verbreitert.
VII Achillesgruppe.
a) Uncusunterkanten nur basal seitlich verbreitert.
Endhälfte schmal, ohne Endhaken. Valvenende
mit zwei großen Eckzähnen und einigen feinen
darunter. Penis stark bestachelt.
VIlla. Achillisabteilung.
1. Valvenende mit zwei sehr großen Eckzähnen,
darunter nur feine Höcker.
1.patroklus.
2. Valvenende mit drei oder mehr größeren Zähnen,
darunter einige feine.
1) Uncusende ziemlich dick.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entom >gischen Verein II
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
256 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
2.achilles.
3.achillaena.
2) Uncusende dünner (zuweilen bis fünf größere
Zähne).
4.peleides.
NB. Die Unterschiede dieser vier Arten sind gering
und müssen an größerem Material nachgeprüft werden.
3) Uncusunterkanten auch hinten verbreitert. Endhälfte
etwas breiter mit Endhaken. Valvenende mit vielen
mittellangen Zähnen.
VIlIb. Deidamiaabteilung.
1. Penis stark bestachelt.
1) Uncusunterkante stark verbreitert. Valvenende
mit vielen mittelgroßen — kleinen Zähnen in
zwei Reihen. Unterster Zahn groß. Spangen-
spitzen oben nicht sehr lang. Uncusende unten
halb offen.
1.deidamia
?2) Unterkante weniger stark verbreitert. Valven-
ende mit ca. 10 Zähnen in einer Reihe, alle
ziemlich gleichlang. Spangenspitzen oben lang
ausgezogen. Uncusende unten geschlossen.
2.granadensis,
2. Penis sehr fein bestachelt. Uncusende breiter.
Spangenende runder. Valvenendkante kürzer mit
ca. sieben ziemlich langen Zähnen in drei Gruppen.
3. catenarius.
Nach der Zeichnung der Hfluseite kann man unter
gleichzeitiger Berücksichtigung der Flform, der Farbe der
Öseite und der Fluggewohnheiten folgende Einteilung auf-
stellen, wobei die einzelnen Arten mit ihrer Verbreitung
nach dem Seitzschen Werke angeführt werden:
A. Die Querbinden der Hfluseite sind lang und scharf. Die
Querbinden und die Augenreihe verlaufen grade respek-
tive etwas distal konkav und auf die Gegend des Anal-
winkels zwischen m" und sbm!. Useite mit helleren und
dunkleren grauweißen-graugelben Binden. Hfl mehr drei-
eckig geformt. Größte Hfllänge auf m!!. Hfl am Anal-
winkel relativ spitz, Hflarand bis m!!schwach gebogen und
auf oder bei m!! gelappt. Die gelappte Stelle ist beider-
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 257
seitig mehr oder weniger deutlich grauschwarz gefleckt.
Der Analrand verläuft fast grade (bei adonis auf sbm!!
etwas vorgebogen). Vfl ziemlich spitz. Kleine zarte, viel-
‚fach durchscheinende, meist mittelhoch und unregelmäßig
fliegende Arten.
I—Ill. Aega-, Adonis-, Sulkowskyigruppen.
a) Die helle Mittelbinde der Hfl verläuft grade. g'Q
heterochrom.
1.Die Augen stehen auf der eigentlichen dunklen
Augenbinde distal der hellen Mittelbinde.
l. Aegagruppe.
aega Brasilien, Argentinien.
2. Die Augen stehen auf der dunklen Zellschlußbinde.
II. Adonisgruppe.
l1.adonis Guayana, Amazonas, Ostandin in Kolum-
bien, vermutlich auch in Ekuador, Peru.
2.uraneis Ob. Amazonas.
b) Die helle Hflmittelbinde hat zwischen r ! und r!!! einen
Vorsprung. gJ'Q isochrom.
Ill. Sulkowskyigruppe.
1.portis Südost-Brasilien.
2.lympharis Ost-Peru. |
3.sulkowskyi Anden von Kolumbien-Bolivien.
4.rhodopteron Anden von Nordost Kolumbien
und Venezuela.
. Die Hflquerbinden sind kurz und ebenso wie die Augen-
reihe zwischen r!! und r!!! mehr oder weniger stark
gebogen. Sie sind nicht gegen den Analwinkel sondern
gegen den Analrand gerichtet. Die Grenze der hellen
Mittelbinde und der dunklen Augenbinde trifft den
Analrand etwa in der Gegend der Mitte. Hflwurzelbinden
mehr oder weniger verbunden. Hfl gewöhnlich rund-
licher. Größte Hfllänge auf m!. Analwinkel breit ge-
rundet von m!! bis sbm!, mit mehr oder weniger deut-
- lichen Vorsprüngen auf diesen Adern. Arand stärker
gebogen, gewöhnlich nicht gelappt. Analrand bei sbm !
mehr oder weniger deutlich stumpi geeckt. Vil ver-
schieden.
IV— VII. Hekuba:, Rhetenor-, Aurora-,
Menelaus-, Achillesgruppen.
a) Useite graurotbraun -grauweiß mit helleren Quer-
258
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
binden, Augen klein, zahlreich (Hfl 5—6) und zwischen
r!! und r"! stark, fast rechtwinklig gebogen. Die
dunklen Hflwurzelbinden teilweise schon verschmolzen.
Vfl lang. Vflspitze meist etwas vorgezogen. Hfl relativ
schmal und nach hinten gewöhnlich etwas verkürzt.
Hochfliegende Tiere.
IV—V. Hekuba-, Rhetenorgruppen.,
a) Useite graurotbraun, Binden nicht verschmolzen.
Die Grenze der Mittelbinde und der Augenbinde
trifft den Analrand in der Mitte. Vfl spitz. Hfl
mit deutlichen zahn- seltener lappenartigen (hekuba)
Vorsprüngen auf m!!—sbm!. ÖOseite ohne Metall-
glanz. g'Q isochrom. Körper sehrzart. Flügel groß.
Schwebetlieger.
IV. Hekubagruppe.
l.hekuba Guayana,Amazonas, Venezuela. Ostandin
Süd-Kolumbien — Bolivien.
2.perseus Guayana, Amazonas, Nord- und Mittel-
Brasilien, Ostandın Kolumbien — Bolivien.
3.herkules Südost-Brasilien.
4.theseus Täler aller Andenketten, westandin
Guatemala-Ekuador, ostandin Guatemala-Bolivien,
Venezuela.
B) Useite graubraun-grauweiß. Hflwurzelbinden ver-
schmolzen. Die Grenze der Mittelbinde und der
Augenbinde trifft den Analrand basal der Mitte
(2:2,5). Vflspitze runder, gewöhnlich stark vor-
gezogen. Hfl schmal, relativ kurz, fast gleichmäßig
gerundet, mit nur ganz schwachen Ecken auf m!!
bis sbm!. Oseite des g' mit dunkelblauen glatt
spiegelnden festsitzenden Schuppen. g'Q hetero-
chrom. Körper relativ kräftig. Flug schnell, kräftig,
mehr gradeaus.
V. Rhetenorgruppe.
1.rhetenor Guayana, Amazonas, ostandin Ko-
lumbien - Peru.
2.cypris westandin Nikaragua-Ekuador.
3.anaxibia Südost-Brasilien.
b) Useite gleichmäßig schwarzbraun-rotbraun mit schma-
len oft reduzierten silbrigen Querbinden, seltener rein
weiß mit dunkelbrauner Zeichnung. Die Grenze der
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 259
Mittelbinde und der Augenbinde trifft den Analrand
etwas distal der Mitte (3,5:2,5). Augen groß, besonders
Hflapikalauge. Hfl gewöhnlich vier Augen (1 +3) in
schwächer gebogener Reihe. Oseite mit Metallglanz
in verschiedener Ausdehnung. F] breit. Vflspitze rund.
Hflrand deutlich gewellt. Analrand mit deutlicher
stumpfer Ecke auf subm!. g'Q isochrom. Langsame
niedrige Flieger.
VI—VII. Aurora-, Menelaus-, Achillesgruppen.
a) Augen mittelgroß, häufig vermehrt. Oseitemitstarkem
ausgedehntem dunkelblauen-lichtblauen Schiller. Vfl-
spitze vorgezogen.
a)klein, Fl durchscheinend. Vflspitze wenig vorge-
zogen. Schiller lichtblau.
VI. Auroragruppe.
Bolivien, Peru.
b) groß, Fl nicht durchscheinend, Vflspitze deutlich
vorgezogen. Schiller dunkelblau.
VI. Menelausgruppe.
.menelaus Guayana, Amazonas, Brasilien
ostandın Kolumbien.
.amathonte westandin Nikaragua-Ekuador.
.polyphemusMittel-Amerika, Mexiko-Nikaragua.
.didius ostandin Peru.
.godarti ostandin Bolivien.
3) Augen größer. Blauer Schiller der Oseite heller
und oft reduziert. Vflspitze nicht oder wenig vor-
gezogen. Fl kurz und sehr breit. Arand ziemlich
grade.
u
or m
VII. Achillesgruppe.
l.achilles Guayana, Amazonas, ostandin Ko-
lumbien-Bolivien (vitrea v. vitrea) West- und
Süd-Brasilien, Paraguay.
2.v. peleides westandin Nikaragua -Ekuador.
3.achillaena (rugitaeniatus?) Südost-Brasilien.
4.patroklus ostandin Kolumbien-Bolivien.
5.deidamia Guayana, Amazonas, ostandin Ko-
lumbien - Bolivien.
6.granadensis westandin Nikaragua-Ekuador.
7.laertes Mittel-Brasilien.
8.catenarius Südost -Brasilien.
260 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
In der obigen Einteilung sind manche im Seitzschen
Werke als Arten behandelte Formen als Varietäten ein-
gereiht. Bei einzelnen derselben kann dies natürlich erst
dann mit größerer Wahrscheinlichkeit geschehen, wenn
ihre Verbreitungsgebiete und Jugendformen näher bekannt
sind. Die Zahl der Morphoarten würde nach obiger Grup-
pierung sich auf 15 belaufen: aega, adonis, uraneis,
aurora, portis, hekuba,perseus, hektor, rhe-
tenor,anaxibia, menelaus, achilles, patroklus,
deidamia, laertes. Von den oben nicht angeführten
Seitzschen Arten sind leontius v. leontius und vitrea
v.telamon auf S. 11 bzw. 13 besprochen. Ueber die
Stellung von leontius v. leontius vermag ich nach
den in dieser Hinsicht nicht ausreichenden Angaben nicht
zu urteilen.
Beide Einteilungsarten ergeben, wie man sieht, ähnliche
Resultate. Nur steht bei der letzten Einteilung nach der Zeich-
nung der Hfluseite usw. die sulkowskyi-Gruppe der ado-
nis-Gruppe näher statt der hekuba-Gruppe wie bei der
ersten Einteilung und die menelaus-Gruppe steht der
achilles-Gruppe näher statt der rhetenor-Gruppe.
Tatsächlich bilden auch wohl beide, die sulkowskyi-
wie die menelaus- Gruppe verbindende Uebergangs-
gruppen. Bei dieser Betrachtung drängt sich nun die Frage
auf, welche von diesen Formen sind wohl die älteren, wie
hoch ist das Alter des Morphidengeschlechts überhaupt,
und wo liegt seine Heimat? Mit großer Wahrscheinlichkeit
können die indoaustralischen Amathusiiden als nahe Ver-
wandte der Morphiden angesehen werden. Vieles spricht
hierfür: Zeichnungsanlage, Flform, Hinterleibsduftorgane,
Form und Behaarung der Raupen. Alsdann sind natürlich
diejenigen Morphoarten, die den Amathusiiden und damit
dem gemeinsamen Ursprung am nächsten stehen, als die
älteren anzusehen, und dies sind die Formen der aega-,
adonis-, sulkowskyi-Gruppen mit langen graden
Binden der Hfluseite und meist spärlichen Augen, und mit
mehr dreieckigen gelappten Hfl. Man vergleiche in dieser
Hinsicht z. B. Amathusia phidippus und Morpho
aega. Hierfür spricht auch, daß die QQ der beiden ersten
Gruppen noch die braune Grundfarbe beibehalten haben.
Ich halte es auch für sehr wahrscheinlich, daß die
Raupen dieser Morphoarten gleich denen der Amathusiiden
an Monokotyledenen (Bambus) leben. Die obigen Ein-
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 261
teillungen würden dann mit den älteren Formen beginnen
und mit den jüngeren, den noch sehr variabelen Formen
der achilles-Gruppe enden.
Da nun Südamerika, wie man jetzt annimmt, etwa vom
Anfang der letzten Hälfte — oder wie ich vermuten möchte,
erst vom Ende — der Kreidezeit bis zum letzten Drittel
des Tertiärs eine oder wohl richtiger zwei Inseln bildete,
müßten die gemeinsamen, in der Entwicklung also schon
ziemlich hoch stehenden Stammeltern der Morphiden und
Amathusiiden in Südamerika schon vor dieser Isolierung,
also in der Mitte der Kreidezeit oder etwas später be-
standen haben. Zur gleichen Zeit müßten dort mit Aus-,
nahme der Brassoliden auch alle übrigen Tagfalterfamilien
vorhanden gewesen sein, denn Südamerika hat diese mit
Indo-Australien und Afrika bis in einzelne Gattungen
hinein gemeinsam, z. B. die drei Papilionidenuntergattungen
der Aristolochien-, Rinnen- und Segelfalter, die fünf Pieriden-
gattungen Pieris, Appias, Terias, Katopsilia,
Colias, die Satyridengattung Epinephele, die drei
Nymphalidengattungen Precis, Argynnis, Apatura.
Dagegen fehlten damals noch alle die jüngeren für Süd-
amerika typischen Familien bzw. Unterfamilien (Bis-
morphia, Lykoreinae, Ithomiinae, Morphidae,
Brassolidae, Helikoniidae, Erycinidae).
. Vor der Isolierung hatte Südamerika zwei Landver-
bindungen mit Indo-Australien, die eine mit Vorderindien
über Afrika und die andere mit Ostasien über Panama.
Der Untergang der ersten Afrikabrücke wird in den Beginn
der letzten Kreidezeithälfte gesetzt. Man darf wohl an-
nehmen, daß der Untergang der Panamabrücke erst später
gegen Ende der Kreide erfolgte, weil die vermutlich jüngste
Papilionidenuntergattung der Aristolochienfalter — die sich
dann in der Zwischenzeit abgezweigt hätte — im eigent-
lichen Afrika fehlt, (sie findet sich nur in einer Art in
Madagaskar, das dann wohl mit Vorderindien länger in
Verbindung war als mit Afrika), und weil auch die gleich-
falls jüngeren Morphiden in Afrika keine Verwandte haben.
Eine spätere Ein- bzw. Auswanderung aller dieser oben
erwähnten, den drei Erdteilen gemeinsamen Familien bzw.
Gattungen erst Ende des Tertiärs nach erneuter Hebung
der Panamabrücke über die Nordwest- oder Nordostbrücke
Nordamerikas ist ganz unwahrscheinlich, da einerseits die
eigenartige Fauna Südamerikas eine längere Zeit isolierter
262 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Entwicklung voraussetzt und andererseits die damals wohl
schon vorhandene nördliche Abkühlung einen solchen
Verkehr hinsichtlich der Auswanderung unterband.
Interessant ist, daß sich auf den Antillen (Trinidad
gehört faunistisch zum benachbarten Venezuela) kein ein-
ziger Morpho findet, obwohl die klimatischen Verhältnisse
dies erlauben würden. Sieht man sich die Tagfalterfauna
der Antillen auf ihre Zusammensetzung näher an, so
findet man, daß sie nur solche, zuweilen allerdings kaum
noch wiederzuerkennende Formen enthält, die sich im
östlichen Mexiko entweder dort ausschließlich oder in
Verbindung mit Nord- bzw. Südamerika finden. Von den
typischen jüngeren oben angeführten südamerikanischen
Familien bzw. Unterfamilien fehlen die meisten (Lyko-
reinae, Ithomiinae, Morphidae, Brassolidae
und Erycinidae) meines Wissens dort ganz. Von Dis-
morphiıa findet sich nur spiro bzw. cubana (zu her-
mione gehörig). Von Helikonius nur charitonia,
der einzigste Helikonius, der bis Mexiko und weiter
gelangt ist. Von den Papilionidae finden sich fast
nur Vertreter einiger vermutlich älteren Rinnenfaltergruppen,
hauptsächlich der weit verbreiteten machaon-, thoas-,
anchisiades- und der mehr nordamerikanischen
glaukus-Gruppe (machaonides). Von den eigent-
lichen Aristolochienfaltern findet sich nur eine Art ko-
lumbus (vielleicht zumontezuma gehörig). Von der
polydamas-Gruppe der weit verbreitete polydamas
und der nordamerikanische philenor. Von den Segel-
faltern nur ein Vertreter der nordamerikanischen mar-
cellus-Gruppe. Von den Satyriden kommt anscheinend
nur dıe nordamerikanische calisto- Gruppe vor. Von den
vier Submfamilien der Nymphalidae fehlen die Acrae-
inae sowie die Gattungen Helikonius (außer chari-
tonia) und Metamorpha, die beiden anderen Subm-
familien, die mittelamerikanischen Clotildinae und die
eigentlichen Nymphalinae sind gut vertreten. Von
letzteren sogar alle 12 Hauptgruppen, wenn auch viele
Gattungen ganz fehlen. Von den Säugetieren fehlen die
Zahnarmen, die Huftiere, Raubtiere und Affen gänzlich,
vorhanden sind nur Insektenfresser (eine Art), Nagetiere
(wenige einheimische Arten) und Fledermäuse (zahlreich),
also die Familien, welche mit den Zahnarmen und Beutel-
tieren zu den ältesten der Säugetiere gehören. Aus dieser:
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 263
Zusammensetzung der Fauna kann man wohl den Schluß
ziehen, daß die Antillen einmal zur Zeit der beginnenden
Entwicklung der Tagfalter und der Säugetierfamilien, also
wahrscheinlich im Anfang der letzten Hälfte der Kreidezeit
eine schmale, wohl wenig bewaldete und nur kurze Zeit
bestehende Verbindung mit dem Festlande (Ostmexiko)
hatten und daß sodann später noch einmal ein kurzer An-
schluß oder wahrscheinlicher nur eine Annäherung vor-
handen war, welche den besserbeflügelten unter den
Schmetterlingen und den Fledermäusen die Einwanderung
erlaubte, besonders wohl solchen, die nicht an den Urwald
gebunden waren.
Ueberschaut man nun die Verbreitung der Morphiden
in Südamerika, so hat man den Eindruck, daß zwei Zentren
existieren, einerseits Guayana mit Südost-Venezuela und
andererseits Südost-Brasilien. Zur Zeit der Isolierung
Südamerikas, die wohl mit einer Senkung verbunden war,
war nun vermutlich das Amazonasbecken vom Meer be-
deckt, und dieser Meeresarm dürfte sich” schließlich vom
atlantischen bis zum stillen Ozean ausgedehnt haben, da
die Anden zu dieser Zeit nicht existierten und die Ost-
kordillere bei Bogota tertiäre Auflagerungen aufweist ’?).
Südamerika bestand dann damals aus zwei Inseln, die den
heutigen älteren Gebirgen von Guayana und Brasilien ent-
sprechen. Hier erhielten sich die vorhandenen älteren
Morphoarten und besiedelten von hier aus meist unter
Bildung zahlreicher Lokalrassen die im letzten Drittel des
Tertiärs sich auffaltende Andenkette und zwar vorwiegend
von Guayana aus und hier hauptsächlich entlang dem
Nordufer des Amazonas. Die Stelle des jetzigen Unter-
laufes und Mittellaufes wurde wohl noch längere Zeit von
einem Meeresbecken eingenommen, was einen direkten
Verkehr zwischen beiden Zentren ausschloß. So kam es,
daß Guayana und Brasilien nur zwei gemeinsame Morpho-
arten besitzen (achilles und menelaus), Guayana und
Kolumbien dagegen sieben (siehe unten), Brasilien dagegen
drei nur dort vorkommende (s. u.). Die Verbreitung der
einzelnen Arten kann man sich dann in folgender Weise
vorstellen:
!) Bei einem der zwei amerikanischen Pap. columbus (Seitz
S. 12 und 43) dürfte wohl eine Namensänderung angebracht sein.
2) Nach persönlicher Mitteilung von Prof. Scheibe.
264 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
A. von Guayana (Südost-Venezuela) aus:
a)im Amazonasgebiet, aber nur auf der Nordseite, und
ostandin weiter nördlich bis Mittel-Kolumbien. (Hier
nur wenig verändert); 1. adonis
Mit einer Parallelform am oberen Amazonas. 2. uraneis
b) Im Amazonasgebiet, aber bis in die Quellflüsse des
Oberlaufes hinein, südlich bis Nord-Bolivien, mit
mehreren sehr verschiedenen Lokalrassen; 3. hekuba
c)ebenda, aber ostandin weiter nördlich bis Mittel-
Amerika und West-Kolumbien (Westekuador), im
Süden und im Nordwesten in stärker veränderter
Form 4. rhetenor (v. helena und v. cypris);
5. deidamia (v.electra und v.granadensis).
d) ebenda, aber nördlich nur bis Mittel-Kolumbien, dafür
südöstlich bis Ost-Brasilien, ebenfalls in sehr ver-
schidenenen Lokalrassen; 6. perseus
e)im ganzen tropischen Südamerika, mit vielen Lokal-
rassen, die besonders im Süden, Südosten und Nord-
westen stärker abweichen. 7. achilles (v. vitrea,
v.achillaena,v.peleides), mit einer ostandinen
Parallelform, 8. patroklus (Bolivien - Kolumbien), 9.
menelaus (v.godartı, v.melacheilus, v.ama-
thonte, v.polyphemus);
B.von Brasilien aus: 10. portis (in Ostperu als v. lym-
pharis, in den höheren Gebirgslagen der Anden von
Bolivien bis Kolumbien als sulkowskyi, weiter nörd-
lich in der Sierra Nevada und in Venezuela als rho-
dopteron (in Peru, Bolivien als aurora?); 11. her-
kules, in der Andenkette als theseus (wenn sich nicht
beide von perseus ableiten). Hierzu kämen dann die
drei rein südostbrasilianischen Formen: 12. aega, 13.
anaxibia, 14. laertes (südlich als v. catenarius). Die
Stellung von 15. aurora ist schwer festzulegen. Aurora
steht nach Größe, Flform und Färbung der Oseite der
portis-Gruppe am nächsten, der sie wohl auch zuzu-
rechnen ist. Hinsichtlich der Zeichnung der Hfluseite
nähert sie sich der menelaus-Gruppe, was den Bau
der Genitalorgane des g' anbetrifft, nimmt sie eine
eigene Stellung ein.
C. Wahrscheinlich existierte noch ein drittes Zentrum in
Mexiko, das jedoch für die Morphiden wohl nicht
in Betracht kommt. In Mexiko findet sich außer pe-
leides noch polyphemus. Polyphemus ist
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 265
jedoch wahrscheinlich nur der nördlichste Ausläufer
von menelaus. Immerhin muß man die Möglichkeit
erwägen, ob nicht die rein weißen Arten wie poly-
phemus und laertes alte Relikte vorstellen. Cf. hierzu
jedoch S. 25.
14. Als Parallelform des Amazonasgebietes zu achilles
kommt noch patroklus (ostandin Kolumbien bis Bolivien)
hinzu. Es bleiben noch vitrea von Bolivien und rugi-
taenıatus von Ekuador. Ersterer ist wohl eine Lokal-
form von achilles, letzterer von peleides.
Nachtrag.
Zum Schlusse noch einige kurze Nachtragsbemerkungen,
bei denen ich einige Mitteilungen verwerten kann, die mir
in sehr dankenswerter Weise von Herrn Dr. Arnold
Schultze, zurzeit in Bogotä (Kolumbien) zugingen.
1. hekuba wurde, wie zu erwarten, inzwischen auch
im Amazonasgebiet Kolumbiens aufgefunden. Hekuba
findet sich in Guayana und auf der Nordseite des unteren
und mittleren Amazonasals v. hekuba mit breiter brauner
Vflbinde und schmalem hellem Hflwurzelfeld (in Venezuela
als polyidos, am unteren Amazonas als obidonus,
auf der Südseite des unteren und mittleren Amazonas
(wahrscheinlich von oberhalb eingewandert) als v. cisseis
mit breiter weißblauer Vflbinde und breiterem hellem
Wurzelfeld der Hfl. Im oberen Amazonasgebiet, etwa
oberhalb Iquitos als v. phanodemus mit schmalerer
grünblauer-graublauer- weißblauer-gelbbrauner-rotbrauner
Vflbinde und breitem hellem Hflwurzelfeld. Phanodemus
varliert an demselben Ort stark und zeigt oft Uebergänge
zu cisseis und hekubat). Die kolumbische phano-
demus-Form ?) v. werneri wird nun beim g! charakterisiert
durch fahl grünlichweiße Färbung der Vflbinde, breiten tief-
schwarzen Vflaußenrand und dunklere und mehr grau-
schwarze Zeichnung der Useite. Das © hatte eine gelblich-
graubraune Vflmittelbinde und rein grünlichweiße Hfl. Dr.
Schultze beobachtete nun etwas nördlich vom Rio Caquetä
(nördlichster Nebenfluß des oberen Amazonas) im Urwald
zwischen San Martin und Uribe bei 700 m Höhe ebenfalls
2 QQ von hekuba und fing eines derselben, als es an
1) O. Michael. Fauna exotica 1911, Nr. 4.
?\ W. Hopp. Deutsche Entom. Zeitschrift 1921.Sitzung v.5.12.21.
266 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
einer dikotyledonen Schlingpflanze mit handgroßen ganz-
randigen Blättern seine Eier absetzte. Es gehörte zur v.
phanodemus.
2. theseus v. pacificus. Bei der pazifischen Form ist
im Vergleich mit der Magdalenaform die helle Wurzel-
färbung der Öseite durchschnittlich eingeschränkter, sie
geht mehr ins Grünliche und ist deutlicher von dem ge-
wöhnlichen etwas dunkleren distalen Teile abgehoben.
Die Useite ist durchschnittlich kontrastreicher und schwankt
zwischen purpurbraun und gelbrotbraun.
3.adonis. Die kolumbische Form unterscheidet sich
von der Stammform aus Guayana durch ein helleres Blau
der OÖseite, daß sich gewöhnlich stark dem von v.eugenia
(Franz. Nord-Guayana) nähert. Die große Mehrzahl ist des-
halb auch heller als die Exemplare vom oberen Amazonas,
dıe wieder nach meinem knappen Material ein wenig heller
als die Guayanatiere sind. Auf der Hfluseite ist das Anal-
auge gewöhnlich besser entwickelt und steht bei ca. 65%,
von den Sbmstreifen entfernt, während sich dies, wie es
scheint, bei den Tieren anderer Herkunft umgekehrt ver-
hält. Das © konnte noch nicht verglichen werden. Immer-
hin dürfte für die kolumbianische Form ein Name, etwa
v.clarus angebracht sein. Dr. Schultze beobachtete 1 ©
bei der Eiablage an Bambus in großer Höhe, ostandin
zwischen Uribe und Colombia westlich von San Martin.
4. uraneis. Nach Mitteilung von Dr. Schultze be-
findet sich im Museum der hermannos christianos in Bo-
gotä 1 g', der zwischen Villavicencio und S. Martin ge-
fangen sein soll. Dieser Fundort bedarf wohl noch der
Bestätigung.
5. sulkowskyi. Die Arten der drei kol. Kordilleren
unterscheiden sich etwas durch die Flform, obwohl diese
auch am gleichen Orte etwas schwanken kann. Im Ver-
gleich zu der wahrscheinlich zuerst beschriebenen Stamm-
form der Zentral-Kordillere sind bei den g'g' der Ost-
und West-Kordillere alle Fl breiter (besonders bei denen
der Ost-Kordillere), und die Vfl hinten länger. Der Vfl-
außenrand ist bei dem westlichen g' stärker ausgeschnitten,
bei den östlichen ganz grade. Der Hfirand bei dem west-
lichen g' etwas stärker gewellt. Auf der Hfluseite fehlt
bei beiden das Auge hinter r!. Bei dem östlichen J'g!
ist die Zeichnung der Useite dunkler und das Auge hinter
r! ziemlich groß. Auf der Öseite ist die schwarze Zeichnung
E. Krüger. Die Morphiden Kolumbiens. 267
ausgedehnter. Im Vergleich mit einem g' von Süd-
Kolumbien!) ist die schwarze Zeichnung beiderseits
kräftiger und der Vflarand grader. Dr. Schultze be-
obachtete 1 © bei der Eiablage an chusque und fing
1 g' der v. orıentalis, das unten auf den Vfl nur ein
Auge und die Hflaugen weniger zusammenhängend hat.
6. rhodopteron. Die Originalbeschreibung war
nicht zu erhalten. Nach Seitz hat rhod. Venezuela nur
1 Vflauge unten. Der kol. rhod. hat anscheinend regulär
2 (1 g' von” mit rudementären zweiten Auge). Diese Rasse
könnte daher v. nevadensis benannt werden.
7.rhetenorv.columbianus steht v. cazıca (Süd-:
Peru) in der Zeichnung am nächsten. Er unterscheidet sich
von diesem beim g' dadurch, daß bei ca. 80%, die weißen
Sbmflecken auch auf die Hfl mehr oder weniger über-
gehen, beim ©?) durch gleichmäßigere helle Grundfarbe,
die auf den Vfl-Distal-Zelle viel breiter ist infolge Ver-
schmelzung mit den zwei dort befindlichen Sbmflecken.
V.eusebes vom oberen Amazonas bildet eine Zwischen-
form zwischen v. rhetenor (Guayana und einerseits
v. cazica im Süden, andererseits v. columbianus
im Norden. V. eusebes hat keine oder nur Andeu-
tungen der weißen Fleckzeichnung. Dr. Schultze: 1 g'
(v. eusebes) bei Uribe bei Regen in 2m Höhe an einem
Strauch sitzend gefangen, 1 g' an Maultierkot gefangen,
1 g' stieß am Rio Guaviare auf ein gelbes Blatt des
Canoadaches.
8. Cypris. Die pazifische Form unterscheidet sich —
unter Berücksichtigung der normalen Schwankungen —
von der Magdalenaform in folgender Weise: a) Useite:
1. Zeichnung schärfer; 2. Grundfarbe der distalen Hälfte
aller Fl mehr ins purpurbraun gehend (bei den Magdalena-
Tieren mehr graubraun); 3. Augen größer und breiter
schwarz, die Augen hinter r!!! ausgesprochener längsoval-
birnförmig, das Auge hinter r! fehlt bei allen Exemplaren
(am Magdalena bei der Hälfte); 4. die Vflmittelbinde ist
mehr oder weniger deutlich gelblichweiß; b) Oseite: Die
Hflmittelbinde ist ein wenig grader.
1) Internat. Entan, Zeitschrift Guben 1922 Nr. 17. W. Niepelt
‘v,. Moppiane.
2) ib. 1915 Nr. 36 Dr. R. Lück und B. Gehlen.
268 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Dr. Schultze besitzt ein aberrativ gefärbtes g' von Muro
mit rostroter Grundfarbe oben wie unten und mit licht
veilchenblauem Schiller der Oseite. Ein weiteres aber-
ratives J' ohne Sbmflecken mit strahlich ausgeflossener
Mbinde befindet sich in obigem Museum. Nach zuver-
lässiger Mitteilung ist auch einmal im Caucatale zwischen
Zarzal und Cali (ca. 1100 m) ein J' auf feuchter Erde ge-
fangen worden. Dr. Schultze vermutet auch von cypris
und rhetenor, daß die Raupe an Bambus lebt.
Verzeichnis der Autoren.
Achilles L., achillaena Hbn., adonis Cr., amathonte Deyr;
anaxibia Esp., aquarius Btlr., aurora Westwood., catenarius
Perry, cisseis Fldr., cortone Fruhst., corydon Guen., cra-
meri Ky, cypris Westw., deidamia Hbn., electra Röb.
godarti Guer granadensis Fldr., hekuba L., helena Stgr.,
herkules Dalm., hermione Röb., iphikles Fldr., juturna Bitlr.,
leontius Fldr., limpida Btlr., makrophth. Fruhst., melacheilus
Stgr. menelaus L., metellus Cr., obidonus Fruhst., occiden-
talıs Fldr., patroklus Fldr., peleides Koll., perseus Cr., phano-
demus Hew., polyphemus Dbl. und Hew., popilius Hpffr.,
portis Hbn., rhetenor Cr., rhodopteron Godw. & Salv.,
rugitaeniatus Frhst., sulkowskyi Koll., telamon Röb., theseus
Deyr., uraneis Bat., vitrea Btlr.
Zur Erinnerung an zwei verstorbene Iris-Mitglieder.
Von Dr. Arnold Schultze, Bogota.
Die ersten Monate des Jahres 1924 haben der „Iris“
einen schweren Verlust durch den Tod von zweien ihrer
ältesten Mitglieder, des Landeshauptmanns z. D. Dr. Carl
Wilhelm Schmidt und des Oberstleutnants a. D. Georg
Richelmann gebracht. Beide waren alte Kolonialpioniere
und waren Kampfgefährten, die in Deutschlands großer
Zeit in den Kolonien an hervorragender und verantwor-
tungsvoller Stelle gestanden haben; beide waren aber auch
begeisterte Freunde der Naturwissenschaften und besonders
der Entomologie. Der Entomologie habe ich auch die Be-
kanntschaft dieser hervorragenden Männer zu verdanken,
deren anhänglicher Freundschaft ich mich lange Jahre
hindurch erfreuen durfte. Wenn ich erst heute dazu komme, .
A. Schultze, Zur Erinnerung an zwei verstorbene Iris-Mitglieder. 269
meinen lieben, allzeit treuen Freunden an dieser Stelle
einen kurzen Nachruf zu widmen, mag man mir die große
Entfernung von der Heimat und die dadurch bedingten
Schwierigkeiten der Postverbindung zugute halten:
Landeshauptmann z.D. Dr. Carl Wilhelm Schmidt +.
Carl Wilhelm Schmidt wurde als Sohn des Hoffabri-
kanten George Schmidt und als zweites von drei Kindern
am 4. März 1859 ın Braunschweig geboren*. Noch im
Kindesalter verloren die drei Geschwister ihre Eltern und
wuchsen nun unter der Obhut einer Dame auf. Dadurch,
daß den drei Waisen für ihre Spiele der große zur väter-
lichen Fabrik gehörende Garten vor den Toren der Stadt
zur Verfügung stand, und sie auch sonst Gelegenheit hatten
die Wiesen und Wälder in der näheren Umgebung Braun-
schweigs zu durchstreifen, wurde in ihnen früh der Sinn
für die Schönheiten der Natur geweckt. Es wurden natur-
wissenschaftliche Sammlungen angelegt, und sogar ein
kleines chemisches Laboratorium besaß damals schon der
Verstorbene zusammen mit seinem jüngeren Bruder. Zudem
mag eine besonders enge Freundschaft, die den Verstor-
benen mit der in der Nachbarschaft wohnenden Familie
Friedrich Gerstäkers verband, sicher nicht ohne Einfluß
auf dessen Neigungen gewesen sein.
Mit diesen Interessen stand leider zunächst keineswegs
der Beruf in Einklang, der dem ins Leben tretenden jungen
Mann von seinem Vormund bestimmt wurde Während
dem jüngeren Bruder, der Medizin studierte, die Wahl des
Berufes freigestellt wurde, kam der ältere auf Anordnung
jenes Vormundes zu einem Kaufmann seiner Vaterstadt in
die Lehre und verbrachte hier dreieinhalb „verlorene“ Jahre.
Er diente dann sein Jahr beim Grenadier-Regiment 101 in
Dresden, wo er durch seine soldatischen Eigenschaften, dıe
sich später so glänzend bewähren sollten, bereits die Auf-
merksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich lenkte.
Bald aber trat eine entscheidende Wendung im Leben
. des Verstorbenen ein: Da die einzige Schwester, das
älteste der Kinder, schwer an der Schwindsucht erkrankte,
brachte sie der Bruder — als letzter Versuch der Rettung —
*) Diese und andere wichtige Angaben verdanke ich dem
Nachruf, den die wissenschaftliche Beilage der Braunschweigischen
Landeszeitung dem Verstorbenen widmete.
270 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
nach Italien, der Kranken stets als treuer Pfleger zur Seite.
Die Schwester erlag in Italien ihrem bereits stark vor-
geschrittenen Leiden, aber die in dem fremden Lande
empfangenen neuen und starken Eindrücke waren für den
Bruder trotz des neuen schweren Verlustes so nachhaltige,
daß er sich energisch der Verwirklichung seiner inneren
Neigungen zuwandte.
Er war auf seinen Reisen bis nach den liparischen
Inseln und Sizilien gekommen und hatte hier ein lebhaftes
Interesse an geologischen, mineralogischen und besonders
wohl vulkanologischen Studien gewonnen. Auf Rat seines
Bruders wandte er sich kurz entschlossen dem Studium
der Geologie zu, aber noch lange bevor er seine akade-
mischen Studien zu Ende brachte, schloß er sich dem
hervorragenden Geologen Konrad Keilhack auf dessen
Expedition nach Island an, ja es hätte wenig gefehlt, so
hätte ihn Nordensköld von Island aus auf eine seiner
Polarfahrten mitgenommen. „Die Tagebücher dieser Reise
zeigen bereits den Mut, die Ausdauer, den unermüdlichen
Fleiß desVerstorbenen, sowie seine Fähigkeit zu beobachten.“
Während der Expeditionsleiter nach etwa zwei Monaten der
Forschungstätigkeit an Typhus erkrankte und die Insel
verlassen mußte, setzte Schmidt seine Forschungen fort.
Keilhack setzt den glänzenden Fähigkeiten seines Gefährten
in seinen „Reisebildern aus Island“ in folgendem Passus
ein unvergängliches Denkmal: „Er hatte den gewaltigen
Eisstock des Glamu-Jöcull bei heftigem Sturm passiert, ein
Unternehmen, welches vor ihm nur ein englischer Offizier
zustande gebracht hatte, war durch wilde, hoch ange-
schwollene Gletscherströme geritten, durch die ihm der
Führer erst zu folgen wagte, als er sah, daß ihm nichts
anderes übrig blieb, dafür hatte er aber auch einen reichen
Schatz von Naturalien und Beobachtungen gesammelt.“
Mit dieser Reise waren Schmidt zu Hause die Pfade
geebnet: „Ende 1885 wurde er für seine Dissertation „Die
Liparite Islands in geologischer und petrographischer Be-
ziehung“ von der Universität Freiburg im Breisgau magna
cum laude zum Doktor promoviert. Aber schon, als diese
Ehrung nur in Aussicht stand, führte ihn sein Unternehmungs-
geist in eine ganz andere Richtung. Eine Bekanntschaft mit
Dr. Karl Peters, dem bekannten Erwerber von Deutsch -Öst-
afrika, brachte ihm den Vorschlag, Uganda für Deutschland
in Besitz zu nehmen. Schmidt war sofort bereit; da sich
A. Schultze. Zur Erinnerung an zwei verstorbene Iris-Mitglieder. 271
aber unerwartete politische Schwierigkeiten zeigten, ging er
vorläufig als Geologe nach Ostafrika. Geologisch war dort
wenig zu holen, dazu war es noch zu früh. Einige ver-
meintliche Goldfunde wurden von Schmidt als wertlos nach-
gewiesen. Dafür aber machte er drei Expeditionen, die in
der damaligen Zeit alle einen mehr oder weniger militärischen
Charakter hatten.“
„Auf allen diesen Expeditionen bewährte sich Schmidt
als geborener Führer, als mutiger Kämpfer, als treuer und
zuverlässiger Gefährte. Nach anderthalb Jahren kehrte
Schmidt zurück und schrieb das bei Brockhaus erschienene
bekannte Buch über Sansıbar und hielt in verschiedenen
Städten Vorträge über das Geschaute und Erlebte. Aber
die Ruhe bekam ıhm nicht und als im Jahre 1889 das
durch Peters nur politisch gewonnene Ostafrika gegen den
furchtbaren Araberaufstand wirklich erst erobert werden
mußte, als Wıßmann alte Afrikaner suchte, die ıhm dabei
helfen konnten, folgte er bereitwilligst dessen Aufforderung
und kehrte als Chef in der Reichsschutztruppe nach San-
sıbar zurück. Das nun folgende ist Geschichte, wenn auch
gesagt werden muß, daß bei der bescheidenen Zurückhal-
tung Schmidts der Oeffentlichkeit gegenüber dessen Ver-
dienste nie in das rechte Licht gerückt worden sind. Zuerst
ging Schmidt nach Aegypten, um sich dort Sudanesen und
Pferde zu sichern, dann aber nahm er in Ostafrika selbst
teil an den wichtigsten Kämpfen, zum Teil in führender
Stellung«“ .:
„Er war bei der Erstürmung von Pangani, er machte
den Marsch nach Mpuapua mit, er leitete später die Er-
oberung des Südens, von Lindi, vom Makondeplateau, vom
Rovumagebiet. Er war an der Kapitulation von Bana Heri
beteiligt; vor allem aber fällt ihm als Verdienst zu, durch
eine unermüdliche Verfolgung den Hauptgegner Buschıri
gestellt zu haben, sodaß er von seinen eigenen Anhängern
in Ketten ausgeliefert und dem verdienten Ende entgegen-
geführt werden konnte.“
Den Abschluß dieser Zeit bildete das Wirken des
dreißigjährigen Mannes als stellvertretender Gouverneur
von Deutsch-Ostafrika.
Später führte die Niederlage und der Tod von Zelewski
Schmidt nochmals nach Afrika, „aber nicht mehr zu neuen
Taten. Eine große Reise durch Indien, Australien und die
Südsee brachte ihn auf seinen neuen Posten als Landes-
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen Verein IV
Iris zu Dresden. Jahrgang 1924.
272 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
hauptmann der Marschallinseln und für zwanzig Monate in
dieses Exil. Gesundheitsrücksichten zwangen ihn, auch diesen
Posten aufzugeben, und über die Philippinen, Hongkong
und Marseille kehrte er nach Deutschland zurück.“
„Noch einmal, 1895, mehr als Privatmann, sah er Deutsch-
Ostafrika auf einem flüchtigen Besuch.“
Die letzten dreißig Jahre lebte Schmidt zurückgezogen
in Berlin, hier und da zu kolonialen Unternehmungen als
Sachverständiger hinzugezogen oder als früherer Geologe
in leitenden Stellungen der Kali- und Braunkohlenindustrie.
Er blieb bis zu seinem Tode Junggeselle, aber in dauernder
und enger Lebensgemeinschaft mit seinem jüngeren Bruder,
„den seine Reisen in ganz andere Länder geführt hatten,
sodaß ein reger Austausch der Eindrücke und Gedanken
sich daraus ergab.“
Mit den hervorragendsten Männern jener großen Zeit
Deutschlands verbanden ihn bis zu ihrem Tode engste
freundschaftliche Beziehungen, so mit Carl Peters, Emin
Pascha, Otto Ehlers und anderen.
Die stille Wohnung der beiden Brüder Schmidt war
in nächster Nähe des Zoologischen Gartens gelegen, dessen
bunte Tierwelt reichlich Gelegenheit bot, alte liebe Er-
innerungen an die fernen Schauplätze früherer Tätigkeit
wachzurufen. In dieser Wohnung hatte ich den Verstorbenen
bald nach Kriegsausbruch und wenig nach meiner Ueber-
siedlung nach Berlin kennen gelernt. Unsere gemeinsamen
entomologischen Interessen und seine herrliche Rhopa-
loceren-Sammlung vermittelten diese Bekanntschaft. Ich
weiß nicht genau, wann mit der Anlage dieser Sammlung
begonnen wurde. Entsprechend den vom Verstorbenen
unternommenen großen Reisen war das palaearktische,
indoaustralische und besonders hervorragend das aethio-
pische Faunengebiet in dieser einzigartigen Kollektion ver-
treten, die 8 große Schränke füllte. Durch einen ausge-
dehnten Tauschverkehr wurde die Sammlung auch aus
Gebieten bereichert, die Schmidt nicht selbst hatte bereisen
können. Eine große Anzahl Typen von Fruhstorfer, Thieme
und anderen, und viele andere heute kaum noch zu be-
schaffende Rarissima waren in dieser wunderbaren Samm-
lung enthalten. Sie verriet ein heute leider oft — besonders
bei Exotensammlungen — als überflüssig und sogar „un-
wissenschaftlich“ angesehenes Prinzip, nämlich das, auch
den ästhetischen Standpunkt nicht außer Acht zu lassen.
A. Schultze. Zur Erinnerung an zwei verstorbene Iris-Mitglieder. 273
Jeder Falter war aufs Sorgfältigste und Liebevollste von
eigner Hand präpariert worden, jedes Tier war genau
katalogisiert. Zu dieser Sammlung kam eine außerordent-
lich vollständige lepidopterologische Bibliothek der in Frage
kommenden Faunengebiete, in der bibliographische Perlen
allerersten Ranges vertreten waren.
Da Schmidt erst in den letzten Jahren mit der Prä-
paration und Einordnung der Sammlung zu Ende gekommen
war, gelangte er erst verhältnismäßig spät dazu, auf ento-
mologischem Gebiete publizistisch tätig zu sein. In der
„Iris“, deren Mitglied er seit 1895 war, finden wir (Bd. XXXV
S. 32. ff.) die — meines Wissens — ersten lepidoptero-
logischen Veröffentlichungen von ihm. Es sollten leider
zugleich die letzten sein. Das hier Publizierte zeigt, daß
der Verstorbene auch auf diesem Gebiete ebenso hervor-
ragend war wie auf allen anderen, auf denen er sich be-
tätigt hatte. Die entomologische Wissenschaft hätte noch
manchen wertvollen Beitrag aus seiner Feder erwarten
dürfen.
Als ich mich im Juni 1920 von dem Verstorbenen ver-
abschiedete, im Begriff mir für das ın Afrika verloren
gegangene Arbeitsfeld ein neues in Südamerika zu suchen,
ahnte ich nicht, daß es der letzte Abschied sein würde.
Ich blieb mit ihm in regem Briefverkehr. Das Eintreffen
eines Briefes von ihm war stets ein Fest für mich. Im
Frühjahr dieses Jahres erhielt ich durch den Bruder die
Nachricht von seinem Tode. Ein heftiger Grippeanfall in
Verbindung mit einer Lungenentzündung hatte ihn aufs
Krankenlager geworfen; zwei Tage darauf, am 29. Januar,
war dieses reiche Leben ausgelöscht. In seinen letzten
Fieberphantasien lebte er wieder auf afrikanischem Boden,
in jener Zeit, die den Höhepunkt seines Lebens bildete
und zugleich den Höhepunkt unseres heute armen, von
äußeren und inneren Feinden um sein Glück betrogenen
Vaterlandes.
Oberstleutnant a. D. Georg Richelmann 7.
Georg Richelmann wurde am 17. März 1851 in Zeitz
geboren, wo sein Vater als Oekonomie - Kommissionsrat
lebte. Später siedelten die Eltern nach Langensalza über,
wo der Sohn auch die ersten Jahre zur Schule ging. Dann
kam dieser in eine Pension nach Gotha, wo er das Gym-
nasium besuchte und sein Abiturienten-Examen machte.
274 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1924.
Ebendort trat er dann im März 1871 als Einjähriger beim
Infanterie-Regiment 95 ein, wurde aber schon im Herbst
desselben Jahres als Fahnenjunker ins Regiment 79 nach
Hildesheim versetzt, in welchem er Januar 1873 Offizier
wurde. Von 1879 ab finden wir ıhn beim Seebataillon,
abwechselnd in Kiel und Wilhelmshaven, wo er auch Ad-
jutant war, und vom April 1880 ab beim Regiment 65 in
Köln. Von hier aus ging er im März 1889 mit der Wißmann-
Truppe nach Ostafrika und trat damit in seinen neuen
Wirkungskreis kolonialer Tätigkeit ein, dem er direkt oder
mittelbar bis zu seinem Tode treu geblieben ist. Hier in
Ostafrika hat er gleich wie sein späterer Freund und
Kampfgefährte Carl Wilhelm Schmidt, und z. T.an den-
selben berühmt gewordenen Orten der jungen -deutschen
Kolonie unvergängliche Lorbeeren geerntet. Bei der Er-
stürmung von Buschiris Lager im Mai des Jahres 1889
wurde er verwundet. Ueberhaupt hat er während dieses
ersten Aufenthaltes in der Kolonie ein wichtiges Stück
Geschichte miterlebt. So war er auch Zeuge der denk-
würdigen Feierlichkeiten in Bagamoyo, welche die zur
Auffindung Emin Paschas unternommene große Expedition
Stanleys beschlossen. Er hat mir oft und viel von den
berühmt gewordenen „Afrikanern“ erzählt, die damals im
Mittelpunkt des Interesses, nicht nur Deutschlands, sondern
der ganzen Kulturwelt, standen, und als scharfer Beobachter,
der er war, dürfte er hinsichtlich mancher Persönlichkeiten
zu einer richtigeren Einschätzung gekommen sein, als wir
sie aus den allgemein bekannten populären Büchern ge-
winnen. Mit Wißmann verbanden ihn engste Beziehungen
dienstlicher und rein freundschaftlicher Natur; er wurde
nicht müde, die Verdienste dieses außerordentlichen Mannes
durch Schrift und Wort ins rechte Licht zu setzen, ja er
verherrlichte dessen Persönlichkeit in einem eigenen, glän-
zend geschriebenen Werk. Außer Stanley und seinen Be-
gleitern kannte er u.a. persönlich Emin Pascha, dem ihn
auch die gemeinschaftlichen entomologischen Interessen
‚näher brachten, Rochus Schmidt, Casatı und fast alle
anderen „Afrikaner“, die damals irgendwie von Bedeutung
waren. Ostafrika hat er noch in ursprünglichem Zustande
kennen gelernt, lange Zeit ehe man an Bahnbauten dachte,
die später Ostafrika in das Bereich der Globetrotter und
internationaler Jagdsportfexe beiderlei Geschlechts einbe-
zog, er hat viele Plätze besucht, die auch heute noch
ZN A en
re
A. Schultze. Zur Erinnerung an zwei verstorbene Iris-Mitglieder. 275
weitab von den großen Verkehrsstraßen liegen. Neben
aufregenden Zeiten der Kämpfe war ihm zeitweilig auch
die mehr friedliche Tätigkeit des Stationschefs beschieden;
die ihm ein beschaulicheres Leben zu führen erlaubte, und
so hatte er, zumal da er niemals unter Fiebern litt, auch
in den schlimmsten Klimaten nicht, meist mehr Gelegenheit
als sein Freund und Vorgesetzter Schmidt, das Land auch
entomologisch zu erforschen. Wie dieser lernte er z.B. das
schöne Usambara noch zu einer Zeit kennen, da noch nicht
menschliche Gewinnsucht den herrlichen Urwäldern jenes
Berglandes den Krieg erklärt hatte, wo man dort noch
lebend solche Wundertiere wie Hypolimnas usambara,
antevorta und Precis splendens beobachten konnte,
Falter, die heute wohl nur noch in Sammlungsstücken
existieren, weil sie mit ziemlicher Sicherheit als ausgerottet
gelten können. So brachte er reiche entomologische Schätze
heim. Er war auch, wenn ich mich nicht irre, der erste
Sammler, der die herrliche Chrysiridia croesus ın
größerer Anzahl nach Europa brachte.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat (1891) war er in
- verschiedenen Garnisonen dienstlich tätig. 1898 wurde er
als Major ins Infanterie-Regiment 20 nach Wittenberg ver-
setzt, wo er bis 1900 blieb. In dieser Zeit lernte ich, damals
selbst noch aktiver Offizier, den Verstorbenen gelegentlich
eines Manövers kennen und besuchte ihn bald darauf ın
seiner Garnison. Hier in seinem Hause sah ich zum ersten
Male eine Sammlung von afrikanischen Schmetterlingen
und faßte sofort eine besondere Zuneigung zu dieser eigen-
tümlichen, scharf von der der übrigen Gebiete gesonderten,
Lepidopteren-Fauna, mit ihren aparten vornehmen Farben,
eine Zuneigung, an der sich seitdem nichts geändert hat,
trotzdem ich vier Jahre lang in der Heimat von Morpho
cypris und rhetenor und der aufdringlich bunten Gat-
tungen Agrias und Catagramma Gelegenheit hatte,
lepidopterologisch zu beobachten und zu sammeln. Die damals
angebahnten freundschaftlichen Beziehungen zwischen uns
beiden blieben dauernde und wurden immer engere. Wäh-
rend meiner afrikanischen Wanderjahre und auch jetzt
wieder in Columbien war ich in ständiger brieflicher Ver-
bindung mit dem Verstorbenen, dessen Briefe stets etwas
ungemein Anregendes hatten und seine grobe Vielseitigkeit
zeigten. Seine Briefe waren immer ein Ereignis für mich
draußen in der Fremde.
276 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Als letzte dienstliche Stelle vor Ausbruch des Welt-
krieges bekleidete der Verstorbene den Posten des Bezirks-
kommandeurs in Lauban. 1908 nahm er seinen Abschied
und reiste dann nochmals für 7 Monate nach Ostafrika, an die
Stätten, an denen er zu Beginn der deutschen kolonialen Be-
tätigung in so hervorragender Weise gewirkt, wo sich in-
zwischen so manches verändert hatte, und jetzt ein großzügig
angelegtes Eisenbahnnetz eine neue Epoche des wirtschaft-
lichen Aufschwungs einleitete. Es versteht sich von selbst,
daß Richelmann auch während dieser Reise wieder eifrig
entomologisch tätig war. Von den Beutestücken dieser Ex-
pedition ist, aus biologischen Gründen, besonders der schöne
Papilio nobilis erwähnenswert, weil der Sammler dieses
Tier in beiden Geschlechtern im tiefsten Schatten des Ur-
waldes erbeutete und damit die Theorie widerlegte, welche
diesen seltenen Falter wegen der lehm- oder sandfarbigen
Rückseite um jeden Preis als Prototyp des Steppenbe-
wohners reklamieren wollte!
Gleich nach Abschluß dieser letzten afrikanischen Reise
zog Richelmann mit seiner Familie endgültig nach Steglitz
und in die Nähe des prächtigen botanischen Gartens, um
sich in Muße ganz seinen Liebhabereien zu widmen. Ein
großer Teil der Wintermonate war allerdings noch ausge-
füllt mit kolonialer Propagandatätigkeit. Der Verstorbene
war ein vorzüglicher Redner, der seine Hörer zu fesseln
und hinzureißen wußte. Es gab wohl kaum eine Ortsgruppe
der deutschen Kolonialgesellschaft — in deren Dienst er
sich gestellt hatte —, die nicht schon seinen fesselnden
Darlegungen gefolgt wäre.
Jede freie Stunde aber, die dem Verstorbenen sonst in
seinem behaglichen Heime blieb, gehörte seinen Faltern,
und seine, zuletzt nur das aethiopische Gebiet umfassende,
Sammlung war ein Muster von Sauberkeit, ganz wie die
von seinem Freunde Schmidt, deren Umfang sie allerdings
bei weitem nicht erreichte. Aber auch in dieser Sammlung
war eine Fülle von Typen und anderen Kostbarkeiten
enthalten, wie z. B. das einzige bekannte g' der schönen
und überaus seltenen Cymothoe frederica, eine
Salamis parrhassus mit fast schwarzer Rückseite und
viele andere mehr. Von den Typen seiner Sammlung hatte
Richelmann eine Anzahl in der Int. ent. Zeitschr. in Guben
bekannt gemacht, andere wurden von Weymer in den
Heften der „Iris“ (deren Mitglied Richelmann seit 1890 war)
A. Schultze. Zur Erinnerung an zwei verstorbene Iris-Mitglieder. 277
beschrieben. Von den Tieren, die seinen Namen tragen,
sei die bisher nur in einem Stück bekannte, merkwürdige
Euptera richelmanni erwähnt.
Bei Kriegsausbruch stellte Richelmann sich dem Vater-
lande sofort wieder zur Verfügung, wenn auch nicht mehr
in vorderster Linie, so doch in verantwortungsvollen und
arbeitsreichen militärischen Stellungen in den gefährdeten
Ostmarken. Es duldete ihn nicht daheim, wo der einzige
Sohn, der schon vor dem Kriege der Armee als Dragoner-
offizier angehörte, den ganzen Feldzug mit größter Aus-
zeichnung mitmachte.
Dann kam der furchtbare November des Jahres 1918,
der neben dem Verlust urdeutschen Landes auch den unserer
gesamten Kolonien brachte, den Eintausch von fast allen
nationalen Idealen gegen Utopien, die Deutschland bisher
nichts als Not und Trauer, Enttäuschungen und Demüti-
gungen gebracht haben. Der Verstorbene ebenso wie sein
Freund Carl Wilhelm Schmidt, an den er sich in den letzten
Jahren immer enger anschloß, haben schwer unter dem
Schicksal des Vaterlandes und besonders unter dem Verlust
der Kolonien gelitten. Ganz nachfühlen kann ihnen den
Schmerz über den Verlust des Kolonialbesitzes aber nur der,
der selbst mit Aufopferung seiner Gesundheit all seine Kräfte
in den kolonialen Dienst gestellt hatte, so wie die beiden
Freunde.
Am 22. Februar dieses Jahres raffte gänzlich unerwartet
eine stürmische Gehirngrippe nach kaum zweitägigem
Krankenlager den frischen energischen Mann hinweg,
wenige Tage nach seinem Kampfgefährten Schmidt. Die
Feierlichkeiten bei seiner Einäscherung wurden zu einer
ergreifenden Trauerkundgebung nicht nur seiner alten
afrıkanischen Gefährten, sondern aller in Berlin anwesen-
den Kreise, die irgendwie in Beziehungen zu der früheren
deutschen Kolonialbetätigung standen.
Der Verstorbene hinterläßt außer seiner Witwe, mit der
er in mehr als 30 jähriger, glücklicher und harmonischer
Ehe gelebt hatte, den schon erwähnten Sohn, der im Vater
seinen besten Freund verlor, und die Gespielin seiner
ersten Jugendjahre, seine einzige Schwester. Angesichts
der furchtbaren Not der Heimat müssen diese drei den
unersetzlichen Verlust doppelt schwer empfinden. *
Nun noch einige Worte über die Sammlungen der beiden
Verstorbenen: So wie heute die Verhältnisse in Deutsch-
278 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
land liegen, ist leider nicht daran zu denken die kostbaren
Sammlungen Schmidt und Richelmann dem Vaterlande oder
der Wissenschaft zu erhalten. Gerade die Familien der
Männer, die Deutschland groß gemacht haben, und die
Kreise, die im Besitz solcher oder anderer Privatschätze
sind, hat die Zeit nach der Revolution vor furchtbare
wirtschaftliche Sorgen gestellt. Die „neuen Reichen“ haben
für derartige Dinge nichts übrig, ihr Interesse beschränkt
sich auf den Ankauf von Automobilen, kubistischen „Ge-
mälden“ und anderen zeitgemäßen Gegenständen. So
gehen unermeßliche Schätze, die in privaten Sammlungen
enthalten sind, mit dem Tode ihrer Besitzer dem Lande
verloren.
Es wäre an der Zeit, wenn das Reich und die Einzel-
staaten — trotz der, wie zugegeben werden muß, unge-
heuren öffentlichen Lasten — nach einer Möglichkeit
suchten, wie man derartige unersetzliche Sammlungen, sei
es welcher Art, der Heimat erhalten könnte, ohne doch
die an sich schon oft unerträgliche wirtschaftliche Lage
der Erben noch weiter zu erschweren!
So sind Carl Wilhelm Schmidt und Georg Richelmann,
dıe beiden hervorragenden kolonialen Kämpfer aus Deutsch-
lands Glanzzeit, zur großen Armee abberufen worden, ohne
den’Wiederaufstieg des Vaterlandes erlebt oder auch nur
das Morgenrot einer neuen, hoffnungsvolleren Zeit gesehen
zu haben. Aber durch die letzten Briefe, die ich von
meinen lieben, unvergeßlichen Freunden erhielt, ging doch
schon so etwas wie ein Ahnen von dem, was, in einem
heißen Wunsche, das Dichterwort hoffen läßt: „Exoriare
aliquis nostris ex ossibus ultor!“ |
Zugänge zur Bücherei vom 1. XI. 1923 bis 1. XI. 1924.
1. Eingänge durch Geschenke.
Aurivillius, Ergebnisse der Zweiten Deutschen Zentral-Afrika-Expedition
1910—1911, Fortsetzung.
Aurivillius, Lepidopteres Rhopaloc£res (Extrait du Voyage de M. le Baron M.
de Rothschild en Ethiope et en Afrique orientale anglaise 1904—1905)
Paris 1922 (Geschenke des Verfassers).
Bischoff, Das Insektensammeln und die Naturdenkmalpflege, Berlin 1924.
Dahl F., Kurze Anleitung zum wissenschaftlichen Sammeln und zum Kon-
servieren von Tieren (Geschenk des Herrn Skell).
Ferreira d’Almeida,La chenille d’Automerislarra (Bol.Soc. Ent, Brasil. 1923).
(Geschenk des Verfassers.)
u u u
Zugänge zur Bücherei. 279
Grabe A., Großschmetterlingsfauna des mittleren Ruhrkohlengebietes (Ge-
schenk des Verfassers).
Hoffmann und Klos, Die Schmetterlinge Steiermarks VII (Geschenk des
Naturw. Vereins Steiermark).
Koshantschikov, Materialien zur Macrolepidopterenfauna des Minussinsk-
Bezirks (Sibirien, Jenissey Gouv.). Jahrbuch des Martjanow’schen Staats-
museums in Minussinsk Bd. II, Lief. 1 (Geschenke des Verfassers).
Eysell A., Die Krankheitsüberträger und Krankheitserreger unter den Arthro-
poden (Bd. I von Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten, Leipzig 1924).
Petersen, Lepidopteren-Fauna von Estland (Eesti) 2. erw. Aufl., Reval 1924
(Geschenk des Verfassers).
Schawerda, Mossul (Mesopotamien), Neubeschreibungen (Verh. z. b. Ges.
Wien 1923) (Geschenk des Verfassers).
Ribbe, Unter dem südlichen Kreuz (Geschenk des Verfassers).
Soffner, Ueber die Schmetterlingsfauna des Isergebirges und seines Vor-
geländes (Geschenk des Verfassers),
Kolb, Die Großschmetterlinge der Umgebung Kemptens und des Allgäus,
Il. Auflage (Geschenk des Verfasseıs).
Völker, Ein neuer Biston-Hybrid (zonarius $ und graecarius 9 = hybr.
hellfritschi) (Geschenk des Herrn Lange).
2. Eingänge durch Kauf und Tausch.
Seitz, Exotica Lief. 336— 357.
Köhler, Fauna Argentina I. Teil Rhopalocera II. Teil Heterorera.
3. Zeitschriften.
Internat. Entomol. Zeitschr. Guben J. 17 No. 14—24, J. 18 No, 1—27.
Entomol. Zeitschr. Frankfurt a. M. J.37 No. 15—24, J. 38 No. 1—20.
Entomologiske Meddelelser, Kjobenhavn, Bd. XIV, Heft 4—6, Bd. XV, Heft 3.
Boletin de la Real Sociedad Espanola Hist. Natur., Madrid, T. 33 No. 7— 10,
-T. 342. N06.:1- 6.
Zeitschrift d. Oesterreich. Entomologen - Vereins, Wien, J. 8 No. 9—12,
J. 9 No. 1—10.
The Entomologists Record and Journal of Variation, London, Vol. 35 No. 11,
12, Vol.36 No. 1-10.
Entomologischer Anzeiger, Wien, J. III No. 11, 12, J. IV No. 1—15.
Entomologische Berichten, Amsterdam, No. 128—137.
Entomological News, Philadelphia, Vol. 34 No. 9, 10, Vol. 35 No. 2—8.
Koleopterol. Rundschau, Wien, Bd. 10 No. 4, Bd. 11 No. 1 u. 2.
American Museum Novitates No. 90, 106—103, 110 u. 113.
Tijdschrift voor Entomologie, s’Gravenhage 1923.
Insektenbörse, Stuttgart, 40. J. No. 19—24, 41. J. No. 1—32.
Entomologische Rundschau, Stuttgart, 40. J. No. 10—12, 41. J. No. 1—10.
Societas entomologica, Stuttgart, J. 33 No. 10—12, J. 39 No. 1—10.
Mitteil. Münchner Entom. Ges. J. 13 No. 6—12, J. 14 No. 1—5.
Zeitschr. f. wissensch. Insektenbiologie, Berlin, Bd. 18 No. 12, Bd. 19 No. 1—7.
Deutsche Entomol. Zeitschr., Berlin, J. 1923 Heft 4—6 u. Beiheft, J. 1924
Heft 1—3.
Entomol. Mitteil. Berlin-Dahlem Bd. XIII No. 1—5.
Entomologisk Tidskrift, Upsala, Bd. 44, Heft 1—4.
Psyche, Cambridge, Mass., Vol. 30 No. 6, Vol. 31 No.1, 3, 4.
Jahrbuch Nassauischen Vereins f. Naturkunde ]. 76.
Verh. zool. bot. Ges. Wien, Bd. 73.
Schweizer Entomol. Anzeiger Ill. J. No. 1, 3—10.
Bulletin Hill Museum, London, Vol. I No. 3.
280 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Vereinsnachrichten.
Die mit der Festigung unseres Wirtschaftslebens ver-
bundenen Erschütterungen, die Geldknappheit mit ihren
vor allen Dingen für das Geistesleben so überaus hemmen-
den Folgen gingen auch am Verein „Iris“ nıcht spurlos
vorüber. Wie jeder Einzelne, wie aber ganz besonders
wissenschaftliche Vereinigungen in der Krisis der Ueber-
gangszeit haben Opfer bringen müssen, so auch unser
entomologischer Verein. Die Tatsache jedoch, daß sein
Mitgliederbestand (am 6. 11. 24: 5 Ehrenmitglieder, 199
ordentliche, 5 außerordentliche, 32 korporative Mitglieder
und Tauschverbindungen mit 21 wissenschaftlichen Ver-
einen und Instituten) gegenüber dem Vorjahre fast auf der
alten Höhe geblieben ist, läßt ihn mit froher Zuversicht in die
Zukunft blicken. Es gilt nunmehr auch auf dem Gebiete
der Lepidopterologie aufzubauen, ın ernster Kleinarbeit den
durch die Ungunst vergangener lage zum Teil verlorenen
Boden einer gedeihlichen Weiterentwicklung wieder zu
gewinnen, um weiter vorwärts zu streben. Der Treue
seiner bisherigen Mitglieder gewiß, bittet der Verein, da
nunmehr sein wirtschaftlicher Bestand gesichert ist, herz-
lichst, neue Mitglieder und besonders solche unter der
heranwachsenden Generation zu werben, damit vor allem
dieser junge Nachwuchs unter den Schmetterlingsfreunden,
von dem in den letzten Jahren wohl in allen entomo-
logischen Vereinigungen recht wenig zu spüren gewesen
ist, uns zugeführt wird. Der Verein dankt aber auch an
dieser Stelle allen denen, die ihm in den Zeiten schwerster
wirtschaftlicher Bedrängnis die Treue gehalten haben! Er
wirdauch fernerhin bestrebt sein, in seinen Veröffentlichungen
bei möglichster Vielseitigkeit nur das Beste zu bringen.
Umfang, Inhalt und Ausstattung der 1924 erschienenen
Hefte werden diese Bemühungen bereits deutlich erkennen
lassen. Im Vereinsjahr 1925 sollen die 4 Hefte nach
Möglichkeit einzeln ın zwangloser Folge erscheinen. Für
die neu errichteten „Mitteilungen“ bittet der Schriftleiter
um eifrige Mitarbeit. Bietet sich hier doch Gelegenheit,
Beobachtungen aller Art, Zuchtversuche und -Ergebnisse,
Besonderheiten usw., die sich zu größeren selbständigen
Arbeiten oft nicht eignen, die aber doch vielfach wissen-
Vereinsnachrichten. 281
schaftliches Interesse besitzen, oft für Züchter und Sammler
wertvolle Winke und Ratschläge enthalten, vielfach auch
neue Probleme und Richtlinien für die fernere wissen-
schaftliche Weiterarbeit des einen oder des anderen bringen,
zu veröffentlichen. In Zukunft sollen die Vereinsabende
wieder allwöchentlich (s. Umschlag S. 2!) abgehalten werden,
Vorträge und Notizen in der Presse dem Vereine interes-
sierte aber zurzeit noch fernstehende Kreise zuführen.
In der am 5.11.24 abgehaltenen Jahreshauptversammlung
bat der bisherige verdienstvolle 1. Schriftleiter, Herr
Dr. Walther, dringend, bei der Neuwahl des Vorstandes
von seiner Person infolge beruflicher Belastung absehen
zu wollen. Nur schwer fügte sich die Versammlung
diesem Wunsche, dessen Berechtigung sie anerkennen
mußte. Die darauf stattfindende Neuwahl brachte für 1925
folgenden Vorstand:
1. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. phil. K. M. Heller.
2. Vorsitzender: Dr. med. H. Walther.
1. Schriftführer: Lehrer Joh. Skell.
2. Schriftführer: Kaufmann Wilh. Petzold.
Rechnungsführer: Kaufm. R. Zeumer.
Bücherwart: Obertierarzt E. Möbius.
T. Schriftleiter:‘ Hofrat Prof. Dr..phil. K.M. Heller.
2. Schriftleiter: Obertierarzt E. Möbius.
Aufgenommen wurden im laufenden Vereinsjahr. die
Herren: Berander (Flädie, Schweden), v. Ghika (Hamburg),
Hämmerlein (Mainz), Haßlinger (Eichstädt), Shineas (U.S.A.),
Strand (Riga), Thomas (Kötzschenbroda b. Dresden), v. Törne
(Grieben) und das Zoologische Museum der Russischen
Akademie der Wissenschaften (Leningrad).
Es schieden aus: Berndt (Löbau) 7, Daub (Karlsruhe) Tr,
Grahl (Stadthagen), Horn (Berlin), Pfeiffer (München),
Ragusa (Palermo) }, Richelmann (Berlin) f, Riedel (Krems),
Schmidt (Berlin) f, Schneider (Bleischwitz), Schneider (Eibau),
Stauder (Wels), Walther (Gersdorf), der Entomologische
Verein Braunschweig und die Entomologische Vereinigung
Liegnitz.
An Stelle der mit uns in Schriftenaustausch stehenden
Entomologia Zürich tritt der Schweizer Entomologische
Anzeiger (Zürich). Für das ausscheidende Mitglied Pfeiffer
(München) tritt Tauschverkehr mit der Münchner Entomo-
logischen Gesellschaft ein.
282 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
Die einzelnen Vereinsabende, an denen den Zeit-
verhältnissen entsprechend noch immer ein verhältnismäßig
großer Teil der Zeit geschäftlichen Fragen gewidmet sein
mußte, ließen auch die praktische Entomologie zu ihrem
Rechte kommen. Folgendes wurde als besonders er-
wähnenswert im Berichte festgehalten:
5. Dezember 1923: 1 g' von Selenophera ab. lobulina
Esp. zog Herr Walther aus einer am Wilisch gefundenen R.
Im Junı 1924 fand er daselbst wieder eine R dieser Art.
19. Dezember 1923: Herr Skell zeigt aus von Heidel-
beeren geschöpften R gezogene Spanner. Aus Geising-
Altenberg (Erzgbg.) Lar. caesiata Lang, mit ab. nigricans
Prout und Uebergängen zur ab. atrata Lange und ab. divisa
Lange, Lar.truncata Hufn. mit ab. centumnotata Schulze und
Lyg. populata L. mit ab. circumscripta Strand; aus dem
Friedewald (Dresden) Boarm. repandata L. mit ab. conver-
saria Hb. und ab. nigricata Fuchs., sowie Ang. prunarial.
mit ab. sordiata Fuessl. Eine ex o.-Zucht von Call. domi-
nula L. vom Kottmar (Lausitz) lieferte 1 ab. paucimacula
Schultz.
2. Januar 1924: Herr Krüger legt einige Stücke seiner
vorjährigen Ausbeute von Berchtesgaden - Hintersee vor.
Genannt seien davon folgende Arten: Col. palaeno L.,
Arg.thore Hb., Nem. lucina L., Lyc. hylas Esp., bellargus
Rott. und minimus Fuessl., Selen. lunigera ab. lobulina
Esp. und Dendr. pini ab. montana St.
16. Januar 1924: Nach einleitenden Worten des Herrn
Heller über die Plusien — sie sind in 225 Arten, die fünf
scharf voneinander abgegrenzten Gruppen angehören, über
dıe ganze Erde verbreitet, davon 62 Arten im paläarktischen
Faunengebiete, 27 in Mitteleuropa, 11 in Sachsen — be-
spricht Herr Möbius dieselben an der Hand seiner reich-
haltigen Sammlung. Vertreten sind darin folgende Arten:
Abrostola triplasia L.(Oberstdorf), asclepiadis Schiff. (Oberst-
dorf), tripartita Hufn.; Plusia C-aureum Knoch (Schweiz),
deaurata Esp. (Spanien), moneta F. mit var. esmeralda Obth.
(Asien), cheiranti Tausch. (Kärnten), variabilis Piller (Alpen),
modesta Hb. (Regensburg), consona F. (Halle), beckeri var.
ıtalica Stgr. (Gran Sasso), chrysitis L. mit ab. juncta Tutt,
zosimi Hb. (Spanien), aurifera Hb. (Spanien), chryson L.
(Oberstdorf), bractea F. mit goldenen und auch silbernen
Flecken, aemula Hb. (Schneeberg bei Wien), festucae L.,
v-argentum Esp. (Alpen, Südtirol), gutta Gn., circumscripta
Vereinsnachrichten, 283
Frr. (Syrien), chalcytes Esp. (Dalmatien), pulchrina Hw.,
jota L. mit ab. percontationis Ir., macrogamma Ev. (Lapp-
land), gamma L. mit ab. pallıda Tutt, nı Hb. (Mittelmeer-
gebiet), interrogationis L. (Berlin), .ain Hochenw., hochen-
warthi Hochenw. mit var. alaica und Plusia devergens Hb. —
Herr Skell zeigt seine in den letzten 3 Jahren aus der
Dresdner Gegend aus geleuchteten R. und ex 0. gezogenen
Agr. fimbria L. Außer der Stammform sind vertreten die
hellrote ab. rufa Tutt, die dunkelbraune ab. brunnea Tutt,
darunter ein Stück mit sehr scharf gezeichneter und breiter
weißer Wellenlinie, die hell-olivgrüne ab. virescens Tutt und
die dunkelgrüne ab. solani F. Eine ex o.-Zucht von einem
bei Coswig geköderten © ergab auf dem warmen Küchen-
ofen getrieben gegen Weihnachten eine Il. Generation und
zwar 22 Stammformen, 7 ab. rufa Tutt, 16 ab. brunnea
Tutt, 2 ab. virescens Tutt und 17 ab. solanı F.
6. Februar 1924: Eine Serie von Bombycia viminalis
Hb. mit ab. saliceti Bkh. zog Herr Skell e. 1. Rabenauer
Grd., woselbst die R zu Hunderten in’ zusammengespon-
nenen Blättern der Weidengebüsche zu finden waren.
5. März 1924: Herr Möbius legt eine von dem in der
Sitzung vom .16. Januar erwähnten © stammende Serie von
Agr. fimbria L. vor, in der ebenfalls sämtliche bereits an-
geführten Formen in schönen Stücken vertreten sind. —.
Herr Walther zeigt prächtige Tagfalter, Eulen und einige
Spinner, die F. Wagner (Wien) zum größten Teile bei
Gravosa (Süd-Dalmatien) am Lichte gefangen hat (s. Iris
Bd. XXXVI, S. 77—82). Als seltenen Köderfang in Dres-
den erwähnte er 2 Orth. laevis Hb, Loschwitz. — Herr
Krüger bringt unter einer Anzahl Dend. pini L. e.l.
Dresdner Heide große und schön gezeichnete Stücke so-
wohl der grisescens- als auch der brunnea-Reihe.
16. April 1924: Herr Heller berichtet über die inter-
essante Lebensweise zweier ausländischer Dungkäfer. —
Herr Skell legt eine Serie von Taen. populeti Tr. ex o.
Saubachtal vor. Die Aufzucht mit saftiger Populus nigra
lieferte sehr große Stücke, darunter auch ab. nigra Tutt
und ab. atropunctata Tutt. Von den P lieferten nur 50 Prozent
den F, davon waren noch. ein Drittel verkrüppelt. — 2 J'9'
von Hyb. marginaria Bkh. aus dem Gr. Garten gehören
der ab. rufipennaria Fuchs an.
2. Juli1924: Herr Möbius klopfte im Mai bei Bienenmühle
im Erzgbg. R von Lar. caesiata Lang. Unter ca. 40 Faltern
284 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
traten die Stammform mit zahlreichen Uebergängen zur
ab. divisa Lange sowie einzelne reine ab. divisa Lange auf.
Die ab. nigricans Prout überwiegt. Einzelne Stücke, darunter
eine ab. lacteofasciata Lange fallen durch ihre besonders
schöne Zeichnung auf.
17. September 1924: Herr Skell zeigt 108 Lar. caesiata
Lang. Gegen 150 R, am 11. Maı bei Geising-ÄAltenberg vor
der letzten Häutung geschöpft, gehörten ausnahmslos der
braunen Form an. Nach der letzten Häutung zeigten sie
bis auf fünf Ausnahmen die grüne Färbung. Sämtliche im
Wachstum stark zurückgebliebenen R erwiesen sich als
gestochen. In trockenem Torfmull verpuppt lieferten die
gesunden vom 1.—18. 6. verlustlos die F. Darunter befinden
sich 19 caesiata Lang, 6 ab. nigricans Prout, 1 trans. ad
ab. annosata Zett., 2 ab. annosata Zett., 3 trans. ad ab.
divisa Lange, 1 ab. divisa Lange, 2 trans. ad ab. atrata
Lange, 3 ab. atrata Lange, 1 ab. paradoxa Lange, während
ab. lacteofasiata Lange fehlt. Ab. paradoxa Lange ist also
nicht nur auf die Gegend bei Bienenmühle im Erzgeb.
beschränkt. Einige am gleichen Orte geschöpfte R von
Lar. truncata Hfn. lieferten außer der Stammform auch
1 Qg'! ab. rufescens Ström. — Von am Himmelsbusch
bei Kötzschenbroda geklopften R stammen 1 Qg' Zeph.
quercus L. und 4 g'g'QQ Zeph. betulae L.
1. Oktober 1924: Herr Möbius bespricht an einer
Serie von Anaitis plagiata L die von K. Jordan (Nov.
Zool. XXX, Seite 243—246, Oktober 1923) abgetrennte
neue Art A. efformata Gn. Die unterscheidenden Merkmale
fallen z. I. schon am getrockneten Objekt deutlich ins Auge.
Das g' von A. plagiata besitzt außerordentlich schmale
und lange Valven. Am Ende konvergieren sie in zwei
kurzen, scharfen Spitzen. Demzufolge ist die Hinterleibs-
spitze bei plagiata g' lang zugespitzt. Die g'g' von A.
efformata zeichnen sich demgegenüber durch breite und
kurze Valven aus, die nicht in 2 kurze Spitzen ‘auslaufen,
sondern durch eine tiefe Einbuchtung in einem dorsalen und
einen ventralen Lappen gespalten sind. Dadurch erscheint
der Hinterleib von efformata g'! kürzer und stumpf aus-
laufend. Dieses sichere Unterscheidungsmerkmal ist bei
den Belegstücken deutlich zu erkennen. Beim © von
plagiata ist das Hinterleibsende bedeutend dünner und
länger als die vorhergehenden Segmente. Es erscheint in
der Seitenansicht scharf abgesetzt. Im Gegensatz dazu
Vereinsnachrichten. 285
fehlt bei dem © von efformata jeder Unterschied in der
Stärke zwischen den einzelnen Abdominalsegmenten; der
gesamte Hinterleib ist dadurch kürzer und stumpfer. Die
efformata-Stücke sind meist etwas kleiner und blässer als
plagiata. Unter den vorliegenden Tieren befinden sich
auch sächsische Stücke, so daß wir in A. efformata zu-
gleich eine neue sächsische Art vor uns haben. Nach
Untersuchungen von A. Bang-Haas an den Typen Stau-
dingers ist efformata synonym zu pallıdata Stgr. Ein
längerer Bericht über diese neue Art befindet sich in
„Verh. d. Zool. Bot. Ges. in Wien“, Jahrgang 1923, LXXII.
Band, S. 190-192. — Herr Zeumer bringt mehrere Ach.
atropos L. und Daph. nerii L. aus Südtirol zur Ansicht. —
Herr Draeseke zeigt einige seltene Arctiiden der Stötzner-
schen Ausbeute, z. T.neue Arten und neue ÄAberrationen. —
Unterzeichneter legt die Ergebnisse seiner diesjährigen B.
repandata L.-Zucht vor. Die R wurden sämtlich von
Heidelbeeren geschöpft. Von 3 verschiedenen Oertlich-
keiten erhielt er folgende Serien: 1. Friedewald: 10 O9
4 g'g' repandata L., 20 99 5 g'g! ab. nigricata Fuchs,
1 g‘ ab. conversaria Hb. 2. Dresdner Heide: 12 99
8 g'g' repandata L., 1 © ab. destrigiaria Hw., 19 trans.
ad nigricata Fuchs, 2 Q9, 1 g' ab. conversaria Hb. 3. Geising-
Altenberg: 2 @Q 1 g! repandata L., 1 Q ab. conversaria
Hb. Am 28. 6. 24 wurde I © ab. nigricata Fuchs bei
Pillnitz auf den Jagdwegen gefangen.
15. Oktober 1924: Herr Winckler setzt eine ex
o.-Zucht von einem Paras. plantaginis L. @ aus Iharandt
in Umlauf. Von den stattlichen 99 gehören einige der
‘ab. lutea Tutt an. Die g’g' sind zur größeren Hälfte sehr
schöne Stücke der ab. matronalis Frr. Der andere Teil
gehört zur Form lutea-obsoleta Tutt. Unter beiden Ge-
schlechtern tritt ferner die ab. nigrociliata Sch. auf. Die R
gingen an Plantago nur sehr widerwillig, nahmen Taraxa-
' cum sehr gern, fraßen aber mit Vorliebe Sonchus. Im
Gegensatz dazu nehmen die R einer gegenwärtig laufen-
den Zucht eines anderen Vereinsmitgliedes, die aus der
Berchtesgadener Gegend stammen, letztere Pflanze nicht
an. Die II. Generation wurde ohne jedes Treiben durch
Zucht im Glase mühelos erzielt. — Herr Walther bringt
4 ex o.-Zuchten von Lar. populata L. Die Q@Q wurden
bei Bienenmühle im Erzgeb. im August 1923 gefangen.
1 © der f. musauaria Fr. ergab 17 J'g', 15 9% der Stamm-
286 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1924.
form, 11 g'g', 11 99 der f. musauaria, 1 weiteres 9,
1 g' 3 29 der Stammform nebst 1 g', 3,99 der f. mu-
sauarıa. 2 QQ der Stammform lieferten: das eine 20 gg‘,
20 O9, das andere 11 gJ'g', 15 29 der Stammform. Da
bei allen 4 Zuchten die g'!g! unbekannt sind, können
erst die folgenden, gegenwärtig laufenden Zuchten Auf-
schluß darüber ergeben, ob musauaria eine Äberration
oder, wie Herr Walther annimmt, eine mit strenger Ver-
erblichkeit begabte Mutation darstellt. Nimmt man z.B.
an, daß, wie wahrscheinlich ist, die 2 QQ von f. musauaria
mit J'9' der Nominatform kopuliert haben, so würden die
Ergebnisse dieser Zuchten, Stammform: Aberration un-
gefähr 1:1, bereits für letztere Annahme sprechen. Die
vorgelegten Stücke der f. musauaria sind sehr dunkel
gefärbte g'g', während die QQ durchgängig etwas heller
gefärbt sind. — Herr Heller berichtet über eine inter-
essante Beobachtung. Durch unbeholfenes Flattern eines
Pieris brassicae L. aufmerksam geworden, sah er, wie sich
an dem einen Vflrande eine gemeine Wespe angeklammert
hatte, und versuchte gegen die Brust vorzurücken. Durch
krampfhaftes Flügelschlagen und infolge der großen und
einseitigen Belastung sprungweise, kurze Flüge suchte der
Falter sich seines Gegners zu entledigen. Erfolglos!
Nach kurzer Zeit machten die kräftigen Kiefer des Räubers
seinem Leben ein Ende. — Im Anschlusse daran schilderte
Herr Skell ähnliche Beobachtungen auf einer blumigen
Waldwiese im Loisachtale unterhalb Garmischs. Außer
vielen Schmetterlingen kreisten hier Wasserjungfern in
2—3 m Höhe über dem Erdboden. Sobald ein Lept. sinapisL.
in seinem taumelnden, flatternden Flug vom nahen Busch-
rand sich nach der Wiese verirrte, war er auch schon von
dem Fangapparat der Jungfern erfaßt. Nach wenigen
Augenblicken fielen die Flügel losgelöst nacheinander zu
Boden, während der Leib jedenfalls verspeist wurde. Die
Pieris-Arten retteten sich meist noch im letzten Augenblick,
indem sie einen Haken schlugen,. doch fielen in der
1Y2 stündigen Beobachtungszeit auch 1 brassicae L. und 2
rapae L. den gefräßigen Tieren zum Opfer. Col. hyaleL.
und Gon. rhamni L. wurden auch kurze Strecken verfolgt,
aber nie erwischt. Die zahlreich fliegenden Vertreter der
Gattung Argynnis F. blieben völlig ungestört. Es machte
den Eindruck, als ob sie infolge ıhrer weniger hellleuch-
tenden Gesamtfärbung übersehen wurden.
Vereinsnachrichten. 287
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12. November 1924: Herr Möbius zeigt eine Erebia
epiphron var. cassiope F. vom Albulapaß. Das Stück zeigt
auf allen Fl unregelmäßig verstreut albinotische Flecken.
‚Weiter legt er ex o-Zuchten von Polia rufocincta ab. mucida
Gn. aus Gravosa in Süddalmatien und von Lar. tophaceata
Hb. aus Bergün (Graubünden) vor. — Eine ex o-Zucht
von einem englischen ÄAbraxas grossularıata L. ©, die Herr
Walther durchführte, brachte sehr schöne kräftig gezeichnete
F, unter denen besonders die gJ'g9' durch starkes Hervor-
treten der schwarzen Zeichnung auffallen. — Unterzeichneter
legt eine ex o-Zucht von einem reinen Mimas tiliae ab.
brunnea Bart. Q aus dem Sürßengrund bei Dohna vor. Unter
ca. 60 F schlüpfte nur 1 Qg! dieser rotbraunen Form. Der
ab. bipuncta Clark und centripunkta Clark gehören je 2
Stück an. Die völlig binden- und fleckenlose ab. obsoleta
Clark ist einmal vertreten und macht wie wohl alle Ver-
treter dieser Aberration den Eindruck einer Kümmerform.
Eine Serie Melitaea aurinta Rott. am 27. und 31. Mai bei
der Mistschenke im Friedewald gefangen,-zeigt deutlich, wie
die einzelnen Stücke in Farbengebung und Bindenzeichnung
von einander abweichen, sodaß man kaum zwei ganz gleich
gezeichnete Stücke vorfinden wird.
November 1924. Joh. Skell.
INS Alphabetische Liste.
Alphabetische Liste |
der im XXXVII. Band neu beschriebenen For
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Anugana Strand g,n.. =. 2.20 0 ala 2 PR E E
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Aporia bieti f. magna Draeseke-, » . =... u. 2 Mo
E martineti ab. stötzneri Draeseke . . . . u De a
Arctornis alba f. nigripunctata Warn. . . 2... 0 Por Er nr
Bactra australiana Strand : . 1.0: nz Fang Ruben y;
Chamaesphecia ferganae Shelj. .. #: .: 2.52, 7:7 „vo one Ce a
Cidaria aptata f. hesperina Wehrli . .... 0 = m. 0 nn RE
Ri 4 f. jurahelvetica Wehrli . . . . en
Crambus zermattensis subsp. müller-rutzi Wehrli PA EE
Cyclosia papilionaris subsp. philippensis Draeseke .. .. : 2.,..,13
Dipsosphecia kalavrytana Sheli .. . . tt re a Re Be
Drepana falcataria ab. pallida Jul. Steph. ee A ee
Ectopatria contrasta Strand . De
H dimidiata Strand . N Mer
$ distincta Strand ME a
Gnophos canitiaria f. subpullata Wehrli., 3%...2 abe... 0 Vo
S furvata f, meridionalis Wehrli . . . ....... „ BEE
glaucinäria f. perstrigata Wehri . . . . . . „ rekereEE
„ vallesiaria f. subnivea Wehrli -. . ....'2 -.- 2 er
Haemorrhagia tityus ab. ferrugineus Jul. Steph, . . . . 2.2 2.2... 18
Lemonia taraxaci ab. depuncta Jul. Steph. . .. . 2... n FE 7204
Lycaena argus ab. caeruleo-marginata Lange. . . .. 222.2... .184
ns arionides ab. selzeri Warn. . . . . „ n 0... 5 Ve Pe
Maenas fremanilei Strand . . . . .uu..2.... bee
Melicleptria bipartita Strand . ... . 2. 2 a
e stramineipicta Strand .. ee
Metaporia acraea f. funkei Draeseke . . . 2.2. rer
Ortholitha moeniata f. lantoscana Wehrli . . 2. 2000 u 2 Zn
% octodurensis f, gallica Wehrli . . „ „7. we
Papilio xuthus f. unimaculata Warn. . . ee
Plutorectella Strand g.n. . . Be ee
=” abdominalis Strand ee
Procalyptis albanyensis en ee
Pseudoedaleosia Strand g. a |
Ka Strand a
Psodos bentelii f. alpmaritima Wehrli. . . ee
Solenobia alpicolella subsp. argenterae Wehrli .
5 rebeli Wehrli. . . ee
Sphinx pinastri ab. minor Jul. Steph. ee
Synchloe stötzneri Draeseke . . ee
Syntomis phegea subsp. bessarabiea Stauder . ee
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'Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
‚Jahrgang 1924. Viertes Heft.
15. Januar 1925.
Schriftleiter: Dr. H. Walther.
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|| Verlag des Entomologischen Vereins „Iris‘,
Druck von Kupky & Dietze (Iah.’C. und R. Müller), Radebeul;
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UNIVERSITY OF ILLINOIS-URBANA
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DEUTSCHE ENTOMOLOGISCHE ZEITSCHRIFT IRIS
37-38 1923-24
12 009318905
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