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FOR EDVCATION
FOR SCIENCE
LIBRARY
OF
THE AMERICAN MUSEUM
OF
NATURAL HISTORY
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REEL:
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ARCHIV
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F.A. WIEGMANN
—.
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF
W. WELTNER unnpE. STRAND
SECHSUNDACHTZIGSTER JAHRGANG
1920
Abteilung A
9, Heft
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND
(BERLIN)
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin
Inhaltsverzeichnis.
22-887106 ya [2
Seite
Oudemans. Das Dollosche Gesetz der Irreversibilität . . ... 1
Oudemans. Die Luftkammer im Ei . ..,.. |)
Oudemans. Die Langarmigkeit der Anthropomor hen ee) dis Gerad-
beinigkeit der Menschen ,. are.
‘ Oudemans. Die Abbildungen der ade che 2
Oudemans. Der Nordpol als Völkerheimat . . . on. nn 227718
Oudemans. Ein Pferd mit 8 Ineisivi . . . 21
Ext. Beiträge zur Kenntnis des Raps rien Meister aeneus
Fabr. (Mit 1 kolorierten Tafel und 36 Textfiguren) . . 22
Kleine. Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwende
kreis. (Mit 25 Figuren). . . i A
Poche. Über eine in Vergessenheit ee Art An Eehiuraid ale 11,92
Fruhstorfer. Tessiner Wanderbilder: III. Der Monte Salvatore (mit
orthopterologischen, lepidopterologischen, malacologischen und‘
herpetologischen Mitteilungen) „ . . . 104
Schmidt. Beitrag zur Kenntnis der en Ca Bi
Sybax Boh., Aphodius Ill., Simogenius Har., Ataenius Har.’
(Mit :2 Textliguren) ... sin... 000.022 4
Strand. Bezensiönen.. . .. % . ..... u su. ee ee: )
Druck von Julius Brandstätter, Leipzig, Querstraße 15 7
/
/
Das Dollosehe Gesetz der Irreversibilität.
Von
Dr. A. C. Oudemans, Arnhem.
„Louis Dollo hat 1893 zum erstenmal mit aller Schärfe be-
tont, daß die Entwicklung nicht umkehrbar ist und daß sich
daraus wesentliche und wichtige phylogenetische Konsequenzen
ergeben.‘
„L. Dollo hat seither fast in jeder seiner Arbeiten Beispiele
für die allgemeine Gültigkeit dieses Gesetzes erbracht, das heute
fast von. allen Forschern als ein sehr wichtiges Entwicklungsgesetz
anerkannt ist.“
„Vielfach ist der Inhalt und das Wesen dieses Gesetzes miß-
verstanden worden, was darauf zurückzuführen ist, daß sich
viele Autoren nicht eingehender mit den Grundlagen dieser Schluß-
folgerungen vertraut gemacht haben. Ich habe, um weitere Miß-
verständnisse zu vermeiden, vor einiger Zeit folgende Formulie-
rung des Dolloschen Gesetzes vorgeschlagen:‘
„L. Ein im Laufe der Stammesgeschichte verkümmertes
Organ erlangt niemals wieder seine frühere Stärke; ein gänz-
lich verschwundenes Organ kehrt niemals wieder.‘
„2. Gehen bei einer Anpassung an eine neue Lebensweise
(z. B. beim Übergang von Schreittieren zu Klettertieren) Organe
verloren, die bei der früheren Lebensweise einen hohen Gebrauchs-
wert besaßen, so entstehen bei der neuerlichen Rückkehr zur
alten Lebensweise diese Organe niemals wieder; an ihrer Stelle
wird ein Ersatz durch andere Organe geschaffen.‘
So weit ©. Abel in seinem Fundamentalwerke ‚Grundzüge
der Palaeobiologie der Wirbeltiere‘“, Stuttgart 1912, S. 616. Am
Schluß der darauffolgenden zwei Seiten mit Beispielen heißt es
nochmals:
„So lassen sich zahlreiche Beispiele für. die Richtigkeit des
Dolloschen Gesetzes anführen. In den vorstehenden Abschnitten
habe ich wiederholt auf derartige Fälle hingewiesen, welche in
klarer Weise zeigen, daß ein verkümmertes Organ nie
wieder seine alte Stärke erlangt, daß ein verloren ge-
gangenes nie wiederkehrt und daß im Bedarfsfalle an
Stelle des verlorenen Organs ein funktioneller Ersatz
durch ein anderes Organ geschaffen wird.“
Jedermann wird ihm für diese klare Auseinandersetzung oder
Formulierung des Dollöschen Gesetzes dankbar sein.
Auch in seinen seitdem erschienenen Arbeiten ‚Die vorzeit-
lichen Säugetiere“, Jena 1914, und ‚Palaeobiologie der Cephalo-
Archiv 5 ee ahichte 1 9. Heft
U, A, ds
2 Dr. A. C. Qudemane:
poden“, Jena 1916, werden viele Beispiele geliefert, welche eben-
falls nur durch das Dollosche Gesetz erklärt werden. Wenn man
alle diese Beweise beieinander bringt, so ist ihre Zahl in der Tat
verblüffend, aber dabei stellt man sich unwillkürlich die Frage:
ist es wirklich immer so? Gibt es keine Ereignisse in der gesamten
Biologie, welche als Ausnahmen angesehen werden können?
Wenn das Dollosche Gesetz absolut wahr wäre, so würde
auch die Erscheinung des Atavismus absolut ausgeschlossen sein;
dann würden auch begattete Atavisten keine Nachkommen mit
dem atavistischen Merkmale hervorbringen können. Ich denke
dabei an Menschen mit sechs Incisivi! Aber, wird man sagen,
das letztere geschieht in der Natur nicht! Nein, so viel wir
wissen, nicht, aber der Atavismus als solcher ist doch nicht weg-
zuleugnen.
Wenn ein durch veränderte Lebensweise rudimentär gewor-
denes Organ durch eine abermalig veränderte Lebensweise wieder
stärker wird, dann haben wir einen Fall von Reversibilität, der
der Dolloschen Behauptung, daß ein rudimentär gewordenes Organ
niemals seine frühere oder alte Stärke zurückbekommen kann,
schnurgerade zuwider ist.
Aber auch umgekehrt, wenn ein Organ anfangs schwach ist,
dann durch veränderte Lebensweise stärker wird, danach wieder,
ebenfalls durch veränderte Lebensweise, schwächer wird, dann
haben wir einen anderen Fall vom Zurückkehren nach früheren
Zuständen, parallel der Reversibilität.
Beide sind Fälle von einem wellenförmigen oder sinus-
oidalen Entwicklungsgang eines Organs. Das rudimentär
werdende oder gewordene Organ ist in solchen Fällen nicht im
Bedarfsfalle von einem andern funktionell ersetzt worden; eben-
sowenig, wie ein stärker gewordenes Organ beim darauf folgenden
allmählichen Abnehmen seiner Stärke durch ein schwächeres Organ
anderen Ursprungs funktionell ersetzt wurde.
Mit „Organ“ bezeichnet O. Abel, wie auch Dollo, sowohl
Weichteile, wie Panzer und Skeletteile.
Die ursprünglichen Vertebrata waren wohl weiche Bodentiere,
welche sich weit vom Strande aufhielten. Durch eine veränderte
Lebensweise, wobei sie sich mehr dem Strande oder dem Ufer
von Flußmündungen näherten, und sich kräftiger, der Brandung
wegen, bewegten, entwickelten sich bei ihnen allmählich 1., eine
knöcherne Hautbedeckung, speziell in der vorderen Hälfte, sowie
2. eine anfangs gelatinöse, später knorpelige, endlich knöcherne
Körperachse. - - Von diesen Urwirbeltieren mit knöchernem Haut-
panzer (Palaeostraci) haben manche in ihrer Weiterentwicklung
(d. h. bei der Anpassung an eine neue Lebensweise) ihre Panzer-
platten wieder verloren; diese verschwanden gänzlich (Cyelo-
stomata, Leptocardii, alle Fische). Dieser Fall geht der Reversi-
sibilität parallel. -- Aber viele von den ‚Fischen‘‘ haben später
wieder knöcherne Panzer bekommen (Placodermata, einzelne Chon-
Das Dollosche Gesetz der Irreversibilität 9
drostei, einzelne Osteolepidi, einzelne Teleoster, wie z. B. Viele
Siluroidae, Loricariidae). Füglich möchten wir hier selbst die
von panzerlosen Pisces-Amphibia-Urreptilien abgestammten Cro-
codilia anschließen, denn auch diese besitzen unter der hornigen
Oberhautbekleidung Lederhautknochen. Ja, selbst der Knochen-
panzer vieler junger Wale gehört hierher. — Also: in der weichen
Haut der Urwirbeltiere entwickelten sich Lederhautknochenplatten,
welche bei den Nachkommen wieder verschwanden und zum zweiten
Male wieder angelegt wurden. Daß die neuen Knochenplatten von
anderer Gestalt sind, als die ursprünglichen, ist selbstverständ-
lich; das tut aber nichts zur Sache. Hauptsache ist, daß die
neuen Knochenplatten wieder Lederhautverknöcherungen sind,
daß im neuen Bedarfsfalle an Stelle der verlorenen Organe nicht
ein funktioneller Ersatz durch andere Organe geschaffen wurde.
Hier haben wir also einen Fall von sinusoidalem Entwicklungsgang
oder, wie man auch sagen kann, ein Beispiel von Reversibilität.
Einen um so sonderbareren Eindruck macht darum der
folgende Gedankengang Abels, nachdem er das Dollosche Gesetz
so klar stimuliert hat: ‚Eines der schönsten Beispiele dafür ist
die Erwerbung eines neuen Panzers an Stelle des früheren, im
Hochseeleben verloren gegangenen bei den wieder littoral ge-
wordenen Atheken.‘“
Bei den aus den Urwirbeltieren hervorgegangenen skelett-
tragenden fischähnlichen Tieren wurde der Primordialschädel von
ursprünglich ganz dünnen Beinplatten (Deckknochen) bedeckt.
Diese verstärkten sich allmählich (Pisces, Amphibia, Reptilia,
Mammalia). Von diesen dickknöchernen Schädeltieren stammen
die Sauropterygia, Pterosauria, Aves und Cetacea ab, bei denen
der Hirnschädel wieder ganz dünn wurde. Aber bei denjenigen
Vögeln, welche mit ihrem Schnabel Kraft ausüben müssen, ist
der Hirnschädel wieder dicker geworden: Accipitres, speziell
Vulturidae, Psittaci. Die allmählich rudimentär gewordenen
Knochen haben sich wieder restauriert.
Ursprünglich war der Schädel kurz (Palaeostracı); er blieb
kurz bei den meisten Pisces, Amphibia, Reptilia, welche daher
wohl als die primitiveren unter ihresgleichen angenommen werden
können. Aber der Schädel verlängerte sich, bisweilen selbst an-
sehnlich, bei manchen Pisces (Sturii, Pristidae, Lepidosteus,
Esocidae etc.), Amphibia (Typhlomolge), Reptilia (Mesosaurra,
Ichthyosauria, Plesiosauria, einzelne Lacerti, einzelne Ophidia,
einige Dinosauria, Loricati, Pterosauria), bei allen ursprünglichen
Aves und bei allen ursprünglichen Mammalia. — Die primitiven
Aves waren langköpfig, aber davon stammen die kurzköpfigen
Psittaci, Striges, Cypseli usw. ab. Ebenso waren die primitiven
Mammalia langköpfig, aber Elephantidae, Rodentia, Felidae und
andere wurden wieder kurzköpfig. — Gehen wir weiter: Von
bestimmt kurzköpfig gewordenen Landsäugetieren stammen wieder
die langköpfigen Cetacea ab, ohne daß der Kurzkopf von einem
j# 9. Hett
4 Dr. A. C. Oudemans:
anderen Schädel anderen Ursprungs ersetzt wurde. — Noch weiter:
von den langköpfigen Celacea stammen, nach Reduktion der Den-
tition manche wieder kurzköpfige Formen ab (wie Mesoplodon),
ohne daß sie einen Schädel anderen Ursprungs bekamen. — So
stammen auch die kurzköpfigen Chelonii von langköpfigen Sauriern
ab. Das sind soviele Beispiele von sinusoidalem Entwicklungs-
gang oder von Reversibilität.
Die ursprünglichsten gliedmaßlosen Vertebrata hatten wohl
einen Saugmund (Malacostomala); daraus entwickelten sich die
mit 4 Gliedmaßen versehenen Panzerfische mit Pagageischnabel
und Deckknochen in der Mundhöhle (Hypostomata) wovon wieder
Hai-ähnliche Tiere stammen. Durch veränderte Lebensweise, teil-
weise Parasitismus, teilweise Schlammbewohnung entwickelten
sich daraus wieder die Cyeclostomata und die Leptocardii, beide
mit Saugmund.
Aus den Hvypostomata stammen einerseits die „Rochen“
(Centrobati, Rhinorajı) mit Pflasterzähnen, anderseits die ‚Haie‘
mit scharfem Beißgebiß, ab. Psephodus magnus Ag. aus dem
englischen Karbon, bildet einen schönen Übergang zwischen
diesen beiden. Die Zähne der ‚Haie‘ sind in der Regel reißzahn-
förmig, länglich, compreß, mit großer Mittelzacke und kleineren
Seitenzacken (protodont), oder mit vielen kleinen Seitenzäckchen
(polyprotodont). Hieraus entwickelten sich die acrodonten Teleo-
stomata, worunter zahlreiche Fische mit typischem konischen.
Fanggebiß. Aber auch die ursprünglichen acrodonten Amphibia
acro-, pleuro- und bothrodonten Reptiia und bothrodonten Aves
besaßen ein Fanggebiß, d. h. ein Gebiß aus gleichartigen, jetzt
konischen Zähnen zusammengesetzt. Man kann füglich sagen,
daß die Zähne eines solchen Fanggebisses rudimentär gewordene,
polvprotodonte Zähne sind. So auch entwickelten sich aus den
multituberkulatent) Ur-Mammalia allmählich manche mit einem
typischen konischen Fanggebiß. Aus diesen entwickelten sich
wieder bei Änderung der Nahrung die Zähne zu einem reißzahn-
förmigen Raubgebiß mit länglichen, kompressen, polyprotodonten
Molares und Praemolares (Creodonta, Ferae, Pinnipedia). Also be-
kamen diese Zähne dieser Raubtiere wieder die alte Gestalt der
Haizähne.
Auch diese sind wieder Beispiele eines sinusoidalen Entwick-
lungsganges oder von Reversibilität. Noch stärker: von den raub-
tierähnlichen Condylarthra stammen die Wale ab, wovon die
Odontoceti zum zweiten Male ein vollkommen konisches Fanggebiß
bekamen und von diesen stammen wieder andere Wale ab mit
verkümmertem Gebiß, wobei Mesoplodon nur einen Zahn in jeder
Unterkieferhälfte behielt. Dieser ist aber wieder reißzahnförmig.
Das sind glänzende Beweise von einem sinusoidalem Entwicklungs-
1) Diese multitubereulaten Zähne sind wahrscheinlich aus hinter-
einander gestellten polyprotodonten Zähnen entstanden.
Sr, la a kr Ze 7 as
Das Dollosche Gesetz der Irreversibilität 5
gang, oder — wenn man vom Standpunkte ausgeht, daß kleine-
konische Zähne des Fanggebisses Rudimente eines Raubtier-
gebisses sind — von Reversibilität.
Die primitivsten Säugetiere waren multituberkulat. Ihre
Zähne wurden allmählich einfacher, oder, wenn man will, rudi-
mentär. Aber bei den aus den einfacheren Zähnen tragenden
Mammalia hervorgegangenen Elephanten sind die Zähne wieder
in gewissem Sinne multituberkulat geworden.
Wenn auch noch sehr viel Unsicheres herrscht über die Ab-
leitung der Gliedmaßen der Tetrapoda aus denen der Ur-Pisces,
soviel ist wohl sicher, daß die Knochen des Antopodiums (der
Hand und des Fußes) mit den Radii der Flossen verglichen werden
können resp. aus ihnen hervorgegangen sind. Noch ist nicht fest-
gestellt, ob die primitive Zahl der Finger und Zehen 4.oder 5
war, aber nehmen wir an, daß sie 5 war, sodaß wir dann die 4-Zahl
als eine Reduktion der 5-Zahl betrachten müssen. Jedenfalls ist
die 5-Zahl schon eine Reduktion der größeren Zahl der Radii
der Fischflossen; die übrigen Radii wurden rudimentär und ver-
schwanden völlig. Merkwürdig ist die Hartnäckigkeit, womit die
4-Zahl der Finger der Hemispondyla und Amphibia, und womit
die 5-Zahl der Finger der übrigen Tetrapoda, sowie der Zehen
aller Tetrapoda sich festhält. Dessenungeachtet, und daher noch
merkwürdiger Weise treffen wir eine Vermehrung der 5-Zahl an
bei Rana (den Praehallux) und bei Ichthyosauria. Abel nennt diese
Vermehrung der Fingerzahl oder Hyperdactylie eine Neuerwer-
bung. Damit hat er Recht, aber das spricht nicht dagegen, daß
wir mit einer Wiederholung des alten Zustandes zu tun haben,
mit einer Wiederkehr gänzlich verschwundener Organe, mit einem
sinusoidalem Entwicklungsgang, mit einem Fall von Reversibilität.
Die Zahl der Knochenplättchen, der Phalangen, in den Radii,
- Strahlen, oder, was dasselbe ist, Finger und Zehen der ursprüng-
lichen Fische übertrifft die der Tetrapoden bisweilen beträchtlich.
Bei diesen ist das Maximum wohl 5. Wir machen hier wohl wieder
Bekanntschaft mit einer Reduktion der Phalangenzahl, mit einer
Verkümmerung, mit einem Rudimentärwerden, mit einem völligen
Verschwinden, bis im Maximum 5 übrigbleiben. Schwimmende
Tiere nun versuchen auf verschiedene Weise die Oberfläche ihrer
Antopodia zu vergrößern. Abel gibt davon eine Übersicht (Grund-
züge d. Palaeobiol. d. Wirbelt. 1912, S. 185, 186). Hierher rechnet
er mit Recht 1. Verlängerung der Schwimmhaut über die Spitzen
der Finger und Zehen (Beispiele: Ichthyosauria, Cetacea, Sirenia,
Ornithorhynchus, Pinnipedia). Die Pinnipedia stützen dabei die
Schwimmhaut mittelst Knorpelstreifen; 2. Vermehrung der Pha-
langen (Hyperphalangie), Beispiele: Ichthyosauria, Sauropter ygra,
Pythonomorpha, Cetacea, Sirenia (gelegentlich), Trionychidae (4.
Finger ausnahmsweise 6 statt 5 oder 4 Phalangen; 4. Zehe in
‚der Regel 4, selten 5 Phalangen). Die Vermehrung der Phalangen
bei den Cefacea ist noch ein Streitpunkt; es ist unsicher, ob sie
9. Heft
6 Dr. A.C. Oudemans:
die Folge ist einer phalangenartigen Segmentation eines über die
Phalangen hinaus verlängerten Knorpelstrahles oder eines Selbst-
ständigwerden der doppelten Epiphysen der Phalangen. Einige
Forscher nehmen selbst an, daß die Hyperphalangie der Cetacea
ein primitiver Charakter sei. Diese Ansicht ist aber unbedingt zu
verwerfen. Warum gerade die Hyperphalangie der Ceiacea soviel
Kopfzerbrechens gibt? Sie wird doch auch bei Ichthyosauria,
Sauropter ygia und Pythonomorpha angetroffen und einfach als eine
Vermehrung der Phalangen angenommen. Wir haben hier wieder
einen Beweis des Zurückkehrens von alten Zuständen, des sinus-
oidalen Entwicklungsganges, der Wiederherstellung einer Reduk-
tion, oder von Rudimenten, von Reversibilität.
Wie groß war die Zahl der Segmente des hinter dem Kopfe
gelegenen Körperabschnittes der primitivsten Wirbeltiere? Das
wissen wir nicht. Wie groß war die Zahl der Wirbel(körper) der
ersten echten ‚‚Wirbel“tiere? Jedenfalls eine nicht geringe, denn
die Wirbelkörper waren ganz kurze (platte, dünne) Scheiben. Bei
manchen Haien erreicht die Zahl 350 bis 400. Was sehen wir
nun? Daß die hintersten Wirbel allmählich rudimentär werden,
um schließlich gänzlich zu verschwinden, wodurch die Zahl
der Wirbel bei den Nachkommen dieser Urfische sich stark ver-
ringerte; beim Aal bis 200, bei den meisten anderen Knochen-
fischen 70 bis 80, bei Ostracion nur 15. — Sicher ist, daß die
Wirbelzahl der primitiven Tetrapoda eine geringere war als die
der primitiven ‚Pisces“, denn die Amphibia besitzen höchstens
150 Wirbel (der Stegocephale Dolichosoma). Ob diese Zahl der
längsten Amphibia durch Vermehrung einer ursprünglich geringeren
Zahl erreicht wurde, kann nicht mit Bestimmtheit bejaht werden.
Es ıst indes wahrscheinlich. — Die Amphibia, woraus die ältesten
Reptilia hervorkamen, waren jedenfalls kurze Tiere mit vielleicht
70 Wirbel. — Auch die ursprünglichsten Reftilia zählen deren
nicht mehr. Auch unter den Reftilia sehen wir eine allmähliche
Reduktion der Wirbelzahl, d. h. ein Rudimentärwerden der hin-
tersten Wirbel bis zum völligen Schwund. Demgegenüber treffen
wir aber andere Äußersten an. Bei den Dinosauria, welche ganz
bestimmt von wenigwirbeligen, primitiveren Reptihia abstammen,
steigt die Wirbelzahl, d. h. es kommen stets mehr Wirbel hinten
hinzu. Also wurden die gänzlich verschwundenen Wirbel (sowohl
-Körper wie -Bogen!) wieder hergestellt, nicht von anderen Or-
ganen ersetzt. Noch stärker ist es mit langschwänzigen Lacertilia
und endlich mit den Ophidia gestellt, wo die Wirbelzahl 300, 400,
ja sogar bis 565 gestiegen ist, sodaß die Wirbelzahl der Chondro-
pter ygii weit übertroffen wird. Das letzte ist der Fall bei der eozänen
Meeresschlange aus dem Kalkschiefer des Monte Bolca in Ober-
italien, Archaeophis proavus Masc. -— Wir können ruhig annehmen,
daß alle die genannten vielwirbeligen Tiere, Selachii, Dolichosoma,
Dinosauria, langgeschwänzte Lacertilia und Ophidia lang geworden
sind durch allmähliche Vermehrung der Wirbelzahl nach hinten:
a Br PETE EEE DEN |
Das Dollosche Gesetz der Irreversibilität 7
Das nimmt selbst Abel an. Aber das waren alle (vielleicht mit
Ausnahme der Selachit) Fälle vom Zurückkehren zu älteren Zu-
ständen, von Wiederherstellung gänzlich verschwundener Wirbel,
sind also Beispiele von Reversibilität, denn die verloren gegangenen
knorpeligen (später knöchernen) Wirbel wurden wieder von den-
selben — nicht von funktionell verschiedenen — Organen ersetzt.
Wenn man die Vermehrung der Wirbelzahl gänzlich ablehnen will,
dann muß man annehmen, daß die Zahl der Wirbel (der Segmente)
der ursprünglichsten Wirbeltiere mindestens 565 war. Dafür fehlt
aber jeder Beweis; im Gegenteil, die kaulquappähnlichen ursprüng-
lichsten Wirbeltiere waren alle kurze, nur wenige Dezimeter lange
Tiere. — Also stieg im Anfang die Zahl der Segmente resp. Wirbel;
darauf folgte die große Vermehrung derselben, welche von einer
Verringerung gefolgt wurde; um endlich bei gestreckten Amphibra
und speziell Reptilia wieder zuzunehmen.
So können wir auch urteilen über die Zahl der Wirbelbogen, der
Wirbelapophysen, der Rippen (diese erreichte beim Archaeophis die
Zahl 451), der Nervenpaare, der Blutgefäßpaare, und selbstverständ-
lich auchder Abfuhrkanälchenpaare der Urnierenund Genitalorgane.
Abel gibt (a. a. O., S. 200-202) verschiedene Fälle von der
Verschiebung der Pinnae ventrales nach vorn und später wieder
nach hinten. Von einem gewissen Standpunkte gesehen, ist das
kein Fall von Reversibilität, sondern von einfacher Stellverände-
rung. Aber von einem anderen Standpunkte kann man es bestimmt
als einen Fall von Reversibilität betrachten, denn wenn Ventrales
nach vorn verschoben sind, sind sie in der Regel rudimentär ge-
worden, verkümmert. Bei denjenigen Fischen nun, die von Fischen
abstammen, bei denen die Ventrales ganz nach vorn verschoben
sind, sind die Ventrales nicht allein wieder ventral, sondern kräf-
tiger entwickelt.
Abel lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auch noch auf
folgendes (S. 617): ‚‚Bei den Robben, die von Bären abstammen,
ist der Schwanz verkümmert. Er ist nicht wieder zur alten Stärke
aufgelebt, um eine Schwanzflosse zu stützen, sondern die Hinter-
füße haben die Funktion einer Schwanzflosse übernommen.“
Wenn man nun fragt: von welchen Bären stammen die Robben
ab?, dann beantworten die Palaeontologen diese Frage so: die
Pinnipedia stammen, zusammen mit den Ursidae, von primitiven
Amphicyon-artigen Cornivora ab, Nun waren die Amphicyoninae
langgeschwänzte Tiere, sodaß wir wohl schließen müssen, daß so-
wohl die Ursidae als die Pinnipedia, unabhängig voneinander ihren
Schwanz sich verkürzen sahen. Nun tut sich wieder eine zweite
Frage auf: wann verkümmerte sich der Schwanz der Pinnipedia;
während sie noch Landtiere waren, wie bei den Ursidae, oder als
sie schon Wassertiere waren? Gewiß als sie schon eine amphi-
biotische Lebensweise führten, wie der langhalsige und langge-
schwänzte Megophias megophias Raf., das „lebendige Fossil‘, be-
weist, und der zugleich uns lehrt, daß es nicht unbedingt nötig
gErLekt
to) Dr. A. ©. Oudemans:
ist, daß der Schwanz der Pinnipedia, wenn er nicht verkümmert,
eine Schwanzflosse bekommt. Auch die bis über 30 m langen
Pythonomorpha hatten keine Schwanzflosse,
(Abel, Palaeobiol. d. Cephalopoden, 1916, S. 36, 37): „Eine
sehr merkwürdige und unter allen Cephalopoden einzig dastehende
Spezialisation des Armapparates zeigen die Larven der Ommastre-
phiden, welche unter dem Namen Rhynchoteuthion (= Rhyncho-
teuthis, nom. praeocc.) beschrieben worden sind. Bei den jüngsten
Larvenstadien dieser nectopelagischen und :in erwachsenem Zu-
stande macrophagen Gattungen sind die beiden Tentakel der
ganzen Länge nach miteinander zu einem Rüssel verschmolzen,
der fleischig und sehr kontraktil ist. Dieser Rüssel ist von einer
Röhre durchzogen; wenigstens lassen die Abbildungen und die
Beschreibung dieser merkwürdigen Larvenformen kaum eine andere
Deutung zu.‘ — Die Tentakel sind also gänzlich geändert, bilden
zusammen einen Saugrüssel. Nun lehrt das Dollosche Gesetz,
daß, wenn ein Organ sich ändert, es niemals die alte Gestalt und
die alte Funktion zurückbekommen kann; es muß im Bedarfts-
falle durch ein anderes Organ ein funktioneller Ersatz geschaffen
werden: eine Lunge, die Schwimmblase geworden ist, kann nie-
mals mehr Lunge werden; eine Kieme, welche zu einer Drüse ver-
ändert ist, kann niemals mehr Kieme werden; die rinnenförmigen
Unterkiefer, die einen Saugrüssel der Leprdoptera zusammenstellen,
können niemals mehr zwei beißende, mit Zähnen bewaffnete,
kräftige Kiefer der Orthoptera und Coleoptera werden. Aber: ‚‚Im
Laufe der ontogenetischen Entwicklung tritt an der Base des
Rüssels eine Spaltung ein, die sich nach oben erweitert und schließ-
lich wieder zu einer Trennung der beiden Tentakel führt. So lange
die Tentakel miteinander vereinigt sind, trägt das Rüsselende um
eine zentral gelegene Öffnung einen Kranz kleiner Saugnäpfe.“ —
Diese Folgerung hält nicht Stich. Solange der Rüssel bestand,
gab es keine Tentakel mehr; die waren verschwunden, hatten sich
jedenfalls gänzlich umgeändert, konnten daher, dem Dolloschen
Gesetz gemäß, niemals wieder zu der Tentakelform zurückkehren
und wieder als Tentakel funktionieren. Und doch! Abel, der
vermutlich seine schiefe Logik fühlt, und in diesem Falle das
Dollosche Gesetz nicht erwähnt, schreibt gesperrt: ‚‚die wieder
sekundär frei gewordenen Tentakel des erwachsenen
Tieres unterscheiden sich jedoch von primär freien
Tentakeln anderer Dibranchiaten durch eine weit-
gehende Asymmetrie der Keulenabschnitte“. Was hat
die Asymmetrie mit der Irreversibilität zu schaffen? S. 38 kommt
er nochmals auf die Asymmetrie der Keulenabschnitte zurück,
aber jetzt mit der Hinzufügung ‚,‚ein weiteres Beispiel für die Ir-
reversibilität der Entwicklung“. — Das nenne ich, gelindest ge-
sagt, doch etwas stark.
Bei den Reptilia im allgemeinen und den Lacertilia insbesondere
sind die Knochen mit Mark gefüllt. Bei manchen Dinosauria, die
Das Dollosche Gesetz der Irreversibilität 9
Ahnen der Vögel, den Pterosauria und den Aves sind die größeren
Knochen hohl, pneumatisch. Die Innenseite derselben ist spiegel-
glatt, die Knochen selbst ungewöhnlich reich an Kalksalzen, weiß,
fest, hart und spröde; das Mark und die Spongiosabälkchen sind
vollständig verschwunden. Ein gänzlich verschwundenes Organ
kehrt niemals wieder, nicht wahr? ZRalites waren früher echte
Vögel, sie flogen, hatten gewaltige Flugmuskeln, einen Kamm auf
dem Brustbein und pneumatische große Knochen, waren also
keine Ratitae, sondern Carinatae. Aber jetzt, nun sie Ratitae
geworden sind, haben ihre großen Kncchen die Pneumaticität
wieder verloren und die Spongiosabälkchen und das Mark sind
wieder da, als ob sie niemals abwesend gewesen wären. Reversi-
bilität muß man das nennen.
Die Reptilia im Allgemeinen, die Lacerti und kleinen arbori-
kolen Ornithodinosauria?), wovon die Aves abstammen,. insbeson-
dere waren gänzlich von hornigen Oberhautschuppen bekleidet.
Die aus den Ornithodinosauria hervorgegangenen Aves waren Ur-
sprünglich gänzlich befiedert. Jede Schuppe war in eine Feder
gänzlich umgestaltet. Parallel dem Dolloschen Gesetze sollte man
meinen: niemals kann solch ein vollständig morphologisch und
phvsiologisch umgeformtes Organ wieder eine Schuppe werden.
Und doch sind fast alle Federn der Flügel der Aptenodytiformes
wicder Schuppen geworden.
Die Ornithodinosauria hatten wohl große dreieckige Scapulae.
Als sich aus ihnen die Aves entwickelten, wurden die Skapular-
muskeln und die großen Scapulae zum größten Teil überflüssig,
denn beim Fliegen wurde das dorsale Heben der Flügel größten-
teils durch die von unten nach oben wirkende Kraft der zusammen-
gepreßten Luft übernommen. Daher die starke Reduktion der
Skapularmuskeln und das starke Rudimentärwerden der Scapulae
bei den Vögeln, selbst schon bei den Archaeornithes. Die Scapulae
sind lang, dünn, sensenförmig geworden. Ein verkümmertes Organ
erlangt nie wieder seine alte Stärke, sagt das Dollosche Gesetz.
Aber, dessenungeachtet, sind die Scapularmuskeln der Aptenodyti-
formes, bei der Anpassung an einer veränderten Lebensweise:
tauchen und schwimmen, wieder kräftig entwickelt und sind die
Scapulae wieder groß, dreieckig und kräftig geworden.
Die arborikolen Ornithodinosauria waren vollständig von
Schuppen bekleidet. Die kletternden Vordergliedmaßen wurden
Flügel; die Tiere wurden biped; die Archaeornithes waren da,
vollständig von Federn bekleidet. Aber die Neornithes verloren
an manchen Stellen ihrer Körperoberfläche die Federn; es ent-
standen so die Federfluren und die unbefiederten Federraine,
welche höchstens hier und dort von rudimentären Dunen und
sehr rudimentären Fadenfedern dünn besetzt, meistens aber nackt
sind. Es gibt aber einige Vögel, welche größtenteils befiedert
?) Nov. nom. für das hybridische Avidinosauria.
9. Heft
10 ; Dr, A. €. Oudemans:
sind; das sind die Ratitae, Aptenodytiformes und Palamedeidae:
Man würde geneigt sein, diese Vögel, oder besser ihre Befiederung,
als primitiv anzunehmen. Das ist aber nicht der Fall; denn die
Embryologie dieser Vögel lehrt uns, daß sie einen Zustand durch-
laufen, worin die Befiederung in Fluren und Rainen über den
Körper verteilt ist. Das bedeutet also, daß diese Vögel, wie alle
anderen Neornithes, früher gutfliegende Vögel mit Federfluren
und Federrainen waren, welche später wieder Federn bekamen,
wo die Haut nackt war, oder höchstens von rudimentären Dunen
und sehr rudimentären Fadenfedern dünn besetzt war. Das ist
ein glänzender Beweis der Reversibilität.
So würde man fortsetzen können, wenn man nur genügend
allgemeine zoologische Kenntnis hat und nachdenkt. Ich glaube,
daß es für die Wissenschaft gut wäre, sich nicht auf ‚Gesetze‘
blind zu starren, sondern diese mit der nötigen Reservation an-
zunehmen. Würde es nicht besser sein, in der Zukunft nicht mehr
von einem Dolloschen Gesetze, sondern von einer Dolloschen
Regel zu sprechen?
Die Luftkammer ım Ei.
Von
Dr. A. C. Oudemans (Arnhem).
Bekanntlich gibt es im Vogelei zwischen dem äußeren und
inneren Eihäutchen eine Luftkammer. In.allen Hand- und Lehr-
büchern wird sie beschrieben und abgebildet. Wohl wird dabei
gesagt, die in ıhr enthaltene Luft sei die erste, welche vom sich
entwickelnden Küchlein gebraucht werde, aber eine Erklärung,
woher die Luftkammer kommt, und ob die ‚‚Luft“ atmosphärisch
sei, suche ich, jedenfalls bis jetzt, vergeblich. Ich habe darüber
nachgedacht und glaube die Entstehung der Luftkammer folgen-
derweise erklären zu können.
Das im letzten Teile des Eileiters liegende fertige Ei hat
keine Luftkammer und enthält demzufolge auch keine Luft. Durch
die Kontraktionen der Ringmuskelfasern des sich in einem Kon-
gestivzustand befindenden Ausführungsapparates, dessen Wan-
dungen stark turgeszieren, wird das Ei, dessen Temperatur die-
selbe als die des Vogelkörpers ist, also um 41° C, langsam nach
außen fortgeschoben, während es von einer schlüpferigen, Eiweiß
enthaltenden Flüssigkeit umgeben ist, welche das Gleiten erleich-
tert, und zwar gleitet das Ei mit dem stumpfen Pole voran. So-
bald dieser Pol das Orificium Cloacae öffnet, kühlt er sich ab, aber
auch die benachbarte Eiweißmasse, sodaß diese im Volumen ver-
Die Luftkammer im Ei— Die Langarmigkeit der Anthropomorphen usw. 11
ringert wird. Dabei muß man bemerken, daß die Hinausschiebung
des Eies sich langsam vollzieht. Die Außenluft preßt die das Ei
bekleidende Eiweißschicht durch die Atmungsporen der Schale
hinein und schließlich dringt sie auch selbst sowohl durch die Schale
als osmotisch durch das äußere Eihäutchen hinein und füllt den
allmählich sich vergrößernden Raum zwischen dem äußeren und
inneren Eihäutchen, während die Eiweißmasse sich zurückzieht.
Die Luftkammer enthält also reine, atmosphärische Luft,
keine sich im Ovidukt abscheidenden Gase.
Wie schon oben gesagt, wird die Eischale von einer Schicht
schlüpferiger Flüssigkeit bedeckt; bei jedem frisch gelegten Ei
kann man sie fühlen. Es ist leicht einzusehen, daß diese nicht
vollkommen gleichmäßig über die Schale verteilt ist. Auch kann
der Eiweißgehalt dieser Schicht an verschiedenen Stellen ver-
schieden sein, sodaß die Viskosität nicht überall dieselbe ist. Die
atmosphärische Luft kann, wenn die Schicht am stumpfen Pole
zufällig etwas ‚‚dick“ ist, jene dann nicht sofort durch die Poren
pressen. Inzwischen wird das Ei weiter hinausgeschoben, sodaß.
nicht nur mehr Eioberfläche mit der Atmosphäre in Berührung
kommt, sondern auch der Inhalt durch Ausstrahlung mehr Wärme
verliert und sich zurückzieht. Die Atmosphäre drückt dann auch
auf eine größere Oberfläche des Eies und wird schließlich dort
eindringen, wo die das Ei bekleidende viskose Flüssigkeit am
„Gdünnsten“ ist. So kommt es, daß die Luftkammer nicht immer
am stumpfen Pole, sondern auch bisweilen mehr oder weniger
an der Seite zu finden ist.
Sobald das Ei so weit hinausgeschoben ist, daß sozusagen
die Sphinkter Cloacae äquatorial das Ei umgibt, ist der Wider-
stand überwunden und das Ei verläßt fast augenblicklich die Cloaca.
Die Langarmigkeit der Anthropomorphen
und die Geradbeinigkeit der Menschen.
Von
Dr. A. C. Oudemans (Arnhem).
Wenn wir die Säugetiere Revue passieren lassen, so fällt
uns auf, daß die Knie nach vorn gebogen sind. Selbst die Anthro-
pomorphen sind, wenn sie sich auf dem Boden bewegen, halb auf-
gerichtet. Auch sind die Hinterextremitäten länger als die vor-
deren. Beide, gebogene Knie und längere hintere Gliedmaßen,
sind also primitive Zustände, wie auch abwärts weit bis in die
9. Heft
12 Dr. A. C. Oudemans:
Reptilien- und Amphibienstämme zu verfolgen ist. Die Lang-
armigkeit der Anthropomorphen und der aufgerichtete Gang des
Menschen sind also sekundäre Erscheinungen.
„Sämtliche Affen sind gute Kletterer und meist Baum-
bewohner, seltener zwischen Felsen sich aufhaltend“ (Weber,
Die Säugetiere, S. 767). — ‚Zweifelsohne war die ursprüngliche
Körperform klein, mit Extremitäten, von denen die hintersten
die längsten sind, wie beides bei den Hapalidae noch der Fall ist.
Bereits bei den altweltlichen Cercopithecini nimmit die Körper-
größe und die Armlänge derart zu, das letztere der Beinlänge
wenigstens gleichkommt. In noch erheblicherem Maße ist dies
bei den Hylobatiden und den großen Anthropomorphen der Fall,
deren Armlänge die Beinlänge um ein bedeutendes übertrifft.
Beiderlei Tendenz geht ziemlich parallel nebeneinander‘ (S. 766).
Die Langarmigkeit ist also entschieden eine Folge des Lebens
in Bäumen. Aber es gibt unter den Reptilien und Säugetieren
noch viel mehr Baumkletterer als nur die Affen, und doch zeichnen
sich jene nicht durch lange vordere‘ Extremitäten aus. Welchen
fundamentellen Unterschied gibt es dann zwischen jenen und
diesen? Das ist, meines Erachtens, der Bau der Hand. Die Baum-
kletterer, deren Hand mit Krallen bewaffnet ist und keinen ent-
schieden opponierbaren Daumen aufweist, klettern alle mit den
Krallen und greifen ihre Nahrung, Blätter, Knospen, Früchte,
Insekten und andere Tiere, mit den bezahnten Kiefern. Die Affen
dagegen besitzen einen opponierbaren Daumen und, außer den
sehr primitiven Hapalidae, keine Krallen; sie greifen ihre Nah-
rung und die Stämme und Äste, mit der Hand. Daher auch die
Tendenz, lange Hände zu bekommen. Die relativ längsten Hände
trifft man denn auch bei den Hylobatiden und dem Orang. Mit
dem Greifen der Hand ging die Umbildung der Krallen in Nägel
Hand in Hand, wahrscheinlich durch die mechanische Abplattung
der Fingerspitzen beim Greifen von Stämmen und Ästen. Auch
die Länge der Vorderextremitäten ist die Folge dieser neu er-
worbenen Gewohnheit und Bewegung. Die relativ längsten Arme
zeigen uns denn auch die Hylobatiden und der Orang. Endlich
muß auch die Verkürzung der Schnauze als ein Resultat der
neuen Gewohnheit angesehen werden.
Was mag nun die Ursache der Geradbeinigkeit des Pithec-
anthropus und des Menschen sein?
Ich lenke an erster Stelle die Aufmerksamkeit auf die Bi-
pedie. Zahlreiche Tiere zeigen die Tendenz zur Bipedie, welche
ihre höchste Vollkommenheit beim Menschen erreichte, wenn man
von den Vögeln im allgemeinen und von den Ratitae im besonderen
absieht. In den epochemachenden Werken Abels findet man diese
Tendenz talentvoll ausgearbeitet. Auch die Menschen sind aus
primitiven Anthropoidea (Simiae) hervorgegangen, während die
schon früh biped wurden. Aber alle bipeden Tiere zeigen, außer
den Menschen, noch nach vorn gebogene Knie. Hat der Mensch
Die Langarmigkeit der Anthropomorphen und die Geradbeinigkeit usw. 19
°chon ‚rom Anfang an gerade Beine gehabt, oder sind die Beine
allmählich und nach der Erwerbung der Bipedie gerade geworden ?
Und was war die Ursache davon?
Während Papuas, Australier, Tasmanier, Neu-Seeländer,
Mikro- und Polynesier, viele afrikanische und südamerikanische
Stämme bei ihrer Entdeckung noch gänzlich in der Steinzeit
lebten und heute teilweise darin noch verharren, bildeten vor
6000 bis 10 000 Jahren von Indien bis Ägypten hochentwickelte
Kulturvölker schon mächtige Staaten.
So ist es auch sehr wohl möglich, daß zur selben Zeit, wo
Europa während der ersten Zwischeneiszeiten die bekannte Nean-
dertalrasse von Krapina (etwa vor 800 000 Jahren?) beherbergte,
irgendwo anders auf der Welt, nämlich wo jetzt die südliche Hälfte
des Großen Ozeans die Tausende Inselchen voneinander scheidet,
höher entwickelte Kulturvölker schon mächtige Staaten bildeten,
wie die großartigen Bauwerke auf den Rapa-nui- (Öster-), Tahiti-,
Marquesas-, Tonga-, Carolinen- und Pitcairn-Inseln beweisen?).
Wann dieses Tonga-Rapa-Kontinent versank, ist noch nicht, selbst
nicht annähernd, zu schätzen, aber gewiß sehr früh, vielleicht
schon vor der ersten Zwischeneiszeit Europas.
Von den Urbewohnern des Erdballs wissen wir sehr wenig;
soviel ist aber sicher, daß die Neandertaler der Krapina die meist
ursprünglichen Merkmale aufweisen. :
„Auch die Gelenkgruben am Knie sind weit mehr vertieft
und nähern sich mehr der Gestalt einer Gelenkrolle als eines
freien Gelenkes; dabei sind die Gelenkhöcker selbst stark nach
hinten verlängert. Der Kopf des Schienbeins ist .etwas nach
hinten abgeknickt, ein primitiver Zustand, der sich als Regel
bei Affen und sehr niedrigen Menschenrassen, wie den Weddas
auf Ceylon und den Negritos in den Urwäldern Indonesiens,
vorfindet“.... „Diese sehr altertümlichen Verhältnisse weisen
darauf hin, daß sich der Neandertaler noch nicht eine völlig auf-
rechte Körperhaltung, wie wir sie heute besitzen, angeeignet
hatte, sondern mit leicht gebeugten Knien, wie unsere Greise,
einherschritt. Jedenfalls war es ihm ganz unmöglich, wie wir,
die Knie zu strecken oder gar, wie es vom heutigen Menschen
beim Paradeschritt verlangt wird, mit durchgedrückten Knien
zu gehen‘?).
In den letzten Zeilen können wir zugleich zwischen den Zeilen
lesen, welche Mittel, besser welche Bewegungen, die Ursache sein
können, den Gang mit gebeugten Knien in einen mehr aufrechten
zu verändern, nämlich das gezwungene Strecken der Beine. Nun
will ich jedenfalls damit garnicht behaupten, daß die Neander-
taler oder andere primitive Menschen sich für den Paradeschritt
übten, wohl aber, daß sie, wie die Soldaten beim Paradeschritt,
i 2) cf. Oudemans in Naturw. Wochenschr., 1917, 8. 201—203, 296. —
?2) Reinhardt, Der Mensch zur Eiszeit in Europa, 1908, 8. 161, 162. —
9. Heft
14 Dr. A. C. Oudemans:
und zwar aus Not, gezwungen wurden, die Beine zu strecken.
Diese Not war der Hunger. Um diesen zu stillen, waren die Männer
gezwungen, den Tieren, die sie jagten, nachzustellen, und dabei
waren sie auf mindestens zwei Methoden angewiesen; entweder
mußten sie die Beute beschleichen?), oder sie waren genötigt,
sie einzuholen, oder durch fortwährendes Verfolgen abzumatten
oder ın einen Abgrund zu jagen. Dafür mußten sie aber laufen,
schnell laufen, dahinstürmend laufen, was sie zuletzt wohl lernten!
Und daß die ‚Wilden‘ laufen können, das erzählen uns Augen-
zeugen von den Hottentotten, ‚‚wie ein Pfeil“. Ich selbst sah in
Batavia wie, wenn meine Ponny durchging, unser Stallknecht
sie einholte, beim Schwanze griff und mit einem Satz auf dem
Rücken stand, als wäre er einer der Akrobaten aus einem Zirkus!
Aber für solche Anstrengungen muß man die Beine strecken;
das Kniegelenk änderte sich dadurch allmählich, sodaß schließlich
die (reradbeinigkeit eintreten mußte, Die Menschen haben meines
Erachtens, vom Hunger gezwungen, die Geradbeinigkeit er-
worben.
Ich maße mir keineswegs an, diese Frage endgültig gelöst
zu haben. Ich wage nur einen und werde jeden wissenschaftlich
begründeten Erklärungsversuch dankbar anerkennen.
Und Pithecanthropus? Dieser mit Hylobates verwandte Affe
brauchte doch wahrscheinlich nicht Tieren nachzustellen. Wie
wurde er geradbeinig?’ Oder ist der Schenkel doch schließlich
derjenige von einem Menschen?
Die Abbildungen der Fliegenden Fische.
Dr. A. C. Oudemans (Arnhem).
Es ist der Verdienst Abels, außer auf anderen Fehlern in der
Zoologie, auch auf die der Abbildungen die Aufmerksamkeit ge-
lenkt zu haben. Leider sagt er von den Abbildungen, welche Flie-
gende Fische darstellen, nichts. Ich möchte an dieser Stelle einige
Bemerkungen darüber machen, in der Hoffnung, daß die Fehler
in absehbarer Zeit aus den Lehr- und Handbüchern verschwinden
werden. |
Dr. ©. W. Thome, Leerboek der Dierkunde, Groningen,
Noordhof, 1919, II. — S. 168 sehen wir fünf Zxocoetus sp. unter
dem Namen Dactylopterus volitans, Zeehaan (!). Zwei von diesen
sind in horizontaler, zwei in aufsteigender und eine in absteigender
Lage gezeichnet (!); die vier kleineren mit isobatischem (!), der
®) Bekannt ist das auf Rentierhorn geschnitzte Jagdbild, worauf ein
Mann einen ruhig äsenden Büffelbullen anschleicht.
Die Abbildungen der Fliegenden Fische 15
größte mit etwas hypobatischem, fast sichelförmigem Schwanze.
Alle haben offene Mäule (!) und Brustflossen, welche vertikal (!)
und dabei nach hinten und oben gerichtet (!) sind, sodaß sie zu-
sammen einen Winkel von 30° machen (!)').
Dr. A. Schierbeek en D. Valkema, Dierkunde, Amster-
dam, Versluys, 1918—19. — Tab. LII, Fig. 7, wird ein ‚‚Vlieghaan‘“
ohne nähere Angabe abgebildet. Es ist wohl eine auf dem Rücken
gesehene Dactylopterus volitans. Das Tier hat das letzte Drittel
seines Körpers nach rechts gewendet (!), einen isobatischen Schwanz
und horizontal vollständig gespreitzten Brustflossen, den vordersten
Flossenstrahl senkrecht auf die Körperachse gerichtet. Die linke
Flosse ist größer als die rechte (!).
Tab. LII, Fig. 9, stellt einen ‚„Vliegende Visch‘“ (Exocoetus)
vor, mit offenem Maule (!), ziemlich gut ausgebildetem hypobatischen
Schwanze, etwas schief vertikal gehaltenen (!), nach hinten und:
oben gerichteten (!) Brustflossen, die zusammen einen Winkel von
etwa 60° machen (!).
P. L. Martin, Illustrirte Naturgeschichte der Thiere,
Bd. H, Abt. TI, Kriechthiere, Lurche und Fische, Leipzig,
Brockhaus, 1882, S. 346, Ostindischer Flughahn, Dactylopterus
orientalisCuv., mit dichtem Maule und fast isobatischem Schwanze.
Es ist nicht recht deutlich, ob die Abbildung den Fisch im Wasser
oder in der Luft schwebend darstelle. Wenn im Wasser und un-
beweglich, so sind die Brustflossen (nur die linke ist abgebildet)
m. E. ziemlich gut dargestellt, nämlich gespreitzt und nach hinten
gerichtet, aber dabei vertikal (!); die Rückenstacheln und Rücken-
flossen ebenfalls gut, nämlich aufgerichtet. Wenn in der Luft, so
sind die Rückenteile fälschlich wiedergegeben, aber auch die Brust-
flossen.
Exocoetus ist nicht abgebildet.
Dr. J. Leunis, Synopsis der Thierkunde, Bd. I (von
Dr. H. Ludwig), Hannover, Hahn, 1883, S. 690, Gemeiner Flug-
hahn, Dactylopterus volitans. Der Mund ist nur sehr wenig offen.
Die Brustflossen (nur der rechte ist abgebildet) schief vertikal (!)
nach oben, hinten und außen gerichtet (!) einen Winkel von 45°
mit dem Körper (!) und von 45° mit einander bildend (!). Schwanz
isobatisch.°)
S. 744. Exocoetus callopterus, Fliegender Fisch. Mund ge-
schlossen; Schwanz stark hypobatisch; Brustflossen vertikal(!),
nach hinten und oben gerichtet (!), zusammen einen Winkel von
mehr als 60° bildend (!).
Dr. G. von Hayek, Handbuch der Zoologie, Il. Bd.,
Wien, Gerold’s Sohn, 1885, S. 296, Exocoetus volitans L. Maul
1) Nebenbei gesagt, man, sieht S. 177 einen mit Luft aufgeblasenen
Diodon tigrinus mit dem Bauch auf dem Meeresboden liegend (!). —
2) Nebenbei gesagt, Fig. 533 Zeigt uns einen Pegasus natans mit hori-
zontaler (!) Schwanzflosse.
9. Heft
16 Dr. A. €. Oudemans:
weit offen (!); Schwanz stark hypobatisch; Brustflossen vertikal (!),
stark nach hinten und nur wenig nach oben gerichtet (!), mit
einander einen Winkel von ca 10° bildend (!).
Dactyloßterus ist nicht abgebildet.
E. Perrier, Traite de Zoologie, Vol. 2. Paris, Masson &
Cie, 1903, S. 2376, Exocoetus rondeletii, Mund geschlossen; Schwanz
stark hypobatisch; Brustflosse (nur die linke ist abgebildet) voll-
kommen vertikal (!), nach oben und hinten seele? (!); der
vorderste Flossenstrahl einen Winkel von ca 45° mit dem Körper
bildend (!).
Dactylopter us nicht abgebildet.
Dr. O. Jaekel. Die Wirbeltiere, Berlin, Bornträger, 1911,
S. 94. Exocoetus in Flugstellung, nach Ahlhorn. Etwas von links
und oben gesehen. Mund nicht sichtbar; Schwanz stark hypoba-
tisch; Brustflossen horizontal, weit gespreitzt; die vordersten Flos-
senstrahlen senkrecht zur Kör perachse; Bauch-, After- und Rücken-
flossen alle gespreitzt.
S. 97. Dactylopterus volitans, auf den Rücken gesehen; Brust-
flossen horizontal, vollständig gespreitzt; Schwanz stark hypo-
batisch (!); die pfotenförmigen Vorderteile der Brustflossen nach
vorne gerichtet. Offenbar nach einem getrockneten Exemplare
photographisch dargestellt, denn die Haut zwischen den Flossen-
strahlen ist sehr gefaltet.
Brehms Tierleben, Bd. IIL Prof. Dr.O7Zur Starr;
Fische, Leipzig, Wien, Bibl. Inst. 1914, S. 326, Tafel, stellt einen
Flug von 9 Exocoetus, Flugfische, vor, und zwar ein Exemplar
noch halb im Wasser, drei in aufsteigender und 5 in horizontaler
Haltung. Der emportauchende hat seine Brustflossen nach hinten
gerichtet, dem Körper entlang, aber nicht dem Körper angedrückt,
sondern schon nach oben umgeschlagen, sodaß selbst die Unterseite
sichtbar wird (!). Zwei der aufsteigenden haben ihre Brustflossen
nach hinten gerichtet (!) nur etwas vom Körper abgewendet, aber
übrigens, wie beim emportauchenden, so hoch umgeschlagen, daß
die Unterseite sichtbar ist (!). Der critte aufsteigende sieht man
etwas schief auf den Rücken; seine Brustflossen sind horizontal
und machen mit dem Körper einen Winkel von 45° (!). Zwei der
horizontal schwebenden Fische haben ihre Brustflossen nach hinten
und unten geschlagen (!), wobei die hintersten Flossenstrahlen
höher als die vordersten gehalten werden (!). Die übrigen drei
horizontal schwebenden halten ihre Brustflossen horizontal, voll-
ständig gespreitzt und senkrecht zur Körperachse. Alle 9 Fische
haben einen geschlossenen Mund und stark hypobatischen Schwanz.
S. 482, Tafel, Japanischer Flughahn, Dactylopterus orientalis
fordani; abgebildet sind zwei Exemplare; sie halten ihre sonderbaren
länglich-viereckigen Brustflossen horizontal mit den vordersten
Flossenstrahlen senkrecht zur Körperachse. Das Maul ist nur BEhE
wenig geöffnet; der Schwanz ist isobatisch. ts
Die Abbildungen der Fliegenden Fische 17
Dr. R. HesseundDr.F. Doflein, Tierbau und Tierleben,
Bd. I, Leipzig, Berlin, Teubner, 1910, S. 195. Fliegender Fisch,
Exocoetus volitans. Maul weit offen (!); Schwanz stark hypobatisch ;
Brustflossen horizontal, mit den vordersten Strahlen senkrecht
zur Körperachse.
O. Abel, Grundzüge der Palaeobiologie der Wirbeltiere,
Stuttgart, Nägele & Sprosser, 1912, S. 313. Exocoetus im Fluge,
und S. 314, Dactylopterus communis. Dieselben Abbildungen wie
in Jaekel 1911.
Meiner Meinung nach sind die Abbildungen, wobei ich Aus-
rufzeichen setzte, teilweise oder gänzlich verfehlt. Denn wenn ein
„Fliegender Fisch‘ emportaucht, so sind seine Brustflossen noch
gänzlich mit der Oberseite dem Körper angedrückt. Sobald er
sich aber in der Luft befindet, spreitzt er plötzlich, nicht all-
mählich, die beiden Brustflossen und die beiden Bauchflossen
vollständig aus, die ersteren horizontal und mit den vordersten
Strahlen senkrecht zur Körperachse, die letzteren so viel wie mög-
lich horizontal und so viel wie möglich senkrecht zur Körperachse.
Das Maul hält er geschlossen und zwar, um dem starken Luftstrom
zu verhindern durch die Mundhöhle und den Kiemen entlang zu
gleiten, wobei sowohl die Mundhöhle als die Kiemen ganz bestimmt
schnell dem Austrocknen ausgesetzt sein würden. Weahrschein-
lich sind beim Schweben die kleine Rückenflosse und die After-
tlosse ebenfalls gespreitzt,. um die Stabilität zu vermehren. Das
ist aber nicht unbedingt nötig, denn Ommastrephes berthrami rollt
seine beiden Flossen, sobald er das Wasser verläßt und sich in der
Luft befindet, gegen seinen Leib fest an, und doch ‚‚fliegt‘“ er eben
so weit und eben so hoch wie Exocoetus. Die Körperhaltung ist
im Anfang, beim Verlassen des Wassers eine aufsteigende, während
des größten Teiles des Fluges annähernd horizontal, beim letzten
Teil desselben aber wieder eine aufsteigende, sodaß beim Nieder-
streichen ins Wasser der Schwanz am ersten die Oberfläche be-
rührt. Niemals taucht der Fisch mit dem Kopf ins Wasser. Die
(restalt der Schwanzflosse ist deshalb hypobatisch, weil der Fisch
ein Oberflächentier ist, wie die Ichthyosauridae waren. Auch diese
hatten einen stark hypobatischen Schwanz. Bekannt ist, daß die
epibatischen Schwänze bei Bodentieren gefunden werden, Squali
sensu lato und Rajı sensu lato. Hesse’s Annahme: ‚‚es ist wahr-
scheinlich, daß dies Übergewicht der ventralen Hälfte zu einem
Hinunterdrücken des Hinterendes und Emporheben des Vorder-
endes führt, wodurch der Fisch automatisch die für das Heraus-
schnellen aus dem Wasser erforderliche Richtung schräg gegen
den Wasserspiegel gegeben wird‘, halte ich für verfehlt, denn solche
automatische Emporhebungen bei /chthyosauridae haben wohl nie
stattgefunden. Es waren, wie Exocoetus, einfach Oberflächentiere.
Außerdem, Dactylopterus ist ebenfalls ein Flugfisch und doch hat
er einen isobatischen Schwanz. — Dazu kommt noch, daß, wenn
das wahr wäre, auch das Übergewicht der dorsalen Hälfte ces
Archiv für Naturseschichte
1920. A. 9. ö 2 9. Heft
18 Dr. A. C. Oudemans:
epibatischen Schwanzes der Sguali und Rajı zu einem Hinunter-
drücken des Vorderendes und Emporheben des Hinterendes füh-
ren mußte, was bei den Bodentieren einen in jeder Hinsicht un-
angenehmen Erfolg haben würde. Noch muß ich bemerken, daß,
wenn Fliegende Fische beim Sichsenken die untere Hälfte des
Schwanzes ins Wasser tauchen, sie damit schon starke seitliche Be-
wegungen machen, sodaß sie eine ganze Strecke über die Wasser-
oberfläche springen und selbst schießen, gleich wie fast horizontal
geschleuderte platte Steinchen über die Oberfläche flächeln. Ich
habe diese Beobachtung nicht in Lehr- und Handbüchern publi-
ziert gefunden. In der Sammlung der Hoogere Burgerschool hier
besitze ich.einen zwar ausgetrockneten Exocoetus, der eine flache
Brust- und Bauchfläche (vom Kopfe bis zum Anus) aufweißt. Ob
dies die Folge des Austrocknens ist?
Der Nordpol als Völkerheimat.
Von
Dr. A. C. Oudemans (Arnhem),
Der Nordpol als Völkerheimat
ist der Titel eines Werkes von Dr. Georg Biedenkapp. Ich habe
das Buch (Jena, Castenoble, 1906) mit sehr viel Interesse gelesen.
Der Autor lenkt im 2. Kapitel die Aufmerksamkeit des Lesers
auch darauf hin, daß schon verschiedene andere Autoren vor ihm
den Gedanken hegten, der Nordpol sei die Heimat der Völker,
die Wiege des Menschen sei in zirkumpolaren Regionen zu suchen.
Er breitet nun seine Untersuchungen weiter aus, und zwar auf
allen Gebieten, der Sprachverwandtschaft, der Religion, u. s. w.
Wir lesen, S. 11, daß Graf Björnstjerna seine Behauptung,
die Polarregionen seien früher bewohnt gewesen als alle näher am
Äquator gelegenen Gebiete, auf geologische Verhältnisse stützte, aber
auch auf die ältesten Schriften der Inder, die den Anfang des Lebens
und die Heimat der ersten Menschen an den Nordpol verlegten.
Ich weise hier auf die Tatsache hin, daß Inder im allgemeinen
dunkel gefärbte Menschen sind mit schwarzen Haaren und Augen.
S. 12. lesen wir, was der Amerikaner Warren uns in seinem
Werke ‚The Paradise found or the cradle of the human race in
the Northpole‘ erzählt. ‚Dies Buch erschien in den achtziger Jah-
ren und hebt aus den mythologischen und geschichtlichen Über-
lieferungen aller Kulturvölker, einschließlich der Japaner und Chi-
nesen, die Beweise für seine Anschauung, daß das Paradies am
Nordpol gelegen habe. Bei den Agyptern, Babyloniern, Indern,
Persern, Römern und Germanen findet Warren Spuren, die nach
Der Nordpol als Völkerheimat 19
dem Nordpol führen.‘ Ich bemerke hierbei ebenfalls, daß Japaner
Chinesen, Ägypter, Babylonier, Perser und Römer im allgemeinen
dunkelgefärbte Menschen mit schwarzen Haaren und Augen sind.
Was lesen wir nun in Dr. Ludwig Reinhardt’s ‚Der Mensch
zur Eiszeit in Europa,‘ 1908, S. 399.
„Damit treten wir in eine Periode ganz ungeahnter Kultur-
entwicklung, welche Schritt für Schritt zu den heute bestehenden
Verhält-(nisse) geführt hat. Ihre Träger waren Menschen heller
Hautfarbe, die nach ihrer ursprünglichen Verbreitung
eine Rasse der östlichen Hälfte der Nordhalbkugel!) bil-
deten und ihren ältesten Sitz im nördlichen und mittleren Europa
hatten. Diese weiße Rasse ist zweifellos ein Produkt!) des
nordischen Klimas. Weil in diesen Breiten, die vielfach Wolken-
bedeckung und Nebel aufweisen, die Lichtbestrahlung eine ver-
hältnismäßig schwache ist, so wurde hier die Haut der Menschen
gleich wie der nordischen Tiere ausgebleicht und pigmentarm,
während sie bei den südlicher wohnenden Stämmen durch die in-
tensive Sonnenbestrahlung immer mehr bräunte und schließlich
zur Entstehung der fast ebenholzschwarzen Negerstämme, der
schwarzen Rasse, führte.?) Auf dem zentralasiatischen Hoch-
land jedoch, das bei ziemlicher Sonnenbestrahlung nöch kühle Luft-
temperatur aufweist, entstand die gelbe Rasse, welche ostwärts
über den gewaltigen Kontinent und die ganze benachbarte Insel-
welt hinaus sich ausbreitete.‘
Wenn gesagt wird, die weiße Rasse sei ein Produkt des nor-
dischen Klimas, so schließt dieser Satz nicht ein, daß die dunklen
Rassen nicht im nordischen Klima haben leben können. Aus der
Behauptung, daß die verhältnismäßig schwache Lichtbestrahlung
die Haut des Menschen gleich wie der nordischen Tiere ausbleichte
und pigmentarm machte, muß man schließen, daß die Haut dieser
Menschen, als sie dort kamen, dunkel, pigmentreicher war. Wo
entstanden denn diese Menschen? Am Nordpol? Oder in jetzt
wärmeren Breiten ? ‚„‚Bei den südlicher wohnenden Stämmen bräun-
te sich die Haut durch die intensive Sonnenbestrahlung immer
mehr.‘‘ Also waren diese Rassen früher jedenfalls bleicher. Woher
kamen sie denn? Wo entstanden sie? Bei der Besprechung der
gelben Rasse wird das Wort ‚jedoch‘ benutzt und ist von Farben-
änderung keine Rede. Hieraus sollte man schließen können, dab
die weiße und die dunkelpigmentierten Rassen früher gelb waren
und aus dem zentralasiatischen Hochlande stammen. Dann wirft
sich aber die Frage auf: auch die Hyperboräer? Diese sind doch
nicht ‚‚weiß‘‘ geworden! Schließlich: die Wiege der Menschheit
liegt also nicht am Nordpol, sondern im zentralasiatischen Hoch-
lande. :
!) Vom Autor gesperrt!
®?) Der Autor ist also Anhänger der Lehre, daß äußere Einflüsse
Rasse und Arten bilden. :
8* 9. Heft
20 Dr. A. €. Oudemans:
S. 401 bespricht Reinhardt die Abzweigung verschiedener
Rassen von der Urform des Menschengeschlechts. Obwohl es
nicht wörtlich gesagt wird, kann man zwischen den Zeilen doch
lesen, daß sie ungefähr in Zentralasien stattfand.
„Von den Abzweigungen der weißen Rasse wurden die
jüngsten, immer mehr in den unwirtschaftlichen kalten Norden
gedrängten Zweige durch Auslese immer heller und kräftiger ent-
wickelt, bis schließlich um die zuletzt vom nordischen Gletscher
freigewordene Ostsee, besonders in ihren westlichen Teilen der von
Carl v. Linne als Homo europaeus benannte hochgewachsene,
blonde, blauäugige Nordeuropäer als der reinste Vertreter des
indogermanischen Stammes sich ausbildete.‘
Die jüngste Abzweigung der weißen Rasse wurde also nach
dem Norden (Nordwesten) zu gedrängt, war also ursprünglich nicht
„weiß“; Was denn? Gelblich? Sie wurde dort weiß, blond und
blauäugig, und verbreitete sich von dort aus erst später über Euro-
pa. Ob dieses Weiß, Blond und Blauäugig werden durch Auslese
geschah, bleibt sehr fraglich! Und wenn es wahr ist, daß gerade
durch die unwirtliche Kälte und die spärliche Lichtintensität die
Menschen weiß, blond und blauäugig wurden, warum sind dann
die Hyperboräer nicht weiß geworden, und sind ihre Haare und
Augen schwarz geblieben ? Durch Auslese? Und die Japaner und
die Chinesen, die nach Björnstjerna’s, Warren’s und anderer Unter-
suchungen aus dem Nordpole nach dem Süden bis nach Japan,
Mandsjureie und China zogen, sind doch immer noch nicht weiß,
dabei schwarzhaarig und schwarzäugig, während sie doch in Län-
dern von gleichen Breiten wie Mittel-Europa zurecht kamen! Auch
sind alle Indianerstämme Canada’s schwarzhaarig und schwarz-
äugig und jedenfalls nicht weiß. Die blondhaarigen und blau-
äugigen Eskimos, in letzter Zeit gefunden, werden ja als aus
Kreuzung entstanden angesehen und verursachen noch viel Kopf-
brechen!
Auch bei Tieren ist bei der Beurteilung der Farben Vorsicht
geboten. Polarbär und Polarfuchs sind ja weiß, aber die Kenn-
tiere, die Elche und die Moschusochsen, sind gar nicht weiß; letzt-
genannte selbst braun bis schwarz, obwohl sie im ewigen Schnee
und Eis leben. Und in der Nähe des Äquators leben der schnee-
weiß bemäntelte Guereza, die halbweiße Mephitis sufficans, M.
patogonica, M. chilensis, der halbweiße Myrmecophaga tr dactyla,
die weißen und leichtrosafarbigen 12 Arten von Kakadus, die
weißgeschwänzten Buceros-Arten, die fast halbweiße Flötenkrähe
(Gymnorhina tibicen), der schneeweiße Schmied (Chasmorhynchus
nudicollis), der ebenfalls schneeweiße Glöckner (Ch. niveus), die
für den größten Teil reinweiße Fruchttaube' Myristicivora bicolor,
das fast ganz weiße Weibchen vom Weißen Dodo von Bourbon
(Aßterornis solitarius, ausgestorben), der Schneekranich (Grus leu-
cogeranus), der Haliaetus vocifer, mit weißem Kopfe, Hals und
Schwanz, der fast ganz weiße /bis aethiopicus, der fast ganz weiße
Ein Pferd mit acht Ineisivi >1
Tropikvogel (Phaeton aethereus), das weiße Männchen vom suma-
tranischen Maikäfer und sehr zahlreiche weiße Tagfalter (Pieridae).
Ich kann mich einerseits mit dem Gedanken befreunden, daß
die ‚‚Germanen‘‘ aus dem Norden her sich über. Europa verbrei-
teten, auch daß sie schon von hohem Wuchse, weiß, blond und blau-
äugig waren, wenn ihre Auswanderung aus dem hohem Norden
nach dem Süden begann, ebenfalls, daß sie im Norden vor ihrer
Auswanderung dunkelpigmentiert, schwarzhaarig und schwarz-
äugig waren und dort blond, weiß und blauäugig wurden, anderer-
seits kann ich nicht ohne weiteres zugeben, daß die Germanen weiß,
blond und blauäugig wurden, weil sie einige Zeit im Norden
wohnten. Ich weise nochmals auf die Hyperboräer und alle
anderen Völker hin, welche ebenfalls im Norden wohnen, oder
nach ihren Überlieferungen aus dem Norden kamen.
Ein Pferd mit 8 Incısivi.
Dr. A. C. Oudemans (Arnhem).
In der Sammlung der Hoogere Burgerschool, hier, befindet
sich ein Schädel eines Hengstes mit 4 stark entwickelten Canini,
der im Unterkiefer jederseits der 6 Incisivi einen kleinen Zahn
aufweist. Diese sind ungefähr wie die Incisivi III des Schweins
beschaffen. Vielleicht kommt es öfter vor. Mir sind aber keine
weiteren Beispiele davon bekannt.
Vermutlich haben wir hier mit einem typischen Fall von weit-
gehender Atavismis zu tun. Bekanntlich zählen alle placentale
Säuger höchstens 6 Incisivi, während bei den Beuteltieren oft
8 Incisivi im Unterkiefer vorkommen.
9. Heft
22 Werner Ext:
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers,
Meligethes aeneus Fabr.
aus dem Zoologischen Institut der Landwirtschaftlichen
Hochschule Berlin.
Von
Werner Ext.
(Mit 1 farbigen Tafel und Textfiguren 3— 38.)
Inhalts - Übersicht.
Einleitung. ! Literatur .
Syrlahatak ER Technik She
Synonymik . .... 24 Der männliche dental
Gegenüberstellung von Mm. vi- Apparat
ridescens und M. aeneus 25
Historisch-kritische Literatur-
nbersicht I Er ee 2
Propositio thematis . . . 31
Material (Fang und kalbhe) 31
Beobachtungstechnik. . . . 32
Der Kopulations - Asia
Genitalrohr, Penis, Ru-
tenblase mit Präpenis
Ausstülpungs-Vorgang .
Die keimbereitenden Organe
Ductus ejaculatorius, Ne-
Morphologie der Imago. benhoden mit Anhangs-
F > drüsen, Vasa eferentiae,
Fehlender Sexualdimorphis-
BER 33 Hoden . \ ?
Allgemeine Ko EN er Der as enit al
Apparat. BR
ER ch a Die Begattungs-Organe
Farbe und Farb- Varetktenl. 35 | 5 er
Kloakrohr, re
Oberflächenskulptur . . . . 36
ä > Scheide. R
Kopf: Mundteile . ... . . 37 |
Die Befruchtungs- Orgarieh
Fühler.'.7."7: 39
Die keimbereitenden Organe
Brust: Halsschild N Vor: ER ; ;
| Eiröhren, Eierkelch, Eier-
derbrust ... . . .. 40 Bu:
Schildehen‘ ,„.... .; 42 Der K Me Mr Vor de
Flügeldecken.. . . . 42 ; es a ie
I Schluß 6
Biugelnmres.t. ae , n , .
g , Literatur-Verzeichnis:
Pommern 2er ee RAR x
Ahdanten 46 n Allgemeines.
f LER j 3 2. Morphologie
Morphologie des Geschlechts- = Spezielles über die Niti-
Apparates. dulae.
Binleitung.. . ner ner dg 4. Genitalsystem
Einleitung.
60
60
60
61
Die gewaltige Zunahme des Rapsanbaues in Deutschland
innerhalb der letzten fünf Jahre lenkte die Aufmerksamkeit auch
auf die Schädlinge des Rapses. Unter diesen gilt der Rapsglanz-
käfer als der gefürchtetste. Eine rationelle Bekämpfung ist nur
Beiträge'zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 23
auf Grund genauer lückenloser Kenntnis eines Lebewesens mög-
lich. Grundlage aller biologischen Forschungen sind wiederum
klare morphologische Kenntnisse. Diese Gedankengänge führten
zum Thema vorliegender Arbeit.
Systematik.
Zur Orientierung über die Eingliederung des Rapsglanz-
käfers in das System möge nachstehende Übersicht dienen.
Ich folge im allgemeinen der Einteilung E. Reitters.!)
Meligethes aeneus?) Fabr. (Syst. Ent. 1775, S. 77) gehört zur
Familienreihe: Diversicornia im Sinne Ganglbauers.?)
Familiengruppe: Clavicornia und innerhalb dieser zu jenen
Familien, die am ‚Außenrande der Vorderhüften einen freiliegen-
den Trochantinus besitzen“. (Abb. 3).
4000 u
Abb. 3.
Meligethes aeneus, Prothoracal-Segment. Ventralansicht. pr = Fortsatz des
Prothorax ;co=Coxa;tr=Trochantinus; fem = Femur; kl = Kopfloch; (die
Vorderbeine sind nach hinten umgelegt, um die Hüftgrube cg freizulegen).
Familie: Nitidulidae.
Unter-Familie: Nitidulinae,
Rhizophaginae.
Trıbus: Cateretint,
Meligethini,
Carpophilini,
Nitidulini,
Öryptoarchint.
Gattung: Pria (Steph.),
Meligethes (Steph.).
Unter-Gattung: Acanthogethes,
Odonthogetes,
Meligethes, s. str.
ı) E. Reitter, Best.-Tab. d. europ. Coleopteren. H. 86, Byturidae u.
Nitidulae in Verh. d. Naturf. Ver. zu Brünn, 1919, Bd. 56.
2) Griechisch: melitos = Honig; aenaos = nie versiegend, fließend,
immer vorhanden.
3) Ganglbauer, Die Käfer Deutschlands, 3. Band.
9. Heft
24 Dr. H. Hedicke:
System der Genera.
Von den alten Autoren wurde die Familie der Chalcididae,
die bei weitem arten- und aüch formenreichste aller Hymenopteren,
in drei Gruppen nach der Zahl der Tarsenglieder eingeteilt und alle
Formen mit fünf Tarsengliedern als Pentamera, die mit vier Glie-
dern als Tetramera und die mit dreigliedrigen Tarsen als Trimera
zusammengefaßt. Diese Gruppierung mußte fallen gelassen werden,
als man Genera auffand, bei denen die Zahl der Tarsenglieder in
beiden Geschlechtern eine verschiedene ist. Ein durchgreifendes
Unterscheidungsmerkmal fand Thomson in der Form der vor-
deren Tibialsporen, die bei den ehemals als Pentameren zusammen-
gefaßten Gattungen groß und kräftig und an der Spitze gekrümmt,
bei den Tetrameren und Trimeren kurz, dünn und gerade sind.
Die erstere Gruppe bezeichnete er als die Sektion der Macrocentr:,
die letztere als Microcentri. Zur Sektion der Macrocentri gehört
die 1856 von Foerster (27) aufgestellte Subfamilie der Eur yto-
minae, nach Dalla Torres Catalogus Hymenopterorum (78) die
30. Subfamilie der Chalcididen. Sie wurde 1904 von Ashmead (92)
aufgeteilt und umfaßt fünf Tribus, von denen drei, die /sosoment,
Eurytomini und Decatomini, ohne weiteres als zusammengehörig
zu erkennen sind, während die Stellung der Aximini und der
Rileyini nicht ganz sicher ist und ihre Zugehörigkeit zur Sub-
familie Eurvtominae zweifelhaft erscheint. Nach Schmiede-
knecht (104) sind die allgemeinen Subfamiliencharaktere folgende:
Körper fast durchweg schwarz, oft mit weißgelb-
licher Zeichnung, Kopf und Thorax in der Regel durch
grobe Punktierung matt, Hinterleib glatt und glän-
zend. Kopf so breit wie der Thorax, nur bei den Axi-
minen viel breiter als dieser. Fühlerschaft kurz, in
den Fühlergruben mehr oder weniger verborgen; Man-
dibeln kräftig, dreizähnig, Wangen lang. Pronotum
stark entwickelt, quadratisch oder rechteckig, Meso-
notum mit deutlichen Parapsidenfurchen. Radius im
Vorderflügel deutlich entwickelt, nicht gekrümmt.
Beine kräftig, Vorderschienen mit starkem, gekrümm-
ten Sporn, Hinterschienen mit zwei Sporen. Hinter-
leib am Ende schwach behaart, gewöhnlich rundlich
oder oval, seltener gestreckt, von der Seite zusammen-
gedrückt, das letzte Bauchsegment pflugscharförmig
vorspringend; Bohrer die Hinterleibsspitze Kaum über-
ragend.
- Eine größere Konformität dieser Diagnose würde sich er-
reichen lassen, wenn es möglich wäre, die Aximinen und Rileyinen
aus der Subfamilie herauszunehmen und als besondere Gruppe zu
behandeln; da das aber wegen der noch zu geringen Kenntnis
dieser beiden Triben vorläufig nicht zu empfehlen ist, muß die
Diagnose in einigen Punkten weitere Grenzen zulassen, als für die
deutliche Trennung von den übrigen Subfamilien wünschenswert
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 25
ist. Es zeigt sich aber bereits hier, was in den folgenden Diagnosen
noch deutlicher zutage treten wird, wie sehr auch die Kenntnis
der Isosominen bisher im argen lag: die Angabe, daß der Kopf
so breit ist wie der Thorax und nur die Aximinen hiervon eine Aus-
nahme machen, trifft auf die Isosominen nicht zu, bei diesen ist
vielmehr der Kopf bis auf ganz wenige Arten stets merklich breiter
als der Thorax. Im übrigen reicht die Diagnose für die Erkennung
der Zugehörigkeit der Genera aus,
Ashmead (92) trennte seine fünf Triben nach folgender
Tabelle, die Schmiedeknecht (104) fast wörtlich übernahm:
1. Metathorax langgestreckt, stets länger als das Schildchen und
nach hinten allmählich abfallend. Marginalnerv mindestens
zweimal so lang wie der Radius. . . 9
Metathorax kurz, nicht länger als das Schildchen, sondern ge-
wöhnlich deutlich kürzer, nicht selten steil abfallend. Mar ginal-
nerv zuweilen kurz und dick . . BGF: 2
2. Kopf breiter als der Thorax; Stirn neben den Augen beiderseits
mit einem spitzen Dorn oder Zahn; Augen rund. Hinterleib
Weutlich*gestielt” 7.7 re BRITID, A FU MER
Kopf nicht breiter als der Thorax: Stirn nicht mit Seitendornen
oder Zähnen, Augen oval, nicht rund 2. Trib. /sosomini
. Marginalnerv kurz und dick, quadratisch oder halbkreisförmig.
Fühler bei beiden Geschlechtern ähnlich, elfgliedrig. Hinter-
leıb kurz, rundlich oder oval. Se meist mit deutlicher
Makelees. 2. we. ae Trib. Decatomiıni
Marginalnerv mehr oder w eniger lang, Are quadratisch
oder halbkreisförmig . 4
4. Fühler zehn- bis zwölfgliedrig, mit nur einem Ringglied, bei
beiden Geschlechtern verschieden, beim Weibchen fadenförmig
oder gegen das Ende verdickt, bei Männchen die Geißelglieder
ausgeschnitten oder an der Basis stielartig verschmälert, oft
mit langen Haarwirteln . . . „......4 Trib. Eurytomini
Fühler dreizehngliedrig, mit zwei oder drei Ringgliedern, beim
Weibchen und Männchen ziemlich gleich, die Geißelglieder beim
Männchen nicht ra oder ur auch nicht mit
langen Haarwirteln . . . . RE ERDE RE VER T
.r
wu
Für diese Übersicht gilt das ER was Rn bei der Diagnose
der Subfamilie gesagt wurde, aber auch die Stellung der /sosomini
ist nach vorstehender Tabelle so unsicher, daß eine Einreihung
einer Spezies in dieses oder eins der ihm gegenübergestellten Triben,
oft nicht mit Gewißheit wird vorgenommen werden können. Das
Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen den /sosomini und Axı-
mini einerseits und den übrigen drei Triben‘andererseits, die ver-
schiedene Länge des Metathorax, womit hier natürlich das Pro-
podeum gemeint ist, kann verschieden beurteilt werden, je nachdem
. man sie in der dorsalen oder lateralen Medianlinie mißt. Da außer-
dem die Länge des Propodeums von der des Scutellums oft nur
11. Heft
26 Werner Ext:
Konstante charakteristische Merkmale sind nur:
1. Die weniger gedrängte, tiefere, derbere Punktierung der Elytren
und
2. die stumpfeckige Erweiterung an der Beugeseite der Femora
des zweiten mittleren Bang, nahe dem Femur-Tibia-
Gelenk.
Reıtter:;) sagt zu Punkt 1: aeneus „Oberseite sehr dicht
und fein punktiert“, viridescens ‚Oberseite weniger gedrängt und
etwas stärker punktiert.‘2) |
Dies läßt sich wesentlich präziser fassen. Die genaue Aus-
zählung der Haarporen pro Flächeneinheit ergibt sogar eine über-
raschende Gesetzmäßigkeit. (Abb. 4).
STE
TRIER Ir
11 Hi
{hin ll
Abb. 4.
Relative und absolute Dichte der Flügeldecken-Punktur als Artunterschied
zwischen Meligethes aeneus (A) und Meligethes viridescens (B) (Größe
des Zählfeldes 0,3 mm?).
Unter Benutzung eines Zeichenapparates wurde ein quadra-
tisches Zählfeld von 0,3 mm? Seitenlänge von einem Objektmikro-
meter abgezeichnet. Ohne Veränderung des optischen Systems —
Vergrößerung 80 x — wurde das Objektmikrometer gegen eine
abpräparierte Elytre von M. aeneus vertauscht und diese auf das
gleiche Blatt gezeichnet. In derselben Weise wurde mit einer
Elytre von M. viridescens verfahren. In beiden Fällen wurde
nur der mittlere Teil, soweit er in einer optischen Ebene lag, ab-
gebildet. . Die Randpartien ergeben infolge der Wölbung der
Elytren zu starke Verzeichnung. Zur Orientierung ist die Mittel-
trachee und der Umriß gegeben. Die Abb. 4 zeigt, daß die ‚„Punk-
11) E. Reitter, Best.-Tab., a. a. O., 8. 26.
12) Vgl. hierzu 8. 27 ff.
Beiträge zur Kenntnis d:s Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 27
tierung“ bei M. aeneus allerdings „dichter‘ ist als bei M. vir:-
descens. Die genaue Auszählung ergab im Durchschnitt auf 0,3 mm?
eine absolute Punkturdichte von
120 Haarporen bei M. aeneus,
60 u „. M. viridescens.
Die Dichte der Haarporen auf den Elytren von M. aeneus steht
zu jener von M. viridescens also im relativen Verhältnis von
120:60 oder von 2:1. M. aeneus ist also doppelt so dicht
punktiert wie M. viridescens.
Bei M. viridescens, besonders bei großen Individuen, er-
scheinen die Haarporen — bei achtzigfacher Vergrößerung —
als kleine Hohlkreise, bei M. aeneus sind sie kleiner und erscheinen
als Vollkreise bezw. Punkte.
Als zweites konstantes diagnostisches Merkmal zwischen M.
aeneus und M. viridescens nannten wir die Ausbauchung an der
Beugeseite der Mittelschenkel. Abb.5 stellt entsprechende Beine
beider Arten einander gegenüber.
0 500 Bw
Ve —— — se ——emnsem‘
U ! tt ÄR
BER IR PETAUR
Kt Ir An SS
CHIRRDIWAERSS
- Abb. 5.
Gestalt des Mittelschenkels als Artunterschied zwischen Meligethes viri-
descens (A) und Meligethes aeneus (B). Bei x die charakteristische „Nase“
(Ausbauchung).
Im allgemeinen machen die Organe von M. viridescens einen
derberen Eindruck als die von M. aeneus. Das scheint auch hin-
sichtlich der inneren Organe (Legeapparat usw.) zuzutreffen.
9. Helt
28 Werner Ext:
Die Färbung der Dorsalseite bei M. viridescens ist im all-
gemeinen blau bis blaugrün, jedoch kommen auch rein grün me-
tallisch glänzende Individuen vor, wie auch wiederum M. aeneus
manchmal deutlich blau schimmert.
Sichere Merkmale sind nur die Eckausbauchungen an den
Mittelschenkeln und eine Punkturdichte von etwa 120 pro 0,3 mm?
bei M. aeneus, gegen etwa 60 pro 0,3 mm? bei M. viridescens.
In ihrem biologischen Verhalten und lokalen Auftreten (vgl.
5. 25) stimmen beide Arten weitgehend überein, jedoch erweckte
es den Anschein, als ob M. viridescens zu Beginn des Sommers
zahlreicher auftrat als im Juli. Das wäre von wesentlichem Inter-
esse hinsichtlich eventueller Anpassung an frühblühende Raps-
und Rübsensorten.13)14)15) (Vgl. Abb. 6 u. 7.)
Nach Ormerod1%) ist auch das biologische Verhalten von
M. rufipes dem von M. aeneus gleich.
Literatur.
Über Meligethes aeneus existiert eine reiche, weit verstreute
Literatur. Die bekannten älteren Literaturkataloge von Engel-
mann!”), Garus!®) und Taschenberg??) zitieren zahlreiche Ar-
beiten.
Am umfassendsten ist der Coleopterorum Catalogus?®).
Hier füllt A. Grouvelle allein zwei Quartseiten mit Literatur-
zitaten über Meligethes aeneus. Manche der dort aufgezählten
Arbeiten bringen allerdings nur den Namen des Käfers. Eine
derartige bibliographische Vollständigkeit wird hier nicht an-
gestrebt.
Die Mehrzahl der Autoren befaßt sich mit der, wie gesagt,
außerordentlich schwierigen Systematik oder bringt Fundorts-
listen. Andere wiederholen mehr oder weniger gleichlautende
Körperbeschreibungen.
Die Zahl der biologischen Untersuchungen ist klein, sie sind
zum Teil bei Rupertsberger?!) zitiert. Die erste Arbeit stammt
von Heeger?). Gut beobachtet hat E. Ormerod2).
13) BE. Baumann, Der deutsche Ölfruchtbau, Berlin 1919, $S. 31.
14) E. Baumann, Beitr. z Kenntn. d. Rapspflanze u. z. Züchtung
d. Rapses in Z. f. Pflanzenzüchtung, Bd. 6, 1918, S. 139 bis 184.
15) Leipziger, Der Glanzkäferbefall i. s. Beziehung z. Sortenfrage,
in Z. f. Landw. f. d. Prov. Schlesien 1918.
16) E. Ormerod, Life-history of Meligethes in Entom. Monthly Mag.
1874, Bd. 11, S. 46— 52.
17) W. Engelmann, Bibliotheca historico- naturalis. 1700— 1846, Leipz.
1846.
18) J. V. Carus u. W. Engelmann, Biblioth. zool., Leipz. 1861.
19) Taschenberg, Biblioth. zool., Leipzig 1877 ff. (unvollst.).
2°) Herausg. v. Schenkling a. a. O.
>1) M. Rupertsberger, Biologie d. Käfer Europas, Linz 1880 u. 1894.
2) E. Heeger, Beitr. z. Naturgesch. d. Ine. in Sitz.-Ber. d. Akad, d.
Wiss., Wien 1855, Bd. 14 (1854), 8. 278—280 u. 1854, 8. 47 u. 48.
23) E. Ormerod, Life-history, a. a. O.
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 29
Eine m. E. vorzügliche Arbeit von Gallus?) wird auffallender-
weise nirgends erw ähnt, wohl weil sie richt in der Fachpresse erschien.
Anatomische und histologische Untersuchungen über die Me-
ligethinae sind m. W. bisher nicht veröffentlicht. F. Stein® ) hat
sich jedoch mit M. aeneus ‘beschäftigt.
Auffallend arm an ein-
schlägigen Arbeiten ist die
amerikanische Literatur. Der
Grund hierfür ist wohl darin
zu suchen, daß Amerika wenig
Raps baut”). Bei dem aus-
gesprochen praktischen Sinn
der Amerikaner wäre andern-
falls Meligethes wohl nach
jeder Richtung hin gut er-
forscht.
Zusammenfassende mo-
negraphische . Darstellungen
des „gefürchtetsten‘‘ Schäd-
lings unserer wichtigsten Öl-
frucht (Abb. 6 u. 7), vom
Standpunkt der praktischen
Schädlingsbekämpfung aus,
fehlen. Bei dem bekannten
Tiefstand der angewandt-
entomologischen Forschung
in Deutschland kann dies
allerdings kaum verwundern.
Aus neuester Zeit seien die Abb. 6.
biologischen Arbeiten von -Meligethes aeneus, Larve sich in eine
Börnerund Blunck?”), von Rapsknospe einfressend. Mikrophoto-
En FT gramm mit Leitz-Mikrosummar 42 mm
Friederichs ) SOW ie JENE (aus Burkhardt u. v. Lengerken: Beitr.
von Burkhardt und v. z. Biol. d. Rapsglanzkäters).
Lengerken?’) besonders her-
vorgehoben. Letztere entstand gleichzeitig mit vorliegender Ab-
handlung.
Allen morphologischen Arbeiten fehlt eins: Gute
eindeutige Abbildungen!
phot. Ext.
24) Gallus, Zur N ei ee d. Rapsglanzkäfers Melig. aeneus in Ann.
d. Landw. (Wochenbl.), - 1866, S. 48 u. 56.
25) F. Stein, Vergl. Ar 1. Physiol. d. Ins., I., die weibl. Geschlecht s-
organe d. Käfer, Berlin 1847.
26) Nach The Encyelopaedia Britannica, 11. Aufl., Bd. 8, S. 749, sind
up r der: Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland.
>”) Börner u. Blunck, Zur Lebensgesch. u. up des Rapspflanz-
käfers in Illustr. Landw. Ztg., 39. Jahre. 1919, Nr. 51/52
28) K. Friederichs, Der Rapsglanzkäfer als Schädling in \ Dtsch. landw,
Presse, 46. Jahrg. 1919, Nr. 64.
ZU)EaRy Burkhardt u. H. v. Lengerken. ne z. Biol. d. Rapsglanz-
käfers in Z. f. ang. Ent. 6. Bd. 1920 8.
9. Heft
30 Werner Ext:
Zum Teil findet dies wohl seine Erklärung in der relativen
Schwierigkeit der zeichnerisch-malerischen Wiedergabe so kleiner,
stark skulpturierter kör-
perlicher Gebilde. Eine
photographische Abbil-
dung ist mit unseren
heutigen optischen Syste-
men leider unmöglich.
Reitter?®) bringt
(1870) eine vergleichende
Bestimmungstabelle nach
Vordertibien und Stirn-
rändern, jedoch leider
sehr gedrängt, klein und
skizzenhaft. Seine Fau-
na (Germanica?!) ent-
hält eine in der Färbung
gut gelungene Dorsalan-
sicht des Käfers. Die far-
bige Abbildung in!Cal-
wer’s?) Käferbuch ist
dagegen völlig unzu-
reichend. Heeger®?) gibt
eine einfache Umrißzeich-
nung der Puppe und
einzelner larvaler Teile.
Er gibt nicht an, ob sie
zur ersten, zweiten oder
dritten Larvenform ge-
hören. Bei Kuhnt?')
finden wir diese Abbil-
dungen kopiert. Inseinem
Abb..7. phot. Ext. neuesten, dem zweifellos
Meligethes aeneus, Larven in offener Raps- eingehendsten systemati-
Rn ZEN, fressend. Pe schen Werke über die
nl 1Z-MIKTOSUummar #3 . US UTK- Pu 1 x wer
hard nnd Tensaler Betr. „Biol d. Familie der ve
Rapsglanzkäf.). 5 bringt Reitter?) keine
bildliche Darstellung. In
vielen Fällen kommt man nicht ohne sicher bestimmtes Ver-
3) E. Reitter, Revision a. a. O.
»1) E. Reitter, Fauna Germanica, Die Käfer des Deutschen Reiches,
1908 —13, 3. Bd., Tafel 84.
32) Calwers Käferbuch, herausg. v. Schaufuß, 6. Aufl., 1. Bd., S. 434.
»2) E. Heeger, Beitrag z. Naturgesch. d. Ins., 13. Fortstzg., Meligethes
aeneus, in Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wiss. math.-naturw. Kl., 14. Bd., Jahrg.
1854, H. 2, Wien 1855, 8. 278—280.
3) Kuhnt, Illustr. Best.-Tab. d. Käfer Deutschlands, 1912, S. 490 ff.
3) E. Reitter, Best.-Tab., a. a. O.
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 31
gleichsmaterial aus”). Alle bisher veröffentlichten Abbildungen
werden der ‚wundervollen Filigranstruktur‘‘ des Käfers nicht
im entferntesten gerecht.
Im Gegensatz hierzu war es mein Bestreben, zur Charakteri-
sierung der Art Meligethes aeneus Fabr. möglichst zahlreiche
eindeutige Zeichnungen der Gattungs- und Artmerkmale zu bringen.
Relative Bezeichnungen, wie „Punktierung dichter“, „wenig aus-
gebaucht“ usw. sind zahlenmäßig festgelegt oder bildlich dar-
gestellt.
Der zweite Teil der Arbeit ist einer Morphologie der Geschlechts-
organe des Käfers gewidmet.
Ein kurzer Text soll die Zeichnungen erläutern.
Abb. 1 und 2 sind nach dem Leben unter Verwendung der
Skizzen des Verfassers von Max Landsberg-Charlottenburg ent-
worfen. Die übrigen Abbildungen sind, mit Ausnahme der sche-
matischen Darstellungen, mit dem Leitz’schen Zeichenokular ent-
worfen. Sie tragen einen bei gleicher Vergrößerung gezeichneten
Reduktionsmaßstab.>**)
Erster-Teil:
Material.
Das lebende Material gewann ich im allgemeinen auf einem
Rapsschlag des Städtischen Rieselgutes Falkenberg, im Osten
Berlins, und zwar anfangs (29. 4. und 5. 5. 1919) auf Teltower
Rübchen (Brassica campestris rapifera), später, mit Beginn der
Rapsblüte (Brassica napus oleifera D. C.), am 13., 15., 23., 24.,
28. Mai, am 11. und 21. Juni auf diesem. Meligethes kam hier
außerordentlich zahlreich vor. Am 22. Juni: Fang auf Raps bei
Straußberg; am 25. Juni, am 1., 4., 12. und 13. Juli im Versuchs-
garten der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, in der In-
validenstraße, also im Zentrum von Groß-Berlin auf Senf (Sinapis
alba). Am 15. Juli sehr reichlich auf Ölsaat zwischen Werder
und Baumgartenbrück. Um diese Zeit war der Falkenberger
Raps schon abgeblüht. Der Käfer war dort noch auf Leontodon
und Hederich zu finden. Ende Juli sammelte ich bei Dessau
(Anhalt) von den verschiedensten Blüten, selbst mitten in Eichen-
wäldern und weiten Elbwiesen. Die’letzten Beobachtungen da-
tieren aus dem August und September 1919, gelegentlich prak-
tischer landwirtschaftlicher Arbeit — u. a. Rübsenernte in
Holstein an der Lübecker Bucht, 10 km von der Ostseeküste
entfernt.?”)
»*) Ich bin dem Zoologischen Museum Berlin (Dr. Kuntzen) zu Dank
verpflichtet, für die bereitwillige Überlassung des reichen Typenmaterials
(Schilsky).
362) Vergl. hierüber meinen Aufsatz: ‚Über die Vergrößerungszahl
und den Reduktionsmaßstab‘ in Naturw. Monatshefte f.d. biol., chem.,
. geogr. u. geol. Unterr. 1921.
»”) Im Bezirk Oldenburg, mit stärkstem Raps- und Rübsenanbau
. Deutschlands (4,54 °/, des Ackerlandes) nach E. Baumann, Der deutsche
Ölfruchtbau, Berlin 1919, Karte.
9. Heft
32 Werner Ext:
Hier kam Meligethes auch vor, wenngleich nicht so zahlreich
wie bei Berlin. Ungeheuer groß war hier dagegen die Zahl der
mehr zu fürchtenden Erdflöhe‘®). Auf dem Scheunenboden, auf
dem viele Zentner gedroschenen Rapses lagerten, erzeugte die
Unzahl der springenden Erdflöhe ein immerwährendes knistern-
des Geräusch.
Die lebende Beute der einzelnen Fänge hielt sich bei geeigneter
Behandlung bis zu 14 Tagen. Anfangs benutzte ich zur Auf-
bewahrung geräumige Glaszylinder, in die ich blühende Raps-
pflanzen legte. Auf die Zy linderöffnung legte ich eine Glasplatte
lose auf. Bei dieser Methode beschlägt das Glas rasch und die
an den Wänden herumlaufenden Räfer gehen dadurch ein. Diesen
Übelstand beseitigt die nachstehend beschriebene Vorrichtung.?®)
Ein etwa 10 cm langes Glasrohr von 3-4 cm Durchmesser
—- ich benutzte Dialysierröhren mit aufgebördeltem Rand —
wird am einen Ende durch entsprechend feine (Müller-) Gaze,
am anderen durch einen durchbohrten Stopfen verschlossen.
Durch die Bohrung, eventuell noch durch ein kleines Glasröhrchen,
steckt man einen passenden Blütenstengel der Futterpflanze. Das
weite Aufenthaltsrohr wird mit dem herausragenden Teil des
Stopfens auf eine mit Wasser gefüllte Flasche aufgesetzt.
Ohne Nahrung (Pollen) sterben die Käfer schon nach 1—
2 Tagen.
Beobachtungstechnik.
Die Kleinheit des Objektes — 2,5 mm — bereitete mir an-
fänglich einige Schwierigkeit. Ich gebe darum hier und bei der
Anatomie der Genitalien (S. 33 ff.) eine ausführliche Darstellung
der Untersuchungstechnik.
Für die äußere Beobachtung und Abbildung wurde am einen
Ende einer Stecknadel ein etwa linsengroßes und am anderen
Ende ein etwa hirsekorngroßes Kügelchen Klebwachs befestigt.
Mit dem kleinen Kügelchen wird der lebende oder schwach be-
täubte Käfer an der der Beobachtung abgekehrten Seite leicht
berührt und auf diese Weise fixiert. Das größere Wachsklümpchen
gestattet die Befestigung der Nadel in beliebiger Neigung auf dem
Tisch des Mikroskops. Ich halte diese Methode in diesem Falle
für geeigneter als die von P. Schulze?) angegebene.
Als Lupe wurde fast ausschließlich das binokulare Mikroskop
von Leitz (Objektiv 25, 48 und 55 mm) benutzt, meist bei künst-
licher Beleuchtung durch die kleine Handregulierbogenlampe von
Leitz.
38) Psylliodes chrysocephala und Chaetocnema conceinna.
») Vgl. meine Notiz hierüber in Z. f. wiss. Ins. Biol. (im Bd. 15..
1919 S. 265 £.
4) Paul Schulze, Ein einfacher Hilfsapp. f. d. Unters. v. Ins. bei
stärk. Vergr. in Deut. entom. Z. 1918. .
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 33
Morphologie der Imago.
Das Fehlen sekundärer. Geschlechtsnierkmale.
Deutliche sekundäre Geschlechtsunterschiede, wie
solche bei anderen Arten der Gattung Meligethes
beschrieben werden, wurden bei M. aeneus nicht
gefunden.
In der Literatur finden wir gerade über diesen Punkt die
widersprechendsten Angaben. Während viele Autoren auf diese
Frage gar nicht eingehen, schreibt z. B. Redtenbachert!) von
der Gattung Meligethes: ‚Die Männchen besitzen ein kleines
Aftersegmentchen‘“. Diese Angabe ist zwar nicht gerade falsch,
aber doch irreführend; denn das Aftersegmentchen ist normaler-
weise nicht sichtbar (vgl. hierzu S. 52). Nach Reitter*?) kommt
es bei den Rhizophaginae vor. Taschenberg!?) sagt: ‚Bauch
beim Männchen sechsgliedrig, beim Weib-
chen fünfgliedrig.‘‘ Erstere Angabe ist un-
richtig. Reitter macht verschiedene An-
gaben über sexuelle Dimorphismen. Einmal
finden wir beim Subgenus Meligethes: ‚Beim
Männchen häufig(!) die Hinterbrust der hl,
Länge oder Ouere nach eingedrückt; häufig UI
jedoch auch beim Weibchen‘ (!!) Diese von IN IK:
mehreren Autoren als Kennzeichen des Männ- 1! N I
chens angeführte Mittelfurche des Metaster- } tal I 3
nums zeigt Abb. 8 als schmale Vertiefung a TE
und Haarscheitel. Sie fehlt vielen Männ- =
chen und kommt auch bei Weibchen vor, — ir
ist somit kein Geschlechtskennzeichen. Auf- a
ADD. ©:
fallend ist ihre Deutlichkeit bei frisch ge- Meligethes ,M
niioft Kaäfeh I ee Ger Metıgethes aeneus, Me-
schlupiten Kalern. in der u sothorax mit Haar-
manica®®) wiederum steht: ‚Viele (!) scheitel und Ein-
Männchen haben auf der Hinterbrust und senkung, Ventralan-
am letzten Sternite verschiedene (!) Sexual- “echt. or —oraler, ar —
: “« P aboraler Rand des Me-
auszeichnungen‘‘. In den neuesten Bestim- Soekoras
mungstabellen wird nichts davon erwähnt.
Bei Erichson®) finden wir über die Gattung Meligethes:
„Der letzte Bauchring des Hinterleibes ist bei dem Weibchen
vollständig abgerundet, bei dem Männchen an der Spitze leicht
ausgerandet.‘“ Auch diese Angaben sind nur mit Einschränkung
richtig.
41) L. Redtenbacher, Fauna Austriaca, Wien 1874, 8. 362.
42) Reitter, Best.-Tab., a. a. O.
43) L. Taschenberg. Das Ungeziefer der landw. Kulturpflanzen, Berlin
1874, 8.81.
4) Reitter, Fauna a. a. O., Bd. 3, 8. 16.
45) Erichson, Naturgeseh. d. Ins. Deutschlands. Berlin 1848, I. Abtlg..
3. Bd., 8. 170. - e,
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 9. 3 9, Hett
34 Werner Ext:
Endlich sei noch Ferrant*) zitiert. Er gibt an, daß beim
Männchen zuweilen das vierte Fußglied am Hinterbein fehle und
daß das Metasternum nach hinten eine Mittelfurche besitze.
Letzteres wird auch von Ganglbauer?’) behauptet.
Das Vorhandensein von Sexualdimorphismen*®*) wurde in
folgenden Punkten nachgeprüft:
1. Körpergröße;
2: Farbe ®);
3. Gestalt der Beine, besonders der Tarsen auf Vorhandensein
von Klammerapparaten (Haken, Borsten, Palpen) für die
Copula.
4. Skulptur der Abdominaltergite und -sternite°®) 54);
5. Größe der Augen, Vorhandensein von Härchen zwischen den
Ozellen;
6. Dichte der Punktierung, speziell der Vorder- und Mittelbrust;
‘. Größe und Aderung der Flügel;
8. Bau der Fühler (Basalgliedlänge).
Allgemeine Körperform.
(Abb. 1 und 2.)
Der Körper der Imago ist länglich oval. Die Seiten verlaufen
ziemlich parallel, nach hinten sind sie schwach verengt. _Die
Seitenrandkante ist in ihrem ganzen Verlauf sichtbar. Bei seit-
licher Betrachtung verläuft die Rückenlinie in gleichförmig flachem
Bogen. M. aeneus besitzt kein Kugelungsvermögen.
Die Länge verhält sich zur Breite wie 4,5:1.
Länge.
Die Körperlänge von M. aeneus wird verschieden angegeben.
Sie beträgt nach: Brohmer 2,5 mm
Calwer: 1,5 —2,0 mm
Ferrant: la
Ganglbauer: -1,5-2,72,
Kirchner: 11 2.00
Reitter: 1,920
ders. 1,4 Er €
Taschenberg: 2,0—2
In allen Fällen hat wohl totes Material zu 1 Ctance gelegen. Im
lebenden bezw. leicht betäubten Zustande ist der Käfer, wie schon
= Wi V. Ferrant, Die schädl. Ins. d. Land- u. Forstwirtschaft 1911,
SD. 246.
#7) Ganglbauer, a. a. O.
#) OÖ. Nüsslin, Phylog. u. Syst. d. Borkenkäfer in Z. f. wiss. Ins.-
Biol., Bd. 7, 1911, u. Bd. 8, 1912.
*) Fr. Heikertinger, Über Sexualdichroismus bei palaearktischen Hal-
ticinen, in Z. f. wiss. Ins.-Biol., Bd. 8, 1912, S. 14.
5) C. Verhoeff, Vergl. Unters. üb. d. Abdom. -Segm. u. d. Cop. Org.
d. männl. Coleopt. in Deut. entom. Z. 1893, 8. 113—173.
51) ©. Verhoeff, Vergl. Morph. d. Abdomens d. männl. Lampyriden,
Canthariden u. Malachiiden in Arch. f. Naturgesch., 60. Jahrg. 1894.
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 35
der Augenschein lehrt, merklich länger. Nach zahlreichen Mes-
sungen, die im Sommer 1919 unter Benutzung eines genau aus-
gewerteten Okularmikrometers vorgenommen wurden, schwankt
die Körperlänge zwischen 2,20 mm und 2,93 mm. Das Mittel
aller Maßergebnisse — unter Fortlassung der beiden Extreme
von 3,14 mm?) und 1,97 mm?) liegt bei 2,52 mm. (Vgl. Abb. 1
und 2.) Die mittlere Länge aller Männchen war 2,49 mm. Die-
jenige der Weibchen 2,53 mm. Diese geringfügige Differenz war
durch einige Weibchen bedingt, deren Abdomen durch Eier aus-
gedehnt war.
Farbe und Farbvarietäten.
Die Grundfarbe des Körpers — einschließlich der Mund-
gegend und dem Vorderrand des Kopfes — ist schwarz. Die Ober-
seite ist normalerweise grün, metallisch glänzend (Abb. 1), variiert
jedoch. Das Grün ist bald heller, mit bronzefarbigem Schimmer,
bald dunkler blau, fast violett bis schwarz. Ich möchte die Normal-
farbe etwa derjenigen des Kupferkieses vergleichen. Auf der
Bauchseite liegen bei vielen Individuen einige grünlich-blaue
Lichter, wie dies auch Abb. 2 zeigt. i
Reitter°%#) stellt auf Grund der verschiedenen Farbtönungen
folgende aberrationes, nach den Nomenklaturgesetzen: ‚‚formae‘,
auf: M. aeneus Fabr.
1. blau ab. coeruleus Mrsh.
2. schwarzgrün, Flügeldecken braunrot (selten)
ab. rubripennis Reitt.
3. schwarz, die Flügeldecken metallischgrün ab. dauricus Motsch.
| — viridipennis Motsch.
— calıfornicus Reitt.
— yufimanus )J. Lec.
— moerens )J. Lec.
. schwarz, die Flügeldecken bronzefarbig ab. semiaeneus Ganglb.
. Oberseite auffallend länger, gelblich behaart und meist messing-
farbig var. australis Küst.
— pubens Rey
Reitter?) spricht die ‚Vermutung aus, daß Meligethes viri-
descens Fabr. aberratio olivaceus Gyll. ‚mit dunkelrotbrauner
Oberseite‘ frisch geschlüpfte, noch unausgefärbte Käfer sind.
Meine Beobachtungen bestätigen diese Annahme.
Das Gleiche gilt m. E. für Meligethes viridescens aberratio
discolor Reitt. mit: ‚rotbraun, metallisch angehauchten Flügel-
decken‘.
Somit dürften ab. olivaceus Gyll. und ab. discolor Reitt. un-
ausgefärbte Stücke von M. viridescens, somit synonym und zu
streichen sein. Bei M. aeneus liegen die Verhältnisse ähnlich.
52) Gefangen bei Straußberg bei Berlin, 22. 6. 1919.
»3) Frisch geschlüpfter Käfer 27. 7. 1919.
54) E. Reitter, Best.-Tab. a. a. O. u. Fauna, a. a. O.
s) E. Reitter, 'Best.-Tab., a. a. O., 8. 26.
Ste
38 9. Heit
36 Werner Ext:
Hier finden wir bei Reitter?®) aberratio rubripennis Reitt.: ‚‚schwarz-
grün, die Flügeldecken braunrot (selten). (!! d. Verf.) Auch hier
handelt es sich m. E. um unausgefärbte Jungkäfer und nicht um
eine besondere aberratio oder vielmehr forma. Der gleichen An-
sicht ist Ganglbauer°‘). | |
Ich notierte in meinem Arbeitstagebuch (21. 6. 1919): „Zwei
frisch geschlüpfte Käfer. (Binokular, auffallendes Tageslicht):
Dorsal: Flügeldecken durchsichtig graubraun mit zartem me-
tallisch grünem Anflug; Kopf- und Halsschild dunkler schwärz-
lich, Kopfschild am dunkelsten, fast schwarz, ebenso die Spitze
des Hinterleibes, Augen tiefschwarz. Ventral: Gelblich; Hüft-
gruben rötlich; Beine graubraun.“
Es finden sich zahlreiche Übergänge von schwarz zu blau,
zu blaugrün und grün. Vielleicht sind diese feinen Abtönungen
durch die Dicke des von den Cyrtomen°®) ?®) ausgeschiedenen
Sekrethäutchens, bedingt. Betupft man Käfer auf der Elytre mit
Kalilauge, so verschwindet der metallische Farbton, da das Se-
krethäutchen in Kalilauge leicht löslich ist.
Schmelzt man .einen Meligethes durch Annähern einer warmen
Nadel auf Paraffin fest, so schlägt sich ein zarter Hauch von
Paraffin auf dem Käfer nieder. Je nach der Dicke dieses umhüllen-
den Häutchens erscheinen vorher grün metallisch glänzende In-
dividuen nunmehr blaugrün, blau, ja schwarz.
Der Erde entnommene, frisch geschlüpfte Käfer zeigen stär-
keren Metallglanz, da der grünliche Schimmer infolge Fehlens
der dunklen Pigmentierung stärker hervortritt. Mit zunehmender
Ausfärbung tritt das Braun, später Blau und Schwarz mehr in
den Vordergrund.
Diese Beobachtung hatte -- wie ich nachträglich fand —
schon Erichson®‘) gemacht. Er schreibt: ‚Unausgefärbte In-
dividuen (von Nitidula aeneus Fabr.) sind bräunlich-gelb, mehr
oder weniger mit grünem Glanze übergossen; auf solche Individuen
paßt Gyllenhal’s Beschreibung seines N. olivacea‘“.
Oberflächenskulptur.
Der Rapsglanzkäfer ist am Körper und an den Beinen dicht
und fein „punktiert“. Aus jedem ‚Punkt‘ entspringt ein Haar.
Bei M. aeneus sind diese Haare so lang, daß sie die nächstliegende
Haarpore eben erreichen oder leicht überragen. Sie liegen dem
Körper an und sind nach hinten gerichtet. BEE AL:
56) Reitter, Best.-Tab., a: a. ©., S. 26.
>”) Ganglbauer, 3. Band, 8. 505.
»®) W. Haß, Uber das Zustandekommen der Flügeldeckenskulptur
einiger Brachyceriden, in Sitz.-Ber. d. Ges. Naturf. Freunde, Berlin 1914,
S. 354 — 364.
») P. Schulze, Die Flügeldeckenskulptur von Cieindela‘ hybrida-
Rassen, in Deut. entom. Z. 1915.
#%) Erichson, Naturgesch. d. Ins. Deutschlands, ‚Berlin 1848, 'S. 174,
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 37
Die Punktierung des Halsschildes und der Flügeldecken ist
in Dichte und Stärke nicht wesentlich voneinander verschieden.
Das Schildchen ist jedoch fast doppelt so dicht punktiert. Die
Haarporen sind regellos gelagert. Ausgesprochen quer verlaufende
(‚‚querstrigose‘‘) Reihen sind nicht zu erkennen. Zwischen den
Haarporen ist eine feine Netzelung oder ‚„Chagrinierung‘“ deutlich
sichtbar.
Kopf (Abb. 9—14).
Mundteile.
Der Kopf‘!) sitzt bis zu den Augen im Halsschild. Der Cly-
peus ist mit der Stirn verwachsen. Sein Vorderrand ist gerade
abgestutzt (Abb. 9). Unter dem Clvpeus liegt die kleine Ober-
m
0 Joon
Abb. 9. Abb. 10.
Meligethes aeneus, Kopf. Dorsalansicht. Meligethes aeneus,
md = Mandibeln; cl = Vorderrand des Labrum.
Clypeus. Ventralansicht.
lippe (Labrum) (Abb. 10). Sie ist nicht mit ihm verwachsen.
In der Mitte des Vorderrandes ist sie tief eingeschnitten. Median,
schlundwärts ist sie fein behaart. Sie ist weich und häutig. Nur
an den Seiten wird sie durch zwei etwas stärker chitinisierte
"Streifen versteift.
Die unter dem Clypeus hervortretenden kräftigen Man-
dibeln sind kurz, breit, gedrungen (Abb. 11). An ihrem äußeren
Bogen, der besonders an der Spitze oft rötlich gefärbt ist, stehen
Borsten und Haare. Median folgen auf die deutlich abgesetzte
Spitze zwei oder drei stumpfe Zähnchen.
in . r
#1) R. Heymons, Über die Zusammensetzung des Ins.-Kopfes, in Sitz.-
Ber. d. Ges. naturf. Freunde, Berlin 1897.
9 Iielt
38 Werner Ext:
Es folgt ein Saum langer, feiner (Sinnes-) Haare. Diese sind
chitinös farblos. Sie sind am Ende zweigespalten, wie eine Schlan-
genzunge, was meines Wissens bisher nicht beschrieben ist. Noch
weiter schlundwärts steht eine Gruppe buckelförmiger Mahlzähne.
Die Zunge — Ligula — (Abb. 12) ist in der Mitte des Vorder-
randes eingekerbt (,,‚klein stumpfwinklig ausgeschnitten“). Durch
209 L00,-
= Abb43,
Abb. 11. Meligethes aeneus, Labium.
Meligethes aeneus, Mandibel. Ventralansicht. p.l.; = Palpus-
Ventralansicht. labialis; gl = Glossa; p.gl = Pa-
si = Sinneshaare; mz —Mahlzähne. raglossum.
diesen stumpfwinkligen Einschnitt wird sie in zwei häutige Lappen
gegliedert, deren Seitenflächen mit den Paraglossen verwachsen
sind. Diese bilden zwei lange, divergierende, gegen die Spitze
nach vorn gekrümmte Zipfel. Auf der Innenseite tragen die Para-
glossen einen bürstenartigen Haarbesatz.
Die Labialtaster sind dreigliedrig. Das erste Glied ist sehr
klein, das zweite verkehrt konisch, das Endglied eiförmig, wie
das Endglied des Maxillartasters.
Die Maxille Unterkiefer (Abb. 13) trägt nur eine,
- die äußere — Lade. Der Maxillartaster besteht aus vier:
Gliedern. Das erste ist das kleinste, das zweite hat verkehrt-
konische Gestalt, wie das zweite Glied des Labialtasters. Das
dritte ist wieder etwas kürzer als das zweite. Das vierte ist so
lang, als zweites und drittes Glied zusammengenommen. Am Ende
ist es abgestumpft und mit feinen Härchen besetzt.
Die Maxillarlade ist schlank und trägt an der Spitze einen
scharfen, nach innen gerichteten Zahn. Neben diesem steht ein
dichter Büschel langer Haare (Lobusinternus). Nahe dabei, auf dem
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr.
39
Lobus externus, stehen eigenartige, dicke, stummelförmige,, Haare‘.
Der Innenrand ist mit wenigen langen Haaren spärlich besetzt.
Meligethes aeneus, Maxille.
mentum; 1. ext.=der in
z — Chitinzahn;
Der Vorderrand des Kinns
Zwei gerundete seitliche Vorsprünge ES einen schmalen
Die
eigen-
zwischen sich frei.
Vorderpartie zeigt
artige, quer verlaufende
Linienzüge. Am Seiten-
rand sitzt „zahnförmig vor-
springend‘ “o2), ein sockel-
artiger Träger für die Ma-
xillarlade mit dem Taster.
Fühler (Antennen) (Abb.14).
Die Fühler werden in
flacher Wellenlinie, nach
beiden Seiten auseinander-
strebend, getragen. Sie sind
elfgliedrig. Das erste Glied
ist ellipsoidisch;
ist das längste.
62) Ganelbaner,
der
Ventralansicht.
Einzahl
Soon
Meligethes aeneus,
ansicht; B. — Lateralansicht.
das dritte — zylindrisch geformte
Vom vierten bis achten nehmen die Glieder an
a2 32, 0884495.
m —= Mentum;
s.m. = Sub-
vorhandene Lobus (externus);
s—Stipes; p.m.,=viertes Glied des Palpus maxillaris.
— Mentum —- ist eingesenkt.
Abb. 18°
Fühler.
Bogen
}
A.= Ventral-
1.— 11. Nummern der Glieder.
o%
Glied;
Heit
40 Werner Ext:
Länge ab und an Breite zu. Die drei letzten Glieder (9.-—11.)
bilden eine deutlich abgesetzte Fühlerkeule. -Sie ist kompakt
und von der Gestalt eines dorso-ventral stark abgeflachten EI-
lipsoides (Abb. 14B). \
Alle Glieder sind behaart. Das letzte Glied der Keule ist am
Ende tellerartig eingesenkt und trägt an dieser Stelle Sinneshaare.
Über die Farbe der Fühlerglieder werden verschiedene An-
gaben gemacht. Das zweite Glied ist hell gelbrot, die übrigen
sind braunschwarz.
Brust (Thorax) (Abb. 1,2u.3 u. 15 -28).
Halsschild (Seutum) und Vorderbrust (Prothorax).
Die Gestalt des Halsschildes zeigt uns Abbildung 1 und 15
in Dorsalansicht, ferner Abbildung 2 und 3 in Ventralansicht.
7
h
A
rdtz
"
Frei:
Anl: } Eu
TARI !
EI RIAIEr RI RABONNRUN
e EoN . H
Ai N An.
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I
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0 500 "y Anoow
ng
Abb. 15.
Meligethes aeneus, vordere Körperhälfte, Dorsalansicht. Diehte der Punktur
(Behaarung) auf Kopf, Halsschild, Schildchen, Elytren, (Kalilaugepräparat).
Der Halsschild schließt an die Flügeldecken dicht an, ohne
diese zu überdachen. Die Seiten verlaufen in flachem Bogen nach
vorn, sich von der Mitte an verjüngend. Die Basis ist ‚neben
den Hinterwinkeln nicht geglättet‘ (Reitter).
Das Scutum hat ausgesprochenen Metallglanz und ist etwa
ebenso dicht und kräftig punktiert und behaart wie die Elytren.
„In der Randkante des Halsschildes hat die Gattung Melı-
gethes stets eine Furche, die am Grunde eine dichte Punktreihe
besitzt‘ #%). Reitter erwähnt diese Randkante bei M. «acneus
63) E. Reitter, Best.-Tab., a. a. O., 8. 26.
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 41
nicht besonders. Sie ist aber auch dort vorhanden, wenngleich
zarter und kleiner.
Die schematische Zeichnung - Abb. 16 orientiert über
die Lage dieser Randkante (vgl. auch Abb. 15). Das Studium
dieser feinen Punktreihe mit stärkerer
Vergrößerung zeitigte eine Uber-
raschung (Abb. 17). Jeder ‚Punkt‘
ist ein kleines Näpfchen im Chitin, in
dem, wie eine vertrocknete Blumen-
krone in ihrem becherförmigen Kelch,
ein besonders gestaltetes Haar sitzt.
Diese Haare sind glashell, chitinös
und werden durch Kalilauge nicht
verändert. Sie sind dorso-ventral ab-
geplattet und in eigenartiger Weise Br a RR
Ich D - Metrgethes. andkante aım
seitlich NETZWAIBE Hinterrande des Halsschildes
(Schema). .
Wie zu erwarten war, sind auch
‘diese Organe bei M. viridescens größer
und derber und somit deutlicher erkennbar (Abbildung 18).
Am naheliegendsten ist die Annahme, daß es sich hier um
Stellungstasthaare handelt, die vielleicht den Grad der Erhebung
ha
0 1001
Abb-ıV2.
Meligethes aeneus, Sinnesapparate an der dorsalen Kante des aboralen
Halsschildes, ‚„Randkante‘ Reitters. ha = Haarporen.
der Elytren anzeigen und somit der Steuerung beim Flug dienen.
Sie wären somit zum System der sensiblen Bewegungskontrolle
zu zählen. Möglicherweise handelt es sich aber auch um Druck-
sinnesorgane.
Ein tieferes Eingehen auf den Bau dieser zarten (rebilde soll
einer speziellen Untersuchung vorbehalten bleiben. Es würde den
Rahmen vorliegender Arbeit überschreiten. Ich gebe hier nur
noch ein Schema der Verankerung des „Haares‘‘ im Chitin mit
seinem nervösen Basalteil (Abb. 19).
9. Heft
42 Werner Ext:
Schildchen (Sceutellum).
Über das Schildchen ist wenig zu sagen. Es wird vom zweiten
Brustring getragen, ist dreieckig, normal entwickelt. Die Punk-
tierung ist etwa doppelt so
ee dicht als auf Halsschild und
Flügeldecken.
Flügeldecken (Elytra).
Die Flügeldecken über-
dachen das Abdomen bis
zum letzten Tergit, dem Py-
gidium, das frei sichtbar
bleibt. Sie selbst sind frei
beweglich und werden an
ihrer Wurzel — wie schon -
Ext. oben erwähnt —- nicht vom
Abb. 18. Hinterrande desHalsschildes
Meligethes _ viridescens , Sinnesapparate
“ > bedeckt. Ihre
an der Randkante. seitlichen
Randlinien sind bei dor-
saler Aufsicht in ihrem ganzen Verlaufe gleichzeitig sichtbar.
Gegen die Längsmitte des Käfers erweitern sie sich schwach
Abb. 19. Ext.
Meligethes. Schema des Basalteiles
eines Sinneshaares an der Hinterrand- Abb. 20.
kante des Halsschildes. iR, -Apo- Meligethes aeneus, mediane Rand-
chromat 2 mm). naht der Elytren.
(Abb. 1). Auf etwa zwei Drittel ihrer Länge greifen sie ventral-
wärts schützend um das Abdomen herum, so daß sie im Ventralbilde
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 43
das Abdomen seitlich begrenzen (Abb. 2). Hinten sind sie gerade
abgestutzt. Im metallischen Farbglanz unterscheiden sie sich
nicht vom Halsschild.
Über die Dichte der Punktur sprachen wir schon ausführlich
auf S.26. Für M. aeneus fand ich als Mittelwert 120 Haarporen
auf 0,5 mm? Fläche. An der Wurzel ist die Punktierung etwas
dichter. Die dorsalen Ränder der Elytren werden, besonders auf
der hinteren Hälfte, von einer feinen Steppnaht gesäumt (Abb. 20).
Flügel (Alae) (Abb. 21).
Die Flügel sind, wie Abb. 21 zeigt, relativ groß. Im Ruhe-
zustand sind sie in zweimaliger Faltung unter den Elytren ver-
borgen. Das Gelenk befindet sich im ersten Drittel des Flügels.
0 1 2 3 rnım
vr E ER ER A Er
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rn: ner aeerrenn Hd
Turnieren” ext. e
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la int. m cub
Abb. 21.
Meligethes aeneus, Flügel. la—=Lappen; int.m. —=Externo-media; s.—
Stachel. Auf der Fläche kleine Dornzähnchen.
Beim Lüften der Elytren entfalten sie sich - - wie bei allen Käfern —
selbsttätig durch ihre Elastizität. Der häutige, von wenigen
„Adern“ gespannte Flügel ist ein sogenannter Lappenflügel, d. h.
der Hinterrand zeigt nahe der Wurzel einen tiefen Einschnitt, der
einen „Lappen“ abschnürt. Nüßlin®) hat sich mit der differen-
tialdiagnostischen Verwertung der Flügel eingehend befaßt. Viel-
leicht kann das Merkmal des Lappens, ebenso wie die Gresamt-
gestalt des Flügels, die Ausbildung der Adern, die Lage des Ge-
lenks, die Bewimperung des Hinterrandes und das Vorhandensein
eines Borstensaumes am basalen Vorderrand, auch für die einzelnen
Gattungen der Meligethini ein diagnostisches Merkmal werden,
sowie Aufklärung über die verwandtschaftlichen Beziehungen der
zahlreichen Arten geben. Von den Adern ®) treten deutlich nur
%4) O. Nüßlin, Phylog. u. Syst. d. Borkenkäfer in Z. f. wiss. Ins.-Biol.,
7. Jahrg. 1911, 8. 274. |
65) Nomenklatur nach Comstock-Needham.
9. Heft
44 Werner Ext:
die Vena cubitalis und die Vena externo media hervor, die Vena
interno media ist nur faltig angedeutet. Am Vorderrand, nahe
Abb. 22, 23,24.
der Wurzel, stehen an zwei Stellen,
dort wo Adern den Rand erreichen,
etwas stärkere Börstchen. ÖOber- und
Unterfläche sind mit feinen Dörnchen
besetzt. Der Hinterrand ist von zarten,
nadelförmigen Härchen gesäumt, die
in der Flügelebene nach hinten aus-
strahlen.
Ein vergleichendes Studium der
Flügel aller Meligethini dürfte von
hohem phylogenetischen Interesse sein.
Alulae‘%) wurden nicht gefunden.
Beine‘’) (Abb. 22 -28).
Hinsichtlich ihrer Größe und all-
gemeinen Gestalt sind die drei Bein-
paare nicht wesentlich voneinander ver-
schieden (Abb. 2 u. 28). Sie rufen uns
unwillkürlich das Bild des dem Pollen-
sammeln angepaßten Bienenbeines
vor Augen. Ormerod®) schrieb
darüber: ‚‚feeding entirely on the
pollen, tibiae — which seem as
if purposely formed for collecting
it — are loaden with pollen‘“.
(Abb 727.
Die Hüften sind in Aus-
EN sparungen des Bauchpanzers ein-
gelassen (Abb. 22, 23, 24). Die
Meligethes aeneus, Vorder-, Mittel- Vorderhüften haben Eigestalt.
und Hinterhüfte, (Coxa). Ventral- Die Hinterhüften sind walzig und
ansicht. Der Maßstab liegt in der reichen bis fast an den Seiten-
Körpermitte. Der Vorderschenkel . ; i E
ist nach hinten umgelegt, um das rand des Körpers’ Die SBlirtel
Hüftgelenk und die Coxa freizu- hüften stehen in der Form und
legen; normalerweise verdeckt der Lage zwischen diesen beiden.
Femur-Trochanter die Hüftgrube. Vermöge ihrer Kugelgestalt
pr—Prosternal-Fortsatz; co=Coxa; kann die Vorderhüfte starke Dreh-
tr = Trochanter; fem = Femur.
bewegungen ausführen. Ihre Ge-
lenkgrube ist stark gerandet und erhält eine besondere Sicherung
durch den starken, nach
sternums (Abb. 3).
hinten gerichteten Fortsatz des Pro-
®*) P. Schulze, Die Flügelrudimente der Gattung Carabus, in Zool.
Anz.,:40. :Bd., 1912, Nr. 6/7.
6°) C. Börner, Gliederung der Laufbeine, in Sitz.-Ber. d. Ges. naturf.
Freunde, Berlin 1902, H. 9 u. Zool. Anz., 27. Bd. 1904, $. 227 — 243.
e) E. Ormerod, a. a. O.
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 45
Der freiliegende Trochanter und Femur bilden bei allen
Beinen ein einheitliches Glied (Abb. 22, 23, 24). Der Trochantinus
sitzt gelenkig an der Coxa, wie ein Reiter im Sattel, mit dem
Unterschied, daß ein Bein des Reiters -- ein Fortsatz des Tro-
chanters — in die Coxa hineinragt. Bei Bewegungen rutscht der
„Reiter Trochantinus‘‘ nach rechts und links aus dem ‚,Sattel‘‘,
der Coxa.
Die Femora aller Beinpaare stimmen weitgehend überein.
Sie haben annähernd die Gestalt eines Gurkenkernes. Bei M. vı-
ridescens hat der Mittelschenkel —- wie auf S.27 und durch Abb. 5
erläutert wurde — eine charakteristische Ausbauchung. Das
Femur-Tibiagelenk ist durch eine halbmondförmige, seitliche Backe
des Schenkels gesichert (Abb. 25). Die Schiene schlägt zwischen
Schenkelbacke und Schenkel ein, wie ein Taschenmesser in seine
Scheide. An der dem Körper zugekehrten Seite ist die Behaarung
spärlicher.
Alle Tibien sind gleichfalls flach. Gegen den Fuß zu er-
weitern sie sich, so daß sie die Gestalt eines stumpfwinkligen
Abb. 25. Abb. 26.
Meligethes aeneus, Vorderbein, Tibia Meligethes aeneus, bei A. Rand-
mit gezähntem Rand. Bei A. stärker zähne der Vordertibien; bei B.
vergrößert. ti=Tibia; Kegeldornen der Mittel- und
fem = Femur. Hintertibien.
Dreiecks haben. Die Vorderschiene zeigt wichtige Unterschiede
gegenüber der zweiten und dritten Schiene. Ihr Außenrand ist
gekerbt. In den Kerben stehen kleine gedrungene ‚Zähne‘ (Dorn-
zähne) (Abb. 25 u. Abb. 26A). Bei der Mittel- und Hinterschiene
stehen dicht am Rande kräftige Dornen in einer Reihe neben-
einander (Abb. 26B).
Die Tarsen bestehen bei beiden Geschlechtern aus fünf
Gliedern (Abb. 27). Das erste, zweite und dritte Tarsalglied hat
etwa Herzform. Sie stecken dütenartig ineinander. Das vierte
9. ıleft
46 Werner Ext:
Glied ist verkürzt und sehr klein. Das fünfte ist abweichend ge-
baut. Es bildet das solide, stabförmige Trägerstück für die zwei
glatten ungezähnten Endklauen.
6 — oO
Abb. 27.
Meligethes aeneus. Fuß. ts,-t5;— Tarsalglieder; pr — Endklauen ;ti = Tibia.
Die Normalfarbe der Beine ist schwarz, jedoch sind
hellere Tönungen nicht selten. Besonders häufig sind die Vorder-
und Mittelbeine gelb bis gelbrot, d. h. in geringerem Maße pig-
mentiert. Die einzelnen Käfer lassen sich nach ihrer Beinfärbung
etwa auf folgende sechs Gruppen verteilen (vgl. hierzu die sche-
matische Darstellung, Abb. 28). Das Hellerwerden schreitet an-
scheinend progressiv von. vorn nach hinten fort, bezw. erfolgt
umgekehrt das Dunklerwerden, die Pigmentierung, von den Hin-
terfemora aus fortschreitend zu den Vordertibien.
Gruppe F enthält also Individuen, bei denen nur die Hinter-
Femora gelbrot, alle anderen Beine rot sind. Gruppe E umfaßt
Individuen mit gelben Hinter-Femora und gelbroten Mittel-
Femora und Hinter-Tibiae. Bei Gruppe D sind die Hinterschenkel
schwarz, Mittelschenkel und Hinterschiene gelb, Vorderschenkel
und Mittelschiene gelbrot, nur die Vorderschiene ist noch rot.
Zur Gruppe € gehören Käfer mit schwarzen Mittel- und Hinter-
Femora und Hinter-Tibiae; Vorderschenkel und Mittelschiene sind
gelb, Vorderschiene gelbrot. In Gruppe B ist nur noch die Vorder-
schiene gelb, in A sind alle Beine schwarz.
Fortlaufende Auszählungen konnten leider nicht ausgeführt
werden, doch sind zweifellos die ‚‚Schwarzbeine‘ zahlreicher. Die
Beobachtungen im Sommer 1919 erweckten den Eindruck, als
ob die ‚‚Rotbeinigkeit‘“ zu Beginn der sommerlichen Fraßperiode
häufiger auftrat als im Juli-August.
Abdomen (Abb. 29, 30).
Am Abdomen zählen wir dorsal sieben Tergite und ventral
fünf Sternite. Das stimmt mit dem von Ganglbauer®®) für alle
Nitidulidae gegebenen Schema überein:
Dı D D D, D D, D
EeEh Yır Var Ye Nano
#9) Ganglbauer, a. a. O., 8. 445.
”) Vgl. aber hierzu auch das auf 8. 52 Gesagte,
Beiträge zur Kenntnis des Rap:glanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 47
Das erste Ventralsegment ist breiter als das zweite, dritte
und vierte, die untereinander gleich sind. Das letzte (siebente)
— schwarz
—rgelb
Abb. 28.
Schematische Darstellung der bei verschiedenen Individuen von Mel-
gethes aeneus beobachteten Beinfärbungen,
Tergit ragt über das letzte (fünfte) Sternit hinaus. Es ist daher
auch ventral sichtbar (Abb. 29) und begrenzt den After, der
Rücken- und Bauchsegmente trennt.
Dorsal ist das Abdomen bis zum letzten, äußerlich sicht-
baren, siebenten Tergit von den Elytren überdeckt. Nur dieses
9. Heft
48 Werner Ext:
letzte Segment ist dauernd frei sichtbar. Bei den nahe verwandten
Cateretini”') bleiben dagegen ein bis zwei weitere Tergite unbedeckt.
Die geschützten Dorsalsegmente sind weichhäutig. Jedes von
ihnen trägt rechts und links ein Stigma. Die Stigmata sind von
: nie ovalem Umriß und ver-
; ps FE ger Fee re schieden groß. Bei ge-
eigneter Beleuchtung
-
Be erscheinen sie als hell
3 gelbbraune Flecken.
Eh Sie sind von einem
u Hof seitwärts gerich-
7 teter Härchen .um-
geben. Vermutlich
sind dies die Härchen
des Reusenappara-
Ei tes.
1pya-40) Auf Abb.30 sehen
wir die beiden letzten
Ext. a . .
Abb. 29. Stigmen. Sie liegen
Meligethes aeneus, Abdomen. Ventralansicht. bekanntlich zwischen
tg, (pyg. do) = dorsales‘ Pygidium; st, (pyg. ve.) den Tergiten und Ster-
— ventrales Pygidium mit Bogenlinien; Anal- niten oder, falls die
öffnung schwarz. Dorsalplatte er
Platten gebildet wird, zwischen den eigentlichen Tergiten und den
seitlichen Epimeren. Durch die stärkere Chitinisierung der nicht
von den Elytren bedeck- 0 Soon
ten Flächen des Abdo-
mens wird der Eindruck ee
erweckt, als lägen die OL ED
Stigmen im Tergit. Wie
bei den meisten Käfern
schlagen sich nämlich die
Seitenteile der Bauch-
segmente dorsal unter
einem so scharfen Nei-
gungswinkel nach innen,
nach den Rändern der
Rückensegmente zu, um,
daß sie sich unter einer
scharf leistenartig hervor-
Ga, (pyg.de)
tretenden Kante als eine Erf
besondere Platte von den Abb. 30.
eigentlichen Sterniten Meligethes geneus, Abdomen. Dorsalansicht..
tg, (pyg. do) —=dorsales Pygidium mit
Bogenlinien. >
abgrenzen (Abbildung 33
311:3
an) Unter meinem Material im Sommer 1919 zwei Exemplare.
”2) W. Alt, Über d. Respirat.-System. v. Dytiscus marg. in 2. f£.
wiss..Zool:, 49. Bd., 1912, 8.7357. ze
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 4%
Das letzte sichtbare Dorsalsegment, das sogenannte Pygi-
dium, ist chitinös und grün metallisch glänzend, wie die übrige
Körperoberfläche. Es trägt ein Paar charakteristische, nach
hinten offene ‚„‚Bogenlinien‘“ (Abb. 30). Diese Skulptur ist nach
Reitter’?) das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen den
beiden Gattungen Meligethes und Pria des Tribus Meligethini.
Anuffallenderweise zeigt das fünfte Sternit als letztes äußeres
Ventralsegment zwei sehr ähnlich verlaufende Bogenlinien, wie
das siebente Tergit. Diese lassen jedoch median einen breiten
rampenartigen Zwischenraum frei, während die dorsalen kräftigeren
Bogen median aneinander anschließen.
De facto haben wir es hier nicht mit ‚Linien‘, sondern mit
körperlichen Gebilden zu tun. Es sind die ballustradenartigen
Ränder zweier Einsenkungen. Sie bestehen aus starken Chitin-
lamellen, wie das auch in der Zeichnung angedeutet ist. Auf
Sagittalschnitten erkennen wir ihre wahre Gestalt. (Abb. 31. A).
Vielleicht dienen diese Bildungen zur Versteifung der großen ter-
minalen Segmente. Beim Männchen muß das Dorsalsegment bei
der Kopulation dem Penis einen Widerhalt geben, beim Weibchen
ist der Gegendruck des auszustülpenden Legeapparates nicht ge-
ringer. In beiden Fällen muß ein Abbiegen nach oben vermieden
werden. ’*)
Zweiter Teil.
Morphologie des Geschlechtsapparates.
(Abb. 40 —47.)
Einleitung.
Bei der außerordentlich großen Zahl nahe verwandter Me-
ligethes-Arten dürfte eine vergleichend-anatomische Untersuchung
der Genitalorgane, speziell des Kopulationsapparates, in Hinsicht
auf eventuelle Bastardierungsversuche, sowie für die Systematik
der Melıigethini von wissenschaftlichem Interesse sein. Die in
neuerer Zeit von Vererbungsforschern angestellten Versuche zeigten
bekanntlich, daß Kreuzungen, selbst nahe verwandter Käfer, mit
großen Schwierigkeiten verknüpft sind.
Ich beschränke mich im Folgenden auf’eine kurze Darstellung
des Genitalapparates von Meligethes aeneus.
Für den Geschlechtsapparat von M. viridescens scheint im
allgemeinen dasselbe zu gelten, wie für dessen äußere Organe im
Vergleich zu jenen, von M. aeneus. Die Chitinteile sind bei M.
viridescens größer und derber. In einigen Fällen wurde mir hier-
durch das Verständnis für die Verhältnisse bei M. aeneus_ er-
leichtert.
8) E. Reitter, Best.-Tab., a. a. O.
”4) Vgl. hierzu auch das auf 8. 55 über Hodenschutz Gesagte.
Archiv für Naturgeschichte {
1920. A. 9. 4 ne
50 Werner Ext:
Literatur.
Speziell über Bau und Funktion des Geschlechtsapparates der
Nitiduliden ist meines Wissens bisher nicht gearbeitet. Als
ältestes, immer noch treffliches Werk über den weiblichen Genital-
apparat sei Stein”) zitiert. Stein hat auch M. aeneus unter-
sucht. In seinem leider unvollendet gebliebenen Werk über die
Anatomie des Insektenkörpers bringt er aber keine Zeichnung
des Genitalapparates von M. aeneus. Als Vertreter der Nitidulidae
bildet er den (reenitalapparat von Epuraea obsoleta ab. Bestand
also im ersten Teil dieser Abhandlung die Hauptaufgabe darın,
die zahlreich vorhandenen Arbeiten kritisch nachzuprüfen, zu er-
gänzen, den Stoff umzugruppieren und die einzelnen Organe bild-
lich darzustellen, so galt es bei der Morphologie der Genitalorgane
des Käfers sich zunächst über alle Einzelheiten im Aufbau und
über den Mechanismus dieser Organe bei M. aeneus Klarheit zu
verschaffen. Erst hierauf konnte die Literatur über die Genital-
organe anderer Insekten vergleichend verwertet werden.”®e)
Technik.
Zum Studium des Baues der Geschlechtsorgane wurde je ein
Exemplar mit einer leicht erwärmten Nadel auf einem hohlge-
schliffenen Objektträger festgeklebt, der mit zwei bis drei Tropfen
Paraffin beschickt war. Nach Abheben der Elytren wurde das
Abdomen vom Rücken her unter Benutzung feiner, geeignet ge-
bogener und zugeschliffener Nadeln geöffnet. Die- Präparation
erfolgte anfangs unter physiologischer Kochsalzlösung. Wegen der
bei längerer Präparationsdauer auch hier eintretenden Mazeration
wurde auch 60 prozentiger Alkohol oder Carnoy’’) benutzt. Zur
Herstellung fliegender Präparate bewährte sich nach vielen ver-
geblichen Versuchen mit den verschiedensten Chemikalien aus-
gezeichnet das sogenannte Perkaglyzerin?®) (80 prozentig, medi-
zinisches Produkt). Bei der Öffnung der Leibeshöhle und bei
mehrstündiger Präparation unter einigen Tropfen Perka-Glyzerin
traten keinerlei Schrumpfungen der so empfindlichen Hoden und
Eiröhren auf. Präparate mit Wachsumrandung sind noch nach
6 Monaten tadellos.
Außerdem wurden in der üblichen Weise Mazerationspräpa-
rate durch Behandeln mit Kalilauge angefertigt.
”5) F. Stein, Vgl. Anat. u. Physiol. d. Ins., 1. Bd. Die weibl. Ge-
schlechtsorgane d. Käfer, Berlin 1847.
6) Vergl. die Zusammenstellung am Schluß, 8. 60 u. 61.
?”?) Fixierungsflüssigkeit nach Carnoy: abs. Alkohol 6 R. T.; Chloro-
form 3 R. T.; Eisessig 1 R. T. ,
8) Perka-Glyzerin ist eine wässerige Lösung von Natrium- oder Ka-
liumlaktat vom spez. Gew. 1,376. Es enthält etwa 30°/, Wasser und 15°/,
freie Milchsäure. Hersteller: Chem. Fabr. Winkel, vorm. Goldenberg & Co.,
Wiesbaden. Ich bin der chemischen Abteilung des Kais.-Wilh. Inst. für
experim. Therapie für die Überlassung der benötigten Mengen zu Dank
verpflichtet.
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 51
Da die Präparation meist bei relativ starker Vergrößerung
(Leitz-Binokular 25 mm) erfolgte, mußte künstliche Beleuchtung
benutzt werden. Die kleine Handregulierbogenlampe von Leitz
(4--5 Amp.) leistete hierbei vorzügliche Dienste.
Zum Studium der inneren Lagerung der Genitalorgane und
ihrer Funktion war die Anfertigung lückenloser Schnittserien er-
forderlich. Folgende Methode ergab die besten Resultate:
1. Leichtes Betäuben des Käfers mit Chloroform.
2. Öffnung des Abdomens unter Carnoy. (Gresamteinwirkungs-
zeit 10—20 Minuten.
3. Auswaschen mit 90 prozentigem Alkohol, eventuell in diesem
Fertigpräparieren.
4. Entwässerung durch absoluten Alkohol, mindestens 24 Std.
5. Unterschichtung von Chloroform mittels Pipette, 24 Std.
6. Reines Chloroform. 12 Stunden.
7. Hierzu Paraffin, das sich langsam löst.
8. Verdampfung des Chloroforms im Thermostaten, 1 —2 Std.
9. Reines Paraffin (Schmelzpunkt 56 -—58°), 1-2 Stunden.
10. Blockung.
Präparate, die mit Hennings’scher?®) Lösung fixiert waren,
schnitten sich hervorragend glatt, ergaben jedoch nicht immer
so gute Färbungen.
Die weitere Verarbeitung zu Serienschnitten erfolgte in der
üblichen Weise. Schnittdicke war 10 u. Es wurden Ouerschnitte,
sowie horizontale und vertikale Längsschnitte angefertigt. Die
Orientierung bot keinerlei Schwierigkeit. Den Medianschnitt er-
kennt man am Ausbleiben der dorsalen und ventralen Bogenlinien.
Zur Fixierung des ausgestülpten Penis und Legeapparates
wurden leicht betäubte Käfer auf den Rücken gelegt; bei leichtem
Druck mit dem stumpfen Ende eines Bleistiftes auf den Körper
stülpt sich der Penis bezw. Legeapparat heraus und kann durch
Übergießen mit kaltem oder heißem ‚Carnoy‘‘ fixiert werden.
Der männliche Genitalapparat (Abb. 31--34)
besteht bei Meligethes aeneus aus:
1. den keimbereitenden Organen, bestehend aus:
a) den paarigen Hoden;
b) den paarigen Vasa efferentiae;
c) den paarigen Nebenhoden (Epididymis) ;
d) dem langen unpaaren Ductus ejaculatorius.
2. Dem fernrohrartig ineinanderschiebbaren Kopulations- Ap-
parat, bestehend aus:
a) (Grenitalrohr;
b) Penis;
c) Rutenblase mit Praepenis.
2) PeuEnge und a nach Hennings: Sal-
petersäure 8R. T.; 1, prozent in Chromsäure 8R. T.; 60 prozentiger Alkohol
mit Sublimat gesättigt 12 R. Pikrinsäure, gesättigte wäss. Lösung 6 R. T.
4* 9. Heft
93:7 Werner Ext:
Man faßt heute den Genitalapparat der Käfer als eingestülpte
Fortsetzung des chitinösen Abdomens auf und nimmt an, daß
die im Vergleich zu den dorsalen Segmenten fehlenden Ventral-
segmente sich zu den Genitalorganen umgebildet haben.
Von der Neungliedrigkeit des larvalen Hinterleibes ausgehend,
nimmt man an, daß das Abdomen der Imago aus neun dorsalen
und neun ventralen Segmenten besteht. In vielen Fällen ist das
erste Tergit und das erste Sternit mehr oder weniger rudimentär.
Ich glaube annehmen zu dürfen, daß auch bei M. aeneus das erste
Tergit und das erste Sternit rudimentär ist. Der After gilt als
Trennungslinie zwischen dorsal und ventral. Bei vielen Käfer-
familien ist die segmentale Zugehörigkeit der chitinösen Genital-
teile eingehend nachgewiesen. B
Im ersten Teil dieser Arbeit ist in Übereinstimmung mit
Ganglbauer folgende Formel der äußerlich sichtbaren Abdo-
minalsegmentierung von M. aeneus gegeben:
DD... Dr D Dir Dep za 2
ViiNa Na Var
Wie im Folgenden noch gezeigt werden wird, ist noch ein weiteres
dorsales Segment vorhanden. Ich nenne es Aftersegment.
Unter Berücksichtigung dieses Aftersegmentes (D,) und der beiden
rudimentären Segmente D, und V, kommen wir zu folgender
entwicklungsgeschichtlicher Formel:
ID] DR DD DD D D (D)
NVil..Va/ Ya: Ve Vo Ve lVsE V,)
Hierin sind also [D,] und |V,| rudimentäre Segmente
(D,) nicht freiliegendes dorsales Aftersegment,
(V. V, V,) zum Genitalapparat umgebildete Sternite.
Wenden wir uns nach diesen theoretischen Erörterungen den
Tatsachen zu!
In der Darstellung beginne ich mit dem Genitalrohr und ge-
lange, dem Laufe der Spermien entgegen, aufsteigend zum Hoden.
Abbildung 31 stellt einen medianen Längsschnitt durch das
Abdomen eines Männchens von M. aeneus dar. Das siebente
(phylogenetisch achte) Dorsalsegment (tg,) greift etwas auf die
Ventralseite über. Nach einer Hautfalte folgt bauchwärts, dicht
über dem ausstülpbaren After, das oben erwähnte Afterseg-
ment (tg,).
Auf Abbildung 32C ist dieses Aftersegment in Ventralansicht,
rechts daneben im Medianschnitt dargestellt.
Auf Abbildung 33 tritt es deutlich unter dem dorsalen Py-
gidium hervor. Es hat den Charakter der äußeren Chitinteile,
ist also chagriniert und behaart.
Kehren wir wieder zur Abbildung 31, zurück. Auf den in
seinem Endteil ausstülpbaren After folgt der Kopulationsapparat.
Er besteht aus einem dorso-ventral zusammengedrückten chiti-
-
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 59
nösen Führungsrohr und dem eigentlichen Penis. Demandt°®)
folgend nenne ich das Führungsrohr: „Genitalrohr“‘. Es be-
steht aus einer dorsalen und einer ventralen gewölbten Platte.
Auf Abbildung 32
sind beide, isoliert, in
Ventralansicht gezeich-
net. Oben bei A liegt die
untere Platte, rechts da-
neben zeigt ein Median-
schnitt den Grad ihrer
Wölbung. Bauchwärts
ist an ihr ein dünner
hohler Chitinstab in-
seriert, der wohl mit der
„Gräte‘ bei anderen
Käfern zu identifizieren
ist.... Sie ist hohl, wo-
durch ihre Biegungs-
festigkeit erhöht wird.
Abbr 3
Beide Enden sind knopf-
artig verdickt. Am freien
Ende inserieren Längs-
muskelstränge.
Aufder Abbildung des
Medianschnittes durch
den Käfer (Abb. 31) liegt
die eben beschriebene
Gräte und untere Platte
des Genitalrohres bei
‚gen: -und: ‚gr‘,
Meligethes aeneus, medianer Längsschnitt durch
das Abdomen eines Männehens. (Aus mehreren
Scehnittserien kombiniert. Verlauf des Darmes
und der Hautfältelungen etwas schematisiert.)
Bei A. Schnitt durch eine seitliche Bogenlienie.
tg3-tg3—drittes bis achtes Tergit; tg, (a.s.)—
Aftersegment; e.d.—=Enddarm ; m.d.—=Mittel-
darm; sta-st,—zweites bis sechstes Sternit; gen-
dorsale und ventrale Platte des Genitalrohres;
gr. =Gräte; pen. — Penis; praep. — Praepenis
(Vergl. auch Abb. 32).
Sie kann vielleicht als siebentes Sternit ge-
deutet werden. Zu ihr gehört Teil B auf Abbildung 32.
Diese
dorso-ventral gewölbte Platte greift seitlich nach unten über. Am
kopfwärtigen Ende bildet ein kräftiger Chitinbogen mit ihr
einen geschlossenen Ring. Das Analende ist tief bogenförmig
ausgebuchtet. An den hierdurch gebildeten Hörnern stehen einige
(Tast-) Sinneshaare.
Denkt man sich (Abb. 32) Teil A abwärts verschoben bis zur
Deckung mit Teil B, jedoch so, daß die Gräte ventral vom ‚Bogen‘
liegt, so gewinnt man eine Vorstellung vom Aufbau des Genital-
rohres.
Der Penis ist komplizierter gebaut. In der Ruhelage liegt
er im Genitalrohr geborgen. Dieses entspricht somit dem von
Zander®!) bei den Trichopteren als ‚Penistasche‘“ bezeichneten
s0), C. Demandt, Der Geschlechtsapp. von Dytiscus marg. in Z. f.
wiss. Zool., 103. Bd., 1912, S. 237.
»1) E. Zander, Beitr. z. Morphologie der männl. Geschlechtsanh. d.
Triehopteren in Z. f. wiss. Zool., 70. Bd., 1901, S. 192.
9. Heft
54 Werner Ext:
Organ. Der Penis besteht aus einem chitinösen, gebogenen Rohr,
das kopfwärts in eine sehr kräftig gebaute Gräte übergeht. Auch
diese Gräte ist röhrig hohl und dadurch stabiler als ein Massiv-
stab. An ihrem Ende inserieren
starke sich überkreuzende Mus-
keln, die zur bohrenden Ein-
führung in die weibliche Scheide
9 dienen mögen. Innerhalb des
ar Sa Penisrohres liegt — im Ruhezu-
RE EN. stand vielfach gefältelt — die
ae Rutenblase. Sie ist mit klei-
nen nach rückwärts gerichteten
Dörnchen besetzt. An ihrem
en Ende befindet sich der Prae-
IR IE, penis mit der Ausmündung des
Er Ductus ejaculatorius. -Dieser be-
steht aus zwei Chitinspangen, die
sich bei seitlicher Betrachtung
decken (Abb. 322 u. 3A. u B).
Der Vorgang der Aus-
stülpung ist etwa in folgender
Weise zu denken: Die mäch-
tigen Muskeln, die am Endpunkt
der Penisgräte ansetzen, schie-
ben das Penisrohr kolbenstangen-
an 3 artig vor sich her. Die Fältelung
En 1 im Innern des Penis glättet sich.
a SEE Sobald der Kontakt mit der weib-
\ = 1 lichen Genitalöffnung gefunden
SL, ERS nt
0 500 u
ist, beginnt die Ausstülpung der
Rutenblase. Der Praepenis schiebt
sich durch das Genitalrohr, die
2 Rutenblase bläht sich prall auf
Abb. 32. und der Praepenis überträgt nun
Meligethes aeneus, Chitinteile des das Sperma in den Samengang.
männlichen Genitalrohres. Alle Teile
: ‚le Die RKückwärtsbewegung wird
in Ventralansicht, rechts jeder Teil im ückwarse u
Medianschnitt. A = Ventralplatte des
Genitalrohres mit Gräte (gr.); B. =
Dorsalplatte des Genitalrohres; v. bg.
— ventraler Chitinbogen; ©. = After-
„durch die bei der Einführung des
Penis durch Muskelzug zum
Bogen gespannte Penisgräte un-
ter stützt.
seement. > e
Ss Wenden wir uns nun den
keimbereitenden Organen zu (Abb. 34). Nach Schilderung
der starken Ausstülpbarkeit des Penis überrascht die Länge des
dünnen Ductus ejaculatorius nicht. An seinem obersten Ende,
wo er aus dem Nebenhoden kommt, ist er gegabelt. :
In jeden Nebenhoden münden drei Drüsen und je ein von
einem Hoden kommendes Vas eferens. Es sind deutlich zwei
Arten von Anhangsdrüsen zu unterscheiden. In jeden Neben-
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Rabe. 95
hoden mündet nämlich einmal eine kurze fingerförmige Drüse und
außerdem zwei in der Länge etwas verschiedene Schlauchdrüsen,
Abh. 33.
Meligethes aeneus, männliches
Abdomen mit ausgestülptem Pe-
nis. Lateralansicht. Bei A. End-
teil der Rutenblase
mit Praepenis in
Ventralansicht. tg>-
tgg—zweites bis ach-
tes Tergit; stz-st,—
zweites bis siebentes
Sternit; tg, (a.s)=
Aftersegment; an.—
Analrohr; gen. =
Dorsalplatte des Ge-
nitalrohres; pen. —
Penis; praep.=Prae- .
penis; ru.—=Ruten-
blase.
57 E]
(psg.ve)
praep. 0 Jo0 u
Ektadenien nach Escherich®#). Die fingerförmige Drüse ist
wasserhell und durchsichtig, die Schlauchdrüsen sind trüb und
PETER EEE schwach gelblich gefärbt. Beim
de lebendenTier sind die Schlauch-
a: EZ, drüsen um die Hoden gewickelt
Lest. nme, = R
27 % (Abb. 34). Die Vasa eferentiae
sind kurze Schläuche, die in
der Nähe der Einmündung in
die Nebenhoden etwas erwei-
tert sind. .
Die Hoden bestehen aus
langen Schläuchen, die zu zwei
dicht aneinander gedrängten
ellipsoidischen Körpern aufge-
wickelt sind.
j Im unverletztenTier liegen
Abb. 34. die beiden Hoden symmetrisch
Meligethes aeneus, Männchen, innere Ge- nebeneinander zwischen den
er . = ke - a ventralen und dorsalen Chitin-
8; ep. =Ne a le NS: Fr }
oa her Peritoneaiunne , Dosen (Bögenlinien) der Fy
gidien. Neben der Versteifung
3 82) K. Escherich, Anat. Stud. üb. d. männl. Genitalsyst. d. Coleopteren
in Z. f. wiss. Zool., 57. Bd., 1894.
9. Heft
56 Werner Ext:
der relativ großen Endsegmente mögen diese somit vielleicht auch
die Hoden vor Druck und Verletzung schützen.
Hoden und Anhangsdrüsen sind von der Peritonealhülle er
zogen (mesodermale, „primäre Geschlechtsorgane“ nach Esche-
tsch)#®e)
Der weibliche Genitalapparat (Abb. 35 -»8)
besteht bei Meligethes aeneus aus:
1. den Eibildungsorganen mit ihren Ausführungsgängen, diese
wiederum aus a) den Eiröhren (Ovarien),
b) dem Eierkelch : |
2 1 (Oviduct),
c) dem Eiergang
. dem Begattungsorgan, d. h. der Scheide,
3. dem Befruchtungsorgan, d. h. dem KReceptaculum seminis
mit Samengang und Anhangsdrüse.
In gleicher Weise wie beim Männchen faßt man auch die weib-
lichen Geschlechtsorgane der Käfer al$ ins Innere verlagerte um-
gebildete Fortsetzung des chiti-
nösen Abdomens auf. Die Chitin-
teile der Genitalien sind somit
als umgebildete Tergite und
Sternite aufzufassen.
Infolge weitgehender An-
passung an das Legegeschäft ist
die Erkennung und segmentale
Deutung der Chitinteile beim
Weibchen schwieriger als beim
Männchen. Alle Chitinteile sind
hier weichhäutig und außer-
ordentlich dehnbar. Ihre Gren-
zen sind nur undeutlich erkenn-
bar. Ich beginne wiederum mit
der Betrachtung der Begattungs-
organe und schließe mit der
Schilderung der keimbereitenden
Eiröhren.
Stein®) unterscheidet bei
den Käfern zwei Formenreihen
e)
Abb. 55.
Meligethes aeneus, Weibchen, Chitin- > 5 ;
teile des Scheiden-Mastdarmrohres; nach der Form der Scheide. Die
Ventralansicht. elst. =Kloakstiel;le = erste Gruppe umfaßt solche mit
obere Zipfel des Legetrichters; pyg.do. sackförmiger Scheide, d.h. einer
— dorsales Pygidium (achtes Tergit). 2 :
5 E sit) geraden, weiten, vorn blind en-
digenden Scheide, auf deren unterer Seite der Eiergang mündet.‘
Zur zweiten Gruppe gehören die Käfer mit röhrenförmiger Scheide.
Meine Untersuchungen rechtfertigen die Einreihung der Nitidu-
larien in die zweite Formenreihe, d. h. jener Familien, bei denen
32) X. Bscherich, a. a. 0.
>=)... Stein. a. a. 0%
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers. Meligethes aeneus Fabr. 57
„fast die ganze hintere Hälfte der Scheide mit dem Mastdarm-
Ende zusammen in einem Hautrohr steckt, welches die Fortsetzung
einer langen röhrenförmigen Kloake bil-
det, die fast immer mit dem Kloakstiel
in Verbindung steht‘.
Abbildung 35 zeigt dieses Kloak-
rohr. Es besteht aus zwei dorsalen und
zwei ventralen chitinösen Blättern und
dem an seinem Ende blattartig ver-
breiterten Kloakstiel. Dieses Kloakrohr
mag -—- ähnlich dem Genitalrohr des
männlichen Geschlechtsapparates —- als
Führungsrohr für den Legeapparat dienen.
Der Kloakstiel entspricht in Gestalt,
Lage und Funktion der männlichen Gräte.
Im Kloakrohr liegt, in der Ruhe-
lage, ein häutiges, durch einige Chitin-
spangen verfestigtes trichterartiges (re-
bilde. Ich nenne es Legetrichter. Die-
ser Legetrichter ist sehr dehnbar. Bei der
Eiablage wird er weit herausgestreckt.
te, I
0 Joou ”
| ee —
Abb. 37.
Joom
Abb. 36.
Meligethes aeneus, Weib-
chen, Legetriehter isoliert,
bei gleicher Vergiößerung
gezeichnet wie Abb. 35.
(Abb. 36.)
Meligethes aeneus, weibliches Abdomen mit ausrestülptem Legeapparat.
tg-t2; ==zweites bis achtes Tergit; stz-st; =zweites bis siebentes Sternit ; le. =
Spitze des Legetriehters (vergl. Abb. 35 und 36).
9, Heft
58 Werner Ext:
Betrachtet man ein Weibchen mit maximal nach abwärts
und vorn ausgestrecktem Legeapparat, so bilden die auf Abb. 36
unten liegenden Spitzen das äußerste Ende. An der längsgespal-
tenen Spitze des Legetrichters stehen feine Sinneshaare, so daß
sie wie Styli aussehen. Nach den Untersuchungen von Wan-
dolleck®) sitzen die Styli — die Endtaster des Legeapparates —
am neunten Sternit. Eine
Deutung des Legetrichters
als neuntes Sternit ließe sich
auch hier mit dem Aufbau
des weiblichen Abdomens gut
vereinbaren. Die Sinnes-
haare mögen dazu dienen,
sich in das in die Knospe
eingefressene Bohrloch bezw.
in die offene Blüte hinein-
zutasten. Jedenfalls helfen
sie den geeignetsten Platz für
die Eier zu finden.
In dem Legetrichter
mündet auch der Darm aus.
Die Scheide (Abb. 38)
ist bogenförmig gekrümmt.
Sie geht direkt in die Eileiter
über. _ Eine blinde Aus-
bauchung oberhalb der Ein-
mündungsstelle der Oviducte
— eine sogenannte Begat-
tungstasche — ist nicht
ER An no 2 vorhanden. Die Abbildung
4VLeirgeines ademeus, eibchen, Innere (ze- . 1 1 1 e-
schlechtsorgane. Bei A. Schnitt durch eine 2 die Scheide faltig ir
Eiröhre, bei B. Oberflächenbild einer Ei- Tunzelt. Dorsal von ihr liegt
röhre. vag.—Vagina ; re. —Receptacnlum das ovale Receptaculum
seminis; dr.=Anhangdrüse des Recepta- seminis mit seiner kurzen
eulums; ke.=Eierkelch ; ef.—Endfaden ; Anhangsdrüse. Es ist durch
ep.—Epithelzellen; do.—=Dotterkügelchen; S . vV
ek.=Eikammer; nk.—=Nährkammer. den Samengang mit der en
gina verbunden. Die Ein-
mündungsstelle liegt gleichfalls dorsal im oberen Teil der Vagina
DasReceptaculum ist stark chitinisiertt. An Käfern, die mit Kali-
lauge mazeriert sind, fällt es sofort in die Augen und gestattet
eine leichte Geschlechtsunterscheidung.
An ihrem oberen Ende münden von rechts und links die
beiden Oviducte ein.
Es bleiben nun noch die Eibildungsorgane. Je nach der Reife
der Eier bieten sich hier sehr verschiedene Bilder dar. Auf Ab-
bildung 38 liegt in beiden Eierkelchen ein zur Ablage reifes Ei.
s) B. Wandolleck, Zur vergl. Morph. d. Abd. d. weibl. Käfer, in Zool.
Jahrb., Abt. Anat. u Ontog., 22. Bd., H. 3, 1905.
0 J0gu 10004
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Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 59
Es hat folgende Größenverhältnisse:
Lange Achse 0,75—0,80 mm,
Kurze Achse 0,30-—-0,35 mm.
Die Eier schnüren sich bei der Ablage stark ein, bewirken
aber dennoch eine beträchtliche Dehnung des Legeapparates. Ist
der Eierkelch leer, so liegen Eiergang und Scheide in einer Rich-
tung. Der Scheidenanfang ist an einer bauchigen Aussackung er-
kennbar (F. Stein).
In beide Eierkelche münden äquatorial, in annähernd gleicher
Höhe, je sechs Eiröhren ein. Bei unverletzten Käfern liegen die
Eiröhren dicht gedrängt beieinander, so daß man zunächst keinen
Einblick in ihren Aufbau im einzelnen erlangt.
Ein großzelliges Epithel gibt ihrer Oberfläche ein morchel-
artig gedelltes Aussehen.
Durch kurze Endfäden, die mit ihrem freien Ende in einem
Punkt fest verwachsen sind, werden die Eiröhren fixiert. Die
Eiröhren zerreißen eher als diese Endverbindungen.
In den Eiröhren wechseln Ei- und Nährkammern miteinander
ab. Oft jedoch folgen zwei Nährkammern auf eine Eikammer.
Ein gleiches Bild gibt Nüßlin®) von Cryphalus.
Der Kopulationsvorgang.
Zur Kopula klettert das Männchen auf den Rücken des Weib-
chens, sodaß sich die Körperachsen — von oben gesehen — decken.
Von der Seite gesehen ergibt sich das bei den meisten Käfern üb-
liche Bild: Die Körperachsen bilden einen spitzen Winkel mit-
einander. — Der Penis wird im Bogen nach abwärts und vorn
ausgestülpt und in das weibliche Genital eingeführt. Häufig ist
die Vereinigung nur von kurzer Dauer und löst sich rasch, schon
bei leisester Erschütterung des Stengels, auf dem das kopulierende
Paar saß. Es ist wohl anzunehmen, daß in diesen Fällen eine
eigentliche Kopula nicht stattfand, bezw. die Rutenblase noch
nicht voll gebläht war. Während der Copula hebt und senkt das
Weibchen den Hinterleib, sodaß das Männchen mit auf- und ab-
gehoben wird. Häufig steckt das Weibchen dabei mit der vorderen
Körperhälfte tief in einer Knospe und läßt sich nicht im Fressen
stören.
Schluß.
Vorliegende Arbeit entstand im Zoologischen Institut der
Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Ich bin Herrn Prof.
Dr. Heymons und Herrn Dr. v. Lengerken zu großem Dank
verpflichtet für die zahlreichen Anregungen und Ratschläge, die
sie mir im Laufe meiner Untersuchungen zuteil werden. ließen.
se, 0. Nüßlin, Anat. u. Biol. d. Borkenkäfer-Gattg. Cryphalus, in
Nat. Z. f. Forst- u. Landw., 8. Jahrg. 1910, S. 289.
9. Heft
60
Werner Ext:
Literatur-Verzeichnis.
Außer der im Text als Fußnoten zitierten Literatur wurden folgende
r-
2:
5)
12)
>
Werke benutzt:
1. Allgemeines.
A. Berlese, Gli Insetti I. Milano 1909.
Calwer, Käferbuch, 4. Aufl.
. K. Escherich, Forstinsekten Mittel-Europas, 1. Bd., Berlin 1914.
K. Escherich, Die angew. Entomologie i. d. Ver. St. v."Nord-
amerika.
. V. Graber, Die Insekten. I. Der Organismus der Insekten,
München 1877.
. Henneguy, Les Insectes, 1904.
7. R. Hesse u. Doflein, Tierbau und Tierleben, 1. Band.
. J. H. Kaltenbach, Die Pflanzenfeinde a. d. Klasse der Insekten.
Stuttgart 1874, S. 29.
H. J. Kolbe, Einführung in die Kenntnis der Ins., Berlin 1893.
. G. Künstler, Die unseren Kulturpflanzen schädlichen Ins.
1871, S. 46/47.
. Lang, Handb. d. Morph. d. wirbellosen Tiere, Bd. 4, Jena
1913/14.
. Löbe, Freunde und Feinde d. Landw. u. Gärtners, Hamburg1864.
W. Sehoeniehen, Praktikum d. Ins.-Kunde, Jena 1918.
. Sehröder, Handbuch der Entomologie.
. Tasehenberg, Naturgesch. d. wirbellosen Tiere.
. Derselbe, Die Ins. nach ihrem Nutzen und Schaden.
'. W. Willmann, Pflanzl. u. tierische Schädlinge uns. landw.
Kulturpfl. Landw. Unterr.-Bücher Nr. 42, Berlin 1905.
2. Morphologie.
. W. Haß, Über das Zustandekommen der Flügeldeckenskulptur
einiger Brachyceriden in Sitz.-Ber. der Ges. naturf. Freunde,
Berlin 1914, S. 354 364.
. R.Heymons, Die Segmentierung desInsektenkörpers, Berlin1895.
. Roger, Das Flügelgeäder der Käfer, Erlangen 1875.
. P. Sehulze, Studien über tier. Körper der Carotingruppe. I. In-
secta, in Sitz.-Ber. der Ges. naturf. Freunde, Berlin 1913.
. Derselbe, II. Das Carotingewebe der Chrysomeliden, ebenda.
1914, S. 398—406.
Derselbe, Chitin- und andere Cuticular-Substanzen bei Ins. in
Verh. d. deutsch. Zool. Ges. a. d. 23. Jahres-Vers., Bremen 1913.
. Derselbe, Die Flügelrudimente der Gattung Carabus in Zool.
Anz. Bd.:40, 1912, 2NE56/%
. Derselbe, Die Flügeldecken-Skulptur d. Cicindela hybrida-
Rassen in Deut. entom. Z. 1915.
3. Über die Nitidulae und Meligethes im besonderen.
. J. Kühn, Der Rapsglanzkäfer in deut. landw. Presse, 2. Jhrg.
1865, S. 482 —483.-
Beiträge zur Kenntnis des Rapsglanzkäfers, Meligethes aeneus Fabr. 61
2,
2}
oO.
or
wo
oO
ee HERE er)
10.
#1.
12.
13.
14.
Derselbe, (regen den Rapsglanzkäfer. In mähr.-schles. a
f. Ackerbau, Natur- u. Landeskunde, 56. Jahrg. 1876, S. 391.
Murray, Some Nitidulae to which Meligethes with
consid. devot. to that genus itself in Transact. of the Linn.
Soc. London.
. Derselbe, Monograph of the family of Nitidulariae in Transact.
of the Linnean, Soc. London. Vol. 24, 1864, S. 211—414
(nur erster Teil erschienen).
. E. C. Rey, Notes on Brit. spec. of Meligethes a. addid. of one
spec. to our list in Entom. monthly Magaz., Vol. 8, 1871/72,
= 267.209.
4. Genital-System.
. H. Blunck, Das Geschlechtsleben v. Dytiscus marg. in Z. f.
wiss. Zool., Bd. 102, 1912.
. 1. E.V. Boas, Organe copulateur et accouplement du Hanneton,
Copenhague 1893.
. L. Bordas, Recherches sur les organes reproducteurs mäles
des Coleopteres in Ann. d. Sciences Nat.-Zoologie, Bd. 11,
Paris 1900, S. 283 —448, Tafel 17 —27.
. W. Harnisch, Über den männl. Begattungs-App. einiger Chry-
someliden. Ein Beitrag zur Phylogenie des Copulationsapp.
di’ Käfer: in: Z> 1 wiss: Zool.: Bd. 114, H.::1, Leipzig 1915:
. Lindemann, Vergl. anatom. Untersuchungen über das männl!
Begattungsorg. d. Borkenkäfer, Moskau 1875.
. 0. Nüßlin, Phylog. u. System. d. Borkenkäfer in Z. f. wiss.
in= Biol. 1. Bd,,-19115°8., S064f.
. A. Peytourreau, Contrib. a l’&tude de la Morphol. de l’armure
genitale des insectes. Paris 1895.
. H. Stitz, Der Genitalapp. d. Mikrolepidoptoren, in Zool.
Jahrb., Abt. Morph., Bd. 14, 1900, S. 135 —176.
. Derselbe, Zur Kenntnis des Genitalapp. d. Trichopteren- in-
Jahrb. d. Zool., Abt. Anatomie, Bd. 20, 1914, S. 277—314,
are 19)
Straus-Dürkheim, Considerations generales sur l’anatomie des
animaux articules auxquelles on a jouit l’anatomie descriptive-
du Melolontha vulgaris (Hanneton) 1828, 1. Band Texte,
2. Band Planches.
C. Verhoeff, Über das Abdomen der Scolytiden, in Arch. f..
Naturgesch., Bd. I. Jahrg. 1896, H. 2.
Derselbe, Vergl. Unters. ü. d. Abdominalsegmente und das
Cop. Org. d. männl. Coleopt. in Deut. entom. Z. 1893, S. 113:
Bis-T78.
Derselbe, Vergl. Morphol. d. Abdomens d. männl. u. weibl.
Lampyriden, Canthariden u. Malachiiden in Arch. f. Natur-
geschichte, 60. Jahrg. 1894.
Derselbe, Über das Abdomen der männl. Elateriden in Zool..
Anz. 1894.
E 9. Heft
62 R. Kleine:
Die Gattung Orpchodes Pascoe
und ihr Verwandtschaftskreis.
Von
R. Kleine, Stettin.
Mit 25 Figuren),
[o}
Ich habe die Gattung Orychodes nur gelegentlich kennen ge-
lernt, mich aber noch nicht näher damit beschäftigt; die geringe
Berührung hat in mir den Verdacht wachgerufen, es möchte nicht
alles so sein, wie es die moderne Systematik verlangt. Mein Ver-
dacht ist berechtigt gewesen, die Bearbeitung wird es beweisen.
Wieder ist mir reichliche Unterstützung zu Teil geworden.
Es sandten mir das Berliner Material Herr Prof. Kolbe und Dr.
Kuntzen, aus Dahlem Herr Custos Schenkling, Hamburg Herr
Gebien, Stettin Herr Rektor Schröder, Dresden Herr Hofrat
Heller, ferner aus Leiden Herr Dr. van Eecke und endlich die
Firma Staudinger und Bang-Haas wie immer ihr umfangreiches
Material. Allen Herren sei hiermit aufrichtiger Dank ausge-
sprochen. Weiter habe ich allen jenen Herren, namentlich Dr.
Kuntzen-Berlin und Schmidt-Stettin, zu danken, die mir die z. T.
sehr schwer zu erhaltenden Originalwerke beschafft haben.
Historisches.
Die Gattung Orychodes im Sinne des Cat. Col. ist ein der-
artiges Sammelsurium von Echtem und Falschem, daß es fast
unmöglich ist, eine historische Darstellung zu geben. Dies Unter-
fangen wäre um so problematischer, als ich mich nach Einsicht-
nahme der typischen Art: pictus Pascoe davon überzeugen mußte,
daß die meisten als Orychodes angesprochenen Arten tatsächlich
gar keine sind, weil die typische Art Charaktere hat, die außer
pictus nur noch breviceps Senna besitzt. Ich will daher zunächst
erst einmal diejenigen Arten ausscheiden, die mit der Orychodes-
Verwandtschaft sens. lat. nichts zu tun haben.
Fremde Elemente.
Orychodes pusillus Oliv.
In den Ent. V, p. 435, beschreibt Olivier eine neue Drenthus-
art als Pusillus mit folgender Diagnose: ‚B. brun; corselet sillone,
ponctule; elytres avec des stries ponctulees et une ligne &levee
interrompue, jaune.
Parvus, Antennae moniliformes, nigrae, articulis tribus ultimis
paulo crassioribus. Rostrum tenue, nigrum. Caput punctatum
piceum. Thorax punctatus, canaliculatus, piceus. Elytra punc-
tato-striata, picea, litura interrupta, flava, apice marginato ru-
fescente. Pedes fuscoferruginei, femoribus piceis, muticis“.
.
nz
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 63
Pusillus ist eine ganz unklare Art, von der sich noch kein
Bearbeiter ein Bild hat machen können. Schönherr!) führt die
Art unter den incerti generis an und hat die Art nicht gesehen.
In Band V?) stellt er die Art unter Ceocephalus, bemerkt aber
ausdrücklich?), daß er sie nicht gesehen habe. Näheres in Band I.
Die Patria India orientalis wird hier Ile de France genannt unter
Hinweis auf Dejean Cat. Col. ed 2, p. 244, ed 3, p. 266. Einen
näheren Zusammenhang konnte ich nicht ermitteln. Jedenfalls
steht aber soviel fest, daß die älteren Autoren sich kein Bild von
dieser obskuren Art machen konnten.
Lacordaire erwähnt ?usillus überhaupt nicht.
Wie nun das Tier zu Orychodes gekommen sein mag, ist mir
ganz unverständlich, im Gemm. und Harold wird die Art auch
mit (gen. dub.) bezeichnet. Vielleicht gilt das im Cat. Col. ed.
Junk bei ?usillus befindliche Fragezeichen auch dem Genus und
nicht der Figurenzahl, die dann falsch ist, vgl. Note nächste Seite.
Das es sich um keinen Orvchodes handeln kann, geht schon daraus
hervor, daß Olivier ihn den Arten mit gezähnten Schenkeln ent-
gegenstellt. Er hat ihn in seine Abt. 1: ‚Cuisses simplex‘“ auf-
genommen. Da aber alle Orychodes durch sehr starke Schenkel-
bezahnung gekennzeichnet sind, ist jede weitere Diskussion über-
flüssig. Pusillus ist kein Orychodes.
Es wären noch einige Worte über die im Cat. Col. zitierte
Abb. zu sagen. Es steht daselbst: t. 2, f. 6 (?). Das Fragezeichen
ist berechtigt, beweist aber nur, daß Herr v. Schönfeldt die Ori-
ginalarbeit nicht in der Hand gehabt hat. Dort steht nämlich
„16°, wie das bei Schönherr in beiden Bänden auch zu lesen ist.
Leider gibt auch die Abbildung keine Auskunft, denn das abge-
bildete Tier ist ein 2 und es ist nicht einmal zu sagen, ob es sich
überhaupt um eine Arrhenodinide im heutigen Sinne handelt.‘)
Pusillus scheidet also aus dieser Gattung aus.
Oryehodes' digramma Fairm. Ann. Soc. Ent. Belg. XXVII, 1883
p- 43.
Die Aufnahme dieser Art in den Catalog ist eine große Leicht-
fertigkeit. Es genügt, die Fairmairesche Arbeit durchzulesen, um
zu sehen, daß es sich nicht um eine neue Art handelt, sondern
daß er nur die kurze Diagnose Boisduvals erweitert. Er führt das
Zitat der Originalbeschreibung auch genau an, jeder Zweifel ist
22 Gen #Oureur+E5.1833, P7 367.
*) Gen. Curcul. V, 1840, p. 517.
®) Fußnote p. 517.
*) Die im Catal. Col. angezogene Abb. 6. stellt einen Brenthus assimilis
F. dar, der in Wirklichkeit das @ von Lasiorrhynchus barbicornis ist. Die
Abb. ist so vorzüglich, daß kein Zweifel besteht. Auf diese Synonymie
hat Schönherr nicht hingewiesen: Gen. Cure. I. p. 356 führt er zwar eine lange
Liste von Synonyma an, entschließt sich aber zu nichts, da er, nach seinen
eigenen Worten, die Art nicht kennt. Erst Lacordaire hat die Synonymie
zenau angegeben und die Olivierschen Abbildungen richtig gedeutet.
9. Heft
64 R. Kleine:
ausgeschlossen. Es handelt sich also nicht einmal um ein Syno-
nym, sondern um ein einfaches Literaturzitat.
Orychodes pogonocerus Montr. Ann. Soc. Agr. Lyon (2), T, VII,
1855, p. 37.
Mit dieser Art ist ein großer Wirrwarr passiert. Montrousier
hat die Art am angeführten Ort als Belopherus pogonocerus be-
schrieben, hat also schon die Verwandtschaft erkannt. Nun findet
sich die Art sowohl bei Orychodes wie bei Ectocemus, gehört aber
zu keiner von beiden, sondern ist der Typus einer eigenen Gattung.
(Elytracantha). Das Zitat bei Orvchodes ist richtig, nur Jahres-
zahl ist falsch (1855 statt 1857). Die Diagnose läßt keinen Zweifel,
daß es kein Orychodes sein kann. v. Schönfeldt hat sich wohl
durch die Notiz Lacordaires?) verleiten lassen, die Art zu Orychodes
zu nehmen. Lacordaire hat sich aber keinesfalls bestimmt aus-
gedrückt, sondern 'sagt: ‚‚appartient probablement en genre‘‘ und
die Diagnose müsse entscheiden. Er hat das Tier also nicht ge-
kannt, sonst hätte der scharfsinnige Systematiker keinen Augen-
blick geschwankt und schon damals eine eigene Gattung errichtet.
Soweit die Zitate auf p. 26 des Catal. Col.
Später hat sich Fairmaire noch einmal mit der Art befaßt.
Ann. Soc. Ent. Belg. XXVII, 1883 (nicht 1881 wie im Cat. Col.
steht). Er beschreibt sie neben decemmaculatus und bringt sie zu
Ectocemus, wo sie auch im Cat. Col. p. 27 zu finden ist, gibt aber
Montrousier ausdrücklich als Autor an. So ist denn die
richtige Diagnose die, welche sich bei Orychodes befindet, die
richtige Stellung aber wäre bei Ectocemus, wenigstens in der Auf-
fassung vor Begründung von Elythracantha. Daß Fairmaire die Art
noch einmal beschrieben hat (sfinidennis), geht aus dem Synonym
ım Cat. Col. hervor (Naturaliste III, 1881, p. 349).
Danach hat auch pogonocerus auszuscheiden; sie gehört in
eine ganz andere Verwandtschaft, nach der bisherigen (von mir
übrigens als falsch bezeichneten) Einteilung sogar in ein anderes
Tribus.
Oryehodes femoratus Schaufuß, Hr. Soc. Ent. Ross. XIX, 1885°),
206;
Die Berechtigung dieser Schaufußschen Art hat schon Senna
bezweifelt”). Schaufuß läßt sie.mit digramma ähnlich sein, was _
total falsch ist; /emoratus ist nichts als serrirostris F. Typen ge-
sehen.
Orychodes sienensis Fairm. Rev. d. Ent. VII, 1888, p. 138.
Die Berechtigung dieser Art bei Orychodes war mir schon des
Fundortes wegen äußerst zweifelhaft. Ich kenne als nördlichsten
verbürgten Fundort einer Arrhenodinide die Insel Hainan, nicht aber
das chinesische Festland. Ich habe im Berliner Museum’ die großen
5) Gen. Col. VII, 1866, p. 433, nota.
%) Nicht 1878 wie in Cat. Col. steht.
?). Bull. Soc. Ent. Ital: XXXI, 1899, p.' 2.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 69
Bestände aus der Umgebung von Peking durchsucht und konnte
keine Brenthide finden. Auch sonst ist mir in den Sammlungen
niemals ein Angehöriger dieser Familie von dort her bekannt ge-
worden. Ich gebe Fairmaires Diagnose wieder:
Long 10 ä 15 mm (rostr. incl.).
Elongatus, castaneo-rufus, nitidus; capite basi truncato, post
oculos utrinque breviter ac obtuse dentato, medio sulcato,
sulco usque ad medium rostri prolongato, rostro basi
depresso, ab antennis paullo angustiore, antennis sat validis, fere
moniliatis, medium pothoracis attingentibus, articulo 1°
crassiore et majore, tribus ultimis paulo majoribus, ultimo
obtuso pyriformi; prothorace oblongo, antice paulo angustiore,
lateribus sat fortiter arcuatis, dorso laevi, bası sat acute mar-
ginato, medio profunde et sat late sulcato; elytris sub-
parallelis, ante apicem leviter sinuatis, apice abrupte rotundatis,
basi conjunctim emarginatis, humeris antice angulatis, dorso
utringue prope suturam profunda bisulcatis, intervallo an-
gusto et sutura elevatis, extus fortiter substriato-punctatis, inter-
vallis basi et postice tantum elevatis, ante apice transversum
impressis, subtus laevis, metasterno et abdomine basi fortiter sul-
catis, segmento ultimo basiplagula paulo transversim elevata signato.
Environs de Peking.
Fairmaire sagt mit keinem Wort, daß die Art mit Schmuck-
streifen versehen sei. Die gesperrten Teile der Diagnose habe
ich besonders hervorgehoben, weil aus ihnen zu ersehen ist, dab
auf keinen Fall ein Orychodes, nicht einmal ein der Gattung ähn-
liches Tier in Frage kommen kann. Der Autor hat vielleicht
einen Trachelizus oder einen 'Schizotrachelus vor sich gehabt.
Das wäre schließlich auch vom geographischen Standpunkt
aus möglich. In beiden Gattungen gibt es weitverbreitete Arten.
Aus der Gattung Orychodes hat sienensis auszuscheiden.
Orychodes degener Senna, Ann. Mus. Civ. Stor. Nat. (renova,
XH (XXXII), 1892, p. 474.
Die Art unterscheidet sich von allen anderen Orychodes in
der Auffassung als Cat. Col. dadurch, daß der Prothorax tief
gefurcht ist. Senna sagt selbst, daß das ein ‚‚carattere anormale
in questo genere‘‘ sei. Der Hinweis, daß auch szenensis Fairm.
einen gefurchten Thorax habe, ist nach dem weiter vorn von dieser
Art Gesagten ohne Belang, denn sienensis ist eben kein Ory-
chodes. Die Gattung könnte nur durch die Type belegt werden.
Es gibt also faktisch keinen Orvchodes mit gefurchtem Protho-
‘ rax. Ich habe daher auf degener eine eigene Gattung (Parory-
chodes) errichtet.
Orychodes striolatus Kirsch, Mitt. Zool. Mus. Dresden, I, 1875,
p- 51 nota.
Nachdem ich die Type gesehen habe, muß ich gestehen, dab
ich gegen serrirostris keinerlei Unterschied finden konnte, ich
kann nicht einmal den Rang einer Varietät dafür einräumen.
Archiv für Naturreschiehte 2 2
1920.84 % > 9. Heft
66 R. Kleine:
Oryehodes einnamomi Herbst. Die Klarstellung der Art macht
einige Schwierigkeiten.
Beschreibung bei Gmelin in Linne, Syt. Nat. XIII, Bd. 1,1788,
Teil 4, S. 1771, Nr. 275 lautet: Curculio cinnamomi: (. cinnamo-
meus, rostro antennis canaliculato ad marginam denticulato: apice
erecto, mucronato, bifurco, porterius gibbo, granulato. — Indien.
—- 10 Linien lang, punktiert — gestreifte Flügeldecken, Fleck und
Punkt orangefarben. ‚An brenti species ?“
Es scheint hier nur ein Auszug aus Herbst vorzuliegen, be-
zieht sich also auch darauf. Siehe folgenden Abschnitt.
Brenthus einnamomeus Herbst.
Ich habe die Type zur Hand, sie befindet sich im Berliner
Museum. Es handelt sich nicht um einen Orychodes, nicht ein-
mal um eine Orychodes-Verwandtschaft, sondern um einen ech-
ten Ectocemus und zwar um spathulirostris Chevr., der da-
mit synonym wird. Die Type ist verletzt, indem beide Fühler bis
auf das Basalglied fehlen, sonst ist aber kein Verlust entstanden.
Ein Fühler ist von unkundiger Hand angeleimt, er gehört einer
anderen Gattung, vielleicht Baryrrynchus oder Caenorychodes
an. Jedenfalls ist damit festgestellt, daß alle auf Herbst zurück-
gehenden Citate nicht weiter in Betracht kommen.
1801 beschreibt Fabricius Syst. El. II, S. 553, Nr. 24 seinen
Brenthus serrirostris aus Sumatra (Daldorff) !
„Brenthus femoribus omnibus dentati, thorace subintegro,
rostro utrinque serrato.“
Brenthus cinnamomeus Herbst, Col. 7, tab. 107 £. 1. fem.
15 Rostrum vorn ziemlich wenig verdickt. Rand gesägt, Halsschild
oben eben, kaum gefurcht, ‚‚ater‘‘ glänzend. Flügeldecken an der
Naht gestreift, schwarz, gelbfleckig, Beine rostfarben, Schenkel
stark verdickt, scharf gezähnt.
Fabricius hat Herbst’s Type nicht gekannt, sonst hätte er
den großen Unterschied gegen seine Art gesehen. Er nimmt an,
Herbst habe ein @ vor sich gehabt, und beschreibt nun das &
dazu. Das ist falsch. Die Herbstsche Type ist ein $, aber eben
von einer anderen (rattung.
Eigentlich gebührt Lund, Art. Hist. nat. Hafn. B. 2, 86, die
Priorität. Seine Publikation erschien aber erst 1802. Es ist wahr-
scheinlich, daß Fabricius die letzte Correktur Lunds hat ein-
sehen und seine Diagnose entwerfen können, Lunds Arbeit hat
sich mehr, als Fabricius annahm, verzögert und so ist seine Ver-
öffentlichung eher herausgekommen als die des Autors. Durch
diesen kuriosen Fall ist Fabricius als Autor anzusehem,
Demnach also: Orychodes cinnamomi Herbst des Cat. Col. =
Caenorychodes serrirostris Fabr.
Die Zerlegung der Orychodesgruppe in einzelne Gattungen.
Die Unhaltbarkeit der alten Gattung Orychodes hatte schon
Senna anerkannt und eine Neubearbeitung verheißen, die aber
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 67
leider unterblieben ist; mit der Aufteilung hatte er bereits be-
gonnen, indem er die Gattung Pseudorychodes aufstellte.
Ich trenne die Gattungen in zwei Hauptgruppen, die dadurch
gekennzeichnet sind, daß bei einer derselben, durch den Typus
serrirostris F. dargestellt, die Vorderschienen stark gekrümmt und
innen, im vorderen Drittel, kräftig bedornt sind. Hierher gehören
Caenorychodes n. g. mit der Hauptmasse der bisherigen Orychodes-
arten und Henorychodes. Die erste Gattung ist nicht ganz ein-
heitlich insofern, als der Kopf am Hinterrand und an den Hinter-
ecken von verschiedener Form ist. Ich muß, da sonst große Ein-
heitlichkeit besteht, die Gestalt der Vorderschienen als primäres
Element ansehen. Da Henorychodes mit Caenorychodes digramma
in einem Gebiet vorkommt und habituell sehr ähnlich ist, muß
sie als Ableger der letzteren gelten. Die Gruppe mit krummen und
gezähnten Schienen ist also sehr einheitlich.
Die Zerlegung der Gruppe mit geraden, ungezähnten Vorder-
schienen ist schwierig. Zwei Gattungen haben ein ungefurchtes
Abdomen und stehen damit allen anderen, auch aus der ersten
Gruppe, gegenüber, es sind das: Hemiorychodes n. g. und Sub-
orychodes Kleine. Ich bin nicht der Meinung, daß sie, trotz dieses
gemeinsamen Merkmales, zusammengehören, sondern möchte die
erstere mit Pseudorychodes in Verwandtschaft bringen. Dann
bleibt aber der große (Gegensatz, daß das Abdomen bei einer
Gattung (Pseudorychodes) tief gefurcht ist, und zwar bei allen
Arten, bei der anderen hingegen ebenso universal ungefurcht.
Diese beiden Gattungen sind auch durch die gewölbten Prothorax
einander ähnlich.
Die restlichen drei Gattungen sind insofern einheitlich, als
sie alle einen kurzen, + rundlichen Kopf haben, der Prothorax
immer platt ist und die Vorderschienen gerade sind. Überdies
sind die Elytren mit ganz rudimentärer Rippenbildung versehen,
nur neben der Sutura sind noch eine oder zwei Rippen vorhanden.
Die drei Gattungen trennen sich leicht, Suborychodes ohne Ab-
dominalfurche, die anderen mit, Parorychodes mit tiefgefurchtem
Prothorax, Suborychodes und Orychodes ohne Fürche.
Weiter habe ich den Begattungsapparat als vergleichendes
Objekt herangezogen. Ein großes Verwandtschaftsmassiv bilden
Orvchodes und Caenorychode. Im grundlegenden Bau sind
beide Genera gleich, die Differenzen innerhalb der Gattungen sind
nur sehr gering. Selbst bei Cavnorychodes ist die Einheitlich-
keit so groß, daß ich keine artlichen Verschiedenheiten feststellen
konnte,
Von Parorychodes konnte ich beide Arten untersuchen.
Die Parameren sind gegenüber den ersteren Gattungen von so
abweichenden Bau, daß kaum noch eine Ähnlichkeit bleibt. Die
Lamellen klaffen nicht auseinander, sondern verengern sich vorn,
überhaupt ist die Grundfigur ganz anders. Beide Arten sind gleich.
5# 9. Heft
68 R. Kleine:
Eine Form für sich ist die Gattung Hemiorychodes, hier
ähneln die Parameren Orvchodes überhaupt nicht mehr. Zwar
haben die Arten keine ganz einheitliche Form dieses Organes, aber
eine gewisse Ähnlichkeit ist unbedingt vorhanden. Es ist Hemiory-
chodes übrigens die einzige Gattung bei der artliche Differenzen
in der Paramerenform nachweisbar waren.
Henorychodes ist eine Form für sich. Trotz der habituellen
Ähnlichkeit mit Caenorychodes digramma Boisd. sind die Para-
meren ganz anders gestaltet. Ich muß auf die Abb. verweisen.
Am meisten Ähnlichkeit besteht noch mit Suborychodes,
deren Verwandtschaft im übrigen als direkt weit bezeichnet werden
muß.
Endlich wäre noch Pseudorychodes zu nennen. Ich gebe
auch davon eine Abbildung wieder, es ist eine ganz und gar ab-
weichende Form, die sich an keine andere Gattung anlehnt.
Soweit die Parameren für die Klärung der verwandtschaft-
lichen Stellung in Frage kommen, muß man also im Großen und
Ganzen sagen, daß die Genera meist alle fest umschrieben sind.
Wirklich verwandt kann nur Orychodes mit Caenorychodes
sein und es ist Geschmackssache, die Beinform oder die Gestalt der
Parameren als Correlation anzusprechen. Da ich die Caenory-
chodes-Beine auch bei Henorychodes fand, die Parameren aber
durchaus anders gestaltet sind, so habe ich die Beine als das pri-
märe Merkmal angesehen, die Parameren aber nur sekundären Wert
beigemessen. Von diesem einen Fall abgesehen sind die Parameren
so verschieden, daß keinerlei Combinationen über event. Verwandt-
schaftsverhältnisse möglich sind. Die Penis kommen gar nicht in
Frage, sie sind zu einheitlich, eine Erscheinung, die man bei den
Arrhenodini überall beobachten kann.
Des Weiteren habe ich die Deckenzeichnung in den Kreis meiner
Untersuchungen gezogen. Daß die Zeichnungsanlage für Beurtei-
lung der Abstammung von Bedeutung ist, erscheint mir nach meinen
bisherigen Erfahrungen außer Zweifel.
Die Grundlage der Orychodes-Zeichnung ist natürlich der
Arrhenodini-Typus, der auf folgender einfacher Grundlage beruht:
Auf 3 je ein Streifen basal, ante- und postmedian und apical, 8 und
9 posthumeral, letzter auch apical. Von hier aus leiten sich alle
anderen Zeichnungen ab. Am ersten entwickelt sich auf 5 basal
ein kleiner Punkt, was bei den meisten Arten der verschiedensten
Gattungen auch der Fall ist, dann erst kommt es zur Ausbildung
von Streifen auf 4 und 5 ante- und postmedian, die damit als
erste Anfänge von OQuerbinden aufzufassen sind.
Meine Untersuchungen an Brenthiden im allgemeinen haben
dann weiter ergeben, daß die Zeichnungselemente der Sutural-
gegend primärer sind als die des Außenrands und endlich, daß
das gesamte Zeichnungsbild von den einzelnen Faunengebieten
+ abhängig ist.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 69
Den ausgeprägtesten, reinsten Arrhenodinitypus findet man
bei serrirostris und anderen Arten von Caenorychodes und bei
Henorychodes. Er hat auch die weiteste Verbreitung; erstreckt
sich von Ceylon durch ganz Asien, ist auf den Sundainseln all-
gemein, geht über Sumbawa nach Neuguinea, nördlich bis For-
. mosa, auf der Mittelstraße Sumatra, Java, Borneo, Philippinen.
In diesem großen Massiv liegt nur eine Lokalität mit abweichender
Zeichnung: die Andamanen; hier hat sich ein reiner Bändertypus
ausgebildet, eine für diese Inselgruppe sehr häufig zu beobachtende
Erscheinung. Da es sich um eine Art der Gattung Caenorychodes
handelt, wo der Grundtypus (und noch zu besprechende andere)
vorherrschen, so kann kein verwandtschaftlicher Wert darin liegen.
Auf den Molukken ist dann ein anderes Bild zu sehen, leider
kein klares. Die Einheitlichkeit der Molukkenfauna wird mehr
durch die Grundfärbung des Tieres als durch die Deckenzeichnung
zum Ausdruck gebracht. Durchgängig ist die Zeichnung auf den
Molukken nur gering entwickelt. Pictus hat überhaupt keine
Außenrandzeichnung mehr, auch in der Suturalzone ist sie nur
gering. Bei insulanus ist sie fortgeschrittener, entfernt sich aber
sehr vom Grundtypus durch Verlängerung von 3 basal und läßt
dadurch schon die nahe Verwandtschaft mit den (noch zu be-
sprechenden) Osttypus erkennen. Das gilt auch für rubrosignatus,
obwohl hier die Zeichnung ganz allgemein stärker ist.
Als nicht der Molukkenfauna direkt angehörig muß versicolor
bezeichnet werden, die Grundfarbe ist eine andere und wir sehen
große Übereinstimmung mit der Andamanenart.
Endlich ist im Osten noch ein besonderer Typus zur Aus-
bildung gekommen, der durch splendens und digramma dar-
stellt wird und durch Langstreifigkeit bei Reduktion der
Streifenzahl auffällt. Er ist für alle Arrhenodini typisch und
außer Neuguinea nebst Inseln und Australien noch auf den Phi-
lippinen und Celebes zu finden.
So schön abgerundet also die Zeichnungsgruppen auch sind,
so stimmen sie mit den Gattungen nicht überein. Caenorychodes,
die größte, hat alle in sich vereinigt; selbst kleinere, wie Orychodes
sind nicht ausgeglichen. Für die Feststellung verwandtschaftlicher
Beziehungen ist die Deckenzeichnung also nicht geeignet. Was
ich bei meinen Studien auch sonst gefunden habe, bestätigt sich
hier: die Deckenzeichnung ist nicht das Produkt verwandt-
schaftlicher Einflüsse, sondern faunistischer. In einer größeren
Gattung können sich alle Zeichnungstypen finden, sofern sie in
den verschiedensten Faunengebieten vorkommen.
Die morphologische Struktur der Decken, ob gegittert oder
nicht, ist natürlich bestimmter Gattungscharakter, kann aber zur
Ableitung verwandtschaftlicher Beziehungen nicht herangezogen
werden.
So bin ich denn vorläufig gezwungen, die Einteilung nach
den Vorderschienen beizubehalten, daß es sich um eine ganz
9. Heft
0 R. Kleine:
rohe Klassifizierung handelt, weiß ich; kennen wir erst mehr Arten,
so wird eine Neuordnung eintreten. Die Orychodes-Verwandtschaft
als solche wird durch das gezähnte Prorostrum und durch rudi-
mentäre Apophysen grundsätzlich festgelegt.
Bestimmungstabelle.
Die alte Gattung Orychodes ist schon von Senna reformiert
worden, indem er insignis Lewis und lincsolatus Kirsch heraus-
nahm und mit einer Anzahl neubeschriebener Arten in eine neue
Gattung: Pseudorychodes brachte. Ich will daher hier die ganze
Orychodes-Verwandtschaft in ihrer Gesamtheit betrachten. Es
kommen folgende Gattungen in Frage:
1. Orychodes Pascoe;
2. Pseudorychodes Senna;
Suborychodes Kleine;
Henorychodes n. g.
Hemiorychodes n. g.
Parorychodes n. g.
Caenorychodes n. g.
19 Op w
Zerlegung der Gattungen.
1. Vorderschienen stark gekrümmt, im vorderen Drittel mit
starkem Innenzahn 2
Vorderschienen + gerade, im vorderen Drittel nicht ge-
zähnt, höchstens an der Zahnstelle etwas verdickt 3
Kopf hinter den Augen gerade seitlich gedornt oder die
Augen nach hinten über den Hals vorgezogen, Augen
nicht seitlich vorgequollen Caenorychydes n. g.
Kopf nicht gedornt, Hinterrand dreieckig eingezogen, Augen
stark seitlich vorgequollen Henorychodes n. g.
Elytren gitterfurchig
Elytren nicht gitterfurchig, nur neben der Sutura 1 bis
Rippen ! )
. und 2. Abdominalsegment gefurcht Pseudorychodes Senna
. und 2. Abdominalsegment nicht gefurcht
Hemiorychodes n. g.
1. und 2. Abdominalsegment gefurcht BER.
1. und 2. Abdominalsegment nicht gefurcht
Suborychodes Kleine
6. Prothorax tief gefurcht Parorychodes n. g.
. Prothorax nicht gefurcht, höchstens an der Basis mit fein-
stem, meist rudimentärem Längsriß Orychodes Pascoe.
S)
Be
u a AD]
Or
Zerlegung der Arten.
1. Orychodes Pascoe.
Pechschwarze Art mit blutroten Schenkeln, Batchian
pictus Pascoe
Rotbraune Art, Birma breviceps Senna
Die Gattung a Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 71
2. Paroryehodes n. g. !
Thoraxfurche durchgehend, Seiten des Ihorax runzelig-
grubig, auf Rippe 4 ein längerer Streifen an der Basis,
schlanke Art degener Senna
Thoraxfurche nur in der basalen Hältte tief, Thorax an den
Seiten glatt, Rippe 4 mit einem kurzen antemedianen Streifen,
robustere, gedrungenere Art comes N. SP.
3. Pseudorychodes Senna.
Von mir noch nicht bearbeitet, ich kann deshalb auch keine
Bestimmungstabelle geben.
4. Suborychodes Kleine.
Einzige Art: intermedius Kleine.
5. Hemiorychodes n. g.
Prorostrum unterseits nicht behaart. Paramerenlamellen tief
gespalten. Der hinter den Lamellen liegende Teil so lang
wie die Lamellen selbst cambodjensis n. Sp.
Prorostrum unterseits zottig behaart, Paramerenlamellen nur
ganz gering gespalten, der hinter den Lamellen liegende
Teil 4mal so lang wie die Lamellen modestus n. SP.
6. Henoryehodes n. g.
Einzige Art: ?retiosus n. Sp.
7. Caenorychodes n. g.
1. Kopf mit Seitendornen hinter den Augen 2
Kopf ohne Seitendornen. Augen über den Hals scharfkantig
nach hinten vorgezogen 7
2. Zweifarbige Arten, Prothorax + ziegelrot,-Elytren
pechschwarz 3
Andersfarbige Arten 4
3. Seitendorne groß und spitz, Schmuckstreifen niemals ge-
bändert, sondern immer längsstreifig; Neuguinea und
Australien digramma Boisd.®)
Seitendorne klein, Schmuckstreifen indrei deutlichen Bin-
den, kleine zierliche Art von den Dammer- ]Jnseln
versicolor N. SP.
4. Einfarbig tiefschwarze Art, ohne Schmuckstreifen
nigerrimus n. SP.
Schmuckstreifen immer vorhanden 5
5. Pechschwarze Art, von Ternate subrosignatus n. Sp.
Braune Arten 6
6. Schmuckstreifen kurz, in folgender Lage: 3 basal, postmedian
und apical, 4 antemedian, 5 basaler Punkt, postmedian, 8 post-
humeral, 9 desgl. und apical serrirostris F.
®) Die hierhergehörige Andrewesii kenne ich nicht, konnte sie daher
auch nicht aufnehmen.
9. Heft
=]
ID
R. Kleine:
Schmuckstreifen lang: 3 basal bis zur Mitte und mit kurzer
Unterbrechung oder durchgehend bis zum Absturz, 4 = 3 oder
ähnlich, postmedian, 5 basal und postmedian (neben dem kurzen
Streifen auf 4, langer, zuweilen ganz durchgehender Streifen
auf 9, meist unterbrochen (Apicalstreifen für sich)
splendens Kirsch
Zweifarbige Art, Prothorax ziegelrot, Elytren pech-
1
schwarz abnormis n. SP.
Einfarbige Arten Re)
8. Über den Augen ist der Kopf in tuberkelartigen Knötchen
über den Hals gezogen indus Kirsch
Nicht über den Hals gezogen 3
9. Tiefschwarze Art, Schmuckstreifen einzeln, lang, von
Ceram insulanus n. SP.
Rotbraune Art, Schmuckstreifen in 4 Ouerbinden, von
den Andamanen und Vorderindien fasciatus n. Sp.
Die zoogeographischen Verhältnisse.
Übersicht über die ganze Verwandtschaft.
Die Orychodes-Verwandtschaft muß als vorwiegend tropisch
angesehen werden, in Europa, Afrika und Amerika ist sie nicht
vertreten. Die Hauptmassen sind über Asien, Neu-Guinea und
den dazwischen liegenden Inseln verbreitet. Ein eigentliches Ver-
breitungszentrum konnte nicht festgestellt werden. Die Separation
in Gattungen und Arten ist durch das insulare Vorkommen sehr
begünstigt.
1. Oryehodes Pascoe.
Pictus Pascoe ist nur von Batchian bekannt. Ich glaube auch,
daß er auf keiner anderen Insel zu finden ist. Die Molukken haben
sehr oft ihre endemischen Vertreter auf den einzelnen Inseln und
die Trennung ist oft, ja meist, sehr scharf. Dem ganzen Habitus
nach handelt es sich auch um einen Molukkentypus. Breviceps
von Birma ist ein echtes Indientier. Es ist nicht unmöglich, daß
die Verbreitung viel weiter geht, wenigstens auf dem indischen
Festlande; aus Mangel an Material ist diese Frage zunächst nicht
zu entscheiden. Ich bin der Meinung, daß zwischen den beiden,
weitgehenden Arten sich noch sicher weitere finden.
2. Parorychodes n. g.
Die beiden Arten gehören dem asiatischen Festlande an.
Degener ist bisher nur von Birma bekannt gewesen, ich sah das
Tier auch von den Andamanen. Letztere Inseln haben viele en-
demische Vertreter, die sich, wenigstens bei den Arrhenodini ist
das so, dadurch auszeichnen, daß die Schmuckstreifen zu breiten
Binden vereinigt sind. Das ist bei degener nicht der Fall, der Zeich-
nungstypus der Schmuckstreifen ist vielmehr rein indisch, so daß
ich annehmen muß, daß es sich nicht um ein’ Endemisme der
Andamanen handelt, sondern um ein Relikt des indischen und
-
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 79
zwar des Hinterindischen Festlands. Es kommen auch Verbin-
dungen mit -Vorderindien vor, die dann anders zu beurteilen sind.
(cfr. Caenorvchodes fasciatus).
Das Auffinden von comes in Tonkin bietet nichts Überraschen-
des. Die Übereinstimmung der Arten in habitueller Beziehung ist
sehr groß, was ich sonst bei den Tonkinesen sah, war auch hier
zu beobachten: sie bilden durch die Ausfärbung in ihrer Ge-
samtheit eine Fauna für sich, schlieen sich aber habituell durch-
aus dem hinterindischen Massiv an. Parorychodes ist also, geo-
graphisch, gut umschrieben.
3. Hemiorychodes n. g.
Nur von Cambodja bekannt, also hinterindisch.
4. Henorychodes n. g.
Nur von Neu-Guinea bekannt.
5. Surboychodes Kleine.
Die einzige Art, intermedrus, sah ich von Sumatra und Malakka.
Diese Art der Verbreitung ist nicht selten und bei Brenthiden oft
zu beobachten. Von anderen Lokalitäten sah ich das Tier noch
nicht.
6. Pseudorychodes Senna.
Die Gattung umfaßt nach dem Cat. Col. 10 Arten, da die Be-
arbeitung durch Senna stattgefunden hat, darf man sich darauf
verlassen. Es ist ein bestimmtes Verbreitungsmassiv deutlich er-
kennbar. Der westlichste Punkt ist Birma, wo von zwei Arten
bekannt sind: crassus und Zenwirostris. Hieran schließen sich
weitere drei Arten an, die möglicherweise mit den ersteren ver-
mischt vorkommen oder doch wenigstens anliegen: cruentatus,
lineolatus und Ritsemae. Von lineolatus habe ich ein größeres
Material zur Hand, außer Malakka sah ich viele Stücke von Borneo.
Es ist also sicher, daß die Art sehr weit verbreitet ist.
Ein weiterer Verbreitungskreis ist auf den Sundainseln. Hier
kommen vor: dentipennis, Fruhstorferi und Piliferus auf Java,
während ich von Sumatra noch keinen Pseudorychodes gesehen
habe. Daß die Insel aber auch bewohnt ist, ist bewiesen (denti-
pennis). Eine etwas abweichende Stellung nimmt insignis von
Japan und Helleri von Celebes ein. Die erstere Art wird sicher
auch auf Formosa vorkommen und es ist sehr wahrscheinlich,
daß damit der Zusammenhang mit den Hinterindiern herbei-
geführt wird. (cfr. C. indus.) Nur die celebensische Art bleibt
isoliert. Bedenkt man aber, daß auch Borneo bewohnt ist, so
könnte sehr wohl eine direkt östliche Verbreitung vorliegen, ohne
daß die Philippinen, von denen ich Celebes öfter beeinflußt sah,
berührt werden müßten.
Im großen und ganzen ist Pseudorychodes also sehr ein-
heitlicher Verbreitung.
9. Heft
4 R. Kleine:
7. Caenorychodes n. g.
Diese Gattung, die größte von allen, läßt sich in drei Ver-
breitungszentren trennen: a) ein fast rein asiatisches, von Ceylon
bis Formosa reichendes, b) ein Molukkenzentrum und c) ein mehr
östliches. Die Zentren sind auch durch die Art der Grundfärbung
des Körpers separiert.
Die lange bekannten Arten: serrirostris, digramma und indus
haben die weiteste Verbreitung, die meisten Arten sind + lokal.
a) Serrirostris und indus haben beide gleichweite Verbreitung,
schlagen aber verschiedene Wege ein. Serrirostris ist in Malakka
an der Westgrenze, geht dann nicht über Hinterindien und For-
mosa nach den Philippinen, sondern schlägt den Weg über die
Sundainseln ein. Auf Java und Sumatra ist die Verbreitung ganz
allgemein, hier muß für die Art das wirkliche Zentrum liegen.
Von Java wendet sie sich nach Norden, ist auf Borneo fast überall
zu finden und überschreitet, die Palawan-Inseln benutzend, die
Sulu-See und bewohnt die Philippinen (Malinao, Mindanao). Von
Süd- und Ostborneo wird dann noch Celebes bevölkert, wo die
Art Neigung zeigt, eine eigene Rasse zu bilden.
Als Abkömmling des serrirostris ist splendens zu betrachten,
der sich auf den Philippinen isoliert hat; ich sah die Art bisher
nur von Luzon, es ist also möglich, daß eine Abtrennung dieser
Insel von den anderen Ursache zur Ausbildung der Art ist. Eigen-
artig bleibt dabei die Tatsache, daß die nördliche Insel einen
Typus zur Entwicklung brachte, der mehr der Neu-Guineafauna
ähnelt, während südlich der Urtypus geblieben ist. Das ist aller-
dings wieder erklärlich, wenn man berücksichtigt, daß auch Celebes
bis auf die Südfront bewohnt ist.
Von sehr weiter Verbreitung ist indus. Diese Art ist überhaupt
die westlichste von allen, denn sie findet sich noch in Ceylon.
In ihrem Verlauf nach Westen findet man sie in Bengalen, Assam,
Birma, Malakka, Tonkin, Formosa; eine ununterbrochene Linie.
Niemals sah ich hingegen ein Individuum von den Sundainseln.
Die Verbreitung ist also eine auffallend gerade von Ost nach West.
Weiter gehört in den Kreis asiatischer Arten noch fasciatus,
die ich zunächst von den Andamanen sah. Sie ist ein echtes An-
damanentier, wie die Anlage der Schmuckstreifen (starke Ouer-
binde) beweist. Zwar fand ich die Art auch von Calcutta, eine
nicht eben selteneErscheinung, die ich auch von anderen Brenthiden
kenne. Von Bedeutung scheint es mir, daß die echten Andamanen-
tiere immer in Ostindien selbst, niemals in der Bucht von Bengalen
oder in Hinterindien zu finden sind. Tritt letzterer Fall ein, so
sind die Zeichnungselemente hinterindischer Arten vorhanden.
(cfr. Parorychodes degener).
b) Dem Molukkenzentrum möchte ich die kleinen Sunda-
inseln anschließen. Zunächst die echten Molukkenformen. Sie
sind dadurch gekennzeichnet, daß sie alle von tiefschwarzer Grund-
farbe und, sofern Schmuckstreifen vorhanden, dieselben von blut-
he ee
u ee ee
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 75
roter Farbe sind. Der eigenartigen Natur einer Inselfauna ent-
sprechend, sind die Arten nur ganz lokal verbreitet. Ich zähle
zu diesem Formenkreis: rubrosignatus von Ternate, insulanus von
Ceram und nigerrimus von Amboina. (Von Orychodes s. str. ge-
hört hier auch fictus von Batchian her.) Zweifellos bergen- die
Molukken noch eine große Zahl neuer Arten, die noch unbekannt
sind.
c) Von den echten Molukkentieren weichen zwei Arten ab,
die auf einer anderen Verbreitungslinie liegen. Da ist zunächst
versicolor von den Dammer-Inseln zu nennen. Der ziegelrote
Thorax läßt sofort vermuten, daß es sich um einen Abkömmling
der Neu-Guinea-Fauna handelt, wenn die Elytren auch nicht so
dunkel sind wie z. B. bei digramma. Die Art sieht wie ein kleiner
fasciatus aus: die Schmuckstreifen liegen genau in Binden wie dort.
Ein ganz echtes Neu-Guinea-Tier ist abnormis von Sumbawa.
Hier ist der Prothorax kirschrot, der Elytren schwarz, ganz wie
bei digramma und, da ich die gleiche Erscheinung schon in mehreren
Gattungen feststellen konnte, liegt in dieser Ausfärbung sum-
bawaischer Brenthiden System. Die Sache ist insofern von Wich-
tigkeit, weil man daran sehen kann, daß die Neu-Guinea-Fauna
unter den Molukken hindurch bis Java hinstreicht.
Die Erklärung scheint mir dadurch plausibler, als von den
Aru-Inseln an die Neu-Guinea-Fauna dominiert. Bis hierher reicht
digramma, der Typus dieser Fauna. Also ein ganz ungezwungener
Anschluß. Digramma ist auf ganz Neu-Guinea zu finden; im
Bismarckarchipel wenigstens noch in Neu-Pommern, einschließlich
der Gazelle-Halbinsel. Darüber hinaus konnte ich in dem um-
fangreichen Material, das ich sah, niemals einen digramma nach-
weisen. Das ist natürlich kein positiver Beweis dafür, daß sie
dort fehlt. j
Auf dem australischen Festland ist digramma noch über
Queensland und N. S. Wales verbreitet. Ich glaube annehmen
zu dürfen, daß hier eine eigene Rasse, etwas dunkler und ein-
farbiger als in Neu-Guinea zur Ausbildung gekommen ist; es gibt
aber auch ganz echte Neu-Guinea-Färbung. Digramma ist also
ziemlich weit verbreitet.
Verteilung der Gattungen und Arten
nach den Faunengebieten.
Mandschurisches Untergebiet.
| = Tapan
Pseudorychodes insignis Lewis.
Indisches Gebiet.
Indisches Untergebiet.
Caenorychodes indus Kirsch, fasciatus n. Sp.
I Bert
16 R. Kleine:
Ceylonisches Untergebiet.
C. indus Kirsch.
Indochinesisches Untergebiet.
a) Assam.
C. indus Kirsch.
b) Birma.
Orychodes breviceps Senna, Parorychodes degener Senna, Pseud-
orychodes crassus Senna, Ps. tenuirostris Senna, Caenorychodes
indus Kirsch.
c) Andamanen.
P. degener Senna, Jasciatus n. Sp.
d) Siam.
C.. indus Kirsch.
e) Tonkin.
Parorychodes comes n. sp., Hemiorychodes cambodjensis n. sp., H.
modestus n. Sp., Caenorychodes indus Kirsch.
f} Formosa.
C. indus Kirsch.
Malayisches Untergebiet.
a) Malakka. |
Suborychodes intermedius Kleine, Pseudorychodes cruentatus Senna,
Ps. lineolatus Kirsch, Ps. Ritsemae Senna, Caenorychodes ser-
rirostris F.
b) Sumatra.
Sub. intermedius Kleine, Pseudorychodes dentipennis Senna, (aen-
orychodes serrirostris F.
c. Christmas-Inseln.
Caen. Andrewesii (rahan.
c)’#Tava,;
Caenorychodes serrirostris, Ps. Fruhstorferiı Senna, Ps. dentipennis
Senna.
d) Sumbawa.
Caen. abnormis n. SP.
e) Borneo.
Caen. serrirostris F. |
f) Philippinen.
Vorstehende Art, außerdem Caen. splendens Kirsch.
Australisches Faunengebiet.
Austromalayisches Untergebiet.
a), Ternate,
Caen. rubrosignatus n. SP.
b) Dammer-Inseln.
Caen. versicolor n. SP.
u u TE
-]
=]
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis
, c)e Gelebes;
Pseudorychodes Helleri Senna, Caen. serrirostris F.
d) Ceram.
Caen. insulanus n. Sp.
| e) Amboina.
Caen. nigerrimus n. Sp.
fi Batchian. :
Orychodes pictus Pascoe.
g) Aru-Inseln.
Caen. dieramma Boisd.
h) Neu-Guinea.
Vorige Art und Henorychodes pretiosus n. Sp.
Australisches Untergebiet.
Nur Caen. digramma Boisd.
1. Gattung Oryehodes Pascoe.
Journ. of Ent. I, 1862, p. 389.
A.a.O. sagt Pascoe, daß er aus der großen Gattung Arrhenodes
einige Arten herausnehme, die schlanker seien, ein schlankeres
Rostrum hätten, deren Kopf hinter den Augen vom Halse getrennt
sei und schmale Mandibeln besitze. Er nennt diese Gruppe Ory-
chodes und zieht Brentus serrirostris Fabr. und Arrhenodes digramma
Boisd. dazu, außerdem eine Art, die er erst noch beschreibt, das
ist pictus. Die Gattungsdiagnose, die er entwirft, ist folgende:
„Oryehodes.
Caput breve, pone oculos excisum, collo brevissimo. Rostrum
mediocre, tenue, apicem versus dilatatum, angulatum, subtus co-
statum; mandibulis parvis. Antennae mediocres, articulis in-
ferioribus obconicis, exterioribus subcylindricis, prope medium
rostri insertae. Prothorax elongato-ovatus, haud canaliculatus.
Elytra subeylindrica. Pedes robusti, antici longiores; femora
dentata; tibiae curvatae; tarsi breviusculi. “
In der Diagnose wird nichts davon erwähnt, daß hinter den
Augen eine stark dornige Erweiterung vorhanden ist, obschon er
serrirostris und digramma mit in die Gattung hinein-
nimmt. Das Einzige, was auf Orychodes hinweisen
könnte, sind die Angaben, die über die Schienen ge-
macht werden: ‚‚tibiae curvatae‘‘. Das ıst darum wich-
tig, weil seine Art ?ictus, die er unmittelbar hinter
der Diagnose beschreibt, als Typus gelten muß und
gerade diese Art hat keine gebogenen und keine ge- Abb. 1.
zahnten Schienen, sondern solche von ‘ganz normaler
Gestalt, wie sie bei den Arrhenodini ganz vorherrschend vor-
kommen. Ich muß also auf pictus, die ich als Typus für Ory-
chodes ansehe, zurückgreifen, um festzustellen, wie die Gattung
eigentlich aufzufassen ist.
9. Hett
8 R. Kleine:
Orychodes pietus Pascoe.
Journ. of Ent. I, 1862, p. 389.
Die Originaldiagnose lautet:
„O.nigro-piceus, nitidissimus; capite postice mutico; prothorace
valde elongato; elytris luteo maculatis; femoribus medio laete
luteis.
Hab. Batchian.‘
Die Beschreibung interessiert nur insoweit, als sie die Diagnose
in einigen Punkten erweitert. So ist der Kopf hinter den Augen
nicht bedornt. Ja, er ist nicht nur unbe-
, . dornt, er hat auch keine, hat hinten vorge- “4. u
zogene Augen; die ganzen Kopfseiten sind © =
i also gerundet. Das mag noch angehen. Es
R / wird dann aber ausdrücklich bemerkt, daß
‘ die Tibien kurz, gekrümmt, am Ende bedornt,
i j die vorderen innen, nach dem Ende ausge-
Bar höhlt seien. In Wirklichkeit sind die Vorder-
f % schienen so gerade, wie z. B. bei Pseudory-
chodes, tragen auf der Innenseite auch kei-
Abb. 22 nen Dorn, sondern sind nur am Ende, wie £
bei allen Brenthiden, ohne Ausnahme, mit 9
zwei großen Enddornen versehen. Es muß aber unter
allen Umständen darauf gehalten werden, daß diejenige
Gruppe, die serrirostris und digramma und heute die
allermeisten Arten umfaßt, gekrümmte Vorderschienen hat, daß
die Schienen im Spitzendrittel einen großen Dorn tragen, der dem
Dorn des Femur gegenübersteht und daß der Kopf hinter den
Augen entweder seitlich stark gedornt oder nach hinten
über den Hals verlängert ist. Beides trifft aber für Pictus
nicht zu. Diese Art ist der Typus von Orychodes und
nur was ihm gleich ist, kann dazugehören. Ich werde
nun das Tier auf Grund meines Materials genau be-
schreiben.
Einfarbig schwarz, hochglänzend, Schmuck-
streifen auf den Elytren und die Schenkel
Abb. 3, mit Ausnahme der Knien, blutrot. Kopf am
Hinterrand kaum nach innen geschwungen,
Oberseite gewölbt ohne Mittelfurche, Hinterkante an
den Seiten stumpflich-rundlich, nicht gedornt oder nach
hinten über den Hals gezogen, Unterseite mit spitz-
winkliger Gularnaht. Metarostrum breit gefurcht,
Apophysen länglich-elliptisch; Mesorostrum erweitert,
schwach bucklig, ohne Mittelfurche; Prorostrum auf
den Kanten stumpflich gezahnt. Fühler bis über die ‚pp. 4
Thoraxmitte reichend, 1. Glied groß, krugförmig, 2. 8
kürzer als das 3., alle Glieder länger als breit, 1.4. +
kegelförmig, 5.—11. walzig, 11. kürzer als das 9. und 10.
zusammen.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 79
Prothorax lang, elliptisch, platt, im hinteren Drittel mit sehr
zarter Linie, aber keine Furche auf der Mitte. Hinterrand breit
und deutlich.
Sutura und zweite Rippe voll entwickelt, 3. und 4. nur noch
im basalen Teil, demnach auch nur zwei Furchen durchgehend,
alle anderen Rippen und Furchen ganz obsolet, nur durch feine
Punktierung angedeutet.
Lage der Schmuckstreifen: 2. kurzer Streifen apical, 3. basal,
antemedian, apical, 4. antemedian.
Hüften getrennt, platt. Alle Schenkel keulig, im vorderen
Drittel gedornt, Vorderschienen fast ganz gerade, im vorderen
Drittel etwas angeschwollen, innen nicht gedornt, sondern nur
mit den üblichen Enddornen versehen, an der Spitze behaart;
sonst bieten die Beine nichts Bemerkenswertes.
Metasternum und die beiden ersten Abdominalsegmente kräftig
gefurcht, 3.—5. Segment an den Seiten behaart.
Der bei Pictus untersuchte Begattungsapparat entspricht ganz
der bei Caenorychodes gefundenen Form, erscheint nur im all-
gemeinen zarter.
Ich sah die Tiere nur von Batchıan.
Die Insel birgt so viele interessante Endemismen, auch Pictus
gehört dazu. Die Art ist mit keiner anderen zu verwechseln, selbst
wenn sie nicht ein Orychodes wäre, sondern der serrirostris-Ver-
wandtschaft angehörte.
Auf Grund der Kopf- und Schienenform der Vorderbeine
muß ?ictus von der serrirostris-Verwandtschaft getrennt bleiben.
Sie ist als Vertreterin des echten Orychodes-Typs anzusehen.
Orycehodes breviceps Senna.
Ann. Soc. Ent. Belg. XXXVIII, 1894, p. 380.
Ich kenne die Art von Ansehen nicht, die Sennasche Diagnose
ist aber exakt und läßt keinen Zweifel aufkommen. Ich gebe nach-
stehend die Originaldiagnose wieder.
„„ö Elongatus, brunneo-ruber, parum 'nitidus, elytris sub-
obscurioribus, lineis punctisque flavis ornatis; capite parvo, la-
tiore quam longiore, angulis posticis subrectis; rostri parte basali
brevi, capite vix longiore, sulcata, ad antennarum insertionem
ampliata ac incrassata, parte antica valde longiore apici ampliato,
supra scabra, marginibus denticulatis; antennis filiformibus, sub-
brevibus; prothorax ovato elongato, convexo, levi; elytris pro-
thorace circiter dimidio longioribus, apice breviter marginatis, et
in medio parce emarginatis, externe subangulatis, supra punctato-
striatis, interstitiis inaequalibus, 2°a sutura ceterislatiore, 4° bis 8°
ad humera simul connatis callositatem formantibus; tibiis an-
terioribus haud curvatis, pone medium paullo ampliatis, iner-
mibus; coxis anticis remotis.
Long 21 mill.
Pe Song, Basse Birmanie. ‘“
samtelt
S0 R. Kleine:
Aus der Diagnose geht klar hervor, daß der Hinterkopf an
den Seiten weder seitlich gedornt, noch nach hinten vorgezogen
ist, ferner das die Vordertibien gerade und unbewehrt sind. Das
sind aber gerade die Merkmale, die den Gattungstypus Pictus von
allen bisher zuOrychodes gerechneten Arten trennen. Senna macht auf
diese, von den anderen Orychodes-Arten abweichende Eigenschaften
auch ausdrücklich aufmerksam. Er sagt... ‚„‚cette nouvelle espece
d’Orvchodes presente deux caracteres que nous trouvons dansle no-
veau genre Pseudorychodes: en effet la conformation de la tete et des
jambes anterieuxes rappellent les especes de ce dernier; n&amnoisis
pour tout le reste c’est un orni Orychodes.‘“ Das stimmt auffällig. Ory-
chodes umfaßt eben nur die Arten, deren Hinterkopf gerundet bis
stumpflich-viereckig ist und deren Vorderschienen gerade und innen
nicht bewehrt sind. Das trifft aber nur für Pictus und breviceps zu.
In seiner Arbeit: ‚„Viaggio di Leonardo Fea in Birmania e
regioni vicine XLV. (Ann. Mus. Civ. Stor. Nat. Genova XII (XXXTI
1892, p. 474)‘ nicht 471 wie im Catal. Col. steht, beschreibt Prof.
Senna seinen Orychodes degener. Ich habe mich schon beim Ab-
schnitt: ‚Fremde Elemente‘ geäußert, kann also nun auf die
Sache selbst eingehen, nehme die Art als Fremdbestandteil aus
Orychodes heraus und stelle eine eigene Gattung
2. Gattung: Paroryehodes gen. nov.
dafür auf.
dä Kopf höchstens quadratisch, kurz, Hinterrand gerade oder
nur gering auf der Mitte eingekerbt, Oberseite gering gewölbt,
ohne Mittelfurche, der hinter den Augen liegende Teil sehr schmal,
einfach abgerundet; Unterseite von verschiedener Ge-
N stalt (Mittelfurche und glatt oder ohne diese und warzig,
E aber niemals grob punktiert); Augen sehr groß, den
ganzen seitlichen Kopf einnehmend, flach gewölbt;
5: Apophysen davor sehr klein.
NV Metarostrum keilförmig, gegen das Meso-
= rostrum schmaler werdend, immer kürzer als
das Prorostrum, mit kräftiger Mittelfurche,
1 Mesorostrum bucklig erhöht, die vom Meta-
\u rostrum kommende Mittelfurche geht fast in
“ gleicher Breite darüber hinweg; Prorostrum
ähnlich wir bei Orychodes. Die Mittelfurche
Abb. 5. setzt sich fort und wird seitlich durch eine Abb. 6.
Zähnchenreihe begrenzt.
Fühler schlank, bis über den Prothorax reichend, Basalglied
auffallend lang, etwa von Länge des 4. Gliedes, 2. kürzer als das 3.,
5.—10. ungefähr gleichlang, 11. kürzer als das 9. und 10. zu-
sammen; vom 5. ab ist die Form -+ walzig, bis dahin kegelig.
Prothorax elliptisch, oberseits platt, ganz durchgehend oder
wenigstens in der basalen Hälfte tief und kräftig gefurcht; die
Furche erreicht meist den Hals nicht. Antecoxales Prosternum
abgeplattet, + deutlich längsgefurcht. ß
u
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 1
Elytren ähnlich Orychodes.
Schenkel aller Beine schwach gedornt, sonst von gleicher
Gestalt wie Orychodes. Vorderschienen gerade, ohne Dorn. Tarsen
wie bei Orychodes.
Metasternum und Abdomen desgl.
2 nur durch den fadenförmigen Rüssel unterschieden.
Typus der Gattung: P. degener Senna.
Parorychodes degener Senna.
Ann. Mus. Civ. Stor. Nat. Genova XII (XXXII), 1892, p. 474.
Senna gibt folgende Diagnose: Elongatus, rubro-brunneus,
nitidus, depressus; capite brevi, angulis posticis muticis; collo
tumido; rostro brevi, robuste, apici ampliato; prothorace elongato
impunctato, profunde sulcato, depresso; elytris prope suturam
sulcatis, lateribus punctato striatis, apici singulatim rotundatis,
lineis flavis ornatis.
Als Maße gibt Senna an: Long. 14mm. lat. max. proth. 2! mm.
Ich fand: Long. 19.0 mm zu 3.0 mm.
Zur Diagnose gibt Senna dann noch eine ausführliche Be-
schreibung, aus der die Identität meines Exemplars mit seiner
Art sicher hervorgeht. Hinzufügen möchte ich zum besseren Er-
kennen der Art noch: Der Kopf hat unterseits kräftige Wangen,
Hinterrand oberseits in der Mitte schwach eingekerbt. Fühler
vom 4. Glied ab sehr dicht behaart. Der Prothorax ist seitlich
in der vorderen Hälfte warzig skulptiert. Elytren mit kräftigen
Rippen und Furchen, Rippen und Furchen 1—4 sehr scharf und
deutlich, die Punktierung der anderen Furchen sehr deutlich.
Lage der Schmuckstreifen: auf 2 ein kleiner Streifen auf der
Spitze, auf 3 je ein Streifen von etwa gleicher Länge basal, ante-
und postmedian und apical, auf 4 längerer Streifen
postbasal bis zur Mitte und postmedian, auf 5 kurzer
Basalstreif und kleiner Streifen postmedian, 8 un-
deutlich posthumeral, 9 normal posthumeral und apical.
Diese Anordnung entspricht auch den Angaben von
Senna.
Parameren in der Grundform an Orychodes_ er-
innernd, vorn ziemlich zusammenneigend, so daß die an
der Spitze der Lamellen befindliche Behaarung in-
einander übergreift. Alles Nähere aus Abb. 5 Senna
gibt als Fundort an: Birma, Tenasserim, Valle del
Houngdarau. Ich sah das Tier ($ und 2) von den An-
damanen (Berlin). Abb. 7.
Das Auffinden der Art aufden Andamanen ist immer-
hin etwas befremdend, da dieser kleine Inselschwarm eine Fauna hat,
die sich ziemlich weit von der indischen entfernt und durch die
große Zahl der Endemismen auffällt. Im vorliegenden Falle muß
ich allerdings annehmen, daß degener ein Relikt des indischen
Festlandes ist. Das geht m. E. daraus.hervor, daß die Anordnung
Archiv HER
|
6 9, Heit
2 R. Kleine:
der Schmuckstreifen keinem Schema entspricht, das den Anda-
manen eigen ist und sich dadurch kennzeichnet, daß sehr starke,
geschlossene Binden gebildet werden, die sogar basal und apical
in seltener Schönheit vorhanden sind. Ich halte also degener für
ein Tier indischer Provenienz. Weitere Funde müssen Klärung
bringen.
Parorychodes comes n. sp.
Tief violettbraun, hochglänzend, Halsschildrand, Schenkel an
Basis und Knie, auch die Schienen an Basis und Spitze und die
Tarsen verdunkelt, Schmuckflecken schmutzigorange.
Kopf hinten gerade, keine Einbuchtung, Oberseite zerstreut,
nadelstichig punktiert, Unterseite schwach gewölbt, wie die Ober-
seite punktiert.
Metarostrum meist nur im vorderen Teil und sehr wechselnd
stark längsgefurcht, Punktierung daselbst und auf dem Meso-
rostrum wie auf dem Kopf; Prorostrum stark chagriniert und
überall mit kraterähnlichen Punkten besetzt.
Fühler — degener Senna.
Prothorax eiförmig-elliptischh an den Seiten nicht warzig
skulptiert, Mittelfurche etwa ?/, Länge des Prothorax einnehmend,
an der Basis am kräftigsten, Hinterrand scharf aufgebogen, mit
der gleichen Punktierung wie der Kopf, aber auf dem ganzen
Organ vorhanden; Prosternum durchgängig flach längsgefurcht.
Die Rippen 1—4 auf den Elytren sind deutlich durchgehend,
die außenliegende Furche 4 dagegen ist obsolet, Furchen 1—3
kräftig, unpunktiert, alle weiteren, mit Ausnahme der
Randfurche nur durch schwache Punktierung ange-
deutet, im Absturzviertel sind alle Rippen und Furchen
voll entwickelt. Lage der Schmuckstreifen: auf 3 je
ein kurzes Streifchen basal, postmedian und apical,
4 je ein kleiner Streifen ante- und postmedian, 5 ein
unscheinbarer Punkt basal und ein Streifchen post-
median, 8 und 9 je ein kurzer Posthumeralstreifen, 9
auch apical; die Rippen sind meist zerstreut punktiert.
Schenkel mit kleinen Dornen, Hinterschenkel unter-
seits kammborstig; Vorderschienen innen auf der Mitte
etwas erweitert, im Spitzenteil innen stark behaart,
auch die anderen Schienenpaare daselbst behaart.
Tarsen unterseits lang filzig. Skulptur der Unterseite
gering, nur das abdominale Apicalsegment kräftig punktiert.
Begattungsapparat —= degener; der helle Streifen im Prä-
putium etwas breiter.
Q. Prorostrum fadenförmig, Fühlerglieder + gedrungener,
Behaarung zuweilen geringer, sonst wie beim £.
Länge (total) $ 13—16.5 mm; Breite (Thorax): $ 2—3.1 mm;
9 14.5 mm; 2 2.2 mm.
Heimat: Tonkin, Montes Mauson, in 2-—-3000 Fuß Höhe.
3 dd, 1 2 im Zool. Museum, Berlin.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 8)
Die Zugehörigkeit zur Gattung ist außer Frage. Mit Orychodes
ist sie entschieden näher verwandt als degener, schon durch die mit
der Hauptmasse der Orychodes-Arten übereinstimmenden Decken-
zeichnung. In der Ausfärbung ist comes aber ganz der typische
Vertreter Tonkins, wo sich, wenigstens bei den Arrhenodini ein
eigener Formenkreis gebildet hat.
Hemiorychodes gen. nov.
jwovs —= halb Orychodes gen. Brenth.
& Von gedrungener Gestalt. Kopf breiter wie lang, vom
Halse scharf getrennt, Hinterrand gerade, Hinterecken nicht vor-
gezogen, stumpflich-eckig, Scheitel gewölbt, von der Augenmitte
an gefurcht, Unterseite mit flachen, dreieckigen Gulareindruck,
neben den Augen eine Reihe grober Punkte; Augen prominent,
den ganzen seitlichen Kopf einnehmend.
Metarostrum stumpflich-vierkantig, breit gefurcht, an den
Seiten grob punktiert, Unterseite stumpf gekielt mit groben
Punkten seitlich des Mittelkieles. Mesorostrum in Fortsetzung
des Metarostrums, über die seitlichen Ausbuchtungen erhaben,
Mittelfurche auf der höchsten Stelle verengt, nach dem Prorostrum
abfallend, Furche erweitert. Prorostrum platt, nach vorn zu er-
weitert, seitlich mit einer Zähnchenreihe, Vorderrand in der Mitte
eingebuchtet, Unterseite mit ganz flachem Mittelkiel, der schon
auf dem Mesorostrum beginnt; Seitenkanten scharf und erst gegen
den Vorderrand verflachend oder der Mittelkiel nur noch im
basalen Teil des Prorostrums und der vordere Teil verflacht.
Fühler kurz, 3. Glied länger als das 2., 4.—8. kegelig-tonnen-
förmig oder kegelig-walzig, immer erheblich länger als breit, 9. und
10. walzig, verlängert aber nicht verbreitert, 11. so lang wie das
9. und 10. zusammen, alle Glieder locker gestellt.
Prothorax eiförmig, stark gewölbt, vom kräftigen Hinterand
scharf abgesetzt. Prosternum abgeplattet, Hüftringe schwach.
Elytren gegen den Absturz allmählich verengt, am Absturz
direkt stärker, sehr rugos gitterfurchig, Furchen breiter als wie
die Rippen, Hinterrand gerade oder wenig eingeschnitten, Hinter-
ecken stumpflich-rundlich oder stumpfspitzig.
Hautflügel: ohne Besonderes.
Schenkel keulig; Vorderschenkel am stärksten, Stiel etwas
plattgedrückt, Zahn kräftig, Mittelschenkel schwachkeuliger, Hinter-
schenkel dünn und lang, alle Schenkel gedornt. Schienen aller
Beine gerade, kein Zahn oder Vorwölbung innenseits, Bedornung
an der Spitze in üblicher Form. Tarsen schlank, 1. Glied länger
als das 2., Klauenglied so lang wie die anderen drei zusammen,
keulig.
Metasternum am Abdomen grubig eingedrückt. 1. und 2. Ab-
dominalsegment breit, flach gefurcht oder ungefurcht, Ouernaht
an den Seiten innen, aber auch auf der Mitte sichtbar, 3. Segment
größer als das 4.
6* 9. Heft
Ss4 R. Kleine:
Passiver Stridulationsteil von gleicher Form wie die Tribus-
genossen (Orychodes). Skulptur ausschließlich das Hexaider, am
Rande behaart; aktiver Teil normal entwickelt.
Typus der Gattung: H. cambodjensis n. sp:
Von anderen Arrhenodini kann nur die Gattung Pseudorychodes
in Frage kommen. Die Verwandschaft ist, wie schon gesagt, be-
Ich habe aber mehrere Arten aufgefunden, die gleich-
deutend.
mäßig gegen jene Gattung verschieden sind.
Pseudorycehodes.
Prothorax wie das ganze Tier
hochglänzend;
Elytren normal gitterfurchig;
Schienen + krumm, auf der In-
nenkante vorgewölbt, robust;
Fühlerglieder quadratisch, ge-
drängt, robust;
Metasternum durchgehend ge-
furcht;
1. u. 2. Abdominalsegment
kräftig längsfurchig.
Hemiorychodes.
Prothorax matt, alles andere
hochglänzend;
Elytren robust, tief gitterfurchig
Schienen schlank, gerade;
Fühlerglieder cylindrisch oder
kegelig, locker gestellt;
Metasternum nur am Abdomen
mit kleiner Grube;
1. und 2. Abdominalsegment
ungefurcht oder nur verflacht.
Hemioıychodes cambodjensis n. sp.
gd. Einfarbig violettbraun, fast violettschwarz, Extremitäten
etwas heller, Schmuckflecken hellorange, mit Ausnahme des matten
Prothorax mäßig glänzend.
Kopf und Metarostrum oberseits einzeln punktiert, letzteres
seitlich, in den groben Punkten einzeln länger behaart; auch die
grobe Punktierung der ganzen Unterseite, soweit die
Punktierung reicht, mit gleicher Behaarung. Mittel-
kiel des Rostrums durchgehend, seitliche Kanten kräf-
tig, Prorostrum im vorderen Teil nicht glatt und
walzig, oberseits stark nach vorn erweitert. 3. und 4.
Fühlerglied kegelig, 5.—8. + tonnenförmig, 9.—11.
. ©, walzig, alle Glieder locker stehend.
v® Prothorax ohne merkliche Skulptur.
Abb. 9. Lage der Schmuckflecken auf den
Elytren: 2. Rippe ein kleines Fleckchen
postmedian, 3. kurzer Basalstreifen, ante-, postmedian
und apical, 4. postbasaler Streifen, ante-, und post-
median, 5. — 3., nur der Apicalstreifen fehlt, 6. ante-
median, 7' postmedian, 8. posthumeral, 9. desgl. und
apical. Alle Streifen sind kurz, die ante- und post-
medianen bilden eine Binde.
Metasternum und Abdomen nadelstichig punktiert,
3. und 4. Abdominalsegment an den Seiten punktiert
und behaart, Apicalsegment mit Ausnahme des basalen Abb. 10.
Teiles kräftig punktiert, z. T. auch behaart.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 85
Parameren klein, tiefgespalten, spatelartig, vorn + gerade,
auf der ganzen V’orderkante lang behaart, wenn auch nur wenig
dicht, Taille wenig deutlich. Penis + gerade, vorn gerundet, in
der Mitte kielartig aufgewölbt.
Länge (total): 15 mm.
Breite (Thorax): 3 mm circa.
Heimat: Cambodja, Kompong Toul.
Typus im Dresdener Museum.
O® nicht gesehen.
Hemiorychodes modestus n. sp.
g Einfarbig violettbraun, Beine heller, Schenkel an Basis
und Knie verdunkelt, Schmuckstreifen hell, aber sich wenig von
den Elytren abhebend; am ganzen Körper speckig, aber nicht
glänzend, Prothorax ganz matt.
Kopf über den Augen mit einigen Haarreihen. Metarostrum
wie bei der vorigen Art. Mesorostrum breit, flach gekielt, Pro-
rostrum nur im basalen Teil, Seitenkanten fehlen;
Mesorostrum und Prorostrum bis in die Nähe der
Vorderrandseinbuchtung unterseits auf den Außen-
kanten lang, zottig, kammartig behaart. Prorostrum
nach vorn wenig erweitert.
Alle Fühlerglieder bis zum 5. + kegelig, die fol-
genden walzig.
Elytren am Absturz, unmittelbar vor den Hinter-
ecken etwas eingedrückt, Schmuckflecken wie bei der
vorigen Art.
Abdomen ungefurcht.
Parameren kurz, breit, Lamellen nicht getrennt, vorn wenig
eingebogen und gering behaart, Penis ähnlich der vorigen Art,
Präputialteil kurz.
Länge (total): 15 mm.
Breite (Thorax): 3.0 mm circa.
Heimat: Cambodja, Kompong, Toul.
Typus im Dresdener, Cotypen im Münchener Museum aus
Sumatra, und im Leidener Museum (Gun Teleman) 3 33, 2 98,
gesehen. 1 3, 1 2 im Berliner Museum. Bei den sumatranischen
Stücken fehlt der Schmuckstreifen auf 3 basal und antemedian;
sonst gleich den Cambodja-Tieren. (Ist am Berliner Material be-
stätigt.)
Die Identität des sumatranischen Tieres mit dem von Cam-
bodja ist durch Paramerenvergleich gesichert.
Henorychodes gen. nov.
&. Kopf quer, viel breiter als lang, vom Halse scharf ab-
gesetzt und von demselben steil aufsteigend, Hinterrand in der
Richtung von innen nach außen jederseits der Mitte etwas nach
innen geschwungen. Mitte spitzwinkelig eingekerbt. Oberseite
ohne eigentliche Mittelfurche, an Stelle derselben flach und breit
9. Hett
te 6) R. Kleine:
vertieft, am Rüssel mit mitteltiefen, halbmondförmigem Eindruck.
Die Kopfhälften sehen von oben + blattartig-aus. Hinterecken
ohne spitze Dornen, eingezogen. Seiten hinter den Augen glatt;
Unterseite glatt, schwach gewölbt, Gulareindruck quer-dreieckig,
sehr tief. Augen sehr groß, fast den ganzen seitlichen
Kopf einnehmend, äußerst stark vorgequollen, fast
stieläugig, kreisrund.
Metarostrum kürzer als das Prorostrum, vor den
Augen mit kleinen Apophysen, nach dem Mesorostrum
zu keilförmig verschmälert, oberseits mit breiter Längs-
furche, Außenränder scharf ausgeprägt, nach unten
Abb. 12.. schräg abfallend, Unterseite daher erweitert; Meso-
rostrum mäßig erweitert, bucklig erhaben, Mittel-
furche eng; Prorostrum nach vorn keilförmig breiter werdend,
mit breiter Mittelfurche, Kanten kräftig aber nur flach stumpf
gezahnt, mit be&innender Erweiterung verschwinden die Zähne.
Vorderrand eingebuchtet, Außenecken + rundlich. Unterseite,
namentlich im Bereich des Mesorostrums, gekielt. Mandibeln klein.
Fühler robust, etwa bis zur Thoraxmitte reichend, 1. Glied
groß, klobig, 2. das kleinste, aber noch länger als breit, 3.—8. +
aber doch nur schwach kegelig, das 6. kürzer als die übrigen, 9. und
10. kaum länger als die vorhergehenden, 11. länger als das 9. und
und 10. zusammen, spitz.
Prothorax lang-eiförmig, vorn etwas schmäler als hinten,
Oberseite + platt ohne Mittelfurche, Hinterrand deutlich, post-
coxales Prosternum etwa !/,, so lang, wie das antecoxale.
Elytren in Thoraxbreite, an der Basis gerade, Humerus ge-
rundet, Seiten + parallel, am Absturz schmäler, Hinterecken +
stumpflich, Hinterrand gerade; gerippt-gefurcht, Rippen innen
breiter als die Furche und ungleich breit, Furchen ungegittert,
z. T. punktiert, teils glatt.
Hautflügel vom Arrhenodinitypus nicht abweichend.
Beine gleich Orychodes. Die Vorderschenkel aber noch viel
"länger gedornt, zwischen Schenkeldorn und Knie noch ein kleines,
auf der inneren Unterkante liegendes, nach außen gebogenes
Zähnchen.
Metasternum eng gefurcht; 1. und 2. Abdominalsegment breit
und tief gefurcht, Ouernaht sehr tief und fast bis an die Längs-
furche reichend, 3. etwas größer als das 4., Apicalsegment halb-
elliptisch.
Passiver Stridulationsapparat, eine tiefe, unskulptierte Höhle
bildend, vom Deckeninnern scharf abgesetzt, Außenrand stark
behaart.
Typus der Gattung: Henorychodes pretiosus n. SP.
Die Gattung ist ausgesprochene Orychodes-Verwandtschatt,
trotz des ganz abweichenden Baues von Kopf und Rüssel. Hierin
liegen allerdings Unterschiede, die grundsätzlich trennen.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 87
Henorychodes pretiosus n. Sp.
dä Vom Typus eines sehr großen Caenorychodes. |
Kopf, Rüssel, Prothorax und Metasternum ziegelrot, ersterer +
dunkler, der ganze andere Körper violettbraun, Schmuckflecken
auf den Elytren ziegelrot, am ganzen Körper glänzend.
Skulptur auf Kopf, und Mesorostrum fehlend, Prorostrum
oberseits warzenartig skulptiert. Prothorax an den Seiten schwach
runzelig-faltig.
Lage der Schmuckflecken auf den Elytren:
1. (Sutura) und 2. frei, 3. längerer Basalstreifen,
kürzerer postmedian und apical, 4. mittlerer
Streifen median und postmedian, 5. postmedian,
6. und 7. frei, 8. kurzer Streifen posthumeral, 9.
längerer daselbst und kürzerer apical.
Abdomen nur gering skulptiert, 3. und 4.
Segment an den Seiten, Apicalsegment am Hinter-
rand kräftig behaart. |
Parameren von den Caenorychodes-Arten total Abb. 13.
abweichend, Lamellen keilförmig breit gespalten,
vorn stark erweitert, mit halbelliptischen Außenrändern, die an
ihrem unteren Teil sehr hell pigmentiert sind. Die hellen Partien
sind nach innen geschlagen. Behaarung äußerst gering und nur
am oberen Außenrande. Allgemeine Pigmentierung stark. Näheres
die Abb. Penis gleich den Caenorychodes-Arten.
Länge (total): 27 mm, Breite (Thorax): 4.5 mm.
Heimat: Neu-Guinea, Friedr.-Wilh.-Hafen 20. 1. 98. aus der
Ramu-Expedition (Nr. 31).
Typus im Zool. Museum, Berlin.
Gattung: Caenorycehodes.
Für alle bisherigen Orychodes, die mit dem Grundtypus ?ictus
nicht übereinstimmen, die sich durch bedornte oder nach hinten
vorgezogene Hinterkopfseiten und durch stark gekrümmte, innen,
etwa im vorderen Drittel, kräftig bedornte Schienen auszeichnen,
ist eine eigene Gattung zu errichten; ich tue das hiermit und
nenne sie
Caenoryehodes n. g.
zamwos und Orychodes.
Ich zähle folgende Arten hierher: serrirostris F., splendens
Kirsch, digramma PBoisd., versicolor n. sp., Andrewsii Gahan,
nigerrimus n. Sp., rubrosignatus n. sp., insulanus n. sp., fasciatus
n. sp., indus Kirsch, abnormis n. sp.
In allen Punkten mit Orychodes übereinstimmend und durch
folgende grundlegende Merkmale verschieden: Kopf an den Seiten
+ kräftig querdornig, sind keine Querdorne vorhanden, so ist
der hintere Augenrand spitz über den Hals nach hinten vorgezogen.
Die Vorderschienen sind sehr robust, stark gekrümmt und im
9. Heft
s8 R. Kleine:
vorderen Drittel mit einem starken Dorn bewehrt, der dem Schen-
keldorn gegenübersteht. Im weiblichen Geschlecht ist die Be-
dornung des Kopfes weniger intensiv und der Schienenzahn ist
durch eine Verdickung ersetzt; sonst alles wie beim 3.
Der Gattungscharakter ist durchaus einheitlich und nur in-
sofern sind zwei Formen darin vereinigt, als entweder Ouerdorne
an den Kopfseiten vorhanden sind oder scharf entwickelte hintere
Augenränder, da die Beine aber durchaus von gleichem Bau sind
und auch alle anderen Merkmale übereinstimmen, so trage ich
kein Bedenken, alle obengenannten Arten in dieser Gattung zu
vereinigen. Zur ersten Gruppe gehören die Arten 1—7, zur zweiten
8—11. Im übrigen ist gerade diese Orychodes-Verwandtschaft so
bekannt, daß nichts weiter hinzuzufügen ist.
Typus ist serrirostris F.
Caenorychodes serrirostris Fabr.
Syst. El. II, 1801, p. 553.
Gyllenhal gibt in Schönherr I, p. 327, folgende Diagnose:
„Nigro-piceus, nitidus, glaber, antennis pedibusque ferrugineis,
capite pone oculos spina reflexa armato, thorace conico, basi sub-
sulcato, elytris flavo-lineatis, dorso sulcatis, externe punctato-
striatis, apice singulatim rotundatis.
Mas: rostro elongato, angusto, supra plano, scabro, utrinque
subserrato, apice angulatim ampliato.
Femina: rostro tenui, cylindrico, sub-recto, laevi,
| nitido, ferrugineo.“
| Serrirostris hat als Gattungstypus zu gelten; ich
gebe daher die Originaldiagnose wieder. Die Art ist
‘ im übrigen infolge ihrer Häufigkeit so bekannt, daß
Abb, 14. ich mich darauf beschränken kann, die Variations-
breite festzulegen.
Wie bei allen Holzbewohnern wechselt die Größe außerordent-
lich; Veränderungen des Gesamthabitus sind damit nicht ver-
bunden. In der Ausfärbung habe ich keine Differenzen
gesehen, die Gesamtfarbe ist immer ein schönes tiefes
Schokoladenbraun, niemals hat der Prothorax Neigung
zur Aufhellung. Da die Skulptur im Ganzen nur sehr
schwach ist, sind keine Differenzen nachweisbar. Von
größter Konstanz sind auch die Schmuckflecken auf
den Elytren; die Lage ist folgende: 3. mittellanger
Basalstreifen, kürzerer postmedian und apical, 4. ante-
und postmedian, 5. postmedian, 8. posthumeral, 9. desgl.
und apical. Postmedian sind die Streifchen zu einer
Binde vereinigt. Zuweilen ist auch postmedian noch
ein kleiner Punkt. Auf 5. basal ist vereinzelt ein
Abb. 15. kleines Pünktchen vorhanden, endlich kann auch auf
2 apical sich ein kurzes Streifchen bilden. Im allgemeinen
ist aber die Zeichnung’sehr konstant. Der Begattungsapparat ist ab-
solut einheitlich. Ich habe Stücke aller nennenswerten Fundorte
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 89
daraufhin untersucht und auffallende Konstanz gefunden. Die Um-
grenzung der Art scheint mir daher sehr leicht. Die Schaufuß-
schen Stücke von Celebes zeigen auch keinerlei Abweichung.
Heimat: Java: sehr häufig; Ostjava, Tenger Gebirge, 4000’,
Bali-Inseln, N.-O.-Sumatra, Tebing-Tinggi, Medan, Sumatra; Deli,
Siboga (Senna), Mentawei: Si Oban, Sereiun, Si Matobe; Batu-
Inseln (Senna), Borneo: N.-Borneo, Kina-Balu-Geb.; Südost-
Borneo: Balabak b. Borneo, Brunnei, Süd-Borneo: Amuntai,
Malakka: Tengah-Gebirge, Singapore, Insel Salanga b. Malakka;
Celebes: Bonthein, Menado; Philippinen: Süd-Palawan (Stau-
dinger), Malinao, Tayabas (Dr.), Davas, Mindanao (Dr.), Nias (Dr.).
Senna hat?) auch noch eine Var. iuberculatus beschrieben;
ich konnte die Form in dem mir zur Verfügung stehenden Material
nicht auffinden.
Trotz der großen Verbreitung konnte ich keine Rassenbildung
feststellen, sowohl die östlichen Gebiete haben dieselbe braune
Farbe wie die mehr westlichen.
Caenoryehodes splendens Kirsch.
Mitt. Zool.. Mus. Dresden, I, 1875, p. 50.
Die Diagnose Kirschs ist deutlich genug, ich gebe sie nach-
stehend wieder:
„Fusco-ferrugineus, nitidus, glaber; capite basi fortiter con-
stricto et utrinque dentato, rostro basi canaliculato, ante antennas
utrinque denticulato, apice dilatato; prothorace oblongo-ovato,
laevi, rufo, ante basin sulco transverso profunde inciso, medio
ante sulcum triangulariter impresso; elytris punctato-striatis,
interstitiis luteolineatis. Long. 18. lat. 3 Mill. Ins. Philippin.‘‘
Eine durch die Form des Halsschildes und die Zeichnungen
der Flügeldecken sehr ausgezeichnete Art. Braunrot, lebhaft
glänzend, namentlich auf dem Halsschilde; der Kopf
hinter den Augen scharf eingeschnürt, der Vorderrand
der Einschnürung jederseits zahnartig ausgezogen; der
Rüssel etwas kürzer als das Halsschild, mit einer nicht
zwischen die Fühler eindringenden Längsfurche an der
Basis, vor den Fühlern an den Seitenkanten gezähnelt,
an der Spitze dreieckig verbreitert, die Seitenecken
etwas zurückgebogen, unten mit einem stumpfen Längs-
kiel. Das Halsschild lang eiförmig, oben auf der hinteren
Hälfte der Scheibe verflacht, vor der Basis mit einer tief
eingeschnittenen Ouerfurche und dicht vor dieser in der
Mitte dreieckig eingedrückt. Die Flügeldecken um die
Hälfte länger und kaum so breit, als das Halsschild,
. an der Spitze zusammen abgerundet, neben der Naht ein-
* fach, sonst punktiert gestreift, die innersten und äußersten Zwischen-
räume stark, die mittleren schwach gewölbt; die gelben Zeichnungen
sind folgende: der dritte Zwischenraum von der Basis bis nahe
der Spitze, auf dem vierten eine lange von "\, bis %, reichende
9 Bull. Soc. Ent. .Ital. XXXIV, 1902, p. 175.
9. Helt
90 BR eine)
Linie, auf dem fünften ein Fleck an der Basis und eine kurze Linie
bis %, der Länge, auf dem neunten eine lange Linie von der Schulter
bis hinter die Mitte und eine kurze nahe der Spitze. Alle Schenkel
gezähnt, an der Basis und auf der Keule schwärzlich, der Zahn
der vordersten Schenkel länger und etwas nach innen gekrümmt,
die Vorderschienen in der Mitte gekrümmt und vor der Spitze innen
stark gezähnt, wie bei serrirostris F.
Es haben mir zahlreiche Stücke vorgelegen, ausschließlich
von den Philippinen, es dürfte sich also .um eine endemische Art
handeln. Ich sah nur Luzon bewohnt.
Im Berliner Material fand ich ein Stück mit der Bezeichnung:
rufirostris Chevr. Ich habe den. Namen sonst nicht gefunden.
Kirsch läßt splendens mit serrirostris (cinnamomi) verwandt
sein. Das ist auch richtig. Serrirostris ist dadurch besonders aus-
gezeichnet, daß die Unterseite von Kopf und Metarostrum nicht
aufgewölbt ist, sondern eine schmale aber tiefe Rinne hat;
das trifft auch für splendens zu. Dies Merkmal hat aber nur die
serrirostris-Verwäandtschaft. Die Feststellung ist insofern von
Wichtigkeit, als damit der Beweis erbracht ist, daß digramma
und ihre Abkömmlinge nicht mehr bis zu den Philippinen vorge-
drungen sind, was bei anderen Brenthidengenera nicht eben selten
ist. Da die Hauptmasse der serrirostris-Form asiatisch (indo-
malayisch) ist, so hat der Vorstoß sehr wahrscheinlich von dort
aus nach den Philippinen stattgefunden.
Die Deckenzeichnung entfernt sich von der serrirostris-Ver-
wandtschaft beträchtlich und hat zweifellos Anklänge an die
digramma-Verwandten. Ich muß aber doch einen besonderen
Typus für die Philippinenser annehmen, den ich auch in anderen
Gattungen sah und der sich dadurch kennzeichnet, daß auf 4
sich ein + langer Mittelstreifen. findet, wie ihn Kirsch angibt;
endlich ist den Philippinensern der lange, zuweilen bis zur Spitze
reichende Posthumeralstreif eigen. Zeichnungsdifferenzen sah ich
folgende: Der Streifen auf 3 kaum ganz durchgehend, und das ist
meist der Fall, er kann aber auch postmedian unterbrochen sein,
dann ist der vordere Streifenteil länger als der hintere. Daß der
Streifen auf 4 in der Länge sehr schwankt, erwähnt schon Kirsch.
Der Basalstreif auf 5 kann verschieden lang sein, ist aber durch-
gängig kurz, den andern Teil des Streifens, von dem Kirsch sagt, daß
er bis %, der Länge reichen soll, sah ich immer nur als kurzes Streif-
chen. Der posthumerale Streifen auf 9 ist von wechselnder Länge,
aber immer länger als bei Arten die nicht auf den Philippinen leben.
Begattungsapparat = serrirostris.
Caenoryehodes digramma Boisduval.
Voy. Astrol. II, 1835, p. 310, t. 7, f. 23 &.
Die Originaldiagnose lautet: ,‚Subbreviatus, fuscus, thorace rub-
ro, oculis prominulis, postice spinam tenuem gerentibus; thorace cy-
lindrico subconico; elytris vitta tenui medioque marginis tenues
flavis.‘“
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 91
Nächst serrirostris F. ist digramma die häufigste Art. Es
erübrigt sich, die Boisduvalsche Beschreibung noch zu erweitern
und ich beschränke mich darauf, die Variationsbreite festzulegen.
In der Größe kommen dieselben Schwankungen wie bei
serrirostris vor. Digramma ist ein echter Vertreter der Neu-Guinea-
Fauna. Prothorax und die vorderen Extremitäten sind ziegelrot,
der Hinterkörper in seiner Gesamtheit dunkelbraun bis pech-
schwarz. Die Tiefe der ziegelroten Färbung ist sehr wechselnd.
Rassenbildung ist darin aber auf keinen Fall zu erblicken, da ich
auffallend helle Farben sowohl von den Aru-Inseln,. Neu-Guinea
selbst und Neu-Pommern. sah. Wieviel von der Tiefenvariation
auf Konto der Präparation fällt, wäre erst
noch zu entscheiden. Größer als die rot-
gefärbten Körperteile variieren die dunk-
len. Das hat seinen Grund zunächst im
Stand der Ausreife, Immatura sind rotbraun,
aber immer dunkler als der Prothorax; nor-
mal ist die Farbe pechbraun.
Von ziemlicher Variation ist die Art
der Deckenzeichnung!®). So kann echter
Neu-Guinea-Typus vorhanden sein, d. h.
auf Rippe 3 findet sich ein langer Streifen,
der nicht nur bis zur Mitt ereichen braucht,
Abb. 17. sondern sich soweit ausdehnen kann, daß er Apn. ı8,
bis an die hintere Spitze des postmedianen
Streifens reicht. Diese Form sah ich namentlich von Neu-Pommern.
Ich habe aber auch von Neu-Guinea (Kaiser Wilh.-Land) solche
Stücke gesehen, wo dieser Streifen bis an das Ende des Absturzes
reichte, also die ganze Deckenlänge einnahm. Dabei war der Thorax
von auffallend dunkler Färbung. Ist der Neu-Guinea-Typus rein
ausgebildet, dann findet sich auf dem Absturz noch das bekannte
kurze Streifchen, ferner auf 9 ein Posthumeral- und ein Apical-
streif. Diese Art der Schmuckfleckenanordnung ist auch bei
anderen Arrhenodini dieses Gebietes zu beobachten. Die Variation
geht aber noch viel weiter, so daß die extremsten Figuren vom
Einfachen bis zum Komplizierten vorkommen. Keine Art ist darin
so inkonstant wie digramma. Wäre die Art der Ausfärbung kon-
stant, so könnte man streiten, ob nicht eine eigene Art vorliegt.
Leider ist die Variation sehr groß und neigt zu einem anderen
Typus, den ich schon bei serrirostris gekennzeichnet habe und in
gewissem Sinne Gattungscharakter ist. An Abb. 17 ist diese
10) In dem von Herrn v. Schönfeldt durchgesehenen Staudinger’schen
Material fand sich folgende Notiz: ‚„digramma Fairm. ist nicht = digramma
Boisd. Die Fairmair’sche Art hat einen bis zur Mitte der Flügeldecken
gehenden Streifen, Halsschild rot.“ Das ist ein grundsätzlicher Irrtum.
Wegen digramma Fairm. siehe Abschnitt: Fremde Elemente. Wenn Fair-
maire wirklich in dieser Form, die namentlich im Osten vorkommt, eine
neue Art entdeckt hat, was aus seiner Publikation durchaus nicht hervor-
geht, hat er nach neuen Untersuchungen eben ein Synonyın geschaffen.
9. Heft
9 R. Kleine:
Art der Ausfärbung wiedergegeben. Zwischen diesen beiden Grund-
charakteren finden sich alle Übergänge. So kann der Basalstreif
auf 3 ganz kurz werden, neben demselben kann, mit dessen hinterem
Ende abschließend, sich ein kürzerer Streifen auf 4 finden; ist
das der Fall, dann liegt auf 8 posthumeral ein Streifen, sodaß
sich eine Binde zu bilden scheint. Diese Tatsache ist darum von
Wichtigkeit, weil hier der Neu-Gruinea-Typus mit dem Grund-
typus verbunden wird. Übrigens kann auf 5 basal auch der für
viele Arrhenodini typische Punkt vorhanden sein. Im post-
medianen Teil fehlt auf 3 nur in den seltensten Fällen das Streif-
chen, sofern es nicht mit dem Basalstreif verbunden ist. Auf 4
ıst das Streifchen immer vorhanden und kann bis 6 eine Binde
bilden. Basal kann sich auch auf 4 und 5 noch eine Binde in
Länge von 3 entwickeln.
Weiter brauche ich nicht auf die Sache selbst einzugehen.
Auf Grund der Deckenzeichnung kann man keine Art bilden.
Soll die Ausfärbung systematischen Wert haben, so müssen andere
Werte damit einhergehen, das ist aber nicht der Fall. Ich habe
von allen Provenienzen und Zeichnungsarten den Begattungs-
apparat untersucht und nicht die geringsten Abweichungen ge-
sehen. Die innere Geschlossenheit der Art ist also, trotz ihrer
großen Variabilität, vorhanden.
Der Begattungsapparat ist dem von serrirostris sehr ähnlich,
die mehr schlanke Form der Parameren kann daran nichts ändern.
Die Behaarung ist im allgemeinen geringer und die hellen Stellen
ım hinteren Teil, nach Vereinigung der Lamellen, sind größer
und von ganz anderer Form als bei serrirostris. Man vergleiche
die Abbildungen. Der Penis weicht gegen serrirostris nur insofern
ab, als das helle, innere Mittelfeld auf dem Präputium breiter ist.
Größenverhältnisse wie bei serrirostris F.
Heimat: Neu-Guinea: D. N. G. Aprilfluß, Hauptlager bei
Malu, Standlag ram Töpferfluß, Etappenberg, Berlinhafen, Kaiser-
Wilh.-Land, Kelana, Astrolabe-Bay, Ramu-Zwischenstation, Finsch-
hafen, Fly-River, Arfak Holl. N. G., Jule-Inseln, Barabara, Ighi-
'birei, Hatam, Andai. Neu-Pommern: Ralum, Herbertshöhe, Ma-
tupa, Kinigunang. Aru-Inseln: Ureiuning, Wamma Dobbe. Neu-
Süd-Wales, Oueensland, Cooktown.
Eine ziemlich deutlich ausgeprägte Be fand ich auf dem
australischen Festlande und sah sie in zahlreichen Stücken. Die
allgemeine Färbung ist dunkler, namentlich in den roten Körper-
partien. Die Lage der Schmuckflecken ist durchaus konstant:
auf 3 basal bis zur Mitte, postmedian und auf dem Absturz, 5 post-
median, 9 posthumeral und apical. Diese intermediäre Form
findet sich zwar auch auf Neu-Guinea unter den Extremen Fig. 17
und 18, aber nicht so rein wie auf dem Festlande. -Auch der Be-
gattungsapparat ist sehr intensiv pigmentiert. Ich sah die Form
in vielen Stücken von Queensland und N. S. Wales. Eine Be-
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 95
nennung halte ich für unzweckmäßig, da sich einzelne Stücke auch
auf Neu-Guinea finden und damit kein reiner Rassencharakter
besteht.
In Staudingers Material fand ich eine Var. Lorguini, von Herrn
v. Schoenfeldts Hand bezettelt, selbst als Art trat sie auf in einer
Schrift, die an Desbrochers erinnert. Ich kenne die Var. nicht.
Vielleicht ist sie ein Erbteil des bekannten Verfassers. Ich will
nur noch der Kuriosität halber mitteilen, daß damit sowohl di-
gramma aus allen möglichen Gebieten bezeichnet worden sind,
wie auch echte digramma von N.-Guinea als serrirostris!!! var.
Lorguini und cinnamomi var. Lorquini. Man sieht, daß manche
Determinatoren sich die Sache bei den Händlern leicht gemacht
haben. Digramma ist die einzige Art mit größerer Variationsbreite,
daher die Unklarheit. Mit Ausnahme vom australischen Fest-
lande, wo sich ganz allgemein eine dunkelere Rasse gebildet hat,
konnte ich keinen Grund zur Benennung von Var. finden. Auch
die australische Rasse habe ich nicht benannt, sondern überlasse
das der Rassenforschung.
Auf eine zweite Rasse wäre noch hinzuweisen, die auf Neu-
Guinea vorkommt und die ich in 6 Stücken von Kaiser Wilhelms-
land (Dresdener Museum) sah. Sie scheint auf den ersten Blick
eine eigene Art zu sein, denn sie ist einfarbig schwarz. Bei genauer
Untersuchung ergibt sich aber, daß Kopf und Prothorax bei man-
chen Stücken noch die Rotfärbung, gleichsam unter dem Schwarz,
erkennen lassen. Auch auf den Decken lassen sich rote Farben
nachweisen. Da ich keine andern Unterschiede fand, der Be-
gattungsapparat in der ganzen Gattung aber durchaus einheitlich
ist, so kann ich mich zu keiner Trennung entschließen, und dies
umsoweniger, als auch in anderen Gattungen (Ectocemus) ganz
analoge Verhältnisse bekannt sind.
Caenorychodes versieolor n. sp.
g Zierliche, kleine Art. In der Ausfärbung digramma Boisd.
gleich. Kopf am Hinterrand fast gerade, die Dorne
hinter den Augen nur wenig, aber deutlich entwickelt,
Unterseite + gefurcht.
Lage der Schmuckstreifen auf den Elytren: auf
2 je ein kurzes Streifchen subbasal und apical, 3 basal,
ante- und postmedian und apical, 4 längerer Streifen
antemedian, kurzer postmedian, zuweilen auch apical,
5 und 6 ante- und postmedian, 7 meist ein kleiner
Punkt antemedian, 8 posthumeral, 9 desgl. und apical.
Vorderschienen nicht so stark gebogen wie bei
diıgramma, Bezahnung auch etwas schwächer.
® in üblicher Weise unterschieden.
Länge (total): $ 210—14 mm; Breite $® (Thorax):
1.2—2.0 mm.
Heimat: Dammer-Inseln.
Abb. 19.
9, Heft
94 ; R. Kleine:
258, 12 22 in Coll. Staudinger. Jetzt daselbst und in den
deutschen Museen. Auf den ersten Blick glaubt man einen kleinen,
bunten digramma vor sich zu haben. Ich bin der Meinung, daß
auch tatsächlich mit dieser Art der engste Zusammenhang be-
steht, dafür spricht schon der Umstand, daß in der Grundfärbung
dieselbe Zweifarbigkeit besteht wie bei digramma. Das ist bei
keinemanderen Caenorvchodes so ausgeprägt der Fall. Ferner erinnert
an die digramma-Verwandtschaft die Bedornung des hinteren
Augenrandes. Zwar sind die Dornen nicht so stark ausgebildet
wie dort, aber sie sind bestimmt vorhanden. Das ist wichtig. _
Was für die Artberechtigung von versicolor spricht, ist zu-
nächst die Tatsache, daß die Vorderschienen nicht so krumm sind
wie bei digramma und die Bedornung auffallend schwach ist.
Das ist bei allen Individuen so. Dennoch sind die Schienen von
einer Gestalt, daß die Art nurzu Caenorychodes gehören kann, aber
es läßt sich nicht leugnen, daß sie sich am weitesten vom Gat-
tungsmassiv entfernt. Bei oberflächlicher Betrachtung ist sie ein
ganz echter Caenorychodes.
Ferner ist die Kleinheit von Bedeutung; ich habe noch keine
Art gesehen, die durchweg so zierlich gewesen wäre.
Die Schmuckstreifen haben wenig Neigung zur Abänderung.
So kann der Streifen basal 2 zuweilen verkürzt sein und auf 5
basal sich ein kleiner, bei allen Caenorychodes sehr hinfälliger Punkt
ausbilden, auf 4 antemedian kann der Streifen in der Ausdehnung
wechseln.
Wodurch die Art sofort auffällt, ist die starke Bindenanlage
der Schmuckstreifen. Nur bei fasciatus sah ich etwas ähnliches,
die Ausbildung von Streifen auf 6 und 7 gehört zu den größten
Ausnahmen. Jedenfalls sind im außermalayischen Gebiet keine
Caenorychodes und überhaupt in kaum nennenswertem Umfang Ar-
rhenodini bekannt, die eine so ausgedehnte Bindenzeichnung be-
sitzen. Es kann also keine Rede sein, daß versicolor etwa eine
Abart des diıgramma sei. Das Vorkommen auf einer kleinen Insel
hat die Separation begünstigt; der austromalayische Archipel
bietet überhaupt immer neue, überraschende Arten. Sicher kennen
wir nur erst einen kleinen Bruchteil davon.
Caenorychodes Andrewsii Gahan.
Mon. of Christ. Ins. 1900, p. 117.
Ich habe die Art nicht selbst gesehen und gebe Gahans Diag-
nose wieder.
„g Rostro supra basi sulcato; capite postice bituberculato,
utrinque vix pone oculum dentato, dente sat recte transversa,
ultra oculum paullo projiciente; prothorace rufocastaneo, polito,
quam latitudine maximo fere duplo longiore, apice quam basi
latiore, ad basin transversim bisulcato et ante sulcos linea mediana
leviter impresso; elytris quam pronoto quarta parte longioribus,
rufobrunneis, lineis flavis interruptis, ornatis, longitudinaliter
striatis, striis intermedius versus medium plus minusve obsoletis.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 95.
© Capite breviore, postice haud tuberculato,: rostro simplice
nec dentato nec ad apicem dentato; prothorace quam latiore di-
midio parte longiore.
Long. (rostro incl.) 13—21 mm.“
Nach Gahans Angaben soll die Art in die Nähe von serrirostris
gehören, Es bleibt abzuwarten, ob es sich nicht überhaupt nur um
serrirostris handelt. Die Verbreitung dieser Art ist sehr groß. Ich
bezweifle die Berechtigung der Art ganz bestimmt, habe aber vor-
erst noch keine definitiven Beweise. Man muß also diese unsichere
Art vorläufig weiter mitschleppen.
Caenorychodes nigerrimus n. Sp.
Einfarbig schwarz, ohne Schmuckflecken auf den Elytren,
am ganzen Körper hochglänzend. Kopf mit starken Seitendornen
hinter den Augen; Unterseite in der Mitte ohne Mittelfurche, an
der Basis nur mit querdreieckiger Gulargrube. Der auf der Rüssel-
unterseite vorhandene Kiel setzt sich, verbreitert, auf dem Kopf fort.
Elytren mit äußerst feiner Rippenpunktierung, die auf der
Mitte, die Oberseite ausgenommen, fast ganz verschwindet; im
hinteren Drittel wird die Rippenbildung stärker als bei serrirostris
oder digramma. Eine wirkliche Schmuckfleckenzeichnung ist nicht
vorhanden, bei manchen Stücken kann man noch sehr schwach
erkennen, daß wenigstens auf Rippe 3 ursprünglich eine hellere
Färbung bis fast auf den Absturz gereicht haben muß.
Der Begattungsapparat, der in der Gattung sehr einheitlich
zu sein scheint, ist von serrirostris und digramma nicht verschieden.
Länge’ (total): $ 17”—21 mm; Breite (Thorax): 2—3,5 mm ca.
2 16 mm 3 mm.
Heimat: Amboina, von v. Rosenberg gesammelt und Neu-
Guinea.
2 S&, 1? im Zool. Museum zu Berlin. Mehrere $ und 2 im
Dresdener Museum.
Die Fundorte: Neu-Guinea sind beide mit Fragezeichen ver-
sehen, es ist aber richtig so. Das ganze Dresdener Material stammte
von Neu-Guinea. Ganz ohne Frage handelt es sich um eine Ver-
wandtschaft der digramma-Gruppe. Serrirostris hat unterseits +
gefurchten Kopf, bei digramma tritt die Furche zurück, bei
nigerrimus ist sie ganz verschwunden und durch eine kielartige Auf-
wölt ung abgelöst. Lie Identifizierung der Caenorychodes-Artinwud
durch Ausscheiden des Begattungsarpzrates äußcıst eıschwer .
Ich muß annehmen, daß die neue Art durch Isolierung entstanden
ist und ursprünglich zur Neu-Guinea-Verwandtschaft gehört hat.
Caenorychodes rubrosignatus n. sp.
d& Von sehr robuster Gestalt. Einfarbig schwarz, hoch-
glänzend, Schmuckstreifen blutrot.
Kopf am Hinterrand mittelstark eingebogen, in Augennähe
mit kleinen Tuberkeln, hinter den Augen sehr kleinen, stumpfen
Querdornen; Stirn etwas gewölbt; Unterseite mit kräftiger Mittel-
9. Heft
96 R. Kleine:
furche. Fühler robust, Basalglied klobig, 2. und 3. breiter als lang,
vom 4. ab walzig-kantig, Endglied so lang wie das 9. und 10. zu-
sammen, alle Glieder locker aneinander gefügt. Metarostrum breit
gefurcht, Apophysen kräftig, einen kreisrunden Raum
einschließend, Mesorostrum seitlich rundlich erweitert,
gewölbt und undeutlich gefurcht, Prorostrum von üb-
licher Gestalt. Prothorax wenig abgeplattet, an der
Basis kaum mit zarter angedeuteter Naht; Prosternum
nicht gerundet.
2. Rippe auf den Elytren gegen den Absturz stark
verschmälert, 3. verbreitert, 4. wie die 2., Rippen viel
breiter als die Furchen am Absturz sind alle Rippen
schwach aber bestimmt ausgebildet, Punktierung der
Seitenrippen verschwommen. Lage der Schmuckstreifen:
auf 2 kleiner Streifen basal, 3 langer Streifen basal,
Abb. 20, Kurzer postmedian und apical, 4 und 5 lang basal,
kurz postmedian, 9 posthumeral und apical.
© in üblicher Weise unterschieden.
Länge (total): $ 19 mm; Breite (Thorax): 315, mm;
2 17 mm; 3 mm.
Heimat: Ternate, aus Sammlung Bruijin, 1 3, Q im Stettiner
Museum, 1 $ im Dresdener Museum. Echtes Molukkentier, von
pictus und insulanus durch den Kopfbau, von ersterer auch durch
die einfarbigen Schenkel, von letzterer durch andere Anordnung
der Schmuckstreifen geschieden, nigerrimus hat zwar gedornte
Augenränder, aber die Dorne sind kurz, die Fühler von ganz
anderer Form, die Decken sind einfarbig schwarz und die Gestalt
ist schlanker. Die Molukken scheinen durch einegroße Caenorychodes-
Fauna bevölkert.
Caenoryehodes insulanus n. sp.
Einfarbig pechschwarz, hochglänzend, Schmuckstreifen
schmutzigorangerot. Kopf hinten nur schwach nach innen ge-
buchtet, Oberseite ohne Mittelfurche, hinter
den Augen nicht zahnartig’erweitert, sondern \
nur stumpflich über den Hals nach rück-
wärts vorgezogen; Unterseite mit schwachem
Gulareindruck, sonst flach gewölbt, ohne
Abb. 21. Mittelfurche.
Metarostrum breit gefurcht, am Meso-
rostrum kurz zugespitzt, Mesorostrum ohne Mittelfurche
+ platt, Seitenränder stark aufgehöht, daher nach
innen sattelartig ausgehöhlt; Prorostrum und Fühler
ohne Besonderes.
Prothorax an der Basis mit kurzer, obsoleter
Mittelfurche. Abb. 22.
Auf den Elytren die Sutura und 2 Rippen ent-
wickelt, Rippe 3 sehr breit, Furchen 1 und 2 ohne Punktierung,
3 durch Punkte gekennzeichnet, alle anderen Rippen und Furchen
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 97
ganz obsolet oder fehlend. Schmuckflecken nach dem Neu-Guinea-
typus angelegt. 3 basal biszum Einschluß des postmedianen Streifens,
apical kurzes Streifchen, 5 basaler Punkt (der Punkt steht un-
mittelbar neben 3 und sieht aus als ob er auf 4 läge, in Wirklich-
keit ist 4 aber verkürzt und reicht nicht bis zum Rande) und
kurzes Streifchen postmedian, 9 posthumeral und apical.
Beine ohne Besonderes.
Metasternum, 1. und 2. Abdominalsegment nur schwach ge-
furcht, OQuernaht zwischen 1 und 2 bis zur Mittelfurche reichend.
Begattungsapparat gegen andere Caenorychodes nicht ver-
schieden.
Länge (total): 17 —-19 mm; Breite (Thorax): & 2.75-—3.0 mm;
212 -—-16 mm; 2 1.50-—1.75 ‚,
Heimat: Molukken, so: Ceram, lllo, von Ribbe gesammelt,
Amboina, von v. Rosenberg gesammelt, mit der Bezeichnung:
Molukken aus Sammlung Schaufuß.
4 dd, 2 22 ım Zool. Museum, Berlin.
Insulanus gehört nach Art und Weise der Schmuckflecken-
anordnung zu digramma-Verwandtschaft, d. h. also, dem Neu-
Guineatypus an. Die Tatsache, daß die Formen mit rotem Pro-
thorax sich weniger nach Westen als nach Osten wenden, findet
auch bei Caenorychodes ihre Bestätigung, denn nigerrimus gehört !!)
auch hierher. Mit dieser Art scheint überhaupt die größte Ver-
wandtschaft zu bestehen; ein grundsätzlicher Unterschied besteht
aber darin, daß insulanus zur Gruppe mit ungezahnten hinteren
Augenrändern gehört, während nigerrimus darin mit digramma
gleich ist, d. h. also gezähnt. Es kann aber kein Zufall sein, daß
zwei ähnliche Formen im gleichen Verbreitungsgebiet vorkommen
und sich scharf von der Grundform trennen. Die Ausbildung
dieser Sporadismen kann m. E. nur auf das zerstreute insulare
Vorkommen zurückzuführen sein. Die Anlehnung an digramma
wird auch durch die Art und Weise der Parameren-
pigmentierung bestätigt. Die Schmuckflecken sind —
Abb. 22 und lassen keine Neigung zur Abänderung
erkennen.
Caenorychodes faseiatus n. Sp.
Hellschokoladebraun, Prothorax und Kopf zuweilen
ins rotbräunliche neigend, am ganzen Körper hoch-
glänzend, Schmuckflecken auf den Elytren dunkel-
orange.
Fasciatus gehört zur Gruppe, deren hintere Augen-
ränder nicht zahnartig nach außen erweitert sind.
Kopf am Hinterrand mäßig nach innen geschwungen, b. 23
nach außen-hinten tuberkelartig verdickt, Mittelfurche TE
fehlt, Unterseite flach gewölbt, nicht gefurcht. Prorostrum
breit gefurcht, Mesorostrum bucklig mit flacher, schwacher
1) Differenzen gegen pictus Pascoe siehe daselbst.
Archiv nr = re 7 ). Heft
98 R. Kleine:
Mittelfurche, nach den Seiten abfallend, Prorostrum und Fühler
ohne besondere Merkmale. Prothorax im basalen Teil zuweilen
mit sehr zarter, bis zur Mitte reichender Mittelfurche, die aber
auch ganz fehlen kann. FElytren kräftig gerippt-gefurcht, 2.
und 3. Rippe gleich breit, 1.—3. Furche kräftig ausgebildet
und ohne Punktierung, alle anderen Furchen durch intensive
Punkte markiert, die sich gegen den Absturz zu regulären
Furchen entwickeln. Lage der Schmuckflecken: 2. zuweilen
schwächerer Basalstreifen, sehr deutlicher, nie fehlender post-
median und apical, 3. kräftiger Basalstreifen, schwächerer ante-,
starker postmedian und apical, 4. ante- und postmedian und
apical, 5. Basalpunkt, ante- und postmedian, 6. und 7. ante-
und postmedian, 8. posthumeral, 9. desgl. und apical. Beine ohne
Besonderes. Metasterum und die beiden ersten Abdominalsegmente
breit und flach gefurcht.
Begattungsapparat = serrirostris.
Länge (total): $ 16 —17 mm; Breite (Thorax): 3.0 mm;
2 14—16 mm; 2.3—3.0 mm.
Heimat: Andamanen (B.), Calcutta, Ostindien (St.).
2 3d, 2 22 im Zool. Museum Berlin, von Roepstorff ge-
sammelt und aus Coll. Vogel No. 82245. 4 3&, 2 92 im Stettiner
Museum.
Es handelt sich hier um eine interessante Art. Der Grund-
charakter der Gattung ist voll und ganz gewahrt. Von wesent-
lichem Artcharakter ist die Form des Mesorostrums, die starke
Rippenbildung auf den Elytren, die namentlich durch die kräftige
Ausprägung der Punktrippen ihren Ausdruck findet und endlich
die flache und breite Furchung des Metasternums und der ersten
Abdominalsegmente. Rein äußerlich fällt die ausgedehnte Binden
anlage der Elytren auf.
Es ist von Bedeutung, daß gerade auf den Andamanen sich
diese merkwürdige Eigenschaft zeigt. Sie ist nicht zufällig und
etwa nur auf diese Art beschränkt. Ich verweise auf die Gattungen
Baryrrhynchus und Prophthalmus, bei denen sich genau dieselben
Zustände wiederfinden. Es muß also in der starken Ausbildung
der Deckenbinde eine Fauneneigentümlichkeit gesehen werden.
Die Variation der Deckenzeichnung ist gering. So kann auf
2 basal der Streifen fehlen und die hintere Binde auf 2—5 be-
schränkt sein, hingegen ist basal ebenfalls große Neigung zur
Bindenbildung vorhanden, die sich bis auf 4 Rippen erstrecken
kann, auch apical ist die Tendenz zur Erweiterung unverkennbar
vorhanden. So fällt fasciatus etwas aus der Gattung heraus, doch
nicht in der Weise, daß dadurch die Zugehörigkeit irgendwie be-
zweifelt werden könnte. Anlehnung an indus Kirsch besteht nicht.
Das Vorkommen mancher Arten auf den Andamanen und
Vorderindien habe ich mehrfach beobachtet, nicht aber mit Län-
dern westlich der Inseln.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 99
Caenoryehodes indus Kirsch.
Mitt. Zool. Mus. Dresden, I, 1875, p. 51 nota.
Kirsch gibt folgende Diagnose: fu:c > ferrugineus, nitidus,
glaber, capite postice constricto, medio bi-, utrinque vix noduloso;
prothorace disco externo utringue macula oblonga nigra; elytris
disco seriate punctatis, interne subbisulcatis, extus et apice punc-
tato-striatis, signaturis luteis omnio ut in (. serrirosiri Lund.
Long 14, lat. 2 mill. Siam.
Er fügt noch erläuternd hinzu: ‚Vielleicht nur Varietät der
serrirostris Lund, von dem er in folgenden Punkten abweicht:
der Kopf ist am vorderen Rande der Basalstrietur
jedenfalls nicht zahnförmig ausgezogen, hat aber die
beiden eckigen Knötchen immer neben dem hinteren
Augenrand, das Halsschild ist ganz so gestellt wie
bei serrirostris, hat aber bei allen sechs mir vorliegen-
den Exemplaren jederseits auf der äußeren Scheibe Abb. 24.
einen länglichen schwarzen Fleck. Die Flügeldecken
sind auf der Scheibe feiner skulptiert, der vierte Streifen ver-
schwindet schon vor der Mitte, der fünfte bis achte bestehen
nur aus Reihen feiner Punkte.“
Kirschs Annahme, daß es sich vielleicht nur um eine Var.
des serrirostris handele, ist falsch, das hat auch schon Senna nach-
gewiesen.'?2) Mir steht ein sehr ansehnliches Material zur Verfügung.
und ich muß gestehen, daß mit serrirostris schon durch die Kopf-
bildung eine so scharfe Trennung vorhanden ist, daß nicht nur
die Möglichkeit einer Var. von der Hand zu weisen ist, sondern
indus überhaupt einer ganz anderen Gattungsgruppe angehört als
serrirostris.
Die dornartigen Seitenfortsätze hinter den Augen fehlen, die
Augen sind aber nach hinten spitzig-eckig wie bei manchen an-
deren Caenorychodes auch. Was grundsätzlich trennt, ist die Form
des Kopfes in seinem hinteren Teile. Kirsch deutet ja auch selbst
die Differenz an, indem er sagt: ‚‚hat aber die beiden eckigen
Knötchen immer neben dem hinteren Augenrande‘“. In
Wirklichkeit ist der Kopf am Hinterrand nach innen gebuchtet
und die Seiten ragen stumpf-spitzig nach hinten über den Hals
hinaus. Ein äußerst wichtiges Merkmal. Unterseite des Kopfes
gekielt, also serrirostris-Verwandtschaft.
Was Kirsch vom Prothorax sagt, ist belanglos; was er sonst
von den schwarzen länglichen Flecken sagt, ist mir unverständlich
geblieben, ich konnte keine finden. Sonst konnte ich keine nen-
nenswerte Abweichung vom serrirostris-Typus finden. Auch die
Lage der Schmuckflecken ist genau wie bei jener Art.
Fundnotizen: Ceylon häufig; Nord-Bengalen, Kurseong, Siam
(Type) ; Indien: Nord-Cachar Namottea, Ober-Assam, Ober-Birma,
Ruby Mines 5000 —7500 Fuß, Carin Cheba 900 -1100 m, Bhamo
12) Ann. Mus. Civ. Stor. Nat. Genova, XII (XXXII) 1892 p. 472.
LG; 9. Heft
100 R. Kleine:
Birmania, Tenasserim Tagatä Darjeeling, Sikkim, Trichonopoli,
Mandura, Tonkin: Montes Mausson in 2--3000 Fuß Höhe, Laos;
Formosa: Hoozan, Taihorin, Fuhosho, alles von Sauter gesammelt.
Während ich bei den ostindischen Stücken die schwarzen
Thoraxflecke ständig vermisse, sind sie bei den Hinterindiern fast
immer vorhanden; Kirsch dürfte dennoch mit seiner Beobachtung
Recht haben, nur darf man kein allzu großes Gewicht auf die
Schwarzfärbung legen.
Die Rassenbildung scheint mir bei indus im Ganzen recht
groß zu sein. So ist eine ganz helle Westrasse zu umgrenzen, die
von der Westgrenze bis Birma reicht. Im zentralen Indien wird
die Gesamtfärbung dunkler; hierher gehört auch die Type Kirsch’s
aus Siam die ich selbst einsehen konnte. Nach Osten nimmt die
allgemeine Verdunkelung zu. In Tonkin z. B. ist die Grundfarbe
fast rotviolett, weiter im Osten (Formosa) findet sich wieder eine
hellere Rasse. So ist auch bei indus die oft gemachte Erfahrung
bestätigt, daß die einzelnen Faunengebiete ihr eigenes Farben-
gepräge haben; die Grundelemente des Artcharakters werden da-
durch nicht berührt.
Caenoryehodes abnormis n. sp.
3 Große robuste, zweifarbige Art. Prothorax und Kopf
ziegelrot, Schenkel mit Ausnahme der schwarzen Basis und im
geringeren Teil auch der Knie schmutzig-ziegelrot, Schienen und
Tarsen von gleicher Farbe, Kanten der ersteren schwarz, auch die
Tarsen, namentlich das Klauenglied in unbestimmtem Umfang
schwarz; Unterseite schmutzig-ziegelrot, Decken pechschwarz,
Schmuckstreifen rötlich; überall glänzend.
Kopf hinter den Augen nicht dornartig erweitert, Hinterrand
halbelliptisch eingebuchtet, zwischen Augen und Kopfmitte je eine
tuberkelartige, nach hinten zeigende Verdickung; Unterseite ge-
furcht.
2. und 3. Rippe auf den Elytren sehr breit und flach, 4. nur
an Basis und am Absturz durch eine Furche begrenzt, auf dem
Absturz sind alle Rippen entwickelt; Furchen immer sehr schmal,
Punktierung aufden Seiten liegender Furchen mittelstark. Schmuck-
streifen wie bei serrirostris F.
Länge (total): 24 mm; Breite (Thorax): 4.0 mm.
Heimat: Sumbawa, von Colffo gesammelt.
? nicht gesehen. Type im Stettiner Museum.
Abnormis ist eine sehr interessante Art. In der Ausfärbung
entspricht sie den bisherigen Erfahrungen bei anderen Arrhenodini,
d. h. bei rotem Prothorax schwarze Elytren. Es handelt sich also
scheinbar um eine neue Art östlicher Herkunft, denn westlich
Sumbawas habe ich diese Farbenzusammenstellung nicht mehr
gesehen. Trotzdem ist die östliche Herkunft abzulehnen. Auch
bei Baryrrhynchus sah ich einen westlichen Habitus mit östlicher
Farbenverteilung in Sumbawa auftreten. Es handelt sich also
nicht um einen Einzelfall.
Die Gattung Orychodes Pascoe und ihr Verwandtschaftskreis 101
Daßabnormis tatsächlich den westlichen Caanorychodes-Charak-
ter besitzt, ist ohne Frage. Der Kopf ist ındus am nächsten, wenn
auch nicht in so starker Ausbildung, so doch in gleicher Anlage.
Das gibt zu denken. Außerdem ist die Anlage der Schmuckstreifen
nach dem serrirostris-Typus, d. h. also nach dem West- bezw.
Zentraltypus angelegt und hat mit dem Osten, auch mit den
auf den Molukken lebenden Arten nichts zu tun. Ferner ist sie
gegen alle Arten mit Seitendornen getrennt, da diese bei abnormıs
fehlen.
Ich muß die Art daher als eine Verkörperung der verschieden-
sten Grundtypen der Gattung ansehen. Vom Östen hat sie die
Farben, vom Westen die Statur; außerdem vereinigt sie innerhalb
. letzterer wieder verschiedene Eigenschaften, die als typische Merk-
male einzelner Artenreihen angesehen werden müssen. Ich nehme
an, daß sie vom Westen vorgedrungen oder ein westliches Relikt
ist, das gegen die Molukkenfauna getrennt blieb und, wie manche
anderen Brenthiden auch, östlichen Farbtypus annahm.
KATALOG.
Orycehodes Pascoe.
Journ. of Ent. I, 1862, p. 389.
breviceps Senna, Ann. Soc. Ent. Belg. XXXVIII, 1894, p. 380.
Birma.
bictus Pascoe, 1. c. p. 389. Batchian.
Parorychodes Kleine.
Archiv f. Naturgeschichte 1920, A. 9. p. 80.
comes Kleine. 1. c. p. 82. - Tonkin.
degener Senna. Ann. Mus. Civ. Storia Nat. Genova. XII (XXXIJ),
1892, p. 474. Birma. Andamanen.
Hemiorycehodes Kleine.
Archiv f. Naturgeschichte 1920, A. 9. p. 8.
cambodjensis Kleine. 1. c. p. 84. Cambodja.
modestus Kleine. 1. c. p. 85. Cambodja, Sumatra.
Henoryehodes Kleine.
Archiv f. Naturgeschichte 1920, A. 9. p. 85.
pretiosus Kleine. 1. c. p. 87. Neu-Guinea.
Suborychodes Kleine.
Entomol. Mitt. VI, 1917, 10/12, p. 328.
intermedius Kleine. 1. c. p. 330. Sunda-Inseln, Malakka.
Pseudoryehodes Senna.
Ann. Soc. Ent. Belg. 1894, XXXVIII, p. 375.
crassus Senna. 1. c. p. 378. Ober-Birma.
cruentatus Senna. Not. Leyd. Mus. Vol. 20, p. 71, 1898. Malakka,
dentipennis Senna. 1. c. p. 60. — Senna, Bull. Soc. Ent. Ital.
Vol. 34, p. 176, 1902. Java, Sumatra,
9. Heft
102 Dr. Kranz Poche:
Fruhstorferi Senna. Notes Leyd. Mus. XVII, 1895, p. 53. Java.
Helleri Senna. Bull. Soc. Ent. Ital. 31, 1899, p. 304. Celebes.
insignis Lewis. Journ. Linn. Soc. Lond. 17, p. 301, 1883, t. 12,
1.212: Japan.
lineolatus Kirsch. Mitt. Zool. Mus. Dresd. 1, p. 49, 1875. Malakka.
piliferus Senna. Notes Leyd. Mus. 14, 1891, p. 177. West- Java.
KRöitsemae' Senna. 1. c. 18. 1890, p.: 161. Malakka.
tenuirostris Senna. Ann. Soc. Ent. Belg. 1894, p. 376. Ober-Birma.
Caenorychodes Kleine.
Archiv f. Naturgeschichte 1920, A. 9. p. 87.
abnormis Kleine. 1. c. p. 100. Sumbawa.
Andrewsii Gahan. Mon. of Christmas Ins. 1900, p. 117.
Christmas-Inseln.
digramma Boisd. Vo’. Astrolab. II, 1835, p. 310, t. 7, £. 2328.
Neu-Guinea, Aru-Inseln, Australien.
fasciatus Kleine. 1. c. p. 97. Andamanen, Calcutta.
insulanus Kleine. 1. c. p. 96. Ceram.
indus Kirsch. Mitt. Zool. Mus. Dresden, I, 1875, p. 52.
Ceylon bis Tonkin.
nigerrimus Kleine. 1. c.p. 9. Neu-Guinea, Amboina.
rubrosignatus Kleine. 1.c.p. 95. Ternate.
serrirostris Fabr. Syst. El. II, 1801, p. 553. Malakka, Sunda-Inseln.
Celebes, Philippinen.
seyrirostris Lund. Act. Hist. Nat. Hafn. S. 2, 86. 19. 1802.
striolatus Kirsch. Mitt. Zool. Mus. Dresden, I, 1875, p. 51.
/emoratus Schaufuß. Hor. Soc. Ent. Ross XIX, 1885, p. 206.
var. iuberculatus Senna. Bull. Soc. Ent. Ital. XXXIV, 1902,
pP: M79:
splendens Kirsch. Mitt. Zool. Mus. Dresd. I, 1875, p. 50.
Philippinen.
versicolor Kleine. 1. c. p. 9. Dammer-Inseln.,
Über eine in
Vergessenheit geratene Art der Echiuroidea.
Von
Dr. Franz Poche, Wien.
1898, p. 323 beschrieb Dendy eine neue Art der Echiuroidea
von der Küste von Neuseeland, die er entsprechend dem damaligen
Stande der Systematik der Gattung Echiurus zurechnete und
Echiurus novae-zealandiae nannte. Sie wird aber mittenim laufen-
den Text aufgestellt und auch typographisch in keiner Weise her-
vorgehoben. Jedenfalls infolge dessen sowie des ganz allgemein ge-
haltenen Titels der Arbeit wurde sie in allen einschlägigen Jahres-
Über eine in Vergessenheit geratene Art der Echiuroidea 103
g g
berichten .(Buchanan, 1899; Eisig in Pintner u. Eisig, 1899;
Ritter-Zähony, 1908) übersehen und in weiterer Folge auch in
der ganzen seitherigen systematischen Literatur über die Gephyreen.
Anscheinend ist sie seit ihrer Aufstellung überhaupt nur von
Borgert (1899, p. 619), Benham (1904, p. 283) und Ritter-
Zähony (1909, p. 18 u. 24) erwähnt worden.
Was die systematische Stellung der gedachten Art betrilft,
so ist Dendys Beschreibung derselben sehr unvollständig und be-
schränkt sich fast ganz auf die äußeren Charaktere. Sie ist jedoch
vollkommen genügend, um erkennen zu lassen, daß die Art auf
keinen Fall in die Gattung Echiurus und die Familie Echiuridae,
wie sie gegenwärtig umgrenzt werde, (s. Seitz, 1907, p. 351—-
353; Spengel, 1912 a, p: 174 £.; id., 1912 b,.p. 1210) gehört. Die
Species muß vielmehr nach allem, was wir bisher von ihr wissen,
der Gattung Urechis P. Seitz (1907, p. 323 [cf. p. 352]) und somit
der Familie Urechidae Spengel (1912b, p.1210) zugerechnet werden.
Denn sie besitzt nach den Angaben Dendys ‚einen sehr kurzen
Rüssel, ähnlich einem Stehkragen, mit einem Schlitz an der Vorder-
seite herunter“, an ‚der Basis des Kragens, unterhalb des
Schlitzes“, also dicht hinter der Mundöffnung gelegene Bauch-
borsten, und nur 1 Analborstenring, also alle jene äußeren Charak-
tere, die für Urechis im Gegensatze zu Echiurus charakteristisch
sind. Auch Dendy selbst sagt, daß das Tier ‚Echturus unteinctus“
[= Urechis unicinctus] ähnelt, ‚aber es weicht ab in seiner viel
größeren Größe, seinem glatten Integument und wahrscheinlich
auch in einigen Details innerer Anatomie‘. — Ebenso unterscheidet
es sich von Urechis chilensis durch seine glatte Haut und die im
Leben dunkel purpurrote Färbung. — Die Art muß daher fortan
als Urechis novae-zealandiae (Dendy) angeführt werden.
Urechis novae-zealandiae ist bisher nur von der Küste von
Neuseeland bekannt, und zwar von New Brighton nahe Christ-
church an der Ostküste der Südinsel und von Petone nächst
Wellington an der Südküste der Nordinsel. Er ist zoogeographisch
insofern von Interesse, als durch ihn die weite Lücke, welche im
Verbreitungsgebiet dieser Gattung bestand, die bisher nur dieArten
Urechis chilensis von der Küste von Chile und Urechis unieinctus
von der Küste von Japan umfaßte, sehr wesentlich verringert wird.
Verzeichnis der zitierten Literatur.
[Benham, [W. B.]] (1904), Phylum, Annulata. (In: Index Faunae
NovaeZealandiae. Edited by F. W. Hutton. p. 276—285 [ct.
Ps EEL]:)
Borgert, A. (1899), Dendy, Arthur, Notesona remarkable col-
lection of marine animals lately found on the New
Brighton Beach, near Christchurch, New Zealand.
In: Transact. New Zealand Instit. Vol. XXX. 1897. Article
XXXVI. p. 320—326. (Zool. Centrbl. 6, 1899, p. 618—619.)
Buchanan, F. (1899), Vermes. (Zool. Rec. 35, 1898, 1899, XV.)
9, Heft
104 H. Fruhstorfer:
Dendy, A. (1898), Noteson aRemarkable Collection of MarmeAnimals
lately found on the New Brighton Beach, near Christchurch, New
Zealand. (Trans. Proc. NewZealand Inst. 1897, 30, p.320—-326.)
Pintner, T., [und] Eisig, H. (1899), Vermes. (Zool. Jahrber. 1898,
1899, Bog. e—.)
Ritter-Zähony, R. v. (1908), Gephyrea für 1895—1900. (Arch.
Natgesch., 70. Jahrg‘, 2, 83. Heft, XIV B))
— (1909), EN für 1901—1905. (Arch. Natgesch., 71.
Jahrg., 2, 3. Beil >XIVp)
Seitz, P. Hoch) Der Bau von Echiurus chilensis (Urechis n. g.
chilensis). (Zool. Jahrb., Anat., 24, p. 323—356, tab. 2931.)
Spengel, J. W. (1912 a), Beiträge zur Kenntnis der Gephyreen.
IV. Revision der Gattung Echiurus. (Zool. Jahrb., Syst., 33,
pP. 178 212, tab.)
- (1912 b), Echiuridea.. (In: Handwörterbuch der Natur-
wissenschaften. Herausgeg. von E. Korschelt, G. Linck,
F. Oltmanns, K. Schaum, H. Th. Simon, M. Verworn, E. Teich-
manh. 2, p. 1204-1211.)
Tessiner Wanderbildei
III. Der Monte Salvatore.
(Mit orthopterologischen, malacologischen
und herpetologischen Mitteilungen).
Von
H. Fruhstorier.
So kühn sich dieser berühmte Aussichtsberg — das Wahr-
zeichen und die Landmarke von Lugano vom Norden oder Osten
gesehen auch erhebt — muß er mit seinen 914 m doch nur
als ein unbedeutender Berg im Lande der europäischen Alpen-
riesen gelten. Ja, selbst verglichen mit den Gipfeln der Luganeser
Alpen seiner Umgebung, dem Monte Boglia (1525 m), dem Monte
(Greneroso (1704 m), dem Tamaro (1967 m), ja sogar seinem nächsten
Nachbar, dem pflanzenberühmten San Giorgio (1100 m) verglichen
ist er ein kleiner Wicht. Aber wenn er auch sein Haupt nicht so
kühn erhebt — er bleibt doch ein köstlicher Berg — köstlich be-
sonders als Fundstelle seltener Pflanzen und Conchylien, die hier
z. T. ihre Nordgrenze erreichen.
Am 20. Mai 1919 besuchte ich den- San Salvatore wieder,
nachdem ich ihn 1918 dreimal begangen hatte.
Gleich bei Pazzalo, wenn wir die erste Station der Drahtseil-
bahn, die an seinen Flanken hinaufführt, verlassen haben, treten
wir in dichten Buschwald ein. Dieser setzt sich fast ausschließlich
aus insubrischen Elementen zusammen; in der Hauptsache aus
Ostrya carpinifolia Scop., der Hopfenbuche, einer Charakterpflanze
des südlichen Tessin. Neben ihr läßt dann der interessante Per-
Tessiner Wanderbilder: III. Der Monte Salvatore 105
rückenbaum, Cotinus coggygria Scop., seine fahlgrünen Blätter in
der Sonne erglänzen. Wo das Strauchdickicht etwas zurücktritt
und den bemoosten Dolomitfels freiläßt, leuchten aus dem Grün
die weißen Sterne von Bellidiastrum michelli Cass. und stets da-
neben die gelben von Hieracium murorum L. Das suchende Auge
erblickt im kalkigen Gestein gelegentlich eine tote Schale von
Helix cingulata Stud., deren Gattung und Art ihre Heimat in
den Ostalpen hat, von wo aus sie längs dem südlichen Alpenrand
bis in den Tessin vorgedrungen ist und sich zur Ortsrasse luga-
nensis Stab. umbilden konnte. Ihre vertikale Verbreitungsgrenze
wurde bisher viel zu niedrig eingeschätzt, denn während EDER
(Landschnecken Tessin, Basel 1914) annimmt, daß sie kaum bis
1000 m empeorsteigt, fand ich sie noch auf 1300-1400 m zu vielen
Hunderten an überhängenden Felsen und Schrofen der dolomi-
tischen Denti della Vecchia in Gesellschaft der dort seltenen
Campylaea zonata Stud.
Bleiben wir jedoch am San Salvatore, auf dem sich höher
oben Quercus cerris L. sowie Quercus sessiliflora Salisb. mit der
Haselnuß und den beiden Cornus (mas L. und sanguinea L.) mischen,
während Quercus robur L. und Quercus pubescens Willd. zusammen-
stehen, so daß sich am Salvatore alle vier Eichen, welche die
Schweiz bewohnen, nebeneinander finden.
Reißen wir in diesem Areal Moos- oder Geranienpolster von
den feuchten Felsen, so finden wir im Humus ganz sicher die
zierliche Schnecke Pagodina pagodula Desm. Vor allem, aber in
großer Anzahl, immer 2-—-3 nebeneinander, die interessante Helix
angigyra Jan., die sich sowohl an feuchten wie auch an trocknen
Wohnorten einstellt und dadurch ihren südlichen Charakter ver-
rät. Auch sie ist analog Campylaea cingulata postglazial von Osten
gekommen und breitet sich langsam nach Norden aus und wurde
von mir neben Helix obvoluta Müll., Clausilia itala Mts. als neu
für das Tal im Val Verzasca 1918 bei Vogorno aufgefunden. Ferner
geht sie hoch ins Gebirge hinauf, am Passo Pairolo und San Ber-
nardo bis 1400 m.
Wenn wir am Salvatore ungefähr 30 oder 40 Minuten langsam
und schauend emporgestiegen sind, tritt das geschlossene Strauch-
dickicht zurück und wir gelangen auf freie grasige Abhänge, die
einen umfassenden und herrlichen Ausblick gestatten. Der See
liegt dann wie ein breiter Fluß zu unseren Füßen, eingesäumt
von malerischen und historischen Gestaden und Orten.
Die Vegetation ändert sich mit einem Schlage. Blütenpflanzen
werden zahlreicher und mit ihnen auch Insekten. Zwei Orchideen,
Listera ovata L. sowie die eine Liliaceae vortäuschende Cepha-
lantera longifolia Hudson schießen aus dem Boden und neben
ihnen läutet Polygonatum officinale L. mit seinen weißen Glocken.
Leontodon tenuiflorus Gaud. wird häufig und auf ihnen wiegen sich
einzelne Lycaena baton Bergstr. während Pararge maera L., hiera
L. und megaera L. den steinigen Pfad beleben. Von Pflanzen werden
9. Heft
106 H. Fruhstorfer:
bald Umbelliteren häufig, so die kalkstete Tyinia glauca L. und
das herrliche Laserpitium siler L. Letztere wurde von den Rö-
mern als Heilmittel so hoch geschätzt, daß sie ihre Figur auf
Münzen schlugen und den Absud der Pflanze, das ‚laser‘, als
Tribut von unterjochten Völkern einforderten und zwar gleich
nach dem Golde.
Aus Rasenbändern lugt hier und da Daphne cneorum L. her-
vor, eine zartduftende Pflanze, die auch dem großen Publikum
und den Luganesen bekannt ist und am Salvatore wohl bald aus-
gerottet sein wird. Der süße Duft der Pflanze lockt gelegentlich
Colias hyale L. 22 an und es ergibt sich ein prächtiges Bild,
wenn der bleiche weiße Falter auf den purpurnen Blüten der zier-
lichen Daphne sitzt, die sonst nur noch an wenigen Stellen des
Tessin vorkommt.
Hier traf ich auch alljährlich Argynnis euphrosyne neston
Fruhst. an, besonders 99, die sich gemächlich auf dem Grasboden
niederlassen und mit ihren halboffenen Flügeln so lange in der
Sonne spielen, bis wir uns ihnen nähern.
Am Gipfel des Berges angelangt, finden wir, daß Ositrya ihre
langen Blütenröllchen noch konserviert hat, während sie in tieferen
Lagen bereits abgefallen sind und Erica carnea L. füllt Lücken
zwischen dem Gestein aus, welche Fagus silvatıca L. freigelassen hat.
Aus fast unzugänglichen Felsritzen aber locken die weißen
Blüten des Helianthemum apenninum L. den Botaniker, die Gefahr
zu vergessen und sich auf die exponiertesten Stellen hinauszuwagen.
Vom Gipfel des Salvatore führt ein fast bequemer Pfad auf
den Südabhang des Berges — Richtung Carona — bergab.
Zuerst empfängt uns wieder ein aus Ositrya, Tilia platyphyllos Scop.
und Fagus bestehender Buschwald, der allmählich lichter wird.
Die bisherige Monotonie des Gipfelwaldes wird nun unerwartet
unterbrochen. Nicht weniger wie fünf leuchtendgelbe Blüten
tragende Sträucher streuen das Gold ihrer Blumen in das sich
entfaltende Grün: Cyiisus laburnum L., der Goldregen, Saro-
thamnus scoparius L., der Besenstrauch (unstreitig die Charakter-
pflanze des gesamten Tessin und zugleich die herrlichste Deko-
ration der felsigen Gehänge, die ihren häßlichen Namen erst im
Hochsommer verdient), Coronilla emerus L., Genista germanica L.
und Cytisus hirsutus L. Selbst über den Erdboden ist die Farbe
des kostbaren Metalles ausgegossen durch Hippocrepis comosa L.
die zu Tausenden dahinkriecht und über deren Pflänzchen der
Fuß achtlos hinwegschreitet. Mit dem blanken Gold ringt reines
Weiß um die Vorherrschaft im Frühlingsprangen. Amelanchier
ovalis Med., die Felsenmispel, Sorbus aria L., die Mehlbeere.
Vıburnum lantana L. und Viburnum opulus L., der wollige und
der gemeine Schneeball, Crataegus monogyna Jacqu. und über
allen die Zieresche Fraxinus ornus L. prunken im blauen Ather.
Die Felsköpfe aber übergießt Saponaria ocymoides L. mit rosa
Hauch, während Rhamnus saxatilis Jacqu. mit seinen unbedeuten-
Tessiner Wanderbilder: III. Der Monte Salvatore 107
den, verborgenen, grünen Blüten sich neben Juniperus verstecken.
Inmitten der goldenen und silbernen Pracht erglänzt das lasurne
Blau von Lvcaena bellargus L., die über kurzen Rasen hinweg
im unsteten Flug die dunklere Gefährtin suchen.
Dazwischen hinein musiziert die Feldgrille, und Stenobothrus
rujipes Zett. und Stenob. biguttulus L. geigen unverdrossen, ihre
Hinterbeine als Violine benutzend. Bombus italicus zieht von
Blüte zu Blume, Blattwespen naschen vom zarten Grün der
Fraxinus .ornus-Blätter, und Nemobius lucina L. spiegelt sich auf
Ostrya carpintfolia.
Im Herbst jedoch, wenn’ der Blumenflor verwelkt und nur
noch Bergastern und die zweite Generation von Polygala pedemon-
tanum Perr. und Polygala chamaebuxus L. aus dem dürren Laub
hervorlugen, erreicht gerade an dieser Stelle das Orthopterenleben
seinen Höhepunkt.
Auf mit Scabiosen und Nelken bestandenen Felsen lärmt
dann Epacromia strepens Latr., eine prächtige Art, von der jedes
Exemplar ein anderes Kleid trägt.
Epacromia strebens Latr. war aus der Schweiz in der Literatur
bisher nicht bekannt, wenngleich sie Frey-Gessner schon un-
gefähr 1870 bei Mendrisio ‚in den Weinbergen“ im südlichen
Tessin aufgefunden, jedoch mit Epacromia thalassina F. ver-
wechselt hat. Schon die Frey-(ressner’sche Angabe ‚in den Wein-
bergen‘ spricht für strebens, denn thalassina ist ein Bewohner
von Flußufern und feuchten Wiesen; auch habe ich thalassına
bisher nirgendwo im Tessin beobachtet, während ich sirepens am
Monte San Giorgio in ca. 1000 m Höhe noch am 20. November 1918
und bei Cademario in den Malcantone noch am 24. No-
vember neben dick mit Eis überdeckten Quellen und längs der
gleichfalls stellenweise vereisten Landstraße lebend antraf. Da
sie ferner Frey-Gessner als im April (wiederum als thalassına)
am Ufer des Luganersees bei Agno beobachtet hat, so ist es gewiß,
daß strepens im Tessin, wenigstens in geeigneten, günstigen Jahren,
überwintert. Sirepens ist durch ganz Südeuropa von Spanien bis
Kleinasien verbreitet und wurde durch Rudow auch aus Mecklen-
burg nachgewiesen, ein höchst interessanter nordischer Fundort.
Man hat die Rudowschen Fundorte früher gelegentlich angezweifelt,
aber die Zeit und spätere Beobachtungen ergaben immer wieder die
Richtigkeit derselben. So ist es neuerdings, 1919, Herrn Kunst-
maler REUSS geglückt, bei Rüdnitz im Kreis Oberbarnim der Mark
Brandenburg Caloptenus italicus L. zu erbeuten, eine Art, die
seit Rudow’s Angaben 1876 für die Mark bis 1908 als verschollen galt.
Neben EPacromia belebten am 18. November 1918 auch
Gomphocerus rufus L. und die häufigen Stenobothrus viridulus 1.
und biguttulus L. den kurzen Rasen.
Im Sonnenschein aber sprangen im vergilbten Buchen- und
Hasellaub und selbst im Halbschatten der Buchen- und Hasel-
sträucher Platyphyma giornae Rossi.
9, Left
108 H. Fruhstorfer:
Dieser unscheinbare meridionale Acridier mit seinen kurzen
Flügelstummeln ist dann ein wahres Charakteristikum der Land-
schaft. Sie nutzen die wenigen Tage, welche ihnen die November-
fröste noch gönnen und beleben zu Tausenden das Fallaub. Die
Tierchen sind leicht kenntlich an ihrem kurzen, aber doch heftig
ansetzenden Sprung. Das 2 trägt während des Hüpfens den be-
fruchtenden 8 mit fort. Die einzelnen Pärchen gaben ihre Copula
selbst dann nicht auf, wenn sie der Sammler (wie ich es getan)
ergreift und lebend in Zeitungspapier wickelt, um sie bequem
nach Hause zu transportieren. Auch giornae ist in ganz Süd-
europa verbreitet und man kennt ihn von Portugal bis zum Bosporus.
In der Gesellschaft der giornae finden sich im November
auch gelegentlich Thamnotrizon cinereus L., die sich durch ihre
Färbung kaum vom verdorrten und erfrorenem Laube abheben
und sich nur durch ihre Bewegungen auffällig machen.
Als große Seltenheit krabbeln prächtig hellgrüne Sattel-
schrecken über die begrasten Felsrippen, deren lautes Zirpen
sie schon weithin verrät. Es waren ?9 einer für die Schweiz und
den Tessin neuen Art, die ich am San Salvatore am 18. November
1918 aufstöberte und als Ephippigera perforata Rossi bestimmte.
Die Art war bisher nur aus den Pyrenäen, von Gavarnie, von
St. Sever in den Landes aus Frankreich, von Calabrien und Li-
gurien bekannt. Man wird sie sicher in ganz Norditalien und ver-
mutlich auch im südlichen Tirol noch finden, wenn man sie ein-
mal von der sehr nahe stehenden Ephrppigera (= vitium Serv.)
ephippiger Fieb. zu trennen versteht, mit der sie vielfach ver-
wechselt wurde.
Übrigens kommt ephippiger Fieb. auch im Tessin vor, so
bei Locarno und Bellinzona, wo ich sie in Anzahl auffand. Per-
forata aber ist ein mediterraner oder besser gesagt lombardischer
Vorposten, eine von jenen Arten, welche den südlichen Pflanzen
nachfolgen und so in der Südschweiz eindringen, wo sie alle Be-
dingungen für ihr Fortkommen finden.
Verlassen wir dieses botanisch-zoologische Dorado und gehen
wir talwärts an Lonicera, Cornus sanguinea und Weißdornhecken
vorüber. Eidechsen (Lacerta muralis) werden jetzt häufig. Lacerta
viridis enteilt in plumpen Sprüngen und die Zornnatter Zamenis
virtdoflava verbirgt sich schleunigst in großen Steinhaufen.
Tiefer unten, vor dem Dörfchen Cione, ändert sich das Land-
schaftsbild. Hohe Kastanien überschatten dort terrassenartig ab-
gestufte Wiesen. Die Flora wird trivial und setzt sich aus den
überall verbreiteten Beständen von Salbei, Pechnelken und An-
thyllis vulneraria L., dem Wundklee, zusammen. Der graue Do-
lomit verschwindet und wird von einem prächtig roten Porphyrit
ersetzt. Schmetterlinge werden häufig und auch Käfer, die sich
um keinerlei Substrate kümmern und ihrer Brunst folgen, gleich-
viel, ob ihre Nährpflanzen auf eruptivem (Porphyrit) oder sedi-
mentärem (Gestein (Dolomit) wuchern. 5-6 kleiner Cetoniden
Di nn bu
N NE NS WEN EEE SEE
Tessiner Wanderbilder: III. Der Monte Salvatore 109
bohren sich in eine einzige Blüte von Zragopogon pratensis L.
oder Chrysanthemum leucanthemum L. und der Köscher streift
aus dem Grase Hemipteren, Hymenopteren und Chrysomeliden in
bunter Fülle.
Melitaea athalia melida Fruhst. zieht hier von Blume zu
Blume. Melitaca phoebe koios Fruhst. schießt mit prall- und
flachgelegten Flügeln dahin, während Melitaea didyma_ terlona
Fruhst. ihre feurig fuchsigen Flügel sachte in der Sonne spiegelt.
Dazwischen hinein wiederum Lycaena bellargus, deren Sg gerne
zu zweien oder dreien streiten oder zusammen mit den 29 im
Wirbeltanz aufsteigen. Häufig verfolgen die $$ Exemplare von
Epinephele janira, welche sie anscheinend für ihre eigenen 99
halten, und ihnen deshalb nacheilen.
Als Seltenheit stellen sich Chrysophanus dorilis ein, jedes %
im anderen Farbenkleid, aber doch vorwiegend in der hellen,
reich goldgelben Form locarnensis Tutt.
Wandern wir noch weiter südlich. Wir kommen dann in
die Nähe des großen, allen Malern bekannten Pfarrdorfes Carona,
dessen Romantik besonders vom Monte (reneroso aus gesehen,
auf den Beschauer wirkt. Auf den trocknen Hängen verlassener
Weinberge fliegen dort schon Ende Mai einzelne Exemplare der
Südtessiner Rasse von Melanargia galathea arogna subspee. nova,
die in allen früheren lepidopterolog. Werken fehlerhafterweise als
procida Herbst. figuriert und der florina Fruhst. vom Simplon
nahesteht. Arogna bleibt jedoch kleiner als Exemplare benach-
barter Rassen, z. B. jener von Locarno und der prächtigen Form
des oberen Tessin (Faido, Airolo, Altanca, die etwa bis Biasca
im Tessintal herabgeht). Die schwarzen Flecken nehmen eine
größere Ausdehnung als bei galathea von Locarno an und demzu-
folge verringern sich die hellen Felder. Arogna nähert sich jedoch
in der Tat der galathea procida Herbst., welche vermutlich von der
- Insel Procida bei Neapel stammt. Von dort hat sie Graf Hoff-
mannsegg mitgebracht, der Entdecker von Erebia melas Herbst.,
der auch die prächtige und seltene Euchlo& tagis Esp! auffand.
. Durch REBEL wurde irrtümlicheweise der Name procida auf
Exemplare aus dem Küstenland, Dalmatien, übertragen. Da aber
procida aus Süditalien stammt, so fehlt noch ein Name für galathea
aus Görz usw., als welchen ich galathea elvira nom. nov. anführen
möchte. Mel. gal. elvira Fruhst. ist ihrerseits wieder entschieden
heller als die nächstverwandte Form tenebrosa Fruhst. aus Laibach
in Krain — bei denen die Procidinisierung am eklatantesten vor-
.geschritten ist. Weitere sehr dunkle Rassen sind galathea galinthias
Fruhst. von Neapel, calabra Verity aus Calabrien, während sciritis
Fruhst. von Rom wieder ausgedehnte gelblichweiße Felder der
Oberseite aller Flügel aufweist und sich florina Fruhst. vom Simplon
und sakaria Fruhst. von Südtirol anschließt.
Gleich außerhalb Carona nahe dem Friedhof des Dorfes und
der hochgelegenen, romanischen und kühn auf einem aus herr-
9. Heft
110 H. Fruhstorfer:
lichem roten Porphyrit bestehenden Felsen hingebauten Kirchlein
Santa Marta di Carona befindet sich an einer sumpfigen Stelle
ein ergiebiger Standort von Argynnis selene L. Auch diese
Argynnis selene gentilina Fruhst. gehört einer südlichen Rasse
an, größer, heller und mit kleineren schwarzen Punkten besetzt
als norddeutsche und nimotypische schwedische Exemplare.
A. selene gentilina Fruhst. ist namentlich den übrigen helve-
tischen selene montana Meyer-Dür gegenüber differenziert, denn
montana ist eine verdunkelte Form, die auch im Tessin am San
Bernardo vorkommt, wie sie auf mit Eriophorum bestandenem
Moore in einer Höhe von 1400 -1800 m nicht allzu selten ist. Die
Falter fliegen bei Carona ganz nahe dem Wiesenboden und be-
finden sich stets unerwartet und wie herbeigezaubert vor dem
Netz des Sammlers. Entsteigen sie doch anscheinend dem Erd-
boden, in dessen Nähe sie an Pflanzenstengeln ihre Puppenruhe
verbracht haben. Sie halten sich stets ganz nahe dem Rasen-
grunde und sind leicht zu erhaschen. Am 23. Mai 1919 erbeutete
ich in kaum einer Stunde 30 JS und etwa 2 99.
\Wenden wir uns vom selene gentilina Flugplatz nunmehr nord-
wärts, so teilen sich die Wege. Eine breite Fahrstraße führt
westlich über Carabbia nach Pazzalo-Lugano und ein steiniger
Saumpfad östlich nach Melide, einer kleinen Bahnstation am
Seeufer.
Beide bin ich wiederholt gewandert und gedenke ihrer mit
viel Vergnügen. In Carabbia mußte ich einmal etwa eine halbe
Stunde auf den Postwagen, der luganowärts fuhr, warten. Da kam
die jugendliche Postverwalterin zu mir heraus, und ich frug sie,
ob ich den Hof ihres Hauses sehen dürfe. Sie erlaubte mir gerne
die Jahrhunderte alten Säulengänge und Loggien desselben zu
betrachten. Von mir unbemerkt hatte sie in der Zwischenzeit
zwei Stühle aus ihrer Wohnung geholt und lud mich mit echt
tessiner Herzlichkeit ein, Platz zu nehmen und mit ihr zu plaudern.
Sie erzählte mir zuerst von ihrem häuslichen und ländlichen
Leben. Das Dorf besitzt Wald am Monte San Salvatore, so daß
sie Holz genug hätten und davon verkaufen könnten, daß es aber
an Pölenta und Wein fehle. Wir kamen auf die im Tessin damals
fürchterlich hausende Grippe-Epidemie zu sprechen, welche Ca-
rabbia übrigens ziemlich verschonte. Endlich auf Volksheilmittel.
Da stellte es sich dann heraus, daß die Tessiner noch ebenso aber-
gläubisch sind als die Landbevölkerung (und Städter) anderer
. südlicher (nicht auch nördlicher ?) Himmelsstriche eben auch. Um
zu verhindern, daß z. B. Katzen räudig werden, beißen die Bauern .
den jungen Tieren die Schwanzspitzen ab. Heranwachsende
Mädchen, welche die Gelbsucht bekommen, müssen eine Laus ein-
nehmen, die vom Kopfe eines jungen Mannes stammt. Man wirft
die Pediculis capıtis gewöhnlich in den Morgenkaffee, so daß die
Mädchen die Laus ohne ihr Wissen verschlucken. Das Mittel ist
ganz unfehlbar!!!
a a ut
Tessiner Wanderbilder: III. Der Monte Salvatore Kit
Dasöstliche bringt uns in der Hauptsache über dunkelrote und
stellenweise fast ganz blauschwarze Porphyritmassen und Trüm-
mer bergab. Aber er führt durch eine ungeahnte Fülle herrlicher
Vegetationsbilder, die ihren Gipfelpunkt in großen Beständen hoch-
aufgeschossener Clematis recta L. erreichen. Im Halbschatten fand
ich dann eine der herrlichsten Pflanzen des südlichen Tessin, die
grandiose Rutaceae, Dictamnus alba L., die entgegen ihrem Namen
rosa oder hell purpurn blüht und Lilium martagon an aparter
Schönheit weit übertrifft und auch noch durch ihre lederzähen,
unterseits glänzenden Blätter auffällt.
Bei Melide gelangt der Wanderer an den Luganersee, da wo die
Ponte Diga auf einen Kilometer weit die Eisenbahn von einem
zum anderen Ufer trägt. Dieser Damm, von dem aus sich eine
der herrlichsten und frappantesten Landschaften des Tessin
erschließen, sagt dem Kundigen vielerlei. Bildet er doch eines der
wertvollsten und nützlichsten Relikte der letzten Glazialzeit. Der
Damm gehört zu den jetzt noch sichtbaren Rückzugsmoränen des
einstigen Addagletschers, während eine südlichere Endmoräne, jene
welche von Morcote nach dem gegenüberliegenden Brusino-Arsizio
am Monte San Giorgio sich erstreckt, von den blauen Fluten
des Luganer Sees überdeckt wird.
An der gen Italien gerichteten Seite des Dammes hat sich
eine stille schilfreiche Bucht gebildet, zu der ich heute hinabstieg,
um Gryllus desertus Pall. (= melas Charp.) zu suchen. Desertus,
die von Frey-Gessner in den 70er Jahren des vorigen Säkulums
beobachtet wurde und im April-Mai am Rande von (rewässern
im südlichen Tessin vorkommt, fand ich allerdings nicht. Dagegen
hatte ich die Wahl unter Tausenden von Paludina (Vivipara)
byramidalis Bgt., die schönst gebänderten Stücke auszusuchen, die
früher mit der deutschen fasciata Müll. identifiziert wurde. Sie
kommt auch im Lago maggiore vor und zerfällt in den nord-
italienischen Seen nahe der Tessiner Grenze in besonders speziali-
sierte Lokalrassen, wie mir mein verehrter Freund und Gönner
Prof. Dr. Otto Stoll ausführlich berichtete. Außerdem wirft die
Breva, die sich gelegentlich zu einem Südsturm verstärkt, un-
endliche Mengen Anodonta ıdrina Spinelli und Unio vulgaris Stab.,
eine geographische Form der in Südeuropa weit verbreiteten
Unio requieni Mich. an den Strand.
Die Funde dieser Muscheln gaben den Anstoß, daß ich mich
auch für die Unioniden der kleinen Seen bei Lugano interessierte.
Als es nun an das Bestimmen des gefundenen Materials ging, stellte
sich heraus, daß bei den Conchyliologen dieselbe ägyptische
Finsternis in allen Fragen geographischer Natur herrscht, wie bei
den Lepidopterologen. Nursind die Konfusionen, welche die Conchy-
liologen anrichteten, noch weniger zu entschuldigen als die der
Lepidopterologen, weil die Muscheln (Najaden) während der
10—15 Tausend Jahre, welche seit dem Ende der Glazialzeit ver-
flossen sind, Gelegenheit hatten, sich durch ihre vollständige I[so-
9. Heft
112 H. Fruhstorfer:
lierung in hervorragender Weise umzubilden, während umgekehrt
die Insekten, denen so viele Einzugsstraßen zur Verfügung stehen,
ihre Rassen- und Artenmerkmale durch Vermischung verlieren oder
schon verloren haben.
Den Besuchern des Tessin mag vielleicht eine Tabelle inter-
essant sein, welche die Verteilung der heutigen Unioniden ver-
anschaulicht. Dabei müssen wir auch in allem, was die Insekten-
fauna des Tessin angeht, uns auf den Standpunkt stellen, daß in
entlegener Zeit die südfranzösische und oberitalienische Fauna-
zusammengehangen haben, bevor sie durch die Erhebung der West-
alpen getrennt wurden. Was wir heute Oberitalien nennen, von
dem ja der Tessin nur ein Segment vorstellt, ist geologisch ge-
sprochen junges Land, die Ausfüllung eines alten Meerbusens, der
einst den Raum zwischen Alpen und Apennin ausfüllte und durch
die Schuttmassen der Alpenflüsse allmählich verlandet wurde.
Durch diesen Verlandungsprozeß, speziell auch die Moränen der
Eiszeiten, wurden die heutigen z. T. sehr kleinen Seebecken (Lago
di Muzzano, Lago Origlio) abgeschnürt. Die großen jetzigen Seen
aber reichten damals nach Art der nordischen Fjorde tief ins
(rebirge hinein und senken sich heute noch (Garda, Lago maggiore,
Como) tief unter den Spiegel des adriatischen Meeres hinab und
lassen dadurch noch ihre Natur als einstige Fjorde erkennen.
Die südtessiner Unioniden bilden demgemäß auch nur Glieder
des südfranzösisch-norditalienischen Formenkomplexes und ver-
teilen sich in folgender Weise.
Unio reguieni veguieni Mich. Arles, Bouches du Rhöne.
Unio requieni meretrix Bgt. Arno bei Florenz, Pisa.
Unio requieni verbanicus Bgt. Lago Maggiore, Tessindelta bei
Magadino.
Unio requwieni vulgaris Stab. Lago di Lugano.
Unio reqwieni blauneri Shuttl. Lago di Muzzano.
Unio regquieni oriliensis Stab. Lago Origlio.
Interessant dürfte die Tatsache sein, daß die aus dem Muz-
zaner See (der kaum einen Kilometer vom Luganer See entfernt
liegt) stammenden Unioniden am höchsten spezialisiert sind und
weitaus auch habituell die größte Lokalrasse der Kollektivspezies
requieni vorstellen.
Damit wurde die Vielgestaltigkeit des Malayischen Archipels,
die ihren Gipfelpunkt im zoogeographischen Verhalten des Inselchen
Bawean zu Java findet, noch weit überboten.
Nach dieser Abschweifung wieder zurück ans Seeufer, das
mir noch viele Trichopteren schenkte, mit denen ich mich in den
nächsten Jahren zu befassen gedenke. Wenn wir nun die Ufer-
straße entlang folgen, so finden sich dort Kalk- und Marmor- und
Porphyritsteinbrüche, entsprechend der petrographischen Schich-
tung des San Salvatore in buntem Wechsel nebeneinander, wie
auch Föhren- und Laubholzbestände sich ablösen. Das Unterholz-
Tessiner Wanderbilder: IIT.:Der Monte Salvatore 113
beider aber ist durchsetzt von Cotinus coggygria Scop., deren Blüten
die Abhänge gelb färben. Purpurnes Geranium leuchtet aus den
Hecken. Am Straßenrand steht der Götterbaum Ailanthus ver-
wildert, bereits als unausrottbare Wucherpflanze, und Tausende
von Anthericum liliago L. der Graslilie nicken von den Felsköpfen
herab. Unzählige Laser pitiumsilerL., dieser Insektenwirtspflanze
par excellence erheben ihre weißen Schirme. Jeder dieser Blüten-
schirme dient ganzen Kolonien von Elateriden, Malachiden, Dip-
teren und Hymenopteren als nahrungspendender Aufenthalt, und
selbst die Blütenschäfte und Stengel der Pflanze sind von einer
auffallenden gestreiften Feuerwanze belebt.
Sogar auf den Straßen finden sich Spuren eines reichen Tier-
lebens, tote Vipera berus L. und Tropidonotus austriacus, die von.
vorüberfahrenden Automobilen zerquetscht wurden. Der hollän-
dische Entomologe Volkhemer erzählte mir, daß er einmal be-
obachtete, wie eine Weihe auf eine lebende Kreuzotter herabstieß
und die Schlange hoch in die Lüfte trug. Es war ein interessantes
Bild; der dunkle Vogel mit seiner Beute, die sich krümmte und
im Sonnenlicht silbern erglänzte.
Am zahlreichsten sind die Schlangen am Cap Martino, an dem
wir nun auch vorbeikommen. Die Tessiner wissen, um den
Schlangenreichtum des Ortes zu erklären, eine Schauermär zu er-
zählen. Vor hundert Jahren kam zu später Stunde noch ein
Reisender in die damalige Osteria und Herberge, der zwei große
schwere Koffer mit sich führte. Der Wirt und seine Frau ver-
muteten, daß Geld und andere Schätze in dem Gepäck enthalten
seien, und beschlossen, den Wanderer nachts zu ermorden. Sie
führten ihr Vorhaben auch aus, und als sie die Koffer öffneten,
schossen Schlangen aus den Behältern hervor, welche die Wirts-
leute bissen und dann davonkrochen. Die Mörder starben an den
erhaltenen Bißwunden, und die Schlangen vermehrten sich am
Cap Martin dermaßen, daß viele Jahrzehnte niemand mehr dort
zu wohnen vermochte.
So bietet der Salvatore jedem, der sich ihm nähert, oder der
sich für seine Geschichte und Natur interessiert, eine Fülle von
Material. Dicke Bände sind schon seit STUDER’s Zeiten über ihn
geschrieben worden, und jeder Besuch von kundiger Seite wird
noch neues ergeben.
So war es auch meinem bescheidenen Wirken vergönnt, dem
Berge Geheimnisse zu entreißen, nämlich das Vorkommen zweier
für den Tessin neuer Orthopteren (Atilopus stredens Latr. und Ephippi-
gera perforata Rossi) und das einer neuen Rasse von Argynnis selene,
der selene gentilina Fruhst.
Archiv a a neniehte 8 9. Heft
114 Adolf Schmidt:
Beitrag zur Kenntnis der Gattungen
Canthon Hfisg., Spbax Boh., Aphodius Ill.,
Simogenius Har., Ataenius Har.
Von
Adolf Schmidt, Berlin.
Mit 2 Textfiguren.
Die Gattung Canthon wurde 1817 von Hoffmanseggin Wiedem.
Zool. Mag. I, p. 38 auf Ateuchus 7-maculatus Latr. in Voy. Hum-
boldt et Bonpland, Obs. Zool. I 1811 p. 180 t. 17 f. 5 gegründet,
aber nicht scharf umgrenzt, denn er wies seiner neuen Gattung
einige Arten zu, die heute anderen Gattungen angehören.
Erst 1868 wurde die Gattung von Harold in seiner Monogra-
phie (Berliner Entom. Zeitschr. XII p. 1—144) streng und umfas-
send charakterisiert, von den ihr ähnlichen Gattungen wie Delto-
chilum Eschz., Anachalcos Hope, Megathopa Eschz., Epihssus Rei-
che unterschieden und ihr eine große Zahl neuer Arten zugefügt.
Seitdem erschienen außer einigen Neubeschreibungen. keine um-
fangreichen Beiträge zur Kenntnis dieser Gattung.
In letzter Zeit wurde mir freundlichst das zahlreiche Material
des Museums in Dahlem und Hamburg, das der Firma Bang-Haas
in Blasewitz und eine kleine Auslese aus dem Berliner Zool. Mu-
seum zur Verfügung gestellt und mir dadurch ermöglicht, in diesem
Beitrage einige Irrtümer in Harolds Monographie richtig zu stellen,
ferner die Kenntnis einiger Arten zu erweitern und einige Neube-
schreibungen geben zu können.
1. C. 7-maeulatus Latr. in Voy. Humboldt et Bonpland, Obs.
Zool. I 1911 p. 180 t. 17 £. 5. Diese Art ändert in der Farbe und
der Zeichnung so bedeutend ab, daß es notwendig ist, diese Ab-
änderungen zu charakterisieren, damit sie, als zur typischen Form
gehörend, erkannt werden können. Diese Abänderungen in der
Zeichnung erfolgen sowohl auf dem Thorax wie auf den Flügel-
decken. Die ty pische Form ist schwarz gefärbt, das Halsschild zeigt
5 gelbliche Makeln, 3 an der Basis und je 1 in den Vorderwinkeln,
die Flügeldecken sind hell- bis dunkelbraun, wohl auch schwarz,
das Pygidium hat 2 helle Makeln, die Unterseite ist einfarbig
dunkel.
var. histrio Serv., Encyel. meth. X 1825 p. 352.
fasciatus Mannh., Nouv. Mem. Moscou I 1829 p. 37 t. 2£.1.
coronatus Perty, Delect. anim. 1830—34, p. 37.8.1.
Das Halsschild ist gelbbraun oder rötlichgelb, an allen Rändern
schmal dunkel gesäumt, in der Mit’e der Scheibe mit querer, an der
Seite mit kleiner, rundlicher schwarzer Makel, die Flügeldecken sind
bräunlich, an der Basis, auf dem Nahtstreifen und an der Spitze
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 115
schwarz, die Epipleuren sind von derselben Farbe, das Abdomen
ist entweder ganz schwarz oder an den Seiten gelbrot mit ebensol-
cher Makel an der Basis oder ganz gelbrot mit Ausnahme des letz-
ten Segments, das Pygidium ist immer gelbrot.
Die schwarze Einfassung der Flügeldecken ändert in der Breite
sehr ab, besonders die an der Spitze, sie verbreitert sich oft fast
bis zur Mitte, es bleibt dann nur eine quere Makel von der Grund-
farbe auf der vorderen Hälfte der Flügeldecken übrig. Die dunkle
Färbung verlängert sich zuweilen seitlich, im 6. und 7. Zwischenraum
ungefähr, von der Spitze nach vorn und erreicht die schwarze
Basalfärbung, es entstehen dann auf jeder Flügeldecke 2 rötliche
Makeln, eine rundliche, etwas vor der Mitte gelegene und eine
schmallängliche neben dem Seitenrande unter der Schulter. Die
vor der Mitte liegende Makel ist bei manchen Exemplaren nur
klein und schwach angedeutet. Diese Form bildet den Übergang
zu der folgenden Varietät.
var. maculipennis n. var.
Bei dieser Varietät ist das Halsschild wie bei var. histrio ge-
zeichnet. Es hat gleichfalls die Ränder dunkel gesäumt,
auf der Scheibe eine quere, seitlich davon je eine kleine rundliche,
dunkle Makel, Pygidium und Abdomen ohne letztes Segment sind
rötlichgelb, die Flügeldecken sind ganz dunkel, nur an den Seiten,
unter der Schulter befindet sich ein schmaler, länglicher heller
Fleck.
var. linearis n. var.
Diese Varietät fällt durch die eigentümliche Zeichnung der
Flügeldecken auf. Der Thorax ist mit einer dunklen Querbinde ge-
schmückt, die sich mit der Seitenmakel vereinigt, der Vorderrand
ist schmal, der Hinterrand etwas breiter dunkel gesäumt. Dieser
letztere Saum erweitert sich in geringer Entfernung von den Hin-
terwinkeln makelartig nach vorn. Die Flügeldecken sind wie bei
var. histrio, nämlich an der Basis, vor der Spitze und im 1. Zwi-
schenraum dunkel gefärbt, außerdem ist aber noch der 3., 5. 6. und
7. Zwischenraum mit je einer dunklen Längsmakel versehen, die
wohl die dunkle Spitzenfärbung, aber nicht die der Basis erreichen.
Das mir für die Beschreibung vorliegende Exemplar befindet
sich im Berliner Zool. Museum. Ein Exemplar in meiner Sammlung
zeigt nur eine dunkle Längsmakel im 5. Zwischenraume, die bis
an den dunklen Spitzenrand reicht, im 6. und 7. Zwischenraum
je eine kürzere, nur schwach angedeutete Längsmakel.
var. maeulieollis n. var.
Wie bei var. histrio sich die dunkle Färbung auf den Flügel-
decken ausdehnt, so tritt die Erscheinung bei var. maculicollis an
der dunklen Quermakel des Halsschildes auf. Es lassen sich dabei
4 Formen feststellen. In der 1. Form sehen wir, wie sich die Quer-
makel in ihrer Mitte mit dem dunklen Vorderrande und an den
Seiten mit dem dunklen Basalrande vereinigt. Die kleine rund-
liche Seitenmakel bleibt unverbunden. Es sind also der breite
g# 9. Heft
116 Adolf Schmidt:
Seitenrand und eine quere geschlossene, schmale Makel vor der
Basis in der hellen Grundfarbe übrig. Bei der 2. Form ist die helle
Makel vor der Basis verschwunden, es sind also nur die Seiten
und der seitliche Vorderrand des Halsschildes hell. Bei der 3.
Form erbreitert sich die dunkle Makel nach den Seiten zu aus
und verbindet sich mit der dunklen Seitenmakel, es bleibt nur
eine schmale Makel hinter den Vorderwinkeln und eine ebensolche
vor den Hinterwinkeln in der hellen Grundfarbe übrig. Letztere
reicht zuweilen weiter um die Hinterwinkel herum und endet am
3. Streifen der Flügeldecken. Die Exemplare der 3. Form zeigen
in der Zeichnung des Halsschildes große Ähnlichkeit mit den ty-
pischen Stücken von C. montlifer Blanch., die in den Hinterwinkeln
an der Basis je eine helle längliche Makel zeigen. Beide unterschei-
den sich aber dadurch, daß die Flügeldecken bei monilifer einen
kürzeren oder längeren erhabenen Schulterstreifen haben, der bei
7-maculatus fehlt. In der 4. Form ist der ganze Thorax dunkel
bis auf eine kleine helle Makel] in den Vorderwinkeln. - Die :Flügel-
decken sind bei var. maculicollis in allen 4 Formen einfarbig schwarz
oder dunkelbraun, selten mit einer kleinen hellen Makel unter der
Schulter. Der Bauch ist mit Ausnahme des letzten Segments hell,
ebenso das Pygidium, nur bei der 3. und 4. Form sind Abdomen
und Pygidium dunkel, ersteres aber an den Seiten, letzteres an
der Basis heller.
var. niger n. var.
Die ganze Ober- und Unterseite ist schwarz, nur das Alien
an den Rändern ist schmal hell gesäumt.
Harold schreibt in seiner Monographie p. 53, daß die Ge-
schlechtsunterschiede bei C. triangularıs Drury und 7-maculatus
Latr. dieselben seien, und zwar zeichnen sich nach seiner Meinung
die Männchen durch etwas längeres Pygidium und minder kugelig
gewölbten Bauch aus. Das Pygidium ist bei 7-maculatus bei den
einzelnen Exemplaren verschieden geformt, doch läßt dies durch-
aus keinen sichern Schluß auf das Geschlecht zu, denn bei den
Weibchen ist es bald schmaler, bald breiter. Das einzig sichere
Merkmal der Geschlechtsdifferenz ist der gespaltene Enddorn der
Vordertibien beim Männchen.
Bei friangularis ist in beiden Geschlechtern der Enddorn gleich,
das Pygidium beim Männchen ist länger und an der Spitze deut-
lich abgerundet.
C. 7-maculatus Latr. findet sich mit seinen Varietäten in Peru,
Columbien, Bolivien, Panama, Amazonas, Cayenne, Brasilien, Su-
rinam, Paraguay, Bahia.
2. C. 5-maeulatus Cast., Hist. Nat. Col. II 1840 p. 69;
C. sanguinicollis Guer. in Verh. zool.-bot. Ver. Wien V 1855 p. 586;
C. cyanopterus Redt., Reise Novara, Col. 1867 p. 58, t. 2£. 9.
Diese Art ist nach der Beschreibung von Castelnau an den 5
quergestellten schwarzen Makeln auf dem Halsschilde und der
rötlichen Makel auf den Flügeldecken kenntlich. Die Grundfarbe
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 117
der letzteren ist bald hell-, bald dunkelbraun, die Basis, Naht und
Spitze schwarz, zuweilen sind die Flügeldecken ganz schwarz, dann
ist auch das Pygidium dunkel. Der Kopf ist gewöhnlich schwarz
oder grünlichschwarz, auch bei hell gefärbten Stücken, seltener ist
derselbe gelbbraun und nur am Rande geschwärzt. Das Kopf-
schild zeigt immer 4 scharfe Zähne, von denen die mittelsten
wenig länger, aber stets an der Basis schmäler sind. Von den 5
Punkten des Halsschildes sind die 3 mittleren meistens größer,
zuweilen verlängert sich der mittelste nach hinten und verbindet
sich mit der dunklen Basis, oder aber er verlängert sich bis an den
dunklen Vorder- und Hinterrand sowie strichförmig mit den beiden
seitlich von ihm liegenden Punkten, es entsteht dann eine kreuz-
förmige Zeichnung.
var. eineticollis H. Lucas in Voy. Castelnau, Col. 1857 p. 99.
Die 3 mittleren Punkte des Halsschildes verbinden sich nicht
strichförmig untereinander, sondern in ihrer ganzen Breite, es
entsteht dadurch eine Quermakel, wie sie var. histrio Serv. (7-ma-
culatus Latr.) zeigt. Var. cincticollis entspricht Harolds var. b
in seiner Monographie p. 36.
var. pauper n. var.
Bei dieser Varietät verschwinden die Makeln des Halsschildes
teilweise. Es bleiben entweder nur 3 übrig, eine in der Mitte
und je eine an der Seite, oder nur 2, nämlich die beiden seitlichen.
Die vorher genannten Verbindungen der Makeln zeigten sich
immer symmetrisch, es kommen aber auch Stücke mit anormaler
Bildung vor. So besitze ich ein Stück, welches über dem 4. Punkte,
von links gezählt, noch einen Punkt hat. Das Halsschild hat dem-
nach 6 Punkte. Ein anderes Exemplar zeigt auf der linken Flügel-
decke neben dem Seitenrande eine große schwarze Makel.
Die Männchen von 3-maculatus sind an dem zweispitzigen End-
dorn der Vorder- und den stark gebogenen Hintertibien kenntlich.
Die Art findet sich in Peru, Bolivien, Paraguay, Brasilien.
3. Canthon mutabilis H. Lucas in Voy. Castelnau, C01.1857 p.100.
Nach der Beschreibung sind die F lügeldecken gelbrot, sie haben
in der Mitte eine unregelmäßige schwarze Querbinde, die zuweilen
die Naht erreicht. Letztere ist hinten schwarz wie der Rand der
Flügeldecken, die Querbinde kann bis auf einen unregelmäßigen
Ouerfleck verschwinden.
Als typische müssen also alle die Stücke gelten, die auf den
Flügeldecken entweder eine ganze oder abgekürzte Querbinde ha-
ben., Die Varietät b, die Harold in seiner Monographie p. 127 er-
wähnt, kann als solche nicht gelten, sie gehört zur Stammform.
Wohl aber hat seine Varietät a Berechtigung, der ich folgenden
Namen gebe:
var. transversalis n. var.
Die Flügeldecken sind gelbrot, der Zwischenraum an der N aht
und 2 Querbinden sind schwarz, die erste derselben ist in der Mitte
gelegen, sie ist gezackt, mehr oder weniger breit, vom Seitenrande
9. Heft
118 Adolf Schmidt:
bis zur Naht reichend, die 2. Querbinde ist schmaler, mehr ge-
rade, sie säumt den Spitzenrand und erreicht auch die Naht, aber
nicht den Seitenrand.
var. basalis n. var.
Die Flügeldecken sind von derselben Farbe, die beiden Quer-
binden aber haben sich vereinigt, so daß der größte Teil der Flügel-
decken schwarz ist, nur die Basis oder Basis und eine quere Makel
vor der Spitze, und zuweilen die Basis und der Seitenrand erschei-
nen in der hellen Grundfarbe. (Harolds Monographie p. 127 var.
c und d).
var. variomaeulatus n. var.
Bei dieser Varietät bleiben auf den schwarzen Flügeldecken
nur einige Makeln in der hellen Grundfarbe sichtbar. Eine dersel-
ben liegt am Seitenrande unter der Schulter, eine zweite mehr
nach innen im 4. Zwischenraume, die dritte da, wo Seiten- und
Spitzenrand zusammenstoßen, die vierte vor dem Spitzenrande im
dritten und vierten Zwischenraume. Die Makeln können aber
auch bis auf die dritte verschwinden. (Harolds var. e. in seiner
Monographie p. 127).
var. nigrinus n. var.
Die Flügeldecken sind vollständig schwarz.
var. signatus n. var.
Diese Abänderung erwähnt Harold in seiner Monographie p.
127 als var. f., ohne sie zu benennen. Er beschreibt sie folgender-
maßen: #
Kopf und Halsschild heller grün, die Flügeldecken sind rot-
gelb, mit einer länglichen, grünen Scheibenmakel und zuweilen grü-
ner Naht.
Die Männchen von C. mutabilis haben breiten, stumpfabge-
rundeten Enddorn an den Vordertibien und längeres Pygidium.
Als Vaterland dieser Art führt Harold an: Columbien, Cayenne,
Amazonas bis Corrientes. Ich habe außerdem Exemplare aus Peru,
Venezuela, Paraguay, P. Allegre, R. G. do Sul, San Paulo.
4. C. fulgidus Redt. in Reise Novara, Col. 1867 p. 51 und C.
speculifer Cast., Hist. Nat. Col. II 1840 p. 68.
Bei der Beschreibung von €. speculifer Cast. erwähnt Harold
in seiner Monographie. p. 71, daß sich von dieser Art eine sehr
schöne kupfrigrote Varietät im Berliner Museum befinde. Diese
Stücke haben wohl eine sehr große Ähnlichkeit mit speculfer,
sind aber eine cigene Art, die unter obigem Namen von Redten-
bacher beschrieben wurde. Die Hauptunterschiede beider Arten
sind folgende:
Speculifer ist stahlblau, hell- oder dunkelgrün gefärbt, ful-
gidus schön kupfrigrot, Ober- und Unterseite sind bei speculifer
fast gleichfarbig, bei fulgidus ist die Unterseite dunkel, nur die
Hinterbrust goldglänzend, das Metasternum ist bei speculifer
vorn bucklig gewölbt, bei fulgidus dagegen. gleichmäßig gebogen,
Mittel- und Hinterschenkel, sowie die Tibien bei speculifer sind -
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh,, usw, 119
glänzend, bei fulgidus sind jedoch die Mittel- und Hinterschenke]
in der untern Hälfte und die Hintertibien auf allen Seiten matt,
Die Geschlechtsunterschiede sind in beiden Arten dieselben.
Die Männchen haben an den Vordertibien einen spatelförmigen,
kurzen Enddorn, der an der Außenseite eine kleine Spitze zeigt
und an der Innenseite der Tibie neben dem Vorderrande eine
plötzliche Verdickung. Bei fulgidus ist dieselbe etwas schwächer,
man kann über derselben noch eine schwächere, zweite Anschwel-
lung wahrnehmen.
Der Enddorn des Weibchens ist bei beiden Arten tief gespalten.
5. €. pilluliformis Blanch. in Voy. d’Orb. VI, 2 Insekten 1837—43
p. 166 und C. lituratus Germ., Mag. Ent. I, 1 1813 p. 117.
Harold spricht in seiner Monographie p. 140 die Vermutung
aus, dass Pilluliformis vielleicht auf seinen C. seminulum p. 14
und 84 zu be,iehen wäre. Die Beschreibung von Blanchard ist
vollständig nichtssagend, sie enthält nur Angaben, die sich auch
auf andere Arten deuten lassen. Die folgenden Angaben über
pilluliformis: ‚„‚Clipeus 2-zähnig, Kopf sehr fein, Thorax fein punk-
tiert, mit Längslinie‘‘ mögen Harold zu obiger Deutung veranlaßt
haben, aber die Bemerkung bei Blanchard: Seitenrand des Hals-
schildes ‚un peu anguleux,‘ sowie Thorax fein punktiert ‚dans
toute son &tendue‘“ passen durchaus nicht auf seminulum, denn
bei dieser Art ist das Halsschild nur seitlich fein und zerstreut
punktiert, auch ist der Seitenrand gerundet. Eine andere
Deutung über pilluliformis ergibt sich für mich aus der Be-
schreibung Burmeisters in Stett.. Ent. Zeit. XXXIV 1873
p. 414 von dieser Art. Er sagt dort: Mitteltibien mit schiefer,
über die Außenfläche gezogener, stachliger Kante. Dies ist aber
ein Merkmal, welches bisher nur C. lituratus Germ. zukommt.
Ich halte deshalb Iituratus und pilluliformis für ein und dieselbe
Art. Darin bestärkt mich auch das, was beide Autoren über die
Punktierung sagen. Nach Burmeister ist das Halsschild stark,
nach Blanchard fein punktiert, beide Angaben treffen für hituratus
zu, auch zeigt letzterer eine schwache Längsfurche auf dem Hals-
schilde. Es besteht nun freilich noch ein Unterschied in der An-
gabe über die Bezahnung des Kopfschildes. Germar nennt den
Clipeus 4-, Blanchard nur 2-zähnig, ebenso auch Burmeister, fügt
aber hinzu, daß sich daneben noch stumpfe Kanten befinden.
Da diese Nebenzähne bald deutlicher, bald schwächer sich zeigen,
so kann der Clipeus recht gut als 4- oder 2-zähnig bezeichnet wer-
den. Da Blanchard seine Art als ‚omnino obscure cyaneum“
beschreibt, so kann der Pilluliformis nur auf die dunkle Varietät
von lituratus bezogen werden, die Mannerheim in Nouv. Mem,
Mosc. I 1829 p. 38 als Ateuchus chlorophanus beschreibt.
Von C. lhituratus Germ. führt Harold in seiner Monographie
p. 95 sechs Varietäten an, von denen er nur drei benennt. Seine
Varietät a kann als solche nicht gelten, er beschreibt sie folgender-
9. Heft
120 Adolf Sehwmidt:
maßen: ‚Die Flügeldecken zeigen eine rötliche Makel, die auf der
linken Decke wie eine 6 geformt ist.‘“ Diese Angabe entspricht
ganz der Beschreibung, die Germar von hturatus gibt.
var. bifaseiatus n. var.
Die Flügeldecken haben zwei dunkle Querbinden, die vordere _
in der Mitte liegende, ist breiter, die hintere vor der Spitze kürzer,
beide sind in der Nahtgegend entweder miteinander verbunden
oder nicht (Var. b Monographie p. 95).
var. quadripustulatus Guer. in Verh. z00l.-bot. Ver. Wien V 1855
p. 587; Bates, Biol. Centr.-Amer. II 2 1887 p. 33 t. 2 f. 12.
Die Flügeldecken haben unter der Schulter und am Ende
des Seitenrandes eine gelbrotv Makel (Varietät c in Monographie
Pp- 9). |
var. apiealis H. Luc. in Vov. Castelnau, Col. 1857 p. 100; Har., Col.
Hefte V 1869 p. 57.
Die Flügeldecken sind dunkel, nur die Spitze BER (Varie-
tät d in Monographie p. 95).
var. solutus n. var.
Die rötlichen Flügeldecken zeigen die Schulterbeule und eine
zusammenhängende oder in einzelne Längsflecke aufgelöste Quer-
binde dunkel (Varietät e in Monographie p. 95).
var. chlorophanus Mannh. in Nouv. Mem. Mosc. I 1829 p. 38:
Der Kopf ist kupfrigrot oder grün wie das Halsschild, die
Flügeldecken sind schwärzlich oder grünlich (Varietät f in Mono-
graphie p. 95).
Die Männchen von C. hturatus haben längeres, schmales Py-
gidium, bei den Weibchen ist es breiter und kürzer. Die Art lebt
in Columbien, Panama, Amazonas, Brasilien, Paraguay, Nord-
argentinien. Es ergibt sich für dieselbe folgende Aufstellung:
Ateuchus literatus Germ., Mag. Ent. I 1 1813 p. 117.
Canthon pilluliformis Blanch. in Voy. d’Orb., Col. 1837—43
p- 166.
var. ‚Iteuchus Sn Mannh. in Nouv. Mem. Mose.
1,4829, p.
var. Canthon re Guer. in Verh. zool. ‚Patam, Ver.
Wien V 1855 p. 587.
var. Canthon apicalıs H. Lucas in Voy. Castelnau, Edi: 1857
p-. 100;
var. Canthon bifasciatus n. var.
var. Canthon solutus n. var.
6. C. depressipennis ]J. Lec., Col. of Kansas 1859 p. 11 und
ebeneus Say in Journ. Acad. Nat. Sc. Philad. III, 1823 p. 208.
Diese beiden Arten sind nach der Beschreibung schwer zu
erkennen, es ist nur möglich, wenn wan beide nebeneinander
halten kann. Deshalb ist es auch erklärlich, daß Harold die Arten
verwechseln konnte. Die Art, die er in seiner Monographie p. 65
als ebeneus beschreibt, ist depr OSSEPERMIS,
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 121
Beide Arten sind schwarz, wenig glänzend, der Kopf ist
6-zähnig, ebeneus ist viel stärker granuliert auf Thorax und Flügel-
decken, die seitlichen Streifen auf den Flügeldecken scheinen tiefer
eingedrückt als wie auf dem Rücken, bei depressipennis sind sie
gleichmäßig flach, die Seitenrandung des Halsschildes r.icht hier
bis um die Hinterwinkel herum, bei ebencus nur bis an dieselben,
ebenso fehlt dieser Art der Rand in der Mitte der Basis, wie ihn
depressipennis zeigt. Die Schenkel sind bei ebeneus stärker punk-
tiert und gröber behaart als wie bei depressipennis.
Beide Arten sind bisher nur aus Nordamerika bekannt.
7. C.laevis Drury, Illustr. Exot. Ins. I, 1770 p. 79. = pilulariusL.
var. viridescens G. Horn in Trans. Amer. Ent. Soc. III 1870 p. 47.
Oberseite hell.rün oder kupfrig gefärbt, die Skulptur der Ober-
seite ist wie bei der Stammform.
Degeer führt Mem. Hist. Ins. IV 1774 p. 311 bei der Beschrei-
bung von Scar. pilularius L. als syn. laevis Drury an, Harold da-
gegen in seinem Cat. Col. TV 1869 p. 991 macht laevis zur Art und
stellt pilularius als syn. Beide Autoren also, ebenso auch Olivier
in Entom. I 3 1789 p. 160, halten beide Arten für übereinstim-
mend. Da nun Pilularius der ältere Name ist, muß auch die Art
nach ihm genannt werden.
Es ergibt sich also folgende Aufstellung:
Scar. pilularius L., Syst. Nat. cd. X 1758 p. 349.
Scar. hudsonias Forst., Nov. spec. Ins. 1771 p. 3.
Scar. laevis Drury, Illustr. Exot. Ins. I 1770 p. 79 t. 35
f. 7, index 1773:
Scar. volvens F., Ent. Syst. I 1792 p. 66.
Copiob. obtusidens Ziegler in Proc. Acad. Philad. II 1844 p. 45.
var. Canthon viridescens G. Ho:n in Tıans. Amer. Ent.
5.€. HF 1870947.
8. C. humeetus Say, New spec. N. Amer. Ins. 1832 p. 4. _
Im Col. Cat. Schenkling pars 38 p. 30 sind bei humectus 3
Varietäten genannt, nämlich: amethystinus Har., gagatinus Har.
und ındigaceus J. Lec. Das ist aber ein Irrtum, denn Har. führt
zu seiner Art gagatinus Monogr. p. 102 amethystinus als Varietät
an. In Col. Heften V 1869 p. 57 sagt er, daß gagatinus = humectus
Say ist. Bates stellt im Suppl. zu seiner Biol. p. 386 fest, daß
amethystinus = indigaceus ist.
C. humectus Say ist schwarz, schwach glänzend, mit sehr ver-
- änderlicher Skulptur. Die Oberfläche ist entweder nur fein chagri-
niert oder auf chagriniertem Grunde mit kleinen glänzenden, glatten
Pünktchen oder auch kleinen glänzenden, flachen Erhöhungen be-
deckt, die aber auf dem Halsschilde weniger bemerkbar sind. Bates
beschreibt nun in der Biol. einen C. hidalgoensis, den: er mit laevrs
vergleicht und von dem er sagt: ‚„Granulis minutissimis, haud
elevatis densissime conspersus. — The granles on thorax are
reduced to minute shining specks without elevation, the interstices
between which are finely alutaceus. Rare examples with the gra-
9, Heft
122 Adolf Schmidt:
nules on the elytra more elevated.““ Da diese Angaben über die
Skulptur sehr gut auf humectus anwendbar sind, da ferner die
Stücke, die als hidalgoensis sich im Museum zu Dahlem und Berlin
befinden, die humectus charakterisierende Beborstung der Hinter-
schenkel zeigen, so glaube ich nicht fehl zu gehen, wenn ich hidal-
goensis als syn. mit humectus halte. Es ergibt sich hieraus folgende
Aufstellung:
Ateuchus humectus Say, New spec. N. Amer. Ins. 1832 p. 4.
Canthon gagatinus Har. in Ann. Soc. Ent. France (4) III
1863 .p. 173.
Canthon hidalgoensis Bates, Biol. Centr.-Amer. Col. II 2 1887
582
var. Canthon amethystinus Har. in Ann. Soc. Ent. France (4)
III, 1863 p. 173.
Canthon indigaceus J. Lec. in Proc. Acad. Phi’ad. 1866 p. 380.
9. C. triangularis Drury, Illustr. Exot. Ins. I 1770 p. 82 t.
36 f. 7 et index 1773.
Dieser Canthon gehört zu den Arten mit erhabenem Schulter-
streifen. Er ist an den etwas verflachten Seiten des Halsschildes
leicht kenntlich. Letzteres ist gelblichrot gefärbt, mit dunkler
Makel in der Mitte, deren Spitze nach dem Schildchen gerichtet
ist und den Basalrand erreicht. Diese Makel ist in der Größe und
in der Form sehr verschieden, sie kann sich auch zu einem schmalen
Längsstrich vermindern, erreicht aber auch dann die Basis. Die
hellen Seiten zeigen meistens in der Mitte einen kleinen dunklen
Punkt. Die Flügeldecken sind dunkelbraun, Unterseite und Beine
sind meistens gelbrot, nur der Hinterleib zuweilen in der Mitte
dunkler.
var. 6-punctatus Oliv., Entom. I 3 1789 p. 166.
Das Halsschild und die Flügeldecken von derselben Färbung
wie die Stammform, ersteres zeigt 6 dunkle Punkte, vier davon,
meist etwas größere, stehen in der Mitte, die Eckpunkte eines Qua-
drats markierend, je ein kleiner befindet sich in der Mitte der
Seiten. Dies ist die normale Zeichnung des Halsschildes, sie variiert
in verschiedener Weise. Es können z. B. die beiden Seitenpunkte
verschwinden und nur die vier mittleren übrigbleiben, von diesen
sind zuweilen die beiden hinteren nur schattenhaft angedeutet,
oder auch ganz verschwunden. Es können sich aber auch die
vier mittleren Punkte verbinden und zwar so, daß sich der vordere
mit dem hinteren verbindet, oder die vier mittleren fließen in »
eine gemeinsame Makel zusammen, bei letzterer Verbindung fehlt
gewöhnlich die Seitenmakel. Diese Stücke unterscheiden sich von
der Stammform insofern, daß der Mittelpunkt gesondert steht
und weder mit dem Vorder- noch Hinterrande in Verbindung ist,
var. caliginosus n. var.
Bei dieser Varietät ist der dunkle Mittelf eck so ausgebreitet,
daß nur die Seiten, ein Stück des Vorder- und Basalrandes die
helle Grundfarbe zeigen, zuweilen verbreitert sich der dunkle Mittel-
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hifsg., Sybax Boh., usw, 123
fleck über das ganze Halsschild. Bei dieser Form ist auch das
Pygidium und die Unterseite dunkel. Die Form von caliginosus,
die nur Seitenrand und zum Teil den Vorder- und Hinterrand hell
zeigt, kann leicht mit der 3. Form der var. maculicollis von 7-macu-
latus Latr. verwechselt werden. Doch zeigt caliginosus einen deut-
lich erhabenen Schulterstreifen, der macukcollis fehlt, ferner ist
der Seitenrand bei caliginosus mehr winklig gebogen und die
Seiten neben dem Rande sind verflacht, mehr wagerecht stehend,
während die Wölbung bei maculicollis fast gleichmäßig herabge-
bogen bis zum Seitenrande verläuft.
var. flavipellis Voet, Cat. syst. Coleopt. I 1769—1804 p. 47 t.
28 f. 48.
Halsschild, Pygidium und Unterseite rotgelb, Thorax ganz
einfarbig, ohne dunkle Punkte oder Makeln. C. triangularis findet
sich mit den Varietäten in Columbien, Amazonas, Surinam, Cav-
enne. Für diese Art gilt folgende Aufstellung:
Scarab. triangularıs Drury, Illustr. Exot. Ins. I 1770 p. 82 t. 36
fig. 7 et. Il 1773 index.
Copris maculosus (Paramarıbous maculosus) Voet, Cat. syst.
Coleopt. I 1769—1804 t. 28 f. 44.
Copris dorsopurcus (Paramarıbous dorsopureus) Voet, Cat. syst.
Coleopt. I 1769—1804 t. 28 f. 46.
Copris versipellis (Paramaribous versipellis) Voet, Cat. syst.
Coleopt. I 1769—1804 t. 28 f. 47.
Scaryab. paramaribous Herbst, Käfer II 1789 p. 299 t. 19 £. 6.
var. flavipellis (Paramaribous flavipellis) Voet, Cat. svst. Co-
leopt. I 1769—1804 t. 28 f. 48.
dorsoviridis (Paramaribous dorsoviridis) Voet, Cat. syst.
Coleopt. I 1769—1804 t. 28 f. 45.
Hlavicollis (Canthon) Harold in Berl. Ent. Zeitschr. XII 1868
p- 47.
var. sexpunctatus (Scarabaeus) Oliv., Entom. I 3 1789 p. 166
Era 50:
var. caliginosus n. var.
10. C. Sallei Har.
Diese Art wurde von Harold in Ann. Soc. France 1863 p. 174
folgendermaßen beschrieben: Kopf, Vorder- und Hinterrand und
kleine Seitenmakel des rotgelben Halsschildes, Basis, Naht und
Spitzenrand der rötlichbraunen Flügeldecken dunkelgrün oder auch
schwarz, Pygidium rötlichgelb, ebenso das Abdomen, nur letztes
Segment, Schenkel und Hinterbrust schwarz, Tibien und Tarsen
rotbraun.
Als Fundort gibt Harold Granada an. In der Sammlung des
Hamburger Museums befindet sich ein Stück aus Honduras.
In seiner Monographie in der Berliner Entom. Zeitschr. XII
1868 p. 39 führt Har. diese Art wieder auf. Er beschreibt hier aber
nicht die-typische Form, sondern eine Varietät — die ich gutti-
collis nenne —, die er nun willkürlich zur Stammform erhebt.
9. Heft
124 Adolf Sehmidt:
var. triangulatus n. var.
Färbung wie vorher, nur das Halsschild ist durch einen drei-
eckigen Fleck ausgezeichnet, dessen Spitze nach der Basis gerich-
tet ist und der sich nieht mit der kleinen Seitenmakel verbindet.
Zuweilen ist aber dieser dreieckige Fleck bis auf eine schmale Längs-
makel verschwunden. Die Unterseite ist dunke), zuweilen auch
das Abdomen an den Seiten heller, oder die Mittel- und Hinter-
schenkel in der Mitte rötlich, das Pygidium ist hell oder mit grüner
Längsmake!.
Costa Rica, Columbien, Honduras:
var. guttieollis n. var.
Ober- und Unterseite einfarbig schwärzlich acer grünlich-
schwarz, Thorax mit vier hellen Makeln, von denen je eine
in jeder Ecke liegt, die beiden in den Vorderwinkeln liegenden
sind rundlich, die in den-Hinterwinkeln gewöhnlich größer, läng-
lich, parallel mit der Basis, diese beiden Makeln sind oft geteilt,
so daß das Halsschild deren sechs zeigt. Oft sind auch die Makeln
kleiner, undeutlicher, es können auch die beiden hinteren oder die
beiden vorderen verschwinden, es bleiben dann nur 2 Makeln übrig,
seltener fehlen dieselben ganz. Das Pygidium ist bei dieser Variec-
tät meistens dunkel, selten hellrot mit dunkler Längsmakel, zu-
weilen sind auch die Mittel- und Hinterse henkel in der Mitte rot.
Columbien.
Harold gibt in seiner Monographie p. 41 für C. Salleı folgende
Fundorte an: Columbien, Nova Valencia, Veragua, St. Martha,
Nicaragua, Bogota.
11. Im Col. Cat. Schenkling pars 38 p. 27—-34 sind folgende
Namen zu streichen:
1. C. fractipes Har. in Berl.*Ent. Zeitschr. XII 1868 p. 101, weil
er synonym ist mit C. plieatipennis Blanch. in Voy. d’Orbigny
Col. 1843 p. 164 nach Harold, Col. Hefte V 1869 p. 57.
2. Die Varietäten gagatinus Har. in Ann. Soc. Ent. France (4)
III 1863 p. 173 und indigaceus J. Lec. in Proc. Acad. Philad.
1866 p. 380. (Siehe vorhergehende Bernerkune ae über :C. hu-
mectus Say).
3. C. hidalgoensis Bates, Biol. Centr.-Amer. Col. U 9 1887 p. 3
Diese Art ist =humeetus Say. (Wurde weiter oben begründet).
4. C.nitidiecollis H. Luc.'in Voy. Castelnau, Col. 1857 p. 98, weil diese
Art mit C. Iuteieollis Erichs., Archiv Naturgesch. XIII 1:1847
p. 105 übereinstimmt.
5. C. opaeus Boh. in Eugenies Resa 1858 p. 40 und C: tristis Har.
in Berl. Ent. Zeitschr. VI 1862 p. 403. Harold führte den Namen
tristis für opacus Luc. (nec Boh.) ein in der Meinung, daß’ Lucas
seine Art 1859 beschrieben habe, während opacus Boh. schon
1858 bekannt wurde. Lucas hat aber seinen odacus 1857 be-
schrieben, deshalb muß dieser Name als der ältere bleiben, Für
opacus Boh. führe ich den Namen velutinus Har. ein. (Berl. Ent.
Zeitschr. XII 1868 p. 15 und 107). ?.
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 125
6: C. pilluliformis Blanch. in Voy. d’Orbigny Col. 1843 p. 166:
Diese Art ist = lituratus Germ., Mag. Ent. I 1 1813 p. 117. (Siehe
weiter vorn).
7: C. prasinus Har., Col. Hefte I 1867 p. 78, weil diese Art nach
Har. in Berl. Ent. Zeitschr. XII 1868 p. 78 = suleatus Cast. ist.
(Hist. Nat. Col. II 1840 p. 69).
8. C. raripilus Bates, Biol. Centr.-Amer. Col. II 2.1887 p. 30, weil
diese Art = juveneus Har. ist. (Berl. Ent. Zeitschr. XII 1868
47th)
Bei % Beschreibung von raripilus erwähnt Bates auch 7u-
vencus Har. Nach seiner Meinung unterscheiden sich beide Arten
nur dadurch, daß Har. das Pygidium ‚opacum, laeve‘ nennt,
während es bei rvarıpilus ‚„shining, studdet with large piliferous
punctuses“ ist. Bei den Stücken im Berliner Museum ist das
Pyg. durchaus nicht matt und glatt zu bezeichnen, es ist ebenso
glänzend wie die Flügeldecken und auch behaart. Alle andern
Merkmale, die rarıpilus kenntlich machen sollen, treffen auch auf
7uvencus zu.
12. Nach dem Prioritätsgesetze müssen folgende Namen ge-
ändert werden:
1. C. eompaetus Har. in Berl. Ent. Zeitschr. XII 1868 p. 43 in
quadripunctatus Redt. in Reise Novara Col. 1867 p. 52. 2 f. 6.
2. C. eorpulentus Har. in Berl. Ent. Zeitschr. XII 1868 p. 107 in
lamproderes Redt. in Reise Novara Col. 1867 p. 51.
3. C. laevis Drury, Illustr. Exot. Ins. I 1770 p. 79 t. 35 f. 7 et II
index 1773 in pilularius L., Syst. Nat. ed. X 1758 p. 349. (Siehe
weiter oben).
4. C. quadriguttatus Ol., Entom. I 3 1789 p. 173 t. 27
in obliquatus Voet, Cat. syst. Coleopt. T 1769 1804, t.
nach Ol., Entom. 13 1789 BIPIS:
2%; thoraeieus Ha: in Berl. Ent. Zeitschr. XII 1868 p. 89 in
ornatus Redt. in Reise Novara Col. 1867 p. 53 t. 2 £. 11.
13. Neubeschreibungen.
1. C. eolumbianus n. sp.
Oval, glänzend, Ober- und Unterseite schwarz, Beine größten-
teils gelbrot. Der Kopf ist etwas uneben, besonders hinter den
beiden Kopfschildzähnchen niedergedrückt, die Oberseite ist fein,
nach vorn zu etwas deutlicher chagriniert. Der Thorax ist stark
herabgewölbt, sein Seitenrand bildet in der Mitte einen sehr stum-
pfen Winkel, von diesem aus nach vorn zu sind die Seiten. leicht
ausger :
vorn und hinten von einem kleinen, undeutlichen Zähnchen be-
grenzt, die Hinterwinkel stehen etwas hervor, weil die Basis neben
denselben ziemlich tief ausgerandet ist, die Oberfläche ist ohne
deutliche Punktierung. Die Flügeldecken haben einen sehr schwa-
chen Scutellareindruck, der Nahtstreifen ist etwas deutlicher wie
die andern, ein erhabener Schulterstreifen fehlt. Das Pygidium
ist breit-dreieckig, mit oberer Randlinie, die in der Mitte. er-
jeb1 |
9. Heft
126 Adolf Schmidt:
lıscht. Die QOuerleisten des Prosternums reichen nicht bis zum
Seitenrandzähnchen. Die Beine sind rotgelb, nur das Knie,
die Basis und Spitze der Mittel- und Hinterschienen, sowie
die Vordertibien auf der Unterseite in der Basishälfte sind schwarz.
Die äußern Randzähre der Vordertibien sind ziemlich spitz, stark
nach vorn gerichtet, über denselben ist die Schiene fein gezähnelt.
Die Hinterschenkel sind vorn ohne Randlinie, die Hintertibien sind
wadenartig verdickt.
3 Enddorn der Vordertibien zur Spitze etwas verbreitert, an
der Außenseite stark abgerundet, so daß die Spitze nach innen
zeigt, Pygidium weniger kurz, so lang wie die vier angrenzenden
Segmente zusammen breit sind, in der Mitte sebr stumpfkielig.
Q Enddorn gleichmäßig zugespitzt, auch nach innen gebogen,
Pygidium deutlich gekielt, ungefähr so lang wie zwei Segmente
breit sind.
7 mm. Columbien.
Ich erhielt diese Art als C. femoralis Chev. Beide Arten stimmen
in der Form und den hellen Beinen überein, sind sich überhaupt
täuschend ähnlich, weichen aber in folgenden Punkten vonein-
ander ab: Die Querleiste des Prosternums reicht bei femoralis bis
an den Seitenrand, bei columbianus nicht, von der Ecke, die die
Seite bei femoralis bi det, ist der Rand nach den Vorderwinkeln
zu deutlich aufgebogen, während er bei columbianus ausgerandet
und kaum aufgebogen ist. Die Randzähne der Vordertibien sind
bei femoralis mehr nach außen, bei der neuen Art mehr nach vorn
gerichtet. Der Enddorn der Vordertibien beim $ von femoralis ist.
parallel, an der Spitze ausgerandet, bei columbianus verbreitert,
an der Spitze anders geformt, das Pygidium des @ von femoralis
ist sehr kurz, nur so lang wie das angrenzende Segment, bei co-
lumbianus wie zwei Segmente. Der Clipeus bei letzterer Art ist
immer nur zweizähnig, während femorahis noch zwei Nebenzähne
besitzt, die aber zuweilen sehr undeutlich sind.
2. C. granulifer n. sp.
Von breiter, gerundeter, nach hinten leicht zugespitzter Ge-
stalt, Ober- und Unterseite schwarz, Thorax stark herabgewölbt,
Flügeldecken ziemlich flach, Oberseite matt, mit glänzenden’ Körn-
chen bedeckt, Unterseite glattund etwas glänzend. Der Kopf ist fein
und wenig dicht gekörnt, der Clipeus zeigt 4 Zähne, von denen
die beiden mittleren länger und wenig spitz sind, die seitlichen
sind dreieckig, mit breiter Basis, die wenig gerundeten und be-
wimperten Wangen bilden nach vorn eine deutliche, aber kleine
Spitze. Der Thorax ist größer und dichter als der Kopf gekörnt,
sein Seitenrand bildet, schräg von oben gesehen, einen deutlichen
Winkel, von hier aus geht er ziemlich gerade zu den Hinterwinkeln,
nach vorn zu ist derselbe zuerst etwas nach oben gebogen, dann
verläuft er ebenfalls gerade bis zu den Vorderwinkeln, die Wölbung
des Randes wird vorn von einem kleinen Zähnchen begrenzt, die
vordere Hälfte des Randes ist mit Borsten bewimpert, die Seiten
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 197
des Halsschildes sind vorn breiter als hinten verflacht, die Basis
ist neben den’ HinterwinKeln wenig ausgerandet, ihre Mitte ver-
läuft ziemlich gerade. Die Flügeldecken sind nicht vertieft ge-
streift, sie zeigen nur mehr oder weniger deutliche flache Längs-
linien, der Raum zwischen ihnen ist mit nicht ganz regelmäßigen
Körnerreihen bedeckt. Das Pygidium ist an der Basis gerandet,
in der obern Hälfte mit schwachem Längskiel versehen, die Ober-
fläche ist gekörnt. Die Unterseite ist fein chagriniert und fein
punktiert, ebenfalls die Mittel- und Hinterschenkel, letztere sind
ohne vordere Randlinie. Die Mitteltibien haben auf ihrer obern
Fläche eine mehr oder weniger deutliche Querleiste, die Hinter-
tibien sind gerade, kräftig, zur Spitze verbreitert, am Endrande
mit 2 Enddornen, die Tarsen sind breit, die Vordertibien sind am
innern Rande winklig verbreitert, am Außenrande mit 3 kräftigen
Zähnen versehen und am Ende nicht sehr schief abgeschnitten.
Das Prosternum ist ohne OQuerleisten, die Fühler sind dunkel.
Der Enddorn an den Vordertibien ist beim Männchen lang
und schmal, am Ende ausgerandet, beim Weibchen zugespitzt.
6—8 mm. Texas.
Es ist dies die zweite Art, welche wie C. nigricornis Say an
den Hintertibien 2 Enddorne hat, sie unterscheidet sich von letz-
terem hauptsächlich in der stärkeren und dichteren Körnelung.
Die Körner des Halsschildes stehen so dicht, daß der Raum zwi-
schen ihnen nur so groß ist wie die Körner Selbst, bei nigricornis
ist der Zwischenraum viel größer, nigricornis zeigt auch eine deut-
lich vertiefte Längslinie in der Mitte vor der Basis, bei granulifer
ist dieselbe nur sehr flach. Der Seitenrand des Halsschildes
bildet bei granulifer eine deutliche Ecke, die in der Mitte zwischen
den Vorder- und Hinterwinkeln liegt, bei nigricornis ist der Rand
weniger scharf gebogen, die Biegung liegt den Vorderwinkeln näher,
das Zähnchen an der Unterseite des Prosternums ist bei nigricornis
entweder sehr undeutlich oder es fehlt ganz, bei granulifer ist es
immer deutlich, nigricornis zeigt an der Nahtwurzel einen Eindruck,
der bei granulifer fehlt. Die Hintertibien sind bei granulifer viel
kräftiger zur Spitze verbreitert, ihre Tarsenglieder viel breiter als
bei nigricornis. Die Geschlechtsunterschiede sind in beiden Arten
dieselben.
3. C. maculatus n. sp.
Von breit ovaler, wenig gewölbter Gestalt, Flügeldecken fast
matt, schwarz gefärbt mit grünblauem Schein, der etwas glän-
zende Kopf von derselben Farbe, das Halsschild vollglänzend,
rötlichgelb gefärbt, mit vier dunklen, länglich-runden, in einer Quer-
reihe stehenden Makeln, die beiden mittelsten stehen ziemlich nahe
beieinander, eine 5. Strichmakel geht vom Vorderrande aus und
ist bald länger, bald kürzer und undeutlicher, sie ist schmaler als
der Raum, der die beiden in der Mitte stehenden Makeln trennt und
reicht nie bis an dieselben heran. Der auf dem Scheitel leicht ver-
flachte Kopf ist hinter dem Vorderrande niedergedrückt, letzterer
9. Heft
128 Adolf Schmidt:
mit zwei Zähnen, dieselben sind dreieckig und aufgebogen, das
Wangenende ist wenig hervortretend, die Augen sind klein. Das
Halsschild ist quer, von vorn und oben gesehen erscheinen die
Seiten in einem gleichmäßigen Bogen, schräg von oben gesehen cr-
weitern sie sich in der Mitte winklig, die Spitze des Winkels
ist aber abgerundet, von der Seite gesehen verläuft der
Seitenrand von der Mitte aus nach vorn und hinten fast gerade,
die Hinterwinkel sind sehr stumpf, die Basis daneben ist schwach
ausgerandet, der Vorder- und Hinterrand des Halsschildes
ist dunkel gesäumt. Die Flügeldecken sind hinter den Schul-
tern am breitesten, sie sind schwach gestreift, der Nahtstreif ist
etwas deutlicher; der Flügeldeckenrand ist an der Basis kaum
herabgebogen, deshalb sind hier die Epipleuren schon ziemlich
breit. Die Unterseite ist etwas glänzender, sie ist schwarz mit
grünlichem Schein, auch die Epipleuren sind schwarz, zuweilen
ist der Hinterleib rötlichgelb oder nur an den Seiten, die Fühler sind
dunkel, das Prosternum ist ohne Querleisten und Zähnchen, die
Mittel- und Hinterschenkel sind in der Mitte rötlichgelb, letztere
am Vorderrande ohne vertiefte Linie. Flügeldecken mit kurzem
Schulterstreifen. Das Pygidium ist ohne Rand an der Basis.
Beim Männchen und Weibchen sind die Enddorne an den
Vordertibien spitz, der untere Randzahn an denselben ist beim
Männchen breiter als die zwei oberen, beim Weibchen sind. alle
drei Randzähne gleichgeformt.
79mm: Sante Inez (Ecuador).
Diese Art steht in nächster Verwandtschaft zu C. nigriceps
Har. und zwar in der Bezahnung der Vorder- und Gestalt der Mittel-
tibien. Der untere Randzahn an den ersteren entspringt nämlich
nicht dem Seiten-, sondern dem Vorderrande, er ist also nicht
seitlich, sondern nach vorn gerichtet und weicht daher fast gar-
nicht von der Längsrichtung der Vordertibien ab. Die Mittel-
tibien sind, ihre Innenfläche besehen, mit dem oberen und unteren
Rande fast parallellaufend und leicht gekrümmt. Die Hintertibien
sind ebenfalls schlank, nach der Spitze wenig verbreitert, aber
gerade. Das 2. Tarsenglied derselben ist länger als das 1. und das 3.
4. C. eurvodilatatus n. sp.
Breit-oval, gewölbt, Kopf und Thorax glänzender als die Flü-
geldecken, Kopf kupfrigrot, Thorax grün, Flügeldecken gelblich-
braun mit tief dunkelgrüner OQuerbinde, Pygidium dunkelgrün,
Unterseite schwärzlich, Tibien und Tarsen rotbraun. Der Kopf
ist deutlich, aber nicht sehr dicht punktiert, der dunkle Clipeus
ist vierzähnig, die beiden mittelsten Zähne sind länger und schmal,
die beiden äußeren kürzer, mit breiter Basis, die Wangen bilden
vorn eine sehr kleine, stumpfe Ecke. Das Halsschild ist stark herab-
gewölbt, die Seiten bilden, schräg von oben gesehen, einen stumpfen
Bogen, seitlich gesehen, tritt die Mitte des Seitenrandes etwas
stumpfwinklig hervor, von hier aus ist der Rand nach vorn zuerst
leicht aufgebogen und dann bis zu den Vorderwinkeln gerade ver-
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 129
laufend, nach den Hinterwinkeln zu ist er schwach gerundet, die
Aufbiegung des Randes in der Vorderhälfte wird durch ein
schwaches Zähnchen begrenzt. Die Basis ist neben den Hinter-
winkeln ausgerandet, die ganze Oberfläche des Halsschildes ist
punktiert, an den. Seiten etwas dichter und größer als in der
Mitte. Die Flügeldecken sind etwas vor der Mitte am breitesten,
sie sind fein, aber doch deutlich gestreift, der Schulterstreifen ist
als fein erhabener Rand fast in der ganzen Länge sichtbar, die
Naht ist etwas heller als die fast in der Mitte gelegene Querbinde,
letztere ist im 7. und 6. Zwischenraume etwas breiter, verjüngt
sich dann unregelmäßig bis an den hellgrünen Nahtstreifen. Die
Fühler haben eine rotgelbliche Keule, das Prosternum zeigt eine
verkürzte Querleiste, die Hinterschenkel sind vorn gerandet,- die
Hintertibien verbreitern sich am Innenrande gleich hinter der
Mitte stumpfwinklig, die Verbreiterung ist an der Spitze 3 mal so
breit wie die Basalhälfte der Tibien. Die Vordertibien sind am
Innenrande nicht winklig erweitert. Das Pygidium ist grün, mit
Borstentragenden Punkten. Der Enddorn der Vordertibien ist
beim Männchen zweispitzig, das Pvgidium fast halbkreisförmig.
Beim Weibchen ist der Enddorn stumpfspitzig, das Pygidiüm we-
niger breit abgerundet. Die . Verbreiterung der Hintertibien ist
in beiden Geschlechtern gleich.
5 mm. Nord-Paraguay. L
In der Bildung der Hintertibien, in dem 4-zähnigen Clipeus,
der abgekürzten Leiste des Prosternum, den vorn ungerandcten
Hinterschenkeln stimmt diese Art mit €. podagricus Har. überein.
Beide Arten sind jedoch, abgesehen von der Färbung, in der Punk-
tierung des Kopfes und Halsschildes sehr verschieden. C. podagricus
ist auf dem Kopfe sehr fein und sehr vereinzelt, curvodılatus da-
gegen dichter und auch größer punktiert, das Halsschild zeigt bei
podagricus nur an den Seiten feine Punkte, curvodilatus jedoch
auf der ganzen Oberfläche eine deutliche Punktierung, ein weiterer
Unterschied beider Arten liegt darin, daß die Seiten des Hals-
schildes bei podagricus einen deutlicheren Winkel zeigen.
Wegen der mit Querbinde versehenen Flügeldecken ähnelt
die neue Art auch €. mutabilis H. Luc. und den kleinen Stücken
von C. Steinherli Har., unterscheidet sich aber von beiden durch
die Form der Hintertibien.
3. C. oetodentatus n. sp.
Von ovaler Gestalt, auf dem Rücken wenig gewölbt, ne
unbehaart, oberseits grün, Flügeldecken jedoch dunkler, Unter-
seite noch tiefer dunkelgrün, Beine etwas heller. Der Kopf ist
deutlich punktiert, vorn jedoch in der vertieften Mitte, also hinter
den beiden mittelsten Zähnen, glatt, Vorderrand ist dunkler, der-
selbe zeigt 8 deutliche Zähne, die beiden mittelsten sind lang und
schmal, zwischen ihnen und der gezahnten Wange befinden sich
jederseits noch 2 Zähne, von denen der vordere etwas spitzer und
an seiner Basis weniger breit ist. Das Halsschild ist deutlich punk-
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 3. g 9. Heft
130 Adolf Schmidt:
tiert, die Punkte werden nach dem Vorderrande zu etwas kleiner,
der Seitenrand bildet, von der Seite gesehen, einen deutlichen
Winkel, dessen. Spitze aber etwas abgerundet ist, von hier aus ist
der Seitenrand bis zu den Vorderwinkeln etwas aufgebogen, in
der Mitte dieses Bogens mit Andeutung eines Zähnchens, nach den
Hinterwinkeln zu ist er geradlinig, die Seiten selbst sind hier
schmal, nach vorn zu etwas breiter verflacht. Die Flügeldecken
haben einen erhabenen Schulterstreifen, der aber von der Mitte ab
als vertiefte Linie weitergeht, sie sind deutlich gestreift, die seit-
lichen Streifen sind tiefer und flach punktiert, die Zwischenräume
sind auf dem Rücken sehr fein, an den Seiten deutlicher punktiert,
der Nahtstreif ist sehr deutlich vertieft, der erste Zwischenraum
infolgedessen erhöht, der Scutellareindruck ist sehr deutlich, er
greift auch auf die Basis des Halsschildes über. Das punktierte
Pygidium ist an der Basis gerandet. Das Prosternum zeigt einen
abgekürzten Kiel, die Fühlerkeule ist gelbrot. Die Hinterschenkel
sind vorn gerandet, die Hintertibien leicht gebogen und in der
Spitzenhälfte deutlich verdickt.
7 mm. Paraguay.
Diese Art kommt wegen des 8-zähnigen Clipeus neben €.
Gundlachi Har. zu stehen, doch dieser ist schwarz gefärbt, hat
große Augen, sehr dicht punktierten Thorax und auf den Flügel-
decken gekielte Zwischenräume.
6. C. furvus n. sp.
Glänzend, schwarz, mit grünlichem Schein bei seitlicher An-
sicht, unbehaart, oval, ziemlich flach gewölbt. Kopf vorn gerundet,
fein und einzeln punktiert, am Vorderrande mit 2 kleinen, drei-
eckigen, zusammenstehenden Zähnchen, die Wangen bilden von
vorn kleine Spitzen, die Augen sind groß, d. h. ihr Querdurchmesser
ist so breit wie die Wangen neben den Augen. Das Halsschild ist
wenig gewölbt, in der Hinterhälfte, von oben gesehen, geradseitig
und parallel, die Vorderhälfte verjüngt sich geradlinig, schräg von
oben gesehen bildet der Seitenrand einen scharfen Winkel, der-
selbe liegt den Hinterwinkeln näher als den Vorderwinkeln, bei
Seitenansicht bemerkt man, daß der Rand in ?/, seiner vorderen
Länge leicht nach oben gebogen ist, das Ende der Biegung ist ohne
Zähnchen, das Prosternum zeigt eine ganze Qucrleiste, die Ober-
fläche des Halsschildes ist punktiert, die Punkte werden nach vorn
und den Seiten kleiner, die Basis ist in der Mitte sehr fein gerandet
und leicht zipflig nach hinten vorgezogen, vor dieser Randung ist
das Halsschild quer niedergedrückt, dieser flache Eindruck ist
vorn von einer ctwas erhöhten Linie begrenzt, die sich bei seit-
licher Ansicht sehr gut markiert, die Basis ist neben den Hinter-
winkeln ausgerandet. Die Flügeldecken sind in der Mitte am brei-
testen, sie sind flach gestreift, die seitlichen Streifen und der Naht-
streif sind deutlich, wenn auch nur flach punktiert. Die Unter-
seite ist wie die Oberseite gefärbt, die Beine sind metallisch rot-
braun, die Fühlerkeule ist rötlich. Die Vordertibien sind innen
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh,, usw. 131
leicht erweitert, am Vorderrande gerade abgestutzt und außen mit
3 klenen Randzähnen besetzt, über denselben. ist der Rand sehr
fein gezähnelt, die Hinterschenkel sind vorn gerandet, die Mittel-
und Hintertibien sehr schwach gekrümmt, letztere am Erde mit
einem Enddorn, Hintertarsen nicht besonders breit. Das Pygidium
ist punktiert.
7 mn: Peru, Bolivien.
Das Männchen hat an den Vordertibien einen kurzen und
breiten Enddorn, der am Vorderrande abgestutzt und an der Außen-
seite mit kurzer Spitze besetzt ist. Beim Weibchen ist derselbe
zugespitzt.
7. C. seeurus n. Sp.
Breit-oval, glänzend, unbehaart, dunkelgrün. Kopf fein, in
der Mitte und nach vorn zu sehr fein punktiert, die Punkte hier
zuweilen auch ganz fehlend, Clipeus mit 2 deutlichen Zähnchen,
die abgerundeten Wangen bilden vorn eine kleine stumpfe Ecke,
die Augen sind groß, so breit wie der nebenliegende Teil der Wangen.
Der Thorax ist fein, aber doch größer und auch zahlreicher punk-
tiert als der Hinterkopf, hinter dem Vorderrande und an den ver-
flachten Seiten ist das Halsschild ohne Punkte, die Verflachung
ist vorn breiter als hinten, der Seitenrand bildet, von oben gesehen,
einen deutlichen Winkel, seitlich gesehen ist der Rand von dem
Winkel nach vorn zuerst leicht aufgebogen, dann gerade bis zu
den Vorderwinkeln, nach den Hinterwinkeln verläuft er ebenfalls
gerade, die Basis ist neben den Hinterwinkeln leicht ausgerandet.
Die Flügeldecken zeigen etwas vor der Mitte ihre größte Breite,
sie sind flach, aber immerhin deutlich gestreift; der 4. und 5. Strei-
fen ist hinten, der 6. und 7. in der ganzen Länge mit größeren,
sehr flachen Punkten besetzt, die Zwischenräume sind sehr fein
punktiert, ein Scutellareindruck fehlt, ebenso ein erhöhter Schulter-
streifen. Die Unterseite ist dunkelgrün, die Beine sind rotbraun
die Tarsen jedoch etwas dunkler, die Fühlerkeule ist rotbraun.
Das Prosternum zeigt eine ganze Querleiste, die bogig in
den ungezahnten Seitenrand übergeht, der vordere Teil des
Prosternums ist ausgehöhlt. Das Pygidium ist schmal, fein punktiert
und in der Mitte stumpf gekielt. Die Vordertibien sind am Innen-
rande winklig erweitert, vorn: abgestutzt, am Außenrande stehen
3 kleine Zähnchen, über ihnen ist der Rand fein sägeartig, die
Hinterschenkel sind vorn gerandet.
Das Männchen hat an den Vordertibien einen kurzen, breiten
Enddorn, der am Ende abgeschrägt ist und an der äußern Seite
in eine kurze Spitze ausgezogen ist, die Hintertibien sind schwach
gebogen, zur Spitze allmählich, ziemlich kräftig verbreitert.
6 mm. Surinam.
8. C. obseurus n. sp.
Breit-oval, flach gewölbt, Kopf, Thorax und Flügeldecken in
der Schildchengegend glänzend, Kopf dunkelgrün, Thorax me-
9% 9. Heft
132 Adolf Schmidt:
tallischgrün, Flügeldecken und Pygidium schwarzgrün, Unterseite
wie die Flügeldecken gefärbt, Beine rötlichbraun.
Kopf fast geradlinig verengt, am Vorderrande mit 2 genäher-
ten Zähnchen, die Wangen bilden vorn eine kleine stumpfe Ecke,
der Hinterkopf ist einzeln, sehr fein punktiert, die Augen sind groß,
d. h. ihr Querdurchmesser ist fast breiter als der nebenliegende
Teil der Wangen. Das Halsschild ist an den Seiten stark, nach
vorn flacher herabgewölbt, die Mitte ist fein punktiert, die Punkte
werden nach vorn noch feiner und erreichen nicht den Vorderrand,
auch die etwas matten Seiten sind punktfrei, der Seitenrand ist,
von oben gesehen, fast in der Mitte winklig gebogen, von hier aus
ist er dann, bei seitlicher Ansicht, zuerst nach "oben gebogen,
am Ende der Biegung befindet sich ein kleines Zähnchen, vön
diesem aus verläuft der schwach gekerbte Rand bis zu dem Vor-
derwinkel gerade, die Hinterhälfte des Randes ist gerade, die Hin-
terwinkel sind spitz, weil die Basis neben ihnen ausgerandet ist,
die Mitte der Basis ragt als kleine Spitze nach hinten, von oben
gesehen bildet der Seitenrand einen stumpfen Winkel, dessen vor-
derer Schenkel sehr wenig länger ist. Die Flügeldecken haben
kurz vor der Mitte ihre größte Breite, sie sind flach gestreift, der
Schulterstreifen ist kurz, die beiden seitlichen Streifen zeigen eine
Reihe sehr flacher Punkte, die Spitze und die Seiten sind bis über
die Mitte weniger glänzend und sehr fein nadelrissig, der übrige
Teil ist glänzend, die Zwischenräume sind sehr fein und verein-
zelt punktiert. Das Pygidium ist oben gerandet und matt. Die
Unterseite und Beine sind glänzend, die Hinterschenkel an der
Basis fein und zerstreut punktiert, vorn gerandet, die Vorder-
tibien sind am Innenrande winklig erweitert, vorn abgestutzt am
Außenrande mit 3 kleinen Zähnchen und darüber sehr fein
gesägt. Das Prosternum hat eine ganze Querleiste, die Fühler-
keule ist rötlich.
Der Enddorn der Vordertibien beim Männchen ist kurz und
breit, am Ende abgestutzt und an der Außenseite in eine Spitze
verlängert, das Pygidium ist 1% mal so breit wie lang. Der End-
dorn beim Weibchen ist spitz, das Pygidium 2 mal so breit wie
lang.
7 mm. Espirito Santo.
9. C. foveiventris n. sp.
Breit-oval, glänzend. Kopf und Thorax kupfrig, Flügeldecken
blaugrün. Kopf einzeln und sehr fein wie das Halsschild punktiert.
Der Seitenrand des letzteren bildet, von oben gesehen, einen deut-
lichen Winkel, von hier aus ist der Rand zunächst aufgebogen,
dann verläuft cr gerade bis zu den Vorderwinkeln, die Aufbiegung
wird vorn durch ein kleines Zähnchen begrenzt, der Raum zwischen
dem Zähnchen und den Vorderwinkeln ist schwach gekerbt, der
Teil bis zu den Hinterwinkeln ist gerade, von oben gesehen bildet
der Seitenrand einen stumpfen Winkel, dessen vorderer Schen-
kel deutlich länger ist, die Hinterwinkel sind spitz, denn die Basis
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 133
ist neben ihnen tief ausgerandet, in der Mitte bildet dieselbe eine
kleine nach hinten ragende Spitze. Die Flügeldecken haben vor
der Mitte ihre größte Breite, die Streifen sind flach, der erste und
die beiden seitlichen sind punktiert, ein Schulterstreifen fehlt.
Das Pygidium ist glänzend, fein punktiert und kupfrig wie der
Thorax gefärbt, oben ist es gerändet. Die Unterseite ist schwarz,
das Metasternum in der Mitte, die Beine und letztes Abdominal-
segment sind rotbraun. . . .
Das Prosternum hat ganze Querleisten. Die Vordertibien
sind gerade abgestutzt, ihr Innenrand winklig erweitert, am Außen-
rande befinden sich 2 kleine Zähne, darüber ist der Rand fein
gesägt, die Hinterschenkel sind vorn gerandet, an der Basis
punktiert. Das Abdomen hat an jeder Seite drei tiefe Gruben.
6% mm. Espirito Santo.
Unterscheidungstabelle von C. Candezei Har., furvus, obseurus,
securus und foveiventris m.
Abgesehen von der Färbung, stimmen diese Arten überein in der
breit-ovalen, flachgewölbten Gestalt, den abgestutzten Vorder-
tibien, den kleinen Randzähnen an denselben, dem 2-zähnigen Cli-
peus, den großen Augen, den Ouerleisten am Prosternum, den vorn
gerandeten Hinterschenkeln. Sie unterscheiden sich folgender-
maßen:
1. Vordertibien innen winklig erweitert 2
Vordertibien innen nicht winklig erweitert 4
2. Thorax mit Quereindruck vor der Basis, Kopf vorn fast halb-
kreisförmig, Thorax ohne Mittellinie furvus
Thorax ohne Quereindruck, Kopf mehr geradlinig verengt, Tho-
rax mit Mittellinie 3
3. Seitenrandwinkel des Halsschildes fast in der Mitte gelegen,
Seiten des Halsschildes nicht verflacht, matt wie die Seiten
der Flügeldecken, letztere mit Schulterstreif, der Seitenrand
derselben ist zuerst nach unten dann deutlich nach oben ge-
bogen obscurus
Seitenrandwinkel hinter der Mitte, Seiten verflacht, ebenso glän-
zend wie die Scheibe, Flügeldecken ohne Schulterstreifen, ihr
Rand ist an der Basis fast wagerecht, dann schwach nach oben
gebogen securus
4. Thorax auf der Unterseite ohne Zähnchen, die Wangen bilden
vorn einen deutlichen Winkel, Thorax ziemlich dicht, zwar
fein, aber doch deutlich wahrnehmbar punktiert, Hinterschenkel
an der Basis unpunktiert, Pygidium reichlich so lang wie die
vier angrenzenden Segmente, Abdomen ohne seitliche Gruben
Candezeı
Thorax mit Zähnchen, die Wangen ohne Spitze, Thorax sehr fein
und einzeln punktiert, Hinterschenkel an der Basis punktiert,
Pygidium kaum so lang wie die drei angrenzenden Segmente,
Abdomen an der Seite grubig $ foveiventris »
9. Heft
134 Adolf Schmidt:
10. Sybax distortus n. sp.
Länglich, wenig gewölbt, Unterseite flach, überall mit einem
gelblichen Überzuge bedeckt. Kopf herabgebogen, einzeln und fein
punktiert, mit tiefer Stirnlinie, die vorn wulstig begrenzt ist, die
Mitte des Kopfes zeigt einen Längskiel, der sich nach dem Vorder-
rande zu beulig verbreitert, diese Erhöhung tritt umso stärker her-
vor, weil sie zu beiden Seiten und vorn von je einer Vertiefung
begrenzt wird, der Clipeus ist deutlich ausgerandet und jederseits
stumpf gezähnt. Das Halsschild ist fast geradseitig, nach hinten
zu nur wenig verbreitert, in der Mitte der Oberfläche mit einer
Längsfurche, die jederseits kielartig begrenzt ist, neben dem Sei-
tenrande befindet sich ebenfalls eine Furche, die in den Vorder-
und Hinterwinkeln mehr vertieft ist, die Seiten selbst sind schmal
ausgebreitet und wie die Hinterwinkel bewimpert, die Basis ist
neben der Mitte leicht ausgerandet, letztere ragt deshalb etwas
lappıg nach hinten hervor. Das Schildchen ist lang und schmal.
Jede Flügeldecke zeigt außer der erhöhten Naht 3 Rippen, von
denen die erste und dritte bis in den beborsteten Nahtwinkel
reichen, die zweite ist vor der Spitze abgekürzt, die Schulterbeule
verlängert sich nach hinten kielartig. Die Unterseite zeigt keiner-
lei Punktierung. Die Mittelschenkel sind an der Unterkante und
die Mittel- und Hintertibien an der Innenseite bewimpert, die
Vordertibien haben am Vorderrande einen spitzen Enddorn, an
der Außenseite 3 Randzähne, von denen die beiden unteren an
der Basis verwachsen sind, die Hintertibien haben am Endrande
2 gleichlange Dorne, die kürzer als das 1. Tarsenglied sind, dieses:
ist so lang wie die 2 folgenden Glieder.
Das einzige mir vorliegende Exemplar ist ein Männchen, denn
der untere Enddorn der Mitteltibien ist hakig gebogen und mit
der Spitze nach innen gerichtet.
9 mm. Deutsch-Ostafrika.
Es ist dies die dritte bekannte Art der Gattung, dieselbe
scheint auf Afrika beschränkt zu sein. Die beiden ersten Arten,
Sybax sulcicollis und impressicollis beschrieb Boheman vom Garip-
Fluß. Die letztere Art erhielt Harold aus Ober-Ägypten und be-
schrieb sie als Hypoplatys helophoroides.
Die neue Art unterscheidet sich von impressıcolis durch die
verwachsenen unteren Außenzähne an den Vordertibien. Dieses
Merkmal hat die neue Art mit sulcicollis gemein, sie unterscheidet
sich jedoch von der letzteren in folgenden Punkten: 1. Der Kopf
ist bei swlcicollis in der Mitte nur beulig erhöht, diese Beule ist
nicht nach hinten kielartig ausgezogen wie bei der neuen Art.
2. Das Halsschild ist bei swlcicollis feiner und stärker punktiert,
die größeren Punkte befinden sich in den Vertiefungen und längs
‘ des Vorderrandes, bei der neuen Art ist der Thorax nur fein punk-
tiert. 3. Die Vertiefungen an den Seiten des Halsschildes sind bei
suleicollis deutlicher, die hintere ist schräg gegen die Basis gerich-
"tet, während sie bei der neuen Art mehr parallel mit derselben
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg., Sybax Boh., usw. 135
verläuft. 4. Jede Flügeldecke zeigt bei sulercollis 4 deutliche
Rippen, die neue Art deren nur drei, die Rippen sind bei sulezcollis
jederseits von einer Punktreihe begleitet, die bei der neuen Art
fehlt.
11. Aphodius (Craterocyphus) eornieulatus n. sp.
Von länglicher, wenig gewölbter Gestalt, glänzend, auf der
Ober- und Unterseite hell kastanienbraun gefärbt, nur Hinterkopf
und Mitte des Halsschildes sind dunkler. Der Kopf ist geradlinig
nach vorn verengt, mit einem Horn, das auf einer, sich nach oben
verjüngenden Platte steht, seine Oberfläche ist fein punktiert, hin-
ter der vertieften Stirnlinie etwas deutlicher, der Clipeus ist
leicht ausgerandet und jederseits abgerundet, die stumpfwinklig-
abgerundeten Wangen überragen die Augen. Das Halsschild ist
schwach gewölbt, vorn in der Mitte mit einer muldenförmigen,
länglichen Vertiefung, hinter derselben mit einem nach vorn und
oben gerichteten Tuberkel, die Vertiefung ist zerstreut und fein
punktiert, die Seiten des Halsschildes zeigen eine dichtere Punk-
tierung, die aus größeren und feineren Punkten besteht, die Basal-
hälfte ist in der Mitte fast ohne Punkte, die Seiten, die stumpf-
abgerundeten Hinterwinkel und die Basis bis zum 4. oder 3. Zwi-
schenraum sind deutlich gerandet, auch neben den Vorderwinkeln
befindet sich eine vertiefte Linie, die aber nach der Mitte zu schwä-
cher wird. Das Schildchen ist dreieckig, glatt, in der Spitzenhälfte
ist die Mitte stumpfkielig erhöht. Die Flügeldecken sind hinter
der Mitte etwas verbreitert, sehr deutlich gestreift, die Streifen
fast bis zur Spitze reichend, die Punkte in denselben greifen kaum
die Zwischenräume an, diese sind konvex, nach der Spitze zu
flacher werdend. Das Metasternum ist an den Seiten punktiert
und behaart, in der Mitte mit vertiefter Längslinie, das Ab-
domen ist nur seitlich punktiert und behaart. Die Endborsten
der Hintertibien sind ungleich, die Enddorne fast gleichlang, der
obere ist so lang wie das erste Tarsenglied, dieses reichlich so
lang ‚wie die zwei folgenden Glieder. Weibchen unbekannt.
11 mm. Deutsch-Ostafrika.
Die Ähnlichkeit der neuen Art mit C. rhinocerus Reiche ist
so groß, die Unterschiede beider so geringfügig, daß ich mich in-
folge der letzteren wohl kaum entschlossen haben würde, die neue
Art aufzustellen, wenn die Bildung des Penis nicht eine ganz andere
wäre und vollständig von der des C. rhinocerus abwiche. In der
Bildung des Kopfhornes und des Tuberkels, sowie in der Punktie-
rung des Halsschildes und in dem Verhältnis der Tarsenglieder
stimmen beide Arten überein, nur die Färbung der Flügeldecken
ist eine andere. Bei rhinocerus sind dieselben gelbbraun, mit
dunklerem Nahtstreifen, bei obiger Art sind sie gleichmäßig
kastanienbraun.
Ferner ist bei der neuen Art das Halsschild in der Mitte der
Vorderhälfte mehr vertieft, die Vertiefung deshalb seitlich schärfer,
und von vorn gesehen geradlinig, bei rhinocerus ist die Vertiefung
9. Heit
136 Adolf Schmidt:
schwächer und die seitliche Begrenzung weniger deutlich, mehr ge-
rundet. Die Zwischenräume der Flügeldecken sind bei corniculatus
gewölbt, nach den Seiten und der "Spitze zu werden sie flacher,
bei rhinocerus sind sie auch auf dem Rücken flach.
12. Aphodius (Crateroeyphus) illustris n. sp.
Kastanienbraun, Halsschild dunkler, die Seiten desselben, Vor-
derkopf, Seiten und Spitze der Flügeldecken heller, zuweilen die
ganze Oberseite heller braun, aber die Scheibe des Halsschildes
auch dann dunkler, glänzend, länglich, nach hinten leicht verbrei-
tert. Der Kopf ist nach v orn fast geradlinig verengt, auf der Ober-
seite fein und nicht sehr dicht punktiert, der Clipeus ist leicht
ausgerandet, jederseits gerundet, die Wangen sind stumpfwinklig-
abgerundet., sie überragen die Augen. Das Halsschild ist nach
hinten sehr wenig erweitert, am Vorder- und Seitenrande, sowie
an der Basis bis zum 3. Streifen der Flügeldecken sehr deutlich
gerandet. Das Schildchen ist dreieckig, unpunktiert. Die Flügel-
decken sind punktiert-gestreift, die Streifenpunkte sind fein und
dichtstehend, sie greifen nur sehr wenig die Ränder der Zwischen-
räume an, diese sind leicht gewölbt, zur Spitze flach, hier und an
den Seiten sehr fein und einzeln punktiert. Die Unterseite und Beine
sind gewöhnlich etwas heller wie die Oberseite gefärbt. Die Sei-
ten der Mittelbrust und des Hinterleibes sind punktiert und be-
haart. Die Vordertibien haben an der Außenseite 3 deutliche Zähne,
das 1. Tarsenglied ist verlängert, so lang wie der Enddorn, die
Hintertibien zeigen am Endrande ungleiche Borsten und 2 fast
gleichlange Enddorne, der obere ist so lang wie das 1. Tarsenglied,
dieses ist so lang wie die 3 folgenden Glieder zusammen.
Der Kopf des Männchens trägt eine Platte in der Form eines
stehenden Rechtecks, auf der sich ein kleines Horn erhebt, das an
der Hinterseite ausgehöhlt ist, das Halsschild zeigt in seiner hin-
tern Hälfte einen nach oben gerichteten, zugespitzten Tuberkel,
vor demselben befinden sich y Längsvertiefungen, die aber nicht
bis an den Vorderrand reichen, zwischen den Vertiefungen und dem
Seitenrande ist die Oberfläche einzeln und fein punktiert.
Der Kopf des Weibchens ist fein und nicht sehr dicht punk-
tiert, in der Mitte mit kräftiger, länglicher Beule, der Thorax ist
einfach, ohne Tuberkel und Vertiefungen, gleichmäßig, wenig dicht,
sehr fein und wenig stärker punktiert.
11 mm. Kamerun.
Diese Art nähert sich in der Bildung des Halsschildes und der
Form des Kopfhorns am meisten dem C. magnıficus m. Bei
beiden Arten ist das Halsschild in der Vorderhälfte nur abgeflacht,
ar vertieft wie bei C. rhinocerus Reiche, corniculatus und mirus
‚ von den drei zuletzt genannten Arten gleic hen sich rhinocerus
ai corniculatus in der Bildung des Kopfhorns, dasselbe ragt hier
aus einer konischen Platte heraus, während es bei mirus auf einer
Platte steht, welche die Form eines liegenden Rechtecks hat.
Bei magnificus und der neuen Art ragt das Horn aus einer stehenden,
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hifsg., Sybax Boh., usw, 137
rechteckigen Platte hervor. (Siehe Arch. Naturg. 1916 A Heft 1 p.
112—113 Fig. 1, 2 und 3). Bei :llustris ist das Kopfhorn hinten
ausgehöhlt, bei magnificus besitzt es auf der Rückseite einen drei-
eckigen Ansatz, bei letzterer Art fehlen die Vertiefungen vor dem
Tuberkel des Halsschildes, die die neue Art zeigt.
13: Aphodius (Pharaphodius) medius n. sp.
Länglich, gewölbt, hinter der Mitte schwach verbreitert, glän-
zend, unbehaart, fast schwarzbraun gefärbt, nur Vorderkopf und
Seiten des Halsschildes heller. Der Kopf ist fein, vereinzelt punk-
tiert, er ist nach vorn fast geradlinig verengt, die Stirnlinie ist
deutlich, seitlich etwas erhaben, kleine Querhöckerchen andeutend,
in der Mitte der Stirn befindet sich ein deutlicher, spitzer Höcker,
der Clipeus ist ausgerandet, jederseits mit spitzem, aufgebogenen
Zähnchen, die Wangen überragen nur wenig die Augen. Der Tho-
rax ist an den Seiten schwach gerundet, aber deutlich gerandet,
die Randung setzt sich um die stumpfabgerundeten Hinterwinkel
bis zum 6. Streifen der Flügeldecken fort, der übrige Teil der Basis
ist ungerandet, jedoch neben der Mitte ist dieselbe schwach aus-
gebuchtet, die Oberfläche ist mit mittelgroßen, ungleich verteil-
ten Punkten nicht sehr zahlreich besetzt. Das Schildchen ist
schmal und dreieckig, in der Mitte längsgefurcht. Die Flügeldecken
haben keinen Schulterdorn, sie sind sebr deutlich gestreift, in den
Streifen mit wenig tiefen Punkten besetzt, die Punkte greifen die
Ränder der Zwischenräume an, verschwinden aber nach den Seiten
und der Spitze zu, die Zwischenräume sind wenig erhaben, sie
verschmälern sich vor der Spitze, werden dadurch mehr gewölbt
und laufen unverbunden aus. Die Mittel-, die Seiten der Hinter-
brust und die ersten Segmente in der Mitte dunkel, die Mitte der
Hinterbrust, die Seiten des Hinterleibes und das letzte Segment,
sowie die Beine sind hell rötlichbraun, die Seiten der Hinterbrust
und das Abdomen sind bis auf die Mitte der letzten Segmente
punktiert und behaart. Die Hintertibien haben am Endrande
gleichlange Borsten und fast gleichlange Enddorne, der obere der
letzteren ist so Jang wie das 1. Tarsenglied, dieses ist den 2 folgenden
an'Länge gleich.
Bei den Männchen ist der Enddorn an den Vordertibien kräf-
tig und zugespitzt, der untere Enddorn an den Mitteltibien ist
stark verkürzt, stumpf, mit umgebogener Spitze, die Trochanter der
Mittel- und Hinterschenkel sind lang und dicht behaart, der Tho-
rax ist auf der Scheibe sehr einzeln punktiert.
Der Enddorn der Vordertibien ist beim Weibchen schlanker
und zugespitzt, der untere Enddorn an den Mitteltibien ist weniger
verkürzt und spitz, die Trochanter sind normal behaart, der Tho-
rax ist auf der Scheibe etwas zahlreicher punktiert.
6 mm. Britisch-Ostafrika.
Diese Art hat so große Ähnlichkeit mit A. discolor Erichs.,
daß ich sie im ersten Augenblick für letztere Art hielt, erst an der
Form der Parameren merkte ich, daß ich eine neue Art vor mir habe.
9. Heft
138 Adolf Schmidt:
4. medius steht in der Skulptur des Halsschildes und der Flügel-
decken in der Mitte zwischen discolor Erichs. aus Afrika und cre-
natus Har. aus Ostasien. Alle drei Arten haben den gezähnten Clipeus
und die dunkle, glänzende, unbehaarte Oberfläche gemein. A.
discolor hat auf dem Thorax nur sehr vereinzelte, etwas gruppen-
weis gestellte Punkte, die Scheibe bleibt fast punktfrei. Bei crenatus
und medius sind die Punkte zahlreicher, mehr gleichmäßig über
die ganze Oberfläche verteilt, am zahlreichsten bei erenatus. Die
Punkte in den Streifen der Flügeldecken greifen bei crenatus und
medius die Zwischenräume an, bei crenatus aber viel deutlicher,
auch in den seitlichen Streifen, während sie hier und vor der Spitze
bei medius ganz fehlen, die Streifen bei discolor sind unpunktiert.
Bei crenatus und discolor ist der obere Enddorn der Hintertibien
länger als das 1. Fußglied, bei medius aber nur so lang wie dieses,
crenatus hat vor dem Mittelhöcker des Kopfes einen mehr oder
weniger deutlichen Querwulst, der bei discolor und medius fehlt.
Außer der verschiedenen Bildung des Penis unterscheiden sich die
Männchen folgendermaßen: Bei dem Männchen von discolor ist
die Metasternalplatte dicht behaart, bei crenatus und medius un-
behaart, discolor hat einen abgestutzten Enddorn an den Vorder-
tibien, bei den andern beiden Arten ist er zugespitzt, cerenatus
und medius haben verkürzten untern Enddorn an den Mittel-
tibien, bei crenatus ist derselbe aber stark, bei medius weniger ver-
kürzt, mit umgebogener Spitze, bei letzterer Art sind die Trochan-
ter an den Mittel- und Hintertibien lang und dicht behaart, wäh-
rend sie bei discolor und crenatus nur die normale Behaarung
zeigen.
14. Aphodius (Pharaphodius) spinatus n. sp.
Flach gewölbt, glänzend, dunkelbraun, Seiten des Halsschildes
heller. Der Kopf ist einzeln, fein punktiert, hinter der Stirnlinie
und dem Vorderrande vertieft, die Seiten sind nach vorn schwach-
bogig verengt, die Stirnnaht zeigt einen stärkeren Mittelhöcker
und jederseits einen kleinen Querhöcker, der Clipeus ist leicht
ausgerandet, die Wangen sind stumpfwinklig und überragen die
Augen nur wenig. Der Thorax ist bogig nach vorn und hinten
verengt, seine größte Breite liegt im vorderen Drittel, seitlich ist
cr nur mit wenigen kaum mittelstarken Punkten besetzt, die
Scheibe ist ohne Punkte, die Seiten und die abgerundeten Hinter-
winkel sind bis zum 6. Streifen der Flügeldeckeri gerandet. Das
Schildchen ist schmal, vorn parallel, in der Mitte längsgefurcht,
aber nicht bis zur Spitze. Die Flügeldecken sind hinter der Mitte
wenig verbreitert, sie haben deutliche Streifen und in denselben
feine, wenig wahrnehmbare Punkte, die Zwischenräume sind un-
punktiert und flach, zur Spitze verschmälert, konvex und frei
auslaufend. Die Unterseite ist wie die Oberseite gefärbt, nur die
Beine sind heller, die Hinterbrust ist nur an den Seiten, das Ab-
domen in der ganzen Breite punktiert und behaart. Das 2. Glied
der Vordertibien ist länger als das 1., der Enddorn so lang wie
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hffsg.. Sybax Boh., usw, 139
die beiden ersten Tarsenglieder, er ist verhältnismäßig schmal und
an der Spitze schräg abgestutzt. Die Enddorne der Mitteltibien
sind lang, der obere reichlich so lang wie 2 Tarsenglieder, die
Hintertibien sind am Endrande gleichlang beborstet, nur am obern
Rande befinden sich 2 längere Borsten, die Enddorne sind gleich-
lang, so lang wie das 1. Tarsenglied, dieses erreicht die Länge der
3 folgenden Glieder.
6 mm. Nordkamerun.
Das einzige, mir vorliegende Männchen ähnelt in der flachen
(Gestalt, dem sparsam punktierten Halsschilde, den flachen Zwi-
schenräumen der Flügeldecken russatus Erichs. Beide Arten unter-
scheiden sich aber außer der Färbung dadurch, daß bei russatus
der Clipeus etwas tiefer ausgerandet und die Zwischen-
räume der Flügeldecken noch flacher sind, der Enddorn der Vorder-
tibien ist bei russatus nur so lang wie das 1. Tarsenglied, bei
der neuen Art wie 2 Glieder, das Schildchen ist bei russatus so
breit wie die beiden ersten Zwischenräume an der Basis, bei spina-
Zus nur etwas breiter wie der 1. Zwischenraum, der untere Enddorn
der Mitteltibien ist bei russatus nur % so lang wie der obere, bei
der neuen Art % so lang, bei russatus ist der obere Enddorn der
Hintertibien länger als das 1. Tarsenglied, dieses den 2 folgenden
an Länge gleich, bei spenatus ist der Enddorn nur so lang wie das
1. Glied, und dieses wie 3 Glieder.
15. Aphodius (Pharaphodius) infinitus n. sp.
Flach gewölbt, glänzend, unbehaart, dunkelbraun, Unterseite
heller. Der Kopf ist deutlich, aber nicht dicht punktiert, nach vorn
zu verschwinden die Punkte, die Stirnnaht ist dreihöckerig, der
Mittelhöcker ist nach vorn ausgezogen, die seitlichen sind mehr
quer, der Kopf ist nach vorn im flachen Bogen: verschmälert,
der Clipeus ist leicht ausgerandet und jederseits verrundet, die
stumpfwinkligen Wangen überragen nur wenig die Augen. Der
Thorax ist vor der Mitte am breitesten, die Seitenrandung ist
kräftig, sie setzt sich um die stumpf abgerundeten Hinterwinkel
herum fort und erlischt gegenüber der Schulter, die Vorderwinkel
sind auch gerandet, die Oberfläche ist viel feiner wie der. Kopf
punktiert, über den Hinterwinkeln und hinter den Vorderwinkeln
befindet sich eine Gruppe größerer Punkte, die Seiten sind heller,
aber nicht scharf abgesetzt, der Übergang zur dunklen Scheibe
erfolgt allmählich. Das Schildchen ist lang und schmal, vorn
parallel. Die Flügeldecken sind ohne Schulterdorn, deutlich gestreift,
in den Streifen bis zur Spitze sehr flach und undeutlich punktiert,
die Punkte greifen nicht die Ränder der Zwischenräume an, letztere
sind auf dem Rücken kaum erhaben, vor der Spitze aber verschmä-
lert und konvex, frei auslaufer.d. Die Unterseite und die Schenkel
sind heller, die Tibien und Tarsen etwas dunkler, die Seiten der
Hinterbrust und das Abdomen ohne die Mitte sind punktiert und
behaart. Die Hintertibien haben am Endrande kurze, gleichlange
9. Heit
140 Adolf Schmidt:
Borsten, nur nach oben hin sind 2 3 längere untermischt, der
obere Enddorn ist länger als das 1. Tarsenglied, dieses ist fast so
lang wie die 3 folgenden Glieder.
51/, mm. Umbugwe.
Das einzige mir vorliegende Männchen erinnert durch den
nicht gezähnten Clipeus und durch die undeutlichen Streifenpunkte
der Flügeldecken, welche die Zwischenräume nicht kerben, an A. tmn-
purus Roth und vussatus Erichs. Der erstere ist mehr gewölbt,
der Thorax zahlreicher punktiert, der Clipeus mehr ausgerandet
und jederseits mehr stumpfwinklig, der letztere hat mit der neuen
Art die flache Gestalt gemein, unterscheidet sich aber durch andere
Färbung, die Zwischenräume sind ganz flach, die großen Punkte
sind auf den Thoraxseiten gleichmäßig verteilt, die feine Zwischen-
punktierung ist viel zerstreuter und weniger deutlich als bei der
neuen Art. Der Clipeus ist bei russatus tiefer ausgerandet, das
Männchen hat sehr verkürzten. unteren Enddorn an den Mittel-
tibien, bei infinitus sind beide Dorne von normaler Länge, bei rus-
satus ist der obere Enddorn der Hintertibien nur wenig kürzer
als 2 Tarsenglieder, das erste Tarsenglied ist so lang wie letztere,
bei infinitus überragt der obere Enddorn nur wenig das erste Tar-
senglied, dieses erreicht fast die Länge der drei folgenden Glieder.
16. Aphodius (Trichaphodius) comatus n. sp.
- Von wenig gewölbter, länglicher, nach hinten wenig verbrei-
teter Gestalt, hellbraun, Kopf dunkler, Halsschild fast schwarz.
Kopf ganz flach, nurin der Mitte mit schwacher, zuweilen kaum wahr-
nehmbarer Erhöhung, ringsum schwach gerandet, nach vorn fast
geradlinig verschmälert, der Vorderrand ist abgestutzt, nicht aus-
gerandet, die Oberseite ist sehr fein und wenig dicht punktiert,
die Wangen sind klein, sie überragen die Augen spitzwinklig. Der
Thorax ist geradlinig nach hinten verbreitert, an den Seiten und
um die stumpfwinklig abgerundeten Hinterwinkel bis ungefähr
zum 4. Flügeldeckenstreifen gerandet, die ungerandete Mitte der
Basis ragt etwas zipflig nach hinten vor, die Oberfläche ist sehr
fein, wie der Kopf punktiert, dazwischen sind etwas größere Punkte
eingestreut, diese erreichen aber weder den Seitenrand noch die
Mitte der Scheibe. Das Schildchen ist länglich-dreieckig. Die
Flügeldecken sind schwach nach hinten verbreitert und fein punk-
tiert-gestreift, die Streifenpunkte kerben kaum die Zwischen-
räume, letztere sind schwach konvex, sie werden aber zur Spitze
flacher, hier und an den Seiten sind sie fein punktiert und behaart.
Die Flügeldecken zeigen vor der Spitze im 2. und 4. Zwischenraum
je eine kurze, helle Strichmakel, zuweilen erweitern sich die Makeln
über den 2. 5. Zwischenraum schräg nach hinten, oder es treten
gesonderte Makeln garnicht hervor, dann ist die ganze Spitze gleich-
mäßig heller. Die Unterseite ist wie- die Oberseite gefärbt, nur die
Schenkel sind mehr gelbbraun. Die Hinterschienen sind am End-
rande ungleich beborstet, der obere Enddorn ist ®/, so lang wie das
1. Tarsenglied, dieses ist länger als die drei folgenden Glieder.
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Rffsg., Sybax Boh., usw. 141
Das Männchen hat breiten, stumpfen Enddorn an den Vorder-
tibien, die Mittel- und Hintertibien sind zur Spitze stark verbrei-
tert, die größeren Punkte auf dem Halsschilde reichen weniger zur
Mitte hinauf, die letztere zeigt in größerer Ausdehnung nur die
feine Grundpunktierung. Das Weibchen hat schmalen, spitzen
Enddorn an den Vordertibien, Mittel- und Hintertibien sind nor-
mal, die größeren Punkte reichen höher hinauf und gehen am Vorder-
und Hinterrande über die ganze Scheibe, es bleibt also in der Mitte
derselben nur ein schmaler Raum mit der feinen Grundpunk-
tierung übrig, der weder den Vorder- noch den Hinterrand erreicht.
4 mm. Seish (Korea), Tsuschima (Japan).
Diese neue Art steht in dem Subgen. Trichaphodius wegen
seiner Behaarung und der Flügeldeckenmakel dem calcaratus Boh.
aus Afrika, Reichei Har. und segmentarordes m. aus dem östlichen
Asien und seinen Inseln am nächsten. T. segmentaroides unter-
scheidet sich von den drei andern durch den eingebuchteten Seiten-
rand des Halsschildes, calcaratus und Reichei stimmen darin überein,
daß bei beiden das 1. Tarsenglied der Hintertibien so lang wie die
4 übrigen Gliedcr ist, während es bei der neuen Art nur wenig länger
als 3 Glieder ist. Bei Reiche! und der neuen Art ist der obere
Enddorn der Hintertibien nur ?/, so lang wie das 1. Tarsenglied,
bei calcaratus ist derselbe reichlich so lang wie dieses, calcaratus
hat auch den 1. Zwischenraum der Flügeldecken dunkel und ver-
dickte Glieder der Mitteltarsen bei dem Männchen, diese beiden
Merkmale fehlen der neuen Art und Reichei. Mit der letzteren
hat comatus die größte Ähnlichkeit, es ist deshalb eine genauere
Unterscheidung beider Arten besonders notwendig. Reichei ist
etwas flacher, die Flügeldecken sind zur Mitte stark erweitert,
während bei der neuen Art die größte Breite hinter der Mitte liegt,
bei comatus ist der Kopf gleichmäßig dunkelbraun, nur an den
Seiten rötlich durchscheinend, bei Reichei ist derselbe nur hinten
dunkler, bei comatus ist das Halsschild zum größten Teil schwarz,
nur die Seiten sind schmal hell, diese hellere Farbe reicht bis zu
den Hinterwinkeln, selten um diese herum, während sich bei
Reichei dieselbe stets auch auf die Basis erstreckt und meistens
letztere ganz säumt, die größten Punkte sind bei Reichel nur an
den Seiten und wenig zahlreich, die Scheibe bleibt also in großer
Ausdehnung ohne dieselben, bei comatus ist die Seitenpunktierung
gedrängter und höher hinaufreichend, die Basis ist bei Reichei
bis zum 6. Streifen der Flügeldecken gerandet, bei der neuen Art
nur bis zum 4., die helle Makel vor der Spitze der Flügeldecken im
2.—4. Zwischenraum tritt bei Reichei deutlicher hervor, da sie
. vorn dunkel begrenzt ist, diese Begrenzung fehlt bei der neuen
Art, auch sind bei dieser die Vordertibien auf der Oberseite viel
deutlicher punktiert als bei Reichei.
17. Aphodius (Oromus) tragieus n. sp.
Dunkelrotbraun, Vorderkopf rötlich durchscheinend, Seiten
des Halsschildes heller, schwach gewölbt, nach hinten leicht ver-
9. Heft
142 Adolf. Schmidt:
breitert, glänzend, nur Flügeldecken an der Spitze matt. Der
Kopf ist flach, mit undeutlicher Beule in der Mitte, er ist nach vorn
fast geradlinig verengt, die Stirnnaht ist wenig bemerkbar, die
Oberfläche ist ziemlich dicht fein punktiert, am Hinterkopfe nur
mit einigen, wenig größeren Punkten untermischt, der Clipeus ist
abgestutzt, nicht ausgerandet, die Wangen sind rundlich, sie über-
ragen nur wenig die Augen. Das Halsschild ist nach vorn flach-
bogig verschmälert, es ist fein und etwas stärker ziemlich dicht
punktiert, auf der Scheibe stehen die Punkte zerstreuter, mei-
stens eine schmale, etwas undeutliche, glatte Mittellinie übrig-
lassend, die Seiten sind um die stumpfen Hinterwinkel herum bis
zum 5. Flügeldeckenstreifen gerandet. Das Schildchen ist drei-
eckig und sehr fein punktiert. Die Flügeldecken haben an der
Schulter einen kleinen spitzen Dorn, sie sind nach der Mitte zu
leicht erweitert, die Streifen sind fein punktiert, die Zwischen-
räume werden von den Streifenpunkten nicht angegriffen, sie sind
auf dem Rücken konvex, an den Seiten und der Spitze flach,
überall sehr fein punktiert und an der Spitze kurz und sehr fein
behaart. Die Unterseite ist wie oben gefärbt, nur die Beine sind
heller braun, die Hinterbrust und das Abdomen sind dicht punk-
tiert und behaart. Die Vordertibien sind auf der Vorderseite deut-
"lich und dicht punktiert, der Enddorn ist so lang wie das 1. Tarsen-
glied, die Hintertibien sind am Endrande mit kurzen, gleichlangen,
nur nach oben zu mit 2 längeren Borsten besetzt, die Enddorne
sind fast gleichlang, der obere ist ?/, so lang wie das 1. Tarsenglied,
dieses erreicht die Länge der drei folgenden Glieder.
Das Männchen ist kenntlich an der flach vertieften Meta-
sternalplatte.
5 mm. Abessynien. :
Wegen des dreieckigen Schildchens, der gerandeten Basis des
Halsschildes, der gleichlangen Beborstung der Hintertibien und
des kleinen Schulterdorns zu Oromus gehörig, weicht aber durch
den nicht ausgerandeten Clipeus und die ungehöckerte Stirn von
den andern Arten dieses Subgenus ab.
18. Simogonius minuseulus n. sp.
Schwarz, glänzend, unbehaart, von länglicher, gewölbter, nach
hinten verbreiteter Gestalt. Der Kopf ist herabgebogen, nach
vorn gerundet verengt, überall ziemlich dicht und fein punktiert,
die Wangen sind klein, stumpfwinklig, sie überragen die Augen
nur wenig. Das Halsschild ist an den Seiten herabgewölbt, nac
hinten wenig verbreitert, die Oberfläche ist ziemlich dicht fein,
nach hinten zu etwas größer punktiert, vor dem Schildehen mit
einer angedeuteten glatten Mittellinie, die Seiten sind fein gerandet,
die Hinterwinkel selbst sind nach der Unterseite umgebogen, die
Basis zeigt statt einer glatten Randung nur eine Punktreihe. Das
Schildchen ist dreieckig und glatt. Die Flügeldecken sind fein
punktiert-gestreift, die Streifenpunkte greifen die Ränder der Zwi-
schenräume an, letztere sind flach und fein punktiert. Die Unter-
In}
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hfisg., Sybax Boh., usw. 1493
seite ist mit der Oberseite gleichfarbig, sie ist mit Ausnahme der
Mittel- und Hinterschenkel punktiert, die Vordertibien sind am
Endrande gerade abgestutzt und hier neben der Einlenkung der
Tarsen mit kleinem, zugespitzten Enddorn, am Bande mit
3 kleinen Randzähnen, der obere Enddorn der Hintertibien ist
kürzer als das 1. Tarsenglied, dieses ist so lang wie die drei folgenden
Glieder zusammen.
3 mm. Deutsch-OÖstafrika.
Es ist dies die zweite bekannte Art der Gattung, ebenfalls
aus Afrika. Sie unterscheidet sich von S. Beccarii zunächst durch
die unbehaarte Oberfläche. Selbst nun angenommen, daß das ein-
zige mir vorliegende Exemplar durch Abreiben die Behaarung
verloren hätte, denn die Oberfläche ist punktiert und wäre somit
immerhin eine Behaarung möglich, so bleiben für die Unterschei-
dung der beiden Arten folgende Punkte: 1. Bei der neuen Art
ist die Seitenpunktierung des Halsschildes feiner wie auf der Mitte
der Scheibe in der Basalhälfte, bei Beccarii ist sie auf der ganzen
Oberfläche gleichmäßig, überhaupt ist der Thorax bei dieser Art
größer punktiert. 2. Die umgeschlagenen Hinterwinkel des Hals-
schildes werden bei der neuen Art nach oben hin nicht durch eine
scharfe Kante begrenzt, während sich eine solche bei Beccarii be-
findet, sie bildet hier die scheinbare Fortsetzung des Seitenrandes
bis zur Basis. 3. Die Streifenpunkte der Flügeldecken greifen bei
Beccarii die Zwischenräume viel tiefer an, besonders seitlich, hier.
ist die glatte Mitte der Zwischenräume nur noch so breit wie die
Streifen, die Zwischenräume erscheinen infolge dieser Kerbung
stark gewölbt, bei der neuen Art werden die Zwischenräume nur
schwach von den Streifenpunkten angegriffen, sie bleiben deshalb
auch viel breiter als die Streifen, selbst auch an den Seiten, die
Zwischenräume sind überall flach.
19. Ataenius strigifrons n. sp.
Dunkelrotbraun, gewölbt, nach hinten leicht verbreitert, wenig
glänzend, oberseits, ohne den Kopf, mit kurzen Borsten besetzt.
Letzterer ist gewölbt, in ?/; seiner Länge fein ge-
rieft-punktiert, die Riefen enden vorn in scharfer
Begrenzung, das vordere Drittel ist glatt und glän-
zend, mikroskopisch fein und einzeln punktiert, der
Clipeus ist schmal ausgerandet, jederseits breit ver-
rundet. Das Halsschild ist seitlich wenig herab-
gewölbt und verläuft in ?/, seiner Länge fast pa-
rallel und geradseitig nach hinten, dann — von vorn
und oben gesehen — konvergierend zur Basis, diese
Konvergenz ist — schräg von hinten und oben ge-
sehen — nicht geradlinig, sondern konkav, da, wo diese Aushöhlung
mit dem Seitenrande zusammentrifft, entsteht ein deutlicher Zahn,
über der Aushöhlung ist die Oberfläche fast senkrecht herabgewölbt,
die Seiten und Basis sind nicht gerandet, aber kurz bewimpert,
die Oberfläche ist sehr dicht punktiert, die Punkte zeigen einen
9. Heft
A. strigifrons,
Thorax.
144 Adolf Schmidt:
erhöhten Rand und tragen je ein kurzes Börstchen, in der Mitte der
Scheibe werden die Punkte feiner, hinter den abgerundeten Vorder-
‘ winkeln ist eine rundliche Vertiefung bemerkbar. Das Schildchen
ist schmal-dreieckig und mit Längsfurche. Die Flügeldecken haben
einen deutlichen Schulterdorn, sie sind punktiert-gestreift, die
Zwischenräume sind konvex, Rhyssemus-artig skulptiert, jeder
Zwischenraum trägt an der Außen- und Innenseite je eine Reihe
kurzer Borsten. Die Unterseite ist ziemlich dicht und deutlich
punktiert, die Metasternalplatte hat in der Mitte eine Längsfurche,
die am Anfang und Ende grubig vertieft ist. Die Mittelschenkel
sind fast auf der ganzen Unterseite, die Hinterschenkel nur neben
dem Hinterrande punktiert und behaart, die Punkte sind aber
feiner als die des Hinterleibes, die Mittelschenkel sind am Hinter-
rande bis zur Mitte, die Hinterschenkel nur neben dem Knie ge-
randet. Der obere Enddorn der Hintertibien ist so lang wie das
1. Tarsenglied, dieses reichlich so lang wie die drei folgenden Glie-
der, ein accessorischer Dorn fehlt den Hintertibien.
4 mm. Australien.
Die Art ist an der Bildung des Halsschildes und der Skulptur
des Kopfes leicht kenntlich.
20. Ataenius parvispinus n. sp.
Länglich, gewölbt, glänzend, unbehaart, schwarz. Kopf flach
gewölbt, nach vorn in flachem Bogen verschmälert, am Vorder-
rande ist derselbe leicht ausgerandet, jederseits mit sehr kleiner
Spitze versehen, die Oberfläche ist fein, zusammenfließend punk-
tiert, nach vorn zu werden die Riefen feiner. Das Halsschild ist
schwach gewölbt, hinter den abgerundeten Vorderwinkeln etwas
verflacht, diese Verflachung verschmälert sich nach hinten, die
Seiten sind gerandet, in der Hinterhälfte geradlinig abgeschrägt,
die Hinterwinkel sind stumpf und sehr deutlich, die Basis ist ge-
randet, die Oberfläche ist ziemlich dicht, aber etwas ungleich groß
punktiert, die Punkte werden von der Basis nach vorn zu all-
mählich feiner, in der Mitte bemerkt man eine schwach vertiefte
Linie, die nach vorn zu undeutlicher werdend, sich fast bis an den
Vorderrand erstreckt. Die Flügeldecken sind an der Wurzel so
breit wie das Halsschild an der Basis, sie haben einen kräftigen,
nach außen gerichteten Schulterdorn, auf dem Rücken sind sie
etwas abgeflacht, auch etwas feiner gestreift als an den Seiten, die
Streifenpunkte, welche vor der Spitze verschwinden, greifen haupt-
sächlich die innere Seite der sehr fein punktierten Zwischenräume
an, letztere sind auf dem Rücken flach, an den Seiten und an der
Spitze konvex, hier sind sie außerdem auch stark verschmälert.
Die Unterseite und Schenkel sind fein punktiert, das Metasternum
ragt als scharfe Spitze in das Mesosternum hinein, es hat in der
Mitte eine nach hinten mehr vertiefte Längsfurche. An den Mittel-
schenkeln befindet sich hinten eine ganze, an. den Hinterschenkeln
eine kurze Randlinie, ein accessorischer Enddorn fehlt den Hinter-
Zur Kenntnis der Gattungen Canthon Hiffsg., Sybax Boh. usw. 145
tibien, die beiden Enddorne sind sehr verschieden lang, der obere
ist viel kürzer als das 1. Tarsenglied, dieses ist so lang wie der
übrige Fuß.
6 mm. Neu-Guinea.
An der länglichen, flachen Gestalt, dem verhältnismäßig fein
und dicht punktierten, nach hinten verschmälerten Halsschilde,
den scharfen Hinterwinkeln an demselben, den flachen Zwischen-
räumen auf dem Rücken der Flügeldecken, der fein punktierten
Unterseite und der spitz und weit in das Mesosternum hinein-
reichenden Hinterbrust zu erkennen.
21. Ataenius canaliculatus n. sp.
Schwarz, flach gewölbt, oberseits mit gelblichen Borsten be-
kleidet. Der Kopf ist herabgewölbt, in. der Mitte beulig aufgetrieben.
nach vorn gerundet verschmälert, daselbst sehr flach ausgerandet
und jederseits verrundet, die Oberfläche ist sehr dicht, fein runzlig
punktiert. Der Thorax ist wenig gewölbt, seitlich
verflacht, breiter als die Flügeldecken, flachbogig
nach hinten verschmälert, vor den Hinterwinkeln sind
die Seiten ausgerandet, die Oberfläche ist dicht
runzlig punktiert, in der Mitte mit ganzer Längsver-
tiefung (a), jederseits davon eine kürzere Vertiefung
(d), die vorn an eine Quervertiefung (c), die pa-
rallel zur Basis verläuft, heranreicht, weiter nach
vorn, aber näher zur Mittellinie liegt je ein kürzerer
Eindruck (d). Diese Unebenheiten des Halsschildes treten um so
deutlicher hervor, wenn. dasselbe angefeuchtet ist. Die Seiten und
Basis sind ohne Rand, jedoch mit kurzen Borsten bewimpert. Die
Flügeldecken sind hinter der Mitte schwach verbreitert, der Schulter-
dorn ist nach vorn und außen gerichtet, die Zwischenräume haben
Rhyssemus-artige Skulptur, der 1. an der Naht ist dicht punktiert,
jeder Punkt trägt eine aufstehende Borste, die folgenden Zwischen-
räume sind je mit 2 Reihen Tuberkeln besetzt, die innere Reihe
ist schwächer, neben jedem Tuberkel befindet sich eine nieder-
liegende Borste, die äußere Tuberkelreihe ist etwas deutlicher,
neben jedem Tuberkel befindet sich eine aufstehende Borste, der
3.,5., und 7. Zwischenraum ist imganzen etwas feiner skulptiert. Die
Unterseite ist etwas glänzend und ziemlich dicht punktiert, die
Unterseite der Vorderschenkel, die Mittelbrust und das Pygidium
sind fein runzlig punktiert und deshalb matt, die Mittelbrust ragt
spitz in das Mesosternum, sie hat eine gleichmäßig vertiefte Mittel-
linie, die Mittel- und Hinterschenkel haben eine undeutliche untere
Randlinie, die Enddorne der Hintertibien sind sehr ungleich, der
obere ist kürzer als das 1. Tarsenglied, dieses ist nicht ganz so lang
wie der übrige Fuß.
4 mm. Neu-Pommern.
Ataenius interstitialis Fairm.
Diese Art wurde von Fairmaire in Ann. Soc. Ent. Belg. XXVII
1883 p. 5 beschrieben. Ich fand die Type dieser Species in einer
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 9.
4A. canalicu-
latus, Thorax.
10 9. Heft
146 Adolf Schmidt: Zur Kennt nis der Gattungen Canthon Hffsg, usw.
Sendung, die mir durch Herrn Gebien aus dem Hamburger Museum
zuging. Fairmaire rechnete die Art zur Gatt. Oxyomus. Nach der
jetzigen Charakteristik dieser Gattung kann ihr interstitialis nicht
mehr zugerechnet werden, die Art gehört zu Ataenius Har.
Da die Beschreibung Fairmaire sehr kurz, zum Teil auch un-
genau ist, so gebe ich eine Neubeschreibung.
Länglich, flach gewölbt, mattglänzend, schwarz. Der Kopf
ist breit gerundet verengt, die Mitte ist beulig erhaben, die Ober-
fläche ist längszusammenfließend punktiert, nur hinter dem Vorder-
rande bleibt ein schmaler, glatter und glänzender Raum übrig,
der Clypeus ist leicht ausgerandet und jederseits mit kleinem
Zähnchen versehen. Der Thorax ist flach gewölbt, sehr dicht, an
den Seiten und hinten runzlig punktiert, die Punkte sind längs der
Mitte nach vorn feiner, seitlich bemerkt man zwei leichte Quer-
eindrücke, der vordere liegt hinter den Augen, der andere mehr in
der Mitte, auch ist eine Längsfurche vor dem Schildchen angedeutet,
die Seiten und Basis sind ohne glatte Randung, aber kurz be-
wimpert, die ersteren verlaufen bis in ungefähr 2/, der Länge gerade
und parallel, dann sind sie zur Basis hin ausgerandet. Die Flügel-
decken sind nach hinten. schwach erweitert, sie haben einen nach
vorn und außen gerichteten Schulterdorn, ihre Längsstreifen sind
tief, die Zwischenräume sind flach, mit unregelmäßig gestalteten
Quererhöhungen, Fairm. nennt es ‚‚transversim plicatulis‘, also
mit einer ähnlichen Skulptur, wie sie Rhyssemus zuweilen zeigt,
vor der Spitze werden die Zwischenräume schmäler, kielförmig, sie
zeigen hier eine Reihe länglicher Tuberkeln, der erste Zwischen-
raum zeigt eine dichte Punktreihe, jeder Punkt trägt eine kurze
aufstehende Borste, die folgenden Zwischenräume zeigen je 2 Reihen
kurzer Börstchen, die Reihe an der innern Seite ist feiner, mehr
liegend, die an der äußeren Seite stärker und aufgerichtet, letztere ist
es, die man bei Lupenvergößerung sieht, deshalb erscheinen die
Zwischenräume nur einreihig beborstet. Das Metasternum ist in
der Mitte mit schwacher Mittellinie versehen und ziemlich stark
punktiert, kräftiger wie Schenkel und Abdomen, letztere beiden
aber immerhin noch sehr deutlich und auch kurz beborstet, die
Metasternalplatte ragt als scharfe Spitze weit in das Mesosternum
hinein. Die Vordertibien sind hellrct und stark glänzend, die
Vorderschenkel, Mittel- und Hinterbeine dunkelrot, die Enddorne
der Hinterschienen sind an Länge sehr verschieden, der obere ist
fast so lang wie das 1. Tarsenglied, dieses ist etwas kräftiger als
die folgenden Glieder und wenig kürzer als diese.
41, mm. Insel Mioko, Neu-Guinea.
In der rauhen Skulptur der Oberseite ähneln sich A. canalicu-
latus, strigifrons und interstitialis. Letztere beiden Arten stehen
sich am nächsten, sie haben den Kopf längszusammenfließend
punktiert, nur mit dem Unterschiede, daß bei strigifrons vorn ein
viel breiterer, glatter Raum, der mindestens Y, der Kopflänge
entspricht, übrig bleibt, beide Arten haben ferner auf den Flügel-
Embrik Strand: Rezensionen 147
decken unregelmäßig gestaltete Quererhöhungen oder Querfalten,
diese lösen sich aber bei interstitialis an den Seiten und haupt-
sächlich vor der Spitze in Tuberkeln auf, Halsschild und Flügel-
decken sind bei strigifrons deutlicher beborstet, bei interstitialis
fehlen die Borsten auf dem Halsschilde, letzteres ist in seinem
Seitenrande ganz andres geformt, so fehlt ihm der Zahn, den strigi-
frons an. der Seite besitzt, die Metasternalplatte ist bei letzterer
Art vorn stumpfspitzig, sie reicht kaum in das Mesosternum hinein,
bei interstitials dagegen ragt sie als scharfe Spitze weit in. die
Mittelbrust hinein. Die Abdominalsegmente sind bei interstitialis
vorn nicht gerieft, das letzte ist in seiner Mitte breit vertieft, bei
strigifrons sind alle Segmente vorn deutlich gerieft, das letzte ist
‚ohne Vertiefung, die Metasternalplatte hat bei interstitialis eine
feine, gleichmäßig vertiefte Mittellinie, bei strigifrons ist dieselbe
vorn und hinten grubig vertieft. In der Form des Halsschildes
gleicht interstitialis am meisten. canaliculatus, doch fehlt letzterem
das Clypealzähnchen, der Kopf ist nicht längszusammenfließend
punktiert, der Thorax zeigt mehr Eindrücke, die Skulptur der
Flügeldecken ist viel rauher und schon auf dem Rücken in einzelne
Tuberkeln aufgelöst.
14. Beriehtigungen.
Im Archiv für Naturgeschichte 1916 A, Heft 1, p. 111 be-
schrieb ich Aphodius mirus, derselbe gehört in das Subgen.
Craterocyphus. Infolge eines Schreibfehlers wurde dort statt
Crateroceyphus das Subgen. fälschlicherweise Craterocephalus ge-
nannt.
In derselben Zeitschrift wird p. 114 Gonaphodiellus sexguttatus
mit maculosus verglichen, maculosus ist ebenfalls ein Schreibfehler,
es muß Gonaphodiellus bimaculosus heißen.
Rezensionen.
Nur Schriften, die zu dem Zweck an die Redaktion des Archivs für Natur-
geschichte eingesandt werden, können hier besprochen werden. Außerdem
werden sie in den Jahresberichten behandelt werden. Zusendung von
Rezensionsschriften erbeten’an den Herausgeber des Archivs:
Embrik Strand, Berlin N. 54, Brunnenstraße 183.
Steiner, G. Untersuchungsverfahren und Hilfsmittel zur Er-
forschung der Lebewelt der Gewässer. (Bildet den 7. und
8. Teil des ‚„Handbuches der mikroskopischen Technik‘,
herausgegeben von der Schriftleitung des ‚„Mikrokosmos‘‘).
145 pp. Lexikonformat mit 2 Tafeln und 150 Textfiguren.
Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1919. Preis M. 6.—,
geb. M. 9.—.
Das Studium der Lebewelt der Gewässer wird heutzutage
bekanntermaßen auch in weiteren Kreisen eifrig betrieben, schon
10* 9. Heft
148 Embrik Strand: Rezensionen
auch wegen des damit verbundenen praktischen Nutzens, Dennoch
hat es bisher an einem geeigneten Handbuch über die dabei in Be-
tracht kommenden Untersuchungsverfahren und Hilfsmittel ge-
fehlt. Ein solches liefert Verf., der Privatdozent der Zoologie an
der Universität Bern und selbst ein bekannter Hydrobiolog ist,
in dem vorliegenden Buch, das uns zeigt, wie die Wunderwelt des
Wassers beobachtet, gefangen, gehalten und gepflegt wird, wie sie
Forschungsgegenstand wird, welches all die Mittel sind, die uns
dabei helfen usw.; es ist sowohl für den Anfänger als den Vor-
gerückten bestimmt und kann bestens empfohlen werden.
Strand.
Goldschmidt, Richard. Die quantitative Grundlage von Ver-
erbung und Artbildung (Heft XXIV der ‚Vorträge und Auf-,
sätze über Entwicklungsmechanik der Organismen“, herausgeg.
von Wilhelm Roux). 163 pp. Lexikonformat, mit 28 Ab-
bildungen im Text. Berlin. Verlag von Julius Springer. 1920.
Preis 38.—.
Klar und gründlich behandelt Prof. Goldschmidt Geschlecht
und Vererbung, multiplen Allelomorphismus und Faktoren-
quantität, Faktorenquantität und geographische Variation, Fak-
torenquantität und Selektion, und zeigt, daß es heute in bezug auf
das Evolutionsproblem nicht so hoffnungslos steht, wie die Führer
auf dem Pfad der Kritik des Darwinismus es zum Teil darstellen;
es gilt aber, den Formalismus, in dem das Werk der experimen-
tellen Erblichkeitslehre sich z. T. verloren hat, aufzugeben und den
hier gemachten Fortschritt in richtiger Weise mit den anderen
Zweigen der Biologie, besonders der Entwicklungsphysiologie, zu
verknüpfen. — Für jeden Forscher auf diesem Gebiet ist die Arbeit
unentbehrlich. Strand.
Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch-Indie& uit- _
gegeven door de Kon. Natuurk. Vereeniging in Nederl.-Indie
onder redactie van Dr. J. Boerema (Bd. 79: Dr. C. Braak).
Bd. 77, 78 u. 79 (1918—1920) bzw. 258, 256 u. 268 pp. 8°.
Illustr. Weltevreden und ’s Gravenhague.
Die fleißigen niederländisch-indischen Naturforscher, die in
dieser Zeitschrift ihre Arbeiten publizieren, sind hauptsächlich auf
den Gebieten der Meteorologie, Vulkanologie, Geomorphologie und
verwandten Wissenschaften tätig, während die biologischen Natur-
wissenschaften, in diesen drei Bänden wenigstens, fast nicht ver-
treten sind; zoologisch sind zwei Artikel über Simulium-Larven,
Interessenten mögen sich an Herrn Dr. J. Boerema, Tjemaralaan 27,
Weltevreden (Java) oder-an die Buchhandlung Martinus Nijhoff
im Haag wenden. Embrik Strand.
ARCHIV
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F.A. WIEGMANN
FORTGESETZT VON
WERBZERICHSON;; FH: TROSCHEL
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF
W. WELTNER unD E. STRAND
f en,
S———
me ua \
SECHSUNDACHTZIGSTER JAHRGANG
1920
Abteilung A
en 10. Heft
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND
(BERLIN)
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin
Inhaltsverzeichnis.
Vitzthum. Acarologische Beobachtungen. 4. Reihe. (Mit
50 Textfiguren) . a ee
Quast. Beiträge zur Kenntnis der Samenübertragung bei
Ephestia kuehniella Zeller. (Mit 13 Textfiguren) .
Deegener. Soziologische Studien an Raupen und Bemer-
kungen über Licht- und statischen Sinn. (Mit 5 Textfiguren)
Acarologische Beobachtungen.
4. Reihe.
Von
Graf Hermann Vitzthum, Mittenwald.
(Mit 50 Terttirurenil,
1. Einzelne Bemerkungen.
a) Berichtigung. Bei den Literaturangaben zum Genus Li-
ponyssus Kolenati ist in der 2. Reihe dieser „Acarologischen Be-
obachtungen‘ im ‚Archiv für Naturgeschichte‘“, Jahrgang 1918,
Abteilung A, Heft 6, ein Schreibfehler unterlaufen. Es muß da-
selbst heißen:
1. Lip. corethroproctus Oudms. bei me Tijdschrift voor
Entomologie Bd. 45, S. 15.
2. Lip. lepidopeltis Klti. bei Oudemans, ebenda S. 130.
Daß es auf derselben Seite unten bei Nr. 19 ‚‚lacertarum‘‘, und
nicht ‚‚lacertum‘‘, heißen muß, wird der Leser bereits selbst ver-,
bessert haben.
b) Die seit 1914 erschienene ausländische Literatur
konnte weder bei der vorliegenden noch bei den vorhergegangenen
Reihen dieser ‚Beobachtungen‘ berücksichtigt werden. Trotz der
dankenswerten Bemühungen holländischer Freunde gelang es mir.
nicht, in dieselbe Einsicht zu nehmen.
c) Parasitus (Gamasus) eonsors Oudemans et Voigts,
Deutonympha. — Oudemans und Voigts beschrieben 1904
im „Zoologischen Anzeiger‘ Bd. 27, S. 654, und in den Abhand-
lungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen, Bd. 18,
S. 225, die unter Steinen bei Bremen gefundene Deutonympha
ihres Parasitus consors. Ich fand in Weimar im Mai früherer
Jahre, teils frei lebend, teils auf drei verschiedenen, nicht be-
stimmten Käfern, eine ganze Reihe von Parasitus-Deutonymphen,
auf welche die Oudemans-Voigts’sche Beschreibung in allen Einzel-
heiten paßt. Die von Oudemans mit 616 u angegebene Länge des
Idiosoma schwankte zwischen 570 und 660 u. Übereinstimmend.
war vor allem ferner die hinter den Schulterhaaren senkrecht auf,
der Leibeskante stehende kleine Borste, die Undulierung des,
mittelsten Teiles des Vorderrandes des Notogasters, die jedoch
Archiv für N: schi >
en ae # 10. Heft
> Graf Hermann Vitzthum:
nicht bei allen Individuen gleich ausgeprägt ist, die großen Ju-
gularia, die 3 Paar auffallend kleinen Haare auf der hinteren
Bauchfläche usw. Aus diesen UÜbereinstimmungen dürfte mit
Sicherheit hervorgehen, daß man es mit derselben Art zu tun ge-
"habt hat. Dennoch ließen sich aber auch Unterschiede feststellen.
Nebensächlich erscheint, daß das dreispitzige Epistom nur in einem
Falle die von Oudemans-Voigts angegebene Form mit der abge-
stumpften Mittelspitze hatte; in allen anderen Fällen war die
Mittelspitze spitz und überragte die Seitenspitzen. Denn die
Variabilität solcher mehrspitzigen Epistome ist bekannt.- Wich-
tiger ist dagegen, daß kein Stück auf dem Hinterrand des Noto-
gasterss 2 Paar besonders lange Haare aufwies, sondern immer
nur eins, und zwar steht dieses an der Stelle, die Oudemans-
Voigts dem äußeren Paar der 4 von ihnen beobachteten langen
Haare zuwiesen. Das hinterste Paar der Notogasterhaare, das
nach Oudemans-Voigts dieselbe Länge wie jenes äußere Paar
haben müßte, erreichte bei allen in Weimar gesammelten In-
dividuen diese Länge nie, zeigte jedoch bei manchen Stücken
die Neigung, sich zu größerer Länge zu entwickeln als die übrigen
Rückenhaare. Man muß daher wohl zu dem Schluß kommen,
daß nicht 4, sondern nur 2 besonders lange Haare zu den cha-
rakteristischen Eigentümlichkeiten von Parasitus consors gehören,
und daß das hinterste Paar der Notogasterhaare nur in Sonder-
fällen eine wirklich auffallende Länge erreicht.
Daraus ergibt sich dann ferner, dal der Gamasus (Gamasus ?)
modestus, dessen Deutonympha Berlese in der ‚„Redia‘ Bd. 3,
5. 267, beschreibt und ebenda Taf. 5, Fig. 10, abbildet, tatsächlich
mit Parasıitus consors identisch ist, wie Berlese selber für möglich
hält. Er behauptet zwar, bei seinen aus Norwegen stammenden
Exemplaren die 4 auffallend langen Haare nicht bemerkt zu haben,
zeichnet aber an der richtigen Stelle 4 Haare, die, wie es auch
bei der Oudemans-Voigts’schen Art der Fall ist, bei gleicher Stärke
deutlich länger sind, wie die übrigen Rückenhaare der hinteren
Rumpfgegend. Bei Berlese’s Art mißt die Länge des Idiosoma
620 u, was mit Par. consors übereinstimmt, und darauf, daß bei
ihr die Mittelspitze des Epistoms erheblich länger ist als die Seiten-
spitzen, darf man, wie gesagt, nicht allzuviel Gewicht legen.
Berlese’s Gamasus modestus dürfte sicherlich auch die anderen
Eigentümlichkeiten des Par. consors aufweisen, wenn dies auch
aus der reichlich knappen Beschreibung nicht hervorgeht.
d) Seirus norvegieus wurde 1905 von Dr. Sig Thor im
„Zoologischen Anzeiger‘ Bd. 29, S. 203 —207, als n. sp. beschrieben
und war bisher nur in drei Exemplaren aus Grudbrandsdalen in
Norwegen bekannt, die daselbst am 5. August 1904 bei Grjotli
gefunden waren. Ein Stück der Art wurde aber auch am 25. Fe-
bruar 1912 von Dr. Anton Krauße bei Sorgono auf Sardinien
im Nest von Camponotus maculatus var. aethiops gefangen. Auf
dieses Stück paßt die Beschreibung der Art von Thor in allen
Acarologische Beobachtungen 3
Einzelheiten ganz genau. Z. B. ist auch hier ein scharf markierter,
weißlicher Rückenstreifen vorhanden, und die Hauptmasse des
Rumpfes ist von prachtvoller Amethystfarbe, während die vor dem
vorderen Augenpaar gelegenen Teile in ein leuchtendes Ziegelrot
übergehen, eine schöne Farbenzusammenstellung, die durch die
rubinfarbenen Augen noch hervorgehoben wird. Die norwegischen
Stücke messen in der Länge von der Spitze der Mandibulae bis
zum Rumpfende 1700 -2000 u bei 500 u Breite, während das
sardische Stück nur 700 u lang und bei leichter Verbreiterung
durch Deckglasdruck 310 u breit ist. Bezüglich der Behaarung
der Beine bei den norwegischen Stücken sagt Thor nur, es sei
eine „reiche Beborstung‘ vorhanden. Es scheinen ihm also keine
Haare der Beine durch irgendwelche Besonderheiten aufgefallen
zu sein. Bei dem sardischen Stück findet sich aber dorsal auf
Tibia I, II und IV sowie auf dem proximalen Teil von Tarsus III
und IV je ein glattes Haar auf besonders großer Ansatzpfanne,
welches die übrigen Haare an Länge um das Doppelte und Drei-
fache übertrifft und außerdem dadurch besonders hervorsticht,
daß es sich nicht dem betreffenden Beingliede wie die kürzeren
Haare einigermaßen anschmiegt, sondern senkrecht zur Achse des
Grliedes nach hinten absteht. Diese Haare in Verbindung mit dem
sehr erheblichen Größenunterschied, der doch wohl über das
Maß individueller Größenschwankungen weit hinausgeht, dürften
Veranlassung bieten, von einer besonderen Scirus norvegicus
Sig Thor var. sardicus nov. var. zu sprechen, sofern man
nicht dem Tier überhaupt den Rang einer neuen Art zu-
erkennen will.
e) Pedieuloides formiearum Berlese 2 (vergl. ‚Zoologischer
Anzeiger‘, Bd. 27, S. 24-25) wurde bisher nur von Dr. Silvestri
bei Portici hauptsächlich auf Formica fusca, doch auch auf an-
deren Ameisen gefunden. Die Art ist auch in Thüringen all-
jährlich Ende Juli und Anfang August auf den geflügelten Tieren
von Lasius fuliginosus anzutreffen. Dies ist der „Pygmephorus“,
den ich 1919 im ‚„Zoologischen Anzeiger‘ Bd. 50, S. 188-189,
als myrmecophil erwähnte.
2. Die pseudoparasitischen Milben der Brenthidae.
Der Brenthiden-Systematiker R. Kleine in Stettin legte eine
Sammlung von Brenthiden vor zum Studium der ihnen als Pseudo-
parasiten anhaftenden Milben. Das Ergebnis beweist, daß die
Brenthidae in noch höherem Grade den Belästigungen durch
Milben ausgesetzt sind, wie die /Pidae, was in der Ähnlichkeit
des Aufenthaltsorts begründet sein dürfte, nur daß die Brenthiden
von den Tarsonemidae verschont bleiben, wofür sie umso häufiger
von Uropodidae heimgesucht werden, für die die /pidae im all-
gemeinen offenbar zu klein sind. -— Es wurden auf folgenden
Brenthiden die nachstehend aufgeführten Milbenarten fest-
gestellt:
1® 10. Heft
4 Graf Hermann Vitzthum:
1. Gruppe: Trachelizini.
Trachelizus bisulcatus Fabricius
aus Java und Neu-Guinea; über das ganze indomalayische, ma-
layische und austromalavische (Grebiet verbreitet:
a) Tyroglyphus Macgillauvryi Oudemans, Wandernymphe, ohne
weiteres kenntlich an dem halbkreisförmigen, weit -»vor-
springenden Vorderrand des Prosoma, der die Beine I und II
so gut wie ganz überdacht und in der Hauptsache nur die
außerordentlich langen Sinneshaare auf Tibia I sichtbar läßt.
Die Art wurde bisher nur 1910 in Banjoewangi auf Java auf.
einer nicht näher bestimmten Blattide gefunden. Vergl.
Oudemans in den ‚Entomologische Berichten“ Bd. 3,
Ss. 169-170: |
Histiogaster javensis Oudemans, Wandernymphe. Auch diese
Art wurde bisher nur 1910 in Banjoewangi auf derselben
Blattide gefunden. Vgl. Oudemans, ebenda, S. 170.
&
Cerobates adustus Senna
aus Java; kommt auch auf Borneo und Sumatra vor: war frei
von Milben, was wohl Zufall gewesen sein mag.
Hypomiolispa exarata Desbrochers des Loges
aus Java; kommt auch auf Sumatra, Mentawei und allen Philip-
pinen vor: Tyroglyphus novisimilis n. sp., Wandernymphe. Vgl.
hier unten. Die Art erhielt ihren Namen wegen ihrer Ähnlichkeit
mit Tyroglyphus novus Oudemans, der 1906 bei Bremen gefunden
wurde; vgl. OQudemans a. a. O. Bd. 2, S. 122.
2. Gruppe: Arrhenodini.
Prophthalmus tricolor Power
aus Manila: Uropoda philippinensis n. sp., Deutonympha. Vgl.
hier unten.
Prophthalmus potens Lacordaire
aus Vorderindien und Assam:
a) Crllibano romana (Canestrini), Deutonympha. Diese häufige
Art war bisher nur aus Mittel- und Südeuropa bekannt.
Vgl. Berlese, ‚‚Acari, myriopoda et scorpiones hucusque
in Italia reperta‘‘, Heft 11, Nr. 2, Taf. 167, und dort Zitierte.
b) Anoetus prophthalmi n. sp., Wandernymphe; vgl. hier unten.
Prophthalmus Dourgeoisi Power
aus Vorderindien und Ceylon:
a) T'yroglyphus novisimilis n. sp., Wandernymphe.
b) Cillibano applicata n. sp., Deutonympha; vgl. hier unten.
Acarologische Beobachtungen 5
Baryrhynchus latirostris Gyllenhal
aus Java: |
a) Tyroglyphus novisimilis n. sp., Wandernymphe.
b) Cillibano malayica n. sp., Deutonympha; vgl. hier unten.
Baryrhynchus dehiscens (Gyllenhal
aus Sumatra: Trachytes sumatrensis n. sp., Deutonympha; vgl.
hier unten; eine besonders interessante Art.
Arrhenodes dispar Linne
aus Joinville, Brasilien: Uropoda arrhenodis n. sp., Deutonympha;
vgl. hier unten.
Episphales pictus Kirsch
aus Kolumbien: Anoetus crenulatus Oudemans, Wandernymphe,
ohne weiteres kenntlich an dem reizend gekräuselten Vorderrand
des Notogasters. Die Art wurde bisher nur 1909 in Holland auf
Necrophorus vespillo gefunden; vgl. OQudemans a. a. OÖ. Bd. 9,
S. 23—24.
Caenorychodes serrirostris Fabricius
aus Java; auch in Sumatra vorkommend,
a) Tyroglyphus Macgillauvryi Oudemans, Wandernymphe.
b) Tyroglyphus novisimilis n. sp., Wandernymphe.
c) Uropoda orychodis n. sp., Deutonympha; vgl. hier unten.
3. Gruppe: Belopherini.
Ectocemus cinnamomeus Herbst
von den Philippinen, auch auf den Molukken vorkommend:
a) Anoetus prodectoris n. sp., Wandernymphe; vgl. hier unten.
b) Histiogaster entomophagus (Laboulbene) 2; vgl. Michael,
„British Tyroglyphidae‘‘ Bd. 2, S. 55-66, und dort Zitierte.
Das Vorkommen des weiblichen Prosopons auf einem Käfer
ist höchst absonderlich und beruht wohl nur auf Zufall. Es
war kein Unterschied von der europäischen Form zu ermit-
teln; sonst hätte die Hoffnung bestanden, das noch unbe-
kannte ® von Histiogaster javensis gefunden zu haben. Viel-
leicht hat das eine gefundene Tier aber mit der Herkunft
des Ectocemus überhaupt nichts zu tun. Denn Laboulbene
lernte 1852 die Art als Schädling in Insektensammlungen
kennen, und hier könnte sich das Vorkommen vielleicht
ähnlich erklären.
Raphidorhynchus longimanus Fabricius
aus Brasilien: Tyroglyphus novwisimilis n. sp., Wandernymphe.
10. Heft
6 Graf Hermann Vitzthum:
4. Gruppe: Brenthini.
Brenthus anchorago Linne
aus Santa Catharina, Brasilien, überhaupt über ganz Mittel- und
Südamerika verbreitet: Hypopus spinitarsus Hermann, Wander-
nymphe. Es muß allerdings hinzugefügt werden, daß infolge eines
Mißgriffs bei der Präparation die Art nicht durchaus sicher be-
stimmt werde konnte.
Brenthus deplanatus Gyllenhal
aus Guatemala, auch bis Südamerika hinunter verbreitet:
a) Uropoda diademata n. sp., Deutonympha; vgl. hier unten.
b) Tyroglyphus mayaorum n. sp., Wandernymphe; vgl. hier
unten.
Claeoderes biserrirostris Boheman
aus Mexico: Uropoda azteka n. sp., Deutonympha; vgl. hier unten.
5. Gruppe: Ceocephalini.
Hormocerus reticulatus Fabricius
von der malayischen Insel Sumbava, aber auch sonst weit ver-
breitet:
a) Cillibano applicata n. sp., Deutonympha.
b) Tyroglyphus Macegillauryi Oudemans, Wandernymphe.
c) Anoetus trichophorus Oudemans, Wandernymphe. Die Art,
deren Typenexemplar sich im Naturhistorischen Museum zu
Hamburg befindet, wurde bisher nur 1911 bei Amani in
Östafrika auf Platypus dispar Schauff gefunden; vgl. Oude-
mans, a. a..'0., Bd: 3,.5..259- 286:
Neoceocephalus sculpturatus Senna
aus Kamerun: Uropoda atlantıca Vitzthum, Deutonympha. Ich
fand die Art schon 1914 auf Mallodon Downesi Hope, einer Ce-
rambycide aus der Unterfamilie der Prioninae von der Elfenbein-
küste. Sie wird in meinen „Acarologischen Beobachtungen“,
1. Reihe, die in den ‚Zoologischen Jahrbüchern‘ erscheinen
sollen, beschrieben und abgebildet.
Eubactrus semiaeneus Lacordaire
von den Fidji-Inseln: Anoetus polynesiacus n. sp., Wandernymphe;
vgl. hier unten.
6. Gruppe: lIthystenini.
Prodector Fruhstorferi Senna
aus Bua-Kraeng, Süd-Celebes: Anoetus prodectoris n. sp., Wander-
nymphe. 5 1
Diurus furcillatus Gyllenhal
aus Java, aber auf allen Sunda-Inseln verbreitet, war wohl nur
zufällig frei von Milben.
# *
Acarologische Beobachtungen ';
Die den Drenthidae anhaftenden Milben gehören also aus-
schließlich zu den Uropodidae und Tyroglyphidae. Es fehlen, wie
gesagt, die Tarsonemidae und die wirklich parasitischen Käfer-
milben aus der Familie der Canestriniinae. Daß nur Deutonymphae
vorkommen -— abgesehen von dem einen unklaren Fall des Hıstro-
gaster entomophagus —, deckt sich mit allen bisherigen Erfahrungen,
Das Mißverhältnis zwischen der Zahl der Tyroglyphiden-
Arten, von denen auch das Prosopon, und derjenigen, von denen
nur die Wandernymphe bekannt ist, ist nunmehr noch gesteigert.
Es zeigt sich aber, daß auch für die Uropodidae ein gleiches Miß-
verhältnis zu entstehen droht. Die Zahl der Uropoda- (s. str.),
Cillibano- und Trachytes-Arten, deren Prosopon bekannt ist, ist
trotz der Häufigkeit der meisten dieser Arten gering, und sie wird
mehr und mehr zurückbleiben hinter der Zahl der nur als Deuto-
nympha bekannten Arten.: Schon unsere heimische Fauna kany
den Beweis hierfür erbringen. Man beschäftige sich nur mit kopro-
philen Käfern oder anderen Insekten, die von Uröpodiden be-
fallen zu werden pflegen, und man wird erkennen, daß es schon
in Deutschland erheblich mehr verschiedene Uropodiden-Deuto-
nymphen gibt, als der Zahl der bei uns bekannten adulten Formen
entspricht.
Die adulten Formen der Brenthiden-Milben kennen zu lernen,
dürfte wohl durchaus im Bereich der Möglichkeit liegen. Wahr-
scheinlich brauchte nur ein Sammler mit geschultem Auge die
Aufenthaltsorte der Brenthiden daraufhin zu untersuchen. Denn
da, wo die Brenthiden von den Deutonymphen überfallen werden,
da müssen auch die anderen 'Jugendstadien und die adulten For-
men der betreffenden Arten zu finden sein, voraussichtlich also
unter Baumrinde.
3. Dermanyssus quintus n. Sp.
Die Gattung Dermanyssus wurde 1834 von Duges ın den
Pariser ‚‚Annales des sciences naturelles‘“ Bd. 1, S. 18, aufgestellt.
Typus der Gattung ist der ‚„Pulex gallinae‘‘ Redi, den dieser
Autor schon 1668 in seinen in Florenz erschienenen ‚Esperienze
intorno alg’ insetti‘‘ Taf. 2 abbildet und den Dug&s Dermanyssus
avium benennt, obwohl de Geer 1778 in den ‚„M&moires pour
servir a l’histoire des Insectes‘‘ Bd. 7, S. 47 und auf Taf. 6, Fig. 13,
für den „Acarus gallinae‘‘ die alte Redi’sche Bezeichnung als Art-
namen im Linne’schen Sinne genommen hatte. €. L. Koch hielt
denn auch in den ‚Crustaceen, Myriapoden und Arachniden
Deutschlands‘, Heft 4, Fig. 14, an dem rechtmäßigen Namen
Dermanyssus gallinae fest und trennte von diesem, Heft 24, Fig. 6,
nur irrtümlich einen Derm. columbinus als besondere Art ab. Aber
das Synonym Derm. avium taucht in der Literatur doch immer
wieder hier und da Verwirrung stiftend auf.
Bisher kannte man vier Arten in der Gattung Dermanyssus,
zu deren systematischer Gruppierung die Länge der Peritremata
10. Hedi
s Graf Hermann Vitzthum:
die Unterlage bietet. Am seltensten ist der von Berlese und
Trouessart auf Passer domesticus gefundene und von ihnen in
Ihren ‚Diagnoses d’acariens nouveaux ou peu connus‘“ behandelte,
an der auffallenden Länge der Beine sofort kenntliche Derm.
longipes. Eu steht wegen der Länge der Peritremata der Typenart
nahe. In die andere Gruppe mit kurzem Peritrema gehören der
ebenda behandelte Derm. passerinus Berlese et Trouessart, auch
auf Passer domesticus gefunden, und Derm. hirundinis (Hermann),
den schon 1804 Hermann im ‚„M&moire apterologique‘, S. 87,
Nr. 8, nebst Taf. 1, Fig. 13, unter der Bezeichnung Acarus hirun-
dinis erwähnt und von dem 1844 Gervais in den ‚,‚Histoires
naturelles des insectes. Apteres.“ Bd. 3, S. 223, unter der ver-
wirrenden Bezeichnung Derm. avium irrtümlich glaubt, eine weitere
besondere Art abtrennen zu müssen.
Alle diese Arten stehen hinsichtlich der Häufigkeit des Vor-
kommens weit zurück hinter der Typenart, und darum wird der
hier zu beschreibenden neuen Art am besten Derm. gallinae zum
Vergleich gegenüber gestellt werden müssen.
Femina. — Länge des Idiosoma 650 -690 u. Größte Breite
420 —435 u. Die Größenverhältnisse sind bekannter Weise ab-
hängig vom Ernährungszustand und von dem etwaigen Zustand
der Gravidität. — Gestalt genau wie bei der Vergleichsart. —
Farbe bei auffallendem Licht olivgrau mit weiß sich scharf ab-
hebendem Exkretionsapparat und schwarzen Flecken, die durch
irgendwelche Bestandteile des Körperinhalts hervorgerufen werden;
bei durchfallendem Licht ockergelb mit schwarz sich abhebendem
Exkretionsapparat, die Sternalgegend kaffeebraun. In vollgesoge-
nem Zustand weinrot.
Rückenseite (Fig. 1). — Ein einheitlicher Rückenschild
deckt der Form und dem Umfang nach genau wie bei der Ver-
gleichsart einen großen Teil der Rückenfläche. Struktur des
Schildes grob schuppig, jedoch, da er nur schwach chitinisiert ist,
nur schwer erkennbar. Textur der weichhäutigen Flächen mäßig
fein gerunzelt. Im vorderen Drittel zeigt der Rückenschild eine
Gruppe von kreisrunden oder ovalen, symmetrisch angeordneten
Flecken, die sich durch etwas hellere Farbe abheben. Ihre Be-
deutung ist unklar; es scheint, als ob die Chitinplatte an diesen
Stellen etwas dünner und darum durchscheinender wäre. — Be-
haarung. Auf dem vordersten Schildrand ein Paar glatter, steif
nach vorn gerichteter Vertikalborsten. Auf dem Schilde in seinem
mittleren Drittel, beginnend inmitten der erwähnten Flecken-
gruppe, fünf Paar glatter Haare, von ziemlich gleicher Länge,
wie die Vertikalborsten, doch feiner und weicher als diese. Alle
anderen Haare der Rückenfläche sind lang und biegsam, fast
weich. Sie erscheinen bei flüchtigem Hinsehen glatt und sind
dies auch in dem überwiegenden Teil ihrer Länge, doch sind sie
distal einseitig fein sägezahnartig eingekerbt, was jedoch nur dann
zu erkennen ist, wenn man das betreffende Haar zufällig in der
Acarologische Beobachtungen N)
Seitenansicht zu sehen bekommt. Ein dem Femur II angehörendes
‘Haar gleicher Art gibt Fig. 4 wieder. Es ist noch nie darauf auf-
merksam gemacht worden, daß die Rumpfhaare auch der Ver-
gleichsart diese Form haben. Solcher Haare stehen vier Paare
über Trochanter I und II auf dem Rückenschilde und ungefähr
zwei Dutzend auf den weichhäutigen Seitenrändern. Ein bedeutend
-
Fig 1.
Dermanyssus quintus 2.
kürzeres Haarpaar gleicher Form ganz am Rumpfende, und ein
Paar nochmals um die Hälfte kürzerer Haare dicht vor diesen
nahe dem hinteren Schildrande.
" Bauchseite (Fig. 2). Das Tritosternum wurde nicht erkannt.
Es muß sehr schlank und unscheinbar sein, ebenso wie die Laciniae.
Jugularia und Praesternale fehlen. Das kaffeebraune Sternale ist
der am stärksten ausgefärbte Teil des ganzen Tieres. Trotzdem
sind seine Seitenkanten schwer zu erkennen. Die ganze Platte
ist eigentlich kaum mehr als eine schmale Querleiste. Ihre Vorder-
kante ist nach vorn konvex, ihre Hinterkante bedeutend kürzer
und nach vorn konkav. Die Struktur ist nicht erkennbar. Meta-
sternalia und Endopodialia fehlen. Das Genitale reicht nach
hinten bis in die Mitte der breiten Bauchfläche, soweit sie hinter
den Coxae IV gelegen ist, zurück. Sein Hinterrand ist hier breit
abgerundet. Zwischen den Coxae -IV verjüngt es sich ein wenig
und verbreitert sich dann wieder. Von den Coxae III an läßt
sich die Seitenkante nicht weiter nach vorn verfolgen. Zwischen
10. Heft
10 Graf Hermann Vitzthum:
den Coxae III beginnt auf einer genau wagerechten Ouerlinie die
strahlenartige Zeichnung, die bei Laelaptidae radiär zu verlaufen
pflegt. Hier jedoch erstrecken sich die Strahlen durchaus parallel
zueinander bis in den Bogen der Hinterkante des Sternale hinein,
abgesehen von den etwas radiär gestellten alleräußersten Strahlen
rechts und links. Es fehlt somit hinter dem Sternale die weich-
häutige Partie mit quergerunzelter Haut, die bei der Vergleichs-
art vorhanden ist und auf die auch Oudemans in der ‚Tijd-
schrift voor Entomologie‘“ Bd. 45, S. 13, aufmerksam macht. —
Zwischen Coxae IV ist ein Paar schräg gestellter ovaler Endogynia
sichtbar. — Peritremtalia und
A/ Inguinalia fehlen. — In ge-
2% ringem Abstand vom Grenitale
SS folgt als breites Queroval das
Kg Anale, welches den Hinter-
SE rand des Rumpfes fast er-
) ugl reicht und hinter seiner Mitte
8 Es den Anus umschließt. — Die
“ni kleinen Stigmata liegen auf
/ \ der Höhe der Hinterkante der
in IN Coxae III. Die Peritremata
FR [ Ti Lilli ’ streben mit nur geringfügiger
RUHNINHRM 3chli z
ws URN Schlängelung vorwärts und
® enden blind auf der Höhe des
6 ES, R Vorderrandes der Coxae II.
7 & = \ = Die Art gehört also mit der
Vergleichsart und Derm. lon-
N V£&, ’__\ N gibes in die Gruppe der For-
Ri > SA men mit verhältnismäßig
u \ langem Peritrema. — Be-
tm N\ haarung. Das schmale Ster-
MN 1aarung e
A ' \ x nale bietet nicht Platz genug
für die drei Paare ‘der
Fig. 2. Sternalhaare. Das vorderste
Dermanyssus quintus 9. Paar dieser Haare steht vor
dem Sternale, doch so dicht
daran, daß seine Ansatzstellen die Vorderkante der Platte
berühren. Das mittlere und hinterste Paar stehen zwischen
Coxae II und auf der Höhe des Hinterrandes von Coxae II auf
ungepanzerter Hautfläche. Diese Anordnung stimmt also mit der
Vergleichsart überein. In ‚Les parasites et les maladies parasi-
taires“ (Paris 1880) erschien dies Megnin offenbar so unwahr-
scheinlich, daß er auf Taf. 1 in Fig. 1 und 3 bei der Abbildung
von Derm. gallinae die Hinterecken des Sternale so weit nach
hinten zog, daß sie bis hinter Coxae III reichen. Das Metasternal-
paar steht dicht neben dem hintersten Paar der Sternalhaare und
ist fast bis in den Zwischenraum zwischen Coxae II und III hinaus-
gedrängt. Das Genitalpaar steht auf dem Grenitale schräg vor den
Acarologische Beobachtungen 11
Endogynia. Alle diese Haare sind glatt und von der Länge der
glatten Haare auf dem Rückenschild. Etwas kürzer und borsten-
artiger sind die üblichen drei Haare auf dem Anale. An ebenfalls
glatten Ventralhaaren wurden im Bereich der die übrige Bauch-
fläche bedeckenden gerunzelten Haut wahrgenommen ein Paar
hinter Coxae IV seitlich des Genitale und zwei Paare seitlich auf
dem Zwischenraum zwischen (Genitale und Anale. Eine ganz be-
sondere Art von Haaren ziert als besonderes Kennzeichen der Art
ventral den hinteren Leibesrand. Sie sind schwertförmig, wie in
Fig. 3 dargestellt, im Umriß, wahrscheinlich jedoch nicht flach
wie eine Schwertklinge, son-
dern von kreisförmigem Quer-
schnitt; wenigstens gelang es
nicht, eins dieser Haare hoch-
kant stehen zu sehen. An
jeder Hinterecke des Rumpfes
zeichnen sich drei bis vier der
Haare durch besondere Länge
aus. Eine Reihe ebensolcher
Haare, die in einfacher Linie
stehen, zieht sich vom Hinter-
rand der Coxae IV zu den Fig. 3.
„Ecken des Rumpfes. Sie Dermanyssus quintus Q.
sind der auch hier in gewöhn-
licher Weise gerunzelten weichen Haut eingepflanzt. Mit ihren
regelmäßigen Abständen halten sie aber so genau die Richtung
inne, daß es ein Bild ergibt, als ob sie ein Ventrale um-
säumten. «
Gnathosoma. Das Epistom entspricht dem der Vergleichs-
art. Sonst konnten vom Gnathosoma nicht viele Einzelheiten
festgestellt werden. Die Gabel am Palptarsus ist zweizinkig, was
auf eine Verwandtschaft der Gattung mit den Laelaptinae hin-
deutet. Die Mandibulae sind zu langen Stiletten umgewandelt,
wie bei der Vergleichsart.
Beine. Längen, gemessen vom innersten Ende der Coxae
bis zum Ansatz des Praetarsus: I 470, II 422, III 422 (wegen
einer bei allen vorliegenden Stücken wiederkehrenden, die Messung
erschwerenden Krümmung wahrscheinlich etwas zu kurz ge-
messen), IV 460 u. Stärke und Gliederung wie bei der Vergleichs-
art. Alle Femora mit kurzem Basifemur. Tarsi II, III und IV
mit Basitarsus, der bei Tarsus I nur ventral angedeutet ist. Tarsi II,
III und IV außerdem mit einer angedeuteten, jedoch nicht aus-
gebildeten Abschnürung eines Telotarsus. Die Behaarung der
Beine besteht in glatten Borsten ziemlich gleicher Länge und
Stärke. Eine Ausnahme bilden nur je ein Haarpaar dorsal und
distal auf Femur II, das, allerdings ohne durch besondere Stärke
oder Länge aufzufallen, an dieser Stelle und durch seine Richtung
an die Liponyssus-Arten erinnert, und je ein ebensolches Haar
10. Heft
> Graf Hermann Vitzthum:
auf Femur III und IV. Diese Haare, deren eins Fig. 4 wiedergibt,
sind in ihrem vorderen Teil einseitig sägeähnlich leicht gezähnelt,
ganz wie die langen Rückenhaare. Tarsus I
\ ist, namentlich distal, reich mit weichen
| Haaren ausgestattet. Die ungegliederten Prä-
tarsı mit ihren kräftig gebogenen Krallen
wie bei der Vergleichsart.
Mas. Länge des Idiosoma 560 —580 u.
Größte Breite 400 u. Gestalt wie bei der
Vergleichsart. Farbe wie beim 9.
Rückenseite (Fig. 5). "Der Rucen
schild grobschuppiger Struktur nach Form
Fig. 4. und Umfeng wie bei der Vergleichsart. Er
Dermanyssus zeigt dieselbe Gruppe von hellen Flecken im
; qwintus 5 vorderen Drittel und dieselben fünf Paare
kurzer Haare wie beim 9. Neben den Ver-
Eldihaazen ein Paar Borsten. Sie sind wohl nicht als akzessorische
Vertikalhaare zu bezeichnen, sondern entsprechen wohl vielmehr
den Haaren, die sich beim ? an der gleichen Stelle finden, nur daß
sie dort länger sind. Auf dem Rückenschild über Trochanter I
und II sowie auf den mäßig fein gerunzelten weichen Hautflächen
Fig. 5. Fig. 6.
Dermanyssus quintus 3. Dermanyssus quintus S.
En
stehen Haare derselben Art wie beim 9, doch bieten sie einen ab-
weichenden Gesamtanblick, da sie kürzer und darum weniger
biegsam sind und da sie auch in geringerer Zahl auftreten.
Bauchseite (Fig. 6). Das Tritosternum wurde nicht er-
kannt. Jugularia und Prästernale fehlen. Desgleichen fehlen
Endopodialia, Peritrematalia und Inguinalia. Sämtliche anderen
Acarologische Beobachtungen 18
Platten sind zu einem einheitlichen Schild verschmolzen, der vorn
bei der Genitalöffnung hinter Coxae I beginnt, seine Vorderecken
etwas in der Richtung auf den Zwischenraum zwischen Coxae I
und II vorschiebt, seitliche Spitzen zwischen Coxae II und III,
wo die größte Breite erreicht wird, und zwischen Coxae III und IV
entsendet, sich hinter Coxae IV nur wenig verbreitert und schließ-
lich, mit geraden Seitenkanten sich gleichmäßig verjüngend, dem
Rumpfende zustrebt, welches er nicht ganz erreicht. In diesem
schlank abgerundeten hintersten Teil umschließt er den Anus.
Die Struktur ist schuppig. Diese Einheitlichkeit des großen
Mittelschildes steht im Gegensatz zu den Angaben, die OQudemans
a. a. ©. S. 13 über Derm. gallinae $ macht. Er berichtigt hier die
Ansicht aller früheren Autoren dahin, daß bei der Vergleichsart
hinter Coxae IV ein besonderes Ventrale abgeteilt sei
und zeichnet auf Taf. 1, Fig. 3, dementsprechend. Ich
wage nicht, die Richtigkeit der Beobachtung dieses
Klassikers unter den Acarologen in Zweifel zu ziehen.
Nachzuprüfen vermag ich die Angabe nicht. Denn
alle zur Verfügung stehenden männlichen Stücke von
Derm. gallinae gestatten gerade die Untersuchung
dieser Ventralgegend nicht, wie denn überhaupt
diese Art ein recht schwieriger Untersuchungsgegen-
stand ist. — Behaarung. Fünf Paare glatter Haare
von derselben Länge, wie beim 9, stehen an üblicher
Stelle auf dem Schilde in der Sternalgegend und
zwischen den Coxae III sowie IV. Zwei Paare eben-
solcher Haare stehen auf dem dem Ventrale ent-
sprechenden Teil, und in geringerer Länge stehen die
bekannten drei Haare in der Gegend des Anus. Auf
der mäßig fein gerunzelten, weichhäutigen Fläche
finden sich nur wenige Haare seitlich des hinteren
Teiles der Mittelplatte und zwei Paare etwas längerer
und steiferer Haare ganz am Rumpfende. Alle
diese letzteren Haare halte ich für glatt. Die
schwertförmigen Haare des © fehlen. Infolge-
dessen ist das $ nicht so leicht von dem der
Vergleichsart zu unterscheiden. Hauptunterscheidungsmerkmal
sind eigentlich nur die hellen Flecke auf dem vorderen Teil des
Rückenschildes, und selbst diese sind nicht immer so ganz leicht
zu sehen. — Stigmata und Peritremata wie beim 9.
Gnathosoma. Epistom und Mandibulae wie bei der Ver-
gleichsart. Gabel am Palptarsus zweizinkig.
Beine. Längen, gemessen vom innersten Rande der
Coxae bis zum Ansatz des. Prätarsus: I 377, II 23%,
III 330, IV 377 u. Stärke, Gliederung, Behaarung der Beine, Bau
der Praetarsi: alles ganz wie beim 9. Nur Tarsus IV zeichnet sich
in Übereinstimmung mit der Vergleichsart an der Innenseite
durch einen kleinen spornartigen Vorsprung aus; vergl. Fig. 7.
Fig. 7.
Dermanyssus
quintus 9.
10. Heft
14 «“raf Hermann Vitzthum:
Bei einzelnen Stücken findet sich dieser Widerhaken auch am
Tarsus Ill.
Gefunden von mir.
Tempus: 22. Juni 1918.
Patria: Üsküb, Mazedonien.
Habitat: auf Dendrocopus maior.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Alle Jugendstadien sind unbekannt.
4. Laelaps (Hypoaspis) spirostrepti Oudemans.
1914. Hypoaspis spirostrepti Oudemans, ‚„Entomologische Be-
richten“ Bd. 4, S. 69. Kurze Diagnose des 9.
1915. Aypoaspis spirostrepti Oudemans, ‚Archiv für Natur-
geschichte“, 81. Jahrgang, Abteilung A, S. 131-134. Be-
schreibung und Abbildung des 9.
‘ Femina. Es liegt nur ein Stück vor. Länge des Idiosoma
1165 u. Größte Breite 780 u. Länge des Rückenschildes 1000 u,
seine größte Breite 600 u.
Der Oudemans’schen Beschreibung ist nichts hinzuzufügen.
Auch das vorliegende Stück zeigt die eigenartige Verhärtung und
Ausfärbung der ursprünglich weichhäutigen Flächen des Rückens,
der Seiten und in kaum geringerem Grade auch der Bauchseite.
Die feine Runzelung dieser Teile bleibt aber trotz der Verhärtung,
wenn auch schwerer erkennbar, bestehen. Daß es zur Bildung
eines „scutum marginale‘‘ käme, möchte ich daher lieber nicht
unterschreiben.
Oudemans erwähnt eine dorsal auf Femur IV stehende Borste,
die, bei gleicher Länge wie die übrigen Borsten der Beine, sich
durch ihre Stärke auszeichnet. Das vorliegende Stück trägt auf
Femur IV dorsal zwei Borsten von auffallender Stärke, außerdem
aber an gleicher Stelle je eine ebensolche starke Borste auf Femur
II und III. In dieser Hinsicht stimmt die Art also mit dem unten
als n. sp. zu beschreibenden Laelaps (Hypoaspis) indicus überein.
Die Unterseite der Beinglieder besitzt keine verstärkten Borsten.
Mas. Länge des Idiosoma 860-870 u. Größte Breite 510 bis
530 u. Grestalt elliptisch, mit leichter Andeutung von „Schultern“.
Beine lang und schlank, wie beim 9. Farbe wie beim 9.
Rückenseite (Fig. 8). Der Kückenschild deckt die ganze
kückenfläche und greift sogar ringsum etwas auf die Bauchseite
über. Das ist überraschend. Denn bisher unterschied man beim
Subgenus Hypoaspis zwei Gruppen. Bei der einen, zu der außer
der Typenart Hypoaspis Krameri Canestrini (G. et R. Canestrini,
Nuove specie del genere Gamasus, S. 1083; Gamasi italiani, S. 60
mit Taf. 5, Fig. 6; G. Canestrini, Prospetto dell’ acarofauna
italiana, S. 80) nur noch der myrmecophile Hypoaspis elegantulus
Berlese (Berlese, ‚‚Redia‘“‘ Bd. 1 (1903), S.241, und S. 414—415)
gehört, liegt der Rückenschild in beiden Geschlechtern lediglich
der Rückenfläche auf. Bei der anderen mit Laelaps laevis Michael
Acarologische Beobachtungen 15
(Michael, ‚On the Association of Gamasids with Ants‘ S. 648;
Berlese a. a. ©. S. 406-408) als Typus biegt sich der Rücken-
schild in beiden Geschlechtern ventralwärts um. Mit der in beiden
Geschlechtern verschiedenen Ent- .
wicklung des Rückenschildes
schiebt sich Hyp. spirostrepti
zwischen diese beiden Gruppen
ein. Die Struktur des Schildes
ist schuppig.
Es wurden auf der Rücken-
fläche 94 glatte, kräftige Haare
gezählt, die denen des 2 glei-
chen. Die eigentlichen Verti-
kalhaare sind nicht länger als
die überwiegende Zahl der
Rückenhaare, zeichnen sich aber
durch ihre Richtung nach vor-
wärts aus. Sie werden flankiert
durch ein Paar nur halb so
langer akzessorischer Vertikal-
haare. Das hinterste Paar am
Rumpfende ist etwas länger als
die übrigen Haare. Zwischen
ihnen steht ein bedeutend kür- Fig. 8.
zeres Haarpaar. Der ventral
umgebogene Teil des Rücken-
schildes trägt auch noch etwa 11 Haarpaare, die denen der
eigentlichen Rückenfläche gleichen.
Bauchseite (Fig. 9). Sämtliche Platten der Bauchfläche
sind, wie es dem Subgenus eigentümlich ist, zu einer Einheit ver-
schmolzen. Auch beim & zeigt sich die bereits
beim 2 beobachtete Verhärtung und Durchfärbung
der ursprünglich weichhäutigen Flächen. Infolge-
dessen sind die Seitenkanten der Plattengegend,
die dem Ventrale und dem Anale entspricht, so
gut wie nicht zu erkennen. Die Vorderkante des
Sternale scheint nach vorne zu stufenförmig ab-
zufallen; ein wirkliches Prästernale war aber nicht
wahrzunehmen. Die zentrale Platte entsendet
Vorsprünge zwischen die einzelnen Coxae und
verbreitert sich hinter Coxae IV, sodaß sie die
Form hat, die dem Subgenus allgemein zu-
kommt. Genital- und Analöffnung an üblicher
Stelle. Die üblichen 5 Haarpaare auf dem
Vorderrand des Sternale, zwischen Coxae II, in der Höhe des
Zwischenraumes zwischen Coxae II und III, zwischen Coxae III
und hinter Coxae IV sind länger als die Haare der Ventralgegend,
fast so lang wie die Rückenhaare. Hinter dem zweiten und dritten
Hypoaspis spirostrepti 3.
Fig. 9.
Hypoaspis spi-
rostrepti Ö.
10. Heft
16 Graf Hermann Vitzthum:
dieser Haarpaare befindet sich je ein kurzer, feiner Schlitz, der
dem an entsprechender Stelle auf dem Sternale des 2 entspricht.
Das Hinterende der Analöffnung wird von zwei Borsten flankiert;
eine unpaare Borste hinter dem Anus, nahe dem Rumpfende.
Auf der dem Ventrale entsprechenden Fläche stehen noch 5 Paar
Borsten.
Die Stigmen liegen an üblicher Stelle. Die Peritremata ver-
laufen in ganz flacher Schlängelung bis über Coxae I. Die Peri-
trematalia sind ebenso breit wie sie und reichen nach hinten etwas
über die Stigmen hinaus. |
Das Gnathosoma konnte nicht studiert werden; es scheint
in der Hauptsache dem des 2 zu entsprechen. Besonders bedauer-
lich ist, daß an keinem der fünf Exemplare das Epistom erkannt
werden konnte. Es muß sehr hyalın sein.
Die Beine gleichen denen des 9. Wie oben bereits gesagt,
zeichnen sich durch auffallende Stärke aus eine Borste dorsal auf
Femur II, eine Borste dorsal auf Femur III und zwei Borsten
dorsal auf Femur IV. Ventral zeigt die Beborstung der Beine
keine Besonderheiten, auch nicht am Femur II.
Gefunden von Rektor W. Wagner, Fuhlsbüttel bei Hambg.
Tempus: Oktober 1914; die Oudemans’schen Weibchen
waren im Juni gefangen.
Habitat: auf einem lebenden SPpirotreptus spec.
Patria: der Herkunft des Sprrotreptus entsprechend nun-
mehr auch Indien, nachdem die Art bisher nur aus Ost-Afrika
bekannt war.
Die bearbeiteten Exemplare befinden sich in meiner Samm-
lung.
Bemerkungen. Jugendstadien unbekannt. — Es ist be-
dauerlich, daß sich nicht feststellen läßt, ob die Oudemans’schen
Weibchen etwa von derselben Spirotreptus-Art stammen wie die
hier behandelten Stücke.
5. Laelaps (Hypoaspis) indieus n. Sp.
Femina. Länge des Idiosoma 1280 u. Größte Breite 820 u.
Gestalt sehr plump: vorn und hinten halbkreisförmig abgerundet,
mit parallelen Seitenlinien, ohne Andeutung von „Schultern“. Der
plumpe Gesamteindruck wird auch nicht durch Schlankheit der
Beine gemildert. — Farbe: in den am stärksten chitinisierten
Teilen, also auf dem Rückenschild, auf dem Sternale und an den
Coxae, satt kastanienbraun, im übrigen ockerbraun heller ab-
getönt.
Rückenseite (Fig. 10). Länge des Rückenschildes 1000 u,
seine größte Breite 615 u. Der Schild, dessen Struktur schuppig
ist, läßt, wie bei Hyp. spirostrepti, ringsum einen Streifen ur-
sprünglich weichhäutiger Fläche frei, sogar vorn vor den Vertikal-
haaren. Auch bei dieser neuen Art zeigt sich die Erscheinung, daß
die weichhäutigen Flächen verhärten und dabei nachdunkeln, so-.
Acarologische Beobachtungen 75
daß die Grenze des Rückenschildes bei einem voll ausgefärbten
Exemplar nicht so ganz leicht zu erkennen ist. Eine Andeutung
von der ursprünglichen feinen Runzelung der weichen Haut bleibt
trotz der Verhärtung bewahrt.
Als längste Haare des ganzen Rumpfes stehen auf dem Vor-
derrand des Rückenschildes die beiden eigentlichen Vertikalhaare.
Sie sind zu kräftigen, zugespitzten Stiften verdickt. Ein Paar
ganz kurzer akzessorischer Vertikalhaare flankiert sie, die man
kaum anders, denn als zugespitzte Zäpfchen bezeichnen kann.
Die gleiche Form haben alle anderen Haare der Rückenfläche.
Wo diese kurzen, stummelhaften Gebilde senkrecht nach oben
gerichtet sind, da ist von ihnen kaum mehr zu erkennen, als das
helle kreisrunde Fleckchen der An-
satzpfanne. Solcher Haare wurden
auf der Schildfläche 44 gezählt,
deren Anordnung hinsichtlich der
Symmetrie manches zu wünschen
übrig läßt. Die meisten dieser Haare
sind von einem hellen, ebenfalls kreis-
runden Pünktchen begleitet, welches
an den Vorderrand der Ansatzpfanne
nahezu anstößt. Diese Pünktchen er-
innern an die ‚Poren‘‘ neben man-
chen Rückenhaaren vieler Uropodidae.
Außerdem wurden in ziemlich sym-
metrischer Verteilung auf der Schild-
fläche noch 16 —17 einigermaßen kreis-
runde, scharf begrenzte helle Flecke
festgestellt, deren Anordnung in keinem
Zusammenhange mit der der Haare
steht. Diese Flecke machen nicht den Fig. 10.
Eindruck von Muskelansatzstellen; ich Hypoaspis indieus 2.
halte sie vielmehr für der Art eigentüm-
liche dünne Stellen in der Chitinplatte des Schildes. — Auf
den ursprünglich weichhäutigen Teil der Rückenfläche und auf
die Seiten des Rumpfes verteilensich dann noch einige Dutzend
Haare, die denen des Rückenschildes gleichen.
Bauchseite (Fig. 11). Das Tritosternum doppelt so lang
wie hinten breit; seine Laciniae lang und ringsum dicht und fein
behaart. Die weichhäutigen Teile der Bauchfläche sind ebenso
der Verhärtung unterworfen, wie die der Rückenfläche, worunter
die Erkennbarkeit mancher Einzelheiten leidet. Das Sternale ist
die einzige Platte der Unterseite, die sich von ihrer Umgebung
deutlich abhebt, weil es kräftig kastanienbraun durchgefärbt ist.
Es fällt nach dem Tritosternum hin stufenförmig ab, doch sind
ein wirkliches Prästernale oder Jugularia nicht zu erkennen;
Vorder- und Hinterkante des Sternale zeigen mancherlei unsym-
metrische Unregelmäßigkeiten. Grundsätzlich ist die Vorderkante
Archiy für Naturgeschichte b)
1920. A. 10. “ 10.7 Elefe
18 Graf Hermann Vitzthum:
etwas konkav, während die Hinterkante eher etwas konvex wäre,
wenn sie nicht in der Mitte eine kräftige Einbuchtung besäße.
Vorn entsendet das Sternale Spitzen zwischen die Coxae I und II.
Noch auffallender sind die Spitzen, die sich im letzten Drittel des
Sternale seitwärts zwischen die Coxae II und III schieben. Die
Struktur des Sternale ist schuppig. Metasternalia fehlen. Das
Genitale ist überaus schwer zu erkennen, weil seine Farbe fast
völlig mit der der umgebenden Teile übereinstimmt. Seine Länge
ıst normal, aber es ist ganz ungewöhnlich schmal. Da es hinten
ebenfalls kreisförmig abgerundet ist, hat es dieselbe tropfenförmige
(restalt wie bei Hyp. spirostrepti. Nach vorne hin, wo sich eine
radiäre Streifung vermuten läßt, wird es unsichtbar. Die Struktur
läßt sich überhaupt nicht erkennen.
Zwischen den Coxae IV ein Paar
stärker chitinisierter Endogynia. --
Die Inguinalia sind breit oval, groß
und liegen sehr weit vorn, fast an die
Coxae IV anstoßend. — Die Peritre-
matalia scheinen kaum breiter zu sein
als die Peritremata. Sie reichen nach
hinten bis über die Stigmata hinaus
und nähern sich hier den Inguinalia. —-
Ein Ventrale fehlt. -— Das Anale ist
inmitten der verhärteten Umgebung
ebenfallsnurschwer zuerkennen. Esläßt
einen weiten Zwischenraum zwischen
sich und dem Genitale. Seine Gestalt ist
herzförmig. Der Anus liegt vorn in
der Linie der größten Breite. Endopo-
dialia sind in der Gegend zwischen
Fig. 11. Coxae III und IV angedeutet. Das
Hypoaspis indieus 2. Sternale trägt die gewöhnlichen drei
Haarpaare an üblicher Stelle. Hinter
dem vordersten und dem mittleren Paar befindet sich, wie bei
Hyp. spirostrepti, je ein feiner Schlitz. Diese Schlitze mögen er-
wähnt sein, weil Oudemans sie bei Hyp. spirostrepti hervorhebt.
Es muß aber gesagt werden, daß sie nicht etwa eine Besonderheit
dieser Arten bilden, sondern daß sie vielmehr bei vielen Laelaptiden
und Parasitiden an gleicher Stelle zu sehen und wahrscheinlich
in diesem Artenkreis überhaupt stets vorhanden sind. Das Paar
der Metasternalhaare steht auf der Höhe des Zwischenraumes
zwischen Coxae III und IV. Die Genitalhaare stehen auf dem
Vorderrand des hinteren kreisförmigen Teiles des Genitale. Auf
dem Anale die gewöhnlichen drei Haare an üblicher Stelle. Alle
diese Haare sind etwas länger und feiner als die Haare der Rücken-
fläche; sie müssen als borstenförmig bezeichnet werden. Auf dem
hinteren Rumpfteil stehen seitlich des Anale eine Anzahl Haare,
die hingegen in der gedrungenen Form wieder denen der Rücken-
Acarologische Beobachtungen 19
seite gleichen. Ventralhaare wurden zwischen Genitale und Anale
nicht ermittelt: daß sie fehlen, was absonderlich wäre, soll damit
jedoch nicht unbedingt gesagt sein.
Das Epistom ist sehr hyalin und äußerst schwer zu erkennen.
Man bemerkt von ihm eigentlich nur eine zarte radiäre Streifung.
Einmal glaubte ich den in der Zeichnung angegebenen Umriß zu
sehen. Doch glaube ich selbst, daß dies irrtümlich war. Denn
sonst würde das Epistom des © allzu sehr von dem des 5 abweichen.
Die eigenartige Form von Hyp. spirostrepti 2 hat das Epistom
jedenfalls nicht. Im übrigen konnte das Gnathosoma nicht studiert
werden.
Die Beine sind nicht schlank, wie bei Hyp. spirostrepti,
sondern, dem plumpen Bau des Rumpfes entsprechend, stämmig.
Beine I etwas schwächer als»die übrigen. Wahrscheinlich sind die
Beine I in der Zeichnung etwas zu kurz wiedergegeben; es erklärt
‘sich das durch die unglückliche Lage der Beine im Präparat, die
zu verändern nicht gelang. Die Gliederung der Beine ist normal.
Tarsi II, III und IV mit deutlichem Basitarsus, der bei Tarsus I
nur ventral angedeutet ist. Alle Tarsi enden stumpf abgerundet
und machen daher einen plumpen Eindruck. Abgesehen von den
Spitzen der Tarsi, besonders von Tarsus I, besteht die Behaarung
der Beine aus Dornen verschiedener Länge. Überwiegend sind sie
kurz. Einige von ihnen sind aber auch auffallend verlängert oder
verdickt.
Bein I zeigt dorsal auf dem Trochanter eine, auf dem Femur
vier etwas verstärkte Dornen, auf dem Tarsus eine etwas ver-
stärkte Borste. Ventral dagegen finden sich am Femur drei deut-
lich verstärkte Dornen, am Genu und an der Tibia je zwei sehr
starke Dornen sowie ein kurzer Chitinzapfen, der auch am Tarsus
wiederkehrt. Die Tarsusspitze ist reich mit ziemlich weichen
Haaren ausgestattet, besonders dorsal.
Bein II hat dorsal nur auf dem Femur einen und auf dem
Basitarsus zwei auffallend kräftige Dornen. Ein Paar nur wenig
schwächerer Dornen folgt dorsal in der Mitte des Tarsus, und zwei
sehr starke Chitinzapfen flankieren ganz distal den Ansatz des
Praetarsus. Ventral besitzt Bein II einen kurzen, kräftigen Dorn
auf dem Trochanter. Am Femur folgen dann drei ganz starke
Dornen, von denen zwei geradezu als riesenhaft bezeichnet werden
müssen. Fast ebenso groß und stark ist je ein Dornenpaar am
Genu und an der Tibia. Der Tarsus hat ventral ebenfalls drei
kräftige Zapfen.
Bein III trägt dorsal vor allem auf dem Femur einen sehr
Starken Dorn. Kürzer und etwas schwächer treten hier an Dornen
ferner auf: zwei auf dem Genu und einer auf dem Basitarsus.
Zwei sehr starke Dornen flankieren auch den Ansatz des Prä-
tarsus, stehen aber nicht ganz so distal, wie am Tarsus II. Ventral
er II je ein sehr starkes. Dornenpaar am Genu und an der
ibia.
+ 10. left
20 Graf Hermann Vitzthum:
Bein IV besitzt dorsal zwei außerordentlich große Dornen und
einen etwas kürzeren Zapfen auf dem Femur sowie kürzere starke
Dornen auf der Tibia und dem Basitarsus. Die Tarsusspitze ist
wie Bein III ausgestattet. Ventral hat Bein IV einen kleinen,
kräftigen Dorn am Trochanter, je einen sehr starken, langen Dorn
am Femur und Genu, und ein Paar sehr starker Dornen an. der
Tibia.
Was also die auffallenden Dornen auf der Oberseite der Fe-
mora 1I, III und IV betrifft, so ist die Art in dieser Hinsicht
ebenso ausgestattet, wie Hyp. spirostrepti.
Die ungegliederten Fraetarsi tragen sehr gut entwickelte Haft-
lappen, jedoch überraschend zarte Krallen.
Mas. Länge des Idiosoma 945 u. Größte Breite 705 u. Ge-
stalt von der des ? gänzlich abweichend; es sind deutliche ‚‚Schul-
tern vorhanden, hinter denen die Linie der größten Breite liegt ;
von da an verjüngt sich der Umriß nach hinten, und man kann
sogar sagen, daß das Rumpfende sich etwas zuspitzt. Farbe wie
beim 2.
Rückenseite (Fig. 12). Der Rückenschild deckt die ganze
Rückenfläche, greift aber nicht auf die Bauchseite über. Seine
2% “ Struktur ist schuppig wie beim ®. &
Bi R\ Als längste Haare des ganzen
Sure? St Rumpfes stehen auf dem vorder-
2er sten Schildrand auf erhöhten An-
satzpfannen die sehr starken
eigentlichen Vertikalhaare, flan-
kiert von einem Paar ganz kurzer
akzessorischerVertikalborsten. Im
übrigen sind ungefähr 2 Dutzend
Haare in symmetrischer Anord-
nung über die Schildfläche verteilt.
210712, : : ET Fig. 13:
& © Sie weichen von denen des 2 1nso- ee
Hypoaspis indi- f i Bes ne Hypoaspis indi-
us &. ern etwasab, als sie etwas länger us’
und nicht ganz so gedrungen
sind, wie jene. Waren jene als zugespitzte Zapfen zu bezeichnen
so gleichen diese mehr kurzen Dornen oder Borsten. Auch hier
kehrt das porenähnliche Gebilde dicht neben den Ansatzstellen.
der Haare wieder, und ebenso die über die Schildfläche verteilten;
scharf umrandeten helleren Flecke, letztere jedoch in geringerer
Zahl als beim 9.
Bauchseite (Fig. 13). Das Tritosternum scheint dem des 2
zu gleichen. Infolge der auch hier auftretenden Verhärtung aller
ursprünglich weichhäutigen Flächen ist die ganze Bauchseite von
einem fast einheitlichen Panzer bedeckt, der sich an die Rücken-
panzerung anschließt. Immerhin ist klar zu sehen, daß Sternale,
Genitale, Endopodialia, Ventrale und Anale zu einer Einheit ver-
schmolzen sind, wie es der Untergattung zukommt. Struktur dieser
großen Platte schuppig. Die Peritrematalia scheinen breit zu sein;
Acarologische Beobachtungen 21
sie erstrecken sich über die Stigmata erheblich nach rückwärts
hinaus. Die ziemlich großen Stigmata liegen auf der Linie des
Hinterrandes der Coxae III. Die Peritremata streben in nur flacher
Schlängelung nach vorn und erreichen das Vorderende von Coxa I
nicht. — Die Genitalöffnung liegt an üblicher Stelle auf dem Vor-
derrand des Sternale. — An Behaarung finden sich die gewöhn-
lichen fünf Haarpaare in der Sternal- und Metasternalgegend
zwischen den Coxae sowie die üblichen drei Haare in der Anal-
gegend. Diese 13 Borsten sind etwas länger als die übrigen Haare
des Rumpfes. Außerdem steht eine Anzahl von Haaren derselben
Art, wie auf dem Rückenschild, auf dem hinteren Rumpfteil auf
den seitlichen ursprünglich weichhäutigen Flächen.
Gnathosoma. Das Epistom ist sehr schwer zu erkennen.
Ich glaube, es hat -die in Fig. 12 angedeutete Form mit vielfach
und sehr tief gespaltenen Vorderrand; es würde demnach dem von
Hypoaspis stabularıs (C: L. Koch) 2 oder, noch mehr, dem von
Haemogamasus horridus Michael $ ähneln. Mitunter aber schien
mir auch, es hätte nur die einfachere Form, die ich auch beim 9
erkannt zu haben glaubte. Die Behaarung der Palpi ist dornig.
Daß die Gabel am Palptarsus zweizinkig ist, bedarf keiner Er-
wähnung. Die Mandibulae konnten nicht herauspräpariert werden.
Sicher ist, daß sie sehr denen von Hypoaspis Krameri Canestrini &
ähneln, namentlich in Bezug auf den sehr langen, hakenförmigen
Anhang am Digitus mobilis. Weitere Einzelheiten des Gnathosoma
konnten nicht studiert werden.
Beine. Hinsichtlich der Länge, Stärke und Gliederung
gleichen die Beine denen des $. Auch ihre Beborstung ist im all-
gemeinen ebenso. Jedoch sind die großen Dornen auf der Ventral-
seite von Femur II schwächer als beim 9, was man beim männ-
lichen Geschlecht gerade an dieser Stelle am wenigsten erwarten
sollte. An den Tarsi II, III, IV fehlen die distalen Dornen, die
beim © den Ansatz der Praetarsi flankieren. Prätarsi wie beim 9.
Gefunden von Rektor W. Wagner, Fuhlsbüttel bei Hambg.
Tempus: Oktober 1914.
Habitat: auf einem lebenden Spirothreptus spec.
Patria: der Herkunft des Spirothreptus entsprechend Indien.
Typen in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Die Jugendstadien sind unbekannt.
. Die auffallende Bedornung beider Geschlechter an der Unter-
seite der Beine II erinnert stark an Androlaelaps pilifer Oudemans;
vergl. ‚‚Archiv für Naturgeschichte‘ 79. Jahrgang 1913, Abteilung
A, Heft 8, S. 179-183. Man könnte deshalb versucht sein, die
Art ebenfalls in die Untergattung Androlaelaps Berlese 1903 zu
stellen; vergl. ‚Zoologischer Anzeiger“ Bd. 27, Nr. 1, S. 14, und
„Redia“ Bd. :8,034439.
- In der Diagnose von Androlaelaps heißt es, Bares secundi
paris in utroque sexu femure calcarato (genu et tibia armatis)‘“.
Typus dieser Untergattung ist Laelaps hermaphrodita Berlese, den
10. Heft
2 Graf Hermann Vitzthum:
ich jedoch nur aus Berlese’s ‚Acari, myriopoda et scorpiones“
Heft 40, Nr. 6 mit Taf. 59 kenne. Unter einem „calcar‘“ kann
man doch wohl nur eine spornartige Apophyse verstehen. Wenn
Berlese gegebenenfalls auch ein zu einem Dorn verstärktes Haar
gemeint hätte, so deutet sein ganzer Sprachgebrauch darauf hin,
daß er dann außerdem von ‚spinis perrobustis‘‘ geredet haben
würde. Die Abbildungen der erwähnten Taf. 59 sind in dieser
Hinsicht nicht ganz klar. Fig. 7 scheint indessen anzudeuten,
daß der femorale Sporn bei Androlaelaps hermaphrodita in einer
Apophyse besteht, mindestens, daß der betreffende Dorn einem
apophysenartigen Höcker aufsitzt. Ganz sicher besitzt Androlae-
laps Karawaiewi Berlese am Femur II eine spornförmige Apo-
physe; vergl. ‚‚Redia‘“ Bd. 1, Taf. 16, Fig. 133b. Da nun aber
Hypoaspis indicus am Bein II nur außerordentlich stark aus-
gebildete Dornen, jedoch nicht die leiseste Andeutung einer Apo-
physe besitzt, so ist er in der Untergattung Hypoaspis zu belassen.
Und nicht nur das, sondern es ist vielmehr zu erwägen, ob nicht
etwa Androlaelaps pilifer Oudemans auch noch besser in diese
Untergattung zurückversetzt werden müßte, wo er sich unter der
Bezeichnung Hypoaspis laevis var. pilifer Oudemans ursprünglich
bereits befand; vergl. ‚„Entomologische Berichten“ Bd. 3, S. 231
und 245. Denn auch hier fehlen Apophysen oder auch nur An-
deutungen von solchen gänzlich, und es sind an den betreffenden
Stellen nur sehr starke Dornen vorhanden.
Bei Hypoaspis indicus fallen die in Rede stehenden Dornen
durch ihre Stärke besonders auf, und ihre große Anzahl ist aller-
dings erstaunlich. Ihr Vorhandensein allein aber ist nicht etwas
so gänzlich Ungewöhnliches. In dieser Hinsicht bedürfen die Be-
merkungen, die in der 3. Reihe dieser ‚Beobachtungen‘ an die
Beschreibung von Hvypoaspis amaniensis angeknüpft wurden, einer
berichtigenden Nachprüfung. Denn wenn auch im allgemeinen die
Hvypoaspis-Arten in beiden Geschlechtern in gewöhnlicher Weise
an den Beinen behaart oder beborstet sind, so hat doch gleich die
Typenart der Untergattung, nämlich Hypoaspis Krameri Canestrini,
beim 3 an der Unterseite von Femur, Genu und Tibia II je einen
und am Tarsus II mehrere recht kräftige Dornen. Und wenn auch
bei Hypoaspis indicus solche Dornen auch beim 2 auftreten, so
liegt deshalb also doch keine Veranlassung vor, für diese Art,
ebenso wenig wie für Hyp. amaniensis und gegebenenfalls Hy?.
Greeni Oudemans, eine besondere Untergattung des Genus Laelaps
Koch zu begründen.
6. Trachytes (?) sumatrensis n. sp.
Deutonympha. Länge des Idiosoma 345 u; größte Breite 181 u.
Gestalt: ziemlich parallele Seiten, hinten halbkreisförmig ab-
gerundet, vorn flaschenhalsähnlich verjüngt; der Berlese’sche
Sprachgebrauch würde sagen ‚lagenaeformis“. Farbe kräftig
ockerbraun. ;
Acarologische Beobachtungen 23
Rückenseite (Fig. 14). Ein einheitlicher Rückenschild deckt
die Rückenfläche so gut wie ganz. Immerhin bewirkt die Wölbung
der Seitenflächen des Rumpfes, daß bei dorsaler Betrachtung
seitlich des Rückenschildes und .hinter ihm weichhäutige Teile
sichtbar bleiben. Auch der allervorderste Teil des Schildes läßt
rechts und links kleine weichhäutige Teile frei. Skulptur des
Schildes durch tief eingesenkte Grübchen sehr uneben. Längs
der Mittellinie verläuft eine tiefe Furche, in deren Bereich die
Grübchen der übrigen Schildfläche fehlen. Textur der weich-
häutigen Teile fein gerunzelt. — Behaarung. Das Paar der
stiftförmigen Vertikalhaare ist so völlig endständig, daß es weder
der Rücken- noch der Bauchseite zugezählt werden kann und
von beiden Seiten gleich gut sicht-
bar ist. Der Rand des Rücken-
schildes ist jederseits mit 9 dicken,
stark gebogenen Haaren besetzt.
5 Paare gleicher Haare stehen in
zwei Längsreihen nahe der Mittel-
linie in der in das kückenschild
eingesenkten Furche. Fünf weitere
Paare gleicher Haare schieben sich
in der ‚„Schulter‘‘gegend zwischen
den Schildrand und die Mittellinie.
— Granz lateral, auch bei dorsaler,
nicht aber bei ventraler Betrach-
tung sichtbar, verläuft unterhalb
des Randes des kKückenschildes
und zu diesem parallel ein Kranz
von jederseits 9 kreisrunden Chi-
tinschildchen. Diese sind wie flache
Schalen in die weichhäutige Um-
. gebung eingelassen und tragen in
ihrer Mitte je ein kurzes, stift- Fig. 14.
förmiges Haar. Ein Paar gleicher Trachytes sumatrensis.
Schildchen findet sich auch dicht
hinter den Vertikalhaaren seitlich am allervordersten Teile des
Rumpfes und könnte wohl dem flüchtigen Beobachter ein Paar
Augen vortäuschen. - Poren sind auf der Kückenfläche wohl:
nicht vorhanden, mindestens inmitten der Unebenheiten des
Schildes nicht erkennbar.
Bauchseite (Fig. 15). Das Sterni-metasterni-genitale stößt
vorn hart an die Coxae I an und endet hinten hinter Coxae IV.
Seine Form gleicht der des entsprechenden Schildes bei den Deuto-
nymphen der Parasitidae. Das große Ventrale, welches das Rumpf-
ende nicht ganz erreicht, wäre annähernd kreisförmig, wenn es
nicht in seinem hinteren Drittel seitlich etwas eingebuchtet wäre.
Ihm liegt hinter seiner Mitte das kreisrunde Anale auf. Aus der
Analöffnung wird ein Stiel ausgeschieden, vermittels dessen das
10. Hett
24 Graf Hermann Vitzthum:
Tier sich nach Art vieler Uropodidae an einem geeigneten Käfer
anheftet. Doch ist dieser Stiel ganz bedeutend dünner, als im
allgemeinen bei Uropoda oder Cillibano. Die Metapodialia sind
stark entwickelt. Sie umschließen die Coxae IV völlig und reichen
nach rückwärts bis zur Höhe der Mitte des Ventrale. Alle diese
Schilder sind, gleich dem Rückenschild, durch eingesenkte Grüb-
chen stark skulpturiert, und sogar die Basis der Coxae zeigt diese
Skulptur. Das Sterni-metasterni-genitale trägt an den üblichen
Stellen fünf Paar mäßig starker, wenig gebogener Borsten. Ven-
trale und Anale besitzen keine Haare. Oder sollten diese etwa
nur inmitten den Unebenheiten der Umgebung nicht zu finden
oder abgebrochen gewesen sein ? Textur der weichhäutigen Flächen
fein gerunzelt. Vor der Vorderkante des
Ventrale liegen im Bogen angeordnet vier
in die weiche Haut eingelassene Plättchen,
deren jedes eine starke, krumme Borste
trägt. — Die kleinen kreisrunden Stigmata
liegen in der Höhe der Vorderkante von
Coxa III. Die Peritremata verlaufen von
da in flachem Bogen längs des Körper-
randes und steigen über Coxae II zur
Rückenseite empor.
Alles, was vor dem Ansatz der Coxae 1
liegt, also Tritosternum, Palpi, Hypostom,
Mundwerkzeuge, Epistom, Tectum usw.,
konnte nicht entziffert werden.
Foveolae pedales fehlen. Beine.
Längen, gemessen vom proximalen Ende
der Coxae a zum Ansatz des Prätarsus:
I 160,: 1: 175, [IE 160, IV 178 2 Are
Gliederung ist normal, der Bau besonders
e von Coxa I und Tarsus I typisch uropo-
Fig. 15. diden-artig. Tarsus II, III und IV mit
Trachytes sumatrensis. Basitarsus. Alle Femora ventral mit einer
Andeutung der Abschnürung eines Basal-
stücks. Die Behaarung bietet keine Besonderheiten. Bei den Coxae
konnte nur aufCoxa Il ein Haar festgestellt werden, doch ist möglich,
daß andere Haare in den Unebenheiten der Flächen nur nicht ge-
funden wurden. Alle Haare sind kurze Dornen. Nur TarsusI trägt an
der Spitze eine Fülle von weichen Sinneshaaren, unter denen fast
ganz distal ein etwas steiferes Haar sich durch seine auffallende
länge auszeichnet. Die ungegliederten Prätarsi sind am Tarsus
Il, III und IV sehr gut entwickelt. Sie tragen je zwei kräftige
Krallen und einen schön geformten Haftlappen. Man könnte
meinen, einen Prätarsus’ von Parasitus vor sich zu haben. Prae-
tarsus I ist deutlich sichtbar, etwas kürzer und bedeu-
tend feiner als die übrigen. Seine Krallen sind äußerst fein
und zart.
Acarologische Beobachtungen 35
Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial. |
Tempus unbekannt.
Patria: Sumatra.
Habitat: auf Baryrhynchus dehiscens Gyll., einer Brenthide.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt. In der
"Benennung muß der Gattungsname sicherheitshalber vorläufig mit
einem Fragezeichen versehen werden. Die Gestalt des Tieres er-
innert etwas an die Gattung Polyaspis Berlese 1881; vergl. Ber-
lese, Indagini sulle metamorfosi di alcuni acari insetticoli, Atti
del Reale Instituto Veneio di Scienze, Lettere ed Arti, Ser.5, Bd. E,
S. 37, sowie Acari, myriopoda et scorpiones hucusque in Italia
reperta, Heft 70, Nr. 8. Aber, abgesehen von anderen Gründen,
kann das Tier hier schon wegen des Vorhandenseins der Prae-
tarsi I nicht untergebracht werden. Die Krallen am Tarsus I gaben
Veranlassung, das Tier in die Gattung Trachytes zu stellen, früher
von Koch in den ‚Crustaceen, Myriapoden und Arachniden
Deutschlands‘ Celaeno, dann von Kramer im ‚Archiv für Natur-
geschichte‘ 1876 im Jahrgang 42, S. 80, und 1882 im Jahrgang 48,
S. 490, Trachynotus genannt, beides Namen, die den (resetzen
der Nomenklatur nicht entsprechen. Freilich, es sprechen ge-
wichtige Gründe dagegen, die neue Art dauernd in der Gattung
Trachytes zu belassen. Die Typenart Trachytes aegrota (Koch) —
man lasse sich hier durch die Abbildungen Koch’s a. a. ©. Heft 32,
Fig. 5, und Berlese’s, Acari, myriopoda et scorpiones, Heft 38,
Nr. 10, Taf. 143, nicht täuschen — sowie Trachytes infirma (Ber-
lese) Berlese a. a. ©. Heft 40, Nr. 5, Taf. 142, haben am Tarsus I
keinen voll ausgebildeten Prätarsus, sondern die sehr kleinen
Krallen sitzen der Tarsusspitze sehr dicht, und, wie es scheint,
ohne Haftlappen auf. Der Prätarsus I der neuen Art dagegen
ist nicht zu übersehen. Dann hat die neue Art durchaus nicht die
breit birnförmige Gestalt, die sonst der Gattung Trachytes eigen
ist. Ferner gibt die Einheitlichkeit des Rückenschildes Anlaß zu
Bedenken: von der Protonympha an ist bei den Vergleichsarten
das Rückenschild in mehrere Platten zerlegt. Und endlich scheiden
die bisher bekannten Trachytes-Deutonymphae aus dem Anus
keinen Befestigungsstiel aus. Soweit die sehr kurze Diagnose und
die wenig Einzelheiten bietende Zeichnung einen Vergleich zuläßt,
dürfte dagegen die neue Art der Deutonympha sehr nahe stehen,
die Berlese in der ‚„Redia‘“ Bd. 2, S. 21, 1904 Trachytes ? la-
genaeformis benennt. Identisch sind die beiden Arten keinesfalls.
Denn die Berlese’sche Art mißt 570 u in der Länge bei 320 u Breite.
Geklärt werden kann die systematische Stellung jener wie der
hier in Rede stehenden neuen Art erst, wenn die adulten Formen
bekannt sind. Vielleicht werden sie dann beide in einer neuen
Gattung zusammengefaßt werden müssen, die nach Berlese’s Vor-
schlag Apionoseius zu benennen wäre.
10. Heft
26 Graf Hermann Vitzthum:
7. Cillibano applicata n. sp.
Deutonympha. Länge 240 -280, größte Breite 195 203 u-
Gestalt im strengen Wortsinne eiförmig, mit der Spitze nach vorn.
Farbe kräftig ockergelb.
Rückenseite (Fig. 16). Ein einheitlicher, gleichmäßig ge-
wölbter Rückenschild deckt die Rückenfläche vollständig. Die
Struktur des Schildes ist durchaus glatt. Die aus der Zeich-
nung ersichtlichen sechs Punktpaare sind vielleicht die Ansatz-
stellen von Haaren, die alsdann äußerst dünn und kurz sein
müssen, vielleicht aber auch Foren. Bei . einzelnen Stücken
glaubte ich hart am Rande in weiten Abständen einige ganz
farblose, winzig kurze und ganz dünne Haare zu erkennen,
Fig. 16. Fig. ‘17.
Cillibano applicata. Cillibano applicata.
doch war diese Beobachtung zu unsicher, als daß sie in der
Zeichnung hätte Berücksichtigung finden können.
Bauchseite (Fig. 17). Ganz lateral, bei dorsaler Betrachtung
nicht sichtbar, verläuft unterhalb des Randes des Rückenschildes
ein Kranz von kaum wahrnehmbar schwach chitinisierten Plätt-
chen. Es wurden deren jederseits bis zu 17 gezählt. Doch schwankt
ihre Zahl stark und kann bis zu 10 heruntergehen. Man hat den
Eindruck, als ob diese Lateralia nur noch 'rudimentär angedeutet
wären. Sie haben nicht die mehr oder minder viereckige Form,
in der sie sonst bei den Uropodidae so häufig vorkommen, reihen
sich auch nicht mit der sonst üblichen Regelmäßigkeit aneinander,
sondern sie sind halbkreisförmig und sind durch ganz unregel-
mäßige, oft erstaunlich weite Abstände voneinander getrennt, und
von einer symmetrischen Anordnung auf den beiden Seitenflächen
ist oft keine Andeutung mehr vorhanden. Jedes Plättchen trägt
ein feines Härchen. Schon die Eigenart dieser Plättchen ist ein
Acarologische Beobachtungen 27
wesentliches Merkmal der Art. — Der äußerste Vorderrand des
Rückenschildes ist ein wenig ventralwärts umgebogen, sodaß die
hier stehenden Vertikalhaare durchaus der Unterseite zuzuzählen
sind. -— Das Sterni-metasterni-genitale ist mit den Endopodialia
verschmolzen, doch sind seine Umrisse deutlich sichtbar, als ob
es als eine besondere Platte einer großen Zentralplatte aufgelegt
wäre. Vorn ebenso breit wie hinten, verschmälert es sich vor den
Coxae II ein wenig, schwillt hinter der Mitte von Coxae II wieder
etwas an und verläuft dann in gleich bleibender Breite und mit
parallelen Kanten nach hinten, um sich hinter den Coxae IV
wieder zu verbreitern und endlich mit abgerundeten Hinterecken
in einer nach rückwärts schwach konvexen Hinterkante zu enden.
Das eigentliche Sterni-metasterni-genitale ist von einer Unmenge
winziger Grübchen, die nicht bei allen Stücken gleich gut sichtbar
sind, wie fein punktiert; die Endopodialia dagegen sind glatt.
Für Metapodialia scheinen die Foveolae pedales IV keinen Raum
zu lassen. — Das Ventrale bietet die charakteristischsten Merkmale
der Art. Seine Vorderkante schließt sich in nach vorn schwach
konkaver Linie der Hinterkante des Sterni-metasterni-genitale und
den Flächen hinter den Foveolae pedales IV dicht an. Die bogen-
förmige Hinterkante ist weniger scharf markiert. Das Ventrale
ist nur schwach chitinisiert. Es sieht aus, als ob es aus wenigen
großen, symmetrisch angeordneten Schuppen zusammengesetzt
wäre. Wer dies übersieht, was bei vielen Stücken leicht vorkommen
kann, der hat den Eindruck, als ob das Ventrale bis auf einige
kleine Einzelplatten rückgebildet wäre. Denn solche Einzelplatten
glatter Struktur sind der Gesamtplatte gewissermaßen aufgelegt.
Das größte Stück liegt bandförmig ganz am Vorderrande ungefähr
in der Breite der Hinterkante des Sterni-metasterni-genitale, hat
aber mit diesem keinen Zusammenhang. Hinter diesem Quer-
streifen und in den seitlichen Teilen des Ventrale liegen in genau
symmetrischer Anordnung vier Paare kreisrunder Plättchen von
verschiedener Größe, und es wollte mitunter scheinen, als ob ein
jedes von ihnen ein feines, gekrümmtes Haar trüge. — Das Anale
ist vom Ventrale völlig eingeschlossen und reicht bis an dessen
Hinterrand. Es hat die Gestalt einer Suppenterrine mit Henkeln.
Die Analöffnung wird an ihrem Hinterende von einem Paar ver-
hältnismäßig kräftiger Borsten flankiert, und ein Paar gleicher
Borsten steht vor dem Anus. Dann aber findet sich — ein meines
Wissens einzig dastehender Fall — außerdem noch hinter dem
Anus eine unpaare Borste. — Es mag hier eingeschaltet werden,
daß aus dem Anus ein Stiel ausgeschieden werden kann, mit dem
das Tier sich in bekannter Weise festheftet. Im allgemeinen ge-
schieht dies jedoch nicht. Das Tier zieht es vor, sich ohne Stiel
in die Unebenheiten des Panzers seines Transportkäfers einzu-
schmiegen, weshalb die Art als ‚applicata‘‘ bezeichnet wurde. —
Die Haare auf dem Sterni-metasterni-genitale sind schwer zu finden.
Wie auf dem Rücken, sieht man an ihrer Stelle nur Punkte. In
10. Heft
8 Graf Hermann Vitzthum:
den Vorderecken werden die dort zu erwartenden Haare überhaupt
vermißt, d. h.: das vorderste Paar der Sternalhaare scheint zu
fehlen. Ein Paar steht zwischen den Coxae II, eins auf der Höhe
des Zwischenraumes von Coxae II und III, eins auf der Höhe des
Zwischenraumes von Coxae III und IV, und eins hinter Coxae IV.
Auf der Höhe des Zwischenraumes von Coxae III und IV außerdem
ein Paar schräg gestellter Ovale. — Textur der weichhäutigen
Seitenflächen sehr fein gerunzelt.
Die Stigmata liegen ungefähr auf der Höhe der Vorderkante
der Coxae III in der Tiefe der Foveolae pedales III. Sie sind nicht
kreisrund, sondern haben eine kleine Ausbuchtung nach hinten.
Man kann diese Ausbuchtung vielleicht auch
so auffassen, daß hier die Peritremata einen
leisen Ansatz machen, sich nach rückwärts zu
erstrecken. Die Peritremata verlaufen über-
raschender Weise ohne jede Knickung oder
Schlinge in flachem Bogen nach vorn und
machen erst am Vorderrande von Coxa II,
scharf schräg rückwärts umbiegend, eine ganz
enge Schlinge. Der Bau der Peritremata ist
also ungewöhnlich einfach.
Das Tritosternum hat einen stufenförmig
'verjüngten Basalteil, dem — sofern diese Einzel-
heiten richtig erkannt wurden! — ein Stück
mit parallelen Seiten aufgesetzt ist, welches
vorn gerade abgestutzt ist und hier einen
kleinen Stift trägt. Aber diese Auffassung
könnte irrtümlich sein. Das Tectum zeich-
net sich als eine kurze Wellenlinie von drei
Bogen ab. Die Mandibulae scheinen genau
so geformt zu sein, wie es bei einer später zu
beschreibenden Discopoma regia angegeben und
Fig. 18. abgebildet sein wird. Sonst konnten die
Einzelheiten des Gnathosoma nicht entziffert
werden.
Die Beine sind von normaler Gliederung. Tarsi Il, III und IV
mit Andeutung eines Basitarsus. Die Behaarung der Beine besteht
aus verschwindend wenigen dornartigen Borsten. Weiche Haare
finden sich nur an dem kurzen und breiten Tarsus I (Fig. 18).
Dieser trägt ganz distal ein Tasthaar von doppelter Tarsuslänge.
Daneben stehen mehrere kürzere Haare. Zwischen diesen ist dicht
neben dem langen Tasthaar ein vorn etwas verbreitertes Sinneshaar
und auf der abgeschrägten Vorderkante des Tarsus etwas weiter’
nach außen ein biskuitförmig verbreitertes Sinneshaar eingefügt.
Wenn man letzteres nicht genau betrachtet und seine Ansatzstelle
nicht richtig erkennt, könnte man meinen, den Prätarsus einer
Uropoda vor sich zu haben. Die Praetarsi II, III und IV sind zwar
fein, aber gut entwickelt.
Cillibano applicata.
Acarologische Beobachtungen 29
Gefunden von mir auf vonR. Kleine, Stettin, BET
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Sumbava (eine der Sunda-Inseln) und Vorderindien.
Habitat: auf Hormocerus reticulatus Fabricius (auf Sumbava)
und Prophthalmus Bourgeoisi Power (in Indien), beides Brenthiden.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt. Sie
scheint stets in größerer Menge aufzutreten; auf keinem befallenen
Käfer wurden weniger als 16 Stück gefunden. — Ob wohl das
Prosopon einer Art, die schon als Deutonympha solche Absonder+-
lichkeiten des Ventrale und des Praetarsus I zeigt, in der Gattung
Cillibano belassen werden kann?
8. Cillibano malayiea n. sp.
Deutonympha. Länge mit erstaunlicher Regelmäßigkeit 468 u;
immerhin kommen vereinzelt auch kleinere Tiere bis herab zu
425 u vor. Größte Breite 329 bis
341 u. — Gestalt annähernd ellip-
tisch, mit der Maßgabe, daß die
Linie der größten Breite etwas
hinter der Mitte liegt. — Farbe
dunkel ockergelb. i
Rückenseite (Fig. 19). Ein
einheitlicher Rückenschild deckt die
ganze Rückenfläche und biegt sich
an den Seitenkanten, besonders
hinten, häufig eine Kleinigkeit ven-
tralwärts um. Der allervorderste Teil
des Schildes ist abwärts gebogen,
sodaß die darauf stehenden sehr
kleinen Vertikalhaare der Unterseite
angehören. Die Struktur des Schildes
ist im Mittelteil der Fläche äußerst
fein gekörnelt. Nach dem Kande
zu sind kreisrunde hellere Fleckchen
wahrzunehmen, die wohl als flache
Grübchen zu deuten sind. Die
Haare der Rückenfläche sind sehr
fein und daher besonders im Fig. 19.
- mittleren Teil schwer wahrnehm- Cillibano malayica.
bar. 11 Härchen stehen jeder-
seits auf dem Schildrand, nahezu radiär gerichtet. Etwas weiter
einwärts folgt eine zweite Haarreihe, deren Richtung sich etwas
mehr dem Verlauf der Randlinie anpaßt; in dieser Reihe wurden
jederseits 17 gezählt. Es läßt sich dann noch eine dritte Reihe
von jederseits 11 Härchen erkennen. 8 Haarpaare, stehen sub-
median. Außerdem sind noch einige Haare auf der Schildfläche
10. Heft
30 Graf Hermann Vitzthum:
zerstreut, sodaß man im ganzen sagen kann, daß der Schild außer
den Vertikalhaaren etwas über 100 Haare trägt. Bei den sub-
median gestellten Haarpaaren wurden vier Paar Poren erkannt.
Bauchseite (Fig. 20). Das Tritosternum trägt auf einem
schmalen Basalstück einen vorn dreifach gespaltenen Fortsatz,
dessen Einzelheiten jedoch nicht studiert werden konnten. — Das
Sterni-metasterni-genitale ist mit den Endopodialia zu einer ein-
heitlichen Platte verschmolzen. Doch lassen sich seine eigentlichen
Umrisse recht gut erkennen; ihre Ein- und Ausbuchtungen folgen
den Kundungen der Coxae. Das eigentliche Sterni-metasterni-
genitale trägt eine schöne Zeichnung, die ganz vorn beginnt und
zwischen Coxae IV endet. Sie besteht aus einem Rahmen von
stets genau gleichen, symmetrisch ver-
laufenden Wellenlinien: ein Haupt-
merkmal der Art. Hinten stößt das
Sterni-metasterni-genitale in nach vorn
konkaver Linie auf die entsprechend
flach konvexe Vorderkante des Ven-
trale, dessen Hinterkante halbkreis-
förmig ist. Das dem hintersten Teil
des Ventrale queroval aufgelegte Anale
erreicht das Rumpfende nicht ganz.
Struktur aller dieser Platten so gut wie
glatt, äußerst fein gekörnelt. Dicht
außerhalb der erwähnten Rahmen-
zeichnung trägt das Sterni-metasterni-
genitale fünf Paar sehr feine Haare:
ein Paar dicht vor Coxae II, eins auf
der Höhe der Hinterkante von Coxae II,
eins auf der Höhe der Vorderkante
von Coxae III, eins hinter Coxae III,
Fig. 20. und eins hinter Coxae IV. In der
Cillibano malayica. Höhe des Zwischenraumes zwischen
Coxae II und III liegt ein Paar Poren.
Die Härchen auf dem Ventrale und Anale sind auch nicht
Tanger oder stärker. Es gibt deren auf dem Ventrale vier,
auf dem Anale zwei Paare. Aus dem Anus kann ein Befestigungs-
stiel ausgeschieden werden.
Die kleinen Stigmata liegen auf der Höhe des Zwischenraumes
zwischen Coxae II und III. Die Peritremata erstrecken sich
nicht rückwärts, sondern nur vorwärts. Mit einer leichten Ab-
weichung nach einwärts streben sie zunächst geradeaus, wenden
sich dann mit einer leichten Abweichung nach rückwärts der
Randlinie zu, folgen dieser bis zur Höhe der Vorderkante von
Coxae II, schwenken hier rechtwinklig in der Richtung auf den
Mittelpunkt der Coxae II nach innen um, kehren aber in scharfer
Wendung sofort zur Randlinie zurück, machen noch einen sanften
Bogen nach einwärts und verlieren sich dann fast ohne Schlänge-
! Acarologische Beobachtungen | 1
lung nach vorn. Ihr Verlauf ist also viel verwickelter als bei
Cillibano applicata (vergl. hier oben) oder bei der Deutonympha
von Cillibano minor Berlese (vergl. Oudemans im „Archiv für
Naturgeschichte‘“‘, 79. Jahrgang 1913, Abt. A, Heft 9, S. 107).
Der nach unten hart an den Rand des Rückenschildes an-
schließende Kranz von ganz lateralen Plättchen, die auch bei
ventraler Betrachtung sichtbar sind, ist schön entwickelt. Es
wurden jederseits 18 solcher Plättchen gezählt. Sie schließen eng
aneinander an und sind alle ziemlich genau von gleicher Größe.
Unregelmäßigkeiten wurden nicht beobachtet. Jedes Plättchen trägt
ein radiär gestelltes feines Haar.
Die Beine sind normal gegliedert. Alle Tarsi ohne Basitarsus.
Alle Femora mit einem Höcker. Das sonst vor solchen Höckern
eingepflanzte Härchen scheint hier auf dem Höcker zu stehen.
Die spärliche Behaarung der Beine besteht in feinen Borsten, die
an den Tarsi nur unwesentlich stärker sind. Tarsus I, der nicht
so gedrungen ist wie bei der Deutonympha von C. applicata, mit
einem Büschel weicher Sinnes- und Tasthaare. Die Praetarsi II,
III und IV sind gut entwickelt, tragen aber nur sehr feine Krallen.
Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Java.
Habitat: auf Baryrhynchus latirostris Gyll., einer Brenthide,
woselbst die Deutonympha in Massen vorzukommen pflegt.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt.
9. Uropoda bipilis n. sp.
Deutonympha. länge des Idiosoma 500-504 u. Größte
Breite 390 -403 u;. die Größenverhältnisse schwanken also nur
sehr wenig. Gestalt breit oval, doch mit der Maßgabe, daß eine
leise Andeutung von „Schultern“ vorhanden ist, und daß die
allervorderste Rumpfkante geradlinig abgestutzt ist, weil sich hier
der Rückenpanzer abwärts biegt. — Farbe: ein schönes Kastanien-
braun. — Alle Teile des Tieres sind stark chitinisiert und kräftig
durchgefärbt.
Rückenseite (Fig. 21). Die ganze Rückenfläche wird von
einem einheitlichen Schild bedeckt, das auch keine Andeutung
eines Marginale erkennen läßt. — Struktur des Schildes glatt;
doch zeigt sich, wo das Tier dem Rande zu durchsichtiger wird,
eine äußerst feine Runzelung, deren Linien dem Schildrande ge-
nau parallel laufen. — Die Behaarung besteht in kurzen, ein-
fachen und glatten Härchen. Sie bilden Gruppen längs der Mittel-
linie des Schildes, in der „Schulter‘gegend und in der hinteren
Randgegend. Bei einem normalen Exemplar wurden, wie ın der
Zeichnung angegeben, 75 Rückenhaare gezählt; doch würde viel-
leicht ein besserer Beobachter die Zeichnung hinsichtlich der Zahl
10. Heft
32 Graf Hermann Vitzthum:
und der Stellung der Haare geringfügig verbessern können. ‘Alle
Haare entwachsen ihrer Ansatzstelle zunächst senkrecht, knicken
dann aber in der bei Uropodiden häufigen Weise dicht über ihrer
Wurzel rechtwinklig um und schmiegen sich der Schildwölbung
an. Das Paar der Vertikalhaare steht nicht auf der eigentlichen
Rückenfläche, sondern auf dem Teil des vordersten Rückenschildes,
der sich nach unten umbiegt; sie werden also erst sichtbar, wenn
man den optischen Schnitt entsprechend tiefer legt. Auch diese
Erscheinung ist bei Uropodiden häufig. — Auf den aus der Zeich-
nung ersichtlichen Stellen finden sich 7 Paar Poren; es ist nicht
ausgeschlossen, daß ein besserer Beobachter deren noch mehr er-
kennt. Die Anordnung der Haare und Poren ist im Prinzip selbstver-
ständlich symmetrisch;
doch weist jedes Exem-
plar Abweichungen von
der Symmetrie auf. Da
die Lichtbrechung der
Haare und Poren nahezu
die gleiche ist, wie die der
umgebendenSchildfläche,
sind sie nicht leicht zu
erkennen.
Bauchseite (Fig.22).
Das Tritosternum ist län-
ger als an seiner Basis
breit. Seine Seitenkanten
verlaufen zunächst paral-
lel, entsenden dann jeder-
| seits eine kurze Borste
| und konvergieren von da
\ ab ein wenig. Seine vor- _
| dereVerlängerung besteht
Fig. 21. in einer mäßig lang aus- Fig. 22.
Uropoda bipilis. gezogenen Spitze, die an Uropoda bipilis. :
den Seiten mit mehreren }
feinen, weichen Haaren besetzt ist. -—- Schilder. Das Sterni-
metasterni-genitale hat die Form wie bei der Deutonympha von
Uropoda obscura (Koch); vergl. Oudemans im ‚Archiv für Natur-
geschichte‘, Jahrgang 81, S. 19ff. Den ganzen hinteren Teil der
Bauchfläche nimmt das Ventrale ein, das ebenso annähernd eine
liegende Ellipse bildet,: wie das kleine Anale. Die zwischen dem
Sterni-metasterni-genitale und den Foveolae pedales sich ergeben-
den Zwischenräume werden von den eng aneinander geschlossenen
Endopodialia und Metapodialia ausgefüllt. Von den „Schultern“
an verläuft längs des Randes eine ununterbrochene Kette eng
aneinander gedrängter Marginalia. Sie sind nahezu quadratisch.
Ihre Zahl beträgt im Normalfall jederseits 27; doch kommt, be-
sonders in der hinteren Randgegend, häufig vor, daß zwei Mar-
Acarologische Beobachtungen 39
ginalia miteinander verschmelzen und ein dementsprechend län-
geres Schild bilden. Skulptur der Marginalia und des Ventrale
völlig glatt; die der übrigen Schilder mit äußerst feinen Poren
gleichmäßig durchsetzt; doch sind diese Poren so winzig und so
schwer wahrnehmbar, daß man auch diese Schilder als glatt be-
zeichnen könnte. Behaarung. Alle Haare glatt. An üblicher
Stelle auf dem Sterni-metasterni-genitale 5, auf dem Ventrale eben-
falls 5 Paar ganz kurzer Haare. Außerdem auf dem Ventrale,
jederseits des Anale, ein Paar sehr langer Haare von etwa der
Länge der größten Rumpfbreite: das Hauptcharakteristikum des
Tieres. Auf dem Sterni-metasterni-genitale findet sich vor dem
hintersten Haarpaar jederseits ein Punkt, den ich nicht zu deuten
vermag. Bald glaubte ich dort Poren, bald überaus winzige Här-
chen zu erkennen. Auf demselben Schild zwischen den Coxae IV
ein Paar ganz kleiner, schräg liegender Ellipsen, deren Bedeutung
ebenfalls unklar ist. — Die Stigmata an üblicher Stelle; sie sind
sehr klein. Die davon ausgehenden Peritremata dürften den in
der Zeichnung angegebenen Verlauf nehmen; die starke Chitini-
sierung dieser Körpergegend erschwert aber ihr sicheres Erkennen
wesentlich. Aus der Analöffnung wird als gelblich glashelle
Masse der bei den Uropodidae bekannte Stiel der ‚„Nym-
phae pedunculatae‘‘ ausgeschieden, mit dem das Tier sich
an den Panzerplatten seiner Wirtskäfer anheftet. Es
muß noch nachgetragen werden, daß jedes der 54 Mar-
ginalia mit einem äußerst feinen Haar ausgestattet ist,
dessen Spitze senkrecht auf den Körperrand weist. Wo zwei
Marginalia verschmolzen sind, trägt das Plättchen zwei solcher
Haare.
Das Gnathosoma konnte nicht eingehend studiert werden.
Es scheint von dem der Deutonympha von Uropoda obscura nicht
wesentlich abzuweichen.
Die Beine sind von normaler Länge und Gliederung, und
auch die Form der einzelnen Glieder ist normal. Ihre spärliche
Behaarung besteht in kurzen, feinen Haaren; stärkere Borsten,
Dornen oder sonstige besondere Gebilde fehlen. Alle Prätarsı sind
fein und schlank, FPrätarsi I kürzer als die anderen. Krallen zart
und fein.
(resammelt von mir auf Käfermaterial von H. Wichmann
in Waidhofen an der Thaya. ö
Patria: Klosterneuburg, Nieder-Österreich.
Habitat: auf Eccoptogaster pygmaeus F.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Außer dieser Deutonympha sind alle
anderen Entwicklungsstadien unbekannt. Es ist wohl an-
zunehmen, daß die Absonderlichkeit der langen Endhaare
auch bei den adulten Formen irgendwie zum Ausdruck
kommt und daß diese hinter Baumrinden zu suchen
sind.
Archiv FE PIE alte 3 10. Heft
34 Graf Hermann Vitzthum:
10. Uropoda diadematan. Sp.
Deutonympha. länge des Idiosoma 330 u. Größte Breite
242 u. Gestalt breit oval, ganz vorn seitlich etwas eingedrückt,
sodaß das Vorderende sich um eine Kleinigkeit verjüngt. - - Farbe:
ein dunkles Ockergelb.
Rückenseite (Fig. 23) vollkommen von einem einheitlichen
Schilde bedeckt, dessen vorderster Rand nicht nach unten um-
gebogen ist. Der Schild ist glatt, doch mit der Maßgabe, daß sich
zahlreiche kleine Grübchen ganz schwach als kreisrunde hellere
Fleckchen markieren. Die Vertikalhaare gehören durchaus der
Fig. 23. Fig. 24.
Uropoda diademata. Uropoda diademata.
Oberseite an. Jederseits sechs sehr kleine, radiär gestellte Rand-
härchen. Submedian wurden 7 Paar winziger, schwer wahrnehm-
barer Haare gezählt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bessere Be-
obachter deren noch mehr finden. Dasselbe gilt von fünf gezählten,
ebenfalls submedianen Paaren Poren.
Bauchseite (Fig. 24). Das Tritosternum ist dreigeteilt, doch
konnten seine Einzelheiten nicht erkannt werden. - Das Sterni-
metasterni-genitale ist mit den Endopodialia zu einem großen
Zentralschild verschmolzen, doch sind seine eigentlichen Umrisse
deutlich erkennbar. Diese verjüngen sich zwischen den Coxae und
verbreitern sich zwischen den Zwischenräumen der Coxae. Hinter
Acarologische Beobachtungen 35
Coxae IV ist das Sterni-metasterni-genitale von den Metapodialia
getrennt, wenn auch die Ränder beider Platten einander 'nahezu
berühren. Das Ventrale mit ziemlich flach nach vorn konvex ge-
rundeter Vorder- und annähernd halbkreisförmig gerundeter
Hinterkante, die in einer nahe dem Hinterende der Metapodialia
gelegenen seitlichen Spitze zusammentreffen. Es erreicht das
Rumpfende nicht. Das querovale Anale liegt dem Hinterteil des
Ventrale auf. Das Sterni-metasterni-genitale, die Endopodialia
und das Ventrale, nicht aber die Metapodialia, mit zahlreichen
Grübchen, die größer und bedeutend stärker ‚ausgebildet sind, als
die des Rückenschildes. Auf dem Sterni-metasterni-genitale fünf
Paar Härchen an üblicher Stelle. Auf dem Ventrale drei und auf
dem Anale zwei Paar Härchen. Auf dem weichhäutigen Streifen
fein gerunzelter Textur hinter dem Ventrale drei Härchen jeder-
seits. Foveolae pedales vorhanden und von üblicher Tiefe, —
Die Stigmata liegen in der Höhe der Hinterkante von Coxae ll.
Die Peritremata erstrecken sich nicht rückwärts, sondern nur vor-
wärts, und zwar streben sie zunächst schräg vorwärts den Rumpf-
seiten zu, machen eine breite Schlinge in der Richtung auf
Coxa II, folgen dann wieder der Seitenlinie und wölben sich
in flachem, einwärts gerichteten Bogen nach oben, um sich
nach vorn der Beobachtung zu entziehen. «Im Großen und
Ganzen ist der Verlauf der Peritremata verhältnismäßig wenig
kompliziert.
Das schön geformte Tektum mit 9 regelmäßigen Spitzen ist
ein Hauptcharakteristikum der Art, die deshalb ‚‚diademata‘“ be-
nannt wurde. Die Einzelheiten des Grnathosoma konnten nicht
entwirrt werden.
(ranz lateral, doch auch bei ventraler Betrachtung sichtbar,
schließt sich nach unten an den Rand des Rückenschildes eine
Kette von kleinen Schildchen an, deren jederseits 18 gezählt
wurden. Die Schildchen stehen eng aneinander angeschlossen
und tragen ein jedes in der Mitte ein kurzes, sehr feines
Härchen.
Die Beine sind typisch uropoda-artig. Ihre Gliederung ist
normal. Tarsus II, III und IV mit Basitarsus. Alle Femora mit
einem Höcker, der bei II, III und IV von einem, bei I von zwei
Härchen begleitet ist. Die Behaarung bietet keine Besonderheiten.
Alle Haare sind kurze Borsten, fast Dornen. Nur Tarsus I trägt
vorn eine ganze Anzahl weicher Tasthaare, unter denen eins durch
seine Länge hervorragt. Prätarsi I kürzer, feiner und mit zarteren
Krallen als II, III und IV.
Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: (Guatemala.
Habitat: auf Drenthus deplanatus Gyllenhal.
Type in meiner Sammlung.
3° 10. Heft
36 Graf Hermann Vitzthum:
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt. Es ist
anzunehmen, daß die Deutonympha sich vermittels eines aus dem
Anus ausgeschiedenen Stiels auf den Wirtskäfer anheftet, wenn
dies auch im vorliegenden Falle nicht der Fall war.
11. Uropoda arrhenodis n. Sp.
“y)e) 7
Deutonympha. Länge 412 -435 u. Größte Breite 319 335 u.
(Gestalt breit eiförmig, beiderseits des Vorderendes ganz leicht,
bei genau dorsaler Betrachtung kaum merklich eingedrückt; doch
genügt diese Einsenkung, um bei
einem Tier, das in zu dicker
Schicht der Einbettungsflüssig-
keit das Vorderende abwärts
senkt, an diesem einen Umriß er-
scheinen zu lassen, der an Trachy-
uropoda erinnert. - Farbe kräf-
tig ockerbraun.
Rückenseite (Fig.25). Gänz-
lich von einem Schilde bedeckt,
der mit zahlreichen Grübchen
übersät, im übrigen aber glatt ist.
Auf der Rückenfläche stehen un-
gefähr 170 Haare; in einem Falle
wurden deren 166 gezählt. Alle
Haare sind gleichmäßig kurz und
von gleicher Stärke. Sie weisen
den bei den Uropodidae häufigen
Knick unmittelbar über der An-
satzstelle auf und lassen bei sehr
starker Vergrößerung und günsti-
ger Lage eine Eukalyptusblatt-
ähnliche Form erkennen. Die An-
Fig. 25. ordnung der Haare ist so, daß
Uropoda arrhenodis. eine äußerste Reihe längs des
Randes verläuft. Die Richtung
dieser Haare folgt der Randlinie. Sie korrespondieren nach Zahl
und Stellung ziemlich genau mit den Lateralschildern. Weiter ein-
wärts läßt sich eine ebenfalls der Randlinie folgende zweite Reihe
verfolgen, deren Haare in weiteren Abständen stehen, als die der
äußeren Reihe. Zwei unregelmäßige Haarreihen begleiten die
Mittellinie. Die übrigen Haare sind zwischen den submedianen
und der inneren Randreihe symmetrisch eingestreut. Abgesehen
von der äußersten Randreihe ist die Richtung aller dieser Haare
ziemlich rückwärts, jedenfalls nicht etwa radiär. — Sub-
median wurden in unregelmäßiger. Reihe 5 Paar Poren ge-
zählt. Ein 6. Paar liegt in der Linie der größten Breite weiter
auswärts.
Acarologische Beobachtungen Et
Bauchseite (Fig. 26). Hart an den Rand des Rückenschildes
schließt sich eine Kette eng aneinander gereihter Lateralschilder
an, deren jederseits 27 gezählt wurden. Die Struktur dieser Schilder
ist glatt. Ein jedes trägt ein sehr feines Haar. Die weichhäutigen
Flächen zwischen diesen Lateralschildern und den Platten der
eigentlichen Bauchfläche sind fein gerunzelt. - - Vorn ist das
Vorderende des Rückenschildes ventralwärts umgebogen und zeigt
das Paar der Vertikalhaare. — Das Sterni-metasterni-genitale ist
mit den Propleurae, Mesopleurae und Metapleurae völlig ver-
schmolzen und zeigt bis zwischen Coxae IV keine Spur seiner
eigenen Umrisse. Erst hinter
Coxae IV tritt eine Absonderung
von den Metapodialia ein. Der
Hinterrand dieses Zentralschildes
legt sich in flachem, nach vorn
konvexem Bogen dem mittleren
Drittel der Vorderkante des Ven-
trale an. Das Ventrale ist vorne
flach gerundet, hinten halbkreis-
förmig. Alle diese Platten sind
gleich dem Rückenschild mit
Grübchen übersät. Die Grübchen
folgen den Umrissen der Platten,
lassen aber im übrigen kaum
eine symmetrische Anordnung er-
kennen. Das vom Ventrale völlig
umschlossene Anale ohne Beson-
derheiten. Die Foveolae pedales
sindinnenglatt. Aufdem Sterni-
metasterni-genitale an üblicher
Stelle 5 Paar Haare. Auf dem
Ventrale 4, auf dem Anale? Paar.
Die Haare auf dem Ventrale sind
die längsten des ganzen Tieres. — I ern
Zwischen Coxae III ein Paar ziem- TREE ETBERDIEE
lich kreisrunder Poren. — Das
Tektum wurde nicht gefunden; es liegt wahrscheinlich unter dem
umgebogenen Teil des Rückenschildes verborgen. —- Die Stigmata
liegen an üblicher Stelle in der Höhe der Grenze zwischen Coxa
II und III. Ohne nach rückwärts verlängert zu sein, entspringen
die Peritremata schräg vorwärts nach innen, wenden sich sofort
schräg vorwärts nach außen, beschreiben die Figur einer 3 bezw.
auf der linken Seite deren Spiegelbild, gehen dann geradeaus,
biegen sich in enger Schleife zurück, machen schräg vor Coxae II
einen flachen, nach außen konkaven Bogen und verlieren sich in
leichter Schlängelung vor Coxae I. Man darf angesichts solcher
Windungen der Peritremata nicht vergessen, daß diese nicht so
in einer Ebene verlaufen, wie sie zeichnerisch nur dargestellt wer-
10 Hefi.
38 Graf Hermann Vitzthum:
den können. Der flache Bogen z. B. schräg vor Coxa II erhebt
sich von der Bauchfläche bis fast zur Rückenfläche.
Vom Epistom konnte nur die lange und glatte Mittelspitze
erkannt werden. Das Tritosternum und alle Teile des Gnathosoma
waren bei allen 5 vorliegenden Individuen so unglücklich unter
den zurückgeschlagenen Falpi verborgen, daß ihre Einzelheiten
nicht entwirrt werden konnten.
Alle Beine ohne wirkliche Besonderheiten. Tarsı II, III und IV
mit Basitarsus. Alle Femora mit einem von einem Haar begleiteten
Höcker. Davor ist eine scharfe, bei seitlicher Ansicht hyalıine
Messerschneide aufgesetzt. Am Tarsus I ein recht langes und die
übrigen üblichen weichen Sinneshaare. Alle anderen Haare der
Beine sind feine steife Borsten. In der Mitte der Außen-
kanten von Tarsus II, III und IV ein kurzes Haar von
mehr dornigem Charakter. Prätarsus I kürzer als Prätarsi II,
III und IV.
(Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Joinville, Brasilien.
Habitat: Arrhenodes dispar L., eine Brenthide.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Deutonympha, die sich durch einen
aus dem Anus ausgeschiedenen Stiel dem Wirtskäfer anheftet, ist
bekannt. In den dorsal wie ventral vorhandenen Grübchen ähnelt
die Art den Deutonymphae von Uropoda vegetans (de Geer) (vergl.
Oudemans in der ‚Tijdschrift voor Entomologie‘ Bd. 47, S. 120)
und von Uropoda tarsale (Robineau-Desvoidy) (vergl. Oudemans
im „Archiv für Naturgeschichte‘‘, Jahrgang 81, 1915, S. 6ff.),
unterscheidet sich von diesen Arten aber, abgesehen von anderen
Unterschieden, schon durch die geringere Größe.
12. Uropoda aztekan. sp.
Deutonympha. Länge 439 -485 u. Größte Breite 299 318 u.
(restalt: das hintere Drittel halbkreisförmig abgerundet; das
vordere Drittel etwas mehr zugespitzt; der mittlere Teil mit paral-
lelen Seitenlinien, für eine Uropoda ein recht auffälliges Merkmal.
Farbe: dunkel ockerbraun, am kräftigsten in der Sternalgegend
ausgefärbt.
Rückenseite (Fig. 27). Ein einheitlicher Rückenschild deckt
die ganze Rückenfläche. Seine Wölbung ist in der Hauptsache
gleichmäßig, scheint jedoch unmittelbar am Rande etwas flacher
zu werden. Der Schild ist mit vielen kreisrunden helleren, aber
nur wenig in die Augen fallenden Fleckchen übersät, die man
wohl als flache Grübchen deuten muß. Auf dem Schild stehen
ungefähr 250 kräftige, deutlich sichtbare Haare. Alle diese Haare
haben die bei Uropoda häufige Eucalyptusblatt-ähnliche Gestalt
Acarologische Beobachtungen 39
und den Knick dicht über der Ansatzstelle (Fig. 28). Je nachdem,
unter welchem (Gesichtswinkel man sie sieht, erscheinen sie bald
gerade, bald gebogen, bald schmal, bald breit. Ein Kranz dieser
Haare steht dicht am Rande. Es läßt sich dann noch eine zweite
und allenfalls eine dritte der Randlinie folgende Reihe erkennen.
Im Übrigen aber ist die Anordnung der Haare auf der Rückenfläche
ohne erkennbare Regel und ohne erkennbare Symmetrie. Zu diesen
Haaren gehören die Vertikalhaare nicht. Sie stehen auf dem nach
unten umgebogenen Vorderrand des Rückenschildes und gehören
daher der Unterseite an und sind überdies dünne, kurze, gerade
Borsten. —- Poren wurden nicht bemerkt.
=
gr
Fig. 28. Fig. 29.
Uropoda azteka. Uropoda azteka. Uropoda azteka.
Bauchseite (vergl. Fig. 29, in welcher alle für die Wieder-
erkennung der Art nicht wesentlichen Einzelheiten weggelassen
sind). - - Trotz reichlichen Materials gelang es nicht, das Trito-
sternum zu studieren. Das Sterni-metasterni-genitale ist nicht
mit den Metapodialia, wohl aber mit den Endopodialia zu einem
großen Mittelschild verschmolzen. Doch lassen sich seine eigent-
lichen Umrisse ziemlich deutlich erkennen. Sich hinter Coxae IV
noch mehr als vor Coxae II verbreiternd, stößt die Platte hinten
in nach vorn flach konkaver Linie auf das Ventrale auf. Bei einigen
Exemplaren scheint es sogar eine Kleinigkeit über das ‚Ventrale
überzugreifen. Das Ventrale hat die übliche Form. Seine Hinter-
kante ist fast halbkreisförmig gerundet, seine nach vorn konvexe
Vorderkante ist flacher. Was die Schildplatten an weichhäutiger
Fläche unbedeckt lassen, ist von fein gerunzelter Textur. Die
Skulptur des Ventrale und der Metapodialia ist holperig. Auch
10. Heft
D
40) Graf Hermann Vitzthum:
hier scheinen hellere Fleckchen meist kreisrunder Gestalt als Grüb-
chen gedeutet werden zu müssen. Die Anordnung dieser Uneben-
heiten ist ohne jede Regel. Dagegen sind der Mittelschild, das
Sterni-metasterni-genitale sowohl, wie die Endopodialia und sogar
die Basalteile der Coxae mit ähnlichen hellen Grübchen übersät,
die kleiner sind als auf dem Ventrale. Teilweise sind diese Grüb-
chen, teilweise die sie trennenden Unebenheiten miteinander ver-
schmolzen. Sie sind aber nicht planlos über die Platte zerstreut,
sondern stehen ganz genau in Linien, die sich den Umrissen des
eigentlichen Sterni-metasterni-genitale anpassen. Dadurch ent teht
das unverkennbar deutliche Bild einer Längsstreifung: ein Haupt-
merkmal der Art. Behaarung. Das dem hinteren Teil des
Ventrale aufliegende Anale trägt nur 2 kleine Haare. Das Ventrale
ist mit sechs Paar langen, geraden, spitzen Haaren ausgestattet,
den längsten des ganzen Tieres. Zwei Paare davon umgeben das
Anale, die übrigen verteilen sich längs der Vorderkante. Das
Sterni-metasterni-genitale hat fünf Paar kleine Haare: ein Paar
nahe den Vorderecken, eins zwischen Coxae II, eins auf der Höhe
des Zwischenraumes zwischen Coxae IlI und IV, und eins hinter
Coxae IV. Die Stigmata liegen in der Linie der Hinterkante
von Coxae II. Die Peritremata erstrecken sich von ihnen ein
kurzes Stück schräg einwärts nach hinten. Nach vorn beschreiben
die Peritremata in sehr abgemilderter Form die Figur der ‚3,
die bei Uropoda arrhenodis so scharf hervortritt, vermeiden jede
größere Schlinge, wenden sich vor Coxae II in mäßig scharfem
Knick rückwärts und verschwinden in dem bekannten nach oben
gewölbten flachen Bogen nach vorn.
Das Gnathosoma konnte nicht studiert werden.
Durchaus lateral schließt sich an den Rückenschild ein Kranz
kleiner, eng aneinander geschlossener Chitinplättchen an. Es
wurden deren jederseits 25 gezählt, doch ist diese Zahl nicht
sicher, da die vordersten Plättchen sehr schwer zu erkennen sind.
Die meist in die Foveolae pedales zurückgezogen getragenen
Beine bieten keine Besonderheiten, die ein Wiedererkennen der
Art unterstützen würden. Alle Femora mit einem von einem
Härchen begleiteten Höcker. Tarsıi II, III und IV mit Basitarsus.
Mitunter will es scheinen, als ob auch bei Tarsus I ventral ein
Basitarsus angedeutet wäre. Die spärliche Behaarung besteht an
den Tibiae und Tarsi II, III und IV aus kurzen, stämmigen, an
den anderen Gliedern aus etwas längeren Borsten. Tarsus I trägt
vorn eine Anzahl weicher Sinneshaare, unter denen ein Tasthaar
durch größere, aber nicht außergewöhnlich große Länge hervor-
ragt. Die Prätarsi II, III und IV sind normal entwickelt, mit
feinen Krallen, Prätarsus I kürzer und dünner und mit noch
zarteren Krallen, als die anderen.
Gefunden von R. Kleine, Stettin. &
Tempus: unbekannt.
Patria: Mexiko; daher die Benennung ‚‚azteka‘'.
Acarologische Beobachtungen 41
Habitat: auf Claeoderes biserrirostris Boh., einer Brenthide,
auf der sich das Tier vermittels eines aus dem Anus ausgeschiedenen
Stiels anheftet.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt.
13. Uropoda orychodis n. Sp.
Deutonympha. Länge 443, größte Breite 350 u. Gestalt breit
oval. Farbe: kräftig ockergelb.
Rückenseite (Fig. 30). Ein gleichmäßig gewölbter, einheit-
licher Schild deckt die ganze Rückenfläche. An ihn schließt sich nach
unten ein lateraler Kranz von jederseits P
26 eng aneinander geschlossenen Chitin-
plättchenan, deren jedes inder Mitte ein
feines Haar trägt. Der überwiegende Teil
dieser Plättchen ist nur bei ventraler Be-
trachtung sichtbar. Doch wölbt sich das 4
Fig. 30. Fig. 31.
Uropoda orychodis. Uropoda orychodis.
Rumpfende so weit vor, daß die hintersten Plättchen dorsal sichtbar
werden. Der Rückenschild ist vollkommen glatt, ohne Grübchen.
Er scheint auch so gut wie keine Haare zu tragen, abgesehen von
einer marginalen Reihe von jederseits etwa 15 nicht radiär ge-
stellten Haaren. Nur submedian glaubte ich, wie in der Zeichnung
angegeben, drei Faar äußerst kleiner Haare und ein Paar Poren
zu erkennen. Der vorderste Teil des Schildes biegt sich in Gestalt
einer breiten Zunge nach unten um. Die auf diesem Teil stehenden
Vertikalhaare gehören also durchaus der Unterseite an.
Bauchseite (Fig. 31). Das Sterni-metasterni-genitale ist mit
den Endopodialia völlig zu einem großen Mittelschild verschmolzen,
10. Heit
42 Graf Hermann Vitzthum:
so, daß keine Spur seiner eigentlichen Umrisse mehr wahrnehmbar
ist. Nur hinten ist die Abgrenzung von den Metapodialia deutlich
erkennbar. Diese Mittelplatte ist sehr breit, da die Coxae un-
gewöhnlich weit auseinander liegen und da die Platte sich deren
Rundungen dicht anschmiegt. Besonders der hintere Teil der
Platte hinter Coxae IV ist außerordentlich breit. Nur wenig fein
gerunzelte, weichhäutige Fläche freilassend, füllt das Ventrale den
übrigen Teil der Bauchfläche so gut wie ganz aus. Seine Hinter-
kante ist ziemlich halbkreisförmig, seine Vorderkante paßt sich
der flachen Einbuchtung der Hinterkante des Mittelschildes an.
Das querovale Anale liegt dem Ventrale hinten auf. Aus dem Anus
wird ein Befestigungsstiel ausgeschieden. Struktur aller Platten
der Bauchfläche durchaus glatt, ohne Grübchen. Auf dem Mittel-
schild zwischen Coxae IV ein Paar sehr kleiner, schräg gestellter
ovaler Fleckchen, vielleicht Poren. Auf dem Mittelschild fünf
Paar kleiner Härchen: eins ganz vorn, eins zwischen Coxae II,
eins in der Höhe der Grenze von Coxae II und IIL, eins auf der
Höhe der Grenze von Coxae III und IV und eins hinter Coxae IV.
Alle diese Haarpaare stehen, der Breite der Platte entsprechend,
weit auseinander, ganz besonders das hinterste Paar. Auf dem
Ventrale drei Faar Haare. Auf dem Anale wurde nur ein Haar-
paar erkannt; es werden aber doch wohl dort deren zwei vor-
handen sein. Die Stigmata liegen auf der Höhe der Mitte von
Coxa ll. Die Feritremata erstrecken sich nicht rückwärts, sondern
nur vorwärts. Ihr Verlauf ist ähnlich wie bei der Deutonympha
von Uropoda arrhenodis Vitzt. Dem Stigma schräg vorwärts nach
innen entspringend wenden sie sich sofort schräg vorwärts nach
außen und beschreiben dieselbe, einer 3 ähnliche Figur, wıe bei
U. arrhenodis. Dann wenden sie sich senkrecht zur Randlinie nach
innen und machen die erste, mäßig weite Schleife, der sofort eine ganz
enge zweite Schleife-folgt. Von da an verlieren sie sich in flachem
Bogen, der sich nach oben wölbt, ohne jede Schlängelung nach vorn.
Das Tektum ist unter dem umgebogenen Vorderrand des
lRückenschildes verborgen und wurde nicht gesehen. Tritosternum,
Palpi, Epistom usw. konnten nicht entziffert werden.
Die Beine, deren Längen, weil sie in die Foveolae pedales
zurückgekrümmt waren, nicht gemessen werden konnten, bieten
wenig Besonderheiten. Alle Femora tragen einen abgestumpften
Zapfen, vor dem ein Haar steht. Sonst ist die Behaarung spärlich,
wie in der Zeichnung angedeutet. Alle Tarsi ohne Basitarsus. Prätar-
sus I feiner und kürzer und mit zarteren Krallen als II, III und IV.
(Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Java, wahrscheinlich auch Sumatra.
Habitat: auf Caenorychodes serrirostris Fabricius, "einer
Brenthide.
Type in meiner Sammlung.
Acarologische Beobachtungen 43
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt. Em
Sonderfall zeigte, daß die Deutonymphen unter Umständen in
kaum glaublichen Massen auftreten können.
14. Uropoda philippinensis n. Sp.
Deutonympha. Länge 670, größte Breite 545 u. Gestalt sehr
breit eiförmig, beinahe elliptisch. — Farbe dunkel ockerbraun.
Über die Rückenseite ist so wenig zu sagen, daß eine Ab-
bildung sich erübrigt. Eineinheitlicher, gleichmäßig gewölbter Schild
deckt die ganze Rückenfläche. Er ist vollkommen glatt; man könnte
höchstens von einer äußerst feinen Körnelung reden. Seine
Vorderkante ist nach unten
umgebogen. In der Mitte en-
det siein eine Spitze, die wie-
der nach oben geklappt ist,
wie der Lappen auf der Nase
einer Sandviper. Dieaufdem
umgebogenen Schildrand
rechts und links von dieser
Spitze stehenden Vertikal-
haare gehören somit der Un-
terseitean. DerKückenschild
trägt längs des Randes eine
Reihe sehr feiner, kurzer
Haare, deren Richtung sich
dem Verlauf der Randlinie
anpaßt, die also nicht radiär
stehen. Bei seitlicher Be-
trachtungkonnte festgestellt
werden,daßdieRückenfläche
auch sonst mit einigen spär-
lichen Haaren besetzt ist. Fig. 32.
DieseHaaresind aber soüber-
aus winzig und fein, daß sie
bei dorsaler Betrachtung nicht wieder gefunden werden konnten. Ab-
gesehen von den Randhärchen erscheint also die Rückenfläche kahl.
Die nicht von Chitinplatten bedeckten Teile des Rumpfes
sind kaum wahrnehmbar fein gerunzelt. Der bei einer Uropoda-
Deutonympha unterhalb des Randes des Rückenschildes zu er-
wartende Kranz kleiner Plättchen fehlt gänzlich; nicht die leiseste
Andeutung davon ist erhalten geblieben. Statt dessen ist nur
eine bei ventraler Betrachtung sichtbare Reihe von kurzen Här-
chen in radiärer Stellung sichtbar. Ihre Zartheit steht in einem
Mißverhältnis zu der Größe ihrer Ansatzstellen. Solcher Härchen
wurden jederseits 11 bis 13 gezählt. Sie stehen nicht symmetrisch,
und ihre Abstände voneinander sind ganz verschieden.
Bauchseite (Fig. 32). Das Sterni-metasterni-genitale ist mit
den Endopodialia und Metapodialia vollkommen zu einer einheit-
Uropoda philippinensis.
10, Heft
44 Graf Hermann Vitzthum:
lichen Platte verschmolzen. Von seinen eigentlichen Umrissen
sind nur ganz schwache Andeutungen vorhanden, die sich mehr
ahnen, als erkennen lassen. Das Mittelschild stößt hinten in breiter,
nach vorn flach konkaver Hinterkante auf die entsprechend ge-
formte Vorderkante des Ventrale auf. Die das Rumpfende nicht
ganz erreichende Hinterkante des Ventrale ist so ziemlich halb-
kreisförmig. Das kreisrunde Anale liegt im hintersten Drittel des
Ventrale. Zwischen den Klappen der ungewöhnlich kleinen Anal-
öffnung kann ein Befestigungsstiel ausgeschieden werden. Die
Struktur aller Bauchplatten ist glatt. —- Auf der großen Mittel-
platte konnten die dem Sterni-metasterni-genitale zukommenden
Haare nicht gefunden werden. Ich nehme an, daß sie tatsächlich
fehlen. Sollten sie dennoch vorhanden sein, dann müßten sie
ebenso winzig und hyalin sein, wie die Haare des Rückenschildes.
Auf dem Ventrale stehen vier Paar deutlich sichtbarer kräftiger
Haare: ein Paar seitlich des Anale, eins in den Seitenecken der
Platte, und zwei Paar etwas längere Haare vor dem Anale. Auf
dem Anale selbst zwei Paar ‘deutlich sichtbare Haare, von denen
das vordere etwas kürzer ist, als das hintere.
Die Stigmata liegen auf der Höhe des Zwischenraumes
zwischen Coxae Il und III. Sie sind ziemlich groß und zeigen
ein schönes strahlenförmiges Muster. Die Peritremata erstrecken
sich ein kurzes Stück nach rückwärts. Nach vorn wenden sie sich
sofort schräg vorwärts nach außen, biegen in sanftem Bogen in
der Richtung auf die Mitte von Coxae II nach innen, nehmen
aber bald ihre Richtung schräg vorwärts nach außen wieder an,
kehren in ganz scharfem Knick bis fast zur Mittellinie von Coxae II °
zurück und streben dann in geringer Schlängelung nach vorn dem
Rande zu. Über diesen wölben sie sich sogar deutlich hervor,
und kehren dann, sich dem Blick entziehend, rückwärts ins Körper-
innere zurück. Das Hervortreten der Peritremäta über die Rand-
linie ist auch bei dorsaler Betrachtung wahrnehmbar.
Das Tritosternum und das ganze Gnathosoma konnten
nicht studiert werden.
Die Beine bieten so wenig Besonderheiten, dan sie nicht
mitgezeichnet wurden. Ihre Gliederung ist normal. Tarsı II, III
und IV mit Barsitarsus. Alle Femora mit einem flachen, von
einem Härchen begleiteten Höcker, der sich nach vorn in einen
schwachen Kiel fortsetzt. Die Behaarung besteht in deutlich sicht-
baren, spärlichen Borsten, die an den Tarsi einen etwas mehr
dornartigen Charakter annehmen. Weiche Haare finden sich nur
an der Vorderhälfte von Tarsus I, und zwar in reichlicher Menge;
unter ihnen zeichnet sich ein Tasthaar durch seine Stärke und
seine dem Tarsus ungefähr gleichkommende Länge aus. An dem
einzigen vorliegenden Stück waren die Prätarsi II, III und IV
abgebrochen. Prätarsi I sind so schlank und tragen so zarte
Krallen, daß die anderen Frätarsi bestimmt stärker entwickelt
sein müssen als diese.
Acarologische Beobachtungen 45
(refunden von R. Kleine, Stettin.
Tempus: unbekannt.
Patria: Manila.
Habitat: auf Prophthalmus tricolor Power, einer Brenthide.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt. Schon
das Fehlen des üblichen seitlichen Kranzes von Chitinplättchen
und die schön gezeichneten Stigmen dürften das Wiedererkennen
der Art gewährleisten. Dazu kommt die ansehnliche Größe des
Tieres. Unter den echten bisher bekannten Uropoda-Deutonym-
phen ist nur die von Uropoda tarsalis (Robineau Desvoidy) mit
durchschnittlich 700 x Länge und durchschnittlich 580 u Breite
noch größer; vergl. hierzu Oudemans im ‚Archiv für Natur-
geschichte‘ 81. Jahrgang 1915, Abteilung A, Heft 5, S. 6ff., wo
sich die gesamte Synonymik findet und wo auch Robineau Des-
voidy’s unzulängliche Beschreibung des 2 von 1830 aus den
„Annales des sciences d’observation“ Bd. 3, S. 122ff., wörtlich
zitiert wird. sowie Oudemans in den „Abhandlungen des Natur-
wissenschaftlichen Vereins zu Bremen“ 1904, Bd. 18, 5. 238, wo-
selbst die Art noch U. lewisetosa genannt wird. Noch größer ist
“freilich mit 755 -845 u Länge und 600 - 620 „u Breite die Deuto-
nympha von Uropoda marginata (Koch) — Uropoda obscura
Berlese; vergl. hierzu Koch, ‚Deutschlands Crustaceen, Myria-
poden und Arachniden‘, Heft 2B= Pie 237 Berlese, Ara,
myriopoda et scorpiones hucusque in Italia reperta‘‘ Heft 11,
Nr. 8, Taf. 156, und Oudemans in den ‚„‚Entomologische Berich-
ten“ Bd. 4, S. 33 -34. Und am größten ist endlich die mit der
vorigen Art Daakst verwandte Deutonympha von Uropoda obnoxia
Reuter mit 820-930 u Länge bei 590 - 680 u Breite; vergl. hierzu
Enzio Reuter in den ‚Acta societatis pro fauna et flora fennica‘“
Bd. 27, Nr. 5. Aber Oudemans hat a. a. OÖ. die Zugehörigkeit
von „Uropoda” marginata zur Gattung Uropoda wegen des Baues
des Hypostoms angezweifelt, und was für marginata gilt, das wird
dann auch wohl für obnoxia gelten müssen. Wie dem aber auch
sein mag: Uropoda philippinensis würde mit keiner von diesen
großen Uropodiden-Deutonymphen verwechselt werden können.
15. Rivoltasia quadrata (Haller).
1882. Pteronyssus quadratus Haller, ‚Archiv für Naturgeschichte‘“
Bd. 48, I, S. 69-70. Unzulängliche, teilweise fehlerhafte
Beschreibung und auf Taf. 6, Fig. 8, irreführende Abbildung
des 2 (nicht 3).
1899. Pteronyssus quadratus Canestrini in Canestrini-Kramer's
„Demodicidae und Sarcoptidae‘, 7. Lieferung des ‚‚Tier-
reichs“, S. 83. Kurze Diagnose mit dem Zusatz ‚, -—- Dimen-
sionen? — Ungenügend beschriebene Art, systematische
Stellung fraglich“.
10. Het:
46 Graf Hermann Vitzthum:
Femina. Länge, gemessen von der Spitze der Mundwerkzeuge
bis zum Rumpfende, 282—319 u. Größte Breite 154 160 u. —
Gestalt gedrungen und an jeder geeigneten Stelle kissenförmig
aufgetrieben. Hinter der Linie der größten Breite seitlich ein-
geschnürt und dann sich wieder verbreiternd. Das Rumpfende in
zwei Wülste gespalten, deren jeder wieder in zwei Wülste zerfällt.
Farbe sehr schwach ockergelblich getönt, so gut wie farblos.
Rückenseite (Fig. 33). Eine Hautfalte deutet die Grenz-
linie zwischen Prosoma und Opisthosoma an. Auf dem Prosoma
eine Notocephale, die jedoch nur das mittlere Drittel des Frosoma
deckt. Ihre Ränder streben von vorn fast geradlinig den Schulter-
haaren zu, weichen diesen aber
aus, bis der Hinterrand im
Bogen hart an der erwähnten
Querfalte vorbeistreicht. Auf
den Seitenflächen des Prosoma
erstreckt sich von Bein II an
bis zum Hinterende des Fro-
soma jederseits einSeitenschild,
das dorsal als schmaler Streifen
sichtbar ist und im übrigen
auf die Bauchfläche übergreift.
Sonstige Schilder, insbesondere
ein Notogaster, sind auf der
Rückenseite nicht vorhanden.
Struktur aller drei Schilder
äußerst fein gekörnelt bez.
äußerst feinporig. Struktur der
weichhäutigen Flächen sehr
fein gerunzelt. Die Runzeln
verlaufen quer, soweit nicht
Fig. 33. die polsterartigen Wölbungen
Rivoltasia quadrata 9. des Rumpfes einen anderen
Verlauf bedingen. - Poren
fehlen. — Behaarung. Alle Haare sind glatt und schmieg-
sam. In der üblichen Gegend in geraumem Abstand von-
einander, doch etwas weiter als gewöhnlich, nach hinten ge-
rückt, zwei Vertikalhaare. Hinter den Hinterecken der Noto-
cephale auf weichhäutiger Fläche ein Paar sehr langer Schulter-
haare. Unmittelbar innen neben diesen je eine ganz kurze akzes-
sorische Borste dazu. In den Hinterecken des Prosoma je ein
Haar von etwa zwei Dritteln der Länge der Schulterhaare. In
gleicher Länge wie diese letzteren dem Körperrande genähert ein
Paar Haare über Trochanter III und hinter den Beinen IV auf
der breitesten Stelle der Wülste des Leibesendes.. Am Rumpf-
ende 3 Paar Haare, deren äußerstes am längsten ist, jedoch die
Rumpflänge nicht erreicht. Das mittlere steht dem längsten Haar-
paar an Länge nur wenig nach, das innerste ist dagegen ganz kurz.
Acarologische Beobachtungen 47
An einem Individuum von 290 u Länge und 154 u Breite wurden
gemessen die langen Schulterhaare mit 140, die äußersten End-
haare mit 185, die mittleren Endhaare mit 145 und die innersten
Endhaare mit 15 u.
Bauchseite (Fig. 34). Epimera I umfassen in kaum gebogener
Linie Trochanter I und verlaufen dann als breite Chitinleisten
bogenförmig nach innen; sie bilden kein Sternum, und ihre Enden
berühren sich nicht, sondern streben divergierend auseinander. Doch
sind die beiden Bogen da, wo sie sich am meisten nähern, durch
eine gerade, wagerechte Ouerleiste verbunden, sodaß ein )-( ent-
steht, eine höchst seltsame Erscheinung. Epimera II umfassen
bogenförmig Trochanter II und streben dann ungewöhnlich gerad-
linig nach innen. Epimera III
bilden einen Bogen; wo sie der
Rumpfkante entspringen, sind sie
besonders breit und lassen an-
deutungsweise eine Spaltung er-
kennen, welche zeigt, daß an ihrer
Bildung auch Epimerit II beteiligt
ist. Epimera IV verlaufen fast
geradlinig nach’ innen und lassen
an ihrem inneren Ende eine Spal-
tung erkennen, welche zeigt, daß
anihrer Bildungauch Epimerit III
beteiligt ist. Zwischen Bein II
und III ist die Seitenplatte des
Prosoma sichtbar. Textur der
weichhäutigen Fläche fein gerun-
zelt, wie auf der Rückenseite, ın
quer verlaufenden Runzeln. Unbe-
schadet dieser Runzelung läßt
eine Fältelung der Haut die Kon- Fig. 34.
struktion des (Grenitalapparates Rivoltasia quadrata 9.
erkennen, dessen Vorderende zwi-
schen den Hinterspitzen der Epimera I liegt. Ein eigentliches Epi-
gynium fehlt; es wird ersetzt durch die Ouerleiste zwischen den
Epimera I. - - Die schlitzförmige Analöffnung liegt in einem polster-
förmigen Wulst eingebettet, dessen Hinterende sie etwas über-
ragt. —- Behaarung. Alle Haare glatt und schmiegsam. Ein
Paar Haare mäßiger Länge zwischen Epimera I und II in der
Höhe der mehrerwähnten Querleiste. Ein Faar Haare zwischen
Trochanter IV. Jederseits 2 Paar Haare auf den hintersten Wülsten
in die sich das Rumpfende teilt. Auf der Grenze zwischen Pro-
soma und Opisthosoma, hinter den Seitenschildern, ganz lateral
ein Paar langer Seitenhaare und unmittelbar daneben ein Paar
bedeutend kürzerer akzessorischer Haare dazu. Bei einem Indi-
viduum von 290 u Länge und 154 u Breite wurden diese Haare
mit 140 und 38 p. gemessen.
10. Heft
48 Graf Hermann Vitzthum:
Die Mundwerkzeuge wurden nicht besonders studiert. Doch
war festzustellen, daß die Palpi maxillarum je 2 feine Haare tragen.
Beine von normaler Länge. Gliederung und Form der ein-
zelnen, durchweg normal entwickelten Glieder, insbesondere der
Tarsi, wie bei federbewohnenden Sarcoptiden üblich. Apophysen,
Dornen oder sonstige Besonderheiten fehlen gänzlich. Beine I und II
sowie III und IV untereinander von gleicher Stärke, Beine III also
nicht, wie Canestrini sagt, stärker als Beine IV. Die Behaarung
ist spärlich und ohne Besonderheiten. Auffallend lange Haare
stehen auf Femur I, II und III ventral, auf Tibia I, II, III und
Tarsus I, II, III und IV dorsal sowie besonders an Tarsus II la-
teral. Alle Tarsi tragen einen gestielten, annähernd kreisförmigen
Haftlappen, der in seiner Mitte einen Strich enthält, der wohl als
eine äußerst zarte, einfache Kralle zu deuten ist. Bei ungünstiger
Stellung bringt die Form der Tarsi es mit sıch, daß Haller glauben
konnte, der Haftlappen am Tarsus III sei nicht an der Spitze an-
gesetzt; in Wirklichkeit ist der Ansatz der Haftlappen bei allen
Tarsen gleich.
Gefunden: 1882 von Kramer in nur einem Exemplar;
zwischen 1882 und 1899 von Canestrini; 1919 von mir auf von
der Biologischen Anstalt auf Helgoland erbeutetem Vogelmaterial.
Patria: Bern, Padua und Helgoland; sicherlich überein-
stimmend mit dem jeweiligen Aufenthaltsort der Wirtsvögel.
Habitat: in der Schweiz Picus canus; in Italien Sylvia
atricapilla, auf Helgoland Saxıcola oenanthe.
Die der Beschreibung zu Grunde.liegenden Stücke befinden
sich in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Oudemans schied sehr mit Recht 1909 in
den ‚‚Entomologische Berichten“ Bd. 2, S. 331 332, aus dem
Genus Pteronyssus Robin die Formen aus, bei denen sich die
Epimera I nicht vereinigen oder berühren, und vereinte sie mit
in der 1894 von Canestrini im ‚Prospetto dell’ Acarofauna Italiana‘
S. 823 begründeten Gattung Rivoltasia, deren Typus Epidermoptes
bifurcatus Rivolta ist; vergl. ‚„‚Giornale di Anatomia, Fisiologia
e Patologia degli Animali‘“, Pisa 1876, Bd. 8, S. 247. Das Genus
Rivoltasia umfaßte ursprünglich außer der Typenart noch Rivol-
tasta latior (Canestrini a. a. O. S. 828) und Pterolichus dermicola
(Trouessart) (Bulletin de la Societe d’Etudes scientifiques d’An-
gers, Bd. 16, S. 109, und Bd. 17, S. 144). Durch die Sauberung
des Genus Pteronyssus Robin und verwandter Gattungen kamen
ferner hinzu Dermaleichus parinus Koch (Deutschlands Crustaceen,
Myriapoden und Arachniden, Heft 33, Fig. 8 9); Pteronyssus
truncatus Trouessart (Bulletin de la Societe d’Etudes scientifiques
d’Angers Bd. 14, S. 49; später von Berlese Pieronyssus quadratus
Haller var. truncatus genannt, obgleich er mit der Haller’schen Art
garnichts zu tun hat); Rivoltasıa bijurcata var. maior Berlese (Acari,
Myriopoda et Scorpiones hucusque in Italia reperta, Heft 83, Nr. 5,
Taf. 36); Pteronyssus nuntiaeveris Berlese (ebenda, Heft 26, Nr. 5,
Acarologische Beobachtungen 49
Taf. 116); Pteronyssus obscurus Berlese (ebenda, Heft 18, Nr. 5,
Taf. 111); Pieronyssus integer Trouessart et Neumann (Bulletin
scientifique de la France et de Belgique, Bd. 19, S. 352); Ptero-
nyssus striatus Robin (Journal de l’anatomie et de la physiologie,
Bd. 13, S. 425) und Pterolichus uncinatus Megnin (ebenda S. 420).
Letztens wäre hinzuzufügen der hier in Rede stehende Pieronyssus
quadratus Haller. Mit dieser Rivoltasia quadrala dürfte die auf der
afrikanischen Steganura paradisca und tropischen Fringillidae
lebende Rivoltasia uncinata (Megnin) und deren auf Phasianus
pictus aus China lebende Abart sehr nahe verwandt sein, da auch
diese Art in beiden ( seschlechtern die Ouerleiste zwischen den
Epimera I besitzt.
Haller’s Abbildung ist nach einem Harzpräparat gezeichnet
(die meinige nach dem Leben) ; dieser Art der Einbettung muß eine
Alkoholkonservierung vorhergegangen sein, durch die Schrump-
fungen unvermeidlicher : Weise eingetreten sein müssen. Daraus
erklären sich die Fehler in Haller’s Zeichnung. Nichts deutet bei
Haller’s Abbildung daraufhin, daß er ein 5, alles dagegen, daß er
ein © vor sich gehabt hat. Das $ ist daber, wie auch alle anderen
Entwicklungsstadien, noch unbekannt und wird wohl bei der großen
Seltenheit des Tieres nicht so bald gefunden werden.
Die systematische Stellung der Art erscheint auch jetzt noch
ungeklärt. Das Vorhandensein der bewußten Querleiste bei Riv.
uncinata und bei Riv. quadrata könnte Veranlassung geben, für
diese beiden Arten eine besondere Gattung aufzustellen. Bedenk-
lich ist nur, daß Riv. uncinata 2 ein Notogaster besitzt. Die Ent-
scheidung könnte erst gefällt werden, wenn auch das $ von Ri,
quadrata bekannt ist.
16. Tyroglyphus novisimilis n. sp.
Deutonympha (Wandernymphe). Länge 184-190 u. Größte
Breite 98-114 u; die Breite ist sehr abhängig von dem Grade der
ventralen Einrollen des Notogasters, sodaß das Tier unter Um-
ständen bedeutend schlanker erscheinen kann, als die Abbildung
andeutet. — Gestalt demgemäß etwas veränderlich; der vordere
Teil des Prosoma mit Andeutung zweier Paare ‚Schultern‘. —-
Farbe: schwach gelblich getönt, fast farblos.
Rückenseite (Fig. 35). Die Notocephale deckt zwei Siebentel,
das Notogaster fünf Siebentel der Rückenfläche. Der nach vorn
nur ganz schwach konkave Vorderrand des Notogasters greift eine
Kleinigkeit über die Notocephale über. Struktur beider Schilder
glatt. — Behaarung. Am Rumpfende, nicht ganz am Rande,
ein Paar Haare. Ein gleiches Haarpaar auf den Hinterecken,
soweit bei der vollkommenen Abrundung von ‚Ecken‘ die Rede
sein kann. Und hinter Bein III ein gleiches Haarpaar ganz rand-
ständig. Diese Haare sind ohne weiteres deutlich sichtbar. Die
übrigen sind sehr schwer zu erkennen. Auf der Notocephale auf
jeder ‚Schulter‘ ein Paar kleiner Haare und in der Mitte ein
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. To. 4 10. Heit
20 Graf Hermann Vitzthum:
Paar winziger Haare. In den Vorderecken des Notogasters ein
Paar winziger Haare und ein gleiches Paar etwas weiter hinten,
dessen Abstände hier die Rumpfbreite ungefähr dritteln. Mehr
Haare wurden nicht gefunden. Es ist aber mit Bestimmtheit an-
zunehmen, daß deren noch mehr vorhanden sind, und zwar wahr-
scheinlich in der Anordnung wie bei der Wandernymphe von
Tyroglyphus novus Oudemans; vergl. Oudemans in den ‚Ento-
mologische Berichten‘ Bd. 2, S. 122; die hierzu vorliegende Hand-
zeichnung von Oudemans ist m. W. noch nicht veröffentlicht.
— Die Oldrüsen zeichnen sich als ovale Flecken von etwas dunklerer
Tönung ab.
Fig. 35. Fig. 36.
Tyroglyphus novisimilis. Tyroglyphus novisimilis.
Bauchseite (Fig. 36). Epimera I vereinigen sich ganz vorn
Y-förmig zu einem Sternum. Das Sternum endigt frei und un-
gegabelt auf der Linie der Hinterkante von Trochanter II. Epi-
mera II verlaufen in fast gerader Linie bis nahe des Hinterendes
des Sternums und streben von da an fast parallel in der Richtung
der Längsachse bis kurz vor die Mitte der Bauchfläche. Ihre Hinter-
enden sind miteinander durch ein Querstück verbunden und stehen
außerdem mit dem Hinterende von Epimerit II in Verbindung.
Auf dasselbe Hinterende von Epimerit II stoßen die Epimera III,
die ihrerseits durch ein wagerechtes Ouerstück miteinander ver-
bunden sind. Von der Mitte dieses Querstücks verläuft ein Ven-
trum nach hinten bis vor die Genitalspalte. Auf dem vorderen
Acarologische Beobachtungen 51
Drittel des Ventrums vereinigen sich die Epimera IV. — Die
Genitalspalte liegt in normaler Größe zwischen den Trochanteren
IV und läßt jederseits zwei Genitalhaftnäpfe erkennen. — Die sehr
kleine Analöffnung liegt an üblicher Stelle. —- Die Haftnapfplatte
füllt die ganze Fläche hinter den Trochanteren IV aus. Abgesehen
von einer leichten Einbuchtung hinter der Genitalspalte ist sie
ziemlich kreisrund. Sie erreicht das Rumpfende, überragt dieses
aber nicht. Ihre acht Haftnäpfe sind in drei Reihen zu 2, 4, 2
angeordnet, und zwar ist das äußere Paar der Mittelreihe eine
Kleinigkeit weiter nach hinten gerückt, als das größte mittelste
Paar. — Behaarung. Am Rumpfende ein Paar verhältnißmäßig
langer Haare. Winzige Haare stehen auf Coxae I und III an Stelle
der dort sonst üblichen Haftnäpfchen. Ein Paar gleicher Härchen
flankiert die Stelle, wo die Epimera IV auf das Ventrum stoßen,
und ein gleiches Paar flankiert endlich auch die Genitalspalte.
Diese kleinen Härchen sind recht schwer zu erkennen. Ein Paar
Borsten steht ferner ganz vorn auf dem ventral eingerollten Streifen
des Notogasters.
Das Hypostom besteht in einem von der (rabel der
Fpimera I umschlossenen Wulst als Basalstück. Diesem sitzt
ein schlankerer Teil auf, der das Rumpfende überragt,
rechts und links ein Börstchen trägt und in zwei lange
Borsten endet.
Die Beine sind typisch T'yroglyphus-artig, ziemlich stämmig
und von normaler Gliederung. Beine I und II überragen die
Vorderkante des Rumpfes’ mit dem ganzen Femur. Beine III
und IV können, sofern sie nicht vom Genu an nach vorn gewandt
getragen werden und alsdann unter der Bauchfläche verborgen
bleiben, mit dem halben Tarsus den Rumpfrand überragen. —
Behaarung. Trochanter I und III mit einem mäßig langen,
Trochanter II mit einem etwas längeren Haar auf der Ventralseite.
Tarsus III und besonders IV ventral mit einem sehr langen Sinnes-
haar. Tibia I und II ventral, fast lateral mit einer kurzen Borste.
Genu und Tarsus I sowie Genu, Tibia und Tarsus II dorsal distal
mit einem ziemlich langen Sinneshaar. Tibia I dorsal distal mit
einem sehr langen Sinneshaar, dessen Länge der des ganzen Beines
ungefähr gleichkommt. Die Sinneskolben dorsal proximal auf
Tarsus I und II sind schlank und etwas keulenförmig. Sie werden
auf Tarsus I von einem ziemlich weichen Härchen begleitet. Tarsus
I und II trägt an der Spitze ein Härchen, dessen Spitze etwas
löffelförmig verbreitert zu sein scheint. — Alle Tarsi tragen
einfache Krallen, die etwas größer und kräftiger zu sein
scheinen, als im allgemeinen bei T'yroglyphus-Wandernymphen
üblich.
Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Java, Indien, Ceylon und Brasilien.
En 10. Heft
52 Graf Hermann Vitzthum:
Habitat: auf Daryrhynchus latirostris Gyll., Caenorychodes
serrirostris Fabr. und Hypomtolispa exarata Desbr. des Loges (auf
Java), Prophthalmus Bourgeoisi Power (in Indien und Ceylon) so-
wie Raphidorhynchus longimanus Fabr. (in Brasilien), lauter Bren-
thiden.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Wandernymphe ist bekannt. Die
Zahl der Tyroglyphus-Wandernymphen, die an Stelle der sonst
üblichen Haftnäpfe auf Coxa I und III Härchen besitzen, erhöht
sich nunmehr auf drei. Tyroglyphus novus Oudemans wurde be-
reits oben erwähnt. Die dritte ist die von T vroglyphus mycoborus
Oudemans; vergl. OQudemans in den ‚„Entomologische Berichten“
Bd. 3, S. 188. Die beiden bisher bekannten Arten sind mittel-
europäisch, T. novisimtilis scheint die Tropen zu bevorzugen. T.
novus ist mit 232 u Länge größer, T. mycoborus mit 155 u Länge
kleiner als 7. novisimilis. Soweit aus der Wandernymphe allein
auf die systematische Stellung geschlossen werden darf, dürfte
T. novus der nächste Verwandte der neuen Art sein. Auch er hat
die langen Schlepphaare an Tarsus III und IV, die bei T. myco-
borus fehlen. Es sind aber, auch abgesehen von der Größe, deut-
liche Unterschiede vorhanden. So deckt die Notocephale bei T.
novus fast ein Drittel der Rückenfläche. Bei T. novus erreicht das
lange Sinneshaar auf Tibia I kaum die Tarsusspitze. Das lange
Supraunguinalhaar auf Tarsus I, II und IV von T. novus fehlt bei
T. novisimilis. Die dorsalen Haare am Rumpfende sind bei T.
novus länger. Die Haftnapfplatte ist bei T. novus kleiner, wenn
auch die Anordnung ihrer Haftnäpfe gleich ist, und sie erreicht
das Rumpfende nicht ganz. Und endlich enden die Epimera TI
bei T. novus frei, wenn auch sonst das Muster der Chitinleisten
der Bauchfläche bei beiden Arten sehr ähnlich ist.
17. Tyroglyphus mayaorum n. Sp.
Deutonympha (Wandernymphe). Länge 191 u. Größte Breite
125 u. — Gestalt breit eiförmig, doch mit der Maßgabe, daß das
Prosoma vorn in eine rundliche Spitze ausgezogen ist. — Farbe
blaß ockergelblich getönt.
Rückenseite (Fig. 37). Die fast wagerechte, nach vorn
schwach konvexe Vorderkante des Notogasters greift eine Kleinig-
keit über die Hinterkante der Notocephale über. Das Verhältnis
der Längen der Rückenschilder ist ungefähr 3:7. Die größte Breite
liegt deutlich auf der Grenzlinie der beiden Schilder. Struktur der
Schilder spiegelglatt. Poren sind nicht vorhanden. Die Oldrüsen
zeichnen sich als dunkler gefärbte Flecken auf der Höhe der Rumpf-
mitte ab. Die Behaarung ist äußerst zart und hyalin. Deutlich
sichtbar ist nur ein Haarpaar am Rumpfende und das Paar der
Vertikalhaare. Bei günstiger Lage des Objektes können auch noch
die in der Zeichnung angegebenen sehr feinen, marginalen Haare
a nd u u m nn LLLULUUTULLU_
Acarologische Beobachtungen 55
wahrgenommen werden. Die übrigen, zweifellos vorhandenen
Haare aber sind so fein und winzig, daß sie sich der Beob-
achtung entzogen.
Bauchseite (Fig. 38). Epimera I vereinigen sich im vor-
dersten Viertel Y-förmig zu einem Sternum, das sich nach hinten
nur bis zwischen die Trochanteren II erstreckt. Epimera II ver-
laufen nicht in der gewöhnlichen sanft geschwungenen Linie, son-
dern streben zunächst fast senkrecht auf das Sternum zu und
biegen dann in stark gewölbtem Bogen nach hinten um: ein
Hauptmerkmal der Art. Sie enden frei in der Linie der größten
Breite, sind also sehr kurz. Epimerit II deutlich erkennbar, durch
218.57. Fig. 38.
Tyroglyphus mayaorum. Tyroglyphus mayaorum.
ein wagerechtes Ouerstück miteinander verbunden. Epimera III
schließen sich hinter jenem Ouerstück zu einem gleichmäßigen
Bogen zusammen. Epimera IV bilden einen ebensolchen Bogen,
berühren sich auf der Mittellinie aber nicht unmittelbar. Ihre in-
neren Enden stehen vielmehr durch einen Bogen mit den äußeren
Enden der Epimera III in Verbindung. An diesem Verbindungs-
punkt entsteht Y-förmig ein Ventrum, das sich rückwärts bis zur
Genitalspalte erstreckt. Das Muster der Chitinleisten ist also von
dem anderer Tyroglyphus-Wandernymphen erheblich abweichend,
besonders im Bereich der Coxae I und II. Coxa I und III mit
einem kleinen, aber scharf ausgeprägten Haftnapf. Die sonst
normale (renitalspalte wird in weitem Abstand von zwei bedeutend
10. Hett
54 Graf Hermann Vitzthum:
größeren Haftnäpfen flankiert. Die Haftnapfplatte ist groß
und annähernd kreisrund. Sie überragt mit ihrem hyalinen, radiär
gestreiften Hinterrand das Rumpfende deutlich. Ihre acht Haft-
näpfe sind in drei Reihen angeordnet zu 2, 4, 2. Das vorderste
Paar steht in ungewöhnlich weitem Abstand vor der Mittelreihe.
Das mittlere Paar der Mittelreihe ist das größte; das äußere Paar
ist eine Kleinigkeit vor die Mittellinie des mittleren Paares vor-
gerückt, erreicht jedoch wegen seiner geringeren Größe die Linie
von dessen Vorderrändern nicht ganz. Das hinterste Paar von
gleicher Größe, wie das äußere Paar der Mittelreihe. — Die Anal-
öffnung liegt an üblicher Stelle und ist verhältnismäßig groß.
Am Rumpfende ein Paar Haare, die unter dem hyalinen Rand
der Napfplatte hervorragen, doppelt so lang wie die entsprechenden
Haare der Rückenseite. Ferner je ein kleines Haar in den Vorder-
ecken des ventral eingerollten Notogasters.
Das Hypostom ist schlank, gabelt sich vorn in zwei Zipfel,
deren jeder eine lange Borste trägt. Seitliche Börstchen waren
nicht wahrzunehmen.
Die Beine sind typisch Tyroglyphus-artig. Tarsi III und IV
sind auffallend breit abgestutzt. Die Gliederung der Beine ist
sonst aber normal. Femur I und Genu II überragen den vorderen
Körperrand. Die Behaarung ist spärlich und war schwer zu er-
kennen. Femur I und II ventral mit sehr langem Haar. Trochanter
III ventral mit mäßig langem Haar. (Grenu I und II lateral extern
mit einer Borste. Eine etwas längere Borste an der Tibia II intern.
Tibia I dorsal mit einem Tasthaar, das die Tarsusspitze nicht
wesentlich überragt. Riechkolben auf Tarsus I und II stabförmig.
Lange Haare finden sich auch an Tibia und Tarsus III und IV,
Tarsus I trägt ein die Kralle weit überragendes sehr feines, faden-
artiges, weiches Haar. Daneben zwei kürzere ebenso dünne Haare
und ein Haar, das am Ende löffelförmig verbreitert ist. Etwas
weiter hinten sind zwei distal lanzettförmig verbreiterte Haare
eingepflanzt. Solcher lanzettförmig verbreiterter Haare besitzt
auch Tarsus II zwei. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich noch
andere Tarsalhaare, besonders unter den feinen Haaren der Tarsi
III und IV als lanzettförmig verbreitert erweisen. Die einfachen
Krallen sind an allen vier Tarsi normal entwickelt.
Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Guatemala, dessen altes Kulturvolk der Maya bei
der neuen Art (Grevatter stehen mußte.
Habitat: auf Brenthus deplanatus Gyllenhal.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Wandernymphe ist bekannt. Der
nächste Verwandte der Art scheint mir der Florentiner Tyroglyphus
tarsıspinus Oudemans zu sein; vergl. Oudemans in den ‚Ento:
mologische Berichten‘ Bd. 3, S. 50. Epimera I und II sind dort
-
Acarologische Beobachtungen BB)
von ähnlicher Kürze, und der Bau des Prosoma ist ähnlich, wenn
auch erheblich kürzer. Hier wie dort fehlen dem Hypostom die
seitlichen Börstchen, und die Behaarung der Beine ist zwar bei
weitem nicht gleich, aber doch ähnlich. Freilich liegen auch tief-
greifende Unterschiede vor. So fehlen der Wandernymphe von
Tyr. tarsıspinus z. B. die Vertikalhaare.
18. Ceroglyphus monstruosus Vitzthum.
1919. Vitzthum im „Archiv für Naturgeschichte‘‘ 84. Jahrg. 1918,
Abt.rA; Eeft 6. |
Reichlicheres Material, durchweg aus Männchen bestehend,
bot Gelegenheit, die Mundwerkzeuge des bisher allein bekannten
5 zu studieren, die dem Gesamtbild der Art das charakteristische
(repräge aufdrücken. — Die Maxillae sind zwar
sehr in die Breite gezogen, bieten aber keine Ab-
sonderlichkeiten. Die Maxillarpalpi da-
gegen sind in ihrem Bau stark verein-
facht. Sie lassen nur zwei wirkliche
Glieder unterscheiden. Das proximale
Glied ist mit den Maxillae- vollständig
verschmolzen. Es trägt ventral ein
feines Haar. Diesem Basalstück sitzt
der übrige Teil des Palpus deutlich ab-
getrennt ventral auf. Fine zarte Linie
im proximalen Drittel läßt erkennen,
daß hier zwei ursprünglich gesonderte
Glieder zu einer Einheit zusammen-
geschweißt sind (Fig. 39). Hinter
dieser Grenzlinie sitzt ventral ein feines
a Haar. Im Ubrigen ist der Palpus in ee
monstruosus. Jeder Beziehung völlig glatt. Genau „onstruosus.
auf seiner Spitze trägt er eine steife
Borste, und hinter dieser sitzt dorsal, etwas nach außen
gewandt, ein sie weit überragendes feines Haar. Gliederung und
Ausstattung der Palpı weicht also von der bei anderen Tyrogly-
phiden erheblich ab. — Der Basalteil der Mandibulae ist im Ver-
hältnis zu dem Scherenapparat (Fig. 40) nicht so plump geformt,
wie sonst bei Tyroglyphiden üblich. Beide Scherenglieder sind
kräftig gebogen. Der Digitus fixus trägt nur in seinem hinteren
Teil einen Zahn, der Digitus mobilis je einen Zahn vor und hinter
der Mitte seiner Kaufläche. Alle diese Zähne sind von gleicher
Stärke. Die Bezahnung der Schere ist also ungewöhnlich ein-
fach. Man vergleiche damit die komplizierten Bezahnungen anderer
Arten, wie sie Michael in den „British Tyroglyphidae‘‘ abbildet.
Trotz der enormen Entwicklung entbehren die Mandibulae jeder
weiteren Ausstattung. Nichts erinnert etwa an das Pulvillum oder
den Pilus dentarius oder das tibiale Sinnesorgan der Parasitiden.
Die monströse Entwicklung der Mandibulae ist erst dann voll zu
10. Heft
56 Graf Hermann Vitzthum:
würdigen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß ihre Länge der
halben Rumpflänge und ihre Rückenflächen zusammengenommen
der Hälfte der größten Kumpfbreite gleichkommen.
19. Calvolia eireumspectans n. Sp.
Deutonympha (\Wandernymphe). Länge des Idiosoma 175 bis
181 u. Größte Breite 105 111 u; die ventrale Einrollung des
Notogasters verursacht hinsichtlich der Breite so gut wie keine
Schwankungen. (restalt ziemlich eiförmig, doch mit der Maß-
gabe, daß am Prosoma eine Andeutung von „Schultern“ vorhanden
ist. —- Farbe ockergelb; die Öldrüsen zeichnen sich hinter der
Rumpfmitte als dunkel olıv-
braune Schattenflecke ohne
feste Umrisse ab.
Rückenseite (Fig. 4).
Die Notocephale deckt et-
was mehr als ein Drittel,
das Notogaster fast zwei
Drittel der Rückenfläche.
Die Hinterkante der Noto-
cephale liegt unter der wage-
rechten Vorderkante des
Notogasters. Die Struktur
beider Schilder ist spiegel-
glatt. Über Trochanter I
und II auf der Notocephale
je ein Paar feine Haare.
Zwei Paare von etwas kür-
zeren Haaren hinter dem
Vorderrand des Notogasters.
Ein Paar noch längere
Fig. 41. Haare ganz endständig;
es erscheint zweifelhaft,
ob man diese nicht besser
der Unterseite zuzählen müßte. Davor hart marginal ein
Paar Härchen und ein gleiches Paar ebenfalls hart marginal
in der Gegend der Öldrüsen. Außerdem sind drei Paar winzige
Haare vorhanden, die in der Nähe dieser Marginalhaare einge-
pflanzt sind. ( ranz vorn ein Paar sehr feiner, steifer Vertikalhaare.
Seitlich von diesen wölben sich halbkugelig die kristallklaren
Corneae der Augen hervor, unter denen die Retinae von kastanien-
brauner Farbe sichtbar sind.
Bauchseite (Fig. 42). Epimera I vereinigen sich im vorder-
sten Drittel Y-förmig zu einem Sternum, das sich bis hinter Tro-
chanter II erstreckt und hier frei und ungegabelt endigt. Epi-
mera II streben in flach S-förmig geschwungener Linie der Mittel-
linie zu, reichen bis hinter das Ende des Sternums und enden hier,
leicht divergierend, frei. Die Epimeriten II verbinden sich in
Calvolia circumspectans.
Acarologische Beobachtungen 57
wohlgerundetem Bogen zu einer nahezu wagerechten Querleiste,
die die Bauchfläche fast genau halbiert. In ihrer Mitte entspringt
ein Ventrum, welches aber nur bis zwischen die Trochanteren III
reicht. Rechts und links vom Vorderende des Ventrums stoßen
die gleichmäßig gebogenen Epimera III auf die erwähnte Quer-
leiste. Die Epimera IV verlaufen in ähnlichem Bogen wie Ill und
vereinigen sich in Gestalt eines umgekehrten V auf dem Hinter-
ende des Ventrums. Auf Coxae I und III keine Haftnäpfe oder
Haare. Die Genitalspalte liegt hinter den Trochanteren IV. Sie
wird nicht von Haftnäpfen, sondern von einem Paar Härchen
flankiert. Ein Paar ähnlicher Härchen steht dann noch in der
Linie der größten Breite,
und je ein feines Härchen
auf den Vorderecken des
ventral etwas eingerollten
Notogasters. Andere Haare
sind auf der Bauchfläche
nicht vorhanden.
Die Haftnapfplatte
beginnt erst hinter den dis-
talen Enden der Trochan-
teren IV. Sie ist herzför-
mig, indem an ihrer Vorder-
kante eine FEinbuchtung der
Genitalspalte entspricht. Sie
erreicht das Rumpfende,
doch steht der hyaline Hin-
terrand nicht über diese hin-
aus. Auf der Napfplatte
stehen acht Haftnäpfe in
drei Reihen zu 2, 4,2. Da-
von ist das mittlere Paar Fig. 42.
der Mittelreihe am größten. Calvolia eircumspectans.
Das äußere Paar dieser
Reihe ist etwas nach hinten gerückt, sodaß die Mittel-
reihe ein wenig nach hinten gebogen erscheint. Das vor-
derste und das hinterste Napfpaar ist noch etwas kleiner
als das äußere Paar der Mittelreihe. Ein Paar winziger Kreise,
die schräg vorwärts nach außen vor den größten Haftnäpfen sicht-
bar sind, möchte ich nicht als ein fünftes Napfpaar ansprechen. —
Die sehr kleine Analöffnung liegt an üblicher Stelle.
Das Hypostom hat ein gedrungenes Basalstück, das sich
vorn in zwei Zipfel gabelt, auf deren jedem eine lange Endborste
steht. Seitliche Börstchen wurden am Hypostom nicht wahr-
genommen.
Die Beine I und II sind einigermaßen T'yroglyphus-artig.
Femur und Genu I und II sind deutlich voneinander getrennt,
und Tarsus I und II sind nicht Anoetus-artig schlank. Beine III
10. ITeft
58 Graf Hermann Vitzthum:
und IV sind ebenfalls normal gegliedert, aber sehr kurz, stämmig
und gedrungen, sodaß die distalen Glieder dicker sind als lang.
Besonders Tarsus IV ist sehr kurz. Tarsus I und II sowie III
tragen einen richtigen Prätarsus von fast der Länge des Tarsus II, .
auch Tarsus III, obgleich dieser Tarsus bedeutend kürzer ist als
I oder Il. Diese Prätarsi bilden in der proximalen Hälfte einen
cylindrischen Stiel, der sich in der distalen Hälfte löffelartig er-
weitert. In dieser Erweiterung ist vorn die zarte einfache Kralle
eingesetzt. Der Ansatz dieser Prätarsi ist von vier Haaren um-
geben, die fast in ihrer ganzen Länge schmal blattartig verbreitert
sind. Tarsus IV dagegen endet in zwei lange Haare: eins von
ungefähr Rumpflänge, und eins um die Hälfte kürzer. Beide
Haare sind biegsam, aber nicht schlapp. Zwischen diesen langen
Haaren eingeklemmt sitzt noch ein kurzes Grebilde, das wohl auch
ein Haar sein wird, das aber manchmal aussieht wie eine wenig
gebogene Kralle ohne Prätarsus. Außerdem trägt Tarsus IV
noch eine ganz kurze Borste. Im Übrigen sind vorhanden auf
Trochanter I, II und III ventral je ein Haar, und zwar das auf
Trochanter III recht lang. Auf Femur I, II und IV ventral je
ein Haar, und zwar die auf Femur I und II recht lang. Auf Genu
I, II und III je ein Haar. Auf Genu I und II dorsal je ein Här-
chen. Auf Tibia I und II dorsal je ein langes, weiches Tasthaar,
welches sogar die Krallenspitze noch etwas überragt. Der stab-
förmige Riechkolben auf Tarsus II ist ohne Begleithaar, dagegen
ist der etwas längere stabförmige Riechkolben auf Tarsus I innen
von einem weichen Haar begleitet, welches die. Tarsusspitze über-
ragt.
(refunden von mir 1914 auf von H. Wichmann von der
Forstakademie in Waidhofen an der Thaya vorgelegtem Käfer-
material.
JTempus: unbekannt.
Patria: Tibet, Nilam-Dshong (= Kuti) am Nordwestabhang
des Gaurisankar im Himalaya.
Habitat: auf Ids stebbingt.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Wandernymphe ist bekannt. —-
Oudemans begründete 1911 in den „‚Entomologische Berichten“
Bd. 3, S. 187, für die Tyroglyphiden, deren Wandernymphe nur
an den Tarsi I, II und III mit Krallen, am Tarsus TV aber mit
langen Haaren ausgestattet ist und vorn am Prosoma Augen be-
sitzt, die Gattung Calvolia. Type der Gattung ist .Calvolia hetero-
coma (Michael); vergl. Michael, ‚British Tyroglyphidae‘“ Bd. 2,
S. 106 ff., daselbst noch Tyroglyphus heterocomus genannt. Dies
ist bisher auch die einzige Calvolia-Art, von der das Prosopon
bekannt ist, da es Michael gelang, die Art auf Boletus edulis
zu züchten. An seine Abbildung der hier in erster Linie interes-
sierenden Wandernymphe darf man freilich nicht mit den An-
sprüchen der heutigen Acarologie herantreten. Außer dieser eng-
Acarologische Beobachtungen 59
lischen Art sind noch die Wandernymphen der holländischen Cal-
volia hagensis Oudms. (vergl. Oudemans a. a. O., S. 187—188)
und der deutschen Calvolia Kneissli Krausse (vergl. Krausse
ım „Archiv für Naturgeschichte‘, 83. Jahrg. 1917, Abt. A, S. 123
bis 124) bekannt. Auf diese vier Arten beschränkt sich die Gattung
Calvolia vorläufig. Die Wandernymphe von €. circumspectans unter-
scheidet sich von C. heterocoma ohne weiteres dadurch, daß die
Struktur ihrer Rückenbedeckung glatt ist, während die jener
deutlich gerieft oder gerunzelt ist. Mit der Wandernymphe von
C. hagensis dagegen stimmt sie in fast allen Einzelheiten, auch in
der Größe, genau überein. Der wesentliche Unterschied liegt
jedoch darin, daß bei der Wandernymphe von (€. hagensis die
Prätarsi nicht so unverhältnismäßig lang sind, und daß diese
nur am Tarsus I und II von blattähnlich verbreiterten Haaren,
und zwar nur von zweien, begleitet sind, während Tarsus III solcher
auffälligen Haargebilde entbehrt. Auch ist Tarsus IV bei der hol-
ländischen Art weniger reich ausgestattet als bei der zentral-
asiatischen. Bei Calvolia Kneissli wird durch das eine einzige
lange Haar am Tarsus IV eine Verwechslung mit den andern
Arten ausgeschlossen.
20. Anoetus prophthalmi n. sp.
Deutonympha (Wandernymphe). Länge 174 u; größte Breite
des abgebildeten Individuums 118 u, doch schwankt die Breite
je nach dem Grade der ventralen
Einrollung des Rückenschildes. ——
Gestalt ziemlich elliptisch. — Farbe
bei auffallendem Licht weiß, bei
durchfallendem Licht schwach gelb-
lich getönt.
Rückenseite (Fig.- 43). Die
Notocephale deckt ungefähr ein
Fünftel, das Notogaster vier Fünftel
der Rückenfläche. Die Vorderkante
der Notocephale verläuft ohne jede
Ein- oder Ausbuchtung etwa wie die
Linie einer Ellipse nahe den Brenn-
punkten. Die nach vorn schwach
konvexe Hinterkante der Notoce-
phale liegt eine Kleinigkeit hinter,
also unter der Vorderkante des Noto-
gasters. Vorderkante des Noto-
gasters nach vorn schwach konvex. Fig. 43.
— Struktur beider Schilder spiegel-
glatt. — Die Behaarung konnte
nicht studiert werden, weil die Einzelheiten einer eingeschlossenen
Tritonympha das Bild störten, und ist daher in der Abbildung’
fortgelassen. Sicher ist, daß die Haare äußerst kurz und fein
Anoetus prophthalmi.
10. Heft
60 Graf Hermann Vitzthum:
sind. Ihre Stellung dürfte der der nächstverwandten Arten ent-
sprechen. |
Bauchseite (Fig. 44). Epimera I vereinigen sich weit vorne
Y-förmig zu einem Sternum, das in durchweg gleichmäßiger Stärke
dem Mittelpunkt der Bauchfläche zustrebt und hier frei endigt.
Epimera II verlaufen in flachem Bogen, nähern sich mit ihrem
inneren Ende dem Ende des Sternums und endigen ebenfalls frei.
Epimerit II nur als schwache Andeutung vorhanden. Epimera III
bilden je einen nach vorn leicht konkaven Bogen und sind durch
eine fast gerade, nur wenig nach vorn konkave Linie verbunden.
Im Mittelpunkt dieser letzteren Linie entspringt ein Ventrum,
welches rückwärts fast bis zur Genitalspalte durchläuft. Epi-
mera IV bilden je einen nach vorn
schwach konkaven Bogen und vereini-
gen sich auf der Mitte des Ventrums.
Die distalen Enden von Epimera IV
sind durch eine zarte gerade Linie
verbunden, auf welcher das Ventrum
abschneidet. -— Die Genitalspalte von
normaler Größe läßt jederseits zwei
(renitalsaugnäpfe erkennen. Die Anal-
öffnung schr klein, an üblicher Stelle
unter der Haftnapfplatte. Haftnäpfe
auf Coxa I, welche über Epimera II
liegen, < und -auf ‚Coxa77ihE Syarader
Mitte von Epimera IV. Ein Paar etwas
größerer Haftnäpfe flankiert die Geni-
talspalte an ihrem hinteren Ende.
Die Haftnapfplatte füllt den ganzen
Fig. 44. mora IV aus. Sie überragt das Rumpf-
Anoetus prophthalmi. ende nicht. Sie trägt 8 Haftnäpfe in
der Anordnung 2, 4, 2. Davon ist das
mittelste Paar von ansehnlicher Größe, die übrigen Paare
kleiner und unter sich von ziemlich gleicher Größe. Das
große Paar enthält zwei ‚Kerne‘, die anderen je einen. Keine
Haare.
Zwischen der durch die Epimera I gebildeten Gabel ein
fleischiger Wulst, dem daS Hypostom aufsitzt. Dieses ist
mäßig lang und teilt sich an einer jederseits durch eine kleine
Borste gekennzeichneten Stelle in zwei kurze Enden, aus
denen vorn die verhältnismäßig kurzen Hypostomborsten ent-
springen.
Beine typisch anoetus-artig in der Form und in der Haltung.
Es überragen den Körperrand Tibia I mit mehr als der vorderen
Hälfte, Tarsus II ganz, und das Vorderende von Tibia III und IV,
sofern die Beine III und IV nicht so getragen werden, daß sie ganz
unter der Bauchfläche verborgen bleiben. Fenmiur und Genu I
Raum der Bauchfläche hinter den Fe-
Acarologische Beobachtungen 61
und II fest, wahrscheinlich unbeweglich, miteinander verbunden,
doch mit deutlicher Grenzlinie. Auf Trochanter III ein Haar.
Auf Femur I und II ventral ein Haar. Auf Genu und Tibia I
und II distal und extern, doch immer noch ziemlich ventral, ein
Haar. Auf Tibia I und II dorsal neben dem Riechkolben ein
mäßig langes Sinneshaar und ein weiches gewöhnliches Haar.
Nahe der Mitte von Tarsus I und II jederseits ein Härchen. Auf
Genu IV ventral ein Haar. An den distalen Enden von Genu III
und Tibia III und IV je zwei Härchen. Alle diese kleinen Haare,
soweit nicht anders angegeben, steife feine Borsten, doch nicht
dornartig. Die Krallen aller Tarsi sind zart und von gewöhnlicher
Gestalt. Als Supraunguinalhaar an Tarsus I ein löffelförmig, an
Tarsus II ein schmal blattförmig verbreitertes, an Tarsus III
und IV ein kurzes, gewöhnliches Haar.
Gefunden von mir auf von R, Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Vorderindien, einschließlich Assam.
Habitat: auf Prophthalmus potens Lacordaire, einer Bren-
thide.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Die Art muß leider, wie so viele Anoetus-
Arten, auf der allein bekannten Wandernymphe aufgebaut werden.
Das Muster der Chitinleisten auf der Bauchfläche gleicht auf-
fällig dem von Anoetus litoralis Oudms. Vergl. Oudemans in den
„Entomologische Berichten“ Bd. 4, S. 71, und vor allem in der
„ lijdschrift voor Entomologie““ Bd. 57, S. 116. Doch ist der
A. litoralis mit 320 u erheblich größer als A. prophthalmi. Auch
überragt A. litoralis sogar mit Genu I und II den Körperrand.
Sehr nahe verwandt ist A. prophthalmi auch mit dem „Hypopus‘,
den schon 1839 Dufour in den ‚‚Annales des sciences naturelles‘‘,
Ser. 2, Bd. 11, S. 278, als auf Sapromyza blepharipteroides gefunden
behandelt. Er hielt das Tier zwar noch für eine adulte Form,
bis 1900 Leonardi in dem ‚Bulletino della societä entomologica
italiana‘, Bd. 32, S. 34, seine Nymphennatur erkannte. Oudemans
beschreibt die Art ausführlich in der ‚„Tijdschrift voor Entomo-
logie“, Bd. 57, S. 107 ff. unter dem heute gültigen Namen Anoetus
sapromyzarım (Dufour). Die Größe von A. sapromyzarım stimmt:
mit 170-200 u ziemlich mit der von A. prophthalmi überein. Auch
der Bau des Prosoma ist überaus ähnlich. Verschieden ist jedoch
das Muster der Chitinleisten der Bauchseite und das Überragen
der Beine I und II über den Körperrand. Gleiche Unterschiede
trennen die Art auch von dem sonst sehr nahestehenden A. Berghi
Jensen (vergl. hierüber Jensen in den ‚„Videnskabelige Meddelelser
fra den naturhistorische Forening i Kjöbenhavn‘, Jahrgang 1895,
S. 72 ff.), dessen Wandernymphe mit einer Länge von 240-300 u
sich sehr der von A. litoralis nähert. Oder sollten etwa diese
beiden Arten überhaupt identisch sein ?
10, Heft
62 Graf Hermann Vitzthum:
21. Anoetus prodeectorisn. Sp.
Deutonympha (Wandernymphe). Länge 156—160 u. Größte.
Breite 95—100 u. Die an zahlreichen Individuen nachgeprüften
Größenverhältnisse sind also außerordentlich konstant, auch hin-
sichtlich der Breite, wo man wegen der ventralen Einrollung des
Notogasters größere Schwankungen erwarten sollte. —- Gestalt
einigermaßen eiförmig, mit dem spitzeren Ende nach hinten. —
Farbe schwach gelblich.
Rückenseite (Fig. 45). Das Prosoma flach dreieckig. Sein
Vorderrand bildet bis über Trochanter II eine Fortsetzung der
Seitenlinie und fügt sich dann in flachem Bogen zusammen, vorn
eine En Andeutung einer Spitze darstellend. Die Notocephale
deckt zwei Elftel,das Notogaster neun Elftel
der Rückenfläche. Der nach vorn schwach
konvexe Vorderrand des Notogasters reicht
Fig. 45. Fig. 46.
Anoetus prodectoris. Anoetus prodectoris.
eine Kleinigkeit über den Hinterrand der Notocephale. Struktur
beider Schilder spiegelglatt, ohne Poren. Die Behaarung ist sehr
schwer erkennbar. Auf der Notocephale zwei Paar Härchen, von
denen das innere etwas länger zu sein scheint, als das äußere,
Auf dem Notogaster am Rumpfende ein deutlich sichtbares Haar-
paar. Nahe dem Vorderrande ein auch noch einigermaßen gut
erkennbares Haarpaar. Alle anderen Haare aber sind winzig, und
es wurden nur die ın der Abbildung angegebenen mit einiger Sicher-
heit festgestellt. Ganz gewiß sind deren noch mehr vorhanden.
Bauchseite (Fig. 46). Epimera I vereinigen sich im vor-
dersten Viertel Y-förmig zu einem Sternum, das annähernd bis
zur Mitte der Bauchfläche durchläuft und hier frei und ungegabelt
endet. Epimera II verlaufen inüblichem flachen Bogen über das
Sternumende hinaus und stoßen auf die wagerechte Querleiste,
N
Acarologische Beobachtungen 63
die die inneren Enden der kurzen Epimera III verbindet; sollte
diese Auffassung irrtümlich sein, sodaß die Epimera II doch frei
enden, so ist jedenfalls der Zwischenraum zwischen ihren Hinter-
enden und jener Ouerleiste äußerst gering. Von der Querleiste
an verläuft ein Ventrum nach rückwärts, auf dessen Mitte die
inneren Enden von Epimera IV zusammenstoßen. Außerdem sind
die äußeren Enden der Epimera IV durch eine Bogenlinie mit-
einander verbunden, welche vor der Genitalspalte vorbeistreicht
und hier das Hinterende des Ventrums berührt. — Die Genitalspalte
ist groß und weit. Die in ihr enthaltenen vier Haftnäpfe konnten
nicht wahrgenommen werden. Die Haftnapfplatte füllt den
ganzen Raum der Bauchfläche hinter den Trochanteren IV. Ab-
gesehen von einer Einbuchtung des Vorderrandes, die das Hinter-
ende der Genitalspalte aufnimmt, ist sie ziemlich kreisrund. Mit
ihrem hyalinen, radiär gestreiften Hinterrand überragt sie das
Rumpfende deutlich. Sie trägt 8 Haftnäpfe wenig verschiedener
Größe in drei Reihen zu 2, 4, 2, wobei das äußere Paar der Mittel-
reihe etwas mehr nach vorn gerückt ist, als das mittelste Paar.
Die kleine Analöffnung liegt an üblicher Stelle. Die Genitalspalte
wird von zwei Haftnäpfen flankiert, die kaum kleiner sind als die
der Napfplatte. Kleine Haftnäpfe stehen auf Coxa I und III;
genauer gesagt: die Haftnäpfe von Coxa I liegen hart neben
Trochanter II über Epimera Il. — Haare fehlen der Bauch-
fläche, außer einem Paar deutlich sichtbarer Haare am Rumpf-
ende, welches unter dem hyalinen Rand der Haftnapfplatte ein-
gepflanzt ist.
Das mindestens doppelt so lange wie breite Hypostom über-
ragt das Rumpfvorderende nicht. Es teilt sich vorn in zwei Zipfel,
deren jeder eine lange, zum größten Teil auch bei dorsaler Betrach-
tung sichtbare Borste trägt.
Die durchweg schlanken Beine sind nach Gestalt, Gliederung
und Haltung typisch Anoetus-artig. Tarsus I und II sowie Tibia
und Tarsus III und IV sehr schlank. Femur und Genu I und II
offenbar zu einer unbeweglichen Einheit verschmolzen, doch mit
deutlicher Grenzlinie. Femur, Genu, Tibia I und II ventral mit
einem Härchen. Tibia I trägt dorsal und distal einen schlanken
Riechkolben, der von einem kurzen Härchen und einem langen
Sinneshaar begleitet ist, welch letzteres die Tarsusspitze jedoch
nicht erreicht. In der Mitte der Außenkanten von Tarsus I und II
die bekannten kleinen Härchen. Dorsal finden sich außerdem
kleine Haare auf Genu und Tibia I sowie Tibia II. Ventral ein
Haar auf Trochanter III. Genu III und IV distal und ventral
mit je zwei Haaren, von denen das innere (,‚innere‘“ bei nach
rückwärts gestreckten Beinen) erheblich länger ist als das andere.
Tibia III und IV distal mit zwei ganz kleinen Härchen. — Die
feinen Krallen werden an allen Tarsen von Supraunguinalhaaren
überragt. Diese sind am Tarsus I und II etwas mehr als doppelt
so lang wie die Kralle, am Tarsus III so lang wie der ganze Tarsus
10. Heit
64 Graf Hermann Vitzthum:
und am Tarsus IV so lang wie Tarsus und Tibia IV zusamnien.
An der Spitze verbreitert ist keins dieser Haare. -
(Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Bua-Kraeng in Süd-Celebes und Luzon, en
wahrscheinlich auch die ganzen Molukken.
Habitat: auf Prodector Fruhstorferi Senna (auf Celebes) und
Ectocemus cinnamomeus Herbst (auf Luzon), zwei Brenthiden.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Wandernymphe ist bekannt. So-
weit aus der Wandernymphe allein auf die systematische Stellung
der Art geschlossen werden darf, ist diese in der Gegend der schwer
unterscheidbaren Arten zu suchen, die in den Bemerkungen zu
A. prophthalmi erwähnt wurden. A. Prodectoris dürfte wohl in
der Mitte stehen zwischen A. sapromyzarum (Dufour) und A. lito-
ralis Oudemans. ——- Die Art ist keine Seltenheit, sondern scheint
immer gleich in Massen vorzukommen.
22. Anoetus polynesiacusn. Sp.
Deutonympha (Wandernymphe). Länge 155 u. Größte Breite
des ae Individuums 97 u; die Breite schwankt je nach
der ventralen Einr ollung des Rücken-
schildes. (restalt ungefähr eiför-
mig, mit dem spitzen Ende nach
hinten. — Farbe schwach gelblich.
Rückenseite (Fig. 47). Die
Notocephale deckt ungefähr ein
Sechstel, das Notogaster ungefähr
fünf Sechstel der Rückenfläche;
das genaue Verhältnis ist aus der
Abbildung ersichtlich. Vorderkante
der Notocephale annähernd halb-
kreisförmig, ohne jede Ein- oder
Ausbuchtung. Vorderkante des
Notogasters ein sehr flacher, nach
vorn konvexer Bogen. Am Rumpf-
ende steht die ventrale Haft-
napfplatte eine Kleinigkeit über.
Struktur beider KRückenschilder
spiegelglatt; einzelne Poren oder
Fig. 47. Gruppen von solchen fehlen. —
Anoetus polynesiacus. Behaarung. Auf der Notocephale
zwei Haarpaare: eins einigermaßen
Submedian und eins mehr in den Hinterecken. Auf dem
Notogaster ein Paar Haare in den Vorderecken, ein Paar
mehr einwärts dahinter, ein Paar stark dem Körperrande
genähert, etwa in der Mitte der Seitenlinie des Schildes, und drei
Acarologische Beobachtungen 65
Paare hintereinander rechts und links der Mittellinie. Alle diese
Haare sind deutlich sichtbar, sehr lang, ausgenommen das Paar
in den Hinterecken der Notocephale, biegsam, jedoch nicht schlapp,
und in keiner Weise verbreitert, sondern einfach haarförmig. Sie
sind durchweg stets vorwärts gewandt. Außerdem ein Paar kurzer,
steifer Haare am Rumpfende über der vorstehenden ventralen
Haftnapfplatte, und ein Paar gleicher Haare, ebenfalls hart mar-
ginal, etwas weiter vorne.
Bauchseite (Fig. 48). Epimera I vereinigen sich weit vorne
Y-förmig zu einem Sternum, welches mit dem Ventrum zusammen
eine einheitliche Chitinleiste bildet, die von der Gabelung vorn
in gleichmäßiger Stärke nach hinten durchläuft bis dicht vor die
(renitalspalte. Epimera II verlaufen
in flachem Bogen in üblicher Rich-
tung, bis sie hinten auf die Verbin-
dung zwischen Epimera III stoßen.
Epimerit II nur als zarte Andeu-
tung wahrnehmbar: Die an sich
bogenförmigen Epimera III durch
ein Querstück so mit. einander ver-
bunden, daß sie sich im Ver-
schmelzungspunkt von Sternum und
Ventrum berühren. Epimera IV
flach S-förmig geschwungen und
ebenfalls auf dem Ventrum zu-
sammenstoßend. Ein bogenförmiger
Ouerstrich, der am Hinterende des
Ventrums vorbeistreicht, verbindet
die Außenenden der Epimera IV. Auf
Coxal und III scheint an den aus der
Abbildung ersichtlichen Stellen ein
schwach entwickelter Haftnapf vor- Fig. 48.
handen zu sein; doch soll dies nicht Anoetus polynesiacus.
mit Bestimmtheit behauptet werden.
Die Genitalspalte wird von zwei Haftnäpfen ansehnlicher Größe
flankiert und zeigt in ihrem Innern jederseits die beiden Genital-
näpfe. Die Haftnapfplatte füllt den ganzen Raum der Bauch-
fläche hinter den Trochanteren IV aus und steht mit ihrem fein
radiär gestreiften Hinterrand etwas über das Rumpfende über.
Sie trägt 8 Haftnäpfe, in wagerechten Reihen angeordnet zu 2,
4,2. Das mittelste Paar ist das größte, doch sind auch die anderen
Paare gut entwickelt. Die Analöffnung liegt an üblicher Stelle
unter der Haftnapfplatte.e An Haaren ist auf der Bauchfläche
nur ein Paar feiner, steifer Haare am Rumpfende vorhanden.
Das Hypostom ist ungefähr doppelt so lang als breit. An
einer durch jederseits eine winzige Borste markierten Stelle teilt
es sich vorn in zwei Zapfen, die den Vorderrand des Rumpfes
nicht erreichen und deren jeder ein langes Endhaar trägt.
Archiv für Naturgeschichte -
1920. A. 10.
5) 10. Heft
66 Graf Hermann Vitzthum:
Beine. Längen: I und Il, gemessen vom proximalen Ende
des -Trochanters bis zum Ansatz der Kralle am Tarsus, 103 und
85 u; III und IV, gemessen vom proximalen Ende des Femur bis
zum Ansatz der Kralle am Tarsus, 59 und 62 u. Femur und Genu
I und II scheinen unbeweglich zusammengeschweißt, doch ist die
Grenzlinie deutlich erkennbar. Genu I überragt den Vorderrand
des Rumpfes ganz, Genu Il zur Hälfte. Die Behaarung der Beine
bietet keine Besonderheiten und konnte überdies an den Beinen
III und IV nicht durchweg mit Sicherheit erkannt werden. Tibia I
trägt distal und dorsal neben dem schlanken, etwas keulenförmigen
Riechkolben ein fast bis zur Tarsusspitze reichendes, ziemlich steifes
Sinneshaar, Tarsus I proximal und dorsal ein kürzeres, weicheres
Sinneshaar. Die normalen Krallen sind an allen Tarsen von feinen
Haaren begleitet. An Tarsus III und IV sind diese Haare einfach
und für diese Stelle verhältnismäßig kurz. An Tarsus I und II
verbreitern sie sich am Ende löffelförmig, und zwar ist diese Ver-
breiterung am Tarsus I, da sie in der Regel von der Seite gesehen
wird, meist in der Gestalt einer kleinen dreieckigen Signalflagge
sichtbar. Die übrigen, hier nicht besonders erwähnten Haare aller
Beine sind wohl starke Borsten, aber nicht etwa Dornen.
Gefunden von mir auf von R. Kleine, Stettin, vorgelegtem
Käfermaterial.
Tempus: unbekannt.
Patria: Fidji-Inseln.
Habitat: auf Eubactrus semiaeneus Lacord., einer Brenthide.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Deutonympha ist bekannt. Die
Zahl der auf dem Rücken langbehaarten Anoetus-Wandernymphen
erhöht sich nunmehr auf 9. Die neue Art wird an der Behaarung
jederzeit leicht wieder zu erkennen sein. Von Anoetus phyllophorus
Oudemans (vergl. Oudemans in den ‚„Entomologische Berichten‘
Bd. 1, S. 238, und Bd. 3, S. 236) und A. lorentzi Oudms. (Literatur
unbekannt; es liegt hier nur eine Oudemans’sche Handzeichnung
vor) unterscheidet sie sich ohne weiteres durch den nicht einge-
buchteten Vorderrand des Prosoma, abgesehen von anderen Unter-
scheidungsmerkmalen; von A. cırratus Oudms. (vergl. Oudemans,
ebenda Bd. 3, S. 173) durch die Länge der Rückenhaare, von
denen überdies keines gekräuselt ist; von A. ensifjer Oudms. (vergl.
Oudemans, ebenda Bd. 3, S. 236), A. lanceocrinus Oudms. (vergl.
Oudemans, ebenda Bd. 4, S. 72) und A. spinitarsus Oudms. (vergl.
Oudemans, ebenda Bd. 4, S. 392) dadurch, daß die Rückenhaare
nicht band- oder schwertförmig verbreitert sind, und durch das
Fehlen der zahlreichen Poren auf der Rückenfläche. Auch bei
der Wandernymphe von A. Pphyllotrichus Berlese (vergl. Berlese,
Acari, myriopoda et scorpiones hucusque in Italia reperta, Ordo
Uryptostigmata, Heft 9, Nr. 8 mit Taf. 208) sind die Rückenhaare
etwas bandförmig und nicht so wirklich ‚‚haar‘‘förmig, wie bei
A. polynesiacus. Nebenbei bemerkt: diese letztere Wandernymphe
Acarologische Beobachtungen 67
fand ich in großer Menge auf /fs froximus aus Bosnien und /Ps
(Neotomicus) laricis aus Tirol. Überhaupt scheinen alle lang-
haarigen Anoetus-Wandernymphen Wirtstiere zu bevorzugen, die
hinter frischer oder modernder Baumrinde leben. Unter den hier
erwähnten Arten ist das Prosopon nur von A. phvllotrichus (Berlese)
bekannt. Die adulten Formen zu den anderen langhaarigen Wan-
dernymphen dürften dieser Art und 4A. flabelliformis Leonardi
vergl. Leonardi in Canestrini’s ‚„‚Prospetto dell’ acarofauna Ita-
iana‘“ S. 922 und Berlese a. a. O., Heft 92 Nr. 1 mit Taf. 209) ähneln.
23. Tortonia glabra n. sp.
Deutonympha (Wandernymphe). Länge des Idiosoma 187 bis
218 u. Größte Breite 109 -137 u. Grestalt und Farbe wie bei
Tortonia helenae Oudemans; vergl. Oudemans, ‚Notes on Acari‘
Fig. 50.
Tortonia glabra. Tortonia glabra.
Ser. 5, in der „Tijdschrift voor Entomologie‘“ Bd. 45, 5. 144 145
(Trichotarsus helenae).
Rückenseite (Fig. 49). Die Rückenbedeckung läßt so gut
wie nichts an weichhäutiger Fläche frei. Sie zerfällt in zwei Schil-
der: eine Notocephale in Gestalt eines gleichseitigen Dreiecks
und ein Notogaster. Beide Schilder sind durch eine scharfe, fast
gerade Linie getrennt, die hinter den Beinen II verläuft. Sie sind
beide in weiten Abständen gerunzelt. Auf der Notocephale ver-
laufen die Runzeln quer, auf dem Notogaster nur nahe dem Vorder-
rande quer, in der Hauptsache sonst aber in der Längsrichtung.
Poren nicht vorhanden. Ein Paar kurzer Borsten am Hinterande
des Notogasters, und ein Paar kurzer Borsten ganz lateral in der
Linie der größten Breite auf weichhäutiger Fläche. Im Übrigen
ist die Rückenfläche haarlos.
Bauchseite (Fig. 50). Epimera I vereinigen sich auf halber
Länge Y-förmig zu einem Sternum, welches sich hinten nicht
gabelt. Epimera II nähern sich in üblichem Schwung der Mittel-
5# 10. Heft
68 Graf Hermann Vitzthum:
linie der Bauchfläche, ‘biegen dann aber rückwärts wieder aus-
einander. Epimerit II strebt in flach S-förmig geschwungener
Linie Epimera III zu. Epimera III bilden einen hohen, Epimera IV
einen etwas flacheren Bogen. Alle diese Chitinleisten stehen nicht
miteinander in Verbindung. Die Haftnapfplatte ist breit oval,
fast kreisrund, ganz wie bei T. helenae, doch bedeutend kleiner.
Ihr hyaliner, fein radıiär gestreifter Hinterrand überragt etwas das
Rumpfende. Ihr Vorderrand umschließt die von zwei kleinen
Haftnäpfen flankierte Grenitalöffnung noch mit. Die eigentliche
Haftnapfplatte trägt 6 Haftnäpfe. Das größte Paar liegt in der
Mitte der Platte, um einen halben Durchmesser voneinander ent-
fernt. Hart daneben, ein wenig nach hinten gerückt, ein halb so
großes Paar, und das dritte Paar, weit auseinander stehend, auf
der Linie des Beginns der radiären Streifung des hinteren Platten-
randes. Mindestens dieses letzte Paar kann nach vorne schräg
einwärts vorgestülpt werden. Poren fehlen der Bauchseite. Das
einzige Haarpaar steht am Rumpfende unter dem überstehenden
Rand der Napfplatte. Hypostom durch zwei Höcker angedeutet,
die je eine kurze Borste tragen.
Beine I und II stämmig und normal gegliedert, wie bei
T. helenae. Beine III und IV fast stummelhaft kurz, da die ein-
zelnen Glieder, die in normaler Zahl ausgebildet sind, sehr kurz
sind. III schwächer als I und II, und IV. noch schwächer als III.
Tibiae I, II und III tragen dorsal ein langes Sinneshaar. Im Übrigen
ist die Behaarung höchst dürftig. Alle Tarsi, auch der stummel-
hafte Tarsus IV, tragen leicht S-förmig gebogene Krallen. Tarsi I,
II und III mit je 4 schlank blattförmigen Klebhaaren. Tarsus IV
trägt 4 Haare; davon sind 2 ziemlich kurz und unter sich von an-
nähernd gleicher Länge; ein Haar erreicht fast die Rumpflänge,
und ein Haar ist um ein Drittel kürzer als dieses längste. Nur
wenn diese 4 Haare im Präparat besonders günstig gespreizt sind,
ist die Kralle des Tarsus IV wahrzunehmen. Beine III und IV
können nach hinten gerichtet werden, doch werden sie meist
anoetus-artig nach vorne gewandt getragen.
Gefunden von Dr. Morstatt.
Patria: Amani, Ost-Afrika.
Habitat: Nest von Koptorthosoma nigrita.
Type in meiner Sammlung.
Bemerkungen. Nur die Wandernymphe ist bekannt. Oude-
mans hat 1911 das Genus Tortonia in den ‚„Entomologische Be-
richten“ Bd. 3, S. 166, als selbständige Gattung aus dem Genus
:Trichotarsus Canestrini ausgeschieden. Als Typus der Gattung
nahm er den von ihm 1902 in der ‚Tijdschrift der Nederlandsche
Dierkundige Vereeniging“ Ser. 2, Bd. 7, S. 208-209 beschriebenen
Trichotarsus intermedius und diagnostizierte die nur auf die Wan-
dernymphe begründete Gattung u. a. dahin, daß Tarsus IV keine
Kralle, keine lanzettförmigen Klebhaare, und dafür ein oder
mehrere lange Haare trage. Für die Wandernymphen von T.
Acarologische Beobachtungen 59
intermedia, T.. fluctuata Oudms. (,Entomologische . Berichten“
Ba.4,75, 391; "gefunden bei Bremen auf Dombus proieus Iricolor
Alfken) und. T. smitsvanburgsti Oudms. (ebenda Bd. 3, 5. 166 —167
gefunden in Tunis auf Anthidium stieticum) trifft diese Diagnose
auch zu. Oudemans reiht aber (ebenda S. 166) ausdrücklich auch
seinen Trichotarsus helenae in die Gattung Tortonia ein. Und T.
helenae hat am Tarsus IV eine Kralle. Das widerspricht also der
Oudemans’schen Diagnose, und diese muß daher in dieser Hin-
sicht etwas erweitert werden. — Die Ähnlichkeit von T. glabra
und T. helenae liegt auf der Hand. T. helenae scheint etwas kleiner
zu sein. Die Unterschiede liegen in der Hauptsache darin, daß
die Haftnapfplatte bei 7. glabra bedeutend kleiner ist, daß sich
das Sternum nicht hinten gabelt, und daß T. glabra am Rumpf-
ende nur 2 und nicht 4 Haarpaare hat. Die Zahl der durchweg
nur als Wandernymphe bekannten Tortonia-Arten beläuft sich
nunmehr auf 5.
Inhaltsverzeichnis.
In dieser ‚Reihe‘ sind behandelt
1. Parasitus (Gamasus) consors Oudemans et Voigts 1
2. Scirus norvegicus Sig Thor var. sardıcus n. var... 2
3. Pediculoides formicarum Berlese 2 B
4. Die pseudoparasitischen Milben der Brenthidae 3154
5. Dermanyssus quintus n. sp. 9, &. PEN TILE EDER SITE IT;
6. Laelaps (Hypoaspıs) spirostrepti Oudemans Dre 14
16
+
(. Laelaps (Hypoaspis) indicus n. sp. 9, &
8. Trachytes (?) sumatrensis, n. sp., Deutony mpha . RR TEN
9. Cillibano applicata n. sp., Deutonympha . .. .....26
10. Cillibano malayıca n. sp. Deutonympha. . .......29
1. :Uropodarbibilis, n.. 'sp.,, Deutonympha .:.... z1..1.J=.231
12. Uropoda diademata n. sp., Deutonympha . . .......34
3. Uropoda arrhenodis n. sp., Deutonympha . . .....38
14. Uropoda azteka n. Sp., ‚Deutonympha . TEL TE DEREN SEN IE BE
15. Uropoda orychodis n. sp., Deutonympha . 2... ... 4
16. Uropoda philippinensis n. sp., Deutonympha . . 2... 43
17. Rivoltasia quadrata (Haller) 2 . . BR A
18. Tyroglyphus novisimilis n. Sp., Deutonympha EEE
19. Tyroglyphus mayaorum n. sp., Deutonympha . . .... 5
20. Ceroglyphus monstruosus Vitzthum $ . . . Ibieherran
21. Calvolia circumspectans n. SP., Deutonympha 3
22. Anoetus prophthalmi n. sp., Deutonympha . . ....59
23. Anoetus prodectoris n. sp., Deutonympha - . . 2...
24. Anoetus polynesiacus n. sp., Deutonympha . . .....64
25. Tortonia glabra. n..sp., Deutonympha ..... 0. 2 ....17%.67
10. Heft
(V Margarete Quast:
Beiträge zur Kenntnis der Samenübertragung
bei Ephestia kuehniella Zeller.
Von
Margarete Quast.
(Mit 13 Textf’guren.)
Geschichtliches.
Die Untersuchungen über den Genitalapparat der Lepidopteren
sind wesentlich in morphologischer und entwicklungsgeschichtlicher
Hinsicht erfolgt. Verhältnismäßig gering dagegen sind die Arbeiten,
die die Lepidopteren in anatomischer Hinsicht zum Gegenstande
haben.
Die ersten, die sich nachweislich mit den Lepidopteren. wissen-
schaftlich beschäftigt haben, sind Malpighi und Swammer-
damm. Malpighi zergliederte und beschrieb Bombyx mori L.,
Swammerdamm Vanessa urticae L. Durch die Arbeiten der
Folgezeit wurden die anatomischen Kenntnisse über die Lepidopte-
ren nur wenig erweitert. Herold bemerkt deshalb in seiner ‚‚Ent-
wicklungsgeschichte der Schmetterlinge‘ (1815), daß er für seine
Untersuchungen nur ‚„unvollkommene Beschreibungen und mangel-
hafte Abbildungen vorgefunden habe“. Wie schon der Titel des
Werkes von Herold ergibt, bewegen sich seine Untersuchungen
auf entwicklungsgeschichtlichem Gebiete. Gleichwohl enthalten
sie in immerhin nicht geringem Umfange auch Ausführungen in
anatomischer Beziehung, insbesondere auch bezüglich des Genital-
apparates. Über den Vorgang der Kopulation sagt er jedoch nichts,
über den der Befruchtung bestätigt er auf Grund seiner Unter-
suchungen lediglich die Angaben des Malpighi. Suckow (1828)
behandelt zwar "ausschließlich die Geschlechtsorgane der Insekten,
seine Angaben über die Geschlechtsorgane der Lepidopteren ent-
halten aber nichts Neues, sind im Gegenteil vielfach unrichtig
und ungenau. Eingehende Untersuchungen mit wertvollen Er-
gebnissen über die Geschlechtsorgane der Lepidopteren, nament-
Ich der weiblichen Tiere, und über die Samenübertragung sind
erst von v. Siebold und fast gleichzeitig von Stein (1848)
vorgenommen worden, die auch beide die Unrichtigkeiten in der
Darstellung Suckows zuerst nachgewiesen haben. Die Arbeiten,
die in der Folgezeit über Lepidopteren geschrieben wurden, sind
wiederum entwicklungsgeschichtlicher Natur — Meyer, Bessels,
Leydig und Brandt (1848—1880) — sowie morphologischer
Natur, insbesondere wurden in letzter Hinsicht in umfangreicher
Weise die Segmentierungsverhältnisse zum Gegenstande der Un-
tersuchungen genommen, so im Anschluß an Burmeister (1832)
von Lacaze-Duthiers (1853). Obwohl von v. Siebold und auch
von Leydig die Spermatophore ausdrücklich erwähnt wird, war
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 71
die Kenntnis des Geschlechtsapparates der Lepidopteren noch
allgemein so gering, daß Hagen, dem 1882 bei der Untersuchung
zweier Yucca-Motten die Spermatophore und die Chitinstruktur
in der Bursa copulatrix auffielen, erklären konnte, er habe ver-
geblich versucht, in der Literatur hierüber etwas zu finden. 1901
untersucht Stitz den Genitalapparat allein der Mikrolepidopteren,
über den er sehr ins einzelne gehende Angaben macht, die die
bisherige Erkenntnis nennenswert förderten. Über die Funktion
der einzelnen Teile bei der Begattung spricht er lediglich Ver-
mutungen aus. In umfassender Weise hat sich Petersen in
neuerer Zeit mit den Geschlechtsorganen der Lepidopteren be-
schäftigt. Nachdem er bereits 1900 und 1904 wichtige morphc-
logische Arbeiten über ihn. veröffentlicht hatte, hat er unter Be-
rücksichtigung der Arbeit von Stitz insbesondere die Spermato-
phoren der Schmetterlinge zum Gegenstande seiner Beobachtungen
gemacht und auch Untersuchungen der Vorgänge bei der Samen-
übertragung angestellt. Eine Untersuchung der eigentlichen Ko-
pula und des Zusammenwirkens der einzelnen Geschlechtsteile bei
ihr, enthält, obwohl m. E. nur eine solche die Funktion der Teile
genügend erklären kann, seine Arbeit nicht. Sie ist Aufgabe der
vorliegenden Arbeit. Sie beschränkt sich jedoch auf Ephestia
kuehniella Z., die eine Züchtung ohne besondere Mühe gestattet
und vor allem auch in der Gefangenschaft in. Glasgefäßen kopu-
liertt. Von anderen Arten, die zur Vergleichung herangezogen
werden, ist nur die Bursa copulatrix untersucht.
Untersuchungsmethoden.
Die Tiere, die zum Schneiden vorbereitet werden sollten,
wurden in Carnoy’s Gemisch fixiert. Bei größeren wurde, wenn
die Bursa copulatrix untersucht werden sollte, die Fixierungs-
flüssigkeit von Hollande angewandt. Sie bot gegenüber dem Ge-
misch von Carnoy den Vorteil, daß man die Tiere zwei bis acht
Stunden darin belassen konnte. Sie wurden weiter so behandelt,
daß sie auf 24 Stunden in reines Terpentinöl, alsdann. ebenso
lange in ein Gemisch aus Terpentinöl und gereinigtes Bienen-
wachs zu gleichen Teilen, schließlich für dieselbe Zeit in Pa-
raffin kamen.
Das Schneiden der Objekte erfolgte in Paraffin, gleichwohl
ob sie nach Carnoy oder nach Hollande fixiert waren. Es ge-
staltete sich infolge der starken Chitinisierung gerade des Kopu-
lationsapparates äußerst schwierig. Die Chininteile brachen, ob-
wohl die Schnittfläche vorher stets mit der Mastixcollodium-
ätherlösung nach Heider betupft wurde, sehr oft aus.
Zum Färben der Schnitte wurde Hämatoxylin nach Gre-
nacher, versetzt mit etwas Essigsäure, verwandt, zum Nach-
färben Säurefuchsin mit Pikrinsäure nach van Guison.
Es erschien mir wichtig, vor allem Totalpräparate zu erhalten;
da bei ihnen die Funktion der einzelnen Organe am besten er-
10. Heft
72 | Margarete Quast:
kennbar sein mußte. Zu diesem Zwecke wurde in schwacher
Alkohollösung zuerst der Genitaltrakt herauspräpariert, die zu
untersuchenden Teile freigelegt, diese durch die Alkoholstufen
gebracht, bis sie schließlich in kleinen Glasröhrchen in absolutem
Alkohol zur Aufhebung gebracht werden konnten. Dauerpräpa-
rate wurden von der Bursa copulatrix und von den Geschlechts-
anhängen des Männchens angefertigt. Sie wurden, nachdem sie
in absolutem Alkohol gewesen waren, noch in Xy lol aufgehellt
und in Canadabalsam eingeschlossen. Das Aufheben in Glas-
röhrchen erschien, da es ein Betrachten des Objektes von allen
Seiten gestattet, zweckdienlich.
Terminologie.
Die Bezeichnung der einzelnen Teile des Geschlechtsapparates
ist bisher keine einheitliche. Insbesondere ist dies bezüglich des
weiblichen Genitalapparates der Fall, während sich bei dem
männlichen, infolge seiner häufigen morphologischen Unter-
suchungen schon eher eine einheitliche Ausdrucksweise heraus-
gebildet hat. In den folgenden Ausführungen werden die Be-
zeichnungen von Petersen zu Grunde gelegt, der namentlich für
die. Geschlechtsteile des männlichen Tieres versucht hat, eine feste
Terminologie einzuführen. Für den Fall der Heranziehung der
früheren Arbeiten ist es jedoch notwendig, auf folgende Unter-
schiede besonders hinzuweisen. Bei der Bursa copulatrix werden
hier drei Teile unterschieden, das Mündungsgebiet oder Ostium
bursae, der Bursa-Hals oder Ductus a a der Bursa-Sack
oder Corpus bursae. Statt Ductus bursae’sagen Herold und Stein
„Scheide“, von Sieboldt ‚Rutenkanal‘, statt Corpus bursae sagen
Herold ‚Samenbehälter‘“, Stein ‚Scheide‘, v. Sıebold ‚‚Begat-
tungstasche‘““. — Der von dem Ductus bursae, bisweilen auch vom
‘Corpus bursae zum Ovidukt führende Gang wird hier Ductus se-
minalis genannt. In älteren Arbeiten heißt er statt dessen ‚‚Samen-
leiter“. Das ihm gegenüber in den Ovidukt einmünderde Re-
ceptaculum seminis zeigt häufig eine Auftreibung, die hier mit
‚„Vestibulum‘ bezeichnet wird. Herold ‘nennt sie statt dessen
„das einhörnige Organ“.
Es ist noch zu prüfen, ob das Gebilde, in dem der Same bei
den. Lepidopteren. übertragen wird, als Spermatophore zu be-
zeichnen. ist. Als eine echte Spermatophore wird, wie Cholod-
kowsky in. Zusammentragung ihrer sämtlichen Begriffsmerkmale
ausgeführt hat, eine Bildung verstanden, die im Geschlechts-
apparat des Männchens entsteht, eigene Wandungen besitzt und
zur Übertragung des Samens aus den männlichen in die weib-
lichen Geschlechtsorgane dient. ‘Alle diese Merkmale sind für die
Gebilde, ‘in denen. Spermatozoen der Lepidopteren übertragen
werden, von Petersen festgestellt. Sie werden daher von Petersen
durchaus zutreffend Spermatophore genannt, dem hier-auch in
dieser Bezeichnung gefolgt wird. Vielfach, z. B. von Hagen, wird.
Sue ie ee Me ee 1 Me;
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 73
die Bezeichnung Spermatophore in anderem Sinne gebraucht,
nämlich dahin, daß mit ihr die Vereinigung mehrerer Spermato-
zoen, wie sie bei Lepidopteren allerdings auch vorkommen, ver-
standen wird. Bemerkt sei, daß für letztere von. Ballowitz die
Benennung ‚Spermatozeugma“ und von Cholodkowsky die Be-
nennung ‚„Spermatodesmen‘“ vorgeschlagen worden ist. Hier soll
der Bezeichnung von Cholodkowsky gefolgt werden.
Ehe auf die Vorgänge bei der Begattung eingegangen werden
kann, ist es erforderlich, eine Beschreibung des nlıchen sowie
des weiblichen Genitalapparates vorauszuschicken
Der männliche Genitalapparat.
Die äußeren Geschlechtsanhänge. Nach Entfernung der
Flügel sind am Abdomen von Ephestia kuehniella acht Segmente
frei sichtbar, von denen das erste nur als Tergit besteht. Das
nun folgende Segment ist bei beiden Geschlechtern verschieden
ausgebildet, da es zu den Genitalien in Beziehung tritt. Beim
Männchen läßt das neunte Segment eine viel stärkere Chitinisie-
rung erkennen, als das bei den vor ET
herg gehenden Segmenten der Fall ist. srummik
Es zerfällt in einen dorsalen und einen ? ma
ventralen Teil, die beide lateral ge- 5 uk
lenkig miteinander verbunden sind \ Be
5 En bh. - um
(Fig.1). Die breitere Bauchschuppe zeigt x. dw
in der Mittellinie eine oralwärtsgerichtete,
spatelförmige Aussackung, den Saccus, S
der dem Ansatze von Muskeln dient. Fig. 1.
Am distalen Ende des neunten Segments
heften sich die beweglichen Lateralklappen oder Valvae an. Es
' sind bei EPhestia kuehniella bewegliche Anhänge, deren konkave
Fläche dicht mit Borsten besetzt ist. An der Dorsalseite werden sie
ihrer ganzen Länge nach von einer
Chitinleiste verstärkt. Diese bildet
an der dorsobasalen Ecke einen
Condylus, der mit dem Gelenk
zwischen Tergit und Sternit arti- &-üumall Ri
kuliert. Zander spricht in seiner 4” Kl yeah EN
„Morphologie der männlichen Ge- Fig. 2
schlechtsorgane derLepidopteren
voneiner Beziehung zwischen dem Saccus und den Valvae ; je größer
der Saccus ist, um so kleiner sind die Valvae undumgekehrt. Die La-
teralklappen werden beider Begattungstark gespreizt. Sie dienen.vor--
zugsweise zum Festhalten desWeibchens, nachdem mit ihrer Hilfe die
weibliche Geschlechtsöffnung der männlichen genähert worden ist,
haben aber vermutlich auch ie Funktion eines Reizwerkzeuges. Zwi-
schen ihnen ragt der fingerförmige Penis hervor. Wenn man ihn isolie-
ren will, zeigt sich, daß er miteiner Hülle fest verwachsen ist (Fig. 2).
Diese, die Penistasche, ist in ihrer Randzone mit der Basis der
Ag
10. ITeft
74 Margarete Quast:
Valvae und dem Analsegment verbunden. Ihr medialer Teil
senkt sich auf der einen Seite in die Bauchhöhle hinein, in ent-
gegengesetzter bildet er den sogen. ‚„‚Ringwall‘“ des Penis. Es
ist das eine Hautduplikatur, die aus einer inneren, membranösen
und einer äußeren, stärker chitinisierten Lamelle besteht. Die
äußere Lamelle ist häufig durch Stacheln und Zähne ausgezeichnet.
Bei Ephestia kuehniella bildet der Ringwall, wie man. das seinem
Namen entnehmen könnte, keinen allseitig geschlossenen Ring.
Er stellt vielmehr eine Rinne dar, die den Penis von der ventralen |
Seite her umgreift. An ihrem
freien Rande ist die Rinne von
kleinen Stacheln besetzt. Nach
Zander hat die Penistasche den
Zweck, ‚eine sichere Führung
des Penis bei der Begattung zu
ermöglichen‘. Petersen nennt
sie „einen Stütz- und Gleit-
apparat des Penis“ und schlägt
für sie die Bezeichnung Fultura
penis vor, während er dieinnere
und äußere Lamelle mit Fultura
Fig. 3. inferior und Fultura superior
benennt. — An dem Penis sind
zwei Teile zu unterscheiden, ein. membranöser, oralwärts gerichteter
Teil und ein stark chitinisiertes Endstück. Je länger der eine
dieser Teile ist, um so kürzer ist der andere. Die Fig. 2 zeigt,
daß bei Ephestia kuehniella das chitinisierte Endstück bei weitem
überwiegt. Die Form des End-
stückes ist für die Systematik
von größter Wichtigkeit, da sie
selbst bei nahe verwandten Ar-
ten deutliche Unterschiede
zeigt. Bei Ephestia kuehniella
ist es ein in seiner Mitte wenig
konkav gebogenes Rohr. Es er-
weitertsichetwassowohlan sei-
nem distalen Ende als auch an
seiner Basis. Diese ist dadurch auffallend, daß sie an der ventralen
Seite einen Blindsack bildet, der beieinigen Lepidoptereneine ansehn-
liche Größe erreicht. Bei Ephestia kuehniellableibter nur kurz. An
ihn. treten von außen starke Muskeln heran. Sein Inneres enthält
denjenigen Muskel, der den Ductus ejaculatorius nach der Kopula
zurückzieht. (Fig. 3.) — Das Tergit des neunten Segmentes
(Fig. 4) ist nur als eine schmale Chitinspange erhalten. Es artiku-
liert mit einem eigentümlich haubenförmigen Stück mit stark
chitinisierten, beborsteten Rändern. Dieses zeigt eine deutliche
ventrale Krümmung und deckt mit seinem haubenförmigen Teil
die Öffnung des Anus. Es führt den Namen Supraanalstück oder
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 75
Unkus. Von der Ventralseite ragt zur Analöffnung ein Chitin’
stück heran, das wie z. B. bei Aglossa pinguinalis L., Condylen
bildet und mit den Fortsätzen des Unkus artikuliert. Bei EPhestia
kuehniella ist dieses Subanalstück oder Scaphium mit dem Unkus
verwachsen. Es bildet in der Mittellinie einen. schwachen Haken.
Ältere Forscher glaubten in dem Unkus und dem Scaphium Reste
des Tergits und des Sternits des zehnten Segmentes vor sich zu
haben. Zander hat jedoch nachgewiesen, daß es sich dabei um
„sekundäre Anhänge“ handelt, die von der dorsalen resp. ventralen
Basis des konischen "Afterkegels vorwachsen. Über die Funktion
des Unkus ist man sich noch nicht klar. Allgemein wird angenom-
men, daß er bei der Kopulation das Weibchen von der dorsalen
Seite festzuhalten habe. Dieser Ansicht ist auch Petersen. Er
schreibt: ‚Der Haken des Unkus hat die Bedeutung eines
= 8%
uch - aiteneriche Änsuen, paar. 4. - am eis, h- Aodıu 2
m mas Ilona, YR- Dhalnbüch, 1. - Teniula uminalie Rn
wu}. - umpane Ace, Kr. - Huck yainlahericu, P_ Sams Sn
Fig. 5. Fig. 6.
Klammerorganes bei der Kopulation“ Ich habe bei
Ephestia kuehniella nur feststellen können, daß er dem
Körper des Weibchens dorsal aufliegt. Er läßt sich mit
Leichtigkeit abheben.
Die inneren Geschlechtsorgane. Zwischen dem dritten und
vierten Abdominalsegmente (Fig. 5) liegt der rundliche, 1 mm
große, unpaare Hoden. Er hat eine tief violette Farbe. Auf
Schnitten zeigt sich, daß zwei Hüllen ihn umgeben, die ungefähr
(Fig. 6) gleich dick sind und verhältnismäßig große flache Kerne
besitzen. Einzelne, deutlich geschiedene Zellen sind in ihnen nicht
erkennbar. Von der inneren Hülle zweigen sich zahlreiche Septen,
die gbenfalls große Kerne haben, ab. Sie durchziehen den Hoden
und zerlegen ihn in eine Anzahl von Fächern, Follikel genannt.
Die innere Hülle sowohl als auch die Septen weisen zahlreiche
Pigmentkörner auf. Die Follikel sind mit Spermatozoenbündeln
. strotzend angefüllt.
10. Heft
16 Margarete Quast:
An den Hoden schließen sich die beiden Vasa defec-
rentia an, auf die die äußere Hülle des Hodens übergeht.
Ihre Wandungen sind sehr dick und enthalten große Kerne,
deren Inhalt granuliert erscheint. . Die Kerne : liegen dicht
beieinander, Zellgrenzen sind in dem Plasma nicht erkenn-
bar. Das anfangs weite Lumen der Vasa deferentia wird
allmählich enger. |
. Es schließt sich jederseits ein Kanal, von Stitz als ‚‚Schalt-
stück“ bezeichnet, an. Seine Wandung hat an Dicke abgenommen,
die Kerne sind noch immer recht groß, doch sind sie mehr an das
Äußere der Wandung gerückt. Das Lumen, das im Anfange die
Form eines Dreiecks mit abgerundeten Ecken hatte, wird all-
mählich sehr eng.
Die kurzen Schaltstücke münden in einen blasenförmig er-
weiterten Teil? der von Escherich die Bezeichnung ‚‚Vesicula se-
minalis“ bekam. Seine Wandungen bestehen aus cylindrischen
Zellen, mit großen, runden Kernen. Das weite Lumen ist durch-
weg mit Spermatozoen angefüllt. Im weiteren Verlaufe verengert
sich das Lumen wieder und wird schließlich zu einem sehr feinen
Kanal mit flachen Zellen, der in die sogenannten ‚‚paarigen-Drüsen“
ungefähr ın der Mitte ihres Verlaufes einmündet. Distalwärts
dieser Einmündungsstelle besteht eine Verbindung mit den ac-
zessorischen Drüsen, deren Sekret sich mit Hämatoxylin stark
färbt.
Die paarigen Drüsen vereinigen sich zu einem unpaaren
Drüsenapparat, an dem Stitz drei Teile unterscheidet. An EPhestia
kuehniella ließen sich nur zwei davon feststellen. Der erste fällt
dadurch auf, daß man in ihm gewöhnlich ein Sekret bemerkt,
das sich mit Pikrinsäure er färbt. Es zerfällt häufig zu
Brocken und gleicht dem geronnenen Eiweiße. Dasselbe Sekret
läßt sich in der Bursa copulatrix eines begatteten Weibchens
feststellen und zwar dient es hier dazu, die Wandung der Sperma-
tophore_zu bilden und zeigt, nachdem: diese sich entleert hat,
genau denselben bröckligen Zerfall. Der letzte Teil der unpaaren
Drüsen hat bei Ephestia kuehniella eine große Ausdehnung und
erscheint blasenförmig erweitert. Seine Wandung wird aus fast
kubischen Zellen mit a Längsschnitten. kreisförmig begrenzten
Kernen gebildet. Er geht in den engen Ductus ejaculatorius über,
der nach kurzem Verlauf in das Penisrohr eintritt. An dieser
Stelle finden sich zwei kleine, hornförmige Blindschläuche, deren
Bedeutung mir nicht klar geworden ist. Er macht hier vielfache
Biegungen. An seine Wandung, die mit einer zarten Chitinschicht
ausgekleidet ist, treten. zahlreiche Muskeln heran. Gegen das
Ende zu wird das Lumen allmählich weiter, Die Wand ist stark
gefaltet. Bei der Begattung tritt durch intraabdominalen Druck
der Endabschnitt des Ductus ejaculatorius aus dem Benizehr,
hervor.
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 77
Der weibliche Geschlechtsapparat.
(Fig. 7.) Der Bau des weiblichen Genitalapparates ist be-
deutend einfacher als derjenige des männlichen. Außere Ge-
schlechtsanhänge fehlen ihm. Der innere Genitalapparat besteht
aus acht Ovarialröhren, die zu je vier geordnet sind. Ihre Wan-
dungen sind zart. Sie umschließen die einzeilig angeordneten Eier
und erwecken in ihrer lückenlosen Aufeinanderfolge den Eindruck
einer Perlenschnur. Beim Öffnen des Abdomens stellen sie eine
ziemlich ungeordnete, kompakte Masse dar. Sie werden durch
Tracheen zusammengehalten und von Nerven und dem Fett-
körper durchsetzt. Das erschwert das Präparieren wesentlich,
da es nur mit größter Mühe gelingt, sie zu isolieren. Je vier Ei-
röhren vereinigen sich zu je einem kurzen Ovidukt. (Oviductus
duplex). Die beiden Ovidukte vereinigen sich ihrerseits zu dem
Oviductus simplex. (Oviductus communis). Er ist etwa viermal
so lang als jeder Oviductus duplex und mündet in der Nähe des
Afters nach außen aus. Im ersten Drittel seiner Länge gibt er
zwei Gänge ab. Nach der ventralen Seite geht das Receptaculum
seminis, nach der dorsalen der. Ductus seminalis ab. Das Recepta-
culum seminis beginnt mit ein paar spiraligen Windungen, erweitert
sich dann zu einer halbkugeligen Auftreibung und geht in einen
ziemlich engen, blind endenden Schlauch aus. Der Ductus semi-
nalis, der innerhalb der Lepidopterengattungen oft von sehr man-
nigfacher Ausbildung ist, zeigt bei EPhestia kuehniella eine ein-
fache Bildung. Er stellt einen ziemlich kurzen Gang dar, und
mündet ungefähr in die Mitte des Ductus bursae ein. Er beginnt
mit ziemlich weiter Öffnung am Oviductus simplex, verengert
sich bis zu seiner Einmündungsstelle in den Duktus bursae aber
beträchtlich. | TER: '
Petersen hat nachgewiesen, daß der Zustand des Ductus sc+
minalis und der Bursa im Verhältnis zum Ovidukt den verschic-
10. Heft
78 Margarete Quast:
denen Entwicklungsstufen der Ontogenese entsprechen. Ur-
sprünglich besitze, so führt er aus, der weibliche Sexualapparat
nur eine einzige Öffnung am Sternum des ersten Abdominalsegmen-
tes. Die besondere Öffnung des Oviduktes am neunten Segment
trete erst viel später auf, Das Auftreten einer zweiten ‚Ge-
schlechtsöffnung‘‘ mache einen Verbindungsgang zwischen dem
Ductus bursae und dem Oviductus communis notwendig. Das
sei der Ductus seminalis. Infolge sekundärer Umwandlungen der
Bursa copulatrix und des Ductus seminalis komme es bei den
am höchsten differenzierten Typen zu einer Form, wo ein langer
Ductus seminalis von der Höhlung der Bursa selbst zum Ovi-
dukt geht.
Daß der Ductus seminalis bei verschiedenen Arten innerhalb
ein und derselben Gattung sehr verschiedene Ausbildung in Bezug
auf Länge und Aussehen haben kann, führt Dampf 1908 bei den
Olethreutinae durch. Sehr lang sei er bei einem Teil von Olethreutes
Hb. sowie bei Bactra Stph. und Lobesia Gn., sehr kurz dagegen
bei Pammene Hb. und Grapholitha Hein. In den meisten Fällen
gehe er vom ersten Viertel oder von der Hälfte des Ductus bursae
ab, bei Pammene und Grapholitha von der Begattungstasche selbst.
In der Regel erweitere er sich zu einer Bulla seminalis, bei Carpo-
capsa Tr. sei ‚an Stelle der Bulla nur eine starke, nach einer
Seite gerichtete und gleichmäßig gekrümmte Vorwölbung des
Duktus“ vorhanden. Bei Lobesia erweitere er sich nur etwas
stärker. Dasselbe habe ich bei Ephestia kuehniella feststellen kön-
nen. Bei Grapholitha entspringe die Bulla seminalis zusammen
mit dem Ductus seminalis aus der Bursa selbst.
Eine Erweiterung des Ductus seminalis zu ‘einer Bulla se-
minalis ist auch Petersen bei seinen Untersuchungen aufgefallen.
Man treffe sie in sehr verschiedener Ausbildung an, nicht selten
auf einem Stiele sitzend, häufig der Form der Bursa angepaßt,
so daß es berechtigt erscheine, von einer Pseudo-Bursa zu sprechen.
Über ihre Funktion ließe sich Endgültiges noch nicht sagen, doch
sei es wahrscheinlich, daß sie ‚‚(vielleicht abwechselnd aufsaugend
und treibend) die Beförderung des Spermas in das Receptaculum
unterstütze“. Die Innenwand der Bulla seminalis sei mit Chitin
ausgekleidet, das bei einigen tropischen Tagfaltern sehr merk-
‘würdige Bildungen aufweise.
Der Ductus bursae ist 2 mm lang. Er mündet zwischen dem
achten und neunten Abdominalsegment nach außen. Oberhalb
des Ductus seminalis erweitert sich der Ductus bursae und er-
scheint spiralig gedreht. Er zeigt an seiner Einmündungsstelle
in die Bursa copulatrix schon von außen wahrnehmbare Chitin-
zähnchen. Der Corpus der Bursa stelle an unbefruchteten Exem-
plaren einen stark faltigen Sack dar. Nach der Kopulation hat
das Aussehen der Bursa copulatrix eine wesentliche Veränderung
erlitten. Die in die Bursa eingedrungene Spermatophore erfüllt
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 79
den Hohlraum der Bursa so prall, daß sie die Falten der Wan-
dungen glättet. Dadurch hat die Bursa ihr anfänglich runzeliges
Aussehen verloren und ist zu einem glattwandigen, festen Gebilde
geworden, das bei der Präparation als glänzend weißer Körper
in die Augen fällt. Als auffallende Bildung ist sie schon früh-
zeitig beschrieben worden. Zum ersten’ Mal geschah es von Mal-
pighi, der ihre Funktion, bei der Begattung den Samen aufzu-
nehmen, bereits richtig erkannt hat.
Eingehende Untersuchungen widmet ihr Herold 1815. Er
unterscheidet 5 5 Teile an ihr: das Köpfchen, den Hals, den Körper,
die Scheide und den Samenleiter. Den ersten beiden Teilen schreibt
er eine wesentliche Bedeutung nicht zu, da sie vielen Schmetter-
lingsarten fehlen. Aus seiner Zeichnung geht hervor, daß er mit
dem ‚Köpfchen‘ und dem ‚Hals‘ einen haubenförmigen Fort-
satz der Bursa meint, der sich bei einigen Lepidopterenarten findet.
Den ‚Körper‘ beschreibt er als gewöhnlich geraden, langgestielten,
verschieden gestalteten Sack von glänzendweißem, perlmutter-
artigem Aussehen. In seinem Inneren unterscheidet er zwei
„Häute‘“, von denen sich die innere bei der Präparation. losgelöst
habe. Auf diese Bemerkung komme ich bei der Beschreibung
der Spermatophore noch zurück.
Suckow beschrieb 1828 die ‚Scheide‘ von Gastropacha pıini L.
als einfach sackförmig.
Stein (1847) hebt hervor, daß die ‚Scheide‘ und der Ein-
gang (ÖOviductus communis) mit besonderen Öffnungen nach
außen münden. Er hat ihre Histologie untersucht und beschreibt
sie als aus einer Muskelschicht, einer Zellenschicht und einer Epi-
thelialhaut bestehend.
Hennguy verweist in seinem Werke ‚Les Insectes‘ auf eine
' Arbeit von Balbiani (1869) über Bombyx mori. Dort zeige die
Bursa copulatrix ei- oder birnförmige Gestalt, bestehe aus einer
dicken, widerstandsfähigen Membran und sei im Inneren von
einer Lage abgeplatteter Zellen ausgekleidet. Sie weise keine
Spur einer Muskulatur auf. Der Ductus seminalis besitze Ring-
muskulatur, die durch Kontraktion sein Lumen verengern könne.
Stitz (1901) unterscheidet an der Bursa zwei ineinander
übergehende Teile: einen geräumigen Sack (Corpus) und einen
allmählich enger werdenden Hals (Cervix). Der Sack habe eine
dorsale Lage und dehne sich verschieden weit aus. Er reiche bei
Tineola ZU. und Hydrotampa L. bis in die vordersten Segmente
hinein. Die Wandung könne glatt oder gefaltet sein und zeichne
sich durch ziemlich große Kerne aus. Der Bursa-Hals könne auf
verschiedene Weise aus dem Bursa-Sack entspringen. Entweder
findet ein. allmählicher Übergang des Halses in das Corpus der
Bursa statt, oder der Hals setze sich deutlich vom Corpus der
Bursa ab. Die Wandung des Halses gleiche in ihrer histologischen
Struktur derjenigen der Bursa, nur die Zellkerne differieren von-
10. Heft
80 Margarete Quast:
einander. Ein Muskelbelag und zwar Ringmuskulatur, befinde
sich der Hauptsache nach nur an. dem Halsteil, häufig setze sie
sich jedoch auf die Übergangsstelle zwischen Hals und Bursa
fort. Bei Tortrix L. bekleide sie einen größeren Teil der Außen-
wand der Bursa, während sie dem Hals ganz fehle. Am Grunde
des Bursa-Sackes finde sich bei keiner Form Muskelbelag.
Ein übersichtliches Bild von dem Formenreichtum der ein-
zelnen Teile der Bursa copulatrix gibt Petersen 1904 in seiner
morphologischen Arbeit: „Die Morphologie der Generationsorgane
der Schmetterlinge und ihre Bedeutung für die Artbildung“. Er
erwähnt die mannigfaltigen Bildungen, die das Ostium bursae
auszeichnen können: Häkchen, Zähne, Papillen, Leisten etc. Es
bestehe zwischen ihnen und den Kopulationsorganen des Männ-
chens eine Korrelation. Ebenso zeige der Ductus bursae bei den
einzelnen Arten große Verschiedenheiten in seiner Länge, seiner
Art in die Bursa überzugehen und seiner Innenwand, die mit
Chitinbildungen ausgekleidet oder ganz glatt und weichhäutig sein
könne. Mit seinen Ausbuckelungen und Anhängen weise auch der
3ursa-Sack größte Mannigfaltigkeit in der Ausbildung auf. Ins-
besondere könne die verschiedene Form und Verteilung der Zahn-
platten als wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Arten gelten.
Marshall gibt 1905 eine Beschreibung der anatomischen
Verhältnisse bei Hemrileuca Maia (Drury). Die Bursa copu-
latrix liege auf der linken Seite des Körpers. Der 1 mm lange
Ductus bursae öffne sich ventral vom 8. Abdominalsegment. Die
Bursa sei dünnwandig, beinahe strukturlos und bestehe aus einer
faserartigen. (fibrous-like) Masse, in der Kerne unregelmäßig ver-
streut liegen.
Dampf (1908) hat bei den Olethreutinae eine sehr mannig-
fache Ausbildung der Bursa beobachten können. Sie könne lang-
gestreckt, kugelrund, birnförmig, zwiebelförmig;, in der Äquatorial-
zone stärker ausgebuchtet sein und weise stets im Inneren einen
Chitinbelag auf.
Röpke (1909) hat bei Smerinthus tra und Suiten
hybridus operosa einen haubenförmigen Aufsatz und das Fehlen
einer Chitinstruktur feststellen können.
Der histologische Bau der Bursa copulatrix zeigt bei Ephestia
Ruehniella die folgenden Verhältnisse. In ihrer ganzen Ausdehnung
zeigt die Bursa copulatrix eine zarte Chitinauskleidung, unter der
ein Epiderm mit runden Kernen liegt. Diese vergrößern sich:an
denjenigen Stellen, deren Chitinbelag stärker ist und in Falten,
die Zähnchen tragen, vorspringt. Am größten sind. die :Kerne
unter einer aus vier in das Lumen der Bursa hineinragenden
Chitinplatten, von denen in einem späteren Teile noch gehandelt
wird. Unter dieser Bildung findet sich auch ein. ziemlich starker
Muskelbelag, der sich als Ringmuskulatur auf den ersten Teil
des Halses fortsetzt. Hicr zeigt die Chitinauskleidung zahl-
EEG
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 81
reiche Stacheln. Der Ductus bursae weist zahlreiche Längs-
falten auf.
Die Laminae dentatae. Beim Untersuchen der Bursa
copulatrix fällt besonders der innere Chitinbelag derselben ins
Auge. Dieser ist den. Schmetterlingen nicht eigentümlich, sondern
wurde von Stein 1847 auch bei Käfern entdeckt. Bei Elateriden
fand er in der Scheide jederseits eine hornige mit Stachelzähnen
bewaffnete Platte, in die sich die äußere Corticalschicht eines
Samenschlauches fest verankert hatte. Dieser Befund ließ ihn
über den Zweck der Bewaffnungen der Epithelialhaut der Be-
gattungstasche und der Scheide Folgendes schließen. Da der Same
stets eine sehr konsistente, zähe Flüssigkeit darstelle, könne er
nur allmählich aus den männlichen Geschlechtsorganen hervor-
quellen. Er werde auch dieser Eigenschaften wegen noch mit der
Rute in Verbindung bleiben, wenn er schon die weiblichen Be-
gattungsorgane füllt. Ein enger Zugang zur Begattungstasche
werde dem entgegenarbeiten. Noch besser aber wirken die hor-
nigen. Stacheln der Epithelialhaut der Scheide, indem sie in die
zähe Samenmasse eingreifen, und sie an dem Orte ihrer Bestim-
mung zurückhalten.
Hagen beschreibt 1882 den inneren Chitinbelag der Bursa
copulatrix zweicr Tineiden. An dem birnförmigen Teil der Bursa
ließen sich schon mit bloßem Auge zwei dunkle Punkte erkennen,
die sich unter dem Mikroskop ‚als wunderbar geformte gelbe
Sterne ergaben“. Sie sitzen einem kurzen, fest in die Wand der
Bursa eingefügtem Hals auf, die an dieser Stelle feine konzentrische
Falten zeige. Die Sterne seien einer halb geöffneten Kaktusblüte
vergleichbar. Jedes der lanzettförmigen Blätter werde von einer
tiefen Mittelrinne, die bis zur Blattspitze reiche, durchzogen. Die
Blätter seien zuerst wenig nach außen, der Spitzenteil aber wieder
nach innen gebogen. Beide Sterne stehen einander etwas oberhalb
der Mitte der Birne gegenüber. Im Gegensatz zu den Beobach-
tungen Steins berührten hier die Chitinzähne den ‚‚inneren Sack“,
die Spermatophore, nicht, diese ließe sich vielmehr unverletzt
herausziehen, nachdem man die Spitze der Birne abgeschnitten
hat.“ Hagen nimmt, was die Funktion dieser seltsamen Chitin-
bildungen anbetrifft, an, daß durch sie die Umhüllungen der Sper-
matozoen verletzt werden sollen, gleichzeitig auch der ‚innere
Sack“. Die tiefe Mittelrippe der Blätter werde den so’ frei ge-
wordenen Spermatozoen einen Weg in den ‚‚inneren Sack“ hinein
bahnen.
.. » Von einer Verletzung der Spermatophorenwand in der Gegend
der Zahnplatte berichtet auch Stitz 1901. ‚Die Spermatozoen
erfüllten den Raum zwischen Bursawand und Spermatophore.‘“
Er stellt eine große Ausdehnung der inneren Chitinlage fest. Sie
kleide die Bursa copulatrix vollständig aus, sei aber nicht überall
gleich dick. Da, wo der Halsteil in den Bursasack mündet, ver:
stärke sie sich häufig, so bei Hydrocampa nymphaeata L., Aglossa
Archiv für N iel
rehiv un RE e ıte 6 10. Heft
69 Margarete Quast:
pinguinalis L., Tinea granella L. Besonders an der Ventralseite
bilde der Chitinbelag vorspringende Stacheln und Zähnchen, die
nicht selten in Längsreihen angeordnet sind und bis in den Hals-
teil der Bursa hineinragen. Die Laminae dentatae, Platten aus
dickem achromatischem Chitin, lägen gewöhnlich am Fundus des
Bursa-Sackes. Sie trügen eine Anzahl von Stacheln und seien
häufig schon mit bloßem Auge erkennbar. Unter den aus farb-
losem Chitin bestehenden Zähnchen liege gewöhnlich ein Zell-
kern. Die Stacheln bestünden aus achromatischem Chitin.
Nach Stitz berichtet Petersen über die Chitinauskleidung
der Bursa copulatrix. Er findet in der Form der Ausbildung der
Laminae dentatae ‚ein vortreffliches Kriterium für spezifische
Unterscheidungen“. Bei allen primären Lepidopteren zeige die
Bursa copulatrix eine Chitinauskleidung ohne Differenzierungen
in Form einer einfachen Membran. Erst sekundär treten Zähn-
chen und Anhäufungen derselben auf. Bei den jüngsten Lepidopte-
ren zeige die ganze innere Bursawand starke Chitinstacheln, wie
2. B. bei Tephroclvstia. In seiner Auffassung der physiologischen
Bedeutung der Laminae dentatae stellt sich Petersen in Gegen-
satz zu Hagen und Stitz. Ein Aufreißen der Spermatophoren-
wand, so erklärt er, sei unnötig, da der Hals der Spermatophore
den Spermatozoen den Weg ins Freie nicht nur frei gibt, sondern
sie mit seinem Ende an die Stelle führe, die sie zu erreichen streben:
den Düctus seminalis. Die Funktion der Laminae dentatae könne
seiner Ansicht nach nur darin bestehen, daß glatte Corpus der
Spermatophore in seiner Lage festzuhalten.
Aus dem Jahre 1908 liegt eine Beschreibung der Chitin-
bildungen in der Bursa copulatrix bei den Olethreutinae von Dampf
vor, ohne auf ihre Funktion einzugehen. Er schreibt: ‚In der
Regel befinden sich auf der Innenseite (der Bursa copulatrix),
einander gegenüberliegend, zwei gekrümmte, spitze oder abge-
plattete Chitinzähne, die weit ins Innere hineinragen. Bei An-
cylıs Hb. sind diese Zähne zu zwei längs gerichteten, spitz zu-
laufenden, dreieckigen Chitinplatten umgewandelt, die in der Form
an einen Sonnenuhrzeiger erinnern und mit der einen Kante an
der Bursawand ansitzen. Bei einzelnen Arten (Olethreutes) stehen
an Stelle der Chitinzähne runde Vorwölbungen, die mit feinen
Zähnchen besetzt sind und bei einem Teil der Gattungen und Arten,
die auch sonst etwas aberrant sind (Asthenia, Dichrorampha, Li-
poptycha) fehlt der Chitinzahn auf der einen Seite ganz. Nur
wenige Gattungen und Arten (Olethreutes antiguana, Lobesia,
Euarmonia woberiana) zeigen an Stelle irgend welcher Zahnbildung
nür eine stärker chitinisierte Partie der Bursawand von verschieden-
artiger Gestalt, die sich dann gewöhnlich etwas ins Innere vor-
wölbt“.
Bei meinen Untersuchungen fiel mir als erstes die große Aus-
dehnung der Laminae dentatae ins Auge. Wenn sie sich bei den
von Stitz untersuchten Arten mehr oder weniger auf den Fundus
EEE a nn LU
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a re ah
* Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 83
des Bursa-Sackes lokalisierten, traf ich Arten an, bei denen sie
fast die ganze Länge des Bursa-Sackes einnehmen. Das fiel mir
besonders an der Bursa copulatrix
von Satyrus alcyone Schiff. auf (Fig. 8).
Schon mit bloßem Auge erkennt man
daran zwei braune, schwach ge-
bogene Platten, die an der der Ventral-
seite des Tieres zugekehrten Hälfte der
Bursa liegen. Bei der Betrachtung durch
die Lupe sieht man sie mit vielen Quer- Fig. 8.
reihen brauner, abgestumpfter Zähn-
chen besetzt. Auch der Halsteil der .Bursa erweist sich hier
überaus stark chitinisiert. Eine eigentümliche Anordnung der
Zähnchen zeigt die Zahnplatte bei Papilio
machaon L. (Fig. 9). Hier ist sie nur in
der Einzahl vorhanden, durchzieht aber wie bei
Satyrus alceyone die ganze Länge der Bursa und setzt
sich noch in den Hals hinein fort. Das Chitin
ist gelblich, nur die stärksten Zähnchen, die
in einer Zickzacklinie die Mitte der Zahnplatte |
durchziehen, zeigen braunes Chitin. — Häufig hl
tragen die in das Lumen der PBursa vor- io
springenden Längsfalten besonders starken Chi- ex nnpipel
tinbelag. Charakteristisch dafür ist die Bursa Fig. 9.
copualtrix bei Stenoptiia pneumonanthes Schleich
(Fig. 10). Ein Längsschaitt durch die Bursa zeigt, wie ein
starker, gelber Chitinfortsatz in das Lumen der Bursa ae:
Man gewinnt den Eindruck, daß durch diese
Vorsprünge einer in die Bursa eindringenden
Spermatophore der Weg versperrt wird.
Bei Ephestia kuchniella bietet die Chitin-
auskleidung keineBesonderheiten. Sieüberzieht
in feinen Stacheln sowohl den Hals als auch den
Bursasack. Da, wo der Halsteil in den Sack
übergeht, zeichnen sich die Stacheln. durch besondere Größe aus
und sind auch zahlreicher vorhanden. Im untersten Teil des
Sackes findet manaufder Ven-
tralseite eine Zahnplatte, die
auch schon mit bloßem Auge
wahrnehmbar ist (Fig.11 u. 19).
Beim Öffnen der Bursa sieht
man, daß man. es mit vier eigen-
tümlich geformten Plättchen L
zu tun hat. Ihre Form wird Fig. 11.
durch die Zeichnung wieder-
gegeben. Sie ragen, auf einer kleinen Erhebung sitzend, in das
Lumen der Bursa hinein. Mit ihren scharfen Kanten wären sie
wohl imstande, einen weichhäutigen Körper zu verletzen. Dieser
Alu ateımalıe
6” 10. ITeft
54 Margarete Quast:
Eindruck machte mich zuerst der Hagen- und Stitz’schen
Deutung der Laminae dentatae geneigt. Bei allen denjenigen
Lepidopterenarten, bei denen die Form der Spermatophore sich
der Form der Bursa copulatrix anschmiegt, kann von einem Zer-
reißen jedoch nicht die Rede sein, da die Wand der Spermato-
phore- noch in zähflüssigem Zustande in die Bursa copulatrix
hineinkommt, wie zuerst Petersen beobachtet hat. Bei dieser
Ausbildung würde das Sekret, das die Wand bildet, sich aller-
dings zwischen den Stacheln und Zähnchen festsetzen. müssen:
Sobald die Spermatozoen die : Spermatophore verlassen haben,
findet ein Zerfall ihrer Wandungen statt. Vielleicht ist der Be-
fund von Hagen und von Stitz so zu erklären, daß ein Zerfall
der Wandung bereits stattgefunden habe, ehe sämtliche Sperma-
tozoen den Weg in den Ductus seminalis genommen hatten. So
wäre es erklärlich, daß sie den Raum zwischen Bursa- und Sper-
matophorenwand erfüllten. Ein Zerreißen kann nur an der bereits
erstarrten Spermatophorenwand stattfinden. Es setzt voraus, daß
die Spermatophore nicht das ganze Lumen der Bursa copulatrix
einnimmt, sondern Raum für eine Bewegung freiläßt, und daß
diese Bewegung der erstarrten Spermatophore stattfindet. Steins
Erklärung, daß die innere Bezahnung der „Scheide“ dazu diene,-
die zähe Samenmasse festzuhalten, wäre dahin umzuändern, daß
sich das Männchen der Spermatophore dadurch entledige, daß es
dieselbe an den Chitinplatten abstreife. Dabei wäre eine Zerreis-
sung der Spermatophorenwand nicht ausgeschlossen, besonders
wenn die Kopula künstlich getrennt wurde, noch bevor eine voll-
ständige Erstarrung der Spermatophorenwand stattgefunden hatte.
Wenn man, wie Petersen, an die Funktion. des Festhaltens
der Spermatophore denkt, kommen wieder nur solche in Betracht,
die den Bursa-Sack ausfüllen. Diese bedürfen‘ aber, da ihnen
kein Raum zur Bewegung bleibt, einer Haltevorrichtung nicht.
Man könnte auch wohl zu der Vermutung kommen, man habe
es hier mit einem Reizorgan bei der Begattung zu tun. Dem
widerspricht von vornherein die Tatsache, daß der Schwellkörper
des Penis die Laminae nur in den seltensten Fällen erreichen.
dürfte. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß der Zähnchen- und
Stachelbesatz des Ductus, bursae einen Reiz auf den Schwell-'
körper ausübe.
Bei meinen Untersuchungen an. Ephestia kuehniella habe ich
weder an den Totalpräparaten noch an Schnitten ein Zerreißen
dcr hier sehr zarten Spermatophorenwand bemerken können. Auch
von einem Festhalten des Spermatophorenkörpers konnte nicht.
die Rede sein, da die beiden Spermatophoren, die ich stets in der
Bursa copulatrix fand, ziemlich regellos in ihrem Corpus lagen.
Augenscheinlich war die eine durch das Eindringen der zweiten )
tiefer in das Corpus der Bursa hineingeschoben.worden. Wenn,
man nun mit Petersen annimmt, daß die Eigenbewegung der‘
Spermatozoen beim Verlassen der Spermatophore durch einen.
ih u nn nn
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 85
Druck der muskulösen Bursawand unterstützt wird, so könnte
dieser Druck leicht eine Verlagerung der unteren Spermatophore
zur Folge haben, derart, daß sie sich vor den Eingang des Ductus
bursae legt und den Spermatozoen den Weg zum Ductus semi-
nalis versperrt. Das ist durch die Ausbildung der Laminae den-
tatae sowie aller Chitinzähne und Stacheln, die den Ductus bursae
auskleiden, unmöglich gemacht. Sie wirken wie ein Reusenapparat,
indem sie alles, was den Ductus bursae verschließen könnte, auf-
fangen, den Spermatozoen jedoch den Weg freilassen.
- Die Spermatophore und ihre Übertragung.
Herold (1815) hat als erster die Spermatophore gezeichnet.
Er hat sie jedoch als solche nicht erkannt, sondern. beschreibt
sie als Innenhaut der Bursa. Von Siebold fand bei seinen. Unter-
suchungen der Bursa copulatrix in ihr gewöhnlich eine langgestielte
Blase, welche eine körnige, zähe Masse enthielt, in der sich nur
selten leblose Spermatozoen befanden. Er kennzeichnet dieses
Gebilde als abgerissene Rutenblase des Männchens.
Stein 1847 hat diese Untersuchungen nachgeprüft. Auch er
findet in der Begattungstasche eine mit körniger Masse erfüllte
Blase, die sich nach abwärts in einen Stiel verengere, der zum Teil
in den Rutenkanal hineinrage. Die Wand dieser Blase sei ganz
hart, starr und spröde,. zeige keinerlei Struktur und weise an ver-
schiedenen Punkten eine verschiedene Dicke auf. Aus allem gehe
hervor, daß man es nicht mit einem organisierten Teil zu tun habe.
Sie setze sich, wie Querschnitte erwiesen, aus übereinanderliegen-
den Lamellen zusammen, von denen die äußersten das Licht
stärker brächen als die inneren. Dieser Befund veranlaßte Stein
den Schluß zu ziehen, daß die Wand ursprünglich aus weicher
gallertartiger Masse bestanden habe, die allmählich von außen
nach innen verhärtete, vielleicht infolge der Vermischung mit
den. Sekreten der Zellenschicht der Begattungstasche. — Auch
die Behauptung von v. Siebold, daß die Blase nur in Ausnahme-
fällen Spermatozoen und dann nur tote, zufällig hineingeratene
enthalte, widerlegt Stein durch eigene Beobachtungen. Fand er
auch die Blase selbst nicht mit Spermatozoen gefüllt, so war doch
ihr Stiel strotzend angefüllt mit Samenmassen, die ihren Weg
durch den Ductus seminalis zum Befruchtungsapparat nahmen.
In seiner vergleichenden Anatomie 1848 berichtigt v. Siebold
selbst seine früheren Angaben und faßt alle Beobachtungen in
Folgendem zusammen: ‚Auch sind bereits in den weiblichen Ge-
schlechtsteilen mehrerer den Lepidopteren, Orthopteren und Co-
leopteren angehörenden Insekten eigentümliche, länger oder kürzer
gestielte und auch ungestielte Körper beobachtet worden, welche
aus ziemlich festen, dem geronnenen Eiweiß vergleichbaren Wan-
dungen bestehen und in ihrem Innern mit Spermatozoiden an-
gefüllt sind, daher diese Körper wohl am Besten mit an
phoren verg glichen werden können“.
10. Heft
86 Margarete Quast:
Hofmann fiel 1860 bei seinen. Untersuchungen der Psychiden
nur der Unterschied einer Bursa copulatrix in jungfräulichem Zu-
stande auf, in dem sie kontrahiert und zusammengefaltet scheint,
während sie nach der Begattung prall gefüllt ist. Ihren Inhalt
gibt er als krümelige Masse an.
Hagen erwähnt 1882 die Spermatophore von Pronuba yuc-
casella und Prodoxus. Er fand in der Bursa copulatrix einen
zweiten Sack so lose eingefügt, daß er sich ohne die Chitinbildungen
an der Innenwand der Bursa zu beschädigen, herausziehen ließ.
In seiner Form weise er einen oberen und einen unteren Teil auf,
beide annähernd kugelig und durch einen etwas abgeschnürten
Hals zusammenhängend. Der obere Teil werde durch aus der
Bursawand vorspringende Chitinstücke in seiner Lage gehalten.
Der untere sei dadurch fest verankert, daß er einen Kanal in den
Hals der Begattungstasche entsende, den er durchbohre und mit
dem Eileiter verbinde, Der Inhalt dieses inneren Sackes und des
Kanals bestehe nur aus den haarförmigen Spermatozoen, während
der Zwischenraum zwischen der Innenwand der Bursa und dem
„inneren Sack“ zahlreiche ‚„‚Spermatophoren‘“ aufweise. Daß da-
mit Spermatodesmen gemeint sind, wurde schon im geschichtlichen
Teil hervorgehoben.
Stitz beschreibt 1901 die Spermatophore bei einigen Mikro-
lepidopteren. Sie glichen in der Form häufig der Bursa (Aglossa
pinguinalis). Ihr Inneres sei hohl. Sie zeigen eine offene, ver-
engte Mündung. Der Sack und der daran schließende Teil des
Halses werden. aus einem lamellösen Gewebe gebildet. An dem
letzten Teil des Halses fielen eine stärkere Wandung mit stark
lichtbrechenden Körpern auf. Andere Verhältnisse fand Stitz bei
Tinea granella. Die Bursa zeige sich dort ven ein oder zwei Ge-
bilden so stark gespannt, daß sie beim Öffnen der Bursa heraus-
sprangen. Ihre Form differiere stark mit der der Bursa.
Eine eingehende Bearbeitung der Spermatophoren der Schmet-
terlinge verdanken wir Petersen 1907. Er unterscheidet an der
Spermatophore einen Körper (Corpus) und einen Hals (Collum).
Der Körper enthielte außer den Spermien auch noch das Sekret
der akzessorischen Drüsen des Männchens. Der Hals der Sperma-
tophore fände normalerweise sein Ende an der Stelle, wo der
Ductus seminalis dem Stiel der Bursa entspringe. Die Form der
Spermatophoren variiere sehr. Bei einigen Arten schmiege sie
sich der Form der Bursa an, bei anderen gäbe sie Raum für mehrere
ihresgleichen. Petersen berichtet von neun. Spermatophoren, die
er, ohne daß sie ihre charakteristische Form verändert hätten,
in einer Bursa vorfand. Dabei hätten sie alle die Lage, daß das
Ende ihres Collums die Mündung des Ductus seminalis erreichte.
Es sei höchst zu verwundern, wie sie bei der Kopulation in diese
Lage gebracht werden könnten, welche treibende Kraft den Bursa-
Sack so strotzend damit gefüllt habe. — Histologisch bemerkt er
an der Spermatophore, daß sie sich aus einer chitinartigen Sub-
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 87
stanz zusammensetze, die nicht überall gleiche Härte aufweise.
Ihr Äußeres sei glatt und glänzend. Als erster gibt cr Beobach-
tungen über die Bildung der Spermatophore. Sie nähme im
Ductus ejaculatorius ihren Anfang. Aus der Enge desselben sowie
des stark chitinisierten Penisrohres erhelle, daß sie dann ihre end-
gültige Form noch nicht besitzen. könne. Das sie bildende Sekret
sei noch flüssig und würde, so nimmt Petersen an, „ähnlich wie
beim Glasgebläse die flüssige Glasmasse durch einen Druck von
innen aufgetrieben‘. Dabei wirke außer Drüsensekret und Sperma
wahrscheinlich auch Luft mit.
Nicht unerwähnt möchte ich die Beschreibung einer Sper-
matophore der Arthropoden aus dem „Lehrbuch der vergleichen-
den Anatomie“ von Nuhn lassen. Er schreibt: ‚Bisweilen wird
das Sekret dieser Anhangsdrüsen zur Bildung "schlauchartiger
Samenbehälter, der sogen. Spermatophoren, benutzt, die statt
einer formlosen Masse, "bei der Begattung in. die Scheide einge-
schoben werden. Diese Samenschläuche haben zylindrische Ge-
stalt und bestehen aus mehreren Schichten oder Häuten, die im
Innern, die oft zierlich geordneten. und von. einer besonderen,
körnigen Umhüllungsschicht umgebenen. Samenkörperchen. ein-
schließen. Doch wird das Innere nur z. T. von den Samenkörper-
chen gebildet. Im hintern Teile des Schlauches befindet sich noch
hinter der Samenmasse, das propfähnliche vordere Ende eines
Spiralbandes, dessen. Ende mit den umhüllenden Schichten in
Verbindung steht. Dieses Spiralgebilde wirkt, durch Ausdehnung
nach Aufnahme von Wasser, ähnlich auf die Austreibung der
Samenmasse aus dem vorderen Teile des Schlauches als wie das
explodierende Pulver in einer Geschützröhre, die. Austreibung der
Kugel aus derselben veranlaßt. Diese Samenschläuche sind von
ansehnlicher Größe, so daß man sie früher für eine abgerissene
und in der Scheide steckengebliebene Rute gehalten hatte. Die
Entleerung solcher Samenschläuche durch den. Ductus ejaculato-
rıus in die Scheide geht natürlich nur sehr langsam vonstatten,
daher auch die oft stundenlange Vereinigung beider Geschlechter
sich erklären läßt“.
Bei Ephestia kuehniella nimmt die Begattung fünf bis sechs
Stunden in Anspruch. Während dieser Zeit sind die Tiere gegen
eine Berührung unempfindlich. Dauernde Störungen beantwortet
das Männchen damit, daß es kleine Strecken weit fortkriecht
und dabei das Weibchen nach sich zieht. Ein Flug findet in der
Kopula niemals statt. Zwingt man die Tiere jedoch dadurch,
daß man sie fallen läßt zum Fliegen, so stört man dadurch die
Kopula.
Als Haltewerkzeuge kommen in erster Linie die Valvae in
Betracht. Zwischen ihnen ist die Hinterleibsspitze des Weibchens
fest eingeklemmt. Das Einnehmen der Kopulationsstellung nimmt
bei Ephestia kuchniella oft mehrere Stunden in Anspruch. Am
Tage sitzen die Tiere träge an der Glaswand. In der Dämmerung
10. Heft
88 Margarete Quast:
beginnen sie lebhafter zu werden. Besonders die Männchen kriechen
unruhig umher und lassen dabei ein eifriges Fühlerspiel erkennen.
Wahrscheinlich spüren sie wie die meisten Lepidopteren die Weib-
chen durch den Geruchssinn auf. Haben sie ein Weibchen ge-
funden, so setzen sie sich so gegen dasselbe, daß die Spitzen ihrer
langen Vorderflügel sich berühren. In dieser Stellung verharren
sie oft eine Stunde und länger. Dabei zeigen sie sich so reizemp-
fänglich, daß die geringste Berührung sie aufschreckt. Das Weib-
chen gibt durch Spreizen seiner Flügel seine Bereitwilligkeit zur
Kopulation zu erkennen. Dadurch wird die Spitze seines Abdo-
mens freigelegt, die das Männchen, indem es sich rückwärts be-
wegt, sogleich mit den Valvae erfaßt. Darauf legt das Weibchen
seine Flügel fest an den Körper an und das Männchen die seinigen
darüber. Nunmehr erscheint ein Tier als die Verlängerung des
anderen. — Nach Entfernung der Flügel läßt sich erkennen, daß
der Unkus auf der dorsalen Seite die Spitze des Abdomens des
Weibchens bedeckt. Der Penis ist durch das Ostium bursae in
den Ductus bursae eingedrungen. Sein chitinisiertes Endstück
reicht bis zu der Stelle, wo der Ductus seminalis von dem Ductus
bursae abzweigt. Der Schwellkörper erfüllt die. Erweiterung des
Ductus bursae und berührt seine Chitinauskleidung. Das Penis-
rohr sitzt so fest in dem Ductus bursae, daß es bei der Präparation
nicht gelingt, es herauszuziehen, ohne den letzteren. zu zerreißen.
Es wird nun zunächst das Sekret der unpaaren Drüsen in
die Bursa copulatrix entleert. Mit Stein möchte ich annehmen,
daß es zuerst eine ‚weiche, gallertige‘‘ Masse darstelle, die bei
dem Erstarren Ähnlichkeit mit geronnenem Eiweiß hat, wie das
bereits von Siebold erkannt worden ist und Stitz in den unpaaren
Drüsen des Männchens zuerst festgestellt hat. Wodurch diese
Masse zu einer Blase aufgetrieben wird, die bei jeder Art eine
charakteristische Form. hat, läßt sich schwer sagen. Die in; sie
eindringende Samenmasse und mit ihr das. Sekret der akzessori-
schen Drüsen werden allein nicht formbestimmend sein. — Wie ich
schon erwähnte, werden bei Ephestia kuehniella während einer
Kopula stets zwei Spermatophoren abgesetzt. Sie haben eine
eigentümliche Gestalt (Fig. 13). Sie bestehen aus einem sehr
dünnhäutigen,:' runden Körper, der mit einem Bande, in Verbin
dung steht,. welches an seinen Enden häufig gebogen oder spiralig
Beiträge zur Samenübertragung bei Ephestia kuehniella Zeller 89
gedreht erscheint. In vielen Fällen läßt sich erkennen, daß dieses
Band den runden Körper umschlingt. Es stellt den Hals der. Sper-
matophore dar, durch den. die Spermatozoen den Körper ver-
lassen, um ihren W eg in den Ductus seminalis und von dort durch
den Oviductus communis in das Receptaculum seminis zu nehmen.
Die Arbeit wurde im Zoologischen. Institut der Friedrich-
Wilhelms-Universität zu Berlin ausgeführt. Herrn. Geheimen. Re-
gierungsrat Professor Dr. F. E. Schulze sage ich für die Über-
Jassung eines Arbeitsplatzes sowie für die Erlaubnis zur Benutzung
der Instrumente und der Bibliothek meinen. gehorsamsten Dank,
desgleichen Herrn Professor Dr. Deegener und Dr. P. Schulze
für das liebenswürdige Interesse, welches sie meiner Arbeit ent-
gegengebracht haben und die freundliche Hilfe, welche sie mir
haben zuteil werden lassen.
Literaturverzeiehnis.
Balbiani, Contribution & l’etude de la formation des organes
sexuels chez les Insectes. Recueil Zool. Suisse. J. 2, 1885.
Ballowitz, Zur Kenntnis der Samenkörper der Arthropoden.
Intern. Monatsschrift f. Anatomie und Physiologie, Bd. XI,
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1903. |
Soziologische Studien an Raupen usw. 91
Soziologische Studien an Raupen und
Bemerkungen über Licht- und statischen Sinn.
Von
P. Deegener.
(Mit 5 Textfiguren.)
In der Absicht, meine im vergangenen Jahre (1918) begonnenen
Studien an sozialen Raupen fortzusetzen und das Material dann
weiterhin zu Kreuzungsversuchen zu benutzen, hielt ich in diesem
Jahre u. a. drei Arten der Grattung Malacosoma (M. neustrium L.,
M. castrense L. und M. franconicum Esp.).
M. neustrium war in diesem Jahre (1919) in der Mark nicht
häufig. Es gelang daher nur mit einiger Mühe, so viele Gelege
zusammenzubringen, wie mir für meine Versuche nötig erschienen.
Sammler, die ich zur Beschaffung des sonst so leicht erhältlichen
Materials in Anspruch nahm, versagten teils ganz, teils erhielt ich
höchst dürftige Sendungen; und aus den Eierringeln, die ich
größtenteils den freundlichen Bemühungen des Herrn Dr. Schulz
verdanke, schlüpften in vielen Fällen nur wenige Raupen aus, von
denen trotz sorgfältigster Pflege ein recht hoher Prozentsatz vor
und während der ersten Häutung zugrunde ging. Es ist ja bekannt,
daß unsere gemeinsten Schädlinge aus der Insektenwelt in manchen
Jahren geradezu selten sein können. Trotz dieser ungünstigen Lage
glückte es mir aber doch, schließlich etwa 1500 Raupen dieser Art
großzuziehen, in Berlin keine leichte Aufgabe, weil man ständig mit
der Beschaffung des Futters Schwierigkeiten hat, insbesondere bei
den vielen Verkehrsstörungen des Jahres 1919, die ein planmäßiges
Arbeiten oft unmöglich machten.
An dieser Stelle soll in erster Linie über die soziologischen Ver-
suche und Beobachtungen des Sommers berichtet werden, die zu
recht interessanten und unerwarteten Ergebnissen geführt haben.
A. Fritzsche berichtet in der Entom. Zeitschr. Guben
(XX. 1906/07, p. 271) über Malacosoma alpicola Stgr., daß die
jungen Raupen sich auf ihrem Eierringe so lange aufhalten, ‚‚bis
alle Räupchen aus den Eiern heraus sind, was bei ungünstiger
Witterung manchmal viele Tage dauert‘. Dann erst beginne die
Wanderung zum Futter.
Da auch M. castrense seine Eier nicht an die Nährpflanze,
sondern an jeden geeigneten trocknen Stengel oder Halm ablegt,
darf man erwarten, daß sich seine Raupen ebenso verhalten werden,
wie die der erwähnten verwandten Art. Mein Wunsch, dies fest-
zustellen, ließ sich leider in diesem Jahre nicht mehr erfüllen, weil
trotz des kalten Wetters die Raupen schon früher erschienen
waren, als angenommen werden konnte. Ich fand alle Gelege schon
verlassen, habe mir aber durch Zucht genügend Eierringe - ver-
10. Heft
Y2 P. Deegener:
schafft, um im kommenden ‚Frühjahre feststellen zu; können, ob
sich die Raupen von castrense wie die von M. albicola oder von
M. neustrium: verhalten: Letztere, deren Gelege in, der Natur ja
stets an Zweigen sitzen, von denen aus kein weiter Weg zu den
Blättern führt, verhalten sich jedenfalls ganz anders.
Im ungeheizten Zimmer bei einer Temperatur von 11 13° (
gehalten, erschienen aus 5 Gelegen, die 5 Wochen zuvor von Apfel-
bäumen genommen worden waren, am 14. April morgens die ersten
Räupchen. Wenngleich nicht alle Geschwister zu derselben Stunde
ausschlüpften und erst am späten Abend. alle Eier leer waren, ver-
ließen sie doch die Eierschale an demselben Tage. Sie blieben nur
anfangs auf ihrem (Gelege, schlossen sich auf ihm aber zunächst,
solange ihrer noch wenige waren, nicht enger zusammen, sondern
spannen jede für sich. Das Spinnen beginnt schon, sobald die
Tiere die ersten Schritte tun. Daher findet man auch den Eierring
immer unregelmäßig überwebt. Nun warten aber die jungen
Raupen nicht, wie es von M. alpicola berichtet wird, bis sich ihre
(reschwister aus dem Ei herausgearbeitet haben, sondern wandern
isoliert, nicht geschlossen, nicht in Reihen, Kolonnen oder mit
einem anderen Ausdrucke gemeinsamen Handelns vom Gelege auf
den Zweig, der es trägt. Die Stufe, welche das Gelege mit der Zweig-
oberfläche bildet, ist so hoch wie ein Ei; sie wird durch eine Seiden-
straße überbrückt, die aus gedrängt liegenden, unregelmäßig-netzig
miteinander verbundenen Fäden besteht. Diese Brücke vermag
eine Raupe allein herzustellen. Von den Geschwistern bald all-
gemein belaufen, wird sie breiter und stärker. — Wo nur wenige
Raupen geschlüpft sind, bleiben sie nicht in Fühlung miteinander
und gehen sehr bald auf den Zweig über, der ebenso wie das (re-
lege besponnen wird. Selbst die erste frei gewordene Raupe, deren
Geschwister noch in den Eischalen stecken oder erst eben ihren
Kopf und Vorderleib aus deren kreisförmiger Öffnung hervor-
strecken, geht schon selbständig auf den Zweig über und erscheint
in ihren Handlungen durchaus unabhängig von den übrigen Mit-
gliedern der künftigen Gesellschaft. Schon drei junge Räupchen
zeigten sich imstande, das ganze (relege zu bespinnen und eine
breite Seidenbrücke von ihm zum Zweige fertigzustellen. Einzelne
der morgens geschlüpften Tiere gingen schon um 11 Uhr in das
ihnen gebotene junge Laub. Ich hatte den dürren Zweig, der ihr
(selege trug, mittelst einer Nadel an einem frisch begrünten Weiß-
dornzweige befestigt. Freilich fraßen sie noch nicht. — Die ersten
Anzeichen sozialer Gewohnheiten machten sich erst bemerkbar,
als die Raupen der Ruhe bedurften: sie sammelten sich dann —
übrigens nicht immer alle — zu einem geschlossenen Häufchen
oder bildeten mehrere räumlich gesonderte .(resellschaften Da
gegenseitiger enger Fühlung der Mitglieder.
‚In ihrer ersten Jugend haben die M. neustrium-Raupen einen
glänzenden; schwarzen Kopf, sammetschwarzen: Körper fast ohne
Zeichnung mit sehr langen graugelblichen Haaren. -Die Segment-
ee De
Soziologische Studien an Raupen usw. 93
ränder sind hell geringelt, die Thoraxbeine schwarz, die Pedes
spurü heller. Der Kopf erscheint auffallend groß, und die Thorax-
extremitäten sind verhältnismäßig viel länger und kräftiger als
bei den älteren Raupen.
Die Tiere blieben am Abend des ersten Tages nicht am Laub,
sondern gingen teils an dem Zweige, der das Gelege trug, teils am
Gelege selbst zur Ruhe. Die Blätter wurden an diesem Tage von
keiner Raupe benagt, wohl aber fand eine Kotentleerung statt.
Über Nacht hielten sich die Tiere an der Unterseite des Geleges
zu einem ‚Spiegel‘ zusammengedrängt. Diese Gewohnheit würde
sie im Freien gegen unmittelbar auf sie fallende Regentropfen
schützen können, deren Anprall vielleicht imstande wäre, sie zur
Erde zu schleudern, wo sie dann dem Untergange preisgegeben
sein würden. Die jungen nur 2 mm langen Raupen sind in der Tat
so schwach und zart, daß man kaum begreift, wie sie in der Natur
ungünstigen Einwirkungen standhalten können. Mit ihnen ver-
glichen erscheinen z. B. die Raupen von Phalera bucephala L. in
demselben Alter sehr viel robuster und widerstandsfähiger, ich
möchte fast sagen selbständiger. Es wäre daher zu verstehen, daß
sich die M .neustrium-Raupen durch besonderes Verhalten zuschützen
wüßten. Aber die gelegentliche Beobachtung, daß sie sich zur
Nacht an der Unterseite ihres Geleges zusammendrängten, beweist
noch nicht, daß dies ihre Gewohnheit sei, eine Instinkthandlung,
die vor Regen schütze. Ich beobachtete alle meine Familien auf
dieses Verhalten hin; und da stellte sich denn heraus, daß sie
keineswegs alle, noch auch die Mitglieder einer Familie, die es
tags zuvor getan hatten, an jedem Abend die Unterseite des Ge-
leges als Schlafplatz wählten. Bald fand ich sie nach Eintritt der
Dunkelheit und nachts auf der Oberseite des Geleges, bald seitlich
an ihm, bald oberseits und seitlich unter Freilassen einer Zone an
der Unterseite. Ja, die Tiere übernachteten nicht einmal durchweg
an ihrem ersten Gespinste auf dem Eierringe, sondern manche
Familien blieben im Laub an der Oberseite der Blätter, während
das Gelege und die Straße dorthin völlig raupenfrei gefunden
wurden. Die abendliche Sammlung der Raupen an der Unterseite
ihres Geleges ist also zufällig, entspricht keiner Gewohnheit, die
für sie von wesentlichem Werte wäre.
Das Ausschlüpfen der Geschwister aus den Eiern erfolgte so
wenig gleichzeitig, daß bei manchen Gelegen die letzten Räupchen
erst im Laufe des zweiten Vormittags erschienen. Schlüpften sehr
viele Raupen gleichzeitig, so drängten sie sich oft zu einer ge-
schlossenen Masse zusammen, von der sich nur wenige gelegentlich
einzeln um einige Millimeter entfernten. Wo erst 3—6 Raupen das
Gelege verlassen hatten, drängten sie sich am Tage nicht zu-
sammen, sondern spannen in der beschriebenen Weise isoliert.
Immer aber sah ich die j jungen Tiere schon am ersten Tage ins Lau
gehen, alle ihre Wege mehr oder weniger dicht bespinnen, aber nie-
mals fressen. Erst am 16. April begann die Nahrungsaufnahme.
10. Heft
v4 P. Deegener:
Die Blätter wurden benagt, und in dem Gewebe blieb reichlich
Kot hängen. Bei der geringen Größe der Tiere und der Unmöglich-
keit, sie zu zeichnen, ließ sich nicht sicher feststellen, ob nur die
zuerst geschlüpften gefressen hätten; man darf dies aber wohl an-
nehmen, da alle Raupen erst nach Verlauf einer gewissen Zeit an
die Nahrung gehen. Jedenfalls darf man diese erste Nahrungs-
enthaltung nicht so deuten, als hätten die Raupen erst das Schlüpfen
aller ihrer Geschwister abgewartet; denn in diesem Falle könnten
sie oft bis zum Verhungern warten, da ja häufig ein Teil des
Geleges keine Raupen liefert; und während im allgemeinen
innerhalb höchstens dreier Tage alle Eier eines Geleges die Raupen
entlassen zu haben pflegen, sah ich an einem Eierringe, aus dem
die ersten Jungen am 14. April erschienen waren, noch am 24. April
einige die Eischale verlassen, ein abnormes Verhalten, das die
früher geschlüpften zum Tode verurteilt haben würde, wenn sie
auf das Erscheinen der Nachkömmlinge gewartet hätten. Auch
das sonstige Verhalten der Tiere deutet nicht daraufhin, daß sie,
sozial so eng verbunden seien, um nur in vollzähliger Gesellschaft
zu fressen. Und wie könnte man diesen tiefstehenden Organismen
die Fähigkeit eines Urteils darüber zuerkennen, ob alle Eier leer
seien oder nicht ? So gut sie nach jeder Häutung mit der Nahrungs-
aufnahme warten, bis ihr Chitin genügend erstarrt ist, fressen auch
die frisch geschlüpften Tiere nicht gleich und sind zunächst noch
durch die in ihrem Darme befindlichen Dotterreste vor Hunger
geschützt. Sicher konnte festgestellt werden, daß nur ein kleiner
Teil der Gesellschaft am zweiten Tage ihres freien Daseins ge-
fressen habe; die meisten ihrer Mitglieder wanderten nur spinnend
umher oder ruhten. Dabei entfernten sich die Larven zunächst
noch nicht weit vom Gelege, blieben auf beschränktem Raume bei-
sammen, in der Ruhe geschlossen, in der Bewegung aber gewöhnlich
ohne Fühlung miteinander.
Erst am vierten Tage nahm der Fraß größere Ausdehnung an,
erstreckte sich aber überall nur auf einen oder zwei Triebe in der
Nähe des Geleges, von welchen nur die älteren äußeren Blätter,
nicht aber die Knospen angefressen wurden. Gewöhnlich skelet-
tierten die Raupen die Blätter von der Fläche aus und fraßen hier-
bei nur selten durchgehende Löcher. Randfraß wurde noch nicht
beobachtet. — Die Tierchen saßen jetzt schon auf ihrem Gewebe
außerordentlich fest und wurden durch Regen und Wind nicht
hinabgeworfen.
: Daß weder das Licht noch der Spürsinn allein bei den Be-
wegungen dieser Raupengesellschaften maßgebend seien, ' dafür
sprachen folgende Tatsachen: Die 5 Tage alten Raupen einer
Primärgesellschaft waren von ihrem Gelege aus 7 cm weit auf einen
Laubtrieb gewandert und hatten diesen befressen. Zu ihm führte
eine dichtfädige Seidenstraße seitlich am Zweige. Diese Straßen
sind dem Bedürfnisse der Raupen entsprechend nur sehr schmal und
umfassen selbst die dünnsten Zweige nicht allseitig. Als die er-
Soziologische Studien an Raupen usw, 95
wähnte Straße angelegt wurde, ließen deren Erbauer zwei am
Wege befindliche Triebe, die 11; und 2 cm vom Grelege entfernt
entsprangen, unbeachtet. Da sie “dem Fenster w eniger nahe waren
als der von den Tieren besetzte Trieb, könnte man an eine Wirkung
des Lichtes denken.
Von einer zweiten Familie ruhte mittags 1 Uhr die Mehrzahl
der Mitglieder auf dem Gelege. Der dem Gelege nächste Trieb war,
stark befressen und dicht grau übersponnen, von den Raupen end-
gültig verlassen worden. Sie waren zum Fraße an dem Haupt-
stamme ihres Zweiges ihrer Gewohnheit gemäß einzeln empor-
und auch einzeln wieder zum Gelege zurückgewandert, wobei sie
stets nur der Seidenstraße folgten, die als einseitiges schmales
Band dem Zweige anhaftete und zu dem ersten (dürren) dem Lichte
zugewendeten Seitenzweige und von dessen mit dem Hauptstamme
schleierartig versponnener Basis zum nächsthöheren laubtragenden
Seitenzweige führte, der vom Lichte weggewendet war. Die Raupen
mögen auch hier zuerst dem Lichte gefolgt sein; aber an der Basis
des nächsten Laubzweiges sind sie emporsteigend nicht an dem
heller beleuchteten Hauptstamme geblieben, sondern sind vom
Lichte weg an einem Laubtriebe vorüber an den zweiten vom
Lichte abgewendeten Laubtrieb gewandert. Im Laub hielten sich
jetzt nur wenige Raupen auf, um zu fressen; die meisten befanden
sich am Gelege und in dessen dichter besponnener Umgebung.
Die Straße von dem Gelege bis zu dem zuletzt befressenen Laub
war 4 cm lang und wurde nach beiden Richtungen hin fast ständig
mehr oder minder stark belaufen.
Der Übertritt auf den unbelaubten Zweig lehrt, daß die
nahrungsuchenden Raupen nicht sehen oder riechen, ob er Nahrung
biete oder nicht; die Tatsache, daß sie an einem lichtzugewandten
Zweige vorüber auf einen lichtabgewendeten liefen, zeigt, daß sie
sich in der Wahl ihres Weges keineswegs ausschließlich durch das
Licht bestimmen lassen. |
Während ihres Wachstums bis zu einer Länge von 4 mm haben
die Raupen, ohne schon eine Häutung durchgemacht zu haben,
ein verändertes Aussehen gewonnen. Ihre Haare sind dunkler
(gelbbräunlich) und die gelben intersegmentalen Ouerstreifen des
Rückens sind breiter geworden. Jederseits am Körper tritt eine
helle Längslinie hervor, die oberhalb der Beine von vorn nach
hinten zieht. Damit beginnt die charakteristische Längsstreifung
sich auszubilden.
Der Fraß der jungen Tiere wird dadurch verderblicher, als für
deren Ernährung erforderlich wäre, daß sie die Blätter eines Triebes
nicht restlos verzehren. Diese bleiben vielmehr, benagt und mit
Gespinst überzogen, größtenteils stehen, wenn die Raupen schon
auf andere Triebe übergehen. Diese Beobachtung bezieht sich
auf Weißdorn.
Hinsichtlich des geselligen Zusammenhaltes der jungen neu-
strium-Raupen ist folgendes zu bemerken: Die Tiere zerstreuen sich
10. Heft
96 P. Deegener:
oft so stark, daß durchaus keine Fühlung mehr zwischen ihnen be-
steht; aber weil sie niemals freiwillig ihr Gespinst verlassen und
dieses nur ihrem Bedürfnisse entsprechend vergrößern, sind sie
doch immer auf verhältnismäßig eng begrenztem Raume zu-
sammen, und ihr Gewebe verbindet sie dauernd zu einer Wohn-
gemeinschaft.
Wenn sich nun auch die Raupen tagsüber auf ihrem Gewebe,
auf dem sie erstaunlich festen Halt finden, oft sehr stark zerstreuen
und dann jede persönliche Fühlung miteinander verlieren, sam-
meln sie sich doch des Abends (wiewohl nicht zu einer bestimmten
Stunde, und die unter gleichen äußeren Bedingungen gehaltenen
gesonderten Völkchen nicht alle zu derselben Zeit) zu einer eng
geschlossenen Gesellschaft, in welcher direkt oder indirekt alle
Mitglieder untereinander in Fühlung stehen. Einen objektiven
Wert dieses Verhaltens weiß ich nicht anzugeben. Das (rewebe
kann dann um den ganzen Zweig ‚herum gleich dicht mit Raupen
besetzt sein, die, wie schon gesagt, nicht die Unterseite bevorzugen.
Weder gegen Witterungsunbilden noch gegen Feinde sind die Tiere
so besser oder überhaupt während der Nacht geschützt. An eine
gegenseitige Erwärmung ist nicht zu denken. Der einzige (rein
subjektive) Wert dieses Verhaltens wie der Vergesellschaftung dieser
und anderer sozialer Raupen überhaupt liegt in der Befriedigung
ihres sozialen Bedürfnisses.
Während sich meine Raupen im Zimmer bei einer Durchschnitts-
temperatur von 11° (Maximaltemperatur 13°C) langsam weiter-
entwickelten, sich auch nicht mehr mit dem Skelettieren der
Blätter begnügten, sondern sie vom Rande her befraßent), waren
im Freien noch keine Raupen erschienen. Ich weiß nicht, ob diese
Eier später gelegt oder, was wahrscheinlicher ist, durch die kalte
Witterung in der Entwicklung beeinträchtigt worden waren.
[Nebenher sei bemerkt, daß sich an einigen der von den Raupen
bewohnten Weißdornzweige zahlreiche rote Milben (Trombidiiden)
einstellten, die unter dem Seidengewebe an der Rinde saßen. Sie
bildeten mit den Raupen eine heterotypische Gesellschaft, über
deren besondere Art ich nichts aussagen kann; denn da die Zweige,
an welchen die Raupen fraßen, bald und oft mit frischen vertauscht
werden mußten, konnten die sehr kleinen Milben, weil mir die Zeit
fehlte, nicht jedesmal mit übertragen werden und verschwanden
bald ganz. —- Sie pflegten übrigens ganz isoliert zu sitzen und stets.
zerstreut zu sein. Zwischen ihnen selbst und zwischen ihnen und den.
Raupen bestand kein näheres soziales Verhältnis; denn nie sah
ich mehrere Milben beisammen oder deren.eine am Körper einer
Raupe. — Wie die mikroskopische Untersuchung lehrte, handelte
es sich nicht nur um sechsbeinige Jugendformen, sondern auch um
achtbeinige Milben. Wahrscheinlich diente ihnen der Raum.
!) Das den Raupen in diesem Alter dargereichte Laub vom Para-
diesapfel, schon ziemlich große Blätter, wurde von der Fläche her be-:
fressen und es entstand typischer Lochfraß.
Soziologische Studien an Raupen usw. eL
zwischen Rinde und Gespinst nur als willkommener Zufluchtsort;
man sah sie aber auch gelegentlich auf der Oberfläche des (rewebes
und an unbesponnenen Zweigen umherlaufen. |
Bis zum 5. Mai waren die Raupen nur wenig gewachsen und
noch nicht reif zur ersten Häutung. Dieser langsame Fortschritt
war wohl auf Rechnung der niedrigen Temperatur zu setzen, die
im Zimmer, in welchem ich die Tiere hielt, noch erheblich höher
(im Mittel 11°C) war als im Freien.
Bemerkenswert ist, daß die Raupen im Gegensatze zu M. ca-
strense immer wieder zu ihrem Primärgewebe zurückkehrten, das
langsam anwachsend zum eigentlichen Neste wurde. Um die Be-
ziehungen seiner Bewohner zu ihrem Neste zu studieren, schnitt
ich bei dem Wechseln des Futters den nesttragenden Zweig jedes-
mal dann ab, wenn sich die Raupen auf dem Nestgewebe gesammelt
hatten, und brachte so die Tiere mit dem Neste an einen frischen
Zweig. Das Nest wird hier im Gegensatze zu M. castrense ein wirk-
lich dauernd benutztes und immer wieder aufgesuchtes Wohn-
nest. Mit M. castrense verglichen, sind die Larven von M. neustrium
wenigstens in ihrer Jugend stationäre Raupen. In manchen Fällen
führte von dem Wohnneste aus eine schmale Seidenstraße von
30 und mehr cm Länge ins Laub, die an einer größeren Anzahl von
Laubtrieben vorüberzuleiten pflegte.
Die Wohnnester enthielten auch umsponnene Hohlräume, in
denen sich jedoch immer nur wenige Raupen aufhielten. Die meisten
saßen gedrängt neben-, nicht aufeinander an der Oberfläche des
(Gewebes.
Die Straßen vom und zum Neste, die nach wie vor nur schmal
angelegt wurden, wenn die Fraßstelle nicht in unmittelbarer Nähe
des Nestes lag, bestanden aus einer Unterlage von unregelmäßigen
Seidenschleifen, die genau mit solchen Fäden übereinstimmten,
die isolierte Raupen auf der Glasplatte spannen. Dies sind einheit-
liche ununterbrochene Fäden, die starke, ganz unregelmäßige
Schlingen beschreiben. Auf diesem Unterbau lag eine dichte Schicht
gerader, ziemlich paralleler Fäden, wie sie jede Raupe hinterläßt,
wenn sie auf dem (rewebe geradeaus wandert, ohne die pendelnden
Bewegungen zu machen, die sie nur auf noch unbesponnenen Unter-
lagen mit dem Vorderleibe auszuführen pflegt. Diese Straßen werden
immer dicker, weil die Raupen sie fortgesetzt in beiden Richtungen
belaufen und ihnen jedesmal einen neuen Faden hinzufügen.
Die Tiere kehrten nicht nach jeder Sättigung aus dem Laub
in das Nest zurück, blieben vielmehr als Gros oft tagelang ge-
schlossen oder aufgelöst auf den gerade von ihnen befressenen
Blättern. Fast immer sah man einige Mitglieder der Kinder-
familie weit getrennt von der Hauptmasse isoliert umherwandern,
ohne daß sie jedoch jemals das Gewebe oder die Straßen verlassen
hätten. Daher fanden sie sich auch immer leicht wieder zu ihren Ge-
schwistern zurück. Übrigens sei bemerkt, daß die Raupen, solange
sie zusammenhielten, nicht eingezwingert wurden, sondern völlig
Archiv für ee 7 10. Heft
98 P. Deegener:
frei an großen Zweigen saßen, die in wassergefüllten Flaschen
steckten.
Am 6. Mai fand die erste Häutung der am 14. April aus den
Eiern geschlüpften Raupen statt. Morgens 71, Uhr streifte die
erste ihre alte Cuticula ab, um ein ganz verändertes Aussehen zu
gewinnen. Zur Häutung hatten sich alle Geschwister in das Wohn-
nest zurückgezogen und dieses durch neues Gespinst etwas ver-
größert. Am Tage vor der Häutung zeigten sie sich noch in Be-
wegung, verließen aber das Häutungsnest nicht mehr. Sie saßen
an dessen oberer und unterer Fläche dicht zusammengedrängt;
nur sehr wenige befanden sich in den inneren Räumen des (rewebes.
Die Häutung betraf nicht alle Raupen zu gleicher Zeit; denn wäh-
rend die erste ihre Häutung schon vollendet hatte, wanderten
andere noch auf dem Gewebe umher. Kein Tier war isoliert ge-
blieben.
Während sich die schon seit längerer Zeit im Eizustande im
Zimmer gehaltenen Tiere am 6. Mai zu häuten begannen, war bei
. den erst jetzt aus dem Freien ins Zimmer gebrachten Gelegen noch
kein Anzeichen des baldigen Ausschlüpfens zu bemerken. Die
Temperatur blieb unverhältnismäßig niedrig.
Die Raupen der Kindergesellschaft, die am 14. April geschlüpft
war und am 6. Mai mit der Häutung begonnen hatte, waren am
7. Mai mittags 12 Uhr noch nicht vollzählig mit der Häutung
fertig. Unmittelbar nach der Erneuerung der Cuticula ist ihr Kopf
gelb, später grauschwarz, endlich glänzend schwarz. Sammet-
schwarz erscheint der Rücken des ersten Thoraxsegmentes und des
letzten Abdominalsegmentes. Zwei parallele Seitenstreifen und
ein KRückenstreifen, also drei Längsstreifen sowie zwei Längs-
fleckenreihen neben dem mittleren Rückenstreifen sind schwarz,
alle durch blaßgelbe oder graugelbe Zwischenräume gesondert.
Dorsal sind die Segmenteinschnitte mit Ausnahme des ersten und
letzten Segmentes orangegelb. Die Haare erscheinen gelblich, vorn
etwas dunkler. - - Die meisten gehäuteten Raupen saßen am 7. Mai
mittags noch auf ihrem Neste; eine aber befand sich schon auf der
alten Straße zur Nahrung 5 cm vom Neste entfernt; eine zweite
fölgte ihr. Auch nach der Häutung findet also, wie auch die Be-
obachtung der übrigen Kindervölkchen lehrte, die Wanderung ins
Laub nicht geschlossen statt: Jede Raupe geht für sich zur Nah-
rung und wartet nicht erst ab, bis alle übrigen fähig geworden sind,
mit dem Verzehren der Blätter wieder zu beginnen. Die einzeln
die Straße passierenden Raupen tasteten auf dieser nach rechts
und links, wichen aber auch jetzt noch niemals von ihr ab, be-
traten keine unbesponnenen Zweige und fanden so mit größter
Sicherheit dieselbe Stelle wieder, an der sie vor der Häutung
zuletzt gefressen hatten.
Ich sah übrigens wiederholt Raupen, die allein zu den Blättern
gewandert waren, wieder umkehren, ohne gefressen zu haben. Ob
sie ohne (Gesellschaft von ihresgleichen sich weniger leicht zur
Soziologische Studien an Raupen usw. 99
Nahrungsaufnahme entschließen ? Sicher wurde beobachtet, daß
alle 5 oder 6 Raupen eines Völkchens ohne das Laub benagt zu
haben, zum Häutungsneste zurückkehrten. Auch am folgenden
Tage schlossen sich.alle Raupen, die ins Laub gewandert waren,
ohne gefressen zu haben, der Gesellschaft wieder an, die dicht-
gedrängt auf der Oberfläche des Häutungsnestes saß. Am 8. Mai
mittags hatten alle Geschwister dieses Völkchens die am 6. Mai
begonnene Häutung überstanden und wurden unter dem Einflusse
direkter Sonnenbestrahlung zwar sehr lebhaft, verließen aber, von
einzelnen Ausnahmen abgesehen, das Nest nicht. Erst am 9. Mai
wanderte ein großer Teil dieser Gesellschaft ins Laub, um nunmehr
auch wirklich zu fressen.?) Nur wenige Tiere befanden sich noch
ım Neste, aber eine ziemlich große Gruppe ruhte an einem dürren
Zweigchen neben der Seidenstraße, die vom Neste ins Laub führte.
Zwischen Nest und Laub fand ein lebhaftes Hin- und Herwandern
statt. Die einander begegnenden Raupen nahmen, obwohl sie ein-
ander auf der schmalen Straße berühren mußten, keine merkliche
Notiz voneinander oder stutzten nur ganz vorübergehend, um dann
jede in ihrer alten Richtung weiter zu wandern. Nahe dem Neste
bildete sich dann noch eine vierte kleine Gruppe, die an den Blättern
nagte. Um ein ungefähres Bild der Gruppierung innerhalb dieser
Gesellschaft zu geben, erwähne ich noch, daß.das Häutungsnest
von der ersten fressenden Gruppe 6 cm, die zweite von der dritten
ruhenden Gruppe 7 cm, die dritte von der vierten fressenden Gruppe
6', cm entfernt war. Bis mittags 12 Uhr hatten dann alle Raupen
das Nest verlassen und fraßen in zwei Teilgesellschaften an zwei
verschiedenen Laubtrieben, zu welchen ihre alten Straßen sie ge-
leitet hatten. Die zuvor gesonderten vier Gruppen hatten sich also
zu zwei Gesellschaften zusammengezogen. Nur vereinzelte Raupen
beliefen die alte Straße zwischen Häutungsnest und Laubtrieben
und betraten dabei vorübergehend auch das Nest selbst. — Zu
derselben Zeit fand ich natürlich andere Gesellschaften in anderer
Gruppierung und z. T. geschlossen am Laub, z. T. im Neste usw.,
worüber im einzelnen zu berichten zu weit führen würde. Es
kommt ja nur darauf an, ein Bild des sozialen Verhaltens dieser
Tiere zu geben.
Um festzustellen, bis zu welchem Grade sich die Raupen als
abhängig von ihren (reweben erweisen, setzte ich isolierte Tiere
auf unbesponnene Blätter. Hier benahmen sie sich recht hilflos,
fielen immer wieder und vermochten sich nicht festzuhalten, also
auch nicht in normaler Weise sicher zu laufen, natürlich auch nicht
zu fressen. Auf ihr Gewebe zurückgebracht, konnten sie sich da-
gegen sofort halten und in der gewohnten Weise schnell laufen.
Die versuchte Isolierung dieser Raupen gelang daher in so jugend-
2
2) Die Raüpen einer anderen Gesellschaft, die sich erst am 7. Mai
gehäutet hatten, fraßen schon aın 9. Mai. Wovon solche Verschieden-
heiten im Verhalten zweier unter ganz gleichen Bedingungen gehaltenen
Familien abhängen, ist nicht leicht zu ermitteln.
TE 10. left
100 P. Deegener:
lichem Alter noch nicht, und es mußte abgewartet werden, bis sie
ein etwas selbständigeres Alter erreicht hatten. Über diese Iso-
lierungsversuche wird unten noch berichtet werden.
Um 121, Uhr mittags wurde die Seidenstraße einer Gesell-
schaft auf eine Strecke von 2 cm unterbrochen. Alle auf- und ab-
wärts wandernden Raupen stutzten an der Lücke und kehrten um,
nachdem sie längere Zeit umhergetastet hatten. Keine entschloß
sich, die Unterbrechung zu überschreiten. Um 1 Uhr begann eine
starke Abwärtswanderung der Raupen aus dem Laub zum Neste;
aber alle entschlossen sich an der Lücke zur Umkehr, obwohl dort
vorübergehend eine reiche Ansammlung der Tiere stattfand. Bis
zum Abend blieb so das Gros der Gesellschaft geradezu vom Neste
abgesperrt; und die Raupen, die sich zwischen der Unterbrechung
und dem Neste befanden, blieben von’der Hauptmasse abgeschnit-
ten, die sich zur Nachtruhe auf dem Zweige selbst da sammelte,
wo der von ihr vorzugsweise befressene Laubtrieb entsprang. Die
Raupen der übrigen Sympaedien hatten sich dagegen durchweg
zur Nachtruhe auf ihren Nestern gesammelt. Eine lebhafte Ab-
wanderung der Mitglieder der Versuchsgesellschaft deutete darauf
hin, daß diese es auch vorgezogen haben würden, auf ihrem Neste,
zu übernachten; aber entweder fanden die Raupen den Weg dort-
hin nicht mehr, oder wagten die Lücke nicht zu überschreiten.
Die diesseits der Unterbrechung verbliebenen Mitglieder der Ge-
sellschaft übernachteten auf ihrem Neste. Bis 4 Uhr nachmittags
versuchten sie noch ins Laub zu gelangen; von dieser Stunde ab
wurden nur noch abwärts wandernde Raupen beobachtet, bis die
beiden gesonderten Gruppen zur Ruhe kamen. -— Da sich die Tiere
an dem dichten Nestgewebe vielleicht fester anklammern können,
läge die Vermutung nahe, daß sie aufihm vor dem Abstürzen sicherer
seien; aber vielleicht gibt ihnen die große Oberfläche des Nestes
nur bequemere Gelegenheit, sich ihrer Gewohnheit gemäß in der
Ruhe eng zusammenzudrängen.
Wie wenig berechtigt es wäre, aus diesem einen Versuche all-
gemeine Schlüsse zu ziehen, lehrt folgende Tatsache. Derselbe
Versuch, über den soeben berichtet worden ist, wurde mit einer
zweiten Gesellschaft wiederholt. Ich trage über den ersten Versuch
hier noch nach, daß die Unterbrechung vom 9.—11. Mai nicht über-
sponnen wurde, und daß beide Gruppen, von denen die Nestgruppe
nur 7 Personen stark war, keinen Versuch machten, sich wieder
zu vereinigen. Die Unterbrechung der Straße hatte also in diesem
Falle zu einer langdauernden vollständigen Scheidung geführt.
Am 11. Mai schnitt ich 9V, Uhr morgens von dem Neste einen
schmalen Seidenstreifen ab und verband durch ihn die beiden
Enden der unterbrochenen Straße, indem ich das Seidenband an-
die Rinde andrückte. Diese Brücke wurde von den abwandernden
Raupen sofort betreten; aber nur eine überlief sie ganz, die anderen
kehrten auf ihr wieder um. Andere nestwärts laufende Raupen
betasteten die Brücke, betraten ihren Anfang, kehrten aber eben-
Soziologische Studien an Raupen. usw, 101
talls wieder um, als sei ihnen der Weg nicht geheuer. Eine der
neustrium-Gesellschaft beigegebene castrense-Raupe überlief allein
die Brücke und kehrte erst kurz vor deren anderem Ende um. Es
währte noch längere Zeit, bis die künstliche Brücke glatt über-
laufen wurde; aber der Übergang war, seitdem sie gelegt worden
war, nicht mehr, wie zuvor, absolut gesperrt.
Ich unterbrach nun die an einem Weißdornzweige dahinlaufende
Straße einer zweiten neustrium-Gesellschaft, und in diesem Falle
zeigten die Tiere ein ganz anderes Verhalten. Anfangs stutzten
auch sie an der Lücke; dann aber wurde diese bald von einigen
Raupen überwandert und übersponnen und jetzt wie zuvor ohne
jede Stockung von allen wandernden Raupen benutzt.
Dieses verschiedene Verhalten der Raupen zu erklären, ist
nicht leicht. Daß die Straße der ersten Gesellschaft anstieg, die
der zweiten wagerecht verlief, kann wohl zur Erklärung nichts
beitragen. Hatte die eine Gesellschaft Mitglieder, die über mehr
Initiative verfügten, weniger sklavisch an ihre Wege gebunden
waren und so der dummen Herde sofort die Straße wieder gangbar
machten ?
Isolierungsversuche mit sozialen Raupen.
Die Isolierungsversuche wurden vorgenommen, um zu er-
mitteln:
1. Ob die sozialen Raupen auch, aus ihrer Gesellschaft heraus-
gerissen, allein zu existieren vermögen, was sie nach dem
Erlöschen des sozialen Triebes ja alle können.
2. Ob nach länger dauernder Isolierung der soziale Instinkt
erlischt und dann die zu ihrer Gesellschaft zurückversetzte
Raupe sich dieser wieder anschließt oder nicht.
Am 7. Mai 1234 Uhr wurde eine Anzahl frisch gehäuteter
(1. Häutung!) M. neustrium-Raupen in folgender Weise behandelt:
Ich schnitt das besponnene Blattstück, auf dem das Tier saß, vor-
sichtig heraus und befestigte es an dem Blatte eines frischen
Triebes. Jeder Trieb mit je einer Raupe wurde in einen 11,50 x 8,50
x 4,50 cm großen Pappkasten mit Schleier- und Glasfenstern ge-
bracht und an das geöffnete Fenster oder auf den’ Balkon gestellt.
Am 9. Mai waren sämtliche Raupen eingegangen. Sie erwiesen sich
in diesem Alter als höchst unselbständig und ganz hilflos und
schienen unmittelbar nach der Häutung (normaler- oder ab-
normerweise ?) nicht spinnen zu können. Ich setzte sie, um dieses
Unvermögen einwandfrei festzustellen, auf eine Glasplatte, auf
deren glatter Fläche sie, ohne einen Seidenfaden zu produzieren,
vergebens Fuß zu fassen bemüht waren. Eine am 9. Mai auf die
Glasplatte gebrachte Raupe begann, anfangs unfähig sich anzu-
klammern, ‚sofort mit dem Bespinnen der glatten Unterlage und,
vermochte dann auch sich an ihrem Gewebe festzuhalten und sicher.
zu laufen, ohne beständig umzufallen. Sie bespann tastend und-
suchend einen kleinen Platz, auf dem sie mit der gewohnten Sicher-
10. Heft
102 P. Deegener:
heit umherlief und von dem sie nicht abfiel, wenn die Platte um-
gekehrt und mit einem Bleistifte so stark beklopft wurde, daß sie
laut klang.
An demselben Tage wurden 4 -5>mm lange gehäutete neusirium-
Raupen in derselben Weise isoliert, sorgfältig gepflegt und häufig
mit frischem Futter versehen. Sie berührten aber die Nahrung
nicht, ja verließen nicht einmal das Blattstückchen, mit dem sie
auf das frische Laub übertragen worden waren. Am 12. Mai waren
auch sie sämtlich eingegangen.
Am12. Mai abends 6 Uhr wurden wieder neue neustrium-Raupen
isoliert. Außerdem brachte ich in drei besondere Kästen jedesmal
zwei Raupen zusammen und sorgte dafür, daß die Paare gleichen
Geschlechtes wären.?) Die paarweise isolierten Raupen beliefen
und bespannen das ihnen dargereichte Futter und kehrten immer
wieder zueinander zurück. Ihr Verhalten war dem in der Gesell-
schaft ganz gleich. Sie fraßen und wuchsen normal.
Es ist gewiß recht auffallend, daß bisher alle isolierten Raupen
auf der Nahrung, ohne zu fressen, eingingen. Daraufhin könnte man
zu der Vermutung kommen, daß sie doch in höherem Grade von
der (resellschaft abhängig seien, als es den Anschein habe. Das
wäre um so überraschender, als doch jede Raupe alles kann, was
zur Erhaltung ihres Lebens nötig ist. Man sieht sie ja auch in der
Gesellschaft oft allein fressen oder ohne jeden Konnex mit ihren
Geschwistern allein an einem Blatte ruhen. Sollte hier etwas ähn-
liches im Spiele sein können wie bei den Ameisen, deren Arbeiter
®) In der Deutsch. Entomol. Zeitschr. (1919, p. 213) regt P. Schulze
dazu an, demselben Geschlechte angehörige Raupen aus verschiedenen
Nestern zusammenzubringen und deren Verhalten zu studieren. Dieser
Versuch kann nur den Sinn. haben, festzustellen, ob bei dem sozialen Connex
dieser Tiere sexuelle Momente mitwirken. Ich habe bei M. castrense, M.
neustrium und Phalera bucephala L. diese Versuche mit dem erwarteten
negativen Erfolge gemacht ; nieht, weil ich mir von ihnen etwas versproehen
hätte, sondern. nur um der erhaltenen Anregung stattzugeben und nicht
nur mit theoretischen Erwägungen die Vermutung abzuweisen, daß sexuelle
Affinität im Spiele sein könne. Träfe letzteres zu, so würde man zwar
begreifen, wenn sich um ein Weibchen mehrere Männchen oder um ein
Männchen mehrere Weibchen seharten, nicht aber, weshalb x Männchen
mat x Weibehen eine Gesellschaft bilden sollten. Der sexuellen Affinität
geschieht Genüge durch Vergesellschaftung mit einem oder mehreren Tieren
des anderen Geschlechtes. Schließen sich aber viele Weibehen und viele
Männchen zusammen, so ist, was sie verbindet, nicht mehr der Geschlechts-
trieb allein. Denn diese Gesellschaft geht in ihrer Zusammensetzung über
die Befriedigung bloßer sexueller Affinität schon hinaus, ist nicht mehr
nur, wenn überhaupt, Mittel zu deren Befriedigung. In der Tat ist denn
auch bei zwei Raupen oder bei einer ganzen Gesellschaft von Larven gleichen.
Geschlechtes das soziale Verhalten in nichts von dem solcher Gesellschaften
verschieden, die beide Geschlechter enthalten. Bei den ganz jungen Raupen
darf man ohnehin kaum schon eine sexuelle Wirkung der Tiere aufeinander
annehmen; und wenn sich diese bei den ältesten Raupen am kräftigsten.
bemerkbar machen müßte: warum zerstreuen dann gerade diese sich bei
denjenigen Arten, bei welchen der soziale Trieb nieht die ganze Larven-
periode beherrscht ? ;
Soziologische Studien an Raupen usw, 103
ohne Königin und ohne Brut vorzeitig sterben? Bevor man zu
dieser Annahme greift, die bei den Raupen doch wenig begründet
und recht gewagt erscheint, tut man wohl besser, folgendes zur
Erklärung heranzuziehen: auch von den Raupen, die ungestört
inihren Gesellschaften lebten, ging ein in manchen Fällen sehr hoher
Prozentsatz der Mitglieder vor, während und nach der ersten
Häutung aus mir unbekannten Ursachen zugrunde. Man darf viel-
leicht annehmen, daß die isolierten Raupen auch in ihrer Gesell-
schaft gestorben wären. Dafür sprechen auch die Ergebnisse fort-
gesetzter Isolierungsversuche.
Die am 12. Mai in Einzelhaft gebrachten Raupen hatten am
13. Mai morgens 8 Uhr noch nicht gefressen, liefen z. T. (suchend ?)
umher, gingen dabei auch auf die Zwingerwand über und benahmen
sich anders als die isolierten Paare. Es schien ihnen etwas zu ihrem
Wohlbefinden zu fehlen. Dennoch entschlossen sie sich noch im
Laufe des Vormittags zur Nahrungsaufnahme.
Auf einem Weißdornzweige waren zwei Raupen nach der
ersten Häutung zufällig zurückgeblieben, nachdem die übrige Ge-
sellschaft für andere Versuche transloziert worden war. Sie hatten
sich eng aneinander angeschlossen und tagelang zusammen gelebt,
als genüge ihnen die Gesellschaft einer Schwester. An demselben
Zweige wurden zwei Gelege von M. neustrium befestigt. Die aus
diesen ausgeschlüpften Räupchen wanderten ins Laub und schlossen
sich den beiden viel älteren Raupen dauernd an, die auch ihrerseits
stets die Gesellschaft der jungen Räupchen suchten, um mit ihnen
zu leben, als stammten sie aus demselben Gelege.
Am 13. Mai wurden einige castrense-Raupen unter denselben Be-
dingungen isoliert, wie für die neustrium-Raupen angegeben worden
ist. Sie zeigten sich wie die verwandte Art recht ungeschickt und
fielen z. Z. wiederholt von ihrer Futterpflanze (Euphorbia cypa-
rissias). An das gemeinsame Gespinst gewöhnt, das ihnen ein
festes Anklammern ermöglicht, sind sie natürlich auf unbesponnenen
Flächen zuerst unbeholfen. Auch sie verweigerten nach der Iso-
lierung anfangs (bis zum folgenden Tage) die Nahrungsaufnahme,
ein Verhalten, das bei paarweise isolierten Raupen dieser Art nicht
beobachtet wurde.
An den folgenden Tagen isolierte ich weitere neustrium- und
castrense-Raupen. Ihr Verhalten war immer dasselbe: anfänglich
Nahrungsverweigerung der in Einzelhaft befindlichen Tiere; mit
dem der übrigen Gesellschaft übereinstimmendes Benehmen der
isolierten Paare. Alle wurden sorgfältig gepflegt, stets mit frischem
Futter versorgt, der Sonne ausgesetzt, die beide Raupenarten sehr
lieben, usw. und gediehen genau so gut wie die Mitglieder der (Gre-
sellschaften, denen sie entnommen waren, wuchsen wie diese und
häuteten sich zu derselben Zeit. Alle isolierten Raupen blieben
jetzt nicht nur am Leben, sondern überstanden auch die Häu-
tungen, zu denen sich die Geschwister besonders eng zusammen-
zudrängen pflegen, allein ohne Schaden. Das beweist gegen die
10. Heft
104 P. Deegener:
früheren Versuche, daß jede dieser sozialen Raupen auch allein zu
leben vermag, wenn sie dazu gezwungen wird, daß sie der Mitwirkung
ihrer Geschwister nach keiner Richtung hin notw endig bedarf.
Am 29. Mai wurden die seit dem 12. Mai isoliert gehaltenen
neustrium-Paare rot gezeichnet und teils zu der eigenen, teils zu einer
fremden artgleichen Kinderfamilie gesetzt. Sie unterschieden sich _
in ihrem Verhalten durch nichts von den übrigen Raupen. Dieselbe
Erfahrung machte ich mit den castrense-Raupen. Ebenso wurden
die in Einzelhaft gewesenen neustrium- und castrense-Raupen zu
verschiedenen Völkchen zurückversetzt: fast alle schlossen sich
der Gesellschaft so an, als wären sie nie von ihr getrennt gewesen.
Demgegenüber war es wohl nur ein Zufall, daß eine der gezeichneten
neustrium-Raupen anfangs isoliert blieb, sich nicht sofort der Ge-
sellschaft anschloß, wohl aber deren Nest und Straßen belief. -
Die sozialen Instinkte der Raupen erlöschen also nicht bei der
Isolierung. Dasselbe zeigte sich auch dann, wenn die abgesonderten
Tiere noch länger von ihrer Gesellschaft getrennt geblieben waren.
Am 30. Juli morgens isolierte ich Raupen von Phalera buce-
phala und hielt jede bei guter Pflege in einem besonderen kleinen
Zwinger. Sie entwickelten sich durchaus normal und häuteten sich
zu denselben Zeiten wie ihre gleichaltrigen Geschwister in den
(resellschaften. Nach der Häutung wurde am 9. August eine der
isolierten Raupen, die 4,60 cm lang war, gezeichnet und zu ihrem
Völkchen zurückgesetzt. Der Anschluß erfolgte sofort. Als die
gezeichnete Raupe die Haare einer anderen berührte, schlug diese
mit dem Vorderleibe nach hinten; und nun ließ die gezeichnete
Raupe ein merkwürdiges Zucken ihres Körpers sehen, das den
ganzen Zweig, auf dem sie saß, erschütterte. Dieses wiederholte
Zucken wurde von anderen ferner und (während der Nahrungs-
aufnahme) isoliert sitzenden Raupen beantwortet, welche die Er-
schütterung des Zweiges gefühlt (und erkannt?) haben mußten.
Durch künstliche Erschütterungen des Zweiges war ich nicht im-
stande, solche Bewegungen bei den Raupen hervorzurufen. —
Die gezeichnete Raupe setzte sich schließlich, nachdem sie mit den
anderen das Zucken eingestellt hatte, so an eine stehengebliebene
Blattmittelrippe, daß sie in ganzer Länge mit einer dort ruhenden
Schwester in Fühlung geriet. Sie blieb weiterhin ebenso wie die
anderen nach 14 Tagen oder 3 Wochen zurückversetzten Raupen
mit den übrigen bis zur Verpuppung vergesellschaftet. Alle diese
On benahmen sich ebenfalls so, als wären sie niemals von der
Gesellschaft getrennt gewesen.
Mischung artgleicher, artverschiedener und gattungsverschiedener
Raupensympaedien.
\Venn Mischungsversuche artgleicher oder artverschiedener
Raupengesellschaften zu einwandfreien Ergebnissen führen sollen,
dürfen sie niemals im Zwinger vorgenommen werden; denn dort
haben die Tiere die unbedingt erforderliche Bewegungsfreiheit
m Ze
Soziologische Studien an Raupen usw. 105
nicht. Lassen sich die Versuche nicht im Freien ausführen, so
müssen doch die Futterpflanzen ganz frei im Arbeitsraume stehen
und es den Tieren jederzeit gestatten, nach beliebigen Richtungen
fortzuwandern; und Zweige oder Pflanzen müssen stets in frischem
Zustande so reichlich zur Verfügung stehen, daß der Hunger nicht
Gesellschaften zusammenzwingen kann, die ohne Zwang niemals
entstehen würden. Berichte über kombinierte Gesellschaften, die
ohne Berücksichtigung dieser selbstverständlichen Forderungen
entstanden sind, haben keinen Wert.
Ich habe die Raupen von M. neustrium in jeder noch sozialen
Altersstufe miteinander vermischt, immer mit demselben Ergeb-
nisse: die eben dem Ei entschlüpften Räupchen mischen sich ohne
weiteres mit denen aus einem zweiten, dritten und vierten (relege,
wie sich Sympaedien jedes Alters, wobei 2 -6 Gesellschaften kom-
biniert wurden, zu einer einheitlichen Sekundärgenossenschaft
zusammenschließen, ohne daß zwischen Geschw istern und fremden
Raupen ein Unter schied gemacht würde.
Aber nicht nur Sympaedien gleich- oder nahezu gleichaltriger
IXaupen mischen sich. Der Altersunterschied spielt so gut wie gar
keine Rolle, und die jüngsten Raupen schließen sich mit den ältesten,
die man gerade zur Verfügung hat, ohne irgendwelche Schwierig-
keiten zusammen. In solchen Sekundärgesellschaften zweier oder
dreier ungleichaltriger Kindervölkchen bilden die gleichaltrigen
Geschwister nicht etwa enger verbundene Gruppen; vielmehr
bleiben alle regellos durcheinandergemischt, und nur zur Häutung
finden sich natürlich die gleichaltrigen Tiere familienrein zu-
sammen. Werden ältere Raupen zu jüngeren gesetzt, so nehmen
sie deren (rewebe sofort an und umgekehrt. Wie die Kombination
auch ausgeführt werde, immer entsteht eine vollkommen einheit-
liche, zusammenhängende und in sich nicht gegliederte Gesellschaft,
die nur durch ihre Zusammensetzung von dem Primärsy mpaedium
verschieden ist.
Die in den Mischgesellschaften natürlich zu verschiedenen Zeiten
stattfindenden Häutungen bedingen keinerlei Störungen. Die ge-
rade häutungsreifen Tiere ziehen sich jedesmal in das Nest zurück,
um hier, ganz ungestört von derübrigen Gesellschaft, ihre Cuticula
abzuwerfen und sich nachher wieder unter die anderen Raupen
zu mischen, als wäre der ungleichzeitige Eintritt in die Häutungs-
periode für die Gesellschaft normal. Wenn den kombinierten neue,
dem Freileben entnommene Kinderfamilien oder einzelne Raupen
hinzugefügt werden, findet der Anschluß in derselben Weise statt;
kurz, jede versuchte Mischung der artgleichen Sympaedien von
M. neustrium gelang.
Ich habe durch Versuche des Jahres 1918 nachgewiesen, daß
auch die Sympaedien von M. castrense sich ohne Mühe kombinieren
lassen (Sitzgsber. Ges. Nat. Frde. Berlin 1919, Nr. 1. — Deutsche
Entomol. Zeitschr. 1919, I, p. 70). Einige andere, die früheren be-
stätigende Versuche mögen an dieser Stelle noch mitgeteilt sein.
10. ITeft
106 P. Deegener:
Bei dem Bestreben, die Raupen des Wolfsmilchspinners an
Eiche zu gewöhnen, sah ich gelegentlich die Mitglieder eines Sym-
paediums 1 von Wolfsmilch an der diese enthaltenden Vase ab-
wärts und auf das Fensterbrett, von dort auf eine benachbarte
hohe Vase, die einen Eichenzweig mit einer castrense-Gesellschaft 2
trug, überwandern. Dabei stießen sie zum Teil auf die Mitglieder
der Gesellschaft 2. Ich ließ die Seidenverbindung zwischen Eiche
und Wolfsmilch absichtlich bestehen, um zu sehen, ob sich die
beiden Völkchen freiwillig dauernd miteinander verbinden würden.
Die castrense 1 mischten sich größtenteils mit den castrense 2, die
sie ruhend angetroffen hatten, und kamen bei diesen selbst zur Ruhe.
Die Gesellschaft 2 reagierte auf diesen Zuwachs überhaupt nicht
und wurde schließlich von der sehr volkreichen Gesellschaft 1 fast
ganz bedeckt und rings umschlossen.
In dieser Weise mögen gelegentlich auch im Freien kombinierte
Gresellschaften ungleich- oder gleichaltriger Raupen entstehen, die
man da, wo die Tiere sehr häufig sind, nieht selten antrifft.
Die Zuwanderung der Familie 1 nahm längere Zeit in An-
spruch. Etwa 12 zu ihr gehörige Nachzügler befanden sich noch
in ihrem Neste auf der Wolfsmilch und liefen unruhig und ohne
Fühlung miteinander umher. Zwischen der größeren Gruppe der
auf die Vase und Eiche übergegangenen Raupen einerseits und den
Nachzüglern auf der Wolfsmilch andererseits fand ein lebhaftes
Hin- und Herwandern statt. Dabei zeigten sich vorübergehend auf
dem Wolfsmilchneste 30-40 Raupen. An der Seidenbrücke, die
vom Fensterbrette zur Wolfsmilch führte, kehrten viele rück-
wandernde Raupen um, und es entstand auf dem Fensterbrette
eine Kreisbewegung im Gänsemarsche wandernder Raupen. Nach-
dem Mittags gegen 1 Uhr die Wanderung der Gesellschaft 1 be-
gonnen hatte, kamen die Tiere erst 6", Uhr mit dem Völkchen 2
zur Ruhe und bildeten jetzt auf dem Eichenzweige eine regellos
gemischte sehr volkreiche Gesellschaft, die endgültig bestehen
blieb.
Um zu prüfen, ob sich diese beiden Gesellschaften bei einer
Wanderung wieder sondern würden, setzte ich sie am folgenden
Morgen 7!, Uhr im Zimmer auf den Fußboden. 74° Uhr hatten
sich zwei Wanderzüge in Richtung auf das Fenster gebildet
(ef. Skizze 1), die einander nahezu parallel liefen. Die Kolonne b
gabelte sich in die beiden Kolonnen b, und b,. Alle Raupen liefen
anfangs in derselben Richtung, ohne daß eine umgekehrt wäre.
Dann aber wurde zuerst die Kolonne b, rückläufig, als die Spitze
der Kolonne a die Spitze der Kolonne b, um 20 cm überflügelt
hatte. Darauf stockte die Spitze von b, und auch die Raupen
dieser Kolonne wurden z. T. rückläufig. Inzwischen hatte die
Kolonne a bis 8 Uhr 87 cm zurückgelegt und war zu einer dorthin
gelegten Glasplatte gekommen, an der sie ins Stocken geriet. Die
Raupen zeigten sich also hier wie ja auch im Freien von ihrer -
Unterlage abhängig. Die Spitze massierte sich zu einem ansehn-
Soziologische Studien an Raupen usw. 107
lichen Haufen, von dem aus eine teilweise rückläufige Bewegung
gegen den Ausgangspunkt hin einsetzte. Die Kolonne b, wurde
jetzt deutlich als Nebenkolonne vl
kenntlich; ihre Raupen kehrten
zum Ausgangspunkte (den Resten
ihres Nestes) zurück und wander-
ten von dort aus auf der Straße a
der Hauptkolonne im Gänse-
marschenordwärts. Inder Haupt-
kolonne nahm dann die rück-
läufige Bewegung zu, wurde aber
zu keiner Zeitallgemein. Die lang-
sam schwächer werdende Spitze
stockte 8", Uhr noch immer am
Südrande der Glasplatte bei s.
Durch zuwandernde Raupen der
Nebenkolonne b wurde aber
die Spitze der Hauptkolonne
wieder stärker, und die Tiere häuf-
ten sich 8!% Uhr am Rande der
Glasplatte. Dauernd blieb nur
der Spitzenteil der Hauptkolonne
am stärksten. Bis dahin waren
die Mitglieder beider Völkchen
regellos vermischt geblieben, doch
überwogen die älteren Raupen
vorn. Die Straßen der Nebenko-
lonnen waren bis auf 8 Raupen
verlassen worden; diese letzteren
befanden sich ohne Fühlung mit-
einander auf der Rückwanderung
zum Nestreste. -—— 81, Uhr ging
die erste Raupe auf die Glasplatte
über, kehrte aber sofort wieder
um, ohne daß ihr eine zweite
gefolgt wäre. Die rückläufige
Bewegung nahm wieder zu, die
Straße der Nebenkolonne b war
ganz, das Nest fast raupenfrei. £
m 5
Fig,
83” Uhr bevölkerte sich jedoch
das Nest durch zurückkehrende
Raupen der Hauptkolonne a
wieder. Da sich die Tiere bis ä
lei
834 Uhr nicht entschließen konn-
ten, die Glasplatte zu betreten,
nahm ich an, der starke Lichtreflex der Glasbruchkante
stehe mit ihrem Verhalten in ursächlichem Zusammenhange,
und vertauschte die Glasplatte mit einer anderen, ° deren
10. Heft
108 P. Deegener:
INanten mit Xylolruß überzogen worden waren. 8° Uhr strömten
die Raupen 3 4 nebeneinander wieder sehr eilig vom Neste weg,
die Mehrzahl auf der Straße der Hauptkolonne (a), einige wenige
auch auf der Straße b. Die Spitze der Kolonne a massierte sich
stark, drängte vorwärts, kam an die neue Glasplatte, stutzte und
ging wieder nicht auf sie über. Vielmehr begann eine starke rück-
läufige Bewegung, die aber wieder nicht allgemein wurde. Auch
die Raupen der Nebenkolonne b kehrten, ohne deren blinde
Zweigenden überschritten zu haben, im Gänsemarsche mit gegen-
seitiger Fühlung (Kopf an After) zum Neste zurück.
Ich legte nun statt der Glasplatte einen Bogen weißen Schreib-
papiers vor die augenblicklich nur am Orte in Bewegung befindliche
Spitze. 910 Uhr war das Nest von zurückgelaufenen Raupen der
Hauptkolonne abermals stark bevölkert und in ihm herrschte leb-
hafte Bewegung, während die Spitze zur Ruhe kam. Der Zustrom
zum Neste dauerte fort bis ein Drittel der ganzen Gesellschaft in
ihm versammelt war. Vom Neste aus wurde auch die vorher leere
Straße b wieder von einigen Raupen belaufen. Die Hauptstraße
war bisher niemals ganz verlassen gewesen, doch war die Fühlung
zwischen den Raupen oft unterbrochen. — 92° Uhr kam die Spitze .
wieder in Bewegung, und eine schmale Kolonne ging ohne weiteres
auf däs Papier. über und setzte die alte Wanderrichtung fort. An
der Spitze marschierten bald 4 Raupen nebeneinander, bald 2, 3
usw. unter ständigem Wechsel der Führenden.
Die Nordkante des 33 cm langen Papierbogens lag auf einer
Glasplatte (ohne berußte Kanten). Vor dem Papier bildete sich
eine Zweigkolonne c, die auf den Bogen übertrat. Die Haupt-
kolonne a war 928 Uhr am Vorderrande 1 des Papiers angelangt
und stockte hier. Etwa gleichzeitig wurde die Zweigkolonne c
rückläufig, und bei der Spitze bildete sich eine bald wieder um-
kehrende: Kolonne d. 913 Uhr gingen die Raupen der Spitze in
gespaltener Kolonne auf die Glasplatte über. Einer dieser Kolonnen:
zweige (f} wurde wieder rückläufig, der andere (a) ging langsam
weiter vor. Das Nest war jetzt völlig verlassen. Die Hauptmasse
der Kaupen befand sich auf dem Papier, z. T. als starke Zweig-
kolonne g,. 95° Uhr war die Spitze der Kolonne a 10 cm weit auf
der Glasplatte vorgerückt und kam zum Stehen. Fast die ganze
Bewegung auf der Straße a wurde rückläufig, aber zahlreiche
Raupen saßen still am Orte, und es kam zu keiner allgemeinen
Fortbewegung nach irgendeiner Richtung hin. Dann setzte ein
schneller und starker Zug nach dem Neste hin ein, an dem aber
nur die südliche Hälfte der Gesellschaft beteiligt war; das vorher
ganz verlassene Nest bevölkerte sich wieder; während in der einen
Nesthälfte lebhafte Bewegung herrschte, ruhten in der anderen die
Raupen zu einem Haufen zusammengedrängt. Die Straße b wurde
vom Neste aus wieder belaufen, aber auch diesmal nur von wenigen.
Raupen, die sie nicht fortsetzten. Im Gegensatze zu der vom Neste
unmittelbar abgehenden Straße b wurden die von den Straßen
Soziologische Studien an .Raupen usw. 109
selbst abgezweigten Nebenwege niemals wiederholt betreten, nach-
dem sie einmal verlassen worden waren.
Um 10“ Uhr waren nur 3.Raupen auf der Glasplatte, viele
aber im Neste, in welchem große Unruhe herrschte. 10% Uhr be-
gann der Wiederabmarsch aus dem Neste, als sich auf der Glas-
platte keine Raupe mehr befand. Diese saßen stark massiert bei h
und der ganze Weg vom Abzweigungspunkte c bis zum Neste war
von ihnen besetzt. Der Abwanderungsstrom vom Neste her war
10! Uhr sehr stark, die Raupen kamen in ihm nicht zur Ruhe
und liefen links um die bei h massierten Tiere herum, spalteten sich
und gingen auch rechts um den Haufen bei h, rissen aber dabei’
die ruhenden Tiere nicht mit fort, gingen vielmehr ohne sie auf den
Papierbogen und brachten die dort die Straße besetzt haltenden
Raupen in Bewegung. 10?° Uhr war das Nest fast leer. Auf dem
Papier herrschte lebhafte Bewegung; die Spitze ging auf die Glas-
platte über und folgte hierbei der Straße f.
Ich werde in anderem Zusammenhange (p. 140) auf diesen Ver-
such noch zurückkommen und seinen weiteren Verlauf mitteilen.
Er wurde an dieser Stelle so ausführlich beschrieben, um zugleich
eine Vorstellung davon zu geben, wie sich im Zimmer die Wande-
rung der Raupen gestaltet. In erster Linie aber interessiert uns
hier, daß die beiden Völkchen bei allen Bewegungen und Orts-
veränderungen fest miteinander verbunden blieben. Zwei neustrium-
Raupen, die von anderen Versuchen her noch bei den castrense
weilten, unterschieden sich in ihrem Verhalten nicht wesentlich
von ihren Verwandten.
Später fand dann eine reine Scheidung beider castrense-.
Völkchen statt, denn sie waren nicht gleich alt; daher gerieten sie
zu verschiedenen Zeiten in die Häutungsperiode, und während
dieser hatte sich die eine Familie in ihr Häutungsnest zurück-
gezogen, die andere ruhte oder suchte Nahrung im Laub.
Jetzt handelte es sich darum, artverschiedene Kindervölkchen
(innerhalb derselben Gattung zunächst) zu mischen. Am meisten
geeignet für diese Versuche erschienen mir ihrer sehr ähnlichen
Lebensweise wegen M. castrense und M. franconicum. Meine Be-
mühungen, diese letztere Art zu bekommen, waren nun leider erst
erfolgreich, als die /ranconicum-Raupen schon über das soziale
Alter hinaus waren. Ich mußte also für dieses Jahr auf die ge-
wünschte Kombination verzichten, werde sie aber hoffentlich im
nächsten Jahre versuchen können, weil ich mehrere Gelege von
M. franconicum besitze. Die Mischung von M. castrense und M
neustrium wurde aber durchgeführt, und die Erwartungen, die ich
an diese Versuche geknüpft hatte, daß bei der Verschiedenheit
der Lebensweise dieser beiden Arten eine Mischung nicht, sicher
nicht für die Dauer zustande kommen werde, wurden durch die
Tatsachen recht überraschend für mich berichtigt.
Zunächst setzte ich einzelne Raupen der einen Art zu einer
Gesellschaft der anderen Art, um ihr Verhalten zu studieren. Am
10. Heft
110 P. Deegener:
11. Mai brachte ich eine erst gestern aus dem Freien eingetragene
sastrense-Raupe zu einer am Laub sich sonnenden Gesellschaft von
M. neustrium. Die castrense-Raupe betastete die fremden Raupen,
lief, deren Straße folgend, zu einer zweiten Gruppe, die sich an
einer anderen Stelle in der Sonne gesammelt hatte, kehrte wieder
um, wanderte wiederholt zwischen beiden Gruppen hin und her
und versuchte, sich zwischen die fremden Raupen einzuschieben,
schien aber jedesmal, wenn ihr dies gelungen war, unbefriedigt
und suchte weiter, ohne sich zunächst endgültig an die neustrium-
Raupen anzuschließen. Diese verhielten sich gleichgültig. Ich
setzte dann dieselbe castrense-Raupe zu ihren Geschwistern zurück,
die sich geschlossen auf einer Glasplatte sonnten. Sie benahm
sich so, als erkenne sie sofort ihre Verwandten, schob sich zwischen
sie ein und kam sogleich zur Ruhe. Bemerkt sei übrigens, daß die
Raupen beider Arten nahezu gleichaltrig waren und nach über-
standener erster Häutung schon gefressen hatten. Beide sind
schon in diesem Entwicklungsstadium leicht voneinander zu unter-
scheiden. Die stärkere Behaarung kennzeichnet die castrense-'
Raupe augenfällig gegenüber der im ganzen dunkleren neustrium-
Raupe, und erstere hat einen graublauen, letztere einen schwarzen
Mittellängsstreifen des Rückens. Diese Merkmale — nicht die
einzigen — genügen zu einer absolut sicheren Unterscheidung.
Zu drei gleichaltrigen Kinderfamilien von M. neustrium wurde
je eine castrense-Raupe gesetzt. Letztere benutzten wohl die
Straßen der fremden Art, gingen auch nie über diese hinaus,
schlossen sich aber nicht an die neustrium-Raupen an, sondern wan-
derten unruhig umher; unruhig nicht aus Hunger, denn ihre Ge-
schwister saßen ruhig ohne Nahrung auf einer Glasplatte. Wurden
sie zu diesen zurückgebracht, so schlossen sie sich ihnen sofort an,
drängten sich zwischen sie und zeigten ihr gewöhnliches Verhalten,
das von dem Umherirren und Sich-sondern zwischen den Raupen
der neustrium-Gesellschaften auffallend abwich. Bei Wiederholungen
der Versuche zeigten die castrense-Raupen immer das gleiche Ver-
halten; doch kam es oft vor, ja war die Regel, daß sie, während ihre
(reschwister regungslos ruhten, über deren Rücken hinweg, auf den
ich sie hatte fallen lassen, zur Peripherie der Gesellschaft und auf
das von ihr auf der Glasplatte hergestellte Gewebe liefen, hier
einige Zeit isoliert umhertasteten, um dann zu der geschlossenen
Gruppe zurückzukehren und ihren ganzen Leib oder nur ihren
Vorderkörper zwischen je zwei Geschwister einzuschieben. In
dieser engen Fühlung mit ihresgleichen verfielen sie dann in den-
selben Ruhezustand.
Einer ruhenden castrense-Gesellschaft wurden 10 gleichaltrige
Raupen aus einem neustrium-Neste zugesetzt. Das Verhalten der
. neustrium zwischen den fremden Raupen war ganz andersals das der
castreuse zwischen den neustrium; denn die neustrium-Raupen ver-
rieten keine Unruhe, kein Bestreben, sich von castrense zu sondern.
Sie zerstreuten sich zwischen den Mitgliedern der artfremden
Se SE rn ET EN
Soziologische Studien an Raupen. usw. 111
Gesellschaft, behielten keine Fühlung untereinander, wohl aber
mit den castrense und handelten ganz so, als ob sie stets zu dem
fremden Kindervölkchen gehört hätten. Die castrense-Raupen
fühlten sich durch die fremden Eindringlinge nicht gestört und
duldeten sie ohne weiteres zwischen sich. Hier und da sah man in
der sich bewegenden und wieder zur Ruhe kommenden, sich zer-
streuenden und aufs engste wieder zusammenschließenden Masse
zwei oder drei neustrium-Raupen nebeneinander. Die übrigen aber
blieben von ihren Geschwistern getrennt zwischen den castrense
und mit diesen in engster Fühlung.
Am 25. Mai wurden ältere Raupen zu folgendem Versuche
benutzt: Ich setzte einige nicht an die Gesellschaft von castrense
gewöhnte (cf. unten!) neustrium-Raupen von 10 mm Länge zu einer
an Eiche fressenden castrense-Gesellschaft, deren Mitglieder höch-
stens 13 mm lang waren. Die castrense-Raupen wackelten in der
ihnen eigenen ‚‚nervösen‘ Art; aber diese Bewegung blieb lokali-
siert und dehnte sich nicht über die ganze geschlossen ruhende
Gesellschaft aus. Die neustrium-Raupen schoben sich zwar nicht
zwischen die fremden Raupen ein, vermutlich, weil sie schwächer
waren als diese, blieben aber nach einigem Umherlaufen bei ihnen,
wackelten mit ihnen und kamen dann sehr bald zur Ruhe. Bei
Wiederholungen dieses Versuches erhielt ich immer wieder das
gleiche Ergebnis. k
Eine castrense-Raupe von 12 mm Länge wurde zu einer kom-
- binierten Gesellschaft gesetzt, die aus mehreren artgleichen aber
verschiedenaltrigen neustrium-Sympaedien bestand. Sie lief vom
Neste und von der Gesellschaft fort, kehrte aber bald zurück und
versuchte, sich zwischen die fremden Raupen einzudrängen, um
schließlich in enger Fühlung mit ihnen zur Ruhe zu kommen. Nach
kurzer Zeit wurde sie wieder unruhig und suchte umher.
Nach wiederholten ähnlichen Versuchen gewann ich den Ein-
druck, als schließe sich M. neustrium leichter an M. castrense als
M. castrense an M. neustrium an. Das hängt vielleicht nur mit dem
lebhafteren Wesen der castrense-Raupen, dem trägeren, weniger
feinfühligen und ‚‚nervösen‘ Charakter der neustrium-Raupen zu-
sammen. Jedenfalls strebten aber doch auch die einzelnen castrense-
Raupen immer wieder nach einem Anschlusse an die fremden
Raupen, nach einer Vereinigung mit der größeren Gesellschaft;
und weiterhin wurde dieser Anschluß auch regelmäßig vollzogen,
und die castrense-Raupen fraßen dann an Eiche und ruhten zwi-
schen den fremden Raupen als hätten sie immer zu ihnen gehört.
Die neustrium-Raupen aber schlossen sich an die castrense-Gesell-
schaften, die an Eiche gewöhnt worden waren, von vornherein wie
an ihresgleichen an.
Von einer neustrium-Gesellschaft nahm ich ca. 70 Raupen, die
auf ihrem (Gewebe beisammensaßen, indem ich das Gewebe mit
einer Schere abschnitt, und legte sie 11 Uhr morgens ohne Futter
so auf eine Glasplatte zu einer ebenfalls aus etwa 70 Mitgliedern
10. Heft
112 P. Deegener:
bestehenden castrense-Gesellschaft, daß sie mitten auf den Raupen-
haufen zu liegen kam. Alle Tiere gerieten am Orte in lebhafte Be-
wegung und mischten sich dabei regellos miteinander. 114, Uhr
war das übertragene neustrıum-(Gewebe mit der Glasplatte fest ver-
sponnen. Die durch die Mischung aufgeregten Raupen begannen
eine Wanderkolonne zu bilden und sich gegen das Licht zu be-
wegen. Diese Kolonne bestand aus beiden Raupenarten, doch
überwog M. castrense. Die Glasplatte wurde nun umgedreht, und
die noch kurze Wanderkolonne flutete langsam in das ‚‚Nest‘
zurück, um an dessen anderer Seite, die jetzt heller beleuchtet war,
zwei Wanderkolonnen in Richtung nach dem Fenster zu bilden.
Beide Kolonnen enthielten wieder beide Raupenarten gemischt,
ohne daß irgendwo eine artreine Gruppierung zustande gekommen
oder von den Tieren angestrebt worden wäre. Die Hauptkolonne
drang bis zur Lichtkante der Glasplatte vor und stieß hier auf
einen Weißdornzweig und einige Wolfsmilchstauden, auf die sie
unter Ausbreitung nach rechts und links überging, während die
Zweigkolonne rückläufig wurde und sich vom ‚‚Neste‘‘ aus der
Hauptkolonne anschloß. Um 12 Uhr waren beide Raupenarten
auf beiden Pflanzenarten, fraßen aber noch nicht; erst 12Y\, Uhr
begann eine castrense-Raupe die W olfsmilchblüten zu en.
122° Uhr wurde das jetzt raupenfreie neustrium-Nest weggenommen.
Auf dem Gewebe der Glasplatte, das ursprünglich von M. castrense
hergestellt worden war, befanden sich 12% Uhr nur noch zwei
neustrium- und drei castrense-Raupen, auf der Seidenstraße der -
Hauptkolonne drei neustrium- und eine castrense-Raupe. Alleübrigen
saßen dicht beieinander auf den Pflanzen, ohne doch schon all-
gemein mit der Nahrungsaufnahme begonnen zu haben. Die Woltfs-
milch war weit stärker besetzt als der Weißdorn, auch von den
neustrium-Raupen, die hier natürlich nicht fraßen und auffallender-
weise am Weißdorn ganz fehlten. Einzelne Raupen beider Arten
wanderten zwischen den Pflanzen und der Neststelle hin und her.
Von 12° Uhr ab wurden jedoch nur noch neustrium-Raupen an der
Neststelle und auf der Straße bemerkt. Bis 1V, Uhr blieben dann
die Tiere gemischt nur auf Wolfsmilch, wo die castrense-Raupen
traßen. Nur eine neustrium-Raupe, die jedoch nicht fraß, war auf
dem Weißdornzweige zu finden.
Während dieser Vorgänge war deutlich zu bemerken, daß die
castrense-Raupen ganz selbständig, unbeeinflußt durch die neustrium
Raupen handelten. Letztere dagegen ließen sich durch die castrense-
Raupen mitreißen und schlossen sich ihnen freiwillig an. ö
Weiterhin breitete sich die gemischte Gesellschaft auch auf
ein Weißdornblatt aus; aber die neustrium-Raupen fraßen an diesem
erst viel später (2%, Uhr). Dabei sonderten sie sich wohl vorüber-
gehend von den castrense, gesellten sich ihnen aber nach der Sätti-
gung wieder zu. Die Gesellschaft zeigte also dauernd eine regel-
lose Mischung. Weißdorn und Wolfsmilch waren dann nahezu
gleichstark von beiden Raupenarten besetzt. Nachdem die nicht
Soziologische Studien an Raupen usw. 113
mehr. belaufene Glasplatte entfernt worden war, überwogen
34, Uhr die neustrium-Raupen auf dem-Weißdorn, die castrense auf
der Wolfsmilch erheblich. Beide Pflanzen waren von beiden Raupen-
arten mit einem gemeinsamen schleierartigen (rewebe übersponnen
worden. 3% Uhr saßen fast alle Raupen dicht gedrängt auf einem
Weihdemblatte Nur. am Rande überwogen. bei sonst regelloser
Mischung die hier fast artreinen neustrinm-Raupen. 355 Uhr waren
wieder alle Mitglieder der Gesellschaft gleichmäßig. durchmischt
und nirgends zeigte sich eine artliche Sonderung oder Gruppierung.
Abends nach Eintritt der Dämmerung sammelten sich die zuvor
von der Sonne beschienenen Tiere so, daß ein Teil der neustrium fast
artrein auf dem Weißdorn saß; aber zwischen den castrense, die
vorwiegend die Wolfsmilch besetzt hielten, befand sich noch min-
destens die Hälfte der neustrium-Gesellschaft. Vom Balkon ins
Zimmer gebracht, wurden die Tiere wieder unruhig und mischten
sich regellos.
. Am folgenden Tage morgens 8 Uhr waren beide Raupenarten
nach wie vor untermischt und regellos über ihr ziemlich umfang-
reiches Gewebe zerstreut. Nur an der Peripherie fand ich auf Weiß-
dorn eine fast artreine Gruppe von neustrium, die aber bei der stän-
digen Bewegung der Tiere auf dem G sespinste sehr bald wieder mit
den castrense zusammenfloß. Während meiner Abwesenheit bis
1 Uhr befanden sich die Raupen in einem geräumigen Zwinger.
Eine starke fast nur aus castrense bestehende Gruppe war auf dessen:
Glasfenster übergegangen; eine gemischte Gruppe befand sich am
Weißdorn und eine artreine neustrium-Gruppe dicht bei der letzteren
ebenfalls am Weißdorn. Weiterhin sonderten sich die Raupen fast
artrein: M. neustrium bildete eine ganz artreine Gruppe am. Weiß-
dorn, castrense fraß Blüten und Blätter von Wolfsmilch,, während
eine andere Gruppe an der Zwingerwand ruhte; in dieser letzteren
befanden sich noch einige neustrium-Raupen, ebenso einige auf der
Wolfsmilch zwischen den castrense-Raupen.
Bevor wir das Schicksal dieser Mischgesellschaft weiter. ver-
a sei noch folgender Bericht eingefügt: Am 13. Mai wurden
81, Uhr morgens zu einer neustrium-Gesellschaft zwei castrense-
Raupen gesetzt, welche schon an die Gesellschaft mit neustrium-
Raupen gewöhnt waren. Eine castrense-Raupe schob sich, nachdem
sie 5 Minuten umhergelaufen war, in eine Gruppe ruhender neu-
strium-Raupen ein und blieb dort einige Zeit sitzen, wurde dann aber
wieder unruhig und lief umher. Die andere castrense-Raupe überwan-
derte das Gewebe, ohne sich zunächst den neustrium anzuschließen.
Bis 91, Uhr machte sie wiederholte Versuche, sich zwischen die frem-
den Raupen einzudrängen oder auf deren Rücken zu setzen, kam aber
gleich ihrer Schwester nicht zur Ruhe, und beide suchten, während
sich die neustrium vollkommen ruhig verhielten, unruhig umher und
wanderten dabei immer auf den Geweben und Straßen der fremden
Art vorübergehend weit von den gesammelten neustrium weg. End-
lich wurden die beiden castrense-Raupen zu ihren Geschwistern
A es iur ir N; ” Ss i r
Archiv ne g 10. Heft
114 _P. Deegener:
zurückversetzt. Die erste ließ ich zwischen fressende castrense
fallen, um zu sehen, ob sich ihr bisheriges Verhalten auf Hunger
zurückführen lasse. Sie lief aber zwischen ihren Geschwistern
umher, ohne zu fressen. Die zweite setzte ich zu ruhenden
castrense-ıXaupen, an welche ee vier neustrium-Raupen angeschlos-
sen hatten, deren eine mitten zwischen den casirense-Raupen am
Glasfenster des Zwi ingers im Gewebe saß, während die drei anderen
peripherisch nahe beieinander waren, jedoch i in Bewegung am Orte.
Die castrense-Raupe wurde zwischen die drei neustrium-Raupen und
ihre Geschwister gesetzt, kam in Fühlung mit den letzteren sofort
zur Ruhe und saß dann gleich jenen unbeweglich ganz nahe der
Stelle, an die ich sie gebracht hatte.
Auch nach diesen Versuchen mit schon an neustrium gewöhnten
castrense-Raupen scheinen sich die castrense nicht den neustrium,
wohl aber die neustrium den castrense anzuschließen, wobei sie von
der letzteren Art ohne weiteres geduldet werden. Die neustriun:-
Raupen machen zwischen den castrense- und den Raupen der
eigenen Art überhaupt keinen Unterschied.
Kehren wir nun zu der Mischgesellschaft zurück! Sie wurde
aus dem Zwinger genommen und fortab in voller Freiheit weiter-
beobachtet. Abends 7 Uhr waren die neustrium großenteils als art-
reine Gruppe auf Weißdorn versammelt, aber nicht eng geschlossen.
Zwischen den castrense befanden sich noch immer einige neustrium.
Auffallenderweise stellten von jetzt ab die neustrium-Raupen die
Nahrungsaufnahme ganz ein, ohne daß sonst Anzeichen der bevor-
stehenden Häutung in die Erscheinung getreten wären. Sie küm-
merten, gingen in der Größe zurück und wurden mit den castrense-
Raupen auf frische Weißdorntriebe und Wolfsmilch übertragen.
Am folgenden Tage befanden sich die castrense-Raupen durchweg
auf Wolfsmilch; zwischen ihnen sah man nur noch wenige neustrium,.
Diese enthielten sich auch auf dem frischen Futter der Nahrungs-
aufnahme, waren größtenteils von den castrense gesondert und
saßen träge am (rewebe und zerstreut auf den Blättern. Sie folgten
der castrense-Gesellschaft nicht mehr, woraus sich ihre Absonde-
rung erklärt. Die zw'schen den castrense verbliebenen neustrium
waren durchweg kräftigere und noch bewegliche Tiere; die anderen
aber machten den Eindruck von Todeskandidaten und begannen
am folgenden Tage von den Futterpflanzen und dem (Gewebe
herabzufallen. Die noch wanderfähigen hatten sich, vorher ziem-
lich isoliert, bis 1 Uhr den castrense wieder angeschlossen und saßen
zwischen ihnen auf W eißdorn, fraßen aber nicht.
Um festzustellen, ob die neustrium-Raupen auch in diesem Zu-
stande noch die Ortsbewegungen der castrense-Gesellschaft mit-
machen würden, veranlaßte ich die Raupen in ihrer Gesamtheit
zum Wandern. Als Bahn bot ich ihnen eine 39 cm lange, 1415 cm
breite Glasplatte, an die sich ein kleiner Holztisch anschloß.
Dessen Platte war 251, cm lang, 201% cm breit und trug 7 cm von
ihrer einen Kante entfernt ein 6!» cm hohes senkrechtes Holzbrett-
Soziologische Studien an Raupen usw. 115
chen, dessen Fußkante sich an die Tischchenplatte dicht anschloß
und diese jederseits um 21, cm überragte (vgl. Skizze 2). 31, Uhr
setzte ich die gemischte Gesellschaft mit Teilen ihres Gewebes auf
die Glasplatte. Diese Störung rief zunächst eine lebhafte Bewegung
am Orte hervor, aber nur eine castrense-Raupe entschloß sich
gleich, lichtwärts zu wandern. Das Licht fiel durch das' Nord-
fenster des Arbeitsraumes auf die Tiere. — Auf der von der ersten
Raupe hinterlassenen Seidenspur folgten bald zwei andere castrense,
diesen wieder zwei, alle aber noch mit Abstand voneinander, nicht
als Kolonne mit gegenseitiger Fühlung. Bald aber schlossen die
Wanderer unter Hinzutritt weiterer Raupen auf, und es entstand
eine 2-3 Personen breite Wanderkolonne, in welcher auf dem
Rücken einer castrense auch eine neustrium-Raupe dahergeritten
kam. Innerhalb der Kolonne aber, die bei Laboratoriumsversuchen
nie so schön in Fluß kommt und nie ganz das Bild gibt wie im Freien,
kehrten an verschiedenen Stellen stets einige Raupen um und
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—.
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7 2
Fig. 2.
wanderten zum ‚‚Neste‘‘ zurück, während andere die so ent-
standenen Lücken ausfüllten. Die allein vorauslaufende Raupe,
die vor der geschlossenen Kolonne einen Vorsprung von 3 cm hatte,
kehrte um, verband sich mit der Kolonnenspitze, die daraufhin
ins Stocken geriet; einige Spitzenraupen kehrten mit ihr um, die
Kolonne aber zog lichtwärts weiter. Die Fühlung in ihr zerriß
wiederholt nahe ihrem Ausgangspunkte, wurde jedoch immer
wieder hergestellt. Nun entschlossen sich wieder plötzlich und
ohne erkennbare äußere Veranlassung die Spitzenraupen zur Um-
kehr, und andere übernahmen statt ihrer die Führung. Niemals
blieben dauernd alle Mitglieder der Kolonne im Fortschreiten,
vielmehr wanderte ein bald größerer, bald kleinerer Teil lichtwärts,
ein entsprechender anderer Teil in entgegengesetzter Richtung.
Im»ganzen schritt der Zug recht langsam vorwärts, weit langsamer
als es im Sonnenscheine in der Natur beobachtet wurde. 3° Uhr
hatte er nicht mehr als 10 cm.zurückgelegt. In dem Zuge befanden
sich auch zwei neustrium-Raupen, die, obwohl sie viel träger waren;
S* 10. Ileft
116 P. Deegener:
sich doch wesentlich ebenso verhielten wie die castrense. -Die
Spitzenraupen wechselten weiterhin ständig und wurden durch
andere, niemals aber durch neustrium-Raupen ersetzt. Dabei führten
1-—4 Tiere nebeneinander. Unter ständigem Spinnen und Tasten
schritt dann der Wanderzug wieder schneller vorwärts und hatte
vorübergehend vorn die größte Breite, spitzte sich aber immer
wieder derart zu, daß zeitweise nur eine Raupe die Führung hatte,
die dann bisweilen die Spitze um einen bis zwei Zentimeter über-
lief. Um 4 Uhr war die Kolonne 18 cm lang, in ihrer vorderen
Hälfte 3--4 Raupen breit, während die Tiere der hinteren Hälfte
im Gänsemarsche oder zwei ‚Mann‘ breit marschierten. Nirgends
zeigte der Zug eine Unterbrechung.
An der Holzplatte des Tischchens angekommen, bildeten die
Spitzenraupen ein Knäuel. Die einen stiegen auf die Rücken ihrer
Kameraden und überspannen von dort aus die einige Millimeter
hohe Stufe, die das Tischbrettchen mit der ihm untergeschobenen
Glasplatte bildete. Über die so hergestellte, der Stufe nicht winklig
anliegende, sondern sie geradlinig überspannende Brücke folgten
dann deren Erbauern alle übrigen Raupen, bildeten aber 4%! Uhr
gleich jenseits der Seidenbrücke drei Zweigkolonnen. Als die Platte
des Tischchens leicht erschüttert wurde, hielt sofort die ganze
Wandergesellschaft. Die neustrium-Raupen blieben größtenteils
unterwegs und nicht fern vom Ausgangspunkte zurück.
Als sich nach der vorübergehenden Störung der Zug wieder
in Bewegung setzte (41% Uhr), wurde die ‚mittlere zur Hauptkolonne,
die wie vorher an der Spitze wiederholt stockte und teilweise rück-
läufig wurde, ohne daß eine Ursache für das Verhalten ermittelt
werden konnte. 41! Uhr gelangte der Wanderzug an den Rand
des von dem senkrechten Brettchen auf die Tischchenplatte ge-
worfenen Schattens. Während der Halbschatten unbeachtet ge-
blieben war, kamen die Raupen hier zum Stehen und sammelten
sich an der Schattengrenze, waren aber dort nicht vollzählig ver-
sammelt, weil die immer wiederholte Rückkehr einiger Wanderer
deren eine größere Anzahl im ‚‚Neste‘“ zusammengeführt hatte.
An der Schattenkante verhielten sich nun die stutzenden Raupen
anfangs genau ebenso wie an der Stufe vor der Glasplatte zum
Tischehen: die führenden Raupen stiegen ihren stillsitzenden
Kameraden auf den Rücken und suchten das schattenwerfende |
Hindernis zu überbrücken. Das konnte natürlich in diesem Falle
nicht gelingen, so sehr sich die Tiere auch bemühten, indem sie
tastend den wohl vermuteten Körper zu erreichen suchten. Da sich:
das zuvor bei der Stufe erfolgreiche Manöver hier als unausführbar
erwies, entschlossen sich die Raupen nach längeren immer 'wieder-
holten vergeblichen Versuchen von ihrer bisher eingehaltenen Zug-:
richtung nach Osten abzubiegen. Der Schatten wurde von keiner
Raupe betreten. Die Frequenz im ‚Neste‘“ wechselte inzwischen.
beständig, weil immer wieder Raupen von der Spitze zurückkehrten.'
Auf der Straße sah man sie in Gruppen oder einzeln nach beiden’
Soziologische Studien an Raupen usw. 117
Richtungen laufen, ohne daß die einander. begegnenden sich
wechselseitig beeinflußt hätten. Nie sah ich hierbei ein Tier auf
die blind endigenden Straßen der Nebenkolonnen geraten, als
wüßten sie diese von der Hauptstraße genau zu unterscheiden.
4" Uhr erreichten die zögernd vorgehenden Spitzenraupen
die Ostkante der Tischchenplatte. Von der jetzt am Rande des
Schattens mitten auf der Tischchenplatte sitzenden Hauptmasse
ging dann eine zweite Kolonne nach Westen ab, wurde vorüber-
gehend weit stärker als die Ostkolonne, betrat aber ebenfalls den
Schatten nicht, sondern hielt sich dicht an dessen-Rande und kam
4°° Uhr am Westrande des Tischchens an. Hier stutzten die Raupen,
tasteten in der Luft umher, kehrten um, liefen wieder zur West-
kante und pendelten so einige Zeit unschlüssig hin und her, bis sich
die Mehrzahl bei k sammelte. Von den neustrium-Raupen saßen um
diese Zeit (51° Uhr) 10 Stück im ‚‚Neste‘, drei Stück auf der Straße.
Zwei castrense zogen 5" Uhr im Gänsemarsche westwärts, ver-
ließen aber nach kurzem Aufenthalte das Nest wieder im Gränse-
marsche, um der Straße zum Gros folgend, dieses, das jetzt voll-
kommen geschlossen bei k ruhte, 51% Uhr zu erreichen :und sich
zwischen die Geschwister einzuschieben.
Wir sahen, daß bei den Wanderungen vom Neste zur Spitze
und zurück alle Raupen regelmäßig nur die Hauptstraße, also den
nächsten ‚Weg benutzten und niemals auf die Seitenstraßen ge-
rieten. Um festzustellen, ob ein Unterschied im Gewebe der Wege
dies Verhalten ermögliche, wurden die Seidenstraßen genau unter-
sucht. Sie bestanden aus einem unregelmäßigen Maschenwerke
einander kreuzender längs, quer und schief zur Wanderrichtung
angeordneter Fäden. Dieselbe Beschaffenheit zeigten auch die
blind auslaufenden Straßen der Nebenkolonnen. Auf der Haupt-
straße aber liefen, sich ungefähr in deren Mitte haltende, zahlreiche
gerade parallele Längsfäden dahin, die sich auch dem unbewaff-
neten Auge schon deutlich als dichtest gesponnener Straßenteil
erkennbar machten. Dieser axiale Straßenteil fehlte. überall auf
den Wegen der Zweigkolonnen. Er entstand dadurch, daß die vielen
der Spitze folgenden Raupen je einen gestreckten Seidenfaden auf
der Straße hinterließen, weil sie nicht unter Rechts- und Links-
bewegungen des Vorderkörpers, sondern stetig geradeaus liefen,
sobald sie eine hinlänglich besponnene Fläche unter ihren Füßen
fühlten. Da die Haupt- und Nebenstraßen so merklich verschieden
sind, können sie von den Raupen tastend unterschieden werden,
und man versteht, daß diese nie auf eine Seitenstraße geraten.
Erst gegen Abend aber noch vor Sonnenuntergang entschlossen
sich die Raupen trotz ihrer Abneigung gegen den Schatten diesen
zu betreten und, dem Wege der Ostkolonne folgend, unter dem
überstehenden senkrechten Brettchen hinweg bis zur Ecke an der
Tischchenplatte vorzudringen. Dort kamen sie über Nacht an der
oberen und unteren Fläche dicht gedrängt zur Ruhe und gingen
am nächsten Morgen von dort aus auf dieihnen gebotene Nahrung
10. Heft
118 P. Deegener:
über. Ein Zurückwandern zum Ausgangspunkte wurde von jetzt
ab nicht mehr beobachtet.
Ich habe diesen Versuch, der zwei Fragen zu beantworten
bestimmt war, hier vollständig mitgeteilt und werde weiterhin
wieder an ihn anknüpfen müssen, sofern es sich um den Einfluß
des Lichtes auf die Wanderrichtung handelt. In diesem Zusammen-
hange aber interessiert uns nur das Verhalten der beiden gemischten
Raupenarten zueinander.
Anfangs war ich geneigt anzunehmen, das Kümmern der
ncustrium-Raupen sei auf eine ungünstige Beeinflussung durch die
castrense-Raupen zurückzuführen. Man konnte auch daran denken,
daß der Milchsaft der Euphorbien dem Wasser, in welchem auch
die Weißdornzweige steckten, eine Beschaffenheit gegeben habe,
welche das Weißdornlaub in einer für die Raupen unzuträglichen
Weise verändert hätte. Auf Grund weiterer Beobachtungen und
Versuche kam ich indessen zu der Meinung, daß die neustrium-
Raupen, als sie mit den castrense vereinigt wurden, kurz vor dem
Eintritt in die Häutungsperiode standen. Bei einer gleichaltrigen
neustrium-Familie ging gerade jetzt gegen Ende des mitgeteilten
Versuches die Häutung vor sich. Nun wurden die neustrium von den
lebhafteren castrense ständig mitgerissen und daran gehindert, sich
ein Gewebe zur Häutung herzustellen, in dem sie ungestört blieben.
Die Wiederkehr dieses mißlichen Umstandes mußte also in den
folgenden Versuchen vermieden werden. Bevor ich über diese
berichte, sei noch folgendes zur Charakteritik der beiden Raupen-
arten vorausgeschickt.
Temperament und Wesen beider Malacosoma-Arten zeigen
auffallende Unterschiede. M. castrense erscheint selbständiger, leb-
hafter, ihre Geselligkeit ausgeprägter, enger, geschlossener als bei
neustrium. Setzt man die Tiere, die beide Licht und Wärme sehr
lieben, der direkten Sonnenbestrahlung aus, deren sie zu ihrem
dauernden Wohlbefinden und Gedeihen unbedingt bedürfen, so
heben die neustrium-Raupen ihren Vorderleib empor und strecken
ihren glänzenden Kopf der Sonne entgegen; castrense tut dies nicht;
vielmehr sind, wenn diese Raupen im Schatten oder in der Sonne
ruhen, ihre Köpfe wohl alle tunlichst einander zugewendet aber
nicht erhoben, sondern so gegen die Unterlage geneigt, daß man
dıe meisten, vom Rücken her betrachtet, nicht sehen kann. Die
größere Lebhaftigkeit der castrense-Raupen zeigt sich auch bei der
Nahrungsaufnahme: sie fressen mit auffallender Eile, wenn sie
sie haben können nur Wolfsmilchblüten, während neustrium viel
bedächtiger nagt. Dies gilt im allgemeinen, schließt aber nicht aus,
daß die neustrium-Raupen bei hoher Temperatur und an weichen
Blättern auch einmal recht emsig, die castrense bei niederer Tempe-
ratur an harten Nährstoffen träge nagen. M. castrense ist für
Jastreize überaus empfindlich und läßt sich bei Erschütterungen
ihrer Nährpflanze im Zustande der Schreckstarre zur u-— fallen,
was neustrium niemals tut.
u a il nn nn dl a nn ui m u
Soziologische Studien an Raupen usw. 119
Am. 18. Mai wurde eine Gesellschaft von neusirium mit einer
solchen von castrense kombiniert. Beide waren Primärsympaedien,
ihre Mitglieder hatten soeben die Häutung überstanden, waren
gleichen Alters und annähernd von derselben Größe. Die castrense-
Raupen wurden mit Teilen ihres Gewebes auf die geschlossen im
Häutungsneste ruhenden neustrium-Raupen gelegt. Als Futter er-
hielten die Tiere zunächst nur Eiche.
Die castrense-Raupen waren anfangs sehr unruhig und sammel-
ten sich größtenteils artrein an einer Stelle des neustrium-Nestes zu
einem kompakten Haufen, aus dem sie wiederholt in Klumpen
abspannen. Sie wurden aber immer wieder auf das fremde Nest ge-
bracht; schließlich ließ ich sie jedoch gewähren. Die neustrium.
Raupen nahmen von den fremden Eindringlingen nicht die ge-
ringste Notiz, blieben ruhig auf ihrem Neste oder ließen sich bei
der Nahrungsaufnahme nicht stören. Die an ihren Fäden hängen-
den abspinnenden Raupentrauben der castrense zogen sich immer
wieder nach aufwärts gegen das fremde Nest hin zusammen, aber
sie blieben noch in sich geschlossen und nach Verlauf von 15 Mi-
nuten befand sich ihrer keine mehr zwischen den neustrium-Raupen,
Beide blieben einige Stunden lang artrein gesondert; neustrium fraß
oder ruhte, castrense bewegte sich in lebhafter Unruhe auf seiner
Nestecke. 12V, Uhr begaben sich die castrense auf die Wanderung
und mischten sich, als sie über das Nestgewebe liefen, mit dessen
rechtmäßigen Inhabern. Es kam dann weiterhin nicht zur Bildung
einer eigentlichen Wanderkolonne, weil der Konnex infolge der
ständigen Berührung mit den neustrium-Raupen (oder aus anderen
Ursachen ?) immer wieder zerriß. Dennoch schlossen sich die mei-
sten castrense am entgegengesetzten Nestende wieder zusammen,
wurden aber hier fortgesetzt mit neustrium-Raupen durchmischt,
die über die von castrense besetzt gehaltene Stelle hinweg zum
Fraße zogen. Zeitweise kam eine ziemlich bunte Mischung zu-
stande. Auch sah man jetzt einzelne casirense zwischen ruhenden
neustrium eingeschoben sitzen. Die meisten castrense blieben jedoch
in Bewegung und gingen auf ein noch unbesponnenes Eichblatt
über, an welchem einige neustrium zu fressen begonnen hatten. Bis
1 Uhr waren dann die meisten castrense mit neustrium gemischt zur
Ruhe gekommen. Einige beliefen mit neustrıum zusammen das
schon früher betretene Eichblatt, hielten sich aber doch im ganzen
mehr zu ihresgleichen. Wo die castrense zwischen den neustrium
ruhten, waren sie (zufällig?) stets mindestens mit einer Schwester
in unmittelbarer Fühlung; daher bildeten die castrense zwischen
den Raupen der anderen Art Gruppen von wenigstens zwei, öfter
aber von 3-—7 Stück. Bis 1%, Uhr blieb das Bild zwar im wesent-
lichen unverändert, verschob sich aber insofern etwas, als hier und
da auch eine castrense ganz ohne Fühlung mit einer Schwester
zwischen den fremden Raupen saß.
Um 21, Uhr machte sich bei den castrense-Raupen der Hunger
geltend. Be von ihnen waren mit den neustrium ins Laub ge-
10. Heit
120 P: Deegener:
wandert und fraßen hier an einem Eichblatte. Andere schlossen
sich an. Daß die castrense-Raupen Eichenlaub annahmen, war mir
überraschend, aber sehr willkommen. "Ich hatte zuvor Fütterungs-
versuche mit Birke gemacht, weil ich bei Eckstein (Die Schmetter-
linge Deutschlands, II. Bd., p. 60) die Angabe gefunden hatte,
Birkenaufschlag w erde von diesen Raupen angenommen. Bei mir
hatten sie aber vielleicht deshalb diese Nahrung verschmäht, weil
sie nur junges, weiches Birkenlaub fressen mögen. Da mir aus
naheliegenden Gründen sehr darum zu tun war, eine beiden Raupen-
arten gemeinsame Futterpflanze zu finden, kam mir das Verhalten
der castrense sehr zustatten. Daß übrigens die Annahme von
Eichenlaub für castrense, wenngleich für mich ganz unerwartet und
neu, schon bekannt sei, entnahm ich später aus der Notiz in Eck-
steins Forstlicher Zoologie (Berlin 1897, p. 487): „hat auch schon
Eichensaaten befallen‘. — Um sicher zu sein, daß castrense auch
ohne die Gesellschaft von neustrium Eichenlaub verzehre, ließ ich
ein Sy mpaedium dieser Art auf einen Eichentrieb überwandern,
wo die Raupen in der Tat das ihnen sonst fremde ‘Futter ohne
weiteres annahmen. Eine andere auf Eichenlaub gesetzte Gesell-
schaft zeigte ein Verhalten, das insofern erwähnt zu werden ver-
dient, als es zeigt, daß die den neustrium zugesellten castrense-Raupen
nicht durch die fremde Art zum Abspinnen in der beschriebenen
Weise veranlaßt wurden. Ich übertrug das Kindervölkchen auch
diesmal mit Teilen des eigenen Gewebes auf Eichenlaub: sie span-
nen gemeinsam in Klumpen ab und stellten dabei ein starkes Seil
her, das 16 cm lang senkrecht bis zum Fensterbrette herabhing
und an dem die castrense-Raupen lebhaft auf- und niederturnten.
Sie gingen zwar größtenteils auf das Fensterbrett über, bestiegen
aber später ihren Eichenzweig wieder unter Benutzung des Seiden-
seiles und nahmen dessen Blätter als Nahrung an. Auch (natürlich.
nicht eingezwingerte!) Raupen, denen Eiche neben Wolfsmilch
geboten wurde, fraßen beide Pflanzen. Eiche konnte also unbedenk-
lich als gemeinsame Nährpflanze für beide Raupenarten benutzt
werden. |
Kehren wir nun zu unserer Mischgesellschaft zurück! — Bei
einer späteren Kontrolle an demselben Tage waren die casirense
fast artrein gesondert, aber in Fühlung mit neustrium und an einem
Nestende in lebhafter Bewegung auf der Stelle; einige fraßen,
während neustrium geschlossen auf derübr igen Nestoberfläche ruhte.
Weiterhin umwanderten die castrense die Peripherie des ruhenden
neustrium-Haufens und störten dabei eine und die andere neustrıum-
Raupe auf; aber in der geschlössenen neustrium- Masse befand sich
keine castrense.
Am folgenden Tage (19. Mai) fand ich beide Arten noch mit-
einander assoziiert. Die castrense hielten mehr die Peripherie der
neustria-Ansammlung besetzt. Eine aus 9 Personen bestehende
reine castrense-Gruppe fraß 9°’ Uhr an einem Eichenblatte. Bis
1', Uhr konnte festgestellt werden, daß die castrense nach der
Soziologische Studien an Raupen usw. 121
Sättigung immer wieder'zu dem neustr ium-Neste zurückkehrten, sich
mit dessen rechtmäßigen Bewohnern mischten, peripherisch zwi-
schenihnen saßen und über ihren Rücken hinw egliefen. Die neustrium
hielten sich ihrer Gewohnheit gemäß sehr dicht gedrängt und nach
Möglichkeit konzentrisch so angeordnet, daß sie alle den Kopf
dem Zentrum der Versammlung zuwendeten. Ebenso verhielten
sich die peripherisch angeordneten castrense-Raupen. Am Abend
aber fand ich beide Raupenarten regellos untermischt; beide
fraßen auch gemischt Kopf an Kopf Eichenlaub. Nie gingen alle
Raupen gleichzeitig zum Fraße, verhielten sich also wie die Raupen
von Euproctis chrysorrhoea und vermieden so eine gegenseitige
Behinderung bei der Nahrungsaufnahme. Die neustrium-Raupen
führten in der Gesellschaft oft mit dem Hinterleibsende eine
schlagende Bewegung aus ähnlich der bekannten Wackelbewegung,
die von beiden Raupenarten mit dem Vorderleibe gemacht wird.
Die neustrium-Raupen saßen so fest auf ihren Greweben, daß sie
durch Klopfen und Schütteln nicht herabgeschleudert werden
konnten; castrense fiel dagegen bei. solchen Manipulationen leicht
herab, durch die sich also gemischte (Gresellschaften bequem wieder
artrein sondern lassen. Dieses verschiedene Verhalten hat natür-
lich seine Bedeutung und ist nicht ohne biologischen Wert. M: neu-
strium würde als Baumbewohner, von den Zweigen zu Boden ge-
fallen, einen sehr weiten Weg zur ‚Nahrung zurücklegen müssen;
castrense kann sich ohne Nachteil von ihren er Futter-
pflanzen auf die Erde fallen lassen.
Am26. Mai machte ich einen Versuch mit der ee lieh
der einmal die Festigkeit ihres Zusammenhaltes prüfen und ferner
Aufschluß darüber geben sollte, ob die Raupen, um nach der Zer-
streuung einander: wiederzufinden, des Gesichtssinnes bedürfen.
Über ähnliche Versuche wird in anderem Zusammenhange noch
berichtet werden; und dort werden die Versuchsbedingungen genau
angegeben werden. Hier genügen folgende an anderer Stelle zu
ergänzende Daten.
Ein großer Teil der Mischgesellschaft wurde morgens (92° Uhr)
in einem lichtdichten Dunkelkasten zerstreut. Alle Raupen waren
ohne Fühlung miteinander und möglichst weit voneinander ent-
fernt. Natürlich befand sich in diesem Dunkelraume kein Futter.
Der Kasten wurde geschlossen und 10?’ Uhr zur ersten Kontrolle
geöffnet. Diese verhältnismäßig kurze Zeit hatte den Tieren ge-
nügt, sich in der absoluten Dunkelheit zu drei geschlossenen Ge-
sellschaften zusammenzufinden. : Isoliert waren nur noch 7 castrense
und eine neustrium. In allen drei Gruppen waren beide Raupen-
arten regellos vermischt und die Tiere saßen dicht gedrängt bei-
sammen. Die erste Gruppe enthielt 13 neustrium, 12 castrense;.die
zweite 17 neustrium, 12 castrense; die dritte 24 neustrium, 13 castrense.
Der Rest der Mischgesellschaft, der zuvor-auf dem Neste be-
lassen worden war, wurde mit dem Gewebe (nach sorgfältiger Ent-
fernung aller Blätter aus ihm) in denselben Dunkelkasten gelegt
10, Heft
122 P. Deegener:
und dieser 10'° Uhr wieder geschlossen. 25% Uhr hatte sich eine
der drei Gruppen zu der auf dem Gewebe befindlichen Gruppe
gesellt. Die beiden anderen Gruppen hatten den Ort gewechselt,
sich aber nicht miteinander vereinigt, und ruhten geschlossen:
Keine Raupe war noch isoliert.
Der Dunkelkammerversuch, der um 4° Uhr abgebrochen
werden mußte, lehrt, daß 1. die zerstreuten Raupen der Misch-
gesellschaft sich nicht artrein sammeln; 2. daß die hier benutzten
Raupen, um einander zu finden des Lichtes nicht bedürfen (darüber
an anderer Stelle mehr.)
Ich brachte dieselbe Mischgesellschaft, von der bisher die
Rede war, mit einem an Eiche gewöhnten reinen castrense Sym-
paedium zusammen, um zu sehen, wie sich die Gesellschaft bei
zahlenmäßigem Ü berwiegen dieser letzteren Art verhalten werde,
nachdem bisher neustrium in der Überzahl gewesen war. Die Raupen
des neu hinzugefügten castrense- Völkchens waren so groß wie die
neustrium und größer als die mit diesen bisher vermischt gewesenen
castrense-Raupen. Die Kombination erfolgte ohne jede Störung.
In der Sonne bildeten die drei Sympaedien eine überaus dicht
gedrängte Gesellschaft. Da jede hinzukommende Raupe das Be-
streben hat, sich für das Sonnenbad möglichst in den dichtesten
Haufen einzubohren, wobei sie oft längere Zeit tastend den Ort
des geringsten Widerstandes zu ermitteln sucht, kommt jene kon-
zentrische Anordnung der Tiere zustande, bei welcher alle ihre
Köpfe dem Mittelpunkte der Gesellschaft zuwenden. Wenn zuvor
in der aus nur zwei Sympaedien zusammengesetzten Mischgesell-
schaft stets die castrense vorwiegend peripherisch saßen, so hing
dies wohl ohne Zweifel damit zusammen, daß sie kleiner und
schwächer waren als die neustrium, denen es daher immer gelang,
jene auseinanderzudrängen und sich die mittleren Sitze zu erobern.
Die jetzt neu hinzugekommenen castrense waren aber ebenso groß
und stark wie die neustrium und saßen deshalb regellos mit dieser
durchmischt. Man sollte erwarten, eine ähnliche Gruppierung bei
den Mischgesellschaften aus verschiedenaltrigen artreinen neustrium-
Sympaedien zu finden; aber hier saßen die größeren Raupen regel-
mäßig auf dem Rücken der kleineren wie die Henne auf ihren
‚Küchlein.
Am 21. Mai geriet ein castrense-Sympaedium der Mischgesell- °
schaft in den Häutungszustand. Die Raupen begaben sich größten-
teils ihrer Gewohnheit gemäß in das Nestinnere, fertigten aber
nicht, wie es sonst vor jeder Häutung dieser Wanderraupen ge-
schieht, ein neues Häutungsnest an, sondern vergrößerten nur das
alte neustrium-Häutungsnest etwas. Die nicht im Häutungszustande
befindlichen castrense blieben mit neustrium regellos gemischt.
Am 22. Mai wurde bei den neustrium der Mischgesellschaft zum
ersten Male jene energische Wackelbewegung des Vorderleibes,
die castrense so häufig ausführt, beobachtet, als sie morgens 9 Uhr
der Sonne ausgesetzt worden waren. Sie gerieten in eine ungeheure
Soziologische Studien an Raupen usw. 125
Aufregung, liefen lebhaft umher und wackelten fleißig. Letztere
Bewegung wurde alsbald auch von castrense aufgenommen, ja die
Gruppen, welche nicht in Fühlung miteinander standen, begannen
sie ebenfalls auszuführen. Wenn man das Ohr näher an diese
wackelnde Gesellschaft heranbrachte, hörte man deutlich ein
bürstendes Geräusch, das jedenfalls von der Reibung der Raupen-
körper an ihrem Gewebe herrührte. Das ganze Nest und alle von
ihm ausgehenden Fäden und Straßen erzitterten unter dieser Be-
wegung.
Am 23. Mai hatten sich auch die neustrium-Raupen der Misch-
gesellschaft größtenteils zur Häutung in das Nest zurückgezogen,
in welchem die castrense des einen Sympaediums schon seit dem
21. Mai saßen. Soweit es sich ohne Störung der Tiere feststellen
heß, befanden sich die beiden artverschiedenen Häutungsgesell-
schaften in gesonderten Innenräumen des gemeinsamen Nestes.
Die andere castrense-Gesellschaft saß im Laub und hätte jetzt
wieder ein artreines primäres Kindervölkchen gebildet, wenn sich
zwischen ihr nicht noch einige neustrium befunden hätten, die noch
nicht häutungsreif waren. |
Bis zum 25. Mai zeigte die Mischgesellschaft folgendes Bild:
Die neustrium-Raupen befanden sich in Häutung im Neste; ebendort.
aber gesondert von ihnen und in einem anderen Nestteile saßen
die Raupen des einen castrense-Sympaediums. Das zweite castrense-
Völkchen hielt sich nicht auf dem Neste, sondern dauernd auf den
Blättern und war somit familien- und artrein aus der Misch-
gesellschaft ausgeschieden. Dabei fällt auf, daß die castrense zuvor
stets nach dem Fressen und zur Ruhe mit den neustrium zusammen
das Nest aufsuchten, dieses jetzt aber mieden, wie sie ja in der
Freiheit nie zu ihrem Häutungsneste zurückkehren.*) Sie scheinen
also in Gesellschaft mit neustrium etwas von deren Sitten angenom-
men zu haben, um sofort zu ihrer alten Gewohnheit zurückzu-
kehren, sobald die Beeinflussung durch die andere Raupenart
ausgeschaltet worden ist.
4) In meiner Abwesenheit hatte einmal ein castrense-Völkchen seinen
Wolfsmilehstrauß kahl gefressen und war auf dem Fensterbrette 9 cın
weit westwärts gewandert. Als die Tiere an der senkrechten. Seitenwand
des Zimmerfensters emporstiegen, fing ich etwa die Hälfte der Gesellschaft
so ein, daß ich sie auf frische Wolfsmileh übergehen ließ. Dann wurde
der Strauß mit den Raupen unmittelbar neben das alte Gewebe (kein
Häutungsnest!) gestellt, von dem aus eine Seidenbrücke auf das Fenster-
brett führte. Die auf der Straße des Fensterbrettes befindliche Gesellschaft
sammelte sich nun bald auf dem alten Gewebe und der frischen Wolfs-
milch und vereinigte sich hier mit ihren anderen zuvor eingefangenen Mit-
gliedern. Diese Tatsache beweist, daß die Raupen auch in ihr altes Gewebe
zurückkehren können und dieses nicht unter allen Umständen. scheuen.
Allerdings handelte es sich in diesem Falle nicht um ein Häutungsnest;
und die Raupen handelten infolge eines Eingriffes. Sie scheinen die aus-
gesprochene Tendenz zu haben, immer dahin zu gehen, wo sie die meisten
von ihresgleiehen finden. Die “Straße war nach kurzer Zeit völlig
raupenfrei.
10. Heft
124 P. Deegener:
Am 25. Mai waren die neustrium früher als die castrense mit der
Häutung fertig und zeichneten sich jetzt gegenüber ihrem früheren
Aussehen durch graublaue Köpfe mit den ihnen eigenen schwarzen
Flecken aus, die. Augen vortäuschen können. Sie wanderten zu
den castrense aufs Laub, mischten sich sofort mit ihnen und alle
fraßen gemeinschaftlich. Einige neustrium zogen sich zur Ruhe auf
das Nest zurück und mit ihnen wanderten auch: wieder einige
castrense dorthin. Daß diese letzteren nicht frisch. gehäutete
Exemplare der Nestgesellschaft sein konnten, ließ sich leicht fest-
stellen, weil die langen Haare der neuen Cuticula noch nicht ge-
streckt sind und die Behaarung dann wollig oder gelockt erscheint
und die Köpfe noch :ein: helles und wachsartiges Aussehen haben.
4m Laufe des Tages wurden dann auch die castrense mit der Er-
neuerung ihrer Cuticula fertig, erschienen an.der Nestoberfläche
und mischten sich mit den übrigen Raupen. Nach der Häutung
war die Mischung beider Raupenarten schon eine ganz freiwillige,
nicht mehr wie früher wenigstens bis zu einem gewissen Grade
erzwungen. Ermutigt durch diese Resultate trat ich nunmehr an
die Prüfung der Frage heran, ob die Mischgesellschaft sich dauernd
mit einer gattungsfremden sozialen Raupe kombinieren lasse.
Eine 15 mm lange Goldafterraupe (Euproctis chrysorrhoea L.)
wurde mitten auf die ruhende Mischgesellschaft gesetzt. Sie be-
tastete die fremden Raupen, die sich nicht stören ließen und' un-
beweglich sitzen blieben, um dann vom Neste fort ins Laub zu
wandern und zu fressen; dabei benutzte sie die Seidenwege der
fremden Gesellschaft.
Am Nachmittage desselben Tages (25. Mai) hatte ich 8 er.
rhoea-Raupen an Blätter desselben Zweiges gesetzt, an dem die
Mischgesellschaft fraß, doch so, daß sie von den fremden Raupen
möglichst weit ‘entfernt waren. Zwei der gesättigten. Goldafter-
raupen begaben sich auf das Nest und saßen dort friedlich zusammen-
gedrängt mit drei neustrium-Raupen, während sich die übrige Misch-
gesellschaft im Laub gesammelt hatte. Am Morgen des 26. Mai
fand ich drei Goldafterraupen, unter sich ohne Fühlung, mitten
zwischen den dichtgeschlossenen neustrium und castrense, vier andere
(Groldafterraupen geschlossen mit zwei neustrium in einiger Ent-
fernung von der Hauptgruppe, alle am Nestgewebe. Eine halbe
Stunde später (7% Uhr) saßen drei chrysorrhoea in Fühlung mit-
einander 'peripherisch in der Hauptgesellschaft auf dem Misch-
neste in Fühlung mit neustrium und castrense, eine chrysorrhoea be-
fand sich mitten’ auf der Mischgesellschaft; 5 chrysorrhoea ruhten
geschlossen mit zwei neustrium auf einem entfernteren Gewebs-
abschnitte; eine chrysorrhoea sah ich mit neustrium und castrense
auf der stark besetzten Seidenstraße, die ins Laub führte.
Die Goldafterraupen hielten sich, wenn sie ruhten, fortgesetzt
gern zu den beiden Ringelspinnern, gingen aber allein zum Fressen
ins Laub. Sie verursachten unter den fremden Raupen nicht die
geringste Störung und lebten mit ihnen im besten Einvernelme ng
ee VERLER We Or
Soziologische' Studien an Raupen usw. 125
ohne aber ihre besonderen (rewohnheiten aufzugeben. Die Nacht
verbrachte die ganze Gesellschaft in üblicher Weise eng geschlossen
und bunt gemischt.
Am Morgen des 27. Mai fand ich chrysorrhoea mit neustrium
regellos untermischt und so auf dem Neste zwischen diesen verteilt,
daß keine Goldafterraupe mit einer anderen in unmittelbarer Füh-
lung stand. Die chrysorrhoea scheinen die Assoziation mit den
Malacosoma-Raupen wie die Vena has mit Ba ee
zu empfinden.
Bis zum 29. Mai hatte die Mischgesellschaft ein sehr großes
gemeinschaftliches Nest gesponnen, in welchem tagsüber stets leb-
hafte Bewegung herrschte, auch wenn seine Bewohner ruhten oder
sich sonnten. Wie die neustrium schlägt auch die castrense-Raupe
mit dem Hinterleibsende nach rechts und links, aber in anderer
Weise als mit dem Vorderleibe. Durch diese ‚„Schwanzschläge‘‘
scheinen die Tiere Störungen von seiten anderer Raupen abwehren
zu wollen, und es erfolgen dann immer nur einige wenige, während
das taktmäßige Wackeln mit dem Vorderleibe oft lange Zeit von
der ganzen Gesellschaft betrieben wird.
Das Nest wurde den Raupen bei dem Wechseln des Futter-
zweiges, der immer möglichst groß gewählt wurde, ständig belassen.
Der längst kahl gefressene das Nest tragende Zweig wurde dann,
wenn alle Mitglieder der Gesellschaft auf ihm versammelt: waren,
mit einem frischen Eichenzweige zusammen in einen : Wasser-
behälter gesteckt. Der Zweig war jedesmal so groß, daß er Raum
genug für die Sonderung aller Primärsympaedien der Misch-
gesellschaft geboten hätte.. Es wurde also vermieden, den Raupen
irgendwelchen Zwang anzutun. Natürlich blieben sie auch nach wie
vor. uneingezwingert am Fenster, auf dem Balkon oder auf einem
Blumentische und konnten sich jederzeit beliebig frei bewegen:
Inzwischen waren die ältesten neustrium-Raupen zu einer Länge
von2-21,cm herangewachsen. Tagsüber und bei sonnigem Wetter
hörte das Wackeln in der aus mehreren Hundert Mitgliedern be-
stehenden Raupengesellschaft kaum noch auf, das natürlich auch
die viel kleineren: im Wachstume zurückgebliebenen castrense-
Raupen mitmachten, die viel energischer, weiter und lebhafter: mit
dem Vorderleibe nach rechts und links schlugen. Ja selbst eine
chrysorrhoea-Raupe, bei welchen diese Bewegung früher beobachtet
zu haben ich mich nicht entsinne, wackelte, durch die Malaco-
somen angeregt, recht ordentlich mit. Was diese merkwürdige
Bewegung eigentlich zu bedeuten habe, ist mir noch immer nicht
klar geworden; alle Vermutungen erwiesen sich bei näherer Prüfung
als trügerisch. 1a,
Wie bei einer so individuenreichen Gesellschaft lebhafter und
nicht. ganz uniformer Raupen zu erwarten war, wechselte die Grup-
pierung innerhalb der Genossenschaft ständig‘, aber alle drei
Raupenarten blieben dauernd durcheinandergemischt; von irgend-
welcher Neigung, sich’ art- oder familienrein zu sondern war nichts
10. Heft
126 'P. Deegener:
zu bemerken. Es herrschte internationaler Kommunismus, der
hiermit die Möglichkeit seiner Existenz bewiesen hat —- freilich
nur unter Raupen!
Niemals gingen alle Raupen gleichzeitig zur Nahrungsaufnahme
ins Laub; oft aber fraßen viele gleichzeitig und dicht nebeneinander
‘an demselben Blatte. Ihr Kot rieselte ständig hernieder. Die
ungleichzeitigen Häutungen brachten auch weiterhin keine Stö-
rungen mit sich. Wer sich häuten wollte, ging ins Nest oder spann
sich familienweise (castrense) an einer anderen Stelle ein. Die nicht
gerade in der Häutungsperiode befindlichen Raupen hielten sich
nur an der Oberfläche des Nestgewebes auf. Die schon 2,70 cm
langen (roldafterraupen suchten geflissentlich die Gesellschaft der
Malacosomen, wie mir bisweilen scheinen wollte unter einiger Be-
vorzugung der neustrium-Raupen, waren aber häufig auch nur von
castrense umgeben.
Der Mischgesellschaft war inzwischen ein kleines aus dem
Grunewald stammendes Goldafternest hinzugefügt worden, daß
ich mit seinen Insassen tunlichst weit von dem Mischneste ent- °
fernt an dem Eichenzweige befestigt hatte. Die erst 10 mm langen
chrysorrhoea-Raupen hatten bald darauf: ihre eigene Wohnung
freiwillig vollkommen aufgegeben und sich der Mischgesellschaft
angeschlossen, mit der sie, wenn sie nicht fraßen, dauernd ver-
einigt blieben; und doch war der Eichenzweig groß genug, daß ihn
jedes Sympaedium mit gesondertem Neste hätte bewohnen können.
Dieses Verhalten der Goldafterraupen macht es sehr wahrschein-
lich, daß auch in freier Natur Ringelspinner und Goldafter als
Bewohner derselben Laubhölzer gemeinsame Nester spinnen können
Es gibt also wahrscheinlich auch in der Natur Heterosympaedien
gattungsverschiedener Raupenvölkchen. Aus dieser Kombination
erwächst aber keiner Art ein objektiver Vorteil. Es ist allein der
soziale Trieb, der diese Tiere vereinigt hält und halten kann, weil
ihre Bedürfnisse und Gewohnheiten einander nicht widerstreiten.
Die Wanderungen von M. castrense beruhen nicht auf einem
besonderen Wandertriebe; die Tiere ziehen nur aus, wenn sie be-
lästigt werden, oder wenn sich Nahrungsmangel geltend macht.
Aber sie scheinen sich doch, unabhängig von diesen Veranlassungen,
nicht dauernd in demselben Neste wohlzufühlen und haben die
Tendenz, es auch dann nach einiger Zeit zu verlassen, wenn seine
nächste Umgebung noch hinreichend Nahrung bietet, und wenn
sie nicht durch Störungen verjagt werden. Darauf ist doch wohl
die Tatsache zurückzuführen, daß die castrense, die in der Ge-
‘sellschaft von neustrium und auf Eiche stabiler geworden waren,
dann, wenn sie zahlreich waren, immer Teilgesellschaften in einiger
Entfernung vom Neste bildeten. Ich sah aber diese Gesellschaften
(von der Häutungsperiode abgesehen) niemals ganz artrein, weil
ihnen immer neustrium oder chrysorrhoea wenigstens in einigen
Exemplaren beigesellt blieben; ebensowenig waren jemals alle
castrense einer Mischgesellschaft fern vom Hauptneste, vielmehr
Soziologische Studien an Raupen usw. 127
fand ich sie immer in größerer Anzahl den das Hauptnest bevor-
zugenden neustrium beigesellt, zwischen denen sich auch mehr Gold-
afterraupen aufzuhalten pflegten. Letztere ruhen allem Anscheine
nach ebenfalls am liebsten auf dem Hauptneste und sind als Baum-
raupen wie die neustrium und im (regensatze zu den nomadisierenden
castrense stationäre Tiere.
Um ganz sicher zu sein, daß die castrense- und neustrium-Raupen
sich auch ohne jeden Zwang aneinander anschließen, wenn sie auf
der gleichen Nahrung einander zufällig begegnen, wählte ich
folgende Versuchsbedingungen: von einer aus zwei Sympaedien
gemischten artreinen castrense-Gresellschaft befand sich ein Kinder-
völkchen in der Häutung. Die Mitglieder der anderen Kinder-
familie saßen auf der Oberfläche des (Gewebes gesammelt. Auf das
entfernteste Ende des nesttragenden Eichenzweiges wurde ein
neustrium-Sympaedium übertragen. — Der Erfolg war, daß sich alle
Raupen zu einer Mischgesellschaft miteinander vereinigten.
In dem Mischvolke neustrium-castrense-chrysorrhoea waren bis
zum 3. Juni die Goldafterraupen soweit herangewachsen, daß sie
ihren sozialen Instinkt verloren. Um die Raupen nicht immer im
Zimmer zusammensuchen zu müssen, wurde die ganze (resellschaft
mit einer halbkugeligen Drahtglocke von 55 cm Durchmesser be-
deckt, die ihren Mitgliedern noch immer weitgehende Bewegungs-
freiheit ließ. Unter diese wurde außer Eichenzweigen auch ein
Glas mit Wolfsmilch gesetzt. Die castrense kehrten nun wider Er-
warten nicht zur Wolfsmilch, im Freien ihrer bevorzugten Nahrung,
zurück, sondern verblieben auf dem Eichenlaub. Einige neustrium
aber sah ich vorübergehend an den Blüten der Wolfsmilch nagen.
Um festzustellen, ob die neustrium-Raupen an Wolfsmilch ge-
wöhnt werden können, zwingerte ich ein Sympaedium dieser Art
ein und gab ihm nur diese Nahrung. » Sie wurde aber beharrlich
verschmäht. Es schien sich daher bei den älteren neustrium-iaupen
nur um eine gelegentliche Leckerei gehandelt zu haben, zumal
keine von ihnen dauernd die Wolfsmilch der Eiche vorzog.
Weiterhin sah ich dann eine Gruppe von zunächst 17 castrense-
Raupen der Mischgesellschaft unter der Drahtglocke an Wolfs-
milch fressen. Die Mehrzahl aber verblieb noch auf der Eiche bis
zum 6. Juni. Dann schien jedoch den castrense-Raupen die aus-
schließliche Ernährung mit dem jetzt schon härteren und saft-
armeren Eichenlaub .nicht länger zu bekommen. An den alten
Eichblättern sah ich häufig Skelettierungsfraß, während die jungen
bis auf die stärkeren Rippen ganz verzehrt wurden. Den castrense-
Raupen, die bisher nur Wolfsmilch erhalten hatten, wurde neben
dieser Nährpflanze ein Zweig mit hartblättrigen Eichenkurztrieben
geboten, aber von ihnen ganz unberührt gelassen. Da nun die
castrense das junge Eichenlaub sehr leicht und gern und auch für
die Dauer angenommen hatten, bot ich an Eiche nicht gewöhnten
Tieren einen weichblättrigen jungen Eichentrieb. dar, . der dann
auch sofort angenommen und in kurzer Zeit völlig verzehrt wurde.
10. Heft
128 : P. Deegener:
Die bis dahin nur mit Eiche ernährten castrense-Raupen der Misch-
gesellschaft begannen jetzt zu kümmern, blieben im Wachstum
zurück und viele starben ab, während die mit Wolfsmilch ge-
fütterten aufs Beste weitergediehen. Die Wolfsmilch, die ich
einigen an Eiche gehaltenen castrense-Familien angeboten hatte,
wurde zwar nicht sofort angenommen, schließlich aber doch ver-
zehrt. In den Mischgesellschaften neustrium-casirense sammelten
sich die letzteren allmählich auf Euphorbia, blieben aber noch immer
mit einigen neustrium gemischt, die z.T.an Wolfsmilchblüten nagten.
Nicht lange, nachdem: die Bevorzugung der Wolfsmilch die
castrense-Raupen von den neustrium geschieden hatte, verloren die
Tiere mit der letzten Häutung den sozialen Instinkt und Zu-
sammenhalt. Die Versuche mit den Mischgesellschaften haben ge-
lehrt, daß die Vergesellschaftung der beiden Malacosomen mit-
einander und mit Euproctis chrysorrhoea nicht. nur für kurze
Dauer möglich ist, sondern solange bestehen bleibt, wie allen diesen
Raupenarten ein ihnen allen zusagendes gemeinsames Futter ge-
reicht werden kann. Ob diese Tiere ihre eigene von einer fremden
Art unterscheiden können, muß nochsin Zweifel gelassen werden.
Sicher ist, daß sie von dem bei den Ameisen, ja selbst bei jungen
Spinnen’) und Zecken?) so ausgesprochenen „Nationalgefühle “
nichts besitzen, ein Mangel, den sie mit unerwartet vielen Menschen
gemeinsam haben. )
Der soziale Wert des Gesichtssinnes.
An sich könnte man wohl daran denken, daß der u
Zusammenhalt in einer Raupengesellschaft dadurch: aufrecht‘ er-
halten werde, daß die Tiere einander sehen. Bei näherer Prüfung
aber wird man kaum noch geneigt sein, dem Gesichtssinne irgeud-
welche soziologische Bedeutung zuzuerkennen.
5) Deegener, Tiersoziologische Beobachtungen und Versuche, Sitz. -
Ber. Ges. Nat. Frde. Berlin 1913, Nr...
6) .P. Schulze, Über den Geselligkeitstrieb der Zoo en, Deutsch.
Entomol. Zeitschr, 1919. Sitzgsber. v. 10. II. 1919, p. 212.
*) In der Entomol, Zeitschr. Intern. Ver. (XII. Jahrg. Nr. 19, 1899)
wirft Pauls die Frage auf, ob die Raupen Verwandtschaftssinn. besitzen.
Er hatte gleichaltrige Angehörige zweier Nester von Vanessa io L. mit-
einander gemischt und dann beobachtet, daß sich die Raupen wieder in
zwei Gesellschaften sonderten. Die Vermutung, diese Spaltung sei familien-
rein vor sich gegangen, lag wohl nahe; aber weil die Tiere nicht gezeichnet
waren, blieb die Frage offen. Obwohl "seit Pauls’ Anregung zur experimen-
tellen Verfolgung seiner zufälligen Beobachtung 20 Jahre vergangen sind,
hat meines Wissens noch niemand die so leicht durchzuführenden Ver-
suche angestellt. Ich selbst wurde auf Pauls’ Mitteilung erst aufmerksam,
als meine früheren und die hier veröffentlichten Beobachtüngen schon zu
dein Ergebnisse geführt hatten, daß von einem.'Verwandtschaftssinne (der.
von mir studierten geselligen Raupen in dem. von Pauls’ für möglich. ge-
haltenen Sinne nicht die Rede sein könne. Was aber für die Spinnerraupen
gilt, braucht nicht auch für die geselligen Tagfalterraupen zuzutreffen.
Ich werde daher die nächste sich bietende Gelegenheit ‘benutzen, SER ‚die
V: öio-Raupen auf ihren Fanyliensmn hin zu prüfen.
a Dt ud a
Soziologische Studien an Raupen usw. 129
Die Raupen besitzen an jeder Kopfseite 5 -6 Augen von sehr
einfachem Bau, die so ausgestattet sind, daß sie recht geringe
Unterschiede in der Lichtstärke wahrzunehmen vermögen. Die
Goldafterraupen laufen, wie die vieler anderer Schmetterlingsarten,
wenn man sie auf einer hindernisfreien Unterlage unbeeinflußt
kriechen läßt, zunächst fast alle nach der Lichtseite. Aber sehen
sie auch Farben? Sie werden neuerdings für völlig farbenblind
gehalten. Sind sie zu Bildwahrnehmungen fähig? Möglicherweise;
dann aber sehen sie kaum weiter als etwa 1 cm. Jedenfalls sind die
Sehleistungen nicht beträchtlich, weit geringer sicher als die des
Schmetterlings, dem ja viel bessere und größere Augen eigen sind.
Würden die Raupen in der bekannten Weise suchend und prüfend
mit dem Vorderleibe umhertasten, wenn sie ein einziger Blick ihrer
Augen über die Beschaffenheit eines Gegenstandes aufzuklären
vermöchte? Würden sie einander betasten müssen, um sich in
(Gesellschaft zu wissen, wenn ihre Augen ihnen ausreichenden Auf-
schluß geben könnten? Danach ist es mindestens recht unwahr-
scheinlich, daß das Gesicht der herrschende oder überhaupt ein
wichtiger sozialer Sinn sei, daß in ihm die Fähigkeit liege, die Ge-
sellschaft als solche zu erhalten.
Wem diese Beobachtungen und Erwägungen nicht genügen,
der müßte sich durch geeignete Versuche Sicherheit verschaffen,
die inzwischen von mir angestellt worden sind und zu folgenden
Ergebnissen geführt haben.
Ich ließ mir einen absolut lichtdichten Kasten herstellen,
dessen Leistungsfähigkeit geprüft wurde, bevor ich ihn in Gebrauch
nahm. Er war 35 cm lang, 22 cm breit, 11 cm hoch, hatte also eine
innere Gesamtfläche von 2794 qcm.
In diesen Dunkelkasten setzte ich 11, Uhr 80 Raupen von
M. castrense, die 6 mm lang waren, derart, daß sie auf alle Flächen
zerstreut wurden und möglichst weite Abstände voneinander
hatten. Nahrung, auf welche die Raupen ihr Spürsinn hätte zu-
sammenführen können, wurde nicht in den Versuchsraum gebracht.
41° Uhr wurde der Kasten geöffnet. 78 Raupen saßen zu einer ge-
schlossenen Gesellschaft gesammelt auf der Bodenfläche des
Dunkelraumes; nur zwei irrten noch umher, von denen man natür-
lich nicht wissen konnte, ob sie gesondert geblieben waren oder sich
erst später von der Gesellschaft wieder entfernt hatten.
Soviel läßt dieser Versuch nun ohne Zweifel schon erkennen,
daß die Raupen einander auch ohne Benutzung der Augen zu
finden wissen, man müßte denn annehmen, ihr Sehorgan sei noch
lichtempfindlicher als die photographische Platte.
An demselben Tage wurden 12 Raupen eines anderen Völk-
chens derselben Art 51° Uhr ebenso behandelt wie die 80 Tiere
des vorhergehenden Versuches. Natürlich waren alle Innenflächen
des Kastens zuvor mit Bürste und Lappen sorgfältig von allen
hinterlassenen Seidenfäden befreit und die Bodenfläche sicherheits-
halber mit trockenem Sande belegt worden. Da sich diesmal nur
Archiv für Naturgeschichte 7
1920. A. 10. 3 LCHIERE
130 :P..Deegener:
12 Raupen auf dem gleichen Flächenraume zusammenfinden
sollten, war die Aufgabe für sie ungleich schwieriger als für die
80 Tiere. Dementsprechend liefen auch am späten Abend desselben
Tages noch alle Raupen isoliert an den Kastenwänden umher. Am
Morgen des folgenden Tages aber war die schwierige Aufgabe auch
von ihnen gelöst. 8 Raupen saßen in Fühlung miteinander in einer
der oberen Ecken, 4 andere in der entgegengesetzten oberen Ecke.
Diese letzteren waren aber in Fühlung miteinander schon wieder
auf der Wanderung begriffen. Da mir dieses Resultat genügte,
setzte ich die Tiere zu ihren Geschwistern zurück aufs Futter.
Mit den Raupen von Phalera bucephala mußte dieser Versuch
etwas anders gestaltet werden, weil sich diese Raupen wohl auf
der Nahrung vergesellschaften, unter der Wirkung des Hungers
aber zerstreut umherwandern. Ich legte also in den Dunkelkasten
einen 74-blättrigen FEichenzweig und zerstreute 19 Raupen so auf
ihm, daß jede auf einem anderen Blatte und ‚von der Nachbarin
möglichst entfernt saß. 11%, Uhr vormittags wurde der Dunkel-
kasten geschlossen und 210 U hr wieder geöffnet. Zu dieser Zeit
hatten sich erst drei Raupen zusammengefunden; die übrigen waren
noch isoliert geblieben, hatten aber z. T. den Eichenzweig ver-
lassen und liefen an den Kastenwänden umher. Der Kasten wurde
nach kurzem Einblicke sofort wieder verdunkelt und um 5 Uhr
nachmittags zum zweiten Male kontrolliert. Diesmal hatten sich
schon 6 Raupen zu einer (resellschaft vereinigt, die dicht ge-
schlossen an der Unterseite eines Eichblattes ruhte. Alle übrigen
warenm.noch isoliert. Nach Feststellung des mitgeteilten Ergebnisses
wurde der Dunkelraum gleich wieder geschlossen und erst am
folgenden Morgen 7 Uhr wieder geöffnet. Außer der schon seit
gestern Abend bestehenden Gesellschaft von 6 Raupen hatten sich
zwei weitere Gruppen gebildet, deren eine 4. die andere 2 Mitglieder
zählte. Der Rest der Raupen war, wie ich jetzt feststellen konnte,
deshalb isoliert geblieben, weil sich diese Tiere gerade in der
Häutungsperiode befanden, in der sie ja nicht wanderfähig sind,
und daß die einen sich häuteten, die anderen noch nicht, hing damit
zusammen, daß die 19 Raupen mehreren ungleichaltrigen Primär-
.gesellschaften (Sympaedien) entnommen waren.
Der Eichenzweig mit den Raupen wurde nun ans Licht ge-
stellt. Nachdem die isolierten Raupen ihre Häutung überstanden
hatten, sah ich sie durchweg Anschluß an die übrigen Raupen
suchen und finden. ‚Ich verteilte sie jetzt 6", Uhr abends auf einen
anderen Eichenzweig mit 50 Blättern und ließ diesen am Lichte
freistehen. Inzwischen waren einige andere Raupen in den
Häutungszustand geraten und wurden mit ihren Blättern auf dem
neuen Eichenzweige befestigt. Nachdem sie die Häutung vollendet
hatten, bei welcher zwei von ihnen zugrunde gingen, hatten sie
sich wie folgt gruppiert: a) zwei frisch gehäutete Raupen; b) zwei
frisch gehäutete Raupen; c) drei Raupen; d) vier Raupen; c) sechs
Raupen. Isoliert war also keines der Tiere geblieben. Am Sen
Soziologische Studien an Raupen usw. 131
desselben Tages war die Gruppierung: 3, 3, 4, 7 Raupen; am folgen-
den Morgen hatten sie sich noch enger zusammengezogen, um
abends eine einzige Gesellschaft zu bilden.
Dieselben Raupen wurden nun auf einen frischen 51-blättrigen
Eichenzweig möglichst gleichmäßig zerstreut und nachmittags
21, Uhr in den Dunkelkasten gebracht. Die Raupen waren bei
diesem Versuche 20--27 mm lang. 61, Uhr abends fand ich sie
in folgender Gruppierung: 5 Raupen vergesellschaftet an der
Kastenwand; 4 zusammen an einem Blatte, 2 andere an einem
zweiten Blatte, sechs noch isoliert. Am Morgen des folgenden
Tages war keine Raupe mehr allein. Die kleinste Gruppe bestand
aus zwei in der Häutung befindlichen Tieren, die größte aus 7 Mit-
gliedern.
Nachdem die Ph. bucephala-Raupen die letzte Häutung durch-
gemacht und damit das Spinnvermögen verloren hatten, wurden
sie 1, Uhr nachmittags in dem Dunkelkasten in der üblichen
Weise auf einen Eichenzweig zerstreut und 7 Uhr abends kon-
trolliert. Sie bildeten drei Gruppen aus 9, 5 und 3 Mitgliedern.
Damit haben auch diese Raupen bewiesen, daß sie (auch un-
abhängig vom Spinnvermögen) einander in absoluter Dunkelheit
zu finden wissen, ihrer Augen also zu diesem Zwecke nicht be-
dürfen. Ich verweise an dieser Stelle auf den p. 121 mitgeteilten
Dunkelkastenversuch mit einer Mischgesellschaft von Malacosoma
neustrium und M. castrense.
Wie früher schon und jetzt mit mehr Recht habe ich auch auf
Grund bereits publizierter Versuche dem Geruche die Bedeutung
eines sozialen Sinnes abgesprochen. Um nun zu prüfen, ob nach
Ausschaltung des Gesichts- und Tastsinnes nicht doch vielleicht
der Spürsinn suchende soziale Raupen zu ihrer Gesellschaft führen
könne, habe ich folgende Versuche gemacht.
Die beiden größten Flächen einer Deckgläschenschachtel von
44 x 29 x 17 mm Größe waren durch eine doppelte Wand feinsten
Schleierstoffes ersetzt worden. Die beiden Wände jedes dieser
Stoffenster waren 2 mm voneinander entfernt. Durch sie hindurch
war ein Tasten der Raupen unmöglich; aber natürlich ließen die
Schleierwände den Geruch der Tiere durch ihre zahlreichen Löcher
hindurch. In diese Schachtel, die ich weiterhin kurzweg als Schleier-
schachtel bezeichnen werde, schloß ich 20 von etwa 100 M. castrense-
Raupen desselben Kindervölkchens ein. Die übrigen ca. 80 Raupen
zerstreute ich in dem Dunkelkasten und setzte mitten auf dessen
Bodenfläche die Schleierschachtel mit den 20 Raupen. 7Y, Uhr
abends wurde der Dunkelraum geschlossen. ;
Wenn die 80 Raupen sich um die Schleierschachtel gesammelt
hätten, wäre es wahrscheinlich gewesen, daß der Geruch der in
der Schachtel zusammengedrängten Tiere, sie dorthin gelockt habe.
Die isolierten Raupen sammeln sich ja gern unter Anschluß an eine
en Gesellschaft; mit dieser Gewohnheit rechnete der
ersuch.
g* 10. Heft
182 P. Deegener:
Am folgenden Morgen um 7 Uhr hatten sich etwa 35 Raupen
außen an derselben Schleierwand gesammelt, an der die 20 Raupen
innen saßen. Eine kleine Gruppe (12 Tiere) befand sich am
Boden in einer Ecke des Dunkelkastens; eine Gruppe mit 31 Mit-
gliedern an der Decke des Kastens in einer Ecke. Hiernach wäre
es möglich, daß sich ein Teil der Tiere durch den Geruch hätte
leiten lassen, um sich der Schleierschachtelgesellschaft so eng wie
möglich anzuschließen. Aber warum hatten die übrigen Raupen
das nicht auch getan? Der Versuch mußte jedenfalls noch recht
oft wiederholt werden.
Am 7. Juni wurden 16 castrense-Raupen nach der vorletzten
Häutung in die Schleierschachtel gesteckt, der Rest der Gesell-
schaft, 35 Raupen, in dem Dunkelkasten zerstreut, dieser 4° Uhr
nachmittags geschlossen. Am 8. Juni morgens hatten sich die
35 Raupen zu drei (resellschaften miteinander vereinigt, die sämt-
lich an den Deckenwinkeln des Dunkelkastens saßen. Keine Raupe
war isoliert geblieben, keine saß an der Schleierschachtel. Die
erste Gruppe bestand aus 6, die zweite aus 12, die dritte aus
17 Raupen.
Diese Versuche wurden mit verschieden volkreichen (resell-
schaften von M. castrense und M. neustrium noch häufig, aber immer
mit demselben negativen Erfolge wiederholt. Der erste mitgeteilte
Fall blieb der einzige, in welchem sich die Raupen außen an der
Schleierschachtel gesammelt hatten. Es war also nur ein Zufall.
Wir dürfen es demnach für sehr unwahrscheinlich halten, daß die
Raupen durch den Geruch zueinander geführt werden, zumal wir
durch andere Versuche wissen, daß ihr Spürvermögen recht dürftige
Leistungen aufweist. Während bei den spinnenden Raupen die
hinterlassenen Seidenfäden das gegenseitige Finden sehr erleichtern
dürften, beweisen doch die nicht mehr spinnenden Phalera bu-
cephala-Raupen, daß für diesen Zweck Seidenwege nicht unentbehr-
lich sind. Wir kommen also auch auf Grund dieser Versuche,
bei welchen Tastsinn und Gesicht ausgeschaltet waren, zu der
Überzeugung, daß der Tastsinn der eigentlich soziale, wie über-
haupt der vorherrschende Sinn dieser Tiere sei. Dasselbe gilt
wohl auch für die Blattwespenlarven, sofern sie sozial mit gegen-
seitiger Fühlung ihrer Mitglieder leben. Doch werden dies erst
Versuche zu entscheiden haben.
An dieser Stelle sei übrigens darauf aufmerksam gemacht, daß
der morphologische Beweis für die Natur der Raupenhaare als
Sinneshaare schon seit Jahren vorliegt. W. A. Hilton faßt die
lvrgebnisse seiner Untersuchungen am Schlusse seiner Arbeit
‚‚ [he body sense-hairs of Lepidopterous larvae‘‘ (Amer, Naturalist,
Vol. XXXVI, 1902) wie folgt zusammen:
„Lepidopterous larvae are clothed whit hollow hairs, each of
which is supplied by a bipolar nerve cell, a process of which pene-
trates a short distance into the hair and probably terminates before
reaching the tip. In most species all body hairs are sensory; large
en en ru
Soziologische Studien an Raupen usw. 135
hairs are supplied by large bipolar nerve cells, and small ones by
smaller bipolar cells. Nerves from bipolar sensory nerve cells go
to the central nervous system, run to the ganglia, leaving at once
to follow on the outside of the connectives cephalad, forming a
wellmarked sensory tract. Almost the only sensory termination
of nerves on the body of insects is by means of hairs.‘
Über den Einfluß des Liehtes und des statischen Sinnes auf die
Ortsbewegungen der Raupen und über die Unterscheidung ihrer
Straßen.
Es kann keinem Zweifel unterworfen sein, daß viele Raupen
heliotropisch sind, d. h. die Neigung besitzen, dem Lichte zuzu-
laufen. Ich kann aber auf Grund meiner Erfahrungen nicht be-
haupten, daß sie wie eine in Gang gesetzte Maschine oder wie ein
Automat mit stets gleichbleibender Notwendigkeit dem Lichte
entgegen wandern müßten. Ich möchte mich nicht so ausdrücken,
daß der Reflexmechanismus durch andere Einwirkungen mecha-
nisch umgestellt werden könne, sondern lieber sagen, daß eine
neue Erfahrung, eine neue Reizwirkung den psychischen Zustand
umstimmt und so ein verändertes Verhalten bedingt; denn ich
will nicht in den gewiß unbegründeten Verdacht geraten, zu denen
zu gehören, die sich einbilden, das organische (Geschehen: restlos
als physikalische Abläufe erklären zu können. Die Zukunft gehört,
wie sehr sich auch die Gegenwart dagegen sträuben möge, dem
Psychismus, nicht dem Mechanismus.
Wenn Raupen auf der von ihnen zuerst eingeschlagenen Bahn
auf unbehinderter Fläche immer zuerst lichtwärts laufen, so be-
deutet das für den Reflexphysiologen, daß sie zum Lichte wandern
müssen auf Grund einer bestimmten Struktur ihres sensorischen
und motorischen Apparates; es kann aber bedeuten, daß die Raupen
eine angeborene Vorliebe für das Licht haben, eine Neigung also,
eine psychische Disposition, einen Charakterzug, der dieses ihr
Handeln bestimmt, wie wir unser Handeln durch unseren Charakter
bestimmt sehen. Operari sequitur esse. Wir können uns selbst nicht
als Reflexmaschinen, unseren Charakter nicht als Ausdruck un-
serer maschinellen Struktur verstehen. Wenn nun eine Raupe
durch eine erkennbare oder nicht kontrollierbare Ursache veranlaßt
wird, plötzlich umzukehren und ihren eigenen Weg in entgegen-
gesetzter Richtung zu verfolgen, so muß die Ursache dafür ent-
weder ihren mechanischen Apparat umgestellt oder als Reiz oder
Motiv ihr Streben (ihren Willen als nicht mechanischen Faktor)
verändert, ihre Vorliebe für das Licht durch ein momentan vor-
herrschendes Bedürfnis unwirksam auf ihr Handeln gemacht
haben. Es wird nicht ganz leicht sein, mechanistisch verständlich
zu machen, wie dieselbe fortwirkende äußere Ursache das Tier
bald zum Fliehen, bald zum Aufsuchen des Lichtes treiben, also
ein Hin- und Herpendeln veranlassen könne, wenn man bei dem
10. Heft
134 P. Deegener:
Versuche, so zu erklären, nicht ganz von den uns bekannten
organischen Strukturen absehen und nicht willkürlich einen hypo-
thetischen Mechanismus konstruieren will, der das leisten könnte.
Bei den Wanderkolonnen von M. castrense sieht man, weniger im
Freien als wenn man die Tiere im Zimmer beobachtet, in der Tat
die Raupen hin und her pendeln, wobei sie lichtwärts und vom
Lichte fortlaufen; man weiß nicht, warum eine lichtwärts strebende
Raupe plötzlich umkehrt, warum die an einem Schatten stutzenden
Raupen diesen nicht oder erst nach sehr langem Zögern betreten,
oft lieber, um den Eintritt in den Schatten zu vermeiden, vom
Lichte weglaufen. So fein auf verschiedene Lichtintensitäten bald
in der einen, bald in der anderen Weise reagierende Maschinchen
kennen wir noch nicht, wohl aber jeder aus eigenster Erfahrung
wenigstens seinen Organismus, der schon einem Blicke gehorcht. Die
Analogie mit dem uns bekannten psychischen Geschehen im eigenen
Organismus liegt sehr viel näher als die mit der Maschine. Verstehen
wir ein Tier nicht viel besser unter Vergleich mit unseren eigensten
uns intim bekannten psychischen Zuständen als im Vergleiche mit
einem mechanischen Apparate?’ Am besten verstehen wir noch
immer das, was wir selbst sind, wie dunkel uns unser eigenes Wesen
auch erscheinen möge. Ist nun der Tierkörper in seinem ganzen
Aufbau nicht dem unseres eigenen Leibes unvergleichlich viel ähn-
licher als dem eines toten Mechanismus? Trägt nicht jeder Orga-
nismus den unverkennbaren Stempel des Gewordenseins, der
Mechanismus das Gepräge des (semachtseins? Dem tieferen
Blicke genialen Schauens hat sich im Tiere nur immer unser
eigenstes Wesen gezeigt; und keine scharfe Selbstbeobachtung hat
jemals das Beobachtende wie das Beobachtete als ein maschinelles
Wesen zu erfassen vermocht: Der Organismus bedient sich wohl
der Mechanismen und schafft sie für seine Bedürfnisse, aber er ist
nie und nimmer selbst nichts weiter als eine Maschine. Soviel an
dieser Stelle weniger zur Begründung als zur Kennzeichnung
meines Standpunktes, mit dem ich mich in auserlesenster
(resellschaft weiß —- freilich nicht in der mancher Tagesgrößen.
Zu unserem Thema lehrt der folgende Versuch zweierlei:
erstens, daß die Raupen nach der Ruhe von vornherein ihren Weg
vom Lichte weg wählen können, und zweitens, daß ihre Abneigung,
alte Straßen wieder zu benutzen, von der in einer früheren Publi-
kation®) die Rede war, sie nicht unter allen Umständen beherrscht.
Der aus Glasplatte und Holztischchen mit senkrechtem Brette
bestehende Apparat, der zu dem p. 114 mitgeteilten Versuche be-
nutzt wurde, kam hier wieder zur Verwendung, doch wurde er so
gedreht, daß seine bisherige Schattenkante zur Lichtkante wurde
(Skizze 3). Die castrense-Raupen wurden mittags 1 Uhr bei m auf
ihr dort hinterlassenes (Gewebe gesetzt, von dem sie zuvor nach
dem Lichte hin auf die Nährpflanze übergegangen waren. Da Sie
® Deutsche Entomol. Zeitschr. 1919, H. 1/11.
Soziologische Studien an Raupen usw. 135
lichtwärts zu wandern pflegen, mußte erwartet werden, daß sie
von m aus rückläufig ihre alte Straße verfolgen würden. Verhielten
sie sich dieser Erwartung gemäß, so müßte ihr im Freien beobachte-
tes Verhalten, daß alle (auch die Nachzügler) nie die zuführende,
sondern stets die abführende Straße verfolgen, auf etwas anderem
beruhen als auf der Fähigkeit, diese Straßen tastend zu unter-
scheiden.
Die Raupen liefen in ihrer gewöhnlichen Weise unter Ver-
folgung ihrer alten Straße zunächst bis x; aber eine stärkere
Kolonne schlug den Weg nach n und von dort an der Lichtkante
entlang nach o ein, suchte also einen vorher nicht betretenen Weg.
Auch die x-Kolonne ging von x aus nicht auf die Tischchenplatte
über, zu deren Mitte sie ihre alte Straße hätte führen müssen,
sondern blieb an der Kante, um in Richtung auf g vorzugehen,
obwohl Platte und Kante gleich hell beleuchtet waren. Nach
10 Minuten, also bei sehr langsamer Wanderung, war die Kolonne x
Fig. 3.
an der Ecke g angelangt, während die Kolonne no bei o rückläufig
wurde. Bei g fand dann eine längere Stockung statt, und die
Raupen liefen zwischen x und g hin und her, ebenso zwischen n
und o. Bis 1%, Uhr entschloß sich keine Raupe, die auf der
Tischchenplatte befindlichen alten Straßen und Gewebe zu be-
treten, und alle sammelten sich endlich wieder bei m, wo sie bis
3 Uhr geschlossen an der Unterseite der Platte ruhten.
Dieser Versuch bestätigt das Verhalten der Tiere im Freien:
sie scheuen sich davor, die alte Straße zurückzuverfolgen, wenn sie
einmal endgültig verlassen worden ist. Sie werden aber durch
ihren positiven Phototropismus nicht gezwungen, ausschließlich
zum Lichte zu laufen; denn sie kehren ja häufig freiwillig um und
wandern dann vom Lichte weg, wie das jede Beobachtung dieser
Tiere im geschlossenen Raume®) zeigt. Diesmal hatten sie sich trotz
ihrer ausgesprochenen Lichtliebe ganz nach Art lichtscheuer Orga-
nismen zur Ruhe wieder an die im tiefsten Schatten des senkrechten
%) Hierbei ist zu bemerken, daß die Fenster des Versuchsraumes stets
geöffnet blieben.
10. Heft
136 P. Deegener:
Brettchens gelegene Ecke m zur Ruhe zurückgezogen und saßen
dort sogar an der dunkleren Unterseite der Tischchenplatte.
Um 3 Uhr lief eine einzelne Raupe zum Punkte k der Skizze 2
(p. 115), kehrte dort um, lief wie suchend umher, ging dann nach
n und konnte nicht weiter beobachtet werden, weil mich leider
eine Vorlesung zur Unterbrechung der Kontrolle zwang. Nach
dieser Pause konnte auf das Verhalten der Raupen nur noch aus
ihren Seidenstraßen geschlossen werden. Um 6 Uhr abends saßen
sie wieder geschlossen an der Unterseite der Ecke m. Die Unter-
suchung der Glasplatte ergab aber folgendes: die ganze Stufe
zwischen Glasplatte und Tischcehen an der Kante cg war mit einer
Seidenbrücke übersponnen, doch führte nur eine Straße an der
Kante hp entlang bis s und die alte Straße war über ihren Anfangs- _
punkt, d. h. die Stelle, an der die Reste des übertragenen Nestes
lagen, hinaus fortgeführt worden und reichte bis zum Punkte t
der Kante hp. Da diese Fortsetzung keine dichter gewebte Achse
enthielt, trug sie den Charakter des Weges einer Nebenkolonne.
Die Raupen waren also in meiner Abwesenheit an der Kante der
Glasplatte entlang bis s gelaufen und dann wieder umgekehrt,
hatten die Stufe zwischen Holz- und Glasplatte an vielen Stellen
überbrückt und schließlich doch ihre alte Straße zum Neste wieder
eingeschlagen, diese bis t vom Neste aus fortgesetzt. Von t aus
rückläufig sind sie zur Neststelle und dann vom Lichte fort auf
ihrer alten Straße zur Ecke m zurückgekehrt, an deren unterer
Fläche ich sie antraf.
Daraus ersehen wir, daß die castrense-Raupen unter gewissen
Umständen in der Tat ihre alten Straßen wieder betreten. Nun
beweist dieser Versuch, wie viele ähnliche, zunächst nur, daß sie
hiermit von ihrer Gewohnheit abgehen, aber noch nicht, daß sie
die alten Straßen als solche erkennen oder ihre Richtung unter-
scheiden können. Um dies nach Möglichkeit zu entscheiden,
wurden Versuche, die bei der Trägheit der Raupen im Zimmer
ständig mißlangen, im Freien gemacht.
Eine castrense-Familie setzte ich auf unbewachsenen Sand, der
von der Sonne beschienen und von einer schlechtwüchsigen ein-
samen Kiefer so beschattet wurde, daß Sonnen- und Schatten-
flecke abwechselten. Die Stelle wählte ich deshalb, weil die Raupen
zeigen sollten, ob sie auch hier dem Schatten aus dem Wege gingen.
Ich bemerke gleich im voraus, daß die Tiere gar keine Notiz davon
nahmen, wenn sie von beschatteten Flächen auf direkt besonnte
übergingen oder umgekehrt. Dazu sei übrigens bemerkt, daß ich
auch im Zimmer manche Raupen den Schatten ganz unbeachtet
lassen sah. Ich setzte bei einem Versuche 31 castrense-Raupen
von 15 mm Länge an die vom Lichte abgewendete Kante des
Tischchens mit dem senkrechten Brettchen. Drei Einzelraupen
durchliefen ohne zu zögern den Schatten und wanderten an dem
senkrechten Brettchen umher. Fine von ihnen kehrte zu der bis
dahin ruhenden Gesellschaft zurück, die jetzt lichtwärts wanderte,
PET UNTER
Soziologische Studien an Raupen usw. 137
an dem Rande des Schattens aber stutzte, umhertastete und umher-
lief, ohne den Schatten selbst zu betreten, nach rechts und links
auseinanderging um schließlich an der linken, von dem schief-
fallenden Schatten nicht mehr getroffenen Tischbrettkante unter
Umgehung des Schattens lichtwärts zu wandern. Wenn die Tiere
im Freien über die Schattenflächen durchweg ohne Zögern
hinüberliefen, so mag der Schatten weniger tief, die Lichtstärke
weniger verschieden gewesen sein als bei den Versuchen im Zimmer.
Daß aber auch dieser starke Schatten nicht für alle ein absolutes
Hindernis war, zeigten die drei erwähnten Raupen.
Der Versuch im Freien begann mittags 12 Uhr. Die sofort
gebildete Wanderkolonne nahm ihren Weg nicht in Richtung auf
die Sonne, sondern nach NW. Auf ihren Weg legte ich eine Glas-
platte, auf die sie ohne Zögern übertrat. Am Ausgangspunkte war,
wie in der Regel, eine Gruppe von Nachzüglern zurückgeblieben.
Eine Zweigkolonne wurde
am Rande der Glasplatte
rückläufig und schloß sıch
der Hauptkolonne an, die
nach ihrem Übergange auf
die Glasplatte nach NNW
abwich und an der Ecke a W
(Skizze 4) wieder auf den
Sandboden übertrat. Das
Abweichen von der Zug-
richtung wurde vielleicht
durch den ziemlich lebhaf-
ten Wind bewirkt, der es
den Raupen schwer machte,
sich auf der glatten Fläche Fig. 4.
zu halten, von der auch
in der Tat zwei fortgeweht wurden. Da sich inzwischen
die Nachzügler von A aus in Bewegung gesetzt hatten, ließ
ich erst die ganze (Gesellschaft die Glasplatte passieren, bevor
ich sie fortnahm, um sie der Kolonne, die nach NNW fort-
wanderte, ein zweites Mal in den Weg zu legen, diesmal aber so,
daß die Spitzenraupen sie an der Ecke a betreten mußten. Im
Freien bemerkte ich diesmal so wenig wie früher in der Wander-
kolonne das fortgesetzte Stocken und Zurücklaufen wie im Zimmer.
Nur selten kehrte eine einzelne Raupe um; die Tiere waren viel
weniger unschlüssig und bedeutend lebhafter, wackelten auch auf
der Wanderung viel; keine kehrte bis zum Ausgangspunkte a
zurück. Der letzte Nachzügler passierte die Glasplatte noch in
ihrer ersten Lage um 12V, Uhr, 1, m hinter den übrigen Raupen
zurück. Auch diesmal wieder verirrte sich kein Tier auf die Straße
der Nebenkolonne z. Die Spitze der wandernden Raupen kam nun
zum Punkte a, und zwei gingen ohne weiteres auf ihrer alten Glas-
straße weiter, obwohl sie diese jetzt in umgekehrter Richtung be-
10. Heft
138 P. Deegener:
liefen. Eine dritte folgte; alle aber kehrten am Punkte c wieder
um und sammelten sich unter vielem Wackeln vor der Glasplatte.
Sie hatten also allem Anscheine nach gar nicht bemerkt, daß sie
eine Seidenstraße in umgekehrter Richtung beliefen; aber daß
diese blind auslief, machte sie stutzig, wenn ihr Verhalten sich
nicht daraus erklärt, daß sie auf die Sandfläche übertreten mußten.
Nach kurzer Zeit gingen 13 Raupen im Gränsemarsche von a nach c
über das Glas, andere folgten, aber alle stockten wieder vor dem
Übergange auf den Sandboden, wackelten lebhaft und kehrten
um. Dann folgte das übliche Hin- und Herlaufen. Da sie nicht
am Anfange sondern am Ende der Straße stutzten und zurück-
liefen, konnte nicht die Umkehrung ihrer Straße daran schuld sein;
also wurden sie wahrscheinlich durch den Übertritt auf den Sand
verwirrt. Ich legte eine ganz dünne trockene Kieferwurzel an das
Ende der Glasstraße, um den Raupen das Weiterkommen zu er-
leichtern, aber sie nahmen diese Brücke nicht an. Es brachte sie
demnach doch möglicherweise das plötzliche Aufhören des Seiden-
weges zur Umkehr. 124° Uhr verließen endlich einige Raupen,
die bis zur Ecke b gelangt waren, die Glasplatte und gingen auf
hier sehr spärlich bewachsenen Boden über, kehrten aber sofort
wieder um. Die Hauptmasse saß inzwischen heftig wackelnd vor
der Glasplatte, als warte sie aufgeregt den Erfolg der Wegsucher
ab. Einige liefen auch auf ihrer Straße dahin zurück, wo vorher
die Glasplatte gelegen hatte, kehrten dort aber wieder um, weil die
Straße jetzt durch die Entfernung dieser Platte unterbrochen war.
12° Uhr setzte dann ein sehr energischer : Weitermarsch
ein, und diesmal ging die Spitze flott über die Ecke b
hinweg auf den Erdboden, während der Rest gruppenweise
im Gänsemarsche folgte. Der letzte Nachzügler verließ die
Glasplatte 14, Uhr.
Die Glasplatte wurde nun abermals so umgedreht der Spitze
des Wanderzuges dargeboten, daß sie im Punkte c betreten werden
mußte; dies geschah wie auch das Überwandern ohne jedes Zögern,
und die Raupen wichen, der Glasstraße folgend, wieder von ihrer
Wanderrichtung entsprechend ab. Dieser Versuch wurde noch
mehrmals mit demselben Erfolge wiederholt, auch mit anderen
Völkchen, nachdem die Glasscheibe zuvor gereinigt worden war.
Das Verhalten der Tiere machte es in allen Fällen ganz unwahr-
scheinlich, daß sie die Richtung ihrer Straßen an der Struktur des
(rewebes erkennen können. Warum aber sah ich sie im Freien nie
aus ihrem Neste auf der Straße fortwandern, auf der sie zu ihm
gelangt waren? Daß und woran sie Haupt- und Nebenstraßen
unterscheiden, sahen wir schon. Zu- und abführende Seidenwege
sind aber beide Hauptstraßen. Werden deren Richtungen nicht
an ihrem (sewebe unterschieden, so könnte etwas anderes die Zug-
richtung der Raupen bestimmen.
Da die Raupen phototropisch sind, wird man zuerst an das
Licht denken. Der Stand der Sonne könnte ihnen ihre Wege weisen.
BE a du Bl zn. 1 a a a aa le DL a.
Soziologische Studien an Raupen usw. - 139
Prüfen wir diese Möglichkeit an der Hand der bisher vorliegenden
Beobachtungstatsachen!
Wenn die Tiere immer der Sonne entgegenliefen, so würde
man leicht verstehen, weshalb nicht nur ihre Wanderzüge sondern
auch ihre Nachzügler immer in derselben Richtung das Nest ver-
lassen. Auch die Spitzenraupen der Zweigkolonne müssen, je
mehr sie sich von der Hauptstraße entfernen, in eine ihrer Sonnen-
wendigkeit nicht entsprechende Richtung geraten und könnten
aus diesem Grunde umkehren und sich der Hauptkolonne an-
schließen. Wenn man im Freien die Wanderstraßen von Nest zu
Nest oft dieselbe Richtung einhalten sieht, können die Raupen
immer zu derselben Tageszeit gewandert sein. Laufen die Straßen
winklich geknickt, so wanderten die Tiere vielleicht zu verschie-
denen Tageszeiten nach eingeschalteter Ruhepause jedesmal der
Sonne zu. Soweit würde also ihr Verhalten mit unserer vorläufigen
Annahme nicht in Widerspruch stehen. Daß die Raupen auch
isoliert in erster Linie alle zum Lichte laufen, zeigte folgender
Versuch bei jeder Wiederholung.
30 oder weniger junge castrense-Raupen wurden gleichmäßig
auf eine kreisförmig begrenzte Glasplatte von 18,30 cm Durch-
messer zerstreut. Alle liefen zuerst in Richtung auf das
Fenster und fanden sich an der stärkstbeleuchteten Kante
zusammen.
Daß man im Freien Raupenstraßen nach allen Richtungen
laufen sieht, kann sich daraus erklären, daß die Tiere bei bedecktem
Himmel ebenfalls und dann unabhängig vom Sonnenstande wan-
dern. Man muß also direkt beobachten, wann und wohin sie im
Freien laufen und hierzu am besten ein schattenloses Odland
wählen, keinen lückigen Waldbestand (den diese Art auch gern
bewohnt) in welchem die Schatten der Stämme auf die Wahl der
Zugrichtung von Einfluß sein können.
Ich habe nun in diesem und noch mehr im vergangenen viel
günstigeren Sommer 1918 auf bestgeeigneter Ödlandfläche solche
Beobachtungen gemacht und folgendes feststellen können (vgl.
hierzu meine Mitteilung: Die Sympaedien von Malacosoma ca-
strense L. in Deutsch. Entom. Zeitschr. 1919, H. 1/2, p. 65 u. f.):
Bei sonnigem Wetter wanderte morgens zwischen 10 und 11 Uhr
eine Kolonne von O nach W, eine andere (von einem anderen
Völkchen) von NO nach SW; eine dritte nach Osten. Zwischen
11%, und 12%, Uhr wanderten Raupen nach NNW; zwischen
1 und 2 Uhr nordwärts, zwischen 2 und 3 Uhr westwärts, 259° Uhr
ostwärts, 11° Uhr nordwestwärts, 11! Uhr nordostwärts, um von
11°! Uhr ab in spitzem' Winkel südwärts abzubiegen, 115° Uhr
südwestwärts und dieselben 12 1, Uhr südostwärts. Andere 12!/, Uhr
südwestwärts und dieselben 12° Uhr nach Westen. 1% Uhr nord-
wärts; 11%, Uhr nach NW usw. -— Alle diese Beobachtungen
wurden im Mai bei unbedecktem Himmel gemacht. Die Raupen,
von denen oben berichtet wurde, liefen am 28. Mai mittags 12 Uhr
10. Heft
140 P. Deegener:
nach NW und bogen auf der ihnen vorgelegten Glasplatte wieder-
holt von dieser Richtung ab.
Ich glaube, die angeführten Tatsachen beweisen zur (renüge,
daß eine Abhängigkeit der Wanderrichtung dieser Raupen vom
Sonnenstande nicht besteht, aus ihr also auch nicht erklärt werden
kann, warum die Tiere ihr Nest nie auf der zuführenden Straße
verlassen. An der Hand der Laboratoriumsversuche hätte man
unter Mißachtung der Tatsache, daß die Raupen auf ihrer Straße
und ausschließlich auf ihr ständig auch vom Lichte weglaufen, zu
der Auffassung kommen können, die Sonne schreibe ihnen ihre
Wegrichtung vor. Die Laboratoriumsergebnisse sind aber durch-
aus nicht maßgebend für die Beurteilung des Verhaltens der Tiere
in freier Natur, und man darf in diesem Punkte vorsichtiger sein,
als manche Physiologen für gut befunden haben.
Bei den Versuchen mit der Glasplatte im Freien konnte fest-
gestellt werden, daß die Raupen, wenn sie alle die Platte über-
schritten hatten, wohl zum Teil zu der Lücke ihrer Straße zurück-
kehrten, die durch das Wegnehmen der Glasplatte entstanden
war, daß sieaber niemalseinen Versuch machten, diese Lücke zu über-
spinnen, während sie doch in der Richtung des Weges der Wander-
kolonne die blind auslaufende Straße immer wieder fortführten,
also eine überwiegende Tendenz hatten, die eingeschlagene Wander-
richtung beizubehalten. Daß hierbei nicht das Licht richtend wirkte
beweist die wiederholte Änderung der Zugrichtung, die auch bei
früheren Versuchen schon beobachtet wurde. Nach Versuchen im
Zimmer würde man aber leicht zu der Ansicht kommen, daß die
Tiere auch in diesem Falle nur reflektorisch auf das Licht reagieren.
Einen solchen Versuch teile ich hier mit:
Wie verschieden sich die neustrium-Raupen (möglicherweise in
Abhängigkeit von der Anzahl der Mitglieder beider gesonderten
Gruppen) verhalten, wenn ihre vom Neste ins Laub führende Seiden-
straße unterbrochen wird, haben wir (p. 100) gesehen. Ich benutzte
nun den an anderer Stelle (p. 106) mitgeteilten Versuch zu folgenden
Beobachtungen (cf. Skizze 1): 7 cm vom Neste entfernt wurde die
Straße a um 10 Uhr auf eine Strecke von 6 cm weggewischt und die
entstandene Lücke auf dem Fußboden durch Kreidestriche markiert,
die nicht bis zur Raupenstraße reichten. 30 vom Neste kommende
Raupen kehrten bei der Unterbrechung um, während zunächst keine
westwärts wandernden Raupen zu ihr gelangten. Die vom Neste
kommenden Tiere liefen auf der Hauptstraße immer wieder bis zu
der Unterbrechung, überspannen sie aber zunächst nicht. 10 Uhr
setzte eine starke Bewegung der auf dem Papierbogen befindlichen
Raupen nach dem Neste hin ein und es bildete sich eine von den
auf a bei h massierten Raupen abzweigende Nebenkolonne i aus
mehr als 30 Raupen, die wie die Nebenkolonne g, beweist, daß die
Tiere auch, ohne einer vorhandenen Straße zu folgen, vom Lichte
wegwandern können. Die Kolonne i wurde nach einer Wegstrecke
von 22 cm rückläufig. Bei einer 10°® Uhr ziemlich allgemein
Soziologische Studien an Raupen usw. 141
‘werdenden Bewegung ohne einheitliche Richtung wanderten auch
viele Raupen zum Neste zurück, kehrten aber nach einigem
Stutzen und Tasten bei der Unterbrechung um. Die bei h gesammelt
gewesenen Raupen lösten sich auf und zogen größtenteils zu den
auf dem Papier befindlichen Tieren. Hier erhielt die Straße eine
Breite bis zu5 cm. Auf dem Papier herrschte allgemeine Bewegung
mit steigender Unruhe und vielem Wackeln einzelner Raupen. Die
Spitze ging auf die Glasplatte über und legte den Weg f an, doch
kam es nicht zur Bildung eines einheitlichen, diese Richtung ver-
folgenden Wanderzuges, sondern die Tiere irrten auf ihren Ge-
weben scheinbar planlos umher, bis sich wieder ruhende Gruppen
bildeten. Später wurde vor einer starken nestwärts wandernden
Kolonne, ohne die Raupen zu berühren, die Straße a durch eine
zweite 6 cm lange Lücke unterbrochen. Erfolg: Stutzen, Umher-
tasten, Umkehren.
Die 30 Nestraupen begannen jetzt (11%, Uhr) nach x-mal
wiederholter Umkehr, da sie im Neste durchaus nicht zur Ruhe
kommen konnten, die Lücke zu überbrücken. Dies geschah in der
Weise, daß die Tiere ihre unterbrochene Straße jedesmal ein
Stückchen fortführten und dann wieder in das Nest liefen, bis um
12 Uhr endlich die Brücke vollendet war. Die Raupen gingen nun
unter Benutzung der alten Straße a bis zu der zweiten Unter-
brechung vor, machten aber an ihr auch anfänglich keinen Über-
brückungsversuch, sondern kehrten immer wieder um. Dabei
konnte man den Eindruck gewinnen, als machten die 30 Nestraupen
immer wieder verzweifelte Versuche zum Gros zu gelangen. Jeden-
falls waren sie bisher noch keinen Augenblick zur Ruhe gnkommen.
während die Hauptmasse inzwischen öfter geruht hatte.
121” Uhr waren die Nestraupen nach wiederholten Ansätzen
auch der zweiten Unterbrechung Herren geworden und wanderten
in Eile zum Gros. das gesammelt auf dem Papier ruhte; aber noch
bevor dieses erreicht worden war, ging von ihm eine Kolonne nach
dem Neste hin ab, der ankommenden entgegen, kehrte aber mit
dieser um, und alle Raupen vereinigten sich mit der Hauptmasse.
Diese hatte sich inzwischen aufgelöst und war in lebhafter Be-
wegung. 12°/, Uhr bildeten sich die Wanderkolonnen v,, v3, V3,
V, V,, von denen v, zur führenden wurde und um 1 Uhr zur Glas-
platte gelangte, um nach kurzem Wege auf ihrer Fläche wie die
ganze verzweigte v-Kolonne umzukehren. Alle Raupen sammelten
sich jetzt beiq und kamen hier zur Ruhe. 1° Uhr war eine starke
Kolonne in Verfolgung und Fortführung der Straße i fast bis zur
Höhe des Nestes südwärts gelaufen. Daß dieser Weg eingeschlagen
wurde, stand möglicherweise damit in Zusammenhang, daß nest-
wärts von dem Abzweigungspunkte der Straße i auf der Straße a
eine dritte Unterbrechung hergestellt worden war. Auch diese
Lücke wurde nie von nestwärts wandernden Raupen spinnend ver-
kleinert. 1°5° Uhr waren die Raupen der Kolonne i südwärts schon
10 cm über das Nest hinaus- und an ihm vorübergelangt und blieben
10. Heft
142 P. Deegener:
auch noch weiter in Bewegung, wurden jedoch 20 cm südlich vom’
Neste, das sie nicht berührt hatten, rückläufig, sammelten "sich
zur Ruhe auf dem Papier und verharrten dort bis5 Uhr. 20 Minuten
später wurde der Versuch abgebrochen. Im ganzen waren die
Raupen an diesem Tage bei kaltem Regenwetter sehr träge.
Wir sahen also, daß die drei Unterbrechungen in diesem Falle
wie auch bei anderen Versuchen, über die zu berichten uns zu weit
führen würde, stets nur von denjenigen Raupen übersponnen
wurden, die zum Lichte strebten und aus dem Neste kamen. Es
könnte demnach scheinen, daß nur ihr Phototropismus sie über
solche Unterbrechungen ihrer Straßen hinwegführe. Daß dieser
Schein trügt, sahen wir schon. --- Der vorstehende Versuch lehrt
zugleich, daß die Tiere selbst im Zimmer, das auf sie wie eine
Höhle wirken muß, in die durch einseitige Löcher Licht fällt,
spontan vom Lichte fortwandern, ohne eine alte Straße zu be-
nutzen, und dabei weite Strecken zurücklegen können.
Zum Vergleiche mit der Lichtempfindlichkeit und dem .Ein-
flusse von Licht und Schatten auf die Bewegungsbahn der castrense-
Raupen wurden Goldafterraupen herangezogen. 12 Raupen dieser
Art von 20 -27 mm Länge wurden auf das schon wiederholt be-
nutzte Holztischchen mit dem senkrecht stehenden Brettchen ge-
setzt. Sechs liefen lichtwärts auf das senkrechte Brettchen los,
drei durchwanderten den von ihm auf die Tischchenplatte ge-
worfenen Schatten ganz im Gegensatze zu den meisten castrense-
Raupen ohne Stutzen; drei zögerten einige Augenblicke am Rande
des Schlagschattens, durchliefen ihn aber ebenfalls bald nach
einigem unschlüssigen Umherlaufen an seinem Rande. Bei den
übrigen sechs Raupen war eine Beeinflussung durch das Licht nicht
zu bemerken. Sie liefen nach verschiedenen Richtungen, und zwei
von ihnen kamen bald zu dem Schatten, den sie ohne Zögern durch-
liefen. Zwei andere folgten ihnen, während zwei vom Lichte weg
und dann an der schwächstbeleuchteten Tischchenkante entlang
liefen, um endlich auch auf verschiedenen Wegen durch den Schatten
hindurch zu dem senkrechten Brettchen zu gelangen, das alle
Raupen ohne Zaudern bestiegen, um sich auf seiner Firste unter
Hin- und Herlaufen längere Zeit aufzuhalten.. Damit wiederholten
sie nur im kleinen das früher (Deutsche Entom. Zeitschr. 1919,
H. 1/2, p. 81 e. s.) beschriebene Verhalten der Goldafterraupen an
. den Eisengeländern des Berliner Tiergartens. Endlich aber stiegen
sie abwärts und liefen merkwürdigerweise zum größeren Teile auf
die beschattete Fläche des Tischchens und über den Schatten hin-
weg bis zur lichtabgewendeten Kante der Platte. Nur eine stieg
an der beleuchteten Seite des senkrechten Brettchens nieder und
lief von dort aus zu der hellsten Kante des Tischchens, ein Ver-
halten, das ich von allen Raupen erwartet hatte. Ihre Neigung,
lichtwärts zu wandern, die ja zweifellos besteht, erscheint hier-
nach nicht einmal sehr ausgesprochen, sicher nicht so stark, daß
sie die Tiere allein bestimmt; und ihre Neigung, emporzusteigen
Soziologische Studien an Raupen usw. 143
und lieber horizontal fortzulaufen als abzusteigen, hält sie zwar
einige Zeit an der Firste fest, hindert aber nicht, daß die Tiere
niedersteigen, wenn sie die Erfahrung gemacht haben, daß sie so
nichts erreichen, nicht weiterkommen. Ein Reflexautomat müßte
doch wohl in diesem Falle versagen.
Diese Beobachtungen brachten mich darauf, die Raupen auf
ihr Verhalten unter Bedingungen zu prüfen, unter welchen ihr
Phototropismus mit ihrer Vorliebe für das Emporsteigen in Wider-
streit geraten mußte. Zu diesem Zwecke konstruierte ich folgenden
Apparat: Eine Torfplatte wurde so auf eine Tischplatte gelegt, daß
ihr eines Ende etwas überstand (Skizze 5); die freie überstehende
Kante trug eine Stecknadel, an der sich ein aus leichtem Holze her-
gestellter Wagebalken von 27 cm Länge, 7 mm Breite und 2 mm
Dicke befand, der in seiner genau einregulierten wagerechten Lage
durch zwei Insektennadeln (nn) erhalten wurde. Diese Wippe
stand so, daß der Schenkel db dem Lichte zu, der Schenkel da vom
Lichte weggewendet war. Der untere Rand des Zimmerfensters
war 80 cm von b entfernt. Lage des Fensters nach Norden. Wurde
eine Raupe auf den Punkt a gesetzt, so konnte sie nur aufwärts,
und indem a sich um so mehr hob, je mehr sich das Tier d näherte,
lichtwärts laufen. Sobald die Raupe
dann über den Drehpunkt d hinauskam, 7
mußte sich der Wagearm db senken, zZ Inchnami
und die Raupe lief dann abwärts und %& ——k Tr PER:
dem Fenster zu, doch so, daß es in ee ai
immer steigendem Maße dem Lichte
den Scheitel zu und die Augen vom
Lichte wegwendete. Lief die Raupe von b nach d, so stieg sie empor,
und das Licht traf anfangs Stirn und Scheitel, dann nur Scheitel
und Hinterkopf; das Tier lief also aufwärts und vom Lichte fort.
Von d bis a ging sie abwärts und dem Lichte zu, da bei dem Sinken
von a ihre Augen in steigendem Maße vom Licht getroffen wurden.
Die sehr zahlreichen Raupen, mit denen experimentiert wurde,
verhielten sich verschieden. Es zeigte sich, daß zu einem genügend
sicheren Ergebnisse nur gelangt werden konnte, wenn sehr viele
Versuche gemacht wurden, zu denen ich dann tagelang alle freie
Zeit benutzte. So ließ sich feststellen, wie sich von vielen die meisten
Raupen verhielten. Ich kann nun, um den Leser zu schonen, hier
unmöglich die Protokolle wiedergeben, die jeden Schritt der Tiere
gebucht enthalten. Es genügt auch, zu sagen, daß 80%, der 20 bis
25 mm langen Goldafterraupen folgendes Verhalten zeigten: sie
liefen von a bis c und kehrten, sobald der Wagebalken stärker
kippte, um, liefen dann bald in einem Zuge, bald wiederholt
stutzend nach a. Von a aus wiederholten sie dasselbe Verhalten,
gingen aber fast stetsetwas weiterüber chinaus, bevor sieumkehrten,
bis sie nach zwei, drei oder vier Hin- und Hermärschen schließ-
lich b erreichten. 20%, liefen in einem Zuge von a nach b oder
verhielten sich anders, indem sie irgendwo sitzen blieben oder auf
Joplehe
Fig. 5
10. Heft
144 P. Deegener:
den Träger des Wagebalkens übergingen usw. Fast alle Raupen
gingen also ohne Zögern auf- und lichtwärts; sehr viele ebenso ab-
und lichtwärts, fast alle ohne zu stutzen aufwärts und vom Lichte
weg; die meisten (80%) kehrten bei dem Abwärtslaufen vom
Lichte weg um, hatten also eine ausgesprochene Abneigung hier-
gegen. Aus dieser Versuchsreihe ergab sich demnach: -
Die Goldafterraupen gehen am liebsten auf- und
lichtwärts; in zweiter Linie aufwärts vom Lichte weg;
in dritter Linie abwärts zum Lichte; am wenigsten
gern abwärts vom Lichte weg. Sie gehen lieber auf-
wärts vom Lichte weg als abwärts zum Lichte hin,
und ihre Vorliebe, aufwärts zu steigen, ist stärker als
ihr „positiver Phototropismus“. |
Derselbe Versuch wurde mit einer beschränkten Anzahl
ca. 25 mm langer neustrium-Raupen gemacht. Wennich das Ergebnis
hier mitteile, muß es mit Vorbehalt geschehen, weil es mir selbst
noch nicht als endgültig erscheint; denn die Anzahl der Versuche
war nicht groß genug und das Verhalten der Raupen zu verschieden.
Auch diese Tiere hatten zum Abwärtssteigen vom Lichte weg die
geringste Neigung und gingen ungern abwärts und dem Lichte zu,
also im ganzen lieber auf- als abwärts. Das Verhalten der zum
Vergleiche herangezogenen castrense-Raupen schien mir im ganzen
mit dem der verwandten Art übereinzustimmen.
Zur Nachprüfung dieser Versuche konstruierte ich die Wippe
etwas anders. Der Wagebalken sollte länger sein, weniger plötzlich
umkippen und möglichst wenig Schatten werfen. Es wurde also
ein 46,50 cm langer, nicht glänzender Eisendraht von 2 mm Durch-
messer magnetisch gemacht und im Gleichgewichte an einen
Seidenfaden aufgehängt. Der Nordpol b zeigte auf das Fenster,
der Südpol a wies ins Innere des Zimmers. Durch Vorversuche
mit einem starken Hufeisenmagneten wurde festgestellt, daß der
Magnetismus die Raupen in keinem wahrnehmbaren Grade be-
einflusse. Das Ergebnis der mit zahlreichen chrysorrhoea-Raupen
angestellten Versuche deckte sich im wesentlichen mit dem der
ersten Versuchsreihe. Auffallend war es, daß diesmal genau wie
bei den übrigen Versuchen die Raupen auf dem Wagebalken jene
eigenartige Bewegung machten, die den Anschein erweckt, als
wollten sie ihren Vorderrücken mit dem Sekrete der Trichterwarzen
einreiben (vgl. Sitzgsber. Ges. Nat. Frde., Berlin 1919, Nr. 1, p. 18).
Diese Bewegung wurde aber nicht bei einer bestimmten Orientie-
rung im Raume ausgeführt. Auf das langsamere Umkippen des Wage-
balkens reagierten die Raupen durch Stutzen und Umhertasten
in der Luft mit dem Vorderleibe. Das Halten und Tasten erfolgte
aber nicht bei allen in gleicher Entfernung vom Drehpunkte, also
nicht bei gleichstarker Abwärtsneigung ihres Vorderendes. Wäh-
rend manche Raupen sofort stutzten, sobald sie aus der horizon-
talen in eine geneigte Lage kamen, gingen andere bis 61, cm über
den Drehpunkt hinaus, bevor sie reagierten. Aber sehr selten lief
u ae
ın,22
Soziologische Studien an Raupen usw. 145
einmal eine ohne zu halten vom Drehpunkte d bis b, meistens aber
gingen sie von b bis a in einem Zuge. Fast alle Raupen beliefen
den Draht auch dann nur oberseits, wenn sie mit dem Rücken
nach unten an ihn gesetzt worden waren.
Zur weiteren Prüfung stellte ich dann meinen Apparat an
einem Ostfenster auf. Hier war der Draht in seiner ganzen Länge
gleichmäßig beleuchtet. Die Raupen konnten also auf dem Wage-
balken nur noch statisch reagieren, da die Lichtwirkung nicht mit
verändert wurde, wenn sich der Balken neigte. Die Versuchs-
raupen pendelten zwischen a und b hin und her, ohne jemals durch
die Neigung des Wagebalkens zum Umkehren veranlaßt zu werden.
Wohl aber wurde die Veränderung ihrer Lage von ihnen bemerkt,
und sie reagierten auf die Neigung mit Stutzen und Tasten. Der
Impuls des statischen Sinnes wird demnach in Kombination mit
verschiedener Lichtwirkung verstärkt. Jedenfalls sind die von
ihm allein ausgehenden Impulse bei den bekannten Versuchs-
bedingungen nicht stark genug, die Raupen zu einer Veränderung
ihrer Laufrichtung zu bringen, wenn sich ihre Unterlage senkt und
wenn diese Senkung allmählich erfolgt.
Um festzustellen, ob der statische Sinn überhaupt den Impuls
zur Umkehr der Laufrichtung geben könne, wurden wiederholt
jedesmal 5 chrysorrhoea-Raupen auf eine Pappeplatte gesetzt und
diese dann so gehalten, daß ihre ganze von den Raupen belaufene
Fläche gleichmäßig beleuchtet war. Diese Fläche lag dann der
Fensterscheibe parallel. Alle Raupen liefen regelmäßig empor.
Nun wurde die Platte schnell so gedreht, daß alle Raupenköpfe
nach unten gerichtet waren. Sämtliche Raupen kehrten um und
liefen aufwärts. Die Platte wurde wieder umgedreht: dasselbe
Verhalten, so oft und mit wie vielen Raupen auch der Versuch ge-
macht wurde. Sie laufen also ohne Zweifel lieber auf- als abwärts,
und die plötzliche Veränderung ihrer Lage im Raume veranlaßt
sie, ihre frühere Lage wiederherzustellen. Warum handelten sie
auf der Wippe am Östfenster nicht ebenso? Warum kehrten sie
nicht jedesmal vor den Endpunkten a und b um? War die Neigung
des Wagebalkens nicht stark oder plötzlich genug? Ich glaube
letzteres annehmen zu müssen.
Ferner konnte leicht festgestellt werden, daß die chrysorrhoea-
Raupen auf der Pappeplatte lieber aufwärts und vom Lichte weg
als abwärts und zum Lichte liefen.
Zur weiteren Sicherung der gewonnenen Ergebnisse stellte
ich meinen Wagebalkenapparat wieder in das Nordzimmer und
experimentierte mit künstlich blind gemachten Raupen. Es mußte '
erwartet werden, daß diese sich trotz des Wechsels des Lichtes
auf dem Wagebalken genau ebenso verhalten würden wie die nicht
geblendeten Raupen am Ostfenster bei gleichbleibender Beleuch-
tung des schwankenden Wagebalkens. Um die Blendung der Tiere
so schonend wie möglich durchzuführen, rührte ich Xylolruß mit
Butter durch und strich dieses schon bei geringer Temperatur-
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 10. 10 0 EBeif
146 P. Deegener:
erhöhung flüssige Präparat über die Augen, das ganze Unter-
gesicht, die Stirn und Wangen in genügend dicker Schicht, um des
gewünschten Erfolges sicher sein zu können. Die so geblendeten
Raupen verhielten sich auf der Wippe am Nordfenster genau
ebenso wie die ungeblendeten am Ostfenster. Dies war zugleich
ein Beweis dafür, daß ihre Blendung vollständig gelungen war.
Die geblendeten Raupen wurden dann auch auf der Pappe-
platte geprüft. Lag deren Fläche horizontal, so liefen die Tiere
von deren Mitte aus nicht ihrem normalen Verhalten gemäß zum
Lichte, sondern nach allen Richtungen und auch vom Lichte weg.
Sie hatten ihre Lichtwendigkeit vollständig verloren und reagierten
überhaupt nicht mehr auf Verschiedenheiten der Lichtstärke.
Wenn nun die Pappeplatte senkrecht gehalten wurde, so liefen die
Raupen empor; wurde sie so gedreht, daß die Tiere kopfabwärts
saßen, so liefen sie nicht in der alten Richtung weiter, stutzten,
tasteten, gingen wohl noch einige Schritte oder öfter noch eine
weitere Strecke abwärts, kehrten dann aber um und stiegen empor
ohne Rücksicht darauf, ob sie sich im Lichte oder Schatten be-
fanden, dem Lichte zu- oder von ihm fortstrebten. Abermals um-
gedreht, sah ich die Raupen oft so lange weiter abwärts laufen,
bis sie den Rand der Fläche erreicht hatten, bisweilen aber auch
sofort umkehren. Letzteres geschah um so häufiger und leichter,
je öfter der Versuch wiederholt wurde. Jedenfalls liefen die Raupen,
auch wenn sie weitere Strecken abwärts zurückgelegt hatten, doch
immer wieder empor.
Auch aus diesem Verhalten der Raupen schien mir hervorzu-
gehen, daß sie bei gleichzeitiger Lichtwirkung prompter auf statische
Veränderungen reagieren, als wenn die Lichtwirkung ausgeschaltet
ist; aber die statische Reaktion erfolgt auch unabhängig vom Licht-
sinne.
Wenn man die ÖOstfensterversuche mit den Nordfenster-
versuchen vergleicht, könnte man meinen, für das Verhalten der
Raupen am Nordfenster sei allein der Lichtsinn maßgebend ge-
wesen. Unter dieser Voraussetzung hätten aber die Raupen ebenso
bei dem Marsche aufwärts und vom Lichte weg stutzen und um-
kehren müssen, wie sie es auf dem Wege abwärts und vom Lichte
weg taten. Wenn sich hierfür keine anderen Erklärungsmöglich-
keiten finden sollten, darf man wohl annehmen, daß die Tiere auf
gleichsinnigen Impuls des statischen und Lichtsinnes am stärksten
reagieren werden. Geht die Raupe auf- und lichtwärts, so wirken
. zwei Reize gleichsinnig; geht sie abwärts und vom Lichte weg, so
“ bestimmen sie beide Reize zur Umkehr; geht sie aufwärts vom
Lichte weg, so folgt sie dem statischen Reize gegen den Lichtreiz
ohne sich äußernde Konflikte; läuft sie abwärts zum Lichte, so
überwiegt der statische Reiz in dem Maße, daß ein Konflikt sich
in dem Verhalten des Tieres bemerkbar macht.
Es wird gewiß möglich sein, auf dem eingeschlagenen Wege
zu viel exakteren Ergebnissen zu kommen. Mir blieb zu diesen
Soziologische Studien an Raupen usw. 147
Untersuchungen nicht genügend Zeit, weshalb ich sie mehr zur
Anregung hier mitgeteilt habe als um endgültige genaue Angaben
über die Beziehungen zwischen statischem und Lichtsinn bei den
Raupen zu machen.
Sehützt das Nest vor Regen?
Die Meinung ist sehr verbreitet, das Nestgewebe schütze die
Raupen vor den Unbilden der Witterung und dies sei sein eigent-
licher Zweck. Dieser Zweck veranlasse die Raupen, ein gemein-
sames Gewebe herzustellen und dadurch seien die sozialen den
solitären Raupen gegenüber im Vorteil. Ich halte dagegen das Nest
für ein Accidens der Geselligkeit, das den vielen Raupen nicht
nützlicher und nicht weniger nützlich ist als der Einzelraupe ihr
Gespinst oder Seidenfaden, der sie an der Unterlage bei Regen
und Wind festhält. Ich sehe also in dem Neste nicht den Zweck,
den zu erreichen die Raupen gesellig geworden sein könnten, nicht
einen Vorteil, der sie im Kampfe ums Dasein erhielt; aber ich leugne
natürlich die Vorteile nicht, die das Spinnen für alle Raupen, sie
seien sozial oder solitär, mit sich bringt.
Viele Raupen sind empfindlich gegen Regen und entziehen sich
seiner Einwirkung durch Aufsuchen geschützter Stellen. Da
könnte man nun glauben, das gemeinsame Nest sei ein spezieller
Schutzbau gegen Regen. Dann aber könnte sich sein Wert für die
Raupen nur erweisen, wenn sie es bei Regenwetter auch immer
aufsuchten. Ich habe nun das Verhalten meiner Raupen in dem
regenreichen vergangenen Sommer daraufhin geprüft und folgendes
feststellen können:
Eine Gesellschaft junger castrense-Raupen wurde bei Regen
auf den ungeschützten Balkon gestellt. Alle Raupen, die zuvor
auf der Wolfsmilch oder auf der Oberseite ihres Gewebes gesessen
hatten, begaben sich an die Unterseite des Nestes. Nun muß aber
bedacht werden, daß sie dort wohl den sie unmittelbar treffenden
Regentropfen entzogen waren, aber durch ihr schwaches Gewebe
nicht trocken erhalten werden konnten; daß sie, an ihr Gewebe
angeklammert, wohl vor dem Herabfallen sicher waren, nicht aber
vor dem vom Boden aufspritzenden Regenwasser, in der Tat also
auch an der Unterseite ihres Gewebes naß wurden.
Übrigens verhielten sich auch im Regen nicht alle Raupen
übereinstimmend. Eine castrense-Familie, die sich auf dem Blüten-
stande einer Wolfsmilchstaude befand, wurde aus dem Zimmer in
den Regen hinausgestellt. Die Raupen gerieten, von den Tropfen
getroffen, nicht wie auf andere plötzliche Tastreize, in Schreck-
starre. Die meisten sammelten sich wohl am Gewebe, das mit
ihnen naß wurde, sie also auch in diesem Falle nicht schützte;
einige aber blieben ruhig auf dem Blütenstande sitzen und wurden .
dort bis auf die Haut naß, ohne durch ihre Haare, deren Zweck
von manchen Entomologen gerade darin gesehen wird, davor ge-
schützt zu werden. Im Freien werden diese Raupen im Regen
10* 10. Heft
148 P. Deegener:
trotz ihrer Gewebe völlig naß, wovon sich jeder leicht überzeugen
kann, der nicht nur bei schönem Wetter Ausflüge macht.
In den Regen gestellte neustrium-Raupen liefen oft an die Unter-
seite der Blätter, gingen aber nicht in ihr Nest. An den Zweigen
blieben sie ruhig auf ihren Straßen sitzen und suchten weder im
Neste noch an der Unterseite von Blättern und Zweigen Schutz.
Erst der auf sie fallende gefühlte Regen veranlaßte viele der
Raupen, sich seiner Einwirkung zu entziehen. Die geschützt am
offenen Fenster stehenden anderen Völkchen blieben immer ruhig
an Ort und Stelle. Die Tiere haben also keinen Wetterinstinkt, der
sie schon bei drohendem Regenfall Schutz suchen ließe.
Zusammenfassung der Hauptergebnisse.
Die aus den Eiern schlüpfenden M. neustrium-Raupen warten
nicht das Erscheinen aller Geschwister ab, bevor sie zur Nahrungs-
aufnahme schreiten.
Lichtwirkung und Spürsinn leiten die jungen M. neustrium-
Raupen nicht, mindestens nicht allein, bei ihren Ortsbewegungen
vom (relege weg.
Die Raupen von M. neustrium sind im Gegensatze zu denen
von M. castrense stationär, d. h. sie kehren immer wieder zu ihrem
Primärneste zurück. Dieses wird bei jeder Häutung wieder benutzt.
Die Uniformität der M. neustrium-Raupen geht nicht soweit,
daß sich alle Mitglieder eines Völkchens an demselben Tage oder
zu derselben Stunde häuten.
Junge, von ihrem Gewebe auf unbesponnene Unterlagen ge-
brachte neustrium-Raupen sind hilflos.
Ganz junge M. neustrium-Raupen zu isolieren gelang nicht.
Eine Unterbrechung ihrer Seidenstraße kann, muß aber nicht
zwei Gruppen eines neustrium-Völkchens für lanze Zeit dissoziieren.
Bei dem sozialen Konnex der Raupen von M.neustrium, M. ca-
strense und Phalera bucephala spielt die sexuelle Affinität keine
Rolle.
Paarweise gleichgeschlechtlich isolierte neustrium- und castrense-
Raupen halten eng zusammen und zeigen sich durch die Ab-
sonderung von ihren Geschwistern nicht beeinträchtigt.
In Einzelhaft gehaltene Raupen von M. castrense, M. neu-
strium und Phalera bucephala entwickeln sich normal, sind also nicht
notwendig auf die Gesellschaft angewiesen.
Längere Zeit isoliert gehaltene Raupen von M. neustrium,
M. castrense und Ph. bucephala verlieren ihren sozialen Trieb nicht
und schließen sich an ihresgleichen sofort wieder an.
Verschiedenen Völkchen angehörige Raupen von M. neustrium
sind, unabhängig von ihrem Alter, solange sie sozial bleiben, mit-
einander mischbar. Innerhalb der gemischten Gesellschaft findet
keine Gruppierung statt, die verriete, daß die Geschwister ein-
ander erkennen und miteinander enger assoziiert wären als mit
den Kindern anderer gleichartiger Mütter.
Soziologische Studien an Raupen usw. 149
Mischgesellschaften aus ungleichaltrigen M. neustrium-Raupen
erfahren keine dauernde familienreine Dissociation durch die
Häutungen.
Kindervölkchen von M. castrense verbinden sich freiwillig
zu einer einheitlichen Sekundärgesellschaft miteinander.
Gemischte Kindervölkchen von M. castrense trennen sich auch
auf der Wanderung nicht wieder voneinander.
Einzelne M. castrense-Raupen schließen sich nicht ohne wei-
teres an eine neustrium-Gesellschaft an.
Einzelne M. neustrium-Raupen schließen sich sofort dauernd
an eine M. castrense-Gesellschaft an.
M. castrense duldet einzelne M. neustrium-Raupen, M. neu-
strium einzelne M. castrense-Raupen zwischen sich.
Kindervölkchen von M. castrense lassen sich an Eiche ge-
wöhnen und dauernd mit neustrium-Völkchen kombinieren. Dabei
verhalten sich die castrense-Raupen mehr aktiv, die neustrium-
Raupen mehr passiv.
Mischvölker aus neustrium- und castrense-Raupen sondern sich
auch bei der Wanderung nicht wieder artrein voneinander.
Die Häutungen bewirken nur eine vorübergehende artreine
Sonderung kombinierter Gesellschaften von M. castrense und
M. neustrium.
M. castrense und M. neustrium sind in ihrem Charakter nicht
so uniform, daß ihre Mischbarkeit von vornherein erwartet werden
durfte.
In gemischten Sympaedien von M. neustrium und M. castrense
werden letztere stationär, d. h. sie benutzen wiederholt dasselbe
Nest zur Häutung.
Im Dunkelraume zerstreute M. castrense und M. neustrium-
Raupen sammeln sich zu gemischten Gesellschaften, nicht artrein.
Das soziale Verhältnis zwischen M. neustrium und M. castrense
wird durch die Überzahl einer der beiden Arten nicht berührt.
Einzelne Raupen von Euproctis chrysorrhoea schließen sich
ohne weiteres an eine Mischgesellschaft von M. neustrium und M.
castrense an und werden in ihr geduldet.
Euproctis chrysorrhoea-Völkchen lassen sich dauernd mit
M. castrense- und M. neustrium-Völkchen kombinieren.
In dieser aus drei Arten bestehenden Gesellschaft findet keine
artreine Gruppierung statt (von den Häutungen abgesehen).
Ein Sympaedium von Euproctis chrysorrhoea kann freiwillig
sein eigenes Nest aufgeben, um sich einer kombinierten Gesellschaft
von M. castrense, M. neustrium und E. chrysorrhoea anzuschließen.
Dem Gesichtssinne der Raupen kommt keine soziologische
Bedeutung zu.
ö Die Raupen von M. neustrium, M.castrense und Ph. bucephala
finden sich nach völliger Zerstreuung in absoluter Dunkelheit
wieder zusammen: Dieses Zusammenfinden kommt auch ‚ohne
Benutzung leitender Seidenfäden zustande (Ph. bucephala).
10. Heft
150 P. Deegener:
Der Spürsinn der Raupen kann nicht als sozialer Sinn be-
zeichnet werden.
Die M. castrense-Raupen wandern nicht in ausschließlicher
Abhängigkeit von ihrem positiven Phototropismus.
Die M. castrense-Raupen können tastend ihre Haupt- und
Nebenstraßen, die sich strukturell verschieden verhalten, unter-
scheiden.
Die M. castrense-Raupen erkennen die Richtung ihrer Straßen
nicht an deren Struktur.
Die Wanderrichtung der M. castrense-Raupen im Freien läßt
sich nicht aus dem Stande der Sonne erklären, also auch nicht
der Umstand, daß sie ihr Nest in anderer Richtung zu verlassen
pflegen, als sie es erreicht haben.
Unterbrechungen der Hauptstraße von M. castrense wurden
nur in der Richtung vom Neste weg überbrückt.
Die Goldafterraupen gehen am liebsten auf- und lichtwärts,
in zweiter Linie aufwärts vom Lichte weg; in dritter Linie abwärts
zum Lichte hin; am wenigsten gern abwärts vom Lichte weg. Ihre
Vorliebe, aufwärts zu wandern, scheint ihren Phototropismus zu
überwiegen, der satische Sinn sie stärker zu beeinflussen als der
Lichtsinn.
Das Nest ist ein Accidens des sozialen Lebens spinnender
Raupen.
Das Nest schützt seine Bewohner nicht vor Regen.
Die Raupen besitzen kein Vorgefühl für kommendes Regen-
wetter.
Schlußbemerkungen.
Zum Schlusse habe ich mich mit einer inzwischen erschienenen
Arbeit von C. Hess!®) auseinanderzusetzen, der, wie besonders be-
merkt werden muß, vorwiegend mit ganz jungen Raupen experi-
mentiert hat, weil er vornehmlich bei solchen die zu seinen Unter-
suchungen geeigneten Lichtreaktionen fand. Er polemisiert in
seiner sehr inhaltsreichen und höchst interessanten Schrift u. a.
gegen Loeb!!), der die Lebensweise von Euproctis chrysorrhoea
durch drei Arten der Reizbarkeit, die Bewegung zum Lichte,
einen negativen Geotropismus. und Kontaktreizbarkeit bestimmt
sein läßt. Loeb ist der Ansicht, daß diese Tiere durch die Schwer-
kraft gezwungen werden, vertikal aufwärts zu kriechen. Dagegen
bemerkt Hess: ‚Ich habe nie eine negativ geotropische Raupenart
gefunden.‘ Ich selbst muß auf Grund meiner Erfahrungen Hess
darin zustimmen, daß die Schwerkraft die Raupen keineswegs
zwingt, emporzusteigen; aber eine Neigung, auch unabhängig von
der Lichtstärke lieber aufwärts als in horizontaler Richtung und
abwärts zu laufen, besteht entschieden. Das beweisen meine S. 145
10) Über Lichtreaktionen bei Raupen und die Lehre von. den tierischen
Tropismen, Pflügers Arch. f. Physiol. Bd. 177, 1919, p. 57 e. s.
11) Der Heliotropismus der Tiere, Würzburg 1890.
Soziologische Studien an Raupen usw. 151
_ mitgeteilten Versuche mit geblendeten Raupen; und deren Ver-
halten auf dem Wagebalken am Ostfenster bei unveränderter Licht-
stärke trotz der Lageveränderung ihres Körpers zeigt mindestens,
daß die Raupen diese Lageveränderung ohne Mitwirkung des
Lichtes wahrnehmen und auf sie reagieren; ja bei älteren Raupen
überwiegt sogar allem Anscheine nach die Neigung emporzusteigen
den sogenannten Phototropismus. Dunkelkastenversuche halte ich
nicht für besonders günstig zur Entscheidung dieser Frage, weil die
Tiere in der Dunkelheit bald träge zu werden pflegen und schnell
zur Ruhe kommen. Wenn sie dann nicht an den Kastenwänden
emporsteigen, ist dies noch kein Beweis für den Mangel eines
Triebes hierzu. Auch sollte man im Dunkelkasten lieber geneigte
als horizontale Bodenflächen wählen, also den Kasten auf eine
seiner Kanten stellen, um zu etwas mehr gesicherten Ergebnissen
zu kommen. Bei meinen Dunkelkastenversuchen, die andere als
die hier in Rede stehenden Fragen zu beantworten hatten, sammel-
ten sich die Raupen sowohl an der Bodenfläche als auch an den
oberen Ecken (vgl. S. 129); aber letzteres Verhalten wurde weit
häufiger festgestellt.
Loebs Angabe, die Raupen bewegten sich von der Wärmequelle
weg, wurden durch Versuche von Hess widerlegt. Ich habe, da
mich bei meinen in erster Linie soziologischen Untersuchungen
diese Frage nicht unmittelbar interessierte, nach dieser Richtung
hin nicht experimentiert, zumal mir die sich sonnenden Raupen
verschiedener Arten niemals den Eindruck erwecken konnten, als
ob sie sich in einem peinlichen Zustande des Konfliktes ihrer
„ Lropismen‘‘ befänden, deren einer sie das Sonnenbad zu suchen,
der andere es zu fliehen zwingen soll. Diese Ungereimtheit weist
auch Hess mit dem Satze zurück: ‚‚In welchen Widerstreit müßten
in der Natur die Raupen fortgesetzt kommen, die so lebhaft nach
dem Sonnenlicht eilen und dabei sich doch von der Wärmequelle
fortbewegen sollen!‘ — Dankenswert ist ferner die Zurückweisung
des Irrtums, auf den Loeb seinen ‚‚Stereotropismus‘“ gegründet hat.
Schon von Loeb war behauptet worden, die E. chrysorrhoea-
Raupen seien in dem Maße von ihrem Phototropismus beherrscht,
daß sie lieber verhungerten als vom Lichte weg zum Futter gingen.
Da nicht nur mir diese Angabe sehr unwahrscheinlich war, habe
ich Versuche angestellt, die erst in diesem Frühjahre abgeschlossen
werden können. Ich werde über sie dann besonders berichten!?) und
will an dieser Stelle nur sagen, daß unter den von Loeb an-
gegebenen Bedingungen keine meiner aus Eiern gezogenen Raupen
. lieber verhungert als vom Lichte weg zur Nahrung gegangen ist.
Das beweist aber gegen Loeb noch nichts, weil er nur denjenigen
Raupen einen so weitgetriebenen Phototropismus zuerkennt, die
eben das Überwinterungsnest verlassen und noch nicht gefressen
haben. Ich werde also mit diesen Raupen die Versuche erst noch
12) Zeitschrift für Allgemeine Physiologie; erscheint voraussichtlich
1921. &
10. Heft
152 P. Deegener:
wiederholen müssen, um mir ein abschließendes Urteil bilden zu
können. (Vergl. umstehende Anm. 12.)
Ich bin nun sehr überrascht, bei Hess lesen zu müssen, daß
auch bei ihm ‚,oft‘‘ die Tiere bis zu ihrem Tode am Lichtende eines
Glasstabes verharren, ‚auch wenn man frische Zweige... in ihrer
nächsten Nähe anbringt, sofern nur diese Zweige nicht weiter zum
Hellen hinausragen als der Glasstab.‘‘ Hess sagt, die Raupen
taten dies ‚oft‘. Taten sie es nicht immer unter gleichen Be-
dingungen ? Bemerkenswert ist auch, daß sich Hess’ Raupen am
Zweige anders verhielten als am Glasstabe; denn am Ende des
Zweiges machte ein wenn auch nur verhältnismäßig kleiner Teil
der Tiere kehrt und kroch am Zweige herab wieder zimmerwärts,
am Glasstab geschah dies nicht. Waren die Raupen also am Glas-
stabe in höherem Grade phototropisch als am Zweige’?
Bei mir sind bisher am Lichtende dürrer Zweige so wenig wie
an deren oberen Enden jemals Raupen aus reiner Lichtliebe ver-
hungert. Mit Glasstäben fehlt mir freilich noch jede eigene Erfahrung.
Darin aber kann ich Hess bestätigen, daß die Raupen nicht, wie
Loeb will, nach der ersten Nahrungsaufnahme ihren ‚Photo-
tropismus‘“ verlieren. Mit Hess’ Erfahrungen an E. chrysorrhoea
stehen seine eigenen Beobachtungen an Vanessa urticae nicht recht
in Einklang, da letztere, wenn sie das Futter aufsuchten, doch
vom Lichte wegwandern mußten. Auch meine Raupen wußten
sich in jedem Alter unter dem Einflusse des Hungers von der Be-
stimmtheit durch ihre Lichtliebe freizumachen. Sie werden also
nicht vom Lichtstrahle wie an einem Faden gezogen, und Loeb hat
sicher nicht recht, wenn er meint, das Tier müsse seinen Mundpol
auch dann der Lichtquelle zuwenden, wenn es dabei aus dem
Hellen ins Dunkle gelange. Ich kann Hess, der diese Ansicht be-
streitet, nur beistimmen und mich darauf beschränken, auf meine
Versuche hinzuweisen, die so eingerichtet waren, daß ein Schatten
auf den lichtwärts verlaufenden Weg der wandernden Raupen
fiel (S. 114). Nach Loeb hätten sie am Schattenrande nicht stutzen
und halten dürfen. Ältere Raupen aber, die ja nach Loeb ihren
Phototropismus schon verloren haben mußten, sah ich ganz nach
Loebs Voraussetzung ohne irgendwelches Zögern den Schatten
in Richtung auf die Lichtquelle durchlaufen; und jüngere castrense-
Raupen zeigten sich durch die auf ihrem Wege liegenden Schatten-
flecke im Freien nicht im mindesten beeinflußt, obwohl sie unter
anderen Bedingungen (Versuche im Zimmer) ihre unverminderte
Lichtliebe sehr deutlich zu erkennen gaben. “Diese Lichtliebe ist
aber, wie mich meine Raupen gelehrt haben, kein sie notwendig
bestimmender Tropismus, sondern eine Neigung, die viel leichter
durch hinzutretende Motive überwunden werden kann, als Loeb
annimmt. Wie könnten sonst lichtwärts wandernde castrense-
Raupen spontan umkehren und in genau entgegengesetzter Rich-
tung vom Lichte weglaufen, ohne daß sich die äußeren Be-
dingungen nachweisbar verändert haben, und ohne daß
Soziologische Studien an Raupen usw. 158
durch Nahrungsaufnahme der Phototropismus aufgehoben wor-
den ist?
Ich stimme, um dies zuvor ausdrücklich zu betonen, mit Hess
darin vollkommen überein, daß die Organe und ihre Funktionen im
Interesse ihrer Träger zur Entwicklung gekommen sind. Aber mir
scheint doch, als ob folgende Ausführungen etwas einseitig den
biologischen Wert der Lichtliebe der Raupen beurteilen: ‚In den
ersten warmen Frühlingstagen, wenn eben die grünen Triebe zuerst
an den meistbesonnten Stellen hervorkommen, kriechen die
Räupchen aus den an kahle Stämme geklebten Eiern; ihre erste
Bewegung gilt dem Aufsuchen des Lichtes, und lediglich der Trieb
zum Lichte führt sie, wie wir gesehen haben, längs der Äste dahin,
wo die noch zarten kleinen Tiere am meisten Aussicht haben, bald
ihre Nahrung, junge Blätter, zu finden. Sicherlich gehen dabei
viele von ihnen dadurch zugrunde, daß sie auf dürren abgestorbenen
oder noch nicht mit Blättern versehenen Ästen zum Lichte kriechen
und an deren Spitze verhungern; das kann uns aber an der Über-
zeugung von der Zweckmäßigkeit jener Reaktion nicht irremachen:
müßten sie doch ohne den Trieb zum Hellen in noch viel größerer
Zahl, wenn nicht gar alle, zugrunde gehen.‘ — Die Nester der
Baumraupen, von denen Hess hier ausschließlich zu sprechen
scheint, sitzen mit Vorliebe an den Zweigenden, dort, wo die Eier
abgelegt worden sind. Würden deren Insassen nur durch das
Licht zur Nahrung geführt, so müßten die meisten von ihnen im
Neste verhungern. Jeder Biologe wird mir aber aus eigener Er-
fahrung bestätigen, daß man unter normalen Verhältnissen im
Freien Nester mit verhungerten Raupen ebensowenig findet wie an
dürren oder laublosen Zweigenden verhungerte Gesellschaften. Die
Ergebnisse der Laboratoriumsversuche müssen eben mit äußerster
Vorsicht auf die ganz anderen Verhältnisse in freier Natur an-
gewendet werden. Meine Laboratoriumsversuche haben mich, viel-
leicht weil ich in diesem Falle nicht mit Glasstäben, sondern nur
mit Zweigen und Blättern und anfangs grundsätzlich nur mit
naturgegebenen, dann aber auch mit anderen Unterlagen gearbeitet
habe, nie eine derartige Katastrophe erleben lassen. Nun gibt es
aber nicht nur Baumraupen, sondern sehr viele, die an niederen
Pflanzen leben. Auch diese sind lichtliebend. Denken wir an
M. castrense oder franconicum; ihre Eier sitzen als Ring an einem
dürren Pflanzenstengel. Wie will man sich vorstellen, daß diese
Raupen durch das Licht zur Nahrung geführt werden? Die überall
gleich bestrahlte baum- und schattenlose Ödlandsfläche ist da nicht
heller, wo die ersten Blättchen sprießen. Die meisten Ödlands-
raupen müßten verhungern, wenn sie lediglich durch das Licht zu
ihrer Nahrung geführt werden müßten, würden sinnlos jeden
dürren Stengel himmelwärts ersteigen und oft schon an dem Ende
des ihren Eierring tragenden Stengels zugrunde gehen. Da sie das
nicht tun, werden sie nicht allein vom Lichte geleitet; ja, wir sahen,
daß der Sonnenstand auf ihre Wanderrichtung gar keinen Einfluß
10 Heft
154 P. Deegener: Soziologische Studien an Raupen usw.
hat. Warum ersteigen ferner die vom Baume zur Erde gelangten
jungen E. chrysorrhoea-Raupen niemals die grünen Pflanzen des
Bodenwuchses (vgl. Deutsche Entomol. Zeitschr. 1919, H. I/II,
p. 85 u. 94), wenn doch lediglich ihre Lichtliebe sie führen soll?
Und könnte nicht die Lichtliebe dieser Tiere für sie auch den Vorteil
haben, sie zur Wärme zu führen? Der große Einfluß der Tempe-
ratur auf Raupen ist ja hinlänglich bekannt; sie werden nicht nur
durch Erwärmung lebhafter, sondern bedürfen sogar einer ge-
wissen Temperatur, um sich überhaupt bewegen zu können. Bei
niederen Temperaturen fressen sie nicht, und viele sonnen sich mit
großer Vorliebe und können überhaupt auf die Dauer ohne direkte
Sonnenbestrahlung nicht leben. Alle diese und manche anderen
Tatsachen müßten wohl berücksichtigt werden, wenn man ein zu-
treffendes Urteil über den biologischen Wert der Lichtliebe ge-
winnen will. Es wäre immerhin möglich, daß die Laboratoriums-
raupen deswegen am Ende der Glasstäbe und Reagenzgläser ein-
gingen, weil sie ihre Lichtliebe diesmal nicht zu der gesuchten und
für sie notwendigen Sonnenwärme führte; daß sie beharrlich auf
Nahrungsaufnahme verzichteten, weil sie gar nicht in erster Linie
Futter, sondern Wärme suchten, zu der sie im Freien nur das Licht
führen kann. Meine aus Eiern gezogenen chrysorrhoea-Raupen
schlüpften im Hochsommer, hatten es auch ohne direktes Sonnen-
licht warm genug und gingen vielleicht deswegen nicht am Licht-
ende zugrunde, sondern wanderten vom Lichte weg zur Nahrung.
Ohne ein abschließendes Urteil über den Wert der Lichtliebe
für die Raupen abgeben zu wollen, möchte ich doch betonen, daß
ich die Behauptung für etwas voreilig und gewagt halte, allein das
Licht führe diese Tiere zu ihrer Nahrung; und gesetzt, dies sei
wenigstens mit der Fall, so erschöpft sich damit der Wert der Licht-
wendigkeit für die Raupen wahrscheinlich noch nicht.
ARCHIV
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F.A. WIEGMANN
FORTGESETZT VON
WER ERICHSON;, . FH. TROSCHEL
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF
W. WELTNER und E. STRAND
SECHSUNDACHTZIGSTER JAHRGANG
1920
Abteilung A
11. Heft
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND
(BERLIN)
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R. STRICKER
Berlin
Inhaltsverzeichnis
Seite
Hedicke. Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen
(Hym., Chale.). (Mit 36 Textfiguren):. :» . =; 27 rer
Strand. Bezensionen , . . .. 0 une 0
Druck von Julius Brandstätter, Leipzig, Querstraße 13
Beiträge zu einer Monographie
der paläarktischen Isosominen (Hym., Chale.).
Von
Dr. H. Hedicke, Berlin-Steglitz.
(Mit 36 Figuren.)
Einleitung.
Den ersten Anstoß zu der vorliegenden Arbeit gab die vor
einigen Jahren an den Verfasser ergangene Aufforderung, für das
von Professor Ew. H. Rübsaamen (f) herausgegebene Monu-
mentalwerk ‚Die Zooceeidien, durch Tiere erzeugte Pflanzengallen
Deutschlands und ihre Bewohner‘ die deutschen /sosoma-Gallen
und ihre Erzeuger zu bearbeiten. Die ersten Literaturstudien zu
dieser Arbeit ergaben bald, daß die Schwierigkeiten, mit denen bei
der Bearbeitung einer Gruppe aus der Hymenopterenfamilie der
Chalcididen von vornherein gerechnet werden mußte, doch weit
erheblicher waren, als vorauszusehen war, stellte sich doch unter
anderem die überraschende Tatsache heraus, daß von den vielen
bekannten Isosominengallen Mitteleuropas nicht eine einzige
Isosoma-Spezies als Erzeuger beschrieben worden war, während
andererseits von den noch zahlreicher beschriebenen Isosominen
die Entwicklung und die Wirtspflanzen gänzlich unbekannt waren.
Hinzu kommt, daß die große Mehrzahl dieser Arten so ungenügend
beschrieben worden ist, daß ein Wiedererkennen dieser Arten nach
den Diagnosen heute nicht möglich ist. ‚Es dürfte wohl wenige
Insektengruppen geben, wie die Eurytomiden (von denen die /so-
somini ein Tribus darstellen), von welchen fast alle von den Autoren
aufgestellten Arten der Mit- und Nachwelt unbekannt geblieben
sind.“ Dieser von G. Mayr, dem seiner Zeit besten Kenner der
Chalcididen schon 1878 ausgesprochene Satz!) hat noch heute
seine Gültigkeit in unverändertem Umfange. Während die von
den Isosomen hervorgerufenen Gallen in anatomischer wie bio-
logischer Hinsicht genügend bekannt sind, geht die Unkenntnis
der Erzeuger so weit, daß die verbreitetsten und häufigsten der
Isosoma-Gallen Erzeugern ganz verschiedener Art zugeschrieben
werden, während sie in Wirklichkeit von ein und derselben Spezies
verursacht werden. Es stellte sich also die Notwendigkeit heraus,
die für die deutsche Fauna in Betracht kommenden Arten einer
gründlichen Revision zu unterziehen. Im Verfolg dieser Arbeit
ergab sich bald, daß eine solche Revision ohne Berücksichtigung
t) Verh. zool.-bot. Ges. 26, p. 297.
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 11. 1 11. Heft
2 Dr. H. Hedicke:
der übrigen paläarktischen Isosominen nicht durchführbar war.
Da nun der größte Teil der Ergebnisse dieser Arbeit über den
Rahmen der für das Grallenwerk bestimmten Bearbeitung hinaus-
geht, so lag der (Gredanke nicht fern, die Untersuchungen auf noch
weiteres Material auszudehnen und in ihrer Gesamtheit zusammen-
zufassen.
Das Zustandekommen der Arbeit ist in erster Linie Herrn
Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Brauer, dem verewigten Direktor des
Berliner. Zoologischen Museums, zu verdanken, der in entgegen-
kommendster Weise die Benutzung und Untersuchung des Museum-
materials und der literarischen und technischen Hilfsmittel des
Museums gestattete, sowie seinem Nachfolger, Herrn Geh. Reg.-Rat
Prof. Dr. Kükenthal, welcher mit größter Bereitwilligkeit diese
(renehmigung erneuerte, wofür ihm der Verfasser zu ehrerbie-
tigstem Dank verpflichtet ist.
Historischer Rückblick.
Die Geschichte unserer Kenntnis der Isosominen, so, wie sie
uns die Literatur darbietet, reicht nur bis in den Anfang der 30er
Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück, wenn man von einigen
früheren Erwähnungen solcher Arten absehen will, die später in
die Gruppe der Isosominen eingereiht wurden. Im allgemeinen
sind wir über die von ihnen hervorgerufenen Pflanzendeformationen
besser orientiert als über deren Erzeuger. Der größte Teil der
Literatur, die im übrigen nahezu ausschließlich in kleineren Fach-
und Vereinszeitschriften zu finden ist und nur verschwindend
wenige Arbeiten aufweist, die sich mit Isosominen ausschließlich
befassen, enthält Mitteilungen über /sosoma-Gallen, ihre Morpho-
logie, Anatomie, Biologie und Verbreitung; ein weiterer Teil be-
handelt die Systematik der Erzeuger; schließlich finden sich in
den 80er Jahren eine Anzahl von größeren und kleineren Arbeiten,
die die Streitfrage der Phytophagie der nahe verwandten und oft
durcheinander geworfenen Gattungen /sosoma und Eurytoma be-
handeln. Verhältnismäßig wenige Autoren befassen sich mit der
Lebensweise der als cecidogen bekannten Arten, nur einer bringt
eine anatomische Untersuchung einer Spezies.
Von wesentlichem Einfluß auf unsere Kenntnis der Isosomen
ist die amerikanische Literatur, die sich zwar in der Hauptsache
mit nur wenigen Arten beschäftigt, vorwiegend aber mit einer Art,
die, wie sich herausgestellt hat, zur paläarktischen Fauna zu rechnen
ist und in Nordamerika von hervorragender wirtschaftlicher Be-
deutung als (Getreideschädling ist, als welcher sie in Europa
glücklicherweise erst einmal sporadisch in Südrußland aufgetreten
ist. Außerdem verdanken wir die Neuordnung der Eurytomiden-
systematik einem amerikanischen Autor, W. H. Ashmead, der
um die Jahrhundertwende mehrere Arbeiten über die Systematik
dieser Gruppe publizierte.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen >
Die Gattung /sosoma wurde 1832 von Walker (8)?) begründet,
der zugleich eine größere Reihe von Artdiagnosen gab, deren Zahl
er im 2. und 4. Teil seiner „Monographia Chalciditum‘“ (10, 12)
noch vermehrte. Schon in früherern Jahren war eine Anzahl von
Hymenopteren beschrieben, die erst später als zu /sosoma gehörig
erkannt wurden. Die erste dieser Arten beschrieb Fabricius (1)
1798 als Ichneumon verticillatum; sechs Jahre später stellte er sie
in Geoffroys (2) alte Gattung Diplolepis; dieselbe Art erwähnt
Klug (3) in seiner Abhandlung über den Sexualdimorphismus der
.Pizeaten, bezweifelt aber die Gattungszugehörigkeit zu Diplolepis;
Spinola (4), der sie anfänglich gleichfalls hierher stellte, reiht sie
dann in Illigers (5) neues Genus Eurytoma ein; als solche wurde
die Art dann von allen späteren Autoren angeführt, bis sie Thom-
son (40) 1875 zu /sosoma stellt; er ist auch der erste, der eine etwas
eingehendere Diagnose der Art gibt. Eine ähnlich wechselvolle
Geschichte hat die von Dalman (6) 1820 beschriebene Eurytoma
longula: während sie Boheman (11) 1835 noch bei Eurytoma be-
läßt, vermutet Blanchard (14) in ihr ein /sosoma, ohne aber
seiner Sache sicher zu sein. Im selben Jahre stellt sie auch West-
wood (15) zu /sosoma, aber erst Thomsons (40) Diagnose läßt
erkennen, daß sie mit einer bereits 1832 von Walker (6) als /sosoma
lineare beschriebenen Art identisch ist. Trotzdem die Aufstellung
des Genus /sosoma längst geschehen war, finden sich bei späteren
Autoren, wie Nees von Esenbeck (9), Boheman (11), Zetter-
stedt (13) und Foerster (16) Beschreibungen einer Anzahl von
Arten, die, wie sich später herausstellte, zu /sosoma gehören.
Daraus ergibt sich schon, daß Walkers Diagnose der Gattung für
die Identifizierung der Arten nicht ausreichend ist. Das schlagend-
ste Beispiel für diese Tatsache ist der Umstand, daß Walker selbst
Eurytoma-Arten beschrieb, die zweifellos zu Isosoma gehören, von
denen er aber nur einen Teil später als zu /sosoma gehörig erkannte.
Aber auch die meisten seiner eigenen, in mehreren späteren Arbeiten
(18-9, 21-4, 37-9) beschriebenen /sosoma-Spezies sind nicht aufrecht
zu erhalten, so daß durch Walkers des öfteren gebrandmarkte
Skrupellosigkeit in der Schaffung neuer Arten ein grenzenloser
Wirrwarr in der Systematik der Isosomen geschaffen worden ist.
Thomsons (40) Versuch, hier Ordnung hineinzubringen, mußte
an dem Mangel an Material scheitern. Erst Ashmead gelang es,
wenigstens die Genera deutlicher zu trennen und schärfer zu um-
grenzen; er teilte die bisher als Unterfamilie der Chalcididen auf-
gefaßten Eurytomidae in fünf Tribus, deren wichtigste die Eur yto-
mini Ss. str. und die /sosomini sind, und gab eine dichotomische
Tabelle der Genera, deren Zahl durch desselben Autors kritische
Untersuchungen später auf neunzehn stieg (56-7, 89).
?2) Die in Klammern hinter einem Autornamen angegebenen Zahlen be-
ziehen sich auf die laufende Nummer der angezogenen Arbeit in dem am
Ey . . . . “ . .
Schluß dieser Arbeit befindlichen Literatarverzeichnis,
1*# 11. Heft
4 Dr. H. Hedicke:
Die erste Kenntnis von der Lebensweise einer Isosomine ist
dem Amerikaner T. W. Harris (7) zu danken, der 1830 die Be-
schreibung einer von ihm aus hanfkorngroßen Halmschwellungen
der Gerste gezüchteten Hymenoptere gab, die er Ichneumon hordei
nannte. Elf Jahre später stellte er sie zu Eurytoma (17); obgleich
nun Walker (18) die Art schon 1843 als zu /sosoma gehörig an-
sprach, führt Harris (25-6), wahrscheinlich in Unkenntnis der
Wäalkerschen Arbeit, sie auch weiterhin bei Eurvioma auf. Er stellt
das Vorkommen der Gallen auch auf Weizen fest und gibt eine
eingehende Darstellung ihrer Entwicklung. Durch massenhaftes
und stark schädigendes Auftreten zog die Art bald die Auf-
merksamkeit der amerikanischen Staatsentomologen auf sich. Sie
breitete sich immer weiter aus und wurde schließlich auf allen feld-
mäßig gebauten Getreidearten mit Ausnahme des Hafers fest-
gestellt. Wenigstens galten lange Zeit die Erzeuger der Gallen an
Roggen, Weizen und Gerste, die in Amerika allgemein unter dem
Vulgärnamen ‚, Joint-worm‘‘ bekannt wurden und in der letzten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine gewaltige Fülle von Schriften
entstehen ließen, als eine Art. 1861 aber erkannte Fitch, daß es
sich um mehrere Arten handelte, die er Eurytoma hordei Harr.,
tritici Fitch, secalis Fitch und fulvipes Fitch nannte. Die Richtig-
keit dieser Trennung wurde zwar von Walsh (31) und anderen
angezweifelt, aber 1896 von Howard (72) als zu Recht bestehend
anerkannt bis auf E. fulvipes Fitch, die nur durch geringe, übrigens
durch spätere Zuchten nicht als konstant erwiesene Färbungs-
unterschiede von hordei Harr. abweicht und mit dieser identisch ist.
Im Jahre 1881 berichten zwei russische Forscher unabhängig
voneinander über das Auftreten von I. hordei Harr. in Südrußland.
Während aber Lindeman (45-6) für das Gouvernement Mohilev
erhebliche Schädigungen des Getreides konstatiert, berichtet
Portschinsky (47), daß I. hordei in den von ihm besuchten
Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw nur sehr geringen
Schaden anrichte, dafür aber drei andere von ihm beschriebene
Arten in um so größerem Maße. Auch fand er ‘die Gallen von
hordei an Triticum und Secale, während Lindeman sie nur an
Triticum feststellen konnte. Daß diese Art in den von Portschin-
sky besuchten Gebieten verhältnismäßig geringen Schaden an-
richtet, schreibt er dem Umstande zu, daß sie stark unter Para-
siten zu leiden hat; er fand deren nicht weniger als zwölf. Er
empfiehlt deshalb den Amerikanern, die noch immer kein durch-
greifendes Bekämpfungsmittel gefunden hatten, die Masseneinfuhr
dieser Parasiten, eine Maßnahme, die sich zur Bekämpfung anderer
‚Schädlinge in Nordamerika als erfolgreich erwiesen.hatte. Außer
den Arbeiten dieser beiden Autoren, die im speziellen Teil der vor-
liegenden Revision noch eingehender zu würdigen sein werden,
findet sich in der europäischen Literatur keine weitere Angabe
über das Auftreten dieser Art im paläarktischen Gebiet. Wohl
aber weist von Schlechtendal (59) auf die Möglichkeit hin, daß
.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 5
die Erzeuger der Halmdeformationen auf den wildwachsenden
Triticum-(Agropyrum-)Arten, den Ouecken, mit Isosoma hordei
Harr. identisch sein könnten, da die Weibchen dieser und der aus
Agropyrum repens gezogenen Art nicht voneinander unterschieden
werden können. ‚‚Bei der Seltenheit der Männchen und bei der
Möglichkeit des Zusammenvorkommens queckenbewohnender Iso-
somen (man kennt deren mehrere) kann nur die Zucht der Tiere
unter Verschluß die Frage sicher entscheiden, ob jene Quecken-
Isosomen mit /sosoma hordei Harr. gleicher Art sind, und ob ein
Übergang derselben von diesem Unkraut zur Kulturpflanze zu
gewärtigen ist.‘ (59, p. 147.) Die von ihm angeführten ‚, Ouecken-
Isosomen‘‘ sind nie beschrieben worden, für die am häufigsten auf-
tretende Form schuf v. Schlechtendal (63) den Namen /sosoma
agropyri, der in die gesamte spätere Literatur übernommen wurde,
obgleich er ein nomen nudum ist. Nees von Esenbeck (9)
war der erste, der auf die Phytophagie der Eurytominen überhaupt
hinwies. Die Richtigkeit seiner Angaben wurde von Ratzebürg
und anderen Autoren, oft in sehr heftiger Weise, bestritten; es
wurde fast überall geltend gemacht, daß es undenkbar sei, daß in
einer Insektenfamilie wie die der Chalcididen, die eine ausgesprochen
parasitäre Lebensweise hat, eine kleine Gruppe derart von der
Norm abweichen sollte; man warf Nees und seinen Anhängern
Oberflächlichkeit in der Beobachtung vor, insofern sie den Wirt
der sicher parasitisch lebenden Eurytomen übersehen hätten und
infolgedessen den Parasiten für phytophag hielten. Der Streit
über diese Frage dauerte bis in den Beginn der 80er Jahre fort;
die große Mehrzahl der Entomologen der damaligen Zeit waren
- der Überzeugung, daß eine solche Abweichung vom Gesetz der
„Unity of habits‘‘, wie es Walsh (31, p. 155) nennt, unmöglich
“sei. So beschrieb auf Grund dieser seiner Ansicht Giraud (29)
in einer Abhandlung über die Gallen der Ouecke ein /sosoma
graminicola, das er für den Parasiten einer Diptere, Ochthiphila
polystigma Meig., hielt, die Larve des /sosoma sah er für diejenige
der ebenfalls parasitären Pimpla graminella Gir. an, deren Larve
er wiederum für die der Ochthiphila erklärte. In Wirklichkeit ist
aber das /sosoma der Erzeuger und die Ochthophila-Larve der
Parasit, wie Westwood (50) vermutete und von Schlechtendal
(59) bewies. Ähnlich verhält es sich mit Eur yloma longipenmis
Walk., die Weyenbergh (34) als den Erzeuger der von ihm ein-
gehend untersuchten Sproßspitzengalle an Ammophila arenaria L.
bezeichnete. Diese Angabe geht gleichfalls durch die gesamte
spätere Literatur; so führt sie Ritsema (36), Giard (54) und auch
Dalla Torre (76) als Erzeuger dieser Galle an, während die De-
formation tatsächlich, wie im speziellen Teil zu zeigen sein wird,
Isosoma : hyalipenne Walk. ist und E. longipennis Walk. bei
dieser Art aller Wahrscheinlichkeit nach als Parasit lebt und von
Wevenbergh mit dem ihr sehr ähnlichen o.. verwechselt
worden ist.
11. Hleft.
6 Dr. H. Hedicke:
Die von Weyenbergh behauptete Phytophagie der Eurytoma
wurde nicht angezweifelt, dagegen erhob sich über die Lebensweise
eines von Westwood (32) aus südamerikanischen Orchideen ge-
zogenen /sosoma ein neuer, hartnäckiger Streit, da einige Autoren
diese Spezies für den Parasiten eines Dipteron unbekannter Art
erklärten.. So führt Fitch (48) als gegen Westwoods Behauptung
sprechend die auffallende Übereinstimmung im Bau der Sproß-
spitzengalle an Triticum und Ammophila mit der von Lipara-
Arten an Phragmites an. Einen triftigen Beweis gegen die Phyto-
phagie des /sosoma orchidearum Westw. glaubte er gefunden zu
haben, als es ihm gelang, aus den in Frage stehenden Orchideen-
gallen mehrere Stücke einer Cecidomyide zu züchten (52). Riley
(53) wiederum verweist mit Recht darauf, daß Cecidomyiden
häufig bei Gallerzeugern inquilin leben, und daß die Frage nur
durch eingehende Untersuchung der Gallen und isolierte Zucht
der Erzeuger und etwaiger Einmieter entschieden werden könne.
Andererseits ist Fitch (42) von der Cecidogenität des Genus
Eurytoma fest überzeugt; er geht darin soweit, daß er das von ihm
als Erzeuger der Ammophilagalle richtig erkannte /sosoma hyalı-
penne Walk. in die Gattung Eurytoma stellt, ebenso verfährt er
mit Isosoma depressum Walk., das er für den Erzeuger der Stengel-
schwellungen an Festuca ovina L. ansieht, er vermutet weiter die
Identität des /. hyalipenne Walk. mit I. graminicola Gir., scheut
sich aber, sie als Tatsache hinzustellen, weil er eben die Phyto-
phagie von /sosoma bezweifelt.
Alle diese Fälle hätten wohl schneller entschieden werden
können, wenn die Abgrenzung der beiden Genera eine schärfere
gewesen wäre und man sicher gewußt hätte, was ist ein /sosoma
und was eine Eurytoma. An der Walkerschen Umgrenzung beider
(Grenera wurde aber bis 1888 festgehalten. Zwar versuchte Foer-
ster (27) schon 1856 eine schärfere Scheidung herbeizuführen, aber
infolge der Geringfügigkeit des ihm zu Gebote stehenden Materials
ohne Erfolg. Die Bearbeitung der Gruppe durch Walsh (33)
bringt ebensowenig eine Klärung, obwohl sie die amerikanischen
Arten einbegreift. Erst Ashmead (57) gibt 1888 auf Grund eines
umfangreicheren Materials eine Revision der Genera, die einen
wesentlichen Fortschritt bedeutet, obwohl auch sie nicht allen An-
forderungen genügt. Dalla Torre (76) gibt in seinem Catalogus
Hymenopterorum nur eine Aufzählung der bis dato beschriebenen
Genera und Spezies ohne jede kritische Bearbeitung, ebenso bringt
Schmiedeknecht (95, 100) nur eine wörtliche Übersetzung der
von Ashmead geschaffenen Gattungstabelle.
Die Mehrzahl der nach 1880 publizierten Arbeiten der /sosoma-
Literatur enthält Beschreibungen von Gallen, welche Isosomen
zugeschrieben werden, oder Mitteilungen von neuen Lokalitäten
bekannter Gallen. So beschreiben Fitch (42), Trail (43) und
Connold (79) Gallen der britischen Inseln, Giard (54), Decaux
(75), Houard (84, 90, 97), Marchal und Chateau (92) und
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 7
Noury (99) solche aus Frankreich, Massalongo (67-8), Del
Guercio (74), Baldrati (77), Trotter (78, 87, 101), De Stefani
(81), Cecconi (82) und Corti (83) I/sosoma-Gallen italienischer
Provenienz, Rostrup (73), vonLagerheim (91) und Reuter (98)
skandinavische Gallen, Tavares (85, 93) portugiesische, Docters
van Leeuwen und Reijnvaan (94) holländische und Houard
(107) nordafrikanische /sosoma-Gallen. Am größten ist die Zahl
der Autoren, welche deutsche Cecidien beschreiben, solche finden
sich angeführt bei Brischke (44\, von Schlechtendal (51, 59,
63, 70), Liebel (60), Hieronymus (61), Rübsaamen (62);
Kieffer (64-6, 80), vonLagerheim (86), Dittrich und Schmidt
(102, 108), H. Schmidt (106, 110-1) und Hedicke (114).
Obwohl also, wie der vorstehende kurze Überblick andeutet,
eine recht umfangreiche Literatur über diese Materie vorliegt, so
ist doch ein bedeutenderer Fortschritt unserer Kenntnis durch sie
nur nach der cecidologischen Seite hin zu verzeichnen, während
die systematisch zoologische Seite heute noch recht im Argen liegt.
Die beiden Hauptgründe dafür liegen einerseits in der bereits
mehrfach erwähnten, ungenügenden Kennzeichnung der beiden
meist miteinander verwechselten (renera, andererseits darin, daß
die Menge der bisher geschaffenen Arten zum weitaus größten Teil
nach dem Vorgange Walkers auf Größen- und Färbungsunter-
schiede gegründet worden sind, die für die Unterscheidung der
Spezies nur ganz ausnahmsweise von Bedeutung sind. Das ist
vor allem darauf zurückzuführen, daß diese Arten vorwiegend nach
einzelnen gefangenen Stücken beschrieben worden sind, wogegen
jedes Zuchtmaterial einer Spezies eine ganz auffallende Variabilität
der Größe und Färbung erweist, weiter aber auch darauf, daß in-
folge der ungenügenden optischen Hilfsmittel die wirklich kon-
stanten und meist eine sichere und leichte Unterscheidung der
Arten ermöglichenden Merkmale in der Skulptur von den Autoren
nicht erkannt wurden.
Es muß demnach Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, nach
möglichst eindeutiger Umgrenzung des Genus /sosoma eine exak-
tere Beschreibung der erkennbaren oder in typischen Stücken
vorhandenen, bereits früher beschriebenen Spezies und zu sicherer
Unterscheidung der Arten brauchbare Diagnosen der neuerdings
aus den Gallen in großem Maßstabe gezüchteten Arten zu geben
und die alten Arten, deren Lebensweise unbekannt ist und von
denen auch keine Typen vorliegen, mit Hilfe der vorhandenen Be-
schreibungen nach Möglichkeit zu klären.
Morphologie und Terminologie.
Die Terminologie der morphologischen Elemente des Chalci-
didenkörpers wird von den älteren Autoren so abweichend be-
handelt, daß das Verständnis der Diagnosen der von ihnen be-
schriebenen Arten dadurch nicht unerheblich erschwert wird, be-
sonders in solchen Fällen, wo von zwei Autoren ein und derselbe
11. Heft
Ss Dr. H. Hedicke:
Terminus für zwei verschiedene Teile gebraucht wird. Da von
dieser Ungleichmäßigkeit der Bezeichnung auch Merkmale be-
troffen werden, die für die Unterscheidung der Arten von Wichtig-
keit sind, so muß notwendig bei der Schilderung der Morphologie
der Isosominen die Terminologie etwas breiter behandelt werden.
Die Elemente der Kopfkapsel sind wie bei allen Chalcididen
nahtlos verwachsen, ihre Grenzen können daher nur annähernd
nach der Lage und Stellung der Organe des Kopfes bestimmt
werden. Von vorn gesehen erscheint der Kopf der Isosominen
(Fig. 1) mehr oder weniger dreieckig bis trapezförmig, die beiden
oberen Ecken werden von den ovalen, nie ausgerandeten Fazetten-
augen eingenommen, in der unteren Ecke liegt die Mundöffnung;
ın der Mitte der oberen Randlinie erscheint der vordere der drei
querovalen, in einem flachen Dreieck angeordneten Ocellen; in der
Nähe des Schwerpunktes des Gesichtsdreiecks sind die Antennen
inseriert. Von ihrer Basis abwärts zieht sich in der Richtung auf
die Mundöffnung eine mehr oder weniger leistenartige, meist stark
verflachte Erhebung, die im folgenden als ‚‚Mittelkiel‘“ bezeichnet
wird. Der Mittelkiel erreicht nicht die Mundöffnung, sondern er-
streckt sich meist nur über zwei Drittel des Abstandes zwischen
Antennenbasis und Mundöffnung. Der Kopfschild oder Clypeus
ist häufig durch eine beulige Erhabenheit dicht über der Mund-
öffnung angedeutet. Etwas oberhalb dieser Beule sind lateral vom
Oralende des. Mittelkiels zwei mehr oder weniger flache, zuweilen
in Richtung nach der Antennenbasis verlängerte Grübchen, die
„Clypeargruben‘, entwickelt, die bei manchen Arten (/. rueb-
saameni u. a.) sehr tief, bei vielen anderen aber so stark verflacht
sind, daß sie fast zu verschwinden scheinen und nur noch an-
gedeutet sind. Die Mitte der Stirn zwischen Antennenbasis und
Ocellen ist mehr oder weniger tief ausgehöhlt; diese Vertiefung
paßt sich in Größe und Ausbildung der Form der Schaftglieder
der Antennen an, die sie in der Ruhelage aufnimmt, ihre Seiten-.
grenzen verbinden die Antennenbasis mit den beiden seitlichen
Ocellen. Sie wird nachstehend als ‚‚Antennengrube‘‘ bezeichnet.
Vom unteren Ende der Fazettenaugen zieht sich eine am Ursprung
scharf und tief eingeschnittene Furche in die Wange hinein; bei
vielen Arten sind diese ‚ Wangenfurchen‘ in eine sehr feine, linien-
förmige Fortsetzung verlängert, die zuweilen (I. hieronymi,- petio-
latum, ‚schlechtendali) bis zur Mandibelbasis reicht. Die ver-
schiedenartige Ausbildung von Mittelkiel, Clypeargruben und
Wangenfurchen machen diese zu wichtigen Merkmalen für die
Unterscheidung der Arten. Die Mandibeln sind wie bei allen
Eurytominen dreizähnig, meist braun gefärbt, bei stärkerer Chiti-
nisierung pechbraun bis schwarz erscheinend. Der Bau der übrigen
Mundwerkzeuge ist für die Systematik der Isosominen nicht von
Bedeutung. :
Die Antennen aller Chalcididen sind knieförmig gebrochen
und gliedern sich demzufolge in zwei leicht erkennbare Abschnitte.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen. Isosominen )
Der erste besteht aus dem oft sehr kleinen und undeutlichen Basal-
gliede, durch welches die Insertion der Antennen am Kopf bewirkt
wird. Sein morphologischer Charakter ist noch nicht sicherge-
stellt, es wird daher bei der Zählung der Antennenglieder nie mit-
gerechnet. An das Basalglied schließt sich als Hauptteil des ersten
* Antennenabschnittes der Schaft (Scapus), der im männlichen Ge-
schlecht keulenförmig, ventral mehr oder weniger stark erweitert
und distal plötzlich verengt und oft seitlich komprimiert ist
(Fig. 2).. Bei den Weibchen ist er mehr oder weniger walzenförmig,
Fig. 2.
Fig. 1. Kopf von vorn. vO=vordere Ocellen, Ag=Antennengrube, Ab=
Antennenbasis, M—Mittelkiel, W=Wangenfurche, C=Clypeargrube.
Fig. 2. Antenne von Isosoma $ (schematisch). a=Scapus, b=Pedicellus,
ce=Annelli.
Fig. 3. Antenne von Isosoma ? (schematisch). a=Scapus, b=Pedicellus,
e=Annelli.
nicht oder nur schwach erweitert und distal allmählich verengt,
nicht komprimiert (Fig. 3). Der zweite, größere Abschnitt der.
Antennen ist mit dem Scapus durch das in einem Kugelgelenk
inserierte Wendeglied (Pedicellus) verbunden, das von fast kugeliger
bis birnförmiger oder stumpf kegeliger Gestalt, beim Männchen
stets weniger dick, beim Weibchen meist ebenso dick wie der
Scapus ist. Die Fühlergeißel, das Flagellum, ist mit dem Pedi-
cellus durch zwei meist nur bei mikroskopischer Betrachtung er-
kennbare Ringglieder oder Annelli verbunden; der erste Annellus
inseriert in der Mitte einer grubigen Aushöhlung des Distalendes
des Pedicellus, in welcher: er oft, besonders bei den Weibchen,
völlig verborgen und daher äußerlich nicht sichtbar ist. Er ist
stets kleiner als der 2. Annellus, der bei vielen Arten dem Proximal-
ende des 1. Geißelgliedes mit ganzer Fläche aufsitzt. Die Chitin-
schicht beider Annelli ist bei den Isosominen sehr dünn, so daß
sie mehr oder weniger gelbbraun erscheinen. Die Glieder des
Flagellums sind in Größe, Gestalt und Behaarung bei den ver-
schiedenen Arten außerordentlich verschieden und bilden dadurch
eins der wichtigsten Merkmale für die Unterscheidung der Arten
11. Heft
10 Dr. H. Hedicke:
besonders im männlichen Geschlecht, bei den Weibchen sind sie
in Gestalt und Behaarung etwas einförmiger. Das männliche
Flagellum weist sieben deutlich unterscheidbare Glieder auf, von
denen das erste stets das längste ist, während die folgenden sechs
sichan Länge voneinander viel weniger unterscheiden als vom ersten.
(Gewöhnlich nehmen Länge und Dicke der Glieder vom zweiten
zum siebenten allmählich etwas ab. Sie sind meist durch mehr
oder weniger lange Stielchen miteinander verbunden, die seltener
am proximalen (I. brevicorne, calamagrostidis), häufiger am distalen
(I. aciculatum, hieronymi, longicorne u. a.) oder aber an beiden
Enden der Glieder (I. hyalipenne, schlechtendali u. a.) auftreten.
Zuweilen sind nur die letzten Geißelglieder gestielt, die übrigen
nur an den Enden verschmälert oder leicht eingeschnürt, oder es
sind alle Glieder ohne Stielchen mit breiterer Fläche miteinander
verbunden (I. giganteum, persicum). Seltener sind die beiden
letzten Glieder mehr oder weniger gelenklos verwachsen, wie bei
I. brevicorne, ruschkai und persicum, so daß der Beginn einer Keulen-
bildung, wie sie für die weiblichen Antennen charakteristisch ist,
zu konstatieren ist. Die Form der männlichen Geißelglieder ist
sehr verschiedenartig, bei den meisten Spezies langgestreckt, mehr
oder weniger walzenförmig, zuweilen sind sie stark flügelig er-
weitert, wie besonders bei I. aciculatum, cylindricum, hieronymi
und scheppigi, so daß die Männchen dieser Arten, die auch einen
gedrungeneren Körperbau besitzen als die übrigen Isosominen,
dadurch eine täuschende Ähnlichkeit mit Eurytominen-Männchen
erhalten, bei denen geflügelte Antennen die Regel sind. Dem
letzten Gliede der männlichen Antennen ist ein verschieden ge-
staltetes Spitzchen, der Apiculus, aufgesetzt, der entweder sehr
dünn griffelförmig, dünner als das Distalende des letzten Gliedes
und mehrmals länger als dick ist oder von mehr oder weniger
stumpfkegeliger Form, dem letzten Gliede breit aufsitzend und dann
nur schwach wahrnehmbar ist. Der Apiculus läuft in ein feines
Tasthaar aus, das bei toten Tieren leicht abbricht und dann ur-
sprüngliches Fehlen vortäuschen kann.
Während bei den Weibchen Pedicellus und Annelli von gleicher
Beschaffenheit sind wie bei den artzugehörigen Männchen, prägt
sich im Bau des Flagellums ein auffallender Sexualdimorphismus
aus. Das Flagellum ist deutlich achtgliedrig, die drei letzten Glieder
sind zu einer Keule verwachsen, die die Naht zwischen dem
sechsten und siebenten Gliede deutlich, zwischen dem sieben-
ten und achten Gliede meist undeutlich erkennen läßt. Zu-
weilen ist die Verwachsung eine unvollkommene, wie bei I. ruschkat,
giganteum und Phleicola, und kann besonders bei letzterer Art
infolgedessen von einer Keule kaum mehr gesprochen werden. Eine
Stielchenbildung tritt nur selten und dann nur am proximalen
Ende der Glieder auf. Das relative Längenverhältnis der Glieder
zueinander ist das gleiche wie bei den Männchen, d. h. das erste
Glied ist das längste, die folgenden nehmen gewöhnlich an Länge
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 11
etwas ab. Die ersten fünf Glieder sind zumeist von gleicher Dicke,
bei einigen Arten, besonders bei /. phleicola, nimmt die Dicke von
Glied zu Glied zu. Die absolute Länge der einzelnen Glieder ist
viel geringer als bei den Männchen, ebenso die der ganzen An-
tennen, die bei den Männchen immer diejenige des Thorax über-
schreitet, ja so groß oder fast so groß wie die des ganzen Körpers
wird (7. longicorne, hyalipenne), bei
den Weibchen jedoch die Länge des
Thorax nur selten überschreitet. Ein
weiterer Sexualdimorphismus findet
sich in der Behaarung des Flagellums.
Sie ist bei den Männchen durchgängig
viel kräftiger und länger als bei den
Weibchen. Die einzelnen Haare stehen
auf Sinnespapillen, die beim ersten und
letzten Glied des Flagellums über die
ganze Oberfläche der Glieder unregel-
mäßig verstreut sind, bei den übrigen
zwei mehr oder weniger scharf ge-
trennte Ringe bilden, die um so deut-
licher geschieden sind, je größer die
Länge der Glieder wird, so daß die
Haare in zwei entsprechend gestellten
Wirteln angeordnet sind. Bei den Weib-
chen mit ihren relativ kürzeren Geißel-
liedern ist demnach die Wirtelun DR
che als bei den inch en en
Bei den Männchen einiger Arten ist Pn=Pronotum, Ps=Praesc u-
die Anordnung der Papillen auch auf tum, Se=Seutum, T=Tegu-
den mittleren Gliedern eine unregel- 1%: en alsrken
ee z i { tellum, M = Metanotum, Prp
mäßige, wie besonders bei /. giganteum =Propodeum , Pf = Parapsi-
und giraudi, überdies stehen bei diesen denfurchen, Af = Axillarfur-
Arten die Papillen auf mehr oder we- chen, Sf = Scutellarfurche,
niger stark erhabenen Höckerchen, so che,
daß die Oberfläche der Glieder uneben und rauh erscheint.
Der Thorax gliedert sich wie bei allen Insekten in drei Ab-
schnitte, Pro-, Meso- und Metathorax, denen sich bei den Hymenop-
teren noch ein vierter, das Propodeum, angliedert, das sich durch
den Besitz zweier Stigmen als umgewandeltes erstes Abdominal-
segment dokumentiert. Bei der großen Mehrzahl der Autoren
wird es unberechtigterweise als Metanotum bezeichnet, mit welchem
es aber, wie schon Latreille nachgewiesen hat, nichts zu tun hat.
Da nur die Gestaltung der Dorsaltergite von systematischer Be-
deutung ist, so wird im folgenden auf die Gliederung der lateralen
und ventralen Elemente nicht eingegangen.
Der Dorsalteil des Prothorax, das Pronotum, zeigt die für die
Unterfamilie der Eurytomiden charakteristische Rechteckform in
deutlicher Ausprägung; es ist doppelt bis 214 mal so breit wie an
11. Heft
12 Dr. H. Hedicke:
der Seite lang, dıe Vorderecken sind mehr oder weniger scharf
rechteckig, die Seitenränder parallel; der Vorderrand zeigt in der
Mitte einen nach vorn gerichteten, dreieckigen Fortsatz, das Collare,
das in das Hinterhauptsloch eingreift und dem Kopf die seitliche
Drehung ermöglicht. Es liegt nicht ganz in der Ebene des Pronotums,
sondern ist mehr oder weniger deutlich abgesetzt und etwas tiefer ge-
lagert. Der Hinterrand des Pronotums verläuft bei allen Arten mit
Ausnahme von /. giraudi und schmidti geradlinig oder fast gerad-
linig, bei dieser ist er über seine ganze Breite bogig ausgerandet,
so daß das Pronotum fast viermal so breit wie in der Mitte (das
Collare nicht mitgerechnet) lang erscheint. Das Mesonotum wird
durch eine Ouerfurche in zwei Hauptabschnitte zerlegt, das vordere
Fig. 5.
Thorax von Isosoma 9. Lateralansicht.
C=Collare, Pf=Pronotalfleck, Pn=Pronotum, Es=Episternum, Cx=
Coxa, Ps=Praescutum, Sc=Scutum, Pp=Praepeetus, A=Axilla, T=
Tegula, Em=Epimerum, M=Metanotum, Prp=Propodeum, Pl=Pleura,
Pt=Petiolus, die Indices ,..,3 bezeichnen die Zugehörigkeit zum 1.. 2,
oder 3. Thorakalabschnitt. | f
Scutum und das hintere Scutellum. Aus ersterem wird durch
zwei von den Vorderecken ausgehende und nach hinten kon-
vergierende Furchen, die Parapsidenfurchen, ein dreieckiges
Mittelstück ausgeschnitten, das als Präscutum bezeichnet wird
und die beiden außen gelegenen -Stücke des Scutums völlig von-
einander trennt. Diese sind mehr oder weniger stark, oft fast halb-
kugelig gewölbt und überragen fast immer die Seiten des Pro-
notums, von welchem sie zuweilen durch eine Einschnürung an
der Grenze von Pro- und Mesonotum getrennt sind. Das Scu-
tellum weist gleichfalls einen kreis- oder eiförmigen Mittelteil auf,
der über die Dorsalfläche des Thorax emporgewölbt ist. Die beiden
Seitenteile, die als Axillen bezeichnet werden, setzen die Wölbung
des Scutums fort und sind nach hinten stark verkürzt. Durch die
Dreigliederung des Mesonotums wird auch die Querfurche, die
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 13
Seutum und Scutellum trennt, in drei Abschnitte zerlegt, deren
mittlerer im nachfolgenden als Scutellarfurche, deren seitliche als
Axillarfurchen bezeichnet werden (Fig. 4). Die Scutellarfurche ist
oft schärfer und tiefer eingeschnitten als die Parapsidenfurchen.
An den hinteren Rand des Scutellums legt sich das Metanotum
an; es hat die Gestalt einer hufeisenförmigen Spange und ist seit-
lich durch die Axillen begrenzt, hier auch immer etwas breiter als
in der Mitte. Es liegt bei den meisten Isosominen tiefer als das
Scutellum und ist gegen dieses mehr oder weniger scharf abgesetzt,
so daß es von dem Hinterrand des gewölbten Scutellums überragt
wird. Im Profil gesehen erscheint diese Überragung als mehr oder
weniger langer Dorn, der sich zuweilen über das ganze Metanotum
und noch über die Basis des Propodeums hinwegschiebt. Die
Stärke der Absetzung und damit die Länge der Überragung ist
bei den verschiedenen Arten verschieden und muß zur Unter-
scheidung der Arten herangezogen werden. In seltenen Fällen ist
das Scutellum so wenig abgesetzt, daß es mit dem Metanotum in
einer Ebene zu liegen scheint; im entgegengesetzten Fall ist die
Fläche des Metanotums zu derjenigen des Scutellums senkrecht
gestellt, so daß das Metanotum von oben her nicht sichtbar ist.
Den Abschluß des Thorax bildet das Propodeum, das das Meta-
notum fast vollständig einschließt und seitlich an die Seitenstücke
des Mesothorax grenzt. Es ist mehr oder weniger stark gewölbt
und gegen die Dorsalfläche des Thorax geneigt. Die Neigung ist
nicht nur bei Männchen und Weibchen einer Art, sondern. auch
bei den einzelnen Arten verschieden. Seine Größe wird in den
nachstehenden Diagnosen durch den Winkel ausgedrückt, dessen
einer Schenkel durch die Längsachse des Thorax in der Richtung
von der Spitze-des Collare zum äußersten Ende des Propodeums
gegeben ist, während der andere durch die Verbindungslinie der
Mitte des Metanotalrandes des Propodeums und seines äußersten
(hinteren) Endes gebildet wird. Die Größe des Neigungswinkels -
bewegt sich zwischen den Extremen 20 und 75 Grad.
Die Vorderflügel sind in den Hinterwinkeln der beiden Teile
des Scutums dicht vor den Axillen eingelenkt. Sie zeigen die für
die Chalcididen charakteristische Aderung. Bis auf eine, die Sub-
costa, sind sämtliche Adern des normalen Hymenopterenflügels
obliteriert und nur noch teilweise durch faltige Verdickungen der
Flügelfläche als venae spuriae angedeutet. Die Subcosta verläuft
zunächst mit dem Vorderrande schwach divergierend in die Flügel-
fläche hinein, biegt dann zum Rande um und verläuft längs des
Randes, um bald, weit vor Erreichung der Flügelspitze zu enden;
kurz vorher sendet sie einen kurzen, mit einer unregelmäßig rhom-
bischen Verdickung endenden Ast in die Flügelfläche. Der Teil
der Subcosta vom Ursprung bis zur Einmündung in den Flügelrand
wird neuerdings allgemein als Ramus submarginalis bezeichnet,
der Teil von der Einmündung bis zur Abzweigung des Astes als
Ramus marginalis, der Teil von der Abzweigung bis zum Ende
11. Heft
14 Dr. H. Hedicke:
als Ramus postmarginalis, der Ast als Ramus stigmaticus oder
Radius. Da erstere Bezeichnung auf einer falschen Analogie
begründet ist, wird er im folgenden stets als Radius bezeichnet
werden. Die Flügelfläche ist mehr oder weniger hyalin, oft mit
einem gelblichen Schimmer über der ganzen Fläche, der selten
fleckenartig hervortritt, mit sehr feinen Wimperhärchen besetzt und
am Rande meist mit längeren oder kürzeren Haaren bewimpert. Oft
stehen die Härchen auf der Fläche in der proximalen Hälfte weniger
dicht als auf der distalen, sie können zuweilen nahe der Flügelwurzel
ganz fehlen oder sind hier in unregelmäßigen Streifen angeordnet.
Da aber individuelle Abweichungen in der Behaarung der Flügel-
fläche nicht selten sind, so ist die Behaarung nur in wenigen Fällen
zur Charakterisierung einer Art zu brauchen. Viel häufiger ist die
Bewimperung des Randes von spezifischer Bedeutung. Nicht alleın
wechselt die Länge der Wimperhaare, die Bewimperung kann auch
vollkommen oder
teilweise fehlen. Bei
den meisten Arten
aber ist die Be-
haarung und Be-
wimperung normal,
d. h. die Haare der
Fläche stehen in der
Umgebung der Flü-
Fig. 6 Vorderflügel. (Bewimperung und Be- gelwurzel weniger
haarung fortgelassen). ab=Ramus submarginalis, dichtalsdistal, ohne
be = Ramus marginalis, cd= Ramus postmargi- daß größere kahle
nalıs, ce = Radius.
Flächen auftreten,
und die Bewimperung des Randes ist nirgends unterbrochen, die
Haare sind nicht verschwindend kurz, aber auch nicht auffällig lang.
Die Hinterflügel sind an den seitlichen Enden des Metanotums
- eingelenkt, sie sind vom gewöhnlichen Bau des Hinterflügels aller
Chalcididen und weisen keine spezifischen Besonderheiten auf.
Auch die Beine weichen in ihrer Gestalt nicht vom Typus ab,
sie gliedern sich in Coxa, zwei Trochanteren, Femur, Tibia und
Tarsus. Die Vordertibien besitzen am distalen Ende einen ge-
krümmten, besonders bei den Männchen großen und am Ende
gespaltenen Sporn, die Tarsen sind wie bei allen Eurytomiden
fünfgliedrig, das letzte Glied trägt zwei Klauen und einen Haft-
lappen, das Empodium. Abweichungen im Bau der Beine sind
äußerst selten, dagegen ist ihre Färbung bei den einzelnen Arten
sehr wechselnd, aber auch starken individuellen Schwankungen
unterworfen, so daß bei den Diagnosen immer nur die mittlere
Verteilung der hellen und dunklen Farben angegeben werden kann.
Die Nichtbeachtung dieser Variabilität der Beinfärbung führte bei
den alten Autoren häufig zur Aufstellung eigener Arten, die nur
‚auf individuelle Verschiedenheiten in der Beinfärbung gegründet
waren. Die Grundfärbung ist gewöhnlich schwarz oder pech-
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 15
braun; die Knie, d. h. die Gelenke zwischen Femora und Tibien,
sind bei allen Arten heller oder dunkler braun gefärbt, ebenso die
Spitzen, d. h. distalen Enden, der Tibien; an den Vordertibien ist
die Hellfärbung meistens weiter ausgedehnt und läßt oft nur noch
einen dunkleren Streifen auf der Außen- oder Innenseite übrig,
der aber auch verschwinden kann. Bei den meisten Arten ist auch
das distale Ende der vorderen Femora in größerer oder geringerer
Ausdehnung hell gefärbt, ebenso die Tarsenglieder, oft mit Aus-
nahme des letzten.
Während also die Anhangsorgane des Thorax, Beine und Flügel,
mehr oder weniger ausgedehnte Hellfärbung aufweisen, ist der
- Thorax selbst völlig schwarz mit Ausnahme zweier hellen Flecke
in den Vorderecken des Pronotums, die bei den alten Autoren
eine große Rolle bei der Unterscheidung der Arten spielten, wie
sich bei Untersuchung jeden größeren Materials herausstellt, zu
Unrecht. Diese im folgenden als Pronotalflecken bezeichneten
hellen Stellen haben bei den einzelnen Individuen wechselnde Aus-
dehnung und Färbung, so daß es in der Regel nicht möglich ist,
bei den Artbeschreibungen eine bestimmte Umgrenzung oder
Lokalisierung oder einen bestimmten Farbenton als spezifisch an-
zugeben. Bei jedem größeren Material einer Art zeigt es sich, daß
erhebliche Reduktion bis zu völligem Verschwinden der Pronotal-
flecke neben stärkerer, über die Norm weit hinausgehender Aus-
breitung auftritt, die gar nicht selten bei beiden Flecken sogar
eine verschiedene ist. Bei drei Arten, /. aciculatum, cylindricum
und scheppigi, fehlen die Pronotalflecke vollständig und sind auch
bei nicht völlig ausgefärbten Stücken nicht einmal angedeutet.
Bei drei weiteren Spezies, /. /ulvicolle, luteicolle und semiluteum,
ist das ganze Pronotum gelbbraun gefärbt, nur der an das Prä-
scutum grenzende Rand weist noch eine Spur von dunklerer Fär-
bung auf. Es handelt sich in diesem Falle offensichtlich um eine
extrem weite Ausbreitung der beiden Pronotalflecke, die auf dem
Rücken zusammenfließen und die ehemalige Dunkelfärbung mehr
oder weniger vollständig verdrängen. Mit dieser Ansicht stimmt
auch die Erscheinung überein, daß an den Beinen dieser Spezies
die Dunkelfärbung fast vollkommen verschwunden und die Gelb-
färbung sich über alle Teile ausgedehnt hat.
Die Grundskulptur von Kopf und Thorax ist eine mehr oder
weniger feine Runzelung, die aber — im scharfen Gegensatz zu
den übrigen Triben der Unterfamilie der Eurytomiden — niemals
über alle Teile des Kopfes und Thorax in gleichmäßiger Feinheit
ausgebreitet ist. Am auffälligsten ist die Differenzierung der
Skulptur auf dem Thorax; das Propodeum ist sehr viel gröber, oft
fast netzartig gerunzelt und läßt bei den meisten Arten ein ganzes
System von feinen, verworrenen Kielchen und dazwischenliegenden
unregelmäßig polygonalen Grübchen erkennen. In der Mittellinie
ist meist eine langgezogene, bei den einzelnen Arten abweichend
gebildete Furche, die im folgenden als Medianfurche bezeichnet
11. Heft
16 Dr. H. Hedicke:
4
wird, zur Ausbildung gelangt. Die übrigen Teile des Thorax sind
stets feinrunzlig bis chagrinartig skulptiert, oft schwach glänzend.
Bei vielen Arten sind besonders auf dem Pronotum und dem Prä-
scutum flache Grübchenpunkte eingestreut, die zuweilen undeutlich
reihig geordnet sind. Am Kopf zeigen Stirn und Scheitel die gleiche
Skulptur wie Pro- und Mesonotum, während das Gesicht gewöhn-
lich ein wenig gröber gerunzelt ist und mehr oder weniger deutliche
Fächerstellung der Runzeln zeigt. Der ganze Kopf und Thorax
ıst dicht mit bei den meisten Arten sehr kurzen, etwas zurück-
gekrümmten Haaren von weißlicher bis brauner Farbe besetzt,
die in den Vorderecken des Propodeums etwas länger und fast
büschelig sind. Bei I. phleicola ist die Körperbehaarung auffallend °
lang und besonders auf dem hinteren Rande des Scutellums stark
entwickelt.
Das Abdomen ist mit dem Propodeum durch ein Stielchen,
den Petiolus, verbunden, der bei den Männchen stets deutlich
sichtbar, bei den Weibchen meist sehr kurz und oft nicht erkennbar
ist. Seine Länge ist bei den Männchen der verschiedenen Arten
wechselnd, meist doppelt so groß wie seine Dicke, zuweilen aber
auch drei- bis fast viermal so lang wie dick, selten weniger als
doppelt so lang wie dick. Er ist runzlig skulptiert. und oft mit
mehreren Längskielen versehen, das Vorderende zeigt bei allen
Arten eine mehr oder weniger starke, schuppenartige Aufbiegung,
die sie an die Hinterfläche des Propodeums legt und ein Über-
biegen des Abdomens nach oben verhindert. Kurz vor der schuppen-
artigen Aufwerfung ist der Petiolus zuweilen etwas eingeschnürt.
Er ist phylogenetisch als umgewandeltes Abdominalsegment an-
zusehen, wird aber meist nicht als solches mitgezählt.
Im Bau des Abdomens lassen sich bei den Isosominen zwei
Typen unterscheiden, die allerdings nicht immer scharf zu trennen
sind; bei der Mehrzahl der Arten ist das Abdomen im Umriß mehr
oder weniger eiförmig, die Seitenränder laufen von der Mitte oder
dem vorderen Drittel aus nach beiden Enden zusammen, bei den
übrigen Arten ist das Abdomen fast walzenförmig, die Seitenränder
sind in ihrem größten Teil parallel oder fast parallel und laufen
erst kurz vor dem Ende zur Spitze zusammen. Im folgenden wird
der erste als der ovoide, der zweite als der lineare Typus bezeichnet.
Diese Verschiedenartigkeit der Bauweise des Abdomens kommt bei
den Männchen viel weniger deutlich zum Ausdruck als bei den
Weibchen. Das männliche Abdomen ist sehr viel schwächer ent-
wickelt als das weibliche und läßt bei getrocknetem Material die
ursprüngliche Form oft nicht mehr deutlich erkennen, da die ein-
zelnen Segmente meist mehr oder weniger stark schrumpfen und
ineinander geschoben werden. Bei den Weibchen dagegen bleibt
infolge der starken Chitinisierung der inneren Organe die äußere
Form gut erhalten, nur die Rückenfläche ist bei den Arten des
linearen Typus meist etwas eingesunken. Bei den Arten des ovoiden
Typus überschreitet die Länge des Abdomens nie diejenige von
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 14
Kopf und Thorax zusammen, meist ist das Abdomen so lang und
auch ebenso breit wie der Thorax. Das Abdomen des linearen
Typus ist länger als der Thorax, zuweilen selbst länger als Kopf
und Thorax zusammen. Bei mikroskopischer Betrachtung zeigen
die Segmente mit Ausnahme des ersten eine sehr feine, nadel-
rissige Skulptur, die bei makroskopischer Betrachtung nicht sicht-
bar ist. Die letzten Segmente sind an den Hinterrändern fein
weißlich bewimpert. Ihre Zahl beträgt im männlichen Geschlecht
sieben, im weiblichen sechs. Die Spitze des weiblichen Abdomens
wird noch etwas überragt von dem äußersten Ende des fast das
ganze Abdomen füllenden Genitalapparates. Die Grundfarbe des
Abdomens ist schwarz, bei den Weibchen zeigt die Basis nicht selten
einen kastanienbraunen Schimmer; das vorragende Ende des
Legebohrers ist braun in verschiedenen Schattierungen.
Da, wie in der Einleitung dieses Abschnittes bereits bemerkt
wurde, die Terminologie von den alten Autoren abweichend be-
handelt wurde, ist es notwendig, diese Abweichungen, soweit sie
zur Vermeidung von Irrtümern in der Auffassung der im speziellen
Teil dieser Arbeit wiederzugebenden Diagnosen behandelt werden
müssen, vergleichend nebeneinander zu stellen. Dies gilt in erster
Linie für die Terminologie des Flügelgeäders. Der erste, der die
einzelnen Abschnitte der Subcosta mit besonderen Namen belegte,
war Haliday, der 1833 folgende Bezeichnungen einführte (vgl.
Fig. 6): Abschnitt ab Humerus, bc Ulna, cd Radius und ce Cubitus.
Diese termini sind indessen nicht empfehlenswert, da drei von
ihnen seit langem in der Terminologie der Vertebraten eingebürgert
und offenbar nur von dieser entlehnt sind. Sie könnten auch nicht
den Anspruch erheben, als besonders charakteristisch zu gelten,
da man wohl nie eine Homologie zwischen dem Flügelgeäder eines
Insekts und dem Knochengerüst der Extremität eines Wirbeltieres
wird konstruieren können. Gleichwohl werden diese termini von
Walker in seinen Diagnosen der 70er Jahre noch beibehalten,
trotzdem Ratzeburg schon 1848 und nach ihm Foerster 1856
weit treffendere Bezeichnungen vorgeschlagen hatten. Ratze-
burgs?), Terminologie konnte sich jedoch keinen Eingang ver-
schaffen. Sie ist vor allem deshalb unzweckmäßig, weil sie für
jeden Abschnitt den irreführenden Ausdruck ‚‚Nervus‘ vorschlägt,
der für die übergeordnete Einheit schon lange vorher in Gebrauch
war. Dagegen erhielt sich die Bezeichnungsweise Foersters (27)
bis heute mit Ausnahme des für den ersten Abschnitt angewandten
Ausdrucks ‚Ramus humeralis‘‘, der von den späteren Autoren aus
demselben obengenannten Grunde abgelehnt wurde wie der von
Haliday gebrauchte. An seine Stelle setzt Howard’) 1881 die
Bezeichnung ‚Submarginal vein“. Mit dieser Abänderung ist
Foersters Terminologie heute allgemein in die Chalcididen-
?) Die Ichneumonen der Forstinsekten, 2. Bd. Berlin 1848, p. 222.
4) Report on the parasites of Coceidae in the colleetion of the U. S.
Department of Agriculture. — Ann. Rep. Ent. 1880, Washington 1881, p. 352.
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 11. 2 11. Heft
18 Dr. H. Hedicke:
literatur übergegangen. Schmiedeknecht (98) war der erste, der
die von Howard verbesserte Terminologie in latinisierter Form
anwandte. Wie bereits bemerkt wurde, wird der ‚„Ramus stig-
maticus‘‘ vielfach in kürzerer Form als ‚Radius‘ bezeichnet. Der
besseren Übersicht halber seien hier die von den genannten Au-
toren gebrauchten termini nebeneinandergestellt.
Haliday | Ratzeburg Foerster Howard |Schmiedekn.
1833 | 1848 1856 1881 1907
ab.) ums | en | wen, | SubmungmelilEErr
be | Ulna Nervus duplex Barnes Marginal vein Mer
= | ee DERNUR EGSRRLE als FR ee
ce | Cubitus Nervus radialis Idemehieke Stigmal vein al
Eine andere durch ungenaue Bezeichnungsweise verursachte
Unklarheit, die öfter zu Irrtümern geführt hat, liegt darin, daß
der Abdominalstiel, der Petiolus, nicht immer als solcher be-
zeichnet wird und bei einigen Autoren als erster Abdominalring
mitgezählt wird, wie z. B. bei Thomson (40, p. 8), während andere
das auf den Petiolus folgende als das erste Segment rechnen. Bei
Walker findet sich sogar dieses Segment bald als erstes, bald als
zweites bezeichnet, was natürlich mehrfach zu falscher Angabe der
Zahl der Abdominalsegmente führen mußte. Will man den Pe-
tiolus zum Abdomen rechnen und als Segment mitzählen, so müßte
man folgerichtig auch das Propodeum mitzählen, das ja ebenso
wie der Petiolus ein sekundär umgewandeltes Abdominalsegment
darstellt. Im folgenden werden daher stets nur die als solche
ausgebildeten Segmente gezählt und das auf den Petiolus folgende
als erstes gerechnet. Noch häufiger sind Ungenauigkeiten in der
Zählung der Antennenglieder. Walker, der den Apiculus der
Männchen nicht gesehen hat, nennt die männliche Antenne elf-,
die weibliche zwölfgliedrig, woraus hervorgeht, daß er zwei Annelli
unterschied (8, p. 12), Thomson dagegen kennt nur einen An-
nellus (40, p. 25), rechnet dafür aber den Apiculus als Fühlerglied
mit, spricht bei der Mehrzahl der ihm bekannten Arten von einer
dreigliedrigen Keule auch bei den männlichen Antennen und stellt
demnach im männlichen wie im weiblichen Geschlecht 11 Fühler-
glieder fest. Bei den späteren Autoren wird der Apiculus nicht als
eigenes Glied angesehen und daher nicht mitgezählt. Auch der
Begriff des Flagellums wird verschieden aufgefaßt. Während
Ratzeburg selbst den Pedicellus noch zur Geißel rechnet, spricht
Thomson überhaupt nicht von einem Flagellum, sondern von
Funiculus und Clava; letztere umfaßt die drei letzten Glieder, die
ja wenigstens bei den Weibchen immer zu einer Keule verwachsen
sind, alle übrigen Glieder bis zu den Annelli bilden den Funiculus.
Die heutige Bezeichnungs- und Zählweise geht auf Foerster (27)
zurück, der wie Walker bei den Männchen elf Glieder im ganzen,
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isssominen 19
davon sieben Geißelglieder, bei den Weibchen zwölf Glieder, davon
acht Geißelglieder zählte. Auf die früher übliche Bezeichnung des
Propodeums als Metanotum wurde bereits hingewiesen. Be-
merkenswert ist, daß das eigentliche Metanotum auch manchen
der alten Autoren bereits bekannt war, wie z. B. Thomson, der
es als „„Frenum‘‘ bezeichnet. Im übrigen treten für die Elemente
des Pro- und Mesothorax bei denjenigen Autoren, die sich mit
Isosominen befassen, die oben angeführten, heute gebräuchlichen
Bezeichnungen auf mit alleiniger Ausnahme der beiden Hälften
des Scutum, die meist als ‚„Parapsiden‘‘ bezeichnet werden.
Lebensweise und postembryonale Entwicklung.
Auf den lange unentschieden hin und her wogenden Streit
über die Frage, ob es phytophage Chalcididen überhaupt gebe
oder nicht und ob die Isosomen phytophag oder zoophag leben,
ist im historischen Teil dieser Arbeit verwiesen worden. Seit
v. Schlechtendal 1888 (60) kann diese Frage als dahin ent-
schieden gelten, daß die Isosominen ausschließlich phytophag, die
Eurytominen zoophag sind. Zwar war schon Walker (37, p. 20)
das Vorkommen von Isosominen in Pflanzengallen bekannt, ebenso
Weyenbergh (34) und Giraud (29), aber während letztere, die
die Tiere sogar aus Grasgallen gezüchtet hatten, die Erzeuger der
Gallen für Parasiten hielten und ersterer über die Lebensweise
sehr im Zweifel war, war den Amerikanern, an ihrer Spitze Harris
(17, 25-6) die wahre Lebensweise der Tiere längst bekannt. Bis
1890 waren nur sehr wenige Isosomagallen bekannt, die am häufig-
sten erwähnte, da auffälligste Form war die Sproßspitzendeforma-
tion von I. hyalipenne an Agropyrum repens und Calamagrostis
(= Psamma) arenaria. Erst durch v. Schlechtendals (66, 73)
zusammenfassende Veröffentlichung aller derzeit bekannten deut-
schen Pflanzengallen wurde eine größere Anzahl von Isosomo-
cecidien bekannt, deren Zahl sich bis in die letzten Jahre ständig
vermehrte. Unsere. Kenntnis von der Lebensweise ihrer Erzeuger
und ihrer Entwicklung in den Gallen ist aber noch heute sehr
dürftig. Nur zwei Arten sind durch die Holländer van Leeuwen
und KReıjnvaan (97) in dieser Richtung genauer untersucht,
nämlich 7. hvalipenne und hordei, die beiden häufigsten und ver-
breitetsten Arten. Bei der Eiablage, die bei der erstgenannten
Spezies beobachtet wurde, klettert das Weibchen bis über den
höchsten Halmknoten des Strandhafers, biegt das Abdomen nach
unten um und sägt mit der Legebohrerscheide ein Loch durch
sämtliche Blattscheiden bis in den Vegetationskegel. Dann wird
das Abdomen gestreckt und der Legebohrer tief in den Halm ein-
geschoben, worauf durch hin- und herschiebende Bewegungen ein
Ei abgelegt wird. Mitunter ist die erste Bohrstelle nicht gleich
die geeignete, dann wird eine andere Stelle angebohrt, bis die
richtige dicht unter dem Vegetationspunkt gefunden ist. Die
Richtigkeit dieser Beobachtung konnte der Verfasser bei der
I 11. Heft
2) Dr. H. Hedicke:
gleichen Spezies an der Quecke, Agropyrum repens, beobachten.
Die Weibchen von I. calamagrostidis, die Verfasser gleichfalls Ende
Mai in der freien Natur bei der Eiablage beobachten konnte, laufen
unter ständigem lebhaften Vibrieren der Antennen zunächst an
dem Halm von Calamagrostis epigeios unruhig auf und ab, machen
oft Halt und betasten mit der Antennenspitze den Halm, der
dicht über einem der oberen Halmknoten schließlich in der gleichen
\\ eise wie bei I. hyalipenne angebohrt wird. Die Zeit der Eiablage
schwankte zwischen 8 und 17 Minuten, dauerte also etwas länger
als bei /. hyalipenne, bei der Verfasser Eiablagen in Zeiträumen
von 3 bis 6 Minuten beobachtete. Die holländischen Beobachter
geben leider keine Zeiten für die Dauer der Eiablage an. Der
Unterschied in der Dauer der Ablage bei den beiden beobachteten
Spezies ist um so bemerkenswerter, als von /. hyalipenne stets nur
ein Eiin den Vegetationskegel versenkt wird, während /. calamagro-
stidis mehrere Eier, meist 3 5 durch ein und dasselbe Bohrloch
in den Halm ablegt. Die aus diesen Ablagen entstehenden Halm-
schwellungen weisen entsprechend viele Larvenkammern auf. Die
beiden Holländer beobachteten auch die Eiablage von /. hordei
(bei ihnen als agropyrı bezeichnet), die sich unter den gleichen
Umständen vollzog wie bei hyalipenne, nur daß die Hordei-Weibchen
beı der Ablage den Kopf nach unten gerichtet trugen, diejenigen
von hyalipenne aber stets nach oben. Die vom Verfasser beobach-
teten Weibchen von calamagrostidis hielten gleichfalls den Kopf
stets auf den Erdboden gerichtet. Seine Erklärung findet dieses
Verhalten wohl in der späteren Entwicklung der Galle; die Halm-
schwellungen von /. hordei und calamagrostidis entwickeln sich
stets oberhalb der Eiablagestelle, während durch die Eiablage von
I. hyalipenne eine Wuchsstauchung eingeleitet wird, die sich unter-
halb des Vegetationskegels vollzieht, da dieser selbst den Abschluß
nach oben darstellt. Bemerkenswert ist, daß die Holländer in der
(refangenschaft auch unbefruchtete Weibchen zur Eiablage brach-
ten. Ob aus diesen Eiern auch Larven hervorgehen, vermochten
sie leider nicht festzustellen, doch ist es als wahrscheinlich anzu-
nehmen, da von amerikanischen Forschern, besonders von Riley
und Webster parthenogenetische Entwicklung von Isosomen
einwandfrei festgestellt wurde. Bei den meisten europäischen
Arten, von denen dem Verfasser ein größeres Zuchtmaterial vor-
liegt, überwiegt die Zahl der Weibchen die der Männchen sehr
erheblich, so daß parthenogenetische Entwicklung sicher auch bei
den paläarktischen Arten vorkommt. Die beiden genannten
amerikanischen Autoren konnten noch eine weitere sehr auffallende
Analogie zwischen der Entwicklungsweise der Isosomen und der
gallerzeugenden Cynipiden feststellen. Es gelang ihnen nämlich,
einen (renerationswechsel zwischen zweien der häufigsten nord-
amerikanischen Arten, /. Zritici Fitch und grande Riley, nachzu-
weisen, und zwar tritt Zritici in beiden Geschlechtern auf, pflanzt
sich also auf sexuellem Wege fort, grande dagegen kommt nur im
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 21
weiblichen Geschlecht vor, pflanzt sich parthenogenetisch fort und
ist obendrein in vollkommenster Analogie zu der Cynipidengattung
Biorrhiza flügellos. Ob bei paläarktischen Isosomen (renerations-
wechsel vorkommt, bleibt noch nachzuweisen. Die bisher zur
Beobachtung gelangten /sosoma-Eier sind birnförmig, langgestielt
und besitzen an dem dem Stiele gegenüberliegenden Pol einen
griffelartigen Fortsatz. Docters van Leeuwen und Reijnvaan
ermittelten für die Eier von I. hyalipenne als Durchschnittsmaße
für den Eikörper 0,23 mm, für den Stiel 0,2 mm, für den Fortsatz
0,08 mm. Die vom Verfasser untersuchten Eier von I. calamagro-
stidis zeigten annähernd die gleichen Maße. Über die Bedeutung
des Fortsatzes ist nichts bekannt; der Stiel, der auch bei cecido-
genen Cynipiden festgestellt wurde, liegt stets dem Bohrkanal zu
gerichtet. Die jungen Larven schlüpfen bald nach der Eiablage
und sind, soweit Beobachtungen vorliegen, im Herbst ausgewachsen.
Alle bisher gezüchteten Isosominen schlüpfen im Frühjahr. Ver-
fasser fand ausgangs des Winters erwachsene Larven in den Grallen
von I. hordei, hyalipenne, calamagrostidis, ruebsaameni und hiero-
nymi. Es ist anzunehmen, daß die Isosominen sämtlich im
Larvenstadium überwintern. Die Larven sind beinweiß bis zitronen-
gelb und gleichen in ihrem Bau völlig den häufig beschriebenen
Larven der Gattung Eurytoma, so daß hier auf eine Schilderung
desselben verzichtet und auf die bezügliche Literatur verwiesen
werden kann. Die Larvenanatomie, speziell diejenige des Darm-
traktus ist von Docters van Leeuwen (99) bei /. hyalipenne
untersucht worden.
Die Isosomoceeidien.
Die den paläarktischen Isosominen als Substrate dienenden
Pflanzen gehören sämtlich der Familie der Gräser an und ver-
teilen sich auf 26 Gattungen mit 51 Arten. Davon beherbergen
das Genus Festuca 11 Gallen, Agropyrum 9 Gallen, Calamagrostis
und Stipa je 5 Gallen, Koeleria 4, Agrostis, Corynephorus, Fhleum
und Triticum je 3, Aera, Avena, Brachypodium, Dactylıs und
Lolium je 2 und Aristida, Arrhenatherum, Bromus, Diplachne,
Elymus, Holcus, Hordeum, Phalaris, Phragmites, Poa und Secale
nur je ein Cecidium. Demnach sind bisher in der paläarktischen
Region 67 /sosoma-Gallen aufgefunden, jedoch von nur 33, also
der Hälfte, sind die Erzeuger mit Sicherheit festgestellt, die sich .
auf 18 Spezies verteilen. Von diesen werden im folgenden nicht
weniger als 15 Arten neu beschrieben, so daß von den zahlreichen
im Verlauf von über achtzig Jahren beschriebenen Isosominen nur
drei als Gallenerzeuger bisher bekannt geworden sind: I. hordei,
hyalipenne und stipae. Letztere Spezies ist nur in Italien, Sizilien
und Tripolis gefunden worden, die beiden anderen sind weit ver-
breitet und verhältnismäßig lange bekannt. Das ist wohl nur
darauf zurückzuführen, daß die eine, /. hordei Harr., wiederholt
als Getreideschädling in großen Massen aufgetreten ist, die andere
11. Heft
‘s
|}
2 Dr. H. Hedicke:
aber, I. hyalipenne Walk., eine recht auffällige Galle erzeugt und
meist in so großer Anzahl beisammen auftritt, daß sie schwer zu
übersehen ist. Es ist daher nicht zu verwundern, daß diese beiden
Arten mehrfach unter verschiedenen Namen beschrieben worden
sind, um so weniger, als beide auf verschiedenen Pflanzengattungen
Gallen erzeugen können.
Die Tatsache einerseits, daß von so zahlreichen von Isoso-
minen herrührenden Gallen die Erzeuger noch immer nicht be-
kannt sind, andererseits der Umstand, daß durch intensive Sammel-
tätigkeit an einer beschränkten Lokalität nicht weniger als 20 neue
Isosomocecidien haben nachgewiesen werden können, machen es
in hohem Maße wahrscheinlich, daß nicht allein sämtliche Iso-
somen phytophag, sondern auch cecidogen sind, und daß bei weitem
noch nicht alle überhaupt vorkommenden /sosoma-Gallen gefunden
worden sind.
Es’ sei hier als bemerkenswert erwähnt, daß Kieffer 1910
als Proseurytoma n. g. gallarum n. sp. aus den argentinischen Cor-
dilleren eine Chalcidide aus dem Subtribus der Eurvytomini be-
schrieb, die nach seiner Angabe der Erzeuger einer großen, schwam-
migen Knospen- oder Fruchtgalle sein soll. Ist es an sich er-
staunlich, daß in einer Familie mit ausgesprochen parasitärer
Lebensweise wie die Chalcididen eine engbegrenzte, kleine Gruppe
wie die /sosomini phytophag ist, so erscheint es doch undenkbar,
daß ein einziges Genus der nächstverwandten Subtribus, dessen
Angehörige nach vielen einwandfreien Beobachtungen parasitär
leben, seine Tribuszugehörigkeit dergestalt verleugnen und ceci-
dogen sein sollte. Aller Wäahrscheinlichkeit nach liegt der Fall
ebenso, wie in früheren Jahren so oft, daß nämlich der Parasit
einer Galle für deren Erzeuger gehalten und als solcher beschrieben
wurde; das Fehlen jeder Spur eines anderen Bewohners einer Galle
kann nie als Beweis dafür angeführt werden, daß das durch Zucht
aus der Galle erhaltene Tier der Erzeuger der Galle sei.
Die von den Isosominen verursachten Cecidien sind mit einer
einzigen Ausnahme entweder Sproßspitzendeformationen oder
Halmschwellungen. Erstere entstehen bei denjenigen Arten, die
ihre Eier in den Vegetationskegel der Sproßspitze ablegen, wodurch
eine Wachstumshemmung verursacht wird, die eine Verkürzung
der Internodien und damit die Bildung eines Blätterschopfes zur
Folge hat. Gleichzeitig schwillt der Halm infolge Vergrößerung
sämtlicher Zellen des Grundgewebes an, in den Gefäßbündeln
werden die Elemente des Xylems englumiger, die des Phloems
vermehren sich abnorm stark. Die durch die Verkürzung der
Internodien stark zusammengedrängten Blätter haben eine kurze
Spreite und eine ebenfalls verkürzte und stark verbreiterte Scheide.
Als Erzeuger derartiger Blätterschöpfer war bisher nur I. hyalı-
penne Walk. bekannt, welche Art aus den Sproßspitzengallen der
Agropyrum-Arten und von Calamagrostis arenaria L. gezüchtet
worden ist. Höchstwahrscheinlich verursacht sie auch die gleichen
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 23
Gallbildungen an Avena pubescens L. Neu beschrieben wird im
folgenden I. brachypodii als Erzeuger der Blätterschöpfe auf
Brachypodium-Arten. Ferner kommen ähnliche Deformationen
auf Holcus mollis L. und Phleum pratense L. vor, deren Erzeuger
noch unbekannt ist. Die Entwicklung der Sproßspitzengalle an
Agropyrum-Arten ist durch Docters van Leeuwen und Reijn-
vaan (97) eingehend untersucht worden.
Der zweite Gallentypus besteht in einer Anschwellung der
Sproßachse. Der Bau und die Bildung dieser Form ist bei den
einzelnen Erzeugern so verschieden, daß sich kaum allgemeine
Gesichtspunkte zur Betrachtung derselben finden lassen. Die
Schwellungen können auf der ganzen Sproßachse lokalisiert sein,
am häufigsten liegen sie im eigentlichen Halm, meist dicht über,
seltener unter einem Knoten, mitunter auch im untersten, ersten
Internodium. Bei einigen Arten sind die Deformationen auf die
Infloreszenz beschränkt und treten hier als mehr oder weniger
starke Verdickung der Ährchenachse auf, die mitunter eine erheb-
liche Reduktion aller übrigen Teile der Infloreszenz zur Folge hat.
Manche Sproßachsenschwellungen sind so gering, daß sie äußer-
lich unsichtbar und nur beim Darüberstreichen mit den Finger-
spitzen durch das Gefühl als härtere Stellen im Halm wahrnehmbar
sind. Meist sind sie auch ganz von der Blattscheide umhüllt, die
in anderen Fällen wieder von der Schwellung durchbrochen wird.
In einem Fall ist die Schwellung als solche nicht sehr stark, sie hat
aber eine derart starke Verbiegung des Halmes zur Folge, daß
dadurch die Scheide durchbrochen wird und die Galle aus ihr
heraustritt; schwächere Verbiegungen und Knickungen des Halmes
kommen nicht selten vor, gewöhnlich liegt die Schwellung dann
dicht über einem Knoten.
Eine von den übrigen Formen abweichende Deformation verur-
sacht I. cylindricum n. sp. auf Stipa capillataL. Alle Teile der Blüte
verwachsen infolge der Eiablage in den Vegetationskegel eines fertilen
Sprosses mit den Spelzen zu einer langgestreckten Spindel, die in
eine ebenfalls deformierte Granne ausläuft. Die Galle bleibt mit dem
Halm in fester Verbindung und verholzt der Basis. Wenn alle
Ahrchen angegriffen sind, bleibt die Rispe vollständig geschlossen.
Die Larven leben in der Regel bei den Sproßspitzengallen
wie bei den Halmschwellungen im Mark der Achse, entweder in
besonderen Kammern oder frei. Bei einigen Formen, wie z. B.
den Gallen von I. calamagrostidis, liegen die Larvenkammern in
gleichmäßigen Abständen in einem Internodium übereinander, was
auch durch die von den entwickelten Wespen beim Schlüpfen ver-
ursachten Fluglöcher deutlich wird. Derartige Gallen bezeichnete
v. Schlechtendal als ‚Flötengallen‘“.
Im nachfolgenden speziellen Teil der vorliegenden Arbeit
werden die Gallen bekannter Erzeuger bei diesen kurz beschrieben,
die Cecidien noch unbekannter Isosomen werden am Schluß zu-
sammenfassend behandelt werden.
11. Heft
24 Dr. H. Hedicke:
System der Genera.
Von den alten Autoren wurde die Familie der Chalcididae,
die bei weitem arten- und aüch formenreichste aller Hymenopteren,
in drei Gruppen nach der Zahl der Tarsenglieder eingeteilt und alle
Formen mit fünf Tarsengliedern als Pentamera, die mit vier Glie-
dern als Tetramera und die mit dreigliedrigen Tarsen als Trimera
zusammengefaßt. Diese Gruppierung mußte fallen gelassen werden,
als man Genera auffand, bei denen die Zahl der Tarsenglieder in
beiden (Greschlechtern eine verschiedene ist. Ein durchgreifendes
Unterscheidungsmerkmal fand Thomson in der Form der vor-
deren Tibialsporen, die bei den ehemals als Pentameren zusammen-
gefaßten Gattungen groß und kräftig und an der Spitze gekrümmt,
bei den Tetrameren und Trimeren kurz, dünn und gerade sind.
Die erstere Gruppe bezeichnete er als die Sektion der Macrocentri,
die letztere als Microcentri. Zur Sektion der Macrocentri gehört
die 1856 von Foerster (27) aufgestellte Subfamilie der Furyto-
minae, nach Dalla Torres Catalogus Hymenopterorum (78) die
30. Subfamilie der Chalcididen. Sie wurde 1904 von Ashmead (92)
aufgeteilt und umfaßt fünf Tribus, von denen drei, die /sosomınt,
Eurytomini und Decatomini, ohne weiteres als zusammengehörig
zu erkennen sind, während die Stellung der Aximini und der
Rilevini nicht ganz sicher ist und ihre Zugehörigkeit zur Sub-
familie Eurviominae zweifelhaft erscheint. Nach Schmiede-
knecht (104) sind die allgemeinen Subfamiliencharaktere folgende:
Körper fast durchweg schwarz, oft mit weißgelb-
licher Zeichnung, Kopf und Thorax in der Regel durch
grobe Punktierung matt, Hinterleib glatt und glän-
zend. Kopf so breit wie der Thorax, nur bei den Axı-
minen viel breiter als dieser. Fühlerschaft kurz, in
den Fühlergruben mehr oder weniger verborgen; Man-
dibeln kräftig, dreizähnig, Wangen lang. Pronotum
stark entwickelt, quadratisch oder rechteckig, Meso-
notum mit deutlichen Parapsidenfurchen. Radius ım
Vorderflügel deutlich entwickelt, nicht -gekrümmt.
Beine kräftig, Vorderschienen mit starkem, gekrümm-
ten Sporn, Hinterschienen mit zwei Sporen. Hinter-
leib am Ende schwach behaart, gewöhnlich rundlich
oder oval, seltener gestreckt, von der Seite zusammen-
gedrückt, das letzte Bauchsegment pflugscharförmig
vorspringend; Bohrer die Hinterleibsspitze Kaum über-
ragend.
Eine größere Konformität dieser Diagnose würde sich er-
reichen lassen, wenn es möglich wäre, die Aximinen und Rileyinen
aus der Subfamilie herauszunehmen und als besondere Gruppe zu
behandeln; da das aber wegen der noch zu geringen Kenntnis
dieser beiden Triben vorläufig nicht zu empfehlen ist, muß die
Diagnose in einigen Punkten weitere Grenzen zulassen, als für die
deutliche Trennung von den übrigen Subfamilien wünschenswert
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 925
ist. Es zeigt sich aber bereits hier, was in den folgenden Diagnosen
noch deutlicher zutage treten wird, wie sehr auch die Kenntnis
der Isosominen bisher im argen lag: die Angabe, daß der Kopf
so breit ist wie der Thorax und nur die Aximinen hiervon eine Aus-
nahme machen, trifft auf die Isosominen nicht zu, bei diesen ist
vielmehr der Kopf bis auf ganz wenige Arten stets merklich breiter
als der Thorax. Im übrigen reicht die Diagnose für die Erkennung
der Zugehörigkeit der Genera aus.
Ashmead (92) trennte seine fünf Triben nach folgender
Tabelle, die Schmiedeknecht (104) fast wörtlich übernahm:
1. Metathorax langgestreckt, stets länger als das Schildchen und
nach hinten allmählich abfallend. Marginalnerv mindestens
Zweisialsso lane;wie-der Radius. 2.7 nn. teens:
Metathorax kurz, nicht länger als das Schildchen, sondern ge-
wöhnlich deutlich kürzer, nicht selten steil abfallend. Mar ginal-
nerv zuweilen kurz und dick . . 7. 3
2. Kopf breiter als der Thorax; Stirn neben den Augen beiderseits
mit einem spitzen Dorn oder Zahn; Augen rund. Hinterleib
deutlich gestielt . . . 2 DAFT A Em
Kopf nicht breiter als der T horax; Stirn nicht mit Seitendornen
oder Zähnen, Augen oval, nicht rund 2. Trib. Isosomini
. Marginalnerv kurz und dick, quadratisch oder halbkreisförmig.
Fühler bei beiden Geschlechtern ähnlich, elfgliedrig. Hinter-
leib kurz, rundlich oder oval. Be meist mit deutlicher
co
Makehas Sr; an Trib. Decatomini
Marginalnerv mehr oder w eni ger lang, a quadratisch
oder halbkreisförmig . . . 4
4. Fühler zehn- bis zwölfgliedrig, mit nur einem Ringglied, bei
beiden Geschlechtern verschieden, beim Weibchen fadenförmig
oder gegen das Ende verdickt, bei Männchen die Geißelglieder
ausgeschnitten oder an der Basis stielartig verschmälert, oft
mr langen Haarwärtein. 2.2.2. 2...20., 4._Trib; Eurytomini
Fühler dreizehngliedrig, mit zwei oder drei Ringgliedern, beim
Weibchen und Männchen ziemlich gleich, die Geißelglieder beim
Männchen nicht a oder ar auch nicht mit
langen Haarwirteln . . . . EB -ERIDFRDLEVTRT
Für diese Übersicht gilt das en was en bei der Diagnose
der Subfamilie gesagt wurde, aber auch die Stellung der Isosomini
ist nach vorstehender Tabelle so unsicher, daß eine Einreihung
einer Spezies in dieses oder eins der ihm gegenübergestellten Triben
oft nicht mit Gewißheit wird vorgenommen werden können. Das
Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen den I/sosomini und Axi-
mini einerseits und den übrigen drei Triben‘andererseits, die ver-
schiedene Länge des Metathorax, womit hier natürlich das Pro-
podeum gemeint ist, kann verschieden beurteilt werden, je nachdem
man sie in der dorsalen oder lateralen Medianlinie mißt. Da außer-
dem die Länge des Propodeums von der des Scutellums oft nur
11. Heft
26 Dr. H. Hedicke:
um kaum wahrnehmbare Bruchteile eines Zehntelmillimeters ab-
weicht, so ist dieses Merkmal zur Unterscheidung nur mit Vorsicht
zu gebrauchen. Zudem gibt es Isosominen, bei denen das Pro-
podeum durchaus als steil abfallend bezeichnet werden muß, so-
daß bei diesen Arten die Tabelle versagt. Auch die Angabe über
die relative Länge des Ramus marginalis trifft nicht zu, insofern
bei einigen Arten der Isosominen der Radius bei manchen Indivi-
duen nicht länger als der Ramus marginalis, bei /sosoma stipae
De Stef. u. a. stets so lang ist wie dieser. Auch die Abgrenzung
des Tribus der Eurvtomini ist, soweit dem Verfasser Arten dieser
Gruppe bekannt sind, nicht in allen Punkten zutreffend. Die
Tabelle beweist also die Berechtigung der in der neueren Chalci-
didenliteratur oft wiederkehrenden Klagen darüber, daß Ashmead
seine Tabellen und Diagnosen ohne genügende Kenntnis der Spezies
abfaßte. Es wäre richtiger gewesen, die /sosomini nicht mit den
Aximini, sondern mit den ihnen in jeder Beziehung am nächsten
stehenden Eurytomini zusammenzustellen und in Gegensatz zu
den drei anderen, wesentlich leichter und sicherer abgrenzbaren
Triben zu bringen.
Welche Schwierigkeiten die scharfe Trennung der Isosominen
und Eurytominen von jeher geboten hat, ergibt sich am deutlich-
sten aus einer chronologischen Darstellung der Wandlungen, welche
die Diagnosen der Genera /sosoma und Eurytoma, der Gattungs-
typen der beiden Tribus, durchgemacht haben.
Im ersten Abschnitt der vorliegenden Arbeit war bereits ge-
zeigt worden, welche Unsicherheit bei den alten Autoren, wie
Boheman, Nees von Esenbeck, Zetterstedt, Foersteru.a.,
in der Auffassung der Gattung /sosoma herrschte, was sich auch
darin ausdrückt, daß eine ganze Reihe von Spezies beschrieben
wurden, deren Zugehörigkeit zu /sosoma erst sehr viel später er-
kannt wurde. Walker selbst, der Begründer der Gattung, stellte
das von ihm 1832 beschriebene /sosoma atrum (8, p. 14) 1848 in
das Genus Eurytoma. Er bringt es sogar fertig, eine und dieselbe
Art einmal als /sosoma attenuatum (8, p. 22), ein zweites Mal als
Eurytoma guttula (37, p. 20) zu beschreiben. Letztere Tatsache
zeigt neben vielen anderen, später zu erörternden und neben der
Unsicherheit in der Scheidung der beiden Genera durch Walker
selbst, wie unzuverlässig und unsorgfältig Walker arbeitete, ein
Umstand, der den Wirrwarr der Arten erheblich vergrößerte.
Walkers Diagnose der Gattung /sosoma (8, p. 14) hat folgen-
den Wortlaut:
Caput medium; palpi maxillares 4-articulati; maris antennae
11-articulatae, pilosae, filiformes; feminae antennae 12-articulatae;
pilosae, submoniliformes, clavatae; thorax convexus; abdomen
eylindricum.
Er unterscheidet das Genus von den drei anderen Euryloma,
Decatoma und Systole, mit denen er es zur Subfamilie der Euryto-
minen vereinigt, durch folgende Tabelle:
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 27
BE EICHE: Ey INdTIeBN NER EINEN
Abdomen compressum . . 3
2. Corpus Der Be feminae antennae apice rotundatae
w . Isosoma
Corpus breve, crassum, feminae antennae apice acuminatae
Systole
os
. Antennae maris setaceae, verticillato- pilosae, feminae clavatae
ZIEHT Eurytoma
Antennae "maris- et feminae clavatae ae er N DIBERONOR
Die Unterscheidung von abdomen cylindricum und abdomen
compressum ist recht unglücklich, da es eine Anzahl typischer
Isosomen gibt, deren Abdomen Walker selbst als ‚subcompres-
sum‘ bezeichnet (z. B. /sosoma depressum Walk., lineare Walk. =
hordei Harr., attenuatum Walk.), die demnach zwischen beide
Gruppen zu stellen wären. Ferner trifft das Merkmal ‚corpus
breve, crassum‘, welches /sosoma von Systole unterscheiden soll,
auch für einige Isosomen, wie /. schepigi n. sp. und hieronymi n. Sp.
zu. Schließlich läßt die obige Tabelle eine Unterscheidung der
Weibchen der Genera Eurytoma und Systole überhaupt nicht zu,
sie ist demnach für die Unterscheidung und Trennung der vier
Genera der Eurytominae unbrauchbar.
Ebensowenig zutreffend und kennzeichnend ist auch die
Gattungsdiagnose: viergliedrige Maxillarpalpen hat /sosoma mit
Eurytoma gemein; fadenförmige Antennen, die für die Männchen
von I/sosoma charakteristisch sein sollen, finden sich auch bei
einigen Eurytoma-Spezies, umgekehrt kommen bei I/sosoma_ acı-
culatum, cylindricum, scheppigi u. a. bei den Männchen Antennen
vor, wie sie Walker (8, p. 23) als charakteristisch für Eurytoma
mit folgenden Worten beschreibt: ‚‚maris antennae 11-articulatae,
setaceae, verticillato-pilosae, articulo primo elongato, secundo
breviore, tertio et quarto brevissimis, quinto et sequentibus
remotis, latitudine decrescentibus““. Schließlich wurde bereits er-
wähnt, daß Walker selbst Isosomen beschreibt, deren Abdomen
nicht zylindrisch ist.
Die Wertlosigkeit und Unbrauchbarkeit der Walkerschen
Gattungsdiagnosen und -tabellen wurde auch von Foerster,
dem ersten späteren Bearbeiter der Gruppe, erkannt; er bemühte
sich, Merkmale zu finden, durch welche die vier fraglichen Gat-
tungen leicht und sicher auseinander gehalten werden konnten,
und kam auf Grund seiner gründlichen und vor allem sorgfältigen
Untersuchungen eines allerdings nicht sehr umfangreichen Materials
zu nachstehender, gänzlich veränderter Gattungstabelle (27):
1. Die hintersten Schienen in beiden Geschlechtern mit einer
feinen Borstenreihe . . . . . Er rn DELHEOMA
Die hintersten Schienen ohne ra Er 2
2. Rücken des Pro- und Mesothorax samt dem Schildchen dicht
mit tiefen Grübchen versehen . . . . 2. Eurvtoma
11. Heli
28 Dr. H. Hedicke:
Rücken des Pro- und Mesothorax und das Schildchen nicht zu-
gleich mit tiefen Grübehen: versehen: : ers
3. Metanotum?) senkrecht. abgestutzt . .. .ı 2 Ser
Metanotum nicht senkrecht abgestutzt . . . . . . Isosoma
Weiter glaubte Foerster ein unterscheidendes Merkmal im
Bau der männlichen Antennen gefunden zu haben; er schreibt
darüber (27, p. 66): „Bei Eurytoma haben die Männchen eine stark
gesägte Fühlergeißel, und die beiden letzten Glieder derselben sind
so enge miteinander verbunden, daß die Geißel, abgesehen von dem
sehr kleinen Endgliede (Ringel), sechsgliedrig zu sein scheint; nur
bei genauer Betrachtung erkennt man das sechste Glied als zwei-
gliedrig. Sehr selten sind die beiden Endglieder der Geißel deutlich
voneinander getrennt.‘‘ Dagegen heißt es von /sosoma: „Die
männlichen Fühler haben eine 7-gliedrige Geißel, es sind also die
beiden Endglieder nicht enge miteinander verbunden, obgleich
manchmal doch ziemlich nahegerückt, auch ist die Geißel nicht
gesägt.“ Bezeichnet Foerster selbst schon das Merkmal in der
Verbindung der beiden Endglieder des Flagellums als nicht in
allen Fällen zutreffend, so gilt das in verstärktem Maße für das
andere Charakteristikum, da es eine ganze Anzahl von echten
!sosomen gibt, deren Flagellum gesägt, oder deutlicher ausgedrückt,
deren ( seißelglieder flügelig erweitert und abgesetzt gestielt sind;
von dem Vorhandensein derartiger Spezies hatte Foerster offen-
bar keine Kenntnis, auch finden sich in seiner Sammlung keine
Vertreter dieser Arten. Dagegen muß die Verschiedenartigkeit der
Thorakalskulptur als grundlegendes Merkmal für die Trennung
der beiden (renera angesehen werden. Wenigstens bestätigt die
Untersuchung des der vorliegenden Arbeit zugrunde gelegten
Materials die Vollgültigkeit des Merkmals im weitesten Umfange.
Leider benutzte Foerster selbst dieses Ergebnis seiner Unter-
suchungen nicht zu einer Revision der bis zu seiner Zeit beschrie-
benen Spezies, obgleich er mit Walker, dem einzigen Autor, der
vor ihm paläarktische Isosomen beschrieben hatte, in regem Ver-
kehr stand. Erst Thomson (40) baute auf den Foersterschen
ixesultaten weiter und stellte eine Reihe bisher als Eurytoma-
Arten angesehener oder in ihrer Gattungszugehörigkeit zweifel-
hafter Spezies in das Genus /sosoma.
Er gibt auch eine schärfere Abgrenzung der übrigen drei
(renera durch folgende Gattungsübersicht (40, p. 26-7):
A. Stigma alarum®) crassum, fere quadratum, radio et meta-
carpo®) brevissimis, umbra fusca lunata vel transversa sub-
stigmaticali. Antennae maris conformes, funiculo 4-articulato
Desatoma
?) Es ist hier das Propodeum gemeint.
%) Als Stigma alarum wird hier der Ramus marginalis, als Metacarpus der
Ramus postmarginalis bezeichnet.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 29
B. Alae fascia fusca sub stigmate nulla, hoc Iıneari, quam radıo
haud vel parum longiore. Tibiae posticae haud rigide setosae.
Antennae maris verticillato-pilosae.
a. Genae plerumque acutae. Mesonotum umbilicato-punctatum
Eurytoma
aa. Genae plerumque teretes. Mesonotum punctis obsoletioribus,
haud umbilicatıs.
b. Corpus breve, metathorace fere verticali. Alae stigmate radio
haud longiore Systole
bb. Corpus longum, metathorace sensim declivi. Alae stigmate
radio longiore Isosoma
Es tritt hier als neues Moment vor allem die Gestaltung der
Wangen oder besser der Grenze zwischen Wangen und Schläfen
hinzu, die bei Eurytoma mehr oder weniger schartfkielig, bei /so-
soma und Systole abgerundet, verwischt erscheint. Ob dieses
Merkmal wirklich durchgreifend ist, kann nur eine Untersuchung
sämtlicher Eurytominen entscheiden; jedenfalls besitzen die Iso-
sominen tatsächlich stets abgerundete Wangen. Die Unzulänglich-
keit der relativen Länge des Radius im Vergleich zum Ramus
marginalis wurde bereits bei Besprechung der Tribusübersicht er-
wähnt. Dagegen hebt auch Thomson nach dem Vorgange Foer-
sters die verschiedenartige Thorakalskulptur von Eurytoma und
Isosoma, wenn auch noch nicht mit aller Schärfe, hervor; in der
Diagnose von Eurytoma (40, p. 33) heißt es: ‚Thorax punctis
umbilicatis sat crebris‘‘, bei /sosoma (p. 53) dagegen: ‚Ihorax
obsolete punctatus, punctis umbilicatis nullis vel paucis haud pro-
fundis.‘‘ Es scheinen danach Thomson Isosomen mit gänzlich
unpunktiertem, chagrinierten oder sehr fein gerunzeltem Thorax
nicht vorgelegen zu haben.
Die Zahl der paläarktischen Gattungen der Subfamilie wurde
nun durch Walker (37) und Ashmead (58) um je eine vermehrt,
die von letzterem beide in das Tribus der /sosomini gestellt werden,
da sie der Gattung /sosoma am nächsten stehen. Sie sind beide
ohne große Schwierigkeiten von ihr zu unterscheiden: Phtlachyra
Walker durch abweichende Form und Skulptur des Thorax, der
fast völlig glatt ist und ein mehr oder weniger quadratisches Pro-
notum besitzt, und /sosomorpha Ashmead durch die Form des
Propodeums, das quadratisch und an der Basis senkrecht abgestutzt
ist. Philachyra Walk. wurde auf eine einzige, von Haliday ın
Oberitalien gefangene Spezies gegründet; es gehört ihr jedoch
noch eine südrussische Art an, die bisher zu /sosoma gerechnet
wurde. /sosomorpha Ashm. wurde zunächst ohne Angabe einer
(renotype beschrieben, erst 1894 gab Ashmead (72) die Diagnose
einer hierher gehörigen Spezies aus Nordfrankreich, die auch jetzt
noch der einzige Vertreter der Gattung ist.
Die sechs paläarktischen Genera der Subfamilie der Eury-
tominae sind danach durch folgende dichotomische Tabelle von-
einander zu unterscheiden:
11. Heft
30 Dr. H. Hedicke:
1. Hintertibien mit einer feinen Borstenreihe, Ramus marginalis
kurz und dick, quadratisch oder halbkreisförmig r
. Decatoma Spin.
Hintertibien ohne Borstenreihe, "Ramus marginalis mehr oder
weniger gestreckt, nie quadratisch oder halbkreisförmig.. . 2
2. Pronotum fast quadratisch, glatt und glänzend, der übrige
Thorax sehr schwach skulptiert . . . . . Philachyra Walk.
Pronotum viel breiter als lang, deutlich skulptiert . . . .3
3. Der ganze Thorax Se dicht mit tiefen Grübchen-
punktenibesetzenn, er .. . „Eurytoma 1lllig.
Thorax mit Ausnahme des gröber skulptierten Propodeums
mehr oder weniger fein gerunzelt, höchstens das Pro- und Meso-
ww
notum mit zerstreuten, sehr flachen Grübchenpunkten . . 4
4. Propodeum senkrecht abgestutzt EN Ei
Propodeum nicht senkrecht abgestutzt. . . . /sosoma Walk.
5. Propodeum länger als das Scutellum . ./sosomorpha Ashm.
Propodeum kürzer als das Scutellum . . . . Sysitole Walk.
Von diesen Gattungen gehören /sosoma, Isosomorpha und
Philachyra dem Tribus der /sosomini an, Decatoma ist der palä-
arktische Vertreter des Tribus der Decatomini, Eurytoma und
Systole gehören zu den Eurytomini.
Das Genus Philachyra Walker
In den ‚Notes of Chalcidiae‘‘ (37, p. 7) gibt Walker nach-
stehende Diagnose der Gattung Philachvra, welche ihm nach
seiner eigenen Angabe von Haliday im Manuskript mitgeteilt
worden war:
Mas. -— Corpus gracile, nitens, longiusculum. Caput et pro-
thorax subpunctata. Caput prothorace paullo latius. Antennae
11-articulatae, subfiliformes, verticillato pilosae, basi geniculatae;
articuli 3us et 4us minimi. Prothorax subquadratus. Metathorax
postice attenuatus. Petiolus brevissimus. Abdomen glabrum,
planum, lineare, thorace multo brevius. Pedes graciles, longiusculi.
Alae longae. Foem. — 'Aptera. Caput prothorace multo latius.
Antennae subelavatae. Abdomen fusiforme, convexum. Femora
subincrassata.
Male. — Body slender, elongate, convex, not high nor tumid.
Head and prothorax shining and somewhat smooth, being much
less punctured than they are in /sosoma. Head a little broader
than the prothorax. Antennae 9-jointed, exclusive of the divisions
of the club and of the two ring-shaped joints that follow the second;
second joint much shorter than the first, wıth which it forms a
slight angle; third and following joints with thin whorls of hair,
successively decreasing in lenght; third much longer than the
second. Prothorax subquadrate. Metathorax long, tapering hind-
ward. Petiole very short. Abdomen flat, linear, smooth, appa-
rently subsessile, much shorter than the thorax and much narrower
than the fore part of the latter. Legs slender, rather long. Fore
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 31
“wings long; ulna much shorter than the humerus; radius a little
shorter than the cubitus and not more than one-third of the length
of the ulna; stigma very small. Female. — Wingless. Head much
broader than the prothorax. Antennae subclavate. Thorax smoo-
ther than that of the male. Abdomen fusiform, convex, as broad
as the thorax, and equal to it in length. Femora slightly incrassa-
ted, stouter than those of the male. 5
Obgleich der Wortlaut der Diagnose von Haliday stammt,
muß doch Walker als Autor der Gattung gelten, da er sie zuerst
publiziert hat.
Halıday schrieb über die Spezies, die er als Genotype von
Phulachyra mit dem Namen P. ips belegte, an Walker (37, p. 7):
[wo questions arise; first, is it the true male? I found it, though
beginning to appear later than the female, yet earlier than any
known species of Isosoma came out, and in the same situation with
the female still continuing. Second, are the characters, antennae
and proportions of the segments of the wing-vein sufficient to
distinguish it from /sosoma ?““ Daraus geht hervor, daß Haliday
die wesentlichen Merkmale der Gattung gar nicht beachtet hat,
vielmehr den Hauptwert auf nebensächliche, da starker Variation
unterworfene Charaktere legte, wie es auch Walker tat. Erst
Howard (75, p. 8-9) hebt die eigentlichen Merkmale der Gattung,
die äußerst schwache Thorakalskulptur vor allem, hervor. Damit
ist auch die erste der Halidayschen Fragen nach der Zusammen-
gehörigkeit der Männchen und Weibchen im bejahenden Sinne
beantwortet; denn andere Isosomen von derart abweichendem
Körperbau sind bisher aus Italien, wo sie in der Nähe von Lucca
erbeutet wurden, nicht mehr bekannt geworden, ganz abgesehen
von dem Umstande, daß sie von ein und derselben Örtlichkeit
stammen umd unter völlig übereinstimmenden Umständen beobach-
tet wurden. Die generische Abtrennung von den übrigen Gattungen
der Isosominen ist gleichfalls berechtigt, da keine andere zu diesem
Tribus gehörige Gattung eine Thorakalskulptur besitzt, wie sie
die Halidaysche Spezies aufweist. Howard (75, p. 9) stellt trotz-
dem das Genus als Synonym zu /sosoma aus folgenden Gründen.
Das von Riley beschriebene /sosoma grande, welches in zwei di-
morphen, in (Generationswechsel stehenden Formen in Nord-
amerika auftritt, gehört nach Walkers Diagnose zu Philachyra.
Howard hält nun die Flügellosigkeit der nur im weiblichen Ge-
schlecht auftretenden, agamen Form und die geringe Entwicklung
der Skulptur für Degenerationserscheinungen, welche durch
(renerationswechsel und Parthenogenese bedingt seien. Diese An-
sicht gewinnt nach seiner Meinung noch mehr dadurch für sich,
daß Portschinsky (47) aus Südrußland zwei Isosomen, I. apte-
rum und eremitum, beschrieb, von denen die erstere nur im weib-
lichen Geschlecht gefunden wurde, und zwar gleichfalls durch
Flügellosigkeit ausgezeichnet, die zweite in beiden Geschlechtern,
beide Arten mit fast völlig glattem Thorax. Howard glaubt nun,
11. Heft
32 Dr. H. Hedicke:
daß auch diese beiden Spezies im Generationswechsel stehen und
nur Formen ein und derselben Art seien; trotzdem gibt er schließ-
lich die Möglichkeit zu, daß Philachyra (Gattungsberechtigung
haben könnte, obgleich sie sich von /sosoma nur durch die ab-
weichende Skulptur unterschiede. Nun läßt aber eine vergleichende
Untersuchung der beiden Portschinskyschen Arten sofort er-
kennen, daß sie nichts miteinander zu tun haben: I. apterum
Portsch. erweist sich als echte Philachyra, eremitum dagegen ist
zweifellos zu /sosoma zu stellen. Die Skulptur letzterer Art ist
zwar sehr fein chagrinartig, aber doch viel stärker ausgeprägt als
bei Philachyra. Dagegen erweist sich /sosoma grande Ril. nach
vorliegenden Stücken aus der Sammlung v. Schlechtendal, von
Webster aus verschiedenen Gegenden der Vereinigten Staaten
gesammelt, als zu Phtlachyra gehörig. Die von Howard (l. c.)
gegebene Abbildung eines Weibchens der sexuellen (Greneration
dieser Spezies ist irreführend, da sie die subquadratische Form des
Pronotums nicht deutlich erkennen läßt. Es ist natürlich keines-
wegs ausgeschlossen, daß P. aptera (Portsch.) mit einer an-
deren Form in (Generationswechsel steht, jedenfalls gehört aber
I. eremitum Portsch. nicht als sexuelle Form zu ihr. Nach allem
ist also das Genus Philachyra als gültig anzuerkennen, doch muß
die Flügellosigkeit des Weibchens als (Genuscharakter aus der
Diagnose gestrichen werden, da sie -als solcher für die sexuelle
Form von P. grandis nicht in Frage kommt.
1. Philachyra ıps Walker (1871).
Walker, Notes on Chalc. I, p. 8.
Mas. — Nigra, prothoracis maculis duabus tibiis anticis apice
genubus tarsisque fulvis, alis diaphanis. -- Foem. —— Antennis basi
trochanteribus femoribus anticis apice genubus tarsisque luteis.
Male. — Black. Prothorax with a tawny spot an each fore
angle. Fore tibiae towards the tips, knees and tarsi tawny. Wings
pellucid; veins tawny. — Female. — First joint of antennae, tro-
chanters, fore femora towards the tips, knees and tarsı luteous,
the latter black towards the tips. Hind part of the abdomen thinly
beset with white hairs. Length of the body 1-1" line.
Die Originaldiagnose gibt leider kein klares Bild von der
Spezies, da sie nur Färbungsmerkmale mitteilt. Immerhin ge-
nügen selbst diese zur Unterscheidung von der folgenden Art,
wenn sie als wirklich konstant angenommen werden können. Wo
sich die Typen dieser Spezies gegenwärtig befinden, war nicht
festzustellen. Die Größenangabe ist zweifellos in englischem Maß-
system, eine Linie ist demnach zu 2,117 mm anzunehmen. Wie bei
allen Walkerschen Diagnosen sind die Größenangaben sicher stark
abgerundet, da nicht auf exakter Messung beruhend. Die Körper-
größe dürfte zwischen 2,1 und 2,7 schwanken.
2. Philachyra aptera (Portschinsky) (1881).
Isosoma apterum Portschinsky 1881, p. 24-5.
Isosoma abterum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 33
?Isosoma apterum Howard, Grass & grain joint-worm flies,
7896,59; .9:
Portschinskys Originaldiagnose hat folgenden Wortlaut (47):
Fem. -— Nigrum, nitidum; capite sub antennae fusco flavo;
antennis nigris, articulo primo angusto, cylindrico et cum secundo,
parvo, flavidis; thorace maculis humeralibus fusco-flavis vel
brunneis; alis subnullis; pedibus nigris, geniculis plus minusve late
tibiisque anticis totis obscure flavidis; tarsis omnibus flavidis;
articulis ultimis fuscis.
Mas ignotus.
Isosoma hordei Harris et I. tritici Fitch simile, a quibus facıle
distinctum: antennis apice crassioribus, articulis intermedis sub-
triangularibus (non subquadratis) et paullo longius hirtis; thorace
multo angustiore, non punctato; alıs subnullis; abdomine latiore,
longius hirto et colore facies, antennarum et thoracis.
Daß der Autor seine Spezies diesen beiden Arten gegenüber-
stellt, hat vermutlich den Grund, daß ihm Walkersche Arten
entweder überhaupt nicht bekannt waren oder doch wenigstens
nicht vorlagen, ferner glaubte er, wie sich herausgestellt hat und
später zu erörtern sein wird, mit vollem Recht, in Südrußland
das bisher nur aus Nordamerika bekannte /sosoma hordei Harr.
gefunden zu haben. Diese Art war ihm daher durch Autopsie be-
kannt; ob ihm vielleicht amerikanische Stücke von 7. tritici Fitch
vorgelegen haben, ist nicht sicher, aber wahrscheinlich, da er mit
amerikanischen Fachgenossen in Verbindung gestanden hat. Mit
beiden Arten hat allerdings seine Spezies keinerlei Ähnlichkeit,
wohl aber mit 7. tritici Riley (!), wie die agame Form von grande
Ril. genannt wurde, ehe ihr Generationswechsel mit letzterer
Spezies bekannt war. Zwei vorliegende Stücke dieser Form unter-
scheiden sich von zwei von Portschinsky herrührenden Ex-
emplaren von P. aptera nur durch Färbungsmerkmale: bei ersteren
sind Präscutum und Scutellum gelbbraun, ebenso zwei große
Flecke des Propodeums unmittelbar neben der Medianfurche, bei
den beiden russischen Stücken zeigen diese Stellen die gleiche
pechbraune Färbung wie der übrige Thorax. Sollten sich diese
Merkmale nicht als konstant erweisen, so bestünde zwischen beiden
Spezies kein Unterschied und P. grandis wäre als Synonym zu
aptera aus Prioritätsgründen einzuziehen. Ferner wäre dann aber
noch nachzuweisen, daß P. aptera mit einer anderen Form in
Generationswechsel steht, die mit der sexuellen (Generation der
amerikanischen Spezies identisch ist. Bis dahin müssen beide
Spezies als getrennte Arten behandelt werden.
Nach den beiden vorliegenden russischen Exemplaren lassen
sich nachstehende Ergänzungen zur Diagnose geben.
Weibchen. Pechbraun, Gesicht, Wangen, zwei große Scheitel-
flecken, ein Stirnfleck jederseits am Augenrand, Mandibeln, Scapus,
Pedicellus, Annelli, Propleuren, Procoxen, Knie, vordere Femora
und Tibien bis auf einen dunkelbraunen Strich auf der Außenseite,
Archiv für Naturzseschichte
20. A. 11.
1920 3 11. Heft
34 Dr. H. Hedicke:
die vier hinteren Femora und Tibien am Distalende und ein großer
Fleck auf jeder Hälfte des Scutums gelbbraun, Pronotalflecke,
Tarsen bis auf das dunkelbraune letzte Glied und Legebohrerspitze
hellbraun, Abdomen bis auf das pechbraune distale Drittel schwarz.
Kopf kaum breiter als hoch, doppelt so breit wie lang, Mittel-
kıel sehr flach, aber deutlich, Clypeargruben nicht entwickelt,
Wangenfurchen bis fast zur Mandibelbasis durchlaufend, Gesicht
äußerst fein nadelrissig, der übrige Kopf glatt und stark glänzend.
Antennen fast so lang wie der Thorax, Scapus keulenförmig,
distal allmählich verengt,. sechsmal so lang wie dick, Pedicellus
kegelförmig, um die Hälfte länger als dick, erster Annellus halb so
dick wie das Distalende des Pedicellus, dreimal so dick wie lang,
zweiter etwas dicker und doppelt so lang wie der erste, kaum
schmäler als die Basis des ersten Geißelgliedes, dieses kaum länger
und dicker als der Pedicellus, die folgenden allmählich etwas kürzer
und dicker werdend, zweites um ein Viertel länger, drittes kaum
länger, viertes so lang, fünftes kaum so lang wie dick, die Keule
aus den drei letzten Gliedern so lang wie das dritte bis fünfte zu-
sammen, so dick wie das fünfte Glied. Bewirtelung schwach,
Haare .so lang wie die Glieder.
Thorax nicht ganz dreimal so lang wie dick; Pronotum etwas
schmäler als der Kopf, fast so lang wie breit, Vorderecken ab-
gerundet, Collare deutlich abgesetzt, sehr groß, an der Basis fast
halb so breit wie der Vorderrand des Pronotums, Pronotalflecke
fast zwei Drittel des Pronotums einnehmend; Mesonotum viel
schmäler als das Pronotum, Parapsidenfurchen sehr. tief, die beiden
Hälften des Scutums sehr klein, stark gewölbt, Scutellum kaum
merklich abgesetzt, mit dem schmalen, aber deutlichen Meta-
notum und dem Propodeum in einer Ebene liegend. Propodeum
fast flach, sehr fein chagriniert, Neigungswinkel 45 Grad, Median-
furche deutlich entwickelt; der übrige Thorax glatt und glänzend.
Petiolus sehr klein, fast so lang wie dick, kurz schuppig auf-
gebogen, längsrunzlig; Abdomen so breit wie der Kopf, etwas
länger als Kopf und Thorax zusammen, langeiförmig, fast viermal
so lang wie breit, glatt und glänzend, auf allen Segmenten mit
zerstreuten, langen Wimperhaaren besetzt, auch Kopf und Thorax
sehr ae lang bewimpert.
L} -2,8 mm.
2 5 Kalk Südrußland (Portschinsky leg., Coll. v. Schlechten-
dal).
Das Genus Isosomorpha Ashmead (1888).
Von dieser Gattung existiert keine eigentliche Diagnose, viel-
mehr begnügte sich Ashmead damit, in einer Tabelle sein neues
(renus den nächstverwandten /sosoma und /sosomocharis gegenüber-
zustellen, von welchen sich /sosomorpha durch den abweichenden
Bau des Propodeums unterscheidet, das quadratisch und distal
scharf abgestutzt ist (58, p. 42-3). Er gibt zunächst keine Geno-
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 39
type an und beschreibt erst 1894 (72, p. 330) den ersten und bisher
einzigen Gattungsvertreter /. europae aus Frankreich. In seiner
„Classification of the Chalcid flies“ ergänzt er die Gattungs-
charaktere wieder in tabellarischer Gregenüberstellung mit den
verwandten Genera durch folgende Angaben:
d. Head and thorax umbilicately punctate.
@. Mesonotum delicately umbilicately punctate; abdomen
ovate, slenderer than the thorax, the second segment the longest,
the others about of an equal length.
Die Angaben über das Männchen beziehen sich offenbar auf
die von Ashmead 1894 beschriebene I. fibialis, der einzigen Spezies,
die in beiden Geschlechtern gefunden worden war. Es erscheint
aber in höchstem Maße zweifelhaft, ob diese Spezies wirklich eine
Isosomine ist, die Angaben über die Thorakalskulptur lassen sie
viel eher als eine Eurytomine erscheinen, für welches Tribus die
vollständige gleichmäßige Punktierung des Kopfes und Thorax
charakteristisch ist. Nachforschungen in dieser Richtung waren
leider erfolglos, ebenso war der Verbleib der Type der einzigen
paläarktischen Spezies dieser sonst gut gekennzeichneten Gattung
nicht festzustellen.
Isosomorpha europae Ashmead (1894).
Ashmead, Trans. Ent. Soc. Amer. 21, p. 330
v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, p..351.
9. Length 4,5 mm. Black, finely rugulose; scape, mandibles,
venation, a spot on anterior angles of pronotum, trochanters, tips
of femora, the tibiae, except hind pair, and alltarsi, brownish vellow.
Head as wide as the mesonotum, viewed from in front, sub-
triangular, viewed from above, quadrate, the vertex slıghtly im-
pressed and the impression extending into a deep frontal furrow
whose sides are sloping, the anterior ocellus being placed directly
in this furrow; antennae lo-jointed, the flagellum pubescent, the
first joint the longest, about twiee as long as the pedicel, the follo-
' wing joints subequal, the club oblong, 3-jointed. Thorax elongated,
the pronotum transverse-quadrate, not quite as long as the meso-
notum; the latter with well-defined parapsides; scutellum a little
longer than the middle lobe of mesonotum; metathorax quadrate,
squarely truncate behind, the superior edge of the truncature
distinctly margined, the dorsum distinctly longitudinally striated;
wings hyaline, the marginal vein a little longer than the stigmal.
Abdomen ovate, two-thirds the length of thorax, with an excee-
dingly short, rugose petiole, the body segments all very nearly
equal in length, except the first, which is fully as long as the
second and third united, and one of the characters distinguishing
the genus.
Hab. -—- Lille, France. Type in coll. Ashmead.
Described from a single 2 specimen, received some years ago
from Mons. L. Lethierry, which was confused with several spe-
cimens of I/sosoma filicornis Boh.
3* 11. Heft
36 Dr. H. Hedicke:
In the shape of the head and metathorax it differs widely
from any other Eurytomid described, the metathorax being similar
to those found in the Bethylids i. e., Epyris, Mesitius etc.
Ashmeads Diagnose ist so exakt, daß es danach möglich sein
wird, im Falle eines Wiederauffindens der Spezies sie auch ohne
Kenntnis der Type zu identifizieren.
Das Genus Isosoma \Walker (1832).
Macht man den Versuch, eine als zum (Genus /sosoma gehörig
erkannte Art nach den bisher vorliegenden Beschreibungen zu be-
stimmen, so wird man die Nutzlosigkeit dieses Unterfangens bald
einsehen. Dies hat seinen Grund einmal in der völligen Unzu-
länglichkeit der weitaus meisten Diagnosen, die ohne Kenntnis
der wirklichen Speziescharaktere nach einzelnen gefangenen Stücken
aufgestellt wurden, außerdem aber in der ungewöhnlichen Variabili-
tät der Arten dieser Gattung. Der erstgenannte Grund erweist
sich in vielen Fällen als Folge des zweiten. Die dadurch bedingte
Schwierigkeit in der Unterscheidung der Arten wird noch ver-
größert durch die leichtfertige und oft unverständliche Art und
Weise, wie Walker, der Autor der Gattung und der großen Mehr-
zahl der Arten, seine Diagnosen zu verfassen pflegte. Das geht so-
weit, daß Walker, als ihn Mayr zum Zwecke der Revision der
nächstverwandten Tribus der Eurytominen um Aufklärung über
einige von ihm beschriebene Arten (deren Diagnosen sich an den
gleichen Stellen wie diejenigen der Walkerschen Isosomen finden
und die die gleiche Unzulänglichkeit besitzen), ersuchte, seine
eigenen Arten nicht wieder erkannte und sie miteinander ver-
wechselte.’) So unglaublich das klingt, wird es doch verständlich,
wenn man weiß, daß Walker seine Diagnosen in einem ungenügend
erleuchtetem Raume und meist ohne Zuhilfenahme einer Lupe
niederzuschreiben pflegte, wie bereits früher erwähnt, ferner daß
die Art der Präparation der Tiere, die meist nur in einem oder
zwei Exemplaren vorhanden waren, eine so minderwertige war,
daß die Tiere nach kürzerer oder längerer Zeit entweder zugrunde
gingen oder doch unkenntlich wurden. Eine Anzahl von Typen
aus dem Besitz des Berliner Museums zeigt die Mängel dieser Frä-
parationsweise auf das Deutlichste; die winzigen Tiere sind auf
Kartonplättchen mit weit abgespreizten Antennen, Flügeln und
Beinen in der Weise befestigt, daß ein großer Tropfen eines Kleb-
stoffes über den ganzen Körper gegeben wurde. Die meisten dieser
Typen sind nur noch Rudimente, der Klebstoff hat die schwäche-
ren Gelenke mehr oder weniger stark zerstört, so daß halbe und
ganze Antennen, Beine, oft auch das Abdomen verloren sind.
Das übrige ist mit einer so dicken Klebstoffschicht bedeckt, die
noch obendrein zahlreiche winzige Risse aufweist, daß von der
Skulptur des Thorax nichts zu erkennen ist; durch vorsichtiges
”) Vgl. Verh. zool.-bot. (res. 28, 1878, p. 297.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 37
Behandeln mit heißem Wasser gelang es, die Tiere von ihrer Unter-
lage abzulösen und den Klebstoff wenigstens soweit zu entfernen,
daß die wichtigsten Körperteile, vor allem die Skulptur der ge-
naueren Untersuchung zugänglich wurden. Leider sind nur die
Typen von 12 Walkerschen Arten vorhanden. Sie stammen aus
der Sammlung von Cameron, dem der Autor die Tiere vermutlich
für dessen Bearbeitung der britischen phytophagen Hymenopteren
überlassen hatte. Es ist anzunehmen, daß er ihm alles Material
zu diesem Zwecke übersandt hat, was sich in der Sammlung des
British. Museum befand; was aus den Typen der übrigen Arten
geworden ist, war nicht festzustellen. Vermutlich waren sie noch
stärker zerstört und sind von Cameron ganz vernichtet worden.
Im British Museum befinden sie sich nicht, wie dem Verfasser auf
eine Anfrage mitgeteilt wurde. Damit ist heute die Nachprüfung
der Diagnosen an Hand der Typen bis auf die zwölf vorhandenen
Arten unmöglich geworden, und es bleibt nichts übrig, als die
Diagnosen nach dem Stande unserer heutigen Kenntnis einer ein-
gehenden Revision zu unterziehen.
Wenn man in der Lage ist, ein größeres Material einer aus
ihren Gallen gezogenen Art zu untersuchen, so zeigt sich bald,
daß die von Walker zur Unterscheidung seiner Arten heran-
gezogenen Merkmale in der größten Zahl der Fälle gerade die-
jenigen sind, die am stärksten der Variabilität unterworfen sind.
Hat man einmal die Grenzen der Veränderlichkeit der verschie-
denen Merkmale innerhalb einer Spezies festgelegt, so ist es mit
geringer Schwierigkeit möglich, eine ganze Anzahl Walkerscher
Arten zusammenzuziehen und damit die (resamtzahl der heute un-
deutbaren Spezies erheblich zu verringern.
Die durchschnittliche Körpergröße der von ‚Walker be-
schriebenen ‚Spezies‘‘ beträgt 3 mm bei den Weibchen, 2,7 mm
bei den Männchen, die größte Art hat im weiblichen Geschlecht
eine Körperlänge von 42 mm, die kleinste im männlichen eine
solche von 1,6 mm; von den vom Verfasser untersuchten Arten
besitzt die eine Weibchen bis zu6 mm Größe, eine andere dagegen
Männchen von nur 1,5 mm; innerhalb der einzelnen Arten können
die Abstände zwischen den Extremen der Körperlänge sehr er-
heblich werden, so weist die Körperlänge z. B. von Isosoma cylin-
dricum n. sp. Maße zwischen 2,9 und 4 mm auf, individuelle
(rößenunterschiede von 1 mm sind keineswegs selten. Irotz-
dem benutzt Walker die Körpergröße als wesentliches Merkmal
für die Unterscheidung der Arten.
Ebenso auffallenden Schwankungen ist die Körperfärbung
unterworfen, vor allem diejenige der hellen Pronotalflecke, die ın
Walkers Diagnosen eine hervorragende Rolle spielen. Das Vor-
handensein oder Fehlen, die Größe und Gestalt und die verschie-
denen Farbtöne der Flecke finden sich in sämtlichen Artbeschrei-
bungen als wichtige Artcharaktere angegeben. Bei vergleichender
Untersuchung einer größeren Reihe von Exemplaren einer Art
112 ’Iert
38 Dr. H. Hedicke:
lassen sich jedoch stets zahlreiche Abweichungen in der Größe
und Färbung der Pronotalflecke feststellen, so daß dieses Merkmal
niemals von ausschlaggebender Bedeutung für die Unterscheidung
der Arten sein kann, ausgenommen die wenigen Spezies, bei denen
die Flecke gänzlich fehlen und dieser Mangel dann zu einem Art-
charakter wird. Bei genügendem Material kann man bei jeder der
übrigen Spezies Stücke finden, bei welchen die Pronotalflecke so
verdunkelt sind, daß sie als solche kaum mehr erkennbar sind und
das Pronotum auf den ersten Blick gleichmäßig schwarz erscheint,
ebenso häufig finden sich Abweichungen nach der entgegen-
gesetzten Richtung, wobei mit zunehmender Aufhellung gewöhn-
lich auch eine größere Ausdehnung der Flecke parallel läuft. Es
finden sich auch nicht selten Stücke, bei denen die Flecke auf beiden
Seiten des Pronotums verschieden entwickelt sind. Walker hat
nun auf das Fehlen der Flecke hin mehrere Arten begründet, deren
Berechtigung aber angezweifelt werden muß, solange nicht der
Beweis erbracht werden kann, daß es sich bei diesen nicht um
individuelle Abweichungen handelt.
Ähnlich verhält es sich mit der Färbung der Antennen und
Beine und des Flügelgeäders, deren Variabilität ebenso groß ist
hinsichtlich der Farbentöne wie der Ausdehnung der helleren und
dunkleren Stellen, letzteres besonders an den Beinen, während die
Veränderlichkeit in der Antennen- und Aderfärbung um einige
Grade geringer ist und bei manchen Arten sogar eine gewisse Kon-
stanz der Färbung des Geäders und der nichtschwarzen Antennal-
glieder vorzuliegen scheint. Doch handelt es sich in solchen Fällen
vorwiegend um Arten, von denen nur geringes Material untersucht
werden konnte. Es läßt sich öfter auch die Beobachtung machen,
daß bei verschiedenen Individuen einer Art die Färbung mit zu-
nehmender Körpergröße etwas hellere Töne annimmt und um-
gekehrt. In manchen Fällen kann das einen brauchbaren Anhalt
für die Wiedererkennung einer Art abgeben. Im allgemeinen je-
doch ist den Unterschieden in der Färbung nur ganz ausnahmsweise
maßgebende Bedeutung für die Trennung der Arten beizulegen.
Häufiger als die Flügelfärbung tritt ihre Größe, Länge wie
Breite, inWalkers Artbeschreibungen als Unterscheidungsmerkmal
auf. Da diese zwar auch veränderlich, aber doch geringeren Ab-
weichungen unterworfen ist, so ist die Flügellänge, weniger ihre
Breite, unter Umständen als ergänzendes Merkmal von Wert.
Unverständlicherweise führt aber Walker nicht, wie es notwendig
wäre, die relativen Längen als Merkmal an, sondern dıe absoluten
Maße. In den Diagnosen der dreißiger Jahre ist nur die Flügel-
länge als einziges Körpermaß überhaupt angegeben, Angaben
über die Länge des Körpers fehlen vollständig; es ist demnach
nicht zu ersehen, ob die Flügel die Spitze des Abdomens erreichen
oder nicht, oder ob sie darüber hinausreichen. Allein das Ver-
hältnis der Länge von Flügel und Körper aber kann als spezifisches
Merkmal verwandt werden, nie aber die absolute Länge, wie sie
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 39
Walker verzeichnet. Irreführend sind auch die Werte, die er
in diesen Diagnosen für die Flügellänge nennt; so soll /sosoma
hyalipenne Walk. eine ‚‚alarum longitudo“ von 3 Linien besitzen,
was in deutschem Maß einer Länge von etwa 6 \, „ mm entspräche.
Derartige Flügellängen kommen aber bei keinem /sosoma vor,
es ist vielmehr mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß
Walker unter ‚„longitudo‘ gar nicht die Längenausdehnung der
Flügel, sondern ihre Spannweite verstanden hat. Diese Annahme
begründet sich in der Tatsache, daß die in den Diagnosen mit-
geteilten Werte auf die vorhandenen Typen Walkerscher. Art gut
passen, die sämtlich mit wagerecht abgespreizten Flügeln prä-
pariert sind, wenn man die Spannweiten dieser Stücke mißt.
Etwas abweichend liegen die Verhältnisse bei den Längen der
einzelnen Aderabschnitte. Angaben über die relativen Längen
dieser Abschnitte finden sich erst in den Walkerschen Beschrei-
bungen aus den siebziger Jahren, die sich durch größere Voll-
ständigkeit und vor allem Zuverlässigkeit vor den älteren Diagnosen
auszeichnen. Vermutlich hat ihr Autor zu jener Zeit selbst Schwie-
rigkeiten in der Identifizierung seiner Arten gehabt.
Es bleiben nur noch wenige Merkmale in Walkers Diagnosen,
die Anspruch darauf erheben können, als charakteristisch und
brauchbar angesehen zu werden. Diese liegen in der Länge und
Form der Antennen, dem Größenverhältnis von Kopf und Thorax,
der Länge des Petiolus, der Form und dem Grade der Kompression
des Abdomens. Sie lassen sich nicht in eine bestimmte Rangfolge
ihrem Wert nach bringen mit Ausnahme des erstgenannten, des
Baues der Antennen. Dieser ist der einzige, der durchweg von
entscheidender Bedeutung als Trennungsmerkmal ist, wenigstens
hat er für die im folgenden sichergestellten und neubeschriebenen
Arten als solches zu gelten. Walker beschränkt sich in den
Fällen, wo er den Bau der Antennen erwähnt, auf die Beschreibung
der Gesamtform, ohne auf die Gestalt der Glieder im einzelnen
einzugehen. Nur gelegentlich wird eine besonders auffallende
Form des Scapus oder der Geißelglieder kurz beschrieben. Wieder
bringen die Beschreibungen der siebziger Jahre insofern einen
Fortschritt, als hier des öfteren auch die Größenverhältnisse der
Glieder geschildert werden. Es ist hierbei zu beachten, daß in
gewissen Fällen die Angaben über die Form der Antennen als
Artmerkmal nicht brauchbar sind. Bei kleineren Individuen einer
Art verkürzt sich nämlich die ganze Antenne zwar im gleichen
Verhältnis wie der Körper, da aber die Dicke der Geißelglieder
nicht im gleichen Maße abnimmt, so ist die Gesamtform der An-
tennen eines kleineren Exemplares etwas plumper und mehr
keulenförmig und dicker als bei einem größeren St tück. Wird dem-
nach in einer Diagnose einer Art, welche kleiner ist als eine andere,
mit der die neue Spezies verglichen wird, angegeben, daß die An-
tennen dicker und plumper sind als bei dieser, so kann diesem Charak-
ter nicht unbedingte arttrennende Bedeutung beigelegt werden.
11. Heft
-
40 Dr. H. Hedicke:
‚Die übrigen von Walker verwandten Merkmale sind großen-
teils nur von untergeordneter Bedeutung, da sie nicht bei allen
Arten spezifisch differenziert sind. So zeigen die meisten Arten
nahezu gleichartige Beschaffenheit des Petiolus, nur wenige sind
durch eine mehr oder weniger deutliche Depression oder Konı-
pression des Abdomens ausgezeichnet, bei vielen Spezies ist die
(resamtskulptur des Kopfes und Thorax durchaus gleichartig; da-
für besitzen einige Arten einen sofort auffallenden, langgezogenen
Petiolus, andere weisen in einem Thorakalsklerit so scharf aus-
geprägte Skulptur auf, daß ein Individuenkomplex infolge großer
Konstanz dieses einzigen Merkmales sofort als gute Art kenntlich ist.
Außer Walker sınd noch Boheman, Foerster, Giraud,
Portschinsky und Thomson als Autoren paläarktischer /sosoma-
Arten zu nennen. Von den von diesen beschriebenen Spezies sind
jedoch einige zu Eurytoma zu stellen, eine Art gehört zu Phalachvra,
eine weitere ist mit einer Walkerschen Spezies. identisch, die
übrigen sind so unzureichend charakterisiert, daß sie ohne Ver-
gleich mit den Typen, die bisher nicht zu beschaffen waren, nur
schwierig oder gar nicht zu deuten sind. Hinzu kommt, daß mit
verschwindend wenigen Ausnahmen alle Arten nach einzelnen ge-
fangenen Stücken beschrieben worden sind; von den von Walker
beschriebenen 42 Arten lag ihm nur eine einzige in beiden Ge-
schlechtern vor, von 21 Arten beschreibt er nur das Männchen,
von 20 nur das Weibchen. Es ist im höchsten Maße wahrscheinlich,
daß unter diesen eine ganze Reihe die beiden Geschlechter einer
einzigen Spezies darstellen. Die Zusammengehörigkeit zu er-
kennen, ist aber nicht nur nach den Diagnosen, sondern überhaupt
bei gefangenen Stücken, wenn sie nicht an einer eng umgrenzten
Lokalität gesammelt wurden und durch ein beiden Geschlechtern
gemeinsames Artmerkmal als zusammengehörig erscheinen, völlig
unmöglich. Erweist sich somit die bisherige Systematik der Iso-
somen als gründlich verfahren und nahezu wertlos, so sind damit
zugleich die Wege zu einer Neubildung und Umgestaltung von
Grund auf gewiesen. Es muß zunächst versucht werden, Merkmale
aufzufinden, die für die sichere Unterscheidung der Arten zu ver-
wenden sind und als wirklich konstant bezeichnet werden können.
Der Mangel an solchen ist eine der Hauptursachen für die Un-
möglichkeit, die beschriebenen Arten zu deuten. Nach eingehender
Untersuchung eines Materiales von rund tausend Exemplaren
fanden sich derartige Merkmale im Bau der Antennen, die bei
jeder der nachfolgend beschriebenen Spezies eine andere Be-
schaffenheit haben und wenigstens bei den Männchen allein schon
zur Erkennung einer Spezies genügen können, bei den Weibchen,
die eine etwas größere Konformität im Fühlerbau besitzen, stets
in Verbindung mit der Gestalt des Abdomens. Mit Hilfe dieser
und unter Heranziehung noch einiger weiterer, unten erörterter
Artcharakter gelang es, eine Anzahl bereits beschriebener Spezies
sicherzustellen, soweit es das vorhandene Material erlaubte, sowie
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 41
die Identität einiger anderen nachzuweisen. Neubeschreibungen
bisher nicht bekannter Arten wurden nur in den Fällen gegeben,
wo einwandfreies Zuchtmaterial zugrunde gelegt werden konnte
oder wo ein auffallendes, die neue Art von allen übrigen deutlich
trennendes Merkmal festgestellt werden konnte. Auf die Be-
schreibung und Benennung der zahlreich vorliegenden Einzel-
stücke mußte verzichtet werden, um den Wust der Synonyme
nicht noch zu vergrößern. Außer den genannten beiden Haupt-
. merkmalen, dem Bau der Antennen und des weiblichen Abdomens,
wurden in den nachfolgenden Diagnosen zur Unterscheidung noch
verwandt: die Skulptur von Kopf und Thorax, soweit sie sich
durch Worte ausdrücken läßt (Versuche, diese durch zeichnerische
oder photographische Wiedergabe darzustellen, führten bisher
nicht zu günstigen Resultaten), die relative Höhe und Breite des
Kopfes und der einzelnen Abschnitte des Thorax, die Behaarung
und Bewimperung der Flügel, die Neigung des Propodeums, die
Größe und (restalt des Petiolus und des Abdomens. Bei jeder
Spezies findet sich eine Darstellung der Antennen, die, um größte
(renauigkeit zu erzielen, nach mikroskopischen Präparaten mit
Hilfe eines Mikroprojektionsapparates gezeichnet wurden. Um die
(restalt der einzelnen Antennenglieder möglichst deutlich er-
scheinen zu lassen, wurde die Bewimperung der Antennen, die
durch die Beschreibung genügend charakterisiert wird, fort-
gelassen.
Das untersuchte Material stammt zum überwiegenden Teil
aus der Sammlung v. Schlechtendals, der die Tiere planmäßig
aus ihren (rallen züchtete und dem Verfasser bereitwilligst zur
Verfügung stellte, Zuchtmaterial liegt ferner vor aus der Samm-
lung des Zoologischen Museums, von H. Schmidt-Grünberg in
Schlesien aus dortigen Gallenfunden gezogen, vom Verfasser aus
der Umgebung von Berlin, einige Arten von Herrn Dr. F. Ruschka-
Weyer, der außer diesen eine größere Kollektion österreichischer
und ungarischer gefangener Exemplare zur Untersuchung liebens-
würdigst zur Verfügung stellte. Das Material an gefangenen Tieren
rührt aus den Sammlungen Cameron (Walkers Typen), Foer-
ster, Neinhard und der Hauptsammlung des Zoologischen Mu-
seums, Berlin, her, dem auch die erstgenannten drei Sammlungen
gehören; auch die Typen der neuen Arten aus der Sammlung
v. Schlechtendal und der des Verfassers wurden nach Abschluß
der Bearbeitung dem Museum übergeben. Es steht zu hoffen, daß
es gelingen wird, auch die Typen der Thomsonschen Arten zur
kritischen Bearbeitung zu erlangen.
Im folgenden werden nun zunächst die deutbaren der bisher be-
schriebenen Arten behandelt, daran schließt sich die Beschreibung
der neuen Arten und die Kritik der zweifelhaften, bisher nur aus
den Diagnosen bekannten Spezies. Die bereits beschriebenen Arten
werden in der zeitlichen Reihenfolge nach dem Erscheinungsdatum
der ersten Diagnose behandelt, die neuen Arten in alphabetischer
11. Heft
42 Dr. H. Hedicke:
Reihenfolge des Artnamens, da sich stammesgeschichtliche Zu-
sammenhänge vorläufig nicht mit Sicherheit geben lassen. Für
einen Teil der letzteren bestehen bereits nomina nuda, die durch
die gesamte neuere Literatur weitergeführt wurden. Um in dieser
Beziehung nicht weitere Verwirrung anzurichten, sind diese Namen,
soweit angängig, beibehalten, worden.
1. Isosoma hordei (Harris) Walker (1830).
Ichneumon hordei Harris, New Engl. Farmer 9, 1830, p. 2.
Isosoma lineare Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 22.
Eurytoma hordei Harris, Rep. Ins. Massach., 1841, p. 436.
Isosoma hordei Walker, Ann. Mag. Nat. Hist. 12, 1843, p. 103.
Isosoma lineare Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 12.
Isosoma hordei Walker, 1. c.
Eurytoma hordei Harris, New Engl. Farmer II, 4, 1852, p. 385.
Eurytoma fulvipes Fitch, 7th Rep. Ins. New York, 1862, p. 154.
Isosoma lineare Giraud, Verh. zool. bot. Ges. 13, 1863, p. 1294.
Ichneumon hordei Scudder, Ent. Corresp. Harris, 1869, p. 371.
Isosoma hordeı Walsh, Amer. Entom. 1, 1869, p. 149 —58.
Eurytoma (Isosoma) hordei Lindeman, Bull. Soc. Be Nat. 55,
1881, p. 127 —30.
Isosoma hordei Portschinsky, Ackerb. Südrußl. schädl. Isosom.,
1884, 9,29;
Isosoma hordei Westwood, Trans. Ent. Soc. London 1882, p. 315.
Isosoma agropyri v. Schlechtendal (nom. nud.), Gallbild. deutsch.
(Gefäßpfl., 1890, p. 10.
Isosoma agropyri Kieffer, Ent. Nachr. 17, 1891, p. 255-6.
Isosoma agropyri Rübsaamen, Verh. naturh. Ver. Rheinl. 47, 1890,
p- 54.
Isosoma hordei Howard, U. S. Dep. Agric., Div. Ent., Techn. Ser. 2,
1896, p. 18.
Isosoma hordei v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, p. 347.
Isosoma lineare v. Dalla Torre, 1. c. p. 348.
Isosoma agropyrı Kielfer, Ann. soc. ent. Fr. 70, 1901, p. 537.,
Isosoma hordei Webster, U. S. Dep. Agric., Div. Ent., Bull. 42,
1903,P::29 84:
Isosoma agropyri Docters van Leeuwen-Reijnvaan, Marcellia 5,
1907, p. 86.
Isosoma agropyri Houard, Zoocec. Plantes Eur. 1, 1908, p. 86.
Isosoma agropyrı Ross, Pflanzengall. Nord- u. Mitteleur. 1911, p. 89.
Isosoma hordei Hedicke, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 11,#1915, p. 21.
Die Originaldiagnose des Autors, die vermutlich sehr knapp
war, kann leider nicht wiedergegeben werden, da die kleine amerika-
nische Farmerzeitung aus dem Jahre’1830, in der sie veröffentlicht
wurde, auch in Amerika nicht aufzutreiben ist. Dagegen liegt eine
Beschreibung von Howard (75) vor, die nach den von Harris’
eigener Hand bezettelten Typen, welche in der Sammlung “der
Boston Society of Natural History aufbewahrt werden, angefertigt
wurde. Sie hat folgenden Wortlaut:
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 49
„Female. -—- Length, 3,6 mm; expanse, 6 mm. Pronotum and
mesonotum minutely but strongly rugose, smoother than I. tritici;
metanotum more coarsely rugulose, the larger elevations taking
a longitudinal direction, no central furrow or carina; pronotal
spot very small, not visible from above. Abdomen as long as head
and thorax together; joints 4, 6, and 7 subequal in length, the fifth
a little longer; joint 3 a little longer than 4; 2 hardly longer than
3 and 4 united; funicle joints 2 to 5 submoniliform, but still a
little longer than broad. All legs (except coxae) and antennae
honey-yellow, flagellum and femora a little darker; claw of stigmal
club straigth, given off well before tip of club; pilosity sparse.
Male. — The only males which I have seen are the two from
the Harris collection. These are both in very bad condition;
neither has an abdomen and one has no antennae. With the other
but three funicle joints remain on the left antenna (the others
being broken off) and four on the rigth, but the latter are still
inclosed in the pupal sheath. The three funicle joints remaining
on the left antennae are not pedicellate, very slightly arched
above, and furnished with close, moderately short hair not arranged
in whorls; joint 1 longest, 2 and 3 successively decreasing. Joint 4
is still shorter, judging from the sheathed right antenna.“
Harris (7) hatte die Spezies als /chneumon hordei beschrieben
und sie für den Parasiten einer Cecidomyide unbekannter Art ge-
halten, die durch ihr Massenauftreten an Gerste und Weizen in
verschiedenen Staaten Nordamerikas erheblichen Schaden an-
gerichtet haben sollte. Die gleiche Angabe findet sich auch bei
Walker (19), dem der Autor Exemplare zur Begutachtung über-
sandt hatte. Er gibt folgende Beschreibung des Männchens, das
ihm vermutlich allein vorgelegen hat:
„Isosoma hordei (Harris MSS.), Mas. Atrum, antennae nigrae,
pedes fulvi, femora piceo-vittata, tarsi flavi, alae limpidae.
Corpus atrum, convexum, angustatum, sublineare, parum
nitens, scite punctatum, parce hirtum: caput transversum, breve,
thorace vix latius; vertex latus; frons impressa, abrupte declivis:
oculi picei, mediocres, non extantes: antennae nigrae, pubescentes,
filiformes, graciles, corpore breviores: thorax fusiformis: pro-
thorax magnus, transversus: mesothoracis scutum longitudine
latius; parapsidum suturae bene determinatae, postice approxima-
tae; scutellum subconicum: metathorax sat magnus, declivis,
obconicus: petiolus sat longus: abdomen sublineare, nitens, laeve,
thoracis brevius; segmentum lum et 2um magna: pedes fulvi,
simplices, subaequales; coxae nigrae; femora piceo-vittata; tarsı
flavi, apice fusci: alae limpidae; squamulae piceae; nervi fulvi;
nervus humeralis ulnari duplo longior, radialis ulnari multo brevior
cubitali vix longior, cubitalis sat longus; stigma minutum. (Corp.
long. lin. 114 ; alar.. lin. 2.)“
Diese Diagnose stimmt mit der oben wiedergegebenen in den
von beiden Beschreibern gemeinsam herangezogenen Punkten
11. Heft
44 Dr. H. Hedicke:
überein bis auf die Angaben über die Färbung, der Antennen und
Beine. Hierfür sind zwei Erklärungen möglich. Es hatte sich
nämlich bald herausgestellt, daß Harris unter seinem /chneumon
hordei mehrere Arten zusammengeworfen hatte. Harris selbst
unterschied zwei ‚Kassen‘, die er als Weizentiere und Gersten-
tiere bezeichnete. Bei ersteren sollten die vorderen Femora blaß-
gelb, mitunter auf der Außenseite etwas geschwärzt sein, bei letz-
teren dagegen ganz schwärzlich. Fitch erhob diese zu eigenen Arten
und teilte sie noch weiter auf; er unterschied nach der Beinfärbung
vier Spezies, nämlich:
Isosoma triticı n. sp., an Weizen, Vorderfemora blaßgelb, die beiden
hinteren Paare schwarz;
Isosoma secalis n. sp., an Xoggen, Vorder- und Hinterfemora matt
blaßgelb, mittlere schwarz;
Isosoma hordei Harris s. str., an Gerste, sämtliche Femora schwärz-
lich ;.
Isosoma fulvipes n. sp., an (rerste, Beine einschließlich der Femora
hell gelbbraun,
Die Berechtigung dieser Trennung wurde jedoch von dem
Amerikaner Walsh (32, 33) angezweifelt. Um sıe zu prüfen, erzog
er aus kanadischen Gerstengallen 70 Wespen, und zwar 23 Männ-
chen und 47 Weibchen; die meisten zeigten die blaßgelbe Vorder-
schenkelfärbung, die Fitch als Artmerkmal für Zritici bezeichnet
hatte; nicht ein einziges Stück hatte die ausgesprochen schwarzen
Vorderschenkel, die Fitch für hordei s. str. forderte, einige wenige
Exemplare nur wiesen auf der Außenseite verdunkelte Vorder-
femora auf; dagegen zeigten zwei Weibchen die Schenkelfärbung
des /. secale und nur sieben Weibchen hatten, abgesehen von der
Schwarzfärbung der Tibien, die gelben Beine des I. fulvipes Fitch.
Außerdem fanden sich aber so viele Zwischenformen und UÜber-
gänge, daß Walsh glaubte, die vier Arten Fitchs höchstens als
Formen ein und derselben Art auffassen zu können. Jedenfalls
erschien es ihm nicht möglich, die Färbungsunterschiede mit der
Herkunft aus verschiedenen Substraten in Einklang zu bringen.
Letztere Ansicht erwies sich später als zutreffend, erstere dagegen
nicht. Es zeigte sich nämlich, daß Fitch tatsächlich gute Arten
vorgelegen hatten, mit Ausnahme allein von I. fulvipes, das mit
hordei identisch ist; die Artberechtigung von 7. tritici Fitch wurde
zuerst von Riley 1882 ausgesprochen, diejenige des /. secale von
Howard (75, p. 19). Walshs Irrtum war leicht dadurch zu er-
klären, daß Fitch seine Arten allein auf Färbungsunterschiede be-
gründet hatte, die auch innerhalb einer größeren Individuenzahl
von hordei auftreten, und die konstanten Artmerkmale, die durch
Skulptur und Größenverhältnisse besonders im Bau der Antennen,
gegeben sind, nicht berücksichtigt hatte. Die Frage der Synonymie
von Fitchs Arten war aber auch damit noch nicht endgültig ge-
löst. Howard (l. c. p. 8-10, 17-8) konnte nämlich nachweisen,
daß wıiley denselben Fehler begangen hatte wie Fitch, indem
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 45
er sich mit den Färbungsunterschieden begnügte. Es stellte sich
nämlich heraus, daß Riley gar nicht Isosoma tritici Fitch gesehen
hatte, sondern eine ganz andere Spezies für diese gehalten hatte,
die als agame Generation zu Philachyra grande (Riley) zu stellen
ist. Erst 1896 gab Howard (l. c. p. 17-8) eine genaue Beschreibung
der Typen von I. tritici Fitch, zugleich zog er den Namen 7. tritici
Riley als Homonym ein und bezeichnete letztere als Philachyra
grande Riley forma minuta Howard. Da weder 7. tritici Fitch noch
T. secale Fitch bisher in Europa oder einem außereuropäischen
Gebiet der Paläarktis aufgefunden worden ist, werden sie in vor-
liegender Arbeit außer Betracht gelassen.
Das erste Auftreten des /sosoma hordei in Europa wurde Ende
der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Südrußland unter
ganz ähnlichen Verhältnissen wie in. Nordamerika beobachtet,
worüber Lindeman (45, 46) und Portschinsky (47) unabhängig
voneinander berichten. Beide geben auch Beschreibungen der von
ihnen aus den Deformationen gezogenen Wespen. Doch läßt
Lindemans Diagnose leicht erkennen, daß er nicht den Erzeuger,
sondern eine bei diesem parasitierende Eurytoma gezogen hat.
Dagegen erweisen sich die von Por tschinsky herrührenden
Stücke aus der Sammlung v. Schlechtendal leicht als zu I. hordei
gehörig. Portschinskys Diagnose bringt keine wesentlichen Er-
gänzungen zu der oben wiedergegebenen Beschreibung amerika-
nischer Exemplare. Nun gestatten eine Anzahl anderer Stücke
der Sammlung v. Schlechtendal eine weitere sehr bemerkens-
werte Feststellung. Im Jahre 1890 beschrieb v. Schlechtendal
(66, p. 10) eine Deformation des Halmes der als Ackerunkraut
weitverbreiteten Quecke (Agropyrum repens P. Br.), als deren
Erzeuger er eine neue Spezies /sosoma agropyrı bezeichnete, ohne
diese je zu beschreiben. Er hatte schon früher (60) die Vermutung
ausgesprochen, daß der Erzeuger mit /sosoma hordei Harr. identisch
sein könnte, da ihm aber nur Weibchen vorgelegen hatten und es
ihm trotz wiederholter Zuchten nie gelang, ein Männchen zu er-
halten, wagte er nicht, diese Frage zu entscheiden. Die Weibchen
waren von südrussischen Exemplaren nicht zu unterscheiden; da
aber derartige Ähnlichkeiten bei der außergewöhnlichen Varia-
bilität der Isosomen nichts Seltenes sind, konnte dieser Umstand
zur Lösung der Frage nicht genügen. Nun gelang es Schmidt
(119), der die gleichen Gallen aus Schlesien beschreibt, aus diesen
auch Männchen zu züchten, die die endgültige Identifizierung
und Feststellung der Synonymie mit I. hordei ermöglichten. In
der Sammlung v. Schlechtendals waren die Tiere aber zum
größten Teil nicht als I. agropyri, sondern als Isosoma lineare
Walker bezeichnet mit dem Hinweis, daß agropyri vielleicht mit
letzterer Spezies ebenfalls identisch sein könnte. Das im Berliner
Museum befindliche Original dieser Art ließ trotz starker Ver-
schmutzung tatsächlich einwandfrei erkennen, daß auch /. lineare
Walker als Synonym zu hordei zu stellen ist, was aus der Dia-
11, Heit
46 Dr. H. Hedicke:
gnose allerdings kaum zu erkennen ist, da diese auf alle möglichen
Isosomen paßt. Sie hat folgenden Wortlaut (8, p. 22):
„„[sos. lineare. Fem. Nigrum, prothorace antice maculis duabus
albidis, tarsis flavis, alis hyalinis.
Caput obscurum: thorax punctatus, albido utrinque antice
maculatus: petiolus obscurus, punctatus:- abdomen nitidum,
glabrum: antennarum scapus fuscus: femora antica apicem versus,
genua tarsique flavi: tibiae anticae fuscae: alae hyalinae, nervis
flavis. (Alarum longitudo, 1%, lin.)
This species has more slender antennae than /sos. angustatum,
which it resembles in shape, but the body is longer and narrower:
the abdomen is slightly compressed: the white spot-on each side
of the proscutellum is rather large: it is more linear than /sos.
depressum, and has much shorter wings.
Julv; amongst grass im fields; Southgate.“
Daß Walker die Identität des I. lineare mit dem eis
von ihm beschriebenen horder: nicht erkannte, ist leicht dadurch
erklärt, daß er letztere Spezies nur im männlichen (reschlechte
kannte, während er /. lineare nach einem Weibchen beschrieb.
Die Diagnose des /ineare paßt nicht genau auf das typische Exem-
plar, bei welchem der Scapus nicht völlig gelbbraun ist, sondern
zum distalen Ende allmählich verdunkelt ist. Gleichwohl findet
sich bei zahlreichen Stücken des untersuchten Materials ein seiner
ganzen Ausdehnung nach gelbbrauner Scapus. In der starken
Variabilität der Verteilung der helleren Farbentöne liegt auch eine
der beiden Erklärungen dafür, daß Walkers Beschreibung des
hordei nicht völlig mit derjenigen Howards übereinstimmt, wie
bei der Erörterung dieser Beschreibung angedeutet wurde. Anderer-
seits ist es auch möglich, daß ihm gar nicht Isosoma hordei s. str.
vorgelegen hat, sondern eine der beiden anderen von Fitch von
dieser abgetrennten Arten Zriticı oder secale. Aus der Beschreibung
Walkers läßt sich eine Entscheidung über diese Frage nicht
treffen. Diese letztere Erklärung gewinnt dadurch an Wahrschein-
lichkeit, daß von I. hordei nur selten Männchen gefunden werden,
während diese bei Zritici und secale fast in gleicher Zahl auftreten
wie die Weibchen; Harris selbst hat in seiner Sammlung, wie
Howard (l. c. p. 19) mitteilt, nur 14 Weibchen und 2 Männchen
hinterlassen, es ist daher wahrscheinlicher, daß er an Walker
Männchen von Zritici Fitch oder secale Fitch gesandt hat, die er,
wie oben dargelegt, mit seinem I. hordei zusammengeworfen hatte.
Das dieser Arbeit zugrunde gelegte Material zeigt das Miß-
verhältnis in der Zahl der Männchen und Weibchen noch deut-
licher; es liegen nämlich insgesamt 234 Weibchen und nur 4 Männ-
chen vor. Im einzelnen setzt sich das Material folgendermaßen
zusammen:
110 29, Zwickau i. Sachsen, Sammlung v. Schlechtendal, als
I. lineare Walk. bezeichnet.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 47
13, 22 29, Zwickau und Hallea. S., Sammlung v. Schlechtendal,
bezettelt I. hordei (?).
19 22, Halle a. S. 31. V. 1891], Sammlung v. Schlechtendal als
I. agropyri bezeichnet.
8 99, Südrußland, Sammlung v. Schlechtendal, Portschinsky
leg.
1 &, 7 22, Südrußland, Krim, Sammlung v. Schlechtendal,
Lindeman leg.
1 2, England (Southgate?), Sammlung des Zool. Mus. Berlin,
Walker leg., Type von I. lineare Walk., aus der Sammlung
Cameron.
2 38, 30 22, Grünberg i. Schles., Sammlung des Zool. Mus. Berlin,
H. Schmidt leg.
1 ©, Ungarn, Kismaros, Sammlung Ruschka, Meusel leg.
1 2, Ungarn, Szokolya, Sammlung Ruschka, Meusel leg.
1 2, Niederösterreich, Gars, Sammlung Ruschka, (Sammler ?).
24 292, Brandenburg, Steglitz, Sammlung Hedicke.
Durch vergleichende Untersuchung dieses umfangreichen
Materials konnten folgende Ergänzungen zu den bisher veröffent-
lichten Beschreibungen der Spezies gewonnen werden:
3. Kopf etwas breiter als hoch, doppelt so breit wie lang, sehr
fein runzlig punktiert, Mittelkiel sehr flach, Clypeargruben kaum
angedeutet, Wangenfurchen fast bis zur Mitte der Wangen reichend.
Antennen so lang wie Kopf und Thorax zusammen, Scapus
zum distalen Ende schwach erweitert, plötzlich abgesetzt, fast
viermal so lang wie dick, Pedicellus kurz eiförmig, um ein Viertel
länger als dick, ein wenig dicker als der Scapus, 1. Annellus halb
so dick wie das abgestutzte Distalende des Pedicellus, dreimal so
dick wie lang, 2. Annellus etwas dicker und länger als der erste,
Geißelglieder langgestreckt eiförmig bis walzenförmig, unter-
einander fast gleichlang, im besonderen das erste nicht, wie bei
der Mehrzahl der Arten, länger als das zweite, die ersten Glieder
fast so dick wie der Scapus, dreimal so lang wie dick, vom vierten
Gliede ab allmählich dünner werdend, sechstes fast viermal so
lang wie dick,"das siebente so dick, aber ein wenig kürzer als das
sechste, Apiculus schwer erkennbar, dem zugespitzten Distalende
des letzten Gliedes mit breiter Basis aufsitzend, kaum länger als
an der Basis dick; alle Glieder zum Distalende schwach stielartig
verschmälert; Behaarung unregelmäßig, dünn, nicht wirtelig an-
geordnet, Haare halb so lang wie die Glieder.
Thorax etwas schmäler als der Kopf, dreimal so lang wie breit;
Pronotum 21,"mal so breit wie lang, Collare schwach abgesetzt,
Furchen fein eingeschnitten, Scutellum vom Metanotum schwach
abgesetzt, im Profil gesehen als kurzes Spitzchen über das Meta-
notum vorragend; dieses sehr schmal und undeutlich; Propodeum
fast flach, Neigungswinkel etwa 30 Grad; Thorax mit Ausnahme
des etwas gröber skulptierten Propodeums sehr fein runzlig punktu-
liert, fast querstreifig skulptiert.
11. Heft
48 Dr. H. Hedicke:
Flügel das Abdomen wenig überragend, Behaarung und Be-
wimperung normal, Ramus marginalis um ein Drittel bis die Hälfte
länger als der Radius.
Petiolus so lang wie die Hintercoxen, um die Hälfte länger als
dick, gerunzelt; Abdomen so breit und fast so lang wie der Thorax,
21,-3mal so lang wie breit, dorsal schwach deprimiert, daher
breiter als hoch, Seitenränder größtenteils parallel, das ganze Ab-
domen glatt und stark glänzend.
Die vier vorliegenden Männchen haben eine Körperlänge von
2-2,5 mm, und zwar mißt das russische, aus Weizengallen ge-
zogene Stück 2,5 mm, die drei aus Queckengallen herrührenden
2 mm. In der Literatur findet sich eine Größenangabe für das
Männchen nur bei Walker (siehe oben), dessen Angabe von 1",
Linie für das russische Exemplar zutrifft; es hat den Anschein,
daß die die Queckengallen erzeugenden Tiere durchgängig kleiner
sind als die an Triticum lebenden, was offenbar durch die ver-
schiedenen Größenverhältnisse der Halme von Weizen und Quecke
bedingt und erklärt wird.
Auch in der Färbung stimmen die vier Männchen nicht ganz
überein; die beiden schlesischen Stücke haben braune Antennen,
I ganz gelbbraune Vorder-
tibien und blaßgelbe Pro-
notalflecke, bei dem säch-
sischen Exemplar ist das
Flagellum pechbraun, Sca-
pus und Pedicellus dunkel-
braun, die Vordertibien sind
mitten etwas verdunkelt und
die Pronotalflecke sind hell
gelbbraun, das russische
Stück ist noch stärker ver-
dunkelt, die Antennen sind
Fig. 7 fast schwarz, an den Beinen
Antennen von J. hordei Harr. 39. sind nur noch die Knie, die
Vergr. 70:1. Distalenden der Tibien und
die Tarsen gebräunt, die
kleinen Pronotalflecke sind schmutzigbraun; auch das Abdomen
ist schwarz, bei den übrigen Stücken mehr pechbraun mit hellerer
Basıs.
Q. Kopf kaum breiter als hoch, doppelt so breit wie lang, im
übrigen wie beim Männchen.
Antennen doppelt so lang wie der Kopf hoch; Schaft fast
zylindrisch, viermal so lang wie dick, distal wenig verengt, Pedi-
cellus birnförmig, um die Hälfte länger als dick, 1. Annellus ein
Drittel so dick wie das Distalende des Pedicellus, halb so lang wie
dick, der 2. doppelt so lang und dick wie der erste, dicht an die
Basis des 1. Geißelgliedes anschließend, dieses um ein Viertel bis
die Hälfte länger als dick, etwas dünner als der Pedicellus, die
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 49
folgenden vier untereinander fast gleichgroß, kaum länger als dick,
wenig dicker als das 1., die drei letzten Glieder zur Keule ver-
wachsen, diese so lang und dick wie die drei vorhergehenden
Glieder zusammen, Flagellum kurz, mehr oder weniger regelmäßig
wirtelhaarig, Haare fast so lang wie die Glieder.
Thorax 21,mal so lang wie breit, etwas breiter als hoch,
Skulptur wie beim Männchen. Medianfurche des Propodeums
zuweilen angedeutet, meist ganz fehlend oder durch zwei kurze
Längskielchen ersetzt, die gewöhnlich nach hinten schwach kon-
vergieren.
Petiolus nicht sichtbar; Abdomen so lang wie Kopf und Thorax
zusammen, dreimal so lang wie breit, glatt, glänzend, Seitenränder
vom 2. bis zum vorletzten Segment parallel, Rücken bei lebenden
Tieren sehr flach gewölbt, bei toten etwas eingesunken.
Körpergröße im Mittel 2,8 mm; von den gemessenen 234
Weibchen sind 220 zwischen 2,6 und 3 mm groß, 12 sind kleiner
als 2,6, nur 2 größer als 3 mm; die beiden kleinsten Stücke messen
nur 2 mm, von den beiden größeren mißt eines 3,j, das andere
3,2 mm.
Die außerordentliche Variabilität dieser Spezies, die bereits
mehrfach angedeutet wurde, drückt sich nicht etwa durch Bildung
von Lokalitätsrassen aus, sondern ist bei Tieren aller Lokalitäten,
die in dem untersuchten Material vertreten sind, festzustellen.
Inwieweit eine Rassenbildung bei dieser Spezies möglich und zu
konstatieren ist, wird bei der Darstellung der Lebensweise zu be-
handeln sein.
Im allgemeinen ist festzustellen, daß mit abnehmender Körper-
größe die Längen stärker abnehmen als die Breiten, d. h. kleinere
Exemplare sind etwas plumper, gedrungener, größere schlanker,
gestreckter im Gesamthabitus. Dieses Prinzip kommt auch im
Bau der Antennen zum Ausdruck: bei größeren Stücken ist das
erste Geißelglied bis doppelt so lang wie dick, die folgenden um
die Hälfte länger als dick, bei kleineren Individuen sind diese nicht
selten sogar dicker wie lang und das erste ist nur sehr wenig länger
als dick; ferner ist bei besonders schlanken Stücken das erste Glied
der Fühlerkeule zuweilen so tief von dem folgenden abgeschnürt,
daß die Keule zweigliedrig erscheint. Dieses Prinzip, das sich in
mehr oder weniger deutlicher Ausprägung bei allen Isosomen
konstatieren läßt, wird aber bei horder gar nicht selten durchbrochen,
so daß kleine Individuen einen sehr schlanken Habitus und ent-
sprechend gestrecktere Antennen besitzen und umgekehrt oder
sogar kleine Tiere mit ‚‚normal‘‘ plumpem Körperbau lange, ge-
streckte Geißelglieder aufweisen und große Individuen mit schlan-
kem Habitus kurzgliedrige Antennen besitzen. Derartige Fälle
sind immerhin selten und unter den vorliegenden Stücken bei nur
vier Exemplaren sicher nachzuweisen. Naturgemäß finden sich
alle erderklichen Übergänge und Zwischenformen, so daß die Er-
örterung und Besprechung der einzelnen Formen überflüssig ist.
Archiv ernten Ai 11. Heft
20 i Dr: H. Hedicke:
Die Körperskulptur ist mit Ausnahme derjenigen des Propodeums
konstant, die bei letzterem vorkommenden Ausbildungsformen der
Medianfurche wurden bereits kurz erwähnt. Auch in der Aus-
bildung des Mittelkiels und der Clypeargruben und Wangenfurchen
des Kopfes waren stärkere Abweichungen nicht festzustellen. Die
Thorakalfurchen sind bei großen Individuen entsprechend der Ver-
gröberung der gesamten Skulptur schärfer eingeschnitten und deut-
licher ausgeprägt als bei kleinen, wo sie zuweilen fast verschwinden.
Die Absetzung des Skutellums vom Metanotum ist bei allen unter-
suchten Stücken deutlich, wenn auch bei kleinen Individuen
schwierig wahrzunehmen.
Die Flügel sind in der Regel so lang, daß die Spitze des Ab-
domens überragt wird, bei 12%, des Materials wird diese gerade
erreicht, bei 2°, (meist großen Stücken) sind die Flügel ein wenig
kürzer und reichen nicht ganz bis zur Spitze des Abdomens. Die
relative Länge des Ramus marginalis und des Radius ist mäßig
starken Schwankungen unterworfen, das Längenverhältnis beider
Abschnitte bewegt sich zwischen den Grenzen 1,2:1 und 1,7:1,
d. h. der Ramus marginalis ist mindestens um ein Fünftel und
höchstens um fast oh Viertel länger als der Radius; der Winkel
zwischen Radius und Ramus postmarginalis beträgt im Mittel
45 Grad und schwankt sehr wenig.
Die stärkste a EN! zeigt die Färbung. Bei den Antennen
ist in der Regel Scapus und Pedicellus heller oder dunkler braun,
die Annelli sind stets gelbbraun, das Flagellum ist schwarzbraun.
Bei fast 30°, der Tiere sind die Antennen heller und besitzen ein
dunkelbraunes Flagellum, bei ebensovielen ist der Pedicellus nur
am distalen Ende en Bei 8°, sind die Antennen ganz verdunkelt.
Wieder finden sich zahlreiche Übergänge und Farbtöne. Das
gleiche Verhältnis zeigt sich in der Ausdehnung und Färbung der
Pronotalflecke, die bei 6°, nahezu vollständig verschwunden sind,
bei einigen Stücken fast zwei Drittel des vorderen Pronotums ein-
nehmen. Dieselben Abweichungen wie bei den Antennen kehren
in der Färbung der Beine wieder; doch sind hier völlige Verdunke-
lungen, so daß nur noch die Knie und die äußersten Enden der
Tibien, sowie die Tarsen gebräunt sind, relativ seltener als Auf-
hellungen, die nur noch an der basalen Hälfte der Femora und in
geringer Ausdehnung in der Mitte der hinteren Tibien dunkler ge-
färbte, dann meist dunkel- bis pechbraune Stellen übrig lassen.
Das Abdomen weist hinsichtlich seiner Größe und Gestalt
keine nennenswerten Abweichungen auf, wohl aber wiederum in
der Färbung. Hier hält sich aber die Zahl der Stücke mit schwarzem
und derjenigen mit mehr oder weniger pechbraunem Abdomen die
Wage; letztere haben in überwiegender Mehrzahl eine heller braune
Abdominalbasis.
Zur Synonymie von I. hordei sei noch bemerkt, daß Walker
(22, p. 12) als Synonym zu seinem /. lineare die zweifelhafte
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 51
Eurytoma longula Boheman angibt. Die Beschreibung, die Bohe-
man (11, p. 248-50) von dieser Spezies gibt, paßt indessen nicht
auf /. hordei, auch die Diagnose Thomsons (40, p. 56-7), die nur
eine Wiederholung der Beschreibung von Boheman in abgekürzter
Form ‘ist, macht die von Walker behauptete Synonymie nicht
w ahrscheinlicher, läßt es vielmehr ebenso zweifelhaft, ob Bohe-
mans Spezies überhaupt ein /sosoma ist, wie W alker vermutet
und Thomson mit Bestimmtheit ausspricht, oder nicht doch
eine Eurytoma. Die Frage wird noch dadurch kompliziert, daß
Boheman bei der Beschreibung seiner Eurvtoma longula als Syno-
nym dazu Eurytoma obsoleta Dalman angibt, die bereits 1820 be-
schrieben wurde. Sollten sich alle diese angeblichen Synonymien
als zu Recht bestehend erweisen, was indes wenig wahrscheinlich
und nur an Hand des typischen Materials nachzuweisen wäre, so
fiele damit auch /sosoma hordei Harris und Dalmans Name hätte
die Priorität. Woraus Walker schließt, daß sein /. lineare mit
Eurytoma longula identisch sei, ist nicht zu ermitteln. Ebenso-
wenig war festzustellen, ob Thomson die Type dieser Art gesehen
hat oder von ihm gefangene Tiere allein nach der Diagnose als
Bohemans Eurytoma gedeutet hat. Der Umstand, daß er dessen
Beschreibung nicht vervollständigt, sondern abgekürzt wieder-
holt hat, läßt das letztere vermuten.
Von allen Isosomen ist /. hordei Harris diejenige Spezies,
deren Lebensweise am besten bekannt ist. Es wurde bereits er-
wähnt, daß über die Art eine umfangreiche Literatur besonders
in Amerika vorliegt, wo sie periodisch als arger (Gretreideschädling
auftrat und dadurch die Aufmerksamkeit besonders der Staats-
entomologen auf sich zog. An dieser Stelle interessiert indessen
vorwiegend die Kenntnis ihrer Lebensweise in der paläarktischen
Region, die in einem wesentlichen Punkt von derjenigen in Nord-
amerika abweicht. Während nämlich dort als Substrat in erster
Linie Gerste (Hordeum vulgare L.) in Betracht kommt und Weizen
(Triticum vulgare Vill.) und Hafer (Avena sativa L.) als solche
nicht ganz sicher sind (vgl. Webster 1903, p. 29 -31), sind in
Europa nur Triticum-Arten (im weitesten Sinne) als Substrate
festgestellt worden, und zwar in Südrußland der Roggen (Triticum
'Secale] cereale L.) und Weizen (Triticum vulgare Vill.) und auch
die Quecke (Triticum [Agropyrum] repens L.). An den beiden
genannten Getreidearten trat die Art jedoch, wie Portschinsky
(47) mitteilt, nicht als ausgesprochener Schädling und in solchen
Massen auf wie in den Vereinigten Staaten, vielleicht hier durch
die zahlreich gezogenen Parasiten aus mehreren Chalcididen-
gattungen stark eingedämmt, deren Einfuhr in großem Maßstabe
nach Amerika dieser Autor zur Bekämpfung des ‚‚joint-worm‘
empfahl. In Mittel- und Nordeuropa wurde ein Auftreten an
(retreidearten bisher nicht beobachtet, wohl aber an allen Arten
der Untergattung Agropyrum, und zwar am häufigsten an A. re-
pens (L.) P. Br., an der Nordseeküste und der atlantischen Küste
4® 117er
52 Dr. H. Hedicke:
Frankreichs besonders an A. junceum R. u. S., vereinzelt an
A. caninum (L.) P. Br. und neuerdings auch von BaudysS (123)
am Ufer des Isonzo in Oberitalien an A. litoreum Schum.
Die Gallbildung ist von einem sonst bei Isosomen nicht be-
obachteten Heteromorphismus. Sie besteht stets in einer mehr
oder weniger knotigen oder schwielenförmigen Anschwellung der
Sproßachse oder der Innenseite einer Blattscheide, tritt aber nie,
so verschiedenartig sie sonst lokalisiert sein kann, in der Infloreszenz
auf. Wenn die Sproßachse dicht unter der Ähre befallen wird, so
verkümmert diese sekundär und bleibt meist zwischen den obersten
Blättern stecken. Die Stärke der Ausbildung richtet sich nach
der Zahl der Larvenkammern, die nach Untersuchungen des Ver-
fassers zwischen eins und zwölf schwankt. Die Kammern liegen
entweder auf der Innenseite der Halmröhre oder sie sind in das
Innere verlagert. Im ersteren Falle sind sie meist dicht zusammen-
gerückt und die Schwellung macht sich dann auf dieser Seite
stärker bemerkbar. Die Kammern sind, wenn sie nicht von Para-
siten besetzt sind, spindelförmig, braunglänzend und 2-3 mm lang
bei einer Breite von 1 mm. Sie finden sich zumeist in den unteren,
weniger häufig in den mittleren und oberen Internodien, die je
nach der Zahl der Larvenkammern mehr oder weniger stark ver-
kürzt sind. Wenn diese weniger gedrängt beisammen stehen, ist
die Schwellung äußerlich kaum wahrnehmbar und die Stelle, an
der im Halm die Kammern sitzen, nur durch eine schwache Bräu-
nung des Halmes zu erkennen, die beim Absterben des Halmes im
Herbst stärker hervortritt. Die Gallen sind daher in der kalten
Jahreszeit leichter auffindbar als im Sommer und werden zur Zucht
am zweckmäßigsten im ersten Frühjahr eingetragen. Die Anato-
mie der Gallen ist von Docters van Leeuwen und Reijnvaan
(97) beschrieben worden, die auch Beobachtungen über die Ent-
wicklung der Blattscheiden- und der Sproßachsengallen anstellten.
Es ergab sich dabei, daß die Erzeuger dieser beiden Formen zwar
morphologisch vollkommen übereinstimmen, daß aber die Er-
zeuger der Blattscheidengallen etwa einen Monat früher erscheinen
als diejenigen der Halmschwellungen, welche erst Mitte Juli aus-
schlüpfen und während des ganzen Monats bei der Eiablage zu
beobachten sind. Ferner wird bei letzteren nach Einführung des
Legebohrers das Abdomen flach an den Halm gedrückt, während
er bei ersteren fast senkrecht zum Halm gerichtet bleibt. Die
Beobachter glauben daher, zwei ‚biologische Rassen“ unter-
scheiden zu müssen, die sich allein durch geringe Abweichungen
in der Lebensweise, nicht aber im Körperbau unterscheiden. Die
Entwicklung der Halmgallen an Triticum junceum vollzieht sich
nach den gleichen Autoren in derselben Weise wie an T. repens,
Es unterliegt keinem Zweifel, daß es sich um den gleichen Erzeuger
handelt wie bei T. repens.
Über die Verbreitung von I. hordei liegen Literaturangaben,
die größtenteils auf Beobachtung der Gallen basieren, nur aus
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 59
Mitteleuropa, Südrußland und Oberitalien vor. An Triticum -re-
pens L. wurden die Gallen festgestellt von folgenden Gebieten:
Holland (Docters vanLeeuwen und Reijnvaan, 97 p. 86),
Mark Brandenburg (Hedicke, 124, p. 21; Jaap, 130 p. 7; Schu-
macher, Sammlung Zool. Mus.; P. Magnus, Sammlung Rüb-
saamen), Prov. Sachsen (v. Schlechtendal, 60 p. 415-9, 66
p- 10, 73 p. 7), Schlesien (Hellwig, Sammlung v. Schlechtendal;
Schmidt, 119 p. 154), Westpreußen (Rübsaamen, Sammlung
Rübsaamen), Rheinprovinz (Rübsaamen, 65 p. 54), Lothringen
(Kieffer, 67 p. 255-6), Böhmen (BaudyS, 128 p. 57), Südrußland
(Portschinsky, 47).
An Triticum caninum L.:
Schlesien (Dittrich und Schmidt, 106, BF-85: Schmid,
109, p. 154), Böhmen (BaudyS, 128, p. 57).
Schmidt (l. c.) hält die von ihm RER Form für ein
neues Cecidium; es unterscheidet sich von den von ihm an T. repens
gesammelten Hordei-Gallen nur dadurch, daß die Anschwellung
an der Oberfläche mit wellig verlaufenden, oft gedrehten Längs-
wülsten besetzt ist, eine Abweichung, die aber auch bei T. repens
nicht selten auftritt.
An Triticum junceum L.:
Holländische Nordseeküste (Docters van Leeuwen und
Keijnvaan, 97-P:. 92-3).
2. Isosoma angustipenne Walker (1832).
Isosoma angustipenne Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 16.
Isosoma breve Walker, ibid. p. 18.
Isosoma minor Walker, ibid.
? Isosoma elongatum Walker, ibid.
Isosoma cornutum Walker, ibid. p. 19.
?Eurytoma pustlla Boheman, Kgl. Vet. Akad. Handl. 56, 1835,
21239;
Isosoma angustipenne Walker, List Spec. By m, Ins, 1,1846, p. 11.
Isosoma minor Walker, ibid.
Isosoma elongatum var. Walker, ibid.
Eurvtoma pusilla (Boheman) Walker, ibid.
Isosoma cornutum Walker, ibid.
Isosoma breve Walker, ibid.
?Eurytoma minuta (Zetterstedt) Walker, Notes Chalc. 2, 1871, p. En
’Eurytoma minutula v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, P- 339
Isosoma angustipenne v. Dalla Torre, ibid. p. 345.
Isosoma breve v. Dalla Torre, ibid. p. 346.
Isosoma cornutum v. Dalla Torre, ibid. p. 346.
Isosoma minus v. Dalla Torre, ibid. p. 348.
Isosoma brevis Thomson, Hym. Scand. IV, 1, 1875, p. 55.
Die Diagnose Walkers hat folgenden Wortlaut:
„Mas. Nigrum, prothorace antice maculis duabus lateralibus
pallide flavis, alis fuscis angustis.
11. Heft
54 Dr. H. Hedicke:
Caput obscurum: thorax punctatus, maculis antice duabus
pallide flavis: abdomen nitidum, glabrum: antennae basi tarsique
fusci: genua flava: alae fuscae. (Alarum longitudo, 11 lin.)
The wings of this species are very narrow, their breadth not
being more than one-fourth of their length; this character, and its
fuscous wings, will distinguish it from most species of Isosoma.
May; amongst grass in moist situations; Southgate.‘
Diese Beschreibung, die mit der einzigen Ausnahme der Flügel-
breite allein Färbungsmerkmale angibt, bietet keine Möglichkeit,
die Spezies wiederzuerkennen. (Glücklicherweise liegt aber das
typische Exemplar vor, und zwar in einer Erhaltung, die die Art-
charaktere gut erkennen läßt. Ein Vergleich mit den gleichfalls
vorhandenen Typen von /sosoma breve Walk., minor Walk. und
cornutum Walk. ließ die Identität aller vier Arten leicht nach-
weisen und müssen die drei letztgenannten Namen zugunsten von
I. angustipenne eingezogen werden. Nachstehend sei eine voll-
kommenere Beschreibung nach den vorliegenden Stücken gegeben:
3. Schwarz, Mandibeln, Flagellum, Distalende des Pedicellus
und der vorderen Femora, Knie in sehr geringer Ausdehnung,
äußerstes Distalende der Tibien, die Tarsen und Pronotalflecke
dunkelbraun, Flügelgeäder gelbbraun, Abdomen pechbraun.
Fig. 8.
Antenne von I. angustipenne Walk. 5. Vergr. 1: 60.
Kopf fast um die Hälfte breiter als hoch, doppelt so breit wie
lang, Augen stark gewölbt, etwas vorgequollen; Kopf und Thorax
äußerst fein chagriniert, glänzend; Wangenfurchen stark verkürzt.
Antennen nicht ganz so lang wie Kopf und Thorax zusammen;
Scapus mäßig erweitert, dreimal so lang wie dick, Pedicellus birn-
förmig, um ein Viertel länger als dick, fast so dick wie der Scapus,
erster Annellus ein Drittel so dick wie das Distalende des Pedı-
cellus, dreimal so dick wie lang, zweiter etwas länger und dicker
als der erste, Flagellum langgestreckt, nicht geflügelt, erstes Glied
etwas dünner als der Pedicellus, viermal so lang wie dick, die
folgenden allmählich etwas kürzer und dicker werdend, sechstes
und siebentes nicht verwachsen, sechstes wie die übrigen Glieder
kurz, aber deutlich gestielt, siebentes 21,mal so lang wie dick,
so dick wie der Pedicellus, Apiculus sehr klein, so lang wie das
Stielchen des sechsten Gliedes, dreimal so lang wie dick; Bewirte-
lung sparsam, Haare so lang wie die Glieder.
Thorax sehr schlank, etwas mehr als dreimal so lang wie dick;
Pronotum kaum um die Hälfte breiter als lang, Collare scharf
abgesetzt, annähernd gleichseitig dreieckig, Scutum mäßig stark
gewölbt, Parapsidenfurchen tief, schärfer eingeschnitten als die
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 59
Scutellarfurche; Scutellum undeutlich abgesetzt, nicht über das
. Metanotum vorragend; Propodeum stark, fast kugelig gewölbt,
Neigungswinkel etwa 45 Grad, Medianfurche undeutlich. Flügel
das Abdomen um seine ganze Länge überragend, Bewimperung
und Behaarung. normal, Ramus marginalis 115 2mal so lang
wie der Radius.
Petiolus doppelt so lang wie dick, die Hintercoxen weit über-
ragend, proximal kurz schuppig aufgebogen, sehr fein gerunzelt.
Abdomen halb so lang wie der Thorax oder wenig länger, doppelt
so lang wie breit, eiförmig, glatt, glänzend.
1.1923 1:mm:
5 d& (je eins bezeichnet als angustatum, breve und cornutum,
zwei als minor).
Nach Walker (8, p. 16—19) im Mai und Juli bei Southgate,
im September auf der Insel Wight und Ende Mai bei Southhampton
im Grase gefangen.
Die Beinfärbung ist bei allen fünf Exemplaren konstant; auch
sonst ist die Färbung keiner wesentlichen Veränderung unter-
worfen; bei einem Stück sind die Pronotalflecke kaum noch er-
kennbar. Skulpturelle Abweichungen sind nicht festzustellen.
Ein Exemplar (minor Walk.) ist insofern abnorm, als das Flagellum
an beiden Antennen vier Glieder aufweist, und zwar sind das erste
und zweite Geißelglied normal, das dritte kürzer als bei normalen
Stücken, etwas dünner und kürzer als das zweite Glied, das vierte
sehr stark verkürzt, halb so lang wie das zweite und erheblich
dünner, aber als normales Endglied mit deutlichem in ein Tasthaar
auslaufenden Apiculus gestaltet.
Ein weiteres von Walker als Type seines /sosoma breve be-
zeichnetes Stück entpuppte sich als eine Eurvtoma. Ebenso
charakteristisch für Walker ist die Angabe in der oben wieder-
gegebenen Originaldiagnose von angustipenne, daß die Schmalheit
der Flügel und ihre Färbung diese Spezies „from most species of
Isosoma‘‘ unterschiede, also nicht von allen! Walker selbst zieht
sein mit I. breve und minor zusammen beschriebenes und diesen
Arten gegenübergestelltes /sosoma elongatum (8, p. 18) später als
„Var. zu I. minor (22, p. 11). An gleicher Stelle zieht er ferner.
Eurytoma pusilla Boheman als Synonym zu minor ein. Die Be-
rechtigung dieser Identifizierung war aus Mangel an authentischem
Material nicht möglich. Im Catalogus Hymenopterorum (78, p. 349)
stellt v. Dalla Torre die Bohemansche Art als fragliches Syno-
nym zu Walkers /sosoma pusillum, wahrscheinlich aber nur
wegen der Gleichheit der Speziesnamen, denn diese Synonymie
findet sich nirgends in der Literatur ausgesprochen. Ebenso hat
v. Dalla Torre übersehen, daß Walker Eurytoma minuta Zetter-
stedt als Synonym zu seinem I. minor zog, im Catalogus steht die
Zetterstedtsche Art noch bei Eurytoma und bekommt sogar,
um die Homonymie mit Eurytoma minuta Walker zu beseitigen,
- den neuen Namen E. minutula D. T. Daß dem Autor des Catalogus
22 Pleite
56 Dr. H. Hedicke:
der Vergleich der E. minuta Zett. mit I. minor Walk. wohl bekannt
war, geht daraus hervor, daß das betreffende Literaturzitat richtig
angegeben wird. Ob Walker die Art Zetterstedts, von welcher
dieser nur eine sehr dürftige Beschreibung (13, p. 419) gibt, durch
Autopsie bekannt war, ist nicht festzustellen, so daß die von ihm
behauptete Synonymie zweifelhaft bleibt.
Die Art ist höchstwahrscheinlich nicht auf England beschränkt
und dürfte auch aus Mitteleuropa nachgewiesen werden. Ob die
von Thomson (40, p. 55-6) als Isosoma brevis Walker bezeichnete
Art wirklich hierher gehört, erscheint nach der Beschreibung
Thomsons zweifelhaft. Einen Fundort gibt Thomson nicht an.
3. Isosoma brevicorne Walker (1832).
Isosoma brevicorne Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 16.
Isosoma brevicorne Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 11.
Isosoma brevicorne v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, p. 346.
Walkers Diagnose dieser Spezies hat folgenden Wortlaut:
‚Mas. Nigrum, prothorace antice maculis duabus albidis, an-
tennis dimidio corporis vix longioribus, alıs fuscis.
Caput obscurum: thorax punctatus, maculis antice duabus
lateralibus albidis: petiolus. obscurus, punctatus: abdomen niti-
dum, glabrum: antennae quam in praecedentibus®) breviores:
tibiae anticae fuscae, subtus flavae: tarsi flavi, articulis 4 et 5
fuscis: genua flava: alae fuscae. (Alarum longitudo, 11% lin.)
This species is more minutely punctured than any of the
preceding species: the sides of the proscutellum have each an
obscure white spot on their anterior margins: the antennae are
very short, scarcely 'more than half the length of the body: the
three basal joints of the tarsi are yellow, the fourth and fifth fuscous:
it resembles /sos. crassicorne, of which, possibly, it may be the
male, but it is much narrower, the antennae are scarcely longer,
and the head is much smaller: in /sos. longulum the male and female
have very much the same shape, and the former has the larger head.
July; amongst grass in fields; Southgate.‘“
Diese Diagnose ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert:
es wird ein skulpturelles Unterscheidungsmerkmal und eine rela-
tive Länge der Antennen angegeben, Artcharaktere, die in den
alten Diagnosen Walkers fast durchweg fehlen oder denen doch
wenigstens nicht die gebührende Beachtung geschenkt wird, ob-
wohl sie auch bei den meisten übrigen Arten von spezifischer Be-
deutung sind. Ferner versucht der Autor einen Zusammenhang
zwischen dieser Spezies und seinem I. crassicorne zu konstruieren,
in dem er das Weibchen zu I. brevicorne vermutet. Daß er seiner
Sache nicht sicher ist, geht zur Genüge daraus hervor, daß er sie
als getrennte Arten beschreibt.
Die noch vorhandene Type gestattet nachstehende eingehendere
Beschreibung:
°) I. simile, I. angustipenne.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 57
d. Schwarz, Flagellum pechbraun, Annelli rotbraun, ebenso
Knie, Distalende der vorderen Femora, Vordertibien, Spitzen der
vier hinteren Tibien, Tarsen und Flügelgeäder, Prothorakalflecke
blaßbraun.
Kopf kaum breiter als hoch, doppelt so breit wie lang, Mittel-
kiel schwach entwickelt, Wangenfurchen sehr kurz. Skulptur fein
runzlig. Antennen nicht ganz so lang wie Kopf und Thorax zu-
sammen. Scapus schwach erweitert, ein wenig komprimiert,
3l,mal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um ein Viertel
länger als dick, fast so dick wie der Scapus, erster Annellus etwas
mehr als halb so dick wie das Distalende des Pedicellus, doppelt
so dick wie lang, zweiter kaum länger und dicker als der erste,
viel schmäler als die Basis des ersten Geißelgliedes; Flagellum
nicht geflügelt, erstes Glied 21, mal so lang wie dick, kaum dicker
als der Pedicellus, die folgenden eiförmig, ungestielt, so dick wie
das erste, zweites noch nicht doppelt
so lang wie dick, drittes bisfünftes
allmählich kürzer werdend, fünftes
Glied um die Hälfte länger als dick,
sechstes und siebentes verwachsen, Fr
fast so lang wie das erste Glied, EB ER
Apiculus kurz kegelförmig, seine A Ne ae
S s > alg.rd= Ver&r, Ur: r
Basıs dem Distalende des siebenten
Gliedes breit aufsitzend, so lang wie an der Basis dick. Bewir-
telung sparsam, Haare kaum so lang wie die Glieder dick.
Thorax fast dreimal so lang wie breit, schmäler als der Kopf;
Pronotum doppelt so breit wie lang, Collare deutlich abgesetzt,
Scutum schwach gewölbt, Skutellar-- und Parapsidenfurchen
mäßig tief, Scutellum scharf abgesetzt, über das Metanotum vor-
ragend, dieses sehr schmal, schwer erkennbar; Skulptur von Pro-
und Mesonotum etwas gröber als die des Kopfes, fein körnig-
runzlig. Propodeum kaum gewölbt, schräg abfallend, Neigungs-
winkel etwa 45 Grad, Medianfurche angedeutet. Flügel das Ab-
domen überragend, am Rande lang bewimpert, Behaarung normal,
Ramus marginalis um ein Drittel länger als der Radius.
Petiolus so lang wie dick, bis zum Distalende der Hintercoxen
reichend, proximal kaum wahrnehmbar schuppig aufgebogen, fein
gerunzelt. Abdomen ?/, so lang und breit wie der Thorax, breiter
als hoch, dreimal so lang wie breit, mikroskopisch fein chagriniert,
Seitenränder. fast parallel.
Länge: 2 mm.
4. Isosoma hyalipenne Walker (1832).
Isosoma hyalipenne Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 17.
Isosoma dissimile Walker, ibid. P=19:
?Eurytoma afra Boheman, Svensk Vet-Akad. Handl. 56, 1835,
p: 242.
Isosoma hyalipenne Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 11.
Isosoma graminicola Giraud, Verh. zool. bot. Ges. 13, 1863, p. 1293.
11. Heft
58 j Dr. H. Hedicke:
Eurytoma longipennis Weyenbergh, Arch. Neerl. sci. ex. nat. 5,
1870, p. 420.
Isosoma hyalipenne Moncreaff, Entomologist 5, 1871, p. 240.
Eurytoma hyalipennis Fitch, Ibid. 10, 1877, p. 29;
Eurytoma hyalipennis Fitch, Proc. Ent. Soc. London, 1882, p. IX.
Eurytoma longipennis Giard, Bull. sci. Dep. Nord, 1884-5, p. 285.
Eurytoma hyalipennis Trail, Trans. Pertsh. Soc. Nat. Sc. 1888,
p. 10.
Eurytoma longipennis Fockeu, Rev. Biol. Nord Francel, 1889, p. 13.
Isosoma hyalipenne Hieronymus, Erg.-Heft 68. Jahresb. Schles.
Ges. vaterl. Cult., 1890, p. 190.
. Isosoma gramintcola Hieronymus, ibid. p. 193.
Isosoma graminicola Rübsaamen, Verh. nat. Ver. Rheinl. 47, 1890,
p. 54.
Isosoma hyalipenne v. Schlechtendal, Jahresb. Ver. Nat. Zw.ckau,
1890,97 7.
Isosoma graminicola v. Schlechtendal, ibid. p. 10.
Isosoma graminicolum v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, p. 347.
Isosoma dissimile v. Dalla Torre, ibid. p. 346.
Isosoma hyalipenne v. Dalla Torre, ibid. p. 348.
Isosoma graminiola (!) Hellwig, Allg. Bot. Ztschr. 7, 1901, p. 20.
Isosoma hyalipenne Houard, Marcellia 1, 1902, p. 39.
Isosoma graminicola Houard, ibid. p. 49.
Isosoma graminicola Houard, Ann. sci. nat., Bot. 20, 1904, p. 364.
Isosoma gralminicola Docters van Leeuwen und Reijnvaan, Mar-
cellia 6, 1907, p. 69.
Isosoma hyalipenne Houard, Les Zoocecid. Plant. Eur. I, 1908,
p- 68.
Isosoma graminicola Houard, ibid. p. 84-5.
Isosoma graminicola v. Lagerheim u. Palm, Svensk Bot. es
1908, p. 347.
Eurytoma hyalipennis Connold, Plant Galls Gr. Brit., 1909, p. 130.
Isosoma,graminicola Dittrich u. Schmidt, 87. Jahresb. Schles.
(es. vater; Cultz%4910,P4:83
Isosoma graminicola Bayer, Sborn. Klub. Prirod., 1911, p. 8.
Isosoma hyalipenne Ross, Pflanzengall. Mitt.- u. Nordeur., 1911,
p: 9.
Isosoma gramintcola Ross, ibid. p. 89.
Isosoma graminicola Schulz, Festschr. Ver. Nat. Cassel, 1911, p. 189.
Isosoma graminicola Baudys, Act. Soc. Ent... Bob 227338;
Isosoma graminicola Baudys, Sborn. Klub. Prirod., 1912, P:3-
Isosoma graminicola Schmidt, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 9,2493,
p- 154.
Isosoma graminicola Ludwig, Beil. Jahresb. Oberrealsch. Forbach
1914, p.:25.
1sosoma hyalipenne Hedicke, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 11, 1915, p. 21.
Isosoma graminiola (!) BaudyS, Verh. zool. bot. Ges. 66, 1916, p. 57.
Isosoma graminicola Jaap, Verh. Bot. Ver. Brand. 60, 1918, p. 7
-
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 59
Die umfangreiche Synonymenliste läßt schon erkennen, daß
es sich hier um die häufigste und am weitesten verbre tete aller
Isosominen handelt. Das den nachfolgenden Untersuchungen
zugrunde liegende Material setzt sich folgendermaßen zusammen:
1 2, ohne Fundort, die Type von Walkers /. hyalipenne aus der
| Sammlung Cameron (Zoolog. Mus. Berlin).
9 dd, 28 ?9, Halle a. S., Freiberg, Zwickau i. Sachsen, Sammlung
veschlechtendal.
3 dd, 18 29, Grünberg i. Schles., Zoolog. Mus. Berlin (H. Schmidt
leg.).
2 dd, 11 22, Umgebung Berlins, Hedicke leg.
1 8, 6 22, Norderney, Zoolog. Mus. Berlin (Heymons leg.).
899, Holland, ohne näheren Fundort, Sammlungv.Schlechtendal.
1 2, Aachen, Sammlung v. Halfern, Zoolog. Mus. Berlin,
(Foerster leg.).
1 2, Prag, Böhmen, Sammlung Ruschka (Baudys leg.).
1 2, Pfaffstätten, Niederösterreich, Sammlung Ruschka.
Walkers Type läßt infolge der mangelhaften Konservierung
und Präparation die ursprüngliche Färbung, die bei dieser Spezies
ausnahmsweise bis zu einem gewissen Grade charakteristisch ist,
nur undeutlich erkennen, ebenso ist die eigenartige Thorakal-
skulptur durch die Einbettung in Leim stark verschmiert, läßt
aber die Identität mit dem übrigen Material noch hinreichend
deutlich erkennen. Walker sah als Artmerkmale in erster Linie
die Färbung des Scapus und der Flügel an; seine Diagnose hat
folgenden Wortlaut:
„Fem. Nigrum, prothorace antice maculis duabus pallide
flav escentibus, antennis basi flavis, alis hyalinis.
Caput obscurum: oculi rufo-fusci: thorax punctatus, maculis
antice duabus lateralibus pallide flavis: petiolus obscurus, puncta-
tus: abdomen nitidum, glabrum: oviductus apice pallidus: an-
tennae articulo primo apice, tertioque basi, flavis; tibiae anticae
fuscae: femorum tibiarumque apices, genua tarsique flavi; alae
hyalinae, nervis fulvis. (Alarum longitudo, 3 lin.)
The abdomen is slightly pilose towards the apex: the ae
have the apex of the first, and the whole of the ring-shaped third
and fourth joints, yellow: the anterior tibiae are fuscous: the tips
of the thighs and tibiae are yellow: the four posterior tarsi have
the basal joint yellow, the following yellow beneath, with a fuscous
line above, gradually darker to the-apex: the anterior tarsi are
vellow with the basal and apical joints fuscous: the wings are
hyaline, the nervures fulvous: the subcostal nervures of the superior
wings are fuscous towards the base.
July; amongst grass in fields; Southgate. “
Wie hieraus hervorgeht, besitzt die Walkersche Type nur
im apikalen Teil des Scapus hellere Färbung. Das veranlaßte
Giraud (29), sein /sosoma graminicola mit hyalipenne Walk. zu
vergleichen. Er schreibt darüber (l. c. p. 1293):
IrSHleit
60 Dr. H. Hedicke:
„La femelle parait avoir beaucoup de ressemblance avec
l’/sosoma hyalipenne Walk. mais celle-ci a le scape des antennes
jaune seulement au bout, et les troisieme et quatri&me articles
entierement jaunes; les ornements des pattes sont aussi jaunes et
non fauves. Quant au mäle, il est peut-£tre identique avec
l’I/sosoma dissimile du m&me auteur; je conserve cependant quelque .
doute a cet €gard, car ce dernier pourrait bien &tre l’autre sexe
de l’/sosoma hyalipenne.“
Die Identität beider Arten läßt sich indessen leicht nach-
weisen. Unter den Stücken der Sammlung v. Schlechtendal
sind acht Exemplare mit ‚‚var. antenn. nigr.‘‘ bezeichnet, die sämt-
lich einen völlig schwarzen oder schwarzbraunen Scapus besitzen,
aber auch unter den übrigen sächsischen Stücken befinden sich
solche, bei denen der Scapus in der basalen Hälfte mehr oder
weniger verdunkelt ıst. Unter dem Material von Norderney sind
zwei Exemplare mit schwarzer Basis des Scapus, die der Walker-
schen Diagnose vollkommen entsprechen. Gleichwohl herrschen
Stücke mit gelbbraunem Scapus durchaus vor, wenn auch alle
Übergänge bis zur völligen Schwärzung zu verzeichnen sind. Die
viel eingehendere Beschreibung Girauds gibt im übrigen ein
gutes Bild von der Spezies. Sie lautet: _
„Nigrum, punctato-corlaceum, pubescens: antennarum Scapo
maculis duabus prothoracis, genubus tarsisque, fulvis; tibiis fuscis
aut nigricantibus; alis albo-hyalinis, nervis flavis.
Long. 3-4 mm.
Q. Tete et thorax couverts d’une ponctuation coriacee assez
forte, presque mats, revötus d’une pubescence tres fine et tres
courte. Mandibules fauves ou brunätres au milieu; face faıblement
carenee, avec une petite impression de chaque cöteE de la carene;
scape des antennes, le bout du second article et le troisieme, ou
le petit anneau, fauves, les autres noirs et velus. Angles anterieures
du prothorax taches de fauve. Abdomen ovale, convexe, lisse et
luısant, orn€ de quelques poils vers le bout, plus court et un peu
plus large que le thorax; les valves de la tariere fauves au bout.
Pattes pubescentes, noires; les cuisses anterieures fauves dans leur
tiers ou leur moitie externe, les posterieures dans une etendue beau-
coup moindre; les tibias d’un brun plus ou moins fonce, avec leurs
deux bouts fauves, les anterieurs ordinairement et les posterieurs
quelquefois fauves en dedans; tarses fauves, avec le dernier article
obscur ou noirätre. Ailes d’un blanc hyalin tres pur, les nervures
jaunätres et l’Ecaille noire.
3. Differe. Corps plus grele, plus effile. Mandibules souvent
noires: antennes toutes noires, filiformes, de la longueur des deux
tiers du corps; le scape fortement aplati sur les cötes et dilate en
avant, les articles du flagellum tres longs, un peu etrangles au
milieu, et ornes de longs poils qui semblent former a chacun un
double verticille. Taches du prothorax petites, souvent peu distinc-
tes, quelquefois nulles. Abdomen plus petit, de la largeur du thorax,
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 61
son petiole depassant de moitie les hanches posterieures. Aux pattes
la couleur noire domine d’avantage: les tibias des deux paires
posterieures sont noirs, a l’exception de leurs extr&mes bouts; les
tarses sont souvent plus ou moins bruns. Les nervures des ailes
sont aussi d’un jaune plus fonce.‘
Obgleich die Type von Walkers Isosoma dıssimile zur Unter-
suchung nicht vorlag, so kann doch an der Richtigkeit der von
Giraud ausgesprochenen Vermutung, daß diese das Männchen
des von Walker nur im weiblichen Geschlecht beschriebenen
I. hyalipenne ist, kein Zweifel obwalten. Der Autor hebt die beiden
wesentlichsten Merkmale des Männchens, die Länge der Antennen
und die beiden (Greschlechtern gemeinsame Hyalinität der Flügel
in seiner Diagnose von dissimile ausdrücklich hervor; sie hat
folgenden Wortlaut:
„Mas. Nigrum, prothorace antice maculis duabus albidis,
tıibiis anticis fuscis, alis hyalinis.
“ Caput obscurum: oculi ocellique rufi: thorax punctatus, ma-
culis antice duabus lateralibus albidis: petiolus obscurus, puncta-
tus: abdomen nitidum, glabrum: tibiae anticae tarsique fusci:
genua pallide rufa: alae hyalinae, nervis pallide fuscis. (Alarum
longitudo, 1%, lin.)
The wings in this species are more hyaline than in most of
the preceding: in length, the antennae are equal to three-fourths
of the body , and exceed those of /sos. minor, breve, or elongatum.
End of May; Southampton.“
Die auffallende Fühlerlänge hat das Männchen nur mit dem-
jenigen von I. giganteum n. sp. gemein, von welcher Spezies es
aber durch erheblich geringere Körpergröße und — neben anderen
Fig. 10.
Antennen von J. hyalipenne Walk. 52. Vergr. 50:1.
skulpturellen Eigentümlichkeiten — regelmäßige Bewirtelung der
(reißelglieder abweicht; bei I. longicorne Walk., dessen Männchen
gleichfalls durch sehr lange Antennen ausgezeichnet ist, über-
schreitet die Länge der Fühler stets diejenige des Körpers, während
bei hyalipenne und giganteum die Körperlänge nie erreicht wird.
Girauds Diagnose reicht zwar zur Erkennung der Spezies aus,
doch seien nachstehend noch einige Ergänzungen zu ihr gegeben:
IT Here
62 Dr. H. Hedicke:
3. Kopf um ein Drittel breiter als hoch, 21,mal so breit
wie lang, fein, aber scharf gerunzelt, Mittelkiel stark entwickelt,
Ulypeargruben flach, Wangenfurchen fast bis zur Mitte der Wangen
reichend. Antennen länger als Kopf und Thorax zusammen,
Scapus stark komprimiert, ventral mäßig erweitert, doppelt so
lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um ein Drittel länger als dick,
wenig mehr als halb so dick wie der Scapus, 1. Annellus fast halb
so dick wie das abgestutzte Distalende des Pedicellus, dreimal so
dick wie lang, der 2. ein wenig länger und dicker als der 1., dünner
als die Basis des 1. Geißelgliedes. Flagellum schwach deprimiert,
schwach geflügelt, mittlere Glieder an beiden Enden gestielt,
das 1. fünfmal so lang wie dick, das 2. fast viermal so lang wie
breit, die folgenden an Länge allmählich abnehmend, das letzte
wenig mehr als doppelt so lang wie dick, von der Seite gesehen
alle Glieder infolge der Depression des Flagellums etwas schlanker
und daher relativ länger erscheinend, Apiculus pfriemenförmig,
etwas länger als das Distalstielchen des vorletzten Gliedes. Be-
wirtelung des 1. Gliedes unregelmäßig, die folgenden mit zwei
deutlich getrennten Wirtelgruppen, Haare von ?/, der Länge der
mittleren Glieder.
Thorax schmäler- als der Kopf, viermal so’ lang wie breit,
Fronotum 2, mal so breit wie lang, Collare scharf abgesetzt, viel
tiefer liegend als das Pronotum, von diesem durch eine feine
Furche getrennt; Scutum stark gewölbt, Parapsidenfurchen so tief
wie die Scutellarfurche,; Scutellum vom Metanotum schwach,
aber deutlich abgesetzt, im Profil fein zahnartig vorragend; Pro-
podeum kaum gewölbt, sehr schwach geneigt, Neigungswinkel
30 Grad oder wenig mehr, Medianfurche angedeutet. Skulptur
von Pro- und Mesonotum wie die des Kopfes, Propodeum etwas
gröber gerunzelt. Behaarung und Bewimperung der Flügel normal,
Namus marginalis kaum länger als der Radius.
Petiolus etwas mehr als doppelt so lang wie dick, Hintercoxen
bis zu seiner Mitte reichend, mäßig stark gerunzelt, proximal sehr
schwach aufgebogen. Abdomen schmäler als der Thorax, um die
Hälfte länger als breit, dorsal stark gewölbt, ventral abgeflacht,
glatt, glänzend.
Kopf wıe beim Männchen, Mittelkiel etwas schwächer ent-
wickelt, Clypeargruben meist undeutlich, Wangenfurchen über die
Mitte der Wange hinausreichend. Antennen um die Hälfte länger
als die Breite des Kopfes, Scapus distal mäßig verengt, fast cylın-
drisch, fünfmal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um die
Hälfte länger als dick, von gleicher Dicke wie der Scapus, 1. An-
nellus 1., so dick wie das Distalende des Pedicellus, dreimal so dick
wie lang, der 2. etwas dicker als der 1., ?/, so lang wie dick, an die
Basis des 1. Geißelgliedes anschließend, dieses fast so dick wie der
Pedicellus, dreimal so lang wie dick, die folgenden kaum merklich
dicker werdend, 2.- 5. Glied fast doppelt so lang wie dick, die
Keule so lang wie der Scapus, Bewirtelung schwach, regelmäßig,
:laare wenig länger als die Dicke der Glieder.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Iscsominen 63
Skulptur von Kopf und Thorax etwas gröber als beim Männ-
chen; Pronotum und Präscutum mit großen, flachen, in Ouer-
reihen angeordneten Grübchenpunkten; Scutum mäßig gewölbt,
Propodeum ebenso, Neigungswinkel 45 Grad, Medianfurche durch
unregelmäßige Längskielchen angedeutet; Flügel das Abdomen
weit überragend, Ramus marginalis um ein Drittel bis die Hälfte
länger als der Radius.
Petiolus sehr kurz, schuppenförmig, Abdomen kurz eiförmig,
so breit wie der Thorax, doppelt so lang wie breit, stark gewölbt,
glatt, glänzend.
Die Veränderlichkeit der Färbung kommt in Girauds Be-
schreibung genügend deutlich zum Ausdruck, sie ist verhältnis-
mäßig gering mit Ausnahme der oben beschriebenen Abweichungen
in der Färbung der Antennen und der von Giraud für das männ-
liche Geschlecht angegebenen, aber auch bei den Weibchen fest-
zustellenden Variabilität der Pronotalflecke. Viel veränderlicher
ist die Skulptur des Kopfes und Thorax und der Bau des Ab-
domens. Die für das Weibchen charakteristischen Grübchen-
punkte des Pronotums und Präscutums sind zuweilen undeutlich
und die KReihenanordnung besonders auf dem Pronotum schwer
erkennbar, die Medianfurche des Propodeums ist zuweilen deutlich
entwickelt, fehlt aber auch gänzlich, am Kopf ist die Ausbildung
des Mittelkiels, der Clypeargruben und der Wangenfurchen ähn-
lichen Schwankungen unterworfen. Das Abdomen ist bei beiden
Geschlechtern nicht selten mehr als doppelt so lang wie breit. Der
(resamthabitus der Art läßt deutlich zwei Rassen voneinander
trennen, deren Entstehung aller Wahrscheinlichkeit nach darauf
zurückzuführen ist, daß die Entwicklung auf zwei verschiedenen
Substraten vor sich geht: an den Küsten der. Nordsee und des
Atlantischen Ozeans lebt die Spezies auf dem Strandweizen,
Agropyrum (Triticum) junceum (L.), im Binnenlande auf der
Quecke, A. repens L., seltener auf A. caninum L. Die zuerst von
W eyenbergh (34) gemachte Angabe, daß die Art Calamagrostis
arenaria L. (Psamma s. Ammophila arundinacea Host.) bewohne,
beruht, wie schon Trail (61, p. 10) festgestellt hat, auf einer Ver-
wechslung mit Agropyrum junceum, welcher Irrtum gleichwohl
durch die gesamte spätere Literatur geschleppt wurde. Oft wieder-
holte Versuche, die Docters van Leeuwen und Reijnvaan
anstellten (97), die aus den Gallen des einen Substrates gezüchteten
Tiere auf dem anderen zur Eiablage zu bringen, waren erfolglos;
an Stellen, wo beide Substrate dicht nebeneinander wuchsen, be-
obachteten die gleichen Autoren einen starken Befall von Tausen-
den von Grallen an A. junceum, aber nicht eine einzige auf A. repens.
Sie schließen ihre Untersuchungen mit folgenden Worten (97, p. 74):
„Wir haben hier ein neues Beispiel von zwei Insektenspezien,
welche morphologisch identisch sind, aber verschieden sind n der
Wahl der Pflanzen, worauf sie leben. Und wir schließen daraus,
daß /sosoma graminicola auf den beiden Triticum-Arten zwei ele-
.mentare Spezien sind, und da sie konstante Arten sind, finden wir
11. Heft
64 Dr. H. Hedicke:
es unnötig, die eine eine Varietät der anderen zu nennen.‘ Dieser
Schluß ist insofern nicht völlig richtig, als die Erzeuger der beiden
Gallen zwar in allen Einzelheiten ihres Körperbaues überein-
stimmen, im (Gresamthabitus aber ist die auf A. junceum lebende
Rasse schlanker und im Durchschnitt etwas größer als die auf
A. repens lebende Binnenlandrasse. Am auffälligsten sind die
Unterschiede bei den Weibchen, während sie im männlichen Ge-
schlecht weniger in die Erscheinung treten. Die vorliegenden
Weibchen der Repens-Rasse messen zwischen 3,2 und 4,1 mm mit
einem Durchschnitt von 3,64 mm, die Weibchen der Junceum-
Rasse dagegen messen zwischen 3,8 und 4,3 mm mit einem Durch-
schnitt von 4 mm; bei ersteren ist das Abdomen nie mehr als doppelt
so lang wie breit, bei letzteren doppelt bis fast dreimal so lang wie.
breit. Inwieweit die hier vertretene Anschauung, daß es sich um
zwei Rassen einer und derselben Spezies handelt, zutreffend ist,
wird sich erst durch Untersuchung eines größeren Materials von
möglichst vielen Standorten und durch weitere Zuchtversuche mit
Sicherheit feststellen lassen. Aus nomenklatorischen Gründen sei
die auf A. junceum lebende Rasse als /sosoma hyalipenne mari-
Zimum n.ssp. der auf A. repens lebenden, zu welcherauch Walkers
Type gehört, und die als /. hyalipennetypicumn. ssp. bezeichnet
sei, gegenübergestellt.
Die Entwicklung der Gallen beider Rassen ist durch die beiden
holländischen Autoren eingehend untersucht und beschrieben
worden (vgl. 97). Durch die Eiablage wird der Vegetationskegel
bei A. junceum zerstört, bei A. repens in der Entwicklung ge-
hemmt, es kommt zur Ausbildung eines Blätterschopfes durch
Verkürzung der Internodien, Verbreiterung der Blattscheiden und
Häufung der Spreiten. In den Grundzügen ist die Entwicklung
der Galle an den beiden Substraten die gleiche, in den Einzelheiten
des Verlaufes zeigen sich verschiedene Abweichungen, auf die an
dieser Stelle nicht näher einzugehen ist. Entsprechend dem Unter-
schiede im Habitus der beiden Substrate sind die Gallen an A. jun-
ceum wesentlich größer und kräftiger als diejenigen an A. repens.
In der cecidologischen Literatur wird als Erzeuger der Junceum-
Gallen (bzw. fälschlicherweise an Calamagrostis arenaria) fast all-
gemein /sosoma hyalipenne angegeben, während der Erzeuger der
Repens-Gallen und der gleichen Cecidien an Agropyrum caninum
nach dem Vorgange von Hieronymus (64), Rübsaamen (65)
und v. Schlechtendal (66) stets als I. gramıinicola Gir. bezeichnet
wird, obwohl Fitch (42) bereits 1877 auf die vermutliche Syno-
nymie beider Arten hingewiesen hat. In den Katalogwerken von
v. Schlechtendal (66), Kieffer (83), Houard (100) und Ross
(109) wird Agropyrum junceum neben Calamagrostis (Ammophila
s. Psamma) arenaria als Substrat für /. hyalipenne angegeben, ob-
gleich Trail (61) schon 1888 auf die Verwechslung aufmerksam
machte und Docters van Leeuwen und Reijnvaan (97) den
Irrtum der Autoren bestätigten; sie geben zwar ausdrücklich die
Möglichkeit zu, daß die Spezies in anderen Gebieten auch Cala-
un u un
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 695
magrostis befallen könne und verweisen im besonderen auf die
Angabe Houards (87), der die Galle von Calamagrostis von der
atlantischen Küste und von A. junceum von. Wimereux (Pas-de-
Calais) meldete, mit der an diesen Autor gerichteten Aufforderung,
ihre Behauptung zu widerlegen, wenn eine wiederholte Untersuchung
seines Materials ein anderes Resultat ergeben sollte. Eine solche
ist bisher nicht erfolgt, so daß anzunehmen ist, daß Houards
Angaben gleichfalls auf einem Irrtum beruhen.. Dagegen ist
möglicherweise noch Holcus mollis L. in die Reihe der Substrate
aufzunehmen, von welcher Pflanze Hellwig (82) eine gleichartige
Blätterschopfgalle aus Schlesien meldet.
Die bisher in der Literatur mitgeteilten Verbreitungsangaben
beruhen mit Ausnahme derjenigen Walkers ausschließlich auf
Beobachtung der Gallen. /sosoma hyalipenne typicum wurde von
folgenden (rebieten festgestellt:
An Agropyrum repens (L.): Schweden (v. Lagerheim und
Palm, 101 p. 347; Gertz 131 p. 10), Schottland (Trail, 61 p. 9),
England (Walker, 8 p. 17; Fitch, 42 p. 29), Mecklenburg (Hiero-
nymus, 64 p. 193; Magnus, Sammlung v. Schlechtendal),
Brandenburg (Hieronymus, 64 p. 193; Hedicke, 124 p. 21;
Jaap, 132 p. 7, Magnus, Rübsaamen, Sammlung v. Schlech-
tendal), Provinz Sachsen (v. Schlechtendal, Sammlung
v. Schlechtendal), Harz (Hieronymus, 64 p. 193), Westfalen
(Rübsaamen, 65 p. 54), Hessen (Schulz, 111 p. 189), Rheinland
(v. Schlechtendal, Magnus, Sammlung v. Schlechtendal),
Lothringen (Kieffer, 67 p. 17; Ludwig; 120 p. 25), Bayern
(Ross, 129 p. 7; Magnus, Sammlung v. Schlechtendal),
Schlesien (Hellwig, 82 p. 20; Dittrich u. Schmidt, (106 p. 85;
schmidt 119*p. 154); Frankreich (Houard;, 93.p. 360--70),
Niederösterreich (Giraud, 29 p. 1293-4), Böhmen (Bayer,
112 p.8; BaudyS, 113 p. 118; 128 p. 57), Oberitalien (Massalongo,
Sammlung v. Schlechtendal).
An Agropyrumcaninum (L.): Schlesien (Dittrichu. Schmidt,
106 p. 85; Schmidt, 119 p. 154).
Isosoma hyalipenne maritimum an Agropyrum junceum R. u. S.
wurde festgestellt von:
Schweden (Gertz, 131 p. 10), Schottland (Trail, 61 p. 10),
England (Connold, 81 p. 41; Fitch, 42 p. 29), Dänemark
(Rose, Zooc. Cecidoz. Prov. Rhenan. IV, Nr. 95), Holland (Weven-
bergh, 34 p. 421; Hieronymus, 64 p. 191; Docters van
Leeuwen-Reijnvaan, 97 p. 71-2), Helgoland (Hieronymus,
64 p. 191), Norderney ({Heymons, Herb. Zool. Mus. Berlin),
Frankreich (Giard, 54 p. 285-6; Fockeu, 62 p. 13; Houard,
87 p. 39).
5. Isosoma longicorne Walker (1832).
Isosoma longicorne Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 17.
Isosoma longicorne Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 11.
Isosoma longicorne v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, p. 348.
Archiv für Natureeschichte r .
1920.’A. 11. Q 11. Teft
66 Dr. H. Hedicke:
Von dieser Art gibt Walker folgende Beschreibung:
„Mas. Nigrum, prothorace antice maculis duabus albidis, an-
tennis corpori longitudine aequis, alis fuscis.
Caput obscurum: thorax punctatus, maculis antice duabus
lateralibus albidis: petiolus obscurus, punctatus: abdomen nitidum,
glabrum: tibiae anticae fuscae: femorum tibiarumque apices,
genua tarsique flavi: alae fuscae. (Alarum longitudo, 1?/, lin.)
The body is rather long and narrow: the anterior margin of
the proscutellum has an obscure white spot on each side: the
abdomen is slightly pilose toward the apex: the antennae in length,
exceed those of any other species in this genus: the tips of the
thighs and the tibiae are yellow: the anterior tibiae are fuscous:
the basal joints of the tarsı are yellow, the apical fuscous: the
wings are fuscous.
July; amongst grass in fields; Southgate. ‘“
Obgleich die Type Walkers nicht zur Untersuchung vorlag,
unterliegt es keinem Zweifel, daß ein Männchen aus der Samm-
lung v. Schlechtendal zu dieser Art zu stellen ist, das mit zwei
\eibchen von gleichem Bau von Kaffka bei Wien aus den Halmen
einer nicht näher bezeichneten Graminee gezogen wurde; nach einer
Notiz v. Schlechtendals lebt die Larve ohne gesonderte Larven-
kammer im Innern des Halmes in der Nähe eines Knotens ohne
äußerlich wahrnehmbare Gallbildung. Ein weiteres Weibchen aus
der Sammlung Ruschka wurde in den Donauauen bei Kloster-
neuburg am 13. V. 1915 gesammelt. Nachfolgend die Beschreibung
beider Geschlechter:
3. Schwarz, Prothorakalflecke, Spitzen der Coxen, die distale
Hälfte der Femora, Tibien, Tarsen und Flügelgeäder gelbbraun,
Mandibeln, Distalende des Pedicellus, Annelli, Trochanteren und
Tegulae rotbraun. (Die Hinterbeine sind bei dem vorliegenden
Exemplar abgebrochen.)
Kopf wenig breiter als hoch, kaum doppelt so breit wie lang,
Mittelkiel stark entwickelt, das ganze Gesicht durchziehend,
Clypeargruben angedeutet, Wangenfurchen bis zur Mitte der
Wangen reichend. Gesicht fein körnig gerunzelt, Stirn und Scheitel
‘feinrunzlig chagriniert. Antennen etwas länger als der Körper,
Scapus keulenförmig, an beiden Enden verengt, dreimal so lang
wie dick, Pedicellus birnförmig, um ein Viertel länger als dick,
2/, so dick wie der Scapus, 1. Annellus halb so dick wie das Distal-_
ende des Pedicellus, viermal so dick wie lang, 2. Annellus etwas
länger und dicker als der erste, an die Basis des 1. Geißelgliedes
anschließend; Geißelglieder sehr lang, fadenförmig, lang gestielt,
in der Mitte eingeschnürt, das 1 länger als der Scapus, so dick wie
der Pedicellus, sechsmal so lang wie dick, die folgenden allmählich
ein wenig kürzer und dünner werdend, Apiculus sehr kurz, um die
Hälfte länger als dick, halb so lang wie der 2. Annellus; Bewirte-
lung an allen Gliedern unregelmäßig, Haare fast so lang wie die
Glieder. r
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 67
Thorax so breit wie der Kopf, 21, mal so lang wie breit, Pro-
notum doppelt so breit wie lang, Collare scharf abgesetzt und nicht
feiner skulptiert als das übrige Pronotum, die sehr großen Pro-
thorakalflecke fast zweı Drittel des Pronotums einnehmend; Prä-
scutum sehr kurz, so lang wie das Pronotum ohne das Collare,
Scutum stark kugelig gewölbt, Parapsidenfurchen tiefer und
schärfer eingeschnitten als die Scutellarfurche, Scutellum und
Metanotum abgesetzt, kurz vorgezogen, Propodeum sehr kurz,
steil abfallend, Neigungswinkel 60 Grad, Medianfurche scharf und
tief eingeschnitten. Flügel mit normaler Bewimperung und: Be-
haarung, Ramus marginalis um die Hälfte länger als der Radius.
Petiolus die Hintercoxen weit überragend, fast dreimal so
lang wie dick, mitten schwach erweitert, basal kurz schuppig auf-
gebogen, fein gerunzelt, nicht gekielt. Abdomen eiförmig, dreimal
so lang wie breit, halb so breit und ?/, so
lang wie der Thorax, ventral fast flach,
glatt und glänzend. Länge: 2,6 mm.
Fig: 1];
Antennen von /. longicorne Walk. 3%. Vergr. 50 :1.
@. Färbung wie beim Männchen. Antennen fast so lang wie
Kopf und Thorax zusammen, Scapus fast walzenförmig, distal
schwach verengt, fast fünfmal so lang wie dick, Pedicellus so dick
wie der Scapus, um dıe Hälfte länger als dick, 1. Annellus halb so
dick wie das Distalende des Pedicellus, viermal so dick wie lang,
2. so dick wie der erste, noch nicht doppelt so dick wie lang,
dünner als die Basis des 1. (Greißelgliedes, dieses und die folgenden
eiförmig, so dick wie der Pedicellus, 1. Glied fast dreimal so lang
wie dick, 2. -4. untereinander gleich, doppelt so lang wie dick,
5. um die Hälfte länger als dick, die Keule aus den drei letzten
Gliedern so lang wie das 1. und 2. zusammen, Bewirtelung wie beim
Männchen, ebenso Bau und Skulptur des Kopfes.
Thorax wie beim Männchen, die Scutellarfurche ebenso tief
eingeschnitten wie die Parapsidenfurchen, Propodeum weniger
5* 11. Heft
69 Dr. H. Hedicke:
steil. Flügel die Spitze des Abdomens überragend, im übrigen
wie beim Männchen. Petiolus sehr kurz, schuppenförmig; Ab-
domen lang eiförmig, viermal so lang wie dick, im Profil spitz-
kegelförmig, so lang wie Kopf und Thorax zusammen, etwas
schmäler als der Thorax.
Länge: 3,9 mm.
Außer dem österreichischen und dem englischen Fundort ist
bisher über die Verbreitung der durch die Länge der Antennen im
männlichen (reschlecht gut gekennzeichneten Art nichts be-
kannt geworden, doch ist sicher anzunehmen, daß auch im übrigen
Mitteleuropa noch Stücke gefunden werden.
6b. Isosoma petiolatum Walker (1832).
Isosoma petiolata Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 19.
Isosoma petiolatum Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 11.
Isosoma petiolatum v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, p. 349.
Walkers Originaldiagnose dieser Spezies hat folgenden
Wortlaut:-
„Mas. Nigrum, prothorace antice maculıs duabus albidks, pe-
tiolo elongato,. alıs subfuscis.
Caput obscurum: ocelli rufi: oculi rufo-fusceıi: thorax puncta-
tus, maculis antice lateralibus duabus albidis: petiolus obscurus,
punctatus, abdominis dimidio longior: abdomen nıtidum, glabrum:
tarsi fusei: tiblae anticae apice genuaque flavae: alae subfuscae.
(Alarum long., 1%, lin.)
The petiole in this species is much longer than in any of the
preceding, its length being more than half that of the abdomen:
the body is nearly double the length of the antennae: the wings
are slightly fuscous, the nervures darker.
July; amongst grass in fields; Southgate. ‘“
Von dieser Spezies liegen zwei typische Stücke vor, von denen
aber nur das eine völlig auf die Diagnose paßt. Nachstehend eine
eingehendere Beschreibung dieses Stückes:
&. Schwarz, Mandibeln, Knie, Vordertibien bis auf die dunk-
lere Mitte, Distalenden der vier Hintertibien, Tarsen, die sehr
kleinen Prothorakalflecke und das Flügelgeäder rotbraun.
Kopf um die Hälfte breiter als hoch, 21, mal so breit wıe lang,
fein und dicht körnig gerunzelt, Gesicht ein wenig gröber als Stirn
und Scheitel, Mittelkiel stark entwickelt, Clypeargruben an-
gedeutet, Wangenfurchen die Wangen der ganzen Länge nach
durchziehend. Antennen so lang wie Kopf und Thorax zusammen,
Scapus ventral schwach lappig erweitert, distal plötzlich verengt,
dreimal so lang wie dick, Pedicellus fast kugelig, kaum länger als
dick, halb so lang wie der Scapus, 1. Annellus in die Höhlung des
Pedicellus zurückgezogen, äußerlich unsichtbar, 2. halb so dick
wie das Distalende des Pedicellus, fast halb so lang wie dick,
schmäler als die Basıs des 1. Greißelgliedes. Flagellum nicht ge-
flügelt, Glieder walzenförmig, 1. Glied so lang und halb so dick
wie der Scapus, fünfmal so lang wie dick, die folgenden bis zum
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen. Isosominen 69
6. allmählich kürzer werdend, 2. 4. etwas dicker als das 1., 5. so
dick, 6. und 7. dünner als das 1. (rlied, 6. dreimal so lang wie dick,
7. etwas länger als das 6., Apiculus dreimal so lang wie dick, so
lang wie der 2. Annellus; Bewirtelüng unregelmäßig, Haare fast
so lang wie die (rlieder.
Thorax ist kaum
schmäler als der Kopf,
viermal so lang wie Fig. 12.
Pronotum etwas mehr Antenne von /. petiolatum Walk. 3
als doppelt so breit wie Vergr. 50:1.
lang, Scutum breit, sehr
schwach gewölbt, Scutellar- und Parapsidenfurchen scharf und
tief eingeschnitten, Scutellum und Metanotum nicht abgesetzt,
mit dem Propodeum in einer Ebene liegend, Scutellum am Ende
mit einem kleinen Haarbüschel; Propodeum fast flach, Neigungs-
winkel kaum 20 Grad, Medianfurche nicht entwickelt. Fro- und
Mesonotum fein chagriniert mit sehr kleinen, undeutlichen
Grübchenpunkten, Propodeum etwas kräftiger skulptiert. Flügel
mit normaler Bewimperung und Behaarung, Ramus marginalis
fast doppelt so lang wie der Radius.
Petiolus viermal so lang wie dick, die Hintercoxen weit über-
ragend, fein gerunzelt, vorn schuppigaufgebogen. Abdomen ?/, solang
und breit wie der Thorax, mit fast parallelen Seiten, viermal so lang
wie dick, walzenförmig, glänzend, mikroskopisch fein chagriniert.
Länge: 3,1 mm.
Das zweite, gleichfalls als Type bezeichnete Exemplar weicht
von dem vorstehend beschriebenen in folgenden Punkten ab:
Mittelkiel kaum angedeutet, Clypeargruben groß und tief,
Thorax dreimal so lang wie breit, Skulptur von Kopf und Thorax
etwas gröber, Scutellum und Metanotum deutlich abgesetzt und
kurz vorgezogen; Fropodeum stärker gewölbt und geneigt, Neigungs-
winkel 30 Grad, Medianfurche deutlich entwickelt. Petiolus wenig
mehr als dreimal so lang wie dick, Abdomen so breit und halb so
lang wie der Thorax, eiförmig, u so lang wie breit, glatt,
glänzend, nicht chagriniert.
Es kann daher nicht zweifelhaft sein, daß dieses Stück mit
I. petiolatum nichts zu tun hat, denn eine so weite Variabilität ist
bei keiner Spezies zu beobachten, als daß man dieses Exemplar
als besonders stark abweichende Form von Petiolatum bezeichnen
könnte. Eine Benennung als n. sp. erscheint indessen nicht an-
gebracht, ehe nicht weiteres Material vorliegt.
7. Isosoma angustatum Walker (1832).
Isosoma angustatum Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 20.
Isosoma angustatum Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 11.
Isosoma angustatum v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, p. 345.
Walker gibt von dieser Art folgende Beschreibung:
„em. Nigrum, prothorace antice maculis duabus albidis, alıs
pallide flavofuscis.
11. Heft
70 Dr. H. Hedicke:
Caput obscurum: oculi ocellique rufi: thorax punctatus, ma-
culis antice duabus lateralibus albidis: petiolus obscurus, punctatus:
abdomen nitidum, glabrum: femora et tibiae apice flavae: tarsi
flavi, articulis 4 et 5, nigro-fuscis: alae pallide flavofuscae, nervis
concoloribus. (Alarum longitudo, 1V, —1?/, lin.)
It is more linear than any of the preceding”) species, and the
colour of the first, second, and third tarsal joints is brighter, the
fourth and fifth joints are dark fuscous: the wings are very slightly
tinged with yellow, the nervures are pale: it much resembles the
female of the preceding species, but is larger, and has thicker
antennae.
June, July; amongst grass in fields; Southgate. September;
Isle of Wight.“
Von dieser Spezies, die nach Walkers Diagnose allein nicht
zu erkennen wäre, liegen drei als Typen bezeichnete Exemplare
aus der Sammlung Cameron, sowie ein ungarisches Stück aus der
Sammlung Ruschka (2. V. 1915, Vimpacs, Leithagebirge) vor.
Nach diesem Material läßt sich folgende genauere Diagnose geben:
9. Schwarz, Mandibeln, Distalende des Pedicellus, Annelli,
Knie, distale Hälfte der vorderen Femora, Tibien an beiden Enden,
Tarsen bis auf die dunkleren Endglieder, Flügelgeäder und Lege-
bohrerspitze rotbraun, Prothorakalflecke blaßgelb.
Kopf so breit wie hoch, doppelt so breit wie lang, sehr fein
runzlig skulptiert, schwach glänzend, Mittelkiel deutlich ent-
wickelt, Clypeargruben fehlend oder nur angedeutet, Wangen-
furchen fast die Mandibelbasis erreichend. Antennen von ?/,
Thoraxlänge, Scapus fast walzenförmig, sehr schwach gebogeh,
distal allmählich verengt, sechsmal so lang wie dick, Pedicellus
eiförmig, etwas dicker als der Scapus, fast doppelt so lang wie
dick, 1. Annellus sehr klein, Y, so
dick wie das Distalende des Pe-
dicellus, halb so lang wie dick,
2. doppelt so lang und dick wie
der erste, 1. Geißelglied fast so
Fig. 13. dick wie der Pedicellus, doppelt so
Antenne von I. angustatum lang wıe dick, 2. Glied etwas dicker
Walk. 9. Vergr. 70:1. als das 1., um die Hälfte länger
als dick, 3. 5. so dick wie das 2.,
allmählich etwas kürzer werdend, 5. so lang wie dick, die Keule
aus den drei letzten Gliedern fast so lang wie das 3. 5. zusam-
men, so dick wie das 2. Glied. Bewirtelung normal, Haare etwas
länger als die Glieder.
Thorax schmäler als der Kopf, dreimal so lang wie breit,
Pronotum kaum doppelt so breit wie lang, Collare deutlich ab-
gesetzt, Scutum stark gewölbt, Parapsidenfurchen etwas schärfer
°} atrum, longulum, fumipenne, cerassicorne, simile, angustipenne, bre-
vicorne, hyalipenne, longicorne, breve, minor, elongatum, petiolatum, COT-
nutum, tenwicorne, pusillum und breviventre.
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Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 71
eingeschnitten als die Scutellarfurche; Scutellum kaum merklich
abgesetzt, nicht über das Metanotum vorragend; Propodeum
schwach gewölbt, wenig geneigt, Neigungswinkel 40 Grad, Median-
furche schmal, aber ziemlich scharf eingeschnitten. Flügel das
Abdomen überragend, Bewimperung und Behaarung normal,
Ramus marginalis um ein Drittel bis die Hälfte länger als der Radius.
Petiolus schuppenförmig, Abdomen kürzer als der Thorax,
wenig mehr als doppelt so lang wie dick, kurz eiförmig, kaum
breiter als hoch, vom 2. Segment ab kaum wahrnehmbar chagri-
niert, glänzend.
Länge: 2,4-—2,5 mm.
Die drei Typen sind verhältnismäßig gut erhalten; ein Exemplar
ist nicht ausgefärbt, Kopf und Thorax sind dunkel kastanienbraun,
Abdomen rotbraun, die bei ausgefärbten Exemplaren dunkel-
gefärbten Beinpartien sind rotbraun, die hellen blaß gelbbraun.
Bis auf die verschieden starke Ausbildung des Gesichtskiels sind
skulpturelle Abweichungen nicht festzustellen. Bei einem Stück
ist der RamuS marginalis des linken Vorderflügels um die Hälfte,
der des rechten nur um ein Drittel länger als der Radius. Das
ungarische Stück stimmt mit den englischen in Gestalt und
Skulptur völlig überein, nur sind die (lypeargruben stark ent-
wickelt und alle hellen Stellen des Körpers sind von viel geringerer
Ausdehnung als bei diesen, an den Beinen sind nur noch die Knie,
die Distalenden der Tibien und die ersten Tarsenglieder bräunlich,
der Pedicellus ist ganz verdunkelt, die Prothorakalflecke sind
kaum noch wahrnehmbar.
Die Art dürfte über ganz Mitteleuropa verbreitet sein. Über
die Lebensweise liegt nur eine einzige, obendrein wegen der Un-
sicherheit der Bestimmung sehr zweifelhafte Angabe von Laboul-
bene vor, welcher mitteilt, daß Giraud die Art aus Gallen von
Lipara rufitarsıs Lw. an Arundo phragmites L. gezüchtet habe
(Ann =Soc. Ent Pr. ’528er. 721877, pr’426): "Von'wem: die De-
termination als /. angustatum herrührt, ist nicht ersichtlich, doch
ıst nicht anzunehmen, daß Giraud das Tier selbst bestimmt hat,
da ihm, wie aus seinen sonstigen Mitteilungen über Isosomen
hervorgeht, die Walkerschen Arten durch Autopsie nicht bekannt
waren und eine Bestimmung nach des Autors Diagnose eine Un-
möglichkeit. ist. Sollte die Determination ‘doch richtig gewesen
sein, so ist aus obiger Mitteilung allein die Angabe des Substrates
von Interesse, während die angeführte Beziehung zu Lidara rufi-
farsis auf einem Irrtum beruht, in welchem Giraud in bezug auf
die Lebensweise der Isosomen befangen war, da er alle Angehörigen
dieses Genus für Parasiten ansah. Zweifellos hat das fragliche
Tier die gleiche Sproßachse bewohnt, die durch die Fliege de-
formiert worden war.
8. Isosoma fulvicolle Walker (1832).
Isosoma fulvicolle Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 21.
Isosoma flavicolle Walker, ib. 2, 1834, p. 159.
11. Heft
72 Dr. H. Hedicke:
Isosoma flavicollis Walker, Notes Chalc. 1, 1871, Fig. 1.
Isosoma fulvicolle Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 12.
Isosoma flavicolle Walker, ıbid.
Isosoma flavicollis Walker, Entomologist 6, 1872, Fig. p. 17.
Isosoma flavicollis Thomson, Hym. Scand. IV, 1, 1875, p. 58.
Isosoma flavicolle v. Dalla Torre, Cat. Hym. 5, 1898, p. 347.
Isosoma fulvicolle v. Dalla Torre, ibid.
Die Identität von /. flavicolle und /ulvicolle ergibt sich schon
aus den beiden Diagnosen; Walker gibt selbst an, daß sich 7. flavi-
colle von /ulwrcolle durch größere Länge des Abdomens und der
Flügel unterscheide. Da aber /ulvicolle eine „alarum longitudo“
von 11, —1?/, Linien, flavicolle eine solche von 24, 23 Linien
hat, diese Größenangabe bei Walker als Maßstab en die Körper-
länge anzusehen ist und somit letztere Art auf entsprechend größere
Individuen aufgestellt worden ist, so kann darin kein unterscheiden-
des Merkmal gesehen werden, wie überhaupt die Körpergröße
bei Isosomen nur in Ausnahmefällen zur Artunterscheidung neben
skulpturellen Charakteren verwendet werden kann.
Walkers Diagnose von I. fulvicolle hat folgenden Wortlaut:
„Fem. Nigrum, prothorace pedibusque fulvis, alıs pallide
flavescentibus.
Caput obscurum: oculi rufo-fusci: ocelli rufi: thorax puncta-
tus, antice rufus, maculis duabus lateralibus albidis: petiolus
obscurus, punctatus: abdomen nitidum, glabrum: oviductus apice
fulvus: antennarum articulus primus, secundus apice, tertiusque
basi, fulvi: femora intermedia bası nigrofusca: tarsi apice fusci:
alae hyalinae, pallide flavescentes, nervis concoloribus. (Alarum
longitudo, 11, 12/, lin.)
The prothorax So this species is fulvous, the posterior margin
black, the anterior with a white spot on each side: the basal joint of
the antennae, the tip of the second joint, and the ring-shaped third
and fourth joints, are fulvous: the intermediate thighs have a
dark fuscous spot on each, near the base: the fifth joint of the
anterior, the fourth and fifth joints of the four posterior tarsi, are
fuscous.
May; amongst grass beneath trees; Southgate. September;
Culver Cliffs, Isle of Wight.‘“
Dieser Diagnose sei die Beschreibung von I. flavtcolle gegen-
übergestellt:
„Nigrum, prothorace pedibusque flavis, his nigro variegatis,
alıs subhy alinis.
Isos. fulvicolli similis, differt abdomine alisque longioribus.
Nigrum, obscurum, punctatum, pubescens: caput thorace latius:
oculi ocellique obscure rufi: mandibulae rufo-fuscae: antennae
nigrae, pubescentes, thorace breviores; articulus lus rufus; Zus
apice fuscus: thorax elongatus, angustus: prothorax flavus, utrin-
que antice pallidior, postice nigrofuscus, supra fusco vittatus:
squamulae nigro-fuscae: petiolus brevis: abdomen angustatum,
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen lsosominen 13
glabrum, nitidissimum, thorace vix brevius, apice elevatum et
supra planum; oviductus subexertus, rufus: pedes rufi; coxae
fuscae; procoxae flavae, supra fusco maculatae; profemora supra
ad basin nigra; mesofemora nigra; metafemora fusca, ambae
apice rufa; mesotibiae nigro-fusco, metatibiae fulvo late fasciatae;
meso- et metatarsi pallide rufi, apice fusci: alae subhyalinae, palli de
flavescentes, nervi flavi; stigma parvum. (Corp. long. 115 1?/;
lin.; alar. 214 =-2 1% lin.)
Var. ß. Antennae articulo 10 fusco: trochanteres fusci;
femora omnia basi nigra; meso- et metatarsı flavi, apice fusci:
alae vix flavescentes.
July; on grass beneath trees; near London.‘
Außer den oben behandelten Unterschieden in der Körper-
größe geben die ae et nur Färbungsabweichungen bei
den beiden ‚Arten‘ an, der Autor selbst beschreibt am Schluß
der Diagnose von flaı oe eine Färbung, die der typischen von
I. fulwicolle schon sehr nahe kommt. Beı größerem Material lassen
sich aber mit Leichtigkeit ganze Variationsreihen zusammen-
stellen, die die Synonymie der beiden Spezies einwandfrei be-
weisen.
Außer den ®iagnosen Walkers existiert nur noch eine Be-
schreibung dieser offenbar häufigen und verbreiteten Spezies von
Thomson (40, p. 58), die folgenden Wortlaut hat:
„I. flawicollis: Nigra, capite triangulari, antennis bası, pronoto
toto pedibusque flavis; abdomine cylindrico. ©. Long. 2 mill.
Statura 7. Guttulae, capite triangulari, vertice lato et thorace
obsoletius punctatis, hoc pronoto toto, antennis artıculis 2 primis
pedibusque cum coxis flavis, abdomine petiolo transverso, seg-
mento 20 longo, 3-7 aequalibus mox discedens.
Sällsynt; funnen pä Gottland. Möjlıgen Walkers art.‘
Auch hier sind etwaige skulpturelle Unterschiede ne an-
gegeben und trifft die Vermutung Thomsons, daß seine Art mit
der von Walker beschriebenen identisch sei, mit großer Wahr-
scheinlichkeit zu.
Die Typen Walkers lagen zur Untersuchung nicht vor; ob
und wo sie etwa noch vorhanden sind, war nicht festzustellen.
Das untersuchte Material setzt sich folgendermaßen zusammen
Sammlung des Zoologischen Museums, Berlin:
4 Ex. bezettelt ‚Deutschland, Erichson‘,
4 ‚„ Dresden, Coll. Reinhard,
12 Aachen, Coll -Foerster;
Sammlung Ruschka:
4 Ex. Thüringen, Schmiedeknecht,
1 ‚, Siegenfeld (Niederösterreich), 14. VII. 16,
1 ‚, Klosterneuburg (Niederösterreich),
1... Weyer ..(Oberösterreich).
Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß die Spezies
über Nord- und Mitteleuropa verbreitet ist, da sie von Walker
11. Heft
14 Dr. H. Hedicke:
aus England und von Thomson aus Gotland gemeldet wird. Über
die Lebensweise des Tieres ist nichts bekannt. Nach vergleichender
Untersuchung des Materials kann die Form mit folgenden Merk-
malen als die typische bezeichnet werden:
Q. Schwarz, Scapus, Distalende des Pedicellus, das ganze
Pronotum, Beine einschließlich der Coxen, Flügelgeäder und Lege-
bohrer heller oder dunkler gelb, Tegulae rotbraun, Femora in der
proximalen Hälfte meist mit einem dunkleren Ring oder wenig-
stens oberseits in der Mitte verdunkelt.
Kopf um ein Drittel breiter als hoch, doppelt so breit wielang,
Gesicht feinrunzlig, Mittelkiel deutlich entwickelt, Clypeargruben
angedeutet, Wangenfurchen fast bis zur Mandibelbasis reichend ;
Stirn und Scheitel etwas feiner gerunzelt als das Gesicht. An-
tennen von ?/, Thoraxlänge, Scapus nicht erweitert, schwach kom-
primiert, distal kaum verengt, sechsmal so lang wie dick, Pedicellus
eiförmig, um die Hälfte länger als dick, so dick wie der Scapus
breit, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende des Pedicellus,
doppelt so dick wie lang, 2. doppelt so lang und um die Hälfte
dicker als der erste, an die Basis des 1. Geißelgliedes anschließend;
dieses doppelt so lang wie dick, fast so dick wie der Pedicellus,
2.5. Glied a allmählich dicker werderld, etwas länger
als dick, die Keule aus den
drei letzten Gliedern etwas
kürzer als das 3.-5. Glied
zusammen, stark kompri-
miert; Bewirtelung sparsam,
A 5 Haare solang wie dieGlieder.
Antenne von I. fulvicolle FE
Walk. ©. Verer. 60:1. Thorax kaum schmäler
als der Kopf, 31% mal so lang
wie breit, Pronotum doppelt so breit wie lang, Scutum sehr stark,
fasthalbkuglig gewölbt, Parapsidenfurchen und Scutellarfurche
scharf und tief eingeschnitten; Scutellum und Metanotum mäßig ab-
gesetzt und wenig vorragend, Propodeum fast flach, sehr wenig
geneigt, Neigungswinkel 30 Grad, Medianfurche wenig vertieft.
Flügel das Abdomen überragend, normal bewimpert und behaart,
Ramus marginalis um ein Viertel bis die Hälfte länger als der
Radius.
Petiolus stark entwickelt, dreimal so dick wie lang, proximal
kaum merklich aufgebogen. Abdomen kaum kürzer als der Thorax,
eiförmig, fast dreimal so lang wie breit, so breit wie der Thorax,
glatt, glänzend.
Die Körperlänge bewegt sich zwischen den Grenzen 2,1 und
2,9 mm und beträgt im Mittel 2,6 mm; weniger als 2,4 mm lang
ist nur ein Exemplar mit 2,1 mm, mehr als 2,8 mm messen zwei
Stücke mit 2,9 mm. Die Flügel überragen das Abdomen bei allen
Exemplaren mit einer einzigen Ausnahme, wo die Flügel die Spitze
des Abdomens gerade erreichen. Das Längenverhältnis von Ramus
marginalis zu Radius beträgt im Mittel 1,5:1, d. h. der Ramus
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 75
marginalis ist um die Hälfte länger als der Radius, doch schwankt
dieses Verhältnis zwischen den Extremen 1,2:1 und 1,7:1, die
bei je einem Exemplar festgestellt wurden; Abweichungen zum
ersteren Grenzwert hin sind häufiger als zum letzteren. Die Ver-
teilung der hellen Färbung und der Farbton selbst sind äußerst
variabel, neben Stücken mit rein gelben Femora kommen ebenso
oft solche vor, deren Femora an der Basis einen in Ausdehnung
und Farbton veränderlichen dunkleren Ring zeigen; dieser tritt
jedoch nicht immer an allen Femora zugleich auf, vielmehr sind
alle erdenklichen Möglichkeiten und Kombinationen unter dem
noch verhältnismäßig geringen Material vertreten, dergestalt, daß
nur das 1. und 2. oder das 1. und 3. oder das 2. und 3. oder schließ-
lich nur ein Femurpaar die Verdunkelung aufweist, die Färbung
des Ringes geht von pechschwarz bis zu einem hellbraunen, von
der übrigen Beinfärbung kaum noch unterscheidbaren Ton. Viel
konstanter ist die helle Färbung der Tibien, bei 3 Exemplaren
sind die vorderen, bei zweien auch die mittleren und bei einem alle
Tibien bis auf die stets gelb bleibenden Enden verdunkelt. Das
Abdomen ist mit wenigen Ausnahmen schwarz, bei zwei Stücken
ist die Basis, bei einem - ein bei anderen Arten nicht beobachtetes
Vorkommen! — die Spitze in Ausdehnung der drei letzten Seg-
mente kastanienbraun; ein offenbar unausgefärbtes Exemplar hat
statt der schwarzen rotbraune Grundfarbe, die normalerweise
gelben Teile sind fast weißlich blaßgelb. Das Pronotum zeigt in
der Mitte der Basis häufig Spuren einer leichten Schwärzung.
Skulpturelle Abweichungen kommen nur am Kopf vor, vier Stücke
besitzen wohlentwickelte Clypeargruben, die bei zweien auffallend
groß sind; bei kleinen Exemplaren wird zuweilen der Mittelkiel
undeutlich.
9. Isosoma depressum Walker (1832).
Isosoma depressum Walker, Ent. Mag. 1, 1832, p. 21-2.
Isosoma depressum Walker, List Spec. Hym. Ins. 1, 1846, p. 12.
Isosoma depressum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Walker gibt von dieser Art nachstehende Diagnose:
„Fem. Nigrum, prothorace antice maculis duabus albidis, alıs
subfuscis.
Caput obscurum: oculi ocellique rufi: thorax punctatus,
albido utrinque antice maculatus: petiolus obscurus, punctatus;
abdomen nitidum, glabrum: antennarum articulus secundus apice,
tertiusque basi, fusci: pedes flavi, femoribus basi nigris, tibiis
4. posticis medio tarsisque apice fuscis: alae subfuscae. (Alarum
longitudo, 2—21, lin)
Var. — Femora tibiaeque 4 posticae nigrae: tibiae anticae
medio fuscae.
The semihyaline spots on the proscutellum are much larger
in this species than in any other of the preceding: the wings are
long and rather broad.
July; amongst grass in fields; Southgate.‘“
11. Heft
176 Dr. H. Hedicke:
Im 1. Teil der ‚‚Monographia Chalcidum‘“ (8) teilt Walker
die Isosomen in zwei Gruppen nach der Gestalt des Abdomens;
in der ersten faßt er alle Arten mit ,‚Abdomen ovatum, eylindricum,
non compressum zusammen, die zweite mit „abdomen apice acu-
minatum, subcompressum‘ umfaßt nur drei Arten, nämlich
I. debressum, lineare und attenuatum, von welchen I. lineare, wie
oben ausgeführt wurde, mit /. hordei Harris identisch ist.
v. Schlechtendal hielt /. depressum Walk. für den Erzeuger
einer Halmdeformation an Festuca ovina L., doch hat der Er-
zeuger dieser (ralle mit /. depressum nichts zu tun, er wird später
als /. ruschkai n. sp. beschrieben werden. v. Schlechtendal
ließ sich offenbar dadurch irreführen, daß diese Spezies ein de-
primiertes Abdomen besitzt, wie es Walker für sein I. depressum
angibt; da die Art auch sonst auf Walkers Diagnose paßt, so ist
der Irrtum begreiflich, zeigt aber aufs Neue, wie unzulänglich die
Walkerschen Diagnosen sind. Es ist nicht zu verwundern, daß die
irrtümliche Angabe von Schlechtendals (66 p. 8) in die gesamte
spätere cecidologische Literatur übernommen wird. Bei Behand-
lung des /. zuschhen wird näher darauf einzugehen sein. Die Auf-
klärung dieses Irrtums ist nur dadurch möglich geworden, daß sich
ın der "Sammlung Cameron die Type von I. depressum vorfand,
leider befindet sie sich in ziemlich dürftigem Zustand, insbesondere
fehlt die Geißel beider Antennen, so daß die Identifizierung späterer
Funde allein auf Untersuchung der skulpturellen Körpermerkmale
wird basieren müssen. Diese seien mit den übrigen Artcharakteren
in folgender erweiterter Diagnose zusammengestellt:
@. Schwarz, Mandibeln, Distalende des Pedicellus, Annelli,
Distalende der Coxen, Trochanteren und Femora, Tibien, Tarsen,
Flügelgeäder und Legebohrer gelbbraun, Prothorakalflecke blaß-
gelb, sehr groß, fast zwei Drittel des vorderen Pronotums ein-
nehmend.
Kopf so breit wie hoch, doppelt so breit wie lang, fein gerunzelt,
schwach glänzend, Mittelkiel und Clypeargruben gut entwickelt,
Wangenfurchen fast zwei Drittel der Wangenlänge durchziehend.
Scapus der Antennen proximal schwach erweitert, distal allmählich
verengt, schwach nach außen gebogen, fast fünfmal so lang wie
dick, Pedicellus kegelförmig, fast doppelt so lang wie dick, wenig
dünner als der Scapus, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende
des Pedicellus, mehr als halb so lang wie dick. (2. Annellus und
Flagellum abgebrochen.)
Thorax so breit wie der Kopf, fast dreimal so lang wie breit;
Pronotum doppelt so breit wie lang, Collare kaum merklich ab-
gesetzt, Parapsidenfurchen mäßig tief, etwas schärfer eingeschnitten
als die Scutellarfurche; Pronotum, Präscutum, und die vordere
Hälfte des Scutums sehr fein runzlig, fast chagriniert, glänzend,
hintere Hälfte des Scutums, Axillen und Scutellum deutlich gröber
runzlig, schwächer glänzend; Scutellum sehr schwach abgesetzt,
ım Profil nicht merklich über das Metanotum vorragend. Dieses
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Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 77
ziemlich breit und deutlich, wenn auch schwach abgesetzt; Pro-
podeum fast flach, Neigungswinkel 45 Grad, Medianfurche wenig
vertieft und breit. Flügel die Spitze des Abdomens überragend,
Bewimperung und Behaarung normal, Ramus marginalis fast
doppelt so lang wie der Radius.
Petiolus klein, schuppenförmig; Abdomen so breit und fast
länger als der Thorax, dreimal so lang wie breit, lang eiförmig,
äußerst fein chagriniert.
Bange:»s, (nm.
10. Isosoma stipae De Stefani Perez (1901).
Isosoma stipae De Stefani, Nuov. Giorn. bot. ital. (N. 5.) 8, 1901,
p. 549-4.
Isosoma stipae Tavares, Broteria 4, 1905, p. 103.
Isosoma stipae Houard, Zooc£ec. Pl. Eur. I, 1908, p. 693.
Isosoma stipae Trotter, Marcellia 13, 1914, p. 20.
De Stefani gibt von dieser Species folgende Beschreibung:
„@. Corpo nero, rivestito di breve e scarsa pelurie cenerina.
Testa e torace fortemente punteggiati, mesopleure zigrinate. An-
tenne incrassate, approssimate, brune, mediocri, di 11 articuli 24-9,
fra di loro ben distinti, meno pero gli ultimi tre articoli estremi,
che sono intimamente approssimati e compariscono come se ne
formassero uno solo; primo articolo dello scapo piccolissimo, il
secondo allungato, subcilindrico, articoli del funicolo ciliati dı peli
bruni, l’estremo o ultimo conico, quasi uguale in lunghezza ai tre
precedenti presi insieme, il primo articolo invece & piccolo e calici-
forme, il secondo piü lungo degli altri ma ', meno lungo dell’
ultimo, il terzo, quarto e quinto metä del secondo, questo incrassato,
gli altri cilindrici, brevi, rotondi inferiormente, troncati in alto.
Palpi bruni. Scutello leggermente convesso ad estremitä
posteriore arrotondata; ali ialine, leggermente ferruginee con la
sottocostale e il breve ramo stigmatico giallastri; piedi ricchi di
pelosita bruna, giunture luteiscenti. Addome subeilindrico, lucido,
leggermente punteggiato, quasi levigato, subsessile, inferiormente
conformato a corona, pelositä degli ultimi segmenti piü ricca che
sul resto del cor po; ovopositore breve, ‚bruno. Lungh. 2 -3 mm.
3. Lucidissimo; ali vitree; antenne allungate, di lo articolı,
serriformi, non incrassate, ottuso-dentate, articoli pedicellati, verti-
cillati. Scultura del torace molto fina.
Addome picciolato, levigato. Tarsı neri.
Lung. 115-3 mm.“
Diese Diagnose erscheint zwar ausführlich genug, bietet aber,
abgesehen von der auffallend dunklen Beinfärbung, nur unbedeuten-
dere spezifische Merkmale. Das vorliegende Material von 2 Männ-
chen und 3 Weibchen läßt eine sehr charakteristische Ausbildung
der Propodealskulptur erkennen, welche diese Spezies von allen
anderen leicht unterscheiden läßt. Leider fehlen bei den beiden
männlichen Exemplaren die Antennen, so daß zur Originalbeschrei-
bung in dieser Hinsicht keine Ergänzung gegeben werden kann.
11 Heft
8 Dr. H. Hedicke:
3. Schwarz, Knie und Flügelgeäder rotbraun, Antennen und
Tarsen schwarzbraun, Prothorakalflecke auf die senkrecht ab-
fallende Vorderseite des Pronotums verlagert, von oben nicht, von
der Seite als: schmaler Streifen sichtbar, Größe variabel, Färbung
schmutzig weiß.
Kopf etwas breiter als hoch, 21, mal so breit wie lang, sehr
fein runzlig chagriniert, Mittelkiel schwach entwickelt, Clypear-
gruben fehlend, Wangenfurchen fast bis zur Mandibelbasis reichend.
Thorax etwas mehr als dreimal so lang wie breit, wenig schmäler
als der Kopf, Pronotum noch nicht doppelt so breit wie lang,
Collare tief abgesetzt, Scutum stark gewölbt, Scutellum deutlich
abgesetzt, Propodeum steil abfallend, Neigungswinkel 60 Grad,
Medianfurche sehr schmal, aber verhältnismäßig tief einge-
schnitten, von ihrem vorderen Ende verlaufen zwei feine,
scharfe Kielchen weit divergierend nach hinten, um dann in der
fein längsrunzligen Grundskulptur zu verschwinden oder nach dem
Distalende des Propodeums undeutlich zu konvergieren. Skulptur
von Pro- und Mesonotum sehr fein körnig runzlig, schwach glän-
zend, Scutellum noch feiner skulptiert und etwas stärker glänzend
als das übrige Mesonotum. Flügel sehr kurz, aber dicht bewimpert
und behaart, das Abdomen weit überragend, Ramus marginalis
so lang oder kaum länger als der Radius.
Petiolus die Hinterhüften um die Hälfte ihrer Länge über-
ragend, um ein Viertel länger als an der Basis dick, kurz schuppen-
förmig aufgebogen, distal ein wenig verengt; Abdomen von ?/,
Thoraxlänge, breiter als hoch, ventral abgeflacht, äußerst fein
punktuliert, 1. Segment fast glatt, daher noch etwas stärker glän-
zend als das übrige Abdomen.
Länge: 2,4-—3,2 mm.
Q. Färbung wie beim Männchen, Vordertibien distal schwach
gebräunt, Prothorakalflecke sehr klein (bei einem Exemplar ganz
fehlend).
Kopf um die Hälfte breiter als hoch, sonst wie beim Männchen.
Thorax kaum schmäler als der Kopf, 21,mal so lang wie breit,
Scutum schwach gewölbt, Scutellum in ‘der proximalen Hälfte
deutlich feiner skulptiert als in der distalen, stärker glänzend als
der übrige Thorax, schwächer abgesetzt als beim Männchen.
Petiolus kaum erkennbar: Abdomen fast so lang und breit wie der
Thorax, fast walzenförmig, distal etwas verbreitert, glatt und
glänzend. Alle übrigen Merkmale wie beim Männchen.
Länge: 2,5 -2,6 mm.
Die erste Mitteilung über die Lebensweise dieser Spezies rührt
von Hieronymus her, der (64, p. 192-3) von dem Cecidium,
welches die Art an Stipa tortilis Desf. erzeugt, folgende Beschrei-
bung gibt: ‚Isosoma spec. erzeugt eispindelförmige, glatte, kahle
Anschwellungen der abnorm verlängerten Blütenährchenachsen.
Die eigentliche Anschwellung ist etwa 5 bis 6 mm lang und 3 bis
4 mm dick. Dieselbe befindet sich stets etwa in der Entfernung
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isoscminen 79
von 1 cm von den beiden wohl ausgebildeten Hüllspelzen. Der
Stiel nimmt von den Hüllspelzen an bis zur eigentlichen An-
schwellung bis auf das Dreifache an Dicke zu. Ebenso befindet
sich an der Spitze der Galle ein lang kegelförmiges, unten an der
Anschwellung stärker verdicktes und nach und nach an Dicke ab-
nehmendes Achsenstück von etwa 1 cm Länge. Letzteres wird
von der Granne, deren unterer, gedrehter Teil sehr verkürzt ist,
gekrönt. Der Scheidenteil der Deckspelze fehlt. Ebenso die Vor-
spelze und die Blüte selbst oder dieselben verkümmern doch zeitig.
Die Larvenkammer befindet sich im Mark.‘‘ Daran schließt sich
eine Schilderung der anatomischen Verhältnisse der Gralle.
Die Verbreitung der Spezies ist wie diejenige ihres Substrates
auf Südeuropa und Nordafrika beschränkt. Hieronymus (l. c.),
Trotter (80) und De Stefani (84) melden ihr Vorkommen von
Sizilien, wo sie in der Umgebung von Palermo gemein ist, Trotter
(80) meldet die Art ferner von Calabrien und (122) von Tripolis,
Tavares (96) von Portugal. Die Spezies dürfte demnach überall
zu finden sein, wo Stipa tortilis vorkommt.
Mit dieser Art ist die Reihe derjenigen Spezies abgeschlossen,
die von allen bisher beschriebenen paläarktischen Vertretern der
Gattung durch Untersuchung authentischen Materials sicher identi-
fiziert werden konnten. Hieran angeschlossen sei die Beschreibung
einer Anzahl von neuen Arten, die größtenteils aus ihren Gallen
gezüchtet worden sind, so daß dadurch die richtige Zusammen-
stellung der Geschlechter gewährleistet wird, sowie einiger nicht
erzogener, sondern gefangener Arten, die solche Artmerkmale auf-
weisen, welche nach den bei der Untersuchung des gesamten Ma-
terials gewonnenen Erfahrungen nicht oder doch in sehr geringem
Maße veränderlich sind, so daß etwaige weitere, in Zukunft ge-
fangene Exemplare nach den angegebenen Merkmalen mit einiger
Sicherheit zu erkennen sind. Eine Anzahl der nachstehend be-
schriebenen neuen Arten wurde bereits 1890 von v. Schlechten-
dal (66) mit Namen belegt, die in die gesamte spätere Literatur
übernommen wurden, obgleich die Arten von diesem Autor nie
beschrieben worden sind und demnach als nomina nuda keine
Gültigkeit haben. Soweit angängig, wurden diese Namen bei-
behalten, um nicht weitere Verwirrungen in der Nomenklatur an-
zurichten. Ein großer Teil des untersuchten Materials, mehrere
hundert Tiere, muß vorläufig zurückgestellt werden, da es nicht
möglich war, sichere spezifische Merkmale ausfindig zu machen,
doch besteht begründete Hoffnung, wenigstens einen Teil derselben
später zu identifizieren bzw. neu zu beschreiben, wenn weitere
Zuchten einwandfreies Material geliefert haben werden, das vor
allem die Zusammengehörigkeit der Geschlechter außer Zweifel
läßt.
Es wurde bereits bei Behandlung des /. depressum Walk.
darauf hingewiesen, daß Walker einmal den Versuch gemacht
‚hat, die Arten des Genus /sosoma nach gemeinsamen Merkmalen
11. Heft
s0 Dr. H. Hedicke:
zu gruppieren, ein Versuch, der aber vom Autor in späteren Ar-
beiten nicht weiter ausgebaut oder überhaupt wiederholt wurde,
woraus zu schließen ist, daß Walker die anfänglich vorgenommene
Einteilung selbst für nicht zweckmäßig erkannt hat. Auch von
späteren Autoren sind derartige Versuche nicht wieder gemacht
worden, denn die von Thomson (40) vorgenommene Gruppierung
der zehn von ihm beschriebenen skandinavischen Arten ist nicht
als eine Einteilung des (Grenus in Artenkomplexe im systematischen
Sinne aufzufassen. Auch heute noch müssen wir es uns versagen,
eine phylogenetisch zu begründende Gruppierung vorzunehmen,
da einerseits über die Stammesgeschichte dieser Tiere noch völliges
Dunkel herrscht und für irgendwelche Spekulationen in dieser
Richtung jede Unterlage fehlt, andererseits aber bei einem solchen
Versuch auch die nicht paläarktischen Arten mit herangezogen
werden müssen, um deren Kenntnis es noch schlechter bestellt ıst
als um die der europäischen Vertreter. Bei einem großen Teil der
letzteren basiert unsere Kenntnis auf der Untersuchung nur ganz
weniger Stücke. Aus diesen Gründen kann die Anordnung der
nachfolgend als neu beschriebenen Arten nicht nach einem syste-
matisch begründeten Prinzip, sondern nur nach ganz äußerlichen
(resichtspunkten geschehen: es werden zunächst die Arten mit
bekannter, anschließend diejenigen mit noch unbekannter Lebens-
weise behandelt, innerhalb jeder Kategorie sind die Spezies in der
alphabetischen Reihenfolge der Artnamen angeordnet.
11. /sosoma aciculatum n. Sp.
(Isosoma aciculatum vw. Schlechtendal n. n., Gallbild. deutsch.
Grefäßpfl., 1890, p. 10.)
(Isosoma aciculatum Houard, Zoocec. Plant. Eur. I, 1908, p. 63.)
(Isosoma aciculatum Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 279.)
(Isosoma aciculatum Baudys, Casopis Spol. Ent. 14, 1917, p. 25.)
3. Schwarz, Mandibeln pechbraun, Knie, distales Drittel der
vorderen Femora, Vordertibien bis auf die dunklere Außenseite,
Distalenden der vier Hintertibien, Tarsen bis auf die Endglieder
und Flügelgeäder gelbbraun. Bei dunklen Exemplaren sind die
Femora und Tibien bis auf die äußersten Enden ganz schwarz,
ebenso die Antennen und Mandibeln; Prothorakalflecke fehlen.
Kopf wenig breiter als hoch, mehr als doppelt so breit wie lang,
unregelmäßig fein gerunzelt, Mittelkiel mehr oder weniger flach,
aber stets deutlich, Clypeargruben höchstens angedeutet, Wangen-
furchen kaum bis zur Wangenmitte reichend. Antennen so lang wie
der Thorax, Scapus mitten schwach erweitert, distalschwach verengt,
21,mal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um ein Viertel
länger als dick, nicht ganz so dick wie der Scapus, 1. Annellus
äußerlich nicht sichtbar, in die distale Höhlung des Pedicellus
zurückgezogen, 2. Annellus dicht an die Basis des 1. Geißelgliedes
anschließend, V, so lang wie dick; Flagellum deutlich geflügelt,
die Flügelfortsätze des 2. 5. Gliedes doppelt so lang wie die ent-
sprechenden Glieder hoch, 1. Glied länger als der Scapus, viermal
*
9.
J.
Beiträge zu einer, Monographie der paläarktischen Isosominen 81
so lang wie dick, so dick wie der Pedicellus, die folgenden Glieder
an Länge und Dicke allmählich abnehmend, das 2. noch nicht
dreimal so lang wie dick, das 3.6. 215mal so lang wie dick, das
. letzte spitz kegelförmig, 315 mal so lang wie dick, Apiculus kaum
wahrnehmbar, flach halbkuglig, undeutlich abgesetzt. Alle Geißel-
glieder distal kurz gestielt, die Stielchen vom 1. zum 6. Gliede
allmählich dünner und länger werdend, der des 1. Gliedes von
gleicher Größe wie der 2. Annellus, die letzten etwas länger als
dick; Wirtelhaare so lang wie die Glieder, 1. und letztes Glied
unregelmäßig gewirtelt, die übrigen regelmäßig zweiwirtelig.
Thorax so breit wie der Kopf, dreimal so lang wie breit, Pro-
notum doppelt so breit wie lang, Collare scharf abgesetzt, Parap-
siden- und Scutellarfurche fein, aber scharf eingeschnitten, Scu-
tellum sehr schwach abgesetzt, im Profil kaum über das Meta-
notum vorragend, mit diesem und dem Propodeum fast in einer
Ebene liegend; letzteres sehr schwach geneigt, Neigungswinkel
kaum 30 Grad, Medianfurche schmal, aber tief. Skulptur von Pro-
und Mesonotum wie die des Kopfes. Flügel mit ‚normaler Be-
wimperung und Behaarung, Ramus marginalis länger als der
Radius. .
Petiolus viel länger als die Hintercoxen, fast dreimal so lang
wie dick, an beiden Enden schwach eingeschnürt, proximal kurz
schuppig aufgebogen, fein gerunzelt. Abdomen walzen-
rund, von ?/, Thoraxlänge, glatt und stark glänzend.
Länge: 2,4—2,3 mm.
9. Färbung von der des Männchen in folgenden
Punkten abweichend:
Mandibeln, Distalende
des Pedicellus, Annelli,
die letzten Geißelglie-
der und Legebohrer
gelbbraun, Flügelge-
äder bleichgelb.
Kopf und Thorax
wie beim Männchen,
Skulptur ein wenig
gröber, mehr körnig 5
gerunzelt, auf Pro- und Antennen en I. ee n. sp. d®.
Mesonotum mit zer- TR ER
streuten, oft undeutlichen, flachen, glänzenden Grübchenpunkten,
die Vorderhälfte des Mesonotums ohne diese Punkte und etwas
feiner gerunzelt als die hintere. Flagellum der Antennen auf-
fallend kurz, kaum so lang wie die Höhe des Kopfes. Scapus
schlank, nicht erweitert, zum distalen Ende allmählich verengt,
5—6mal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um ein Drittel
länger als dick, 1. Annellus undeutlich, halb so dick wie das distale
Ende des Pedicellus, 2. Annellus um die Hälfte dicker als der 1.,
viermal so.dick wie lang; die Geißelglieder zum Ende allmählich
Archiv für N
6 11. Heft
82 Dr. H. Hedicke:
kürzer und dicker werdend, daher das ganze Flagellum von keulen-
förmiger Gestalt; das 1. (rlied etwas dicker als der Pedicellus, um
\/, länger als dick, das 2. kaum länger als dick, das 3. so lang wie
dick, das 4. etwas dicker als lang, das 5. um Y, dicker als lang, .
die drei letzten, zur Keule verwachsenen Glieder zusammen etwas
mehr als doppelt so lang wie dick; Bewirtelung wie beim Männchen.
Propodeum kürzer und stärker geneigt als beim Männchen,
Neigungswinkel 45 Grad, daher der Thorax noch nicht dreimal so
lang wie breit. Flügel wie beim Männchen. Petiolus äußerst klein,
noch nicht so dick wie die hinteren Femora, kaum 4, so lang wie
dick, proximal kurz schuppig aufgebogen. Abdomen so lang wie
Kopf und Thorax zusammen, lang eiförmig, im Querschnitt fast
kreisrund, viermal so.lang wie breit, kaum wahrnehmbar chagri-
niert, glänzend.
Länge: 2,9 -4 mm.
6 383, 22 22 aus Grallen vom Donnersberg bei Halle a. S. ge-
zogen (Sammlung v. Schlechtendal), 1 &, 2 22 aus Gallen von
Vimpacs, Leithagebirge (Ungarn) (Sammlung Ruschka).
Diese durch gänzlichen Mangel der Prothorakalflecke, durch
den Bau der Antennen der Männchen und des Abdomens im weib-
lichen Geschlecht ausgezeichnete Spezies ist in der Körperfärbung
sehr veränderlich; von den sieben untersuchten Männchen besitzt
ein Exemplar völlig pechbraune Antennen, bei einem anderen
sınd die drei letzten (Geißelglieder gebräunt, bei zweien ist der
Pedicellus an der Spitze etwas heller, zwei Stücke besitzen völlig
schwarze Vordertibien. Die helle Färbung der Antennen und
“Beine tritt bei den Weibchen in allen erdenklichen Variationen auf,
von denen einige angeführt seien. Bei dem größten von den vor-
liegenden 24 Stücken sind die Antennen in ganzer Ausdehnung
dunkel rotbraun, bei einem zweiten sind sie völlig schwarz, während
an den Vordertibien der fast stets vorhandene dunkle Streif auf der
Außenseite fehlt; die Spitze der Antennen ist bei allen übrigen
Weibchen heller oder dunkler pechbraun gefärbt, zumeist erstreckt
sich diese Färbung über die beiden letzten Glieder, bei zwei Ex-
emplaren ist jedoch nur das letzte gebräunt, bei zwei weiteren
schließt die braune Färbung auch das drittletzte Glied ein. Zwei
Stücke mit heller Antennenspitze besitzen ein völlıg schwarzes
Wendeglied, eines davon auch geschwärzte Vordertibien. Der
helle Distalring der vier hinteren Tibien ist immer deutlich vor-
handen, wechselt aber stark in der Ausdehnung. Das Abdomen
zeigt ventral meist einen kastanienbraunen Ton, der sich bei drei
Weibchen über das ganze Abdomen ausdehnt. Ebenso veränder-
lich ist die relative Länge der Vorderflügel; bei 8 von 24 gemessenen
Exemplaren erreicht die Flügelspitze das distale Ende des vor-
letzten Abdominaltergites, bei 12 Stücken überschreitet der Vorder-
flügel diese Länge und erreicht bei 6 die Spitze des vorragenden
Legebohrers, bei den übrigen 6 die Spitze des Analtergites, bei den
letzten 4 Exemplaren wird das vorletzte Tergit nicht erreicht, bei
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isöosominen 83
einem von diesen gehen die Flügel bis zur Mitte des Abdomens,
bei zweien bis zu zwei Drittel, bei dem vierten noch ein wenig
darüber. Die Färbung des Flügelgeäders ist konstant bleichgelb,
die relative Länge des Ramus marginalis und Radius wenig ver-
änderlich, bei der großen Mehrzahl der Stücke beträgt das Ver-
hältnis 11, —-14,:1, bei 2 kleinen Exemplaren nur 1!/,:1, bei 2
großen fast 2:1. Diese Verhältnisse wiederholen sich dem geringeren
Material entsprechend bei den Männchen.
Sehr viel weniger variabel sind die skulpturellen Merkmale
und die relativen Größenverhältnisse der übrigen Teile des Körpers,
doch treten auch hier einige bemerkenswerte Abweichungen auf.
Ein Männchen besitzt ein auffallend verkürztes Pronotum, das
fast dreimal so breit wie lang ist; das kleinste der 7 Männchen ist
fast chagriniert fein skulptiert, bei ihm und einem weiteren Stück
ist die Scutellarfurche in der Mitte zwischen dem Ursprung der
beiden Parapsidenfurchen unterbrochen, so daß zwei deutliche,
tiefe Grübchen zur Ausbildung kommen. Die Länge des Abdomens
beträgt bei den Männchen durchschnittlich ?/, der Thoraxlänge,
ein Exemplar zeigt ein offenbar gewaltsam verlängertes Abdomen,
da die (Grenitalien weit vorgestreckt sind. Bei 3 Stücken sind die
letzten Segmente beim Trocknen in die vorderen etwas zurück-
gezogen, so daß dadurch eine geringere Länge des Abdomens vor-
getäuscht wird. Auch bei den Weibchen zeigt sich die Tendenz
zur Unterbrechung der Scutellarfurche in der Mitte, die aber nur
bei einem Exemplar soweit durchgeführt ist, daß zwei deutlich
getrennte Grübchen zu erkennen sind. Bei einem Exemplar ver-
schwinden die Parapsidenfurchen in der Nähe des Scutellums fast
vollständig.
Die Spezies erzeugt schwache, ringsseitige, wenig auffallende
Anschwellungen des Halmes von Stipa capillata L. über dem 2.
oder 4. Knoten; die Larven leben frei im Mark, ohne besondere
Kammern zu besitzen. Die Imagines erscheinen in Mitteleuropa
im Mai des auf die Eiablage folgenden Jahres. Die Art tritt ent-
sprechend der sporadischen Verbreitung ihres Substrates in Mittel-
europa nur lokal auf, dürfte aber in Südeuropa, besonders in Un-
garn und Südrußland, wo das Substrat große Flächen bedeckt,
häufig und weit verbreitet sein. Die Gallen wurden bisher an
folgenden Punkten beobachtet:
Mark Brandenburg (Kernberge b. Rl.-Ziethen, Schumacher,
Herb. Zoolog. Mus. Berlin), Provinz Sachsen (Donnersberg bei
Halle a. S., v. Schlechtendal, Herb. Zoolog. Mus. Berlin),
Ungarn (Vimpacs, Leithagebirge, Sammlung Ruschka), Böhmen
(Chuchly, BaudvyS 130, p. 25).
12. Isosoma brachypodii.n. sp.
(Isosoma brachypodii v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild. deutsch.
(Grefäßpfl., 1890, p. 8.)
(Isosoma brachypodt Houard, Marcelli I, 1902, p. 37.)
(Isosoma brachypodii Trotter, ibid. 2, p. 9.)
6* 11. Heft.
S4 | Dr; H:. Hedieke:
(Isosoma brachypodti Houard, Zoocec. Pl. Eur. I, 1908, p. 83.)
(Isosoma brachypodii Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 111.)
(Isosoma brachypodii Ludwig, Jahresb. Oberrealsch. F orbach, 1914,
p- 24.)
(Isosoma brachypodii Baudys, Casopis Spol. Ent. 14, 1917, p. 26.)
Q. Schwarz, Mandibeln, Scapus, Distalende des Pedicellus,
Annelli, die großen Prothorakalflecke, vordere Femora distal,
Knie, Vorder- und Mitteltibien, Hintertibien bis auf einen dunkleren
Streifen auf der Oberseite, Flügelgeäder und Legebohrer gelbbraun,
Tegulae pechbraun.
Kopf wenig breiter als hoch, etwas mehr als doppelt so breit
wie lang, sehr fein unregelmäßig gerunzelt, matt, Mittelkiel und
Wangenfurchen kräftig entwickelt, letztere bis zur Wangenmitte
reichend, Clypeargruben fehlend. Antennen so lang wie der Thorax;
Scapus nicht erweitert, zur Spitze allmählich verengt, fast fünfmal
so lang wie dick, Pedicellus kegelförmig, fast doppelt so lang wie
dick, 1. Annellus kaum halb so dick wie der Pedicellus, viermal so
dick wie lang, der 2. kaum dicker als der 1., um die Hälfte dicker
als lang, Geißelglieder abgestutzt eiförmig, das 1. etwas mehr als
doppelt so lang wie dick, etwas dicker als der Pedicellus, die folgen-
den vier Glieder untereinander gleichgroß, um ein Viertel länger
als dick, die 3 letzten zu einer langgestreckten, walzenförmigen
Keule verwachsen, die-
se so dick wie der
Pedicellus und so lang
wie der Scapus. Be-
wirtelung des 1. Glie-
des und der Keule un-
regelmäßig, die üb-
Antenne von I. brachypodiv n. sp. 9. sn : Glieder zwei-
Verse ro wirtelig, Haare solang
2 wie die Glieder dick.
Thorax so breit wie der Kopf, dreimal so lang wie breit, Pro-
notum kaum doppelt so breit wie lang, mit breit abgerundeten
Vorderecken, Prothorakalflecke halbmondförmig, weit auf die
Fläche des Pronotums hinaufreichend, Collare sehr schwach ab-
gesetzt. Pro- und Mesonotum von gleicher feiner Skulptur wie
der Kopf, Scutum stark gewölbt, Parapsidenfurchen sehr scharf
und tief eingeschnitten, tiefer als die Scutellarfurche; Scutellum
schwach abgesetzt, im Profil kaum vorgezogen; Propodeum mit
fast horizontaler, hinten plötzlich steil abstürzender Dorsalfläche,
Medianfurche deutlich. Flügel die Spitze des Abdomens erreichend,
Bewimperung und Behaarung normal, Ramus marginalis um die
Hälfte länger als der Radius.
Petiolus kaum erkennbar, schuppenförmig; Abdomen so breit
und fast so lang wie der Thorax, 21,mal so lang wie breit, ei-
förmig, stark glänzend, nur die beiden letzten Segmente mikro-
skopisch fein chagriniert.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 85
Länge: 3—3,3 mm.
2 22 von v. Schlechtendal aus Gallen an Brachypodium
pinnatum Palis. gezüchtet, welche Brischke bei Danzig sammelte.
Das größere der beiden Stücke weist auf dem Pronotum vier
helle Flecke auf, nämlich außer den Prothorakalflecken in den
Vorderecken noch zwei kleine Fleckchen auf der Scheibe .des. Pro-
notums, eine Zeichnung, die offenbar durch Unterbrechung der
zwei normalen Mondflecken entstanden ist. Sonstige Abweichungen
sind nicht vorhanden.
Die bisher nur im weiblichen Geschlechte bekannte Spezies
ist durch die Form des Abdomens und den Bau der Antennen
leicht kenntlich. Sie verursacht einen ähnlichen Blätterschopf an
der Sproßspitze von Brachypodium pinnatum Palis. und an B. sil-
vaticum R. et S. wie I. hyalipenne Walk. Die Galle ist bisher von
folgenden Fundorten bekannt geworden:
Westpreußen (Brischke, 44 p. 176), Frankreich (Houard,
87 p. 37), Lothringen (Ludwig, 120 p. 24), Böhmen (Baudys,
130 p. 26), Italien (Trotter, 90 p. 9). An allen diesen Lokalıtäten
trat das Tier an B. pinnatum auf; von B. silvaticum liegen einige
Exemplare aus dem Rheinland (Kreuznach) in der Sammlung
v. Schlechtendal vor.
13. /sosoma dbrischkei n. sp.
(Isosoma brischkei v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild. deutsch.
(Grefäßpfl., 1890, p. 8.)
(Isosoma brischkei Kieffer, Ann. Soc. ent. Fr. 70, 1901, p. 309.)
(Isosoma brischkei Houard, Zoocec. Pl. Eur. I, 1908, p. 91.)
(Isosoma brischkei Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 138.)
@. Schwarz, Scapus in der proximalen Hälfte, Pedicellus
distal, Annelli, Beine mit Ausnahme der braunen Basalhälfte der
Femora und des größten Teils der Hintertibien, Flügelgeäder und
Legebohrer gelbbraun, Flagellum dunkelbraun, Frothorakalflecke
blaßgelblich.
Kopf um ein Drittel breiter als hoch, mehr als doppelt so breit
wie lang, Gesicht bis auf den glatten, sehr flachen Mittelkiel fein
streifig chagriniert, glänzend, Stirn und Scheitel mehr runzlig
chagriniert, Civpeargruben fehlend, Wangenfurchen stark ent-
wickelt, die Wangen der ganzen Länge nach durchziehend. An-
tennen so lang wie der Thorax, Flagellum etwas länger als der
Kopf breit, Scapus ventral an der Basis lappig erweitert, viermal
so lang wie dick, Pedicellus kegelförmig, um die Hälfte länger als
dick, 1. Annellus fast zwei Drittel so breit wie das Distalende des
Pedicellus, viermal so dick wie lang, 2. so lang und wenig dicker
als der 1., 1. Geißelglied wenig länger und dünner als der Pedicellus,
die folgenden untereinander gleich, so dick wie das 1., wenig länger
als dick, die Keule aus den drei letzten Gliedern so dick und kaum
länger als die beiden vorhergehenden zusammen, das überall
gleichdicke Flagellum daher fadenförmig. Bewirtelung zerstreut
und dünn.
11. Heft
sb Dr. H. Hedicke:
Thorax dreimal so lang wie breit, Pronotum noch nicht doppelt
so breit wie lang, über den ganzen Hinterrand schwach bogig aus-
geschnitten, Scutum fast halbkuglig gewölbt, Parapsidenfurchen
weniger scharf eingeschnitten als die Scutellarfurche, Scutellum
nicht abgesetzt, mit dem
kaum wahrnehmbaren Me-
tanotum und dem Propo-
" % deum in einer Ebene liegend,
ee letzteres fast flach, kaum
Antenne von 1. brischkei EN x De
n. sp. 9. Vergr. 60:1. geneigt, Neigungswinkel
kaum 20 Grad, Median-
furche undeutlich. Flügel die Spitze des Abdomens nicht erreichend,
Behaarung und Bewimperung normal, Ramus marginalis fast dop-
pelt so lang wie der Radius. Pro- und Mesonotum von gleicher
feiner Skulptur wie Stirn und Scheitel, schwach glänzend.
Petiolus sehr klein, schuppenförmig; Abdomen glatt, glänzend,
um die Hälfte länger als Kopf und Thorax zusammen, dorsal ab-
geflacht, ventral komprimiert mit einem über das ganze Abdomen
ziehenden Längskiel, im Profil spitzkegelförmig, fast fünfmal so
lang wie breit; Legebohrer so lang wie das ganze Abdomen.
Länge: 3,5 mm.
4 29, von Brischke aus Elymus arenarius L. gezüchtet.
Die Spezies ist an der Länge des Abdomens leicht kenntlich
und durch die äußerst feine Skulptur ausgezeichnet. Von den
wenigen vorliegenden Exemplaren, die stark defekt sind, besitzt
eines im ganzen dunkler gefärbte Beine.
Die Larven bewohnen die Sproßachse von Elymus arenarius,
die in den mittleren Internodien eine schwache, allseitige An-
schwellung zeigen. Die Spezies wurde bisher nur bei Danzig ge-
funden, dürfte aber an der ganzen Ostseeküste vorkommen und
bisher wegen der geringen Auffälligkeit des Cecidiums übersehen
worden sein.
14. Isosoma calamagrostidis n. sp.
(Isosoma calamagvostidis v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild.
deutsch. Gefäßpfl., 1890, p. 8.)
(Isosoma calamagrostidis Kieffer, Ent. Nachr. 19, 1893, p. 22.)
(Isosoma calamagvostidis Houard, Zoocec. Pl. Eur. I, 1908, p. >66.)
(
(
Isosoma calamagryostidis Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur.1911,p.114.)
(Tsosoma calamagrostidis Dittrich u. Schmidt, 91. Jahresb. Schles.
Ges. vaterl. Cult. 1913, p. 100.)
(/sosoma sp. Schmidt, Soc. ent. 28, 1913, p. 64.)
(Isosoma calamagrostidis Schmidt, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 9, 1913,
p: 153.)
(/sosoma calamagrostidis Hedicke, ibid. 11, 1915, p. 21.)
(Isosoma Sp. Baudy3, Soc. ent. 311916, P-453
(Isosoma calamagrostidis Baudys, Verh. zool. bot. Ges. 66, 1916, p. 54.)
(Isosoma calamagvostidis Jaap, Verh. Bot. Ver. Pr. Be 60;
1918, p: 6.)
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 87
d. Schwarz, Mandibeln, Tegulae und Beine pechbraun, Knie,
Distalenden der Femora, Vordertibien, Distalenden der vier Hinter-
tibien, Tarsen bis auf das letzte Glied gelbbraun, Prothorakal-
flecke blaßbraun, Flügelgeäder gelbbraun.
Kopf wenig breiter als hoch, mehr als doppelt so breit wie
lang, ziemlich grob gerunzelt, Mittelkiel fehlend, Clypeargruben in
zwei zur Antennenbasis konvergierende Furchen verlängert,
Wangenfurchen kurz. Antennen fast so lang wie Kopf und Thorax
zusammen, Scapus nicht erweitert, 21,mal so lang wie dick,
Pedicellus fast kuglig, um !, länger als dick, wenig dünner als der
Scapus, Annelli sehr undeutlich und kurz, Flagellum nicht ge-
flügelt, fadenförmig, 1. Glied fast sechsmal so lang wie dick, um
die Hälfte länger als der Scapus, fast so dick wie der Pedicellus, die
folgenden untereinander fast gleichgroß, so dick wie das 1., vier-
mal so lang wie dick, das letzte mit ziemlich dickem, griffelförmigen
Apiculus.
Fig. 18.
Antennen von I. calamagrostidis n. sp. 8%. Vergr. 50:1.
Thorax kaum schmäler als der Kopf, etwas breiter als hoch
und etwas mehr als dreimal so lang wie breit, Pronotum doppelt
so breit wie lang, Collare schwach abgesetzt, Prothorakalflecke
klein; Scutum mäßig gewölbt, Parapsidenfurchen nach vorn sehr
tief und breit eingeschnitten, Scutellarfurche viel feiner; Skulptur
von Pro- und Mesonotum noch etwas gröber runzlig als die des
Kopfes, mitten mit zerstreuten, flachen Grübchenpunkten be-
setzt; Scutellum schwach abgesetzt, das Metanotum nicht über-
ragend, Propodeum fast flach, wenig geneigt, Neigungswinkel
30 Grad, Medianfurche sehr breit und scharf eingeschnitten. Flügel
die Spitze des Abdomens überragend, Bewimperung und Behaarung
normal, Ramus marginalis um Y, bis "., länger als der Radius.
Petiolus um die Hälfte länger als dick, die Hintercoxen ein
wenig überragend, stark längsrunzlig und gefurcht, proximal stark
schuppig aufgebogen. Abdomen walzig eiförmig, viel kürzer als
der Thorax, doppelt so lang wie breit, glatt und glänzend.
Länge: 2,3—3,1 mm.
9. Schwarz, Annelli, Prothorakalflecke, Distalende der Tro-
chanteren, distale Hälfte der Femora, Tibien in wechselnder Aus-
11. Heft
88 Dr. H. Hedicke:
dehnung, Tarsen, Flügelgeäder und Legebohrer gelbbraun, Hinter-
tibien mitten meist dunkelbraun, Abdomen meist wenigstens
proxımal kastanienbraun.
Bau und Skulptur des Kopfes wie beim Männchen. Antennen
fast so lang wie der Thorax, Scapus schwach nach außen gebogen,
nicht erweitert, fünfmal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig,
um ein Drittel länger als dick, so dick wie der Scapus, 1. Annellus
halb so dick wie das Distalende des Pedicellus, dreimal so dick wie
lang, 2. wenig länger und dicker als der 1., nicht an die Basis des
1. Greißelgliedes anschließend, dieses doppelt so lang wie dick, so
dick wie der Pedicellus, die folgenden allmählich etwas kürzer
und dicker werdend, 5. wenig länger als dick, wenig dicker als der
Pedicellus, die Keule aus den drei letzten Gliedern etwas länger als
die beiden vorhergehenden Glieder zusammen, kaum dünner als
das 5. Glied, Bewirtelung schwach, Haare so lang wie die Glieder
dick.
Thorax von gleicher Gestalt wie beim Männchen, Skulptur
ein wenig gröber, mehr runzlig punktiert, Grübchenpunkte oft
undeutlich. Propodeum etwas steiler abfallend als beim Männchen,
schwach "gewölbt, Neigungswinkel 45 Grad. Flügel wie beim
Männchen, die Spitze des Abdomens überragend.
Petiolus kaum wahrnehmbar, Abdomen lang eiförmig, drei-
mal so lang wie breit, fast so breit wie der Thorax, mit Ausnahme
der proximalen Hälfte des 1. Tergits mikroskopisch fein chagri-
niert, N
Länge: nn 3,9 mm.
18 3d, 22 29, aus Gallen gezüchtet von v. Schlechtendal
(Möckeritz b. Halle a. S., Freistadt i. Schles.), Schmidt (Grün-
berg i. Schles.) und Hedicke (Jühnsdorf, Prov. Brandenburg).
Auch diese Spezies ist in Größe und Färbung sehr veränderlich.
Bei den Männchen schwankt die Körpergröße zwischen 2,3 und
3,1 mm und beträgt im Mittel 2,7 mm; weniger als 2,5 mm sind
zwei Tiere lang, eins mit 2,4 und eins mit 2,3 mm; über 3 mm mißt
ein Exemplar mit 3,1 mm. Die Körpergröße der Weibchen schwankt
zwischen 3 und 3,9 mm und beträgt im Mittel 3,5 mm;- weniger
als 3,3 mm messen vier Tiere, eins. mit 3,1 und drei mit 3 mm;
über 3,7 mm lang sind drei Stücke, zwei messen 3,8 und eins 3,9 mm.
Die Färbung ist bei beiden Geschlechtern verschiedenen öfter
wiederkehrenden Abweichungen unterworfen, die aber unabhängig
von der Lokalität auftreten. Die Ausdehnung der hellen Bein-
färbung ist bei kaum zwei Stücken die völlig gleiche, am stärksten
varliert sie am Distalende der Femora; es kommen bei den Männ-
chen sowohl Stücke mit fast ganz verdunkelten Vorderfemora
vor, als auch solche, bei denen die helle Färbung bis zur Mitte
reicht. Häufig ist bei den Männchen auch die Mitte der vorderen
Tibien verdunkelt; bei drei Exemplaren ist die Grundfarbe der
Beine schwarz anstatt pechbraun, bei einem anderen Männchen,
dessen Gesamtfärbung durchgängig einige Töne heller ist, sind
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 89
die dunklen Stellen der Beine als hellbraun, die hellen als hellgelb
zu bezeichnen. Auch die Größe der Prothorakalflecke ist variabel,
bei zwei Männchen sind sie ganz verschwommen und kaum noch
von der Umgebung zu unterscheiden. Bei den Weibchen ist die
Färbung noch variabler als im männlichen Geschlecht. Wollte
man die Art in Färbungsformen aufteilen, so ließe sich das vor-
liegende Material von 22Weibchen in folgende acht Gruppen trennen:
1. Normalfärbung (5 Exemplare),
9. alle Tibien mit Ausnahme der äußersten Enden dunkel-
braun (3 Ex.),
3. Basis des Abdomens kastanienbraun, sonst wie 1. (2 Ex.),
4. wie 3., aber auch der Kopf dunkel rotbraun (2 Ex.),
5. wie 4., Scapus hellbraun (4 Ex.),
6. wie 5., auch das Pronotum dunkel rotbraun (2 Ex.),
7. wie 5 Scapus hellbraun (3 Ex.),
8. wie Basis des Abdomens kastanienbraun (1 Ex.).
Bei Esch größerem Material von mehreren Standorten würden
sich höchstwahrscheinlich noch mehrere Abänderungen auffinden
lassen, die beweisen, daß es sich hier um rein individuelle Abwei-
chungen handelt, die mit der Kennzeichnung der Art nichts zu tun
haben.
Viel konstanter sind die skulpturellen Artmerkmale. Bei den
Männchen zeigt die Skulptur des Kopfes geringfügige Abweiı-
chungen in der Ausbildung der furchenartigen Clypeargruben,
deren Verlängerung in der Richtung zur Antennenbasis nicht
immer deutlich ist; in solchen Fällen scheinen sich die Grübchen
oben zu berühren oder selbst zu kommunizieren. Bei günstiger
Beleuchtung läßt sich aber wenigstens eine Andeutung der Ver-
längerung nachweisen. Entsprechend der schwankenden Körper-
größe wird auch die Grundskulptur von Kopf und Thorax gröber
oder feiner, in letzterem Falle werden die flachen Grübchenpunkte
meist undeutlich und sind nur noch bei genügend starker Ver-
größerung erkennbar. Bei den Weibchen lassen sich nur die gleichen
geringfügigen Abänderungen in der Skulptur nachweisen, wie im
männlichen Geschlecht. Das Verhältnis der Länge von Ramus
marginalis und Radius ist sehr konstant 1,2 -1,3:1.
Die Larven dieser Spezies leben einzeln oder in kleinen Ge-
sellschaften in leichten, spindelförmigen Halmanschwellungen von
Calamagrostis epigeios Roth., treten aber auch an Calamagrostis
lanceolata L. und arundinacea L. auf. Zugleich mit der Schwellung
der Sproßachse und der mehr oder weniger starken Verkürzung
der bewohnten Internodien tritt auch eine Verkümmerung und
oft starke Knäuelung der Rispe ein, die meist in der obersten
Blattscheide stecken bleibt. Leben die Larven in größerer Anzahl
in. den oberen Internodien, so sind die Schwellungen etwas stärker
und oft dicht aneinander gereiht. Die. Larven überwintern in den
(rallen, die Imagines schlüpfen von Ende März bis in den Mai des
folgenden Jahres hinein.
11. Heft
0 Dr. H. Hedicke:
Die Spezies ist eine der häufigsten Vertreter der Gattung
und über Mitteleuropa verbreitet. An Calamagrostis epigeios "
wurden die Gallen bisher in folgenden (rebieten beobachtet:
Prov. Brandenburg (Schumacher, Sammlung Zool. Mus.
Berlin; Jaap, 132 p. 6; Hedicke, Sammlung Zool. Mus. Berlin),
Prov. Sachsen (v. Schlechtendal, Sammlung Zool. Mus. Berlin),
Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 116 p. 100-1; Schmidt, 118
p. 64; 119 p. 153), Lothringen (Kieffer, 69 p. 22), Böhmen
(BaudyS, 127 p. 45; 128 p. 54), Niederösterreich (Ruschka,
Sammlung Ruschka).
An C. lanceolata L. wurden die Cecidien festgestellt in:
Prov. Brandenburg (Rübsaamen, Sammlung Zool. Mus.
Berlin), Prov. Sachsen (Schlechtendal, Sammlung Zool. Mus.
Berlin), Böhmen (BaudyS, 128 p. 54).
An C. arundinacea L. wurde die (Gralle bisher erst einmal ge-
funden in Böhmen (BaudyS5, 128 p. 54).
15. /sosoma cylindricum n. Sp.
(Isosoma cylindricum v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild. deutsch.
Gefäßpfl., 1890, p. 10.)
(Isosoma cylindricum Houard, Zoocec. Pl. Eur. I, 1908, p. 62.)
(Isosoma cylindricum Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911,
219.)
Be cylindricum BaudyS, Verh. Zool. bot. Ges. 66, 1916, p. 52.)
$. Schwarz, Mandibeln rotbraun, Knie, Distalenden der
vorderen Femora, Vordertibien bis auf die meist dunklere Außen-
seite, die vier Hintertibien distal und Tarsen gelbbraun, Flügel-
geäder blaßgelb, Abdomen häufig mit kastanienbrauner Basis,
Prothorakaiflecke stets fehlend.
Kopf um ein Drittel breiter als hoch, etwas mehr als doppelt
so breit wie lang, fein körnig gerunzelt, Gesicht ein wenig gröber
als Stirn und Scheitel, Clypeargruben angedeutet, Mittelkiel gut
entwickelt, Wangenfurchen kurz. Antennen so lang wie Kopf
und Thorax zusammen, Scapus sehr kurz und dick, in der distalen
Hälfte unterseits fast halbkuglig erweitert, kaum doppelt so lang
als dick, Pedicellus fast kuglig, etwas mehr als halb so dick wie der
Scapus, 1. Annellus nicht erkennbar, in den Pedicellus zurück-
gezogen, 2. fast so dick wie das abgestutzte Distalende des Pedi-
cellus, viermal so dick wie lang, (reißelglieder sehr stark flügelig
erweitert, das 1. Glied 21, mal so lang wie hoch, die folgenden
untereinander gleichgroß, etwa um die Hälfte länger als hoch,
das 5. erheblich niedriger, doppelt so lang wie hoch, das 6. fast
walzenförmig, so lang und etwas dünner als das 5., das letzte
spitzkegelförmig, fast so lang wie das 1., an der Basis fast so dick
wie das 6., Apiculus kaum erkennbar, der äußersten Spitze des
letzten Gliedes kuppelförmig aufsitzend; alle Geißelglieder distal
kurz gestielt, die Stielchen kaum halb so lang wie dick; Bewirte-
lung normal, Wirtelhaare so lang wie die Glieder.
a En e E u u u um ne u an
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 91
Thorax so breit wie hoch, dreimal so lang wie breit, so breit
wie der Kopf, Pronotum etwas mehr als doppelt so breit wie lang,
oft mit einzelnen, unregelmäßig reihig angeordneten, flachen,
glänzenden Grübchenpunkten besetzt, Pro- und Mesonotum im
übrigen wie Stirn und Scheitel regelmäßig feinkörnig punktiert;
Parapsidenfurchen zur
Basis allmählich ver-
flacht, Scutellarfurche
scharf eingeschnitten,
Scutellum sehr schwach
abgesetzt, im Profil kaum
vorgezogen, Metanotum
undeutlich, Propodeum
mit angedeuteter Median-
furche, Neigungswinkel
40 Grad. Bewimperung
der Flügel normal, Be- Antennen von 1. cylindricum n. sp. 32.
haarung im proximalen Vergr. 50 :1.
Drittel der Vorderflügel
fast ganz fehlend, im übrigen normal, Ramus marginalis um
ein Drittel bis die Hälfte länger als der Radius.
Petiolus das Ende der Hintercoxen erreichend, um die Hälfte
länger als dick, an der Basis ventral eingeschnürt, dorsal stark
schuppig aufgebogen. Abdomen so lang wie Kopf und Thorax zu-
sammen, viermal so lang. wie dick, walzenrund, dorsal deutlich
fein punktuliert, lateral nadelrissig, glänzend.
Länge: 2,7--3,6 mm.
Q. Färbung wie beim Männchen, doch ist der Pedicellus distal
rotbraun, der Legebohrer heller oder dunkler braun.
Kopf und Thorax wie beim Männchen, Skulptur etwas gröber,
Flagellum der Antennen etwas länger als der Kopf hoch, Scapus
schlank, nicht erweitert, viermal so lang wie dick, Pedicellus kurz
birnförmig, um ein Viertel länger als dick, 1. Annellus unsichtbar,
9. ein Drittel so dick wie das abgestutzte Distalende des Pedicellus,
dreimal so dick wie lang, 1. Geißelglied kaum doppelt so lang wie
dick, so dick wie der Pedicellus, die folgenden allmählich etwas
dicker werdend, 2. und 3. so lang wie dick, 4. und 5. ein wenig
kürzer als dick, die Keule aus den drei letzten Gliedern so lang wie
die drei vorhergehenden zusammen und fast doppelt so dick wie
das 1. Glied, Flagellum daher im ganzen keulenförmig. Bewirte-
lung sehr schwach, kurz und regelmäßig.
Propodeum stark gewölbt, im hinteren Teil steil abfallend, der
Thorax daher noch nicht dreimal so lang wie breit, Scutellum deut-
licher abgesetzt als beim Männchen; Flügel wie beim Männchen.
Petiolus äußerst kurz, kaum erkennbar; Abdomen so lang
wie Kopf und Thorax zusammen, fast viermal so lang wie dick,
walzenrund mit parallelen Seitenrändern, ventral nicht gekielt
oder komprimiert, zum distalen Ende schwach, aber stets deutlich
11. Heft
992 Dr. H. Hedicke:
erweitert, größte Breite an der Grenze des 4. und 5. Segments,
das ganze Abdomen mit Ausnahme der Basis des 1. Segments
deutlich chagriniert.
Länge: 2,7—3,9 mm.
31 38 und 24 99 aus Gallen an Stipa capillata L. vom Donners-
berg bei Halle a. S. von v. Schlechtendal gezogen, 5 dd, 3 22
von Vimpaes im Leithagebirge (Ungarn) von Ruschka gleichfalls
gezüchtet.
‚ Das relativ große Material dieser durch den eigentümlichen
Bau der männlichen Antennen und des weiblichen Abdomens und
das völlige Fehlen der Prothorakalflecken in beiden Geschlechtern
leicht kenntlichen Spezies gestattet eine eingehendere Darstellung
der Variabilitätsgrenzen; die vorgefundenen Abweichungen seien
für beide Geschlechter getrennt behandelt.
Der Färbung des Abdomens nach läßt sich das vorliegende
Material von Männchen in zwei ziemlich gleichgroße Gruppen
sondern, deren eine völlig schwarzes Abdomen besitzt, während
bei der überwiegenden Mehrzahl der andern die Basis in größerer
oder geringerer Ausdehnung kastanienbraun ist, bei zwei Tieren
dieser Gruppe dehnt sich dieser Ton über das ganze Abdomen
aus. In der Färbung der Antennen weichen nur 3 Exemplare von
der Norm ab, bei einem Stück sind die Antennen gänzlich rotbraun,
bei den beiden anderen ist bei sonst schwarzen Antennen das End-
glied heller braun. Die Beinfärbung ist von einer ungewöhnlichen
Konstanz, nur bei einem einzigen Stück ist eine leichte Bräunung
in der Mitte der Vordertibien festzustellen. Die Flügellänge läßt
gar keine Norm erkennen, trotzdem das Abdomen durchweg die
gleiche relative Länge besitzt; bei 11 Stücken reichen die Flügel
bis zur Spitze des Abdomens, bei 9 Exemplaren noch darüber
hinaus, bei den übrigen wird das Ende des vorletzten Segments
knapp oder völlig erreicht. Die Variabilität der relativen Längen
der (reäderabschnitte ist etwas geringer, das Verhältnis ist im
Durchschnitt 113 -113:1, bei einem Viertel der Tiere ist der Ramus
marginalis mehr als 11,mal so lang wie der Radius und bei
5 Stücken weniger als 143. Bemerkenswert ist, daß die Verkürzung
des Ramus marginalis nicht mit derjenigen des ganzen Flügels
parallel läuft, vielmehr zeigen sehr kurze Flügel vorwiegend nor-
male (reäderverhältnisse, lange dagegen ein abweichendes Ver-
hältnis, wenngleich letzteres nur bei etwa der Hälfte der Tiere
mit abdomenlangem oder längerem Vorderflügel der Fall ist.
Die Skulptur weist keine nennenswerten Abweichungen auf
bis auf die Variabilität im Auftreten der Grübchenpunkte auf dem
Pronotum, die mit Sicherheit nur bei der Hälfte der Stücke nach-
weisbar sind; die Medianfurche des Propodeums ist zuweilen kaum
erkennbar, bei einem Viertel der Tiere deutlicher ausgeprägt, aber
immer sehr flach.
Die Körperlänge schwankt zwischen den Grenzen 2,7 und
3,6 mm mit dem Durchschnitt von 3,15 mm; unter 3 mm lang
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 93
sind 1 Exemplar mit 2,9, 3 mit 2,8 und 1 mit 2,7 mm, über 3,3 m.
messen gleichfalls 5 Stücke, nämlich 4 mit 3,5 und 1 mit 3,6 mm.
Die Veränderlichkeit der Färbung bei den untersuchten
Weibchen bewegt sich in ähnlicher Richtung wie bei den Männchen,
auch hier haben 14 Stücke ein schwarzes Abdomen, 13 kastanien-
braune Basis, von letzteren besitzen 6 ein dunkelbraunes Antennen-
glied. Die distale Braunfärbung des Pedicellus schwindet nur bei
2 Stücken völlig. Auch bei den Weibchen ist die Beinfärbung fast
unveränderlich, nur 1 Tier besitzt vollkommen verdunkelte Vorder-
schienen. Dagegen ist die Färbung des Legebohrers, soweit er
sichtbar ist, sehr schwankend; während er bei 19 Exemplaren
rotbraun ist, haben 2 Stücke ganz hellgelbbraunen Bohrer, bei
6 anderen ist er fast schwarz; ein Exemplar von letzteren hat auch
schwarze Mandibeln. Bemerkenswert ist, daß bei 3 Tieren Spuren
einer Rotbraunfärbung der Vorderecken des Pronotums nachweis-
bar sind, bleiche Prothorakalflecke fehlen aber stets.
Die Flügellänge zeigt die gleichen starken Schwankungen
wie bei den Männchen, bei 14 Exemplaren erreichen die Vorder-
flügel das Ende des vorletzten Segments, bei 10 das Ende des
Abdomens, 2 Exemplare haben noch längere Flügel und bei 1
wird das Ende des vorletzten Segments nicht erreicht. Das Längen-
verhältnis von Ramus marginalis und Radius bewegt sich ebenfalls
zwischen relativ engen Grenzen und beträgt 113 — 1?/3:1. Die Körper-
länge bewegt sich zwischen den Grenzwerten 2,7 und 3,9 mm mit
einem Durchschnitt von 3,54 mm; unter 3,5 mm lang sind je 1 Stück
mit 3,4, 3,2 und 2,7 mm, über 3,7 messen gleichfalls 3 Tiere mit 3,8
und 3,9 mm. Skulpturelle Abweichungen sind nicht festzustellen.
Die Larven dieser vom Gattungstypus auffallend entfernten
Spezies bewohnen, gleichfalls von der gewöhnlichen Art der Lebens-
weise abgehend, die Blütenstände der in Deutschland nur auf
sonnigen Hügeln in diskentinuierlicher Verbreitung auftretenden
Stipa capillata L. und erzeugen spindelförmige Fruchtgallen: die
Blütenteile verwachsen mit den Spelzen zu einem langgestreckten
(Gebilde, das in die mehr oder weniger verbreiterte, gerade, oft
auch geschlängelte Granne ausläuft; sind alle Ährchen in dieser
Weise deformiert, so bleibt die Rispe geschlossen. Nach dem im
Juni erfolgenden Ausschlüpfen der Imagines bleiben die Gallen
mit dem Halın fest verbunden und verholzen am Grunde.
Die Spezies ist entsprechend der Seltenheit ihres Substrates
bisher in Mitteleuropa nur vereinzelt angetroffen worden, dürfte
aber wie /. aciculatum, das an der gleichen Pflanze lebt, in Südost-
europa weit verbreitet sein. Die Gallen wurden bisher an folgenden
Punkten beobachtet:
Prov. Brandenburg, Kernberge bei Kl.-Ziethen (Schumacher,
Sammlung Zool. Mus. Berlin), Prov. Sachsen, Donnersberg bei
Halle a. S. (v. Schlechtendal, Sammlung Zool. Mus. Berlin),
Böhmen, Umgebung von Prag (BaudysS, 128 p. 52), Ungarn,
Vimpacs im Leithagebirge (Sammlung Ruschka).
11. Heft
94 Dr. H. Hedicke:
16. [sosoma giraudin. Sp.
(/sosoma giraudi v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild. deutsch.
Gefäßpfl., 1890, p. 8.)
(Isosoma giraudi Houard, Zooceec. Fl. Eur. I, 1908,.p. 78.)
(Isosoma eiraudi Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 145.)
(/sosoma eiraudi Baudys, Casopis Spol. Ent. 13, 1916, Pr)
d. Schwarz, Prothorakalflecke, Flügelgeäder und Beine mit
Ausnahme der Coxen und Trochanteren gelbbraun, Femora in der
proximalen Hälfte, die hinteren in größerer Ausdehnung, dunkel-
braun.
Kopf etwas breiter als hoch, wenig mehr als doppelt so breit
wie lang, kräftig, aber fein gerunzelt, Stirn und Scheitel etwas
schwächer skulptiertt als das Gesicht, Mittelkiel angedeutet,
Ulypeargruben fehlend, Wangenfurchen bis zur Mitte der Wangen
reichend. Antennen wenig kürzer als Kopf und Thorax zusammen,
Scapus stark komprimiert, ventral wenig erweitert, viermal so
lang wie dick, Pedicellus kegelförmig, um die Hälfte länger als
dick, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende des Pedicellus,
"kaum halb so lang wie dick, 2. so lang wie der 1., so dick wie die
Basis des 1. (reißelgliedes, der er dicht angelegt ist, Geißelglieder
untereinander fast gleichdick, etwas weniger dick als der Pedi-
cellus, allmählich an Länge abnehmend, das 1. Glied länger als
der Scapus, viermal so lang wie dick, das 6. doppelt so lang wie
dick, das 7. wenig länger als das 6., Apiculus sehr klein, spitz-
kegelförmig; Bewirtelung auf allen Gliedern unregelmäßig, die
Haare halb so lang wie das 7. Glied, auch Scapus und Pedicellus
mit einzelnen Haaren besetzt.
Thorax sehr schlank, etwas höher als breit, viermal so lang
wie breit, Pronotum fast dreimal so breit wie lang, über den ganzen
Hinterrand fast halb-
kreisförmig ausgeran-
det, Collare deutlich
abgesetzt, Scutumsehr
schwach gewölbt,
kaumdie gedachteVer-
längerung der Prono-
talseiten überragend,
Parapsidenfurchen
Fig.20. schärfer und tiefer
Antennen von T. giraudi n. sp. 5%. Vergr, 60:1. eingeschnitten als die
Scutellarfurche, Scu-
tellum und das ziemlich breite Metanotum scharf abgesetzt, hinten
deutlich erhaben gerandet, Propodeum mäßig gewölbt, schwach ge-
neigt, Neigungswinkel 30 Grad, Medianfurche undeutlich. Flügel
das Abdomen weit überragend, Behaarung und Bewimperung
normal, vom (reäder bis über die Mitte des Flügels abwärts ein
großer, langgestreckter, undeutlich begrenzter, hellgelber Fleck;
Ramus marginalis fast doppelt so lang wie der Radius.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 95
Petiolus wenig länger als dick, zur Basis wenig erweitert und
kaum aufgebogen, das Ende der Hintercoxen noch nicht erreichend.
Abdomen fast so lang wie der Thorax, viel breiter als hoch, 2 4, mal
so lang wie breit, im Querschnitt liegend elliptisch, sehr fein chagri-
niert, glänzend.
Länge: 2,6 mm.
2. Färbung und Skulptur von Kopf und Thorax wie beim
Männchen, Gesicht mit deutlichem Mittelkiel. Antennen etwas
länger als der Kopf breit, Scapus nicht komprimiert, walzenrund,
fünfmal so lang wie dick, distal allmählich verengt, Pedicellus
doppelt so lang wie dick, so dick wie der Scapus, Annelli wie beim
Männchen, 1. Geißelglied halb so dick wie der Pedicellus, dreimal
so lang wie dick, 2. -5. untereinander fast gleichgroß, etwas mehr
als halb so lang wie das 1., die Keule aus den drei letzten Gliedern
so dick wie der Pedicellus, etwas länger als das 1. (Glied; diese
auffallend kurz behaart, die übrigen Glieder bewirtelt wie beim
Männchen.
Thorax so breit wie hoch, 21, mal so lang wie breit, Fronotum
wie beim Männchen, doch hinten weniger tief ausgerandet, Scutum
etwas stärker gewölbt, Scutellum und Metanotum weniger scharf
abgesetzt als beim Männchen, Propodeum stark gewölbt, Neigungs-
winkel 45 Grad, Medianfurche deutlich. Flügel die Spitze des
Abdomens nicht ‘erreichend, sonst wie beim Männchen.
Petiolus sehr klein, kaum erkennbar; Abdomen um die Hälfte
länger als Kopf und Thorax zusammen, sehr schlank, mit fast
parallelen Seitenrändern, erst vom 6. Segment ab zum Ende zu-
gespitzt, im Profil spitz kegelförmig, stark glänzend, dorsal mikro-
skopisch fein chagriniert, lateral ebenso nadelrissig.
Länge: 3 —4,4 mm.
2 39, 49 99, aus den Gallen an Festuca gigantea Vill. von
Passendorf bei Halle a. S. (v. Schlechtendal) gezüchtet.
Diese durch die Gestalt des Thorax und des Abdomens aus-
gezeichnete Spezies zeigt trotz des relativ großen Materiales nur
geringe Veränderlichkeit. Die Färbung variiert am stärksten bei
den Prothorakalflecken, wo sie sich in allen Übergängen von ganz
blaßgelben bis dunkel rotbraunen Tönen findet. Zum völligen
Verschwinden der Flecke kommt es jedoch in keinem Falle; die
Beinfärbung ist bis auf eine bei fast der Hälfte der Stücke auf-
tretende Dunkelfärbung der hintersten Tibien konstant. Oft
nimmt das Abdomen an der Basis einen pechbraunen Ton an, der
bei 8 Exemplaren zu mehr oder weniger ausgedehntem, aber nie
über die Basis des 2. Segmentes reichendem Kastanienbraun wird.
Das Verhältnis der Längen von Ramus marginalis und Radius
bewegt sich bei den Weibchen zwischen den Grenzwerten 1", bis
1?/3:1. Die Flügellänge ist noch geringeren Schwankungen unter-
worfen, die Vorderflügel reichen mindestens bis zum Ende des vor-
letzten und höchstens bis zum Ende des letzten Segmentes, die
Spitze des Legebohrers wird bei keinem Exemplar erreicht. Um
11. Heft
96 Dr. H. Hedicke:
so veränderlicher ist die Körpergröße der Weibchen, die sich zwi-
Sure den Extremen 3 und 4,4 mm bewegt bei einem Durchschnitt
von 3,73 mm. Über 3,9 mm sind 13 Stücke lang, davon 9 mit 4 mm,
1 a 4,1, 2 mit 4,3 und 1 mit 4,4 mm; weniger als 3,5 mm messen
7 Stücke, davon 2 mit 3,4 mm, je 1 nit 3,3 und 3,2 mm und 3
mit 3 mm. Die relative Länge des Abdomens ist kaum veränder-
lich, wohl aber die Breite, so daß das Verhältnis von Länge zu
Breite sich zwischen den Grenzen 58:1 bewegt; bei Tieren mit
sehr schmalem Abdomen sieht dieses fast komprimiert aus und ist
dann die Höhe des Abdomens fast dreimal so groß wie die Breite.
Skulpturelle Abweichungen sind selten; bei einigen wenigen
Stücken macht sich die bei vielen Arten auftretende Tendenz zur
Verfeinerung der Skulptur in der Umgebung der Grenze von Pro-
und Mesonotum bemerkbar, bei 3 Exemplaren ist der an diese
Naht grenzende Randteil des Präscutums fast glatt und daher
stärker glänzend als der übrige Thorax.
Die Larven leben in schwachen, spindelförmigen Anschwel-
lungen der Sproßachse von Festuca gigantea Vill., die meist unter
einer Blattscheide verborgen sind und an verschiedenen Inter-
nodien auftreten. Es liegen meist mehrere getrennte Larven-
kammern übereinander. Die Imago erscheint nach der Über-
winterung im Larvenstadium im Mai und Juni. Die Gallen sind
bisher nur bei Halle a. S. (v. Schlechtendal: Sammlung Zool.
Mus. Berlin) und bei Berlin (v. Schlechtendal, Sammlung Zool.
Mus. Berlin), neuerdings auch in Böhmen (BaudyS, 126 p. 2) fest-
gestellt worden, dürften aber weiter verbreitet sein und sich auch
an anderen Festuca-Arten finden.
17. Isosoma hieronymin. Sp.
Isosoma sp. Hieronymus, Erghft. 68. Jahresb. Schles. Ges. vaterl.
Galt.,1890;P.7391:
(Isosoma hieronymi v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild. deutsch.
Gefäßpfl., 1890, p. 8.)
(Isosoma hieronymi Mac & Chateau, Mem. soc. hist. nat.
Autun 18, 1905, p. 317.)
(Isosoma hieronymi Houard, Zoocec. Pl. Eur. I, 1908, p. 79.)
(Isosoma hieronymi Dittrich u. Schmidt, 87. Jahresb. Schles. Ges.
vaterl. Cult., 1910, p. 84.)
(Isosoma hieronymi Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 145.)
(Isosoma hieronymi Houard, Zoocec. Pl. Eur. III, 1913, p. 1274.)
(Isosoma hieronymi Schmidt, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 9, 1913, p. 154.)
Isosoma sp. Schmidt, Soc. ent. 28, 1913, p. 67.
d. Schwarz, Mandibeln, Knie, Spitzen der Tibien, die ersten
vier Tarsenglieder, Flügelgeäder und die sehr kleinen Prothorakal-
flecke braun.
Kopf um mehr als die Hälfte breiter als hoch, reichlich dreimal
so breit wie lang, Augen fast halbkuglig, stark vorgequollen,
Mittelkiel angedeutet, Clypeargruben langgestreckt und flach,
Wangenfurchen sehr fein, fast die Mandibelbasis erreichend;
a nn 2 la alnı ns u 2.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 97
Skulptur im Gesicht fein querrunzlig, auf Stirn und Scheitel un-
regelmäßig dicht und fein gerunzelt, Gesicht schwach glänzend,
der übrige Kopf matt. Antennen von zwei Drittel Thoraxlänge,
Scapus mäßig komprimiert, ventral an der Basis stark, fast lappig
erweitert, distal plötzlich verengt, wenig mehr als doppelt so lang
wie dick, Pedicellus kurz birnförmig, kaum länger als dick, etwas
mehr als halb so dick wie der Scapus, 1. Annellus ?/, so dick wie
das Distalende des Pedicellus, fünfmal so dick wie lang, 2. Annellus
etwas dicker als der 1., dreimal so dick wie lang, an die Basis des
1. Geißelgliedes anschließend; Flagellum stark geflügelt, alle Glieder
kurz gestielt, 1. Glied dreimal so lang wie dick, so dick wie der
Scapus, 2.6. Glied an Länge und Dicke allmählich etwas ab-
nehmend, doppelt so lang wie dick, 7. Glied vom 6. durch ein
Stielchen getrennt, spitz eiförmig, so lang wie das 2., so dick wie
das 6. Glied, Apiculus so lang wie die beiden Annelli, doppelt so
lang wie dick, griffelförmig.
Thorax etwas schmäler als der Kopf, dreimal so lang wie dick,
Pronotum doppelt so breit wie lang, Collare undeutlich abgesetzt,
Parapsidenfurchen scharf eingeschnitten, auf die Axillen mündend,
ihr Abstand an den Mündungen größer als ein Drittel der Thorax-
breite, Axillarfurchen nicht vom Scutellum unterbrochen, Scu-
tellarfurche die Axillarfurchen nur tangierend; Scutum mäßig
gewölbt, Scutellum schwach abgesetzt, im Profil als sehr feines
Spitzchen über das ziemlich breite, nicht abgesetzte Metanotum
Fig. 21.
Antennen von I. hieronymi n. sp. SQ. Vergr. 50:1.
hervorragend; Propodeum mäßig gewölbt, Neigungswinkel 40 Grad,
Medianfurche flach, an den Enden undeutlich. Skulptur von Pro-
und Mesonotum dicht feinrunzlig wie Stirn und Scheitel, Collare
fast glatt, Propodeum sehr schwach gerunzelt mit fast glatten
Zwischenräumen. Der ganze Thorax dorsal dicht und fein weißlich
behaart, Femora unterseits mit langen, weißen Wimperhaaren be-
setzt. Flügel auf der ganzen Fläche äußerst fein behaart und am
Rande sehr kurz bewimpert, Adern dick, Ramus marginalis um
die Hälfte länger als der Radius.
Archiv a en 7... 41. Hett
98 Dr. H. Hedicke:
Petiolus wenig länger als dick, bis zum Ende der Hintercoxen
reichend und fast so dick wie diese, grobrunzlig. Abdomen wenig
mehr als halb so lang und dick wie der Thorax, dorsal schwach de-
primiert, glatt und glänzend, Seitenränder fast parallel.
Länge: 3 mm.
@. Färbung wie beim Männchen, ebenso der Bau des Kopfes.
Antennen von zwei Drittel Thoraxlänge, Scapus walzenförmig,
fünfmal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um V, länger als
dick, etwas dicker als der Scapus, 1. Annellus kaum halb so dick
als das Distalende des Pedicellus, viermal so dick wie lang, 2. etwas
dicker als der 1., doppelt so dick wie lang, an die Basis des 1. Geißel-
gliedes anschließend, Flagellum langgestreckt keulenförmig, 1. Glied
doppelt so lang wie dick, so dick wie der Pedicellus, 2.--5. Glied
untereinander gleichgroß, so lang wie dick, etwas dicker als das 1.,
die Keule aus den drei letzten Gliedern so lang wie die drei vorher-
gehenden zusammen, an der Basis so dick wie diese, zum Ende
allmählich verengert. Bewirtelung sparsam, Haare so lang wie die
mittleren Glieder.
Thorax wie beim Männchen mit folgenden Abweichungen:
Seiten des Pronotums stark bogig gewölbt, Skulptur von Pro- und
Mesonotum etwas gröber mit flachen Grübchenpunkten, Behaarung
des Thoraxrückens und der Femora kürzer und dünner, Median-
furche des Propodeums angedeutet. Flügel das Abdomen weit
überragend, sonst wie beim Männchen.
Petiolus sehr kurz, schuppenförmig; Abdomen kurz eiförmig,
wenig mehr als doppelt so lang wie breit, so breit wie der Thorax,
glatt und glänzend.
Lange: 2,85 31 mm,
2 33,3 29, aus schlesischen Gallen an Festuca glauca Schrad.
von v. Schlechtendal gezüchtet.
Die Spezies ist durch die Form des Kopfes und die Skulptur
des Thorax von allen übrigen Vertretern der Gattung ausgezeichnet
und sehr leicht kenntlich. Von den beiden vorliegenden Männchen
besitzt das eine pechbraune Mandibeln und die vorderen Tarsen
sind dunkler braun als die übrigen; von den drei Weibchen sind
bei einem Exemplar die Spitzen der vorderen Femora ausgedehnter
gelbbraun, bei einem andern sind die Tibien vollständig schwarz
und die Knie nur in sehr geringer Ausdehnung hell gefärbt. Skulp-
turelle Abweichungen liegen nicht vor.
Die Larven bewohnen länglich spindelförmige, bis 10 mm
lange und 5 mm dicke, harte, in der Reife gelbliche Anschwellungen
der Sproßachse von Festuca glauca Schrad. über dem 2. oder
3. Knoten. Die Larven leben einzeln in den Gallen, nur ausnahms-
weise scheinen mehrere Larvenkammern nebeneinander vorzu-
kommen und wird die Galle dann fast kuglig. Als Substrat sind
ferner Festuca ovina L. und sciuroides Rth. bekannt geworden.
Die Spezies ist weit verbreitet. An Festuca glauca Schrad. wurde
sie bisher in folgenden Gebieten beobachtet:
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Ilsosominen 99
Prov. Brandenburg (v. Schlechtendal, Sammlung Zool.
Mus. Berlin), Schlesien (Hieronymus, 64 p. 191; Hellwig, 82
p. 19; Dittrich u. Schmidt, 106 p. 84; 116 p. 103; Schmidt,
118, p. 67; 119 p. 154), Mittelfrankreich (Marchal & Chateau,
a Pp817):
An Festuca ovina L.:
Prov. Brandenburg (Jaap, 132 p. 7), Schlesien (Hellwig,
82 p. 19; Dittrich u. Schmidt, 106 p. 84; Schmidt 119 p. 154);
Böhmen (BaudyS, 126 p. 2), Schottland (Trail, 55 p. 49; 61
3: 16).
An Festuca sciuroides Rth.:
Sellesen“lHiellwrg, 82 p: 19;-Dittrich u. Schmidt, 106
p- 84; Schmidt, 119 p.. 154).
Ganz gleichartige Cecidien an Festuca rubra L. befinden sich
im Herbarium Rübsaamen (Sammlung Zool. Mus. Berlin), offen-
bar von derselben Spezies verursacht. Sie wurden von Hellwig
bei Grünberg in Schlesien gesammelt. Vom gleichen Orte be-
schreiben Dittrich u. Schmidt ein Cecidium an Festuca glauca
Schrad. als neu, das zweifellos gleichfalls von /. hieronymi erzeugt
wird, die Galle unterscheidet sich von der gewöhnlichen Form nur
durch ihre größere Länge.
18. Isosoma persicum n. Sp.
d. Schwarz, Mandibeln. Annelli, distales Drittel der vorderen
Femora, Knie, die ganzen Vordertibien, Distalende der vier hin-
teren Tibien, Tarsen, Prothorakalflecke, Tegulae und Flügel-
geäder braun. -
Kopf fast um die Hälfte länger als hoch, doppelt so breit wie
lang, sehr fein chagriniert, Stirn und Scheitel fast glatt, glänzend,
Mittelkiel fehlend, Clypeargruben groß und flach, Wangenfurchen
angedeutet. Antennen so lang wie der Thorax, Scapus ventral
mäßig stark erweitert, dreimal so lang wie dick, Pedicellus um die
Hälfte länger als dick, kegelförmig, wenig mehr als halb so dick
wie der Scapus, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende des
Pedicellus, halb so lang wie dick, 2. Annellus so lang und etwas
dicker als der erste, weniger dick als die Basis des 1. Geißelgliedes.
Flagellum nicht geflügelt, die ersten drei Glieder nur dorsal an
beiden Enden etwas stärker eingeschnürt als ventral, 1. Glied
etwas mehr als doppelt so lang wie dick, so dick wie der Pedicellus,
2... 5. Glied allmählich an Länge und Dicke ein wenig abnehmend,
5. Glied doppelt so lang wie dick, 6. und 7. mit breiter Fläche
verwachsen, fast so dick wie das 5. und nicht ganz so lang wie das
4. und 5. Glied zusammen, Apiculus kurz kegelförmig, kürzer als
breit. Bewirtelung der beiden ersten Geißelgieder unregelmäßig,
der übrigen regelmäßig zweiwirtelig, auch der Apiculus am Ende
äußerst fein bewirtelt.
Thorax etwas schmäler als der Kopf, 21,mal so lang wie
breit, Pronotum dreimal so breit wie lang, Collare undeutlich ab-
gesetzt, Scutum schwach gewölbt, Parapsiden- und Scutellarfurche
Te 11. Heft
100 Dr. H. Hedicke:
sehr scharf und tief eingeschnitten, Scutellum und Metanotum
deutlich abgesetzt und vorragend, Propodeum stark gewölbt,
Neigungswinkel 50 Grad, Medianfurche undeutlich. Skulptur von
Pro- und Mesonotum sehr fein runzlig chagriniert. Flügel mit
normaler Behaarung, am Rande sehr lang bewimpert, Ramus
marginalis kaum länger als der Radius.
Fig. 22.
Antenne von I. persicum n. sp. d. Vergr. 90:1.
Petiolus sehr kurz, halb so lang wie dick, nur bis zur Mitte
der Hintercoxen reichend, runzlig, vorn kaum merklich aufgebogen.
Abdomen schmäler als der Thorax, wenig mehr als halb so lang
wie dieser, kaum doppelt so lang wie breit, kurz eiförmig, dorsal
deprimiert, glatt und glänzend.
Länge: 1,6 mm.
1 g von v. Schlechtendal aus einer Galle an Agropyrum
tauricum Boiss. u. Bal. geschnitten, die mit anderen Exemplaren
von Haussknecht am Nehawend in Persien in 2000 m Höhe
gesammelt wurde.
Das Cecidium stellt eine unregelmäßig kuglig, wulstige, harte
Anschwellung der Sproßachse dar, ist bis 15 mm dick und enthält
mehrere Larvenkammern.
Die Spezies ist durch äußerst feine Skulptur und ungewöhnliche
Kürze des Petiolus ausgezeichnet. Ein zweites, ebenfalls aus den
Gallen geschnittenes Exemplar ging durch einen unglücklichen
Zufall zugrunde, unterschied sich aber in nichts von dem oben
beschriebenen. Die Galle ist seither nirgends wieder aufgefunden
worden.
19. Isosoma phleicola.n. Sp.
Isosoma sp. Dittrich u. Schmidt, 91. Jahresb. Schles. Ges. vaterl.
Galt# 1913, 5P:2100:
Isosoma sp. Schmidt, Soc. ent. 28, 1913, p. 69 —70.
Isosoma sp. Schmidt, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 9, 1913, p. 159.
Isosoma sp. BaudvS, Verh. zool.-bot. Ges. 66, 1916, p. 59.
d. Schwarz, Mandibeln, Beine und Flügelgeäder rotbraun,
Knie und Vorderseite der vorderen Tibien gelbbraun, die sehr
kleinen Prothorakalflecke blaßgelblich.
Der ganze Körper dünn und ziemlich lang behaart, das Ab-
domen nur an den hinteren Segmenträndern bewimpert. Die
Thorakalbehaarung auf der hinteren Hälfte des Scutellums und in
den Seitenwinkeln des Propodeums am längsten, fast büschelig.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 101
Kopf so breit wie hoch, mehr als doppelt so breit wie lang,
fein runzlig punktiert, Gesicht etwas gröber als Stirn und Scheitel,
Mittelkiel in zwei getrennte Beulen aufgelöst, eine quergestellte
dicht unter der Fühlerbasis und eine längliche zwischen dieser und ,
dem Mundrande, Clypeargruben fehlend, Wangenfurchen sehr
kurz. Antennen etwas mehr als halb so lang wie Köpf und Thorax
zusammen, Scapus leicht winklig gebogen, in der proximalen
Hälfte nach unten stark beulig erweitert, wenig mehr als doppelt
so lang wie dick, Pedicellus fast kuglig, kaum länger als dick,
Annelli an Größe wenig verschieden, der 2. etwas dicker als der 1.,
dreimal so dick wie lang, nur von zwei Drittel der Dicke der Basis
des 1. Geißelgliedes; Flagellum stark geflügelt, die Wirtelhaare auf
kleinen, halbkugligen Papillen aufsitzend, die Flügelfortsätze daher
mitten schwach eingesattelt, 1. Glied dreimal so lang wie dick,
die folgenden allmählich an Dicke abnehmend, an Länge dem 2.
gleich, das wenig mehr als doppelt so lang ist wie dick, alle Glieder
distal kurz gestielt, Apiculus griffelförmig, so lang wie die beiden
Annelli, drei- bis viermal so lang wie dick. Bewirtelung sehr kräftig,
Haare von zwei Dritteln der Länge der Glieder, 1. und letztes
Glied unregelmäßig bewirtelt, die übrigen mehr oder weniger deut-
lich zweiwirtelig.
Thorax kaum schmäler als der Kopf, viermal so lang wie
breit, Pronotum dreimal so breit wie lang, Seitenränder nach
hinten stark konvergierend, der Thorax erscheint daher zwischen
Pro- und Mesonotum eingeschnürt, Collare undeutlich abgesetzt,
Parapsidenfurchen an der Basis fast verschwindend, nach vorn
stärker vertieft, Scutum stark gewölbt, Scutellum nicht abgesetzt,
im Profil nicht über
das Metanotum vor-
ragend, Propodeum
sehr wenig geneigt,
Neigungswinkel kaume
30 Grad, stark quer-
runzlig skulptiert, Me-
dianfurche schmai,
aber scharf und tief ee
eingeschnitten, wa Antennen von I n phleicola n. sp. SP.
von zwei kurzen Sei- Vergr. 50:1.
tenkielchen begrenzt.
Pro- und Mesonotum sehr fein und dicht körnigrunzlig; Flügel das
Abdomen um seine Länge überragend, Behaarung und Bewim-
perung normal, Ramus marginalis sehr dick, fast doppelt so lang
wie der Radius.
Petiolus fast doppelt so lang wie dick, vorn kurz schuppig
aufgebogen, undeutlich gerunzelt und längsgekielt. Abdomen halb so
lang wie Kopf und Thoraxzusammen, fast zylindrisch, etwas breiter
als hoch, ventral leicht abgeflacht, mikroskopisch fein chagriniert, die
letzten Segmente mit einigen fenen eingestreuten Punkten, glänzend.
11. Heft
102 Dr. H. Hedicke:
Länge: 2,6--2,8 mm.
?. Schwarz, “Mandibeln und F lagellum pechbraun, Distal-
hälfte des Pedicellus, Annelli, Knie, Vordertibien, Tarsen, Flügel-
geäder und Legebohrer gelbbraun, Hintertibien dunkelbraun.
Prothorakalflecke blaßgelblich.
Skulptur von Kopf und Thorax wie beim Männchen, nur
etwas gröber, Behaarung etwas länger. Kopf etwas breiter als
hoch, Clvpeargruben angedeutet, sonst wie beim Männchen. An-
tennen um die Hälfte länger als die Breite des Kopfes, Scapus
deutlich gebogen, nicht erweitert, fünfmal so lang wie dick, Pedi-
cellus kuglig, um die Hälfte dicker als der Scapus, 1. Annellus
hakb so dick wie das Distalende des Pedicellus, äußerst kurz,
2. wenig dicker als der 1., halb so lang wie dick, an die Basis des
1. Geißelgliedes anschließend, dieses fast doppelt so lang wie dick,
proximal etwas verengt, die folgenden an Länge und Dicke all-
mählich abnehmend, die beiden letzten etwas enger verbunden,
doch keine eigentliche Keule bildend, nicht dicker als die vorher-
gehenden Glieder, das vorletzte kaum um die Hälfte länger als
dick, das letzte fast doppelt so lang wie dick, deutlich dünner als
das vorletzte; alle Glieder kurz bewirtelt, doch ohne Papillen an
der Basis der Haare.
Thorax so breit wie der Kopf, 21, mal so lang wie breit, Pro-
podeum etwas stärker geneigt als beim Männchen, nicht quer-
streifig, ohne Seitenkielchen an der Basis der Medianfurche, sonst
wie beim Männchen; Flügel das Abdomen kaum überragend.
Petiolus nicht sichtbar; Abdomen so lang wie Kopf und Thorax
zusammen, eiförmig, doppelt so lang wie breit, glatt, glänzend,
die letzten Segmente mit zerstreuten sehr feinen Punkten besetzt.
Länge: 9,5 mm.
383,5 29, von H. Schmidt aus Gallen an Phleum böhmeri
Wib. von Grünberg in Schlesien gezüchtet.
Diese durch den von der Regel abweichenden Bau der An-
tennen, die lange Thorakalbehaarung und den Bau des Thorax
ausgezeichnete Spezies erzeugt an Phleum böhmeri Wib. spindel-
förmige, selten aus der Blattscheide heraustretende Anschwellungen
im unteren Teil der Sproßachse, selten auch in einem - oberen
Internodien.
Die Gallen wurden bisher nur bei Grünberg in Schlesien
(Schmidt, 118 p. 69—70; 119 p. 153; Dittrich u. Schmidt,
116 p. 100), neuerdings auch von BaudyS (128 p. 53) bei Niesburg
in Böhmen festgestellt. Da das Substrat in Mitteleuropa nur
sporadisch auftritt, so scheint auch die Wespe nur in Südeuropa
häufiger zu sein, wo ihr Substrat große Flächen im Steppengebiet
Ungarns und Südrußlands bedeckt. Die schwer aufzufindende
Galle dürfte hier nur iibersehen sein.
20. Isosoma poicola n. Sp. Fi
(Isosoma poae v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild. deutsch.
(refäßpfl., 1890, p. 9.)
EEE ut a an
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 103
Isosoma sp. Kieffer, Feuille j. Nat. 21, 1891, p. 231.
(Isosoma poae Darboux & Houard, Cat. Zoocec. eur., 1901, p.
(/sosoma poae Corti, Att. Soc. Ital. Sc. nat. 41, 1902, p. 23
(Isosoma poae Houard, Zoocec. Pl. Eur, I, 1908, p. 77.)
(Isosoma poae Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 201.)
d. Schwarz. Mandibeln, Distalende des Pedicellus, Annelli,
Flagellum, Knie, Distalende der vorderen Femora, Vordertibien,
Tarsen, Tegulae und Flügelgeäder rotbraun.
Kopf etwas breiter als hoch, 21,mal so breit wie lang, sehr
fein gerunzelt, schwach glänzend, Mittelkiel breit und flach,
Ulypeargruben angedeutet, Wangenfurchen bis zur Mitte der
Wangen reichend. Antennen fast so lang wie Kopf und Thorax
zusammen, Scapus ventral mäßig erweitert, dreimal so lang wie
dick, Pedicellus birnförmig, um V, länger als dick, ?/, so dick wie
der Scapus, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende des Pedi-
cellus, viermal so dick wie lang, 2. etwas länger und dicker als der
1., an die Basis des 1. Geißelgliedes anschließend; Flagellum dorso-
ventral komprimiert, Glieder um die Hälfte breiter als hoch,
1. Glied 21,mal so lang wie breit, 2. Glied fast doppelt so lang
wie breit, so breit wie das 1., die folgenden allmählich schmäler
und kürzer werdend, 2. und 7. Glied mitten leicht aufgebogen,
unterseits entsprechend bogig ausgerandet, Apiculus kurz, doppelt
so lang wie dick, Bewirtelung unregelmäßig, Haare kürzer als die
Glieder.
Thorax schlank, schmäler als der Kopf, 31» mal'so lang wie
breit, Pronotum doppelt so breit wie lang, Collare scharf abgesetzt,
Prothorakalflecke fehlend, Scutum sehr schwach gewölbt, Scutellar-
furche viel breiter und tiefer eingeschnitten als die mäßig scharfen
Parapsidenfurchen, Scutellum und Metanotum deutlich abgesetzt,
kurz vorgezogen, Propodeum fast flach, mäßig geneigt, Neigungs-
winkel 40 Grad, Medianfurche nicht entwickelt; Pro- und Meso-
notum sehr fein runzlig mit undeutlichen Grübchenpunkten.
Flügel mit normaler Bewimperung und Behaarung, Ramus margi-
nalis sehr dick, doppelt so lang wie der Radius.
Petiolus doppelt solang
wie dick, stark gerunzelt,
das Ende der Hintercoxen
erreichend. Abdomen kurz
eiförmig, etwas schmäler als
der Thorax, doppelt so lang Fig. 24.
wie breit, glatt und glänzend. Antenne von T. poicola n.sp.2. Vergr. 70 :1,
Länge: 2 mm. 5
Q. Färbung wie beim Männchen, doch sind die Vordertibien
mitten schwarz, Prothorakalflecke vorhanden, rotbraun.
Der ganze Körper mit Ausnahme der ersten 5 Abdominal-
segmente stark und dicht weißlichgrau bewimpert. Kopf wie beim
Männchen, stärker runzlig punktiert. Antennen von *?/, Thorax-
länge, Scapus walzenförmig, distal schwach verengt, viermal so
256.)
7.)
ICE
104 | Dr. H. Hedicke:
lang wie dick, Pedicellus abgestutzt kegelförnig, um 1, länger als
dick, so dick wie der Scapus, 1. Annellus 1, so dick wie SE Distal-
ende des Pedicellus, dreimal so dick wie a 2. etwas dicker und
um die Hälfte länger als der 1., schmäler als die Basis des 1. Geißel-
gliedes, diese fast doppelt so lang wie dick, wenig dicker als der
Scapus, 2.—-4. gleichgroß, so dick wie das 1., um W, länger als
dick, 5. kaum länger als dick, kaum dünner als das A die Keule
aus Men drei letzten Gliedern nicht ganz so lang wie das 3.5.
zusammen, Bewirtelung unregelmäßig zerstreut, Haare so lang
wie die Glieder dick.
Thorax fast so breit wie der Kopf, dreimal so lang wie breit,
Pronotum 21, mal so breit wie lang, Scutum stärker gewölbt als
beim Männchen, Parapsidenfurchen und Scutellarfurche mäßig
tief, Scutellum undeutlich abgesetzt, nicht vorgezogen, Median-
furche des Propodeums seicht, Skulptur von Pro- und Mesonotum
ein wenig gröber als beim Männchen, mit deutlichen, sehr feinen
Grübehenpunkten, Thorax im übrigen wie beim Männchen, ebenso
die Flügel, Ramus marginalis etwas dünner, um die Hälfte länger
als der Radius.
Petiolus kurz, schuppenförmig, deutlich sichtbar, Abdomen
kurz eiförmig, deutlich breiter als der Thorax, doppelt so lang wie
breit, dorsal sehr stark, fast kuglig, gewölbt, glatt, glänzend.
2,8. 9 mm.
3 22 (4 weitere 29 sind ohne Abdomen), von v. Schlech-
er aus Gallen an Poa nemoralis L. aus der Umgebung von
Zwickau gezogen.
Diese durch die Kompression der Antennen der Männchen und
die Form des Abdomens im weiblichen Geschlecht ausgezeichnete
Spezies erzeugt an dem genannten Substrat bis 5 mm lange,
spindelförmige, harte, hellgrüne, längsgeriefte Anschwellungen
der Sproßachse. Bei dem geringen vorliegenden Material lassen
sich Abweichungen nur in geringem Umfange feststellen; von den
Weibchen hat eines ein ganz schwarzes Flagellum, bei zweien ist
nur die distale Hälfte des Flagellums rotbraun. Bei zwei Tieren
ist der Ramus marginalis nur um ein Viertel länger als der Radius.
Ob die Prothorakalflecke beim Männchen immer fehlen, ist zweifel-
haft und kann erst durch Untersuchung weiteren Materials end-
gültig entschieden werden.
Die Art ist in Mitteleuropa verbreitet und auch in Südeuropa
nachgewiesen. Die Gallen wurden bisher in folgenden Gebieten
aufgefunden: |
Prov. Sachsen (v. Schlechtendal, Sammlung Zool. Mus.
Berlin), Rheinland (Rübsaamen, Sammlung Zool. Mus. Berlin),
Lothringen (Liebel, 63 p. 303), Oberitalien (Corti, 86 p. 237).
: 21. Isosoma rübsaameni n. Sp.
(Isosoma airae v. De nom. nud., Gallbild. deutsch.
Gefäßpfl., 1890, p. 7.)
(Isosoma airae Kieffer, Ent. Nachr. 18, 1899, p. 45.)
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 105
(Isosoma airae Houard, Zoocec. Pl. Eur. I, 1908, p. 69.)
(Isosoma airae Dittrich u. Schmidt, Jahresb. Schles. Ges. vaterl.
Cult., 1909, p. 82.)
(Isosoma airae Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur. 1911, p. 135
(Isosoma airae Schmidt, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 9, 1913, p. 153
(/sosoma rübsaameni Hedicke nom. nud., ibid. 11, 1915, p. 21.
(Isosoma .airae BaudyS, Verh. zool. bot. Ges. 66, 1916, p. 54
©. Schwarz. Mandibeln, Distalende des Pedicellus, Knie,
Distalende der vorderen Femora, Vordertibien bis auf einen
dunklen Streifen auf der Außenseite, Tarsen, Tegulae und Lege-
bohrerspitze braun, Flügelgeäder und die kleinen Prothorakal-
flecke blaßgelb; die helle Beinfärbung bisweilen weiter ausgedehnt.
Kopf von vorn gesehen dreieckig, wenig breiter als hoch, mehr
als doppelt so breit wie lang, Gesicht stark gerunzelt, der übrige
Kopf feiner runzlig punktiert, Mittelkiel fehlend, Clypeargruben
groß und tief, Wangenfurchen tief, bis zur Mitte der Wangen
reichend, der basale Teil des Clypeus gewölbt, im Profil als Höcker
hervortretend. Antennen fast doppelt so lang wie der Kopf hoch,
von 3%, Thoraxlänge, Scapus mitten schwach verdickt, 315; mal
so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um die Hälfte länger als
dick, 1. Annellus %, so dick wie das Distalende des Pedicellus, fast
so lang wie dick, 2. doppelt so lang und dick wie der 1., 1. Geißel-
glied um die Hälfte länger als dick, etwas dicker als der Pedicellus,
2.—4. untereinander gleichgroß, kaum länger als dick, 5. etwas
kürzer als dick, die Keule aus den drei letzten Gliedern so lang
wie die beiden ersten zusammen, Bewirtelung schwach, regelmäßig.
Thorax schmäler als der Kopf, dreimal so lang wie breit, Pro-
notum fast dreimal so breit wie lang, Collare kaum merklich ab-
gesetzt, zwischen Pro- und Mesonotum seitlich eine tiefe Einschnü-
rung, Scutum stark gewölbt, Parapsidenfurchen tief und scharf
eingeschnitten, Scutellarfurche etwas schwächer, Scutellum deut-
lich fein abgesetzt, Metanotum gleichfalls abgesetzt, bei großen
Exemplaren im Profil deutlich über das Propodeum vorragend,
dieses mäßig grob gerunzelt, stark geneigt, Neigungswinkel 45,
bei großen Stücken bis 60 Grad, Medianfurche scharf eingeschnitten,
nach vorn etwas erweitert, gerunzelt; Pro- und Mesonotum fein
chagriniert, glänzend, mit zerstreuten, flachen Grübchenpunkten.
Flügel das Abdomen überragend, Behaarung normal, Bewimperung
am Rande sehr kurz, Ramus marginalis wenig länger als der
Radius.
Petiolus schuppenförmig, Abdomen so lang wie Kopf und
Thorax zusammen, dreimal so lang wie breit, lang eiförmig, dorsal
mäßig gewölbt, glatt, glänzend, die beiden letzten Segmente mikro-
skopisch fein punktuliert.
Länge: 2,6—3,6 mm. -
d. Kopf und Thorax wie beim Weibchen, Skulptur etwas
feiner. Antennen wenig länger als der Thorax, Scapus schwach
erweitert, 215;mal so lang wie dick, Pedicellus kurz birnförmig, -
. . .
m u une
11. Heft
100 Dr. H. Hedicke:
um !, länger als dick, 1. Annellus unsichtbar, 2. halb so dick wie
das Distalende des Pedicellus, viermal so dick wie lang, Geißel-
glieder distal gestielt, nicht geflügelt, das 1. fast viermal so lang
wie dick, etwas dünner als der Scapus, die folgenden drei unter-
>
Fig. 25.
Antennen von J. ruebsaameni n. sp. 32. Vergr. 60 :1.
einander gleichlang, dreimal so lang wie dick, 5. und 6. etwas mehr
als doppelt so lang wie dick, die ersten sechs Glieder untereinander
fast gleich dick, das 7. etwas dünner, dreimal so lang wie dick,
Apiculus griffelförmig, etwas länger als die Annelli, dreimal so
lang wie dick, Bewirtelung unregelmäßig, nur die beiden letzten
Glieder deutlich zweiwirtelig, Haare noch nicht so lang wie die
Glieder.
Propodeum weniger abschüssig als beim Weibchen, Neigungs-
winkel 30 Grad, Medianfurche schärfer eingeschnitten als beim
Weibchen. Petiolus fast dreimal so lang wie dick, das Ende der
Hinterhüften erreichend, schwach gerunzelt und längsgekielt,
proximal kaum aufgebogen. Abdomen dreimal so lang wie breit,
walzenförmig, glatt, glänzend, die beiden letzten Segmente fein
zerstreut punktiert.
Länge: 3 mm.
Da das einzige Männchen durch einen unglücklichen Zufall
verloren ging, mußte die vorstehende Diagnose unvollständig
bleiben, sie ist nach einem Antennenpräparat, dem noch vor-
handenen Abdomen und früheren vorläufigen Aufzeichnungen
hergestellt.
18, 26 29, aus Gallen an Aira (Deschampsia) caespitosa L.
gezüchtet, die Rübsaamen in der Jungfernheide bei Berlin
sammelte.
Die Spezies ist durch die Einschnürung des Thorax zwischen
Pro- und Mesonotum, die ungewöhnlich großen und tiefen Clypear-
gruben und den Bau der Antennen ausgezeichnet. Bei den vor-
liegenden Tieren konnten in bezug auf die Färbung nur wenige
Abweichungen festgestellt werden; die Hellfärbung des Distal-
endes des Pedicellus verschwindet zuweilen (6 Exemplare), die
Verteilung der hellen und dunklen Töne an den Beinen ist bis auf
zwei Fälle konstant, bei diesen sind die Vordertibien ganz gelb-
braun ohne Andeutung eines dunkleren Streifens und die 4 Hinter-
tibien rotbraun. Schwankender ist der Helligkeitsgrad, bei einem
# Eur y
N
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 107
Teil der Tiere nehmen die dunklen Stellen einen kastanienbraunen,
die hellen einen gelbbraunen Ton an. Auch das Abdomen ist nicht
selten bräunlich getönt, wird jedoch nie so hell kastanienbraun
wie bei vielen anderen Arten mit normal schwarzem Abdomen.
Die kleinen, aber immer deutlichen Prothorakalflecke zeigen keine
Abweichungen. Abgesehen von der gewöhnlichen und natur-
gemäßen Verfeinerung der Skulptur bei kleinen und Vergröberung
bei großen Exemplaren, zeigt sich am häufigsten eine Veränderlich-
keit in der Schärfe und Tiefe der Thorakalfurchen, es kommt
ebenso oft vor, daß die Parapsidenfurchen so seicht werden wie
die Scutellarfurche und umgekehrt diese so tief und scharf ein-
geschnitten wie die Parapsidenfurchen normalerweise. Der Abfall
des Propodeums zeigt eine bei anderen Arten in diesem Grade
nicht zu beobachtende absteigende Tendenz in der Größe des
Neigungswinkels von den größten zu den kleinsten Individuen,
sie schwankt, soweit genaue Messungen überhaupt möglich sind,
zwischen den sehr weiten Grenzen von 35 und 60 Grad. Eine ähn-
liche, aber auch anderweit festgestellte Tendenz zeigt in um-
gekehrter Richtung die Breite des Abdomens, die bei den kleinsten
Stücken am relativ größten ist und umgekehrt, die Abdomenlänge
ist demzufolge von noch nicht 21, bis wenig über 3mal so groß
als die Breite. Wenig veränderlich ist die Länge der Flügel, die
bei 20 von 25 gemessenen Tieren das Abdomen merklich über-
ragen, bei 3 Stücken die Spitze des Abdomens gerade erreichen
und bei zweien deutlich kürzer sind; ein Zusammenhang mit der
Körpergröße besteht indessen, wie auch bei andern Arten, nicht.
Ebenso selten sind Abweichungen vom normalen Längenverhältnis
von Ramus marginalis und Radius, welches sich zwischen den
Grenzen 1,2—1,5:1 bewegt, nur je ein Stück zeigt das Verhältnis
1,6:1, 1,5:1 und 2:1, letzteres bei dem größten vorliegenden
Exemplar. Die Körperlänge beträgt von 2,6 bis 3,6 mm und mißt
im Mittel 3,17 mm; über 3,3 mm messen 5 Stücke, 4 mit 9,5 und
1 mit 3,6 mm, unter 3 mm lang ist nur ein Stück mit 2,6 mm.
Die Larven bewohnen die Sproßachse von Aira (Deschampsia)
caespitosa L. und erzeugen eine kaum merkliche, langgestreckte
Anschwellung mit zahlreichen übereinander liegenden, durch dicke
Scheidewände getrennten Larvenkammern. Die Gallen sind bisher
in folgenden Gebieten beobachtet worden:
Prov. Brandenburg (Rübsaamen, Schumacher, Samm-
lung Zool. Museum, Berlin; Hedicke, 124 p. 21), Prov. Sachsen
(v. Schlechtendal, Sammlung Zool. Mus. Berlin), Schlesien
(Hellwig, Sammlung Zool. Mus. Berlin; Dittrich u. Schmidt,
106 p. 82; Schmidt, 119 p. 153), Lothringen (Kieffer, 68 p. 45),
Böhmen (BaudyS, 128 p. 54).
22. Isosoma ruschkai n. Sp.
Isosoma depressum v. Schlechtendal (nec Walker), Gallbild. deutsch.
Gefäßpfl., 1890, p. 8.
Isosoma depressum Kieffer, Ent. Nachr. 17, 1891, p. 231.
11. Heft
108 Dr. H. Hedicke:
Isosoma depressum Kieffer, Feuille j. Nat. 21, 1891, p. 230.
Isosoma depressum Tavares, Broteria 4, 1905, p. 22.
Isosoma depressum Houard, Zoocec. Pl. Eur. I, 1908, p. 80.
Isosoma depressum Dittrich u. Schmidt, Jahresb. Schles. Ges.
vaterl. Cult., 1909, p. 84.
Isosoma depressum Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 146.
Isosoma depressum Schmidt, Ztschr. wiss. Ins.-biol. 9, 1913, p. 154.
?Isosoma depressum Bayer, Sborn. Kl. Prirod. 1912, p. 9.
Isosoma depressum BaudyvS, Glasnik. Zemal. Muzej. Bosn. Hercegov.
27, 195,7 Pr 317:
Isosoma depressum Baudys, Verh. zool. bot. Ges. 66, 1916, p. 56.
&. Schwarz, Mandibeln, Distalende des Pedicellus, Annelli,
Knie, Distalende der vorderen Femora, Tibien, Tarsen und Flügel-
geäder braun, Prothorakalflecke hellbraun.
Kopf um die Hälfte breiter als hoch, 21, mal so breit wie lang,
Mittelkiel stark entwickelt, Clypeargruben nicht ausgebildet,
Wangenfurchen sehr kurz, Skulptur sehr fein runzlig, im Gesicht
etwas gröber. Antennen kaum so lang wie der Thorax, Scapus
mäßig erweitert, viermal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig,
um die“Hälfte länger als dick, so dick wie der Scapus, 1. Annellus
L., so dick wie das Distalende des Pedicellus, halb so lang wie dick,
der 2. so lang und doppelt so dick wie der 1., an die Basis des
1. Geißelgliedes anschließend, Flagellum nicht geflügelt, Glieder
proximal kurz gestielt, distal schwach eingeschnürt, breiter als
hoch, 1. Glied 21,mal so lang wie breit, fast so breit wie der
Scapus. dick, 2.5. Glied untereinander gleichgroß, doppelt so
lang wie breit, so breit wie das 1., die beiden letzten stark genähert,
fast verwachsen, zusammen so lang wie der Scapus, Apiculus sehr
klein, spitzkegelförmig, etwas länger als an der Basis dick, Be-
wirtelung schwach, Haare nicht ganz so lang wie die Glieder.
Thorax schmäler als der Kopf, viermal so lang wie dick, Pro-
notum sehr kurz, dreimal so breit wie lang, Collare scharf ab-
gesetzt, so lang wie das Pronotum, dieses über den ganzen Hinter-
rand bogig ausgeschnitten, Präscutum stärker gewölbt als die
beiden Hälften des Scutums, Scutellar- und Parapsidenfurchen
mäßig tief, Scutellum schwach abgesetzt, wenig vorragend, ebenso
das schmale Metanotum, Propodeum schwach geneigt, Neigungs-
winkel 35 Grad, Medianfurche schwach entwickelt, Skulptur von
Pro- und Mesonotum viel gröber runzlig als die des Kopfes. Flügel
mit normaler Bewimperung und Behaarung, Ramus marginalis
doppelt so lang wie der Radius.
Petiolus kaum länger als dick, runzlig skulptiert, vorn kaum
merklich aufgebogen. Abdomen langgestreckt walzenförmig, halb
so breit und wenig kürzer als der Thorax, mehr als dreimal so lang
wie breit, glatt, mikroskopisch fein chagriniert.
Länge: 1,6—1,38 mm.
®. Färbung wie beim Männchen, doch ist die Beinfärbung
im ganzen etwas heller, die beim Männchen schwarzen Stellen
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 109
sind kastanien- bis pechbraun, die hellen Stellen gelbbraun, die
Vordertibien ausgedehnter hell als beim Männchen, Abdomen mit
kastanienbrauner Basis oder gänzlich gebräunt, Legebohrer hell-
braun, Flügelgeäder gelb-
braun.
Kopf wie beim Männ-
chen. Antennen etwas
mehr als halb so lang wie
der Thorax, Flagellum
so lang wie der Kopf
breit, Scapus zylindrisch,
fünfmal so lang wie dick,
Pedicellus kegelförmig,
doppelt so lang wie dick,
etwas dicker als der Fig. 26
Scapus,. 1. Annellus sehr Antennen von I. ruschkai n. sp. 32.
klein, kaum YW, so dick Vergr. 80:1.
wie das Distalende des
Pedicellus, halb so lang wie dick, 2. so lang und dreimal so dick
wie der 1., an die Basis des 1. Geißelgliedes anschließend, dieses
fast so lang und dick wie der Pedicellus, die folgenden etwas dicker
als der Pedicellus, 2. Glied kaum länger als dick, 3.—5. etwas
dicker als lang, die Keule aus den drei letzten Gliedern fast so
lang wie das 3.—5. zusammen, Bewirtelung sehr sparsam, Haare
so lang wie die Glieder dick.
Thorax kaum schmäler als der Kopf, nicht ganz dreimal so
lang wie breit, Propodeum schwach geneigt, Neigungswinkel
40 Grad, Thorax im übrigen wie beim Männchen, ebenso die Flügel,
die das Abdomen nur wenig überragen. Petiolus nicht sichtbar,
Abdomen so lang wie Kopf und Thorax zusammen, schmäler als
der Thorax, 4-—5 mal so lang wie breit, Seiten parallel, dorsal
deprimiert, daher im Profil spitzkegelförmig erscheinend, sehr fein
‘ chagriniert, glänzend.
Länge: 2—2,7 mm.
3 dd, 8 22 (3 davon stark defekt) vonv. Schlechtendalaus
Gallen an Festuca ovina L. aus der Umgebung von Halle a. S.
gezüchtet, 1 d, 1 2 in der Sammlung Ruschka, das Männchen
von Vimpacs (Leithagebirge), das Weibchen von Kismaros (Ungarn).
Die Spezies ist durch den Bau der männlichen Antennen und
des weiblichen Abdomens gut gekennzeichnet. Ein gutes Unter-
scheidungsmerkmal von den Weibchen der übrigen Arten mit
langgestrecktem, parallelrandigen Abdomen liegt im Flügel-
geäder, der Ramus marginalis ist reichlich doppelt so lang wie der
Radius, der mit dem Flügelrande einen Winkel von nur 30 Grad
bildet. Von den vorliegenden Männchen sind bei einem Stück
die Mandibeln und Antennen schwarz, die Prothorakalflecke
dunkel rotbraun. Von den 8 gezüchteten Weibchen stammen 7
aus Gallen von Festuca ovina L., 1 aus solchen von F. duriuscula L.,
11. Heft
110 Dr. H. Hedicke:
die ersteren messen 2 -—2,2 mm, das letztere 2,7 mm; dieses Ex-
emplar besitzt gänzlich schwarze Antennen, stimmt aber in allen
Einzelheiten des Körperbaus mit den übrigen überein. Bei
3 Stücken ist das Abdomen nur an der Basis gebräunt, bei 2 wei-
teren ist die Bräunung über das 1. und 2. Segment ausgedehnt,
ein Exemplar besitzt ganz rotbraunes Abdomen mit hellbrauner
Basis. Skulpturelle Abweichungen sind nicht festzustellen.
Die Larven bewohnen die Sproßachse von Festuca ovinaL.,
seltener von F. duriuscula L. und erzeugen eine schlauchförmige,
unregelmäßige, meist gelbgrüne Anschwellung in den unteren
Internodien, die Galle tritt oft bogenförmig aus der Blattscheide
heraus. v. Schlechtendal gibt als Erzeuger dieser Galle I. de-
pressum Walker an, mit welcher Spezies aber die vorliegende Art
nichts zu tun hat. Seine Angabe stützt sich zweifellos auf eine
nicht nachzuprüfende, unsichere Mitteilung Walkers (Entomologist
5, 1870, p. 451). In der gesamten späteren Literatur findet sich
nach v. Schlechtendals Vorgange I. depressum Walk. als Ur-
heber der Galle verzeichnet. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese
Spezies gleichfalls an Festuca ovina L. cecidogen ist, an welchem
Substrat verschiedene Halmschwellungen beobachtet worden sind.
Die Frage bedarf noch der Klärung.
An F. ovina L. wurde die Galle bisher von folgenden Gebieten
gemeldet:
Prov. Sachsen (v. Schlechtendal, Sammlung Zool. Mus.
Berlin), Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 106 p. 84; Schmidt,
119 p. 154), Böhmen (Bayer, 112 p. 8; BaudyS, 128 p. 56),
Bosnien (BaudyS, 125 p. 377), Lothringen (Kieffer, 67 p. 231),
Portugal (Tavares, 96 p. 22).
VonF. duriuscula L. liegt nur ein Exemplar aus der Umgebung
von Halle a. S. (Sammlung Zool. Mus. Berlin) vor.
23. Isosoma scheppigin. Sp.
(Isosoma scheppigi v. Schlechtendal nom. nud., Gallbild. deutsch
Gefäßpfl., 1890, p. 10.)
Isosoma spec. Hieronymus, Erg.-Hft. 68. Jahresb. Schles. Ges.
vaterl. Cult., 1890, p. 1912.
(Isosoma scheppigi Houard, Zoocec. Pl. Eur. I., 1908, p. 61.)
(Isosoma scheppigi Ross, Pfl.-gall. Mitt.- u. Nordeur., 1911, p. 279.)
(Isosoma scheppigi Hedicke, Zschr. wiss. Ins.-biol: 11, 1915, p. 21.)
(Isosoma scheppigi BaudyS, Verh. zool. bot. Ges. 66, 1916, p. 52.)
g. Schwarz. Knie in sehr geringer Ausdehnung, Distalende
der Vordertibien, Tarsen mit Ausnahme des Endgliedes wenigstens
unterseits dunkelbraun, Flügelgeäder gelbbraun, Prothorakalflecke
stets fehlend.
Kopf von vorn gesehen breit trapezförmig, um die Hälfte
breiter als hoch, mehr als doppelt so breit wie lang, Gesicht kräftig
gerunzelt, Clypeus mit einer glatten, glänzenden Stelle über dem
Mundrande, Mittelkiel, Clypeargruben und Wangenfurchen fehlend,
der übrige Kopf sehr dicht feinrunzlig punktiert. Antennen noch
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 114
nicht so lang wie der Thorax, Scapus ventral an der Basis stark
blasenartig aufgetrieben, kaum doppelt so lang wie dick, Pedi-
cellus birnförmig, kaum länger als dick, halb so dick wie der Sca-
pus, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende des Pedicellus,
viermal sö dick wie lang, 2. ein wenig dicker, halb so lang wie dick,
Flagellum sehr stark geflügelt, die Flügelfortsätze so lang wie die
Glieder hoch, 1. Glied um die Hälfte länger als breit, die folgenden
fünf untereinander gleich lang, die Flügelfortsätze an Breite all-
mählich abnehmend, Endglied spitzkegelförmig, dreimal so lang
wie dick, Apiculus ziemlich groß, griffelförmig, etwas länger als
die beiden Annelli zusammen, mehr als doppelt so lang wie dick;
Bewirtelung sehr kräftig, am ersten und letzten Glied unregel-
mäßig, die übrigen deutlich zweiwirtelig, die Haare sehr lang,
vom ersten zum letzten Gliede an Länge allmählich ab-
nehmend.
Thorax fast so breit wie der Kopf, kaum doppelt so lang wie
breit, sehr fein körnig gerunzelt, matt, Pronotum etwas mehr als
doppelt so breit wie lang, Vorderecken scharf rechtwinklig, Col-
lare abgesetzt, Scutum mäßig gewölbt, Scutellar- und Parapsiden-
furchen mäßig scharf und tief eingeschnitten, Scutellum und das
stark entwickelte Metanotum tief abgesetzt, deutlich vorgezogen,
Propodeum ziemlich steil abfallend, Neigungswinkel 50 Grad,
Mediahfurche durch zwei feine, vertiefte, nach außen gebogene
Längslinien ersetzt. Flü-
gel das Abdomen über-
ragend, Vorderflügel mit
Ausnahme des von der
SubcostaunddemVorder-
rande eingeschlossenen
Teils proximal ganz kahl,
die übrige Fläche mit
sehr kurzen, zerstreuten I
borstigen Haaren besetzt, UrE
Bewimperung nur am
Vorder- und Innenrand
kurz borstig, Fig. 27
interflügel proximal, ) SE N VE IBAN
auch im Costalfeld, kahl, Bl gene er Ben
die übrige Fläche noch
zerstreuter und kürzer beborstet als auf dem Vorderflügel, Ramus
marginalis um ein Viertel länger als der Radius.
Petiolus walzig, um die Hälfte länger als dick, fein gerunzelt,
proximal kurz schuppig aufgebogen, distal schwach verengt, das’
Ende der Hintercoxen ein wenig überragend. Abdomen ?/, so lang
und breit wie der Thorax, eiförmig, etwas breiter als hoch, vom
2. Segment ab sehr fein, aber deutlich punktiert, 1. Segment da-
her noch etwas stärker glänzend als die übrigen.
Länge: 3,1--3,3 mm.
11. Heft
112 Dr. H. Hedicke:
9. Distalende des Pedicellus, Annelli und an den Vorder-
tibien wenigstens die Unterseite rotbraun, Färbung im übrigen
wie beim Männchen.
Skulptur von Kopf und Thorax wie beim Männchen, Anten-
nen kaum länger als der Kopf breit, Flagellum doppelt so lang
wie der Scapus, dieser langgestreckt keulenförmig, leicht nach
außen gebogen, nicht blasig erweitert, fast fünfmal so lang wie
dick, Pedicellus birnförmig, um U, länger als dick, so dick wie der
Scapus, 1. Annellus kaum halb = breit wie das Distalende des
Pedicellus, halb so lang wie breit, 2. etwas länger und breiter als
der 1., Flagellum nicht geflügelt, 3.5. Glied proximal stark ein-
geschnürt, 1. Glied fast doppelt so lang wie dick, das 2. kaum
noch so lang wie dick, die folgenden allmählich kürzer werdend,
5. um die Hälfte dicker als lang, die Keule aus den drei letzten
Gliedern so lang wie das 3. —5. zusammen, Bewirtelung wie beim
Männchen.
Thorax von gleichem Bau wie beim Männchen, Propodeum
noch steiler abfallend, Neigungswinkel wenigstens 60 Grad. Pe-
tiolus sehr kurz, schuppenförmig, Abdomen so lang wie Kopf und
Thorax zusammen, wenig mehr als doppelt so lang wie breit, so
breit wie der Thorax, im übrigen wie beim Männchen, ebenso
die Flügel.
Länge: 3,2—4,1 mm.
Die Spezies ist durch den Bau der Antennen und des Thorax
vor allen anderen Arten gekennzeichnet.
9 33, 9 22, von v. Schlechtendalaus Gallen von Stipa pen-
nataL. gezüchtet, dieScheppig am Gr. Machnower Weinberg bei
Mittenwalde (Brandenburg) sammelte.
Unter den Männchen sind Färbungsabweichungen nur bei
2 Stücken zu verzeichnen, das eine besitzt rotbraune Mandibeln
und distal rotbraunen Pedicellus, beim andern sind alle Tibien
distal gebräunt. Skulpturelle Abweichungen liegen nicht vor.
Das Längenverhältnis von Ramus marginalis und WKadius ist
konstant 11:1. Die Körperlänge beträgt im Mittel 3,3 mm, nur
1 Exemplar ist 3,8 mm lang, auffallend kleine Stückeliegen nicht vor.
Bei den Weibchen greift die helle Färbung der Unterseite
der Vordertibien zuweilen auf die Seiten über und erscheinen die
Vordertibien dann im Ganzen etwas heller. Sonstige Abweichungen
treten nicht auf. Die Körperlänge bewegt sich zwischen den Gren-
zen 3,2 und 4,1 mm, doch sind unter 3,8 mm nur 2 Exemplare
mit 3,5 und 3,2 mm, alle übrigen Stücke von 3,8 4,1 mm. Die
Flügel Hehe bei 4 Exemplaren bis zur Spitze des Abdomens,
«bei den übrigen noch ein wenig darüber hinaus.
Die Larven bewohnen flach spindelförmige, zwei- oder drei-
flüglige, bis 10 mm lange Anschwellungen der abnorm verlänger-
ten Achse des Blütenährchens von Stipa pennata L. Eine ein-
gehende Beschreibung der Morphologie und Anatomie dieser eigen-
artigen Gallbildung gibt Hieronymus (64, p. 191—2). Auch bei
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 113
dieser Spezies ist wie bei den beiden Stipa capillata L. be-
wohnenden Vertretern des Genus (I. aciculatum und ceylindricum)
die Verbreitung in Mitteleuropa entsprechend dem lokalen Vor-
kommen des Substrates diskontinuierlich, die Spezies dürfte aber
in den Steppengebieten Südeuropas, die die Heimat der Nähr-
pflanze sind, häufiger sein. Sie kommt am Originalfundort, dem
Gr. Machnower Weinberg bei Mittenwalde nach eigener Fest-
stellung des Verfassers nicht mehr vor, findet sich in der Mark
Brandenburg aber noch bei Lehnitz und Buckow (Sammlg. Bot.
Mus. Berlin-Dahlem) und bei Chorin (Schumacher, Sammlg. Zool.
Mus. Berlin), und wurde neuerdings von BaudvyS(128, p.52) auch
in Böhmen nachgewiesen.
24. Isosoma schlechtendali n. sp.
&. Schwarz, Mandibeln, Knie, Unterseite und Distalende
der Vordertibien und Flügelgeäder rotbraun, Prothorakalflecke
fehlen.
Kopf um die Hälfte breiter als hoch, 21,mal so breit wie
lang, Gesicht sehr fein körnig gerunzelt, schwach glänzend, Mittel-
kiel nicht entwickelt, Clypeargruben tief, Wangenfurchen sehr
kurz, Stirn und Scheitel fein chagriniert. Antennen fast so lang
wie Kopf und Thorax zusammen, Scapus ventral mäßig stark
erweitert, dreimal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, wenig
länger als dick, ?/, so dick wie der Scapus, 1. Annellus "3 so dick
wie das Distalende des Pedicellus, dreimal so dick wie lang, 2. fast
doppelt so lang und dick wie der 1., schmäler als die Basis des
1. Geißelgliedes, Flagellum nicht geflügelt, fadenförmig, 1. Glied
fast so dick wie der Pedicellus, etwas mehr als viermal so lang
wie dick, 2.—4. untereinander gleichgroß, so dick wie das 1.,
dreimal so lang wie dick, 5. und 6. ein wenig kürzer und dünner,
7. so lang wie das 6. und noch etwas dünner, Apiculus griffel-
förmig, viermal so lang wie dick, %, so dick wie der 1. Annellus,
Bewirtelung nur auf den mittleren Gliedern regelmäßiger zwei-
wirtelig, Haare so lang wie die mittleren Glieder.
Thorax wenig schmäler als der Kopf, dreimal so lang wie
breit, Pronotum 215 mal so breit wie lang, Collare scharf abge-
setzt, Scutum schwach gewölbt, Parapsiden- und Scutellarfurche
mäßig tief eingeschnitten, Scutellum und Metanotum schwach
abgesetzt und vorgezogen, Propodeum schwach gewölbt, Nei-
gungswinkel 45 Grad, Medianfurche sehr schmal, aber deutlich,
Skulptur von Pro- und Mesonotum sehr fein, chagriniert, glän-
zend, Flügel am Rande sehr kurz bewimpert, kurz und dicht be-
haart, Ramus marginalis doppelt so lang wie der Radius.
Petiolus fast doppelt so lang wie dick, die Hintercoxen etwas
überragend, fein runzlig, proximal kurz schuppig aufgebogen,
mitten schwach eingeschnürt; Abdomen kaum halb so lang und
nur %, so breit wie der Thorax, lang eiförmig, fast viermal so lang
wie breit, ventral abgeflacht, glatt und glänzend.
Länge: 2,3 mm.
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 11. 8 11. Heft
114 Dr. H. Hedicke:
?. Schwarz. Mandibeln, Distalende der Antennen, Annellı,
Knie, Spitze, der vorderen Femora und aller Tibien, Tarsen,
Tegulae, Flügelgeäder und Basis des Abdomens rotbraun, die
großen Prothorakalflecke blaßgelbbraun.
Kopf etwas höher als beim Männchen, Wangenfurchen fast
bis zur Mandibelbasis verlängert, Mittelkiel angedeutet, im übrigen
der Kopf wie beim Männchen. Antennen von ?/, Thoraxlänge,
Scapus fast walzenförmig, schwach gebogen und erweitert, fünf-
mal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um die Hälfte länger
als dick, so dick wie der Scapus, 1. Annellus halb so dick wie das
Distalende des Pedicellus, dreimal so dick wie lang, 2. ein wenig
dicker und doppelt so lang wie der 1., an die Basis des 1. Geißel-
gliedes anschließend, Flagellum walzig fadenförmig, 1. Glied drei-
Fig. 28.
Antennen von I. schlechtendali n. sp. 89. Vergr. 60:1.
mal so lang wie dick, so dick wie der Pedicellus, die folgenden
kaum merklich dicker werdend, 2. doppelt so lang wie dick, 3. und
4. um die Hälfte, 5. um ein Viertel länger als dick, die Keule aus
den drei letzten Gliedern so lang wie das 1. und 2. zusammen,
Bewirtelung regelmäßig, Haare etwas kürzer als die Glieder.
Thorax wie beim Männchen, Propodeum ein wenig stärker
gewölbt und geneigt, Flügel das Abdomen weit überragend, im
übrigen wie beim Männchen. Petiolus kurz, schuppenförmig,
Abdomen von ?/, Thoraxlänge und -breite, eiförmig, wenig mehr
als doppelt so lang wie dick, etwas höher als breit, glatt, glänzend.
Länge: 3 mm. ;
19, 12, inv. Schlechtendals Sammlung, von Hellwig
aus Gallen an Koeleria cristata Pers. von Nittritz (Schlesien) ge-
züchtet. |
Die Spezies ist durch die fadenförmigen Antennen und die
feine Skulptur charakterisiert. Ob die Prothorakalflecke bei den
Männchen stets fehlen, erscheint nach dem Vorhandensein der-
selben bei den Weibchen unwahrscheinlich. Weitere Zuchten
müssen ergeben, inwieweit die obige Beschreibung diagnostischen
Wert hat.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 115
Die Larven bewohnen die Sproßachse von Koeleria cristata
Pers. und glauca DC. und verursachen eine langspindelförmige
Anschwellung des Halmgrundes. Sie wurden an dem erstgenann-
ten Substrat bisher in folgenden Gebieten festgestellt:
Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 106 p. 83; Schmidt, 118
p. 67, 119 p. 154), Böhmen (Baudys, 128 p. 55),
von K. glauca DC. liegen nur einige Exemplare aus Schlesien
(Sammilg. Zool. Mus. Berlin) vor.
25. Isosoma schmidti n. Sp.
©, Schwarz. Mandibeln, Distalende des Pedicellus und des
Flagellums, Annelli, Kniee, distale Hälfte der vorderen Femora,
Vordertibien, Distalenden der vier Hintertibien, Flügelgeäder und
Legebohrer rotbraun, Protherakalflecke blaßbraun.
"Kopf kaum breiter als hoch, 21, mal so breit wıe lang, fein
runzlig punktiert, Mittelkiel gut entwickelt, Clypeargruben an-
gedeutet, Wangenfurchen sehr fein und kurz. Antennen von ?;
Thoraxlänge, Scapus walzenförmig, sehr schwach gebogen, distal
verengt, sechsmal so lang wie dick, Pedicellus kegelförmig, um
die Hälfte länger als dick, etwas dicker als der Scapus, 1. An-
nellus sehr klein und undeutlich, 2. halb so dick wie das Distal-
ende des Pedicellus, doppelt so dick wie lang, an die Basis des
1. Geißelgliedes anschließend, Flagellum keulenförmig, 1. Glied
so lang wie der Pedicellus und so dick wie der Scapus, kaum doppelt
so lang wie dick, alle übrigen
(Glieder viel dicker als der
Scapus, 2.--5. an Länge un-
tereinander gleich, an Dicke
allmählich zunehmend, kaum
so lang wie dick, die Keule Fig. 29.
aus den drei letzten (rliedern Antenne von 1]. schmidti HL. Sp 2;
so lang und etwas dicker wie Vorkn.’gbirl
die drei vorhergehenden zu-
sammen, Bewirtelung sehr dünn, Haare so lang wie die mitt-
leren Glieder.
Thorax schmäler als der Kopf, dreimal so lang wie breit,
Pronotum über den ganzen Hinterrand bogig ausgeschnitten, fast
viermal so breit wie in der Mitte lang, Collare deutlich abgesetzt.
Parasidenfurchen viel feiner als die kurze, fast grubig vertiefte
Scutellarfurche, Scutum schwach gewölbt, kaum über die Thorax-
seiten hinausragend, Scutellum sehr tief abgesetzt, im Profil weit
über das sehr schmale Metanotum und das Propodeum vorragend,
Propodeum fast flach, mäßig geneigt, Neigungswinkel 40 Grad,
Medianfurche sehr undeutlich. Flügel das Abdomen überragend,
xamus marginalis fast doppelt so lang wie der Radius, Bewimpe-
rung und Behaarung normal. Pro- und Mesonotum fein runzlig
punktiert.
g* 11. Heft
116 Dr. H. Hedicke:
Petiolus nicht sichtbar, Abdomen fast so lang wie Kopf und
Thorax zusammen, lang eiförmig, dreimal so lang wie breit, dorsal
etwas deprimiert, glänzend, mikroskopisch fein chagriniert.
Länge: 2,2 mm.
12 vonH.Schmidt aus Gallen an Corynephorus (Weingaert-
neria) canescens P. B. von Grünberg (Schlesien) gezüchtet.
Die Larven bewohnen die Sproßachse des genannten Grases
und verursachen eine schwache, langspindelförmige Anschwellung.
Die Galle ist bisher nur aus Schlesien bekannt, dürfte aber in
Mitteleuropa verbreitet sein und ist wohl bisher wegen ihrer ge-
ringen Auffälligkeit übersehen worden. Sie wird von ihrem Ent-
decker Schmidt (118 p. 64) eingehender. beschrieben. Ob die
gleiche Spezies auch die übrigen a. a. ©. beschriebenen Cecidien
an Corynephorus erzeugt, ist zweifelhaft, die bisherigen Zuchten
ihres Entdeckers ergaben nur parasitierende Eurytoma-Arten.
Die Spezies ist durch die Form der Antennen und den Bau
des Thorax gut gekennzeichnet.
Damit ist die Reihe derjenigen neuen Arten abgeschlossen,
deren Lebensweise bekannt ist und deren Beschreibungen auf der
Untersuchung gezüchteten Materials beruhen. Die Typen der
nachfolgend beschriebenen Arten sind gefangene Tiere, sie liegen
bis auf zwei Ausnahmen, wo die zusammengehörenden Geschlech-
ter unzweifelhaft als solche kenntlich sind, nur in einem Ge-
schlecht vor.
26. Isosoma affine n. sp.
&. Schwarz. Mandibeln, Distalende des Fedicellus, Annelli,
Knie, Distalende der vorderen Femora und aller Tibien, Tarsen,
Tegulae und Flügelgeäder braun, Prothorakalflecke blaßgelb.
Kopf um die Hälfte breiter als hoch, doppelt so breit wie lang,
Mittelkiel, Clypeargruben und Wangenfurchen schwach entwickelt,
(Giesicht, Stirn und Scheitel gleichmäßig fein gerunzelt, Antennen
so lang wie Kopf und Thorax zusammen, Scapus ventral in der
distalen Hälfte stark lappig erweitert, doppelt so lang wie breit,
Pedicellus birnförmig, um Y, länger als dick, kaum halb so dick
wie der Scapus breit, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende
des Pedicellus, dreimal so dick wie lang, 2. wenig länger und dicker
als der 1., Flagellum schwach geflügelt, Glieder wenig höher als
breit, 1. Glied fast viermal so lang wie hoch, 2. so hoch wie das 1.,
21, mal so lang wie hoch, die folgenden allmählich kürzer und
etwas niedriger werdend, das 6. etwas mehr als doppelt so lang
wie hoch, das letzte kaum länger als das 6., alle Glieder distal
kurz gestielt, Apiculus griffelförmig, so lang wie das Stielchen des
6. Gliedes, viermal so lang wie dick, Bewirtelung wie gewöhnlich,
‚aber sehr lang, Haare des 1. Gliedes fast so lang wie das Glied,
die der folgenden länger als die Glieder.
Thorax schmäler als der Kopf, mehr als dreimal so lang wie
breit, Pronotum noch nicht doppelt so breit wie lang, Collare
scharf abgesetzt, Parapsidenfurchen so tief wie die Scutellar-
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 117
furche, Scutum wenig gewölbt, Scutellum sehr undeutlich ab-
gesetzt, im Profil nicht vorragend, Skulptur unregelmäßig. fein-
runzlig, wie die des Kopfes. Propodeun fast flach, wenig geneigt,
Neigungswinkel 30 Grad, Medianfurche undeutlich. Flügel mit
normaler Bewimperung und Behaarung, Ramus marginalis fast
doppelt so lang wie der Radius.
Petiolus die Hintercoxen überragend, 2%, mal so lang wie
dick, schwach gerunzelt; Abdomen langgestreckt, walzig, von
3, Thoraxlänge, viermal so lang wie breit, glatt, glänzend.
Länge: 2,5 mm.
©, Färbung wie
beim Männchen, doch
ist auch der Scapus
braun, Legebohrer
dunkelbraun.
Bau und Skulptur
des Kopfes wie beim
Männchen, Antennen
kaum so lang wie der
Thorax, Scapus nicht
-_—_
i ee Fig. 30.
erweitert, distal all- Antennen von I. affine n. sp. SQ
mählich verengt,sechs- Vergr. 60:1.
mal so lang wie dick,
Pedicellus kegelförmig, um die Hälfte länger als dick, so dick wie
der Scapus, 1. Annellus U, so dick wie das Distalende des Pedi-
cellus, dreimal so dick wie lang, 2. etwas dicker, halb so lang wie
dick, an die Basisdes 1. Geißelgliedes anschließend, Geißelglieder ab-
gestutzt eiförmig, etwas dicker als der Pedicellus, 1. doppelt so lang
wie dick, die folgenden allmählich kürzer werdend, das 5. kaum
länger als dick, die Keule aus den drei letzten Gliedern fast so
lang wie der Scapus, Bewirtelung sparsam, Haare so lang wie
die Glieder dick.
Thorax dreimal so lang wie breit, etwas schmäler als der
Kopf, Pronotum doppelt so breit wie lang, Medianfurche des
Propodeums deutlich, dieses mäßig gewölbt und geneigt, Nei-
gungswinkel kaum 40 Grad, Thorax im übrigen wie beim Männ-
chen, ebenso die Flügel, die das Abdomen überragen.
Petiolus nicht sichtbar, Abdomen kaum schmäler als der
Thorax, eiförmig, etwas mehr als doppelt so lang wie breit, ein
wenig breiter als hoch, glatt, glänzend.
Länge: 2,5-—-2,8 mm.
18, 1 2 in der Sammlung des Zool. Museums, Berlin (Nr.
16 299, 16 329), bezettelt „Deutschland“, nach Analogie mit
gleichartig bezettelten und präparierten Stücken von Erichson
vermutlich in der Umgebung Berlins gesammelt.
2 22 in der Sammlung Ruschka, bei Kismaros in Ungarn
von Meusel gefangen, 1 weiteres © von Ruschka bei W eyer, Ober-
österreich, erbeutet.
11. Heft
118 - Dr. H. Hedicke;
1 ? in der Sammlung des Zool. Museums, Berlin, von Strand
bei Marburg a. L. (31. 5. 04) gesammelt, ist zweifellos gleichfalls
zu dieser Spezies zu stellen, es weicht von den übrigen Exemplaren
durch etwas weitere Ausdehnung der hellen Beinfärbung, schwache
Verdunkelung der Tibienmitte und Bräunung des Pedicellus ab.
Die Zusammengehörigkeit der Geschlechter ergibt sich aus
der Übereinstimmung des Baues und der Skulptur von Kopf und
Thorax. Die Art ist im männlichen Geschlecht durch den Bau
der Antennen ausgezeichnet, das Weibchen steht dem südeuro-
päischen 7. stipae Stefani am nächsten, unterscheidet sich aber
sofort durch die gleichmäßige Skulptur des Thorax und die größere
Länge des Ramus masginalıs.
27. Isosoma dimidiatum n. Sp.
©. Schwarz, Antennen und Abdomen kastanıenbraun, Man-
dibeln, Knie, Distalenden der Femora und Tibien, Tarsen, Flügel-
geäder und Legebohrer gelbbraun, Prothorakalflecke blaßgelb.
Kopf um die Hälfte breiter als hoch, doppelt so breit wie
lang, Gesicht sehr fein runzlig, Mittelkiel nicht entwickelt, Cly-
peargruben klein, aber deutlich, Wangenfurchen sehr kurz, Stirn
und Scheitel fast glatt, stark glänzend. Antennen wenig kürzer
als der Thorax, Scapus nicht erweitert, seitlich leicht komprimiert,
distal schwach verengt, sechsmal so lang wie dick, Pedicellus birn-
förmig, um-die Hälfte länger als dick, etwas dicker als der Scapus,
1. Annellus nicht sichtbar, 2. ?/, so dick wie das Distalende des
Pedicellus, dreimal so dick wie lang, schmäler als die Basis des
1. Geißelgliedes, Flagellum schwach keulenförmig, noch nicht
doppelt so lang wie der Scapus, die ersten fünf Glieder proximal
kurz eingeschnürt, 1. Glied wenig länger als dick, etwas dünner
als der Pedicellus, 2.5. untereinander gleichgroß, so lang wie
dick, allmählich etwas dicker werdend, die Keule aus den drei
letzten Gliedern etwas länger als die beiden vorhergehenden zu-
sammen, dicker als alle übrigen Glieder, Bewirtelung sparsam,
Haare etwas länger als die Glieder.
Thorax schmäler als der
Kopf, nur doppelt so lang wie
breit, Pronotum fast dreimal so
breit wie lang, Collare scharf ab-
gesetzt, Parapsiden- und Scu-
Antenne von I. dimidia. tellarfurche schwach entwickelt,
tum n. sp. 9. erstere nach vorn etwas tiefer
Vergr. 90 :1. werdend, Scutum mäßig gewölbt,
Scutellum undeutlich abgesetzt,
wenig vorragend, Metanotum sehr schmal, abgesetzt, Propodeum
sehr steil abfallend, Neigungswinkel fast 70 Grad, Medianfurche
nicht entwickelt; Skulptur von Pro- und Mesonotum fein runzlig,
ein wenig gröber als die des Gesichtes. Flügel die Spitze des
Abdomens erreichend, Bewimperung ziemlich lang, Behaarung
normal, Ramus marginalis mehr als doppelt so lang wie der Radius.
ak A a ee ee
.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 119
Petiolus unsichtbar, Abdomen zylindrisch mit parallelen
Seitenrändern, dorsal deprimiert, so lang wie Kopf und Thorax
zusammen, so breit wie der Thorax, fast viermal so lang wie breit,
glatt und glänzend.
Länge: 1,6—1,7 mm.
2 29, Sammlung des Zool. Museums, Berlin (Nr. 16 314,
16 323), bezettelt ‚,Deutschland‘‘, vermutlich von Erichson in der
Umgebung Berlins gesammelt.
Die Spezies ist durch das relativ kurze Flagellum, den sehr
kurzen Thorax und die feine Kopfskulptur leicht kenntlich. Die
beiden vorliegenden Stücke weichen in der Färbung von einander
in folgenden Punkten ab: bei dem einen ist auch das (Gesicht
kastanienbraun, bei dem andern ist die dunkle Beinfärbung dunkel-
braun statt schwarz. Bei dem einen der beiden Stücke ist der
Ramus marginalis 21, bei dem andern 21% mal so lang wie der
Radius.
238. Isosoma filicorne n. sp.
gd. Schwarz, Pedicellus, Annelli, Knie, Distalenden der T l-
bien, Vordertibien auch unterseits, Tarsen und Flügelgeäder braun,
Prothorakalflecke blaßbraun.
Kopf um !, breiter als hoch, doppelt so breit wie lang, sehr
dicht gerunzelt, matt, Mittelkiel und Clypeargruben angedeutet,
Wangenfurchen halb so lang wie die Wangen, tief, fast grubig
eingesenkt. Antennen wenig kürzer als Kopf und Thorax zu-
Fig. 32.
Antenne von I. filicorne n. sp. d-
Vergr.:60:1.
sammen, Scapus ventral stark lappig erweitert, wenig mehr als
doppelt so lang wie dick, Pedicellus kegelförmig, um W, länger
als dick, halb so dick wie der Scapus, 1. Annellus halb so dick
wie das Distalende des Pedicellus, viermal so dick wie lang, 2. fast
doppelt so lang und dick wie der 1., schmaler als die Basis des
1. Geißelgliedes. Flage!lum lang fadenförmig, Geißelglieder lang-
gestreckt walzenförmig, nicht geflügelt, an beiden Enden kaum
merklich eingeschnürt, 1. Glied so lang wie der Scapus, 31, mal
so lang wie dick, kaum dicker als der Pedicellus, 2.-6. Glied
wenig dünner als das 1., allmählich etwas kürzer werdend, 6. drei-
11. Heft
120 Dr. H. Hedicke:
mal so lang wie dick, das letzte an der Basis deutlich kurz ge-
stielt, so lang wie das 1., aber nur halb so dick wie dieses, noch
dünner als das 6. Glied, zum Ende allmählich verengert, Apiculus
sehr groß, mehr als halb so dick wie das Basalstielchen des End-
gliedes, dreimal so lang wie dick, Bewirtelung sparsam, Haare
auf kräftigen Papillen stehend, ?/, so lang wie die mittleren Glieder.
Thorax so breit wie der Kopf, dreimal so lang wie breit,
Pronotum doppelt so breit wie lang, Collare undeutlich abgesetzt,
Parapsidenfurchen sehr schwach entwickelt, Skutellarfurche etwas
schärfer eingeschnitten, Scutum stark gewölbt, halbkugelig, Scu-
tellum deutlich abgesetzt, im Profil kurz vorragend; Skulptur
sehr dicht fein runzlig, mit zerstreuten, großen, flachen Grübchen-
punkten, Propodeum stark gewölbt, Neigungswinkel 45 Grad,
Medianfurche seicht, aber deutlich. Flügel mit normaler Be-
wimperung und Behaarung, Ramus marginalis um die Hälfte
länger als der Radius.
Petiolus wenig länger als dick, das Ende der Hintercoxen
kaum überragend, stark gerunzelt, proximal merklich aufgebogen;
Abdomen eiförmig, wenig schmäler als der Thorax, doppelt so
lang wie breit, glatt, glänzend.
Länge: 2,7- mm.
1 $ in der Sammlung Cameron (Zool. Mus. Berlin). Das
Stück trägt die Bezeichnung: Isosoma crassicorne Walker, Type.
Von dieser Spezies hat Walker indes nur das Weibchen be-
schrieben, dessen stark defekte Type gleichfalls vorliegt. Da das
oben beschriebene Männchen von diesem in der Skulptur des
Thorax und im Habitus sehr verschieden ist, so kann die Ver-
einigung beider Stücke zu einer Spezies nicht aufrecht erhalten
werden. Durch die Gestalt der Antennen ist das beschriebene
Männchen so gut gekennzeichnet, daß an der Berechtigung, eine
eigene Spezies darauf zu begründen, kein Zweifel sein kann. Wo-
her die Bezeichnung als Type von I. crassicorne herrührt, bedarf
noch der Klärung. Möglicherweise liegt ein Irrtum Walkers selbst
vor, der ja öfter die von ihm beschriebenen Arten nicht wieder-
erkannte.
29. Isosoma foersteri n. sp.
©. Schwarz, Mandibeln, Distalende des Pedicellus, Annelli,
I\nie, Distalende der vorderen Femora und aller Tibien, Tarsen
bis auf das Endglied, Flügelgeäder, Legebohrer und Prothorakal-
flecke gelbbraun. )
Kopf etwas breiter als hoch, 21, mal so breit wie lang, Ge-
sicht sehr ‚fein runzlig, Clypeargruben tief, Mittelkiel angedeutet,
Wangenfurchen breit und kurz, Stirn und Scheitel fast glatt,
fein chagriniert, stark glänzend. Antennen von ?/, Thoraxlänge,
Scapus walzenförmig, distal kaum verengt, fünfmal so lang wie
dick, Pedicellus eiförmig, um die Hälfte länger als dick, ein wenig
dicker als der Scapus, 1. Annellus halb so dick wie das Distalende
des Pedicellus, halb so lang wie dick, 2. etwas breiter und kürzer als
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 121
2° 1., dicht an die Basis des 1. Geißelgliedes anschließend. 1. bis
6. Geißelglied proximal stielartig eingeschnürt, 1. etwas länger
und dünner als der Pedicellus, noch nicht doppelt so lang wie
dick, die folgenden allmählich kürzer und etwas dicker werdend,
das 5. so lang wie dick, die Keule aus den drei letzten Gliedern
so lang wie das 3. -5. zusammen, aber sehr deutlich dicker als
diese, Bewirtelung kurz und spärlich.
Thorax wenig schmäler als der
Kopf, etwas mehr als dreimal so _
lang wie. breit, Pronotum 2%, mal
so breit wie lang, Collare scharf ab- safe
gesetzt, Praescutum mäßig vorge- er a: ee Indie
wölbt, Parapsiden- und Scutellar- ° Vergr. 60:1. BT
furche wenig tief, Scutellum nicht
abgesetzt, mit dem Metanotum und der Basis des Propodeums
in einer Ebene liegend; Pro- und Mesonotum fein chagriniert,
glänzend, Fronotum mit einzelnen, flachen Grübchenpunkten be-
setzt; Propodeum mäßig gewölbt, an der Basis fast eben, Neigungs-
winkel 30 Grad, Medianfurche sehr undeutlich. Flügel das Abdomen
wenig überragend, mit normaler Bewimperung und Behaarung,
Ramus marginalis doppelt so lang wie der Radius.
Petiolus nicht sichtbar, Abdomen etwas länger und schmäler
als der Thorax, lang eiförmig, dreimal so lang wie breit, glatt und
glänzend.
Länge ’-2-- 22 mm.
2 99, Aachen, Sammlung Foerster (Zool. Mus. Berlin).
Beide Exemplare stimmen in Färbung und Größenverhält-
nissen überein; bei dem größeren Stück ist die Grundskulptur
von Pro- und Mesonotum eher fein runzlig als chagriniert zu nennen,
der Thorax erscheint daher nicht so stark glänzend als bei dem
kleineren Exemplar, in allen übrigen Einzelheiten des Körperbaus
stimmen beide Stücke vollkommen überein. Die Art ist durch
den Bau des Thorax von den nahestehenden Arten I. schmidt
und a/ffine unterschieden, von letzterer außerdem durch das Abdo-
men, das bei /. foersteri eiförmig, bei affine langgestreckt mit
parallelen Seiten ist.
30. Isosoma giganteum n. Sp.
3. Schwarz, Mandibeln, Außenrand der Tegulae und die sehr
schmalen Prothorakalflecke rotbraun, Distalende des Pedicellus,
Annelli, Beine mit Ausnahme der Coxen, der proximalen zwei
Drittel der Trochanteren, des Proximalendes der Vorder- und
fast der ganzen vier Hinterschenkel, und das Flügelgeäder gelb-
braun.
Kopf kaum breiter als hoch, doppelt so breit wie lang, gleich-
mäßig kräftig körnig gerunzelt, Mittelkiel kräftig entwickelt, Cly-
peargruben angedeutet, Wangenfurchen bis fast zur Mandibel-
basıs reichend. Antennen fast körperlang, Scapus in der distalen
Hälfte ventral lappig erweitert, kaum dreimal so lang wie dick,
11. Heft
122 Dr. H. Hedicke:
fein punktuliert, Pedicellus kegelförmig, um die Hälfte länger als
breit, etwas mehr als halb so dick wie der Scapus, 1. Annellus
halb so dick wie das Distalende des Pedicellus, viermal so dick
wie lang, 2. etwas länger und dicker als der 1., an die Basis des
1. Geißelgliedes anschließend, (Geißelglieder langgestreckt, walzen-
förmig, nicht gestielt oder erweitert, stark gerunzelt und dicht
unregelmäßig bewirtelt, das 1. Glied siebenmal, dıe folgenden
sechsmal so lang wie dick, vom 2. zum letzten an Dicke allmählich
unmerklich abnehmend, das Endglied ein wenig länger als das 6.,
Apiculus so lang wie der 2. Annellus, doppelt so lang wie dick.
Thorax so breit wie der Kopf, dreimal so lang wie breit, Pro-
notum sehr groß, noch nicht doppelt so breit wie lang, Seiten-
ränder nach vorn deutlich divergierend, Hinterrand gradlinig,
Scutum schwach gewölbt, Scutellar- und Parapsidenfurche tief
eingeschnitten, Scutellum tief abgesetzt, im Profil stark zahnartig
vorgezogen, Skulptur von Pro- und Mesonotum wie die des Kopfes,
Propodeum gewölbt, wenig abfallend, Neigungswinkel 30 Grad,
Medianfurche sehr breit, netzrunzlig. Flügel schlank, kurz be-
wimpert und behaart, Ramus marginalis dreimal so lang wie der
Radius.
>
Fig. 34.
Antennen von I. giganteum n. sp. 3%. Vergr. 50:1.
Petiolus um die Hälfte länger als dick, das Ende der Hinter-
coxen nicht erreichend, längsrunzlig gekielt, Abdomen kurz eiförmig,
etwas mehr als doppelt so lang wie breit, wenig schmäler als der
Thorax, vom 2. Segment ab mikroskopisch fein punktnliert.
Länge: 4,1 mm.
9. Färbung und Skulptur wie beim Männchen, letztere noch
etwas gröber.
Antennen von %, Thoraxlänge, Scapus distal schwach er-
weitert, runzlig punktiert, fünfmal so lang wie dick, schwach ge-
bogen, Pedicellus kegelförmig, fast doppelt so lang wie dick, fast
so dick wie der Scapus, 1. Annellus etwas mehr als halb so dick
wie das Distalende des Pedicellus, dreimal so dick wie lang,
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 123
2. kaum länger und dicker als der 1., eng an die Basis des 1. Geißel-
gliedes anschließend, Geißelglieder proximal verengt, stumpf kegel-
förmig, 1. dreimal so lang wie dick, so dick wie der Pedicellus,
die folgenden fünf Glieder noch etwas dicker, allmählich kürzer
werdend, 2. noch fast doppelt so lang wie dick, das 6. nur-noch
so lang wie dick, eine Keulenbildung aus drei Gliedern fehlt, das-
6. Glied ist mit dem folgenden nicht breiter verbunden wie mit
dem 5., nur die beiden letzten Glieder sind etwas enger verbunden,
das 7. so groß wie das 6., das Endglied etwas dünner und länger
als das 7., alle Glieder kurz und unregelmäßig bewirtelt.
Thorax und Flügel wie beim Männchen, letztere das Ende
des Abdomens nicht ganz erreichend, Pronotum reichlich doppelt
so breit wie lang, Seitenränder parallel, Collare scharf abgesetzt,
weit vorgezogen, Propodeum etwas stärker geneigt als beim
Männchen.
Petiolus sehr kurz, schuppenförmig, Abdomen lang eiförmig,
so lang wie Kopf und Thorax zusammen, etwas höher als breit,
fast fünfmal so lang wie breit, glänzend, sonst wie beim Männchen.
Länge: 5-6 mm.
3 8d, 6 22 in der Sammlung des Zoolog. Museums, Berlin,
bezettelt ‚Deutschland‘, vermutlich von Erichson in der Um-
gebung Berlins gesammelt.
Die Species ist durch ihre Größe von allen anderen Arten
unterschieden, an der Form der Antennen in beiden Geschlechtern
leicht kenntlich. Von den sechs vorliegenden Weibchen besitzt
ein Exemplar keine Prothorakalflecke, bei einem anderen ist
der Scapus an beiden Enden gebräunt. Sonstige Abweichungen
sind nicht feststellbar.
31. Isosoma laevigatum n. Sp.
9. Schwarz. Knie, Distalende der vorderen Femora, proxi-
male Hälfte der Tarsen, Prothorakalflecke, Flügelgeäder und Lege-
bohrer braun, Abdomen pechbraun, an der Basis etwas heller.
Kopf sehr dick, fast halbkuglig, wenig breiter als hoch, nur
um die Hälfte breiter als lang, Mittelkiel, Clypeargruben und
Wangenfurchen angedeutet, Gesicht fein chagriniert, Stirn und
Scheitel fast glatt, stark glänzend. Antennen fast so lang wie der
Thorax, Scapus walzig, distal schwach verengt, fünfmal so lang
wie dick, Pedicellus eiförmig, um die Hälfte länger als dick, fast
doppelt so dick wie der Scapus. 1. Annellus nicht sichtbar, 2. halb
so dick wie das Distalende des Pedicellus, dreimal so dick wie lang,
(Greißelglieder proximal schwach verengt, nicht gestielt, 1.5. unter-
einander fast gleichgroß, fast so dick wie der Pedicellus, so lang
wie dick, die Keule aus den drei letzten Gliedern deutlich dicker,
so lang wie der Scapus, Bewirtelung sparsam, Haare so lang wie
die Glieder.
Thorax nur von ?2/, Kopfbreite, sehr schlank, fast mehr als
viermal so lang wie breit, fast walzenförmig, Pronotum doppelt
so breit wie lang, Collare deutlich abgesetzt, Parapsidenfurchen
11. Heft
194 Dr. H. Hedicke:
nur im vorderen Teil des Mesonotums deutlich, Scutum kaum
vorgewölbt, Scutellum und Metanotum nicht abgesetzt, mit dem
Propodeum in einer Ebene liegend, Pro- und Mesonotum mikro-
skopisch fein chagriniert, glänzend, Propodeum sehr schwach ge-
neigt, fein runzlig skulptiert, Neigungswinkel noch nicht 50 Grad,
Medianfurche nicht entwickelt.
Flügel das Abdomen weit über-
ragend, sehr schmal, fast viermal
Fig. 35. so lang wie breit, am Rande
| Antenne von I. laevi- sehr lang bewimpert, Ramus mar-
-" tumn.sp.2. Vergr.80:1. ginalis um die Hälfte länger als
der Radius.
Petiolus nicht erkennbar, Abdomen langgestreckt mit fast
parallelen Seitenrändern, dorsal deprimiert, so lang und etwas
breiter als der Thorax, dreimal so lang wie breit, glatt, glänzend.
Länge: 1,5 mm.
1 ? ın der Sammlung Foerster (Zool. Museum, Berlin), ver-
mutlich bei Aachen gesammelt.
Die Spezies ist durch die Gestalt des Kopfes und Thorax
und die ungewöhnlich feine Skulptur sofort kenntlich.
32. Isosoma longicolle n. sp.
3. Schwarz. Knie, Spitzen der Tibien, Tarsen, Prothorakal-
flecke, Tegulae und Flügelgeäder braun.
Kopf wenig breiter als hoch, doppelt so breit wie lang, runzli
punktiert, Mittelkiel und Clypeargruben angedeutet, Wangen-
furchen bis zur Mitte der Wangen reichend, Antennen etwas
kürzer als Kopf und Thorax zusammen, Scapus distal mäßig er-
‘ weitert, fast dreimal so lang wie dick, Pedicellus birnförmig, um
\, länger als dick, ?/, so dick wie der Scapus, 1. Annellus halb
so dick wie das Distalende des Pedicellus, dreimal so dick wie lang,
2. so lang und etwas dicker als der 1., schmäler als die Basis des
1. Geißelgliedes, Flagellum nicht geflügelt, Glieder walzenförmig,
MW
Fig. 36.
Antenne von J. longicolle n. sp. d. Vergr. 50:1.
sehr kurz gestielt, 1. Glied so lang wie der Scapus, etwas dünner
als der Pedicellus, fünfmal so lang wie dick, die folgenden all-
mählich kürzer und dünner werdend, das 6. dreimal so lang wie
dick, das letzte so lang wie das 6., mitten deutlich schwach ein-
geschnürt, Apiculus lang eiförmig, doppelt so lang wie dick, Be-
wirtelung unregelmäßig, halb so lang wie die Glieder.
Thorax sehr schlank, kaum schmäler als der Kopf, fast vier-
mal so lang wie breit, Pronotum noch nicht doppelt so breit wie
lang, Collare scharf abgesetzt, Scutum schwach gewölbt, kaum
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 125
über die gedachte Verlängerung der Seiten des Pronotums hinaus-
ragend, Parapsiden- und Scutellarfurche fein und wenig scharf
eingeschnitten, Scutellum abgesetzt, über das gleichfalls fein ab-
gesetzte Metanotum etwas vorragend, Propodeum kaum gewölbt,
wenig geneigt, Neigungswinkel 30 Grad, Medianfurche scharf und
tief; Pro- und Mesonotum fein chagrinartig gerunzelt, dicht mit
Grübchenpunkten besetzt, matt; Flügel mit normaler Bewimpe-
rung und Behaarung, Ramus marginalis fast doppelt so lang wie
der Radius.
Petiolus doppelt so lang wie dick, die Hintercoxen über-
ragend, grob gerunzelt und gekielt; Abdomen lang eiförmig, von
?2/, Thoraxlänge, dreimal so lang wie breit, äußerst fein chagri-
niert, glänzend.
Länge: 2,8 mm.
1 & in der Sammlung Cameron, als Type von !. angustipenne
Walker bezeichnet, aber von dieser Spezies durch den Bau der
Antennen und des Thorax deutlich unterschieden, wenn auch
I. angustipenne am nächsten stehend. Offenbar von Walker ver-
kannt.
Von den letzten sieben der vorstehend behandelten Arten
steht zu erwarten, daß es in Zukunft gelingen wird, ihre Lebens-
weise und von denjenigen, die bisher nur in einem Geschlecht
bekannt sind, auch das andere (reschlecht kennen zu lernen.
Anders verhält es sich mit einer ganzen Reihe von Arten, die
von den alten Autoren beschrieben und benannt wurden, die aber
so ungenügend charakterisiert sind, daß es mit wenigen Ausnahmen
nicht möglich ist, die Tiere nach den Diagnosen allein zu identi-
fizieren. Da es bisher auch nicht möglich war, -die Typen dieser
Arten zu beschaffen, so muß die große Mehrzahl als zweifelhaft
hingestellt werden. Ein Teil der Walkerschen Arten dürfte mit
einer oder der anderen der vorstehend beschriebenen Spezies
identisch sein, von den Arten der anderen in Frage kommenden
Autoren ist es nicht einmal sicher, daß es sich um Angehörige
des Genus Isosoma handelt, Nachfolgend sollen alle diese Arten
in chronologischer Reihenfolge behandelt werden, wobei die we-
nigen genügend gekennzeichneten, also noch deutbaren Spezies
äußerlich durch die dem Artnamen vorgesetzte fortlaufende Num-
mer kenntlich gemacht werden.
Isosoma verticillatum Fabricius (1798).
Ichneumon verticillatum Fabricius, Suppl. Entom. syst., 1798,
pP: 292.
Diplolepis verticıllata Fabricius, Syst. Piez., 1804, p. 153.
Diplolepis verticillata Klug, Magaz. Ges. naturf. Fr. I, 1807, p. 75.
Diplolepis verticillata Spinola, Insect. Ligur. II, 1808, p. 228.
Eurytoma vertzcillata Spinola, Ann. mus. hist. nat. 17, 1811, p. 151.
Isosoma longulum v. Dalla Torre (Walker), Entom. Mag. 1, 1832,
p: 14.
Eurytoma verticillata Nees, Hym. Ichn. aff. Mongr. II, 1834, p. 41.
11. Heft
126 Dr. H. Hedicke:
Eurytoma verticillata Boheman, Svenska. Vet.-Ak. Handl. 56, 1835,
p- 251.
Eurvtoma werticıllata Blanchard, Hist. nat. Ins. III, 1840, p. 259.
Eurvtoma verticıllata Ratzeburg, Ichn. Forstins. I, 1844, p. 174.
Isosoma verticillata Thomson, Hym. Scand. IV, 1, 1875, p. 54.
Es ist sehr zweifelhaft, ob diese alte Art zu Isosoma gehört;
nach Mitteilung von Nees von Esenbeck (9, p. 41) fand Gra-
venhorst das Tier auf Fichengallen, was auf eine parasitäre
Lebensweise hindeuten und damit die Zugehörigkeit zu Isosoma
ausschließen würde. Ebenso zweifelhaft ist es aber, ob Spinola
(4, 5), Nees (9), Boheman (11), Blanchard (14) und Ratze-
burg (20) unter Eurvtoma verticillata F. wirklich die Art ver-
standen haben, die Fabricius (1, 2) vorgelegen hat. Die Diagnose
von Fabricius ist so knapp, daß ein Wiedererkennen danach
ausgeschlossen ist. Schließlich ist nicht zu ersehen, worauf sich
die von v. Dalla Torre (78, p. 350) behauptete Synonymie mit
I. longulum Walker begründen soll.
Die beste Beschreibung der Spezies gibt Boheman (11,
p- 251—2), sie hat folgenden Wortlaut:
„Eurytoma werticillata: media, longiuscula, nigra, obsolete
punctulata, pedibus tarsisque concoloribus; antennis nodulıs
elongatis, sub-didymis, verticillato-pilosis; abdomine elongato,
apice non truncato. £&.
Var. $ prothorace antice utrinque obsolete flavo-maculato,
geniculis tibiis antieis tarsisque testaceis. d.
Var. » antennis minus profunde dentatis, colore pedum ut
ın pP.
Habitat in Westrogothia passim; in Ostrogothia. Dom. Zet-
terstedt.
Statura omnino E. longulae 3, sed saepe nonnihil major, antennis
evidenter nodosis, nodulo singulo supra in medio leviter emargi-
nato, ab illo mox distincta. Caput transversum, thorace latius,
antice modice convexum, nigrum, obsolete punctulatum, tenue
albo-pubescens; ore testaceo. Oculi subovati, modice prominuli,
brunnei, in mortuis saepe glauci. Antennae insertae mediae fronti;
scapus vertice humilior, niger, nitidus, basi compressus, medio
dilatatus; pedicellus brevis, nodiformis; flagellum capite triplo
longius, lineare, articuli latere superiore nodulis elongatis, sub-
didymis vel supra in medio leviter impressis, praediti, nigri, sub-
verticillatim longius pilosi, ultimum tenuior, acuminatus. Thorax
minus crassus, niger, obsolete punctulatus, tenue pubescens, pro-
thorace antice utrinque interdum flavo-maculato. Scutellum sub-
ovatum, parum convexum, colore et punctura thoracis. Meta-
thorax brevis, declivis, niger, rugoso-punctatus. Petiolus elon-
gatus, sub-cylindricum. Abdomen trunco multo brevius, parum
compressum, nigrum, nitidissimum, apice non truncato, sed mo-
dice acuminato. Pedes nigri, nitidi, tarsis concoloribus. Alae hya-
linae, nervo stigmateque fuscis.‘“
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 127
Boheman beschreibt nur das Männchen, das nach der Dia-
gnose ziemlich plump gebaut sein muß, er gibt keine Körpergröße
an, nach Thomson beträgt diese 4—5 mm. Läßt sich aus den
skulpturellen Merkmalen der Diagnose über die Gattungszuge-
hörigkeit der Spezies nichts entnehmen, so spricht doch die Be-
schreibung der Antennen stark für eine Eurytoma, denn nur bei
dieser Gattung, kommen so große Männchen mit knotig geflügel-
tem Flagellum vor. Thomson (40, p. 54-5) gibt von dem Weib-
chen folgende Beschreibung:
„]. verticillata: Capite transverso-triangulari, genis inferne
compressis, abdominis segmentis 3-6 aequalibus, 1:0 9 vix
transverso, 2:0 longo. Long. 4—5 mill.
Caput transversum, inferne angustatum, genis compressis;
sulco genali tenui sed integro,; clypeo lateribus linea, superne
foveola terminata? sat bene discreto; mandibulis piceo-rufis;
oculis subrotundis, sat prominulis; fronte superne fortiter con-
vexa, scrobe ad ocellum producta sed superne minus profunda,
punctato-rugosa. Antennae nigrae, articulo 1:0 lineari, 2:0 trian-
gulari, annello distincto, funiculo fere filiformi, pilosulo, articulo
1:0 latitudine sua longiore, -clava distincte articulata, apice ro-
tundato. Thorax latitudine sua triplo longior, niger, subnitidus,
collari macula laterali flava; confertim subrugoso-punctatus, sul-
cis sat profundis, dorsulo longo, haud declivi, marginato; meta-
thorace pone coxas producto, fere horizontali, fortius rugoso. Alae
fere hyalinae, stigmate flavo, quam radio sesqui longiore. Abdomen
laeve subeylindricum, segmento 1:0 parum transverso, rugoso,
2:0 maxımo, trientem occupante, fovea basali sat lata, 3 -7 aequa-
libus, 8:0 minimo transverso, flavo, terebrae apice vix lern:
Pedes nigri, minus valıdi, pilosuli, genubus, tibiis apice, anticis
fere totis tarsisque flavis, his apice nigris. Mesosterni latera puncta-
tıssima, acetabulis haud determinatis, epicnemiis fere nullis.‘“
Auch diese Diagnose gibt, trotz aller Ausführlichkeit kein Bild
von der Spezies, da wesentliche Unterscheidungsmerkmale nicht
angegeben werden. Die Art muß danach vorläufig ungeklärt bleiben.
Isosoma crassicorne Walker (1832).
Isosoma crassicorne Walker, Ent. Mag. I, 1832, p. 15;
Isosoma crassicorne Walker, List. Spec. Hym. Ins. I, 1846, p. 11;
Isosoma crassicorne v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Die in der Sammlung Cameron befindliche Type dieser Spezies
ist so stark defekt, daß sie zum Vergleich mit der Diagnose nicht
mehr zu gebrauchen ist, Antennen und Abdomen fehlen gänzlich.
Auch ihre etwaige Synonymie mit einer anderen Spezies läßt sich
mit Hilfe der Type nicht feststellen. Die Art wird daher immer
ungeklärt bleiben, da die Diagnose keinen Anhalt für die Wieder-
erkennung bietet. Sie hat folgenden Wortlaut:
* „Isos. crassicorne. Fem. Nigrum, praecedenti (d. h. I. fumi-
penne Walk.!) brevius, prothorace antice maculis duabus flavis,
antennis rufo-cinctis, alis subfuscis:
{ 11. Heft
"
-
128 Dr. H. Hedicke:
Caput obscurum: thorax punctatus, maculis duabus latera-
libus flavis: petiolus obscurus, punctatus: abdomen nitidum,
glabrum: oviductus apice flavus: antennarum articulus primus
apice, tertiusque basi, rufo-fusci: tibiae nigrofuscae: genua tar-
sique rufi: alae subfuscae. (Alarum longitudo, 1?/;—2 lin.)
The body of this species is rather shorter than that of /sos.
fumipenne, which it much resembles in shape: the antennae are
thicker in proportion, and more clavate: the abdomen is smooth,
shining, very finely punctured, slightly pilose towards the apex:
excepting the red colour of the extremities of the first, and the
whole of the ringshaped third and fourth joints, the antennae
are black: the wings are slightly fuscous, the nervures darker.
June; amongst grass in fields; Southgate. “
Isosoma tenuicorne Walker (1832).
Isosoma tenwicorne Walker, Ent. Mag. I, 1832, p. 19;
Isosoma tenuicorne Walker, List Spec. Hym. Ins. II, 1848, p. 100;
Isosoma tenuicorne v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 350.
Walkers Originaldiagnose hat folgenden Wortlaut:
„Isos. tenuicorne. Mas. Nigrum, prothorace antice maculis
duabus albidis, antennis gracilibus, alis subhyalinis.
Caput obscurum: oculi ocellique rufi: thorax punctatus,
maculis antice lateralibus duabus albidis: petiolus obscurus,
punctatus: abdomen nitidum, glabrum: tibiae anticae nigro-
fuscae: genua flava: tarsi fusci: alae subhyalinae, nervis pallide
fuscis. (Alarum longitudo, 1 lin.)
It has much resemblance in form to /sos. elongatum: it is
narrower in proportion, and smaller: the antennae and wings
are more slender.
May; grass in fields; Southgate.‘“ &
Die Type dieser Art liegt nicht vor, der Hinweis auf die Ahn-
lichkeit mit /. elongatum, welche Spezies wiederum mit I. angusti-
penne Walk. nach des Autors eigener Angabe synonym sein soll
(22, p. 11, I. minor Walk. ist, wie oben dargelegt, synonym zu
angustipenne Walk.), könnte bei etwaigem Wiederauffinden der
Art genügen, um sie zu identifizieren.
Isosoma pusillum Walker (1832).
Isosoma pustillum Walker, Ent. Mag. I, 1832, p. 20.
? Eurytoma Pusilla Boheman, Svenska Vet.-Ak. Handl. 56, 1835,
p- 252.
Isosoma pusillum‘ Walker, List Spec. Hym. Ins. II, 1848, p. 100,
Isosoma pusilla Thomson, Hym. Scand. IV, 1, 1875, p. 58.
Walker gibt von dieser Spezies folgende Beschreibung:
„Isos. pusillum. Mas. Nigrum, prothorace antice maculis
duabus albidis, alis subfuscis.
Caput obscurum: oculi ocellique rufi: thorax punctatus,
maculis antice duabus lateralibus albidis: petiolus obscurus,
punctatus: abdomen nitidum, glabrum; tibiae nigro-fuscae: tarsi
fusci: genua flava: alae subfuscae. (Alarum longitudo, 34 lin.)
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 129
Like the preceding (d. h. I. tenwicorne Walker!), but shorter,
and the antennae are thicker.
End of May; amongst grass in fields; Southampton.:‘
Die Diagnose ist wie fast alle Walkerschen Artbeschreibungen
nichtssagend, die einzige Charakterisierung liegt in dem Hinweis
auf I. Zenuicorne. Wenn aber pusillum kleiner ist und dickere
Antennen hat als Zenuicorne, diese wiederum schlanker ist und
schlankere Antennen hat als 7. elongatum Walk., so müßte Pu-
sillum synonym zu elongatum und damit zu I. angustipenne Walk.
sein. Nach den Angaben Thomsons aber (40, p. 58) ist Pusillum
Walk. dem [. longulum Walk. sehr ähnlich, welche Spezies Walker
seinerseits zu /. verticillatum F. stellt; die Synonymie ist also so
verwickelt wie möglich. Jedenfalls ist die Artberechtigung von
T. pusillum Walk. äußerst zweifelhaft. Thomson gibt folgende
Beschreibung der Spezies:
„I. pusilla: Nitidula, nigra, thorace sublaevi, suleis profundis,
nodulis linearibus. Long. fere 3 mill.
T. longulae simillima, sed thorace nitidulo, fere glabro, sub-
laevi, collari majore antice fere latiore, sulcis mesonoti profundis,
abdomine subdepresso; funiculi articulis minus distinctis, isthmo
longiore inferne conjunctis, scapo in medio dilatato optime distin-
guenda.
Nach dieser Beschreibung ist nicht anzunehmen, daß Thom-
son Walkers Art überhaupt gekannt hat. Walker gibt als
„Flügelbreite‘‘ 3, Linien an, was auf eine Körperlänge von höch-
stens 1 mm schließen läßt, Thomsons Art soll aber 3 mm lang
sein. Derartige Schwankungen innerhalb einer Art sind bisher
noch nie beobachtet worden und in höchstem Grade unwahrschein-
lich. Ferner aber beschreibt Thomson auch das Weibchen, das
Walker nicht kannte. Mit welcher Berechtigung Thomson die
beiden Geschlechter von I. pusillum Thoms. als zusammengehörig
beschreibt, ist nicht ersichtlich. Es dürfte sich daher bei Thomson
um eine der Walkerschen Art fernstehende Spezies handeln.
Isosoma breviventre Walker (1832).
Isosoma breviventre Walker, Ent. Mag. I, 1832, p. 20.
Isosoma breviventre Walker, List Spec. Hym. Ins. II, 1848, p. 100.
Isosoma breviventre v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Walkers Diagnose dieser Spezies lautet:
„Isos. breviventre. Mas. et fem. Nigrum, prothorace antice
maculis duabus albidis, alis hyvalinis.
Caput obscurum: oculi ocellique rufı: thorax punctatus, ma-
culis antice duabus lateralibus albidis: petiolus obscurus, punc-
tatus: abdomen nitidum, glabrum, breve: genua tarsique flavi:
alae hyalinae, nervis pallide fuscis. (Alarum longitudo, 3%, lin.)
It is shorter than /sos. tenuicorne, or minor: from the former
it differs by its thick antennae, their greater length distinguishes
it from 7. Pusillum.
End of May; amongst grass in fields; Southampton.‘
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. 11. 9 11. Heft
130 Dr. H. Hedicke:
Ob Walker wirklich Männchen und Weibchen ein und der-
selben Spezies vorgelegen haben, ist nicht zu erweisen. Da die
Art mit drei anderen Walkerschen Spezies verglichen wird, ist
anzunehmen, daß es sich tatsächlich um eine gute Art handelt,
die aber nach der Diagnose wiederzuerkennen nicht möglich ist;
sie muß also zweifelhaft bleiben.
33. Isosoma attenuatum Walker (1832).
Isosoma attenuatum Walker, Ent. Mag. I, 1832, p. 22.
Eurytoma guttula Boheman, Svenska Vet.-Ak. Handl. 56, 1835,
pP 250.
? Eurytoma guttula Zetterstedt, Ins. Lappon. I, 1838, p. 419.
Isosoma attenuatum Walker, List Spec. Hym. Ins. I, 1846, p. 12.
Eurytoma guttula (Boheman) Walker, ibid..
? Isosoma guttula Thomson, Hym. Scand. IV, I, 1875, p. 57.
Isosoma attenuatum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Eurytoma guttula (Boheman) v. Dalla Torre, ibid.
Eurytoma guttula (Zetterstedt) v. Dalla Torre, ibid..
Isosoma guttula (Thomson) v. Dalla Torre, ibid.
Walker gibt von dieser Spezies folgende Beschreibung:
„[sos. attenuatum. Fem. Nigrum, prothorace antice maculis
duabus albidis, tarsis anticis fuscis, alis hyalinis.
Caput obscurum: thorax punctatus, albido utrinque antice
maculatus; petiolus obscurus, punctatus: abdomen nitidum,
glabrum: antennarum scapus fuscus, basi flavus: pedes flavi,
femoribus tibiisque 4 posticis nigris: femora basi, tibiae apice,
tarsıque antici, fusci: alae hyalinae, nervis pallide flavis. (Alarum
longitudo, 11, lin.)
It is very similar to the preceding species, but the body is
longer and narrower: the white spots on the proscutellum are
larger: the abdomen is more compressed: the antennae are shor-
ter, and more clavate, and the wings are much narrower.
July; amongst grass in fields; Southgate.‘‘
Der Vergleich mit der vorhergehend beschriebenen Spezies,
nämlich 7. lineare Walk. (= hordei Harr.), gibt mancherlei Anhalts-
punkte im Verein mit den in der Diagnose gegebenen Merkmalen
der Färbung, die in dieser Zusammenstellung bisher nur bei 7.
hordei und manchen Exemplaren von hyalipenne bekannt ge-
worden sind. Es wird daher leicht möglich sein, die Art später
wiederzuerkennen. Nun stellt Walker (22, p. 12) Eurytoma gut-
tula Boheman*als Synonym zu dieser Art; da er gleichzeitig
Schweden als Heimat der ihm vorgelegten Stücke angibt, ist an-
zunehmen, daß er Bohemansche Originalexemplare gesehen hat,
weshalb an” der Berechtigung der Zusammenziehung wohl kein
Zweifel ist. 'Boheman (11, p. 250-1) beschreibt aber beide Ge-
schlechter seiner E. guttula, sodaß dadurch die Möglichkeit, die
Spezies zu identifizieren, in erhöhtem Maße gegeben wird, voraus-
gesetzt, daß Boheman wirklich die beiden Geschlechter ein und
derselben Art vorgelegen haben. Seine Diagnose lautet:
Beiträge zu einer Monographie der 'paläarktischen Isosominen 131
„Eurytoma guttula: parva, gracilis, nigra, subnitida, obsolete
punctulata, antennis’ submoniliformibus, pilosulis, scapo obscure
testaceo; prothorace antice angustato, utrinque albido-maculato;
geniculis, tibiis anticis tarsisque pallide testaceis, ano acuminato. ®.
Mas: antennis longioribus; flagello piloso, articulis breviter
subquadrato-nodosis, truncatis, ultimis duobus contiguis.
Habitat in Norvegia et Smolandia rarius; in (Gottlandia,
Dom. Zetterstedt.
Statura E. longulae, sed minor, gracilior, magis nitida. Caput
transversum, thorace latius, antice visum modice convexum, ni-
grum, sub-nitidum, obsolete punctulatum, vix pubescens; ore ob-
scure testaceo; oculi laterales modice prominuli, obscure brunnei.
Antennae insertae fronti mediae, scapo tenui, altitudine verticis,
obscure testaceo; pedicello nigro, nitido, subgloboso, flagellum
nigrum, pilosum, capite dimidio longius, apicem versus vix in-
crassatum, articuli aequalibus, sub-ovatis, apice truncatis, api-
cali elongato, acuminato. Prothorax thorace angustior et humi-
lior, sub-conicus, attenuatus, niger, sub-nitidus, obsolete punctu-
latus, antice utringue macula pallide testacea vel albida ornatus.
Thorax supra modice convexus, niger, immaculatus. Scutellum
sub-planum, nigrum, punctulatum. Metathorax brevis, declivis,
niger, ruguloso-punctatus. Abdomen longitudine trunci, gracile,
parum compressum, subtus carinatum, nigrum, nitidissimum, apice
acuminato; oviductu parum exserto, pallido. Petiolus brevis,
crassus. Pedes nigri, nitidi; femoribus omnibus apice tibiisque
anticis pallide testaceis: tarsi omnes albidi, ungulis fuscis. Alae
hyalinae, nervo ramuloque stigmaticali testaceis.
Mas: Feminae brevior, statura omnino E. appendigastrı $;
ore magis testaceo; antennae capite fere duplo longiores; scapus
obscure testaceus, basi sub-compressus; pedicellus nodiformis;
articuli sequentes rachi tenui, inaequali, latere superiore nodo sub-
quadrato, obtuso, a sequente remoto, instructi, insuper sub-verti-
eillatim longius pilosi; articuli apicales minores, contigui, ultimus
tenuior, acuminatus. Abdomen brevissimum, ano obtuso. Pedes
et alae omnino ut in femina.‘“
Aus dieser Beschreibung ergibt sich das wichtige Merkmal,
daß die männlichen Antennen stark geflügelt sind. Da die Dia-
gnose Zetterstedts (13, p. 419) weiter dazu beiträgt, das Bild
dieser Spezies zu verdeutlichen, sei sie gleichfalls wiedergegeben:
„E.guttula: elongata punctulata atra, alis albido-hyalinis geni-
culis tarsisque pallidis, collaris antico utrinque guttula flava, ab-
domine parum adscendente. & %.
Mas: antennae thoracis longitudine, 9-articulatae, articulis
oblongis subverticillato-pilosis, articulo ultimo elongato, acumi-
nato; abdomen distincte petiolatum, ovatum, parvum; ano obtuso.
Fem.: antennae thorace paullo breviores, 8-articulatae, sim-
plices, moniliformes, extrorsum subcrassiores, articulo ultimo ob-
longo; totae pubescentes; abdomen vix petiolatum, oblongum,
* 11. Heft
32 Dr. H. Hedicke:
ovatum, ano acuto; terebra in uno individuo, vi ad longitudinem
fere abdominis erupta, rubra; in copula.
Hab. in Nordlandia septentrionali rarissime, in Finmarkia
oceidentali frequentius, ibique in monte subalpino Gamstenstind
d. 30. Juli in copula inveni. (Lapponia; Oelandia; Scania rar.)
Mas. et Fem. Praecedente (E. appendigaster Dalm.) non bre-
vior, sed paullo angusticr, unde statura magis elongata; differt
imprimis ab illa: antennarum nodis in mare minus dilatatis, ab-
domine minore, thorace in utroque sexu subtilius punctulato anti-
ceque ad latera guttis seu maculis 2 flavis. Alae quoque minus
albescunt; sed directio nervorum eadem et similis. Genua, tibiae
et tarsı pedum anticorum flava. Antennarum articulus secundus
in femina saepe apice pallidus.‘‘
Danach kann zunächst kein Zweifel daran sein, daß beide
(Greschlechter tatsächlich einer Spezies angehören, ferner handelt
es sich sicher um ein /sosoma, nicht um eine Eurytoma. Der Bau
der männlichen Antennen stellt die Spezies in die nächste Ver-
wandtschaft von I. scheppigi, hieronymi, cylindricum, phleicola,
acıculatum und affine. Mit keiner dieser Arten ist sie indessen
identisch, das Substrat von aciculatum, cylindricum und scheppigi
fehlt in Skandinavien, alle drei sind außerdem durch das Fehlen
der bei I. attenuatum besonders großen und hellen Prothorakal-
flecke ausgezeichnet; hieronymi besitzt einen viel breiteren Kopf
und ist ebenso wie Phlercola eher plump gebaut, aber nicht schlank
zu nennen, bei affine schließlich sind die Antennen so lang wie
Kopf und Thorax zusammen, bei attenuatum dagegen nur von
Thoraxlänge. Ein hervorspringendes Merkmal im Bau der Weib-
chen ist aus den Diagnosen leider nicht zu ersehen.
Merkwürdigerweise stellt nun Walker (37, p. 20) die Eury-
toma guttula Zetterstedts als Synonym zu /. verticillata F., ob-
gleich Zetterstedts und Bohemans Art ein und dieselbe sind und
Walker die E. guttula Bohemans, wie oben erwähnt, als Syn-
onym zu seinem /. attenuatum zieht. Es liegt hier wieder eine
der öfter erwähnten und beklagten Oberflächlichkeiten Walkers
vor; da Walker schwedische Tiere vorgelegen haben, so kann
an der Identität aller drei Arten kein Zweifel sein. Thomsons
Beschreibung von guttula Boh. bietet nichts Neues, bemerkens-
wert ist immerhin, daß er die Art zu /sosoma stellt, obgleich er
die Walkersche Arbeit, die Eurytoma guttula Boh. mit I. attenuatum
vereinigte, nicht kannte.
Isosoma pilicorne (Boheman) Walker (1835).
Eurytoma prlicornis Boheman, Svenska Vet.-Ak. Handl. 56, 1835,
p- 246.
Isosoma pilicorne Walker, Notes on Chalc. II, 1871, p. 20.
Isosoma pilicornis Thomson, Hym. Scand. IV, 1, 1875, p. 56.
Isosoma pilicorne v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 349.
Von dieser Spezies gibt Boheman (11, p. 246) folgende Be-
schreibung:
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 133
„Eurytoma pilicornis: media, longiuscula, nigra, punctulata,
albo-pubescens, antennis pilosulis, sub-moniliformibus, scapo flavo,
prothorace antice utringue macula lutea ornato; pedibus nigris,
tıbiis anticis, geniculis tarsisque luteis; ano obtuso. 9.
Hab. in Westrogothia et Smolandia rarius.
Statura E. longulae Z, sed major et nonnihil robustior. Caput
transversum, versus 05 perparum angustatum, antice visum mo-
dice convexum, nigrum, subtiliter crebre punctulatum, tenue albo-
pubescens. Os lutescens. Oculi mediocres, modice prominuli, ob-
scure brunnei. Antennae thorace longiores, filiformes; scapus ver-
tice vix altior, gracilis, flavescens, medio parum incrassatus; fla-
gellum lineare, nigrum, articulis aequalibus, sub-rotundatis, distinc-
tis, pilosulis, apicali acuminato. Prothorax latitudine brevior,
antice truncatus, niger, obsolete punctulatus, tenue pubescens,
utrinque maculi humerali lutea ornatus. Thorax supra modice
convexus, minus gibbus, niger, immaculatus, punctura et indu-
mento prothoracis. Scutellum mediocre, sub-cordatum, parum
convexum, nigrum, apice rotundatum, muticum. Metathorax
brevis, declivis, niger, ruguloso-punctatus. Abdomen minus com-
pressum, supra convexum, subtus carinatum, nigrum, nitidissimum,
ano obtuso; oviductu parum exserto. Pedes formae in hoc genere
ordinariae,; femoribus nigris, apice flavescentibus; tibiis anticis
luteis, immaculatis, posterioribus medio infuscatis; tarsis pallidis,
ungulis fuscis. Alae hyalinae, nervo ramuloque stigmaticali
testaceis.‘
Diese Spezies stellt Walker (37, p. 20) und nach ihm Thom-
son (40, p. 56) zu /sosoma, wohl mit Recht, obgleich es nicht
sicher ist, daß Walker typische Stücke gesehen hat. Thomsons
Beschreibung ist sehr viel kürzer und bietet noch weniger spezi-
fische Merkmale als die ausführlichere Diagnose Bohemans. Die
Art ist nach dieser allein nicht zu identißizieren.
Isosoma vacillans Walker (1837).
Isosoma vacıllans Walker, Ent. Mag. IV, 1837, p. 23 —4.
Isosoma vacıllans Walker, List Spec. Hym. Ins. II, 1871, p: 100.
Isosoma vacıllans v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 350.
Walkers Diagnose lautet:
„Isosoma vacıillans 8. I. longulo paullo validius, antennae et
alae latiores.
Atrum: Eurytomae speciebus nonnullis simillimum: antennae
corporis dimidio longiores: prothoraci macula utrinque rufa, mi-
nima: genua et tarsi picea: alae fere limpidae; nervi nigro-fusci.
(Corp. long. lin. 134; alar. lin. 213).
May; on grass in woods; near London.“
Aus dieser Beschreibung geht es nicht eindeutig hervor, daß
es sich tatsächlich um ein /sosoma handelt, konnte doch Walker
selbst die beiden Genera /sosoma und Eurytoma nicht scharf aus-
einander halten; so sagt er einmal (37, p. 23): ‚It seems that there
is no definite line between Eurytoma and Isosoma, but it is ad-
11. Heft
134 Dr. H. Hedicke:
visable to retain the latter genus.‘“ Es ist aber bei der vorliegen-
den Spezies nicht allein die Gattungszugehörigkeit zweifelhaft,
über die sich der Autor auch nicht im Klaren war, sondern auch:
die Artbeschreibung ist so dürftig, daß es nicht möglich ist, die
Spezies zu identifizieren, fehlt doch jede Angabe über irgend ein
plastisches Merkmal.
Isosoma brevicolle Walker (1837).
Isosoma brevicolle Walker, Ent. Mag. IV, 1837, p. 24.
Isosoma brevicolle v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Walker gibt von dieser Spezies folgende Beschreibung:
„Isosoma brevicolle (Haliday). $. Praecedenti (I. vacillans
Walk.) simile et validius, antennae crassiores, alae latiores.
Atrum: antennae latae, corporis dimidio paullo longiores:
abdomen thorace brevius, fere planum: tarsı nigri: alae lim-
pidae; nervi picei. (Corp. long. lin. 134; alar. lin. 2%).
Found on sand-hills, at Port Marioekl by Mr. Haliday.‘“
Da die Identifizierung dieser Spezies die Kenntnis der vorigen
voraussetzt, ist sie nach der Diagnose unmöglich; im übrigen gilt
für die Art das gleiche, was bei der vorigen bemerkt wurde.
Isosoma brevipenne Walker (1837).
Isosoma brevipenne Walker, Ent. Mag. IV, 1837, D 24,
Isosoma brevipenne Walker, List Spec. Hym. Ins. I, 1846, p. 12.
Isosoma brevipenne v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Von dieser Spezies gibt Walker folgende Beschreibung:
„Isosoma brevipenne. 2. I. angustato similis, alae breviores,
angustiores.
Atrum, angustum: abdomen thoracis longitudine: genua et
tarsi picea: alae subfuscae, breves, angustae; nervi fusci. (Corp.
long. lin 1, alar. long. lin. 1.)
Found near London.‘
Da von I. angustötum Walk., mit der der Autor die vor-
liegende Spezies vergleicht, nur wenige Exemplare untersucht
werden konnten, so läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob inner-
halb dieser Art Individuen mit so stark verkürzten Flügeln vor-
kommen, daß man /. brevipenne als Synonym zu angustatum
stellen könnte. Andere Artmerkmale werden aber nicht ange-
geben, die Spezies muß daher zweifelhaft bleiben.
34. Isosoma flavipes (Foerster) Walker (1831).
Eurytoma flavipes Foerster, Beitr. Monogr. Pterom. I, 1841, p. 31.
Isosoma flavipes Walker, Notes on Chalc. II, 1871, p. 20.
Isosoma flavipes v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 347.
Bei Besprechung der von Foerster beschriebenen Eurytoma-
Arten stellt Walker die beiden Spezies flavipes und humeralis
zu Isosoma. Da die Zugehörigkeit zu diesem Genus aus den Dia-
gnosen nicht hervorgeht, ist anzunehmen, daß Walker die Typen
Foersters gesehen und danach die Abtrennung vorgenommen hat.
Die Beschreibung Foersters (16, p. 31) hat folgenden Wortlaut;
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 135
„Eur. flavipes. Schwarz, der Schaft, das Stielchen, 2 Seiten-
flecken am Vorderrücken und die Beine mit Hüften und Schenkel-
ringen gelb; die Flügel wasserhell. ©. Lg. 1%, Lin.“
Obgleich kein einziges skulpturelles Merkmal angegeben wird,
ist die Spezies doch durch die bei keiner anderen Art mit Aus-
nahme von /. fulvicolle Walk. vorkommende Gelbfärbung der
Beine und der Antennenbasis genügend charakterisiert und leicht
wiederzuerkennen; in der im Zoolog. Museum zu Berlin befind-
lichen Sammlung Foersters ist die Type dieser Art leider nicht
vorhanden.
Isosoma humerale (Foerster) Walker (1841).
Eurytoma humeralis Foerster, Beitr. Monogr. Pterom. I, 1841, p. 31.
Isosoma humerale Walker, Notes on Chalc. II, 1871, p. 20.
Isosoma humerale v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 348.
Das bei der vorigen Spezies über die Genuszugehörigkeit Ge-
sagte gilt auch für diese Art. Auch von ihr liegt die Type nicht
vor. Während aber die vorige Art durch ihre Färbung gut cha-
rakterisiert ist, ist diese Spezies durch die Färbungsmerkmale
nicht so sicher gekennzeichnet. Die Diagnose Foersters lautet:
-„„Eur. humeralis. Schwarz, punktiert, sparsam behaart, etwas
glänzend; die Fühler, der Mund und 2 Flecken in den Vorder-
winkeln des Vorderrückens rötlichgelb; die Beine schwarz, mit
rötlichgelben Schienen und Füßen, letztere an der Spitze, sowie
die hinteren Schienen in der Mitte pechbräunlich. ©. Lg. 1 Lin.‘
Wenn ‘auch unter sämtlichen in -dieser Arbeit behandelten
Arten keine einzige ausgesprochen rötlichgelbe Antennen besitzt,
so tritt doch bei mehreren Spezies eine teilweise oder gänzliche
mehr oder weniger helle Bräunung der Antennen auf, die daher
nicht als Unterscheidungsmerkmal von anderen Arten gebraucht
werden kann. Die Art muß demnach als zweifelhaft gelten.
Isosoma laothoe Walker (1843). -
Isosoma laothoe Walk., Ann. Mag. Nat. Hist. 12, 1843, p. 109,
Isosoma laothoe Walker, List Spec. Hym. Ins. I, 1846, p. 12.
Isosoma laothoe v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 348.
Walkers Diagnose lautet:
„Isosoma laothoe, Fem. Atrum, prothorace maculis genubus-
que flavis, tarsis piceis, alis limpidis, nervis fulvis.
Atrum, convexum, punctatum, parce pubescens, parum ni-
tens: caput thorace vix latius: oculi et ocelli picei: antennae
graciles, extrosum crassiores, thorace paullo breviores: prothorax
mesothorace angustior utrinque flavo-maculatus: mesothoracis
parapsides extantes, suturae optime determinatae; scutellum
parvum: metathorax declivis, convexus, carinatus: petiolus
brevis; abdomen fusiforme, nitens, laeve, glabrum, apice acumi-
natum, thorace vix longius: segmenta primum et secundum
parva; tertium et quartum longiora; quintum et sextum breviora:
pedes nigri, genua flava; tarsı picei: alae limpidae; squamulae
piceae; nervi fulvi. (Corp: long. lin. 1, alar. lin. 11%).
11. Heit
136 Dr. H. Hedicke:
Taken by Mr. Greville at Juniper Green near Edinburgh.‘
So ausführlich die Diagnose zu sein scheint, enthält sie doch
kaum ein brauchbares Artmerkmal, sie trifft vielmehr auf eine
ganze Anzahl von Arten zu und könnte ebensogut als Gattungs-
diagnose von I/sosoma gelten. Die Art muß danach als zweifel-
haft gelten.
Isosoma nepe Walker (1844).
Isosoma nepe Walker, Ann. Mag. Nat. Hist. 14, 1844, p. 212.
Isosoma nepe Walker, List Spec. Hym. Ins. II, 1848, p. 100.
Isosoma nepe v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 349.
Von dieser Spezies gibt Walker nachstehende Diagnose:
„Isosoma Nepe, mas. Atrum, prothoraci macula utrinque
fulva, antennis pedibusque nigris, genubus rufis, tarsis piceis, alıs
subfuscis, nervis piceis. (Corp. long. lin. 1, alar. lin. 1%,).
Body black, convex, eylindrical: head and thorax punctured:
head a little broader than the thorax: antennae slender, filiform,
clothed with long hairs, somewhat shorter than the thorax; first
joint slightly bent, dilated beneath; second short-cyathiform;
third and fourth very minute; fifth and following joints to the
eleventh long, cylindrical, nearly equal in size, or successively,
vet very slightly shorter and broader; tip of the eleventh joint
pointed: prothorax very finely rugose, somewhat shining, rather
broader than long, a little shorter and more slender than that
of vacillans, from which it differs also in having a smaller pale
fulvous spot on each fore-corner: mesothorax dull; sutures of
the parapsides very distinct, approaching each other; axillae
large, triangular, not conniving; scutellum obconic, having a rim
round its hind border, which is more obtuse than that of 7. lon-
gulum, petiolatum, and hyalipenne: metathorax transverse, very
short: propodeon dull, obconic, decumbent, coarsely punctured,
and having here and there some large shallow excavations: podeon
long, stout, cylindrical, dull, punctured; abdomen elliptical, smooth,
shining, not compressed, scarcely more than half the length of
the thorax, a little narrower and less convex than that of 7. lon-
eulum and I. longicorne, metapodeon large, conical, occupying
about half the dorsum; octoon scarce more than one-fourth of
the length of the metapodeon;, ennaton much longer than the
octoon; decaton much longer than the ennaton; protelumi, para-
telum and telum verv short: legs black; knees fulvous; tarsi
fuscous, paler beneath: wings slightly fuscous; nervures fuscous;
humerus much less than half the length of the wing, rejecting
beneath a short branch; ulna more than half the length of the
humerus: radius more than half the length of the ulna; cubitus
a little shorter than the radius; stigma small.‘
Für diese Diagnose gilt das bei /. laothoe Walk. (resagte
gleichfalls: bei aller Ausführlichkeit wird nicht ein einziges Merk-
mal gegeben, das die Spezies von anderen sicher unterscheiden
läßt, denn der Hinweis darauf, daß der Hinterrand des Scutellums
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 137
stumpfer ist als bei I. longulum, petiolatum und hyalipenne gibt
keinen brauchbaren Anhalt. Bemerkenswert ist die Angabe, daß
der Ramus submarginalis einen kurzen Ast in die Flügelfläche
entsendet; es kann sich hier nur um ein abnormes Auftreten einer
überzähligen Ader handeln, da derartige Bildungen normalerweise
bei Chalcidiern niemals auftreten. Diese Erscheinung als spezi-
fisches Merkmal benutzen zu wollen, geht natürlich nicht an.
Die Angaben über die Länge der einzelnen Abdominalsegmente
sind überflüssig, da sie bei fast allen Isosomen in diesem Verhält-
nis vorkommen; auch der Hinweis darauf, daß das Abdomen
etwas schmäler und weniger gewölbt ist als bei /. longulum und
longicorne, ist nicht von arttrennender Bedeutung. Die Art hat
demnach ‘als zweifelhaft zu gelten.
35. Isosoma sociabile Giraud (1863).
Isosonıa soctabile Giraud, Verh. zool. bot. Ges. 13, 1863, p. 1294 —5.
Isosoma sociabile v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 349.
Girauds Beschreibung dieser Spezies lautet:
„Nigrum, coriaceum, vix pubescens: mandibulis, maculis
duabus prothoracis, tibiis tarsisque fulvis; alıs subfuscis, nervis
obscurioribus. 3%.
Long. 4 mm.
©. Tete et thorax assez finement corliaces, presque mats A
peine pubescents. Angles anterieurs du prothorax taches de fauve-
päle. Abdomen un peu plus long que la tete et le thorax, lisse,
glabre, acumine et sensiblement comprime, un peu deprime sur
le dos; les valves de la tariere un peu saillantes, fauves enout.
Pattes tres peu pubescentes; les hanches et les cuisses noires,
les trochanters brunätres, la moitie externe des cuisses anterieures,
en dehors, et la plus grande partie de leur face interne, le bout
des deux paires posterieures, les tibias et les tarses, d’un fauve
plus ou moins clair; ceux-ci avec le dernier article obscur. Ailes
un peu assombries par une pubescence obscure, les nervures et
l’ecaille noirätres.
d. Plus petit. Antennes courtes pour ce sexe, tres peu plus
longues que celles de la femelle, atteignant a peine le milieu du
thorax; les articles du flagellum assez &pais, tr&s peu plus longs
que larges. Abdomen ovoide, obtus au bout, non comprime, A
peine de la longueur du thorax, bri&evement petiole; le petiole ne
depassant pas les hanches. Tout le reste comme dans la femelle.
Par la forme acuminee et comprimee de l’abdomen, chez la
femelle, cet insecte se place dans la derniere section des /sosoma
de Mr.. Walker, qui ne contient que peu d’especes dont aucune
n’a les tibias entierement fauves.‘
Die Spezies ist durch die Länge und Form des weiblichen
Abdomens wie durch die helle Beinfärbung, schließlich auch
durch die Kürze der männlichen Antennen gut gekennzeichnet,
wenn auch skulpturelle Merkmale in der Beschreibung fehlen.
Nach letzterer zu urteilen, steht die Spezies dem /. giraudi n. sp.
11. Heft
138 Dr. H. Hedicke:
sehr nahe, das gleichfalls ein schwach komprimiertes, scharf zu-
gespitztes und sehr langes Abdomen besitzt und in der Bein-
färbung völlig mit I. sociabile übereinstimmt. Dagegen ist das
Flügelgeäder und die Behaarung der Flügel ganz blaßgelb, während
sociabile durch dunkle Behaarung und schwärzliches Geäder aus-
gezeichnete Flügel besitzt. Auch die Männchen sind deutlich ver-
schieden; während /. giraudi Antennen hat, die reichlich so lang
wie Kopf und Thorax zusammen sind, reichen die von sociabile
kaum bis zur Thoraxmitte. Sehr bemerkenswert ist ferner, daß
Giraud die Tiere aus Halmen einer Festuca-Spezies gezogen hat,
also dem gleichen Substrat, das auch von /. giraudi bewohnt wird.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß Girauds Art der Erzeuger einer
der bekannten Festucagallen ist, deren Bewohner durch Zucht
bisher noch nicht ermittelt werden konnten.
36. Isosoma eximium Giraud (1863).
Isosoma eximium Giraud, Verh. zool. bot. Ges. 13, 1863, p. 1296.
Isosoma eximium v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 347.
Isosoma eximium var. Snellen von Vollenhoven, Tijdschr. Entom.
19, 1876, p. 168-9.
Isosoma eximium var. sabuleti v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898,
D. 347.
Die Beschreibung Girauds hat folgenden Wortlaut:
„Nigrum, dense, punctulatum, pubescens: pedibus, fulvis,
coxis omnibus femoribusque posticis, nigris; alis hyalinis. Long.
g& 3% mm, 25 mm.
D)
2. Tete et thorax presque mats, couverts d’une ponctuation
mediocrement fine, egale, tres serree, d’aspect grenu, et d’une
pubescence courte et assez dense. Antennes noires, avec le bout
du second article et le troisieme, ou petit anneau, fauves. Bord
anterieur du prothorax non arrondi, formant des angles assez
marques, presque droits, et portant un point päle presque imper-
ceptible. Metathorax tres peu plus fortement ponctu@ que le
reste, parcouru, dans son milieu, par une gouttiere assez profonde.
Abdomen lisse, un peu pubescent en arriere, plus long que le
reste du corps, un peu plus etroit que le thorax aux Epaules, tr&s
attenue au bout; le dos convexe, les cötes un peu comprimes en
dessous, les valves de la tariere depassant le bout de toute la
longueur du dernier segment, leur extremite d’un fauve-clair.
Pattes d’un fauve-rougeätre, les hanches, les trochanters, ä l’ex-
ception du bout, les cuisses posterieures, jusques pres de l’extre-
mite et la base des anterieures, noirs. Ailes longues, &troites,
hyalines, faiblement lavees de jaune sous le rameau stigmatical;
les nervures jaunätres ou plutöt d’un fauve-claır.
3. Antennes toutes noires, greles, aussi longues que les deux
tiers du corps; les articles du flagellum tr&s longs, richement
couverts de poils non verticilles, le scape peu €pais ä la base,
elargi pres du bout et formant une saillie anguleuse. Abdomen
ovoide, de la longueur du thorax; le petiole aussi long que les
\
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 139
hanches, le bout anal depasse par l’armure copulatrice sous la
forme de deux apicules lamelleuses. Ailes sans teinte jaunätre
sous le rameau stigmatical.
Cette espece se fait remarquer, entre toutes, par sa taille
plus forte et par la grande extension de la couleur claire des pattes.
Elle appartient a la m&me section que la precedente. (I. socia-
bile Gir.)
Un seul couple capture le 12 juin, au Prater, pres de Vienne.‘
Die Spezies ist durch ihre Größe und Skulptur mit I. gigan-
ieum n. sp. sehr nahe verwandt, auch die Färbungsmerkmale
stimmen völlig überein, doch sind bei /. giganteum die Antennen
des Männchens fast körperlang, bei /. eximium erreichen sie nur
zwei Drittel der Körperlänge, ferner sind bei den Weibchen von
giganteum die Flügel völlig hyalin, bei eximium verwaschen gelb-
lich unterhalb des Radius.
Snellen von Vollenhoven (41) beschreibt eine Form, die
den beiden genannten Arten sehr nahesteht, er bezeichnet sie als
Varietät von eximium Gir. Sie unterscheidet sich von dieser durch
das fast völlige Fehlen der Prothorakalflecke, die Schwärzung der
vier vorderen Trochanteren, der nur am Ende gebräunten Subcosta
und der Legebohrerscheiden, sowie durch das Fehlen des gelben
Flügelwisches. Die Form ist sicher mit einer der beiden Arten
identisch, vermutlich aber mit giganteum und nicht mit eximium,
da für letztere der Flügelwisch zum Unterschied von giganteum
charakteristisch ist.
Über die Lebensweise des I. eximium ist nichts bekannt,
wie überhaupt die Spezies seither nicht wiedergefunden worden ist.
Isosoma clavicorne Walker (1871).
Isosoma clavicornıs Walker, Notes on Chalc. I, 1871, p. 14.
Isosoma clavicorne v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Walkers Diagnose lautet:
„]. clavicornıs. — Foem. Nigra, subtiliter punctata; an-
tennae clavatae, breves; prothorax fulvo bimaculatus; abdomen
glabrum, subfusiforme, thorace non longius; pedes nigri, genubus
tarsisque fulvis; alae albae, venis pallide testaceis.
Female. Black. Head and thorax finely punctured. Head
a little broader than the thorax. Antennae clavate, a little longer
than the breadth of the head. Prothorax with two tawny hu-
meral spots. Abdomen nearly fusiform, not longer than the thorax,
with a few white hairs towards the tip. Knees and tarsi tawny.
Wings white; veins pale testaceous; ulna less than half the length
of the humerus; radius a little more than half the length of the
ulna; cubitus a little less than half the length of the ulna. Length
of the body 1%, line.
The comparatively long abdomen distinguishes it from I. ver-
ticillata, crassicornis, hyalipennis, angustata; the stouter body from
I. minor, attenuata, pusilla, breviventris, tenuicornis; the shorter
and more clavate antennae from I/. linearis, Laothoe; the broader
11. Heft
140 Dr. H. Hedicke:
fore wings from 7. angustipennts, the paler wings from I. depressa;
the paler wing-veins from I. brevicornis, petiolata, longicornis,
cornuta, brevis, Nepe, vacıllans.
England.‘
Die vergleichsweise Betrachtung dieser mit einer ganzen Reihe
von anderen Spezies ist nicht geeignet, Klarheit über die Stellung
der fraglichen Art zu schaffen, schon deshalb nicht, weil Walker
die Variabilitätsgrenzen der von ihm zum Vergleich herangezogenen
Arten nicht bekannt waren, und ferner, weil die meisten dieser
Spezies ihre systematische Stellung verändert und als Synonyma
zu anderen getreten sind. Irgend ein für die Identifizierung brauch-
bares Merkmal ist in der Diagnose nicht zu finden, die Spezies
muß demnach als zweifelhaft gelten.
Isosoma melanomerum Walker (1871).
Isosoma melanomera Walker, Notes on Chalc. I, 1871, p. 14—5.
Isosoma melanomerum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 348.
Von dieser Spezies gibt Walker nachstehende Beschreibung:
„I. melanomera. Mas. Nigra, gracilis, subtiliter punctata;
antennae corpore paullo beviores; prothcrax piceo bimaculatus;
abdomen glabrum, fusiforme, thorace multo brevius et angustius;
genua fulva; tarsı picei; alae subfuliginosae, piceo venosae.
Male. Black, slender. Head and thorax finely punctured.
Antennae a little shorter than the body; third and following
joints long, nearly linear. Prothorax with two piceous humeral
spots. Abdomen fusiform, much shorter and narrower than the
thorax. Knees tawny; tarsi piceous. Wings slightly smoky; veins
piceous; ulna much more than half the length of the humerus;
cubitus longer than the radius, about one-fourth of the length
of the ulna. Length of the body. 1%, line.
The more moniliform antennae and the darker tarsi distin-
guish it from /. verticıllata.
England.‘
Das einzige Merkmal, das diese Spezies der Diagnose nach
von anderen Arten unterscheidet, sind die rauchig getrübten
Flügel. Die übrigen Artcharaktere, fadenförmige Antennen, ver-
dunkelte Tarsen, spindelförmiges, verschmälertes Abdomen, finden
sich auch bei mehreren anderen Arten. Die Angabe, daß die
Antennen kürzer sind als der Körper, könnte von Wert sein, wenn
angegeben wäre, wie lang sie sind. Auch der Vergleich mit 7. verti-
cillatum ist bedeutungslos, da es sich bei dieser gleichfalls um
eine problematische Art handelt. /. melanomera muß daher als
zweifelhaft gelten.
Isosoma claripenne Walker (1871).
Isosoma claripennis Walker, Notes on Chalc. I, 1871, p. 13.
Isosoma claripenne v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Walkers Diagnose hat folgenden Wortlaut:
„2. claripennis. - Mas. Nigra, subtiliter punctata; antennae
thorace multo longiores, articulis fusiformibus petiolatis; pro-
11. Heft
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 141
thorax fulvo bimaculatus; abdomen glabrum, fusiforme, thorace
multo brevius; genua fulva; tarsi nigri; alae albae, piceo venosae.
Male. Black. Head and thorax finely punctured. Head
broader than the thorax. Antennae much longer than the thorax;
joints from the fourth to the eigth fusiform, with long whorls
of hairs and with rather long petioles; third joint much longer
and stouter than the fourth. Prothorax with two tawny humeral
spots. Abdomen fusiform, much shorter than the thorax. Knees
tawny; tarsi black. Wings white; veins piceous; ulna much shorter
than the humerus; cubitus longer than the radıus, about one-
fourth of the length of the ulna. Length of the body 1%% line.
It may be distinguished from /. Petiolata by the smaller
humeral spots, by the shorter petiole, and by the darker tarsı.‘
Für diese Art gilt das Gleiche, was bei /. melanomerum ge-
sagt wurde: wirkliche Artcharaktere finden sich in der Diagnose
nicht, die angegebenen Merkmale finden sich auch bei anderen
Arten. Der Vergleich mit I. Petiolatum ist wenig zweckmäßig,
denn grade der lange Petiolus ist das charakteristische Merkmal
dieser Spezies, die Größe der Prothorakalflecke und die Färbung
der Tarsen haben als Unterscheidungsmerkmale keine Bedeutung.
Die Art hat demnach als zweifelhaft zu gelten.
37. Isosoma tenuides Walker (1871).
Isosoma tenuipes Walker, Notes on Chalc. I, 1871, p. 156.
Isosoma tenuipes v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 350.
Die Beschreibung Walkers hat folgenden Wortlaut:
„I. tenuipes. — Mas. Nigra, gracillima, subtilissime punctata;
antennae gracillimae, thorace longiores; prothorax testaceo bi-
maculatus; petiolus longiusculus; abdomen glabrum, subdepres-
sum, postice latescens, thorace multo brevius; pedes gracillimi,
. femoribus apice tibiis basi tarsique testaceis; alae diaphanae,
piceo venosae.
Male. Black, very slender. Head and thorax very finely
punctured. Head a little broader than the thorax. Antennae
very slender, longer than the thorax; joints long. Prothorax
with two testaceous humeral spots. Metathorax attenuated. Pe-
tiole rather long. Abdomen rather flat, much shorter than the
thorax, gradually increasing in breadth from the base nearly
to the tip. Femora at the tips, tibiae at the base and tarsı testa-
ceous. Wings pellucid; veins piceous; ulna a little more than
half the length of the humerus; cubitus hardly longer than the
radius, about one-third of the length of the ulna. Length of the
body 1Y/, line.
The longer antennae distinguish it from I. Nepe.“
Der wesentlichste Artcharakter von I. tenuipes liegt in der
von der Basis zur Spitze zunehmenden Verbreiterung des Abdo-
mens, das sonst im männlichen Geschlecht bei keiner anderen
Spezies zu beobachten ist. Die Art ist danach, falls sie wieder-
gefunden werden sollte, leicht zu erkennen. Der Autor gibt einen
11. Heft
142 Dr. H. Hedicke:
Fundort nicht an, doch ist England als solcher zu vermuten, da
die Diagnose unter mehreren anderen nur englischer Spezies steht.
Isosoma aequale Walker (1871).
Isosoma aequalis Walker, Notes on Chalc. I, 1871, p. 16.
Isosoma aequale v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 345.
Von dieser Spezies gibt Walker folgende Beschreibung:
„]. aequalis. — Fem. Nigra, gracilis, subtiliter punctata; an-
tennae subclavatae, breves; prothorax fulvo bimaculatus; abdo-
men glabrum, fusiforme, thorace aequilongum; pedes nigri, ge-
nubus pallide testaceis, tibiis anticis apice tarsisque quatuor
posterioribus fulvis; alae diaphanae, piceo venosae.
Female. Black, slender. Head and thorax finely punctured.
Head a little broader than the thorax. Antennae subclavate,
about half the length of the thorax; third joint longer than the
second, and much longer than the fourth; the latter and the
three following joints nearly equal in length; club nearly thrice
longer than the seventh. Prothorax with two tawny humeral
spots. Abdomen fusiform, as long as the thorax. Knees pale
testaceous; four posterior tarsi and tips of the fore tibiae tawny.
Wings pellucid; veins piceous; ulna more than half the length
of the humerus; radius much shorter than the cubitus, which
is about one-fourth of the length of the ulna. Length of the body
1b, line.
A little stouter than I. angustipennis, and with broader
fore wings.
England.‘
Wenn sich diese Spezies von I. angustipenne allein durch
kräftigere Gestalt und breitere Vorderflügel unterscheidet, so ist
sie höchstwahrscheinlich mit ihr identisch, da diese beiden Cha-
raktere als artunterscheidend nach den Ergebnissen der Unter-.
suchung des dieser Arbeit zugrunde gelegten Materials nicht an-
gesehen werden können. Da es indessen nicht sicher ist, ob 7.
aequale nicht durch irgendwelche anderen, vom Autor nicht an-
gegebenen Merkmale von angustipenne doch verschieden ist, so
muß sie als zweifelhaft gelten.
Isosoma tibiale Walker (1871).
Isosoma tibialis Walker, Notes on Chalc. I, 1871, p. 16.
Isosoma tibiale v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 350.
Walkers Diagnose dieser Spezies lautet:
„I. tibialis. — Foem. Nigra, gracilis, subtilissime punctata;
antennae clavatae, breves; prothoracis maculae duae fülvae, ma-
ximae; abdomen glabrum, sublanceolatum, subdepressum, thorace
paullo longius; pedes nigri, femoribus apice tibiisque basi testa-
ceis, tarsis quatuor posterioribus fulvis; alae diaphanae, testaceo
pallide venosae.
Female. Black, slender. Head and thorax very finely punc-
tured. Head very little broader than the thorax.. Antennae cla-
vate, somewhat longer than the breadth of the head; fifth, sixth
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 143
and seventh joints transverse. Humeral spots of the prothorax
tawny, very large, each about one-third of the breadth of the
prothorax. Abdomen slightly lanceolate, rather flat above, a little
longer than the thorax. Femora towards the tips and tibiae
towards the base testaceous; four hinder tarsi tawny. Wings
pellucid; veins pale testaceous; ulna less than half the length
of the humerus; cubitus longer than the radıus, about half the
length of the ulna. Length of the body 1, line.
The fore wings are narruwer than those of I. Laothoe, and
the abdomen is longer.
England.“
Die Artberechtigung dieser Spezies ist, nach der Diagnose
allein zu urteilen, sehr zweifelhaft. Wenn sich die Art von I. lao-
thoe nur durch schmalere Vorderflügel und längeres Abdomen
unterscheidet, so sind beide Arten für identisch zu erklären; in
der Diagnose von /aothoe wird das Abdomen als ‚‚thorace vix lon-
gius“ bezeichnet, bei Zibiale als ‚„‚thorace paullo longius“, da nun
die Körperlänge von Zaothoe 1 Linie, von fibiale 1V, Linie beträgt,
so ist daraus zu schließen, daß Walker die absolute Länge meint,
wenn er das Abdomen von I. tibiale als länger als dasjenige von
laothoe bezeichnet, also eine im höchsten Maße irreführende An-
gabe, die aber bei Walker nicht vereinzelt dasteht. Daß die
sehr wechselnde Ausdehnung der Flügel kein Artmerkmal ist,
wurde oft erörtert. Mit noch größerer Wahrscheinlichkeit, ja fast
mit Sicherheit, ist anzunehmen, daß /. fibiale identisch ist mit
I. depressum Walk., dessen Type vorliegt. Von letzterer Spezies
hebt der Autor in der sonst sehr knappen Diagnose ausdrücklich
die Größe der hellen Prothorakalflecke hervor, die bei dem typi-
schen Exemplar nahezu zwei Drittel des Pronotums einnehmen;
das gleiche Merkmal gibt er für I. tibiale an; die Form des Abdo-
mens stimmt bei beiden Arten überein; die Skulptur des Thorax,
die bei depressum fast chagrinartig ist, wird bei fzbrale als ‚‚very
finely punctured‘ bezeichnet. Über die Form der Antennen, die
bei der Type von depressum leider fehlen, wird in der Diagnose
dieser Spezies nichts gesagt. Die Färbung ist bei beiden Arten
die gleiche, nur sind bei depressum die Tibien ganz gelbbraun, bei
tibiale nur die Basis, doch kann daraus kein artentrennendes
Merkmal konstruiert werden. Es besteht demnach die größte
Wahrscheinlichkeit, daß I. tibiale als Synonym zu depressum
gehört.
Isos6oma canaliculatum Walker (1871).
Isosoma canaliculata Walker, Notes on Chalc. I, 1871, p. 17.
Isosoma canaliculatum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Walkers Diagnose hat folgenden Wortlaut:
„j. canaliculata. Foem. — Nigra, subtiliter punctata; an-
tennae clavatae, breviusculae; prothorax albido bimaculatus; ab-
domen glabrum, depressum, sublanceolatum, thorace longius;
11. Heft
144 Dr. H. Hedicke:
pedes nigri, femoribus apice tıbiis basi tarsisque quatuor posterio-
ribus pallide flavis, tibiis tarsisque anticis fulvis; alae diaphanae,
albido venosae.
Female. Black. Head and thorax finely punctured. Head
hardly broader than the thorax. Antennae clavate, much longer
than the breadth of the head. Prothorax with two whitish trans-
verse humeral spots. Abdomen sublanceolate, depressed, some-
what longer than the ihorax. Femora at the tips, tibiae at the
base and four posterior tarsi pale yellow; fore tibiae and fore
tarsi tawny. Wings pellucid; veins whitish; ulna less than half
the length of the humerus; cubitus a little longer than the radius,
a little more than half the length of the ulna. Length of the body
1%, line.
Between /. Laothoe and I. linearis; it differs from the former
by the shorter and more clavate antennae, from the latter by
the little less clavate antennae and by the broader fore wings.
South France. In the collection of the Rev. T. A. Marshall.‘
Brauchbare Artcharaktere sind in dieser Diagnose nicht vor-
handen, ein deprimiertes, sublanceolates Abdomen besitzen mehrere
Arten. Der Vergleich mit 7. lineare (= hordei Harr.) bietet eben-
falls keine Möglichkeit, die Art danach zu identifizieren, die dem-
riach als zweifelhaft gelten muß.
Isosoma junceum Walker (1871).
Isosoma juncea Walker, Notes on Chalc. II, 1871, p. 24.
Isosoma junceum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 348.
Von dieser Spezies gibt Walker folgende Beschreibung:
„]. juncea. Mas. — Nigra, nitens, gracillima; antennae gra-
ciles, filiformes, verticillato-pilosae, thorace aequilongae, articulo
lo subincrassato; petiolus brevissimus; abdomen convexum, longi-
fusiforme, thorace angustius et multo brevius; pedes graciles,
tarsis quatuor posterioribus genubusque albido-testaceis, illis apice
tarsisque anticis pallide fuscescentibus; alae angustae, diaphanae,
testaceo pallido venosae.
Male. —— Black, very slender. Head and thorax shining, ex-
tremely finely punctured. Head broader than the thorax. —
Antennae slender, filiform, verticillate-pilose, as long as the
thorax; scape slightly incrassated; intermediate joints linear.
Petiole very short. Abdomen convex, smooth, elongate-fusiform,
narrower and much shorter than the thorax. Legs slender; knees,
four posterior tarsi and tips of tibiae whitish testaceous; fore
tarsı and tips of four posterior tarsi pale brownish. Wings narrow,
pellucid; veins pale testaceous; ulna about one-third of the length
of the humerus; radius about one-third of the length of the ulna,
a little longer than the cubitus. Length of the body 1 line.
More slender than /. minor and than I/. linearıs. Antennae
stouter than those of I. brevis.
I have not.been able to see any humeral spots on the pro-
thorax of the single specimen of this species.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 145
England.“
Die angegebene Form des Abdomens und der Hinweis darauf,
daß die Spezies noch schlanker sei als I. minor (= angustipenne
Walk.) und lineare (= hordei Harr.), können möglicherweise bei
späterem Wiederauffinden der Art zur Identifizierung führen.
Ob das Fehlen der Prothorakalflecke als Artcharakter anzusehen
ist, läßt sich nach einem einzelnen Exemplar nicht entscheiden.
Vorläufig muß die Art als nicht sicher deutbar gelten.
Isosoma robustum Walker (1871).
Isosoma robusta Walker, Notes on Chalc. II, 1871, p. 24—5.
Isosoma vobustum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 349.
Walkers Diagnose lautet:
„I. vobusta. Mas. — Nigra; antennae sat validae, verticillato-
pilosae, thoraci aequilongae; prothoracis maculae laterales piceae,
parvae; petiolus brevissimus; abdomen ellipticum, convexum,
thorace multo brevius; pedes sat validi, genubus tarsisque fulvis;
alae anticae vix fuscescentes, fusco venosae.
Male. — Black. Head and thorax very finely punctured.
Head a little broader than the thorax. Antennae rather stout,
verticillate-pilose, as long as the thorax; joints linear. Humeral
spots piceous, small. Petiole very short. Abdomen elliptical,
convex, smooth, very much shorter than the thorax. Legs rather
stout; knees and tarsi tawny. Fore wings hardly brownish; veins
brown; ulna about half the length of the humerus; cubitus about
one-fourth of the length of the ulna, longer than the radıus. Length
of the body 1 line.
The stouter antennae, and the shorter and broader abdomen
distinguish this species from I. brevis.
England.‘
Bis auf die Angabe, daß der Petiolus sehr En ist, enthält
die Diagnose keine für die Unterscheidung von anderen Arten
brauchbaren Merkmale; und auch dieses verliert an Bedeutung,
da nicht zu ersehen ist, was der Autor unter einem sehr kurzen
Petiolus versteht. Der Vergleich mit I. breve (= angustipenne
Walk.) bietet ebenfalls keinen Anhalt, da es eine ganze Reihe
von Spezies gibt, auf die die angeführten Unterschiede zutreffen.
Die Art muß danach als zweifelhaft gelten.
38. Isosoma romanum Walker (1873).
Isosoma romana Walker, Entomologist 6, 1873, p. 399 —6.
Isosoma romanum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 349.
Von dieser Spezies gibt Walker folgende Beschreibung:
„Isosoma romana. — Foem. Nigra, longissima; caput et thorax
sat aspere punctata; caput prothorace aequilatum; antennae gra-
cillimae, fere filiformes, basi flavae; prothoracis latera. fulva;
petiolus brevissimus; abdomen lanceolatum, apice flavum, thorace
multo longius; pedes flavi, femoribus tibiisque nigricante sub-
fasciatis; alae diaphanae, venis pallide flavis.
Archiv für Naturgeschichte :
1920. A. 11. 10 11. Heit
146 Dr. H. Hedicke:
Female. Black, elongate. Head and thorax thickly and rather
roughly punctured. Head as broad as the prothorax. Antennae
slender, almost filiform; first and second joints yellow, following
joints fusiform, setulose; club composed of three distinct joints,
which together are rather longer than the preceding one. Pro-
thorax quadrate, sides tawny. Metathorax not much developed.
Petiole very short. Abdomen convex, lanceolate, much longer
than the thorax; extreme tip yellow. Legs yellow; femora and
tibiae with an undefined blackish band on each. Wings quite
eolourless; veins pale yellow; ulna longer than the humerus, stigma
very small. Length of the body almost 3 lines.
(Eucca, Italien, A. H. Haliday).“
Die Körperlänge dieser Art überschreitet die aller anderen
Isosomen und wird höchstens von I. giganteum knapp erreicht,
welche Spezies indessen in Färbung und Gestalt von I. romanım
erheblich abweicht. Die wesentlichsten Artcharaktere von ro-
manum sind der relativ schmale Kopf, die fast fadenförmigen
Antennen, deren Scapus und Pedicellus gelb sind, der an den Seiten
gelbe, quadratische Prothorax, das am Ende gelbe, mehr als
thoraxlange Abdomen, die gelben Beine mit undeutlich dunkler
geringelten Femora und Tibien. Die Art ist somit gut gekenn-
zeichnet und mit keiner anderen zu verwechseln.
39. Isosoma semiluteum Walker (1873).
Isosoma semilutea Walker, Entomologist 6, 1873, p. 396;
Isosoma semiluteum v. Dalla Torre, Cat. Hvm. V, 1898, p. 349.
Walkers Diagnose dieser Art lautet:
„Isosoma semilutea. — Foem. Nigra, caput et thorax sub-
tilissime punctata; antennae clavatae, basi luteae; prothorax,
abdomen et pedes lutea; petiolus brevissimus; abdomen fusi-
forme, thorace paullo brevius; alae diphanae; albo venosae.
Female. Black. Head and thorax very finely punctured.
Head broader than the prothorax. Antennae clavate, much
shorter than the thorax; first and second joints luteous, the latter
moöstly black above. Prothorax, abdomen and legs luteous. Pe-
tiole very short. Abdomen fusiform, a little shorter than the
thorax. Wings pellucid; veins white. Length of the body 1" line.
This species and I. Romana, by the great difference between
them in the structure of the antennae and of the abdomen, re-
present the two extremes of the genus. /. semilutea agrees most
with the two British species that are distinguished like it by a
luteous prothorax, but the abdomen is shorter, and it is the only
species in which that part is not wholly black, excepting 7. Vitis,
in which the abdomen is luteous beneath towards the base.
(Lucca, Italien, Haliday).‘
Die Art hat mit der mitteleuropäischen Spezies I. fulvicolle
Walk. große Ähnlichkeit und unterscheidet sich wohl nur durch
die Gelbfärbung des Abdomens. Walkers Angabe, daß I. semi-
Iuteum die einzige Spezies sei (mit Ausnahme des amerikanischen
Beiträge zu einer Monographie her paläarktischen Isosominen 147
I. vitis), trifft nicht zu, da mehr ‘oder weniger umfangreiche Bräu-
nungen des Abdomens bei sehr vielen Arten zu konstatieren ist.
Dagegen ist bei dem in dieser Beziehung gleichfalls variablen
I. fulvicolle das Abdomen nie so hell gefärbt wie der Prothorax.
DieArtmuß demnach alsgenügend gekennzeichnet angesehen werden.
40. Isosoma luteicolle Walker (1873).
Isosoma luteicollis Walker, Entomologist 6, 1873, p. 397.
Isosoma luteicolle v. Dalla‘ Torre, Cat. Hym. V. 1898, p. 348.
Walkers Diagnose dieser Art hat folgenden Wortlaut:
„Isosoma luteicollis. -- Mas. Nigra; caput et thorax subtilis-
sime punctata; caput prothorace multo latius; antennae filiformes,
bası luteae; prothorax luteus; petiolus longissimus; abdomen fere
lineare; pedes lutescentes, femoribus tibiisque nonnumquam ex
parte nigricantibus; alae subcinereae, nigricante venosae.
. Male. Black. Head and thorax shining, very finely punc-
tured. Head much broader than the prothorax. Antennae fili-
form, rather shorter than the body; first and second joint luteous.
Prothorax luteous. Metathorax well developed. Petiole very long.
Abdomen nearly linear, together with the petiole not longer than
the thorax. Legs lutescent; femora and tibiae occasionally blackish;
humerus longer than the ulna. Length of the bedy 1! line.
It can hardly be compared with 7. flavicollis and with I. /ulvi-
collis, as no male of these two species has yet been discovered in
England; the longer petiole and the darker wing veins indicate
thath it is specifically different from both of them.
(Lucca, Italien, Haliday).‘
Diese Spezies kann, wie Walker mit Recht behauptet, nicht
als Männchen zu einer der bekannten Arten mit gelbem Prothorax
gestellt werden, da diese sämtlich durch sehr hell gelbliches Flügel-
geäder ausgezeichnet sind und einen schuppenförmigen, sehr kurzen
Petiolus besitzen. Sie muß somit als gute Art gelten.
41. Isosoma insolitum Walker (1873).
Isosoma insolita Walker, Entomologist 6, 1873, p. 397;
Isosoma insolitum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 348.
Walkers Beschreibung hat folgenden Wortlaut:
„[sosoma insolita. — Foem. Nigra; caput et thorax subtiliter
punctata; caput prothorace paullo latius; antennae subelavatae,
thorace multo breviores; prothorax immaculatus; petiolus lon-
giusculus; abdomen postice sublatescens, thorace multo brevius;
alae diaphanae, nigricante venosae. Mas. ? — Antennae filiformes;
abdomen longi-fusiforme.
Female. Black, slender, shining. Head and thorax finely
punctured. Head a little broader than the prothorax, which is
moderately developed, and has no trace of the two pale- spots
which are very generally characteristic of this genus. Antennae
subclavate, wholly black, much shorter than the thorax; club
fusiform, more than twice as long as the preceding joint. Meta-
thorax well developed. Petiole rather long. Abdomen slightly
10* {1. Heft
148 Dr. H. Hedicke:
increasing in breadth from the base to near the tip, very much
shorter than the thorax. Legs wholly black. Wings pellucid;
veins blackish; humerus much longer than the ulna; stigma very
small. Length of the body 1, line. Male? — Antennae filiform,
about as long as the thorax. Abdomen elongate-fusiform, longer
than that of the female. Most allied to I. brevis,
(Lucca, Italien, Haliday).‘
Es ıst fast als sicher anzunehmen, daß das von Walker als
fraglich zu dieser Art gestellte Männchen nicht zu ihr gehört, es
wäre denn der einzige Fall, daß das Abdomen des Männchens
länger wäre als das des dazugehörigen Weibchens. Die Art ist
sonst durch die Form und Länge des Abdomens und die Färbung
der Beine gut gekennzeichnet. Ein zum Ende allmählich breiter-
werdendes Abdomen kommt nur noch bei den beiden Arten 7. ie-
nuipes Walk. im männlichen Geschlecht und 7. cylindricum n. Sp.
bei den Weibchen vor. Von letzterer Spezies, mit der die vor-
liegende Art auch den Mangel der Prothorakalflecke gemeinsam
hat, ist I. insolitum aber durch das weniger als thoraxlange Abdo-
men, die Schwarzfärbung der Beine und die Verdunkelung des
Flügelgeäders deutlich unterschieden und hat somit als gute Art
zu gelten. Der Vergleich mit Z. breve (= angustipenne Walk.) ist
hinfällig, da von dieser Spezies nur das Männchen bekannt ist.
Isosoma buccatum Thomson (1875).
Isosoma buccata Thomson, Hym. Scand. IV, 1, 1875, p. 55.
Isosoma buccatum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 346.
Thomsons Beschreibung dieser Art lautet:
„I. buccata n. sp.: Capite genis buccatis teretibus, abdomine
segmento 40 contiguis paullo longiore, petiolo brevi, $ coxas haud
superante. Long. 4—5 mill. |
Praecedenti (I. verticillatum) simillima, sed capite genis buc-
catis haud compressis, thorace nitidulo, punctura minus rugosa,
abdomine breviore, segmento lo fortiter transverso, coxas posticas
haud superante, 20 fovea longiore et profundiore, 40-50 evidenter
longiore funiculi articulis $ brevioribus scapo medio fortius dilatato
discedens.
Sällsynt; funnen vid Degeberga i Skäne.‘
Diese Diagnose enthält kein einziges die Art wirklich charak-
terisierendes Merkmal, da mehr oder weniger aufgeblasene, ab-
gerundete Wangen bei fast allen Isosomen vorkommen. Der Ver-
gleich mit 7. verticillatum F. bietet keinen Anhalt, da die Identität
dieser Art nicht geklärt ist. I. buccatum muß daher als zweifelhafte
Art gelten.
Isosoma opacum Thomson (1875).
Isosoma opaca Thomson, Hym. Scand. IV. 1, 1875, p. 59.
Isosoma opacum v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 349.
Thomsons Diagnose hat folgenden Wortlaut:
„]. opaca n. sp.: Aterrima opaca, genis teretibus, thorace
parce punctata, femoribus validis. Long. 4—5 mill.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 149
I. buccatae simillima, sed vertice latiore, thorace opace, vix
pilosulo, subtissime dense coriaceo et punctis majoribus magis
conspicuis consperso, collaro majore fere quadrato, angulis hu-
meralibus rectis, metathorace sulco profundo haud lato bene de-
terminato,. funieuli articulis nodis isthmo brevi conjunctis bene
distincta.
Ej sällsynt i Skäne.‘“
Das Fehlen der hellen Prothorakalflecke allein kann nicht
zur Begründung einer Spezies verwandt werden, die sonstigen
Merkmale finden sich auch bei vielen anderen Arten. Die Spezies
muß daher als zweifelhaft gelten. |
Isosoma inaequale Thomson (1875).
Isosoma inaequaliıs Thomson, Hym. Scand. IV, 1, 1875, p. 56.
Isosoma inaequale v. Dalla Torre, Cat. Hym. V, 1898, p. 348.
Die Beschreibung Thomsons lautet:
„]. inaequalis n. sp.: Subopaca, genis buccatis, abdomine
segmento 4o contiguis duplo majore. Long. 3—4 mill.
I. opacae simillima, thorace minus opaco, abdomine segmento
4o in utroque sexu contiguis duplo longiore, scapo Z antennarum
scapo basin versus magis attenuato, tantum discedens. “
Auch diese Diagnose enthält keinerlei Merkmale, die die
Spezies von anderen Arten zweifelsfrei unterscheiden ließe; die
Art muß gleichfalls als zweifelhaft gelten.
Bestimmungstabelle der Gattung Isosoma.
Um die Identifizierung gefangener Isosomen zu erleichtern,
sei nachstehend eine dichotomische Übersicht der 41 sichergestell-
ten Isosomen gegeben. Es sei jedoch ausdrücklich bemerkt, daß
nach Benutzung der Tabelle stets auch die Diagnose der aufge-
fundenen Spezies zu vergleichen ist, da für die Aufstellung der
Übersicht nur die augenfälligsten Merkmale benutzt wurden unter
Ausschaltung aller derjenigen Artcharaktere, von denen eine größere
oder geringere Variabilität bekannt oder zu erwarten ist.
1. Flagellum aus 7 deutlich unterscheidbaren Gliedern bestehend,
die beiden letzten zuweilen stärker genähert oder mit breiter
Fläche verwachsen, Endglied mit aufgesetztem, zuweilen schwer
wahrnehmbarem Apiculus (3) » 2
Flagellum aus $ deutlich unterscheidbaren Gliedern bestehend,
die drei letzten gewöhnlich zur Keule verwachsen, selten völlig
getrennt, Apiculus stets fehlend (9) . . er O8
2: Prothorax gelb .-#': .. RR: Inteicolle Walk.
Prothorax schwarz, höchstens die Vorderecken des Pronotums
in wechselnder. Ausdehnung und Färbung heller gefleckt. 3
3. Antennen länger als der Körper . . 5. longicorne Walk.
Antennen höchstens so lang wie der Körper. ..... 4
‘4. Antennen länger als Kopf und Thorax zusammen :. .:. 5
Antennen kürzer als Kopf und Thorax zusammen . ... 7
D.. Körperlange rubes4 au rer n lan) rrri
11. Heft
150
10.
14:
Dr. H. Hedicke:
Körperlänge höchstens 3,5 mm erreichend .
4. h valipenne Walk.
;. Antennen fast so lang wie der Körper, Flügel hyalin .
30. giganteum n. Sp.
Antennen von al: Körperlänge, Flügel unter dem Ramus mar-
ginalis mit verw aschenem gelben Fleck . 36. eximium Gir.
. Petiolus (von oben gesehen) viermal so en wie dick, Abdomen
so ‚lang "wigi.den Thorası tr Tee petiolatum Walk.
Petiolus höchstens dreimal so lang wie "ick Abdomen kürzer
als der Thorax . . Ss
. Mittlere Antenne nglieder geflügelt oder doch höher als; breit g
Mittlere Antennenglieder nicht geflügelt, so hoch wie breit
oder. breiter sals noeh. BE ©)
). Flagellum sehr stark geflügelt, Länge der F lügelfortsätze des
2.—5. Geißelgliedes so groß wie die Höhe dieser Glieder.
SIDE sche n. Sp.
Flagellum mäßig geflügelt, Flügelfor tsätze des 2.—5. Gliedes
viel länger als die Glieder hoch. . . . ei
2.—5. Geißelglied (einschließlich der Stielchen) höchstens
doppelt so lang wie hoch . . . RAN.
2.5. Glied mehr als doppelt so lang ı wie hoch. 13
Kopf dreimal so breit wie lang, Augen fast halbkuglig vor-
gequollen + = 17. AIeroRDDR U E
Kopf doppelt so breit wie lang en nicht auffällig vor-
gequollenree NEE
Prothorakalflecke stets fehlend . 18; cylindricum 24.SP,
Prothorakalflecke vorhanden . . . 33. attenuatum Walk.
3. Flügelfortsätze in der Mitte deutlich eingesattelt .
19. phleicola n. Sp.
Flügelfortsätze mit gradlinigem® Dorsalrande 5 ru 4
. Scapus ventral lappig erweitert . . . : .26. affine n. Sp.
Scapus nicht. lappig erweitert, mitten schwach keulig ver:
dickt, Prothorakalflecke stets fehlend 11. aciculatum n. sp.
” Geißelglieder kurz: eiförmig, ungestielt :..'. "mw: Er 16
(Greißelglieder langgestreckt, zylindrisch, meist gestielt . 17
;.. Die beiden letzten Geißelglieder untereinander fast gleichgroß,
nicht verwachsen . . seh undschodden Flarr.
Die beiden letzten Glieder ‘mit breiter Fläche verwachsen,
‚das letzte halb so lang Ba dick wie das. vorletzte .
17.
18.
19.
. 3. brevicorme Walk.
Flagellum dorsoventral kom ri das 2. Glied: stark ge-
bogen; ventral ausgeschnitten erscheinend . 20. poicola n! sp.
Flagellum nicht komprimiert, kein Glied gebogen '.... « 18
Abdomen zum Ende allmählieh schwach verbreitert
un. BR ECHUNDES Walk.
Abdomen. am 5 nde nicht breiter als in der:Mitte nn. , #9
Erstes Geißelglied länger äls der Scapus . ... ewuw/. 20
Erstes Geißelglied höchstens so lang wie der Scapus -. A
20.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 151
Kopf und Thorax fein chagriniert, schwach glänzend .
. 24. schlechtendali n. sp.
Kopf und Thorax körnig gerunzelt, dicht mit Grübchen-
Punkten "besetzt... #9. Jr ealamagroöstidis n.'sp.
91. Die beiden letzten Geißelglieder mit breiter Fläche ver-
arichiseht:. 1225”: EBD: PASCHA D--SD.
Die beiden letzten Glieder nicht 2 miteinander verbunden
wie die übrigen .°. .. Er
22. Kopf und Thorax ne et ER BR
Kopf und Thorax fein chagriniert, der Thorax zuw eilen mit
eingestreuten flachen Grübchenpunkten . . . . ER TT.T
23. Kopf und Thorax körnig gerunzelt, Ramus ae so lang
wie der Radius . . . HE LENADSTTh RE Stak
Kopf und Thorax grob runzlig skulptiert |
24. Antennen so lang wie Kopf und Thorax zusammen, Flügel-
geader gelblich.) ...2 2); een Eee its...
Antennen nur bis zur Thoraxmitte reichend, Flügelgeäder
schwäarzlieby# 30.9.2... IR ECT OLE Gr.
5. Thorax mit flachen Guhcheriiiankten auf chagriniertem
SeNaruntle 0.0, EHER
Thorax ohne Grübchenpunkte, einfach chagriniert DT
). Thorax sehr schlank, viermal so lang wie breit, Pronotum
noch nicht doppelt so breit wie lang . 32. longicolle n. sp.
Thorax kaum dreimal so lang wie breit, Pronotum doppelt
so breit wie lang . . . RE BE TRIsCcorneN. SB:
. Ramus marginalis kaum länger als der Radius .
EL .18. dersicum n. "sp.
Ramus marginalis wenigstens um die Hälfte länger als der
Radınyserin 2. angustipenne Walk.
28. Prothorax, Abdomen und Beine gelb 39. semiluteum Walk.
Zbdonlen nie. ganz gelb. .“ .' ... Ba
29. Prothorax bleichgelb, höchstens ein "schmäaler Streifen oder
Fleck an der Basis des Pronotums dunkler . .
a2. 8. fulv icolle W alk.
Prothorax höchstens in den Vorderecken des Pronotums in
wechselnder Ausdehnung und Färbung hell gefleckt. . . 30
Beine einschließlich der Coxen und Trochanteren, Scapus und
Pedicellus’gelb. 2°" I FORETTEVIDES TUST,
Beine nicht gänzlich gelb Er 2
Körperlänge über 6 mm, Beine gelb, Femora und Tibien mit
. undeutlich schwärzlichem Ring . : .38. romanum Walk.
Körperlänge 5 mm nicht überschreitend, wenn größer, dann
"sind die Beine in größerer Ausdehnung verdunkelt a Ga
. Abdomen mehr oder weniger eiförmig, Seitenränder nach
' beiden Enden konvergierend ER: EN:
Abdomen zylindrisch, dorsal oft deprimiert, Seitenränder
ErODTEILES prall N ae nn LEREO
11. Heft
152
29
r)e)
AU.
41.
46.
Dr, H, Hedicke:
3. Abdomen doppelt so lang wıe breit oder wenig länger, kurz
EIFÖTMIE. 1. ee ee ee
Abdomen 3 —-4mal so lang wie breit, lang eiförmig. . . 43
34. Kopf, Thorax und Beine mit langen, dünnen Wimperhaaren
besetzt, besonders auf der hinteren Hälfte des Scutellums
und an den Seiten des Propodeums auffallend lang, fast
büschelig bewimpert . . . +19. Dhleveotaa 2p.
Körperbehaarung nicht auffallend lang, höchstens an den
Seiten des Propodeums etwas länger . . 38
5. Kopf dreimal so breit wie ee Augen fast halbkugelig VOT-
gequollen =”. ..... 17. hveronyaı ep.
Kopf höchstens 91 ‚mal so lang wie breit, el nicht vor-
gequolleng. ir. Ss ende S6
30. 2. Geißelglied deutlich länger als breit 37
2.—. ‚Geißelglied 'sö lang ‘oder kürzer als Dress sr ss
37. Abdomen höchstens doppelt so lang wie breit . . .... 538
Abdomen mehr als doppelt so lang wie breit. .. ...39
38. Pronotum mit scharf rechtwinkligen Vorderecken .
EN a .4. hyalıpenne Walk.
Pronotum mit breit abgerundeten Vorderecken 20. porcolan.sp.
39. Kopf und Thorax mit Ausnahme des Propodeums mikrosko-
pisch fein chagriniert, glänzend 24. schlechtendali n. sp.
Kopf und Thorax fein, aber dicht runzlig skulptiert, matt 40
Körperlänge höchstens 2,5 mm erreichend, Scutellum und
Propodeum fast flach . . . . . . .7T. angustatum Walk.
Körperlänge wenigstens 3 mm, Scutellum und Propodeum
stark gewölbt. . . ...., 12. brachypodı m =
2.—5. Geißelglied breiter als lang. . .23..scheppiei mn m.
2.—95. Geißelglied so lang wie breit 42
Thorax gleichmäßig fein gerunzelt, schwach glänzend, Ramus
marginalis fast doppelt so lang wie der Radius. « e
. .. 26: al ame "sp.
Pro- und Mesonotum und die hintere Hälfte des Scutellums
fein und dicht körnig gerunzelt, vordere Hälfte des Scutellums
sehr fein chagriniert, glänzend, Ramus marginalis so lang wie
der racinsi.r. 2 .; x: 10. Si pa Ser.
9. Körperlänge 5 mm überschreitend . . 30. giganteum n. Sp.
Körperlänge höchstens 4 mm erreichend . en |
. Abdomen höchstens dreimal so lang wie breit . . . ... 45
Abdomen viermal so lang wie breit. ... . 49
5. Pro- und Mesonotum sehr fein chagriniert, glänzend, hintere
Hälfte des Scutums und Scutellum gröber skulptiert . .
. 9, depressum Walk.
Pro- und Mesonotum und das Scutellum sleichmaRte skulp-
Bert, 2. TE
Scutellum nicht "abgesetzt und "vorgezogen, mit dem Meta-
notum und Propodeum fast in einer Ebene liegend .
BES U RZ ar ;29. foersiexg. nesn.
48.
. 49.
bt
ST
56. Kopf fast halbkugelig, kaum um die Hälfte breiter als lang;
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 153
Scutellum deutlich abgesetzt, über das Metanotum vor-
BEZOGEN! . +. ie: x
. Beine uerrecheud hear be Fe br nur ar Kniee
und die äußersten Enden der Tibien und Tarsen heller braun
. 21. ruebsaameni.n. Sp.
Beine vorherrschend gelbbraun Re ira
Pronotum über seinen ganzen Hinterrand breit bogig aus-
geschnitten . . . ...25. schmidti n..sp.
Pronotum nicht ausgerandet, Hinterrand gradlinig
... 14. calamagrostidis n. Sp.
Flagellum so ‚ lang wie . die Höhe des Kopfes, Prothorakafllecke
stets fehlend . . . 11. aciculatum n. Sp.
Flagellum um die Hälfte länger als die Höhe des Kopfes,
Pronotum mit großen, bleichen Prothorakalflecken .
. 5. longicorne Walk.
). Abdomen länger als Kopf und Thorax zusammen... 94
Abdomen höchstens so lang wie Kopf und Thorax zusammen 53
. Abdomen wenig länger als Kopf und Thorax zusammen,
Flügelgeäder schwärzlich . . . . . .,35. sociabile Gir.
Abdomen um die Hälfte länger als Kopf und Thorax zusam-
men, Flügelgeäder gelbbraun . . . RR.
. Scutellum nicht abgesetzt, mit dem Metanotum und Pro-
podeum fast in einer Ebene liegend, Kopf und Thorax äußerst
fein chagriniert, glänzend . . 2 A DRUSCHREI BD. Sp:
Scutellum deutlich scharf abgesetzt, über das Metanotum vor-
gezogen, Kopf und Thorax gerunzelt, matt 16. giraudın. sp.
3. Abdomen gegen das Ende allmählich schwach, aber deutlich
verbreitert, Prothorakaltlecke Stets Echlend at 572.222
Abdomen am Ende nicht breiter als in der Mitte . . ..55
. Abdomen so lang wie Kopf und Thorax zusammen, Beine
mehr oder weniger gebräunt, un gelbbraun .
.15. eylindricumn. Sp.
Abdomen kürzer als der Thor ax, Beine völlig schwarz, Flügel-
geäder schwärzlich . . 2.2.2. 41. insolitum Walk.
. Thorax doppelt so lang wie breit, Flagellum kaum doppelt so
lang wie der Scapus, ar sehr steil abfallend .
27. dimidiatum:n. Sp.
Thorax wenigstens Pr) „mal so lang wie breit, Flagellum mehr
als doppelt so lang wie der Scapus, Neigungswinkel des Pro-
podeums höchstens 50 Grad . . . 7.56
Stirn und Scheitel glatt und glänzend, Gesicht und Thorax
äußerst schwach skulptiert, glänzend 31. Zaevigatum n. sp.
Kopf wenigstens doppelt so breit wie lang, deutlich skulptiert 57
. Körperlänge 2—2,2 mm, Winkel zwischen Radius und Ramus
postmarginalis höchstens 30 Grad. . . 22. ruschkai n. sp.
Körperlänge wenigstens 2,5 mm, Winkel zwischen Radius und
Ramus postmarginalis wenigstens 45 Grad 1. . hordei Harr.
11. Heft
154 Dr. H. Hedicke:
Isosoma-Gallen noch unbekannter Erzeuger.
Von den 41 im speziellen Teil dieser Arbeit sichergestellten
Arten der Gattung /sosoma ist erst von 18 Spezies die Lebens-
weise oder doch wenigstens die Wirtspflanze und die Art der
Gallbildung bekannt. Dagegen ist eine große Reihe von Gras-
gallen beschrieben worden, als deren Erzeuger nur Isosomen in
Betracht kommen, ohne daß diese selbst gezüchtet worden wären.
Da es eins der Hauptziele weiterer Forschungen auf diesem Ge-
biet sein muß, diese Arten zu eruieren, seien im Folgenden alle
bisher bekannt gewordenen Isosoma-(rallen noch unbekannter
Erzeuger in der alphabetischen Reihenfolge der Gattungsnamen -
ihrer Substrate zusammengestellt. Die hinter den Namen der
Autoren angegebenen Nummern beziehen sich wieder auf das
Literaturverzeichnis am Schluß dieser Arbeit.
Agropyrum caninum P. B.
1. Schwache, längliche, dunkelgrüne bis braunrote, mit Krüm-
mung verbundene Anschwellung der Sproßachse, w elche ein ein-
seitiges Heraustreten der vergallten Stelle aus der Blattscheide
zur Folge hat. Mit dunkelgrüner, sehr harter, länglich runder
Innengalle. Mitunter zwei Innengallen hintereinander.
Dittrich & Schmidt vermuten, daß es sich um eine Form
der Hvalipenne-Galle handle, welche Auffassung jedoch wenig für
sich hat. Da ähnliche Formen bei Horder-Gallen auf Agropyrum
repens L. vorkommen, so ist eher diese Spezies als Erzeuger zu
vermuten.
Verbreitung: Schlesien (Dittrich & Schmidt, 106 p. 85).
Agrostis alba L.
2. Spindelförmige, 6 mm lange, 1 mm dicke Anschwellung
des Wurzelhalses.
Verbreitung: Schlesien (Hellwig, Herb. Rübsaamen, Zool:
Mus. Berlin), Böhmen (Baudys, 128 p. 59). |
Agrostis canina L.
3. Ringsseitige, schwache Sproßachsenschwellung, Larven-
kammer im Mark.
Verbreitung: Baden (v. Lagerheim, 83 p. 247), Schottland
(Trail, 43 p. 60). !
Agrostis vulgaris With.
4. Langspindelige Sproßachsenschwellung über dem h
Knoten.
Verbreitung: Schlesien (Hellwig, Sammig. Rübsaamen, Zul
Mus. Berlin), Böhmen (BaudyS, 128 P- 59):
Avena: pubescens L:
5. Blätterschopf an der Sproßspitze. Et
Verbreitung: Schlesien ‚(Dittrich u. Schmidt; 106 I 83),
Böhmen (Baudys, 126 p: 2). |
6. Sproßachsenschwellung ım obersten Inlernocieme einseitig
10 mm lang, kaum 3 mm breit, rötlich, hart. a0
Verbreitung: ' Böhmen (Baudys, 197 p. 85). wer
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 155
Aristida sp.
7. Ährenachse auf 4-5 cm verlängert, in der Mitte mit einer
eiförmigen, 9 mm langen und 5 mm dicken Anschw ellung.
Verbreitung: Halbinsel Sinai (Frauenfeld, 28 p. 328—9).
Arrhenaterum elatius Mert. et Koch.
8. Seitliche Sproßachsenschwellung dicht über dem Boden
von 10—12 mm Länge und 5—6 mm Dicke.
Verbreitung: Portugal (Tavares, 88 p. 99; 96 p. 4).
Bromus inermis Leyser.
9. Sehr schwache, von den Blattscheiden verdeckte Sproß-
achsenschwellung. -
Verbreitung” Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 116 p. 102;
Schmidt, 118 p. 64; 119 p. 154.)
Corynephorus (Weingaertneria) canescens P. B.
10. Walzig spindelförmige Anschwellung der obersten Inter-
nodien oder der Rispenachse.
Verbreitung: Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 106 p. 82;
Schmidt, 118 p. 64; 119 p. 154).
11. Kurze, walzig spindelige Verdickung der Sproßachse im
unteren oder mittleren Teil.
Verbreitung: Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 106 p. 101;
Schmidt, 118 p. 64; 119 p. 154).
Daetylis glomerata L.
12. Starke, einseitige, spindelförmige Sproßachsenschwellung
von 15 mm Länge, oberste Internodien verkürzt, Rispe schwach
entwickelt.
Verbreitung: Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 116 p. 102;
Schmidt, 118 p. 67).
13. Lange, sehr schwache Sproßachsenschwellung.
Verbreitung: Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 116 p: 102;
Schmidt, 118 p. 67).
Diplache serotina Link.
' 14. Spindelförmiger Blätterschopf an der Sproßspitze von
3-9 cm Länge.
Verbreitung: Oberitalien (Massalongo 70 P- 285-6771 PX 32).
Festuca duriuseula L.
15. Spindelförmige > proBachserseh eh bis 30. mmilang
und 3 mm dick.
‘ Verbreitung: ‚Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 106 p.. 84),
Lothringen (Kieffer, 67 p. 230 -1), Böhmen (Baudys, 114 p. 2).
Festuca elatior 1.
16. Kaum wahrnehmbare Sproßachsenschwellung.
Verbreitung: Schlesien le Zool. Mus. Berlin, Schmidt
leg:}.
Festuea heterophylla Lamk. ho Haenke).
"17: Einseitige, spindelförmige Sproßachsenschwellung von
5—15 mm Länge und 2 mm Dicke.
11. Heft
156 Dr. H. Hedicke:
Verbreitung: Böhmen (Baudys, 125 p. 377), Bosnien (Baudys,
128 p. 377), Mittelfrankreich (Marchal u. Chateau, 95 p. 258),
Öberitalien (Cecconi, 85 p. 348).
Festuea rubra L.
18. Schwache Sproßachsenschwellung.
Verbreitung: Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 106 p. 84;
Schmidt, 118 p. 154), Böhmen (Baudys, 114 p. 2; 128 p. 56),
Dänemark (Rostrup, 76 p. 8), Schweden (v. Lagerheim, 94 p. 19).
Dieses Cecidium ist in der angeführten Literatur so ungenügend
beschrieben, daß es nicht möglich ist, mit Sicherheit zu entscheiden,
ob I. giraudi oder hieronymi als Erzeuger anzusprechen ist.
Holeus mollis L.
19. Länglicher Blätterschopf an der Sproßspitze.
Verbreitung: Schlesien (Hellwig, 82 p. 19; Dittrich u. Schmidt,
106 p. 82).
Hordeum vulgare 1.
20. Sproßachse verkrümmt mit kleinen seitlichen, eiförmigen
Anschwellungen.
Verbreitung: Algier (Noury, 103 p. 34—5).
Koeleria eristata Pers.
21. Einseitige, spindelförmige Anschwellung der untersten
Internodien, bis 15 mm lang und 4—5 mm dick, zuweilen schwach
längsgerieft.
Verbreitung: . Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 106 p. 102;
Schmidt, 118 p. 68).
22. Scharf abgesetzte, walzige Sproßachsenschwellung über
dem untersten Knoten von 12 mm Länge und 4 mm Dicke.
Verbreitung: Schlesien (Dittrich u. Schmidt, 116 p. 102;
Schmidt, 118 p. 68).
Lolium perenne L.
23. Blätterschopf an der Sproßspitze, ohne Schwellung der
Achse.
Verbreitung: Mittelfrankreich (Marchal & € Karben, 95 p. 269),
Oberitalien (Baldrati, 79 p. 68).
24. Seitliche, spindelförmige Anschwellung des Halmgrundes.
Verbreitung: Portugal (Tavares, 96 p: 34).
Phalaris arundinacea L. |
25. Schwache, kaum sichtbare Sproßachsenschwellung im
obersten Internodium, oberer Halmteil und Teile der Rispe in
der Blattscheide verborgen.
Verbreitung: Böhmen (BaudyS, 127 p. 45).
Phleum boehmeri Wib.
26. Starke, spindelförmige, oo langgestreckte Schwel-
lung des obersten Internodiums. |
Verbreitung; Schlesien (Dittrich . u. Schmidt, 116 p. 100:
Schmidt, 118 p. 70).
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 157
Phleum pratense L.
27. Pflanze stark verkümmert, Internodien verkürzt, Blatt-
scheiden zusammengerollt, vertrocknet, einen Blätterschopf bil-
dend. Im Innern eine etwas über 2 cm lange, mehrkammerige
Innengalle.
Verbreitung: Böhmen (Baudys, 127 p. 45).
28. (BaudyS beschreibt vom gleichen Substrat eine ein-
kammerige Halmschwellung, leider in tschechischer Sprache).
Verbreitung: Böhmen (BaudyS, Casopis Cesk. Spol. Ent. 15,
1918, p. 44, fig. 3).
Phragmites communis L.
29. Kaum wahrnehmbare Sproßachsenschwellung.
Verbreitung: Brandenburg (Rübsaamen, Sammlg. Zool. Mus.
Berlin; Schlechtendal, 73, p. 5; Hedicke, 124 p. 21).
Stipa pennata L.
30. Schwache, spindelförmige Sproßachsenschwellung.
Verbreitung: Brandenburg (Hedicke, Sammilg. Zool. Mus.
Berlin).
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Div. Ent., Bull. 42, Washington, p. 1—62, 15 fig.
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Über die Anatomie und die Entwicklung einiger Iso-
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die Biologie der Gallformer. -— Marcellia 5, Avellino,
p. 68-101, 23 fig., :1 tab. |
98.
92:
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 163
1907.
1908.
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Schmiedeknecht, O., Die Hymenopteren Mittel-
europas nach ıhren Gattungen und Arten analytisch
bearbeitet. — Jena, p. 444-8, 4592 —3.
Docters van Leeuwen, W., Beiträge zur Kennt-
nis der Metamorphosen. Die mikroskopische Anatomie
des Darmkanals und dessen Drüsen von /sosoma gra-
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Dittrich, R., und Schmidt, H., Nachtrag zu dem
Verzeichnisse der schlesischen Gallen. I. — 87. Jahres-
bericht -Schles...Ges, "vaterl. 'Cult., Breslau, 'Pp782 =:
Docters van Leeuwen-Reijnvaan, W. und J.,
Über die Anatomie der Luftwurzeln von Ficus pilosa
Reinw. und F. nitida L. var. retusa King und der
von Chalciden auf denselben gebildeten Gallen. —
Ber. D. Bot. Ges. 28, Berlin, p. 169—81, 9 fig.
Kieffer "I. J.,, und Jorgensen, P,, Gallen<und
Gallentiere aus Argentinien. — Centrbl. Bakt. II. 27,
Jena, p. 362-444, 61 fig.
Ross, H., Die Pflanzengallen (Cecidien) Mittel- und
Nordeuropas, ihre Erzeuger, Biologie und Bestim-
mungstabellen. — Jena, p. 1—350, 10 tab., 24 fig.
Schmidt, H., Neue Zoocecidien der niederschlesischen
Ebene. — Marcellia, 10, Avellino, p. 26—7.
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Regierungs-Bezirk Cassel und angrenzenden Gebieten.
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—, Pro Cechy nove hälky. (Für Böhmen neue Gallen).
— Sborn. Klubu Piirod., Prag, p. 2—3 (Sep.).
11* 11 Hett
149.
120.
1914.
Dr. H. Hedicke:
. Houard, (C., Les Zoocecidies du nord de l’Afrique. —
Ann. soc. ent. Fr. 81, Paris, p. 10—3, 1 fig.
. Dittrich, R., und Schmidt, H., 4. Fortsetzung des
Nachtrages zum Verzeichnisse der schlesischen Gallen.
— 91. Jahresb. Schles. Ges. vaterl. Cult., Breslau,
7.99 10s: 2
Houard, (., Les Zoocecidies des plantes d’Europe
et du bassin de la Mediterranee. III. — Paris, p. 1270
bis 1277.
Schmidt, H., Neue Notizen zur Besiedelung ein-
heimischer Pflanzen durch gallbildende Insekten. —
Soc. ent. 28, Stuttgart, p. 64, 67—70.
—, Weitere Nachrichten über die Verbreitung gallen-
bildender Hymenopteren in der niederschlesischen
Ebene. --- Zschr. wiss. Ins.-biol. 9, Berlin, p. 153—4.
Ludwig, A., Die Gefäßpflanzen von Forbach und
Umgebung sowie die darauf beobachteten schmarotzen-
den Pilze, Gallen u. teratologischen Bildungen. I. Teil.
— Jahresb. Oberrealsch. Forb. Lothr. ‚Forbach i. L.,
1 ae
Magnus, W., Die Entstehung der Pflanzengallen
verursacht durch Hymenopteren. — Jena, p. 1—160,
32 fig., 4 tab.
Trotter, A., Nuovo contributo alla conoscenza delle
galle della Tripolitania. — Marcellia 13, Avellino,
p- 20.-
. BaudyS, E., Zoocecidiologische Kleinigkeiten. —
Sce; ent: 30, Stuttgart pP. 22:
Hedicke, H., Beiträge zur Gallenfauna der Mark
Brandenburg. I. Die Hymenopterengallen. — Zschr.
wiss. Ins.-biol. 11, Berlin, p. 21.
. BaudyS, E., Prinos k rasprostiranju Zoocecidija u
Bosni i Hercegovini (Beitrag ‘zur Verbreitung der
Gallen in Bosnien und der Hercegovina). — Glasnik,
Zemal. Mus. Bosn. Herc. 27, Sarajewo, p. 377.
-, Zoocecidie nov& pro Cechy. — Casopis. Spol. Ent.
i8,, Prag, ».:2.[8803:
Neue Gallen und Gallenwirte aus Böhmen. —
Soc. ent. 31, Stuttgart, p. 45.
—, Ein Beitrag zur Verbreitung der Gallen in Böh-
men. — Verh. zool. bot. Ges. 66, Wien, p. 2—7.
Ross, H., Die Pflanzengallen Bayerns und der an-
grenzenden Gebiete. — Jena, p. 7, 29.
Baudy3, E., Zoocecidie nove pro Cechy. II. (Für
Böhmen neue Gallen). — Casopis. Spol. Ent. 14,
Prag, p. 25-6.
Gertz, O., Skänes Zoocecidier. .— Lunds Univ.
Arsskr. N. F.:Avd, 2,.Bd. 14, Nr. 26, Lund, p. 10.
Beiträge zu einer Monographie der paläarktischen Isosominen 165
132. — Jaap, O., Verzeichnis der bei Triglitz in der Prignitz
beobachteten Zoocecidien nebst Bemerkungen zu eini-
gen in meiner Sammlung ausgegebenen Arten. —
Verh. Bot. Ver. Pr. Brand. 60, Berlin-Dahlem, p. 6 —.
Nachtrag.
Kurz nach Fertigstellung der vorliegenden Arbeit erhielt der
Verfasser durch die Freundlichkeit des Herrn Prof. L. ©. Ho-
ward, Washington, eine Publikation des Department of Agrı-
culture von W. J. Phillips, betitelt The Wheat Jointworm and
its Control (Farmers Bull. 1006, U. S. Dept. Agric. Washington
1918). Diese Arbeit, welche zufolge ihrer Bestimmung für einen
ficht fachlich gebildeten Leserkreis keinerlei Angaben über die
systematische Stellung des behandelten Tieres enthält, ist nichts-
destoweniger für die Systematik der in vorliegender Arbeit be-
handelten Gruppe von Bedeutung. Es wird nämlich der ‚„Wheat
Jointworm‘‘ in einer Anmerkung mit dem Namen (I/sosoma)
Harmolita tritici Fitch belegt, ohne daß sich eine Begründung
dieser Änderung des lange eingebürgerten Genusnamens findet.
Erst in einer weiteren Arbeit von W. J. Phillips und W. T.
Emery, A Revision of the Chalcid-Flies of the Genus Harmolita
of America North of Mexico (Proc. U. S. Nat. Mus. 55, Washington
1919, p. 433—71, tab. 39---48) wird mitgeteilt. daß der Name
Isosoma Walker (1832) tatsächlich hinfällig ist, da er bereits 1820
durch Billberg für ein Coleopterengenus verwandt worden ist.
Phillips läßt nun an seine Stelle den Namen Harmolıta Mo-
tschulsky (Bull. soc. nat. Moscou 35, 1863, p. 58) mit der Geno-
type H. longicornis Motschulsky treten. Diese Namensänderung
ist indessen unberechtigt, da die von Motschulsky gegebene
Gattungsdiagnose erkennen läßt, daß es sich bei Harmolita gar
nicht um eine Eurytomine handelt, der Autor selbst stellte sein
Genus zur Unterfamilie der Pteromalinen. Daß es sich nicht
um eine verkannte Eurytomine handeln kann, geht auch daraus
hervor, daß Motschulsky in der gleichen Arbeit neue Eury-
tominen beschreibt, der Unterschied zwischen Eurytominen und
Pteromalinen war ihm also wohlbekannt.
Da nun die gültigen Nomenklaturgesetze ein Fortbestehen
des Namens /sosoma Walker nicht zulassen und Harmolita Mo-
tschulsky kein Synonym zu Isosoma Walker ist, muß für letzteres
Genus ein neuer Name eintreten, als welcher nunmehr der Name
Isthmosoma n.n. vorgeschlagen sei. Entsprechend ist der Name
der Tribus in Isthmosomini n. n. zu ändern.
11. Heft
166 Embrik Strand:
Rezensionen.
Nur Schriften, die zu dem Zweck an die Redaktion des Archivs für Natur-
geschichte eingesandt werden, können hier besprochen werden. Außerdem
werden sie in den Jahresberichten behandelt werden. Zusendung von
Rezensionsschriften erbeten an den Herausgeber des Archivs:
Embrik Strand, Berlin N. 54, Brunnenstraße 183.
Friederichs, Karl. Studien über Nashornkäfer als Schädlinge der
Kokospalme. Bericht an das Reichs-Kolonialamt über eine
1913/14 im Auftrage ausgeführte Studienreise. (Als Nr. 4
der „Monographien zur angewandten Entomologie‘.) 116 pp:
gr. 8° mit 20 Tafeln und 1 Karte. Berlin: Verlagsbuchhandlung®
Paul Parey. 1919. Preis M. 10.— + 20%, Teuerungszuschlag.
Verfasser besuchte die Philippinen, Cochinchina, Kambodja,
Siam, Singapore, Malaystaaten, Ceylon, Vorderindien, Ostafrika
und Madagaskar, um den Nashornkäfer als Kokosschädling zu
studieren und hat die Ergebnisse in der vorliegenden schönen Arbeit
niedergelegt. Es werden zuerst die allgemeine Morphologie und
Ökologie der Nashornkäfer besprochen, dann pflanzenpatholo-
gische Beobachtungen mitgeteilt und die Bedeutung der natür-
lichen Hemmnisse der Vermehrung des Käfers ausführlich behandelt.
Verf. kommt erfreulicherweise zu dem Resultat, daß die Be-
kämpfung nicht noch ein Problem ist, sondern daß es in den Grund-
zügen feststeht, wie man sich dieser Schädlinge erwehren kann.
Die Arbeit hat nicht nur für diese Spezialfrage Bedeutung, sondern
auch für Insekten-Bekämpfung und Insekten-Ökologie überhaupt
und möge daher weiteren Kreisen bestens empfohlen sein.
Embrik Strand.
„Archiv für Bienenkunde‘, in Verbindung mit Prof. Dr.
H. v. Buttel-Reepen herausgeg. von Dr. Ludwig Arm-
bruster. Verlag: Theodor Fisher, Berlin-Westend. 1919.
Auf diese von dem Leiter der Forschungsstelle für Bienen-
biologie und Bienenzüchtung an dem Kaiser Wilhelm-Institut für
Biologie, Berlin-Dahlem, herausgegebene neue Zeitschrift habe ich
schon einmal an dieser Stelle empfehlend hinweisen können und
die beiden mir jetzt vorliegenden Hefte 2 und 3 des laufenden Jahr-
ganges verstärken bloß den gewonnenen Eindruck, daß die neue
Zeitschrift sowohl durch ihre rein wissenschaftlichen wie durch ihre
praktische Fragen behandelnden Artikel'ihre Existenzberechtigung
nachgewiesen hat. Jedes Heft ist einzeln käuflich; das 2., mit
3 Tafeln, kostet M. 3.=, das 3: M: 2:=:' Bei’Abnahme sämtlicher
Hefte eines Jahrganges 10%, Preisermäßigung. Strand.
Junta de Ciencies naturals de Barcelona. Anvari II, pri-
mera part. 1917 (1919). 326 + XV pp. gr. 8°, mit Tafeln und
Textfiguren. Museu Martorell, Barcelona.
Dieser stattliche Band ist in erster Linie museologischen In-
halts, indem er in Wort und Bild ausführlich über die Samm-
‚Rezensionen 167
lungen des Vereins für Naturgeschichte in Barcelona berichtet.
Es werden gegeben u. a. Verzeichnisse der im Museum vorhandenen
marinen Tiere, der ‚Neuroptera‘‘ (im weitesten Sinne) sowie der
Pflanzen, welche Verzeichnisse als Beiträge zur Verbreitung der
Arten auch weiteren Kreisen interessieren werden. An besonderen
Arbeiten sind sonst, außer einer geologischen, zu erwähnen: Bei-
träge zu einer Monographie der iberischen Najaden von F. Haas
und Beschreibungen zweier katalonischen Plecopteren vonL. Navas.
Das Ganze ist spanisch geschrieben. Das Buch legt Zeugnis ab
von der lobenswerten Tätigkeit der barcelonischen Naturforscher.
Der zweite Teil dieses Jahrgangs enthält I—VIII + 327—755 Seiten
und wird zum großen Teil (p. 327—529) aufgenommen von einem
Katalog von A. Codina der sehr reichhaltigen Sammlung der
Cicindelinae der Gesellschaft ; da er die ganze einschlägige Literatur
bringt und zahlreiche neue Fundorte, bildet er einen wertvollen
Zuwachs der Cicindelinenliteratur. Dann folgen Verzeichnisse der
malakologischen, herpetologischen und mastologischen Samm-
lungen des Vereins sowie mehrere ausführliche Exkursionsberichte
mit faunistischen und floristischen Beiträgen zur iberischen Natur-
kunde. Embrik Strand.
Ullrich, E. Deutsche Myrmekochoren. Beobachtungen über die
Verbreitung heimischer Pflanzen durch Ameisen. Mit 24 Text-
figg., 60 pp. Verlag: Theodor Fisher, Berlin-Westend, Kaiser-
damm 28. 1919. Preis M. 3.20.
Daß Früchte und Samen von Tieren verbreitet werden, ist
ja allgemein bekannt, weniger dagegen welche bedeutende Rolle
dabei die Ameisen spielen. Dies für Zoologen wie Botaniker gleich
interessante Thema behandelt Verf., mit Hilfe instruktiver Ab-
bildungen, so, daß das Buch für sowohl den Fachmann als den
Laien empfehlenswert ist. Embrik Strand.
Röseler, Paul und Lamprecht, Hans. Leitfaden für biologische
Übungen. Zoologischer Teil. Mit 155 Textfiguren. 151 pp.
Berlin: Julius Springer. 1919.. Preis M. 6.80 + Teuerungs-
zuschlag.
Die Verfasser haben früher ein in erster Linie für den Lehrer
bestimmtes ‚Handbuch für Schülerübungen, zoologischer Teil“
verfaßt, das allgemeine Anerkennung fand; vorliegendes Buch ist
gewissermaßen eine für den Schüler bestimmte verkürzte Ausgabe
des ‚‚Handbuchs‘‘. Ich habe letzteres seinerzeit in dieser Zeit-
schrift besprochen und kann das damals abgegebene günstige Urteil
auch über vorliegendes Buch aussprechen. Strand.
11. Heft
ARCHIV
NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF
W. WELTNER un E. STRAND
——rnn
————-
nn
SECHSUNDACHTZIGSTER JAHRGANG
1920
Abteilung A
12. Heft
HERAUSGEGEBEN
VON
EMBRIK STRAND
(BERLIN)
et
= —
u
NICOLAISCHE
VERLAGS-BUCHHANDLUNG R.STRICKER
Berlin
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Strand. Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens nebst ge-
legentlichen Bemerkungen über deutsche Arten. XXVIII—- XXX, 1
Wolff und Krauße. Melittobia Strandi n.n.sp. (Mit 21 Abbildungen) 16
Ulbricht. Zur Kenntnis der Gattung Homaspis Foerst. ....... 21
Verhoeff. Chilognathen-Studien (91. Diplopoden-Aufsatz), (Mit 2
Kateln).. ....: 2 un. A ne 23
Ramme. Orthopterologische Beiträge. (Mit 3 Tafeln und 17 Textfiguren) 81
Druck von Julius Brandstätter, Leipzig, Querstraße 13
Neue Beiträge
zur Arthropoden-Fauna Norwegens
nebst gelegentlichen Bemerkungen über deutsche
Arten. XXVIHI-—XXX.
Von
Embrik Strand.
Inhalt. ei
XXVIII.. Weise: Chrysomeliden und Coccinelliden .... 2
XXIX. Strand: Staphylinidae . . . 6
XXX. Strand: ee über Hy menoptera und
Diptera- Ne a 2
Von meiner Artikelserie Read Beiträge zur ET
Fauna Norwegens nebst gelegentlichen Bemerkungen über deutsche _
Arten“ sind die 26 ersten Nummern in der Zeitschrift ,‚Nyt Magazin
for Naturvidenskaberne‘“ in Kristiania erschienen und zwar:
I—V (Vorwort, Copeognathen, Ichneumoninae, Hymenoptera An-
thophila und Fossores, Myriopoda und Pseudoscorpiones,
Oribatidae) im Bd. 48, p. 307—353 (1910).
VI—XII (Plecoptera, Ceraphronidae, Serphidae, Belytidae, Dia-
priidae, Platygasteridae und Bethylidae, Pimplinae, Chalasto-
gastra, Platygasteridae, Vespidae, Formicidae) im Bd. 50,
pP H1.(19T2).
XIII—XIV (Heteroptera, Lycosidae), ebenfalls im Bd. 50, p. 199 —
222 (1912).
XV (Homoptera) im Bd. 51, p. 269—274 (1913).
XVI—XX (Nematocera, Brachycera, weiteres über Diptera, Neur-
optera, Hymenoptera Parasitica), ebenfalls im Bd. 51, p. 309
bis 361, mit 5 Figg. (1913).
XXI (Cynipidae) im Bd. 52, p. 353—356 (1914).
XXII—XXVI (Chalcididae, Braconidae, weiteres über Hymen-
optera, Cynipidae, neue Kleinschmetterlinge) im Bd. 56,
Pe 27 11997.
Nr. XXVII ist die hier im Archiv f. Naturgeschichte 1919,
A. 4, p. 1-82 erschienene Arbeit ‚Beiträge zur Lepidopteren-
fauna Norwegens und Deutschlands‘, Nr. XXVIII—XXX finden
sich im folgenden. — Das der ganzen Serie zugrundeliegende
Material ist von mir selbst gesammelt (man vergleiche diesbezüg-
lich die Einleitung in Nyt Magazin for Naturvidenskaberne 48.
p. 307 sq.), nur ganz ausnahmsweise sind einige von anderer Seite
gesammelte Formen mitbehandelt worden, was in jedem Falle
besonders angegeben ist.
Archiv für Naturgeschichte i
1920. A. Te. 1 12. Heft
> Embrik Strand:
XXVIN. Chrysomeliden und Coccinelliden.
Von
J.. Weise.
In den Jahren 1901 bis 1903 hat Herr Embrik Strand
hauptsächlich im südlichen Teile Norwegens zwischen Fredrik-
stad, Mandal und Bergen mit großem Fleiß und Geschick ge-
sammelt und eine ansehnliche Beute mitgebracht, die in den Be-
sitz des Zoologischen Museums in Berlin übergegangen ist. Ich
führe hier die Arten aus den beiden mich besonders interessieren-
den Familien auf. — SW. — südwestliches Norwegen, SO. — süd-
östliches Norwegen, etc.
Chrysomeliden.
1. Donacia versicolora Brahm. SW. Stavanger Amt: Suldal.
2. Plateumaris discolor Panz. und ab. Lacordairei Perris.
SW. Mandals Amt: Siredal.
3. Zeugophora subspinosa F. SO. Lilleströmmen.
4. Clytra quadripunctata L. SO. Lilleströmmen. Bei dem
einzigen vorliegenden Exemplare ist die zweite schwarze Makel
jeder Flügeldecke fast erloschen.
5. Cryptocephalus bipunctatus L. ın den Formen ab. sangui-
nolentus Scop. und ab. Thomsomi Ws. SW. Sireosen.
6. Cryptocephalus sericeus L. C. Norefjeld 60°.
Es sind dies die ersten Stücke, die mir von der Grundform
dieser Art vorgekommen sind und sie überzeugten mich sofort,
daß Thomson, Skand. Col. X, 1868, 274, recht getan hat, die
Linneische Art auf hypochaeridis Sffr. zu beziehen und für unsern
mitteleuropäischen sericeus Sffr. den Namen bidens einzuführen.
Die vorliegenden Exemplare sind im Vergleich zum ‚hypochaeridis
Sffr. auf den Flügeldecken auffällig matt seidenschimmernd, ober-
seits entweder gesättigt metallisch grün (von der Seite betrachtet
mehr oder weniger blau bis violett schimmernd), oder wenigstens
auf dem Halsschilde, seltener auf der ganzen Oberseite rein blau
bis violett. Da auch die beiden Zettelexemplare der Linneischen
Sammlung in London zu hypochaeridis Suffr. gehören, so ist jeder
Zweifel geschwunden, daß wir die kleine, mit aureolus am nächsten
verwandte Art hinfort als sericeus L. zu betrachten haben. Die
bei uns lebende Form derselben, die viel lebhafter grün gefärbt
und glänzender ist, muß als cristula Duf. geführt werden, zu der
als sehr seltene Farbenabänderungen frigidum und Purpurascens
Jacobs. treten.
Der Name bidens Thoms. läßt sich nicht für die Art, sondern
nur für die grüne Form von Cr. sericeus Sffr. verwenden, weil
Suffrian bereits 1847, Mon. II, 131, die feuriggoldige Form mit der
Bezeichnung fratorum belegte. Es würde also zu zitieren sein:
Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens 3
a) Cryptocephalus sericeus L. Schweden, Norwegen.
hypochaeridis Suffr. et auct.
var. cristula Duf. Mittel- und Südeuropa.
ab. frigidum Jacobs.
ab. Purpurascens Jacobs.
b) Cryptocephalus pratorum Suffr. Europa.
ab. bidens Thoms.
sericeus Sffr. et auct.
7. Cryptocephalus labiatus L. Kornsjö; SW. Mandals Amt:
Siredal; SW. Sireosen; C. Norefjeld; N. Finmarken: Sopnes.
8. Gastroidea viridula Deg. Solum: Overhalden; SW. Mandals
Amt: Sıredal.
9. Chrsyomela staphylea L. S. Langesund,; SW. Stavanger;
N. Finmarken; Nordland: Brönnö; Overhalden (Ranum).
10. Chrysomela marginata L. ab. cinctella Ws. N. Finmarken:
Bosekop. Die Flügeldecken sind rostrot, am Seitenrande heller
gesaumt.
11. Phytodecta viminalis L. ab. 10-punctata L. Kornsjö.
12. Phytodecta Linnaeanus Schrank ab. nigricollis Westh.
C. Norefjeld; N. Nordreisen (Snemyr).
13. Phytodecta pallidus L. ©. Hedemarken: Tönsät; N. Fin-
marken: Bosekop.
14. Phytodecta 5 - punctatus L. N. Ranen: Hemnesberget;
S. Skien, SO. Lilleströmmen, Modum: Vikesund; N. Nordland:
Grönlien in Mo.
15. Phyllodecta vitellinae ab. Polarıs Schneid. Kornsjö;
S. Skien; SW. Stavanger; N. Ranen, Bosekop, Sopnes, Kaafjord.
Dies ist eine ziemlich große und breite, dunkel metallısch
grünlichbraun oder kupferig gefärbte Form der vitellinae, welche
ich schon Ins. Deutschl. VI, 3, 1884, p. 519 als Var. e erwähnte.
Von den 80 vorliegenden Stücken haben ungefähr ?/, die oben er-
wähnte Färbung, die übrigen sind mehr oder weniger rein grün.
Bei der Art ist der Penis sehr veränderlich. Er verengt sich
am Ende entweder ganz gleichmäßig in eine breit abgerundete
Spitze, oder jederseits weit ausgeschweift in eine stumpfe Spitze,
endlich, viel weniger stark und fast geradlinig in eine sehr breite,
gerade abgestutzte und aufgebogene Spitze.
16. Hydrothassa analıs L. S. Horten; C. Aal. Die ab. lomata
Hbst.: S. Sätersdalen.
17. Hydrothassa marginella L. ©. Hedemarken: Tönsät.
18. Phaedon armoraciae L. S. Skien.
19. Melasoma lapponica L. N. Finmarken: Kaafjord.
20. Melasoma alpıina Zett. Norefjeld und Moräne auf Tron-
fjeld; Tönsät:
Die Art ist der ab. geniculata von collarıs L. äußerst ähnlich,
aber an den von mir, Ins. Deutschl. VI, 560, angeführten Unter-
schieden zu erkennen. Auch die Penisform weicht ab. Von der
Seite betrachtet ist der Penis von collaris gleichmäßig gebogen und
4 Embrik Strand:
beschreibt annähernd einen Viertelkreis, während der bedeutend
schmälere von alpina ein Stück hinter der Basis plötzlich nach
unten gebogen ist. Die Unterseite der Penisröhre ist bei collaris
der Länge nach muldenförmig vertieft, bei alpina schwach querüber
gewölbt.
Die Flügeldecken sind dunkelblau, nur bei einem einzigen
Stücke sehr dunkel metallisch grün mit Messingschimmer, die
Scheibe des Halsschildes fast schwarz und der Seitensaum blaß
rötlichgelb. Da der schwarze Punkt des letzteren nach innen
gleichmäßig verbreitert und mit der schwarzen Farbe der Scheibe
verbunden ist, erscheint der Saum in der Mitte fast geteilt. Ich
mache auf diese Form durch den Namen ab. econnexa aufmerksam.
21. Melasoma populi L. S. Skien.
22. Luperus longicornis F. SW. Sireosen.
23. Lochmaea suturalis Thoms. O©. Hedemarken: Tönsät;
SO. Lilleströmmen; SW. Mandals Amt: Siredal, Sireosen; SW.
Stavanger.
24. Galerucella nympheae L. ab. aquatica Fourer. S. Kri-
stianiafjord.
25. Galerucella tenella L. SO. Lilleströmmen; S. Langesund
und Vallö bei Tönsberg; SW. Sireosen.
26. Galeruca tanaceti L. ©. Tönsät.
27. Crepidodera ferruginea Scop. Erfjord in Ryfylke.
28. Chalcoides fulvicornis F. Fredrikstad und Nordreisen
(Snemyr); Lilleströmmen und Smaalenene: Kornsjö; S. Vallö bei
Tönsberg und Kristianiafjord: Larkollen.
Unter den 71 vorliegenden Stücken sind nur 2 grün gefärbt,
aber viel weniger tief wie die in Nord- und Mitteldeutschland vor-
herrschende Form; die übrigen stimmen mit der Beschreibung von
Fabricius überein. Sie sind blaßgrünlich kupferrot, zuweilen leicht
goldig überflogen.!)
29. Mantura chrysanthemi Koch. W. Lärdal.
30. Tlanoma concinna Marsh. SO. Fredrikstad und Modum:
Vikesund; S. Horten.
81: C haetocnema hortensis Fourcr. SO. Fred SW.
Mandals Amt: Siredal; SW. Stavanger Amt: Suldal.
32. Psylliodes cucullata Il. W. Lärdal.
33. Longitarsus melanocephalus Deg. SO. Fredrikstad.
34. Longitarsus atricillus L.. SW. Stavanger Amt: Suldal.
35. Haltica Sandini Kemner. Solum in Overhalden; SO.
Smaalenene: Kornsjö, Lilleströommen und Modum: Vikesund;
S. Skien; SW. Stavanger Amt: Suldal; C. Norefjeld 60°. 28, 12 2.
Diese Art erinnert in Größe und Körperform am meisten an
pusilla Duft., in der grünen Farbe an oleracea, doch kommen auch
rein dunkelblaue Stücke vor. Die Stirnhöcker sind gerundet und
!) Der älteste Name für Chalcoides aurata Marsh. 1802, ist zweifel-
los Buprestis chrysocollis Scop. Ent. Carn. 1763, p. 64.
Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens 5
in der Regel tief umgrenzt. Fühler wie in den übrigen Arten ge-
bildet, Glied 2 das kürzeste, 3 deutlich länger, 4 noch länger und
den folgenden Gliedern in der’ Länge ähnlich (Herr Kemner nennt
dagegen das 2. und 3. Glied gleichlang). Die Scheibe des Hals-
schildes ist äußerst fein punktuliert, aber auf dem Raume über
den Vorderecken werden die Punkte größer und tiefer. Der Penis
ist sehr charakteristisch. Sein Mittelstreifen ist auffällig breit,
glatt, nur im Spitzendrittel etwas verengt, die Seitenstreifen sind
anfangs äußerst schmal, erweitern sich bis hinter die Mitte sehr
allmählich und sind auf dieser ganzen Strecke dicht schräg gerieft.
Sodann bilden sie bis zur Spitze eine schmal lanzettliche glatte
Rinne mit leistenförmigen Seitenrändern.
36. Batophila rubi Payk. SO. Lilleströmmen; S. Skien und -
Langesund; SW. Stavanger Amt: Suldal; W. Lärdal. 38 Ex. Die
größte Zahl der in Lärdal im August und September gesammelten
Stücke ist zwar hart, aber noch nicht ausgefärbt, einfarbig blaß bis
dunkel bräunlichgelb oder rotbraun, Fühler und Beine hellgelb.
37. Phyllotreta nemorum L. S. Langesund und Vallö b. Töns-
berg.
38. Phyllotreta vittula Redtb. SO. Lilleströmmen.
39. Cassida denticollis Suffr. SO. Fredrikstad.
40. Cassida flaveola Thunb. SO. Fredrikstad.
Coceinelliden.
1. Hippodamia 13-Punctata L. SO. Fredrikstad.
2. Adalia bipunctata L. S. Langesund.
3. Coccinella 7-punctata L. Ranum in Overhalden; SW. Man-
dals Amt: Siredal, Sireosen; C. Norefjeld.
4. Coccinella trifasciata L. C. Noretjeld.
5. Coccinella hieroglyphica L. SW. Stavanger Amt: Suldal.
6. Mysia oblongoguttata L. Kornsjö; SO. Fredrikstad; SW.
Mandals Amt: Siredal, Sireosen.
7. Halyzia 16-guttata L. Erfjord: Ryfylke; SW. Mandals
Amt: Siredal, Sireosen; C. Norefjeld; N. 69°.
8. Calvia 14-guttata L. N. Finmarken: Bosekop.
9. Myrrha 18-guttata L. S. Langesund; SW. Sireosen.
10. Propylea 14-bunctata L. ab. Fabricii Ws. SO. Lille-
strömmen.
11. Thea 22-punctata L. N. Nordreisen (69°).
12. Chrlocorus bipustulatus L. SW. Siredal, Sireosen.
13. Exochomus 4-Pustulatus L. SO. Fredrikstad.
14. Scymnus frontalis F. S. Kristianiafjord: Larkollen; SW.
Stavanger Amt: Suldal.
15. Scymnus nigrinus Kugel. O. Hedemarken; S. Kristiania-
fjord: Larkollen; SW. Stavanger Amt: Suldal; C. Norefjeld.
16. Scymnus abietis Payk. C. Norefjeld.
17. Pullus suturalis Thunb. Kornsjö; SO. Fredrikstad; S.
Langesund und Kristianiafjord: Larkollen.
12. Heft
6 Embrik Strand:
XXIX. Staphylinidae.
Gesammelt und ESTNINERS TEL von Embrik Strand.
Das von mir gesammelte, für. die vorliegende Artikelserie zu
verwendende Staphylinidenmaterial hatte Herr Dr. Max Bernhauer
zur Bearbeitung übernommen. Er hat sich aber darauf beschränkt,
das Material zu bestimmen, ohne das von mir erbetene Manuskript
darüber zusammenzustellen und auch ohne die Autornamen der
Arten an den Determinationszetteln anzugeben. Um wenigstens
die rein faunistischen Ergebnisse der Wissenschaft zugänglich zu
machen, habe ich dann das vorliegende Verzeichnis zusammen-
. gestellt, indem ich in Übereinstimmung mit Reitters Katalog die
Autornamen nachgetragen und das Verzeichnis systematisch ge-
ordnet habe. Einige Arten mögen neu für die Fauna Norwegens
oder gar Skandinaviens sein, es fehlt mir aber augenblicklich an
Zeit, dies in allen Fällen festzustellen, daher habe ich ganz unter-
lassen, diesbezügliche. Angaben zu machen.
1. Olistherus megacephalus Zett. Tönsät 4. IX. Brekkesätren
ebenda 2. IX.
2. Phloeocharis subtilissima Mannh. Hemnesberget 8.—14. VII.
3. Anthobium minutumF. Ranum, Oyerhallen 15. VIII. Hemnes-
berget 8.—14. VI.
4. A. anale Er. Lilleströmmen 2. VI. 03 (un.).
5. A. ophthalmicum Payk. Lilleströmmen 2. VI. 03. Grönli-
fjeldet, Mo in Ranen 28. VII. 03.
6. Acrulia inflata Gyll. Elverum 4. V. 03.
7. Phyllodrepa nigra Grav. Hemnesberget 8.—14. VII. (un.).
Lilleströmmen 2. VII. 03.
8. Phloeonomus pusillus Grav. Stavanger. Fredrikstad 26. IV.
9. Micralymma marinum Stroem. Brönnö 5. VIII. 03.
0. Deliphrum tectum Payk. Brekkesätren, Tönsät 1. IX. Tönsät
4. IX. Norefjeld, Sandumsäter 5. IX. 02. Kornsjö 20. V. 03.
Hammernes in Mo 24. VII. 03.
11. Olophrum consimile Gyl. Solum u. Ranum, Overhalden
12.—21. VIII. Mo in Ranen 11.—17. VII. Snemyr, Noro-
reisen (69° n. Br.) 26. VII.—14. VIII. 01. Siredal. Hammernes
in-Mo..24. VIE 08:
12. O. rotundicolle Sahlbg. Grönlifjeldet, Mo 29. VII. 03. Hemnes
9. VII. 03. Mo in Ranen 21. VII. (unic.).
13. ©. assimile Payk. Kornsjö 20. V. 03.
14. Acıdota crenata F. Norefjeld, Sandumsäter 5. IX. 02. Kornsjö
21. V. 03. Ose, Austad, Sätersdalen 16. VIII. 02.
15. Arpedium brachypterum Grav. Hemnesberget 8.—14. VII.
Siredal, Mo in Ranen 11.—17. VII. Brekkesätren 29. VIII.
Rörvik, Vikten 10. VIII. Ranum, Overhalden 23. VIII.
Hemnes 9. VII. 03. Grönlifjeldet, Mo 29. VII. 03. Mofjeldet
21. VII. 03. Bosekop in Finmarken 28. VI.
it
Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens 7
16. A. guadrum Grav. v. alpinum Fauv. Solum und Ranum, Over-
halden 14.—21. VIII. Mo und Mofjeldet in Ranen 21. VII.
Hemnesberget 8.—14. VII.
17. Lesteva longelytrata Goeze. Grönlifjeldet, Mo, Ranen 29. VII. 03.
Solum 21. VII.
18. L. monticola Kiesw. Siredal (unic.)
19. Geodromicus globulicollis Mannh. Rörvik, Vikten 10. VIII.
Mo in Ranen 11.—17. VII. Hemnesberget 8.—14. VII. Brek-
kesätren, Tönsät 1. IX. Siredal. Hemnes 9. VII. 03. Mofjeldet,
Ranen 21. VII. 03. Grönlifjeldet, Ranen 29. VII. 03. Brönnö
5. VIII. 03. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
20. G. plagiatus F. v. nigrita Müll. Sireosen. Siredal. Hammernes
in Mo 24. VII.
91. Anthophagus omalinus Zett. Mo 11.—17. VII. und 21. VII.
Overhalden 12.—21. VIII. Hemnesberget 8.—14. VII. Tönsät
3. IX. Brekkesätren, Tönsät 2. IX. Tronfjeld ebenda 31. VIII.
Siredal. Rörvik, Vikten 10. VIII. Ose, Austad 16. VIII. 03.
Hammernes in Mo 24. VII. 03. Mofjeldet in Ranen 21. VII. 03.
Grönlien, Mo 28. VII.-03. Hemnes, Ranen 9. VII. 03. Sandum-
säter, Norefjeld 5. IX. 02. Grönlifjeldet, Mo, Ranen 29. VII. 03.
29. A. cavaboides L. Ranum in Overhalden 15. VIII. Hemnes-
berget 14. VII. Mo 18. VII. Brönnö 7. VIII. 03. Sireosen.
93. A. alpestris Heer. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02. Mo-
fjeldet, Ranen 21. VII. 03.
24. A. rotundicollis Heer. Hemnesberget 8.—14. VII. 03 (1 Ex.)
35..A. albinus F. Hemnesberget 8.—14. VII. 03.
26. Boreaphilus Henningianus Sahlb. Norefjeldl, Sandumsäter
5. IX. 02 (un.). Moräne auf dem Tronfjeld in Tönsät 2. IX.
Hemnesberget 8.—14. VII.
37. Trogophloeus rivularıs Motsch. Langesund 10. V. 03 (un.)
98. T. corticinus Grav. Gjersjöen, Ljan (bei Kristiania) 8. V. 1900.
29. Oxytelus lagueatus Marsh. Sireosen. Hemnesberget 8.—14.
VII. Ranum, Overhalden 14. VIII. Solum ebenda 18. VIII.
Norefjeld, Sandumsäter 5. IX. 02. Kornsjö 20. V. 03. Hestnes,
Hemnes, Ranen 9. VII. 03. Sireosen.
30. ©. nitidulus Grav. Kornsjö 20. V. 03.
31. O. rugosus F. Langesund 10. V. 03. Kornsjö 20. V. 03. Sta-
vanger. Fredrikstad.
32. Platystethus arenarius Geoffr. Norefjeld, Sandumsäter 5. IX.
02. Tönsät 4. IX. Ranum, Overhalden 23. VIII. Mo in Ranen
18. VII. Fredrikstad.
33. Stenus clavicornis Sc. Mo in Ranen 11. VII. 03. Hemnesberget
8.—14. VII. Ranum, Overhalden 14. VII. Fredrikstad 26. IV.
Kornsjö 20. V. 03. Langesund 11. V. 03.
34. St. bifoveolatus Gyll. Ranum 24. VIII. Langesund 11. V. 03.
39. St. tarsalis Ljungh. Ranum 14. VIII. (unic.) Lillestrrömmen
11. VI. Langesund 9. V.
36. St. nanus Steph. Fredrikstad.
12. Heft
96.
a7.
58.
59
60
61
Embrik Strand:
. St. similis Herbst. Ranum 14.—25. VII.
. St. juno F. Solum, Overhalden 21. VIII. Fredrikstad. Siredal.
Kornsjö 20. V. Norefjeld 5. IX. 02.
. St. fuscipes Grav. Ranum 13. VIII. (unic.). Brönnö 5. VIII. 03.
. St. palustris Er. Fredrikstad. Ranum 14. VIL.
. St. formicetorum Mannh. Rörvik, Vikten 10. VII.
. St. canaliculatus Gyll. Moräne, Tronfjeld, Tönsät 2. IX. (un.)
. St. geniculatus Grav. Sireosen (un.).
. St. palposus Zett. Mofjeldet, Ranen 21. VII. 03 (un.).
5. St. binotatus Ljungh. Kornsjö 21. V. 03 (un.).
. St. circularıs Grav. Elverum 4. V. 03 (un.). _
. St. lavipalpisC.G.Ths. Langesund 11. V.03. Brönnö7. VIII.03.
Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02. Sireosen. Erfjord. Grönli-
fjeldet, Mo in Ranen 29. VII. 03. Ranum, Overhalden 13. VIII.
Hemnesberget 8.—14. VII. Mo in Ranen 21. VL.
. St. impressus Germ. Siredalen. Solum und Ranum 21.—24.
VIII. Hemnesberget 14. VII. Mo in Ranen 11.—17. VII.
. St. carbonarius Gyll. Rörvik, Vikten 10. VIII. Mofjeldet
21. VII. Mo in Ranen 21. VII. Tronfjeld, Tönsät 1. IX.
Hemnesberget 8.—14. VII. Ranum, Overhalden 14. VIH.
Brönnö 6. VIII. Kornsjö 20. V.
. St. fasciculatus J. Sahlb. Grönlien in Mo 28. VII. Tönsät
4. IX. Kornsjö 21. V.
. St. fulvicornis Steph. Fredrikstad (un.).
. St. buphthalmus Grav. Ose, Austad, Sätersdalen 16. VIII. 03.
Grönlifjeldet, Mo, Ranen 29. VII. 08.
3. Astenus neglectus Märk. Lilleströmmen 1. VI. 03. Kornsjö
30. V. 03. Fredrikstad.
. Stilicus. similis Er. Fredrikstad (un.). ö
5. Lathrobium longulum Grav. Fredrikstad. Rörvik, Vikten
10. VIII. Solum und Ranum. Overhalden 14.—19. VII.
Hemnesberget 10. VII. Siredal. Erfjord. Ose, Austad (Säters-
dalen) 16. VIII.
L. fulvipenne Grav. Ranum und Solum, Overhalden 18. —25.
VIII. Fredrikstad 26. IV. Siredal. Hemnesberget 8.—14. VII.
Rörvik, Vikten 10. VIII. Mo in Ranen 22. VII. Norefjeld,
Sandumsäter 5. IX. 1900. Kornsjö 20. V. 03. Elverum 4. V. 03.
Langesund 9. V. 03. Erfjord (Ryfylke). Ose, Austad, Säters-
dalen 16. VIII. 02. Brönnö 6. VIII. 03. Sireosen.
L. geminum Kr. Ranum, Overhalden 23. VIII. (unic.)
L. brunnipes F. Ranum u. Solum, Overhalden 20.—23. VIII.
Siredal. Hemnesberget 8.—14. VII. Mo in Ranen 17. VI.
Hammernes, Mo (Ranen) 24. VII.
L. v. Iuteipes Fauv. Hemnesberget 8.—14. VII. (unic.)
L. terminatum Grav. Stavanger (un.).
L. fovulum Steph. Kornsjö 28. V. 03 (un.)
62.
68.
70.
. Philonthus marginatus Ström. Hestnes, Hemnes, Ranen
. O. lapidicola Kiesw. Hestnes, Hemnes 9. VII. 03 (un.). Mo
Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens 9
Xantholinus tricolor F. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Hemnes 9. VII. 03. Langesund 11. V. 03. Kornsjö 20. V. 08.
Öse, Austad 16. VIII. 02. Erfjord. Ranum, Overhalden
14. VIII. Hemnesberget 8.—14. VII.
. X. linearis Ol. v. ochraceus Grav. Sandumsäter, Norefjeld
5.471X 09%: + OsE: Atsstad 16V LIE 03.
. X. linearis Ol. Ranum, Overhalden 24. VIII. Hemnesberget
8.—14. VII: 5. Fredrikstad 26. IV.
5. Othius melanocebhalus Grav. Solum, Overhalden 20. VIII.
Mo in Ranen 22. VII. Rörvik (Insel Vikten) 10. VIII. Sta-
vanger. Kornsjö 20. V. 03. Hammernes in Mo (Ranen)
24. VII. 03. Hestnes, Hemnes, Ranen 9. VII. 03.
z
Ranen 11.—17. VII.
. ©. myrmecophilus Kiesw. Fredrikstad 26. IV. Solum, Over-
halden 20. VIII. Ranum ebenda 24. VIII. Hemnesberget
8.—14. VII. Mo in Ranen 11.—17. VI.
Baptolinus pilicornis Payk. Brekkesätren, Tönsät 1. IX.
Ranum, Overhalden 25. VIII. Sopnes in Finmarken.
. B. longiceps Fauv. Ranum, Overhalden 24. VIII. Solum
ebenda 20. VIII. Hemnesberget 8.14. VII. Kornsjö 20. V. 03.
Sandumsäter 5. IX. 02. Elverum 3. V. 03.. Ose, Austad
16: V-LEL.103.
Actobius cinerascens Grav. Kornsjö 20. V. 03.
9. VII. 03. Ranum, Overhalden 15. VIII.
. Ph. laminatus Creutz. Tönsät 4. IX. (un.)
. Ph. cephalotes Grav. Rörvik, Vikten 10. VII.
. Ph. decorus Grav. Hemnesberget 8.—14. VII. (un.)
. Ph. varius Gyll. Fredrikstad. Siredal.
. Ph. uella Nordm. Hemnesberget 8.—14. VII.
. Ph. astutus Er. Siredal. Brekkesätren, Tönsät 2. IX. Rörvik,
Vikten 10. VIH.
. Ph. vernalis Grav. Fredrikstad (un.). Elverum 4. V. 09.
79.
Ph. nigritulus Grav. Langesund 10. V. 03. Stavanger.
Fredrikstad 26. IV.
. Ph. nigrit. v. trossulus Nordm. Ose, Austad, Sätersdalen
16. VIII. 03. Hammernes in Mo (Ranen) 24. VII. 03.
. Ph. varians Payk. Stavanger. Kornsjö 20. V. 03. Hestnes, Hem-
nes, Ranen 9. VII. 03. Ranum, Overhalden 14. VIII.
. Ph. micans Grav. Langesund 10. V. 03 (un.)
. Ph. splendidulus Grav. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Langesund 9. V. 03. Sopnes in Finmarken 17. V. Fredrikstad
26. IV.
. Ph. addendus Sharp. Langesund 10. V. 03.
. Staphylinus erythropterus L. Hemnesberget 8.—14. VII.
. St. erythropterus v. parumtomentosus Stein. Langesund 11.
V. 08.
12. Heft
10
87.
88.
89.
90:
91-
92.
93-
20:
100.
101.
102.
103.
104.
105.
106.
107.
108.
109.
110.
+14:
112,
Embrik Strand:
St. globulifer Fourcr. Fredrikstad (unic.). Langesund 9. V.
St. fuscatus Grav. Siredal (unic.). Kornsjö 22. V.
St. caesareus Cederh. Kornsjö 20. V. 03.
St. stercorarius Ol. Erfjord (Ryfylke) 1902 (un.).
Ontholestes nebulosus F. Kornsjö 22. V. 03.
Quedius laevigatus Gyll. Ranum und Solum, Overhalden
21.—25. VIII. Mo in Ranen 11.—17. VII. Hemnesberget.
Ou. molochinus Grav. Ranum 23. VIII. Brekkesätren, Tönsät
30. VIII. Rörvik, Vikten 10. VIII. Mo in Ranen 11.—17.
u. 21. VII. Siredal. Hemnesberget 8.—14. VII. Sandumsäter,
Norefjeld 5. IX. 02. Brönnö 6. VIII. 03. Ose, Austad, Säters-
dalen 16. VIII. 02. Stavanger, Langesund 11. V. 03.
4. Qu. picidennis Payk. (non Heer). Hemnesberget 14. VII. Mo
in Ranen 18. VII.
. Qu. fulvicollis Steph. Solum, Overhalden 20. VIII. Moin Ranen
22. VII. Hemnesberget 8.—14. VII. Brekkesätren, Tönsät
2. IX. Tronfjeld, Tönsät 1. IX. Hestnes, Hemnes, Ranen
9. VII. 03. Brönnö 6. VIII. 03. Siredal.
. Qu. xanthopus Er. Langesund 11. V. 03. Kornsjö 20. V. 03.
. Qu. nitidipennis Steph. f. microptera. Brönnö 5. VIII. 03.
Stavanger.
. Qu. boops Grav. var. brevipennis Fairm. Tronfjeld, Tönsät
2. IX. (ein Exemplar ist forma intermedia zwischen Stamm-
form und v. brevipennis, zwei weitere sind typische brevipennis)
Rörvik, Vikten 10. VIII. Solum, Overhalden 19. VIII. £. inier-
media von Sireosen und Kornsjö 20. V. 03.
Qu. umbrinus Er. Ranum 12. VIII. Brekkesätren, Tönsät
2. IX: Mo 21. VL. Brönns' 6. -VEIL.’03:
Qu. picipes Mannh. Siredal (unic.).
Qu. cruentus Ol. Ranum, Overhalden 24. VIII..
Euryporus picipes Payk. Hemnesberget 8.—14. VII. (unic.).
Bolitobius thoracicus F. Ranum, Overhalden 24. VIII. (un.)
B. lunulatus L. Hemnesberget 8.—14. VII. (un.)
Moycetoporus norvegicus Brh. Tronfjeld 2. IX. und Brekke-
sätren, Tönsät 29. VIII. Die Art wurde in der Münchener
koleopt. Zeitschr. I, p. 187 (1903) beschrieben und dabei aus
Kongsberg und dem nördlichen Norwegen angegeben.
M. angularis Rey f. brachyptera. Moräne am Fuße des Tron-
fjelds in Tönsät 2. IX.
M. brunneus Marsh. Solum, Overhalden 18. VIII. (un.)
M. splendidus Grav. Mo in Ranen 11.—17, VII. Rörvik,
Vikten 10. VIII. Solum 19. VIII. Sandumsäter, Norefjeld
9. 1.8.02:
M. v. piceolus Rey. Sandumsäter 5. IX. 02.
Bryocharis cingulata Mannh. Hemnesberget (un.)
B. analıs Pk. v. merdaria Gyll. Fredrikstad (un.).
Conosoma testaceum F. f. pubescens Grav. Sandumsäter, Nore-
fjeld 5. IX. 02. Elverum 4. V. 03.
113.
114.
115.
116.
117.
118.
119.
120.
121.
122.
123.
124.
125.
126.
127.
128.
129.
130.
131.
132.
133.
134.
135.
156.
137.
138.
139.
Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens 11
Tachyporus chrysomelinus L. Ranum 15.—24. VIII. Fredrik-
stad 26. IV. Siredalen. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Sireosen. Erfjord (Ryfylke) 1902. Langesund 10. V. 03.
T. chrysol. v. immaculatus Luze. Elverum 4. V. 03. Aus
Norwegen beschrieben.
T. hypnorum F. Fredrikstad 26. IV. Langesund 10. V.
T. nitidulus F. Fredrikstad.
T. obscurellus Zett. Moräne auf dem Tronfjeld, Tönsät 1. IX.
Elverum 3. V.
T. pulchellus Mannh. Fredrikstad. Rörvik, Vikten 10. VII.
T. scutellaris Rye. Langesund 10. V. 03. Elverum 4. V. 03.
Lärdalsören 5. IX.
T. pusillus Grav. Sireosen.
Tachinus collaris Grav. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Brönnö 5. VIII. 03. Overhalden 18.—23. VIII. Hemnes-
berget 8.—14. VII. Rörvik, Vikten 10. VIII.
T. flavipes F. Kornsjö 20. V. 03. Ranum (Overh.) 14. VIII.
T. proximus Kr. Mofjeldet, Ranen 21. VII. 03. Brönnö
7. VIII. 03. Hemnesberget 8.—14. VII.
T. marginellus F. Ranum, Overhalden 23. VIII. Solum
20. VIII. Brönnö 6. VI.
T. laticollis Grav. Hemnesberget 8.—14. VII: (un.)‘
T. pallipes Grav. Solum, Overhalden 20. VIII. Mo in Ranen
11.—17. VL.
T. rufipes De Geer. Siredal. Hemnesberget 8.—14. VII.
Fredrikstad. Ranum 15. VIII. Stavanger.
Myllaena brevicornis Matth. Ranum 12. VII.
M. sp. (beschädigtes Unicum!). Grönlifjeldet in Mo, Ranen
29. VII. 03.
Leptusa angusta Aube. Sandumsäter, Norefjeld 5. 1% 02.
Ose, Austad, Sätersdalen 16. VIII. 03. Solum, Overhalden
18. VIII. Mo in Ranen 11.—17. VII.
Bolitochara lunulata Payk.Ose, Austad, Sätersdalen 16.VIII.03.
B. Mulsanti Sharp. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Cardiola obscura Grav. Fredrikstad (unic.)
Autalia puncticollis Sharp. Solum, Overhalden 18.VIII. Siredal.
Atheta cavifrons Sharp. Larkollen 7. V. 1900.: Fredrikstad
96. IV. Suldal 25. VIII. —17. IX. Hemnesberget 8.—14. VII.
Siredal. Overhalden VIII. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Kornsjö 20. V. 03. Ose, Austad, Sätersdalen 16. VELL:02.
Lilleströmmen 1. VI. 03. Sireosen.
A.pygmaea Grav. Erfjord 1902. Sandumsäter, Norefjeld 5. 1%;
02. Overhalden 14.—18. VIII. Fredrikstad.
A. monticola C. G. Ths. Erfjord. Brönnö 7. VIII. 03. Over-
halden 15. VIII. Hemnesberget 8.—14. VII.
A. melanaria Mannh. Kornsjö 20. V. 03.
A. myrmecobia Kr. Elverum 4. V. 03. Ose, Austad 16. VIII.
02. Fredrikstad.
12. Heft
12
140.
141.
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163.
164.
169.
166.
167.
168.
Embrik Strand:
A. aequata Er. Elverum 4. V. 03.
A. arctica C. G. Ths. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Mofjeldet, Ranen 21. VII. 03. Hemnes, Ranen 9. VII. 03.
Kornsjö 20. V. 03. Grönlien in Mo 28. VII. 03. Ose, Austad
16. VIII. 03. Tronfjeldet, Tönsät 31. VIII.
A. laevicauda J. Sahlb. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
A. cinnamomea Grav. Hestnes, Hemnes, Ranen 9. VII. 03.
Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
A. cinnamoftera C. G. Ths. Hemnesberget 8.—14. VI.
Solum und Ranum 20.—23. VIII. Rörvik, Vikten 10. VIII.
Siredal.
A. alpestris Heer. Hemnesberget 8.—14. VII. Solum 20. VII.
Brekkesätren, Tönsät 2. IX. Mofjeldet, Mo 21. VII.
A. microßtera C. G. Ths. Moräne auf dem Tronfjeld, Tönsät
2. IX. Hemnesberget 8.—14. VII. Mo in Ranen 21. VII.
Siredal. Solum 19. VIII. Elverum 4. V.
A. currax Kr. Solum, Overhalden 20. VIII. (un.) e
A. fungi Grav. Tönsät 3. IX. Fredrikstad. Solum in Over-
halden 20. VIII. Mo, Ranen 11. VI. Rörvik (Insel Vikten)
10. VIII. Brönnö 5. VIII. Kornsjö 20. V. 08.
A. longicornis Grav. Solum, Overhalden 20. VIII. Ranum
ebenda 15. VIII. und 23. VIII. Mo, Ranen 11. VII. Sireosen.
A. elongatula Grav. Rörvik, Vikten 10. VIII. Fredrikstad
26. IV. Ranum und Solum in Overhalden 21.—23. VII.
Kornsjö 20. V. Langesund 11. V. Stavanger.
A. vestita Grav. Rörvik, Vikten 10. VIII. Brönnö 5. VII.
A. laevana Rey. Kornsjö 20. V. 03.
A. melanocera C. G. Ths. Kornsjö 20. V. 03. Ose, Austad
16. VIII. 03. Langesund 10. V. 03. Overshalden 20. VIII.
A. parva Sahlbg. Sireosen.
A. punctulata Sahlbg. Ose, Austad, Sätersdalen’ 16. VIII. 08;
A. hygrotopora Kr. Stavanger.
A. subsinuata Er. Erfjord (Ryfylke).
A. atramentaria Gyll. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02.
Brönnö 5. VIII. 03. Grönlifjeldet, Ranen 29. VII. 03.
Solum und Ranum, Overhalden 14.——18. VIII. Siredal. Rörvik,
Vikten 10. VIII. Moin Ranen21.VIl. Hemnesberget8.—14.VIl.
A. angustula Gyll. Fredrikstad 26. IV.
4. graminicola 'Grav. Brekkesätren, Tönsät 1. IX. (un.)
4. gregaria Er. Siredalen. Fredrikstad.
A. linearis Grav. Fredrikstad 26. IV. (unic.)
A. nigripes Ths. Ranum 23. VIII. Siredal.
A. exilis Er. Fredrikstad (un.)
A. suleifrons Steph. Hemnesberget 8. IR VII. (un.)
A. canescens Sharp. Fredrikstad.
A. picipennis Mannh. Tönsät 4. IX. Solum 18. VIH.
Sipalia circellaris Grav. Hatfjelddalen. Fredrikstad 26. IV.
Närland, Jäderen. Mo in Ranen 21. VII. Rörvik, Vikten
169.
170.
ic.
172.
173.
174.
175.
176.
177.
178.
179.
180.
181.
182.
1893.
184.
185.
186.
187.
188
189
190.
Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens 13
10. VIII. Moräne auf dem Tronfjeld, Tönsät 2. IX. Aal im
Dezember 1899. Ranum, Overhalden 24. VIII. Siredal.
Hemnesberget 8.—14. VII. Norefjeld, Sandumsäter 5. IX. 02.
Kornsjö 20. V. 03. Langesund 10. V. 03. Elverum 3. V. 03.
Ose, Austad, Sätersdal 16. VIII. 02. Stavanger. Lilleström-
men VI. 03.
Notothecta anceps Er. Hemnesberget 8.—14. VII. (un.)
Astilbus canaliculatus F. Brönnö 6. VIII. 03. Sireosen.
Stavanger. Hestnes, Hemnes 9. VII. 03. Kornsjö 20. V. 03.
Langesund 10. V. 03. Elverum 4. V. 03. Erfjord. Ranum,
Overhalden 23. VIII. Siredalen. Hemnesberget 8.—14. VII.
Brekkesätren, Tönsät 30. VIII. Rörvik, Vikten 10. VIII.
Fredrikstad 26. IV. Mo in Ranen 11. VII.
Zyras humeralis Grav. Mo in Ranen 11.—17. VII. Hemnes-
berget 8.—14. VII. Lilleströmmen 1. VII. 03. Elverum
2 VE-.03, ö
Z. limbatus Pk. Sireosen (un.).
Z. cognatus Märk. Kornsjö 20. V. 03 (un.).
Chilopora rubicunda Er., Übergang zur antennata Epp. Ra-
num in Overhalden 15. VIII. (unic.)
Acrostiba borealis C. G. Ths. Ranum, Overhalden 23. VIII.
Hemnesberget 8.—14. VII. Mo in Ranen 22. VII.
Ocyusa nivicola C. G. Ths. Moräne auf Tronfjeld, Tönsät
2. IX. Solum in Overhalden 19. VIII. Sandumsäter, Nore-
fjeld 5. IX. 02.
O. incrassata Rey. Ose, Austad, Sätersdalen 16. VIII. 03.
Oxypoda opaca Grav. Solum, Overhalden 18. VIII. Hemnes-
berget 8.—14. VII. Rörvik (Insel Vikten) 10. VIII. Sandum-
säter, Norefjeld 5. IX. 02.
O. annularıs Mannh. Ranen, Mo 11.—17. VII. Brekkesätren,
Tönsät 1. IX. Hemnesberget 8.—14. VII.
O. procerula Mannh. Hemnesberget 8.—14. VII.
O. vicina Kr. Mo in Ranen 11.—17. VII. (unicum).
O. filiformis Redt. Brönnö 5. VIII. 03. Sandumsäter, Nore-
tjeld 3:18:037 Elverunm.37V.03:
O. bicolor Rey. Ose, Austad, Sätersdalen 16. VIII. 03.
O. soror Ths. Ose, Austad, Sätersdalen 16. VIII. 02. Sandum-
säter, Norefjeld 5. IX. 02. Kornsjö 20. V. 03. Brönnö
6. VIII. 03.
OÖ. funebris Kr. Ose, Austad, Sätersdalen 16. VIII. 03.
Ischnoglossa prolixa Grav. Grönlifjeldet, Mo, Ranen 28. VII.
03. Sandumsäter, Norefjeld 5. IX. 02. Solum, Overhalden
17. VIII. Ranum 24. VIII. Brekkesätren, Tönsät 1. IX. Mo
in Ranen 11.—17. VII.
Aleoehara lanuginosa Grav. Siredal (unic.). Erfjord.
A. bipustulata L. Fredrikstad (unic.)
A. brevipennis Grav. Fredrikstad.
Tinetus morion Grav. Langesund 10. V. 03 (un.).
12. Heft
14 Embrik Strand:
XXX. Nachträgliches über Hymenoptera
und Diptera.
Von Embrik Strand.
Wie aus der Einleitung p. 1 ersichtlich, ist über Hymenoptera
und Diptera schon wiederholt in diesen ‚‚Neuen Beiträgen“ berichtet
worden. Je zwei nachträgliche Notizen darüber mögen hier folgen.
Hymenoptera.
1. Was ist ‚„Pompilus tromsoensis Spangberg‘“ [!], den
Schmiedeknecht in den ‚Hymenopt. Mitteleuropas‘ p. 268 als in
„Skandinavien, Alpen‘ vorkommend aufführt? Sparre Schneider
in „Hym. aculeata im arktischen Norwegen‘ (1909) hat die Art
nicht und hat also auch die zwei Jahre früher erschienene Angabe
Schmiedeknechts übersehen, von Aurivillius, mit dem Schneider
über die Aculeata Norwegens korrespondiert und dessen Arbeiten
er benutzt hat, kann die Art wohl nicht aufgestellt sein und wäre
sie von Spängberg, der übrigens meines Wissens keine Hymenoptera
beschrieben hat, so hätten Sparre Schneider und Aurivillius sie
wohl kennen müssen.
2. In der Insektenbörse, Jahrg. 17 (1900) p. 83—84 schreibt
Rudow einen Aufsatz: „Weiterer Beitrag zum Größenverhältnis
der Insekten verschiedener Breitengrade‘“, der mit folgenden
Worten anfängt: ‚Vor einigen Wochen erhielt ich eine umfangreiche
Bestimmungssendung aus der Umgebung von Kristiania in Nor-
wegen, umfassend Ichneumonen und deren Verwandte, Braconiden,
Proctotrypiden, Pteromalinen.“ Den Namen des Sammlers ver-
schweigt er; es kann aber gar kein Zweifel sein, daß es sich um eine
Sendung von mir handelt, deren Inhalt aber gar nicht aus der
Umgebung von Kristiania, sondern aus dem arktischen Nor-
wegen stammte, was ich Rudow brieflich besonders hervorgehoben
hatte, und was er auch an der Fundortetikette, die jedes Exemplar
trug, hätte sehen können; aus der Tatsache, daß ich (damals) in
Kristiania wohnte, schließt er ohne weiteres, daß auch die von mir
gesammelten Tiere von dort sein müßten! Wiederum ein Beispiel
von der fast sprichwörtlichen Unzuverlässigkeit der Rudowschen
Arbeiten! — Er hebt dann hervor, daß die Größe der norwegischen
Individuen so gering sei, im Vergleich mit mitteleuropäischen
Individuen derselben (sec. Rudow!) Arten.
Diptera.
3. Tipulidae, gesammelt von mir, bestimmt von M. P. Riedel.
Pedicia rivosa L. Hatfjelddalen. |
Tipula lunata L. (ochracea aut.). Hatfjelddalen.
. nubeculosa Mg. Hvalöerne. Hatfjelddalen.
. subnodicornis Zett. Gruben bei Rösvand 9. VII. 1899 (9).
. variıpennis Mg. Klovimoen in Vefsen.
. lateralis Mg. Oedemark (9). Siredal.
. scripta Mg. Hatfjelddalen. Hvalöerne.
Se
Neue Beiträge zur Arthropoden-Fauna Norwegens 15
T. affinis Schum. Hatfjelddalen ($).
T. exisa Schum. Sandskarfjeldet in Hatfjelddalen.
T. unca Wied. Hatfjelddalen.
Pachyrhina pratensis L. Hvalöerne.
Dictenidia bimaculata L. Hattjelddalen.
Tanyptera atrata L. Klovimoen in Vefsen.
T. v. ruficornis Mg. Rösvand.
Cylindrotoma distinctissima Wied. Hatfjelddalen.
Limnobia quadrinotata Mg. Hattjelddalen. Oedemark.
Rhipidia maculata Mg. Hatfjelddalen.
Dicranomyia morio F. Hatfjelddalen.
Limnophila phaeostigma Schum. Siredal. Oedemark. Skarmodalen
in Hatfjelddalen.
L. nemoralis Mg. Sireosen.
Poecilostola pictipennis Mg. Sande in Jarlsberg.
4. Syrphidae, gesammelt von mir, bestimmt von W. Lundbeck.
Pipiza quadrimaculata Panz. Sande in Jarlsberg ($), Klovimoen
in Vefsen (2).
P. bimaculata Meig. Klovimoen (2).
Chilosia longula Zett. Austad in Sätersdalen (?).
Platychirus clypeatus Meig. Oedemark ($), Austad ($, auch ein
melanoides 9); ein melanoides fragliches 2 von Dönna.
P. angustatus Zett. Eidskog (9).
P. albimanus F. Erfjord in Ryfylke (9), Hatfjelddalen 14. VII.99 (2).
P. manicatus Meig. Erfjord (9).
P.tarsalis Schumm. Hatfjelddalen (ein melanoides und fragliches 9).
Melanostoma mellinum L. Hvalöerne ($), Klovimoen (39), Botne
(3), Erfjord (9).
P. scalare F.: Siredal (9).
Sphaerophoria menthastrı L. Klovimoen (3%), Erfjord (2).
Neoascia geniculata Meig. Dönna (SQ), Oedemark ($).
Eristalis vufium F. Austad (9).
Chrysotoxum arcuatum L. Austad (2).
Folgende Dißtera hat B. Lichtwarth bestimmt:
Scopeuma stercoraria L. Lökta, Hadsel, Rösvandsholmen, Ham-
merö, Skien.
Scobeuma villipes Zett. Langöen (Vesteraalen).
Scobeuma merdaria Fbr. Lökta, Aal.
Orygma luctuosa Mg. Lökta.
Druckfehlerberichtigung.
In Nr. .XXVII vorliegender ‚Beiträge‘ (Arch. f. Nat. 1919.
A.4. p. 1-82) wäre zu berichtigen:
p: 2 sind. unter Pieris die rapae-Formen metra Stph. und imma-
culata Cock. versehentlich nach brassicae geraten.
p. 3, oben, 2. Reihe, ist Melanargia lachesis Hb. zu streichen.
p: 6, Zeile 5 von oben; ist Abraxas adustata Schiff. zu streichen.
12. Heft
16 Prof. Dr. Max Wolff und Dr. Anton Krausse:
Melittobia Strandi n. n. sp.
Von
Prof. Dr. Max Wolff und Dr. Anton Krausse, Eberswalde.
(Mit 21 Abbildungen.)
Die uns vorliegenden Stücke, 3 22 und 1 d, erhielten wir von
Herrn Dr. E. Enslin übersandt. Sie stammten aus einem Brombeer-
stengel, der von einer Trydoxylon-Art bewohnt war. Nach brief-
licher Mitteilung Dr. Enslins schmarotzte Chrysıs cyanea L. bei der
genannten Grabwespe. Die Puppen der C'hrysıs wurden von den
Larven des uns übersandten Chalcidiers verzehrt. Wir lassen die
näheren Mitteilungen, die uns der geschätzte Herr Kollege in
einem zweiten Briefe zugehen ließ, wörtlich folgen: ‚Was die Tiere
selbst betrifft, habe ich Ihnen wohl schon mitgeteilt, daß sie aus
einem Brombeerstengel stammen, den ich Anfang April bei Fürth
fand. Er enthielt sechs Zellen mit Kokon von Trypoxylon figulus L.,
während eine Zelle den typischen Kokon von Chrysis cyanea auf-
wieß, die ja als Schmarotzer von Trypoxylon bekannt ist. Da
Dr. Trautmann gerne eine Chrysidenpuppe zu Studienzwecken
haben wollte, überließ ich ihm den Chrysiskokon. Er teilte mir vor
einigen Tagen mit, daß er den Kokon eröffnet habe, daß aber die
Chrysispuppe von einem Schmarotzer befallen sei. Ich besah mir
die Sache. An der schon etwas blau verfärbten Chrysispuppe
saugten mehrere kleine Larven. Ich überließ die Tiere zunächst
Dr. Trautmann, um sie nicht beim Transport von Nürnberg nach
Fürth zu stören; die entwickelten Chalcidier ließ ich mir dann von
Dr. Trautmann wiedergeben. Leider hat er die Zucht nicht ganz
streng isoliert durchgeführt; es waren in dem Glase noch einige
andere Hymenopteren, ich kann daher nicht mit, Bestimmtheit
sagen, ob beide Chalcidier von der Chrysis stammten. Einer aber
sicher, und zwar wohl der, der in mehreren Stücken vertreten ist.
Daß die Chalcidierlarven erst im April zu saugen begannen, obwohl
doch ihre Eier schon im Herbst gelegt sein mußten, mag Ihnen
etwas merkwürdig vorkommen. Es scheint dies aber nicht selten
zu sein. So habe ich im Februar des Jahres einen Brombeerstengel
gesammelt, der sieben Zellen von Prosopis minuta F. enthielt, in
denen alle die Ruhelarven lagen. Als ich den Stengel in die Zimmer-
wärme brachte und nach einigen Tagen nachsah, saugten an zwei
der Prosopislarven ganz junge Parasitenlarven, die in wenigen
Tagen die Prosopislarven ausgesaugt hatten; die Zucht ergab
Eurytoma nodulans Boh. Es scheint also öfters der Fall zu sein,
daß Chalcidierlarven erst im Frühjahr ihre Wirte aussaugen.‘‘
Während wir selbst ebenfalls nach den ersten brieflichen Mit-
teilungen, die wir über die Herkunft des vorliegenden Chalecidier-
materials erhielten, Bedenken getragen hatten, die äußerst different
gebildeten Männchen und Weibchen als zu einer Art gehörig zu
betrachten, glauben wir nach sorgfältiger Vergleichung mit den
Melittobia Strandi n. n. sp.- 17
von Newport, 1. c., gegebenen Figuren die beiden Geschlechter als
zusammengehörig ansprechen zu dürfen. Wir. konnten also die
anfänglich von uns vermutete Zugehörigkeit der Weibchen zu der
Försterschen Gattung Syntomosphyrum, deren Kenntnis und Be-
schreibungen äußerst mangelhaft und widersprechend sind!), und
der Männchen zu einer in die Nähe der Gattung Baryscapus Foerster
zu stellenden neuen Gattung fallen lassen. Es handelt sich vielmehr
um die erste aus Deutschland bekannt werdende Art der ebenfalls
zu den Tetrastichinen gehörenden Gattung Melittobra.
Die neue Art, die wir Melittobra Strandin. nennen wollen, steht der
Melıttobia acastaWalker (= M. Audouini Westwood = Anthophorabia
retusa Newport = Anthophorabia fasciata Newport) außerordentlich
nahe und unterscheidet sich vor allen Dingen durch den erheblich
stärker ausgerandeten Scapus und die auffällig lang behaarten Tro-
chanteren und Femora des mittleren Beinpaares der Männchen, so-
wie durch die flache und spitzeFühlerkante des Weibchens von jener.
Eine schwedische von Thomson beschriebene Art (M. osmiae),
von der nur das Männchen bekannt ist, schmarotzt bei Osmien
und unterscheidet sich durch ihre Größe (2 mm) und bleiche
Färbung von unserer Art.
Von Melıttobia acasta ist bekannt, daß sie in den Nestern von
Bienen, Grab- und Faltenwespen lebt. Die von Smith aufgeworfene
Frage, ob Melittobia bei den genannten Wespen selbst oder bei
deren Parasiten, wie Monodontomerus- und Leucospis-Arten,
schmarotzt, ist in unserem Falle nach Maßgabe der interessanten
brieflichen Mitteilungen Dr. Enslins dahin beantwortet, daß unsere
Art sicher ein Parasit der Schmarotzerwespe, nämlich der Chrysis
cyanea L., ist. Es ist deshalb natürlich nicht ausgeschlossen, daß
sie immer ein Schmarotzer zweiten Grades sein muß; vielmehr muß
die Möglichkeit im Auge behalten werden, daß unsere Melittobia
auch als Schmarotzer ersten Grades, ja eventuell nacheinander als
Schmarotzer ersten und zweiten Grades auftreten könnte.
Wir geben im folgenden eine kurze Beschreibung der neuen
Art, sowie einige Zeichnungen, die vielleicht deshalb von Interesse
sind, weil Newport seine Figuren und Beschreibungen wenig in Ein-
klang miteinander gebracht und über vieles Zweifel offengelassen hat.
Männchen.
Mit den Merkmalen der Gattung. Trochanter und Femur des
mittleren Beinpaares auffällig langbehaart: Fig. 1. Flügel
verkümmert, kaum länger als der Breitendurchmesser des Kopfes:
1) Mit unserem Melittobia-Weibchen stimmt die von Foerster be-
schriebene Art darin überein, daß Kopf und Thorax auffallend flach und
die paarigen Nebenaugen dem mittleren. mehr als den Facettenaugen ge-
nähert sind, auch glauben wir eine Andeutung des durch zwei nach vorn
konvergierende feine Furchen abgegrenzten Scheiteldreieckes zu erkennen,
in dem das mittlere Ocellum steht (vergl. unsere Fig. 20). Unsere Art ist
dagegen unterschieden durch das nicht quere Pronotum, die im Verhältnis
zum Geißelfaden nicht breite Keule und die Geißelglieder, die bei unserer
Art so breit wie lang sind.
Archiv ee are 2 12. Heft
18 Prof. Dr. Max Wolff und Dr. Anton Krausse:
Melittobia Stranci n. n. sp. 19
Fig. 2. Hinterrand des Pronotums doppelt ausgebuchtet: Fig. 3.
Der sehr stark distal angeschwollene Scapus ist stark ausgerandet:
Fig. 4; die Ausrandung bildet den Abschluß einer breiten Grube,
in die die Fühlergeißel mit dem Pedicellus eingeschlagen ist: vgl.
Fig. 4, 5 und 6. Die der Keule vorangehenden drei Fadenglieder
sind tellerförmig: Fig. 5 u. 6. Das Ringglied ist sehr versteckt:
Fig. 6. — Wie anscheinend bei allen Melittobia-Arten sind die
Facettenaugen beim Männchen rudimentär und durch je einen
ocellenartigen Pigmentfleck vertreten: Fig. 4. Die Ocellen sind
von normaler Anordnung und Beschaffenheit: Fig. 4. Die Be-
schaffenheit der Flügel ist, soweit sich das an dem einzigen uns
zur Verfügung stehenden männlichen Exemplar feststellen ließ,
aus Fig. 7 ınd Fig. 8 ersichtlich. An der mit 7? bezeichneten
Stelle in Fig. 7 ist nur die Knickung der Ader deutlich, dagegen
nicht zu entscheiden, ob sie hier direkt in den Flügelrand übergeht
oder erst allmählich zu ihnen zieht. Fig. 9 und Fig. 10 stellen bei
schwächerer und stärkerer Vergrößerung den deutlich hervor-
tretenden Penis des Männchens dar. Länge des &: 1,3 mm; Fär-
bung: schwarzbraun.
Weibchen.
Die Größenverhältnisse von Thorax und Abdomen sind aus
Fig. 11 zu ersehen. Zur Richtigstellung der irrigen Angaben New-
ports, der die Tarsen in der Gattungsdiagnose als fünfgliedrig an-
gibt, aber richtig viergliedrig zeichnet (ähnliche Unstimmigkeiten
finden sich bei ihm in der Beschreibung der Antennen) bilden wir
in Fig. 12 und Fig. 13 den Hinter- und Vordertarsus bei schwächerer,
der der Newportschen Figuren ungefähr gleichen Vergrößerung ab.
Unsere bei stärkerer Vergrößerung gezeichneten Figuren 14 und 15
lassen erkennen, daß der Haftapparat, den Newport offenbar irrig
als fünftes Tarsalglied gezählt hat, sehr merkwürdig gebildet ist,
und zwar, wie besonders aus Fig. 16 zu ersehen ist, aus zahlreichen
artischockenartig angeordneten Blättern besteht. Die Keule des
Fühlers ist von der Seite gesehen flach zusammengedrückt, wie
Fig. 17 deutlich erkennen läßt; die punktierte Linie deutet die
unter der Einstellebene gelegene Kante der Keule an. Wie Fig. 17
und Fig. 18, welch letztere die Fühlerkeule von der Unterseite bei
stärkerer Vergrößerung zeigt, erkennen lassen, ist im (Gegensatz
zu Melittobia acasta das letzte Fadenglied fast so breit wie die
Fühlerkeule (vgl. Newport, 1. c., Tafel VIII, Fig. 5b). Beide
Figuren (17 und 18) zeigen auch deutlich die Zuspitzung des letzten
Keulengliedes, die in einem feinen, sich aus dem Gewirr der Sinnes-
organe klar hervorhebenden Zäpfchen besteht. Die Anordnung
dieser Sinneskegel und Sinnesborsten geht aus Fig. 18 hervor. Der
Annellus ist ziemlich verborgen, aber nicht so schwierig wie beim
Männchen wahrzunehmen: Fig. 19. — Fig. 20 zeigt den Kopf des
Weibchens stark von hinten und oben gesehen; die Facettenaugen
sind von normaler Bildung, die Anordnung der Ocellen und ihre
Entfernung von den Facettenaugen ist aus Fig. 20 ohne weiteres
2% 12. Heft
er
20 Max Wolff und Anton Krausse: Melittobia Strandi n. n. SP.
Hip: 11:
BR
Fig. 12. Fig. 13.
Fig. 17. Fig. 18.
9% Be
Fig. 20. Fig. 21.
Alb. Ulbricht: Zur Kenntnis der Gattung Homaspis Foerst. 21
ersichtlich. Fig. 21 zeigt die normal entwickelten Flügel, die in
Newports Zeichnungen wohl infolge der schwachen angewandten
Vergrößerung etwas ungenau wiedergegeben sind, wenigstens
lassen Newports Figuren nichts von dem gebrochenen oder unter-
brochenen Verlauf der Subcosta erkennen, der doch für die Tetra-
stichinen, zu denen die Gattung Melittobia gehört, charakteristich
ist. Länge des 9: 1,3 bis 1,5 mm; Färbung etwas dunkler als beim
Männchen. -
Die Tiere wurden gefunden von Dr. E. Enslin in der Umgebung
von Fürth.
Wir widmen die Art dem verdienten Herausgeber des ‚Archivs
für Naturgeschichte‘‘, Herrn Dr. Embrik Strand.
Die Figuren sind in folgender Vergrößerung gezeichnet und
danach auf ?/, nat. Größe reduziert (die folgenden Werte müssen
also beim Nachmessen auf ?/;, reduziert werden): °”/, nat. Gr.:
Figg. 8:9, 11, 12, 13, 17, 21; 2%) nat. Gr.: Fig, 4; 1%], nat. Gr.:
Pigg. 2,5, 8; ®%/, nat. Gr.: Figg. 1, 10, 18,'19, 20; ?0%/, nat. Gr.:
pe 144 1559 nat. Gr: Pigg:6,16;
Literatur.
Newport, Transact. Linn. Soc. London XXI, p. 61 ff., p. 79 ft.,
p. 95 H., 1855.
Foerster, Verhandl. Naturwiss. Ver. Preuss. Rheinl. 1878, p. 60
und 61.
Thomson, Hym. Scandin., Tom.' V, p. 204, 1878.
Schmiedeknecht, Chalcididae. Gen. Ins., Pag. 466, 1909.
Eberswalde, Juni 1920.
Zur Kenntnis der Gattung Homaspis Foerst.
Von,
Alb. Ulbricht, Crefeld.
Von dieser Gattung ist lange nur das & des (Mesoleptus)
narrator Gr. (Notopygus analis Hlgr.) bekannt gewesen. Schmiede-
knecht beschreibt in seinen Opusc. Ichn. 1913 auch das 9, sowie
eine neue Art, Homaspis subalpina 2 und d. Durch die Güte des
Herrn Dr. Anton Krausse in Eberswalde erhielt ich im Sommer
1918 eine kleine Anzahl zu dieser Gattung gehöriger Stücke. Herr
Krausse hatte sie Ende Mai und Anfang Juni bei Neuenheerse i. W.
im Eggegebirge gefangen.!) Sie flogen da in Gesellschaft des
Xenoschesis fulvipes, welcher in großen Mengen die jungen Fichten,
die von Lyda-Larven bewohnt waren, umschwärmte. Unter den
ı) Vide: Dr. Anton Krausse: Forstentomologische Exkursionen
im Eggegebirge zum Studium der Massenvermehrung der Cephaleia
abietis L., Arch. f. Naturgesch., 83. Jahrg., A, 6. Heft, 1917 (1919).
12. Heft
22 Alb. Ulbricht: Zur Kenntnis der Gattung Homaspis Foerst.
gesandten Tieren befand sich auch eine Cephaleia abietis L. (Lyda
campestris Fall, L. hypotrophica Htg.). Die Homaspis-Arten
scheinen demnach ziemlich selten zu sein; jedenfalls muß man zur
rechten Zeit am rechten Orte sein, um sie zu erbeuten. Die wenigen
Exemplare von beschränkter Lokalität zeigen indes schon, daß es
mehr Formen gibt, als bisher bekannt waren. Unter der Sendung
befanden sich folgende Färbungen:
1. Homaspis narrator Gr. (analis Hlgr.) 2%. Schwarz. Braun-
gelb sind Palpen, Mandibeln, Unterseite des Fühlerschaftes, Flügel-
schüppchen, die vier vorderen Beine und die Hinterknie:. Fühler
auf der Unterseite mit Ausschluß der Spitze rostfarbig. Ebenso
gefärbt ist die Hinterleibsspitze, beim $ meist nur die Genital-
klappen.
2. H. narrator Gr. n. var. lugubris 923. Kopf mit den Fühlern,
Thorax und Hinterleib schwarz, selten sind die äußersten Haut-
ränder der Genitalien gebräunt. An den Vorderbeinen die Knie
und die Schienen an der Vorderseite, bei einigen Stücken auch die
Vorderseite des ersten Beinpaares schmutzig gelbbraun.
Stigma braun mit heller Basis.
3. H. narrator Gr. n. var. medialis 2. Wie die Stammform.
Außerdem sind noch rötlichgelb: Hinterrand des 1., das 2. und
3. Segment mehr oder weniger; manchmal das 2. Segment mit
2 schwärzlichen Punktflecken. Auch die Hinterleibsspitze sowie
die Hintertarsen gegen das Ende sind ausgedehnter gelb gefärbt
als bei der Stammform. Diese Färbung wird auch von Holmgren
erwähnt.
4. H. subalpina Schmiedekn. 2 2 2 $ entsprechen vollständig
der Beschreibung bei Schmiedeknecht; 2 Stück mit je 2 schwarzen
Punkten auf dem 2. Segment.
5. H. Kraussei n. sp. 2. In der Skulptur des 1. und 2. Seg-
ments mit subalpina übereinstimmend. Kopf schwarz; Mund und
Gesicht gelblichweiß, mit 2 schwarzen Punkten über den
Clypeus-Ecken. Palpen und Unterseite des Fühlerschaftes gelb.
Fühler bräunlichgelb, an der Basis oben gebräunt, die Spitzen
schwarz.
Thorax schwarz, oben bläulich beduftet. Gelblichweiß
sind: ein Fleck auf dem Pronotum, große Hakenflecke des Meso-
notums und damit zusammenhängend Schulterecken, Flügel-
schuppen, Flecke unter den Flügeln und die ganze Vorderseite der
Mesopleuren und des Mesosternums.
Hinterleib ganz schwarz, gegen das Ende fein pubeszent.
Vorderbeine mit den Hüften weißgelb, die Schenkel hinter-
wärts blaß rötlich. Hintere Beine schwarz; die Spitze der Hüften
und die Unterseite der Trochantern weißgelb; die Knie bräunlich-
gelb. Flügelstigma braun, an der Basis heller.
1 2 von 13 mm Länge.
Die Typen der vorbeschriebenen Homaspis-Formen befinden
sich in meiner Sammlung.
Dr. K. W. Verhoeff: Chilognathen-Studien 23
Chilognathen -Studien
(91. Diplopoden-Aufsatz).
Von
Dr. K. W. Verhoeff, Pasing b. München.
Dazu 2 lith. Tafeln.
(Inhaltsübersicht am Schluß der Arbeit)
1. Glomeridae.
In neuerer Zeit wurden von mir folgende Schriften über
Glomeriden veröffentlicht, welche für die Beurteilung der im
Folgenden besprochenen Formen von Bedeutung sind:
T.
ot
Zur Kenntnis der Glomeriden. 24. Aufsatz, Archiv f. Nat.
1906, Bd. I, H. 2, S. 107— 226, dazu 2 Tafeln. (Beiträge zur
Systematik, Geographie, Entwickelung, vergleichenden Mor-
phologie und Biologie.)
. Neuer Beitrag zur Kenntnis der Gattung @Glomeris. 40. Diplo-
poden-Aufsatz, Jahreshefte d. Ver. f. vat. Nat. Württ.
1911, Bd. 67, S. 78—147, dazu 1 Tafel. DBehandelt ver-
gleichend die Zeichnungsverhältnisse, den Bau d®r männlichen
Gliedmaßen und die Systematik der Eurypleuromeris).
. Zur Kenntnis der Glomeriden, 36. Aufsatz, Zoolog. An-
zeiger Bd. XXXV, Nr. 4/5, 1909, S. 101—124, 22 Abb.
(Glomeriden-Gattungen, Stigmenbau, zur Hemianamor-
phose und Sienopleuromeris-Arten).
. Indomalayische Glomeriden, Sitz.-Ber. Ges. nat. Freunde,
Berlin 1910, Nr. 5, S: 240—249, 1 Tafel, 41. Aufsatz.
. Adenomeris und Gervaisia, 52. Aufsatz, Zoolog. Anzeiger
Bd. XXXIX, Nr. 11/12, S. 396—407, 7 Abb. (enthält einen
Schlüssel der Familien und Unterfamilien).
. Zur Kenntnis einiger mitteleuropäischer Chilognathen und
der Schläfenorgane der Plesiocerata, 57. Aufsatz, Sitz.-Ber.
Ges. nat. Fr. 1912, Nr. 8, S. 445—438, 8 Abb. und 1 Tafel.
(Morphologisch-physiologische Beurteilung der (rehörorgane.
Glomeridella-Arten).
. Zur Kenntnis der Plesiocerata, 82. Diplopoden- Aufsatz,
Zoolog. Anzeiger 1915, Bd. XLVI, Nr. 1 und 2, S. 16—48,
19 Abb. (Geoglomeris, Gruppen der Plesiocerata, Annameris
n. g., Glomeridellen, kritische Bemerkungen und ‚Spelaeo-
gervaisia‘‘).
Auch in einigen anderen Diplopoden- Aufsätzen finden sich
noch kleinere Mitteilungen über Glomeriden, während ich die
älteren Glomeriden-Aufsätze, d. h. die vor 1906 erschienenen,
hier nicht besonders namhaft machen will.
12. Heft
24 Dr. K. W. Verhoeff:
Stenopleuromeris und Eurypleuromeris.
Im 57. Aufsatz (Nr. 6) besprach ich bereits die Glomeris
helvetica Verh. als eine Art, welche zwischen den beiden, nach
der Gestalt der Seitenlappen der mittleren Tergite unterschiedenen
Gruppen eine vermittelnde Stellung einnimmt, indem sie ‚nach
den Seitenlappen der Mittelsegmenttergite zu Eurypleuromeris ge-
hört, durch den Besitz eines Präanalschildhöckers aber nur mit
Stenopleuromeris-Arten übereinstimmt“.
Der verschiedene Bau dieser Seitenlappen der mittleren Ter-
gite, auf welchen ich diese beiden Gruppen als Sektionen be-
gründet habe, ist ein bisher von mir allein beobachtetes und ver-
wertetes Merkmal, dessen große Bedeutung sich allein schon aus
der großen Zahl schwierig unterscheidbarer Glomeris-Arten ergibt,
unter denen sich aber nunmehr manche vermittelst des sehr ver-
schiedenen Gepräges dieser Seitenlappen leichter unterscheiden
lassen, jedenfalls viel schärfer als es ohne diese Charaktere der
Fall sein würde. Manche Arten sind als solche überhaupt erst
erkannt worden, seitdem ich diese verschiedene Ausprägung der
Seitenlappen festgestellt habe.
Man wird billigerweise nicht verlangen können, zumal in einer
so artenreichen und schwierigen Gattung wie Glomeris, daß ein
neues Merkmal gleich restlos klargestellt werde. Es ist daher auch
nicht besondeys merkwürdig, wenn meine weiteren Untersuchungen
ergeben haben, daß die Charakteristik, welche ich auf S. 117 im
36. Aufsatz für Sieno- und Eurypleuromeris beibrachte, noch we-
sentlicher Ergänzung bedarf. Insbesondere muß ich darauf auf-
merksam machen, daß in beiden Gruppen die Größen-
verhältnisse von Vorder- und Hinterfeld der Seiten-
lappen nach den Geschlechtern mehr oder weniger be-
trächtliche Unterschiede aufweisen können, eine Er-
scheinung, welche, ganz. im allgemeinen betrachtet, damit zu-
sammenhängt, daß die männlichen Glomeriden etwas
schlanker gebaut sind als die weiblichen. Demgemäß
konnte ich feststellen, daß das Vorderfeld bei den männ-
lichen Glomeris kürzer gebaut ist als bei den weib-
lichen. Hieraus folgt aber weiter, daß das Längenverhältnis von
Vorder- und Hinterfeld größere Verschiedenheiten aufweist als sie
in meiner ersten Gegenüberstellung (a. a. ©. .S. 117) ausgedrückt
wurden. Die Weibchen mancher Stenopleuromeris-Arten nähern
sich also durch das Größenverhältnis von Vorder- und Hinterfeld
den Männchen mancher Eurypleuromeris-Arten. Anfangs glaubte
ich auf Grund derartiger Befunde, die beiden Sektionen ließen sich
nicht mehr aufrecht erhalten. Genauere Überlegung bewies mir .
jedoch, daß ein solcher Schluß verfehlt sein würde, denn wenn
beide Geschlechter gemeinsam geprüft werden, kann man
über die Zugehörigkeit einer Art zu der einen oder andern Gruppe
nicht zweifelhaft sein und selbst wenn sich vollständige Übergänge
vereinzelt finden sollten, so bleibt doch die scharfe Gegensätz-
Chilognathen- Studien 95
lichkeit für die große Mehrzahl der Arten und damit der
bedeutende systematische Wert dieser Tergit-Seitenlappen-Cha-
raktere. In den wenigen Fällen, welche zu Zweifeln Veranlassung
geben könnten, wird man sich an die Tergit-Seitenlappen der
männlichen Tiere halten müssen.
Um die sexuellen Verschiedenheiten im Bau der Glomeris-
Tergite an einem besonderen Beispiel zu erörtern, verweise ich
auf Abb. 1.und 2 für Glomeris (Eurypleuromeris) conspersa Koch.
Am Seitenlappen des 4. Tergit dieser Art ist das Vorderfeld
des 2 (Abb. 2) so groß, daß es mehr als die halbe Länge des Hinter-
feldes ausmacht, während umgekehrt das Vorderfeld des $ (Abb. 1)
entschieden weniger als die halbe Länge des Hinterfeldes er-
reicht). Trotz dieser namhaften Verschiedenheit zeigen aber
beide Geschlechter im Vergleich mit dem 4. Tergit der sonst der
conspersa überaus ähnlichen Glomeris maculosa n. sp. (Abb. 3) sich
wesentlich abweichend gebaut, denn
1. erreicht das kurze Vorderfeld der maculosa nur ein Viertel
der Länge des Hinterfeldes und
2. zeigt im Zusammenhang damit auch die Grenzfurche (g)
einen abweichenden Verlauf, indem sie bereits vorn an der seit-
lichen Tergitbucht endigt, während sie bei conspersa erst an
der äußeren Rundung des Seitenlappens endigt, weshalb auch
bei letzterer Art das Vorderfeld bis an die Rundung ausgedehnt ist.
Der schon im 36. Aufsatz von mir hervorgehobene Gegensatz,
daß im Vorderfeld bei Eurypleuromeris eine abgekürzte Furche
(Zwischenfurche) auftritt (eventuell auch zwei) bei Stenopleuro-
merıs dagegen keine, wiederholt sich bei den beiden soeben ver-
glichenen Arten (Abb. 1-3), doch will ich gleich erwähnen, daß
ich diesem Gegensatz keine namhafte Bedeutung beilege, da es
auch einige Stenopleuromeris-Arten gibt, bei welchen eine Zwischen-
furche vorkommt, so bei helvetica und kubana.
Mein Wunsch, für die bisher nicht ganz leicht aufzufassenden
Gestaltverhältnisse der Tergitseitenlappen bei Steno- und Eury-
pleuromeris einen schärferen Ausdruck zu finden, ließ mich schließ-
lich zu der Überzeugung kommen, daß uns durch den Scheitel-
punkt!) (x Abb. 1—3) und seine angrenzenden Winkel eine vor-
treffliche Handhabe zur Orientierung geboten wird, indem ich nach
diesen Merkmalen bisher noch in keinem Falle zweifelhaft war,
1) Die Länge von Vorder- und Hinterfeld mißt man am einfachsten
in der Richtung einer Sagittalebene, welche man sich durch den Punkt &
(Abb. 1 und 2) gelegt denkt, d. h. durch die Stelle, in welcher sich der
. Bogenrand der Leibeshöhle (Ih) und die Grenzfurche (g) zwischen
Vorder- und Hinterfeld scheinbar schneiden. Diesen Punkt x will ich kurz
als Scheitelpunkt hervorheben.
?) Zur richtigen, nämlich gleichmäßigen Auffassung der Lage eines
Scheitelpunktes sei noch Folgendes erwähnt: Durch drei sagittale
Schnitte wird das auf das Brustschild folgende, also 4. Tergit, in vier
ungefähr gleichbreite Teile zerlegt, von welchen die beiden äußeren mit
den Seitenlappen in den Präparaten so eingelegt werden, daß die gewölbtere
Außenfläcl.c nach oben gerichtet ist.
12 Heft
6 Dr. K. W. Verhoeff:
ob es sich um eine Siteno- oder Eurypleuromeris-Art handelt. Die
beste Probe für den Wert dieses Merkmales bot sich in der schon
erwähnten Glomeris helvetica. Während dieselbe nach der bis-
herigen Auffassung eine Vermittelung zwischen Siteno- und Eury-
pleuromeris bilden würde, zeigt sich nach dem Scheitelpunkte,
daß sie entschieden zu Stenopleuromeris gehört, sodaß also nun-
mehr meine im 36. Aufsatz gegebene Auffassung dieser Art (S. 118),
trotz der im 57. Aufsatz besprochenen Bedenken und Einschrän-
kungen, als einer Angehörigen von Stenopleuromeris, sich neuer-
dings gerechtfertigt erweist.
Mit dem Scheitelpunkt (x Abb. 1-3), also dem schein-
baren Schnittpunkt des Bogenrandes (l/h) und der Grenz-
furche (g) hat es aber folgende Bewandtnis?): Ein Vergleich der
Abbildungen 1—3 läßt uns leicht erkennen, daß der Scheitelpunkt
um so weiter nach vorn liegt, je schmäler das Vorderfeld ist, um
so weiter nach hinten dagegen, je länger dasselbe erscheint. Da
sich nun der Bogenrand, d. h. die Kante, welche die Grenze
bildet, zwischen der offenen Leibeshöhle einerseits und der Höhlung
der Tergitduplikatur anderseits, seitlich stark nach vorn umbiegt,
sodaß er schließlich ganz nach vorn verläuft, während er im
größten Teil seines Verlaufes sich vorwiegend quer erstreckt,
so bilden sich bei der verschiedenen Lage der Grenz-
furche zwischen Bogenrand und Grenzfurche sehr ver-
schiedene Winkel und zwar entstehen bei Sienopleuromeris ent-
weder rechte Winkel oder vordere Ergänzungswinkel, von welchen
der äußere der stumpfe ist (Abb. 3), während bei Eurypleuromeris
stets nur vordere Ergänzungswinkel vorkommen, deren innerer
der stumpfe ist (Abb. 1 und 2). Für die beiden Glomeris-Sektionen
gebe ich nunmehr folgende neue Charakteristik:
A. Eurypleuromeris: Das Hinterfeld der Seitenlappen des
4. Tergit ist ungefähr 1?/, bis 21, mal länger als das Vorderfeld,
letzteres ist also verhältlich groß und die Grenzfurche zwischen
beiden Feldern reicht bis zum seitlichen, herausgebogenen Außen-
rand (a Abb. 1 und 2). Vor dem Scheitelpunkt liegt innen ein
stumpfer, außen ein spitzer Winkel. Im Vorderfeld kommen immer
1—2 abgekürzte Furchen vor.
B. Stenopleuromeris: Das Hinterfeld der Seitenlappen des
4. Tergit ist meistens ungefähr viermal länger als das Vorder-
feld, seltener nur 21,—3 mal länger, das Vorderfeld ist also ver-
hältlich kurz und die Grenzfurche reicht nur mehr oder weniger
weit bis an den Rand der vorderen Seitenbucht, nicht aber
bis zum herausgebogenen Außenrand (Abb. 3). Vor dem Scheitel-
punkt liegt entweder außen ein stumpfer, also innen ein spitzer
Winkel, oder es entstehen am Scheitelpunkt ungefähr rechte
Winkel. Im Vorderfeld ist meistens keine abgekürzte Furche
ausgebildet, seltener kommt eine vor.
Als Beispiele für das Längenverhältnis von Vorder- und
Hinterfeld mögen die folgenden dienen:
Chilognathen- Studien 27
Stenopleuromeris-Arten meistens, z. B. bei fustulata, kubana, ma-
culosa und numtdia:
Vorder-:Hinterfeld = 1:4, $2 wenig verschieden;
helvetica Vorder-: Hinterfeld = ee Q
173:&
Eurypleuromeris-Arten:
ker Vorder-: Hinterfeld — f1:1?/; 2
1:28
undulata _Vorder-: Hinterfeld — 1: 24,2
dt: 21%
conspersa Vorder-: Hinterfeld = 11:13 ?
Y: 292% 8
a
Zwei Stenopleuromeris-Arten aus Algier.
a) Glomeris maculosa n. sp. (Abb. 3) $ 10%—11, 2 12 mm
lang. Tergite glatt und glänzend, auf graugelbem bis grauweißem
Grunde braunschwarz und unregelmäßig gesprenkelt,
wodurch diese Art der conspersa Koch zum Verwechseln ähnlich
sieht. Daß sie jedoch durch den Bau der Seitenlappen der mittleren
Tergite von conspersa (Abb. 1 und 2), welche zu Eurypleuromeris
gehört, wesentlich abweicht (Abb. 3), wurde schon im Vorigen
erörtert. Die Ähnlichkeit mit conspersa hinsichtlich der Zeich-
nung wird noch dadurch erhöht, daß sich ganz wie bei jener eine
Längsreihe schmaler, schwarzer Medianflecke vorfindet.
Die Sprenkelung tritt hier und da in isolierten braunschwarzen
Tupfen auf, größtenteils aber ist das Pigment zu unregelmäßigen
Massen verbunden. Im Gegensatz zu conspersa ist die dunkle
Sprenkelung auch am Brustschild und Präanalschild überall zer-
streut, sodaß also keine hellen Randbinden am Brustschild vor-
kommen und am Präanalschild sich auch hinten kein größeres
helles Gebiet abhebt. Oberkopf und Collum vorwiegend braun-
schwarz.
Präanalschild in beiden Geschlechtern ohne Spur eines
Höckerchens.
Ocellen 1 +7 —8. Collum mit zwei vollständigen Furchen.
Brustschildschisma von typischer Ausprägung, Brustschild-
furchen 1 +2.
Präanalschild des £ völlig ohne Ausbuchtung.
Der säbelig gebogene Telopodentarsus ist allmählich ver-
schmälert und zeigt keine Knickung, während eine solche bei
orientalis, distichella und numidia mehr oder weniger angedeutet
ist. Femoralgriffel der Telopoden wenig länger als am
Grunde breit, während sie bei jenen drei Arten wenigstens
die doppelte Länge der Grundbreite erreichen. Hüften des 18.
Beinpaares des & innen mit Andeutung eines Zapfens.
Vorkommen: Aus den Gorges de la Chiffa in Algier er-
hielt ich 2 & 1 2 durch Herrn Prof. H. Ribaut, dem ich hier
ebenfalls meinen besonderen Dank ausspreche.
12. Heft
28 Dr. K. W. Verhoeff:
Im 36. Aufsatz S. 117-120 gab ich einen Schlüssel für die
mir bis 1909 bekannten Stenopleuromeris-Arten. Da im vorliegen-
den Aufsatz drei neue Arten aus dieser Gruppe beschrieben werden,
möchte ich Folgendes hervorheben: Alle drei neuen Arten sind
unter H in meinen Schlüssel einzuordnen und zwar ist hinter H
Folgendes einzuschieben:
I. Tergite mit 2 + 2 schwarzen Flecken auf hellem Grunde:
kubana n. Sp.
II. Tergite mit unregelmäßiger, dunkler Sprenkelung, ab-
weichend von allen bekannten Sitenopleuromeris-Arten: ma-
culosa n. SP.
III. Tergite mit hellen Flecken auf dunklem Grunde: Hier-
hin Nr. 7—11 des 36. Aufsatzes und die folgende numidia n.sp.
b) Glomeris numidia n. sp. 2% 1015—12 mm lang.
Tergite glatt und glänzend, vorwiegend braunschwarz,
ohne Sprenkelung, am 3.—12. Tergit mit verwaschenen, mehr
oder weniger deutlichen, ovalen bis rundlichen, grauweißen Flecken
III, welche sehr breit getrennt sind und an den vorderen Tergiten
noch undeutlicher als an den hinteren. . Jederseits ein großes,
queres, graugelbliches Feld, welches verbreiterten hellen
Flecken II entspricht. Es enthält eine schwache, feine und nur
am Brustschild deutlichere braunschwarze, netzige Pigmentierung.
Die hellen Flecke I bilden am Brustschild oberhalb des Schismas
einen ovalen, weißlichen Hof, fehlen aber am 4.—12. Tergit,
deren Seiten- und Hinterrand grauweiß gesäumt ist. Präanal-
schild mit dreiästig-pilzförmiger, braunschwarzer Zeichnung, durch
welche zwei grauweiße, kleinere oder größere und bis zum Hinter-
rand reichende Flecke getrennt werden. Collum braunschwarz,
in der Mitte quer graugelb aufgehellt. Kopf graugelb, zwischen
den Augen braun.
Ocellen, Collumfurchen und Brustschildschisma wie bei ma-
culosa.
Brustschild mit 1 + 1 oder 1 + 2 Furchen, also einer durch-
laufenden und 1—2 abgekürzten. Präanalschild $ völlig ohne
Ausbuchtung.
Da diese Art mit distichella am nächsten verwandt ist, gebe
ich folgende Gegenüberstellung:
numidia n. sp. distichella Berlese.
Braunschwarze Medianflecke Schwarze Medianflecke drei-
sehr breit, vorn auch bei ein- eckig bis fünfeckig, nach vorn
gerollten Individuen breit ab- verjüngt, die hellen Flecke
gestutzt, die hellen inneren nicht umschließend, vielmehr
Flecke vollständig um- bilden diese Einbuchtungen
schließend. Die seitlichen, im schwarzen Pigment. Die seit-
hellen Querfelder sind außen lichen hellen Ouerfelder sind
breit, von dunklem Pigment nach den Seitenlappen fortge-
Chilognathen- Studien 29
umgeben. Hüften am 18. .setzt, also nicht von dunklem
Beinpaar des & innen ohne Pigment umschlossen. Letzteres
Zapfen. ist von tieferem Schwarz als
bei numndia. Hüften am 18.
Beinpaar des $& innen mit kräf-
tigem Zapfen.
In den Telopoden stimmen numidia und distichella vollständig
überein. Der Tarsus ist stumpfwinkelig gebogen, während er bei
occidentalis eine rechtwinkelige Knickung zeigt. 2
Vorkommen: Auch diese Art verdanke ich Herrn Prof.
H. Ribaut in2 82 2 aus den algerischen Gorges de la Chiffa.
Sie scheint mit Gl. $punica Attems aus Tunis ebenfalls nahe ver-
wandt zu sein, vorausgesetzt, daß es sich in dieser um eine Steno-
pleuromeris-Art handelt, was vom Autor noch nicht nachgewiesen
worden ist. Auch über die Zeichnung des Präanalschildes liegen
keine Angaben vor. Da ‚stets2 Brustschildfurchen auf der Rücken-
mitte‘ vorkommen, handelt es sich zweifellos um eine von numidia
abweichende Art.
Glomeris (Stenopleuromeris) kubana n. sp.
g 5?/; mm, 2 7?2/,;, mm lang. Seitenlappen des 4. Tergit von
typischer Bildung, also das Hinterfeld viermal länger als das Vor-
derfeld.
Rücken graugelb, am 4.—12. Tergit mit je2 + 2 schwarzen
QOuerflecken, von welchen die inneren bedeutend größer sind als
die äußeren, außerdem ein feiner schwärzlicher Hinterrands-
saum. Präanalschild mit zwei großen, fast halbkreisförmigen, '
schwarzen Flecken, welche durch helle Mediane getrennt bleiben,
während die ganze Hinterhältfte hell ist, die schwarzen Flecke aber
bis zum Vorderrand reichen. Brustschild mit breiter, schwar-
zer Querbinde, innerhalb welcher ein schmaler Medianstreifen
und jederseits ein querer großer Fleck hell bleiben. Die Brust-
schildränder sind also hell, besonders breit an den Seitenlappen, an
welchen die schwarze OQuerbinde dreieckig ausläuft.
Präanalschild ohne Höcker und beim $ völlig ohne Aus-
buchtung.
Collum mit zwei durchlaufenden Furchen. Brustschild mit
typischem Schisma und 1 + 2 Furchen, also einer durchlaufen-
den und zwei abgekürzten, deren vordere länger ist.
17. und 18. Beinpaar des $ von typischer Gestalt, der Syn-
coxitwinkel des 18. rechtwinkelig ausgebuchtet.
Die Telopoden unterscheiden sich von denen der piccola At-
tems, wenigstens nach der Abb. 25, welche N. Lignau auf Taf. I
in seinem Aufsatz über ‚Die Myriapoden am kaukasischen Schwarz-
meerufer‘‘, Odessa 1903, beigebracht hat, durch den Syncoxit-
lappen, welcher nur bis zur Mitte der Syncoxitfortsätze reicht,
während er bei piccola fast bis zu deren Ende aufragt. Ferner ist
der Telopodentarsus der kubana am Ende etwas mehr eingekrümmt,
12. Heft
30 Dr. K. W. Verhoeff:
während der Femur- und Tibiallappen am Ende hakig zurück-
gebogen sind, hierin-mit Diccola übereinstimmend.
Vorkommen: Verglichen habe ich 1 $ 3 2, welche Herr
Prager (München) Mitte Mai 1913 im Kubangebiet, also im
Nordwestkaukasus sammelte und zwar im sog. Tichinski-Lager,
einem Platze, welcher nach freundlicher Mitteilung meines Kol-
legen Dr. K. v. Rosen sich ‚‚etwa 40 km nordöstlich vom Berge
Öschten befindet, an einem Nebenfluß der Bjelaja, welche ihrer-
seits wieder ein Nebenfluß des Kuban ist.“
Über Glomeris-Arten im Kaukasus.
Man sollte erwarten, daß ein so gewaltiges, reichlich gegliedertes
und so günstig gelegenes Gebirgssystem wie der Kaukasus eine
ganze Reihe von Glomeriden-Arten und -Rassen beherbergen
würde. Trotzdem waren aus dem Kaukasus, über dessen Diplo-
poden bereits eine Reihe von Schriften mehr oder weniger ein-
gehend berichten, bisher nur zwei Glomeris-Arten bekannt,
nämlich piccola Attems von Lenkoran, beschrieben 1899 im 12. Bd.
der zoolog. Jahrbücher S. 295, welche im Gegensatz zu Rubana
helle Flecke auf dunklem Grunde besitzt, nämlich 1 + 1 an jedem
Tergit, und am ‚‚Brustschild 8—9 Furchen, von denen bei allen
Exemplaren 2 durchlaufen.‘“ Diese winzige Art soll nur 5 mm
Länge erreichen.
Die zweite Kaukasus-Art, nämlich kallipygos Attems von
Batum, und ebenso klein, beschrieben im Arkiv för Zoologi, Bd. 3,
Nr. 25, 1907, S. 10 in den ‚„Myriapoden aus der Krim und dem
Kaukasus‘ nach einem einzelnen 9, besitzt auf dunklem Grunde
„drei Längsreihen gelber Flecke‘‘ und am ‚Brustschild 5 Furchen
jederseits, von welchen keine durchläuft.‘
Da meine ersten Mitteilungen über Sieno- und Eurypleuro-
meris1909 im 36. Aufsatz erschienen sind, so ist die Zugehörigkeit
der beiden von Attems beschriebenen Arten zu der einen oder
anderen dieser Gruppen bisher fraglich geblieben. Jedenfalls ist
es aber als merkwürdig zu bezeichnen, daß alle drei bisher aus
dem Kaukasus bekannten Glomeris-Arten im Vergleich mit
sonstigen europäischen Formen durch auffallend geringe Größe,
Maximum 7?/, mm, ausgezeichnet sind. Es kann kaum als ein
Zufall betrachtet werden, daß die drei aus weit voneinander ent-
fernten Plätzen des Kaukasus stammenden bisherigen Arten alle
zu den Zwergen des Glomeris-Geschlechtes gehören, vielmehr
liegt die Vermutung nahe, daß im Kaukasus größere Formen,
d. h. Arten von typischer Durchschnittsgröße, spärlich oder gar
nicht mehr vorkommen, sodaß wir in den tatsächlich erwiesenen
degenerierte Formen vor uns haben würden, deren Beschaffen-
heit vermutlich auf frühe, völlige Isolierung und den Einfluß
klimatisch ungünstiger Erdperioden zurückzuführen ist. Hierbei
möchte ich daran erinnern, daß wir aus dem südöstlichen Asien
zwar eine Reihe von Glomeriden-Arten, aber keine einzige echte
Glomeris kennen. |
Chilognathen-Studien 31
Bei dieser Gelegenheit möchte ich ferner auf die ebenfalls
sehr überraschende Erscheinung hinweisen, daß der Kaukasus mit
den Karpathen- und Alpenländern verglichen an Ascospermo-
phoren sehr arm zu sein scheint, ein Umstand, welcher auf ähn-
liche klimatische Einflüsse hinweist wie die zwerghaften Glomeris.
In Nr. 11/12 des Zoolog. Anzeigers 1907 gab S. Muralewicz eine
Zusammenstellung der bis dahin bekannten Myriapodenfauna
des Kaukasus, welche 43 Chilopoden, aber nur 31 Diplopoden
enthält, und unter den letzteren nur zwei Ascospermophoren,
nämlich ‚Chordeuma silvestre‘‘ und ‚Craspedosoma sp.‘‘, erstere
Bestimmung fraglos falsch und letztere nur als eine sehr vage
Vermutung zu betrachten. Lignau (1903) war insofern kritischer
als er dem von ihm erwähnten Chordeuma bereits ein Fragezeichen
beistellte. In seinen ‚Neuen Beiträgen zur Myriapodenfauna des
Kaukasus‘ (Annuaire de Musee Zoolog. de l’Acad. Imp. St. Pe-
tersbourg XVI, 1911) erwähnt Lignau zwar mehrere der kleinsten
Diplopoden-Formen, aber wieder keinen Ascospermophoren,
ebensowenig W. Issajew in seinen „Beobachtungen über die
Diplopoden der kaukasischen Küstengebiete des Schwarzen
Meeres“ (Travaux de la Soc. Imp. d. Naturalistes, Petersburg,
Bd. XLII, 1911, S. 292 —310). In dem schon erwähnten Aufsatz
von Attems (1907) über ‚„Myr. aus Krim und Kaukasus“ ist
gleichfalls kein Ascospermophore zu finden.
Daß unsere Kenntnisse der Kaukasus-Diplopoden noch
sehr lückenhafte sind, ist nicht nur an und für sich fraglos, son-
dern es ergibt sich das auch aus dem eben erwähnten Zahlenver-
hältnis der Chilo- und Diplopoden nach Muralewicz. Trotz-
dem machen die bisherigen Forschungsergebnisse es wahrschein-
lich, daß der Kaukasus nicht den Reichtum an Ascospermo-
phoren birgt, den man von vornherein zu erwarten hätte geneigt
sein dürfen, wenn man nur die allgemeine physikalische Beschaffen-
heit und geographische Lage in Betracht zieht. Wenn verschiedene
Sammler nämlich kleine Glomeris, noch kleinere Gervaisien und
die zarten Symphylen mitgebracht haben, so mußte man auch
Ascospermophoren erwarten, wenn dieselben in einer ähnlichen
Weise vertreten sein würden, wie wir es von den Karpathen,
Balkangebirgen, Alpenländern, Apenninen und Pyre-
näen bereits eingehend festgestellt haben.
Glomeris (Eurypleuromeris) larii n. sp.
und die Entwickelung ihrer Zeichnung.
Wie bedeutungsvoll für die richtige verwandtschaftliche Auf-
fassung einer Glomeris-Form die Kenntnis der anamorphotischen
und epimorphotischen Jugendformen ist, habe ich schon wieder-
holt besprochen. Recht deutlich hat sich das wieder bei der vor-
liegenden neuen Südalpenart erwiesen. Dazu kommt, daß ich
unter den hier neu beschriebenen Glomeriden diese allein selbst
gesaınmelt habe und dadurch sowohl ihr geographisches Verhalten
12. Heit
32 Dr. &. W. Verhoeff:
festgestellt, als auch eine beträchtliche Serie von Individuen zu-
sammengebracht, ein Umstand, welcher gerade bei dieser Art mit
ihren verwickelten Zeichnungsverhältnissen und nahen Beziehungen
zu mehreren bekannten Arten besonders wichtig war.
Gl. larii stimmt in ihren Bauverhältnissen vollkommen mit
undulata Koch (Verh.) überein, eine Art, welche als ihre nächste
Verwandte zu betrachten ist. Die Zeichnungsverhältnisse sind so
eigentümliche, daß man leicht auf den Gedanken kommen könnte,
es handle sich um einen Bastard von conspersa und undulata,
wenn man nämlich derartige Individuen zerstreut zwischen diesen
beiden Arten finden würde. Daß aber eine solche Annahme un-
richtig sein würde, geht daraus hervor, daß
1. in der Gegend von Lekko, wo ich die Jarii, und zwar >
recht häufig nachgewiesen habe, weder conspersa noch
undulata aufgefunden werden konnten und
2. die ontogenetische Entwickelung eine eigenartige Zeichnungs-
ausprägung beweist, durch welche sich ein scharfer Gegensatz
zu jenen beiden Arten la
3 12—13 mm, 2 14%—151% mm. Brustschild mit 0 +4—5
Furchen, also ohne durchlaufende, aber mit 4—5 stufig abge-
kürzten.
Collum mit 2 vollständigen Furchen, Präanalschild $ völlig
abgerundet. 4. Tergit vom typischen Eurypleuromeris-Bau, das
Vorderfeld fast halb so lang wie das Hinterfeld, die Grenzfurche
fast bis zum Rand des Seitenlappens fortgesetzt.
Syncoxit am 18. Beinpaar des $ hufeisenförmig ausgebuchtet.
Telopoden mit denen von undulata und conspersa überein-
stimmend, namentlich auch in dem ziemlich hohen Syncoxit-
lappen, welcher die Läppchen der Syncoxitfortsätze ganz oder
beinahe erreicht.
Abb. 4 zeigt uns die charakteristische Zeichnung der mittleren
Tergite von undulata, Abb. 5 diejenige der larii. Es ergeben sich
aber als wichtige Unterschiede:
1. die helle Sprenkelung, welche allenthalben in scharf ab-
gesetzter, aber völlig unregelmäßiger Weise das dunkle Pig-
ment durchsetzt;
2. die völlige Verdrängung der hellen Flecke I undIIJ;
3. die scharfe Absetzung breiter heller Seitenlappengebiete,
welche entschieden ausgedehnter sind als bei undulata, deren
helle Flecke I von einer unregelmäßigen, schwarzen Ellipse
umfaßt werden.
Von undulata habe ich zwei Rassen und eine ganze Serie
Varietäten nachgewiesen, aber die Unterschiede zwischen diesen
zeigen keine Beziehungen zu den abweichenden Zeichnungsverhält-
nissen der larıi, insbesondere werden überall die drei Paare heller
Fleckenreihen ausgeprägt, ausgenommen wenn es sich um ultra-
melanistische Individuen handelt, also bei mehr oder weniger voll-
ständiger Verdrängung der hellen Grundfarbe.
Chilognathen- Studien 33
Während sich bei undulata am Präanalschild (Abb. 5) drei
getrennte schwarze Flecke finden, die aber auch verwachsen können
und dunkle Sprenkel nur vereinzelt im Hellen auftreten, zeigt
sich bei /arii (Abb. 7) am Präanalschild eine pilzförmige, dunkle
Zeichnung, welche ebenfalls ganz durchsetzt ist von einer hellen,
gitterartigen Sprenkelung. ;
Die dunkle Sprenkelung ist nun bei undulata keineswegs immer
so beschränkt, wie ich das in Abb. 4 angegeben habe, vielmehr
kommen häufig Individuen mehrerer Varietäten vor, bei welchen
sie so zerstreut ist, daß die drei hellen Fleckenpaare mehr oder.
weniger verwischt erscheinen. Trotzdem sind solche undulata-
Individuen ebenfalls von larıi sofort zu unterscheiden, wenn man
beachtet, daß es sich
a) bei undulata um eine dunkle Sprenkelung auf hellem
Grunde handelt, dagegen
b) bei Zarıi um eine helle Sprenkelung auf dunklem Grunde.
Ferner ist undulata sehr gekennzeichnet durch .die haken-
artigen schwarzen Wische, welche stets die hellen Flecke um-
geben, auch wenn sie sonst durch Sprenkelung undeutlich sein
sollten.
Die besprochenen Gegensätze machen sich auch am Brust-
schild bemerklich, d. h. während bei undulata die drei Paar
hellen Flecke mehr oder weniger ausgeprägt sind, namentlich aber
meistens fensterartige helle Flecke I, sind diese bei Zariı niemals
ausgeprägt, sondern es herrscht auch am Brustschild die helle
Sprenkelung auf dunklem Grunde und ist bis zu der breiten hellen
Binde an Vorder- und Seitenrand ausgedehnt, während hinter
der hellen Randbinde bei undulata ein breiter schwarzer Quer-
wisch meistens kräftig ausgeprägt ist. Hinsichtlich der gelblichen
Brustschildrandbinde stimmen also undulata und larıi ebenfalls
überein.
Daß die charakteristische Zeichnung der larii nicht erst bei
den Entwickelten, sondern schon sehr frühzeitig bei den Larven
auftritt und damit deren artliche Natur unzweifelhaft bekundet,
ergibt sich aus Folgendem:
Larven mit 3 + 7 Tergiten von kaum 3 mm Länge besitzen
3-+ 3 Reihen schwärzlicher Flecke auf graugelbem Grunde und
zwar sind die dunkeln Flecke III + III zu einer schon ziemlich
breiten schwarzen Mittelbinde vereinigt, deren Flecke am 5. bis
7. Tergit dreieckig nach hinten verschmälert sind. Diese schwarze
Mittelbinde enthält feine helle Medianstreifen IV. Die dunkeln
Flecke II sind schon entschieden quer gestreckt und
enthalten bereits zahlreiche helle Sprenkelfleckchen.
Die dunkeln Fleckchen I dagegen sind recht klein und bestehen
nur in Schrägstrichen über der Basis der Seitenlappen.
Die 3 + 3 Reihen dunkler Flecke werden durch 2 + 2 Reihen
breiter heller Flecke getrennt, in denen sich keinerlei Sprenke-
jung vorfindet. Die inneren hellen Flecke sind fraglos die Flecke III,
Archiv für Nat i
iv fü a sa 3 12. Heft
34 Dr. K. W. Verhoeff:
die äußeren dagegen entsprechen offenbar nur I. Die charakte-
ristische Sprenkelung in den dunkeln QOuerflecken II zeigt nämlich,
im Zusammenhang mit ihrer beträchtlichen Breite, daß die helle
Sprenkelung offenbar ursprünglich durch Vermischung
der hellen und dunkeln Flecke II entstanden ist und
erst durch Vergrößerung dieser Mischflecke sich
weiter ausgebreitet hat.
Vergleichen wir nämlich diese Larven mit epimorphotischen
Jugendlichen von 8—9 mm, welche also schon die endgültigen
.3 + 10 Tergite besitzen, so finden wir dieselben Zeichnungsverhält-
nisse, nur mit dem Unterschied, daß die dunkeln und hell gespren-
kelten Flecke II sich durch einen kräftigen Ausläufer nach außen
vergrößert haben, wobei die hellen Flecke I zwar noch erhalten
geblieben, aber stark verkleinert sind. Diese hellen Flecke I halten
also noch die kleinen dunkeln Flecke I isoliert. Kommen wir jetzt
aber zu noch älteren Individuen, so finden wir bereits den in Abb. 6
dargestellten Zustand, d. h. durch noch weiteres Vordringen der
Mischungsflecke II nach außen verwuchsen sie vollständig mit
den kleinen dunklen Flecken I und verdrängten die hellen Flecke I
vollständig. Das Charakteristische der Zeichnung der
Glomeris larii liegt also in der primären Auflösung der
hellen Flecke II und der sekundären Verdrängung
der hellen Flecke I, bei gleichzeitiger Ausbildung
einer unregelmäßigen hellen Sprenkelung.
Innerhalb der erwachsenen Individuen der larıı beobachtete
ich ebenfalls nicht unbeträchtliche Variationen, die jedoch so
allmählich ineinander übergehen, daß ich namentliche Variations-
stufen nicht angeben kann. Das Wichtigste darüber ist etwa
Folgendes: 1
Die meisten und namentlich die jüngeren Individuen besitzen
große helle Flecke III, welche die dunklen Flecke III scharf ab-
grenzen; zwischen den letzteren findet sich der helle Medianstreif IV.
Von diesem typischen, in Abb. 6 dargestellten Zustand ergeben sich
nun zwei entgegengesetzte Richtungen, indem nämlich entweder
die dunklen Flecke III immer schmäler werden, die hellen III da-
gegen groß, breit und sprenkelfrei bleiben, oder aber die Sprenke-
lung so zunimmt, daß sie nicht nur die dunkeln Flecke III mehr
oder weniger auflöst, sondern sich auch über das Gebiet der hellen
Flecke III ausdehnt.
Was schließlich den Vergleich mit der conspersa betrifft, an
welche die /arii durch ihre unregelmäßige Sprenkelung besonders
erinnert, so unterscheidet sich Jarıv
1. durch die viel breiteren und fast immer einen hellen
Medianstreif IV enthaltenden Flecke der schwarzen Mittel-
binde, während bekanntlich die schmalen Medianflecke der
conspersa vorn und hinten spindelartig verjüngt sind;
3. durch das umgekehrte Verhältnis des hellen und dunklen
Pigmentes, d. h. Zarii besitzt helle Sprenkelung auf dunklem
Chilognathen- Studien | BB)
Grunde und conspdersa dunkle Sprenkelung auf hellem Grunde,
auch kommen bei conspersa keine hellen Flecke III in so
scharfer Absetzung vor, wie sie für die meisten Individuen
der larii bezeichnend sind.
Vorkommen: Am 10.—13. IV. 1911 sammelte ich an: den
Kalkberghängen östlich von Lekko am Comersee, namentlich in
der Gegend von Rovinata unter Steinen und Laub, namentlich
von Corylus 65 Individuen, von welchen die meisten erwachsen
waren. Während also conspersa und undulata im Beobachtungs-
gebiet der Zarii nicht zu finden waren, ist mir umgekehrt an keinem
der zahlreichen Plätze der Südalpen, an welchen ich conspersa
und undulata festgestellt habe, eine larii vorgekommen.
Annameris robusta n. sp.
Im 82. Diplopoden-Aufsatz, zoolog. Anzeiger 1915, Nr. 1,
S. 36—39 machte ich aus Tongking (Annam) die neue Gattung
Annameris in der Art Annameris curvimana bekannt, ausgezeichnet
vor allen anderen bekannten Glomeriden durch die außer-
ordentlich breiten Hyposchismalfelder des Brustschildes, d. h.
durch die wie aufgebläht erscheinenden Seitenlappen am Pro-
tergit des Brustschildsyntergites. (Man vergl. darüber im 82. Auf-
satz Abb. 19a und b auf S. 44).
A.robustan.sp. 222 mm lang. Rücken ockergelb, die Tergite
unregelmäßig schwarz und braunschwarz gesprenkelt, jedoch sind
die Sprenkel so zusammengedrängt, daß jederseits der Mitte eine
größere schwarze Masse entsteht, die zwar unregelmäßig gestaltet,
aber doch im Ganzen den Eindruck von zwei undeutlich be-
grenzten schwarzen Längsbinden hervorruft. Zwischen und
außerhalb dieser schwarzen Bezirke ist die Sprenkelung zerstreut
und unregelmäßig, es bleiben aber die Seitenlappen aller Tergite
frei von Sprenkeln. Kopf und Collum einfarbig ockergelb, Brust-
schild größtenteils ockergelb, zwei schwarze QOuerwische dicht am
Hinterrand und in deren Nachbarschaft zerstreute Sprenkelung.
Dies die Zeichnung eines Weibchens; bei dem andern Weibchen
ist die Sprenkelung nur schwach ausgebildet, die beiden Längs-
binden sind nach der Mitte zu vereinigt, sodaß die Tergite breite,
schwarze Querbänder tragen, die Seitenlappen aber wieder ein-
farbig ockergelb bleiben.
Mit A. curvimana stimmt die robusta im übrigen durchweg
überein, namentlich also auch im Bau des Brustschildes und den
zahlreichen Furchen desselben, sie unterscheidet sich aber
1. durch die breit und völlig ungesprenkelten Seitenlappen
der Tergite (welche bei curvimana ebenfalls gesprenkelt sind)
und das in der Vorderhälfte ungesprenkelte Brustschild;
2. durch vier Collumfurchen (3 + 1), von welchen die drei
vorderen vollständig sind, die vierte dagegen in der Mitte
breit unterbrochen ist (bei curvimana sind nur 2 + 1 Furchen
gegeben, von welchen die 3. jederseits der Mitte unterbrochen
Bis 12. Heit
36 Dr. K. W; Verhoeff:
ist). Außerdem sind die 2. und 3. Furche in der Mitte stumpf-
winkelig geknickt während bei curvimana die 2. in schwa-
chem Bogen gekrümmt);
. durch den fast geraden Ve des Collum (während
derselbe bei curvimana jederseits etwas eingebuchtet ist, so-
daß die Ecken etwas vortreten).
Brustschild wie bei curvimana mit 15 Querfurchen, von!
unregelmäßigem Verlauf, wobei 9—10 oberhalb des Schismas
endigen und die hinteren dieser stufig abgekürzt sind.
Beintarsen innen mit zahlreichen, kräftigen, schräg nach end-
wärts gerichteten Stachelborsten, außen ebenfalls, aber in ge-
ringerer Zahl. Das 6. Antennenglied von derselben Gestalt wie
bei curvimana, übrigens in der Endhälfte ungefähr gleichbreit.
Vorkommen: Die zwei von dieser Art vorliegenden Weib-
chen stammen ebenfalls aus Tongking.
SG
uw
2. Paläarktische Strongylosoma-Arten.
Die Untersuchung des kaukasischen Strongylosoma kordylamy-
Ihrum Attems veranlaßte mich zu einer Nachprüfung aller in meiner
Sammlung vertretenen paläarktischen Sitrongylosoma-Arten und
‘zur Aufstellung des im Folgenden mitgeteilten Schlüssels der-
selben, welcher zugleich als ein Beitrag zur Klärung der verwandt-
schaftlichen Verhältnisse jener gelten kann.
Die einzige analytische Übersicht aller bis 1898 genauer be-
kannt gewordenen Strongylosomen verdanken wir C. Attems,
in dessen ‚‚System der Poly desmiden‘, I. Teil, Wien, Denkschr.
d. math. nat. Kl. d. kais. Akad. d. Wiss. man sie auf S. 60-62
findet, enthaltend ca. 50 Arten aus allen Erdteilen. Leider trägt
diese Übersicht nur allzu sehr das Gepräge eines vorläufigen Ver-
suches mit bedeutenden Mängeln, welche besonders darin liegen,
daß Attems bedeutungsvolle und geringwertige Merkmale nicht
genügend auseinandergehalten, z. T. auch auf die Farbe einen
Wert gelegt hat, der in dieser Gattung nicht in Betracht kommen
kann, weil wir längst wissen, daß manche Arten in der extremsten
Weise vom einfarbigen hellen über den verschiedenartig gefleckten
bis zum einfarbig dunkeln Körper variieren. So werden z. B.
unter 39a und b die beiden kaukasischen ‚‚Arten‘‘ nur nach der
Farbe und noch dazu ohne namhaften Gegensatz unterschieden.
Gleich im Anfang werden unter 2a und b auf das Fehlen oder
Vorhandensein einer Metazoniten-Querfurche zwei Hauptgrup-
pen unterschieden, obwohl gerade dieses Merkmal in den feinsten
Abstufungen auftritt. Zur 1. Gruppe ohne Querfurche wird
Str. guerinii Gerv. gestellt, obwohl diese Art in Wirklichkeit ganz
deutlich ausgeprägte Querfurchen besitzt. — Die Strongylo-
somen sind zwar nicht reich an systematischen Charakteren,
aber bei gründlicher Durcharbeitung ist es doch möglich, natür-
liche Artengruppen zu vereinigen. Einen der hauptsächlichsten
(regensätze gründete Attems unter 26a und b auf die ‚‚geperlte‘“
Chilognathen- Studien 37
oder ‚‚ungeperlte‘“ Naht zwischen Pro- und Metazonit. Im Folgen-
den habe ich denselben zwar übernommen, möchte aber ausdrück-
lich betonen, daß ich ihm keine große Bedeutung zusprechen kann.
Der wichtigste Gegensatz, welchen Attems verwandt hat, ist
nach meiner Untersuchung derjenige, welcher die sog. ‚Pleural-
kiele‘“ betrifft, d. h. die verschiedenartige Ausprägung der in der
Höhe der Drüsenporen auftretenden und Wülste abgrenzenden
Seitenfurchen. Daß aber auch dieses Merkmal trügerisch sein
kann, beweist Attems selbst dadurch, daß er von guerinti unter
16b sagt: ‚Pleuralkiel höchstens bis zum 8. oder 9. Segment“
reichend, während dieselben in Wirklichkeit viel weiter reichen.
Aus dieser verschiedenen Auffassung der ‚‚Pleuralkiele‘‘ ergibt sich
die Nutzanwendung, daß sie einmal in ganz bestimmter Richtung
beobachtet werden müssen und ferner, daß der Hauptnachdruck
auf die Seitenfurchen zu legen ist und nicht auf die ‚‚Kiele‘“
oder Wülste, weil die feineren Ausprägungen der ersteren
sicherer erkannt werden als die der letzteren. Übrigens habe ich
in meinem 68. Aufsatz über Chilognathen aus Palästina, Verh.
zool. bot. Ges. Wien 1913 in der kleinen Artenübersicht auf S. 71
mich ebenfalls und in ähnlicher Weise hinsichtlich des ciliciense
Verh. insofern geirrt, als ich schrieb ‚‚Pleuralkiele finden sich- am
2.—7. Ring, vom 8. ab fehlen sie‘, während sie in Wirklichkeit
auch bei dieser Art weiter fortgesetzt sind. Ich habe eben nur die
stärkeren Kiele als solche aufgefaßt, während wie gesagt, der
Hauptnachdruck auf die Seitenfurchen gelegt werden muß.
Wie die Seitenfurchen richtiger systematisch zu verwerten sind,
möge der folgende Schlüssel zeigen.
Zu den wichtigsten Merkmalen einer Reihe von Arten gehören
zweifellos die längeren, mehr oder weniger gereihten Rücken-
borsten, welche auf mehr oder weniger auffallenden Knötchen
stehen. Attems hat diese Beborstung in seinem Schlüssel zwar
auch benutzt, aber nicht in der richtigen Weise zum Ausdruck
gebracht. Wenn er z. B. unter 25 sagt:
„a) Körper in allen Teilen reichlich behaart‘: iadrense Pregl.
5) Körper sehr spärlich behaart oder nackt‘‘ und unter den
hierhin gehörigen Arten auch :Zalicum und pallipes aufführt, so
ist zwar ein Gegensatz hinsichtlich der Menge der Borsten ver-
wertet, nicht aber die eigentümliche und wichtige Stellung der-
selben und demgemäß kommt der Gegensatz in der Beborstung
von italicum und pallipes überhaupt nicht zum Ausdruck. Schließ-
lich muß ich hervorheben, daß der Bau der männlichen Gono-
poden von so entscheidender Bedeutung ist, nicht nur für die
sichere Bestimmung der einzelnen Arten, sondern auch für die
Beurteilung von Artengruppen, daß er in einem Schlüssel nicht
unberücksichtigt bleiben darf. Die paläarktischen Arten verteilen
sich auf vier natürliche Gruppen, von welchen zwei die
Hauptgegensätze darstellen, nämlich a) und d), während
die beiden anderen, b) und c), von vermittelndem Charakter sind.
12. Heft
38 Dr. K. W. Verhoeff:
a) Arten mit langen Borstenreihen an allen Diplozoniten, die
Gonopoden neben dem den Spermagang führenden Außenast in
2—3 Fortsätze zerspalten. Kiele und Seitenfurchen reichen bis
zum 18. Ring:
iadrense, hispanicum, italicum.
b) Mit Borstenreihen an allen Diplozoniten, aber die Gono-
poden außer dem den Spermagang führenden Außenast nur mit
einem Fortsatz. Kiele nur am 2. und 3. Ring, Längsfurchen
fehlen. Körper ungewöhnlich dünn:
jaqueti.
c) Borstenreihen fehlen. Gonopoden in drei Äste gespalten,
deren schwächster den Spermagang enthält, während der innerste
gegabelt:
guerimit.
d) Längere Borsten können am Vorder- oder Hinterkörper
mehr. oder weniger zahlreich sein, bilden aber wenigstens in der
Rumpfmitte niemals Reihen. Gonopoden meistens in nur
zwei Äste gespalten, von welchen der innere nur selten fehlt:
pallipes, escherichii, aharonii, turcicum, cyprium, cili-
ciense, holtzii, asiaeminoris, kordylamythrum, Ppersicum.
(Ob syriacum eine besondere Gruppe darstellt, kann ich nicht
entscheiden, jedenfalls zeigen die Gonopoden einen eigenartigen
Bau durch Zerspaltung in drei Fortsätze, von welchen zwei sehr
ähnlich gestaltet).
Die Gruppe 5b) schließt sich also hinsichtlich der Be-
borstung an a), dagegen in den Gonopoden an d) an, während
umgekehrt die Gruppe c) sich wegen des Mangels der längeren
gereihten Beborstung an d), hinsichtlich der Gonopoden dagegen
an a) anschließt.
Schlüssel der paläarktischen Strongylosoma-Arten.
A. Prozonite mit einer oder zwei Reihen langer Borsten
auf kleinen Knötchen, Metazonite wenigstens-mit einer Hinter-
randreihe derselben.
a) Tergite mit zahlreichen langen Borsten, welche zwar
z. T. unregelmäßig angeordnet sind, sich aber doch auf 2 +3
Reihen zurückführen lassen, nämlich zwei vor und drei hinter
der Ouerfurche.
1. iadrense Pregl (Dalmatien, Herzegowina).
b) Tergite mitin drei regelmäßigen Reihen angeordneten
langen Borsten, nämlich einer aus 5 + 5 oder 6 + 6 Borsten be-
stehenden Reihe vor und zwei Reihen hinter der Ouerfurche.
2. hispanieum Verh. (Spanien).
c) Tergite vor der OQuerfurche nur mit 2+2 langen, auf
kleinen Knötchen stehenden Borsten, sonst noch mit einer oft
nur im hintersten Rumpfdrittel deutlichen Hinterrandreihe. Bei
dieser und den beiden vorigen Arten, welche zugleich breiter
gebaut sind, als Nr. 4, sind die Quer- und Längsfurchen (Kiele)
Chilognathen- Studien ; 39
kräftig ausgebildet, die seitlichen Längsfurchen reichen zugleich
bis zum 18. (19.) Rumpfring. Einschnürungsfurchen zwischen Pro-
und Metazoniten ohne Kerbung.
3. italieum Latz.?) (Italien, Frankreich u. a. L.).
d) Tergite vor der QOuerfurche mit wenigen (3 + 3) .Borsten,
am Hinterrande mit einer regelmäßigen Reihe an allen Ringen,
Körper ungewöhnlich schmal, nur S—9 mm lang. Querfurchen
seicht, seitliche Längsfurchen mit Ausnahme des gekielten 2. und
3. Ringes fehlend. Einschnürungsfurchen zwischen Pro- und
Metazoniten mit deutlicher Kerbung. Die Gonopoden (Abb. 9,
Taf. IX, Archiv f. Nat. 1898, VI. Diplopoden-Aufsatz, S. 364)
besitzen zwischen Tibial- und Tarsalabschnitt keine Einschnürung
(Triarthrosoma Verh. Dipl. a. Kleinasien, Verh. d. zool. bot. Ges,,
Wien 1898, S. 10), der Innenast steht stachelartig ab, der den
" Spermagang führende Außenast ist hakig zurückgebogen und be-
sitzt innen ein Nebenläppchen.
4. jaqueti Verh. (Rumänien).
B. Prozonite ohne Borstenreihe, überhaupt die ganzen Diplo-
zonite mindestens im mittleren Rumpfdrittel ganz ohne längere
Borsten, während solche an den vordersten und hintersten Ringen
mehr oder weniger spärlich auftreten können.’) CB,
C. Rumpfringe mit Ausnahme des 2. ohne deutliche Kiele
und Seitenfurchen, vordere Tergite kräftig beborstet. Körper
höchstens 10 mm lang. Gonopoden nur in einen Endast aus-
laufend, welcher innen sägig bezahnt und zugleich stark hakig
zurück- und zweimal umgebogen ist.
5. holtzii Verh. (Kleinasien, Cilicien).
D. Rumpf bis zum 18. (17.) Ring mit mehr oder weniger
langen Wülsten (Kielen) und Seitenfurchen. Arten von min-
destens 13 mm Länge. Gonopoden meistens in zwei, seltener in
drei Äste zerspalten, von welchen der den Spermagang enthaltende
innen niemals gesägt ist.
a) Die Seitenrippen (Kiele) des 2. Ringes sind 21% —3 mal
so lang wie die des 3. Ringes. Gonopoden am Ende in drei Äste
gespalten, deren dünnster den Spermagang enthält, während der
innerste gegabelt. 18. Ring ohne Seitenfurche, 17. mit einer kurzen
von 13 der Metazonitlänge, 16. und 15. mit Seitenfurche von
halber Metazonitlänge. Kräftige Art von 20—25 mm Länge, stets
hell gefärbt.
6. guerinii Gerv. (Südwesten der Pyrenäenhalbinsel, Nordwesten
3) Vielleicht ist bertkaui Verh. 2 aus Portugal mit italicum identisch,
doch scheinen mir die Knötchen vor den Vorfurchen kräftiger ausgeprägt
zu sein. Die endgültige Entscheidung kann erst durch entwickelte Männ-
chen gegeben werden.
*) Sehr kurze Borsten, die aber meistens abgestoßen sind,
können bei einigen Arten, z. B. escherichii, auch am Hinterrand aller Ringe
vorkommen.
12. Heft
4 Dr. K. W. Verhoeff:
Afrikas und ozeanische Inseln).
b) Die Seitenrippen (Kiele) des 2. Ringes sind höchstens
1?/; mal so lang wie die des 3. Ringes. Gonopoden, am Ende nur
in zwei Äste gespalten. CAT,
c) Die Einschnürungsnähte zwischen Pro- und Metazonit sind
oben und in den Seiten gekerbt (,,geperlt‘“).
x “Diese Einschnürungen sind mäßig tief. Wülste und Seiten-
furchen in der Rumpfmitte so lang oder länger als die Metazo-
nite. Außen- und Innenast der Gonopoden sind nur mäßig ge-
bogen, ersterer weder hakig zurückgekrümmt, noch mit Neben-
lappen.
7. pallipes Latzel (Ostdeutschland, Österreich-Ungarn, Polen und
nördliche Balkanländer?).
x x Die Rumpfeinschnürungen sind stärker ausgeprägt.
Wülste und Seitenfurchen in der Rumpfmitte kürzer als die
Metazonite. Außen- und Innenast der Gonopoden sind beide stark
gebogen, ersterer hakig ganz zurückgekrümmt und außerdem am
Grunde innen in einen gebogenen Lappen erweitert.
8. kordylamythrum Attems (Kaukasus),
d) Die Einschnürungsnähte zwischen Pro- und Metazonit
sind nicht gekerbt oder höchstens mit Spuren von Strichelung
ee ii
e) Am 10.—12. Ringe reichen die Seitenfurchen nur bis zur
Mitte der Metazonite, zugleich treten die Wülste kaum hervor,
Die Flanken der Metazonite sehr deutlich längs gerunzelt.
Der Außenast der Gonopoden ist S-förmig gekrümmt, aber weder
hakig zurückgebogen noch schraubig gedreht.
9. eilieiense Verh. (Kleinasien, Cilicien).
f) Am 10.—12. Ringe reichen die Seitenfurchen über 2/,—34
der Metazonite, sodaß sie also nur 1%,—V, von der Einschnürungs-
furche entfernt bleiben, zugleich treten die Wülste etwas deut-
licher vor. Flanken der Metazonite ohne oder Er - mit
vereinzelten Runzeln. h,
g) Am 16. und 17. Ring reichen die Seitenfurchen über „ der
Metazonite, sodaß sie also nur Y, von deren Länge von der Ein-
schnürungsfurche entfernt bleiben. Körper sehr glänzend. Der
S-förmig gebogene Außenast der Gonopoden ist zugleich zwei-
mal schraubig gedreht.
10. aharonii Verh. (Palästina, Jaffa).
h) Am 16. und 17. Ring reichen die Seitenfurchen nur bis
zur Mitte des Metazonit, sodaß sie also um dessen halbe Länge
von der Einschnürungsfurche entfernt bleiben. Körper weniger
glänzend.
x Am Rücken des braunen Körpers verlaufen zwei Reihen
heller Flecke. Am 15.—18. Ring tritt das Hinterende der
5) Die Angabe von Attems (System d. Polydesmiden I), S. 9%,
wonach pallipes in ‚Italien und Südfrankreich‘ vorkommen soll, beruht
auf Verwechslung mit italicum.
Chilognathen- Studien 41
Wülste im Profil gesehen etwas eckig, aber nicht in Spitzen heraus.
Außenast der Gonopoden leicht hakig umgebogen, der Innenast
schräg nach endwärts gestellt.
11. escheriehii Verh. (Kleinasien, Pera).
x x Körper einfarbig braun. Am 15.—18. Ring tritt das
Hinterende der Wülste in einer vorragenden Spitze heraus.
Außenast der Gonopoden stark hakig zurückgebogen, der Innen-
ast senkrecht abstehend.
12. tureieum Verh. (Kleinasien, Cilicien).
Anmerkung: Von Sir. asiaeminoris Verh. aus der anatolischen
Steppe ist nur ein defektes $ bekannt, ausgezeichnet durch den
leicht umgebogenen und zugleich blattartig verbreiterten Außen-
ast der Gonopoden, sowie den senkrecht abstehenden und am
Ende hakig nach endwärts gekrümmten Innenast derselben. Eine
Einschnürung zwischen Tibial- und Tarsalabschnitt der Gonopoden
ist nicht vorhanden, im Gegensatz zu aharonii, ciliciense und
Zurcicum, obwohl sich diese Art habituell an jene anschließt.
3. Über einige Diplopoden aus dem Kaukasus.
Im Folgenden berichte ich über einige Diplopoden des
Münchener zoologischen Museums, auf welche mich Herr Kollege
Dr. C. v. Rosen freundlichst aufmerksam machte. Sie wurden
gesammelt durch Herrn Priv. M. Prager (München) Mitte Mai 1913
im Kubangebiet, also dem nordwestlichen Kaukasus, bei dem
„Lichinski-Lager‘‘, 40 km nordöstlich vom Berge Oschten, an
einem Nebenfluß der Bjelaja, die wieder ein Nebenfluß des Ku-
ban ist.
Bei unseren, trotz einer Reihe von Publikationen immer noch
recht dürftigen Kenntnissen der Kaukasus-Diplopoden ist jede
Bereicherung derselben sehr erfreulich. Der Sannnler hat leider
insofern Unglück gehabt, als sich die Mehrzahl der mitgebrachten
Arten nicht sicher bestimmen läßt, weil die für eine zuverlässige
Charakteristik bei den Diplopoden meistens unentbehrlichen
Männchen nur bei der Minderzahl der Arten vorliegen. 2—3 Arten
sind vielleicht nur in unreifen Individuen vertreten und mehrere
nicht einmal der Gattung nach sicher feststellbar, was um so be-
dauerlicher ist, als ich in einer der ITuliden-Formen eine neue
Gattung vermute.
Über die Glomeris kubana n. sp. berichtete ich bereits im
1. Kapitel über Glomeriden und besprach im Anschluß an
dieselbe gewisse Charakterzüge der Diplopoden-Fauna des
Kaukasus. Zur verwandtschaftlichen Klärung des Strongylosoma
kordylamythrum Attems ist die im 2. Kapitel gegebene Zusammen-
fassung der paläarktischen Strongylosomen zweifellos viel
nützlicher als eine breitspurige erneute Artbeschreibung.
1. Glomeris kubana n. sp. (beschrieben im 1. Kapitel).
2. Strongylosoma Rordylamythrum Attems, nur in einem Pär-
chen vertreten. In seinem ‚System der Polydesmiden‘‘ I, 1898,
12. Helft
42 DrIRWi VerhastT:
hat C. Attems aus dem Kaukasus zwei Strongylosoma-,, Arten“
beschrieben, von welchen schon im vorigen Kapitel die Rede ge-
wesen ist, nämlich außer dem kordylamythrum noch ein Str. len-
koranum Attems.
In seinem Schlüssel auf S. 62 unterscheidet Attems beide
‚Arten‘ nur nach der Farbe, als Unterschied des lenkoranum von
bersicum und syriacum gibt er an (40a) ‚3. Glied des 3. und 4.
Beinpaares ($) mit einer beborsteten Auftreibung auf der Unter-
seite‘, womit der Drüsenfortsatz am Femur gemeint ist, der
bei zahlreichen Strongylosomen vorkommt. Da nun dieses
Merkmal auf S. 92 in der Beschreibung des kordylamythrum nicht
genannt ist, will ich hervorheben, daß ich es an dem mir vor-
liegenden Männchen habe nachweisen können, sodaß damit ein
. wichtiger Unterschied zwischen den beiden Kaukasus-,, Arten“
wegfällt. Die Größe des kordylamythrum 3 gibt Attems als
13 mm, die des lenkoranum & auf 18 mm an, während Lignau
kord. auf 20—23 mm gemessen hat und mein $ 171, mm Länge
zeigt. Sonach ist nicht nur die Größenvariation des kord. erheb-
lich, sondern es fällt auch der Größenunterschied zwischen beiden
‚Arten‘ fort. Da wir nun auf die verschiedene Farbe nicht viel
Wert legen dürfen, so bleibt als Träger eventueller Unterschiede
nur noch der Bau der Gonopoden zu erörtern. Attems hat auf
seiner Taf. II in Abb. 26 und 36 die Gonopoden von kordylamythrum
und lenkoranum abgebildet, es ist aber die größte Ähnlichkeit beider
sofort zu erkennen: der einzige Unterschied besteht überhaupt
nur darin, daß der den Spermagang führende Außenarm bei kord.
in eine längere, bis zur Basis des Innenarmes reichende Spitze
ausgezogen ist. Die Gonopoden meines kord. $ stimmen gut über-
ein mit der Abb. 30 von Lignau a. a. O. 1903, Taf. II, und für
diese ist eine Mittelstellung zwischen den beiden genannten
Abbildungen von Attems unverkennbar. Somit komme ich zu
dem Schlusse, daß wenn nicht eine spätere Untersuchung die von
Attems angegebenen Unterschiede verstärkt, die beiden ‚Arten“
kordylamythrum und lenkoranum entweder identisch sind oder
letzteres höchstens als Rasse des ersteren zu betrachten ist.
3. Isobates sp. Es liegt nur ein @ von 10 mm Länge vor,
welches wahrscheinlich noch nicht ausgewachsen.
4. Pachyiulus foetidissimus Muralewicz. Außer einem Dutzend
Erwachsener fanden sich,2 Larven:
Larve von 111, mm mit 31 Rumpfringen ist einfarbig
graugelb und nur zwischen den Ocellen zeigt sich der Beginn
einer dunklen Ouerbinde. Es fehlen also die Längsstreifen,
Flankenwische und Drüsenflecke.
Larve von 1815 mm mit 39 Rumpfringen ist ebenfalls grau-
gelb, zeigt aber den Beginn des schwarzen Rücken-Medianstreifens
und schwache Drüsenfleckchen, auch eine dunkle Binde zwischen
den Augen. Es finden sich 28 Paar Wehrdrüsen vom 6.—83. Ring.
I)
Chilognathen- Studien 43
d 374%, mm mit 107 Beinpaaren bei 3 beinlosen Endringen,
d 46 mm mit 111 Beinpaaren bei 3 beinlosen Endringen.
In seinen ‚„Myriapoden aus der Krim und dem Kaukasus“
a. a. OÖ. 1907 hat Attems für beide Gebiete den Pachyiulus
„fHavipes‘‘ angegeben. Da er aber den foetidissimus gar nicht er-
wähnt, liegt fraglos eine Verwechselung vor oder eine unrichtige
Auffassung, was übrigens gleichfalls für Lignau a. a. O. 1903
gilt. Muralewicz hatte mit seiner Neubeschreibung Zoolog.
Anzeiger XXXI, Nr. 11/12, 1907 vollkommen recht, auch hat er
die charakteristische Zeichnung S. 343 so treffend angegeben,
daß über die gemeinte Art um so weniger Zweifel bestehen können,
als er auch noch den einzigartigen Geruch hervorgehoben hat.
Seine Fig. 2 vom ‚„Kopulationsapparat‘ ist allerdings total falsch
und wertlos, was um so auffallender ist, als Lignau denselben
bereits so ausgezeichnet beschrieben hatte, daß ich nur auf dessen
Zeichnungen verweisen will. Es verdient also hervorgehoben zu
werden, daß foetidissimus ausgezeichnet ist:
a) durch seine eigenartige Zeichnung, scharfer Gegensatz
zwischen den tief schwarz gestreiften Flanken und dem grau-
. weißlichen bis graugelblichen, also ungewöhnlich hellen Rücken;
b) durch den extrem scharfen Geruch des Wehrsaftes, von
welchem Muralewicz S. 344 sagt: ‚Das Tier verbreitet einen
scharfen Knoblauchgeruch. Die Exemplare, die mehrere Jahre
in Spiritus gelegen hatten, strömten einen solchen Geruch aus,
daß ihre Untersuchung nicht wenig Mühe verursachte“. Auch
meine Objekte zeigten, obwohl sie 5—6 Jahre in Alkohol lagen,
noch einen stechenden Geruch, wie ich ihn in dieser Schärfe noch
bei keinem anderen Diplopoden wahrgenommen habe. An
Knoblauch hat er mich allerdings nicht erinnert, doch mögen
frischere Individuen eine noch stärkere Wirkung und etwas an-
deren Geruch hervorrufen.
ec) ist, wenigstens gegenüber flavides, hervorzuheben, daß die
Spitze innen am Ende der vorderen Gonopoden sehr kurz ist,
daher nicht vorragt, bei flavipes dagegen schärfer und weit
vorragend. (Man findet diesen Gegensatz in meinem 31. Dipl.-
Aufsatz in Abb. IV und V, S. 189, zum Ausdruck gebracht) .°)
d) hat bereits Muralewicz auf das Vorkommen von borsten-
tragenden Scheitelgrübchen aufmerksam gemacht, wodurch
sich übrigens der foetidissimus ebenfalls von allen anderen Arten
der Sektio Megaiuli Verh. unterscheidet. (Die von Muralewicz
noch weiter angegebenen Unterschiede nach Größe, Scheitelfurche,
Ringzahl, Ocellenzahl, Halsschildform kann ich dagegen nicht be-
stätigen, z. T. schon mit Rücksicht auf die Variabilität des fla-
vipes.)
°) Nova Acta, Halle 1910. Die Erklärung der Textabbildungen auf
der letzten Seite ist leider in der Druckerei verloren gegangen.
12. Heft
44 Dr. K. W. Verhoeff:
5. und 6. liegen zwei vermutlich zu Leptoiulus gehörende
Arten vor, von welchen eine in einem, die andere in drei Weib-
chen vertreten ist;
7. und 8. lagen je ein Weibchen einer Cylindrorulus-Art vor,
das eine derselben von 12 mm Länge, mit kurzem, abgerundetem
Fortsatz, anscheinend unreif.
9. ? genus. — Außer einem 2 von 39 mm Länge sind 3 Un-
reife gesammelt, alle aber dadurch ausgezeichnet, daß der Wehr-
saft dieser Iuliden den ganzen Körper violett durch-
tränkt hat, ein Fall, den ich bisher nur von dem Typhloiulus
psilonotus Latz. der westlichen Gebiete der Balkanhalbinsel kenne.
Das 2 dieses fraglichen Iuliden, der übrigens in keiner
näheren Beziehung zu Zyphlorulus steht, ist auch durch seine
Wehrdrüsenporen ausgezeichnet, welche ungefähr bis zur Mitte
des Rumpfes vor der Naht gelegen sind, weiterhin in einer Aus-
buchtung derselben. Präanalsegment fast ohne Fortsatz. Während
die Prozonite fast glatt erscheinen, besitzen die Metazonite eine
recht dichte Furchung. Die Versuchung lag nahe, für diese Form
eine neue Gattung aufzustellen; ich hielt es bei der überragenden
Bedeutung der männlichen Geschlechtscharaktere aber für rich-
tiger, auf eine Neubeschreibung zu verzichten, bis das entwickelte
Männchen entdeckt wird.
10. Brachyiulus’) roseni n. sp. (Untergatt. Chromatoiulus).
(Benannt nach meinem verehrten Kollegen Dr. K. v. Rosen in
München)). $ 13?/;, mm lang, mit 44 Rumpfringen und 77 Bein-
paaren; 2? 20 mm lang, mit 47 Rumpfringen und 85 Beinpaaren,
2 beinlosen Endringen.
Ausgezeichnet vor den meisten Arten der Untergattung durch
hell graugelben Körper, an welchem nur die Ocellen, eine feine Median-
linie des Rückens und die Drüsenflecke dunkel pigmentiert sind.
Wehrdrüsenporen dicht hinter der Naht gelegen, Prozonite
oberhalb der Poren braun, unterhalb graugelblich. Ocellen und
borstentragende Scheitelgrübchen von typischer Bildung. Backen
des & dreieckig vorragend. Collumseiten mit wenigen weitläufig
gestellten Furchen, Furchung der meisten Metazonite kräftig und
dicht, Beborstung der Ringhinterränder kurz, nur an den hintersten
Ringen etwas länger.
Präanaler Fortsatz lang, spitz, gerade und dachig. Subanal-
platte abgerundet, nicht vorragend. Analklappen gewölbt und
mit spärlichen, zerstreuten Borsten. Männchen an den Stämmen
des (rnathochilarium mit 7—8 Borsten jederseits, Innentaster mit
4-5 Sinneszäpfchen.
1. Beinpaar typisch, die Häkchen verhältlich kurz umgebogen.
2. Beinpaar an- den Hüften ohne Auszeichnung, an Postfemur
”) Hinsichtlich der Unterscheidung von Microbrachyiulus verweise ich
auf S. 230 in meiner Diplopoden- Arbeit 1910 in den Nova Acta (31.—35.
Aufsatz), daselbst findet man auch einen Schlüssel der fünf Untergat-
tungen von Brachyiulus auf S. 231— 232.
Chilognathen- Studien 45
und Tibia mit kräftigen, fein gestreiften Polstern, die auch an den
folgenden Beinpaaren vorkommen. 7. Pleurotergit $ in einen
kräftigen Unterflanken-Fortsatz ausgezogen, welcher als ein poren-
reicher, vorn ausgehöhlter, völlig und fast halbkreisförmig abge-
rundeter Knopf erscheint.
Die Gonopoden (Abb. 8) zeigen, trotz der schon beträcht-
lichen Zahl bekannter Brachyiulus-Arten, zu keiner derselben eine
nähere Beziehung. Die in der Mitte stumpfwinkelig geknickten
Promerite sind auf der Hinterfläche in der Grundhälfte durch
einen gebogenen Lappen (la) ausgezeichnet, am Ende innen aber
durch einen kräftigen Höcker (h), während ein zweiter basaler
der Flagellum-Anschwellung als Stütze dient. Zwischen dem
Lappen und den beiden Höckern finden sich zwei breite Gruben
(fo 1, fo 2), von welchen die endwärtige durch zwei gebogene
Furchen begrenzt wird.
Die Opisthomerite sind durch die verwickelte Gestalt des
Solänomerit und die Schwäche des Mesomeritfortsatzes (c) aus-
gezeichnet. Den Eingang zum Flagellumspalt bildet ein unregel-
mäßig ovales Fenster (fe, Abb. 8 und 9), während als besondere
Anpassungen an die Flagellumführung in Betracht zu
ziehen sind:
a) ein bögiges, nach vorn gerichtetes Läppchen (a), gleich
neben dem Fenster;
b) mehrere borstenartige Spitzen (b) von verschiedener Länge
am Rande der den Flagellumspalt bedeckenden Lamelle Zur
Umfassung des genannten Promeritlappens besitzt das Opistho-
merit eine treppig abgestufte kurze Rippe (lb). Gegen das Pro-
merit springt es in der Mitte mit einer stumpfwinkeligen Ecke (e)
vor. Am Ende erhebt sich ein schief viereckiges Polster (%), welches
mit einem Nebenlappen (f) über die Spermarinne greift, während
sich als deren Fortsatz nach endwärts ein schmaler Fortsatz (d)
herausstreckt. In der Grundhälfte besitzt das Opisthomerit außen
einen (inAbb.8nichtsichtbaren) von feinen Poren durchsetztenWulst.
Anmerkung: In Größe und Zeichnung erinnert der Dr. rosent
am meisten an den Br. naxius Verh., S. 98, in meinem XVII. Auf-
satz, Archiv f. Nat. 1901, Bd. I, H. 1, von welchem er sich jedoch
schon durch die stärkere und dichtere Furchung der Metazonite
unterscheidet. Obwohl die Gonopoden und namentlich die Opistho-
merite reichlich verschieden gebaut sind, die des naxius am End-
kissen zahlreiche kleine Zähnchen besitzen und einen zurück-
gebogenen Gabelarm, ist doch insofern zwischen beiden Arten
eine wichtige Übereinstimmung zu verzeichnen, als der Mesomerit-
fortsatz nicht nach endwärts gerichtet ist (wie bei den meisten
Chromatoiulus-Arten), sondern seitwärts absteht und zugleich
verhältlich klein ist, wenig vom Solänomerit abgespalten.
11. Brachyiulus sp. Es liegen vor vier größtenteils schwarze
Weibchen, deren größtes 31 mm lang und zwei Larven von 14
und 20 mm. (tauricus Att.?).
ı2? Heft
46 Dr. K. W. Verhoeff:
12. Iulus (Mieropodoiulus) kubanus n. sp.
327 mm lang mit 99 Beinpaaren, 2 41 mm lang mit 109 Bein-
paaren. Äußerlich dem ligulifer und lignaui äußerst ähnlich, aber
mit dem letzteren verglichen, ist die Furchung der Metazonite
entschieden dichter.
Hinsichtlich der Untergattungen Micropodoiulus und Pachy-
podoiulus sei verwiesen auf S. 233 in meinem XIX. Aufsatz, Archiv
f. Nat. 1901, Bd. I, H. 3. Um die Stellung der neuen Art als einer
vermittelnden gebührend hervortreten zu lassen, gebe ich die
folgende Übersicht und verweise zugleich auf S. 207 in meinem
IX. Aufsatz, Archiv f. Nat. 1899, Bd. I, H. 3.
Schlüssel der Untergattung Mieropodoiulus Verh.
(Eine erweiterte und verbesserte Übersicht der Männchen
gegenüber meinem Schlüssel im -IX. Aufsatz, S. 207 und 208).
a) Auf den Hüften des 1. männlichen Beinpaares sitzt ein
mit einem Borstenbüschel gekröntes Telopoditrudiment, welches
aber nicht von Hüftfortsätzen umfaßt wird. Hinter dem Riesen-
fortsatz des 2. Beinpaares kein Hornfortsatz, Drüsenfortsatz sehr
schwach. Coxa und Präfemur des 3. Beinpaares einfach, ohne
Auszeichnung. Riesenfortsätze des 2. Beinpaares nach vorn ge-
richtet, gerade und allmählich verschmälert.
1. Sectio Coxasimplices Verh. 1899: 1. Zerrestris Porat.
b) Das Telopoditrudiment des 1. Beinpaares wird stets außen
von einem Hüftfortsatz flankiert (Abb. 11 pr.) Coxa des
3. Beinpaares innen mit einem mehr oder weniger großen be-
borsteten Fortsatz, durch welchen das Telopodit etwas nach
außen gedrängt wird. Riesenfortsätze des 2. Beinpaares entweder
nach unten gerichtet und gegen das Ende mehr oder weniger ver-
breitert oder hornartig gebogen, wenn sie nach vorn gerichtet
und verschmälert sind. Drüsenfortsätze gut entwickelt (df, Ab-
bildung 12). ed,
c) Die Hüftfortsätze, welche die Telopoditrudimente des
1. Beinpaares umfassen, sind kürzer, nach endwärts gerichtet
und abgerundet, die Rudimente selbst werden von einem pinsel-
artig beborsteten Lappen überragt. Hüftfortsatz des 3. Bein-
paares nach außen umgebogen, Präfemur mit vorragendem
Buckel und Einschnürung. 2. Beinpaar ohne Hornfortsätze
an den Hüften.
3. Sectio Foveigeri Verh.: 2. curvicornis Verh.®)
8) In meiner Beschreibung des curvicornis, 8. 206, im IX. Aufsatz
findet sich die Angabe, daß ‚‚die Grundmuskulatur das Flagellum hervor-
ziehen muß (nämlich aus ‚einer tiefen Höhle in den Vorderblättern‘“‘),
um es dann in die Rinne der Hinterblätter einzustoßen‘“. — Da diese Mit-
teilung mißverständlich sein kann, möchte ich betonen, daß die Flagella
bei allen Zulus-Arten in den Opisthomerit-Spalten ruhen und durch
die Muskulatur nur mehr oder weniger mit ihrem Ende aus denselben her-
ausgestoßen werden können.
Chilognathen- Studien 47
d) Die Hüftfortsätze des 1. Beinpaares sind schräg nach innen
gerichtet, mehr oder weniger spitz, die Telopoditrudimente selbst
werden von keinem Lappen oder wenigstens von keinem pinsel-
tragenden überragt. Hüftfortsätze des 3. Beinpaares einfach ge-
wölbt, n'cht umgebogen, Präfemora ohne besondere Auszeichnung.
3. Sectio Cornigeri Verh.
x Riesenfortsätze des 2. Beinpaares hornartig nach vorn
gebogen und gegen das Ende stark verschmälert (Abb. 12a).
Hornfortsätze fehlen. Promerite gegen das Ende stark verjüngt
und schließlich zugespitzt. Hüftfortsätze des 1. Beinpaares so
breit wie die Telopodite und zugleich gebogen.
3. kubanus n. sp.
x x Riesenfortsätze des 2. Beinpaares gerade nach unten
gestreckt, gegen das Ende nicht verschmälert, im Gegenteil meist
keulig am Ende verbreitert und mehr oder weniger löffelartig.
Promerite am Ende abgerundet. Hüftfortsätze des 1. Beinpaares
schmäler als die Telopodite, zugleich gerade verlaufend.
a) Hornfortsätze des 2. Beinpaares bis auf einen rudimentären
Wulst fehlend. Promerite stark keulig, vor der Mitte außen
tief eingebuchtet, die Endhälfte außen kreisbogenartig be-
grenzt und ohne abgesetzte Schrägleiste. Flagella einfach und
allmählich verdünnt auslaufend. 4. lignaui Verh.
(S. 353 und 354 in meinem 39. Aufsatz, Jahreshefte d. Ver.
f. vat. Nat. Württ. 1910, dazu Abb. 10 auf Taf. XIII.)
p) Hornfortsätze des2. Beinpaares gut entwickelt und nach
außen gebogen. Promerite vor der Mitte weniger tief eingebuchtet,
die Endhälfte außen abgerundet-stumpfwinkelig vortretend, zu-
gleich an der Vorragung mit einer durch eine Schrägleiste her-
vorgerufenen Absetzung. Flagella im Endteil plötzlicher verdünnt
und mit einer enterhakenartigen Biegung auslaufend.
5. ligulifer Latz. u. Verh.
J. kubanus n. sp. Zur Ergänzung des Vorigen diene noch
Folgendes: Die Hüftfortsätze am 1. Beinpaar des £ (pr. Abb. 11)
sind entschieden nach innen gebogen, während über das Telopodit-
rudiment, welches kräftig beborstet, kein Läppchen herausragt,
im Gegensatz zu lignaui, wo ein solches vorhanden ist. Wie bei
den anderen Arten bilden diese Hüften gegen die Sternithälften (v),
denen sie breit aufsitzen, außen eine dreieckige Erweiterung und
der Grund ist als ein Ouerband (x) gegen die übrige Hüfte ab-
gesetzt durch Einschnürung. Die Riesenfortsätze des 2. Bein-
paares (Abb. 12) sind hornartig gebogen nach vorn gegen das
Gnathochilarium. Der außen von ihnen sich erhebende Drüsen-
fortsatz (df) bleibt wenig hinter dem Präfemurende zurück. Hinter
(unter) dem Ende des Drüsenfortsatzes findet sich außen am
Riesenfortsatz eine Längsrinne (r), geeignet zur Aufnahme eines
Sekretfadens, welcher aus den Coxaldrüsen ausgeschieden werden
kann, wie ich für lıgulifer nachgewiesen habe. Femur des 2. Bein-
paares nicht besonders verdickt.
12. Heft
48 Dr. K. W. Verhoeft:
Sehr charakteristisch für den kubanus sind die Promerite
(Abb. 10), welche innen wie bei den anderen Arten der ganzen
Länge nach dicht aneinanderstoßen und daher gerade verlaufen,
außen aber in der Grundhälfte stumpfwinkelig tief eingebuchtet
sind, hinter der Mitte abgerundet-stumpfwinkelig vorragen und
weiter im Enddrittel außen leicht ausgebuchtet. Hinten erstreckt
sich eine gebogene Längsrippe, welche zwar annähernd den-
selben Verlauf nimmt wie der Außenrand, nach endwärts ihm
aber mehr genähert ist. Meso- und Opisthomerit ohne hervor-
stechende Besonderheiten.
Am 4.-——7. Beinpaar des $ ragen die Hüften innen am Ende
ebenfalls vor, jedoch schwächer als am 3. Alle Beinpaare ohne
Polster.
7. Pleurotergit in den Unterflanken in einen abgerundet-drei-
eckigen Lappen vorragend, der am Hinterrande stumpfwinkelig
ausgebuchtet ist.
Anmerkung: In Nr. 11/12 Bd. XXXI des zoolog. Anzeigers
1907 macht Muralewicz (‚‚Zur Myriapodenfauna des Kaukasus‘)
auf S. 342 Iulus terrestris Porat und ‚‚scandinavius‘‘ Latzel®) als
Kaukasusarten namhaft, ohne aber eine andere /ulus-Art zu
kennen. Da mir nun diese beiden Arten nicht aus dem Kaukasus
vorgelegen haben, eine Verwechselung mit lignaui und kubanus
dagegen sehr wahrscheinlich ist, so sind jene so lange als im Kau-
kasus vorkommend zu streichen, als nicht etwa das Gegenteil
erwiesen wird.
Übrigens enthält der Aufsatz von Muralewicz eine ganze
Reihe anderer, fraglos unrichtiger Diplopoden-Bestimmungen,
z. B. ‚Polydesmus complanatus‘‘, ‚Iulus austriacus“ u. a. Außer-
dem bewegt sich dieser Autor z. T. in einer veralteten Gattungs-
Nomenklatur, wie auch das angeführte Beispiel zeigt.
Über zwei Brachyiulus-Arten aus der Krim.
- In seinen ‚„Myriapoden aus der Krim und dem Kaukasus“,
Arkiv för Zoologi, Upsala 1907, Bd. 3, Nr. 25 beschrieb C. Attems
S. 13—15 zwei Brachyiulus-Arten, welche im Anschluß an die
hier erörterten Kaukasus-Diplopoden der Besprechung bedürfen.
a) Brachyiulus tauricus Attems erhielt ich vor Jahren durch
Lignau aus der Krim in Tausch und gebe zu der nach Diagnose
und Abbildungen mangelhaften Beschreibung des Autors folgende
Ergänzung:
Die Promerite, welche übrigens an diejenigen des unı-
lineatus erinnern, aber nicht so einfach sind wie es nach Attems
Abb. 11 A den Anschein hat, sind gegen das Ende stärker ver-
schmälert, als es der Autor zeichnete und besitzen hinten außen
?) Dieser Name ist längst durch ligulifer ersetzt worden, weil jener
Name geographisch falsch und daher unhaltbar ist.
Chilognathen- Studien 49
eine Längslamelle, welche von end- nach grundwärts bis über
die Mitte reicht, außen furchenartig eingedrückt ist und erst in
der Mitte nach grundwärts sich schnell dreieckig verjüngt. In
der Grundhälfte des Promerit hinten eine Längsrippe, zwischen
ihr und der Längslamelle eine tiefe, rinnenartige Aushöhlung zur
Aufnahme des Opisthomerit. Letzteres von verhältlich einfachem
Bau, nämlich gegabelt, in das Solänomerit und einen kräftigen
Mesomeritfortsatz, welcher gerade verläuft und am Ende einfach
abgerundet ist. Am Ende des Solänomerit außer einem gebogenen
dornartigen kurzen Fortsatz ein häutiges Polster. Der Eingang .
in den Flagellumspalt wird durch einen dreieckigen Schlitz ge-
bildet, während sonstige Führungsgebilde nicht vorkommen.
2. Beinpaar des $ wie bei roseni. Stämme des Gnathochila-
rium mit 8—9 Borsten. Innentaster außer 7—8 Sinneszäpfchen
innen mit einem längeren Stäbchen. 7. Pleurotergit mit etwas
nach hinten gebogenen, vorn ausgehöhlten Zapfen an den Unter-
lappen.
b) Brachyiulus vossicus Timotheew 1897 = Procerus Attems
1907.
Obwohl Attems den Aufsatz von Timotheew ausdrücklich
aufführt, erwähnt er doch in seiner Beschreibung des Procerus
den rossicus mit keinem Worte, trotzdem die Abbildungen beider
Autoren bis auf nebensächliche und durch die verschiedene Auf-
fassung erklärliche Unterschiede übereinstimmen, jedenfalls so
weitgehend, daß an einer Identität derselben kein Zweifel be-
stehen kann. Besonders charakteristisch sind die Opisthomeri-
te, deren hinterer innerer Teil, hinter dem Solänomerit gelegen
und viel kürzer als dieses hakig nach außen umgekrümmt ist.
Auch hinsichtlich der Bildung des Prä- und Analsegmentes stimmen
beide Beschreibungen vollständig überein, insbesondere auch hin-
sichtlich der in eine Spitze ausgezogenen Subanalplatte.
Kuban-Diplopoden:
Zusammenfassend seien schließlich die Arten genannt, welche
mir aus dem Kuban-Gebiet vorlagen und im Vorigen besprochen
wurden.
1. Glomeris (Stenopleuromeris) Rkubana n. Sp.
2. Strongylosoma kordylamythrum Attems.
3. Isobates sp.
4. Pachyiulus foetidissimus Mural.
5. ? Leptoiulus sp. 6. desgl.
7. 8. Cylindroiulus sp. a und b.
9. Iulidae ? genus.
10. Brachyiulus roseni n. Sp.
11. Brachyiulus sp.
12. Iulus (Micropodoiulus) Rubanus n. sp.
Archiv für Naturgeschichte
1920. Fan 4 12. Heft
50 Dr. K. W. Verhoeft:
4.. Zur Kenntnis der Gattung Schizophyllum.
a) Zur vergleichenden Morphologie der Gonopoden.
Im 31.—85. Diplopoden- Aufsatz, Nova Actad. kais. deutsch.
Akad. d. Nat., Halle 1910, gab ich auf S. 186-207 einen Beitrag
zur Kenntnis der Gattung Schizophyllum, behandelte die ver-
gleichende Morphologie der Gonopoden und gab im Anschluß an
die Mitteilungen, namentlich über Arten der Pyrenäenhalbinsel,
einen Schlüssel für die fünf Untergattungen Eleutheroiulus, So-
laenophyllum, Bothroiulus, Megaschizophyllum und Hemipodoinlus,
von welchen die 2. und 4. neu aufgestellt, die 5. aber neu cha-
rakterisiert, übrigens alle neu geprüft und verbessert wurden. Die
Untergattungen basieren alle auf dem Bau des sehr verwickelten
männlichen Kopulationsapparates.
Derselbe besteht, wie ich auf S. 193 ausgeführt habe, aus
1. den Promeriten = vordere Gonopoden,
2. den Mesomeriten. (mit Innen- und Hinterast),
3. den Solänomeriten und zwar
a) dem eigentlichen Rinnenblatt,
b) der Fovea mit Randwulst,
c) der Coxaldrüse,
d) den Nebenlappen des Rinnenblattes und
e) dem mehr oder weniger ausgeprägten Rinnenblattfortsatz;
4. den Coxiten (Opisthomeriten), welche
a) aus einem Grundteil, dem eigentlichen Coxit, und
b) dem mehr oder weniger herausragenden Paracoxit gebildet
werden.
Die Teile 2—4 zusammen entsprechen den hinteren
Gonopoden.
Die von mir in Italien und an der französischen Riviera er-
beuteten Schizophyllum-Formen veranlaßten mich, die Unter-
gattung Bothroinlus Verh. 1894 und 1910, welche nach den bis-
herigen Erfahrungen die zahlreichsten und z. T. auch bekanntesten
Arten enthält, kritisch zu prüfen und zum ersten Mal einen Über-
sichtsschlüssel auszuarbeiten. Die Untergattung Bothrorulus hat
sich durch meine neue Untersuchung als eine Gruppe heraus-
gestellt, welche den 1910 unterschiedenen vier anderen Unter-
gattungen gegenüber in der angegebenen Weise ausreichend cha-
rakterisiert ist, sodaß keine der im Folgenden aufgeführten Arten
hinsichtlich der subgenerischen Zugehörigkeit zu Zweifeln Ver-
anlassung geben kann, was ich auch deshalb besonders betone,
weil Brölemann im Feuille d. jeunes Naturalistes 1897 N. 318
bei der Beschreibung seines zlicis diesen zwar zu Bothroiulus ge-
stellt hat, am Schlusse aber meint, diese Art könne zum Vertreter
einer besonderen Untergattung gemacht werden. Demgegenüber
muß ich und zwar auf Grund eines Belegstückes, welches ich
Brölemann selbst verdanke, entschieden hervorheben, daß ılicis
zwar eine sehr scharf charakterisierte Art, aber gleichwohl ein
Chilognathen- Studien 51
ausgesprochener Bothroiulus ist. Die isolierteste Stellung unter
den Bothroiulus-Arten nimmt entschieden das allbekannt® Schizo-
phyllum sabulosum ein, wie ich durch den folgenden Schlüssel zum
Ausdruck gebracht habe. Aber auch für sabulosum darf keine
besondere Gruppe aufgestellt werden, da porati eine natürliche
Vermittelung zwischen der ersteren und den übrigen Arten
bildet. | N
Am Kopulationsapparat der Bothroiulus-Arten verdient die
innere Längsrippe an der Hinterfläche der Promerite eine
besondere Beachtung, als ein bei allen Arten mit Ausnahme des
sabulosum auftretendes, aber bei den übrigen Arten sehr ver-
schieden ausgeprägtes Merkmal, welches bisher nicht die gebührende
Beachtung gefunden hat und in Brölemanns Beschreibung des
tlieis a. a. OÖ. nur undeutlich zu sehen ist, desgl. in seinem Aufsatz
über albolineatum, Feuille d. j. N. 359, 1900, Abb. XLII. Physio-
logisch bedeutet diese innere Längsrippe eine verstärkte
Stütze für das in der hinteren Aushöhlung des Promerit ruhende
Mesomerit. Je nachdem das Ende der inneren Längsrippe ver-
deckt bleibt (zlicıs) und zugleich schwach entwickelt ist oder aber
mehr oder weniger herausragt nach endwärts, erscheint das Ende
des Promerit einfach abgerundet oder es entsteht innen neben
dem Ende eine kleinere oder größere Ausbuchtung (z. B. bei
olivarum und Parallelum).
Nach der Gestalt der Opisthomerit-Coxite lassen sich die
Arten in drei Gruppen verteilen, nämlich:
a) schlank und fingerförmig bei Parallelum, hispanicum, ruti-
lans und porati,
b) breit und blattartig bei zlıcis, albolineatum und olivarum und
c) am Grunde breit, aber am Ende keulig bei 'sabulosum.
Das Ende des Solänomerit ragt bei allen Arten mehr oder
weniger mit flagelloidem, das Ende der Spermarinne enthalten-
dem dünnen Fortsatz heraus, aber nach der Beschaffenheit des
äußeren Nebenteiles des Solänomerit lassen sich zwei Gruppen
unterscheiden, indem der Nebenfortsatz als ein dreieckiges
Nebenblatt entwickelt ist bei sabulosum und Porati, bei den
übrigen Arten dagegen als ein dünneres, meistens sehr zart ge-
zähneltes und hornartig gekrümmtes Gebilde, welches ich als
Velum bezeichnen will, in Erinnerung an einen ähnlichen Fort-
satz bei den Leptoiulus-Arten.
Außer den im Folgenden aufgeführten Arten gehören noch
zu Bothroiulus bavayı und punicum Brölemann, beide in natura
mir unbekannt oder wenigstens hinsichtlich ihrer Gonopoden nicht
von mir untersucht. Sch. bavayi von Murcia (Bulletin Soc. entomol.
de France, 1897, Nr.10) besitzt zweizähnige Paracoxite und weicht
in der Gestalt der Solänomerite von allen übrigen Arten ab. Die
Promerite würden nach dem Autor (Abb. I) keine innere Längs-
rippe besitzen, aber die charakteristische Endbucht ist das sichere
Zeichen, daß dieselben dennoch vorhanden sind.
4* 12. Heft
52 Dr: -&. W.' Verhoeff:
Sch, punicum von Tunis (M&emoires soc. zoolog. de France,
Paris 1894) vergleicht Brölemann hinsichtlich der äußeren Er-
scheinung mit mediterraneum, aber die Gonopoden, welche nicht
vollständig zergliedert wurden, sind sehr eigenartig, die hinteren
durch einen besonders langen und stark gebogenen, flagelloiden
Fortsatz ausgezeichnet, während den Promeriten ein innerer End-
fortsatz zukommt, der offenbar den extremsten Fall der Heraus-
ragung des Endes der inneren Längsrippe vorstellt.
Schließlich muß hier noch des Schizophyllum brandti Berlese
(= Iulus [Archiulus) brandti) gedacht werden (Iulidi del Museo
di Firenze 1886, S. 50) als einer Art, welche nach den Abbildungen
des Autors auf seiner Taf. XIV subgenerisch nicht sicher unter-
gebracht werden kann. Berlese selbst sagt S. 52 ‚‚organo sessuale
diversifica poi da tutti i conosciuti‘“. Attems lieferte (und zwar
ebenfalls nach sicilischen Tieren) in Archiv f. Nat. 1900, Bd. I,
H. 3, S. 311-313, eine Neubeschreibung des brandtı und bezeichnet
diese Art zugleich als Bothroiulus. Vergleicht man die Gonopoden-
abbildungen von Berlese und Attems, so kommt man zu dem
Schlusse, daß die Zeichnungen des ersteren teils falsch, teils sche-
matisiert sind. Immerhin muß als eine bemerkenswerte Überein-
stimmung jenes von Berlese mit c bezeichnete Organ hervor-
gehoben werden, welches in einen ungewöhnlich langen Fortsatz
ausgezogen ist, welcher schließlich stark hakig umgebogen aus-
läuft. Attems Abb. 9—12 sprechen allerdings entschieden dafür,
daß brandti zu Bothroiulus gehört. Leider stimmen aber die Ab-
bildungen von Attems untereinander nicht genügend überein,
sodaß ich die Art in meinem Schlüssel nicht sicher unterbringen
konnte. Außerdem erwähnt er in der Beschreibung der Opistho-
merite „ein Büschel von Drüsen‘, während es sich nach den
Figuren viel eher um ein velumartiges Gebilde handelt. Nach
Attems Abb. 12 würden sich die Promerite des brandti, welche
eine vollständige innere Längsrippe besitzen, durch ihre Gestalt
von denen aller Arten meines Schlüssels unterscheiden.
b) Sehlüssel für die Untergattung Bothroiulus Verhoeff.
(1894 Beiträge zur Anatomie und Systematik der Iuliden, Verh.
zoolog. bot. Ges. in Wien, S. 153.)
A. Promerite breit, am Ende schräg und nach innen an-
steigend abgerundet, hinten weder vor dem Ende mit Höcker,
noch innen mit einer in einen Zapfen endigenden Längsrippe.
Mesomerite schlank, fingerartig, am Ende einfach, in der Mitte
nach innen gebogen. Solänomerite mit großem, in eine Spitze
ausgezogenem Nebenblatt statt eines Velums. Coxite aus breiter,
dreieckiger Basis in einen umgebogenen und stark keuligen
Paracoxitfortsatz aufsteigend. — Zeichnung variabel, Rücken mit
zwei gelbroten Längsbinden oder Fleckenreihen oder ganz ver-
dunkelt. Beinpaarzahl meistens unter 99, selten bis 105 erhöht.
1. sabulosum Latzel.
Chilognathen- Studien 59
B. Promerite von verschiedener Gestalt, aber stets innen mit
einer von grund- nach endwärts sich erstreckenden Längsrippe,
welche hinter der Mitte mit einem größeren oder kleineren Fort-
satz, Zapfen oder Lappen endigt DE
C. Körper ungewöhnlich schlank, Rücken mit feiner, schwarzer
Medianlinie und zwei rötlichgelben Längsbinden. Mesomerite finger-
förmig, schlank und einfach. Paracoxitfortsatz ebenfalls lang,
schlank und spitz auslaufend. Solänomerite statt des Velum mit
dreieckigem, spitzen Nebenblatt. Opisthomerite ohne häutige
Endkeule der Solänomerite.
2. porati Verh. 1892 und 94 (Portugal).
D. Körper entweder ohne zwei helle Rückenbinden oder nur
mit einer medianen hellen Binde. Wenn aber zwei helle Binden
neben einem schwarzen Medianstreifen vorkommen (Parallelum),
dann ist der Körper gedrungener gebaut und das Ende von Meso-
meriten und Paracoxiten läuft nicht einfach aus, sondern ist hakig
zur Seite gebogen. Solänomerite ohne häutige Endkeule, aber
stets mit Velum.
a) Mesomerite schlank, fingerartig, am Ende etwas ausge-
höhlt, aber weder umgebogen noch mit zwei Fortsätzen. Pro-
merite (Abb. 21) ungewöhnlich schlank, zugleich gerade
und am Ende abgerundet, hinten mit einem stark vortreten-
den, abgerundeten Höcker vor dem Ende. Das Ende der inneren
Längsrippe bildet ein kleines Zäpfchen (e), welches in der Ansicht
von vorn oder hinten nicht vorragt. Opisthomerit-Coxite breit
und blatt- oder promeritähnlich gebaut (Abb. 20), an ihrem
Ende überragt ein zahnartiger Lappen (b) eine Grube (fo), die
Basis mit einer häutigen Ausstülpung (h). Rücken mit einer
medianen hellen Längsbinde. 107—115 Beinpaare.
3. ilieis Bröl. 1897 (Pyrenäen).
b) Mesomerite schlank, fingerartig, am Ende entweder ein-
fach abgerundet oder seitlich nach einer oder zwei Richtungen
vorragend. An den nicht besonders schlanken Promeriten ist
das hinter der inneren ‚Längsrippe folgende Enddrittel etwas
schräg nach endwärts und außen gerichtet (Abb. 13, 16
und 22) und erscheint abgerundet-dreieckig bis spitz. e,.d;
c) Opisthomerit-Coxite schlank und fingerartig er
e) Das Ende der inneren Promerit-Längsrippe läuft in einen
kräftigen Fortsatz aus (e, Abb. 22), welcher von vorn oder
hinten gesehen nach endwärts stark vorragt. Ende der Meso-
merite nur nach einer Seite eckig bis hakig umgebogen. Soläno-
merite mit einem inneren Nebenfortsatz. Paracoxitfortsätze
gerade, gegen das Ende nicht verschmälert und erst am Ende
selbst nach innen mit Zapfen vorragend.
x Rücken mit zwei hellen Längsbinden neben en
Medianstreifen. Der innere Promeritfortsatz erreicht ein. Drittel
der Breite des äußeren. 8a,
4. parallelum Koch (= cavannae wre
12. Heft
54 Dr. K. W. Verhoeff:
x x Rücken ohne Längsbinden. Der innere Promeritfort-
satz erreicht nur etwa "s der Breite des äußeren (Abb. 22).
5. parallelum fiesolense m.!")
f) Das Ende der inneren Promerit-Längsrippe läuft in einen
schmalen Zapfen aus, welcher in der Ansicht von vorn oder hinten
endwärts nicht vorragt. Ende der Mesomerite in zwei nach
innen gerichtete Spitzen gegabelt, von welchen jedoch die
hintere bisweilen schwach entwickelt ist. Solänomerite ohne
inneren Nebenfortsatz. Paracoxitfortsätze säbelig gebogen, gegen
das hakig nach innen gebogene Ende allmählich verschmälert.
x Ende der Promerite breit abgerundet. Der Endfortsatz
hinter der Rinnenmündung der Solänomerite ist dreieckig und
mäßig lang, fast gerade abgeschrägt, das hornartig gebogene
Velum bleibt mit seinem Ende nur wenig hinter der Rinnen-
mündung zurück. Körper vorwiegend hell, schön graugelb bis
isabellfarben, die Ringhinterränder braunschwarz bis schwarz,
schmal geringelt. 6. hispanieum Verh. 1910 (Spanien).
x x Ende der Promerite abgerundet aber schmal, beinahe
spitz. Der Endfortsatz hinter der Rinnenmündung hornartig ge-
krümmt, sehr lang und spitz auslaufend, nach endwärts
und innen gebogen. Das gebogene Velum ist klein und bleibt
sehr weit von der Rinnenmündung entfernt. Körper vorwiegend
dunkelbraun, ohne schärfer abgesetzte Ringelfärbung.
7. rutilans Koch (= mediterraneum Latzel)
(Süddeutschland, Frankreich, Norditalien).
d) Opisthomerit-Coxite breit und blattartig gebaut, innen
tief ausgehöhlt, gegen das Ende langsam verschmälert. (Abb. 14
und 18). Ende der fingerförmigen Mesomerite völlig abgerundet,
also ohne Umbiegung oder höchstens mit einem kleinen Zähnchen.
x Velum schmal, einfach sichelartig, ohne Nebenspitze. Co-
xite vor dem Ende des Paracoxitfortsatzes mit einer schwachen,
nach grundwärts gerichteten Ecke. (db, Abb. 14). Am Soläno-
meritende ragt keine dünne Spitze heraus. Ende der Mesomerite
völlig ohne Zähnchen, einfach zugerundet (Abb. 15). Hinter dem
Ende der Promeritinnenrippe ragt eine Ecke vor (e, Abb. 13).
Rücken ohne Längsbinde.
8. olivarum n. sp. (S. Remo).
x x Velum schmal und innen vor dem Ende mit zwei Neben-
spitzen. Coxite am Ende mit einem kräftigen, nach seitwärts
gerichteten Zahn (5, Abb. 18). Am Solänomeritende ragt eine
feine, dünne Spitze heraus. Ende der Mesomerite mit einem kurzen
Zähnchen (Abb. 17). Das Ende der Promerit-Innenrippe ragt
etwas lappenartig heraus, also in die Bucht innen vor dem Ende
(e, Abb. 16). Rücken mit heller Medianbinde.
9. albolineatum (H. Lucas) Bröl. 1900 (Riviera).
10) Man vergl. im Abschnitt f) die Rasse faucium m. 9 aus den See-
alpen.
Chilognathen-Studien 55
E. Körper sehr schlank, vorherrschend graugelb, also heller
als bei allen übrigen Arten, mit feinem, schwarzen, im Gebiet
der Prozonite zu kleinen Fleckchen erweitertem Medianstreifen,
Flanken mit dunklen Wehrdrüsenflecken. Mesomerite schlank und
einfach. Paracoxitfortsatz länglich, breit abgerundet, muschelig
ausgehöhlt, ohne Haken. Solänomerite außer einem schmalen
Velum am Ende mit einer häutigen Keule. Promerite am Ende
tief ausgebuchtet, außerhalb der Bucht ragt ein langer, fast spitzer
Fortsatz auf, die Innenrippe, welche sehr kräftig entwickelt, ragt
mit ihrem Ende gegen die Bucht lappenartig vor.
10. elavigerum n. sp. (Spanien, Cercedilla).
c) Varietäten des Schizophyllum sabulosum;
a) Körper einschließlich der Unterflanken vorwiegend
schwarz, ohne helle Längsbinden, nur die Hinterhälften der
Metazonite grau bis gelblich geringelt, Beine fuchsig bis orange-
gelb.
1. var. rubripes Koch.
b) Entweder die Unterflanken bis zur Verbindungslinie der
Foramina mehr oder weniger aufgehellt, oder der Rücken neben
schwarzem Medianstreifen mit zwei rötlichgelben Längsbinden,
oder beides zugleich vorkommend Os
c) .Unterflanken bis zur Verbindungslinie der Foramina völlig
elfenbeinweiß und dadurch aufs Schärfste von dem dunkeln
Rücken abgesetzt. Zwei helle Längsbinden zu Seiten des schwarzem
Medianstreifens sind mehr oder weniger vollständig ausgeprägt.
2. var. albiventris m.
d) Unterflanken entweder vorwiegend dunkel oder’ hell und
nur die Prozonite durch Ouerstreifen verdunkelt.
3. var. sabulosum (genuinum).
e) Unterflanken unterhalb der Wehrdrüsen vollkommen
oder doch vorwiegend dunkel, Rücken mit schwarzem Me-
dianstreifen und zwei rötlichgelben Längsbinden. Die Flanken
zeigen also in der Höhe der Foramina keinen scharfen Farben-
gegensatz. a) subvar. bilineatum Koch.
Wie bilineatum aber die hellen Hinterränder der Meta-
zonite erzeugen eine deutliche Ringelung, Körper zugleich größer
und segmentreicher als bei jenem. Schwarzer Medianstreifen deut-
lich ausgeprägt. ß) subvar. annulatum m."!)
Wie vorher, aber durch Verstärkung der rötlichgelben Längs-
binden ist der Medianstreifen bis auf eine blasse Linie ein-
geengt oder z. T. vollständig verdrängt und erscheint zugleich
rötlicher. y) subvar. exstinctum m.
f) Unterflanken vorwiegend hell, aber die Prozonite durch
Querstreifen größtenteils verdunkelt. In der Höhe der Foramina
11) Vermittelt zwischen var. rubripes und den eigentlichen Ver-
tretern der var. sabulosum nach Zeichnung und Vorkommen.
132 rTeit
56 Dr. K. W. Verhoeff:
zeigt sich ein auffallender Farbengegensatz zwischen Unter-
und Oberflanken.
x Rücken mit zwei vollständigen rötlichgelben Längs-
binden. 6) subvar. bifasciatum Fanzago.
x x Rücken mit zwei Längsreihen rötlichgelber, getrennter
Flecke. €) subvar. Punctulatum Fanzago.
> Die hellen Rückenbinden sind völlig erloschen, also
der Rücken einfarbig dunkel.
£) subvar. apunctulatum Fedrizzi (= exstinctum Latzel).
Zur vorstehenden Unterscheidung von Varietäten und
Subvarietäten des sabulosum veranlassen mich ganz bestimmte
geographische Verhältnisse, d. h. die beiden Varietäten rubripes
und albiventris sind ausgesprochen mediterrane und zwar nach
den bisherigen Erfahrungen auf die Riviera beschränkte Lokal-
formen, während das typische sabulosum durch die meisten Länder
Europas verbreitet ist. Obwohl rubripes sich aus Jugendlichen
entwickelt, welche ganz die Zeichnung des typischen sabulosum
aufweisen, so sind doch die Entwickelten hinsichtlich ihrer Zeich-
nung von den übrigen Varietäten scharf unterschieden. Auch
zwischen albiventris und sabulosum beobachtete ich keine Über-
gänge, vielmehr waren an den Orten, welche albiventris besiedelt,
ausschließlich nur diese anzutreffen. Was dagegen die Sub-
varietäten betrifft, so gehen einerseits bifasciatum und bilineatum
und andererseits bifasciatum und punctulatum und weiterhin Punctu-
latum und apunctulatum ganz allmählich ineinander über. Auch
können ö, e und [ nebeneinander an demselben Platze vorkommen.
Eine geographische Begrenzung betrifft die Subvarietäten nur in-
sofern, als bilineatum nur nördlich und apunctulatum nur südlich
der Alpen vorkommen, während ö und &, die ja überhaupt am
häufigsten beobachtet werden, sowohl in Mittel- als auch Süd-
europa vorkommen, Punctulatum südlich der Alpen allerdings zahl-
reicher. ß und y kenne ich bisher nur von der Riviera. Wohl zum
ersten Male sind von mir Männchen aller Varietäten auf ihren
Kopulationsapparat genau untersucht worden und damit der Nach-
weis geführt, im Zusammenhang mit der übrigen vollständigen
morphologischen Übereinstimmung, daß wir es wirklich und
trotz der z. T. so auffallend verschiedenen Zeichnung nur mit
Varietäten zu tun haben.
Obwohl also die Varietäten hinsichtlich der Gonopoden
übereinstimmen, müssen doch einige nicht unerhebliche Varia-
tionen auch in diesen Organen erwähnt werden: Bei den Mittel-
europäern kann innen vor dem Ende der Promerite eine kurze
Schrägleiste eine Absetzung erzeugen, während beides bei den
Tieren südlich der Alpen fehlt. Aber bei einem $ von Cannstadt
war links Leiste und Absetzung vorhanden und rechts fehlten
dieselben. Außerdem scheint mir das Merkmal zu fein ausgeprägt,
um ihm eine besondere Bedeutung zuzusprechen. Am Flagelloid-
fortsatz kommt bei var. rubripes vor dem Ende ein rosettenartiges
Chilognathen- Studien 57
Läppchen vor, aber Andeutungen desselben findet man auch bei
den anderen Varietäten.
Die Mesomerite springen bei den mittelmeerländischen Varie-
täten am Ende einseitig etwas eckig vor, während sie bei den Mittel-
europäern mehr abgerundet erscheinen, aber dieser Gregensatz ist
nicht scharf genug ausgeprägt, um ihm eine systematische Bedeu-
tung beimessen zu können. Variabel ist auch das Paracoxit, doch
wird eine noch größere Variabilität dadurch vorgetäuscht,
daß dasselbe je nach der Richtung, aus welcher man es betrachtet,
verschieden gestaltet erscheint.
d) Erscheinungsweise der Reifemännchen und Schaltmännchen.
Durch Sch. sabulosum werde ich veranlaßt, auf die eigentüm-
liche Erscheinungsweise der Reifemännchen zurückzukom-
men, welche ich bereits 1910 in den Nova Acta im VI. Kapitel
über die männlichen Schaltstadien besprochen habe. S. 218
wies ich nämlich nach, daß Schtzophyllum oxypygum in Sizilien
und moreleti in Portugal im Frühjahr überhaupt keine
Reifemännchen besitzen, diese sich vielmehr erst im Sommer
oder Herbst entwickeln. Da nun von Schizophyllum sabulosum
und Tachypodoiulus albipes in Deutschland Reifemännchen
zu allen Jahreszeiten angetroffen werden können, war es
interessant, zu untersuchen, wie sich Sch. sabulosum in dieser
Hinsicht an der Riviera verhalten würde.
Unter etwa 400 an zahlreichen Plätzen im Frühjahr gesam-
melten Individuen des sabulosum habe ich nun an der Riviera,
namentlich im 2. und 3. Drittel des April nur drei Reifemänn-
chen angetroffen, neben einer Reihe von Schaltmännchen, und
von diesen drei Reifemännchen fanden sich charakteristischer Weise
zwei bei Le Trayas, d. h. in dem einzigen größeren Wald-
gebiet der Riviera-Küsten, welches ich zu untersuchen Gelegen-
heit hatte, und eines bei Pegli, ebenfalls an einem üppig bewach-
senen und zugleich quelligen Berghang, also alle drei an Plätzen,
welche neben reichlicheren, vegetabilischen Abfällen bei aus-
giebigerer Deckung den Diplopoden auch im Sommer noch
einige Feuchtigkeit in ausgedehnterem Areal zu bieten vermögen.
An allen übrigen Plätzen fanden sich außer Jugendlichen ver-
schiedener Stadien nur entwickelte Weibchen und Schaltmännchen.
Um nun den direkten Beweis dafür zu liefern, daß die Reife-
männchen sich erst später im Jahre, also bei vorgeschrittener
Jahreszeit entwickeln, habe ich einige Schaltmännchen zur
Aufzucht lebend mitgenommen, und es gelang mir auch, einige
derselben zur Entwickelung zu bringen, nämlich 38 der var.
rubripes August— September und Anfang August 3 $ der var.
albiventris. (Man vergleiche im Folgenden die Herbstfunde von
Pisa!)
Schizophyllum sabulosum verhält sich hinsichtlich der Reife-
männchen an der Riviera größtenteils also ebenso wie oxy-
12. Heft
58 Dr. K. W. Verhoeff:
pygum und moreleti in Sizilien und Portugal in ausgesprochenen
Heißsommergebieten ohne größere Waldungen, aber ab-
weichend von Deutschland mit seinem feuchten Klima und reich-
licherer Bewaldung. Den Mangel der Reifemännchen im
Frühjahr bei den drei genannten Arten und in den drei genannten
Ländern führe ich aber zurück auf ein frühzeitiges Absterben
derselben im Herbst oder Winter, verursacht durch zeitweise
trocken-warmes Klima, wobei noch ferner zu berücksichtigen
ist, daß die drei genannten Arten alle in großer Individuen-
zahl auftreten, sodaß sich für dieKopulation der Männchen keine
Schwierigkeiten ergeben. Letzteres muß schon deshalb betont
werden, weil an der Riviera zwei andere Schizophyllum-Arten im
Frühjahr mit Reifemännchen auftreten, nämlich olivarım und
albolineatum, welche jedoch im Vergleich mit sabulosum als Selten-
heiten zu bezeichnen sind.
1910 habe ich mich in den Nova Acta S. 219-223 ferner
darüber ausgesprochen, daß die männliche forma typica des Schrzo-
phyllum sabulosum nach den bisherigen Beobachtungen in mittel-
meerländischen Gebieten nicht vorkommt, vielmehr auf die Länder
nördlich der Alpen und überhaupt auf nördlichere Distrikte be-
schränkt ist. Meine Erfahrungen faßte ich dahin zusammen, daß
in Deutschland für sabulosum Folgendes gilt:
Forma typica, Entwickelung ohne Schaltstadium, Reife-
männchen mit 77—81 Beinpaaren, bei 17%,—231, mm Länge.
Forma elongata. Schaltstadien von 22—25 mm Länge mit,
81 —87 Beinpaaren, aus welchen sich Reifemännchen von
241%,—281, mm Länge mit 83—91 Beinpaaren entwickeln.
Für die Südalpentäler und Norditalien stellte ich fest:
Schaltmännchen mit 83—91 Beinpaaren ergaben Reife-
männchen von 2215,—3115 mm Länge mit 85—97 Beinpaaren.
Hiermit stimmen nun meine Riviera-Befunde bestens über-
ein, denn trotz der abweichenden Varietäten ergaben sich für:
var. yubripes, daß sich Schaltmännchen von 33—88% mm mit
95—99 Beinp. in Reifemännchen von 38—44 mm mit 95 —97 Beinp.
verwandeln oder nach den Zuchtindividuen aus Schaltmännchen
von 241, mm mit®5 Beinp. Reifemännchen von 24—281, mm Länge
mit 83—89 Beinpaaren. Ich beobachtete aber Schaltmännchen
bis zu 4715 mm Länge und 103 Beinpaaren, also riesige Indi-
viduen.
var. albiventris ergab nach Zuchtindividuen, daß ker aus
Schaltmännchen von 32—44 mm mit 91 —95 Beinp. Reifemännchen
von 3415 mm mit 97 Beinp. entwickeln.
Fassen wir beide Varietäten zusammen, dann erhalten wir
als Riviera- Vorkommnisse:
Schaltmännchen von 241,471, mm Länge mit 85—1083
Beinpaaren, welche Reifemännchen von 24—44 mm Länge (48)
mit 83—97 Beinpaaren ergaben (103). Die Übereinstimmung
mit den sabulosum der Südalpentäler ist also eine fast voll-
Chilognathen- Studien 59
ständige und es gewinnt nur den Anschein, daß an der Riviera
ein Teil der Schaltmännchen und Reifemännchen noch bedeutend
größer werden und dementsprechend auch noch höhere Bein-
paarzahlen vorkommen, wobei ferner zu berücksichtigen ist,
daß ich die Mehrzahl der Riviera-Männchen in Deutschland
künstlich zur Reife brachte, also unter dem Einfluß geringerer
Wärme während des letzten Stadiums. Auch die Beobachtung von
Schaltmännchen mit 99—103 Beinpaaren weist darauf hin, daß
noch Reifemännchen mit derselben Zahl und vielleicht sogar mit
105 Beinpaaren an der Riviera erwartet werden dürfen, also
sabulosum-Männchen von einersonst noch nicht beobachtetenGrößel
Aus den vorigen Zahlen geht aber ferner hervor, daß an der
Riviera selbst hinsichtlich der Schaltmännchen und Reife-
männchen eine gewaltige Variabilität nach Beinpaar- und
Ringzahlen sowie Größe herrscht, ferner spricht die Tatsache,
daß die zwei erwähnten Reifemännchen von Le Trayas erheblich
größer und auch segmentreicher sind als die gezüchteten Reife-
männchen sehr für die Richtigkeit meiner a. a. ©. S. 223 geäußerten
Anschauung, daß die Forma elongatissima unter dem Einfluß
von Nahrungsüberfluß bei mäßiger bis hoher Wärme zustande
kommt. Genauer müssen diese Verhältnisse an der Riviera auf
Grund noch zahlreicherer sabulosum-Vorkommnisse statistisch ver-
folgt werden, unter Berücksichtigung von Orten möglichst ver-
schiedener Existenzverhältnisse.
e) Sehaltstadien des Schizophyllum sabulosum.
In meinem 84. Diplopoden-Aufsatz ‚Abhängigkeit der
Diplopoden und besonders der Iuliden-Schaltmännchen von
äußeren Einflüssen‘, Zeitschr. f. wiss. Zoologie 1916, Bd. CXVI,
H. 4, S. 535586 (mit Tafel und Textabbildungen) habe ich in
Vervollständigung der früheren Mitteilungen (namentlich 1910 in
den Nova Acta) nachgewiesen, daß wir es bei Tachypodoiulus
albipes in Deutschland nicht nur mit drei morphologisch ver-
schiedenen Schaltmännchen-Formen, zu tun haben, sondern daß
denselben auch ontogenetisch eine verschiedene Bedeutung ZU-
kommt, indem sich ‚Forma elongata mit einem, aber die Forma
elongatissima mit zwei Schaltstadien entwickelt“. Meine Ri-
viera-Untersuchungen lieferten nun u. a. das wertvolle Ergebnis
für Schizophyllum sabulosum, daß auch dieser Iulide an der
Riviera zwei aufeinanderfolgende männliche Schalt-
stadien durchmacht.
Für die Beurteilung der verschiedenen Schaltmännchen ist
nicht nur die verschiedene Größe, Ring- und Beinpaarzahl maß-
gebend, sondern es kommen noch mehrere andere Charaktere in
Betracht, unter welchen neben den Anlagen der Gonopoden dem
Zustand des 1. Beinpaares eine besondere Bedeutung zukommt.
Hinsichtlich der höchst merkwürdigen Metamorphose dieses
1. Beinpaares verweise ich auf meinen genannten 84. Aufsatz.
12. Heft
60 Dr. K. W. Verhoeff:
Es wurde schon im vorigen Kapitel darauf hingewiesen, daß
die forma typica des Sch. sabulosum in den Mittelmeerländern nicht
vorkommt, also alle Männchen desselben sich aus Schaltstadien
entwickeln. Da nun an der Riviera in Größe und Beinpaarzahlen
Schalt- und Reifemännchen die im vorigen Kapitel genannten
gewaltigen Variationsbreiten aufweisen, so konnte schon aus
diesen Tatsachen die Folgerung abgeleitet werden, daß an der
Riviera zweierlei Schaltstadien vorkommen müssen, und da-
mit Doppelmännchen, welche als Forma elongata mit einem
und F. elongatissima mit zwei Schaltstadien zu unterscheiden
sind. Diese Erwartung wurde durch die morphologische Beschaffen-
heit der Schaltmännchen vollkommen bestätigt.
Schaltmännchen des Sch. sabulosum var. rubripes Koch:
Sämtlichen von mir untersuchten Schaltmännchen dieser Va-
rietät gemeinsam ist eine eigentümliche Beschaffenheit des 1. Bein-
paares, welche darin besteht, daß die Tibia nicht nur mehr oder
weniger angeschwollen, sondern auch gleichzeitig mehr oder
weniger auffallend verdunkelt ist. Bei allen Schaltmännchen
sind ferner die Anlagen der vorderen Gonopoden als ziemlich
große, porenreiche Platten ausgebildet, die Anlagen der hinteren
Gonopoden dagegen nur als kleine und viel niedrigere, noch nicht
zerspaltene und nicht ausgestaltete Kissen. Beide Anlagenpaare
sitzen schon auf kräftigen Muskelstützen. Diese Anlagen des Ko-
pulationsapparates sind also sehr ähnlich denjenigen des Tachy-
podoiulus albipes, welche ich im 84. Aufsatz auf S. 540 in Abb. 4
zur Darstellung brachte. Die Penes sind noch kurz und abge-
stutzt. Außer einer Reihe anderer Schaltmännchen, die sich dem
einen oder anderen ähnlich verhielten, habe ich die folgenden ge-
nau untersucht und gebe über sie einige Einzelheiten an:
I. Schaltstadium: (IIa). (93—95 Beinp.).
a) Schaltmännchen mit 93 Beinpaaren von 361, mm, besitzt
am 1. Beinpaar eine nicht erweiterte und von Tarsus und Post-
femur scharf abgegliederte Tibia, also ein 5gliedriges Telo-
podit nebst Kralle.
b) Schaltmännchen mit 93 Beinp. von 361, mm, besitzt am
1. Beinpaar eine innen etwas vorgewölbte Tibia, welche mit dem
Tarsus vollkommen verschmolzen, von dem Postfemur dagegen
scharf abgegliedert ist, also ein 4gliedriges Telopodit mit Tibio-
tarsus und Endkralle.
c) Schaltmännchen mit 95 Beinpaaren und 41 mm Länge,
besitzt ein 1. Beinpaar wie b), nur ist der Tibiotarsus innen nicht
vorgewölbt.
Gemeinsam ist ac der unten vollkommen geschlossene
7. Rumpfring.
' U. Sehaltstadium: (IIb). (99—103 Beinp.)
d) Schaltmännchen mit 99 Beinpaaren und 381%, mm Länge,
besitzt ein 4gliedriges Telopodit des 1. Beinpaares, dessen Tibio-
Chilognathen-Studien 61
tarsus stark dreieckig, unkusartig nach innen er-
weitert ist.
e) Schaltmännchen mit 103 Beinpaaren und 471, mm Länge,
verhält sich hinsichtlich seines 1. Beinpaares asymmetrisch, also
abnorm, indem das rechte Telopodit 5gliedrig, also ohne Be-
sonderheit geblieben ist, das linke dagegen 3—4gliedrig, indem
der Tibiotarsus stark, aber im Bogen, nach innen vorragt, zu-
gleich außen auch mit dem Postfemur verwachsen, innen aber
scharf von ihm getrennt.
Gemeinsam ist d und f der unten eine kleine Öffnung
enthaltende 7. Rumpfring.
Diese Schaltmännchen besitzen übrigens schon vorragende
Backen, deren Lappen jedoch schwächer sind als bei den Reife-
männchen. Die Borstengruppe hinten an den Stämmen des
Gnathochilarium, welche bei den Reifemännchen aus 16—17
Borsten besteht, enthält deren bei den Schaltmännchen 11—17.
Nach dem Vorigen können wir uns, unter Vergegenwärtigung
einer Reihe schon früher von mir mitgeteilter Zuchtergebnisse
älterer Entwickelungsformen, anderer Iuliden, wonach dieselben
durch eine Häutung 4 oder 6 Beinpaare mehr erwerben, leicht
vorstellen, daß durch eine Häutung aus a und 5b der Zustand d
entsteht, oder aus c der Zustand e.
Zum Vergleich erwähne ich das einzige von mir beobachtete
Schaltmännchen von subvar. annulatum m. aus Pegli, welches
bei 23 mm Länge und 87 Beinpaaren ein fast normales 1. Bein-
paar besitzt. Dasselbe unterscheidet sich also durch den normalen
zylindrischen Tarsus, welcher viel länger als breit, innen tief in
die Tibia eingesenkt ist und eine große und normale Endkralle
trägt, während die Tibia keine Verdunkelung besitzt. Im übrigen
zeigt das 5gliedrige Telopodit einen gelblichen Inhalt und ein
aufgelöstes Gewebe, wobei die Tibia nur leicht nach innen vor-
gewölbt ist.
Dagegen sind bei den Schaltmännchen der var. rubr ıpes
die beiden Endglieder meistens zu einem Tibiotarsus verwachsen.
Ist aber der Tarsus selbständig geblieben (wie bei dem oben be-
sprochenen Sch. $ a), dann zeigt er eine kegelige Gestalt, ist
nur wenig länger als breit, während die Endkrallen zu kleinen
Zäpfchen degeneriert sind. Wenn jedoch eine gut ausgebildete
Kralle erhalten geblieben ist (wie bei c und e) findet sie sich nur
einseitig, sodaß diese Fälle als partielle Entwickelungshemmung
aufgefaßt werden können.
Auf zweierlei Verhältnisse muß ich angesichts der für Schizo-
phyllum sabulosum var. rubripes festgestellten Tatsachen besonders
hinweisen:
a] Verschiedene Gonopoden-Vorstufen.
Während sich Schizophyllum sabulosum und wahrscheinlich
Bothroiulus überhaupt ebenso wie der im 84. Aufsatz eingehend
besprochene Tachypodoiulus albipes insofern übereinstimmend ver-
12. Heft
62 Dr. K. W. Verhoeff:
halten, als bei sämtlichen Schaltstadien nur sehr schwache An-
lagen der hinteren Gonopoden auftreten und dementsprechend
auch höchstens eine sehr kleine Öffnung unten am 7. Ring
bemerkt wird, zeigen das zu Hemipodoiulus gehörige Schizophyllum
moreleti Luc. sowie das Eleutheroiulus angehörige dorsovittatum Verh.
ein wesentlich abweichendes Verhalten. Bei diesen Formen der
Pyrenäenhalbinsel treten nämlich, wie ich schon 1894 in meinen
„Beiträgen zur Anatomie und Systematik der Iuliden‘“ (Verh.
d. zool. bot. Ges. Wien) nachgewiesen und abgebildet habe, Schalt-
männchen auf, welche
1) am 7. Rumpfring unten eine sehr weit geöffnete Gono-
podentasche besitzen, ebenso weit oder gar noch weiter geöffnet
als bei den Reifemännchen und
2.) durch Gonopodenanlagen, welche viel weiter in der
Entwickelung fortgeschritten sind als das bei Bothroiulus _
und Tachypodoiulus vorkommt.
Während nämlich bei den letzteren Formen wie oben be-
sprochen wurde, die Anlagen der hinteren Gonopoden noch un-
zerspalten und undifferenziert sind, was bei der Größe der II. Schalt-
stadien ganz besonders überrascht, finden wir bei dorsovittatum und
ganz besonders bei moreleti nicht nur die Zerspaltung der hin-
teren Gonopoden in Meso- und Opisthomerite bereits
vollzogen, sondern auch die sonstige Ausgestaltung mehr oder
weniger weit fortgeschritten. Früher lag die Vermutung nahe,
daß solche in der Entwickelung der Gonopoden besonders weit
vorgeschrittene Schaltmännchen eine Eigentümlichkeit wärmerer
Länder vorstellen möchten. Nachdem ich aber nunmehr die an
der Riviera klimatisch so begünstigten sabulosum-Schaltstadien
untersucht habe, kann an eine solche Auffassung nicht mehr
gedacht werden, vielmehr sind diese verschiedenen Entwickelungs-
erscheinungen als Eigentümlichkeiten der betr. Arten oder Gruppen
zu betrachten.
ß] Verschiedene Entwiekelung des 1. männlichen Beinpaares.
Bei zahlreichen Iuliden verwandelt sich das 1. Beinpaar
der Männchen mit der Erreichung des Reifezustandes ganz plötz-
lich und sprungweise aus einem normalgliedrigen beim letzten
Entwickelungsstadium in das bekannte Häkchenpaar.
Umständlicher und allmählicher vollzieht sich die Vorbereitung
oder Umwandlung des normalen 1. Beinpaares auf oder in Häkchen-
organe nur bei solchen Iuliden-Arten, welche ein oder zwei
Schaltstadien besitzen. Das Studium der Schizophyllum sabu-
losum-Schaltmännchen der Riviera hat nun im Zusammenhang
mit früheren Untersuchungen über andere Arten ergeben, daß
wir zwei wesentlich verschiedene Entwickelungsweisen
der Häkchenbeine auch bei den Schaltmännchen mit
veränderten Telopoditen des 1. Beinpaares zu unterscheiden
haben. Für die eine Entwickelungsweise, welche ich im 84. Auf-
satz eingehend besprochen habe, ist Tachypodoiulus albipes in
Chilognathen- Studien 63
Betracht zu ziehen. Wie man aus Abb. 1 und 3 daselbst S. 538
ersieht, unterliegt das Telopodit des 1. Beinpaares der Schalt-
männchen einer ausgesprochen rückschreitenden Entwicke-
lung, indem nicht nur Muskulatur und Endkralle verschwinden,
sondern auch die Telopoditglieder teils verkürzt werden, teils mehr
oder weniger verschmelzen. Dagegen ist keine Spur einer Unkus-
Anlage zu erkennen. Daraus müssen wir aber den Schluß ziehen,
daß bei Tachypodoiulus, ähnlich den Verhältnissen, welche ich im
84. Aufsatz, S. 568-570 für Leptoiulus auseinandergesetzt habe,
„die Anlagen der Unkusbeine und zwar deren Telopodite über-
haupt nicht im Inneren der alten Telopodite entstehen, sondern
in den Hüften ausgebildet werden. Der ganze lebendige In-
halt der Telopodite des 1. Beinpaares wird im letzten
Entwickelungsstadium aufgelöst, die Hypodermis zieht
sich in die Hüften zurück und von hier aus wird ein
neues‘ Telopodit erzeugt‘.
Diese ausgesprochene Metamorphose-Entwickelung des 1.
männlichen Beinpaares gilt offenbar für die Mehrzahl der Iu-
liden, nämlich auch für alle Arten ohne Schaltmännchen.
Um so interessanter sind diejenigen Formen, bei welchen die
Umwandelung des 1. Beinpaares in Häkchenbeine nicht
plötzlich vor sich geht, sondern unter Vermittelung
von ein oder zwei Schaltstadien, wobei sich also der Inhalt
des Telopodit nicht rein degenerativ verhält, sondern eine Um-
wandlung erfährt, welche als eine direkte Vorbereitung auf
die Ausbildung der großen Haken zu gelten hat.
Bei Schrzophyllum sabulosum var. rubripes zeigt sich also diese
direkte Vorbereitung darin, daß, wie im Vorigen geschildert wurde,
1. im Endgebiet des Telopodit eine Pigmentanhäufung statt-
findet und
2. die Unkusbildung schon unmittelbar dadurch eingeleitet
wird, daß die Tibia nach innen mehr oder weniger auswächst.
Die Entwickelungsweisen des 1. männlichen Beinpaares der
Iuliden können wir mithin unterscheiden als:
a) sprunghaft rückschreitende ber den Formen ohne
Schaltstadien;
b) vermittelnd rückschreitende bei Formen mit Schalt-
männchen, deren Telopodit des 1. Beinpaares sich rein de-
generativ verhält, wie bei Tachypodoiulus albipes und
c) vermittelnd vorbereitende bei Formen mit Schalt-
männchen, deren Telopodit des 1. Beinpaares den direkten
Übergang zu den Unkusbeinen bildet, wie bei Schizophyllum
sabulosum var. rubripes.
Die sog. „Halbfüße‘“ im Sinne von Hemipodoiulus sind also
ontogenetisch verschieden zu beurteilen, je nachdem sie eine Vor-
bereitung zur Unkusbildung aufweisen oder nicht. Zum ersten
Male beschrieb ich für Schizophyllum moreleti (S. 158 in Verh.
zool. bot. Ges. Wien 1894) ein 1. Schaltmännchenbein mit Vor-
12. Heft
64 Dr. K. W. Verhoeff:
bereitung auf die Unkusbildung. (In meiner damaligen Abb. IV
ist die Gliederbezeichnung natürlich falsch und übrigens auch
längst durch meine späteren, ausgedehnten, vergleichenden Unter-
suchungen berichtigt worden.) Daß aber solche vorbereitende
1. Beine auch in einer ganz anderen I uliden-Gruppe vorkommen
können, entnehme man aus meiner Abb. I und II für Cylindroiulus
nitidus Verh. in meinem Aufsatz ‚Über Doppelmännchen bei
Diplopoden‘, Nr. 605 des zoolog. Anzeigers 1900. Wir haben
es hier mit Schaltmännchen zu tun, deren 1. Beinpaar ein 3glied-
riges Telopodit mit Tibiotarsus besitzt, an welchem sich nach
innen ein dreieckiger Vorsprung zeigt als direkte Unkusvorbe-
reitung. Übrigens habe ich 1910 in den Jahresheften d. Ver.
f. vat. Nat. i. Württ., S. 343, darauf hingewiesen, daß der ‚„Halb-
fuß‘ der eben genannten Abb. II bei nıtidus rhenanus Verh. aus-
nahmsweise bei dem Reifemännchen erhalten bleibt.
f) Bemerkungen zu den Sehizophyllum (Bothroiulus)-Arten.
1. sabulosum Latzel. Unter den Iuliden-Arten der Ri-
viera ist Sch. sabulosum sowohl die variabelste als auch die in-
dividuenreichste, vielleicht auch die verbreitetste. Übrigens ist
keine zweite Landschaft bekannt, in welcher alle drei Varietäten
im Sinne des obigen Varietätenschlüssels vertreten sind und auch
fast alle Subvarietäten.
In geographischer Hinsicht verhalten sich aber diese drei
Varietäten sehr verschieden, denn die typische var. sabulosum ist
über die ganze Riviera vom Maurengebirge bis nach Pisa
verbreitet, wobei sie allerdings sich lokal sehr verschieden
verhält, indem sie an manchen Orten ganz zu fehlen scheint
und an anderen in verschiedenen Subvarietäten auftritt, während
var. albiventris auf das Gebiet von Alassio-Cap Mele beschränkt
ist und var. rubripes auf die französische Riviera, von welcher
sie nur bis Bordighera auf die italienische übergreift. In seinen
Diplopoden von Monako (Bull. du Musee Oc&anographique de
Monaco, 1905) gibt Brölemann für das Gebiet des ‚„Höllen-
staates‘‘ nur var. rubripes und zwar als ‚commun‘ an. Wie man
aber aus dem Folgenden ersehen kann, ist in diesem Gebiet auch
die var. sabulosum genug vertreten und zwar mit den Subvarietäten
punctulatum und namentlich apunctulatum.
a) var. albiventris m. Außer den schon im Vorigen erwähnten
und zur Aufzucht benutzten Individuen wurden von mir am 27.
und 28. IV. teils bei Alassio, teils bei Cap Mele 60 Weibchen
und Jugendliche, hauptsächlich unter größeren Steinen und Kräu-
tern, gesammelt. Bei dem größten ? von 58 mm Länge mit 99 Bein-
paaren bei 1 (2) beinlosen Endringen sind die hellen Rückenbinden
nur noch im hintersten Rumpfdrittel deutlich. Die allermeisten
Individuen besitzen die charakteristische, beschriebene Zeichnung
und zwar als kleinstes ein junges $ von 25 mm Länge. Im Übrigen
erwähne ich noch Sch. $ 32 mm mit 91 Beinp., Sch. $ 44 mm mit
Chilognathen-Studien 65
95 Beinp., j. 2 26 mm mit 89 Beinp., 3 (4) beinlose Endringe.
Die einzigen Jugendlichen, welche noch nicht die charakte-
ristische Zeichnung besitzen, sind ein j. d von 14 mm mit 67 B.,
ein j. d von 16%, mm mit 77 Beinp. und eine Larve von 101, mm,
alle drei noch graugelb mit scharf abgesetztem, schmalen Median-
streifen und verwischten dunklen Binden in der Höhe der Wehr-
drüsen. Zwischen 17 und 25 mm Länge wird also die charak-
teristische Zeichnung erworben, während die zwei gelbroten
Rückenbinden um so mehr in Flecke zerfallen oder eventuell ver-
drängt werden, je größer die Tiere geworden sind. Die elfenbein-
weißen Flanken sind aber bei allen Individuen von 25—58 mm
Länge in gleicher Weise ausgeprägt.
ß) var. rubripes Koch habe ich nachgewiesen aus dem Mauren-
und Esterelgebirge, von der Halbinsel Antibes, von Ospedaletti
und Bordighera. Bei Le Trayas im Esterel ist also die einzige
Gegend, in welcher ich im April 2 entwickelte Männchen er-
beutete und zugleich diese Art im Kiefernwalde unter Steinen
und Nadeln sammelte:
2 & 38-44 mm mit 95 und 97 Beinp. 2 (3) beinlosen Endringen,
2 Sch. $ 33 und 381%, mm mit 95 und 99 Beinp., 2 (3) beinl. End-
ringen.
Man vergl. auch im Abschnitt d) die gezüchteten Männchen.
2j. d 19 und 20%, mm mit 81 und 85 Beinp., 3—4 (4—5) beinl. -
Endr. Größtes 2 52 mm mit 103 Beinp., 2 (3) beinlosen End-
ringen.
Während sonst alle Individuen die charakteristische Ringel-
zeichnung aufweisen, ohne Spuren heller Rückenbinden, läßt das
j. d von 19 mm diese Spuren noch deutlich erkennen und bei
einem j. 2 von 171, mm (dem kleinsten) mit 83 Beinp. zeigt der
Rücken die 2 bekannten sabulosum-Längsbinden.
23 2 und j. 2 und 5 Schaltmännchen von Ospedaletti zu-
sammen in der Größe zwischen 231%—53 mm sind sämtlich schwarz
und grau geringelt.
Größtes 2 53 mm mit 103 Beinp., 2 (3) beinlosen Endringen.
5 Sch. & von 36%—47%, mm mit 93—103 Beinp. sind oben schon
z. T. genauer besprochen worden.
Auf der Halbinsel Antibes fanden sich namentlich in Ma-
quis unter Steinen 54 @ und j. 9, 4 Sch.g, 2 j. 2 und 22 Larven.
Während bei sämtlichen Tieren zwischen 22 und 50 mm Länge
der schwarze Körper keine Spur von Rückenbinden zeigt, sind
dagegen die 22 Larven von 7%,—131, mm Länge sämtlich grau-
gelb, besitzen nur einen schwarzen Medianstreifen und teilweise
in der Höhe der Poren mehr oder weniger deutliche dunkle Längs-
binden.
- Hier wie im Esterel zeigt es sich also mit aller Deutlichkeit,
da
1. die älteren schwarzen Individuen der var. rubripes sich aus
bandierten Jugendlichen entwickeln und
Archiv für Naturgeschichte
1920. A. ı 5 12. Heft
66 Dr. K.: W. Verhoeft:
2. in der Größe zwischen den dunklen Älteren und bandierten
Jüngeren eine beträchtliche Kluft besteht, welche darauf
hindeutet, daß in der Entwickelung dieser Tiere eine nam-
hafte Störung eintritt, für welche ich nur die heißen
Sommermonate verantwortlich machen kann.
Bei St. Raphael sammelte ich 25 meist jugendliche, aber
größtenteils schon schwarze Individuen auf krümeligem, dürren
Grunde im Schutze von rosettenartig ausgebreiteten Fuphorbien.
In den Olivenbeständen von Bordighera fanden sich außer
einigen sehr kräftigen Weibchen Jugendliche mit Längsbinden. —
Im Innern des Maurengebirges bei Le Muy ist mir rubripes nur
noch vereinzelt vorgekommen.
y) var. sabulosum‘?): Wenn auch, wie gesagt, diese Varietät
über die ganze Riviera ausgebreitet ist, so zeigt sie doch hinsicht-
lich ihrer Subvarietäten einen merkwürdigen geographischen
Gegensatz, insofern die typische subvar. brifasciatum nur in den
östlichen (Gebieten auftritt, während ich in den sämtlichen
westwärts von Cap Mele gelegenen Bezirken stets nur die
subvar. punctulatum und apunctulatum beobachtet habe. Traten
dort aber Individuen mit ‚bifasciatum-Färbung‘‘ auf, so handelte
es sich regelmäßig um Unreife.
Bei La Turbie in 350 —450 m Höhe gehörten unter 30 In-
dividuen alle Erwachsenen zu apunctulatum, desgl. unter etwa
30 Tieren aus den Olivenbeständen bei S. Remo. Auch einige im
Fossanthal bei Mentone und bei Grimaldi in einem Steinbruch
und an einem Abhang mit Oliven und Euphorbien erbeuteten
Stücke sind soweit erwachsen, nur apunctulatum, bandiert nur
unreife Tiere. Bei Touöt de Beuil (im Var-Gebiet) an einem Ab-
hang mit Oliven zeigten unter einem Dutzend Individuen selbst
die Jugendlichen z. T. den Übergang zu apunctulatum.
Nur bei St. Jean in Maquis unter Steinen und bei Le Muy
im Norden des Maurengebirges habe ich unter ca. 40 Individuen
außer apunctulatum auch einige Punctulatum unter den Erwach-
senen angetroffen.
Merkwürdig sind die beiden Subvarietäten annulatum und
exstinctum, welche ich ausschließlich bei Pegli beobachtet habe und
zwar auf Serpentin, teils im Flußgeröll, teils am Fuß hoher Felswände.
subvar. annulatum m. Pegli 30. IV. 1909: 224]. 9,4]. Ö.,
Größtes 2 43 mm mit 105 Beinpaaren, 2 (3) beinlosen Endringen,
größtes j. d 24 mm mit 95 Beinp., 2 (3) beinlosen Endringen,
1. Beinp. normal, 7. Ring geschlossen; j. $ 23 mm mit 91 Beinp.,
3 (4) beinlosen Endringen.
12) Unter dem Namen „Iulus thomasii‘‘ beschrieb Pocock (Res Li-
gusticae 1894) das Sch. sabulosum von Monako und zwar offenbar nach
der subvar. apunctulatum. Seine Abb. 4 und 4a sind zwar eine mangel-
hafte Darstellung der Gonopoden, lassen aber trotzdem deren charakte-
ristische Figentümlichkeiten wenigstens insofern erkennen, daß über sa-
bulosum gar kein Zweifel bestehen kann.
Chilognathen- Studien 67
Ebenfalls bei Pegli und zwar an einem quelligen Berghang
fanden sich 1 &, 1 9, 2j. 2, 1 Sch. &, 1 j. $ und 4 Larven von
8—9 mm.
3 31%, mm mit 93 Beinpaaren, 3 (4) beinlosen Endringen,
Sch. 4 28 mm mit 87 Beinpaaren, 4 (5) beinlosen Endringen,
j: d 241, mm mit 75 Beinpaaren, 3 (4) beinlosen Endringen.
Dieses oben schon im Abschnitt e) besprochene Schaltmännchen
ist offenbar ein Sch. $ I. Daher läßt es sich vorläufig noch nicht
sicher entscheiden, ob auch bei subvar. annulatum Schaltmännchen
vorkommen, welche ein 1. Beinpaar im Sinne derjenigen der var.
rubripes besitzen oder nicht. |
subvar. exstinctum m. Pegli 30. IV: 1909: 19,33. 9, 17- d.
2 36 mm mit 97 Beinpaaren, 2 (3) beinlosen Endringen,
j-. &27 mm mit 91 Beinp., 7. Ring geschlossen, 1. Beinp. normal.
Diese beiden Subvarietäten schließen sich durch die helle Ringe-
lung der Metazonithinterränder, durch Größe und Vorkommen so
auffallend an rubripes an, daß sie den Eindruck einer Vermitte-
lung zwischen var. rubripes und var. sabulosum hervorrufen.
subvar. bifasciatum kenne ich westlich von Genua an der
Riviera nur aus dem Gebiet von Savona und zwar von Albissola,
aus dem Letimbrotal und von der Küste bei Bergeggi-Spotorno.
Von diesen Plätzen liegen ebenfalls von Mitte April vor: 79,
Ir ir
Q (größtes) 501, mm (4 mm dick), 103 Beinpaare, 2 (3) beinlose
Endringe,
2 33 mm (3%, mm dick), 93 Beinpaare,
j. & 20% mm, 87 Beinpaare, 4 (5) beinlose Endringe.
subvar. Punctulatum: 3 9 sammelte ich bei Albissola und
Bergeggi-Spotorno.
subvar. apunctulatum: 7 2 an denselben Orten und bei Noli.
Im Abschnitt d) habe ich oben schon darauf hingewiesen,
daß die Erscheinung der Reifemännchen in den Mittelmeer-
ländern bei sabulosum und verschiedenen anderen Arten im hohen
Grade von Klima und Jahreszeit abhängt. Demgemäß konnte
ich im April unter etwa 400 Individuen nur drei Reifemännchen
nachweisen. Im schroffsten Gegensatz dazu, aber in bestem Ein-
klang mit meinen oben besprochenen Zuchtversuchen, stehen
meine sabulosum-Funde vom 29. IX. 99 aus der Nachbarschaft
von Pisa, wo ich 31 $ und j. d mit 25 2 und j. 2 sammelte. Hier
hat also das männliche Geschlecht nicht nur die Majorität, son-
dern es bilden sogar die Reifemännchen mit 29 die Mehrheit.
Unter ihnen fand sich nur ein $ der forma elongatissima von 31 ), mm
Länge mit 97 Beinpaaren. Die übrigen $& der f. elongata besitzen
bei 221,—261, mm 85—89 Beinpaare.
2. ilieis Brölemann. Im Abschnitt 4a habe ich diese Art
bereits erwähnt und gebe nach einem vom Autor selbst erhaltenen
Männchen eine Ergänzung zu seiner Beschreibung im Feuille d.
jeunes Nat., Nr. 318, 1897, deren beigegebene Abbildungen sehr
5* 12. Heft
68 Dr. K. W. Verhoeff:
ungenau sind. Seine Abb. XXIV ist ein unrichtiges Schema,
welches über die Innenrippe keine zutreffende Auskunft gibt. Die
Grundrippe (/r, Abb. 21) läuft durch die zwei grundwärtigen Drittel
der Promerite und endigt mit einem sehr kleinen Zäpfchen (e),
also weit entfernt von dem Endhöcker. Die Grundhälfte der
Innenrippe verschmälert sich allmählich nach endwärts, die End-
hälfte bleibt gleichmäßig dünn. Die Telopodit-Rudimente, welche
sich neben der Grundhälfte als ein dünner, abgerundeter Lappen
erheben, wollte Brölemann (S. 10) als ein ‚flagellum denature‘
betrachten. Daß sie dies nicht sein können, ergibt sich ganz ein-
fach aus der Tatsache, daß diese Telopodit-Rudimente auch
bei Iuliden vorkommen, welche Flagella besitzen. Promerite
fast viermal so lang wie am Grunde breit. Die von Brölemann
in seiner Abb. XXIII viel zu breit gezeichneten Mesomerite
erscheinen, je nach der Richtung in welcher man sie betrachtet,
am Ende einfach abgerundet oder seitlich vorragend, indem eine
gebogene Lamelle vorspringt, unter welcher man eine grubige.
Aushöhlung bemerkt. Die nach vorn und außen umgebogenen
Solänomerite (Abb. 19) sind hinter der Rinnenmündung (a)
grubig ausgehöhlt, während in der äußeren weiten Buchtung ein
ziemlich breites und schwach gezähneltes Velum vorragt. Die
breiten, innen muschelig ausgehöhlten Paracoxite (Abb. 20)
sind etwas gegen die Solänomerite gebogen und ihnen zugekehrt
ist auch der eckig vorragende Lappen (b). Zwischen Coxit und
Mesomerit ist ein häutiger Buckel (h) ausgespannt.
Das 1. Beinpaar & besitzt verhältlich kurze und schwache
Haken, die Telopodite erscheinen unvollständig dreigliedrig.
Die Beinpaarzahl gab Brölemann für beide Geschlechter
auf ‚„107—115‘° an, das von mir untersuchte $ besitzt 109 Bein-
paare.
Entsprechend ihrem schlanken Körperbau ist zlicis also durch
eine für Schrzophyllum ungewöhnlich hohe Ring- und Beinpaar-
zahl ausgezeichnet.
3. parallelum fiesolense n. subsp. (Man vergl. auch Nr. 8).
Das einzige Männchen, schwarz und völlig ohne Rückenbinden,
fand ich in Gebüschen bei Florenz (Fiesole): 31 mm lang mit
83 Beinpaaren, 2 (3) beinlosen Endringen.
4. hispanieum Verh. 1910. Außer den Individuen von schon
früher genannten Plätzen habe ich noch eine Reihe weiterer In-
dividuen untersucht, welche alle durch ihre tiefschwarzen
Beine ausgezeichnet sind und hinsichtlich der Gonopoden mit
den früher beschriebenen übereinstimmen, nämlich 20 9, 12 &,
9 j. 92, 2j. $ von Aranyos, El Canal, Madrid, Montano, Villalba
und Valencia. Der Rücken der erwachsenen Tiere von Madrid ist
durch einen brandrötlichen Anflug ausgezeichnet, der mir der
Ausdruck starker Sonnenwirkung auf der kastilischen Hochebene
zu sein scheint.
dd von 52-37 mm mit 83 und 89 Beinpaaren.
Chilognathen- Studien 69
5. olivarum n. sp. 2 27 mm, & 2413 mm lang, beide mit
81 Beinpaaren und 2 (3) beinlosen Endringen.
Körper braunschwarz, mit graugelben bis graubraunen Rin-
geln, zwischen welchen sich schwärzliche Drüsenfleckchen abheben.
Beine gelblich.
Äußerlich mit albolineatum (H. Luc.) so übereinstimmend und
überhaupt dieser Art so unzweifelhaft nächst verwandt, daß eine
weitläufige Beschreibung der Gestalt und Skulptur überflüssig ist. -
Furchung der Metazonite etwas weitläufiger wie bei albolineatum,
die Porenlage ganz wie bei diesem, desgleichen an den Prozoniten
feine, vorwiegend schräg gewundene Streifen.
Die Gonopoden (Abb. 13—15) sind bereits durch den obigen
Schlüssel genügend gewertet worden und verweise ich auf die des
nächstverwandten albolineatum. Meine Abb. 16—18 des letzteren
mögen zugleich eine Ergänzung geben für Brölemanns Beschrei-
bung (Feuille d. j. Natur. Nr. 359, 1900), in welcher übrigens der
männliche Kopulationsapparat zum ersten Mal erörtert worden ist,
womit Brölemann zugleich den Beweis erbrachte, daß der
„Julus albolineatus Lucas‘‘ wirklich ein Schizoßhyllum ist.
Für olivarum möge noch Folgendes hervorgehoben werden:
Vordere Beinpaare des Männchen ohne Besonderheiten, d. h. wie
bei den verwandten Arten. Die Fortsätze des 7. Pleurotergit sind
am Ende breit abgerundet, zugleich grubig ausgehöhlt, die Höhlung
nach vorn geöffnet. Velum (ve, Abb. 14) schmäler (als bei albo-
lineatum), zugleich weniger stark gebogen und ungezähnelt. Die
Paracoxite (b, Abb. 14) verschmälern sich gegen das Ende stärker
(als bei albolineatum), besitzen nur eine kleine Ecke und erscheinen
daher am Ende nicht vogelkopfartig.
Vorkommen: Von dieser anscheinend seltenen Art habe ich
am 6. IV. 1909 in den Olivenbeständen bei S. Remo 19,2%
erbeutet, aber an keinem der anderen zahlreichen von mir besuchten
Rivieraplätze ist mir dieselbe sonst wieder vorgekommen.
6. albolineatum (H. Lucas) Bröl. 1900 (?= aleator Pocock,
Res Ligusticae 1894). Brölemanns Abbildungen sind zwar etwas
ungenau gehalten, stimmen aber doch teilweise hinsichtlich der
durch den obigen Schlüssel als diagnostisch bedeutsam hervor-
gehobenen Charaktere mit meinen Befunden überein. Eine Aus-
nahme macht jedoch das Velum, welches ich stärker eingebogen
fand und innen vor und an dem Ende 2--3spitzig.
In Übereinstimmung mit Brölemann habe ich diese Art
bisher nur an der französischen Riviera gefunden und zwar im
April bei Cap Antibes 1 3, 1 2 unter Pflanzenabfällen und Laub
von Quercus ilex, 1 @ bei Grimaldi am Berghang unter Oliven,
1 8 bei Le Trayas im Esterel.
Während Brölemann ohne Unterscheidung der Geschlechter
die Beinpaarzahlen auf ‚81 & 89‘ angibt, fand ich Folgendes:
Weibchen 25—30 mm, mit 79—87 Beinpaaren,
Männchen 21-22 mm, mit 75 und 77 Beinpaaren.
12. Heft
70 Dr. K. W. Verhoeff:
Von der Identität des aleator Pocock (den der Autor von Nervi
und Monaco angibt), mit albolineatum bin ich um so weniger über-
zeugt, als Pocock die charakteristische helle Rückenbinde über-
haupt nicht erwähnt. Hinsichtlich der Gonopoden des aleator
kann zwar kein Zweifel bestehen, daß sie einem Bothroiulus an-
gehören, auch vergleicht Pocock selbst (Res Ligusticae 1894,
S. 12 (516) seinen aleator mit mediterraneus Latzel, aber die Be-
‘“ schreibung und Abbildungen sind so oberflächlich, ohne alle ver-
gleichend-morphologische Beziehungen, daß der aleator wahr-
scheinlich eine dunkle Art bleiben wird. Übrigens hat Pocock
das Sch. albolineatum unter dem Namen ‚„Ophiiulus unilineatus
C. Koch‘ aufgeführt.
7. elavigerum n. sp.. 3 27 mm lang, 1?/, mm breit, also für
diese Gattung recht schlank, mit 83 Beinpaaren, 2 (3) beinlosen
Endringen.
Fast vollständig graugelb, also vor allen übrigen Bothroiulus
durch sehr hellen Körper ausgezeichnet, mit feinem schwarzen
Medianstreifen, welcher im Gebiet der Prozonite fleckenartig er-
weitert ist. Flanken mit dunkeln Wehrdrüsenflecken. Backen des
g deutlich aber nur mäßig vorragend, die zahlreichen Ocellen
treten kräftig hervor. Beine gelb.
Wehrdrüsenporen entschieden hinter den Nähten gelegen,
auch in der Vorderhälfte des Körpers. Die Prozonite sind, im
(Gegensatz zu den meisten anderen Bothroiulus, vor den Poren
nur undeutlich gestreift, statt der Streifen vielmehr punk-
tiert. Metazonite kräftig und dicht gefurcht. Präanaler Fortsatz
ziemlich lang, gerade und spitz, am Ende beborstet, präanale
Schuppe ohne vorragende Spitze. Analklappen an der Innen-
hälfte reichlich beborstet.
Stämme des Gnathochilarium des $ mit 16-17 dicht zu-
sammenstehenden Borsten. 1. Beinpaar von typischem Bau, die
folgenden an Postfemur und Tibia mit den gewöhnlichen, kräftigen,
fein und dicht gestreiften Polstern. Drüsenporen in den Hüften
des 2. Beinpaares vorn hinter der Mitte gelegen. Penes mit drei-
eckigen Spitzen, zwischen denselben ein abgerundetes Läppchen,
von ?/, der Breite jedes Penis.
Fortsätze am 7. Pleurotergit abgerundet, leicht nach vorn
gebogen, am Ende grubig ausgehöhlt.
Gonopoden entschieden nach dem Bothroiulus-Typus ge-
baut, aber durch verschiedene Charaktere vor denen aller be-
kannten anderen Arten ausgezeichnet.
Die Promerite (Abb. 23) erinnern an diejenigen mehrerer
anderer Bothroiulus-Arten, namentlich olivarım und albolineatum,
sind aber durch eine außerordentlich dicke, innere Längsrippe (Ir)
ausgezeichnet, welche am Ende mit einem dicken Knopf (e) in
die Endbucht vorragt. Der dreieckige Endfortsatz ist fast spitz
und etwas nach innen gebogen. Besonders kräftig ist auch das
Telopoditrudiment (y), welches sich neben der Mitte der Längs-
Chilognathen- Studien 1
rippe befindet und ungefähr die Hälfte der Promeritbreite ein-
nimmt. Die fingerförmigen Mesomerite sind am Ende einfach
abgerundet und besitzen außer einem abgekürzten Käntchen
keinerlei Auszeichnung. Die Solänomerite (Abb. 24) sind vor
denen aller anderen Bothroiulus-Arten durch ein blasenartiges,
häutiges Kissen (R) ausgezeichnet, welches-am Ende gelegen, eine
keulige Gestalt hervorruft und wahrscheinlich schwellbar ist.
Das zarte, vor der Mündung der Spermarinne (r) gelegene
Velum (ve) ist dünn, leicht gebogen und sehr zart gezähnelt.
Aus einem breiten, am abgeschrägten Endrand mit kurzem, ab-
gerundetem Höcker (h) vorragendem Coxit erhebt sich außen
ein längliches, muschelig ausgehöhltes Paracoxit (fr), dessen
Ende in Gestalt eines abgerundeten Zipfels zurückgebogen (b)
und außerdem etwas gedreht ist.
Vorkommen: Das einzige Männchen meiner Sammlung ver-
danke ich Herrn Prof. J. Bolivar, es stammt von ‚Muraflose
a Cercedilla‘“ in Spanien, einem vermutlich im kastilischen Scheide-
gebirge gelegenen Orte.
8. parallelum faueium n. subsp. 2 24 mm, mit 81 Beinpaaren
3 (4) beinlosen Endringen.
Hell und dunkler geringelt, indem die Prozonite graubraun,
Metazonite grauweiß, Rücken mit ziemlich breitem, schwarzem
Medianstreifen, in den Seiten undeutliche Drüsenfleckchen,
Beine graugelb, Collum braun, hinten schmal, vorn breit grauweiß,
Kopf vorn grau, hinten braun, die Haufen der sehr convexen
Ocellen schwarz und scharf abgesetzt.
Collumseiten nur mit wenigen schwachen Streifenansätzen,
Drüsenporen an den meisten Ringen die Naht berührend oder
fast berührend, nur im hintersten Rumpfviertel etwas abgerückt.
Vom Habitus des albolineatum und oliwvarum, aber leicht unter-
scheidbar durch den schwarzen Rückenstreifen und die (in Über-
einstimmung mit darallelum) vor den Drüsenporen ganz fehlende
Prozonitstreifung, zartere Streifung der Metazonite und kürzeren
Präanalfortsatz. Letzterer verläuft ganz gerade und ist mäßig
lang, während er bei jenen beiden Arten in eine feine und etwas
nach oben gebogene Endspitze ausgezogen. Durch den Präanal-
fortsatz und die Lage der Poren unterscheidet sich faucium auch
sofort von sabulosum.
Stimmt sonst in jeder Hinsicht mit Parallelum überein, unter-
scheidet sich aber durch den schmäleren, schwarzen Rückenstreifen,
durch die hellen, alles dunklen Pigmentes entbehrenden Flanken,
den Mangel der gelbroten, seitlichen Rückenbinden, die viel
helleren Beine und den kürzeren, weniger schlanken Präanalfort-
satz. Gemeinsam mit darallelum unterscheidet sich faucium von
den verwandten Arten durch die schwächere Skulptur der
Prozonite, welche sehr fein punktiert und sehr fein, unregelmäßig
und verhältlich spärlich längs- und schräg gestreift.
12. Heft
172 Dr.-K, W. Verh.oeff:
Vorkommen: In den Gorges du Cian der Seealpen fand ich
außer dem genannten Weibchen eine Larve von 13 mm. Letztere
ist ganz lehmgelb, der schwarze Rückenstreifen sehr schmal, die
schwarzen Drüsenfleckchen deutlicher ausgeprägt.
Erst das entwickelte, noch unbekannte Männchen kann ent-
scheiden, ob meine Auffassung dieser Form als Rasse des Paral-
lelum richtig ist.
g) Über die Schizophyllum-Untergattungen, Eleuthetoniie Verh.
und Elaphophylium n. subg.
Die Untergattung Eleutheroiulus ist nach unsern bisherigen
Erfahrungen auf die Pyrenäenhalbinsel beschränkt und gab ich
auf S. 207 meiner Diplopoden-Arbeit in den Nova Acta 1910
einen Schlüssel für die fünf bis dahin bekannten Arten. Die für
diese Gruppe sehr charakteristischen Solänomerite sind nicht
nur auffallend dick und aufgetrieben, sondern auch dadurch aus-
gezeichnet, daß sich statt eines flagelloiden Fortsatzes oder eines
dünnen, blattartigen Gebildes, welches mit der Spermarinne her-
ausragt, eine Höhlung oder Grube- vorfindet, deren zahllose
Spitzchen einen das Sperma aufsaugenden Bezirk bilden
(Abb. 28 si), von welchem es dann allerdings ebenfalls durch
eine Rinne (r) in die allen Schizophyllum-Gruppen gemeinsame,
umwallte Fovea (/v) weiterfließt und sich ansammelt. Man
kann die mit Spitzchen und Härchen besetzten terminale Grube
(si) als Trichobothrium von der basalen Flasche oder
Fovea unterscheiden.
Schon 1910 ist mir das Sch. armatum Verh. durch seine etwas
aberrante Stellung unter den Eleutheroiulus-Arten aufgefallen.
Nachdem mir jetzt eine zweite, dem armatum. sehr nahe stehende
Art bekannt geworden ist, zerlege ich diese Gruppe in die beiden
folgenden Untergattungen.
I. Eleutheroiulus s. str.: |
Promerite gleichbreit oder gegen das Ende verschmälert,
Mesomerite am Ende in zwei Spitzen geteilt. Größere Arten mit
81—87 Beinpaaren; oliveirae, lusitanum, dorsovittatum und estrel-
lanum Verh.
II. Elaphophyllum n. subg.:
Promerite ungewöhnlich breit, gegen das Ende noch ver-
breitert (Abb. 25), Mesomerite am Ende in drei Spitzen geteilt.
Kleinere Arten mit 71 und 73 Beinpaaren; armatum Verh. und
cormigerum n. SP.
Schizophyllum (Elaphophyllum) cornigerum n. sp.
2 30 mm lang, mit 79 Beinpaaren und 2 (3) beinlosen Endringen,
5 28%, mm lang, mit 73 Beinp. und 2 (3) beinlosen Endringen.
Körper schwarz und grau geringelt, Beine schwarz mit grau-
weißen Polstern. In Färbung, Größe, Gestalt und Struktur dem
armatum äußerst nahe verwandt, mit ihm auch in der Präanal-
schuppe übereinstimmend, indem dieselbe nur mit schwachen
Chilognathen- Studien 73
Spitzchen vorragt, aber von armatum und dorsovittatum nebst
estrellanum gemeinsam unterschieden, durch die in der vor-
deren Körperhälfte dicht hinter der Naht gelegenen
Drüsenporen, vor welchen die Naht zugleich nur schwach
oder gar nicht vorgebogen ist. Von oliveirae und lusitanum (welche
also hinsichtlich der Porenlage mit ihm übereinstimmen) unter-
scheidet sich cornigerum durch die nur schwach vorragende Prä-
analschuppe. Furchung der Pro- und Metazonite wie bei armatum,
aber entschieden kräftiger ausgeprägt, besonders die Schrägfurchen
auf den Prozoniten. Bei beiden Arten nehmen die hellen Ringel die
ganze Breite der Metazonite ein. Die vorderen männlichen Beinpaare
zeigen nichts Besonderes gegenüber denen der verwandten Arten.
Auch die Penes gleichen denen des armatum, sind also lang und
spitz, getrennt durch einen medianen Lappen. In diesen erstreckt
sich aber bei cornigerum ein dunkler Pigmentstreifen, welcher
sich in der Trennungswand der beiden Vasa deferentia befindet.
Fortsätze des 7. Pleurotergit des $ ziemlich lang, abgerundet-
dreieckig, schräg nach innen und vorn gerichtet, der Hinterrand
mit flach-stumpfem, der Vorderrand mit etwas kleinerem stumpfem
Winkel. Vorn innen zieht sich quer eine Leiste, durch welche
eine tiefe, vordere Aushöhlung begrenzt wird.
- Die Gonopoden stehen ebenfalls denen des armatum in
allen Teilen sehr nahe und stimmen teilweise auch vollständig
damit überein.
Auffallend unterscheiden sich besonders die Promerite (Abb.
25) durch eine sehr tiefe Endrandausbuchtung, (welche bei
armatum völlig fehlt) während außerdem am Endrand keine Zahn-
ecke vorkommt. (Bei armatum steht dieselbe innen von der Mitte,
ist aber in meiner Abb. XV auf S. 206 in den Nova Acta 1910
nicht deutlich genug zum Ausdruck gekommen.)
Mesomerite (Abb. 26) mit denen des armatum fast iden-
tisch, nur ist die Bucht zwischen dem mittleren (b) und inneren
Fortsatz (a) fast kreisbogig gerundet, bei armatum breiter und
jederseits fast stumpfwinkelig.
Die Paracoxitfortsätze (Abb. 27 pr) sind am Ende hakıg
Mesomerit vor der Mitte plötzlich und stark verbreitert, der
Endfortsatz umgebogen, in der Grundhälfte allmählicher verbreitert
als bei armatum und weniger gebogen. (Für armatum verweise ich auf
Abb. XXII Nova Acta 1910, S. 235, die P.-Fortsätze sind mehr
S-förmig geschwungen, am Ende nicht hakig umgebogen und in
der Grundhälfte weniger verbreitert.) Eine quere Streifung ist
bei beiden Paaren zu finden.
In den Solänomeriten (Abb. 28) stimmen beide Arten fast
vollständig überein. Der keulige Endfortsatz (k) beugt sich über
ein Trichobothrium (si), welches zur Aufsaugung des Spermas
fast allenthalben mit sehr feinen und kurzen Härchen dicht besetzt
ist. Die kurze, geschwungene Spermarinne (r) verbindet das
Trichobothrium mit der Fovea.
127 Heft
74 Dr. K. W. Verhoeff:
Vorkommen: Ein Pärchen dieser Art, welches ich von
Prof. Bolivar erhielt, stammt ebenfalls von ‚‚Muraflose A Cerce-
dilla‘“, also wahrscheinlich aus dem Kastilischen Scheidegebirge.
h) Schlüssel für die Hemipodoiulus-Arten, fissum n. sp.
Auf S. 187 in den Nova Acta 1910 habe ich bereits auf meine
gegenüber 1892 und 1894 veränderte Auffassung der Untergattung
Hemipodoiulus hingewiesen und in meinem Schlüssel der Unter-
gattungen auf S. 195 findet man dieselbe als 5. und letzte auf-
geführt.
Meine erneute Durcharbeitung der Bothroiulus- und Hemi-
podoiulus-Arten veranlaßt mich zu der folgenden, neuen und er-
weiterten Gegenüberstellung beider Untergattungen:
Hemipodoiulus:
Promerite hinten außen mit
einer breiten, nach endwärts
spindelig auslaufenden An-
schwellung (w Abb. 29). In-
nere Längsrippe (/r) mehr oder
weniger verkümmert und höch-
stens bis zum Ende des Telopo-
dit-Rudiment reichend, also nie-
mals über die Mitte hinaus aus-
gedehnt. Mesomerite gegen das
Ende keulig verdickt oder ver-
breitert und über die Keule mit
einemlängeren Fortsatz hin-
ausragend (Abb. 30 und 32).
Paracoxite in 3—4 Spitzen oder
Seitenästezerteilt, das Ende
des Coxit abgerundet oder spitz
über die Basis des Paracoxit vor-
ragend (Abb. 31).
Bothroiulus;
Promerite hinten außen nie-
mals mit einer breiten An-
schwellung.
Innere Längsrippe selten feh-
lend (sabulosum) gewöhnlich
kräftig ausgebildet und mehr
oder weniger weitüber die Mit-
te hinausreichend (l/r Abb.
13, 16, 21,722528):
Mesomerite fingerförmig,
nicht keulig, (Abb. 15 und 17)
am Ende entweder ganz einfach,
oder hakig umgebogen oder mit
1—2 Spitzen.
Paracoxit entweder einfach
fingerförmig und am Ende spitz
oder keulig umgebogen oder
länglich und breit, zugleichinnen
muschelig ausgehöhlt; in beiden
Fällen niemals in Äste zerteilt
(Abb. 14, 18, 20 und 24).
Für die vier bisher bekannt gewordenen Hemipodoiulus-
Arten, von welchen die drei übrigen auf die Pyrenäenhalbinsel
beschränkt sind, moreleti dagegen auch in verschiedenen nordwest-
afrikanischen Gebieten gefunden wurde, gebe ich folgenden
Schlüssel:
a) Promerite am Endrand einfach zugerundet, nicht zer-
teilt. Der größere Nebenfortsatz des Solänomerit ist gegen das Ende
verbreitert, keulig, aber zugleich blattartig dünn.
x Mesomerite vor der Mitte plötzlich und stark. ver-
breitert, der Endfortsatz säbelig gebogen, gegen die Endspitze
erst im Enddrittel verschmälert, neben seinem Grunde ein etwas
zurückgebogenes Zähnchen. Promerite hinten vor dem Ende mit
einem ziemlich langen, nach hinten herausragenden Zapfen.
Chilognathen-Studien 75
Solänomerite gegen das Ende angeschwollen, aber ohne heraus-
ragenden Lappen, der dünne Endfortsatz mäßig lang. Das Ende
des dreieckigen Coxit nimmt eine dreieckige Spitze ein. Von den
drei Seitenästen des Paracoxit ist der grundwärtige etwas gegen
das Coxitende zurückgebogen, sitzt aber etwas über ihm und
ragt daher im Profil frei heraus. Von den beiden am Ende
befindlichen, entgegengesetzt stehenden Ästen ist der äußere,
(dem Solänomerit zugekehrte) bedeutend stärker als der innere.
— d 35—38 mm mit 89 oder 91 Beinpaaren.
1. moreleti (H. Lucas) (= Aarschi Verh.)
x x Mesomerite von der Gegend vor der Mitte bis zum Ende
ganz allmählig verbreitert, der Endfortsatz im Grunddrittel ge-
bogen und verschmälert, im übrigen gerade und fast gleichmäßig
dünn bleibend, neben seinem Grunde kein Zähnchen. Promerite
hinten vor dem Ende nur mit einem kleinen Zähnchen. Soläno-
merite am Ende mit einem abgerundeten Nebenlappen und hinter
diesem mit einem sehr langen nnd äußerst fein auslaufenden End-
fortsatz. Das Ende der dreieckigen Coxite ragt empor, ist aber
abgerundet. Von den drei Seitenästen des Paracoxit ist der
grundwärtige ganz gegen das Coxit zurückgebogen, bleibt unter
dem Coxitende und ragt im Profil nicht heraus. Die beiden andern
am Ende befindlichen Äste stehen entgegengesetzt, der innere
ist bedeutend stärker entwickelt als der äußere. & 36—37 mm
mit 85 Beinpaaren.
2. cervinum Verh. 1910.
b) Promerite am Endrand durch tiefe Einbuchtung in
zwei Fortsätze geteilt (Abb. 29), deren innerer nach endwärts
gerichtet, während der kürzere äußere hakig nach innen umgebogen.
Der größere Nebenfortsatz des Solänomerit ist gegen das Ende
verschmälert.
x Der innere Promeritfortsatz ist hornartig nach endwärts
und außen gebogen, der äußere breiter und kürzer als bei bipartitum
(Abb. 29). Der größere Nebenfortsatz des Solänomerit ist schnell
verschmälert, erscheint daher dreieckig und ist am Ende in eine
dünne, lange Spitze ausgezogen. Von den zwei Endspitzen des
vierspitzigen Paracoxit ist der größere hakig nach innen gekrümmt,
der kleinere fast rechtwinkelig zu ihr gegen den Grund gebogen,
während der Zahn außen an der Biegung nur sehr schwach ent-
wickelt (Abb. 31 fr). Das Ende des Mesomerit ist spitz-zahnartig
zur Seite gebogen. Die innere Längsrippe der Promerite reicht
fast bis zum Ende der Telopodit-Rudimente (Abb. 29 Ir). —
d 26 mm mit 83 Beinpaaren.
3. fissum n. Sp.
x x Der innere Promeritfortsatz gerade nach endwärts
gerichtet, zugleich länger als bei fissum, sein Ende als kleines Häk-
chen etwas nach hinten gerichtet. Der größere Nebenfortsatz des
Solänomerit ist allmählig verschmälert, sein Ende nicht dünn aus-
12. Heft
76 Dr. K. W. Verhoeff:
gezogen. Die zwei Endspitzen des vierästigen Paracoxit sind beide
nach innen gerichtet, der Zahn außen an der Biegung ist kräf-
tiger als bei fissum. Ende der Mesomerite nur schwach umgebogen.
Die innere Längsrippe der Promerite bleibt weit zurück hinter
dem Ende der Telopodit-Rudimente. — 330 mm mit 85 Beinpaaren.
4. bipartitum Verh.
Schizophyllum (Hemipodoiulus) fissum n. sp.
9 221, mm mit 81 Beinpaaren und. 3 (4) beinlosen Endringen,
326 mm mit 83 Beinpaaren und 3 (4) beinlosen Endringen. Körper
heller bis dunkler braun, Beine gelblich, Rücken mit schwarzem
Medianstreifen. Stimmt äußerlich vollkommen mit bidartitum über-
ein, auch hinsichtlich der weit geöffneten Gonopodentasche, aus
welcher die Copulationsorgane zur Hälfte hervorschauen.
Gnathochilarium-Stämme des 3 mit 15—16 zusammengedräng-
ten Borsten. Der abgerundete Lappen zwischen den Penes ist
so breit wie jeder derselben. Fortsätze am 7. Pleurotergit des &
am Ende abgerundet, mäßig lang, vorn leicht, hinten tief und fast
rechtwinkelig eingebuchtet. Innen erstreckt sich vom Ende des
Fortsatzes her quer nach außen ein vorn und hinten kantig be-
grenzter Wulst, welcher zwei Aushöhlungen überragt, deren hin-
tere tiefer als die vordere. In der Tasche hinter den Gonopoden
bildet die Taschenhaut eine am Ende mit einer Falte (ab Abb. 33)
abschließende Ouerwand. Die Falte ist in derMitte (a) abgestutzt
und jederseits bogig vorgewölbt (5b). In der Querwand verlaufen
nach endwärts gegen die Falte drei Längswülste, deren mitt-
lerer (mw) nach endwärts T-förmig verbreitert, während die seit-
lichen noch breiter sind und in der Mitte einen nach innen vorge-
wölbten Buckel (k) tragen. Zwischen den drei Längswülsten be-
merkt man zwei breite vertiefte Felder (fo) gegen die äußeren
Längswülste durch Rinnen abgesetzt. Im Bereich der Felder und
Wülste, namentlich des mittleren liegen zahllose drüsige Hypo-
dermiszellen, welchen sehr feine Porenkanäle entsprechen. Wahr-
scheinlich scheiden dieselben einen im Bereich ‘der Felder sich
sammelnden Saft ab.
Die wichtigsten Gonopoden-Charaktere findet man im obigen
Schlüssel: Ergänzend hebe ich noch folgendes hervor. Die Solä-
nomerite sind denen des bipartitum sehr ähnlich, bestehen also
außer dem säbelig gebogenen Rinnenfortsatz aus einem großen,
dicht neben der Rinnenmündung endigenden Nebenfortsatz und
einem viel kürzeren, spitzen kleinen Nebenfortsatz neben der Basis
des Rinnenfortsatzes. Während das Ende des größeren Neben-
fortsatzes (wie aus meiner Abb. XIV, S. 206 Nova Acta 1910 und
Abb. XX daselbst S. 235 ersichtlich), bei bipartitum mit kleinen
Spitzchen büschelig besetzt, läuft es bei fissum einfach aber dünn
spießartig aus. Das Ende des Rinnenfortsatzes (bei bidartitum
hakig umgebogen, Nova Acta 1910 Abb. XIX, S. 2 erscheint bei
fissum nur schwach gebogen.
Chilognathen- Studien 77
Vorkommen: 25&1% dieser Art, welche ich durch Prof. Bo-
livar erhielt, trugen den Zettel „Villa Rutis‘‘, vermutlich ein Platz
in der Nachbarschaft von Madrid. Auf meine briefliche Anfrage
um genauere Auskunft über einige spanische Funde habe ich leider
bisher keine Nachricht erhalten.
i) Ergänzung zu Solaenophyllum Verh. 1910.
In meiner Diplopoden-Arbeit Nova Acta 1910 habe ich
auf S. 195 die neue Gruppe Solaenophyllum als zweite Untergattung
von Schizophyllum aufgeführt. Wenn ich dieselbe jetzt als selbst-
ständige Gattung auffasse, so geschieht es deshalb, weil sie
einerseits hinsichtlich der Gonopoden eine sehr isolierte Stellung
einnimmt und anderseits auch äußere Charaktere sie leicht von
ellen Schizophyllum-Arten unterscheiden lassen. Folgende Merk-
male sind für Solaenophyllum maßgebend:
1. Die Gonopoden und zwar
a) die der Länge nach tief ausgehöhlten Mesomerite, welche
mit einer Längsrippe und einem ihr gegenüberstehenden Lap-
pen die Aushöhlung überragen und dadurch ein etwas rollen-
artiges Aussehen erhalten,
b) die höchst einfachen, nur aus einem Rinnenfortsatz bestehen-
den Solänomerite,
c) die Coxite, welche in ein blattartiges, am Endrand gezähneltes
Paracoxit aufragen.
2. Die Seitenlappen des Collum, indem deren Vorderrand
deutlich ausgebuchtet ist, während hinter der Ausbuchtung die
Randfurche besonders vertieft.
(Bei Schyzophyllum verläuft der Vorderrand der Collum-Seiten-
lappen gerade, oder besitzt nur eine Andeutung von Ausbuchtung.)
3. Findet sich eine eigentümliche, durch Abb. 34 und 35 er-
läuterte Auszeichnung der Analklappe, mit welcher es folgende
Bewandtnis hat:
Eine wulstige, den Innenrand der Analklappen begleitende
Längsrippe biegt an ihrem oberen Ende unter scharfem, fast
rechtem Winkel nach außen um und zieht als kurze Oberrippe
nach vorn, in deutlichem Abstand vom Rand des präanalen
Fortsatzes, wodurch ander Basis desselben jederseitseinschmales
auch von obenher sichtbares kleines Feld, dasOberfeld-
chen, areola superior, abgegrenzt wird (39, a Abb. 34 und 35).
[Die Längsrippe als ein Analklappen-Randwulst findet sich auch
bei Schizophyllum und auch in dieser Gattung biegt sie oben nach
vorn um. Aber der nmgebogene Teil ist nicht nur an sich viel
schwächer als bei Solaenophyllum, sondern auch dichter an den
präanalen Fortsatz gedrängt und deshalb macht sich von oben her
.kein abgegrenztes Feldchen bemerkbar. ]
Die einzige Art dieser Gattung corunnense Verh. 1910 Nova
Acta, ist bisher nur aus der Gegend von Corunna bekannt.
12. Heft
78
Su VD)
sehr ähnlich).
Dr. K. W. Verhoeff:
Inhaltsübersicht;
. Glomerridae
Stenopleuromeris und Eur yhleuros omeris .
Zwei Stenopleuromeris-Arten aus Algier j
Über Glomeris-Arten im Kaukasus (Glomeris kubana n. 1. sp).
Glomeris (Eurypleuromeris) larii n. Sp..
Anameris vobusta n. Sp. :
. Paläarktische S trongylosoma-Arten !
. Über einige Diplopoden aus dem K aukasus
Brachyiulus roseni n. SP... .
Julus (Micropodoiulus) kubanus n. sp.
Schlüssel der Untergattung Micropodoiulus 'Verh.
Über zwei Brachyiulus-Arten aus der Krim
. Zur Kenntnis der Gattungen Schizophyllum und Solae-
nophyllum ; LiSE
a) Zur vergleichenden Morphologie der Gonopoden IE
b) Schlüssel für die Untergattung Bothrorulus Verh.
c) Varietäten des Schizophyllum sabulosum Latz. .
d) Erscheinungsweise der Reifemännchen und Schalt-
männchen
e) Schaltstadien des Schizopkylium sabulosum
Verschiedene Gonopoden-Vorstufen bei Schizophyllum®
Verschiedene Entwickelung des 1. männlichen Beinpaares
bei Schizophyllum ee
f) Bemerkungen zu den Schizophylium (Bothroiulus)-Arten
Neue Varietäten des sabulosum, ihre Verteilung an der
Riviera ne re
Sch. tilieis Bröl,, we n. subsp.
olivarım n. SP. . .
albolineatum Bröl., claviger um .n. sp.
g) Über die Schizophyllum- -Untergattungen Eleutheroiulus
Verh. und Elaphophyllum n. subg. cornıgerum n. SP.
h) Schlüssel für die Hemipodoiulus-Arten, fissum n. SP.
i) Ergänzung zu Solaenophyllum Verh. 1910
Erklärung der Abbildungen:
Abb. 1 und 2 Glomeris conspersa Koch.
1. Rechter Seitenlappen vom 4. Rumpftergit (dem auf das
Brustschild folgenden) eines $ von oben gesehen, v Vorder-. ı Hinter-
rand, vf Vorder-, hf Hinterfeld, a Außenrand, /h Rand der Leibes-
höhle, g Grenzfurche zwischen beiden Feldern, f1 f2 Furchen des
Hinterfeldes, # Pigmentmassen, x 56.
2. Rechter Seitenlappen vom 4. Rumpftergit eines 9, ı ab-
gekürzte Vorderfeldfurche, x 56.
Abb. 3 Glomeris maculosa n. sp. (Algier) (numidia n. sp. ist
x 56, Bezeichnung wie vorher.
Rechter Seitenlappen vom 4. Rumpftergit eines &,
Chhilognathen- Studien 79
Abb. 4 und 5 Glomeris undulata Koch var. undulata Verh.
4 Die Zeichnung des 4. und 5. Rumpftergit, deren nz
Drittel fortgelassen wurde.
5. Zeichnung des Präanalschildes.
Abb. 6 und 7 Glomeris larii n. sp. (Lekko).
6. Die Zeichnung des 4. und 5. Rumpftergit, deren linkes
Drittel fortgelassen wurde.
7. Zeichnung des Präanalschildes (Abb. 4—7 sind Lupenbilder).
Abb. 8 und 9 Brachyiulus roseni n. sp. (Chromatoiulus) 8.
8. Die rechten Gonopoden von innen gesehen und auseinander
gebogen, wobei das Flagellum (/!) an der Biegung durchbrochen
wurde, fle Ende des Flagellums im Solänomerit, fe fensterartige
Basalöffnung desselben zur Einführung des Flagellum in seinen
Spalt (fi), Nebenlappen /!b, k Endkissen, cd Fortsätze, lo Lappen,
h Höcker hinten am Promerit, fo1, fo2 Gruben vor und hinter dem
Lappen, x 125.
9. Fenster und Spalt (fr) für das Flagellum (/l), welches nur
teilweise angegeben, a Führungsläppchen, b Führungsborsten,
x 220.
Abb. 10—12 Julus (Micropodoiulus) Rubanus n. sp. &
10. Linkes Promerit von hinten her dargestellt, ohne das
Flagellum, x 125.
11. Ansicht von hinten auf das umgewandelte 1. Beinpaar
und sein Sternit (v), co die Hüftteile, #r deren Fortsatz, x Zwischen-
zone, te das verkümmerte Telopodit, dessen Beborstung nur links
angegeben wurde, x 125.
12. Rechtes 2. Bein von vorn und von der Seite gesehen,
co Hüfte, #rf Präfemur, df Drüsenfortsatz, cr großer, nach vorn
gebogener Hornfortsatz, r eine Sekretrinne in demselben, x 125.
Abb. 13—15 Schizopyhllum (Bothroiulus) oliwvarım n. sp. &.
13. Promerit von hinten gesehen, fo Fovea gefüllt mit Sper-
maballen (sp), a Ende, ve Velum und r Rinne des Solänomerit,
/o Grube, db Ecke am Coxit (Paracoxit), x 125.
15. Ein Mesomerit ohne Stütze, x 125.
Abb. 16—18 Schizophyllum (Bothroiulus) albolineatum (H. Luc.)
Bröl. &.
16. Promeritansicht von hinten (Bezeichnung wie in Abb. 13),
x 125.
17. Ein Mesomerit ohne Stütze, x 125.
18. Paracoxit von innen betrachtet, x 125.
Abb. 19—21 Schizophyllum (Bothroiulus) vlicıs Bröl.
19. Solänomerit ohne die Basalteile, Spermarinne, a Ende
derselben, ve Velum, x 125.
20. Coxit und Paracoxit von innen betrachtet, fa Grube,
b Endlappen, h häutiger Wulst, x 125.
20. Promerit von hinten her dargestellt, /r innere Längsrippe,
e Endzäpfchen derselben, x 80.
12. Heft
80 Dr. K. W. Verhoeff: Chilognathen- Studien
Abb. 22 Schizophyllum (Bothroiulus) parallelum fiesolense m.
Blick von hinten auf die Promerite, /r innere Längsrippe,
e Endzapfen derselben, y- Rudiment des Telopodit, x 1925.
Abb. 23 und 24 Schizophyllum (Bothroiulus) clavigerum n. Sp.
23. Ansicht des linken Promerit von hinten her, Bezeichnung
wie in Abb. 13, x 125.
24. Hintere Gonopoden von hinten gesehen, ei Coxit, pr Para-
coxit, k häutiges Kissen am Ende des Solänomerit, r Rinne des-
selben, /o Fovea mit Spermalballen sf, x 125.
Abb. 25—28 Schiz. (Elaphophyllum n. subg.) cornigerum n. Sp.
25. Rechtes Promerit und der Innenrand des linken von hinten
betrachtet, mk medianer Knoten, durch welchen die beiden Pro-
merite verbunden werden, » Wulst in der Hinterfläche, y Telo-
poditrudiment, x 56.
26. Mesomerit, dessen Stütze (f) größtenteils fortgelassen wur-
de, i Innen-, h Hinterast, a, db, c Geweihspitzen, x 56.
27. Coxit (c#) mit Paracoxit (Pr), x 56.
28. Solänomerit von innen gesehen, % Kopf desselben, sz be-
haarte Grube, Trichobothrium, r Rinne, fo Fovea, wi Wandwulst
derselben, x 56.
Abb. 29—31 Schiz. (Hemipodoiulus) fissum n. SP.
29. Rechtes Promerit von hinten her dargestellt, !r innere
Längsrippe, w äußere Anschwellung, y Telopoditrudiment, x 56.
30. Ein Mesomerit ohne seine Stütze, x 56.
31. Ein Coxit (ct) nebst Paracoxit (Pr), x 56.
Abb. 32 Schiz. (Hemipodoiulus) bipartitum Verh.
Ein Mesomerit ohne seine Stütze, x 56.
Abb. 33 Schiz. (Hemipodoiulus) fissum n. Sp.
Hintere Haut der Gonopodentasche mit Längswülsten, ab
die Endrandfalte, mw Mittelwulst, sw Seitenwülste, k Kissen auf
denselben, fo Gruben zwischen den Wülsten, dr drüsige Hypoder-
miszellen, x 56.
Abb. 34 und 35 Solaenophyllum coru nense Verh.
34. Endringe von der Seite.
35. Dieselben von oben gesehen, a Oberfeldchen der Anal-
klappen, x 10.
Archiv für Naturgeschichte 85.Jahrg. 1919 Abt.A.
r ——— = = ——
je =
EWVert
oeff n.d Natur gEZ.
Verhoefl
(Verhoeff ) Tafel I.
H-Eozser.Iith Anst BrinS0.I3
Diplop oda.
Archiv für Naturgeschichte 85. Jahrg. 1919 Abt.A.
E.WVerhoeff n.d.Nabır gez.
Verho ef: |
(Verhoeff ) Tafel Il.
H-Hazseylidh,Anst BerbinS032
Diplop oda.
Dr. Willy Ramme: ÖOrthopterologische Beiträge 81
Orthopterologische Beiträge.
. B Von
Dr. Willy Ramme, Berlin.
Mit 3 Tafeln und 17 Textfiguren.
Inhalt. “en
I. Stauroderus (Stenobothrus) mollis Charp. — eine gute Art!
(Nebst Betrachtungen über St. bicolor Charp. und biguttulus L.) 81
II. Sind Sphingonotus cyanopterus Charp.’und callosus Fieb. als
Arten aufrechtzuerhalten ? . . . . EHRE SE UN:
III. Ectobia lapponica L. und ihre Velnendien; Eine kritische
Buderus en WR TR SZ I
IV. Platycleis coracis m., eine neue RE: aus Crieehenland. ale 12H
V. Ergebnisse meiner Reise nach Südrußland, der Türkei und
Bulgarien 1914... . . . 126
Vl, Ergebnisse meiner Reisen Dach ‚dan Bere Allgäu 1919
und ins Berchtesgadener Land 1920. . . . . . 133
VIl. Einige kleinere Reiseausbeuten verschiedener Bone aus
Bulgarien, Kroatien, Tirol und Deutschland. . . . . 151
VIII. Zweiter Nachtrag zur Orthopterenfauna der Mark ar
TE ENTE N en N ES ned Pre
IX, Ein Zwitter von Locusta viridissima L. -. - » .: 2 2. 2...164
I. Stauroderus (Stenobothrus) mollis Charp. — eine gute Art!
(Nebst Betrachtungen über St. bicolor Charp.
und biguttulus L.)
Bevor ich zur Neubeschreibung des Stauroderus mollis Charp.
übergehe, möchte ich die Vorgeschichte, welche zur Entdeckung
dieser Art in der Mark Brandenburg führte, berichten und muß
zu diesem Zweck etwas weiter ausholen.
Wie wohl jeder Orthopterologe, so habe auch ich die große
Schwierigkeit kennen gelernt, die dieBestimmung von Stenobothrus-
Stücken der Gruppe bicolor Charp. — biguttulus L. macht. Die Un-
klarheit in der Literatur ist groß und das Objekt eines der schwie-
rigsten.
Von dem St. biguttulus Linnes (1756) trennte Charpentier
1825 mit sicherem Blick den bicolor durch Neubeschreibung des-
selben ab. Während dann Fieber (1852) und Fischer (1853)
der Vereinigung beider zum variabılis das Wort redeten, traten
Yersin (1853), Brisout (1856) und Brunner (1882) für Auf-
rechterhaltung der beiden Arten ein. Aber erst Krauss (1886)!)
gelang es, die beiden Arten schärfer zu trennen als seine Vor-
gänger. An der Hand eines großen Materials und unter Zuhilfe-
1) Verh. Bot.-Zool. Ges., Wien 1886, p. 141.
Archiv für Naturgeschichte
1920. A 12. 6 12. Hett
82 Dr. Willy Ramme:
nahme eines neuen, sehr wichtigen Merkmals, der Zirpweise,
konnte er für die $dZ eine einwandfreie, auch morphologisch aus-
reichend begründete Diagnose aufstellen und auch für die beson-
ders schwierige Unterscheidung der 22 sicherere Anhaltspunkte
geben, als sie bisher vorlagen. Karny (1907)?) tritt der Krauss-
schen Ansicht bei und stellt von bigutiulus L. die beiden Formen
collina und montana auf, die sich durch die Länge der Flugorgane
unterscheiden. Ebner (1910)°) wirft nun, verwirrt durch die an-
geblichen ‚Übergänge‘, wieder beide Arten zum alten varzabtlıs
Fieb. zusammen und will bzcolor, biguttulus £. collina und biguttulus
f. montana nur als Formen desselben aufgefaßt wissen. Eine wirk-
lich kritische Begründung dafür fehlt aber, dürfte auch bei der
bedeutenden Verschiedenheit der bzcolor- und biguttulus-$& recht
schwer fallen.
In der jüngsten orthopterologischen Veröffentlichung, die
diese Frage berührt, der Arbeit von Zacher, ‚Die Geradflügler
Deutschlands und ihre Verbreitung‘, figuriert nun in Anlehnung
an Ebner, nicht auf Grund einer eigenen kritischen Prüfung der
Frage, ein Stenob. varıabılıs Fieb., ein St. variabilis f. bicolor Charp.
und ein 5. varvabılıs f. biguttulus, (für die, je nach der Bezeichnung
mit variabilis, bicolor oder biguttulus in der Literatur, die Fundorte
getrennt angegeben sind).
Dies würde also nach den nomenklatorischen Gepflogenheiten
bedeuten, daß varıabilis den Nominattypus darstellt und bicolor
und biguttulus zwei Formen desselben sind. Variabilis müßte dem-
nach anders aussehen als bicolor ‚und biguttulus, während in
Wirklichkeit gemeint ist, daß variabilis in diesen beiden ‚‚ Formen“
vorkommt, daß diese beiden zusammen den variabilis ausmachen.
Daraus geht hervor, daß die Bezeichnung ‚‚forma‘“ in diesem Falle
eine Unmöglichkeit ist, denn da variabilis immer nur in diesen
beiden Formen vorkommt, so muß man eben zur artlichen
Trennung schreiten, da der dritte Weg, die Bezeichnung als
Subspecies, wegen des Vorkommens der beiden neben- und durch-
einander nicht gangbar ist. Die nachstehenden Mitteilungen sollen
diese Auffassung erhärten.
Die starke in dieser Frage herrschende Verwirrung, aus der
als etwas Positives nur die Krausssche Arbeit herausleuchtet,
hatte mich veranlaßt, auf meiner diesjährigen Reise in das Allgäu,
deren orthopterologische Gesamtergebnisse in Absatz VI dieser
„Beiträge‘‘ behandelt werden, dem Problem der Unterscheidung
von bicolor und biguttulus ganz besondere Aufmerksamkeit zuzu-
wenden.
Schon auf dem ersten Sammelgang (zum Freibergsee bei
Oberstdorf) hatte ich die volle Bestätigung der Kraussschen
Daten. Ich ließ mich zunächst nur von meinem Ohr leiten, das
2) ibid. 1907, p. 275. Be
®») Mitt. Nat. Ver., Wien 1910, p. 21.
Orthopterolsgische Beiträge 83
mir bald das Vorhandensein zweier ganz verschieden zirpender
dä der in Frage stehenden Stenobothrus-Gruppe anzeigte: der eine
Männchentyp gab unregelmäßig intermittierend, etwa alle 2—5
Sekunden, einen einzelnen, nicht allzu scharfen, schwirrenden
Zirplaut von sich, hervorgebracht durch ein einmaliges, sehr
schnelles Aufwärtsbewegen der Schenkel, der andere Typ ließ
ein schmetterndes, aus mehreren ganz schnell aufeinander folgen-
den, zeitlich kaum zu trennenden Einzellauten bestehendes Zirpen
hören, das etwa 1 1, Sekunden andauert. Es hat einen ausgesprochen
metallischen Klang und läßt sich am besten mit dem Klirren von
angeschlagenen Telegraphendrähten vergleichen.
Ich sammelte von beiden Männchentypen — nach der Art
des Zirpens streng gesondert — eine große Anzahl, und die als-
bald vorgenommene Prüfung des Flügelgeäders ergab einwandfrei
die von Krauss auf Taf. V seiner vorher zitierten Arbeit ab-
gebildeten Unterschiede: das erstgeschilderte Männchen gehört
zu bicolor Charp., das letztere zu biguttulus L.
Was die Verteilung der beiden Arten im Oberstdorfer Gebiet
betrifft, so fand sich bzcolor mehr in offenem, nur mit Krautwuchs
bestandenem Gelände, wo ich ihn zuweilen ganz in ‚„Reinkultur‘“
antraf (z. B. auf den in Abs. VI zu schildernden Geröllfeldern im
Oytal, Taf. III, Abb. 1), biguttulus bevorzugte dagegen mehr die
Waldränder. Es kommen aber auch an vielen Stellen beide neben-
einander vor. Bei Si. bicolor kann man häufig ganz deutlich
zwischen zwei Männchen eine wechselseitige ‚Verständigung‘
durch Zirplaute wahrnehmen.
Nun kam die weit schwierigere Frage der Unterscheidung der
Weibchen an die Reihe. Da ich nur einmal eine Kopula fand
(von bicolor), trug ich an Stellen, an denen die einzelne Art rein
vorkam, reichlich Weibchen ein, um mit möglichster Wahrschein-
lichkeit auch die beiden Weibchentypen getrennt zu erhalten und
für diese ebenfalls eine genaue Diagnose geben zu können.
Wir werden später sehen, unter Hinzuziehung des märkischen
Materials, daß auch mir dies nur in beschränktem Maße gelungen
ist, daß dieser Umstand aber durchaus nicht hinreicht, um darauf-
hin die Selbständigkeit der Arten anzuzweifeln — unsere mensch-
lichen Hilfsmittel reichen eben in diesem Fall nicht aus.
Nach meiner Rückkehr nach Berlin lag mir nun naturgemäß
die Nachprüfung der Oberstdorfer Erfahrungen auch für das Ber-
liner Gebiet am Herzen. Die erste Exkursion, im Sept. 1919, die
ich zu diesem Zweck machte, nahm ihren Ausgang von Chorin-
chen. Bald hinter dem Ort, an einer Schonung, machten sich
die ersten Stenobothrus bemerkbar. Besonders fiel mir eine Zirp-
weise auf, die aus etwa 20 in kurzen Abständen hervorgebrachten,
ziemlich scharfen, — ich möchte sagen schabenden oder sägenden —
Lauten bestand. Die Zirpweise erschien mir sofort neuartig; da
ich stets intensiv darauf geachtet habe, erkenne ich die deutschen
und viele außerdeutsche Orthopterenarten schon, bevor ich die
6* 12. Heft
84 Dr. Willy Ramme:
Urheber des Zirpens entdeckt habe, an ihren Lautäußerungen.
Wer beschreibt meine Überraschung, als ich die Feststellung
machen muß, daß diese Zirplaute ein Sienobothrus der bicolor-
biguttulus-Gruppe hervorbringt!
Es handelte sich bei dem erstgefangenen Stück um ein sehr
zierliches kleines Exemplar, das sich, wie bereits bemerkt, zwar
sofort als zu der erwähnten Gruppe gehörig erwies, auf Grund
der abweichenden Ausbildung des Costalfeldes aber weder zu
bicolor noch zu biguttulus gestellt werden konnte. Ich hatte nun
Gelegenheit, eine große Anzahl dieser Männchen und die dazu
gehörigen, ebenfalls abweichenden Weibchen zu sammeln. Ge-
naueste Untersuchung ergab dann unzweifelhaft das Vorhanden-
sein einer mir neuen dritten, den beiden anderen durch-
aus gleichwertigen Art, die sich dann später als der nie an-
erkannte Stauroderus mollis Charp. herausstellte.
Da ich mir aber sofort wohl bewußt war, daß meine Ent-
deckung bei der schon an sich in dieser Gruppe herrschenden Un-
klarheit bei den Fachgenossen zunächst wenigstens auf Zweifel
stoßen würde, so unternahm ich zum Zweck einer endgültigen
Klärung sofort eine größere Anzahl von Exkursionen in die ver-
schiedensten Teile der Mark und konnte nun an vielen Stellen
das Vorhandensein dieser Art feststellen. Auch meine beiden Be-
gleiter, die sammlerisch erprobten Museumspräparatoren Spaney
und Richter, die ich genau über die zu untersuchende Frage auf-
klärte, waren sofort im Bilde, und so haben wir denn ein Material
von vielen Hunderten Stauroderus der drei Arten beobachtet, ge-
sammelt und untersucht. Wir sammelten nach den verschiedensten
Gesichtspunkten; teils nach der Art des Zirpens, die sich in sämt-
lichen Fällen, ohne die geringste Ausnahme, als vollkommen kon-
stant erwies und wobei die spätere Untersuchung der morpho-
logischen Verhältnisse auch immer die entsprechende Art ergab,
teils wurden die in Papierrollen lebend mitgenommenen Tiere auf
Grund der äußerlichen Merkmale getrennt und in Käfige gesetzt,
wo sie dann im Sonnenschein prompt die ihnen zukommende
Strophe sangen. Welche Proben auch immer angestellt wurden,
stets war eine einwandfreie Diagnose möglich. Auch aus dem
vorhandenen Museumsmaterial ließ sich dann später die dritte
Art mühelos aussondern.
So kann ich diese also heute — nach 95 Jahren — in ihre
Rechte einsetzen und hoffe, daß damit gleichzeitig der Stauroderus
variabilis Fieb., dieses Produkt der Kritiklosigkeit und Bequem-
lichkeit, endgültig zu Grabe getragen ist.
Charpentier macht über den ‚‚Gryllus mollis‘‘, wie er unseren
neuerstandenen Stauroderus 1825 in den „Horae entomologicae“
(p- 164/65) nannte, folgende Angaben:
„Gr. virescens vel gilvus, thorace cruciato, carinis sinuato
(non angulato-) cruciatis: elytris maculis fuscis et apicali alba
obliqua.
Orthopterologische Beiträge 85
? Zett. 97 Gr. aureolus.
Habitat cum G. biguttulo iisdem locibus et regionibus.
Difficillimum est verbis designare differentiam hujus Grylli
et G. biguttuli, cum varietates alterius speciei alteri tantopere
adpropinquent et differentiae ipsae tam subtiles sint, ut paene
oculos effugiant et eo difficilius verbis possint exprimi. Neces-
saria est inspectio et comparatio magnae speciminum copiae, et
iterata accurataque eorum contemplatio. — Nota hujus speciei
maxime inserviens ejus cognitioni, sed tantum in speciminibus
vivis observanda, est mollities quaedam integumentorum totius
animalis, non nuper e nymphis exclusi, sed aetate jam profecti.
In plurimis partibus cum Gr. biguttulo tantopere convenit,
ut descriptio tantum formae illius ratione habita satis clare possit
exhiberi.
1. Est Gr. biguttulo minor, in utroque sexu.
2. Color-corporis plerumque laete viridis, cum flavo mixtus: |
posticae elytrorum partis gilvus, haud raro viridi-gil-
vus est.
3. Carinae laterales thoracis multo minus curvatae sunt,
quam in Gr. biguttulo: et plerumque non in angulum,
sed tantum in sinum flexae.
4. Antennae, ut videtur, breviores sunt.
5. Maris elytra minus sunt dilatata et apice magis attenu-
ata.
6. Cellulae conclavis primi et secundi nitentes quidem sunt:
sed cellulae conclavis primi multo majores, quam illae
secundi conclavis (Hoc est criterion valde constans et
notabile).
Caeterum easdem picturae varietates observavi, quas in specie
praecedente; in maribus vero haud raro elytra postice viridia
sunt. An Gr. aureolus Zetterstedtii idem sit, pro certo affirmare
nolim: valde affinis esse videtur, quare hic allegatus est.‘
Charpentiers Typen, 2 34, unter der Nr. 1935 im Ortho-
pterenkatalog des Museums von Stein eingetragen und auch
von diesem mit einem Etikett ‚‚Coll. v. Charp.‘“ versehen, befinden
sich im Berliner Zoologischen Museum. Nähere Fundortsangaben
fehlen, nur ein gedruckter Zettel mit der vielsagenden Angabe
„Europa“ ist offenbar später an jedem Stück angebracht worden.
Das eine der beiden d& habe ich auf Tafel I, Fig. 3a mit den da-
neben gesteckten Originaletiketten abgebildet. *
Die Typen beseitigen jeden -Zweifel an der Über-
einstimmung meiner Stücke mit dem „Gryllus mollis‘,
soweit ein solcher nach der obigen Beschreibung Charpentiers
überhaupt Platz greifen konnte. Denn diese ist in den wesent-
lichsten Punkten äußerst treffend und zwar in bezug auf die Ver-
schmälerung der Vorderflügel gegenüber biguttulus (5) und auf
das gegenseitige Größenverhältnis der Zellen des Costal- und
Subcostalfeldes (6). „Hoc est criterion valde constans et
12. Heft
86 Dr. Willy Ramme:
notabile“, worin man Charpentier unbedingt Recht geben
kann. Auch die geringere Körpergröße, damit im Zusammenhang
die etwas kürzeren Fühler, alles gegenüber biguttulus, und das ge-
meinsame Vorkommen mit diesem sind zutreffende Angaben. Der
mehr bogenförmige (statt winklige) Verlauf der Halsschildkiele ist
oft zu bemerken, aber nicht prägnant und konstant genug, um
als diagnostisches Material verwandt werden zu können.
Weniger zutreffend erweist sich bei Durchsicht eines größeren
Materials die Angabe der vorherrschend grünen Färbung, der
. wir ohnehin nicht allzuviel Wichtigkeit beizulegen brauchen bei
der großen Färbungsmannigfaltigkeit fast aller Stenobothrus-Arten.
Hier hat wohl der Zufall eine Rolle gespielt; übrigens hat auch
das eine der beiden f$ (der Typen) im Leben sicher keine Spur
von Grün gezeigt, während das andere noch heute deutlich diese
Färbung aufweist. Charpentier macht auch selbst darauf auf-
merksam, daß er bei mollis ‚‚easdem picturae varietates‘‘ beob-
achtete wie bei biguttulus und daß die SG ‚‚haud raro‘“, also nicht
in allen Fällen Elytren mit grünem Hinterrand besaßen. Auf die
Färbung komme ich später noch zurück.
Etwas unmotiviert erscheint der Name ‚‚mollis‘‘, denn die
„gewisse Weichheit des Integuments‘ tritt bei wirklich schon
längere Zeit entwickelten 9 kaum in Erscheinung und be-
ruht mehr auf subjektiver Beurteilung. Auch mir ist aber auf-
gefallen, daß die 22 verhältnismäßig lange eine weiche Beschaffen-
heit behalten, bevor das Chitinkleid an der Luft und in der Sonne
erhärtet.
Mit Recht hebt Charpentier die Schwierigkeiten hervor,
mit Worten allein die Unterschiede des mollis von seinen Ver-
wandten eindeutig auszudrücken und die Notwendigkeit, eine
größere Menge von Individuen zur Untersuchung heranzuziehen
und zu vergleichen. Hat man sich aber erst einmal ‚‚hinein-
gesehen‘, so schwindet auch beim Einzelstück jeder Zweifel. Um-
sonst hat es ja auch nicht fast eines ganzen Jahrhunderts bedurft,
um dieser Art die ihr zukommende Anerkennung zu verschaffen.
Man muß den Scharfblick Charpentiers bewundern, der trotz
Unkenntnis der abweichenden Zirpweise die morphologischen Un-
terschiede des mollis von seinen Verwandten klar erkannt hat,
nachdem er vorher schon — ebenso unantastbar — den bicolor
abgetrennt hatte.
Merkwürdigerweise ist sie selbst Philippi, einem so treff-
lichen Kenner der märkischen Orthopterenfauna, entgangen, denn
er bemerkt?) äusdrücklich ‚‚Gryllus mollis cl. Charp. notis valde
levibus (!) a biguttulo distinctus mihi omnino ignotus“. Nur
Yersin, auf dessen Arbeiten noch einzugehen sein wird, hat ihn
gefunden und richtig erkannt, wie aus seiner klaren Beschreibung
der Zirpweise von mollis hervorgeht.
4) Orthoptera Berolinensia. Dissertation Berlin 1830.
Orihopterologische Beiträge 87
Fieber?) hat mollis gesehen, denn er schreibt bei seiner var.
virescens (Ch. variabılıs) ‚Gr. mollis! Chp., zum Theil nach Orig.“‘,
ebenso bei var. Prasınus ‚Gr. mollis! Chp.‘“.
.. Nachstehend gebe ich nun an der Hand meines umfangreichen
Materials eine erweiterte Diagnose und ausführliche Beschreibung
des Stauroderus mollis Charp.
„st. bicolori et biguttulo valde affinis, sed minor. Longitu-
dinem elytrorum St. bicoloris nunquam, biguttuli raro attingens
(praesertim apud 3). Area costalis et praecipue subcostalis (scapu-
laris) semper areis biguttuli angustior, etiam apud $. Color tibiarum
nunquam rubrescens. Valde differt stridulatione.‘“
Unterscheidet sich von seinen ‚nächsten Verwandten bicolor
und biguttulus in wesentlichen Punkten, die im einzelnen wohl
gewissen leichten Schwankungen unterliegen, in ihrer Gesamtheit
und in Verbindung miteinander jedoch eine scharfe morphologische
Scheidung ermöglichen. Molls ist in seinem Gesamteindruck
kleiner als die beiden anderen, erreicht bicolor nie, nur in selte-
neren Fällen biguttulus, wenigstens mit ausgespannten Flügeln;
der Flächeninhalt des einzelnen Vorderflügels bleibt aber stets
hinter dem von biguttulus zurück, von bicolor ganz zu schweigen.
Das wesentlichste Merkmal — wenn man von der bereits ge-
schilderten völlig abweichenden Stridulation absieht —, ist die
große Schmalheit der Flügel, wobei namentlich das Costal-
feld in Mitleidenschaft gezogen wird. Besonders die area sca-
pularis (Subcostalfeld) ist stets schmäler als bei biguttulus. Deut-
lich kann man auch erkennen, daß beim&gdie venae subcostalis
und radialis, die das Subcostalfeld begrenzen, bei biguttulus
einen erheblichen Teil der Strecke annähernd parallel zueinander
verlaufen, während sie bei mollis auch im distalen Teil des Deck-
flügels mehr den spitzen Winkel beibehalten. Der Glanz des
Costalfeldes ist bei mollis nicht so ausgeprägt, wie bei biguttulus.
Bei dem 2 ist noch besonders auf die kleine „Erweiterung am
Vorderrand‘ der Elytrenbasis (vgl. Redtenbacher, Tafelfig.
17 m) aufmerksam zu machen, die gegenüber biguttulus viel flacher,
fast halb so niedrig ist (vgl. Taf. I Fig. 11 und 12).
Auf Tafel I habe ich in den Fig.7, 8 und 9 drei Serien
von Vorderflügeln von bicolor, biguttulus und mollis photographisch
abgebildet (durchweg in doppelter Vergrößerung) und zwar nicht
auf Grund der morphologischen Unterschiede, sondern nur auf
Grund der Zirpweise der betreffenden Tiere ausgewählt, um
einerseits auch dadurch die Zuverlässigkeit des Merkmals zu be-
tonen, anderseits durch die Serienabbildung die Unterschiede in
Form und Aderung recht augenfällig zu machen. Die Abbildungen
sprechen für sich und erübrigen eine nähere Erläuterung, ebenso
die Totalbilder der SS (Fig. 1—3), wobei ich noch darauf auf-
merksam machen will, daß Fig. 2b ein besonders kleines $ von
5) Entomolog. Monographien. Prag 1344.
12. Heft
88 Dr. Willy Ramme:
biguttulus darstellt, das aber trotzdem klar den Abstand von
mollis in bezug auf die Breite der Elytren und der Costalregion
wahrt.
Auf eines will ich noch nebenher den Blick lenken: auf einen
biologischen Unterschieddesbicolor von den beiden anderen.
Es wird sofort in die Augen fallen, daß sämtliche Elytren von
bicolor in Fig. 7 an den Spitzen beschädigt sind. Dies rührt
davon her, daß bicolor der weitaus flüchtigste von den dreien ist
und, zumal bei Annäherung einer Störung, sofort mehrere Meter
weit fliegt. So kommt es, daß man, namentlich bei vorgeschrit-
tener Jahreszeit, wenn aber biguttulus und mollis immer noch
intakte Flügel besitzen, kaum eine unbeschädigtes $ von bicolor
findet; auch die Hinterflügel sind meist völlig zerschlissen. Diese
Fluggewandtheit würde auch die anscheinend recht weite Ver-
breitung des bicolor erklären.
Die in Fig. 10, 11 und 12 abgebildeten Flügel von 22
der drei Arten (ebenfalls doppelt vergrößert) sind Tieren ent-
nommen, die an Stellen gefunden wurden, wo nur das zugehörige
d vorkam und wo sie gleichzeitig von einem solchen umworben
wurden. Man muß in der Tat die Weibchen nur an solchen Stellen
sammeln, wo die Art möglichst rein vorkommt, da die $3 mit
ihren Werbungen garnicht wählerisch sind und sogar fernstehendere
Arten, wie dorsatus, ansingen, was ich des öfteren beobachtete.
Weiter gehen die Liebesbezeugungen dann allerdings wohl nicht.
Ich will nicht verschweigen, daß ich in bezug auf die 22
von bicolor und biguttulus Stücke ausgewählt habe, die auch äußer-
lich schon für die Zugehörigkeit zu den betreffenden Arten sprechen
durch ihre Größe, die relative Breite der Vorderflügel, besonders
in der Mitte, entsprechend den Elytren des 4, und die Form und
Ausbildung des Costal- und Subcostalfeldes, das bei biguttulus
(gegenüber bicolor) eine Erweiterung zeigt, ebenfalls den Verhält-
nissen bei den Sg entsprechend. Zwischen diesen beiden findet
man scheinbar ‚Übergänge‘, d.h. richtiger ausgedrückt, Formen,
deren Zugehörigkeit wir mit unseren Mitteln nicht einwandfrei
feststellen können, die aber sicher generell verschieden sind. Nie
wird ein 2 wie das, zu dem ein Flügel vom Typ 10 (Tafel I) ge-
hört, einen biguttulus oder gar mollis erzeugen! Die Konstanz
der Unterschiede der $& läßt nicht die Annahme einer ein-
zigen, vielgestaltigen Weibchenform zu, auch nicht die Annahme
einer ständigen Bastardierung. Wenigstens nicht in der Mark
Brandenburg — und ob die Verhältnisse in anderen Gebieten,
z.B. südlich der Alpen, wosich auch die Unterschiede der dg
verwischen sollen, eine Abweichung zeigen, bedarf dringend einer
erneuten sorgfältigen Prüfung, die ich im kommenden Sommer
an Ort und Stelle vorzunehmen gedenke. Darauf komme ich
nachher noch zurück. So werden wir auch nicht, weil Ikonnikov°)
6) Revue Russe d’Entomologie, Bd. 11, 1911.
Orthopterologische Beiträge 89
in Sibirien angeblich ein Ineinanderübergehen von S#. bicolor
Chp. und vagans Eversm. oder von viridulus und rufipes beobach-
tet hat, diesen in Mitteleuropa den Artcharakter absprechen.
Tabelle für die Maße (in cm) der dd.
Vordertlügellänge ah Körperlänge
bicolor biguttulus| mollis bicolor biguttulus| mollis bicolor Ibiguttulus mollis
2:86: 172,50 | 2,34 | 020.202 0,23 | 1,54 | 142 | 1,28
.04*503,5391 72,34 11.0529 70;28 0,24 |. 1,55 | 1,45 | 1,29
21022618 .172,3700°0,304..0,29: | 02 1:57:|%5,52 | 1,32
3,14 | 2,63:| 2,38] 0,31 | 0,30:|.0,24 # 1,58 |. 1,53 | 1,33
3 9029,41 105% 0,35611.:025-774;:59:.1:71;558: 11,88
3,16 | 2,72 | 2,42 | 0,31 | 0,32 | 0,25 | 1,60 | 1,54 | 1,35
>16 :1,.2,74.1.2,43 1 032: 0,32 |. :0,26 |: %,62°) 1,55 !' 1,36
ars 2,86.,50,8251:0,32.:17.0:2601 1562 ]:.1,96%1.5,1,87
3,20-17.2.,30.°2597.17.0,82:1. 0,32-1.0,26: 7-.1,63..E 1,56* 1,38
329.11.2,98°1% 2,585 20:32. 0,23. 1: 026. 17.1;08=17,1,68 | 1,40
Vergleichen wir die Maße an Hand der obenstehenden Ta-
belle’), deren Angaben aus Messungen®) an nahezu 100 3S unter
Einbeziehung der Extreme ausgewählt sind, so wird das über die
Größenverhältnisse der drei Arten zueinander Gesagte noch deut-
licher. Die größte Breite des Tieres mit ausgespannten Flügeln
schwankt bei bicolor zwischen 3,29 und 2,87, bei biguttulus zwischen
2,08 und 2,50, bei mollis zwischen 2,58 und 2,34. Es berühren
sich also die Variationsbreiten von bicolor und mollis garnicht,
die von biguttulus und mollis greifen nur um ein Weniges, nämlich um
0,8 cm, ineinander, während die Extreme dieser beiden letzteren
6,4 cm, auseinanderliegen. Die entsprechenden Zahlen für die
Vorderflügelbreite sind bei bicolor 0,32—0,27, bei biguttulus 0,53
bis 0,28, bei mollis 0,26—0,23, für die Körperlänge bei bicolor
1,73—1,54, bei biguttulus 1,63—1,42, bei mollis 1,40—1,28. In
bezug auf Flügelbreite und Körperlänge steht also mollis völlig
isoliert.
Was die Weibchen von mollis betrifft, so ist bei ihnen die
Gesamtverschmälerung der Vorderflügel so bedeutend, daß sie in
großem Abstand von den beiden anderen stehen. Die Durch-
schnittsbreite beträgt 0,25 cm; das Subcostalfeld zeigt die ent-
?) Die Tabelle, die innerhalb der senkrechten Kolumnen nach ansteigen-
den Werten geordnet ist, kann nicht in horizontaler Richtung gelesen
werden: es entspricht also z. B. dem bicolor mit 2.87 Vorderflügellänge
nicht etwa die Vorderflügelbreite 0.27 und die Körperlänge 1,54. Diese
Werte sind bei dem einzelnen Tier nur bedingt abhängig voneinander.
8) Vorgenommen mittels einer geeichten Präzisionsschublehre.
12. Heft
90 Dr. Willy Ramme:
sprechende Verschmälerung, sodaß ich betreffs der Identifizierung
der 22 dieser Art selten im Zweifel war. (Vgl. Taf. I, Fig. 6 [nat.
Gr.] und 12 [2:1]). Die genaue vergleichende . Untersuchung
des äußeren Genitalapparates der drei Arten hat keinerlei mor-
phologische Unterschiede ergeben, die als sicheres Diagnostikum
für die 2? hätten Verwendung finden können.
Als „Plesiotypen‘”) des $ von mollis mögen die auf Tafel I,
Fig. 3b—d abgebildeten d$ (Fundorte: Chorinchen, Machnower
Weinberg, Grunewald) gelten, als Typen des Q@ das auf Fig. 6
abgebildete (Fundort: Chorinchen) und ein weiteres vom Grune-
wald, sämtlich im Berliner Zoologischen Museum.
Der Gryllus aureolus Zetterstedts!?), über dessen Synonymie
zu mollis auch Charpentier im Zweifel ist, dürfte wohl mit
biguttulus identisch sein, denn das wesentlichste Charakteristikum
des mollis, die Verschmälerung des Costal- und Subcostalfeldes,
ist für aureolus nicht angegeben, und die Hervorhebung der leuch-
tenden Farben, die den Namen veranlaßten, spricht gerade gegen
den unscheinbaren mollis. Ebensowenig kommen Karnys f. col-
lina und montana in Frage, die ja auch der Autor selbst zu bzgut-
tulus stellt und die nach der Beschreibung auch unzweifelhaft
dorthin gehören.
In bezug auf die Färbung von mollis ist zu sagen, daß die 22
die bei Stauroderus überhaupt üblichen Färbungsformen mit grauen,
bräunlichen, schwärzlichen, grünlichen und rötlichen Tönungen
und verschiedenartigen Zeichnungen ebenfalls aufweisen. Die SS
aber habe ich fast durchweg grau oder bräunlich gefunden; auch
die Tibien und der Hinterleib zeigen höchstens eine schmutzig-
gelbliche Färbung und nie die rötlichen oder gar roten Töne der
Jg von bicolor und biguttulus.
Äußerst wichtig, ganz besonders für die Anerkennung als
selbständige Art, ist die bereits erwähnte, von der der beiden
Verwandten völlig abweichende Zirpweise. Wie bicolor und
biguttulus zirpen, habe ich bereits auf pg. 83 dieser Arbeit ge-
schildert; der ausgesprochen metallische Klang des Zirpens von
biguttulus rührt wohl ohne Zweifel von der Ausbildung der Costal-
region zu besonders breiten, glänzend glashellen Chitinmembranen
her. Die Strophe von mollis besteht aus 20—30 Einzellauten, die
leise und langsam, mehr knipsend, einsetzen und dann immer
schneller und eindringlicher werden (etwa die ersten 6—8 Töne),
um etwa vom 9. Ton an bis zum etwa 20.—25. Ton gleichmäßig
laut schabend oder sägend hervorgebracht zu werden und dann
ziemlich plötzlich mit den letzten etwas verlangsamten, breiten
Tönen (oder besser Geräuschen!) abzuklingen. Die Laute sind
etwa mit hsst—hsst——hsst—hsst usf. wiederzugeben. Auf dem
: ®) Vergl. Handlirsch in Chr. Schroeders „Handbuch der Ento-
mologie“, Jena. Im Erscheinen.
10) Orth. suec. Lund 18321.
Orihopterologische Beiträge 91
Höhepunkt des Zirpens kann man, bei warmem sonnigen Wetter,
mit der Uhr in der Hand genau 3 Töne pro Sekunde zählen ;
ich habe es hundertfach ausprobiert. Oft sangen — an Orten,
wo alle drei Stauroderus-Arten nebeneinander vorkamen, z. B. am
Machnower Weinberg — mehrere mollis-33 gleichzeitig, und zwi-
schendurch war hier und da deutlich. das Geschmetter eines bi-
guttulus-& oder das leisere Sehwirren eines bzcolor-$ wahrzunehmen.
‘Wer nur ein einigermaßen feines Gehör besitzt, kann sich leicht
‚an solchen Stellen von dem Gesagten überzeugen. Mollis zirpt
im Gegensatz zu bicolor durch Abwärtsstreichen der Hinterschenkel;
bei biguttulus folgen die Töne derart schnell, daß man Einzel-
bewegungen der Schenkel garnicht feststellen kann.
Wie ich bereits andeutete, hat schon Yersin in den Jahren
1852—54 Stauroderus bicolor Charp. (‚‚Oedipode bicolore‘‘), St. bi-
guttulus L. (,‚Oed. bimouchetee‘‘) und St. mollis Charp. (,‚Oed. molle‘‘)
nach ihrer verschiedenen Stridulation genau und vollkommen
richtig unterschieden. Umsomehr muß es uns wundernehmen,
daß auch nach Yersin bis in die allerjüngste Zeit mollis ver-
nachlässigt und die herrschende Verwirrung nicht behoben wurde.
Allerdings ging auch mein Weg nicht über Yersin! Was
aber den Wert der Ergebnisse erhöht und für ihre Richtigkeit
spricht.
Die Aufzeichnungen Yersins sind reizvoll genug, um sie im
Wortlaut wiederzugeben.
1. Notice sur la stridulation des Orthopt£res.
Seance du 18 fevrier 18521).
„Le chant des esp£ces tres voisins est entierement dif-
ferent et peut &tre distingue avec la plus grande facilite,
tel est celui de l’Oedipode bimouchetee et de 1’Oedi-
pode molle.‘
2. Observations sur le chant ou la stridulation
des Orthopteres quant ä la classification de
ces insectes. Seance du 29 juin 1853.12)
„L’Oedipode bimouchet&e fait entendre un chant plein,
sonore, compose d’une seule note assez longue; elle se
trouve ‘abandamment dans les campagnes. L’Oedipode
molle repete de 20 A 30 fois un cri bref, faible d’abord
ä peine distinct, puis devenant de plus en plus fort.
Jusqu’ & present je n’ai rencontre cette espece que sur
les terrains sablonneux, principalement entre Buchillon
et St. Prex. Enfin l’Oedipode bicolore habite sur la
terre nue, au bord des chemins, dans les vignes, sur la
lisiere des bois, etc. ; 1A, le mäle, toujours en mouvement,
pousse un cri unique, tres-court, qu’il ne repete qu’apres
un repos plus on moins long.“
11) Bull. Soc. Vaudoise, v. 3, 1849— 53.
12) Vgl. die Fußnote 12 auf der folgenden Seite!
12. Heft
92 Dr. Willy Ramme:
3. Memoire sur quelques faits relatifs ä la stridu-
lation des Orthopteres et ä leur distribution
geographique en Europe.??)
„Le chant normal du Sienobothrus mollis Charp. se
compose de 20—30 notes, d’une intensite croissante;
les premieres durant moins d’une demi seconde et sont
plus aigues que les dernieres, qui sont en outre beaucoup
plus lentes; il arrıve m&me que les 8 ou 10 notes, par
lesquelles se termine la stridulation, atteignent chacune
pres d’une seconde. Il convient de representer ce chant
par 20 croches suivies d’une dixaine de noires, les pre-
mieres plac&es plus haut que les autres sur la portee.“
Yersin hat dann in ziemlich gelungener Weise die Strophen
der drei Stauroderus durch Noten zu versinnbildlichen versucht.
St. bicolor: If RSRE e ae )
St. biguttulus: j ee | |
. Or 1 'o =
Es wird nun eine dringende und lohnende Asa sein, die
Verbreitung von mollis zu erforschen. Sein Entdecker Char-
pentier gibt keinen Fundort an; da er jedoch in Brieg seinen
Wohnsitz hatte, kann man vielleicht annehmen, daß er die Art
in Schlesien auffand. Von Yersin wurde mollis bei Buchillon
(Nordufer des Genfer Sees) und St. Prex gefunden. Ich selbst
habe ihn an zahlreichen Stellen der Mark beobachtet und zwar
ganz besonders im letzten Jahre (1921), in dem ich meine Ergebnisse
immer wieder bestätigt fand. Man kann sogar sagen, daß mollis
die relativ häufigste Stauroderus-Art der Mark ist und
ihr Häufigkeitsverhältnis zu biguttulus und bicolor etwa durch die
Zahlen 4:3:1 ausgedrückt werden kann. Meine Fundorte sind:
Grunewald, Falkenhagener Forst (dort teilweise geradezu gemein),
Finkenkrug, Machnower Weinberg, Hermsdorf, Chorinchen, Krämer
bei Velten, Rüdersdorfer Kalkberge, Oderberg (Pimpinellenberg),
Tamsel bei Cüstrin. Ferner wurde er von Spaney in der Jungfern-
heide, von Gloeden am Werbellinsee, von Bollow bei Wünsdorf
und Cramp von Kuntzen bei Belzig gefangen. Im Museum in
Bremen, dessen Material ich durchsah, befinden sich 3 92 aus
der Umgebung der Stadt.
2) Ibid., v. 4, 1853—55. Die Bulletins, die in Berlin nicht vorhanden
sind, sondern nur im Stuttgarter Naturalienkabinett, waren mir infolge-
dessen nicht zugänglich. Ich verdanke obige Abschriften Herrn Dr. H.
A. Krauss -Tübingen, der sie mir in alter Bereitwilligkeit zur Verfügung
stellte und dem an. dieser Stelle herzlich gedankt sei!
Orthopterologische Beiträge 93
Aus Süddeutschland ist mir bisher kein einziger Fundort be-
kannt geworden. Weder ich selbst habe ihn auf den beiden letzten
Reisen in die bayrischen Alpen gefunden, noch enthalten ihn zwei
große Ausbeuten mit mehreren Hundert Stücken von Stauroderus,
die eine von Kuntzen (Boppard a. Rh., vgl. Art. VII, 4 dieser
Arbeit!), die andere von Engel (Coblenz, geschenkt von Herrn
H.Fruhstorfer-Zürich) ‚auchdie Durchsicht desMuseumsmaterials
ergab nur märkische Stücke.
Betreffs der ökologischen Verteilung der drei Stauroderus-
Arten kann man — wenigstens in der Mark — unbedingt sagen,
daß Bevorzugungen gewisser Lokalitäten durch jede der drei Arten
vorhanden sind. Wenn sie trotzdem an einzelnen Stellen gemein-
sam vorkommen, so liegt das eben daran, daß immer Örtlichkeiten
verschiedenen Charakters aneinanderstoßen und oft ineinander
übergehen. Mollis findet man mit Vorliebe als Bewohner von
dürren, sehr trockenen Flächen, z. B. Heiden mit unterbrochener
Vegetation, wie sie die Oedipodiden lieben, Schonungen, ‚‚pon-
tisene Stellen usw. Lüurk. u. Brunner (I. "c.) deuteten "ihn
deshalb als eine Kümmerform infolge des ständigen Aufenthaltes
auf Sandheiden und ließen ihn nicht als Art gelten; beide kannten
ihn aber nicht aus eigener Anschauung. Mollis begibt sich hier
und da auch auf üppigeres Gelände, Raine, wie sie biguttulus bevor-
zugt, welch letzterer wohl als einziger auch den lichten Kiefern-
hochwald annimmt. Typisch für Brachäcker und Stoppelfelder
ist schließlich bzcolor. Aber, ich betone nochmals, ‚‚Reinkulturen‘
einer der drei Arten wird man nur hier und da finden; nur ein
starkes Überwiegen der einen oder anderen Art auf besonders zu-
sagendem Boden kann man oft feststellen. Zu ähnlicher Beur-
teilung gelangt ja auch Yersin (vgl. das Zitat).
Die Verwirrung, die bei der Untergattung Stauroderus herrschte,
ist nicht zuletzt auf das Konto der Unkenntnis des mollis Charp. zu
setzen. Denn man pendelte bei dem Versuch, ein Stück dieser
Art zu bestimmen, hin und her zwischen bicolor und biguttulus.
Im Verhältnis zu ersterem war bei mollis die Costalregion zu sehr
erweitert und gegenüber letzterem zu stark verschmälert. Ein
Drittes gab es aber bislang nicht in den Bestimmungstabellen —
der Rest war falsche Bestimmung, Unklarheit und die Folgerung,
daß die beiden Arten ineinander ‚übergingen“.
Es dürfte jetzt ein Leichtes sein, an der Hand von Tafel I
und draußen im Freien unter Beachtung der Zirpweise zu richtigen
Bestimmungen der vorkommenden Stücke zu gelangen. Mögen
recht viele Orthopterologen in den Gegenden, in denen zu sammeln
sie Gelegenheit haben, besonders auf diese Vertreter der Unter-
gattung Stauroderus achten, um die in der Kenntnis der Ver-
breitung der drei Arten nun erneut klaffenden Lücken zu
schließen und auch der weiteren Klärung der Weibchenfrage ihr
Augenmerk zuwenden. Gerade heute, wo Forschungsreisen in außer-
12. Heft
94 Dr. Willy Ramme:
europäische Länder so sehr erschwert sind, müssen Probleme,
die sich in Deutschland und den Nachbarländern lösen lassen,
besonders freudig begrüßt werden.
II. Sind Sphingonotus eyanopterus Charp. und eallosus Fieb. als
Arten aufrechtzuerhalten ?
Zum ersten Male seit Ausbruch des Weltkrieges erhielt ich
kürzlich wieder Arbeiten eines russischen Orthopterologen,
B. P. Uvarow!*), Tiflis, sandte mir eine Anzahl Separata, von
denen eines besonderes Interesse erregte. Die Arbeit behandelt
‚Material zum Studium der Orthopterenfauna Centralasiens‘“ und
ist erschienen in der ‚Revue russe d’Entomologie XIV, 1914,
No. 2—3. Sie ist wie leider alle Arbeiten des trefflichen russischen
Orthopterologen in russischer Sprache geschrieben ; die Freundlich-
keit des Präparators W. Richter (Zoolog. Mus.) ermöglichte mir
die Übersetzung. Die Mitteilungen über Sphingonotus coerulans L.
und seine Verwandten cyanopterus Charp. und callosus Fieb. nun
sind es, die in Verbindung mit einem neuerlichen bemerkenswerten
märkischen Fund Veranlassung geben, die schon früher einmal
ventilierte Frage nach der Artberechtigung von cyanofterus Charp.
noch einmal aufzuwerfen, um sie einer weiteren Klärung zuzu-
führen.
Ich hatte seinerzeit!?), veranlaßt durch die Auffindung der
märkischen Übergangsformen zwischen Sphingonotus coerulans L.
und cyanopterus Charp. den Vorschlag gemacht, cyanopterus als
selbständige Art aufzugeben und als Subspecies zu coerulans zu
stellen. Von den märkischen Zwischengliedern hatte ich den binden-
losen, von coerulans nur durch die konstant geringere Körpergröße
abweichenden Typ als forma ninor m., den durch schwache Binden
auf den Hinterflügeln gekennzeichneten als f. intermedia m. und
den cyanopterus angenäherten als f. cyanoptera Charp. festgelegt.
14) Uvarow teilt mir gleichzeitig mit, daß das ehemals „‚Kaukasische
Museum“ jetzt den Namen ‚Museum Georgiens‘ führe, und daß er selbst
Vorstand der Zoologischen Abteilung sei. Die Titel der übrigen, während
des Krieges veröffentlichten und übersandten Arbeiten lauten in der Uva-
rowschen Übersetzung: 1. Zur Orthopterenfauna Persiens. Mitt. d. Kaukas.
Mus., Bd. VIII, 1914.. — 2. Contributions & la faune des Orthopteres de
la province de Transbaikalie. Jahresber. d. Zoolog. Mus. d. Kais. Ak. d.
Wissensch., Bd. XIX, 1914. — 3. Orthoptera caucasica nova a. cl. dom.
K. A. Satunin lecta. Bull. du Mus. du Caucase X, 1916. — 4. Materialia
ad cognitionem Orthopterorum Caucasi et confinium. I. Orthoptera a.
dom. P. V. Nesterov in itinere secundum limitem perso-tureicum lecta. -
Bull. du Mus. du Caucase X, 1916. II. Diagnoses specierum et subsp.
novarum ex coll. Mus. Caucasici. Ibid. XI, 1917. III. Orthopteris (?)
nonnullis caucasieis synonymia. Ibid. XII, 1918. — 5. De formis rossieis
generis Acrida L. Revue russe d’Entomologie XVI, 1916. — 6. Orthoptera
genuina ab Expeditione Urmiana anno 1916 lecta. Bull. du Mus. du Cau-
case XII, 1918.
15) Ein Beitr. z. Kenntn. d. Orthopterenfauna d. Mark Brandenbg.,
Berl. Ent. Z. LVI, 1911 und Nachtrag z. Orthopterenfauna Brandbgs.,
ibid. LVIII, 1913. 3
Orthopterologische Beiträge 95
Ich sage absichtlich ‚‚angenähert‘‘, denn ein in der Ausbildung der
schwarzen Binden cyanofterus wirklich völlig erreichendes Ex-
emplar erhielt ich erst im vergangenen Sommer von Dr. H. Bi-
schoff (Zoolog. Mus. Berlin), das derselbe bei Niederlehme (Königs-
Wusterhausen) gefangen hatte (Taf. II, Fig. 9). Auch dort fanden
sich, wie an den anderen in der Mark bisher bekannt gewordenen
Fundstellen, alle Übergänge von der bindenlosen f. minor bis zur
f. cyanoptera. Dieser Fund hat mich in der Ansicht bestärkt, daß
cyanoßterus nicht als Art bestehen bleiben kann. Das Exemplar
stimmt gut mit der Charpentierschen Originaldiagnose!*) unddem
vermutlichen Typus (im Zoolog. Mus. Berlin) überein; es wirkt sogar
insofern noch dunkler als dieser, als der helle Raum zwischen der
Mittelbinde und der verdunkelten Flügelspitze, der bei dem Typus
noch deutlich sichtbar ist, hier fast ganz dunkel angeraucht er-
scheint. Die Sprenkelung der Elytren ist verwaschener als bei dem
Typus (l. c., Taf. I, Fig. 8b). Redtenbacher!‘) erwähnt bei cya-
nopterus noch eine rosenrote Färbung an der Basis des Hinterflügel-
randes, dieandemCharpentierschenTypus aber nicht zu bemerken ist.
Uvarow nun macht sich meinen Vorschlag zur Vereinigung
von coerulans L. und cyanopterus Charp. zu eigen und geht sogar
noch weiter, indem er auch callosus Fieb. mit diesen beiden ver-
einigt. Er sagt auf pg. 220 (l. c.) folgendes (Übersetzung):
„Der Unterschied zwischen Sph. coerulans und callosus ist so
gering wie unter einzelnen Stücken der einen oder der anderen
Art. Die am deutlichsten erkennbaren Merkmale von callosus sind
ein hoher Kiel des Pronotums und die Binden auf den Flügeln,
doch ist ersteres auch bei coerulans nicht selten der Fall, denn bei
diesem ist die Form der Kielbildung sehr verschieden ausgeprägt,
nicht selten ist er sogär sehr stark ausgebildet. Was jedoch die
Binden auf den Flügeln betrifft, so können diese auch bei callosus
fehlen, wie es schon Subowsky!®) an Material aus Transkaspien
nachweist. Dies bestätigt auch meine Serie, welche ich aus dem
Flußgebiet des unteren Kumie (Stawropoler Gebiet) besitze. Diese
Serie zeigt eine ununterbrochene Kette von Übergängen zwischen
beiden Arten, und eine Selbständigkeit derselben weiterhin auf-
recht zu erhalten, ermangelt der Begründung. Über das gegen-
seitige Verhältnis von Sph. coerulans, forma typica, und f. callosa
bestimmte Schlüsse zu ziehen, ist im Augenblick noch schwer.
Es ist leicht möglich, daß callosa nur eine Form von coerulans
darstellt, die, soviel ich weiß, zumeist nur auf Salzgrund vorkommt.
Aus diesem Grunde wird man diese drei so geschwisterartigen
Formen Sphingonotus callosus Fieb., coerulans L. und cyanopterus
Charp. (Ramme, Berl. Ent. Zeitschr. LVI, 1911) zu einer Art
zusammenziehen müssen. Es ist eine sehr dankbare und von all-
gemeinen biologischen Gesichtspunkten aus sehr interessante Auf-
16) Horae Ent. 1825, p. 143. _
17) Die Dermapt. u. Ortflopt. Österr.-Ung. u. Deutschlds., Wien 1900.
18) Horae Soc. Entom. Ross., XXX, 1896, p. 184.
12. Heft
96 Dr. Willy Ramme:
gabe, an der Hand eines großen Materials eine detaillierte Unter-
suchung über die Schwankungen der Merkmale innerhalb der ein-
zelnen Formen anzustellen.“ 2
Wir haben also innerhalb der Art coerulans L. eine außer-
ordentliche Vielgestaltigkeit der Formen, die teilweise als Species,
als Subspecies und als Forma auftreten können. Ich halte un-
bedingt an dieser praktischen und trotz der Schwierigkeit der
Frage noch klarsten Terminologie ‚Species—Subspecies— Forma“
fest, die sich auch bereits recht eingebürgert hat und bedaure
nur, daß Zacher in seiner an sich sehr dankenswerten bereits
öfter zitierten Arbeit ‚Die Geradflügler Deutschlands‘‘ immer
noch mit den unklaren Begriffen ‚„Stammform‘“ und ‚Varietät“
operiert und auch in der Anwendung des Begriffes ‚‚forma‘“ nicht
konsequent ist!®). Gewiß gibt es Fälle, in denen, sei es aus Material-
mangel, sei es infolge unzureichender Literaturangaben, Zweifel
obwalten können über die Zugehörigkeit zu der einen oder anderen
Kategorie. Definiert man aber das Verhältnis der Subspecies zur
Species so, wie ich es nachstehend tue, so wird man in allen Fällen
zu einer klaren Auffassung kommen, vorausgesetzt eben, daß
reichliches Material zur Verfügung steht. Das ist allerdings
zur Vermeidung gefährlicher Verallgemeinerungen, an denen die
zoologische Systematik furchtbar krankt, unbedingt nötig. Die
Subspecies ist gleichwertig der Species und darf vom Typus der
Species nicht durch wichtige und charakteristische morphologische
(z. B. äußere Genitalien), sondern nur durch unwichtigere Merk-
male (z. B. Größe, Zeichnung, Färbung) abweichen, sie darf ferner
nicht am gleichen Ort mit jener vorkommen und muß am Orte
ihrer Verbreitung in ihren besonderen Merkmalen rein auftreten
(Lokalrasse). Finden sich dort dem Typus angenäherte Übergänge
vor, so müssen diese dennoch wenigstens ein allgemeines Charakte-
ristikum der Subspecies tragen (z. B. durchweg geringere Körper-
größe). Theoretisch, weil nicht immer nachzuprüfen, muß auch
die Forderung gestellt werden, daß die charakteristischen Merk-
male stets weiter vererbt werden. Damit kommen wir auch gleich
zur Definition der Forma, bei der diese letztere Forderung nicht
erfüllt zu sein braucht. Bei ihr handelt es sich stets um eine Einzel-
erscheinung, die entweder wirklich ganz vereinzelt bleiben oder
jedenfalls im allgemeinen selten auftreten kann (z.B. irgend eine
Zeichnungsabweichung) oder. aber sich auch in Anzahl unter
Species und Subspecies finden kann (z. B. langflügelige Stücke
unter einer sonst kurzflügeligen Art). Hierher gehören nach meiner
bereits im ‚Nachtrag zur Orthopterenfauna Brandenburgs“ (l. c.,
pg. 230) geäußerten Ansicht auch die verschiedenen Färbungs-
typen der Stenobothrus-Arten, die grauen, grünen, roten und schwar-
zen Stücke, die viele Arten meist überall nach dem gleichen Schema
au,
Far E
15) Vgl. auch Art. I dieser Arbeit!
u
Orthopterologische Beiträge 97
Zacher macht hiergegen den Einwand, daß der experimen-
telle Nachweis hierfür noch nicht erbracht sei (l. c., pg. 4). Den-
noch glaube ich, daß man in diesem Fall rein theoretisch aus der
ungeheueren Mannigfaltigkeit dieser Färbungsformen den Schluß
ziehen kann, daß hier an eine konstante Vererbung — denn
nur eine solche hatte ich natürlich im Auge — jeder einzelnen
Modifikation nicht zu denken ist. Die Möglichkeit, daß auch den
Farben Erbkraft innewohnt, kann dabei ruhig zugestanden werden.
Nehmen wir z. B. an, ein 2 mit viel grünen Färbungselementen
paarte sich mit einem völlig grauen { (es erscheint ausgeschlossen,
daß das 2 zur Begattung nur die gleiche Färbungsform des Männ-
chens annimmt), so ist eine Reduktion des Grün bei den Nach-
kommen wahrscheinlich. Es ist auch anzunehmen, daß die Nach-
kommen einer und derselben Eiablage unter sich ungleich sind.
Es könnte also — theoretisch — bei zufälliger, fortgesetzter
Paarung mit grauen Sg das Grün einmal völlig verschwinden
und ebenso gelegentlich durch Rezidive oder Einschaltung grü-
ner dd wieder auftauchen. Die Zahl der Modifikationen ist bei
Stenobothrus außerordentlich groß. Die Entstehung der Mo-
difikationen aber ist durchaus dem Zufall der Gattenwahl über-
lassen. Daß je nach der geologischen und floristischen Beschaffen-
heit des Standortes zuweilen ein Überwiegen gewisser Fär-
bungen die Regel sein können, wie Karny??) es für die Tettix-
Arten der Wiener Umgebung und Zacher (l. c.) bei Eschwege,
je nach dem Vorkommen auf Kalkboden oder im Buntsandstein-
gebiet gefunden haben, ist natürlich sehr wohl möglich; das zeigen
ja auch meine Erfahrungen auf dem Moorgebiet bei Oberstdorf
im Allgäu. (Vgl. Art. VI dieser Arbeit.) Mit dem allerdings
recht schwierigen Versuch, auch den von Zacher geforderten
experimentellen Nachweis zu erbringen, bin ich beschäftigt.
Machen wir die Nutzanwendung des eben über die Bewertung
von Species, Subspecies und Forma Gesagten in einigen konkreten
Fällen! BeiStauroderus bicolor Charp., biguttulusL. und mollis Charp.
müssen wir Artcharakter annehmen mit der Begründung, daß,
wenigstens bei den dd, ganz bedeutende morphologische (Flügel-
geäder) und auch physiologische Unterschiede (Zirpweise) vor-
liegen und alle drei nebeneinander vorkommen. Die nordalpine
Podisma alpina Koll. Br. ist durchweg kurzflüglig und die süd-
alpine collina durchweg langflügelig; da dies aber in beiden Ge-
schlechtern der einzige Unterschied ist und irgendwelche sonstigen
anatomisch-morphologischen Abweichungen fehlen, so müssen wir
collina als Subspecies der (zuerst benannten) alpina auffassen.
Dagegen müssen wir die z. B. bei den in Europa kurzflügeligen
Arten Chrysochraon dispar Heyer und brachypterus Ocsk. sowie
Platycleis roeselii L., brachyptera L. und bicolor Phil. zuweilen
auftretenden langflügeligen Stücke, die überall vorkommen, als
20) Wien. Entom. Z. XXVI, 1907.
Archiv für Naturgeschichte ee 12. Heft
1920. A. 12. d
98 Dr. Willy Ramme:
formae bezeichnen, eben aus diesem Grunde und ferner deswegen,
weil sich die Langflügeligkeit wohl kaum dauernd vererbt, denn
sonst müßten solche Individuen weit häufiger sein.
Angewandt auf Sphingonotus coerulans, cyanopterus und cal-
losus kompliziert sich die Frage nun insofern, als hier die Varia-
tionsbreite mancher Merkmale sehr groß ist, z. B. bei den märki-
schen Tieren. Als Nominattypus der Species ist coerulans überall
da anzuwenden, wo er in großen, hellen, bindenlosen Stücken
vorkommt, z. B. in Südeuropa: Sphingonotus coerulans coerulans L.
Die märkischen Tiere bilden eine Subspecies oder Lokalrasse?!),
die aber ihrerseits wieder in mehrere Formae zerfällt. Ich sebe
mich nach dem oben über die Wertung der Bezeichnungen Species,
Subspecies und Forma Gesagten gezwungen, meine früheren
Benennungen (l. c.) etwas zu modifizieren. Die märkischen Stücke
in ihrer Gesamtheit bilden die Subspecies intermedius m. (nec
forma intermedia!), ausgezeichnet einmal durch ihre konstant
geringere Körpergröße, andererseits durch die Tendenz zur Binden-
bildung auf den Hinterflügeln: Sphingonotus coerulans intermedius
Ramme. Man kann nun noch den fast bindenlosen intermedius
mit dem früher von mir gegebenen Namen forma minor m., den
mit schwacher Binde mit forma intermedia m. und den mit voll
ausgebildeter Binde mit f. cyanoptera Charp. bezeichnen. In
Schweden, wo alle Stücke dunkle Binden zeigen, hätten wir dem-
nach cyanopterus Charp. als Subspecies: Sphingonotus coerulans
cyanopterus Charp. Dazu tritt dann in Zentral-Asien Sph. coeru-
lans callosus Fieb.
Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt ein Artikel von Wahl-
gren??) erhöhtes Interesse, der Zachers®) Vermutung, cyanopterus
sei ein eiszeitliches Relikt, bekämpft und cyanopterus als xero-
thermisches, als Steppenrelikt aufgefaßt wissen will. Seine
Begründung ist durchaus einleuchtend. Zacher war durch eine
auf unerklärte Weise in die Literatur geratene Angabe, cyanopterus
käme ‚an den Gebirgsbächen Schwedens‘ vor, irregeführt worden,
was Wahlgren dahin berichtigt, daß diese Subspecies nur im
südlichsten Teil Schwedens, in drei getrennten Gebieten vorkäme
(auf den Ostseeinseln Öland und Gothland und an der Westküste
der Provinz Bohuslän) und zwar dort auf ausgesprochenem Steppen-
gebiet mit pontischer Vegetation bezw. auf fast vegetationslosen
Kalkfelsen und Strandklippen. Daraus müsse man den oben-
erwähnten Schluß ziehen, umsomehr als viele Verwandte des
21) Diese ist sicher nicht nur auf die Mark Brandenburg beschränkt,
sondern im nördlichen Deutschland überhaupt wohl die vorherrschende.
So meldet La Batıme in seiner soeben erschienenen Arbeit ‚Die Gerad-
flüglerfauna Westpreußens“ (Schriften der Naturf. Gesellsch. in Danzig,
XV, Heft 1 und 2) auch aus Westpreußen die Auffindung des intermedius
Ramme.
22) 92.7. wiss. Ins.-Biol. VIEL=ENT: 5:
23) Beitr. z. Kenntn. d. Orth. Schlesiens. Z.f. wiss. Ins.-Biol. 1907,
Nr. 6.4.7.
Orthopterologische Beiträge 99
cyanobterus sogar reine Wüstenbewohner seien. „Die oben nach-
gewiesene enge Verbindung des cyanopterus mit callosus und coe-
rvulans kann diese Theorie Wahlgrens nur stützen.
III. Eetobia lapponiea L. und ihre Verwandten.
Eine kritische Studie.
Eines der dunkelsten Kapitel der Orthopterologie ist die ein-
wandfreie Definition der beiden Ectobien lapponica und livida.
Erstere wurde 1745 von Linne, letztere 1793 von Fabricius be-
schrieben; als synonym zu labponica wird von den meisten Autoren
hemiptera Fabr., zu livida perspicillarıs Herbst aufgefaßt.
Da ich glaube, zur Klärung dieser Frage Wesentliches beitragen
zu können, will ich zunächst in großen Zügen die allgemeinen
Anschauungen betreffs der Beurteilung dieser Arten darlegen und
dann an der Hand besonders meine märkischen und Thüringer
Funde die Unhaltbarkeit mancher dieser Anschauungen zu be-
gründen versuchen.
Ich will gleich mit Brunner v. Wattenwyl beginnen, dessen
„Prodromus‘*#) grundlegend wurde und gewissermaßen die Quint-
essenz der bis 1882 gewonnenen Ansichten darstellt. Im Anschluß
an die lateinischen Diagnosen, die man dort nachlesen mag, sagt
er über lapponica folgendes (pg. 33):
„Diese Blatta variiert außerordentlich in Größe und Färbung,
indem die normal schwarzen Körperteile rostrot werden. Der
schwarze Kopf erscheint mit rostfarbiger Binde zwischen den
Augen, das Pronotum verliert die schwarze Farbe der Scheibe
und erscheint gleichförmig rostrot, wodurch das Insekt das Aus-
sehen der Ect. livida erhält. Die Füße, welche beim $ normal
schwarz sind, blassen an den Insertionsstellen der einzelnen Teile
ab, oft sind die Schienen ganz blaß. Bei dem 9, welches gewöhnlich
blasse Füße hat, kommen umgekehrt oft schwarze Schenkel vor.
Die Deckflügel verlieren die schwarze Färbung der vena radialis.
Die Bauchseite des Hinterleibes ist beim & stets schwarz, ‚beim
9 ist die Subgenitalplatte in der Mitte dunkelrot und es gehen
von hier lichte Streifen nach allen Seiten aus. Die Cerci sind in
beiden Geschlechtern schwarz, selten an der Basis rostrot.‘
Über livida bemerkt er (pg. 36):
„Die strohgelbe Farbe der Oberseite des Körpers und die rot
und braun marmorierte Unterseite, namentlich beim 2 und die
in beiden Geschlechtern lanzettförmigen Deckflügel unterscheiden
diese Species. — — — In ganz Mittel- und Südeuropa, jedoch im
Norden (Deutschland) viel seltener als Ectobia lapponica L., reicht
sie südlich viel weiter und ist in Spanien, südlichem Frankreich,
Italien und Dalmatien häufig. In der Gegend von Wien, wo sie sehr
häufig vorkommt, ist das $ überaus selten. Ich bin geneigt, an-
24) Prodr. d. europ. Orthopt., Leipzig 1882.
7* 12. Heft
100 Dr. Willy Ramme:
zunehmen, daß hier sich nur das 2 fortptlanzt, welches sich vom
S der Ectobia lapponica begatten läßt, was Krauss (Verh. Zool.-
bot. Gesellsch., Wien XXIII, p. 18) beobachtete.“
Regel (1896)?°) gibt bei livida an: ‚‚an manchen Stellen, zu-
mal an Kalkbergen, in .Menge, nicht selten in copula mit E. lap-
ponica.““
Redtenbacher (1900)%) sagt über lapponica (pg. 26):
„Fübler und Kopf meist schwarz, Halsschild mit schwarzer,
selten rostroter Scheibe. Flügeldecken gelb, braun gesprenkelt,
beim & lanzettförmig, den Hinterleib überragend, beim 2 abge-
kürzt, eiförmig. Flügel beim $ vollkommen, rauchbraun, beim 2
verkümmert. Beine größtenteils ($) oder doch die Schienen ($)
schwarzbraun. Hinterleib oben. schwarz, die Ringe seitwärts und
hinten schmal weiß gerandet, beim $ an der Spitze rostrot; Bauch
beim $ schwarz, beim Q meist rostrot, jederseits mit einer Reihe
schwarzer Flecken. Cerci schwarz. Körperlänge 8—11 mm.“
Über livida bemerkt er folgendes (pg. 27):
„Rost- oder strohgelb. Kopf gelb, mit rostroter Querbinde
cder ganz rostrot. Flügeldecken in beiden Geschlechtern lanzett-
förmig, reihenweise braun punktiert, beim Q etwas kürzer als beim 4.
Flügel beim $ und 9 entwickelt, rauchbraun. Beine blaß. Hinter-
leib oben braun, unten beim $ braun, beim 9 rostrot, in der Mitte
und am Seitenrande schwarzbraun gefleckt. Cerci blaß, mit
brauner Spitze oder ganz braun. Körperlänge 8—9,5 mm.“
Tümpel (1901)?) und Fröhlich (1903)?°) können wir über-
gehen, da sie keine neuen Gesichtspunkte bringen und ihre An-
gaben zudem von geringem kritischen Wert sind. Nur die folgende
Bemerkung Tümpels über E. livida sei erwähnt: ‚In manchen
Gegenden sind die 38 sehr selten, es finden dann Kreuzungen mit
E. lapponica statt.“
Die weitaus eingehendste über dieses Thema bisher erschienene
Arbeit ist die von Adelung (1906)2°): ‚Eine neue Ectobia,
E. duskei, vom Bogdo, sowie einige Bemerkungen über russische
Varietäten der Ectobia perspicillaris Herbst (livida F.).“ Adelung
weist zunächst darauf hin, daß, wie es schon frühere Autoren an-
gegeben hatten, die Variationsfähigkeit der beiden Ectobia-Arten
sehr groß sei, die sogar soweit ginge, daß „Exemplare der einen
Art die Färbung der anderen Art mehr oder weniger vollständig
annehmen.‘‘ Dies betreffe besonders die 29, mit denen er sich
dann ausschließlich beschäftigt. Das einzige sichere Kriterium
biete die Gestalt der Elytren, welche ‚‚bei ersterer Art verhältnis-
mäßig breiter und am Gipfel abgerundet (eiförmig), bei letzterer
lanzettförmig sind.‘
?5) Die Dermapt. u. Orth. Deutschl. u. Österr.-Ung., Wien 1900.
?*) Thüringen, Jena 1892 — 96.
”) Die Geradflügler Mitteleuropas. Eisenach 1901.
= Die Odonaten und Orthopteren Deutschlands, Jena 1903, Gustav
1SCNET.
22) Horae Soc. Ent. Ross., XXXVIJI, 1904/05.
Orthopterologische Beiträge 101
Um den Unterschied zwischen diesen beiden Flügelformen
präzise festzulegen, gibt Adelung auf Grund von Messungen an
je 3 22 beider Arten Verhältniszahlen für die Länge und Breite
der Elytren und findet bei lapponica das Verhältnis 1,9—2,0:1
und für livida 2,5—3,0:1. Adelung entwertet aber diese Angaben
ebenso wie die vorerwähnte Bemerkung von dem ‚‚einzigen sicheren
Kriterium‘‘ gleich selbst wieder dadurch, daß er sagt, die Schwan-
kungen seien aber so groß, daß man die Grenzen nur ungenau
feststellen könne.
Er greift dann aus den 28 22 von Ectobia, die das Petersburger
Museum besitzt (5 davon aus dem Gouvernem. Gorbatov, die
übrigen aus dem Gouvernem. Petersburg) und die nach seiner
Vermutung zu Perspicillaris Herbst“P) gehören, 7 heraus, die die
allgemeinen Eigenschaften dieser 28 Stücke haben und beschreibt
sie genau, worauf ich noch zurückkomme. Ein 8. Exemplar, das
mit diesen übereinstimme, verdiene besonderes Interesse, da es
„mit einem typisch ausgebildeten und gefärbten $ von Ectobia
lapponica L. in Copula erbeutet wurde‘. (Von Bianchi, bei Peter-
hof, 3. VI. 1897.) Er sagt dann weiter folgendes:
‚Wie bereits oben bemerkt, sind Kreuzungen von E. lapponica
mit E. perspicillaris schon von H. Krauss beobachtet worden.
Brunner v. Wattenwyl spricht die Vermutung aus, daß in der
Gegend von Wien, wo die d& von E. perspicillaris sehr selten sind,
die 22 dieser Art sich mit d$ von E. lapponica fortpflanzen. Es
liegt die Vermutung nahe, daß ein gleiches Verhalten der E. der-
spicillaris-Weibchen auch in anderen Gegenden stattfindet, na-
mentlich aber im Norden. Hierfür spricht der Umstand, daß in den
Sammlungen des akademischen Museums auf die besprochenen
28 aus dem zentralen und nördliehen Rußland stammenden {7
kein einziges $ kommt, während das Verhältnis bei E. lapponıca,
wenigstens was den Norden (Gouv. St. Petersburg) betrifft, sich
umgekehrt gestaltet: die akademische Sammlung enthält auf 8 27
der E. lapponica 25 3S derselben Art. Der Einwand, die 22 von
lapponica oder die $& von E. perspicillaris wären aus irgendwelchen,
mit der Lebensweise zusammenhängenden Gründen schwerer auf-
zufindem-als die entsprechenden anderen Geschlechter der gleichen
Arten, ist hinfällig, da die Lebensweise bei zwei so nahestehenden
Arten wohl kaum wesentlich verschieden sein kann. Es können
nun bezüglich der in Frage stehenden 28 22 zwei Möglichkeiten
obwalten: entweder sind dieselben Varietäten von E. perspicillaris,
deren d& höchst selten sind und sie pflanzen sich mit E. lapponıca
fort, oder aber wir haben es mit einer zweiten weiblichen Form
von E. lapponica zu tun, welche namentlich durch die Gestalt der
Elytren beträchtlich von der typischen Form abweicht. Eine
positive Stellungnahme in dieser Frage wäre nur dann ratsam,
wenn genügendes Material beider Arten und ihrer Varietäten aus
23) Adelung setzt livida F. als synonym zu dieser.
12. Heft
102 Dr. Willy Ramme:
den verschiedensten Gegenden, namentlich aber aus Zentral- und
Nordrußland vorläge; namentlich wäre es wünschenswert, weitere
Beispiele für die Fortpflanzung von E. perspicillaris Q mit E. lappo-
nica & festzustellen und womöglich die Nachkommen solcher Kopu-
lationen zu erziehen, um über deren morphologische Merkmale und
Färbung Auskunft zu erhalten.‘
Malcolm Burr (1900)?}) sagt über lapponica: „It is very
variable, and the black parts often change to reddish, so that is
sometime resembles E. livida‘‘ und über livida: ‚The straw-colour,
with a few specks, and entirely developed wings and elytra in
both sexes, distinguish this species.“
Ebner (1900)??) gibt in seiner ‚Orthopterenfauna von Gun-
tramsdorf‘ an: ‚„lapponica selten‘ und bemerkt von lvida, nach-
dem er auf die gleichen Beobachtungen Adelungs und Brunners
hingewiesen, ‚auch ich habe am Eichkogl im Frühjahr die 3&
von lapponica schon öfters an solchen Stellen im Grase getroffen,
wo nur derspicillaris-?? zu sehen waren.
Ich selbst habe 1911 in meinem ‚Beitrag zur Orthopteren-
fauna der Mark Brandenburg‘‘3?) angegeben, ‚lapponica wurde
auch bei Berlin des öfteren mit vida kopulierend gefunden und
erzeugt nach Krauß mit ihr Bastarde‘‘.3*)
Wanach (1915)?°) findet ‚‚die 3 von lapponica bei Potsdam
sehr häufig‘‘ und ‚4 22 von livida, aber keine Jg“.
Zacher (1917)3%) bemerkt in den ‚‚Geradflüglern Deutschlands
von lapponica „überall häufig‘‘, von livida ‚auf Gebüsch nicht
selten, merkwürdigerweise jedoch nur die 99; 3 habe ich aus
Schlesien niemals zu Gesicht bekommen.“
Willemse (1918)3”) bezeichnet lapponica als ‚allgemeen‘
livida als ‚„‚tameligk zeldsaam‘‘ in den Niederlanden. Er gibt zahl-
reiche Fundorte für beide an; gemeinsam kommen beide vor
an folgenden Orten: Houthem, Mook (Prov. Limburg), Laren
(Nordholland), Arnhem, Putter, Leuvenum (Gelderland) und
Denekamp (Overijsel). Die Angaben von Krauss, Adelung und
Ramme über die Kopulation mit lapponica erwähnt Willemse,
ohne sich dazu zu äußern.
a
31) Synopsis of the Orthoptera of Western Europe, London 1910.
32) Mitt. Naturw. Verein Wien, VIII. Jahrg.
3) Berl. Ent. Zeitschr. LVI, 1911.
34) Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, daß meine
damalige Angabe, die ich namentlich auf Grund einer von Thurau noch
am 2. Oktober die Larvenhaut verlassend gefundenen Imago machte,
lapponica komme wahrscheinlich in mehreren Generationen vor, mir heute,
nach fast 10jährigen weiteren Beobachtungen, nicht mehr zutreffend er-
scheint. Die Larven wachsen viel zu langsam heran, als daß 2 Generationen
ermöglicht würden. Der Thurausche Fund dürfte sehr vereinzelt dastehen;
es handelt sich entweder um einen Nachzügler oder um ein vorzeitig ent-
wickeltes Exemplar; die UÜberwinterung erfolgt sonst im Larvenstadium.
8) D. Ent. Zeitschr. 1915, p. 323.
3) Jena 1917.
#7”) Orthoptera Neerlandica. Tijdschrift v. Entomol., Jahrg. 1917.
Orthopterologische Beiträge 103
Leonhardt (1919)°°) hat bei Cassel das 2 von lapponica
„nur in der hellen Form“ gefunden; von lvida gibt er nur an,
„an Waldrändern, auf Waldblößen‘.
La Baume (1920)3) endlich in seiner soeben erschienenen
Arbeit „Die Geradflüglerfauna Westpreußens‘, die in vorzüglicher
Weise einen abschließenden Überblick über die derzeitige Kenntnis
dieser Fauna bringt, äußert sich auch über die beiden Ectobien
etwas eingehender. Er sagt von lapponica (pg. 10): „In der Samm-
lung des Westpreußischen Provinzialmuseums von zahlreichen
Fundorten in Westpreußen vertreten. Hierher gehören auch einige
hellgefärbte 92, welche der Ectobia livida F. ähnlich sind, aber
doch von dem Typus dieser Art abweichen und wohl zu E. lab-
ponica L. zu stellen sind (folgen Fundorte). N. v. Adelung (Peters-
burg), der die Frage der Artzugehörigkeit solcher Formen ein-
gehend behandelt hat, bat sich diese Stücke zur näheren Unter-
suchung aus und schrieb mir darüber: ‚Es handelt sich, wie ich
das gleich vermutet hatte, um die langflügelige $-Varietät von
Ectobia lapponica, welche von einigen älteren Autoren für das
richtige @ der Art gehalten wurde. Einige der Exemplare sind
allerdings sehr hell gefärbt, zeigen aber doch die größeren dunklen
Flecke auf den Elytren und die dunkle Grundfarbe der Unterseite
des Abdomens; diese Merkmale scheinen das einzige Kriterium
zu sein, welches beide Arten unterscheidet. Bei der typischen
Ectobia livida fehlen diese Flecke, und die Grundfarbe der Unter-
seite ist weißlich. Es gibt aber fast alle Übergänge zwischen
beiden Arten, und ich muß dem leider so früh verstorbenen
hervorragenden Kenner der Blattodea, Shelford, fast recht-
geben, welcher vermutete, daß beide Arten miteinander zu ver-
schmelzen seien.‘
Über E. livida bemerkt La Baume (pg. 11): „Typische Ec-
tobia livida sind bisher in Westpreußen nicht gefunden
worden: eine Anzahl von 22 Stücken in der Sammlung des
Westpr. Prov.-Museums, die E. livida ähnlich sind, sind wahr-
scheinlich zu E. lapponica zu stellen (s. oben). Das gilt auch
von dem von Rübsaamen in der Tucheler Heide gesammelten
Exemplar, das in seiner Arbeit als E. livida aufgeführt wird.
Wahrscheinlich sind hiernach auch die von mir bestimmten Stücke
aus Ostpreußen, die ich in einer Mitteilung über die ostpreu-
Bische Orthopterenfauna als E. vida aufgeführt habe?) als zu
E. lapponica gehörig anzusehen.“
Diese Angaben mögen genügen, um den Grad der Unklarheit
und Verwirrung zu zeigen, die noch heute in dieser Frage unver-
mindert herrschen. Einen Ausweg daraus scheinen mir nun die
38) Die Orth.-Fauna d. Umg. Cassels. Abh. Ver. f. Naturk., Cassel 1919.
9) Schriften d. Naturf. Ges. Danae: NERV BG: 8, 0,2, ‚Heft,
43 Seiten.
40) Beitr. z. Kenntn. d. Derm. u. "Orth. Ostpreußens. Schr. Phys. Ök.
Ges. Königsberg, Bd. 53, I, S. 75—85.
12. Heft
104 Dr. Willy Ramme:
zahlreichen Funde zu zeigen, die ich — ganz besonders im ver-
gangenen Jahr — in der Mark Brandenburg und in Thü-
ringen machte. Es handelt sich'in allen Fällen nicht um Einzel-
funde, sondern um ganze Serien von Ectobia 33 und PP von eng
umschriebenen Stellen, die sicherlich auch ohne, daß sie sämtlich
in Kopula miteinander gefunden wurden, die Gewähr bieten,
daß sie innerhalb der Serie zusammengehören.
Bei Schwarzburg in Thüringen (vgl. Art. VII dieser Arbeit)
fand ich im August 1919 im Laub hauptsächlich der Fichten-
und Buchenmischwälder ca. 20 22 der Ectobia lapponica L. in
absolut typischer Form, wie sie z. B. Willemse (l. c.) und
Tümpel (l.c.) abbilden. Sämtliche 20 22 (3 Expl. auf Taf. II,
Fig. 3b—d abgebildet) stimmen im Prinzip genau miteinander
überein. Die Pronotumscheibe ist tiefschwarz, scharf gegen den
hellen Pronotumrand abgesetzt, mit geradliniger Basis; bei 2 Ex-
emplaren ist das Schwarz ein wenig in tiefrötlichbraun aufgehellt.
Fühler schwarz. Die Flügel sind eiförmig und reichen höchstens
bis auf das vierte Hinterleibssegment; Flecke sind vorhanden,
aber kleiner und nicht so verwaschen wie bei ihrer Verwandten —
nennen wir sie vorläufig liwrda; die vena radialis ist in ihrem
basalen Teil schwarz. Abdominalsegmente oberseits und unter-
seits glänzend tiefschwarz; nur der Hinterrand derselben und
kleine Flecke an den beiden Seiten sind hell bräunlichgelb. Cerci
schwarz, Beine hellbräunlich (wie auch die Elytren), nur die
distalen Enden der Schenkel und Tibien sind schwärzlich. Flügel
stark reduziert (Taf. II, Fig. 3b). Eines der Weibchen (3c) trug
eine Oothek. Unter den 22 fand ich, wohl infolge der schon
vorgeschrittenen Jahreszeit, nur 2 $S (eines davon auf Taf. II,
Fig. 3a); sie entsprechen völlig dem lapponica-Typ. Die Färbung
gleicht der der 29, nur die Beine sind völlig schwarz. Betreffs
dieser Tiere kann kein Zweifel bestehen, daß sie der lapponica L.
zugehören, wie sie Brunner beschreibt.
Außerdem besitze ich 2 22 und 1 3, die ich im Juli 1911 bei
Krummhübel i. Rsgb. sammelte und die den Schwarzburg-
Tieren auf das genaueste gleichen. In der Museumssammlung
finden sich ferner 1 9, 3 JS, ebenso typisch, von A. Spaney Juni
1908 bei Rosenstein (Schwäb. Alb) gesammelt, und, mit dieser
zusammen auf einer Stelle erbeutet, 2 29, 1 8, die sich durch eine
rostrote Pronotumscheibe und eine allgemeine Aufhellung der
Farbe ins Rotbräunliche auszeichnen; sie gehören aber ganz
zweifellos hierher. Ein solches $ erbeutete auch Kuntzen
(vgl. Art. VII dieser Arbeit) bei Boppard a. Rh. In der Mark
Brandenburg habe ich bisher niemals lapponica-?2 beobachtet.
Nun zu den märkischen Funden! Die ebenfalls immer auf
einem engbegrenzten Gebiet gefangenen 4 Serien, bei Cüstrin
(Tamseler Forst) und Berlin (Heiligensee, Falkenhagen und Brie-
selang) gehören unzweifelhaft sämtlich ein und derselben Art an.
Sucht man diese Tiere zu bestimmen, so kommt man bei den Jg
Orthopterologische Beiträge 105
auf lapponica L. Die 22, von denen zunächst nur die Rede sein
soll, weichen jedoch völlig von den oben beschriebenen lapponica
QQ ab, sind aber auch nicht bei den Beschreibungen von livida
bei Fabricius und auch nicht bei Brunner und Redtenbacher
einwandfrei unterzubringen. Damit sind wir an dem einen Punkt
angelangt, der die Schuld an all der Unklarheit trägt. Auf die
Ectobia-?22 von den genannten märkischen Fundstellen
paßt nur eine Beschreibung, und das ist die der Ectobia
perspicillaris Herbst.*!) Vor allem die Abbildung 11 auf Taf. XLIX
weist darauf hin, daß Herbst Stücke wie die vorliegenden vor
Augen gehabt hat. Die Punktierung der Elytren, auf deren Vor-
handensein es sehr ankommt, ist etwas zu regelmäßig verlaufend
dargestellt: ein früher häufiger zeichnerischer Mangel, der aber
ohne Belang ist. Am eindringlichsten aber wird meine Ansicht
dadurch unterstützt, daß die Herbstschen Stücke ebenfalls aus
der Mark Brandenburg stammen, und zwar aus Reppen. Die
Übereinstimmung meiner zahlreichen, in 3jähriger Beobachtungs-
zeit gesammelten Ectobien aus der Umgebung Cüstrins, das ja
nicht allzuweit von Reppen entfernt ist, sind eine weitere Stütze
dafür. Auf die systematische Bewertung von berspicillaris gehe
ich nachher ein; zunächst will ich eine genaue erweiterte Diagnose
für Derspicillaris geben; (vgl. auch Taf. II, Fig. 4a—d).
Die Diagnose bei Herbst ist nicht sonderlich präzis, läßt
aber, namentlich in Verbindung mit der Abbildung, keinen Zweifel
darüber zu, daß die hier beschriebenen Tiere weder mit lapponica L.
noch mit lvida zu identifizieren sind. Herbst sagt über Zderspicil-
larıs folgendes: ‚‚Fabricius hält zwar diese Art nur für eine Va-
rietät von lapponica, allein ich glaube doch, es sei eine eigene Art,
weil ich die nie hier (? der Verf.) gefunden habe, wo doch die
Blatta lapponica so häufig ist. Hingegen habe ich sie in Reppen
gefunden, wo ich jene niemals wahrgenommen. Sie hat gerade
die Gestalt des @ von der Bl. lapponica, welches, wie bekannt, so
viel kürzer ist. Die Deckschilder haben auch die Reihen brauner
Punkte, aber der Brustschild ist an den Seiten ganz durchscheinend
wie Glas und in der Mitte rötlichgelb. Fühlhörner und Füße sind
ganz blaß und halbdurchscheinend, die bei jener dunkler sind.‘
Wichtig ist die ausdrückliche Erwähnung der Elytrenflecken,
die dem Typus der livida F. fehlen, wie aus der Diagnose bei
Fabricius??) hervorgeht: ‚livida immaculata elytris ad angulum
acutum striatis. Habitat in Gallia — — —. Affinis Bl. lapponica.
Antennae corpore longiores, fuscae. Thorax, elytra striata, corpus
pallida, immaculata.‘‘ Was Fabricius in seinem schlimmen Latein
mit ‚„elytra striata‘“ meint, ist nicht recht klar und betrifft sicher
nichteine Fleckung der Elytren, da er dasselbe auch vomThorax sagt.
Die Heimat Gallia und vor allem die Angabe, daß der Körper
41) Fuessilys Archiv d. Naturgeschichte, 1786.
2) Eint. syst. 1793, p. 10.
12. Heft
106 Dr. Willy Ramme:
blaß und ungefleckt sei, läßt eine völlige Vereinigung und Syn-
onymie mit perspicıllaris ausgeschlossen erscheinen. Auch Ade-
lung hebt in seinem auf pg. 103 dieser Arbeit zitierten Briefe
an La Baume hervor, daß hvida ungefleckte Elytren habe.
Aus diesem Grunde ist die Abbildung bei Wytsman®) (Fig. 7)
für „‚perspicillaris‘‘ nicht zutreffend, da sie ein völlig ungeflecktes
Tier zeigt; ganz gut ist dagegen die etwas schematische Abb. 13
bei Willemse, die keine ‚‚livida‘‘, sondern bderspicillaris zeigt, be-
sonders instruktiv im Gegensatz zu der erwähnten Abbildung des
lapponica-?2 bei Willemse.
Nun die erweiterte Diagnose von derspicillaris Herbst
(nach 40 22 und etwa ebensovielen SS aus der Mark Brandenburg):
„2 Colore sordide-fusco. Caput nigrum vel brunneum
inter oculos vitta transversa ferruginea. Antennae fusco-brunneae.
Pronoti disco laete fusco, vel sordide-ferrugineo vel (rarissime)
nigre-brunneo; marginibus disci dilutis. Pronoti margo pellu-
cidus. Elytra abdominis apicem circiter attingentia, secundum
venam radialem fusco-punctata. Alae elytris paulo breviores.
Pedes pallidi. Segmenta abdominis supra nigra, in lateribus
maculis pallidis, margines posteriores linea angustissima pallida
ornati; infra nigra, in lateribus item maculis pallidis. Lamina
subgenitalis et sequens vel sequentia segmenta maculis duabus
laete ferrugineis ornata. Cerci nigri, interdum basi paulum brun-
nescentes.
3 lapponicae simillimus, sed in toto paululum pallidior et
pronoti discus multo magis dilutus, praesertim disci margo an-
terior.‘“
Die Unterschiede werden besonders klar und offensichtlich,
wenn man die ganzen Serien vergleichsweise betrachtet. Mit den
glänzend schwarzen kurzflügeligen 22 von lapponica sind die
perspicillaris-2Q2 überhaupt nicht zu verwechseln; von der hellen
livida weicht Perspicillaris durch ihren schmutzig-graubraunen
Gesamtton, hauptsächlich hervorgerufen durch das Durchscheinen
des dunklen Abdomens, deutlich ab. ‚‚Strohgelb‘‘, wie Brunner
von livida sagt, kann man perspicillaris wirklich nicht nennen,
und ebensowenig trifft Burrs ‚strow-colour‘‘ zu. Besonders be-
merkenswerte Unterschiede von livida liegen dann noch in der
Färbung des Abdomens, das viel Schwarz zeigt, auf dem sich unter-
seits die rostroten Doppelflecken stark abheben, sowie in den
schwarzen, nur selten am Grunde ein wenig bräunlich aufgehellten
Cerci.
Das $ ist dem von lapponica äußerst ähnlich, zeigt aber einen
bisher immer übersehenen Unterschied — und das ist die
deutlichste praktische Bestätigung meiner später zu entwickeln-
den und auf rein theoretischem Wege gewonnenen Ansicht
über die Rolle der Ectobienmännchen. Dieser Unterschied
45) Genera Insectorum, Ectobiinae, Fasc. 55.
Orthopterologische Beiträge 107
besteht in der Form und Ausbildung des Discus pro-
noti. Die dunkle Pronotumsscheibe ist bei lapponica seitlich viel
weniger rund vorgewölbt und nach hinten kaum ein-
geschnürt, ringsherum scharf geschnitten und mit einem
mehr oder weniger deutlichen, schmalen elfenbeinfarbigen
Rand??) umsäumt. (Vgl. Textfig. 1.) Demgegenüber zeigt das
perspicillaris-$ eine stark abgerundete, nach hinten einge-
buchtete Scheibe, die — außer vielleicht am Vorderrand —
ganz verwaschene Ränder und keine oder nur eine sehr
spärliche Einfassung durch einen hellen Rand zeigt (vgl. Text-
fig. 2). Die durchsichtige Umrandung des Discus ist bei lap-
ponica schmäler als bei ferspicillaris. Ich bin auf diesen Unter-
Textfig. 1. Textfig. 2.
schied erst durch die Überlegung gekommen, daß sich die enor-
men Abweichungen der Disci bei den 22 gewiß auch bei den JS
ausprägen müßten, was sich also vollauf bestätigt hat.**) (Die
photographischen Abbildungen auf Taf. II geben dies infolge”der
Lichtreflexe auf dem glänzenden Pronotum nicht wieder.) -
Brunner (l. c.) hat die livida-Diagnose von Fabricius, dem
helle, ungefleckte Stücke aus Frankreich vorlagen (ebenso wie
Hagenbach®) bei seiner concolor von Basel) offensichtlich durch
Einbeziehung einzelner Merkmale von $erspicillaris, von der er
auch Stücke gesehen haben muß, erweitert, und diese Misch-
diagnose ist dann in die spätere Literatur übernommen worden.
So erklären sich die Schwierigkeiten der Bestimmung der Ectobien-
weibchen, die ganz besonders hervortraten, wenn man eines der
oben beschriebenen persbicillaris-Q vor sich hatte.
Perspicillaris ist von lapponica wegen der erheblich ver-
schiedenen 92 artlich zu trennen, wofür auch die abweichende
Form der später zu besprechenden Ootheken spricht. Livida
43) Nicht mit dem breiteren durchsichtigen Rand des Pro-
notums zu verwechseln!
4) Wie ich nachträglich ersehe, gibt Redtenbacher (l.c.) diesen
Unterschied in seiner Bestimmungstabelle an für lapponica und livida,
hat dabei aber wohl mehr die 9% im Auge gehabt, sonst hätte er ihn als
wichtig genug in der Artbeschreibung der 33 angetührt und wäre wohl
auch kaum bei seiner, wie wir sehen werden, falschen Nomenklatur ge-
blieben. Tümpel bildet das $ zu lapponica betreffs der Pronotums-
scheibe richtig ab (Taf. 15); ein kvida-? zeigt er nicht, offenbar, weil er
nicht weiß, wie es in Wirklichkeit aussieht. Das abgebildete livida-S
kann als solches gelten im Fabricius’schen Sinne, paßt aber als $ nicht
zu der livida Brunners u. Redtenbachers, die auch perspieillaris Herbst
mit umfaßt. :
#35) Symb. Faun. Insect. Helvetiae, Basel 1822, p. 20, Fig. 10.
12. Heft
108 Dr. Willy Ramme:
dagegen ist näher verbunden mit derspicillaris, möglicherweise
eine Form bezw. Subspecies von letzterer, wahrscheinlicher
aber selbständige Art.
Auch nach dem Prioritätsgesetz hat dersprcillaris Herbst (1786)
den Vorrang vor livida F. (1793). Kirby (1904) führt daher im
Gegensatz zu Brunner (l. c.) in seinem ‚„Synonymic Catalogue“
livida als Synonym zu Perspicillaris, und auch Adelung (l. c.)
gibt diesem Namen den Vorzug. Vergleicht man übrigens bei
letzterem Autor die erwähnte Beschreibung seiner 8 Ectobia Per-
spieillaris aus dem Petersburger Museum mit der meinigen, so
zeigt sich eine weitgehende Übereinstimmung.
Wenn wir nun die Frage der Ectobia-$& anschneiden, so stehen
wir hier an der zweiten Quelle der herrschenden Verwirrung. Sie
ist verursacht durch die außerordentliche Ähnlichkeit
der $& von lapponica und Perspicillaris. Wie ich früher -
dieser Ähnlichkeit selbst zum Opfer gefallen bin, so finden wir,
wenn wir die eingangs zitierten Literaturangaben nochmals darauf-
hin durchsehen, auch bei fast allen anderen Autoren hauptsächlich
zwei Beobachtungen, die immer wiederkehren, und auch in einem
ursächlichen Zusammenhang miteinander stehen, einmal die, daß
die dS von lapponica die 22 von livida (bezw. Perspicil-
larıs) begatteten, weil diese Männchenmangel habe
(Krauss, Brunner, Regel, Tümpel, Adelung, Ebner, Ramme),
ferner die, daß lapponıca bezw. deren $S und auch livida-
Q® häufig, deren SZ aber selten oder garnicht aufzu-
finden seien (Brunner, Tümpel, Ebner, Wanach, Zacher).
Wenn wir annehmen, daß die ‚„lapponica-$3, die überall
häufig sind und oft die Begattung von Perspicillaris-livida über-
nehmen‘ zum Teil garnicht lapponica-Sg sind, sondern die eigent-
lichen $& der perspicillaris, so haben wir eine völlig zwang-
lose Erklärung für die genannten Beobachtungen. Und da wir,
beispielsweise in der Mark mit ‚‚livida‘‘, der verkannten derspicil-
laris, stets nur das eine, wie Japponica aussehende { finden
und nie dessen zugehörige lapponica-??, so können wir
wohl nicht umhin, anzunehmen, daß diese $& auch aus den
Eiablagen der Perspicillaris-?Q? stammen, mit denen ge-
meinsam man sie stets findet —, also artzugehörig sind.
Diese theoretischen Erwägungen fanden denn, wie bereits oben
bemerkt — in dem später von mir aufgefundenen Unterscheidungs-
merkmal am Discus pronoti der lapponica- und perspieillaris-SS
ihre Bestätigung.
Wenn in der Literatur angegeben ist ‚„lapponica häufig‘, so
ist sicher sehr oft, z. B. stets in der Mark, das $ gemeint —, das
mit dem derspicillaris-$ verwechselte. Und heißt es ‚die dg von
livida selten‘, so kann es sich höchstens um aufgehellte derspiezl-
laris-$& gehandelt haben; die echte livida, von Charpentier aus
„Gallia‘“ beschrieben, dürfte in Deutschland — wenigstens im
mittleren und nördlichen — kaum vorkommen. Drum sagt
Orthopterologische Beiträge 109
Zacher (l. c.), sicher mit Recht ‚‚die d$ von kövida habe ich
aus Schlesien niemals zu Gesicht bekommen. Ein Teil der be-
obachteten ‚lappontca‘-S&, und gewiß der größere, entsprechend
der größeren Häufigkeit der Art in Deutschland, waren eben
perspicillaris-$3, der kleinere Teil gewiß wirkliche lapponica-
3g, namentlich bei Angaben aus den Mittelgebirgen. In Thüringen,
im Riesengebirge und auf der Schwäbischen Alb ist sie ja un-
zweifelhaft festgestellt. Wenn Zacher livida-QQ2 auch von Krumm-
hübel angibt, von wo ich lapponica-QQ besitze, so glaube ich sicher,
daß dies rostrote Stücke von lapponica waren, ähnlich denen, die
ich von der Schwäbischen Alb erwähnte und an deren Zugehörig-
keit zu lapponica auch kein Zweifel ist. La Baume (l. c.) glaubt, |
daß alle west- und ostpreußischen hellen Ectobia-29 zu lapponica
gehören, worin ihn auch Adelungs Urteil bestärkte. Eine neuer-
liche Prüfung der Stücke wäre wünschenswert, vor allem aber
genaue Serienfänge aus diesen Gebieten.
Daß das lapponica-$ dem perspicillaris-Q dauernd Aushilfe-
dienste bei der Begattung leistet, ist schon an sich unwahrschein-
lich, weil unnatürlich, und die Ausbildung einer so distinkten und
konstanten Form, wie es die märkische Perspieillaris ist, wäre
wohl kaum ermöglicht worden, wenn bald #erspicillaris-$3$ und
bald lapponica-$S die Begattung übernähmen. Es bliebe auch
immer wieder in vielen Fundgebieten die Frage, ‚wenn die lap-
ponica-$g da sind, wo stecken die 22?“ Zu der Erklärung der
parthenogenetischen Vermehrung seine Zuflucht zu nehmen,
liegt ebenfalls keine Veranlassung vor; sie ist auch bei Blattiden
durchaus ungewöhnlich.
Auch Adelunsgs (l.c.) Mitteilungen über die relative Häufig-
keit der d& und 22 bestätigen vollauf meine Ansicht: in der Peters-
burger Sammlung findet sich kein einziges perspicillaris-S, da-
gegen 25 lapponica-$. Auch hier ist anzunehmen, daß diese 25 JS
beide Arten enthalten. Adelung bemerkt auch ganz richtig,
daß die Annahme von der Hand zu weisen sei, daß sich die lap-
ponica-9Q bezw. perspicillaris-$$ besonders schwer auffinden
ließen, da ‚‚die Lebensweise zwei so nahestehender Arten wohl
kaum wesentlich verschieden sein kann.“
Als Erklärung hält Adelung die Möglichkeit der Begattung
von perspicillaris durch lapponica SS für gegeben, deren Hin-
fälligkeit ich erwiesen zu haben glaube. Die andere mögliche
Erklärung, daß lapponica vielleicht zwei 92 Formen besäße, fällt
an sich schon durch ihre große Unwahrscheinlichkeit, durch die
zu beträchtlichen Unterschiede zwischen den lapponica- und Pper-
spicillaris-Q2 und in zweiter Linie das Vorkommen dieser beiden
nebeneinander, z. B. in Holland (teste Willemse). Adelung
muß schließlich zugeben, ‚daß die Entscheidung dieser Fragen
durch das ihm bekannte Material noch nicht spruchreif ist.
Von großer Bedeutung für die Beurteilung und Unterscheidung
unserer Ectobien scheinen die Ootheken zu sein. Zwar sagt Brun-
12. Heft
110 Dr. Willy Ramme:
ner (l. c.) von den Eiertaschen von hvida, sie seien gleichgebildet
denen von lapponica und fügt in einer Fußnote hinzu, ‚‚die Unter-
scheidung vieler Exemplare ergab vielfache Variation in der Länge
und der Zahl der Zähnchen; auch die Rippen, welche offenbar nur
der Abdruck einer zackigen Öffnung, sind höchst unregelmäßig“.
Singer’) (1868) dagegen unterscheidet die Ootheken; er gibt für
lapponica ‚24 Zähnchen auf der Naht und 18 Ouerleisten‘“ und
für livida ‚20 Zähnchen und 8 Ouerleisten‘ an. Diese - Angaben
sind jedoch nicht recht verständlich wegen der unwahrscheinlich
hohen Zahl von 18 Ouerleisten bei lapponica, wie wir nachher
sehen werden.
Auch Fischer unterscheidet die Eiertaschen beider Species;
er sagt auf pg. 107 (l. c.) „Ootheka Bl. lapponicae 2’ longa rufo
picea transversa, elegantissima, convexa, costis elevatis axi longi-
tudinali parallelis circa 18, sutura fere 24-crenulata‘“ und auf
pg. 109 von livida ‚„Ootheka 1?/,’” longa, rufo ferruginea convexa
transversa, margine longiore ca. 20-denticulato, impressionibus
transversis obsoletioribus octo, quarum interiores inter se pro-
piores.“
Mir selbst liegen mit zugehörigem 9, was unerläßlich zur Ver-
meidung von Irrtümern ist, nur je eine Oothek vor von lapponica
(Schwarzburg) und #erspicillarıs (Cüstrin — Tamsel).. Sie sind so
grundverschieden, daß man kaum an eine so weitgehende Variation
zu glauben vermag. Ich bemerke aber ausdrücklich, daß ich zur
endgültigen Beurteilung die Untersuchung weiteren Materials für
notwendig halte. Die Oothek von lapponica zeigt im Gegensatz
zu der von ?erspicillaris deutlich 18 scharfgeschnittene Längs-
rippen, die auch Fischer als ‚‚costae elevatae‘‘ nur bei lapponica
erwähnt; auch Fischer gibt 18 an. Darin kommen gewiß Schwan-
kungen vor, ebenso in der Zahl der Zähnchen, die 23 beträgt (bei
Fischer 24). Wesentlich scheint mir eben das Vorhandensein der
Rippen zu sein. Quereindrücke, den Eikammern entsprechend,
(besser als ‚‚Ouerleisten‘‘ bei Singer) sind 9 vorhanden; deren
Erwähnung vergißt Fischer. Die Rippen fehlen bei der von
perspicillaris vorliegenden Oothek, nur eine ‘feine Längsstreifung,
ohne Erhabenheiten, sind sichtbar. OQuereindrücke finden sich 8,
welche Zahl auch Fischer angibt; die Zahl der Zähnchen beträgt 21
(bei Fischer ‚‚ca. 20°). Auch die Form der beiden Ootheken ist
etwas verschieden, die von Perspicillaris ist auch kleiner und
flacher.
Es bleibt noch zu untersuchen, wie sich unsere Ectobien be-
sonders im Süden Deutschlands und vor allem in dessen Nachbar-
ländern verhalten. Die häufige Erwähnung von ‚‚Übergängen“ der
einen zur anderen erfordert dies dringend. Ich glaube an diese
Übergänge nicht, denn sicher liegen — es handelt sich hier eigent-
lich nur um die 29 — viele Verwechslungen der lapponica mit
4) Die Orthopt. d. Regensburger Fauna. Jahresber. K. Lyceum,
Rgsb. 1868/69, Stadtamhof 1896. !
Orthopterolegische Beiträge 111
rostroter Discusscheibe und ev. etwas verlängerten Elytren mit
perspicillaris und der erspicillaris mit livıda vor. So sieht z. B.
ein @ der erwähnten lapponica-Serie von der Schwäbischen Alb
mit rostrotem Discus und etwas längeren Elytren recht ähnlich
einem derspicillaris-2;, die Gemeinsamkeit des engbegrenzten Fund-
ortes, andere Stücke der Serie mit rostrotem Discus, aber Elytren
normaler Länge und der durchaus übereinstimmende Gesamtein-
druck schließen jeden Zweifel aus, aber auch bei Einzelbe-
trachtung ist das Stück nicht zu verkennen. Zacher hat sich
durch diese Stücke verleiten lassen, in den ‚‚Geradflüglern Deutsch-
lands‘ livida für Württemberg aufzuführen; diese Angabe ist also
hinfällig (= f. helvetica Hgb.; s. meinen Nachtrag S. 122!).
Aus all dem wird ersichtlich, wieviel zur klaren Beurteilung
unserer Ectobien in ihrem gesamten europäischen Ver-
breitungsgebiet noch zu tun ist. Ein großer Teil der in der
Literatur sich findenden Angaben ist falsch oder zum mindesten
wertlos, schon deswegen, weil meist die Angabe des Geschlech-
tes der gesammelten Tiere fehlt. Und welche Bedeutung diese An-
gabe hat, wird nach dem Gesagten genügend klar sein; wie oft
sind nicht perspicillaris-S& als „lapponica‘‘ veröffentlicht! Auch
das in den Museen und Sammlungen aufgespeicherte Material ist
zum Teil entwertet, einmal wegen der vielen Einzelstücke und
mangels größerer Serienfänge von ein und derselben Örtlichkeit —
die Notwendigkeit der Serienfänge-kann nicht oft genug betont
werden —, dann auch wegen des häufigen Fehlens der zugehörigen
&g bezw. 99.
Alles in allem eröffnet sich hier eine dankbare Aufgabe zur
weiteren Forschung, die auch die experimentelle Seite durch Züch-
tungsversuche nicht außer acht lassen möge. Ich hofte, durch
diese Zeilen Anregung dazu gegeben zu haben.
Nachtrag und nomenklatorische Berichtigung (November 1920).
Wenn wir — aus nachher ersichtlich werdenden Gründen —
von den im Vorstehenden angewandten Benennungen der
Ectobienarten absehen, so sind also die Hauptergebnisse dieser
Untersuchung die, daß in der Mark Brandenburg als einziges
ein ziemlich helles Ectobienweibchen mit Elytren von
der Länge des Abdomens und ebenso langen Flügeln vor-
kommt, während das bei Schwarzburg etc. häufige ein von
ersterem grundverschiedenes, dunkles Weibchen mit stark
verkürzten eiförmigen Elytren und schuppenförmigen
Flügeln ist, das man artlich von ihm trennen muß. Beide Arten
haben ihre eigenen Männchen, welch’ letztere bislang infolge
ihrer fast völligen Übereinstimmung beide unter dem Namen
„lapponica‘“ gingen, sich aber ebenfalls, auf Gund der Be-
schaffenheit der Pronotumscheibe, deutlich trennen
lassen. ;
12. Heft
112 Dr. Willy Ramme:
In dem Jahr nun, das seit der schriftlichen Niederlegung der
obigen Untersuchungen vergangen ist, hatteich Gelegenheit, weiteres
reiches Material von Ectobia teils durch eigene Sammeltätigkeit,
teils aus anderen Sammlungen und Museen?”) zusammenzubringen,
und ich kann mit Genugtuung sagen, daß dieses Material — rein
sachlich — meine Ergebnisse mit jedem einzelnen Stück vollauf
bestätigt hat. Ich gehe noch im einzelnen darauf ein.
Unter anderem bekam ich aber zum ersten Male Ectobien
aus Lappland selbst zu Gesicht, die eine sofortige Durch-
forschung der gesamten vorbrunnerischen Literatur als drin-
gend notwendig erkennen ließen. Brunner, .auf dessen Beschrei-
bungen — wie die aller Autoren nach Brunner — auch meine
Untersuchungen gefußt hatten, ist in der Auffassung des lapponica-
© offensichtlich einem — verzeihlichen — Irrtum zum Opfer ge-
fallen, sodaß eine grundlegende nomenklatorische Umwälzung,
in Verbindung mit der Wiederaufrichtung einer alten, miß-
achteten Art nicht zu vermeiden sein dürfte.
Es fällt somit auchdie Nomenklatur meiner vorhergehenden
Untersuchungen, — daß sachlich alles unangetastet bleibt, sagte
ich bereits; dennoch dürfte dem Verständnis der ganzen kompli-
zierten Frage und besonders meiner Ergebnisse der Umweg über
diese falsche Nomenklatur nicht zum Schaden gereichen, da wir
uns ja ohnehin zunächst der fälschlich eingebürgerten Art-
bezeichnungen hätten bedienen müssen.*)
Die 6 Ectobia-3S, die ich aus Lappland erhielt (im nördl.
Lappland 2 von Thurau f bei Ouikkjokk, 1 von Olden-
berg bei Äbisko, 2 von Rangnow bei Murjek, Luleä-Lappmark
gesammelt, 1 aus dem Stockholmer Museum mit der Angabe
„Mittel-Lappland‘‘) hätten, wenn sie zu dem allgemein als
lapponica bezeichneten % mit halblangen, eiförmigen
Elytren gehören würden, auch den, wie ich nachwies, scharf
umschriebenen Discus pronoti haben müssen, zeigten jedoch im
Gegenteil den unscharfen, rundlich vorgebuchteten der märkischen
dS vom perspicillaris-Typ (im Sinne des ersten Teiles meiner
Abhandlung), konnten also eigentlich keine lapponica-$g sein,
was doch bei ihrer Herkunft aus dem Lande, das ihnen den Namen
gab, zu erwarten gewesen wäre. Und doch sind es im Sinne Linnes
lapponica-4&! Es bleibt also nur die andere Lösung: die zuge-
hörigen 22 müssen anders aussehen und das vermeintliche lap-
ponica-? mit halblangen Elytren gehört einer anderen Art an, —
wie es sich auch wirklich nachher herausgestellt hat.
#) Jceh möchte nicht verfehlen, an dieser Stelle folgenden Herren,
die mir bereitwilligst ihr Material zur Verfügung stellten, meinen besten
Dank auszusprechen: Alfken-Bremen, Gennerich-Berlin, Proft. Dr. Jacobi-
und Heller-Dresden, Dr. Meixner-Graz, Prof. Dr. Reibisch-Kiel, Prof,
Dr. Sjöstedt-Stockholm, Prof. Wanach-Potsdam, Reg.-R. Dr. Zacher-
Dahlem. _
*) Wegen bereits erfolgter Absetzung dieses Manuskriptteiles konnten
die Abänderungen nur in der Form dieses Nachtrages gebracht werden.
>
Orthopterologische Beiträge 113
Jedenfalls machten mich diese scharfen Widersprüche sofort
stutzig und ließen mich vor allem die alte Originaldiagnose
Linn&s von 1761 hervorholen und die ganze nachfolgende Lite-
ratur bis Brunner einer genauen kritischen Durchsicht unter-
ziehen. Da zeigte es sich denn, daß durchaus kein Grund vorliegt,
aus Linne&s Diagnose der lapponica ein 2 mit halblangen Elytren
zuzuschreiben, ebensowenig aus der nachfolgenden Literatur, in
der sich erst nach 1840 jene starke Unklarheit herausbildete, die
auch Fischer dann nicht mehr zu lösen vermochte. Brunner
basiert nach seiner eigenen Angabe vornehmlich auf Fischer.
Das @ mit halblangen Elytren muß vielmehr den Namen
.sylvestris Poda (= hemiptera Fabr.) führen, und das wirk-
liche 2 der lapponica ist — die perspicillaris Herbst, welcher
Name damit fällt. Ectobia livida Fabr. bleibt als ganz helle Form
mit ungefleckten Elytren zunächst davon unberührt; darauf ist
noch zurückzukommen.
Ich werde meine den Fachgenossen auf den ersten Blick viel-
leicht als zu umstürzlerisch erscheinende Ansicht vor allem aus
der Literatur selbst zu begründen versuchen, dann auch weiterhin
aus meinem Material. Ich lasse, damit man sich selbst mühelos
ein Urteil bilden kann, alle Autoren zu Worte kommen, deren
Arbeiten für die Entscheidung der vorliegenden Frage in Betracht
zu ziehen sind. Die wenigen bei Brunner erwähnten Autoren,
die ich auslasse, bringen in ihren meist kurzen Angaben keine
kritischen Gesichtspunkte über die beiden Arten.
Zum besseren Verständnis bezeichne ich das von Brun-
ner, Tümpel, Willemse (locis citatis) und auf Taf. II, Fig. 3b
bis 3d dieser Arbeit abgebildete $ mit verkürzten Elytren, um
das sich die Streitfrage vor allem dreht, in den nachfolgenden
Zeilen zunächst immer als sylvestris-hemiptera. Ich halte näm-
lich hemiptera Fabr. (1793) für synonym zu syWestris, Poda;
sylvestris ist anscheinend von den Autoren nach Fabricius über-
sehen worden; bei ihnen ist immer nur von „hemiptera‘‘ die Rede.
Auch ist bei Fischer und Brunner statt Poda immer Scopoli
fälschlich als Autor zu sylvestris gesetzt und diese als synonym
zu lapponica gezogen. |
Linne»®) (1761) gibt folgende Diagnose von lapponıca:
„Bl. lapponica flavescens elytris nigro-maculatis.
Act. ups. 1736 p. 35, n. 2. Lampyris alis superioribus ad
angulum acutum striatis.
Habitat in Casis Lapponum silvaticorum inter piscium squa-
mas frequentissima. Dum pisces absque sale a Lapponibus ex-
siccantur, saepe unico die, ab hac omnino consumuntur.
Desc. Magnitudine majoris muscae. Thoracis clypeus mem-
branaceus, patens, marginatus, ovalis, diaphanus. Elytra mem-
branaceo-pellucida, cornei coloris, stria longitudinali elevata, ın
48) Faun. Suec, Stockbolm 1761.
Archiv für Naturgeschichte 5
1920. A. 12. 8 12. Heft
114 Dr. Willy Ramme:
qua striae ducuntur versus posteriores margines utriusque, ut
codant in striam longitudinalem minores ad angulum acutum,
puncta aliquot nigricantia temere elytris adspersa. Pedes cornei
coloris, tibiae spinosae. Antennae longiores, setaceae. Alae in-
feriores aqueae, cornicula duo articulata, recurva supra anum.‘“
Wie man aus dieser Diagnose ersieht, wird das @ nicht be-
sonders erwähnt; bei dem Dimorphismus des sylvestris-hemiptera-
Q seinem zugehörigen 3 gegenüber hätte aber Linne gewiß die
stark abgekürzten Elytren erwähnt, wenn ihm ein solches eben
vorgelegen hätte. Auch von ‚‚alae‘ hätte er bei der fast schuppen-
artigen Verkümmerung der Hinterflügel dieses 9 wohl kaum ge-
sprochen. Schon deswegen kann man wohl annehmen, daß Linne -
bei der Erstbeschreibung entweder nur SS oder aber das richtige
Q vorgelegen haben.
Diese Anschauung wird befestigt durch eine zweite Veröffent-
lichung Linne’s?®) (1766) über lapponica, denn in dieser verweist
er auf die Abbildungen in den — später zu besprechenden —
Arbeiten von Sulzer, Schäffer und de Geer. Die ersteren
beiden bilden lapponica-SS ab, de Geer ein Z und ein ® (‚‚nigro-
fusca‘‘), das völlig mit dem #erspicillaris-Typ übereinstimmt durch
seine stark gefleckten, fast bis zum Hinterleibsende
reichenden Elytren und somit als das eigentliche lapponica-?
anzusprechen ist, das es in der Tat auch darstellt.°®)
De Geer?!) (1773) sagt zudem folgendes ‚„L’un et l’autre
sexe est garni d’etuis (= elytra!) coriaces et d’ailes, qui sont de
la longueur du corps et qui couvrent tout le ventre; les
etuis du mäle s’etendent m&me au de la du bout de ventre. Parmi
les femelles il y en a, qui ont ces parties un peu plus courtes
que je ventre, 7:
Damit ist eigentlich schon die ganze Frage entschieden, denn
Linne erkennt ja de Geers Angaben als richtig an, indem er auf
sie unwidersprochen hinweist. Daß bei manchen 22 die Elytren
„ein wenig‘ kürzer als der Hinterleib sind, ist eine ganz richtige
Beobachtung, die man auch an Serien märkischer 2? machen kann:
es hängt diese scheinbare Verkürzung mit der wechselnden Fülle
und Länge des Hinterleibs vor oder nach der Nahrungsaufnahme
oder mit eventueller Gravidität bei befruchteten 22 zusammen;
niemals wird aber auch nur annähernd die Kürze der — auch mehr
eiförmigen — Elytren von sylvestris-hemiptera erreicht. Die Dia-
gnose und Beschreibung des synonymen Perspicil-
#) Syst. Naturae. Stockholm 1766/67.
50%) Hier wäre eigentlich Geoffroys (1764) Beschreibung der ‚‚Blatta
flavescens, elytris ad angulum acutum‘ zu besprechen, die Brunner als
synonym zur lapponica betrachtet, doch kann es sich nach meiner An-
sicht nicht um diese handeln, da Geoffroy angibt: ‚On trouve cet
insecte dansles boulangeries. Il est vorace et mange'tres bien la
farine.‘“ Er meint wohl Phyllodromia.
51) Mem. Hist. Ins., Orthoptöres Stockholm 1773.
Orthopterologische Beiträge 1:15
larıs-Q2 auf pg. 106 dieser Arbeit gilt somit für das 2
von lapponica.
So hat denn Fabricius??) ganz recht, wenn er (1793) —
allerdings in Unkenntnis der später zu behandelnden sylvestris
Poda — die neue Art „hemiptera‘‘ aufstellt. Der Typus dieser
hemiptera, der sich im Zoologischen Museum der Universität Kiel
befindet und mir bereitwilligst zugesandt wurde, stimmt denn auch
ganz vortrefflich mit meinen zahlreichen Stücken von sylvestris-
hemiptera aus Thüringen, den Alpen etc. und den vorerwähnten
Abbildungen bei Brunner, Tümpel und Willemse überein.
Die Diagnose von hemiptera lautet bei Fabricius ‚‚atra thoracis
margine elytrisque abbreviatis pallidis. Statura parvae Bl. (recte
Aphlebiae! d. Verf.) mäculatae. Antennae fuscae. Thorax ater, niti-
dus, margine late pallido et in medio dorsi litura obsoleta, sangui-
nea (diese rötliche Aufhellung des Discus ist gerade bei sylvestris-
hemiptera häufig!). Elytra abdomine dimidio breviora, pallida,
atomis aliquot nigris. Abdomen atrum, segmentorum marginibus
pallidis. Pedes pallidi.‘ »
Rossi°3) (1790) ist, wie er selbst zugibt, sehr im unklaren.
Er sagt ‚„Blattae duae exstant‘‘ und meint damit ‚„lapponica‘“
und „?erspicillaris“‘. Dann leistet er sich folgenden Schnitzer:
„Blattam hemipteram Blattae (recte Aphlebiae!) maculatae fem.
varietatem habeo‘; er wirft also zwei verschiedene Gattungen
durcheinander. Schließlich erhebt er, einem ‚‚Ceterum censeo“
gleich, die feierliche Forderung ‚‚Caeterum consilium Entomolo-
gorum de his iamiam commemoratis rogo, et interea diversas
habere liceat, quor tam graves rationes poscere videntur.“
Panzer’) (1805) gibt von hemiptera, der ‚„halbgedeckten
Schabe‘, eine vorzügliche Abbildung, bei der nur die rostrote
Aufhellung des Discus etwas primitiv angedeutet ist; ferner bildet
er ein d, angeblich von lapponica ab, dessen Discus aber durch
die Schärfe der Form und Zeichnung so stark die Zugehörigkeit
des $ zu hemiptera verrät, daß man getrost annehmen kann, daß
er das zugehörige & der Art vor sich gehabt hat.
Zetterstedts5®) (1821) Ausführungen sind von größter Wich-
tigkeit, da sie gerade schwedische Blattiden betreffen. Nach
Beschreibung der $ von lapponica sagt er nämlich von dem zu-
gehörigen © ‚„Femina mare minor, praesertim brevior, palli-
dior — — —. Thorax — — — disco testaceo, raro nigricante,
limbo £flavo, pellucido. — — — Hemelytra (= elytra!) vix longi-
tudine abdominis, directione nervorum, colore et pictura ut in
mare, punctis nigris paullo distinctioribus in illa. Alae fuscae,
ut in mare, nervosae.‘“ Ich habe die wichtigsten Stellen durch
52) Entomol. systematica T. IL Orthoptera 1793. .
5) Fauna etrusca 1790.
54) Fauna Ins. Germ. Bd. 96, 1805.
55) Orth. Suec. Lund 1821.
g* 12. Heit
116 Dr. Willy Ramme:
den Druck hervorgehoben, denn aus ihnen geht unzweifelhaft
hervor, daß er ein 2 vom Perspicillaris-Typ, also das lappo-
nica-Q, vor Augen gehabt hat.
Hemipteva hat er offenbar nie gesehen, denn er sagt ‚‚Bl. hemip-
tera atra thoracis margine elytrisque abbreviatis pallidis Fabr.
varietas feminea hujus speciei videtur.‘
1828°6) bemerkt er dann ferner, daß er lapponica auch ‚,in
copula‘“ gefunden habe und verweist u. a. nur auf die Abbildung
des $& bei Panzer (l. c.), aber wohlweislich nicht auf dessen Ab-
bildung des hemiptera-Q, da diese eben mit seinen 2? nicht über-
einstimmte.
Von ganz besonderer Wichtigkeit ist gerade mir — nach
meinen Erfahrungen mit Stauroderus mollss Charp. — das Urteil
Charpentiers?”) (1825). Er schreibt von lapponica ‚‚Zetter-
stedtius hoc insectum optime descripsit et imprimis de foemina
omnia diligentissime hominum notitiae tradidit —, narrans eam
esse mare multo breviorem, pallidiorem (was man von hemi-
ptera gewiß nicht sagen kann! Verf.) et thoracem habere cum
disco testaceo, raro nigricante.‘
Von hemiptera sagt er „Zetterstedtius suspicatur, hanc Blat-
tam varietatem esse foeminae Bl. lapponicae: in quo contra-
dicendum esse puto. Nam Bl. hemiptera elytra multo breviora
et aliam nervorum in eis habet structuram, quam Bl. lapponicae
foemina. Litura obsoleta rufa in medio thorace, quam Fabricius
in descriptione huic Blattae attribuit, interdum permagna est et
maximam partem disci thoracis implet. Sed jam vidimus plures
Blattarum species variare thoracis colore atro et rufo.“
Damit erkennt Charpentier die Berechtigung der Auf-
stellung von hemiptera durch Fabricius voll und ganz an.
Auch Philippi?®) (1830) lehnt sich stark an Zetterstedt an
und hat als lapponica-?% Tiere mit Elytren ‚longitudine corporis“
gefunden, dagegen sagt er betreffs hemiptera: ‚mihi ipsi nondum
occurrit“. Das kann man ihm glauben, denn damals wie heute
kam diese Ectobia in der Mark wohl nicht vor.
Bei Stephens°?) (1835) finden wir die in der ganzen Lite-
ratur einzige richtige Abbildung (Pl. XXVIII, 7) des lapponica-g,
indem diese den Discus pronoti in der typischen Form darstellt.
Die Abbildung des Discus deckt sich genau mit Textfigur 2
(pg. 107 dieser Arbeit). Stephens hat hier durch peinliche Kor-
rektheit unbewußt den Unterschied gegenüber dem & von sylvestris-
hemiptera zur Darstellung gebracht. Auch die Beschreibung des
Q ist zutreffend, denn er bezeichnete dessen Elytren als „kaum
so lang‘‘ wie der Hinterleib (also nach deutschem Sprachgebrauch
als ‚etwas kürzer‘‘), mit deutlicheren Flecken als beim d. Ich
56) Ins. Lappon. Leipzig 1828 (nec. 1840 bei Brunner!).
>”), Horae entomol. 1825.
58) Orth. Berolin. Dissertat. 1830.
>) Ill..of. Brit. Entom. London 1837.
Orthopterologische Beiträge 117
bemerkte bereits vorhin, daß eine geringe Verkürzung durchaus
nicht ungewöhnlich ist. Auch die weiteren Angaben ‚‚ziemlich
klein, kürzer und blasser‘‘ sprechen gegen sylvestris-hemiptera.
Wesmaöl®) (1838) spricht die ganz unhaltbare Vermutung
aus, hemiptera seien nicht vollkommen entwickelte Stücke, denn
er sagt bei lapponica ‚ejusdem speciei alia varietas foeminea,
nondum ut suspicor perfecte explicata, apud nos etiam occurrit:
scilicet B. hemibtera Fabr.‘‘
Dagegen schreibt wieder Burmeister‘!) (1839) von hemi-
ptera: ‚Ist gewiß nicht Abart des © von Bl. lapponica, da bei
dieser die Flügeldecken bis ans Ende des Hinterleibes reichen,
bei Bl. hemiptera. dagegen kürzer sind.‘
Serville®?) (1839) bringt bei hemiptera (,‚Environs de Paris
et Provence, coll. M. A. Lefebvre‘‘) folgende ‚Nota‘‘: ‚Par ses
couleurs elle ressemble ä la B. lapponica, mais sa forme est dif-
ferente; le corps est plus petit, plus court, et plütot orbiculaire
qu’ovalaire. Cependant M. Zetterstedt regarde la femelle de cette
espece comme une variete femelle de la B. lapponica. Mm. Schum-
mel et Toussaint Charpentier paraissent adopter cette maniere de
voir; quant a nous, en ayant vu mäle et femelle, nous ne pou-
vons partager cette opinion.‘ Abgesehen davon, daß sich
Servillegeirrt hat,wenn er Charpentier dieÄußerung zuschreibt,
hemiptera sei eine weibliche Varietät von lappontca, da dieser gerade
das Gegenteil feststellt (vgl. pg. 116 dieser Arbeit!), so erkennt
er selbst also hemiptera als gleichberechtigt an.
Als besonders maßgebend sind die ausführlichen Mitteilun-
gen J. B. von Borcks zu betrachten in ‚„Skandinaviens Rät-
vingade Insekters Natural Historia‘‘ (Naturgeschichte der Ge-
radflügler Skandinaviens). Herr Embrik Strand war so freund-
lich, mir bei der Übersetzung der betreffenden Stellen behilflich
zu sein, die folgendermaßen lauten:
„Obwohl der Verfasser der ‚„Orthoptera Suecica‘‘, Prof. Zet-
terstedt, wie sowohl Burmeister als auch Charpentier zu-
geben, derjenige ist, der diese Schaben am besten und vollständig-
sten beschrieben und dadurch den Schlüssel zur Klarstellung der
verwickelten Synonymie für das Q@ gegeben hat, später in den
Lappmarken auch die Kopulation beobachtete und erklärt hat,
daß Fabricius’ Blatta hemiptera nur eine weibliche Varietät von
lapponica sei, so wage ich doch, in Übereinstimmung mit Ser-
ville, Burmeister und anderen, diese Ansicht nicht zu teilen.“
Dazu gibt Borck folgende Fußnote: „Vielleicht kann die wirk-
liche Bl. hemiptera, die im nördlichen Deutschland vorkommt,
auch bei uns mit Aussicht auf Erfolg gesucht werden.‘
Der Ausdruck von Borcks, Zetterstedt habe hemiptera
für eine weibliche Varietät von lapponica erklärt, ist zu scharf,
6) Bull. Acad. R. de Bruxelles T. V, 1838.
9) Handb. d. Entomol. Berlin 1839.
62) Hist. nat. Ins. Orthopteres. Paris 1839.
12. Heft
115 Dr. Willy Ramme:
denn (vgl. pg. 116 dieser Arbeit!) Zetterstedt hatte nur be-
merkt, ihm scheine dies der Fall zu sein; außerdem ist, wie
ich schon sagte, anzunehmen, daB Zetterstedt hemibtera über-
haupt nur aus Fabricius’ Beschreibung kannte.
Von größter Bedeutung für unsere Frage ist nun die Be-
schreibung des lapponica-2Q bei Borck, von dem er u. a. sagt:
„Das 9, das von vielen Autoren verkannt wurde, ist be-
deutend ... blasser gefärbt als das $. ... Die Deckflügel...
sind so lang wie der Hinterleib.... und mit einer Menge
kleiner mikroskopischer Flecke überstreut, sowie mit 4—10 grö-
Beren, sehr deutlichen Punkten.‘ Also eine Beschreibung
des derspicillaris-Typs par excellence! Hier haben wir wieder das
wirkliche lapponica-?, wie es auch de Geer, Zetterstedt und
Stephens (s. das.) beschreiben. Auch die Abbildung der glatten
Oothek, ohne Längsrippen, beweist, daß Borck lapponica-ZP
vor sich hatte. Auf die Oothekenfrage gehe ich nachher noch be-
sonders ein.
Nach diesen Literaturproben von Linne& bis Borck muß es
uns ganz unverständlich erscheinen, wenn nun Eversmann®)
(1848) und Fieber) (1853) als erste das @ von lapponica in aller
Form mit dem hemiptera-2 zusammenwerfen. Eversmann sagt
nämlich ‚9 (Bl. hemiptera Fabr.) immer mit rotgelbem Thorax
und kürzeren Flügeldecken; häufig in Wäldern des Kasanschen
und nördl. Orenburgschen Gouvernements“ und Fieber „9,
Decken abgekürzt (B. hemiptera Fabr. Charp.)‘“. Schuld an diesen
Mißverständnissen trägt wohl sicher — wie auch in der nach-
brunnerschen Zeit — die falsche Beurteilung des Grades der
Elytrenverkürzung bei den 92 sowie die große Ähnlichkeit zwischen
dem lapponica- und dem sylvestris-hemiptera-Männchen.
Inzwischen sind wir bereits bei Fischer (1853) angelangt,
dessen Angaben in den ‚Orthoptera europaea“ für Brunner be-
stimmend gewesen sind und somit den eigentlichen Grund zu der
babylonischen Verwirrung in den Anschauungen über unsere Ec-
tobien gelegt haben. Bei Fischer finden wir, wie bei Eversmann
und Fieber, als lapponica-2 hemiptera Fabr. und ferner als livida-2
perspicillaris Herbst beschrieben, aber ohne irgendwelche kritische
Begründung. Nur in einer Fußnote sagt Fischer ‚„D. de Borck
negat, Bl. hemipteram (ab ipso quidem non visam) varietatem
Bl. lapponicae esse; DD. Hummel®) autem et Zetterstedt id af-
firmant et hic auctor vel etiam coitum observavit.““ Fischer
macht sich betreffs der Beobachtung des Coitus das Mißverständ-
nis de Borcks zu eigen: wie ich schon auf pg. 116 sagte, hat
Zetterstedt lapponica, aber nicht hemiptera in copula gefunden,
von welch letzterer er auch nur die Vermutung ausspricht, sie
6) Bull. Soc. Imp. Nat. Moscou, T. XXXII, 1859.
64) Lotos 1853.
65) Die Arbeit von Hummel war mir nicht zugänglich, dürfte aber
für uns ganz unwesentlich sein.
Orthopterologische Beiträge 119
könnte eine ‚‚weibliche Varietät‘‘ der ersteren sein. Ganz kon-
sequent ist Fischer, wenn er die beivon Borck richtig abgebilde-
tenlapponica-Ootheken zu livida zieht, da ja hemiptera keine glatten,
sondern längsgerippte Ootheken besitzt.
Daß sich nun Brunner (1865), dessen Angaben im ‚‚Pro-
dromus‘ auf S. 99 dieser Arbeit bereits eingehend gewürdigt
sind, sodaß sich deren Wiederholung hier erübrigt, durchaus nicht
sicher in der Beurteilung unserer Ectobien gefühlt hat, geht zur
Genüge aus seiner Arbeit ‚‚Blattaires‘‘‘%) hervor, deren Ergebnisse
auch im ‚„Prodromus‘‘ 1882 maßgebend sind. Er sagt nämlich
von lapponica (pg. 54): „La synonymie de cette espece est peu
claire, vü que d’une part elle a et€ confondue avec d’autres Blat-
taires, et que, d’autre part, les deux sexes ont &t& attribues A des -
especes diverses. J’adopte ici ’epuration soigneuse operee
par M. Fischer.‘‘ Daß dementsprechend die Abbildung des ‚‚lap-
ponica“-Q bei Brunner (,‚Blattaires‘‘) ein sylvestris-hemiptera-?
darstellt und auch die Beschreibung dieser Auffassung entspricht,
habe ich bereits erwähnt.
Auf Grund vorstehender Angaben muß wohl jeder objektiv
Urteilende zu der Überzeugung kommen, daß das wirkliche
lapponica-Q mit dem hemiptera-Q verwechselt worden ist. Das
lapponica-Q trägt Elytren von der ungefähren Länge des Ab-
domens und ist auch in der Form dieser Elytren, in Färbung,
Zeichnung sowie im ganzen Habitus wesentlich verschieden von
hemiptera Fabr., sodaß man selbst in Fällen, in denen gewisse An-
näherungen in der Elytrenlänge und in der Gesamtfärbung vor-
liegen, nicht im geringsten über die Artzugehörigkeit im Zweifel
sein kann.
Es wäre nun der Nachweis zu führen, daß hemiptera Fabr.
synonym zu sylvestris Poda ist. Ich kann dafür nur einen hohen
Grad von Wahrscheinlichkeit geltend machen, da leider Poda’s
Typus nicht mehr zu existieren scheint, der erst volle Sicherheit
betreffs dieser Frage geben würde.
Die Diagnose bei Poda®”) (1761) lautet: „Bl. sylvestris. BI.
thorace nigro nitido limbo exteriore, elytrisque subtestaceis, pe-
dibus antennisque nigris. ß. thorace ferrugineo limbo exterriore
albido elytris cinereis corpore brevioribus. Praecedente (lucifuga
Poda) minor. Femina. Habitat in Muscis (Moos).‘
Diese Beschreibung paßt am besten auf hemiptera, für die der
bald schwarze, bald rostrote Thorax mit glänzendem Außenrand
und die abgekürzten Elytren sprechen; der Grad dieser Abkürzung
geht aus Poda’s Beschreibung allerdings nicht. hervor, doch macht
darüber Gronovius‘®) (1763) eine klärende Bemerkung, indem er
im Anschluß an obige im Wortlaut wiederholte Diagnose sagt
„Habitat in muscis in confiniis Graecis (Graz). Alae elytraque
6) Wien 1865.
#7) Ins. Mus. Graecensis 1761.
68) Zoophylac. Gronovianum Fase. II, 1764.
12. Heft
120 Dr. Willy Ramme:
maris abdominis longitudinem aequant, feminarum brevissi-
mae.‘“ Ein anderes @ als eines vom Aussehen der hemiptera Fabr.
mit „sehr kurzen‘ Elytren kommt aus der Umgebung von Graz
eigentlich kaum in Betracht. Das Stück oder die Stücke des
Gronovius stammen von Poda selbst „D (= Determinatio),
D (= Donatio) Nicolai Podae.‘“
Auch Scopoli®) (1763) gibt eine ergänzende Beschreibung
der sylvestris; die durch weitere Einzelheiten die Übereinstimmung
mit hemiptera noch wahrscheinlicher macht.
„Ihoracis margo et elytra testacea. Antennae, et corpus sub-
tus, nigri coloris. Pedes saltatorii. In sylvestribus, gramineis,
apricis, inter frutices, passim obvia. Mas longior thorace nigro,
elytris abdomine longioribus, alis elytro longioribus acutis. Fe-
mina brevior, crassior, thorace rufo, elytris abdomine, alis elytro
brevioribus... Primus hanc nominavit cl. Poda.“
Auf Anfrage teilte mir Herr Dr. A. Meixner vom Steier-
märkischen Landesmuseum (Joanneum) in Graz freundlichst mit,
daß weder im Grazer noch im Laibacher Museum, wo er eben-
falls angefragt habe, Podasche Ectobientypen vorhanden seien.
Die mitgesandten wenigen Ectobien des Grazer Museums ent-
halten aber 4 $$ und 2 92 von typischen sylvestris-hemißtera;
da sie keine Fundortsangaben tragen, nehme ich an, daß sie
vielleicht aus der näheren Umgebung von Graz stammen. Jeden-
falls spricht auch das gewiß nicht gegen meine Annahme, daß
Poda’s sylvestris=hemiptera Fabr. zu setzen ist. —
Das meinen Untersuchungen zugrunde liegende Material ist
recht umfangreich: von sylvestris haben mir 46 22 und 59 dd,
von lapponica 112 92 und 124 SS vorgelegen, insgesamt also
341 Exemplare der beiden Arten. Unter diesen finden sich
große Serien beider Geschlechter von ein- und demselben Fund-
ort, die immer klar und rein die betreffende Art verkörpern, wie
überhaupt bei keinem der in der nachfolgenden Fundortszusam-
menstellung erwähnten Stücke der geringste Zweifel betreffs
seiner Artzugehörigkeit bestehen kann.
1. Ectobia sylvestris Poda
Bremen u. Umgebung (Mus. Bremen) 12 99, 14 3
Ballenstedt a. Harz (Zacher) 1 &
Zwickau (Kirsch, Mus. Dresden) 1 &
Chemnitz (Kirsch, Mus. Dresden) 2 99, 6 38
Lößnitz (Kirsch, Mus. Dresden) 1 &
Königstein i. Sachsen (Bullemer) 1 2
Naumburg (Ramme) 1 &
Schwarzburg i. Thür. (Ramme) 6 92 19
Schlesien (Letzner, Mus. Dahlem) 1
Krummhübel i. Rsgb. (Ramme) 2 9
6%) Entom. Carniol., Wien 1763. _
Orthopterologische Beiträge 121
Marburg i. Hessen (Strand, Oldenberg) 3 29, 11 dd
Gießen (Mus. Berlin) 1 &
Boppard a. Rh. (Kuntzen) 1 2
Wiesbaden (Oldenberg) 1 2
Feldberg (Konow) 1 2
Kaiserstuhl (Zacher) 1 2
Schwäb. Alb (Spaney) 6 29, 8 dd
Tegernsee (Mus. München) 1 9,1 &
Tölz (Heyne, durch Zacher) 1 &
Mayrhofen i. Zillertal (Wagner, Mus. Dahlem) 1 &
Krimmler Achental, 1650 m (Pappenheim) 1 3
Berchtesgaden (Ramme) 11 29, 4 dd
St. Vigil, Dolomiten (Ramme) 5 JS
Wien (Brunner, Mus. Stockholm) 1 9, 1&
Schweiz (Mus. Stockholm) 1 2
2. Ectobia lapponica L.
Westpreußen (Prof. Fischer) 1 2
Bromberg (Kothe, Zacher) 8 29, 5 dd
Schlesien (Letzner, Mus. Dahlem) 3 292, 1%
Bansin a. Ostsee (Ramme) 8 99, 12 3g
Mecklenburg (Konow) 1 9, 3 8
Königstein i. Sachsen (Kuntzen) 1 92,18
Dessau, Mosigkauer Heide (Heidenreich) 1 8
Mark Brandenburg (von zahlreichen Fundorten u. Sammlern) 75 8,
84 38
Hainleite, Südthüringen (A. Petry) 1 &
Stuttgart (Spaney) 19,18
Marburg (Strand) 5 29, 8 dd
Dachau (Mus. München) 1 9, 1&
Schweden: Stockholm 1 2, Smäland 1 2, Lappland 6 3&
Norwegen: (Brönnö, Overhalden, Hägstöil-Sätersdalen, Rörvik
Vikten, Strand leg. 1903) 5 29, 2 dd
Nordkap (Mus. Berlin) 1 &
Diese Fundortszusammenstellungen werde ich von Zeit zu
Zeit ergänzen; die bisherigen Literaturangaben sind ja aus nahe-
liegenden Gründen stark entwertet, worauf ich bereits aufmerksam
machte. Erst, wenn wir noch eine weit größere Anzahl sicherer
Fundorte kennen werden, vermögen wir über die Verteilung und
Verbreitung beider Arten allgemeinere Schlüsse zu ziehen.
Wie man aus der Liste ersieht, habe ich aus Schweden und
Norwegen bisher nur lapponica-Stücke erhalten, eine Tat-
sache, die gewiß für die vertretenen Anschauungen spricht. Die
beiden 22 aus Schweden sind ja auch ganz typisch, wie ich sie
nach den dd, die ich zuerst allein hatte, erwarten mußte. Auch
für die Mark Brandenburg ist die Lösung eine recht einfache
und glückliche: wir haben hier nur die lapponica und brauchen
nicht mehr nach deren 2% bezw. nach den JS von livida oder
perspicillaris zu suchen! |
12. Heft
122 Dr. Willy Ramme:
Sylvestris scheint vorwiegend Mittelgebirgstier zu sein.
In Süddeutschland und der Schweiz kommt unter den
normalen Stücken mit schwarzem Pronotum und entsprechend
dunkler Gesamtfärbung eine aufgehellteForm von sylvestris
mit rostroter Pronotumscheibe vor, deren 22 zudem eine
unverkennbare Tendenz zur Elytrenverlängerung, bis zu
3/, der Hinterleibslänge, zeigen. Der bis hell rostrote Discus
pronoti zeigt bei beiden Geschlechtern die elfenbeinfarbene Um-
randung, die ich beim sylvestris-S$ hervorhob, besonders deutlich;
als Rest der schwarzen Discus-Färbung findet sich je ein dunk-
ler Fleck an den beiden Hinterrandecken desselben, zuweilen auch
noch am Vorderrand eine dunkle Partie. Mit typischen syWvestris
ist diese Form durch Stücke verbunden, bei denen das Schwarz
der Pronotumsscheibe einem Dunkelrotbraun weicht.
Es kann nun keinem Zweifel unterliegen, daß Hagenbach .
mit seiner „Blatta helvetica‘“ von Basel (Symb. Faun. Ins.
Helvet., 1822 p. 20), diese Form vor Augen gehabt hat; es geht
dies mit Deutlichkeit aus seiner Beschreibung (2!) hervor, und
auch die Abb. 10, nur in der Farbengebung etwas verfehlt wie
alle Bilder bei Hagenbach, spricht unbedingt dafür. Aus der
Diagnose sei als besonders bemerkenswert folgendes hervorgehoben:
„Ihorax disco flavo albomarginato, postice maculis
duabus lateralibus obscurioribus, margine ... pellucido .
Hemelytra abdomine quarto breviora,..... atomis non-
nullis obsoletis conspersa .... nervus validior ad basin niger
. Affinis videtur Blattae perspicillari Herbst, sed illa he-
melytra abdominis longitudine gerit.‘
Man sieht, daß sich diese Beschreibung genau mit der meinen
deckt. Wir müssen die helle Form von syWvestris demnach nun-
mehr als forma helvetica Hgb. bezeichnen.
Mir liegen von derselben 4 d$ und 8 22 vor (4 dd: Rosen-
stein i. Württ., Spaney; Wallis, Frey-Gessner und Schoch;
Tourbillon, Fruhstorfer; 22: Rosenstein, Spaney [2]; Wald-
stetten, Schwäb. Alb, Spaney; Boppard a. Rh, Kuntzen;
Lilienhof, Kaiserstuhl, Zacher; Berchtesgaden, Ramme; Schaf-
matt, Schweiz, Schoch; Zürich, Schulthess).
Von den meisten dieser Fundorte habe ich auch typische
sylvestris, sodaß wir es also bei helvetica nur mit einer Form zu
tun haben. Unter meinem reichen Material aus Mittel- und Nord-
deutschland finden sich vereinzelt die erwähnten Übergänge
dazu; ein solcher (beginnender) ist auch der Typus von Fabricius.
Erst von Süddeutschland an scheint die eigentliche helvetica zur
vollen Entwicklung zu kommen. Aufhellung und Vergrößerung
im Fortschreiten nach Süden und anderseits Verdunkelung und
Verkleinerung im Norden finden wir ja vielfach gerade bei Or-
thopteren; ich erinnere nur an Sphingonotus coerulans L. und
coerulans cyanopterus Charp.
Orthopterologische Beiträge 123
Bei flüchtigem Hinsehen kann man, wieHagenbach erwähnt,
in der Tat an derspicillaris Herbst 2 (recte lapponica L!) denken;
vor wirklicher Verwechselung schützt aber allein schon ein Ver-
gleich der Pronota, ganz abgesehen von dem abweichenden Habitus.
Was Ectobia lwvida Fabr. betrifft, so liegt mir jetzt der
Typus von Fabr cius aus dem Kieler Museum vor; leider ist
das unersetzliche Stück durch ungeeignete Verpackung auf dem
Transport so zertrümmert worden, daß nur das Abdomen und
ein Deckflügel einigermaßen erhalten geblieben sind. Diese lassen
aber noch deutlich erkennen, daß kvida eine zierliche Art von
gleichmäßig. strohgelber Farbe des gesamten Körpers ist,
sodaß die livida-Beschreibungen bei Brunner und Rodten-
bacher, worauf ich bereits im ersten Teil auf Grund der
Fabricius’schen Diagnose hinwies, in der Tat nicht im geringsten
zutreffen. Dem Problem der E. kivida und ihrer ebenfalls ein-
farbig strohgelben und hellbraunen Verwandten will ich näher-
treten, sobald ich reichliches Material zusammengebracht habe,
was ich für das kommende Jahr erhoffe. Aus Deutschland
kenne ich bisher nur 2 Stücke, aus St. Goarshausen stammend
(Museum Berlin), die man mit kvıda identifizieren könnte.
Noch ein Wort über die Ootheken von sylvestris und lappo-
nica. Fischer (l. c.) hatte bereits den wesentlichsten Unterschied
zwischen der Skulptur der Ootheken von lapponica und lıvida
(im ehemaligen Sinne!) erwähnt; bei ersterer tragen sie (durch-
schnittlich 18) erhabene Längsrippen, während sie bei letzterer
fast glatt sind, nur eine feine, nur mit der Lupe sichtbare
Längsstreifung tragen. Brunner (l. c.) hatte dem widersprochen,
indem er behauptete, daß beide Formen ineinander übergingen.
Ich habe nun Berchtesgadener sylvestris-?QQ und Bansiner und
märkische lapponica-?2 in großer Zahl längere Zeit lebend er-
halten und durch reichliche Fütterung mit Obstschalen, die gierig
benagt wurden, zahlreiche Ootheken von beiden Arten erzielt.
Und was ich auf pg. 110 dieser Arbeit auf Grund der je einen
Oothek der Schwarzburger sylvestris („lapponica‘“‘) und der Cüst-
riner lapponica (‚‚perspicillaris‘) vermutete, hat sich vollauf
bestätigt: die großen Serien von Ootheken beider Arten zeigen
auch nicht die geringste Annäherung aneinander und sind in
ihrer Skulptur durchaus konstant (vgl. Taf. II, Figg. 3e und 4e).
Ebenso zeigt eine Serie von 48 Ootheken (Bachgart i. Pustertal,
VIII. 92, R. Heymons leg.) durchweg die Längsrippen. Die
Ootheken von sylvestris erreichen eine bedeutendere Größe als
die von lapponica, sind auch höher gewölbt und dunkler
braun gefärbt. Jedes ® scheint mehr als eine Oothek abzulegen;
die zweite Oothek ist aber dann immer wesentlich kürzer, wie
auch aus den nachstehenden -Maßen hervorgeht:
Länge Breite
syWwestris: 2,3—4,6 2,1—2,5
lapponica: 2,3—4,0 2109
12. Heft
124 Dr. Willy Ramme:
Die starke Verschiedenheit der sylvestris- und lapponica-
Ootheken ist auch für die Anerkennung der Artverschieden-
heit dieser beiden von Bedeutung; diese ist aber auch allein
schon durch die Tatsache gewährleistet, daß beide z. B. Deutsch-
land nicht vikariierend bevölkern, sondern bereits an mehreren
Stellen dicht nebeneinander aufgefunden worden sind.
In Süd-Finnland kommen offenbar beide Ectobien vor, wie
aus Hisingers Übersicht der finnischen Orthopteren’?®) (1861) her-
vorgeht. Er sagt nämlich vom lapponica-?, dessen Elytren seien
„ebenso lang (lapponica!) oder kürzer als der Hinterleib“ und
hemiptera gehöre ebenfalls hierher, worauf sich wohl die Angabe
„kürzer als der Hinterleib‘“ bezieht. Daß Hisinger auch syl-
vestris vor sich gehabt hat, geht mit Sicherheit aus der Beschreibung
der ‚„Ägghylsan‘‘, der Ootheken, hervor, da er angibt, sie zeigten
18 erhabene Längsrippen. Er wirft eben auch beide Arten in
einer zusammen.
Den gleichen Fehler begeht wohl Aurivillius (1901), der in
einer kurzen Zusammenstellung der schwedischen Orthopteren-
fauna’!) (er widmet der lapponica im ganzen 11 Zeilen) eine Oothek
mit Längsrippen, von denen aber nur 10 angedeutet sind, abbildet.
Möglicherweise kommt sylvestris also auch in Schweden hier und
da vor.
Zum Schluß hebe ich die wesentlichsten Ergebnisse noch ein-
mal zusammenfassend hervor:
1. Ectobia sylvestris Poda (syn.: hemiptera Fabr.) ist
eine gute Art, besonders gekennzeichnet durch die
halblangen eiförmigen Elytren und die stark redu-
zierten Plurelides?t®.
2. Das Ectobia lapponica L.-? trägt Elytren von der
ungefähren Länge des Hinterleibes, mit deutlichen
Flecken; es ist schmäler und im Gesamteindruck
heller gefärbt als das sylvestris-2.
3. Die Ootheken von sylvestris tragen erhabene Längs-
rippen (etwa 18), die von lZapponica sind fast glatt.
4. Ectobia perspicillaris Herbst stimmt genau mit
lapponica L. überein, ist aber synonym zu dieser.
. Die SS von sylvestris und lapponica sind zwar
äußerst ähnlich, unterscheiden sich aber scharf
durch die Verschiedenheit des Discus pronoti.
6. Ectobia livida Fabr. ist strohgelb nnd hatwalız
einfarbige ungefleckte Elytren in beiden Ge-
schlechtern.
‘. In den Beschreibungen bei Fischerf2Brana.T,
Redtenbacher u.a. ist also das sylvestris-S und -?2
mit lapponica, das lapponica-? mit livida fälsch-
lich zusammengeworfen worden.
”°) Öfversigt af Finlands hittils kända Orthoptera. Helsingfors 1861.
”!) Svensk Insektfauna. 2. Orthoptera. Stockholm 1901.
oT
Orthopterologische Beiträge 125
8. In Deutschland kommen sylvestris und lapponica
häufig, möglicherweiseimsüdlichenTeilauch liv:-
da vor, sylvestris vorwiegend als Mittelgebirgstier;
in der Mark Brandenburg ist bis jetzt nur lap-
ponica gefunden worden und hier höchstwahr-
scheinlich die einzige Ectobra.
9. Unter diesen Umständen werden auch die Beob-
achtungen über eine angebliche Begattung der
„livida‘“ durch ‚„lapponica‘‘ hinfällig.
Auf Tafel II gelten also für die Figg. 3 und 4 die auf der
‚„‚lafelerklärung‘‘ stehenden Namen; die lextfigur 1 auf S. 107
zeigt das Pronotum von Ect. syWwestris 9, Textfigur 2 das von
lapponica 2. Plesiotypen (vgl. Fußnote 9 auf pg. 90) zu diesem
Abschnitt III im Zoolog. Museum.
IV. Platycleis coracis m., eine neue Art aus Griechenland.
„„tatura Pl. brachypterae affinis, sed valde brevioribus elytris.
Colore fusco-castaneo, disco pronoti raro virescente, margine pro-
noti eburneo, discum pronoti non attingente. Elytra fusca, brevia,
g eirciter longitudinem pronoti, 2 dimidium longitudinis pronoti
attingentia. Pronotum postice longitudinaliter carinatum. Fe-
mora postica incrassata. Segmentum anale $ triangulariter, 2 ro-
tundato emarginatum. Species cercis & late dentatis ab
ceteris speciebus valde differens. Cerci pilosi. Ovipositor
duplo longior quam pronotum.‘“
Farbe hellbräunlich bis kastanienbraun. Durch die auffällige
Form der Cerci des $, die am Ende einen breiten Innenzahn tragen,
A Dr o
Textfiguren 3—8.
von allen übrigen Platycleis-Arten deutlich unterschieden. (Text-
fig. 3 u. 4). Im Habitus Platycleis brachyftera L. nahestehend,
doch plumper und mit bedeutend kürzeren und abweichend in-
nervierten Flügeln versehen, beim $ ungefähr ebenso lang, beim
© halb so lang wie das Pronotum, mit scharf hervortretenden
Adern. Das Pronotum ziemlich massig und plump, seltener oben
hellgelblich oder grünlich gefärbt, im hinteren Drittel längsgekielt,
die Seitenlappen mit scharf abgesetztem, elfenbeinfarbenem Saum
(Textfig. 8). Hinterschenkel namentlich beim 9 ziemlich stark
verbreitert und verdickt (bis 0,32 cm breit), Legeröhre mäßig ge-
bogen (Textfig. 7), die Hinterschenkel überragend. Subgenital-
platte des © bis zur halben Länge der Platte rund ausgerandet
(Textfig. 6), Subgenitalplatte des $ dreieckig ausgeschnitten, (Text-
12. Heft
126 Dr.
fig. 5) von den styli und vom Zentrum der Platte scharfe Kiele
Subgenitalplatte des & fast geschlossen.
-.
ausgehend (K, u. K,).
Willy Ramme:
(%
Long. corporis 1,50—1,77 1,30—1,48
— capitis 0,57—0,64 1,48—1,54
— pronoti 0,43—0,50 0,37—0,43
— elytrorum 0,22—0,28 0,34—0,35
— femorum post. 1,23—1,32 =
— tibiarum post. 1,11—1,18 1,07—1,14
— ovipositoris 1,00—1,06: 1,06 418
3 dd und 3 92 dieser gut charakterisierten Art wurde im
Jahre 1837 von v. Oertzen am Korax-Vorgebirge auf der Insel
Paros (Kykladen) gesammelt; ich nenne die Art in Anlehnung
an den Fundort Platycleis coracıs. Typen im Zoolog. Museum
Berlin. Tal: HIHAbp232 ur 5b);
V. Ergebnisse meiner Reise nach Südrußland, der Türkei
und Bulgarien 1914.
Einer Einladung des Herrn Alexander von Falzfein }
auf Schloß Falzfeinowo’?) folgend, reiste ich im Mai 1914 nach
Südrußland. Falzfeinowo liegt am Unterlauf des Dnjepr im Gou-
vernement Cherssön, also auf dem westlichen Flußufer, gegenüber
dem Städtchen Lepeticha. Nach einem sechswöchigen Aufenthalt
daselbst, der auch einen Besuch anderer Besitzungen Falzfeinscher
Familienmitglieder, wie Askania Nova, Preobrajenka und Dorn-
burg mit sich brachte, reiste ich über die Krim (Ssewastopol, Li-
vadia, Jalta) nach Konstantinopel, machte von dort einen Ab-
stecher nach Kleinasien (Adampol am Bosporus und Ismid an
der anatolischen Bahn), um dann kurz vor Kriegsausbruch über
Sofia nach Berlin zurückzukehren.
Die Reise brachte reiche zoologische, insbesondere entomolo-
gische Sammlungen ein. Die Orthopteren nehmen unter diesen
leider nur einen geringen Raum ein, da die Jahreszeit noch nicht
weit genug vorgeschritten war und die meisten Arten sich daher
noch im Larvenzustand befanden. Immerhin waren doch schon
eine Anzahl Arten erwachsen, unter denen sich auch zwei neue
Species befanden; in der Krim wurde das bisher unbekannte
Weibchen einer Blattide aufgefunden.
Die meisten Arten stammen aus der Umgebung von Falz-
feinowo, einem Gebiet, das bisher wohl noch nie von einem Orthop-
terologen aufgesucht wurde und das meines Erachtens im Spät-
sommer eine reiche und gewiß viel Neues bringende Ausbeute
verspricht, befinden sich doch unter den wenigen von mir gesam-
melten eben die beiden neuen Arten.
2) Alexander v. Falzfein war ein Bruder des bekannten Tierfreundes
und Tierzüchters Friedrich v. Falzfein in Askania Nova (Nogaische Steppe,
Taurien); beide sind inzwischen in Berlin verstorben.
Orthopterologische Beiträge 127
Das Gebiet gehört dem ‚‚Tschernosjemm‘“ oder Schwarzerde-
gebiet an und hat nach seiner Lage eine Fauna naturgemäß vor-
wiegend. pontischen Charakter; es gliedert sich in zwei ganz ver-
schiedene Formationen: die Niederung des dort mehrere Kilo-
meter breiten Dnjeprs und die Steppe. Das westliche Ufer des
Unterlaufes zeichnet sich durch den Steilabfall der Steppe gegen
den Fluß aus; dieser Abfall erreicht etwa bei Kiew seine größte
Höhe, ist aber bei Falzfeinowo schon verhältnismäßig niedrig,
um dann gegen die Mündung hin immer weiter zu verflachen.
Er ist durch die erodierende Wirkung der ehemals von der Steppe
dem Fluß zustrebenden Wasserläufe stark zerklüftet.
Nur in diesen Vertiefungen und Schluchten, den ehemaligen
Schlupfwinkeln der Saporoger Kosaken, kann sich Gesträuch an-
siedeln, weil ihm die scharfen, oftmals über die Steppe brausenden
Stürme nichts anhaben können. Baumwuchs fehlt vollständig,
wenn man von einigen wenigen meist unmittelbar am Fluß stehen-
den wilden Birnbäumen absieht (und von dem Park, den Herr
v. Falzfein unter größten Schwierigkeiten um das Schloß herum
hat anlegen lassen).
Zoologisch am ergiebigsten ist das Gebiet des Übergangs von
der Uferregion zur Steppe, da dort die wellige Beschaffenheit des
Terrains eine bedeutende Wärmeentwicklung in den Vertiefungen
(ähnlich wie in den ‚‚Dolinen‘“ des Karstes) gestattet und in Ver-
bindung damit die durch die Nähe des Flusses gesteigerte Boden-
feuchtigkeit eine überaus üppige Flora entstehen läßt; mannshohe
Disteln, große Büsche von Salvia nutans L. und silvestris L., Step-
pengras (Stifa pennata L.), Phlomis tuberosa L. und pungens
Wildenow, Euphorbia agraria M. B. stehen dort im Verein mit
anderen Vertretern meist der pontischen Flora.
Die Ausbeute an Orthopteren (einschließlich der Dermapteren)
besteht aus den folgenden Arten:
Dermaptera.
1. Forficula tomis Kol. Falzfeinowo; besonders in der Nähe
des Dnjepr-Ufers sehr zahlreich unter Steinen, oft in Gesellschaft
der später zu erwähnenden Gryllus-Arten. Die Zangen der dd in
der Länge zwischen 7 und 11 mm variierend.
Blattodea.
2. Aphlebia adusta Fisch. d. W. Die mangelhafte Fischer-
sche’?3) Beschreibung der Art (1846) nach einem Z aus der Krim
wurde von Krauss”*) 1888, ebenfalls nur für das $, vervollständigt,
nach einem von Retowski”) in der südl. Krim gesammelten Ex-
emplar. Erst Adelung lag ein größeres Material an SS vor, die
Kusnezow in den Jahren 1897—1905 an verschiedenen Orten
der Krim erbeutet hatte. Diese stimmen gut mit der Krauss’schen
3) Orth. Ross., Suppl., p. 355, Tab. XXXIII, Fig. 2.
74) Verh. Zool.-bot. Ges., Wien 1888, Bd. XXXVII, p. 568.
5) Beitr. z. Orth.-Kunde d. südl. Krim, St. Petersburg 1907.
12. Heft
128 Dr. Willy Ramme:
Beschreibung überein, wenn man von einigen ganz unwesentlichen
Abweichungen absieht. Das Gleiche kann ich von meinem Ma-
terial sagen (15 33), das ich auf dem Wege von Jalta nach Utschan-
Ssu sammelte. Variabel ist eigentlich nur der schwarze Fleck am
distalen Ende der Elytren und die Breite der schwarzen Scheibe
auf dem Pronotum; letztere schwankt zwischen 0,2 und 0,23 cm
und die Länge des dunklen Flügelflecks zwischen 0,34 und 0,44 cm.
Im letzteren Falle ist dann der Flächeninhalt des Flecks doppelt
so groß wie im ersteren, sodaß diese extrem dunklen Tiere fast ganz
braunschwarze Flügel zeigen, auch die Beine sind dann mit Aus-
nahme der ersten Tarsalglieder schwarzbraun.
Das bisher unbekannte ® vermag ich nunmehr zu
beschreiben, da ich das eine der {3 in copula mit einem ® fand,
außerdem 5 weitere 22 inmitten einer großen Zahl von $d, sodaß
auch bei diesen für mich keine Zweifel betreffs ihrer Zugehörigkeit
zu adusta bestehen. Die Diagnose des 2 wäre folgende:
„Pronotum laete fuscum usque ad nigro-castaneum, margine
late testaceo, pellucido. Elytra segmentum abdominis primum
attingentia, late rotundata, testacea, nitida; alae squamiformes.
Pedes ut in $, abdomen rotundatum, laete fuscum, maculis vit-
tisque nigris ornatum. Cerci fusci, apice et interdum basi ni-
grescentes.‘‘
Gesamtfarbe hellbräunlich, mit schwärzlichen Zeichnungen.
Fühler hell- bis dunkelbräunlich, zwischen den Augen eine gelb-
braune Linie. Pronotumscheibe hell gelblichbraun oder roströtlich
(dann mit undeutlichen dunkelbräunlichen Flecken) oder bräun-
lichschwarz, der breite Rand hell und durchsichtig. Flügeldecken
gelblichbraun, hinten breit abgerundet, etwa auf das erste Hinter-
leibssegment reichend; die Flügel schuppenförmig verkümmert.
Abdominalsegmente von der allgemeinen Färbung, mit mehr oder
minder markanten Flecken und Binden geziert. Beine hell, bis
auf ein schwarzes Fleckchen auf den Hintertibien an der Insertions-
stelle des ersten Tarsalgliedes. Cerci an der Spitze und zuweilen an
der Basis schwärzlich.
Adelung beschreibt (l. c.) eine größere Anzahl Aphlebia-
Weibchen aus der Krim (z. T. ebenfalls von Utschan-Ssu), bei
denen er aber mangels einer beobach-
teten Kopula nicht sicher ist, ob er sie
überhaupt zu adusta (oder der nahe
verwandten retowskii Krauss) stellen
soll. Beim Vergleich meiner 6 29 mit
den 7 verschiedenen Gruppen, in die
Adelung sein Weibchenmaterial glie-
dert, ist unzweifelhaft festzustellen,
daß sich — zum mindesten in den
Gruppen a und c — adusta — Weibchen befinden. Die von
Adelung erwähnte Variabilität in der Zeichnung des Abdo-
mens ist in der Tat groß, da von meinen 6 Weibchen genau kaum
Textfig. 9. Textfig. 10.
Orthopterologische Beiträge 129
eines einem anderen gleicht. Die Extreme sind in Textfig. 9 u. 10
(Vergr. 3:1) dargestellt; zwei ?? in toto auf Taf. II, Fig. 7
(Vergr. 2:1); das linke ist das in copula mit einem & gefundene.
Ich konnte auch 3 Larven erbeuten, die ohne Zweifel weiblichen
Tieren angehören und sich von diesen im Prinzip nur durch das
Fehlen der Flügeldecken und Flügel unterscheiden. Die Zeichnung
des Abdomens enthält etwas mehr schwarze Elemente als beim
erwachsenen Tier; die Cerci zeigen ebenfalls die dunkle Färbung
an Basis und Spitze.
Körperlänge von 0,78—0,588 cm, durchschnittliche Elytren-
länge 0,30 cm. Typen, 6 29, im Zoolog. Museum.
3. Ectobia lapponica L. subsp. nigra Karny.
Karny beschreibt in seiner Abhandlung ‚‚Zur Kenntnis der
Orthopterenfauna der Abbruzzen‘ von lapponica eine ‚,‚var.
nigra‘‘, die:er als „melanistische Zwergform‘‘ bezeichnet und von
der er am Terminillo (2213 m) am 6. VII. 1912 4 SS erbeutet
hat. ‚Etwas kleiner wie mitteleuropäische Exemplare und sehr
dunkel gefärbt. Pronotum in der Mitte ganz schwarz, die Seiten-
ränder manchmal nur undeutlich aufgehellt. Elytren viel dunk-
ler wie bei Stücken aus Mitteleuropa. Beine mit Ausnahme der
gelben Dornen schwarz. Hinterleib oben ganz schwarz‘.
Körperlänge 7,5 -8 mm
Elytren 7 mm
Ich habe nun bei Sofia, am Abhang der. Witosha, im Juni
8 dd erbeutet, die genau der Karnyschen nıgra gleichen; die
Elytrenlänge schwankt zwischen 7 und 7,4 mm. Die Färbung
ist im Gesamtton mit lapponica übereinstimmend, aber dunkler,
das Abdomen unterseits sowie die Beine sind völlig schwarz, nur
die Dornen der letzteren bräunlich; die Segmenthinterränder
oberseits schmal, aufgehellt. Fühler und Cerci schwarz. Die Adern
der Elytren deutlich nicht so stark erhaben wie bei
lapponica (vgl. Taf. II, Abb. 5 und 6 miteinander).
Der Hauptunterschied liegt in der Form der
glänzend tiefschwarzen Pronotumsscheibe. Ein
Blick auf Textfig. 11 zeigt dies am besten; (vgl.
damit die Pronota von sylvestris und lapponica,
Textfigg. 1 und 2 auf S. 107). Der helle Rand
des Pronotums ist wesentlich schmäler als bei Textfig. 11.
lapponica. Sämtliche vorliegenden 8 JS stimmen
in diesen Merkmalen genau überein; sie zeigen bei Ruhelage der
Elytren eine etwas breiter ovale Form.
Das einzige 2 vom gleichen Fundort ist ebenfalls viel kleiner |
und zierlicher als das von lapponica (Körperl. 6,7, Elytrenlänge 5,5,
Flügellänge 3,5, Pronotumbreite 2,3), im übrigen aber betreffs der
Färbung sehr ähnlich. Abdomen oben und unten schwarz mit
hellen Seitenrändern, Beine hell, nur die Insertionsstellen der
Dornen schwarz punktiert, Cerci schwarz. Auffällig ist die —
Archiv a ne
9 12. Heft
130 Dr. Willy Ramme:
übrigens auch beim & in Erscheinung tretende — reichliche und
scharfe dunkle Punktierung der schmalen, ziemlich spitzen Elytren.
Von dieser nıgra befinden sich ferner im Zoologischen
Museum 11 SS und 1 9, bei Kronstadt von E. J. Lehmann
1903 (Juni— Juli) gesammelt, und 4 SS, von Schumacher und
Spaney im Juni 1911 auf Belvedere (700 m) bei Cetinje
(Montenegro) gefunden. Ferner enthält das Ectobienmaterial des
Züricher Museums, das mir Herr H. Fruhstorfer zur Be-
arbeitung übersandte, 5 dd aus der Schweiz (Ligornetto, Juni
19; Corno di Gesero, Juli 19; Pontresina, Aug. 20; 2 vom Mte.
Boglia, Juli 19).
Die Montenegriner Stücke sind etwas heller als die übrigen,
die Schweizer besonders dunkel. Allen gemeinsam aber ist die
genau gleiche Form der Pronotumscheibe. Da diesem Merkmal,
wie wir bei sylvestris und lapponica gesehen haben, eine ganz
besondere systematische und diagnostische Bedeutung zukommt
und anderseits die bisher festgestellte Verbreitung von nigra
eine recht ausgedehnte ist (Italien, Schweiz, Montenegro, Sieben-
bürgen, Bulgarien), so ist der Gedanke nicht von der Hand zu
weisen, daß wir in ihr eine selbstständige Art vor uns haben,
deren besonders nahe Verwandtschaft mit lapponica allerdings
außer Zweifel steht. Solange aber nicht gemeinsames Vorkommen
mit letzterer nachgewiesen ist, mag sie als Sukspecies von dieser
elten.
; 4. Aphlebia marginata Schreber. Kleinasien (am Bosporus
und bei Ismid). |
Acridoidea.
5. Tettix subulatus L. Falzfeinowo.
6. Tettix bipunctatus L. Falzfeinowo.
7. Stenobothrus lineatus Pf. Sofia. 2
8. Stauroderus bicolor Charp. Falzfeinowo, Ssewastopol, Ismid.
9. St. parallelus Zett. Ismid.
10. Stethophyma (Arcyptera) flavicosta Fisch. Falzfeinowo.
11. Epacromia strepens Latr. Ismid.
12. Nocarodes straubei Fieb. (?). Nur 1 9, auf der asiatischen
Seite des Bosporus, landeinwärts von Pascha-Bagtsche, bei dem
„Polnischen Tschiftlik‘ erbeutet. Es stimmt im allgemeinen mit
der Brunnerschen (l. c.) Beschreibung überein, nur sind die Hinter-
bein-Tibien nicht als ‚‚sordide rufescentes‘‘, sondern wie beim &
als ‚‚laete miniatae‘‘ zu bezeichnen. Da die Farbe der Tibien bei
Nocarodes ziemlich konstant ist, so bin ich nicht ganz sicher, ob
straubei vorliegt. Die 3 unter der Bezeichnung ‚‚straube:‘‘ im
Museum befindlichen 99, vom Cilicischen Taurus (Holtz leg. 1895),
passen durch die übereinstimmend violettrote Färbung der Hinter-
beintibien besser zu N. fieberi Br., auch durch das von der Seite
gesehene, nur schwach konvexe Pronotum, das aber immerhin
nicht als ‚‚gerade‘‘ zu bezeichnen ist, wie es bei fieberi sein soll.
Auffallend ist der Größenunterschied der Augen: der Längs-
Orthopterologische Beiträge 131
durchmesser beträgt bei den 3 cilicischen Stücken 2,7 mm, bei
meinem Q vom Bosporus 2,0 mm. Da andere bisher bekannte
Arten nicht in Frage kommen, so halte ich es nicht für ausge-
schlossen, daß die ersteren eine dritte noch unbeschriebene Art
vertreten. Jedenfalls gehören die vier eben beschriebenen Stücke
nicht einer Art an.
Locustodea.
13. Isophya chersonensis m. n. Sp.
„I. pyrenaeae affinis, sei minor. Elytra & fere libera; cerci
graciles, curvati, apicibus minima spina armatis. Lamina sub-
genitalis triangulariter excisa. Elytra @ item fere libera, lamina
subgenitalis rotundata. Ovipositor longus, circiter longitudinem
abdominis attingens.‘
Nahe verwandt mit Isophya pyrenaea Serv., aber etwas kleiner
und schmächtiger, besonders im männlichen Geschlecht. Vor allem
durch die namentlich beim & fast freien Flügeldecken, die auch
beim ® erheblich weiter hervorstehen als bei Pyrenaea, von dieser
scharf unterschieden. Farbe der Tiere grün, bis auf die braunen
an der Basis hell geringelten Fühler. Die Hinterschenkel besonders
beim & dicht braun punktiert. Die Cerci
des & sind schlanker als bei Pyrenaea,
bogig und mit einem ganz feinen Dörn-
chen an der Spitze bewehrt. Subgenital- es
platte des $ dreieckig ausgeschnitten, die
des @ (Textfig. 13) abgerundet, ebenso Textfig. 12. Textfig. 13.
die Supraanalplatte des Q (Textfig. 12).
Die Legeröhre ist deutlich länger als bei dyrenaea und — na-
mentlich am Unterrand — weniger gekrümmt.
6)
Long. corporis 198.0 7158
— femorum post. 1,92,07 1,65
— tibiarum post. 2,1 ICH
— elytrorum (liberae partis) 0,21 0,39
— .ovipositoris Bone.
Ich nenne die Art Isophya chersonensis,; 2 38, 2 28, schwer-
fällig in grasigem Gelände umherlaufend, bei Falzfeinowo Ende
Mai erbeutet. Typen (1 2 in Alkohol konserviert) im Zoolog.
Museum Berlin (Taf. III, Abb. 6a u..b). :
14. Poecilimon bosphoricus Br. Diese hübsche Art war im
Juni bei Konstantinopel (besonders in der Gegend der „Süßen
Wasser‘‘) recht häufig.
15. Saga spec. Mehrere Larven bei Falzfeinowo.
16. Platyecleis falzfeini m. n. Sp.
„Pl. strictae et dubiae affinis. Colore laete fusco-griseo. Discus
pronoti antice angustatus, solum postice carina media ornatus.
Lobi pronoti laterales margine albido ornati. Elytra corpore valde
longiora, femoribus posticis breviora, angusta, venis fuscis, ve-
nulis transversis pallide circumdatis. Femora postica pallido-
9* 12. Heft
132 Dr. Willy Ramme:
grisea vel fusca, extus vitta albida et macula nigra ornata. Seg-
menta abdominis in lateribus nigro-maculata.
& Lamina supraanalis triangulariter producta, valde con-
cava, processis intus curvatis. Cerci recti, ad apicem attenuati,
basi dente parvo fusco armatıi.
© Lamina subgenitalis magna transverse convexa, non ca-
rinata, postice panlulum emarginata,; ovipositoris margo inferior
apicalis crenulatus.‘
Der Platycleis stricta Zeller und dubia Uvarow nahestehend,
aber durch die in beiden Geschlechtern anders gestalteten Hinter-
leibsendplatten leicht von diesen zu unterscheiden. Sehr ähnlich
der Pl. dubia Uvarow”‘) (bei Kalmykow am Uralfluß und bei
Uralsk von Zhuravlev aufgefunden), aber bezüglich der Form der
Cerci (nicht ‚‚conici‘‘), des Segmentum anale & (nicht ‚‚valde emar-
ginatum‘‘) und der Größenverhältnisse von dieser abweichend.
Gesamtfärbung hellbräunlich. Pronotum schmal, schlank,
trapezförmig, schwach concav mit etwas aufgewölbten Seiten-
rändern, nur in der analen Hälfte längsgekielt. Seitenlappen des
Pronotums sanft gerundet, ventral- und analwärts gelblichweiß
gesäumt. Flügeldecken schmal, den Hinterleib ziemlich weit über-
ragend, die Knie jedoch nicht erreichend. Farbe hellbräunlich,
zwischen den Oueradern der Radial- und Ulnarader dunkelbräun-
lich gefleckt. Flügel durchsichtig, hell. Hinterleibssegmente seit-
lich schwarz gefleckt. Hinterschenkel außen mit einem gelblichen
am Unterrand dunkel gesäumten Längsstrich geziert; der dunkle
Saum verdichtet sich etwa in der Mitte zu einem schwarzen Fleck.
dä Supraanalplatte in der Mitte dreieckig vorgezogen, stark
konkav und bis zur proximalen Hälfte gespalten, die Fortsätze
leicht hakig nach innen gebogen, sodaß sich ihre stumpfen Enden
berühren (Textfig. 14). Cerci pfriemenförmig, gerade, distal
schlanker werdend, mit hakig gekrümmtem, scharfem, oberhalb
On
Textfiguren 14 — 1%
der Basis stehendem Innenzahn (Textfig. 15). Subgenitalplatte
am Hinterrand spitzwinklig ausgeschnitten (Textfig. 17).
Q Legeröhre schwach gebogen, kürzer, aber in der Form wie
bei stricta. Unterrand der Spitze stark crenuliert. Subgenitalplatte
groß, quer, konvex, ohne Kiel, am le fast gerade GR
Ber 16).
”%) Trudo Russk. Ent. Obsch. Tom. XXXIX, 1910, p. 384, Fig. 6 u. 7.
Orthopterologische Beiträge 13 3
a 6)
Long. corporis 11 Ka re 21,74
— pronoti 0,41—0,45 0,41—0,42
— femorum post. 1,52—2,0 '1,75—1,81
— tibiarum post. 1,78—1,85 1,63—1,66
— elytrorum 261 20 150° 13
— ovipositoris 0,93220:95 =
Ich nenne die Art zu Ehren der Familie von Falzfein Platy-
cleis falzfeını m. 238,2 22 auf welligem, grasigen Gelände in der
Nähe von Falzfeinowo Ende Mai erbeutet, zusammen mit Sietho-
phyma flavicosta. Typen im Zoolog. Museum Berlin. (Taf. III, Ab-
bildungen 4a u. b.)
Gryllodea.
17. Gryllus desertus Pall. In großen Mengen unter Steinen an
den Abhängen des Dnjeprufers, darunter 1 $ mit ausgebildeten Flü-
geln. Diese langflügelige Form scheint im Gegensatz zu denen der
verwandten Grillen noch nicht benannt zu sein. Ich schlage den
Namen n. f. alata m. vor.
18. G. frontalis Fieb. Ebenfalls sehr zahlreich, zusammen mit
d. vorigen. 1 & der langflügeligen f. caudata Sing.
19. Tridactylus variegatus Latr. Besonders in der Nähe des
Ufers eines vom Dnjepr abgezweigten künstlichen Sees im Park
von Falzfeinowo sehr häufig.
20. Gryllotalpa vulgarıs L. Falzfeinowo.
21. Myrmecophila acervorum Panz. Falzfeinowo. Leider ist
auf dem Transport das Gläschen mit den Wirtsameisen verloren
gegangen, sodaß deren Bestimmung unmöglich war. Ich glaube
mich aber mit einiger Sicherheit zu erinnern, daß ich die Grillen
bei einer Myrmica-Art fand.
VI. Ergebnisse meiner Reise nach dem Bayrischen Allgäu 1919.
In den ‚Entomologischen Mitteilungen‘ VIII, 1919, Nr. 4/6
weist Zacher auf die ungenügende Erforschung der Bayrischen
Alpen in orthopterologischer Beziehung hin und gibt anschließend
die Ergebnisse einer daraufhin unternommenen Sammelreise in
das Berchtesgadener Gebiet bekannt. Die an sich be-
schränkte Zeit (14 Tage) wurde durch die Ungunst der Witterung
noch bedeutend reduziert, sodaß das von Zacher gewonnene
faunistische Bild wohl noch der Vervollständigung bedarf. Immer-
hin konnte er (einschließlich der Dermapteren) 26 Arten nach-
weisen. 7 Arten davon sind für die Bayrischen Alpen ‚neu‘,
d.h. also, ihre Auffindung wird hier zum ersten Male veröffentlicht.
Die Zachersche Arbeit gab mir im vergangenen Jahre
die Anregung, die bayrischen Alpen ebenfalls wieder ein-
mal aufzusuchen, zum Zweck eingehender orthopterologischer
Studien. Ich wollte damit auch Versäumtes nachholen, denn in
der Vorkriegszeit waren meist die südlichen Alpenländer mein
Ziel gewesen. Ich wählte den dem Berchtesgadener Lande ent-
12. Heft
134 Dr. Willy Ramme:
gegengesetzten westlichen Teil, das Allgäu. Zwar hatten dort
früher schon Krauss”) und Fröhlich gesammelt, jedoch nur
einige Einzeldaten veröffentlicht. Ein zusammenhängendes Bild
der dortigen Orthopterenfauna fehlte daher bislang.
Die dreiwöchige Reise zur Zeit des Höhepunktes der Orthop-
terenentwicklung (Ende August bis Mitte September) war während
der ganzen Zeit von prächtigem Wetter begünstigt, sodaß die Zeit
voll ausgenutzt werden konnte. Als Standort wählte ich das be-
kannte Oberstdorf, das durch seine Lage in einem weiten, son-
nigen, von den Quellflüssen des Iller durchströmten Talkessel
sowie durch die zahlreichen, von diesem strahlenförmig ausgehen-
den Seitentäler hervorragend geeignet erschien. Die hauptsäch-
lichsten dieser Seitentäler sind die drei, welche von den Illerquell-
flüssen Breitach, Trettach und Stillach durchflossen werden. Die
Vegetation ist äußerst üppig.
Ich habe nun in der intensivsten Weise Tag für Tag von früh
bis spät systematisch jeden Winkel des weiten Gebietes nach
Orthopteren durchforscht und glaube kaum, daß mir — abgesehen
vielleicht von Forficuliden oder Blattiden — eine Art entgangen
ist. Die ganze Verbreitungsweise der Orthopteren, ihre Seßhaftig-
keit, die meist an jeder Stelle ihres Vorkommens reiche Individuen-
zahl erleichtert ja gerade bei diesen Insekten so sehr die Arbeit,
besonders, wenn man sämtliche Arten von Ansehen kennt, ohne
sie erst bestimmen zu müssen, was ja bei den deutschen Orthopteren
nach längerer Beschäftigung mit ihnen keine besonderen Schwierig-
keiten bietet. Mit dem Notizbuch in der Hand kann man an Ort
und Stelle seine Funde und Beobachtungen festhalten.
Die Orthopteren stellen für biogeographische Studien unter
allen Insekten das idealste Objekt dar, besonders eben durch ihre
schon erwähnte Seßhaftigkeit. Während bei den meisten anderen
oft weite Strecken im Fluge zurücklegenden Insekten die Ausbeute
an einer Örtlichkeit zu einem großen Teil nur einen Zufallswert
hat, eine Serie von Stichproben darstellt, kann man bei den
Orthopteren das Vorkommen bestimmter Arten an ein und der-
selben Stelle, im allgemeinen als konstant bezeichnen. Geringe
Schwankungen kommen natürlich auch hier vor.
Aus diesem Grunde stehe ich auch nicht an, ganz genaue
Angaben der Funde an jeder einzelnen von mir untersuchten
Lokalität des Oberstdorfer Gebietes zu bringen. Gleichzeitig zeigt
sich da auch, daß einzelne Arten, die in anderen Gegenden Deutsch-
lands als wählerisch in der Beschaffenheit ihres Aufenthaltsortes
gelten, dies im Alpengebiet durchaus nicht sind. Ebenso ist auch
das Umgekehrte der Fall, sodaß gewisse aufgestellte Normen hin-
fällig werden, Verallgemeinerungen, deren ich mich selbst in
früheren Veröffentlichungen über märkische Orthopteren schuldig
gemachthabe wie auchandere Autoreninsolchen überandereGebiete.
”) Entom. Zeitung, Wien 1886.
Orthopterologische Beiträge 135
Ich beginne nun mit der Schilderung der Ergebnisse der
einzelnen Sammeltouren; viele wurden zur Erzielung größter
Gründlichkeit mehrmals unternommen; die Angaben betreffen
dann das Gesamtergebnis.
Freibergsee—Schwand.
Die Kulturwiesen, die man in allen Richtungen aus Oberst-
dorf hinaus zu passieren hat, da sich der Ort auf einem weiten,
ebenen Talboden hinzieht, liegen in etwa 8—900 m Höhe und
sind naturgemäß artlich nicht sehr reich mit Orthopteren be-
völkert; die hauptsächlichsten 3 Arten aber, Chorthippus paral-
lelus Zett., Platycleis rvoeselii Hgb. und Decticus verrucivorus L.
sind bald hier, bald dort in beträchtlicher Individuenzahl vor-
handen, besonders die beiden ersteren. Auf einzelnen Wiesen fand
sich auch Locusta cantans Fuessly.
Roeselii gibt dieser Lebensgemeinschaft ein charakteristisches
Gepräge durch sein anhaltendes Zirpen, das, einerseits aus gleich-
mäßigen, langgezogenen, surrenden Lauten bestehend, anderseits
von Hunderten von. Individuen gleichzeitig hervorgebracht, in-
folgedessen die Luft mit einem ununterbrochenen Surren erfüllt;
das Einzeltier hört man garnicht mehr. Das Geräusch erscheint
wie ein Ausdruck der aus den Wiesen aufsteigenden und über
ihnen schwebenden und flimmernden Sonnenglut. Eine ähnliche
Wirkung, nur weit schärfer und aufdringlicher, erzielen in den
südlichen Alpenländern die Cikaden.
Man muß sich unter diesen Umständen wundern, daß Zacher
diese Art als ‚‚neu für die Bayrischen Alpen‘ angeben kann, und
er im Berchtesgadenschen nur 1 $ und 1 2 erbeutet hat. Ich
erinnere mich, auch in vielen anderen Teilen der Alpen roeselrt
als Bewohner der Kulturwiesen gefunden zu haben, ohne dies
allerdings früher veröffentlicht zu haben. Ich glaube also, daß
nur die ausnehmend schlechte Witterung Zacher nicht die gleiche
Häufigkeit von roeselii bei Berchtesgaden hat feststellen lassen. —
Sind die Wiesen eben gemäht, so sammeln sich die Platycleis mit
Vorliebe auf den Heuhaufen. Ein 2 trug einen frisch angeklebten
Spermatophor.
Am Waldrand erst hören die Kulturwiesen auf, der Boden
wird steinig, Disteln und Weidenbüsche treten auf; letztere künden
die Nähe der Trettach an. Hier fliegt schnarrend Psophus stri-
dulusL.; Platycleis roeselii Hgb. wird von brachyptera L. abgelöst.
Zahlreich ist Stauroderus biguttulus L., spärlich b:color Charp.
vertreten.
Immer mehr tritt der Charakter des mit Geröll und spär-
lichem Pflanzenwuchs bedeckten, zum größten Teil trockenen
Bachbettes hervor; nur durch die Mitte schneidet die jetzt wasser-
arme Trettach ihre schmale Straße. Ich fand hier ein den Krauss-
schen Schilderungen des Gebietes der Osterach (bei Hinterstein
im Allgäu) völlig entsprechendes Gebiet und hatte auch in kür-
zester Zeit dessen von Krauss genannte typische Bewohner:
12. Heft
136 Dr. Willy Ramme:
Bryodema tuberculata Fabr., Stauroderus pullus Phil., Tettix war
auch hier zahlreich, aber nicht T. Zürki Kr., sondern bipunctatus L.
Außerdem waren, mehr am Rande des Gerölls, zahlreich vertreten
Gomphocerus rufus L. und Stauroderus bicolor Charp.
In der Nähe des Freibergsees ziehen sich dann zahlreiche
hügelige, trockene, kurzrasige Matten hin, die hauptsächlich von
Chorthippus parallelus Zett., Omocestus viridulus Zett. und ru-
fipes Zett. bevölkert werden: Letztere beiden kommen hier also
neben- und durcheinander vor; die zahlreichen, untersuchten
Stücke waren artlich ohne weiteres geutlich voneinander zu unter-
scheiden. Man mag kaum an die Angabe von Ikonnikow glauben,
daß beide Arten in Sibirien ineinander übergehen, denn dann
würden wohl auch in Deutschland und ganz besonders an einer
solchen Stelle wie am Freibergsee Übergänge zu finden sein, wo
hier die Möglichkeit zu Kreuzungen in hohem Maße gegeben ist.
Zudem weist rufipes weit mehr in das Mittelmeergebiet als Zentrum
seiner Verbreitung, während viridulus östlichen Ursprungs zu sein:
scheint. Auch Zacher stellt viridulus in seine „eUzopA u
rische‘‘, rufipes dagegen in die mediterrane Gruppe.
Spärlicher war Stenobothrus lineatus Pz. vorhanden; die Co-
rylus-Büsche waren reichlich von Locusta cantans Fuessly bewohnt.
Locusta cantans ist die einzige Vertreterin dieser Gattung,
die ich im ganzen Oberstdorfer Gebiet fand; sie ist dort weit ver-
breitet und in großer Individuenzahl vorhanden. Ich beobachtete
dort eine bemerkenswerte Verschiedenheit in der Zirpweise dieser
Art. Für gewöhnlich bringt cantans ein gleichmäßig surrendes’?)
von leiseren zu lauteren Tönen anschwellendes Geräusch hervor,
das in kleineren oder größeren Intervallen wiederholt wird. Ich
hörte nun an einem Spätnachmittag, als die Sonne schon hinter
den Bergen verschwunden war, in der Nähe des kleinen Weilers
Gruben ein ohne Pause abgehackt sägendes Zirpen, wie es bei
Locista viridissima L. altbekannt ist. Ich glaubte daher auch,
diese Art vor mir zu haben, war aber sehr erstaunt, als ich eben-
falls L. cantans als Urheberin dieses von ihrer sonstigen Gewohn-
heit abweichenden Geräusches entdeckte. All die vielen Exemplare,
die ich an diesem Tag noch beobachtete, zirpten auf diese Weise.
Dauernde Beobachtung in der nächsten Zeit ergab dann zweifels-
frei, daß cantans, wenn sie durch die Sonne erwärmt wird, der
erstgeschilderten, nach Verschwinden der Sonne der letzteren Zirp-
weise huldigt.
Unten am Ufer des Freibergsees ziehen sich feuchte Ayidden
hin, auf denen sich Chorthippus parallelus Zett. fand; an den
Binsen, fast im Wasser, saß zirpend ein & von Platycleis brachy-
ptera L. Man muß dann, um nach Schwand zu gelangen, wieder
a und passiert zahlreiche Matten, in einer Höhe von
9) Ähnlich Platycleis roeselii Hgb., aber entsprechend ihrer Größe
ist dies bei cantans viel lauter und schärfer, jedoch nicht so anhaltend.
Orthopterologische Beiträge 137
etwa 950 m gelegen. Sie waren bevölkert von Chorthippus paral-
lelus Zett., virıdulus Zett, Gomphocerus rufusL., Psophus, Decticus,
Locusta cantans Fuessly und Platycleis brachyptera L.
Letztere bevorzugte den Waldrand; ich fing dort auch ein
macroßteres-3 (forma marginata Thbg., Taf. III,‘ Fig. 2b) auf
grasigem Gebiet. Auf einer der Matten fand ich, in dieser ge-
ringen Höhenlage von 950 m ganz unerwartet, ein $ von Gom-
phocerus sibiricus L., das sich mir durch sein gegen die übrigen
dort musizierenden Acridier scharfes Zirpen verraten hatte. Trotz
angestrengten Suchens konnte ich keine weiteren Exemplare ent-
decken und möchte daher annehmen, daß es sich hier um ein ver-
flogenes Stück gehandelt hat.*) Gerade oberhalb dieser Matten
liegen nämlich die Hänge des Söllerecks (1400—1900 m), auf
denen ich dann später sibiricus in großen Mengen fand; unter
1400 m war sibiricus sonst nirgends anzutreffen.
Hinter Schwand zieht sich durch Wiesengelände ein Rinnsal,
das stellenweise von sumpfig feuchten Partien umgeben ist, die
mit Binsen, Schachtelhalmen und Torfmoos bestanden sind: das
geeignete Element für Mecosthetus grossus L., der hier auch nicht
auf sich warten ließ. Außerdem fanden sich Chorthippus Pparal-
lelus Zett., Omocestus viridulus Zett., Stauroderus biguttulus L.,
Platycleis roeselii Hgb. und Decticus verrucivorus L.
Aus einem üppig, vorwiegend mit Tussilago bewucherten
und sich schluchtartig in den Wald hinein neigenden Abhang er-
scholl mir zum ersten Mal (im Oberstdorfer Gebiet) das unver-
kennbare metallische Zirpen von Thamnotrizon apterus F. ent-
gegen; doch ließ sich in dem Dickicht nur 1 $ als Beweisstück
mit großer Mühe erbeuten. Auf den Tussilagoblättern saßen
zahlreich die intensiv grünbunten Podisma alpina Koll. Sie geht
also hier bedeutend tiefer (ca. 900 m), als es Zacher (l. c.) für
Berchtesgaden angibt (‚‚von 1100 m an aufwärts‘‘). Nicht eigent-
lich dort erwartet fand sich Psophus, der sonst eine solche feucht-
üppige Vegetation zu meiden scheint.
Oytal.
Auf dem Wege ins Oytal passiert man zunächst weite, eine
halbe Stunde sich hinziehende, stark geneigte Hänge, mit kurzer
aber saftiger Vegetation. Auf ihnen finden sich Chorthippus par-
allelus Zett., Omocestus viridulus Zett., und rufipes Zett., Steno-
bothrus lineatus Pz., Stauroderus biguttulus L., Platycleis brachyptera
L. und Decticus verrucivorus L. Ganz oben, wo die Hänge an Fels-
geröll und Wald stoßen, haust zahlreich, aber immer einzeln,
Thamnotrizon apterus F. Unter Steinen fand sich Forficula auri-
cularia f. cyclolabia Fieb.
*) Nach Heller u. Dalla Torre (Über die Verbreitung der Tier-
welt im Tiroler Hochgebirge; Sitz. Ber. d. Ak. d. Wissensch., Wien
1833, p. 13) kommt sibrricus in Tirol erst oberhalb 1200 m vor.
12. Heft
138 Dr. Willy Ramme:
Im Oytal selbst kommen wir dann an ein ausgedehntes Ge-
röllfeld, das größte im ganzen Gebiet. Es stellt das tote Bett
des Oybacheös dar, der sich hier einen unterirdischen Weg gebahnt
hat und erst im weiteren Verlauf des Tales wieder an das Tages-
licht kommt. ‚Dieses Gebiet ist so recht eigentlich das Terrain
für Bryodema tuberculata F., die hier denn auch zu Hunderten
vorkommt. Taf. Ill, Fig. 1 zeigt einen Teil des Geröllfeldes, gegen
den Talausgang gesehen, nach einer Aufnahme, die ich dort machte.
Zacher beschreibt auf pg. 100 seiner vorerwähnten Arbeit
von Bryodema tuberculata F. eine ‚„nov. var.‘ bavarica nach je
einem & und 9, die er — ebenfalls auf einem Schotterfeld — am
: Eisgraben bei Berchtesgaden erbeutete. Zachers an sich bei dem
geringen Material zunächst gewagte Annahme, es könnte sich hier
um eine in den bayrischen Alpen ausgebildete Lokalrasse handeln,
kann ich nun an dem reichlichen Material, das ich untersuchte,
bestätigen, sodaß wir wohl von einer ‚Subspecies‘“ bavarica spre-
chen können. Nur muß ich die Beschreibung. etwas modifizieren.
Das wesentlichste Merkmal ist das Fehlen einer ausgeprägten
Fleckung, die der Art den Namen einbrachte. Diese Fleckung
ist zwar auch bei den bayrischen Tieren vorhanden, aber fast
durchweg viel schwächer als bei norddeutschen Stücken; vergleicht
man Serien von bayrischen und norddeutschen Stücken, so tritt
die Verschwommenheit der Zeichnung bei ersteren ganz besonders
kraß hervor. Die dunkle, fast schwarze Färbung, von der Zacher
spricht, ist dagegen weniger von Belang und kommt nur ganz selten
vor; die vorherrschende Farbe ist ein zuweilen fast milchiges Blei-
grau, das dann beim Trocknen der Tiere bedeutend nachdunkelt,
selbst wenn man sie, wie ich das durchweg tue, sofort nach dem
Abtöten ausweidet und mit Watte ausstopft. Dies Nachdunkeln
der Färbung wird bei Zachers Tieren ganz besonders stark der
Fall gewesen sein, da diese laut persönlicher Mitteilung einer
solchen Behandlung nicht unterworfen worden waren.
Ich wollte die günstige Gelegenheit benutzen, um auch über
die Lebensweise von Bryodema Näheres zu erkunden und habe
die Tiere in dem Geröllfeld ausgiebig beobachtet. Über die eigen-
tümliche Art des Fliegens, das Auf- und Abschweben und das
dabei hervorgebrachte ganz charakteristische metallische Geräusch
ist bereits von anderen Autoren genug gesagt. Ich habe Bryodema
nur immer im Sonnenschein und dann nur niedrig und kürzere
Strecken fliegen sehen; ein mir bekannter Arzt aber, den ich auf
die Tiere aufmerksam gemacht hatte, berichtete mir, daß er an
einem trüben Tage zahlreiche Exemplare hoch in der Luft habe
auf- und niederfliegen sehen. Das stimmt mit der am: Plansee
(Nordtirol) gemachten Beobachtung Leydigs®®) überein, der an-
gibt, daß die Tiere bei bevorstehendem Regenwetter und Süd-
wind sich hoch in die Luft erheben.
0) Verhandl. d. Nat.-Vereins f. Rhld. u. Westf., 38. Jahrg., 8. Bd., 1881.
Orthopterologische Beiträge 139
Während die Weibchen gern still sitzen und sich nach Art
vieler Heuschrecken sonnen, indem sie den Leib in schräger Lage
und, ıhn seitlich zusammendrückend, den wärmenden Strahlen aus-
setzen, wobei sie ferner auf der besonnten Seite den durch Be-
schattung des Abdomens störenden Hinterschenkel wegstrecken,
laufen die Männchen eifrig umher. Nur einmal beobachtete ich
den Versuch einer Kopula, auf den ich durch ein mehrmaliges,
laut knipsendes Geräusch aufmerksam wurde; ich sah aber nur
gerade noch, wie das & seine Versuche aufgab. Ob diese auf-
fälligen Knipslaute bei der Begattung die Regel sind, vermag ich
nicht zu sagen; vielleicht hat das @ sie durch Wegstoßen des &
mit der Hinterschenkeln, wie man es bei Acridiern zuweilen be-
obachten kann, hervorgebracht.
Außer Bryodema waren auch die beiden anderen Bewohner
der Geröllfelder, Stauroderus pullus Phil. und Tettix bipunctatus L.
zahlreich vertreten. An den Randpartien trieben sich Psophus
stridulus L., Chorthippus parallelus Zett., Stauroderus bicolor Charp.
und biguttulus L. umher, letzterer sehr in der Minderzahl.
Hinter der Wirtschaft Oytal fließt der Oybach wieder ober-
irdisch in einem schmalen Bett. Eine senkrecht zu diesem, weit
von der Höhe ins Tal herabkommende breite Geröllhalde, äußer-
lich vom gleichen Charakter wie die eben beschriebene, erwies
sich als gänzlich unbewohnt von Bryodema, vielleicht, weil sie
ihre Entstehung nicht einem Bachbett verdankt. Jedoch war
Stauroderus pullus Phil. auch hier vorhanden, aber recht spärlich,
ferner reichlich Gomphocerus rufus L. und Psophus.
Von letzterem beobachtete ich dort eine originell aussehende
Kopula zwischen einem intensiv rostgelben % und einem tief-
schwarzen 4. Bemerkenswert ist, daß das &, offenbar in der Er-
regung und besonders dann, wenn man das Pärchen durch Be-
rührung mit einem Grashalm zu stören suchte, intensiv mit den
Hinterschenkeln zu stridulieren begann, was ein laut schabendes
Geräusch erzeugte. Von einzelnen Männchen habe ich bei Psophus
derartiges nie gehört.
Steigt man dann am Talschluß zum Stuibenfall (1259 m)
auf, so überrascht, wie auch später am Bacher Loch, die immer
deutlicher werdende Armut an Orthopteren. Es hängt dies sicher
nicht mit der zunehmenden Höhe zusammen, denn an anderen
Stellen, z. B. am Söllereck, fand sich noch in 1700 m Höhe reich-
stes Orthopterenleben. Ich nehme vielmehr an, daß ungünstige
Erwärmungsverhältnisse hier auf die Entwicklung hemmend
wirken. Nur Podisma ist auf den Blättern von Tussilago und
Rumex häufig, besonders in der Nähe des Baches. Schließlich,
auf der Käseralpe (1406 m), einem weiten und ganz ebenen,
feuchten Wiesenplateau, das rings wie ein ungeheurer Kessel von .
Bergen eingeschlossen ist, war trotz langen Suchens nicht ein
einziges Orthopteron mehr zu finden. Es sagt ihnen wohl die
12. Heft
140 Dr. Willy Ramme:
lückenlose, hohe, feucht-üppige und auf den Boden stark ab-
kühlend wirkende Vegetation nicht zu.
Die saftigen, mit Alpenrosen bestandenen Hänge eingangs
der Käseralpe durchsuchte ich genau, in der leisen Hoffnung, die
von Krauss im benachbarten Vorarlberg entdeckte Analota
alpina Yers. zu finden, jedoch mit negativem Erfolge.
Birgsau und Spielmannsau.
Die Täler der Stillach (Birgsau) und Trettach (Spielmanns-
au) zeigten einen ziemlich übereinstimmenden Charakter. Chor-
thippus Parallelus Zett., der überall unvermeidliche, Omocestus
virıdulus Zett., Stauroderus bicolor Charp., Gomphocerus rufus L.
und Podisma alpina Holl. sind dort allerorts anzutreffen. Steigt
man von Einödsbach, hinter Birgsau, im sogenannten ‚‚Bacher
Loch‘ empor, so trifft man erst auf zahlreiche Decticus, dann auf
Pod. alpina Koll. und Gomph. rufus L., dann auf vereinzelte apterus
_ und schon in etwa 1500 m Höhe auf keinerlei Orthopterenleben
mehr, wie ich schon vorhin erwähnte, obwohl das Terrain schein-
bar günstige Lebensbedingungen bietet. — Bald hinter Gasthaus
Spielmannsau fand ich Stauroderus morio F., den ich damit
als neu für Bayern überhaupt nachweisen kann.
Thamnotrizon apterus F. bevölkert hauptsächlich die seit-
lichen Abhänge dieser Täler, ist aber nur an solchen Stellen an-
zutreffen, wo niedrige Büsche eine Zuflucht gewähren. Im Gegen-
satz zu dem massenweisen Vorkommen namentlich in Holzschlägen,
wie ich es in Krain vielfach antraf und seinerzeit schilderte ®?),
leben hier die Tiere recht scheu und solitär, in einem Busch meist
nur ein d, während die 92 umherstreifen und öfters abseits von
schützenden Büschen im Grase angetroffen werden. Es ist bei
Oberstdorf fast überall äußerst schwierig, selbst bei größter Vor-
sicht und Geschicklichkeit, der Tiere habhaft zu werden, da sie
bei Annäherung eines Menschen sofort zu zirpen aufhören und
sich in den von ihnen bewohnten Busch zurückziehen, wo man
sie nur durch Zufall entdecken kann. Nur wenn es gelingt, sie
beim Zirpen zu erspähen und man ihnen dann den Rückweg ab-
schneiden kann, sind sie zu fangen. Meist ‚unterhalten‘ sich
3—4 benachbarte Männchen, indem sie untereinander auf ihre
Zirplaute antworten; man kann das ganz deutlich beobachten.
Recht häufig war apterus bei Gerstruben im ‚Hölltobel‘“.
Bei dem Bad Rauchen fand ich unter zahlreichen Platycleis
brachyptera L. ein weiteres langflügeliges 3, ebenfalls auf grasigem,
üppigem Gebiet.
Söllereck.
Orthopterologisch weitaus am lohnendsten ist die Besteigung
des Söllerecks (1706 m), einer bis auf den Gipfel grün bewachsenen
Kuppe. Beim Aufstieg kommt man zunächst hinter dem Gasthof
„Zur Gebirgsaussicht‘ an ein ausgedehntes Hochmoor, das sich
82) Orthopt. Ergebn. einer Reise nach Krain und Istrien 1912, Berl.
Entom. Zeitschr., LVIII, 1913.
Orthopterologische Beiträge 141
in einer Höhe von etwa 900 m hinzieht und dessen Orthopteren-
fauna ich eingehend untersuchte. Es wird hauptsächlich bevölkert
von Chorthippus dorsatus Zett., den ich im Oberstdorfer Gebiet
sonst nirgends fand, und ?arallelus Zett. Ferner finden sich
Stenobothrus lineatus Pz., Omocestus rufipes Zett., Stauroderus bi-
guttulus L., Tettix kraussi Saulcy, Psophus, Decticus, Platycleis
brachyptera L. und roeselii Hgb. In der Nähe eines Torfstiches
tritt überall der schwarze Moorboden stark zu Tage; dort war
an vielen Exemplaren ein intensiver Melanismus zu beob-
achten, bei Tetltix kraussi Saulcy, Psophus und Omocestus ru-
fibes Zett. Namentlich von letzterer Art waren die 22 durchweg
wesentlich dunkler als z. B. die am Freibergsee oder im Oytal
beobachteten Tiere; einzelne Stücke sahen wie verkohlt aus.
Die Beziehung zur Umgebung ist hier ganz augenfällig.
Bei Tiefenbach zweigt sich ein Seitentälchen zum ‚,‚Hirsch-
sprung‘ hin ab,.das z. T. recht feucht ist; infolgedessen war an
diesen Stellen Mecosthetus grossus L. zu finden, außerdem Omo-
cestus viridulus Zett., Chorthippus parallelus Zett., Gomphocerus
rufus L. und Podisma alpina Koll.
Steigt man vom Moor nun weiter empor gegen das Söllereck,
so passiert man in 1000—1100 m Höhe wieder ausgedehnte Kultur-
wiesen; auch hier war Platycleis ‘roeselii das vorherrschende
Orthopter. Dann, in 1200 m Höhe, kommt man auf kurzrasige
Matten, auf denen sich Psophus, Omocestus viridulus Zett., Chor-
thippus parallelus, Stenobothrus lineatus Pz. sowie Decticus umher-
trieben. ‚Letzterer war dann besonders häufig auf einem in gleicher
Höhe gelegenen Moorstück, das triefend feucht und mit Erio-
phorum bestanden war.
In 1300 m Höhe, auf üppigen Matten, herrschte Ch. parallelus
Zett. vor; dort beginnt bei dieser Art die sich in den höheren
Lagen, am Söllereck selbst, noch steigernde Tendenz zur Lang-
flügeligkeit der 22 in Erscheinung zu treten (Übergänge zur
f. montana Charp.).
In ca. 1350 m Höhe, auf ganz trockenem, z. T. mit Renntier-
flechte bewachsenem Gelände tritt zuerst Gomph. sibiricus L. aut,
dem wir dann nachher unterhalb des Söllereck-Gipfels in großen
Mengen begegnen. Mit ihm zusammen finden sich St. lineatus Pz.,
Om. viridulus Zett., Ch. parallelus Zett., St. bicolor Charp., Gomph.
rufus L., Psophus, Decticus, Platycleis brachyptera L. und roe-
selii L. und Locusta cantans Fuessly. Auf einer feuchten Wiese
(1450 m) oberhalb des Hotels Schrattenwang traf ich wieder
Mecosthetus grossus L. an, der also ziemlich hoch emporsteigt.
In 1500—1700 m Höhe endlich kommt man in ganz trockenes,
kurzrasiges, teilweise steiniges Gebiet, das vielfach mit niedrigen
Corylus-Büschen bestanden ist. Diese waren massenhaft besetzt
mit Podisma alpina Koll., vorwiegend in der Begattung begriffenen
Paaren. Die Stellung bei der Kopulation ist ganz konstant
und weicht ab von der bei anderen Acridiern, z. B. Stenobothrus
12. Heft
142 Dr. Willy Ramme:
üblichen. Während bei letzteren das $ nicht mitten auf dem
Rücken des 2 sitzt, weil dadurch die Vereinigung der Genitalien
erschwert würde, sondern mehr seitlich, und sich mit den Vorder-
beinen am 9 nicht besonders festhält, sitzt bei Podisma alpina
das $ mitten auf dem Rücken des 9, da die sehr dehnbaren Ab-
domina auch in dieser Stellung die Vereinigung vollziehen können.
Das $ verankert sich dabei mit den Klauen der Vorderbeine hinter
dem Vorderrand des Pronotums des 9, immer an der gleichen Stelle.
Auffällig ist auch das Benehmen des $ während der Kopula: zu-
weilen, und dann mehrmals hintereinander, kippt es ruckweise
bald auf die linke, bald auf die rechte Seite des 9, ohne die Ver-
ankerung der Vorderbeine und die Verbindung mit den weiblichen
Genitalien zu lösen.
Zu 10—20 % fand ich unter den sonst leuchtend grünen
Tieren schmutzig olivbräunliche Exemplare, besonders 3G.
In Massen finden wir ferner Gomph. sibiricus L. Zacher
gibt (l. c.) als sichere Fundorte in den Bayr. Alpen an: Eibsee
(Kräpelin), Hirschberg bei Tegernsee (Döderlein) und — Kaiser-
gebirge bei Kufstein (Werner). Letzterer Fundort scheidet aus,
da er bereits auf österreichischem Gebiet liegt. Dafür kann ich
nun Oberstdorf als neuen Fundort hinzufügen — Um möglicher-
weise über die Bedeutung der blasenförmigen Auitreibung der
Vorderbeintibien beim & Aufschluß zu erhalten, habe ich das
sehr muntere Leben und Treiben dieser Art viel beobachtet.
Die $&$ sind sehr beweglich, zirpen anhaltend und laufen lebhaft
hin und her. Wenn sie ein 2 entdeckt haben, so steigen sie diesem
andauernd nach und suchen von allen Seiten seine Aufmerksam-
keit zu erregen. Nur einmal fand ich indessen eine Kopula, die
in der gleichen Stellung wie z. B. bei Stenobothrus vollzogen wird.
Weder hierbei noch bei den Liebesspielen habe ich irgend eine
Anwendung der Tibialverdickungen entdecken können. Die 3&
fliegen auch gern kurze Strecken, die 22 dagegen sind ziemlich
träge. Unter letzteren fanden sich zahlreiche dunkelgrüne Stücke,
während die $3$ durchweg bräunliche Färbung aufwiesen. Sehr
oft zeigte sich sibiricus von weißen Gordiiden befallen.
Ferner bewohnt dies Gebiet in Mengen Ch. arallelus Zett.,
mit vielfach stark verlängerten Elytren bis zur extremen forma
montana Charp., von der ich 3 Exemplare fand. (Ein viertes Stück
fing ich bei der Walser Schanze in 900 m Höhe, auf einer Kultur-
wiese.) Die $& zeigten normale Flügellänge. Die weiteren Be-
wohner sind St. bicolor Charp., Loc. cantans Fuessly, Platycleis
brachyptera L., Decticus (letzterer bis etwa 1600 m) und Thamnotr.
apterus F., der bis 1700 m steigt. In dieser Höhe befanden sich
noch bei meinem dritten und letzten Besuch des Söllerecks, am
15. September, mehr als 50 %, der Tiere im Larvenzustand, z. T.
in den allerersten Stadien. Dies betrifft besonders Ch. parallelus
Zett. und Pl. brachyptera L. Die meisten Larven haben dort wahr-
Orthopterologische Beiträge 143
scheinlich in diesem Jahre, das sich durch abnorm spät einsetzende
Erwärmung auszeichnete, nie den Imaginalzustand erreicht.
Nebelhorn.
Das Gebiet des Nebelhorns (2224 m), auf der gegenüber-
liegenden Talseite gelegen, zeigte im Gegensatz zum Söllereck
auffallende Armut an Orthopteren. Beim Aufstieg traf ich im
oberen Teil des Faltenbachtobels Th. aßterus F. Die Vordere
Seealpe (1282 m) wird bewohnt von St. lineatus Pz., O. viridulus
Zett., St. bicolor Charp., Ch. parallelus Zett., Gomphoc. rufus L.
und Psophus. Von 1500—1700 m war Th. apterus F. außerordent-
lich zahlreich und hier auch infolgedessen etwas leichter zu er-
beuten; daneben fanden sich zahlreich Gomph. vufus L. und Pl.
brachyptera L. In 2000 m Höhe traf ich nur Om. viridulus Zett.,
darüber hinaus, im ganzen Umkreis des Nebelhornhauses (1929 m)
schien alles Orthopterenleben erstorben. Nur unter dem Gipfel
des Nebelhorns noch, in 2100 m Höhe, fing ich auf einem kleinen
Grashang ein einzelnes $ von Ch. parallelus Zett., und zwar der
montana-Form angehörend; weitere Parallelus waren nicht zu ent-
decken. Dieses männliche montana-Stück stimmt völlig mit einem
bei Sillamägi (Esthland) von R. Heymons erbeuteten und von
Zacher in den ‚Geradflüglern Deutschlands‘ bereits erwähnten
überein. Auf Taf. II, Fig. 1a—d u. 2a—d habe ich eine Anzahl
parallelus-Formen (siehe Tafelerklärung), darunter auch einige
montana-Stücke aus dem Oberstdorfer Gebiet, abgebildet.
Die auf einer Exkursion durch die Breitachklamm zum Wald-
haus und zur Walser Schanze gesammelten Daten sind mir leider ver-
loren gegangen; sie hätten das allgemeine Bild aber nicht ver-
ändert. Auf der Hinreise nach Oberstdorf sammelte ich noch bei
Immenstadt, dem Hauptort des Allgäu, am Abhang der Ruine
Rotenfels (804 m) und fand dort auf trockenem Terrain zahlreich
Pl. roeselii Hgb., ferner Loc. cantans Fuessly, Decticus, St. paral-
lelus Zett. und Gomph. rufus, auf einer Viehweide Staur. bicolor
Charp. u. biguttulus L.
Ich lasse nun eine Übersicht der im Allgäu festgestellten
Arten folgen; alle bemerkenswerten Angaben darüber sind in dem
vorangegangenen Teil enthalten.
. Forficula auricularıa f. cyclolabia Fieb.
. Tettix bipunctatus L.
. — kraussi Saulcy
. Gomphocerus sibiricus L.
. — rufus L.
. Stenobothrus lineatus Pz.
. Omocestus vufipes Zett.
. — viridulus Zett.
. Stauroderus morio F. Neu für Bayern.
10. — pullus Phil.
11. — biguttulus L.
12. — becolor Charp.
SONIDOPODM
12. Heft
144 Dr. Willy Ramme:
13. Chorthippus parallelus Zett. mit f. montana Charp.
14. — dorsatus Zett.
15. Mecosthetus grossus L.
16. Psophus stridulus L.
17. Bryodema tuberculata F. subsp. bavarıca Zacher
18. Podisma alpina Koll.
19. Locusta cantans Fuessly
20. Thamnotrizon apterus F.
21. Platycleis brachyptera L. Neu f. d. Bayr. Alpen.
mit f. marginata Thbg. Dgl.
22. Platycleis roesehi Hgb.
23. Decticus verrucıvorus L.
Vergleicht man diese Liste mit der von Zacher für das
Berchtesgadener Gebiet aufgestellten, so ergibt sich in der mei-
nigen ein Fehlen folgender Arten: ;
Chelidura acanthopygia Gene
Ectobia sylvestris Poda (bei Zacher ‚lapponica L.“‘)
Chrysochraon brachypterus Ocsk. mit f. homoptera Ev.
Stauroderus apricarius L.
Podisma pedestris L.
Meconema varıum F.
Thamnotrizon cinereus L.
Auffällig ist das Fehlen von Ch. brachypterus Ocsk., St. apri-
carius L., Podisma pedestris L., u. Th. cinereus L., die mir nach
meiner Überzeugung nicht entgangen sein können. Die ersten
drei sind an den Orten ihres Vorkommens stets reichlich vor-
handen, Podisma zudem durch seine Buntheit garnicht zu über-
sehen, und Thamn. cinereus L. verrät sich überall durch sein
unverkennbares Zirpen. Anderseits fehlen in Zachers Ver-
zeichnis:
Gomphocerus sıbiricus L.
Stauroderus morio F.
Platycleis brachyptera L.
Als weitere in den Bayrischen Alpen aufgefundene Arten °®?)
sind zu nennen:
Stenobothrus miniatus Charp. (‚im Allgäu seltener als
Pezotettix‘‘, Jäger.®°)
Phaneroptera falcata Scop. (Garmisch, Rudow; wie viele
Fundortsangaben dieses Autors mit Vorsicht aufzu-
nehmen).
Der von Werner bei Kufstein beobachtete und von Zacher
als bayrisch angeführte Gomph. maculatus Thbg. ist zu streichen,
da Kufstein bereits zu Tirol gehört. Für Tettix bipunctatus L.
wird von Burr noch Starnberg als Fundort angegeben.
Sehr wahrscheinlich ist das Vorkommen von Anechura_ bi-
punctata F. in den bayr. Alpen, wie Zacher bereits hervorhebt,
=) Zacher, l. c.
83) Deutsche Tierwelt, Stuttgart 1874.
Orthopterologische Beiträge 145
denn einmal soll sie nach Brunner (l. c.) längs der ganzen Alpen-
kette zu finden sein, und dann liegt mir eine Angabe von H. Wag-
ner vor, der sie (lt. briefl. Mitteilung) in der Zeit vom 3.—23. VI.
1919 bei Riezlern sowohl am Fellhorn wie auch auf der Zweren-
bachalm (also unmittelbar an der deutschen Grenze) in Anzahl
unter Steinen gefunden haben will. Er hält bei sich als Nicht-
orthopterologen einen Irrtum nicht für völlig ausgeschlossen, seine
Beschreibung und auch das Vorkommen von Anechura in Nord-
tirol*) macht es jedoch wahrscheinlich, daß er recht gesehen hat.
Es ergeben sich also für die Bayrischen Alpen als festgestellt
folgende 34 Arten:
Dermaptera.
1. Forficula auricularia f. cyclolabia Fieb.
2. Chelidura acanthopygia Gene
Blattodea.
. Ectobia sylvestris Poda (siehe Nachtrag!)
Acridoidea.
4. Tettix bipunctatus L.
5. — kraussi Sauley.
6. — türki Krauss.
7. Chrysochraon brachypterus Ocsk. mit f. homoptera Ev.
8
3
10
=
. — dispar Heyer (siehe Nachtrag!)
. Gomphocerus sibiricus L.
. — mfus L.
11. Stenobothrus lineatus Pz.
*12. — miniatus Charp.
13. Omocestus rufipes Zett.
14. — viridulus Zett.
15. Stauroderus apricarius L.
16. — morio Charp.
17. — ?ullus Phil.
18. — biguttulus L.
19. — bicolor Charp.
20. Chorthippus parallelus Zett. mit f. montana Charp.
21. — dorsatus Zett.
22. Mecosthetus grossus L.
23. Psophus stridulus L.
24. Bryodema tuberculata F. subsp. bavarıica Zacher
25. Podisma alpina Koll.
26. — pedestris L. mit der f. alata Sw. (siehe Nachtrag!)
Locustodea.
*27. Phaneroptera falcata Scop.
28. Meconema varıum F.
29. Locusta cantans Fuessly
*) Dalla Torre, Polare Grenzen der Orthopt. in Tirol. Ent.
Jahrb. 1909, p. 173.
Archiv für a ai 10 12. Heft
146 Dr. Willy Ramme:
30. Thamnotrizon apterus F.
31. — cinereus L.
32. Platycleis brachyptera L. mit f. marginala Thbg.
33. — roeselii Hgb.
Anm. Bei den mit Stern versehenen beiden Arten wäre eine er-
neute sichere Feststellung wünschenswert.
Gryllodea.
34. Gryllus campestris L. (siehe Nachtrag!)
Bemerkenswert ist die große Armut des bayrischen Alpen-
gebietes an Locustiden und Grylliden. Bei den ersteren ist das
vollkommene Fehlen der Gattungen Barbitistes, Isophya, Lepto-
phyes und wahrscheinlich auch Phaneroptera besonders auffällig.
Vielleicht fördert eifriges Forschen doch noch den einen oder
anderen Vertreter derselben zu Tage.
Zum Schluß noch ein Wort über die Verteilung der von mir
aufgezählten Allgäuer Arten in bezug auf trockenes und feuchtes
Gebiet. Ich deutete bereits an, daß die Erfahrungen, die ich im
Oberstdorfer Gebiet in dieser Hinsicht machte, in vieler Beziehung
abweichen von dem sonst bei einzelnen Arten Gewohnten. Arten,
die in Norddeutschland trockenes Gebiet bevorzugen, leben hier
auf feuchtem und umgekehrt. So bemerkt z.B. La Baume in
der bereits erwähnten neuen Arbeit über die Geradflügler West-
preußens auf pg. 35, daß Pl. roesehi ein feuchtigkeitsliebendes
Tier sei, während Pl. brachyptera ausschließlich trockenes Gebiet
bewohne. Das mag für Westpreußen stimmen, für das Alpen-
gebiet stimmt es sicher nicht, wie wir sehen werden. Man kann
eben für viele Arten in dieser Beziehung keine Norm aufstellen.
Auch Zacher betont dies bereits in den ‚Geradflüglern Deutsch-
lands“ (pg. 36) und führt einige Fälle an.
Der einzige Acridier, dessen Vorkommen in seinem ge-
samten Verbreitungsgebiet wirklich ausschließlich an nasses Ge-
biet gebunden ist, scheint mir Mecosthelus grossus L. zu sein; unter
den Locustiden könnte man das wohl von Xiphidium dorsale
Latr. sagen. Ausgesprochen dürres Gebiet mit unterbrochener
Vegetationsdecke beanspruchen von den deutschen Heuschrecken
nur Oedipoda und Caloptenus; alle anderen Arten sind nicht
sonderlich wählerisch in ihren Aufenthaltsorten. . Nur ganz feuchtes,
sumpfiges Terrain wie das, welches Mecosthetus bevorzugt, wird
von einer größeren Anzahl von Arten gemieden. Aus dem Oberst-
dorfer Gebiet nenne ich als Arten, von denen ein Vorkommen
an sumpfigen Stellen andern Ortes seltener beobachtet wurde,
die aber dort oftmals Ausnahmen machen, Psophus stridulus L.
und Decticus verrucivorus L. Auch Zacher gibt Decticus als
charakteristisch für die ‚Sumpfwiesen des Tales‘‘ an. Platycleıs
brachyptera L. anderseits, von der Zacher (l. c., pg. 6) sagt,
„nur auf feuchtem Gebiet‘, fand ich nur ein einziges Mal in einem
offenbar versprengten Stück auf solchem, sonst stets auf trocknem
Orthopterologische Beiträge 147
Gebiet, allerdings nicht gerade mit dürrer, unterbrochener Ve-
getation.
Damit bekommt die Zachersche Tabelle (l. c., pg. 6) ein
Loch. Zacher nimmt nämlich zur Erklärung der Kurzflügeligkeit
bei Orthopteren an, daß bei 4 deutschen Platyclers-Arten grisea F.,
bicolor Phil., roeselii L. und brachyptera L. mit der progressiven
Bevorzugung feuchten Gebietes die Tendenz zur Kurzflügeligkeit
wachse. Ich setze die Tabelle noch einmal hierher:
Pl. grisea F. (nec. L.!) — nie kurzflügelig — nur auf sehr
trockenem Boden;
Pl. bicolor Phil. — meist kurzflügelig, oft noch primär
langflügelig — meist auf trockenem Boden;
Pl. roeselii Hgb. — ganz überwiegend kurzflügelig, selten
sekundär langflügelig — meist auf feuchtem Boden;
Pl. brachyptera L. — äußerst selten langflügelig — nur
auf feuchtem Boden.
Ich gebe zu, daß diese Tabelle zur Klärung dieses Problems
gut zu brauchen wäre, — wenn sie stimmte. Zunächst: inwiefern
ist bicolor primär und roeselii sekundär langflügelig? Ich bin
überzeugt, daß auch die Langflügeligkeit von roeselii eine primäre
ist. Einen besonderen Anhaltspunkt dafür erhielt ich unlängst bei
der Durchsicht des Orthopterenmaterials aus dem von der kgl.
Militär-Forstverwaltung während des Krieges unterhaltenen Mu-
seum in Bialowies, welch letzterer Ort dem osteuropäischen
Verbreitungszentrum von roeselii schon wesentlich näher liegt:
von 12 Exemplaren gehörten 6, also 50 % der langflügeligen
f. diluta Charp. an. Daß die extremen Formen auch von roeselir
Übergänge verbinden, hat Zacher selbst in einer später zu-
gesetzten Fußnote (pg. 7) durch Auffindung (bei Namslau i. Schle-
sien) und Neubenennung der f. prisca (p. 233) zugeben müssen;
damit fällt ein weiteres wichtiges Argument in seiner Beweisführung.
Im übrigen kann man den für die ersten drei Arten in der
Tabelle gemachten Angaben im allgemeinen zustimmen; nur die
Bemerkung bei roeselii ‚‚meist auf feuchtem Boden‘ muß ich noch
weiter einschränken, da ich die Art, wie bereits mitgeteilt, bei
Oberstdorf als hauptsächlichsten Kulturwiesenbewohner und bei
Immenstadt zahlreich auf ganz trockenem Gebiet fand. Für das
letzte Glied aber, Pl. brachyptera L., treffen die Angaben ganz
und gar nicht zu. Einmal kann ich die Langflügeligkeit kaum als
„außerst selten‘ bezeichnen, da ich bei Oberstdorf allein 3 solche
Stücke fand, anderseits ist dort eben brachvyptera fast ausschließ-
lich auf trockenem Gebiet zu finden®*). Infolgedessen ist auch
die Auffindung dieser langflügeligen Exemplare auf trockenem
Terrain nicht weiter verwunderlich.
s4) Auch bei Krummhübel i. Rsgb. fand ich 1911 die Art mehrfach
an trockenen Abhängen.
10* 12. Heft
148 Dr. Willy Ramme:
Ich bin aber weit davon entfernt, Zacher aus all dem einen
Vorwurf zu machen, da die bisherigen unzulänglichen Literatur-
angaben und seine eigenen abweichenden Erfahrungen aus an-
deren Gebieten die Unterlage zu seiner Hypothese bildeten.
Man kann noch mehr gegen dieselbe anführen: Stauroderus
pullus Phil. kommt nur, Chrysochraon brachypterus Oisk. sehr
oft an trockenen Stellen vor, beide sind meist sehr kurzflügelig.
Die gleichfalls eine starke Tendenz dazu zeigenden Sten. nigro-
maculatus H.-S. und Staurod. apricarıus L. verhalten sich ent-
sprechend. Dagegen ist der vollkommen auf Feuchtigkeit an-
gewiesene Mecosthetus grossus L. in beiden Geschlechtern lang-
flügelig und ein fast so guter Flieger wie Parapleurus alliaceus
Germ., der auch ein Liebhaber von feuchten Wiesen ist. Neben
dem kurzflügeligen Ch. parallelus Zett. lebt auf feuchten Wiesen
der langflügelige dorsatus Zett. So ist auch Zachers Annahme,
es könnte vielleicht die auf feuchten Wiesen im Sommer durch
erhöhte Verdunstung tiefere Bodentemperatur Kurzflügelig-
keit hervorgerufen haben, nicht stichhaltig.
Meines Erachtens gibt uns der Umstand, daß die langgeflügel-
ten Formen vornehmlich in höheren Gebirgslagen und je
höher, desto häufiger, angetroffen werden, eine ganz zwanglose
Erklärung an die Hand, die aber Zachers Hypothese entgegen-
gesetzt ist: gerade das rauhere Klima und der strenge Winter
scheinen die Langflügeligkeit zu begünstigen, wie wir.denn auch
im Ursprungsgebiet viele dieser bei uns kurzflügeligen Arten, in
Sibirien und im Amurgebiet, nur die langflügeligen Subspecies
finden. Die aus Bialowies betreffs großer Häufigkeit der f. diluta
oben mitgeteilte Beobachtung spricht ebenfalls für diese Theorie,
. denn das Klima dieses Gebietes ist schon viel ausgesprochener
kontinental, es hat also weit strengere und längere Winter als wir.
Schwieriger, wenn nicht unmöglich, ist es, die Ursachen dieser
Erscheinung zu erkennen: sollte hier die Ausbildung der Flug-
organe gleichzeitig als Kälteschutz des Abdomens in Frage
kommen, um eine längere Lebensdauer in den Spätherbst hinein
zu erzielen, der in unserem milderen Klima unnötig wird? Damit
würde im Einklang stehen die auffallend große Zahl flügelloser
Arten in heißen Wüstenstrichen.
Nachtrag.
(Reise ins Berehtesgadener Land 1920)
Im Juli dieses Jahres hielt ich mich einige Wochen in Berch-
tesgaden auf und hatte so — bei bestem Wetter — Gelegen-
heit, die von Zacher bereits untersuchte Orthopterenfauna noch
weiter zu studieren. Bis auf Chelidura acanthopygia Gene, Stauro-
derus bicolor Charp., Bryodema tuberculata Fabr. und Meconema
varium Fabr. konnte ich sämtliche von Zacher (l. c.) angegebenen
Arten ebenfalls sammeln.
Orthopterologische Beiträge 149
Als „neu für die Bayrischen Alpen‘ stellte ich Chryso-
chraon dispar Heyer und Gryllus campestrisL. fest, letztere
als erste und vorläufig einzige aus den Bayrischen Alpen bekannt
werdende Gryllide. Ferner fand ich — wohl als erstes publiziertes
Stück in Deutschland — ein 2 von Podısma pedestris mit
völlig ausgebildeten Flugorganen.
Platycleis brachyptera L., von der ich im stillen annahm,
daß sie Zacher seinerzeit vielleicht infolge der sehr ungünstigen
Witterung entgangen sein könnte, scheint in der Tat zu fehlen,
während diese Art im Allgäu doch recht häufig war. Umgekehrt
fehlte die bei Berchtesgaden häufige Podisma im Allgäu, soweit
ich es durchforschte. Allerdings bemerkt von letzterer schon
Brunner im ‚Prodromus‘‘, daß sie ‚in der hügeligen Schweiz
und im Jura‘ fehle; es ist also anzunehmen, daß diese letztere
Art am Nordhang der Alpen in ihrer Verbreitung nach Westen
sehr bald eine Grenze findet.
Ich will auf eine genaue faunistische Schilderung der ım
Berchtesgadener Gebiet besammelten Lokalitäten, wie ich sie aus
dem Allgäu gab, verzichten, da bereits Zachers Arbeit vorliegt,
und im Folgenden nur über einige bemerkenswertere Arten nähere
Angaben bringen.
Ectobia sylvestris Poda. Zahlreich auf der Marxenhöhe (782 m)
und unterhalb (1100 m) des Gipfels der Kneifelspitze (1189 m)
im Buchenlaub des Misch-Hochwaldes, den diese Art ganz be-
sonders bevorzugt. Einzelne $& fing ich im Rostwald, im Wim-
bachtal, beiBartholomae und auf dem Hallturmpaß. (Vgl. Art. III
dieser Arbeit!)
Chrysochraon dispar Heyer. Wie bei Immendingen (vgl.
pg. 156) ebenfalls in Gesellschaft von Ch. brachypterus Ocsk., hier
aber auf feuchtem Gebiet und zwar am Wege vom ‚„Gasth. zur
Au‘ nach Neuhäusl.
Von Bryodema tuberculata Fabr., die Zacher in der von ihm
neu benannten Subsp. bavarica auf dem Schotterfeld an der Eis-
kapelle gefunden hatte, konnte ich leider keine Stücke finden,
so gern ich diese mit den Allgäuer Tieren verglichen hätte. Auch
eine ausgiebige Streife über das ungeheure, mehrere Kilometer
lange Geröllfeld im hinteren Wimbachtal, das gegeben schien als
Wohnplatz von Bryodema, brachte nicht den geringsten Erfolg.
Podisma pedestris L. f. alata Sw. Das vorerwähnte $ mit
ausgebildeten Flugorganen fand ich unter zahlreichen normalen
Stücken am Hallturmpaß, wie ich bereits bemerkte, wohl als
neu für Deutschland. Erwähnt werden solche Stücke mehr-
fach. So sagt Fischer): ‚„Rarissime elytra alaeque & et 2
perfecte explicatae apparent et abdomen plus minus superant;
tunc etiam anguli humerales postice magis divergunt‘‘ und bildet
auf Tafel XV, Fig. 17 (l. c.) offenbar ein Q ab. Da diese Abbildung
85) Orthoptera europaea. Leipzig 1853.
12. Heft
150 Dr. Willy Ramme:
jedoch recht primitiv ist, so bringe ich auf Taf. II, Fig. 8 eine
photographische Wiedergabe des Berchtesgadener Stückes. Thun-
berg°*) erwähnt die langflügelige Form mit dem Zusatz bei de-
destris ‚varius alata‘‘. Ausführlichere Angaben finden wir bei
Brunner im Prodromus: ‚‚Die Exemplare mit vollkommen aus-
gebildeten Flugorganen weichen im übrigen Bau nur dadurch ab,
daß das Pronotum sich rückwärts stark erweitert, die Form des
Hinterrandes jedoch nicht verändert. Steckt man die einzeln vor-
kommenden, vollständig ausgebildeten Flugorgane mit ihrem un-
sicher verlaufenden Geäder neben die zwar kurzen, aber voll-
ständig ausgebildeten Flügel des P. alpinus, var. collina, so erhält
man den Eindruck, daß die ersteren durch eine monströse Aus-
bildung der verkürzten Lappen entstanden sind und daher eine
Rückbildung darstellen, während die letzteren die im Niedergange
befindlichen ursprünglichen Organe sind.“ |
Der prinzipielle Gegensatz, den Brunner hier zwischen den
langflügeligen Formen von Pedestris und alpina sehen zu müssen
glaubt, dürfte in der Tat vorhanden sein. Dies prägt sich schon
dadurch aus, daß die langflügeligen Pedestris in Mitteleuropa nur
als seltene Form, die langflügelige alpina dagegen als ausgeprägte
Subspecies vorkommt. Nur kann ich an meinem alata-Stück
nichts von einem ‚‚unsicher verlaufenden Geäder‘‘ entdecken, was
mir jeder, der einen Blick auf Taf. II, Fig. 8 wirft, bestätigen
wird. Das ändert an der vermutlichen Richtigkeit der Brunner-
schen Anschauung nichts; es scheint aber demnach, daß Brunner
überhaupt kein in dem Maße vollkommenes Stück wie das meine
vorgelegen hat.
Auch eine ‚starke Erweiterung‘‘ des Pronotums ist bei diesem
eigentlich wenig zu bemerken, sie ist relativ gering. Die Elytren
sind 21 mm lang. Ein zweites Stück, das einen beginnenden
Übergang zur f. alata darstellt, mit einer Elytrenlänge von
8,5 mm und Flügelstummeln von 6,5 mm Länge, und das die
bei solchen Übergängen zu langflügeligen Formen (auch bei an-
deren Orthopteren, z. B. Platycleis) charakteristische Elytren-.
krümmung zeigt, fand ich unweit von der alata-Form.
In Tirol ist /. alata nach Heller und Dalla Torre*, in der
Solstein-Karwendelkette festgestellt worden.
Gryllus campestris L. verriet sich durch anhaltendes Zirpen
in der Nähe der Haltestelle Au (am Eingang in die Larosschlucht)
an einem grasigen Abhang, den diese Grille in größerer Anzahl
bewohnte. —
Die Durchsicht der Sammlungen des Münchener Mu-
seums ergab wider Erwarten kein Material aus den Bayrischen
Alpen, das unsere Kenntnisse davon hätte wesentlich fördern
können. Nur einige Ectobien-Fundorte, die ich in Art. III dieser
Arbeit bereits niederlegte, sind von einigem Interesse:
s) Mem. Acad. St. Petersburg 1815. vol. V.
*) Vgl. Fußnote *) auf pg. 137 dieser Arbeit!
Orthopterologische Beiträge 151
Es wäre zu wünschen, daß nun einmal das zwischen dem
Berchtesgadener und dem Allgäuer Gebiet liegende in Angriff
genommen würde, etwa von Garmisch aus. Dann wäre der Zeit-
punkt gekommen, die Orthopterenfauna der Bayrischen Alpen
im Zusammenhang zu betrachten.
VII. Einige kleinere Reiseausbeuten verschiedener Sammler aus
Bulgarien, Kroatien, Tirol und Deutschland.
1. Bulgarien (v. Boetticher).
Eine ganze Anzahl z. T. bemerkenswerter Arten sind im
Jahre 1916 von Herrn v. Boetticher bei Situjaköwo in Bul-
garien gesammelt worden. Dieser Ort liegt 1730 m hoch, am Nord-
abhang des Rilagebirges, zwischen Isker und Maritza, benachbart
dem Gipfel des Tscheter-Tepe (unweit des Mus Allah). Auf-
gefallen ist mir an dieser Ausbeute, daß die meisten Stücke, und
zwar besonders die Acridier, die durchschnittliche Größe der Art
z. T. erheblich überschreiten.
1. Ectobia sylvestris Poda &
2. Tettix kraussi Saulcy 4
3. Chrysochraon brachypterus Ocsk.
4. Gomphocerus sıbiricus L. (Körperlänge 2,6!)
5. Stenobothrus stigmaticus Ramb.
6. Omocestus viridulus L.
7. Stauroderus morio F.
8. — apricarıus L.
9. — bicolor Charp.
10. Chorthippus parallelus Zett. Die 22 durchweg kurzflügelig;
durchschnittliche Länge der Elytren 0,7 cm.
11. Psophus stridulus L.
12. Oedipoda coerulescens L.
13. Podisma pedestris L.
14. — fieberi Scudd.
15. Orphania denticauda Charp.
16. Poecilimon affınıs Frivalsky
17. Barbitistes constrictus Br. Nur 1 2, das aber in Form und
Färbung sehr gut mit deutschen Stücken übereinstimmt,
sodaß auch ohne & die Artzugehörigkeit erkennbar ist.
18. Isophya speciosa Frivaldsky
19. Anterastes serbicus Br.
. Thamnotrizon frivaldskyi Herm.
21. — apterus subsp. karnyi Ebner.
In der Ausbeute befanden sich 5 29 eines Thamnotrizon, die
mit der Ebnerschen Beschreibung von Thamnotrizon karnyı über-
einstimmen, ferner, dazu gehörig, 3 8&. Ebner hatte seinerzeit”)
nach einem einzelnen 9 von Cajnica, Bosnien, die selbständige
Art karnyi aufgestellt und, verleitet durch die etwas gebogene
N
==)
#) Verh. Zool. Bot. Ges., Wien 1908, p. 334.
12. Heit
152 Dr. Willy Ramme:
Form der Legeröhre, in die Nähe von franssylvanıcus Fisch. und
litoralis Fieb. gesetzt. Die fünf Stücke nun zeigen deutlich, daß
karnyı vielmehr in die allernächste Nachbarschaft von aßterus
Fabr. gehört, denn die Form der Legeröhre ist bei ihnen — in
gewissen Grenzen — durchaus schwankend. Zudem ergab die
Untersuchung eines reichlichen Materials von apterus aus ver-
schiedenen Gegenden in dieser Hinsicht das gleiche Bild. Übrigens
war Ebner, wie er mir brieflich mitteilte, nachträglich bei wei-
terem Vergleichen ebenfalls zu dieser Ansicht gekommen.
Die Übereinstimmung von karnyi und apterus ist nun über-
haupt derart groß, daß man erstere wohl nur als eine Lokalrasse
der letzteren auffassen kann. Es sind keinerlei anatomische Ab-
weichungen festzustellen und man wird daher karnyi als Art auf-
geben und als Subspecies zu afterus stellen müssen. Ebner plä-
diert in seinem Briefe selbst dafür.
Auch die bei karnyi angegebene und abgebildete Kopfzeich-
nung, eine dunkle Binde am Clypeus, ist durchaus nicht kon-
stant. Die Form der Zeichnung wechselt sowohl bei den 5 karnyıi-
Weibchen, wie auch bei dem untersuchten apterus-Material außer-
ordentlich; zuweilen ist die Stirn überhaupt zeichnungslos. Kon-
stant dagegen und daher die Absonderung dieser Subspecies
durchaus rechtfertigend ist die Ausbildung des hellen Pronotum-
randes. Während bei apterus der helle Streifen nur zwei Drittel
des Randes der Seitenlappen des Pronotums schmückt und vorn
scharf abgeschnitten erscheint, geht dieser Streifen bei karnyı
breit auf den Vorderrand der Seitenlappen über, um zuletzt un-
deutlich zu verschwimmen, teilweis bis an den Kopf heran. (Taf. III,
Fig. 5a).
Die gleiche Form zeigt dieser helle Streifen auch bei den gg,
von denen mir nun auch erfreulicherweise 3 Stücke vorliegen und
damit die noch ausstehende Beschreibung des $ ermöglichen. Bei
diesen kommt noch ein weiterer Färbungsunterschied hinzu: die
Elytren zeigen oberseits in der Mitte der Basis starke braune
Pigmentierung und helle, z. T. bis elfenbeinfarbene Ränder,
während die Elytren bei apterus gleichmäßig hell gelbbräunlich
gefärbt sind, an der Basis nur schwach verdunkelt. Im ganzen
kann man sagen, daß die Färbung bei der subsp. karnyı in ihrem
Gesamteindruck heller und kontrastreicher ist als bei apterus,
bei dem die braunen Töne überwiegen.
22. Gryllus campestris n. subsp. eephalotes m.
Die beiden campestris-?Q? der Ausbeute weichen erheblich in
Form und Färbung vom Durchschnittstyp der Art, z. B. deutschen
Stücken, ab und zwar beide ?2 so übereinstimmend, daß ich an-
nehme, daß an dem Fundort, dessen Höhe von ca. 1700 m für
campestris überhaupt ungewöhnlich ist, sämtliche Tiere der Art
dieses Aussehen haben und die Benennung dieser ausgeprägten
Lokalrasse für hinreichend begründet halte. Zunächst fällt die
tiefschwarze Allgemeinfärbung, besonders der Elytren, auf, die
Orthopterologische Beiträge 153
nur am Grunde derselben eine kaum millimeterbreite geringe
Aufhellung freiläßt. Dann machen die Tiere ferner einen ge-
drungenen, robusten Eindruck, der besonders durch den sehr
breiten ‚Schädel‘ und das entsprechend breite Pronotum hervor-
gerufen wird. Auch die Legeröhre ist länger als gewöhnlich bei
der Art. Ein Vergleich mit Durchschnittszahlen deutscher Stücke
zeigt dies deutlich:
campestris _campestris-cephalotes
Kopfbreite 0,72 cm 0,835 cm
Pronotumbreite 0,30: 7, 0:9277,,
Länge der Legeröhre 1,37.),, 1,8957;
Typen, 2 22, im Zoolog. Museum Berlin.
Solche dunkle, großköpfige Gryllus campestris kommen auch
anderen Ortes vor; das Museum besitzt 1 & von Chersson, Süd-
rußland (Ewert S.) und 2 3& von Tripolis (Ouedenfeldt S.). Die
Verteilung und Verbreitung dieser Subspecies wäre noch zu unter-
suchen.
23. Gryllotalpa vulgaris L.
2. Kroatien (Padewieth).
Von M. Padewieth in Zengg (Sinj), kroatisches Küstenland,
erhielt ich 1914 eine Anzahl Orthopteren, bis auf eine alles Arten,
die von Padewieth in der Arbeit ‚‚Orthoptera genuina des kroat.
Littorale und der Umgebung Fiumes‘ (Agram 1900) bereits ver-
öffentlicht sind. Diese eine Art aber ist Nemobius tartarus Sauss.,
von der ein 3 beigefügt war mit der Bemerkung ‚kam ans Licht
geflogen“. Dieser Fund ist sehr bemerkenswert, denn tartarus
ist von Saussure 1777 aus Turkestan beschrieben und meines
Wissens nur dort und im Kaukasus beobachtet worden.
3. Südtirol (Ramme).
Im Jahre 1912 sammelte ich während eines mehrwöchigen
Aufenthaltes in St. Vigil (1200 m) im Enneberger Tal (Dolo-
miten) eine Anzahl Orthopteren, deren Namen ich des Fundortes
wegen bringe.
. Ectobia sylvestris Poda, 5 dd
. Tettix bipunctatus L.
. — kraussi Saulcy.
. Chrysochraon brachypterus Ocsk.
Gomphocerus sibiricus L. Am Kronplatz in ca. 1900 m Höhe.
— rufus L.
. Stenobothrus lineatus Pz.
. — miniatus Charp. Am Kronplatz in ca. 1600 m Höhe.
. Omocestus viridulus Zett.
. Stauroderus morio Fabr.
11. — apricarius L.
12. — Pullus Phil. Auf einem breiten Geröllfeld am Vigilbach
(im Rautal). Neu für Südtirol.
13. — biguttulus L.
fe
Sean upwmwr
12. Heft
154 Dr. Willy Ramme:
14. Chorthippus parallelus Zett.
15. Stethophyma fuscum Pall.
16. Psophus stridulus L.
17. Podisma alpina collina Br.
18. — pedestris L.
19. Locusta caudata Charp.
20. Thamnöotrizon apterus F.
21. Platycleis brachyptera L.
4. Rheinland (Kuntzen).
Dr. Heinrich Kuntzen (Zoolog. Museum Berlin) sammelte
bei Boppard a. Rh. im Hochsommer und Herbst 1916 AOlEzuglE
Dermapteren und Orthopteren:
1. Chelidura acanthopygia Gene
2. Ectobia sylvestris Poda f. helvetica Hgb. 1 2. (Vgl. Art. III
dieser Arbeit.)
3. Gomphocerus maculatus Thunbg.
4. Stenobothrus lineatus Pz.
5. Omocestus rufipes Zett.
6. — viridulus Zett.
7. Stauroderus bicolor Charp.
8. — biguttulus L.
9. — vagans Ev.
10. Chorthippus dorsatus Zett.
11. — Parallelus Zett.
12. Oedipoda miniata Pall.
13. Leptophyes punctatissima Bosc
14. Locusta viridissima L.
15. Meconema varium Fabr.
16. T’hamnotrizon cinereus L.
17. Ephippigera vitium L. Über diese bemerkenswerteste Art
seiner Ausbeute, deren Lebensweise er ausgiebig beob-
achtet hat, gibt mir Kuntzen folgende Schilderung:
„Ephippieera ist nur an wenigen Stellen bei Boppard zu
finden, und zwar beschränkt sich ihr Vorkommen auf das linke
Rheinufer, wo sie eine bestimmte Kammzone zwischen dem Mühl-
tal und dem Plateau, das die Rote Burg und den Vierseenplatz
enthält, einerseits und dem Jakobsberg andererseits bewohnt.
Das Terrain besteht aus Matten, die mit niedrigen Büschen be-
setzt sind, die Vegetation dieser Matten aus den Gräsern der
trockenen Wiesen, ferner Callunapolstern, Hypericum, Campanula,
Galium, Thymus, Erigeron u. a., die Büsche aus Rubus- und
Rosa-Arten, Crataegus, Rhamnus und vor allem QOuercus, durch-
schnittlich 1 m bis mannshoch.
Nur auf diesen Ouercusbüschen beobachtete ich die männ-
lichen Tiere. Sie saßen zirpend meist auf der Oberfläche der
Blätter, verstummten sofort bei Annäherung und wechselten auf
die Unterseite der Blätter oder flüchteten sich in den Busch hin-
Orthopterologische Beiträge 155
ein. Dabei erhebt das $ oft ein lautes Gezeter mit seinem Schrill-
apparat, das auch zunächst nicht verstummt, wenn man das Tier
ergreift und in das Giftglas befördert. Es besteht im Gegensatz
zu dem gewöhnlichen, einzelnen, hellen Lockruf aus zahlreichen,
dicht hintereinander hervorgebrachten Lauten. Das 2 findet man
auch vielfach im Grase.
Niemals habe ich die Tiere von den Eichenblättern fressen
sehen; einmal überraschte ich ein $ beim Verzehren eines Phalan-
gium. Es scheint, als ob die Jg sehr einzeln leben, denn nur in
einem Fall fand ich 2 33 auf ein und demselben Busch. In Wein-
bergen, in denen sie anderen Ortes vorkommen soll, habe ich die
Sattelschrecke nie gesehen oder gehört.‘
18. Nemobius sylvestris F.
19. Gryllus campestris L. Larven.
5. Baden (Ramme).
Die Krausssche Entdeckung des Nemobius heydeni Fisch.
(in der subspec. rhenanus Krauss) und anderer bemerkenswerter
Orthopteren am Bodensee®) im Jahre 1908 veranlaßte mich,
meinen Rückweg vom Allgäu über letzteren zu nehmen. Leider
konnte ich, vermutlich infolge der vorgerückten Jahreszeit (Mitte
Sept.) den Nemobius nicht auffinden, obwohl ich gerade die von
Krauss als am ergiebigsten angegebenen Riedwiesen zwischen
Allensbach und Hegne auf das eingehendste durchforschte. Auch
die Hoffnung, vielleicht den von Krauss°®) 1872 ganz in der
Nähe der deutschen Grenze (bei Lochau, zwischen Bregenz und
Lindau) beobachteten Conocephalus nitidulus Scop. auf deut-
schem Reichsgebiet aufzufinden, erwies sich als trügerisch. Aller-
dings berichtet Krauss°®®), daß er bei seinen mehrfachen Besuchen
der Fundplätze um 1890 niemals mehr Conocephalus angetroffen
habe, obwohl die dortigen Riedwiesen unverändert geblieben
waren.
Dagegen fand ich auf den Riedwiesen zwischen Allensbach
und Hegne massenhaft den mir neuen, ebenfalls von Krauss
dort bereits gesammelten Parapleurus alliaceus Germ. Jeder
Schritt durch das Ried ließ Scharen dieser Heuschrecke auf-
stieben; namentlich die SS sind äußerst fluggewandt und auch
sehr flüchtig. Insgesamt fand ich folgende Arten:
1. Tettix subulatus L. Darunter in allen Übergängen zahlreich
die f. sahlbergi Saulcy.
2: Parapleurus alliaceus Germ. Die 92 fand ich in allen Über-
gängen von spangrünen (mit Ausnahme des Hinterrandes
der Elytren) bis zu reinbraunen Stücken; die dd zeigen
mehr eine konstante gelblichgrüne Färbung.
3. Mecosthetus grossus L. In Gesellschaft des vorigen.
88) Dtsch. Entom. Zeitschr. 1909, p. 137.
8) Verh. Zool. Bot. Ges., Wien 1873, p- 20.
») Dtsch. Ent. Zeitschr. 1909, p. 146.
12. Heft
156 Dr. Willy Ramme:
. Omocestus rufipes Zett. An den trockenen Rändern der Wiesen.
Stauroderus bicolor Charp. Nur an einer Stelle, einem dürren
Hang am See.
. — biguttulus L. Überall an den trockeneren Stellen sehr häufig.
. Chorthippus dorsatus Zett. Auf feuchtem Gebiet.
. — parallelus Zett. Desgleichen.
. Xiphidium fuscum F. Am Schilf. Vorkommen auch von
Krauss (l. c.) erwähnt.
10. Thamnotrizon cinereus L.
11. Platycleis bicolor Phil. An dem vorher erwähnten dürren Hang.
12. — roeselii Hagb. Mehr auf feuchtem Gebiet.
Einen mehrstündigen Aufenthalt‘ auf der Rückfahrt vom
Bodensee, in Immendingen, benutzte ich, um an einem trockenen,
grasigen, mit niedrigem Nadelholz und Laubbüschen bestandenen
Abhang zu sammeln. Auf dem kleinen Raum von etwa 50 m
Länge und 20 m Breite fanden sich nicht weniger als 11 Arten,
nämlich:
1. Chrysochraon brachypterus Ocsk. In großen Mengen.
2. — dispar Heyer
Zu meiner Überraschung fand ich mitten unter den brachypterus
2 22 dieser Art, hier auf einem völlig trockenen Gebiet, während
nach meinen Erfahrungen und den Zusammenstellungen bei Zacher
(l. c.) dispar sonst nur feuchtes Terrain bewohnt. Leydig be-
richtet 1871°!) aus Württemberg gleichfalls von einem gemein-
samen Vorkommen beider Arten ‚an Wassergräben‘. Dies zeigt
wieder, auch für den sonst Trockenheit liebenden brachybterus,
daß einzelne Arten zuweilen ihre Vorliebe für eine bestimmte
Formation aufgeben.
3. Gomphocerus rufus L.
. Stenobothrus lineatus Pz.
. Omocestus viridulus Zett.
Stauroderus bicolor Charp.
. Chorthippus parallelus Zett.
Psophus stridulus L.
. Platycleis brachyptera L.
— bicolor Phil.
Decticus verrucivorus L.
6. Württemberg (Spaney).
Präparator A. Spaney (Zoolog. Museum Berlin) sammelte
im Juli 1919 auf der Schwäbischen Alb (zwischen Gmünd und
Waldstetten) eine Anzahl Arten.
1. Forficula auricularia L. f. cyclolabia Fieb.
2. Apterygida (Sphingolabis) albipennis Mg.
3. Ectobia sylvestris Poda mit der f. helvetica Hgb.
4. Aphlebia maculata Schreb.
5. Tettix subulatus L.
»!) Jahresh. Verein Vaterl. Naturk. Württemberg 27, 1871.
om
SS X 1
Hu
Hossonumnom
Orthopterologische Beiträge 157
6. Chrysochraon brachypterus Ocsk.
Unter großen Mengen von brachypterus fand Spaney 1 2
der forma homoptera Eversm. (beim Weiler Horn in 500 m Höhe)
und damit das zweite aus Deutschland bekannt werdende
Exemplar dieser Form; das erste fand Zacher bei Berchtes-
gaden. Redtenbachers Angabe”) ‚auf Bergwiesen nicht selten‘
läßt in Verbindung mit diesen beiden Funden vermuten, daß,
wie in Österreich, so auch in Deutschland diese Form nicht allzu
selten ist. Nachträglich kann ich noch berichten, daß sich im
Münchener Museum 6 92 und 1 & der f. homoptera Eversm. finden,
die offenbar sämtlich an der gleichen Stelle gefunden wurden.
Der Fundort selbst wäre nach Maßgabe des Sieboldschen Schildes
(ein rundes, orangefarbenes Plättchen) ‚Oberrhein‘, doch teilt
mir Herr Dr. v. Rosen mit, daß diese Kennzeichnung wegen
des Ausbleichens der Schilderfarben mit Vorsicht aufzunehmen
sei. Der Fundort ist also nicht ganz sicher.
7. Gomphocerus rufus L.
8: Stenobothrus lineatus Pz.
9. Omocestus viridulus Zett.
10. Stauroderus bicolor Charp.
11. — biguttulus L.
12. Psophus stridulus L.
13. Barbitistes serricauda F.
Die Tiere waren nur durch Abklopfen von Büschen zu er-
beuten. 1 2 und 2 3d hielt Spaney noch mehrere Wochen im
Museum lebend. Die Tiere fraßen Ahornblätter. Das 2 legte in
den Sand 7 Eier ab, die jedoch — nach der Überwinterung -
keine Larven lieferten; die $S ließen zuweilen ein leises ne
hören. Eingestellte Rindenstücke verschmähte das 9 zur Eiablage.
14. Meconema varium F.
15. Locusta cantans Fuessly
16. Thamnotrizon cinereus L.
17. Platycleis grisea F.
18. — brachyßtera L.
19. Decticus verrucivorus L.
30. Nemobius sylvestris F.
7. Thüringen (Ramme).
Von Ende Juli bis Anfang August 1919, etwa 14 Tage lang,
sammelte und beobachtete ich bei Schwarzburg im Schwarzatal
intensiv Dermapteren und Orthopteren und zwar:
1. Forficula auricularia L. Sämtliche Stücke, die ich sah, etwa
30 an der Zahl, gehörten der forma cyclolabia Fieb. an.
2. Chelidura acanthopygia G. Zahlreich unter Laub, besonders
im Mischwald.
3. Ectobia sylvestris Poda. An den gleichen Stellen wie vorige
Art. Ich fand gegen 20 22 und nur 2 $G, gleichzeitig auch
%) Die Dermapteren u. Orthopteren von Österreich-Ungarn und
Deutschland, Wien 1900.
12, Heft
158 Dr. Willy Ramme:
ganz junge Tiere der neuen, im Larvenzustand überwintern-
den Brut. Nur 1 £ trug noch eine Oothek. Vergl. dazu
den Artikel III dieser Arbeit, pg. 104.
. Tettix bipunctatus L.
— kraussi Saulcy
. Gomphocerus rufus L. In höhergelegenen Holzschlägen und
Schonungen zahlreich.
. — maculatus Thunbg. Ebendort. Unter den 92 auffallend
große, fast einfarbig schwärzlich gefärbte Stücke.
8. Stenobothrus stigmaticus Ramb. Sehr zahlreich in einem
Eichenschlag mit kurzgrasigem Boden. Nur 1 2 der völlig
grauen Form darunter.
Dom
9. — hineatus Pz.
10. Omocestus haemorrhoidalis Charp. An der gleichen Stelle wie
der vorige.
11. Stauroderus bicolor Charp.
12. — biguttulus L.
13. Chorthippus parallelus Zett.
14. Psophus stridulus L.
15. Locusta cantans Fuessly. Auf den Büschen der Holzschläge
und auf den höchsten Wipfeln der Buchenwälder.
16. Thamnotrizon cinereus L.
17. Platycleis brachyptera L. Holzschläge, Bergmatten und Ab-
hänge mit üppiger Vegetation; gern (in freierem Gelände)
an Stellen, die mit Vaccinium myrtillus bestanden sind.
18. Decticus verrucivorus L. Auf Kulturwiesen und Matten überall.
19. Nemobius sylvestris F. Im Mischwald (Hochwald) unter Laub
oft zu Tausenden, das feine Zirpen infolgedessen weithin
hörbar. Zahlreiche 22 trugen Spermatophoren.
Vergeblich habe ich nach Oedipoda miniata -Pall. gesucht, die
in früheren Jahren von Schmiedeknecht®) ‚in Menge auf
Uferkies der Schwarza bei Blankenburg‘, in den letzten Jahren
aber nicht mehr angetroffen wurde.
Ein anschließender Besuch der Fürstlichen Sammlung in
Rudolstadt ergab für Thüringen an Orthopteren kein weiteres
bemerkenswertes Material. Inder Umgebung von Rudolstadt
fand ich Ectobia sylestris Poda-29, Gomph. maculatus Thbg.,
Oedipoda coerulescens L. und Nemobius sylvestris F.
8. Mecklenburg (Ramme).
Bei Brunshaupten (Ostsee) fand ich im Juli 1919:
1. Gomphocerus maculatus Thunbg. In dürren Schonungen.
2. Stauroderus apricarius L. Auf trockenem Gebiet häufig.)
2) Schmiedeknecht, Die Geradflügler (Orthoptera) in: Thüringen.
Ein geographisches Handbuch von F. Regel. 2. Teil: Biographie, Jena 1894.
»:) Bei Ahlbeck (Pommersche Ostseeküste) stellte ich, ebenfalls 1919,
apricarius als häufigstes Orthopter auf den Dünen, zwischen dem Strand-
hafer, fest. |
Orthopterologische Beiträge 159
3. Chorthippus elegans Charp. Auf Wiesen die häufigste Steno-
bothrus-Art (s. lat.).
4. — parallelus Zett. Mit dem vorigen.
5. Locusta cantans Fuessly. Zahlreich.
6. Thamnotrizon cinereus L.
7. Platycleis grisea Fabr. In der hinteren bewachsenen Dünen-
region.
8. Decticus verrucivorus L. Inmitten einer großen Kulturwiese
nur auf einer kleinen unkultivierten, reich mit Önonis
spinosa bestandenen Insel.
VIII. Zweiter Nachtrag zur Orthopterenfauna Brandenburgs.
Seit dem Erscheinen des ersten Nachtrags®) zu meiner ‚Or-
thopterenfauna der Mark Brandenburg‘) sind wieder viele
Orthopterenfreunde in der Mark tätig gewesen zur Vervollständi-
gung meiner Verzeichnisse; wie man aus der untenstehenden neuen
Liste ersehen kann, mit großem Erfolg. Schirmer 7 und Zacher
(l. c.) haben ihre Funde bereits veröffentlicht; nachstehend bringe
ich weitere Angaben und übergehe dabei die Auffindung zahl-
reicher neuer Fundorte häufigerer Arten, um nur die sehr zer-
streut vorkommenden oder als neu für die Mark festgestellten zu
erwähnen.
Apterygida albipennis Megerle. Als ersten sicheren Fundort
konnte ich im Sept. 1920 die Abhänge des Odertales bei Oderberg
feststellen, wo die Art in großen Mengen beim Abklopfen der
Hecken in den Schirm fiel. Die bisher einzige Angabe aus der
Mark stammte — wie so oft — von dem bekanntermaßen unzu-
verlässigen Rudow (Zacher l. c.), der die Art bei Perleberg ‚,in
Leguminosenhülsen‘ gefunden haben will. Es wird sich wohl kaum
um diese ziemlich kulturflüchtende Art gehandelt haben, sondern
um Larven von Forficula auricularıa L.
Ganz bedeutend sind die Größenunterschiede bei den Oder-
berger Stücken. Die Körperlänge der 3 (ohne Zangen) ‚schwankt
zwischen 10,5 mm und 7 mm, die der Zangen zwischen 4 mm und
2,5 mm. Geringer sind die Schwankungen bei den $%; die Körper-
länge beträgt hier 8,5—11 mm, die Zangen sind durchweg etwa
2 mm lang.
Ectobia lapponica L. Siehe Art. III. dieser Arbeit!
Aphlebia maculata Schreber wurde von Schumacher im
Juli 1919 in Wildpark zahlreich an einer Stelle mit pontischem
Charakter gefunden, ebenso 1920 in Mengen von Genne£rich im
Potsdamer Forst und. vereinzelt von Ude in der Dubrow bei
Groß-Besten.
Tettix kraussi Saulcy sammelte ich im Sept. 1920 mehrfach
in der Dubrow.
5) Berl. Ent. Ztg. Bd. LVIII, p. 229—235.
96) ITbidem, Bd. LVI, p. 1—10.
12. Heft
160 Dr. Willy Ramme:
Gomphocerus rufus L. fand ich ebendaselbst in großen Mengen
und in den mannigfaltigsten Färbungs- und Zeichnungsabstufungen
auf einem Holzschlag. Es existierten bisher nach Zacher (l. c.)
nur 2 Angaben aus der Mark über diese Art: Rudow will sie
‚in der Priegnitz manchmal häufig‘ angetroffen haben und die
Sammlung Konow (D. Entom. Mus.) enthält 1 $ aus Neustadt-
Eberswalde.
Stauroderus mollis Charp. Siehe Art. I dieser Arbeit!
Stauroderus pullus Phil. fand Walter zahlreich im Aug. 16
bei Stolpe.
Stauroderus morio Fabr., der bisher nur einmal, von Stobbef
am 30. 6. 1907 bei Wannsee (2 3 und 2 Larven) gefunden
wurde, ist seither nicht wieder beobachtet worden. Leider hat
Stobbe die Kenntnis des engeren Fundplatzes mit ins Grab ge-
nommen.
Bryodema tuberculata F.- Wie mir Schumacher berichtet,
war diese Art 1920 an den bekannten Fundstätten bei Kagel und
bei Wünsdorf auffallend häufig. |
Sphingonotus coerulans intermedius Ramme sammelte Walter
1918 in großer Anzahl bei Bernau.
Pachytylus migratorius L. Meine in der ‚„Orthopherenfauna
der Mark Brandenburg‘ ausgesprochene Vermutung, diese Art
seı wohl von Philippi mit danicus L. verwechselt worden und
deshalb zu streichen, muß ich aufgeben, da sich im Zoologischen
Museum ein Stück (2) mit der sicher einwandfreien Bezeichnung
„Berlin, Stein‘ gefund.n hat; es muß also in der Zeit zwischen
1850 und 1880 bei Berlin gefangen worden sein.
Caloptenus italicus L. Die f. marginella Serv. habe ich seiner-
zeit für die Mark irrtümlich angeführt.
Leptophyes albovittata Koll. Kuntzen und Schumacher
fanden im Mai 1920 auf dem Pimpinellenberg bei Oderberg zahl-
reiche Leptophyes-Larven; ebendort beobachtete letzterer im August
die Imagines. Zwei daraufhin Ende September in Begleitung von
Spaney unternommene Exkursionen brachten nach anfänglichen
Mißerfolgen, dank dem unermüdlichen Klopfen und Schöpfen des
Letzteren, trotz der vorgerückten Jahreszeit 3 22 und 2 dd, die
ich als L. albovittata Koll. identifizieren konnte. Eine erfreuliche
Entdeckung und Bereicherung der märkischen Fauna! Die Tiere
leben auf Gebüsch, an den durchsonnten pontischen Hängen des
Odertales zwischen Liepe und Oderberg, It. mündlicher Mitteilung
von Schumacher auch bei Lunow. Weitere deutsche Fund-
stellen werden in Schlesien, Sachsen, Thüringen und Bayern An-
gegeben (Zacher, 1. c.). Da zwei 3S, die ich im August 1912
bei Mödling (bei Wien) sammelte, wesentlich kleiner und zierlicher
sind und es sich bei den Odertieren wohl um eine etwas robustere
Rasse handelt, so gebe ich nachstehend einige Maße:
Orthopterologische Beiträge 161
dd Wien gg Oderberg 92 Oderberg
Long. pronoti 0,25 0,29 0,32 —0,33
— corporis 1,13 1,28 —1,39 1,33—1,58
- — femorum post. 1,09 1,25-—1,29 1,33 —1,39
— tibiarum post. 1,22 1,40—1,42 1,46 — 1,59
ovipositoris — 0,52 —0,56
Leptophyes punctatissima Bosc. Prof. Her mons beobachtete
die Art in den letzten Jahren ständig auf den Pfirsichbüschen seines
Gartens in Nikolassee. Der Umstand, daß sie in der Mark bisher
nur an dieser Stelle und nur in einem Garten gefunden wurde,
macht die Annahme wahrscheinlich, daß das Tier seinerzeit ein-
geschleppt wurde, vielleicht mit Pfirsichbüschen aus süddeutschen
Baumschulen, an denen Eier abgelegt waren; jedenfalls hat es
sich also im Nikolasseer Garten eingebürgert- Immerhin ist in
Anbetracht des Vorkommens auch an anderen Stellei in Nord-
deutschland (cf. Zacher 1. c.) damit zu rechnen, daß die Art
auch in der Mark heimisch ist und bisher übersehen wurde.
Xrphidium fuscum Fabr. fand Spaney im Sept. 1920 zahl-
reich in der Dubrow auf verhältnismäßig trockenem Gebiet,
Walter im Juli 1918 bei Hennigsdorf.
Platycleis montana Koll. Ein & dieser in neuerer Zeit in
der Mark bisher nur bei Wünsdorf beobachteten Art fand Richter.
im Juli 1919 bei Heiligensee und ein 2 Ude im Oktober 1919
in der Dubrow. -
Platycleis roeselii Hagb. f. prisca Zacher. Von dieser kürzlich
erst benannten Form (l. c.) fand ich im Juli 1919 bei Wittenau
ein $, das sich schon stark der f. diluta Charp. nähert. Ich gebe
im folgenden einige Maße und setze die des Zacherschen Typus
in Klammern daneben:
Long. corporis 18,5 mm (17)
— pronoti 0,45 ‚, (5)
— elytrorum IE, (7)
— alarum post. 8,9., 5; =:
— femor. post. 185 „, (18)
— ovipositoris 6 FE (5,5)
Nemobius sylvestris F. fand Schumacher an der gleichen
Stelle wie Aphlebia (s. das.) in Wildpark, Prof. Heymons bei
Schlachtensee und ich selbst massenhaft in der Dubrow in trok-
kenem Eichenlaub.
Gryllus domesticus L. beobachtete ich bei Velten im Freien.
Ein & hatte sich unter einer Schiene der Kleinbahn Velten—Nauen
(in der Nähe des Bahnhofs Perwenitz) eingenistet und verriet
sich durch sein anhaltendes Zirpen am Spätnachmittag.
Nachstehend bringe ich eine
Vervollständigte Liste der märkischen Orthopteren (1920).
Dermaptera.
1. Labidura riparia Pall.
2. Labia minor L.
Archiv für Naturgeschichte
1920, A. 12 11 12. Heft
162
Dr. Willy Ramme:
. Forficula auricularia L.
. Anechura bipunctata F. (Angabe von Meißner!)
. Apterygida albipennis Megerle
. Chelidura acanthopygia Gene
Oothekaria.
. Ectobia labponica L.
. — PDanzeri Steph. (Ang. von Rudow!)
. Aphlebia maculata Schreb.
. Phyllodromia germanica L.
. Blatta orientalis L.
. Periplaneta americana L.
. — australasiae F.
Aecridoidea.
. Tettix bibunctatus L.
. — subulatus L.
.. — kraussi Saulcy
. Chrysochraon dispar Heyer
. — brachypterus Ocsk.
. Gomphocerus rufus L.
. — maculatus Thbg.
. Stenobothrus lineatus Paz.
. — nigromaculatus H.-S.
. — stigmaticus Ramb.
. Omocestus haemorrhoidalis Charp.
een pes‘Zett,
ZUirvdulus
. Stauroderus morio F.
nn "aPpricarius.L.
. — dullus Phil.
..—.b1c0Loy. Charp.
..— biguttulus L.
= 940LL9s Charp:
. Chorthippus elegans Charp.
. = doysatus Zett.
.ı— darallelus'Zett.
). Arcyptera flavicosta Fisch.
. Epacromia thalassina F. (Ang. von Rudow!)
. Mecosthetus grossus L.
. Psophus stridulus L.
. Pachytilus migratorius L.
— danicus \L.
. Vedipoda coerulescens L.
. — mintata Pall. (Angabe von Lessing)
. Pryodema tuberculata F.
. Sphingonotus coerulans intermedius Ramme mit den
ff. coerulans L. und cyanoptera Charp.
3. Caloptenus italicus L.
Orthopterologische Beiträge 163
Lueostodea.
?47. Barbitistes serricauda F. (19; oderconstrictus Br. ?)
*48. Leptophyes punctatissima Bosc
49. — albovittata Koll.
50. Meconema varium F.
51. Xiphidium fuscum F.
52. — dorsale Latr.
53. Locusta viridissima L.
54. — cantans Fuessly
155. Gampsocleis glabra Herbst
56. Thamnotrizon cinereusL.
50. Platyeleis:griseaF.
58. — montana Koll.
+59. — tessellata Charp.
60. — brachyßteraL.
61. — bicolor Phil.
62. — roeselii Hgb.
63. Decticus verrucivorus L.
*64. Tachycines asynamorus Adelung
Gryllodea.
65. Nemobius sylvestris F.
66. Gryllus campestris L.
67. — domesticus L.
68. Gryllotalpa vulgaris Latr.
69. Myrmecophila acervorum Pz.
Obiges Verzeichnis”) enthält gegenüber nıeinem letzten ®)
69 Arten, also 8 Arten mehr als dieses. In der Mark neu auf-
gefunden sind 7 Arten: Apterygida albipennis Megerle, Chelidura
acanthopygia Gene, Tettix kraussi Saulcy, Gomphocerus rufus L.,
Stauroderus mollıs Charp., Leptophyes Punctatissima Bosc und
albovittata Koll. Fortgelassen habe ich Eciobia perspicillaris Herbst
als synonym zu lapponica L. (vgl. Art. III dieser Arbeit) und
Acridium aegyptium L., da letztere seinerzeit nur in einem Ex-
emplar durch einen Zufall eingeschleppt wurde. Dafür habe ich
neu aufgenommen Ectobia panzerı Steph. und Epacromia thalas-
sina F., da über diese Arten allerdings recht vorsichtig aufzu-
nehmende Angaben Rudows vorliegen (vgl. Zacher 1. c.), und
Platycleis tessellata Charp., die ich seinerzeit in Philippis Dis-
sertation übersehen hatte. Von den aufgezählten sind als ende-
mische, noch heute beobachtete Arten 52 zu betrachten (gesperrt
gedruckt!) Für den Rest von 16 Arten bedeutet:
t sıcher festgestellt, aber seit längerer Zeit nicht mehr
beobachtet.
? Diagnose zweifelhaft.
") Ich habe die Kirbysche Nomenklatur wieder aufgegeben.
»®) I. Nachtrag, 1.c.
11* 12. Heft
164 Dr. Willy Ramme:
?? Vorkommen aus faunistischen Gründen und in An-
betracht des Gewährsmannes äußerst zweifelhaft.
* eingeschleppt und (mit Ausnahme von Leptophyes Punc-
tatissima Bosc) nicht im Freien vorkommend.
IX. Ein Zwitter von Locusta viridissima L.
Präparator F. Walter (Zoolog. Museum Berlin) fing bei
Hermsdorf i. M. am 15. Sept. 1916 ein $ von Locusta viridissima L.
und entdeckte beim Ausweiden des Tieres, daß es eine größere
Anzahl Eier barg. Er übergab mir das Tier mit dem in Alkohol
überführten Inhalt des Abdomens zur weiteren Untersuchung.
Es handelt sich hier um einen Zwitter, bei dem die äußeren
Genitalien sowie die sekundären Geschlechtsmerkmale — z. B.
die mit Schrillapparat versehenen Flügeldecken — einen völlig
normalen männlichen Charakter zeigen, während die Gonaden
zwittrig sind. Leider waren diese letzteren schon stark zerstört,
da ja die überraschende Entdeckung von Eiern nicht vorauszu-
s_hen war, es ließ sich aber noch mit Sicherheit das Vorhandensein
von Hoden feststellen. Die Zahl der — völlig reifen — Eier be-
trug 7, war also im Verhältnis zu der bei normalen Weibchen
üblichen stark reduziert.
Damit liegt hier der zweite Locustidenzwitter vor, bei dem
sich die Untersuchung, wenn auch wegen des schlechten Erhal-
tungszustandes nur ganz oberflächlich, auch auf die Gonaden
erstrecken konnte. Der erste war der von mir in Krain (Planina)
erbeutete und 1913 eingehend beschriebene Zwitter von Thamno-
trizon fallax Fisch.”)
Vergleichen wir beide Zwitter, so zeigt sich in bezug auf die
Ausbildung der Gonaden weitgehende Übereinstimmung, indem
bei beiden sowohl Hoden als auch Ovarien vorhanden waren.
Auch das markanteste der sekundären männlichen Geschlechts-
merkmale, der Schrillapparat, war bei dem T’hamnotrizon-Zwitter
durchaus normal ausgebildet. In bezug auf die äußeren Geni-
”») Sitz.-Ber. d. Ges. Naturf. Freunde, 1913, p. 83. Bei dieser Gelegen-
heit möchte ich eine Bemerkung von Napoleon M. Kheil in seinem Auf-
satz „Orthopterologisches von den Hyeresschen Inseln (Hermaphroditismus
bei Orthopteren)‘“, Int. Ent. Zeitschr., Guben 1914, richtigstellen. Kheil
führt dort alle bekannt gewordenen Fälle von Hermaphroditismus bei
Orthopteren auf und bemerkt bei Erwähnung des Zwitters von Tham.
fallax Fieb., er sei „stark beschädigt“. Nun, außer dem durch die lang-
wierige und genaue Untersuchung verursachten Fehlen eines für die
Beurteilung des Zwitters völlig belanglosen Hinterbeines war an
dem Tier nicht die geringste Beschädigung zu entdecken, wie es ja auch
schon an den zahlreichen Abbildungen in meiner Arbeit zum Ausdruck
kommt. Wir wollen es der — wie stets — mehr im feuilletonistischen
Plauderton gehaltenen Arbeit Kheils nicht zu übel anrechnen, aber
etwas weniger flüchtig und mit etwas mehr Verständnis hätte der Autor
schon hinsehen können.
Orthopterologische Beiträge 165
rechte Seite männliche, die linke weibliche Genitalien aufwies;
letztere waren allerdings insofern etwas verkümmert, als die Lege-
scheide nicht in allen Teilen normal ausgebildet war.
Von Locusta viridissima ist bereits einmal ein Zwitter be-
schrieben worden und zwar von Klapälek (Abh. kgl. Böhm. Ges.
. d. Wissensch., Prag, 1897). Kheil sagt darüber: ‚der Hermaphrodit
wurde bei Willingau in Böhmen gefunden, ist links männlich,
rechts weiblich. Das Exemplar war, ehe es beschrieben wurde,
beschädigt, nämlich von Fliegenlarven z. T. zerfressen, welche
sich in dem zum Trocknen offen ausgestellten und gespießten
Exemplar entwickelt hatten.‘
Tafelerklärung.
Leider sind die Tafeln infolge Unzulänglichkeit der Kunstanstalt trotz
vorzüglicher Originale nicht zufriedenstellend ausgefallen.
Tafell.
Fig. 1. Stauroderus bicolor Charp. Sg. a) aus Oberstdorf; b) aus Chorinchen;
ce) aus Schwarzburg.
Fig. 2. Stauroderus biguttulus L. dd. a) aus Chorinchen ; b) vom Machnower
Weinberg; ce) aus Oberstdorf.
Fig. 3. Stauroderus mollis Charp. 85. a) Typus von Öharpentier; b) aus
Chorinchen; e) vom Machnower Weinberg; d) aus dem Grunewald,
Fig. 4. St. bicolor Charp. 2 aus Oberstdorf.
Fig. 9. St. biguttulus L. 2 aus Chorinchen.
Fig. 6. St. mollis Charp. 2 aus Chorinchen.
Fig. 7. Rechtsseitige Elytren von 6 St. bicolor Charp. gg.
Fig. 8. Dgl. von 6 St. biguttulus L. 8.
Fig. 9. Dgl. von 6 St. mollis Charp. dd.
Fig. 10. Dgl. von 2 St. bicolor Charp. $%.
Fig. 11. Dgl. von 2 St. biguttulus L. 29.
Fig. 12. Dgl. von 2 St. mollis Charp. 9%.
Die Elytren der Figg. 7—12 stammen durchweg von märkischen Stücken.
(Figg. 1—6 in natürlicher Größe, 7—12 vergrößert 2:1.)
Tafel.
Fig. 1. 'Chorthippus parallelus Zett. Q2 aus Oberstdorf. a) mit normalen
- Flugorganen, aus dem Tal; b) mit halblangen Flugorganen, vom
Söllereck; ec) u. d) mit ausgebildeten Flugorganen (f. montana
Charp.), vom Söllereck.
Fig. 2. Chorthippus parallelus Zett. Sd. a) mit normalen Flugorganen,
aus Finkenkrug;; b) u. e) mit verlängerten Flugorganen, aus Chorinchen
und Oberstdorf (Tal); d) mit ausgebildeten Flugorganen (f. montana
Charp.), bei Oberstdorf unterhalb des Nebelhorngipfels in ca. 2000 m
Höhe gefangen. Elytren beschädigt.
Fig. 3. Eectobia sylvestris Poda (= hemiptera Fabr.). a) d; b) ce) d)
aus Schwarzburg; e) 3 Ootheken von 29 aus Berchtesgaden.
4.. Ectobia lapponica L. a) 8; b) 2 aus Potsdam; e) und d) 92 aus
Tamsel bei Cüstrin; e) 3 Ootheken von $Q aus Bansin a. d. Ostsee.
Fig. 5. Ectobia lapponica L., 3 $& aus Tamsel.
Fig. 6. Ectobia lapponica nigra Karny, 4 dd von der Witosha (Pantscha-
rewo bei Sofia).
Fig. 7. Aphlebia adusta F.d. W., 2 92 von Utschan-Ssu bei Jalta (Krim).
Fig. 8.. Podisma pedestris f. alata Sw., 2 aus Berchtesgaden.
Fig. 9. Sphingonotus. coerulans inter medius Ramme, f. cyanoptera Charp ,
g aus Niederlehme bei Wusterhausen (4. IX. 1919).
(Figg. 1, 2, 8 und 9 in natürlicher Größe; 3—6 vergrößert etwa 1,5:1; 3e), 4e)
und 7 etwa 2-1:)
12. Heft
166 Dr. Willy Ramme: Orthopterologische Beiträge S
Tafel III.
Fig. 1. Geröllfeld im Oytal bei Oberstdorf im Allgäu.
Fig. 2. Platycleis brachyptera L. f. marginata Thbg.. a) $; b) g aus
Oberstdorf.
3. Platycleis coracis Ramme. a)Q; b)d vom Korax-Gebirge, Griechen-
land.
Fig. 4. Platyeleis falzfein! Ramme. a) $; b) Z aus Falzfeinowo, Süd-
rußland.
Thamnotrizon apterus karnyi Ebner. a) 2; b) & aus Situjakowo,
Bulgarien.
Fig. 6. Isophya chersonensis Ramme. a) Q; b) $& aus Falzfeinowo, Süd-
rußland.
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(Figg. 2—6 in natürlicher Größe.)
Nachträge.
Zu Artikel V: Loboptera decipiens Germar. Kleinasien
(Adampol am Bosporus).
Zu Artikel VI: Meiner angedeuteten Vermutung entsprechend
fand sich auch bei Berchtesgaden Platycleis roesehi Hgb. als sehr
häufiger Kulturwiesen-Bewohner.
Zu Artikel VIII: Ein neuer märkischer Fundort für Steno-
bothrus nigromaculatus H.-S. wurde von Kuntzen bei Belzig
(Brautrummel) am 4. IX. 1919 entdeckt.
Archiv für Naturgeschichte, Jahrg. 86 Tafel I (Ramme)
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Ramme: Orthopterologische Beiträge
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Archiv für Naturgeschichte, Jahrg. 86 Tafel II (Ramme)
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.. GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H.TROSCHEL,
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W. WELTNER UND E. STRAND
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1920
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_ Jeder Jahrgang besteht aus 2 Abteilungen zu je 12 Heften. alten. eh
a A: Original-Arbeiten, Abteilung B: Jahres-Berichte.).
, Jede ‚Abteilung kann einzeln abonniert werden.
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für sich paginiert und einzeln käuflich.
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Besprechung nebst Lieferung von Belegen. Zuse (
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Der Verlag: I I
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h Verlags-Buchhandlung R. Stricker
Berlin W, Potsdamerstr. 90.
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Heft:
1. I. Mammalia.
2. I. Aves.
3. III. Reptilia und Amphibia.
4. IV. Pisces.
.d» Va. Insecta. Allgemeines.
| b. Coleoptera.
6. c. Hymenoptera.
de d. Lepidoptera.
to FE e. Diptera und Siphonaptera.
N f. Rhynchota.
g g. Orthoptera— Apterygogenea.
10. VI. Myriopoda.
VII. Arachnida.
VIII. : Prototracheata.
N IX, Crustacea: Malacostraca, Entomostraca, Gigantostraca,
11. X. Tunicata. - ESPIORGHNA,
XI. Mollusca. Anhang: Solenogastres, Polyplacophora.
XH. Brachiopoda. |
XIH. , Bryozoa.
XIV. Vermes.
XV. Echinodermata.
XVI. Coelenterata.
"XVII. ‚ Spongiae.
12. xvm.
Protozoa.
Nieolaisehe Verlags-Buehhandlung R. Strieker,
Berlin W 57, Potsdamer Str. 90. %r
zahlt für = ae ER
Original-Arbeiten <:““'" Honorar von %- 5 ..
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Man wende sich an den Herausgeber
Der Verlag: Der Herausgeber:
Nicolaische Embrik Strand
Verlags-Buchhandlung R. Stricker
Berlin W 57, Potsdamer Str. 90 hasse kin Bronnenstr. 183
Bericht —
über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie
1838-1862 25 Jahrgänge je 10 M. — 250 M., einzeln je u
1863-1879 10 „ N =
1880-1889 10 3 30 5300 ee
1890-1899 10 a 20 5, 00 ER
1900-1909 10 y „100 „ —=1000 „, u
1910 | *
1911 jr
Die ganze Sammlung 2350 M.
Der Bericht enthält Arbeiten von:
Erichson, Schaum, Gerstaecker, F. Brauer, Bertkau, von Martens, Fow
Hilgendorf, Kolbe, Stadelmann, Verhoeft, Wandolleck, R. Lucas, von Sei
Kuhlgatz, Schouteden, Rühe, Strand, Ramme, La Baume, Henninge; Grünbe
Stobbe, Stendell, Nägler, Nlig. ne
Krells Buckhdruckerei, Berlin SR
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ie . | Ausgegeben im März 1921. ZZ. El
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NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F.A. WIEGMANN,
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Inhalt der Jahresperichte.
Mammalia.
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Reptilia und Amphibia:
Pisces.
Insecta. Allgemeines.
Coleoptera.
Hymenoptera.
Lepidoptera.
Diptera und Siphonaptera.
Rhynchota.
Örthoptera— Apterygogenea.
Myriopoda.
Arachnida.
Prototracheata. .
Crustacea:: Malacostraca, Entomostraca, Gigantostraca,
Punierth, [Pyenogonida.
Mollusca. Anhang: Solenogastres, Polyplacophora.
Brachiopoda,
Bryozoa.
Vermes.
Echinodermata.
‚Coelenterata.
Spongiae.
Protozoa.
Nieolaische Verlags-Buehhandlung R. Strieker, De
Berlin W 57, Potsdamer Str. 90. Un IRRE
‚Archiv für Naturgeschichte |
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Original-Arbeilen 1%; Honorar von 80,— m
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Berlin W 57, Potsdamer Str. 90 DR ae Brunnenstr, 18 3
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über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der. hr
Entomologie
1838-1862 25 Jahrgänge je 10M. — 250 M., einzeln je 15M.
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Kuhlgatz, Schouteden, Rühe, Strand, Ramme, La Baume, EU RANEN, Grün |
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NATURGESCHICHTE
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS, F. HILGENDORF,
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Inhalt der Jahresoverichte.
Heft:
1. I. Mammalia.
2. II. Aves,
3. III. Reptilia und Amphibia.
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6. Hymenoptera.
7. Lepidoptera.
8. e. Diptera und Siphonaptera.
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N 9. g. Orthoptera— Apterygogenea.
10. v1 Myriopoda.
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VII. Prototracheata.
| IX, Crustacea: Malacostraca, Entomostraca, Gigantostraca,
11. X. Tunicata, UP pPRDE ande,
XI. Mollusca. Anhang: Solenogastres, Polyplacophora.
XI. Brachiopoda,
XIH. Bryozoa.
XIV. Vermes,
XV. Eehinodermata.
XVI. Coelenterata.
XV. Spongiae.
12. XVII. Protozoa.
Nicolaisehe Verlags-Buchhandlung R. Strieker
Berlin W 57, Potsdamer Str. 90.
Archiv für Naturgeschicht
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Verlags-Buchhandlung R. Stricker
Berlin W 57, Potsdamer Str. 90° Hari N Brunnenstr 183
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Entomologie
1838-1862 25 Jahrgänge je 10 M.
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Die ganze Sammlung 2350 M. .
Der Bericht enthält Arbeiten von: bi
Erichson, Schaum, ‚Gerstaecker, F. Brauer, Bertkau, von Martens,
Hilgendorf, Kolbe, Stadelmann, Verhoefi, Wandolleck, R. Lucas, von
Kublgatz, Schouteden, Rühe, Strand, Ramme, La Baume, Heniupes;
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Der Verlag:
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Berlin W, Potsdamerstr. 90.
Inhalt der Jahresoverichte.
Heft:
| 1. I. Mammalia.
de II. Aves.
3. III. Reptilia und Amphibia.
4 IV. Pisces.
8. Va. Insecta. Allgemeines.
| b. Coleoptera.
.b. c, Hymenoptera.
7P d. Lepidoptera.
8. e. Diptera und Siphonaptera.
f. Rhynchota.
29; g. Orthoptera— Apterygogenea.
10. VI. Myriopoda.
VI. Arachnida.
VIII. Prototracheata.
| IX, Crustacea: Malacostraca, Entomostraca, Gigantostraca,
11 X. Tunicata, EPTEROBDINE.
XI. .Mollusca. ' Anhang: Solenogastres, Polyplacophora,
XU. Brachiopoda.
XII. Bryozoa.
XIV. Vermes,
XV. Echinodermata.
XVI. Coelenterata.
XVII. Spongiae.
12. XVII. Protozoa.
Kieolaisehe Verlags-Buehhandlung R. Sirieker, az
Berlin W 57, Potsdamer Str. 90. RE
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über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie
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1838-1862 25 Jahrgänge je 10 M.— 250M,, einzeln je 5M. |
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Die ganze Sammlung 2350 M.
Der Bericht enthält Arbeiten von:
Erichson, Schaum, Gerstaecker, F. Brauer, Bertkau, von Martens, ER,
Hilgendorf, Kolbe, Stadelmann, Verhoeft, Wandolleck, R,. Lucas, von Seidlitz, iR er
Kuhlgatz, Schouteden, Rühe, Strand, Ramme, La Baume, Hennings, ER
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