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Deutsche
Entomologische Zeitschrift
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herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Band XXVI Jahrgang 1912.
Mit 3 Tafeln und vielen Textfiguren.
Redakteur: Dr. Denso.
4332 01I
.
LT.
N g
Inhalts - Uebersicht.
Max Rothke, Beiträge zur Kenntnis von Arctia figurata
Drury und ihren Formen nebst einigen Betrach-
tungen über deren Wesen und Bedeutung .
Otto Stertz, Beiträge zur a. nee der
Insel Teneriffa RE
® Eine neue Form von Polia Alih Dup. aus
Spanien
4 Drei neue ak eiden. Pormen Be: palaearkti
schen Faunen-Gebietes
Eduard Schopfer, Beitrag zur Mikrolepidopteren- audn
der Dresdner Gegend f
Prof. Dr. L. Courvoisier, Ueber Zeichnungs- An aonen
bei Lycaeniden
Prof. Dr. H. Rebel, Beitrag zur Lepidopterenfauna inter:
Aegyptens
W. Martini, Beiträge zur Kenbis. de Elbekiste, Hausen
= Grapholitha Hein. (Laspeyresia Meyr.) oxytro-
pidis, eine neue Wicklerart aus Thüringen .
Kleine Mitteilungen
A.Bang-Haas, Neue oder wenig bekannte UND
Makrolepidopteren IV. . ..
Dr. A. Petry, Ueber die deutschen an Artemikis IcBen
den Arten der Gattung Bucculatrix Z. nebst
Beschreibung einer neuen Art
Dr. H. Zerny, Neue Heteroceren aus der Sammlung des
k.k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien
Dr. P. Denso, Palaearktische Schmetterlingsformen
Leo Sheljuzhko, Eine neue Form v. Melitaea didyma O.
A. Bang-Haas, Neue oder wenig bekannte Pa nen
Makrolepidopteren V.
Dr. Martin, Ein neuer Papilio aus Gelebes N
C. Schrottky, Zwei neue Syntomiden v. Nord-Argentinien
Heinrich Neustetter, Neue oder Bes bekannte Cimo-
tho&-Arten r
W. Martini, Ueber die eeriene che Hlsehisten
Gruppe D.
Kleine Mitteilungen
Dr. L. Martin, Ein seltener N
5 Zwei neue Euploeen aus Celebes
Dr. Th. Sasse, Saturnia pyri Schiff. forma alticola
Eduard Schopfer, Epiblema nisella Cl. und Varietäten
Seite
103—110
111—115
119— 124
125—136
137—138
139—162
163—165
166
167—185
185—188
189
191— 196
196 — 200
201—203
204—207
W. Martini, Beiträge zur Kenntnis von Arten der
Gattung Elachista
Dr. Walther, Lichtfangergebnis i. J. 1912
R. Seiler, Die Zucht von SROFOP DAUER nigra Hw.
(aethiops O.). .
E. Miller, Neue Rhopalocera aus ee 1 2
Dr. L. Martin, Zwei neue Delias aus Celebes .
A.Bang-Haas, Neue oder wenig bekannte gi
Makrolepidopteren VI. SE Ma: TER MAR
Franz Philipps, Einige interessante Aberrationen und
Hermaphroditen meiner Sammlung .
Dr. Ernst Hartert, Gegen die Zulassung von Ausnahmen
vom Prioritäts-Gesetz ee
Bücherbesprechungen
Vereinsnachrichten
Verzeichnis neubesprochener Arten, Varietäten und
Aberrationen N RE
Seite
208 - 211
211—215
216—219
220— 223
224—228
229—230
230—231
232 -235
I—IX
XI— XIV
XV—XXVI
Heft 1, Seite 1—101 ist am 23. April 1912 erschienen.
2024201031880, 7, 294 Juno “
» du — 189, Oktober. 19125
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Iris, Dresden, Band XXVI. left 1.
Derrkahle
Entemolsgische Zeitschrift
‚Aris”
herausgegeben
|| Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
\ Jahrgang 1912. Erstes Heft.
1. April 1912"
Redakteur: Dr. Denso.
Preis für Nichtmitglieder des Vereins: 7 Mark.
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BIST CH Berlin.
N a R. Friedländer & Sohn.
Carl-Strasse 11.
Druckerei, Schlenkrich. Inh. Edwin Jeutzsch, Radehenl.
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«Kleine Mitteilungen ..
Inhalts- Uebersicht.
ER Rothke, Beiträge zur Kenntnis von Arokik figurata
Drury und ihren Formen nebst einigen Betrach-
tungen über deren Wesen und Bedeutung ..
Otto Stertz, Beiträge zur mE Fauna der
Insel Terier itta
Spanien
N Drei neue Bompyeidbn: Moral des palacarkti-
schen Fayunen-Gebietes s
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der Dresdner Gegend . N RL TEN ER
Prof. Dr. L. Courvoisier, Ueber Kachnimen Anehialipnen
bei Lycaeniden . .
Bu Dr. H. Rebel, ae Lepidopterentauna Unter-
Aegyptens
w. Martini, Beiträge zur Kuna DS: Rlachista- Bann
2 Grapholitha Hein. (Laspeyresia Meyr .) OXytro-
pidis, eine neue Wickierart aus Thüringen
Bücherbesprechungen’ . . . . !
Für die ok“ und den ‚Inhalt der in dieser Zeitschrift ver- Fr
öffentlichten Aufsätze Da die Herren au oren allein verantwortlich.
Eine neue Form von Polia ER Dup. aus.
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33-65.
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In allen redaktionellen Angelegenheiten, die auf das Jahr 1912
Bezug haben, bitten wir, sich nur an den Redakteur Herrn Dr. Densß,
Hellerau b. Dresden, auf dem Sand, zu. wenden.
‚Naturalien- u.
Alexander Heyne + * Buchhandlung
Berlin-Wilmersdorf, Landhaus- Str. 26a
versendet auf Wunsch umsonst und portofrei die folgenden,
soeben erschienenen’ Listen:
Liste entomologischer Gerätschaften, 4 Seiten.
Verzeichnis von Büchern. entomologischen Inhalts,
allgemeiner Teil. 16 Seiten.
Auswahl von Büchern entomologischen Inhalts,
| für Liebhaber, Anfänger usw., 8 Seiten.
Max Rothke, Arctia figurata Dru. 1
Beiträge zur Kenntnis von Arctia figurata Drury
und ihren Formen nebst einigen Betrachtungen über
deren Wesen und Bedeutung.
Von Max Rothke. Scranton, PA.
(Hierzu Tafel 1.)
Die Arctia-Arten neigen bekanntlich sehr zum vari-
ieren. Fast noch mehr wie bei den palaearktischen Arten
ist das bei den nordamerikanischen der Fall. Neben geogra-
phischen Rassen treten auch an ein und derselben Oert-
lichkeit innerhalb einer Art oftmals Aberrationen und
auch konstante Varietäten auf. Dazu kommt, daß einige
nahestehende Arten nicht in allen Fällen auseinander-
gehalten werden können, weil unbedingt zuverlässige
konstante Merkmale entweder in beiden Geschlechtern
oder bei einem derselben fehlen. So sind, um nur ein
Beispiel letzterer Art anzuführen, die 2% von A. radians
WIk. und A. phalerata Harris auf den ersten Blick
zu erkennen, die 55 der beiden Arten dagegen sind sich
zuweilen so Ähnlich, daß es selbst einem gründlichen
Kenner schwer fällt oder gar unmöglich ist, mit Sicher-
heit anzugeben, welcher Art sie angehören. Der Fall
kann namentlich dann eintreten, wenn solche zweifelhaften
Exemplare von einer fremden Lokalität stammen. Diese
Dinge erschweren das Studium der nordamerikanischen
Aretia-Arten sehr, machen dasselbe aber gerade deswegen
um so interessanter. Das einzige Mittel, einigermaßen
Klarheit in dieser durch so viele farbenprächtige Arten
ausgezeichneten Lepidopterengruppe zu erlangen und die
Variationsmöglichkeit innerhalb einer Art kennen zu
lernen, ist die Zucht. Nun bietet ja erfreulicher Weise
die Zucht der Arctiiden im allgemeinen keine Schwierig-
keit — wenn man Zuchtmaterial hat. Dieses läßt sich
aber leider hier in Nordamerika nicht so leicht be-
schaffen wie in Europa, wo namentlich in Deutschland,
Oesterreich und der Schweiz, dank der vielen entomolo-
gischen Fachblätter und des durch sie geschaffenen leb-
haften Tausch- und Kaufverkehrs unter den Sammlern
und Forschern vielleicht mehr Material in Umlauf gesetzt
=
2 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
wird, als für die Erhaltung der Spezies in der freien
Natur gut ist. Wer in Nordamerika weit abseits der
eigentlichen Hochburgen der Entomologie wie New-York,
Brooklyn, Newark, Washington, Philadelphia, Boston und
anderen bevorzugten Plätzen wohnt und sich mit Lepi-
dopterenzucht befassen will, ist fast ganz auf sich selbst
angewiesen, falls es ihm nicht gelingt, mit gleichstreben-
den Kollegen in dauernde Verbindung zu kommen. Deren
scheint es aber nach meinen bisherigen Erfahrungen in
diesem großen Lande nicht sehr viele zu geben, da ich
mit meinen Tausch- und Kaufgesuchen in den wenigen
periodischen entomologischen Fachblättern absolut keinen
Erfolg hatte. Im Ganzen scheint die Zucht vom Ei ab
noch verhältnismäßig wenig betrieben zu werden. Wo
es geschieht, da sind es zumeist bevorzugte Gruppen,
wie z. B. die Catocalen, mit deren Zucht sich doch schon
manche befassen.
Mein leider vor einigen Monaten verstorbener sehr ge-
schätzter Freund Dr. Otto Seifert in Mount Vernon, N.Y.,
war einer der wenigen, die sich fleißig der ex ovo Zucht
widmeten. Namentlich waren es die Arctiiden, denen er
sein besonderes Interesse zugewendet hatte. Er hat sich
denn auch um die Kenntnis verschiedener nordamerika-
nischer Arctiidenarten durch ausgedehnte und verschiedene
Generationen hindurch fortgesetzte Zuchten verdient ge-
macht Die Beschaffung des erforderlichen Materials
bereitete aber auch ihm erhebliche Schwierigkeiten.
Immerhin hatte er, dank einiger guter Verbindungen im
Westen und infolge verschiedener von ihm nach Florida
und den Catskill Mountains ausgeführter Reisen Gelegen-
heit, Arten aus den verschiedensten Gegenden Nord-
amerikas zu ziehen. Er begnügte sich aber nicht allein
mit der Zucht, sondern stellte auch Temperatur-Experi-
mente mit den Puppen und Kreuzungsversuche mit den
Sehmetterlingen an, um einen ‚möglichst klaren Einblick
in die Verwandschafts- und Abstammungsverhältnisse zu
erlangen und die Variationsmöglichkeit der einzelnen
Arten in ihrem vollen Umfange kennen zu lernen. Mit
den Kreuzungsversuchen hatte er zwar, wie er mir
seinerzeit schrieb, wenig Glück, mehr erzielte er durch
die Temperaturexperimente. Die Resultate seiner Zucht-
ergebnisse, welche namentlich einige kritische Arten wie
radians WIk., phalerata Harris, nais, Dru., pro-
Max Rothke, Arctia figurata Dru. 3
xima Guer., ineorrupta Edw. und andere betrafen,
hat er in verschiedenen Abhandlungen veröffentlicht.
Tafeln mit ganzen Serien der von ihm ex ovo gezogenen
Arten sind diesen Abhandlungen beigegeben und zeigen
ein ziemlich vollständiges Bild von der Variabilität der
betreffenden Arten. — Es ist nicht der Zweck dieser
Arbeit auf jene Resultate näher einzugehen. Interessenten
seien auf die Originalarbeiten verwiesen.!)
Eine der selteneren Arten aus dem östlichen Nord-
amerika ist figurata Dru. Nach verschiedenen Autoren
soll sie vorwiegend dem Süden angehören. In den
Sammlungen scheint sie nur spärlich vertreten zu sein,
.besass doch Dr. Seifert seinerzeit von dieser Art in seiner
umfangreichen Arctiidensammlung nur ein Exemplar, das,
wenn ich mich recht erinnere, aus der Gegend von Boston,
Massachusetts, stammte. Vor einigen Jahren hatte ich
zweimal Gelegenheit, diese interessante Art vom Ei ab
zu ziehen. Beim ersten Zuchtversuch handelte es sich
nur um eine kleine Zahl Eier, in deren Besitz ich durch
einen glücklichen Zufall gelangt war. Ich erzielte damals
sieben Schmetterlinge, über die ich aber jetzt keinen
Aufschluß mehr geben kann. Ein Jahr später war ich
selbst so glücklich, in einem günstig gelegenen Tale in
der Umgebung von Scranton im nordöstlichen Pennsyl-
vanien am 30. Mai ein © dieser Art, auffallender Weise
bei hellem Tage, zu fangen, das mich auch mit einer
größeren Anzahl Eier beglückte. Einen Teil derselben
gab ich einem hiesigen Freund, dem ich die Eier vom
Jahre vorher verdankte. Er hatte wenig Erfolg und
brachte nur drei Raupen zur Verwandlung, von denen
er zwei Schmetterlinge erhielt. Bei mir ging die Zucht
entschieden besser und ich erzielte dank der sorgfältigen
Pflege, die ich den Raupen widmete, rund 60 fast aus-
nahmslos gut ausgebildete Exemplare.
Schon im Jahre 1907 habe ich über das Resultat
dieser Zucht in einer amerikanischen entomologischen
Zeitschrift kurz berichtet.2) Hier möchte ich dasselbe
I) Otto Seifert, Contributions to the knowledge of North American
Arctiidae. Part I, I, III in Journal New-York Entomological Society,
Vol. X. Part IV in The Canadian Entomologist, Vol. XXXVII, 1905.
2) M. Rothke, The Results of a breeding of Apantesis
figurata Drury. In Entomological News, Vol. XVIIL, 1907.
4 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
eingehender behandeln und die erhaltenen Schmetterlinge
von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. Zu-
nächst sei noch einmal kurz erwähnt, wie die Zucht be-
trieben wurde.
Die jungen N zog ich bis zu einer gewissen
Größe in kleinen Blechschächtelehen, wie man sie in den
Apotheken erhält. Später gelangten größere Behälter
zur Verwendung, in denen die Raupen aber gleichfalls
bis zur Verwandlung fast völlig. vom Tageslicht abge-
schlossen waren. Die Behälter standen in einem unge-
heizten Wohnzimmer. Gefüttert wurde im Anfange
Gartensalat, später meist Löwenzahn, einige erhielten
Salat bis zur Verwandlung. Vorweg sei hier bemerkt,
daß die verschiedenartige Fütterung von keinerlei nach-
weisbarem Einfluß auf die Färbung der Schmetterlinge
war, indem die gleichen Falter aus den getrennt be-
triebenen Zuchten später hervorgingen. Die Verpuppung
erfolgte Ausgangs Juli und Anfang August. Etwaige
Experimente wurden weder mit den Raupen noeh mit
den Puppen vorgenommen.
Ich habe leider seinerzeit versäumt, eine Beschreibung
der Eier und der verschiedenen Raupenstände aufzu-
zeichnen in der Annahme, daß diese schon bekannt seien.
Das scheint jedoch nicht der Fall zu ‚sein, da Beuten-
mueller in seiner Bearbeitung der Schmetterlinge von
New-York!) nichts von der figurata-Raupe erwähnt,
wogegen er bei den meisten anderen Arten Beschreibung
und Nahrungspflanze. mitteilt. Als eine große Unter-
lassungssünde sehe ich mein Versäumnis aus guten
Gründen allerdings nicht an. Die Arectia-Raupen sind
ja in ihrem Aeußeren und in der Lebensweise wenig
differenziert, es herrscht da sehr viel Uebereinstimmung
zwischen den verschiedenen Arten, selbst zwischen ferner-
stehenden, wie ich das an den präparierten Raupen ver-
schiedener von mir ex ovo gezogener Arten sehen kann.
Zeichnung ist bei den Arctia- Raupen überhaupt nicht
viel vorhanden und in der Färbung zeigt sich auch nur
wenig Verschiedenheit. Zum Glück habe ich aber da-
mals eine kleine Anzahl erwachsener figurata-Raupen
präpariert resp. ausgeblasen, von denen sich noch drei
I Bar William Beutenmueller, Descriptive Catalogue of the Bomby-
cine Moth found within fifty Miles of New-York City. New-York, 1908.
11 Se
EIEREN
Max Rothke, Arctia figurata Dru,
oa
in meiner Sammlung befinden. Der Vollständigkeit wegen
mag eine Beschreibung der Raupe und Puppe hier Platz
finden.
Die Raupen meiner Brut variierten fast gar nicht;
die drei in meiner Sammlung befindlichen stimmen in
allen deutlich sichtbaren Teilen überein. Die Größe der
ausgewachsenen Raupe beträgt bei gestrecktem
Körper 4!/, cm. Die Grundfarbe bei diesen präpa-
rierten Raupen ist wie bei allen anderen Arten
meiner Sammlung ein schwach durchscheinendes dunkles
sgraubraun, da auf der Bauchseite heller ist als wie auf
der Rückenseite. Auf der Mitte des Rückens befindet
sich eine etwas hellere schwach gelblich (oder rötlich,
wenn man will) schimmernde Linie, die wahrscheinlich
bei lebenden Raupen deutlicher sichtbar ist. Sie tritt
auf den drei Brustringen schärfer hervor als auf den
übrigen Segmenten; bei zweien meiner drei Exemplare
ist sie auf den Bauchringen fast gar nicht mehr sicht-
bar. Die Stigmen sind unbezeichnet, ebenso der Kopf.
Letzterer, wie die hornigen Brustfüsse, der Nachschieber
und die haaretragenden, kegelförmigen Warzen sind
glänzend und tiefschwarz. Die Bauchfüsse sind bräunlich-
ockergelb. Die Haare sind nicht sehr lang und stimmen
darin mit denen von proxima Guer. überein, sind
aber nicht so schwarz wie diese, sondern haben einen
braungrauen Schimmer, ähnlich wie die Hautfarbe. Die
Verpuppung erfolgt wie bei den anderen Arten in einem
lockeren Gespinnst, in welchen die Körperhaare zum Teil
mit verwoben werden. Manche meiner Raupen ver-
puppten sich ganz ohne Gespinnst. Nach der Verwandlung
haftet die abgestreifte Raupenhaut, ähnlich wie bei
virgo Linn, persephone Grt. und vielleicht noch
anderen Arten dem Puppenende an. Die Puppe selbst
ist wie bei anderen Arctiidenarten von ziemlich stumpfer
Form, dunkelschwarzbraun und schwachglänzend. —
Das Resultat meiner Zucht war in mehrfacher Be-
ziehung ein sehr bemerkenswertes. Es entwickelten sich
nämlich in Zeichnung und Färbung der Hinterflügel sehr
verschiedenartige Tiere, wie aus der zu dieser Ab-
handlung gehörigen Tafel zum Teil zu ersehen ist. Das
unter Fig. 14 dargestellte Exemplar ist die Mutter sämt-
licher auf der Tafel photographisch abgebildeten
6 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Schmetterlinge. Das %& des Elternpaares ist leider un-
bekannt. Kurz zusammengefaßt gingen folgende Haupt-
formen aus der Zucht hervor:
a) Hinterlügel rot mit schwarzem Saumband und
länglichem schwarzen Fleck oberhalb der Mitte nahe
am Vorderrande: 7 38 und 2 99. Tafel I Fig. 1,
2.405 und ’ıl®:
Dieselbe Form wie vorige, aber Grundfarbe der
Hinterffügel gelb statt rot: 4 &8 u. 3 29. Tafell,
Bie.77,28 und 11:
Hinterlügel schwarz mit spatelförmigem rotem
Fleck im Saumteile der Flügel. Der Fleck
variiert in der Größe sehr bis zu völligem Ver-
schwinden (Fig. 22); bei einigen Exemplaren tritt
noch ein kleiner rundlicher Fleck oberhalb der Mitte
der Flügel hinzu: 12 &5 und 15.9%. Tafel I Fig. 6,
122114, 115,,,16,218 2021.00 23;
d) Dieselbe Form wie vorher, aber mit gelbem statt
rotem Fleck: 885 und 9 9977 Varel’ Tr Eiesar
19, 17.4192 und 2%
Fig. 22 mit ganz schwarzen Hinterflügeln rechne ich
ebenfalls zu der letzteren Form, da die Färbung der
hellen Zeichnungen auf den Vorderflügeln sehr
hell, beinahe weiß ist, wie es bei fast allen gelben
Exemplaren der Fall ist. Unter der ganzen Serie befand
sich nur ein einziges Exemplar mit vollständig schwarzen
Hinterflügeln. Es ist der extremste Typus der Form mit
gefleckten Hinterflügeln. Einige Exemplare der Gesamt-
serie kommen ihm sehr nahe, so die Fig. 19 und 24.
Drei der gezogenen Stücke zeigen Neigung zum Albinis-
mus, wie auf der Tafel zu sehen ist, und zwar bei
Fig. 10 und 11 auf den Vorderflügeln und bei Fig. 12
auf den Hinterflügeln.. In den Abbildungen tritt das
nicht so deutlich in Erscheinung wie bei den Originalen.
Bei Fig. 10 z. B., das leider ein Krüppel ist, sind die
Vorderflügel hellgrau. Die drei Stücke gehören zudem
drei verschiedenen Formen an.
e
(©)
a
Die gelben Exemplare zerfallen wiederum in zwei
Gruppen, inhellockergelbe und dunkelocker-
gelbe. Letztere haben einen ganz schwachen blass-
rötlichen Schimmer und wiegen der Zahl nach vor. Ich
>
M. Rothke, Arctia figurata Dru.
-—ı
habe in meinem damaligen kurzen Bericht in der
Entomological News den Ton als fleischfarbig bezeichnet
und betrachtete diese Exemplare gewissermaßen als
Mittelform zwischen den hellgelben und den roten. Dieses
. ist nicht ganz korrekt. Eine genaue Untersuchung der
Schuppen unter der Lupe hat mich anders belehrt. Es
sind im Grunde genommen zwei verschiedene gelbe
Formen. Bei den hellgelben Exemplaren sind alle
Schuppen hellockergelb, bei den dunkelgelben kommen
hellockergelbe und dunckelockergelbe vor, jedoch nicht
se, daß dieselben etwa zweifarbig sind oder gemischt
auftreten, sondern die Schuppen am Vorderrande, an der
Wurzel und zum Teil in den Flügelfalten, sowie die
Haare am Innenrande sind hellockergelb, die übrigen
Schuppen dunckelockergelb. Der Zahl nach über-
wiegen die letzteren, da sie einen größeren Raum der
Flügelfläche einnehmen. Bemerken möchte ich hier noch,
daß der schwarze Flügelsaum in der gebänderten Form
bei einigen Stücken schmäler, bei anderen breiter ist.
Die Grundfarbe der Vorderflügel ist bei allen Exemplaren
schwarz mit schwachem bräunlichen Schimmer. Die
hellen Längs- und Querstreifen sind nur bei einem
Exemplar reinweiß und zwar bei dem albinistischen,
Fig. 11, bei allen übrigen haben diese einen mehr oder
weniger wahrnehmbaren rosaroten Schimmer; am stärksten
tritt dieses hervor bei den Originalen der Fig. 15 und 16.
Die Zeichnung selbst ist wieder sehr variabel. Der Längs-
streifen vor dem Innenrande wie auch der hintere Quer-
streifen sind bei allen Exemplaren immer vollständig
vorhanden, der vordere Querstreifen nahe der Flügel-
wurzel dagegen nur teilweise, ja manchmal fehlt er ganz,
so in Fig. 6 und 24. Die =-Zeichnung im Saumteile
der Vorderflügel ist nur bei wenigen Stücken vollständig,
so in Fig. 13, 15, 16, bei den meisten ist nur ein spitz-
winkliger Ansatz > in der Mitte des Querstreifens zu
sehen. Auch die Breite der Streifen wechselt sehr. Bei
einigen Exemplaren tritt sogar ein schmaler Streifen
dicht am Innenrande der Vorderflügel auf, so bei den
Fig. 13. und 16. Bei Fig. 15 ist dieser ganz schwach
angedeutet. Diese Zeichnungsvermehrung weisen also
gerade diejenigen Exemplare auf, welche auch die volle
=-Zeichnung besitzen. Auch bei einem nicht abgebildeten
Stück meiner Serie ist das deutlich zu erkennen. Bei
8 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
diesen vier Exemplaren ist ferner eine schwache An-
deutung einer farbigen Vorderrandslinie an der Wurzel
der Vorderflügel vorhanden, welche beim ausgeprägtesten
Exemplar, Fig. 16, nicht ganz bis zum vorderen Quer-
streifen reicht. Wir gewinnen daraus die Erkenntnis,
daß die Zunahme der Vorderflügelzeichnung bei figurata
successive erfolgt. Mit den Zeichnungen auf den
Hinterflügeln steht nun die Ab- oder Zunahme der
Vorderflügelzeichnung in gar keinem ursächlichen Zu-
sammenhange. Bei dem oben erwähnten nicht abge-
fildeten Exemplar mit reicher Zeichnung auf den Vorder-
bügeln zum Beispiel sind auf den Hinterflügeln nur zwei
kleine verschwindende Fleckchen vorhanden, ähnlich wie
bei Fig. 19. Dagegen fehlt bei dem Exemplar mit ganz
schwarzen Hinterflügeln. Fig. 22, die =&-Zeichnung auf
den Vorderflügeln fast völlig. Nun befindet sich aller-
dings unter den Formen mit gebänderten Hinterflügeln
kein Stück, welches die S-Zeichnung vollständig hat;
aber es ist zu berücksichtigen, daß unter den gezogenen
60 Exemplaren überhaupt nur vier diese Zeichnung
vollständig aufweisen, und daß ein weit überwiegender
Prozentsatz der Schmetterlinge, annähernd dreiviertel,
der gefleckten Form angehört. —
Es bestand bislang hinsichtlich der Nomenklatur
bei figurata Dru. und ihrer nächsten Verwandten
phyllira Dru. und deren Formen einige Ungewissheit,
wie aus der Literatur hervorgeht. Ich glaube aber an-
nehmen zu dürfen, daß das Resultat meiner Zucht einiges
zur Klarstellung beigetragen hat. Die aus der Zucht in
beschränkter Zahl hervorgegangene Form mit schwarz
gesäumten Hinterflügeln ist unzweifelhaft die typische
figurata Dıu. Zwar ist mir Drury’s Original-
beschreibung unbekannt, die gezogenen Exemplare '\
stimmen aber, abgesehen von kleinen Abweichungen in
der variablen Oberflügelzeichnung, sehr gut mit der von
Holland in seinem Moth Book!) auf Taf. XV. Fig. 12
gegebenen Bild überein. Indes ist fast bei allen das
schwarze Saumband breiter als in der Abbildung. Die
Frage ist nun, wozu gehört die Form mit gefleckten
Hinterflügeln ? Und wozu gehören die gelben Exemplare?
I) W. Holland, The Moth Book, A popular guide to the know-
ledge of the Moth of North America, New-York 1903.
a
M. Rothke, Arctia figurata Dru. 9
Dyar in seinem großen Kataloge!) führt unter den
No. 890, 891 und 892 drei naheverwandte Arten auf:
phyllira Dru., celia Saunders und figurataDru.
Bei phyllira finden wir dort zwei Varietäten ver-
zeichnet: excelsa Neum. und favorita Neum,,
während bei celia und figurata Varietäten fehlen.
Smith in seinem Katalog?) ist ihm hierin gefolgt. Beu-
tenmueller gibt in seiner bereits oben zitierten Arbeit
über die Bombyciden New-Yorks figurata, celia
und excelsa als Varietäten von phyllira an. Holland
wiederum folgt in seinem „Moth Book“ Dyar, jedoch
mit dem Unterschied, daß er einfach excelsa Neum.
und favorita Neum. als Synonyme von phyllira be-
trachtet.
Man ersieht aus diesen kurzen Angaben, daß in der
Literatur da noch ziemlich Verwirrung herrscht, woraus
der Schluß zu ziehen ist, daß diesen Autoren wenig
Material der betreffenden Arten und Varietäten zur Ver-
fügung gestanden hat. Die von Beutenmueller in seiner
Fauna New - York’s gegebene kurze Diagnose von
excelsa passt nun ganz vortrefflich auf die von mir
gezogene Form mit rot gefleckten Hinterflügeln. Nun hat
aber Dyar diese Varietät zu phyllira gestellt und
betrachtet figurata als gesonderte Art. Otto Seifert,
der über ein reiches Arctiidenmaterial verfügte, schrieb
mir seinerzeit auf meine Anfrage, daß er nach der an
Hand habenden Literatur und nach dem im American-
Museum of Natural History (New- York) und in seinem
Besitz befindlichen Material (welch letzteres inzwischen
durch einige Exemplare obiger Zucht vermehrt worden
war) zu folgendem Resultat komme:
figurata Dru., Hinterflügel rot mit schwarzem
Saumband.
var. excelsa Neum., Hinterflügel schwarz mit
großem roten Mittelfleck.
var. celia Saunders, Hinterflügel goldgelb mit
sehr breitem schwarzen Saumband.
!) Harrison G. Dyar, A list of North American Lepidoptera and
key to the literature of this order of Insects. Washington, 1902.
2) John B. Smith, Check list of Lepidoptera of Boreal America.
Philadelphia, 1903.
10 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Auch nach diesen etwas kurz gefaßten und allgemein
gehaltenen Diagnosen kann man die gefleckte Form
meiner Zucht als excelsa Neum. ansehen und die
gelben figurata eventuell als celia Saunders. Um
nun möglichst volle Klarheit zu erhalten, wandte ich
mich kurz vor Abfassung dieser Arbeit noch an Professor
Beutenmueller in New-York und Dr. Dyar in Washington
und sandte beiden eine Originalphotographie der dieser
Arbeit beiliegenden Tafel ein. Ich erbat mir dabei ihre
nunmehrige Ansicht nach der gegenwärtigen Sachlage
der Dinge. Beide Herren entsprachen meinem Wunsche
sofort. Prof. Beutenmueller schrieb mir, daß er sich
jetzt nicht mehr genau entsinne, welchem Autor er bei
Abfassung seiner Arbeit gefolgt sei, jedenfalls täte ich
besser, mich an Dr. Dyar’s Einteilung zu halten, da er
in Arctiiden nicht genau Bescheid wisse. Dr. Dyar be-
merkte in seinem Briefe, „er glaube jetzt, daß er in
seinem Kataloge var. excelsa falsch plaziert habe.
Er schlösse sich Dr. Seifert’s Einteilung an, mit der
Ausnahme, daß celia Saunders von figurata zu
trennen sei und als eigene Art geführt werden müsse,
da celia aus dem Norden stamme, wo figurata bis
jetzt noch nicht gefunden worden sei.“ — Ich selbst
kenne eelia nicht, kann mir somit kein Urteil darüber
erlauben und schließe mich deshalb seiner Auffassung
an. Darnach wäre die Nomenklatur wie folgt zu
berichtigen:
TTrüUheT jetzt
Asphytllira'Dru. A. figurata Dru.
var. excelsa Neum. var. excelsa Neum.
var. favorita Neum. A. celia Saund.
A. celia Saund. A..phyllira Dre
A. figurata Dru. var. favorita Neum.
Figurata haben wir jedenfalls als die Stammform an-
zusehen, da es ja verschiedene Arten sowohl in der
nearktischen und auch in der palaearktischen Region
im Genus Arctia mit schwarzgesäumten Hinterflügeln
gibt. Es ist mir aber sonst keine Art oder Varietät be-
kannt, welche solche Zeichnungscharaktere auf den
Hinterflügeln besitzt wie excelsa. Die aus der Zucht
hervorgegangenen gelben Exemplare könnte man, falls
sie eine Bezeichnung verdienen, ihrem charakteristischen
'M. Rothke, Arctia figurata Dru. 1:1
Kennzeichen entsprechend forma flava nennen.
Allerdings hätten wir dann eine figurata flava
und eine excelsa flava. Doch derartigen Be-
nennungen dienen ja mehr einer leichteren und schnelleren
Bezeichnung bestimmter Formen, die, meine ich, so kurz
und präzise als möglich gefaßt werden sollten, wissen-
schaftlich haben sie ja wenig Wert. Wollte man dem
Beispiele mancher Lepidopterologen folgen und jede
kleinste Abweichung berücksichtigen, so könnte man mit
leichter Mühe aus dem Materiale obiger Zucht noch ein
halb Dutzend Formen benennen. Aber wozu das? Ich
denke es genügt vollkommen, wenn die Haupttypen mit
Namen belegt werden. —
Faßt man die auf der Tafel dargestellten Bilder der
beiden Hauptformen figurata und excelsa näher
ins Auge, so fällt es auf, dass Uebergänge resp. Mittel-
formen zwischen denselben gänzlich fehlen. Auch ist zu
beachten, daß der farbige Fleck bei excelsa sich
gerade dort befindet, wo bei figurata alles schwarz ist.
Für mich unterliegt es deshalb keinem Zweifel, daß wir
in der var. excelsa einen konstanten Typus vor uns
haben, der bei einer fortgesetzten Paarung mit figu-
rata nicht erlischt, sich auch nicht mit der Stammform
vermischt, sondern seine Merkmale konstant auf einen
Teil der Nachkommensechaft vererbt, daß wir es also bei
dieser Form mit einer Mutation im De Vries’schen Sinne
zu tun haben. Diese Vermutung wurde schon vor
längerer Zeit in mir rege, ich wollte aber nicht so ohne
Weiteres mit diesem Gedanken hervortreten, da mir der
untrügliche Beweis, der nur durch fortgesetzte Zucht
erlangt werden kann, dafür fehlt, und weil mich unlieb-
same Erfahrungen vorsichtig gemacht haben. Ich wandte
mich deshalb an meinen hochverehrten Freund Professor
Dr. Standfuss in Zürich und bat ihn um sein Gutachten
in dieser Sache. Unter den Entomologen aber kenne ich
keine kompetentere Persönlichkeit, die in einer solchen
Frage ein maßgebendes Urteil abgeben kann, wie gerade
Professor Standfuss, hat er doch durch seine in jeder
Beziehung so prächtige Arbeit über Aglia tau L.
und deren Mutationen fere nigra Th. Mg. und
melaina Gross im vorvorigen Jahrgang dieser Zeit-
schrift gezeigt, wie sehr er sich für diese Dinge interessiert
und wie er mit außerordentlichem Fleiß und Geschick
1% Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
und in exaktester Weise den wissenschaftlichen Problemen
nachzuspüren weiß, um deren Lösung herbeiführen zu
helfen. !)
Nun, auch Prof. Standfuss glaubt, daß ich mit
meiner Ansicht recht habe, daß bei den vorliegenden
Formen diskontinuierliche Vererbung vorliegt, und daß
wir es hier mit Zeichnungs- und Färbungscharakteren
zu tun haben, die hinsichtlich ihrer Vererbung den
Mendelschen Regeln folgen. Standfuss nimmt sogar an,
daß hier von vornherein zum mindesten zwei allelomorphe
Paare von Charakteren des Färbungskleides in Rechnung
zu ziehen seien: 1) Rot und gelb, wobei rot dominant,
gelb rezessiv sein dürfte. 2) Der überwiegend gesch wärzte
Hinterflügel der mut. excelsa gegenüber dem nur am
Saume geschwärzten der Grundform figurata. Bei
letzterem werden höchstwahrscheinlich die Charaktere
von excelsa dominant und die von figurata
rezessiv sein, wie dies wohl meist, wenn nicht immer,
bei vorwiegend geschwärzten Formen gegenüber weniger
geschwärzten oder andersfarbigen bei einer Mischpaarung
der Fall ist. Die vielen Kreuzungen, welche Standfuß
besonders mit Aglia tau und deren dunklen Mutationen
ferenigra und melaina vorgenommen hat, haben
ja auch stets das gleiche Resultat ergeben. ?)
Faßt man das Zahlenverhältnis der aus obiger
Zucht hervorgegangenen figurata und excelsa
Exemplare näher ins Auge, so glaube ich, daß
!) Ich möchte an dieser Stelle Herrn Professor Standfuss auch
öffentlich dafür Dank. sagen, daß er als einer der ersten in unseren
entomologischen Zeitschriften die Schmetterlingsaberrationen bezw.
-varietäten von diesem wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet,
wie es von hervorragenden Botanikern bei den Pflanzenvarietäten
schon seit Jahren geschehen ist. \
Aber nicht nur die Entomologen allein sind diesem bedeutenden
Forscher Dank schuldig. Mir scheint. daß seine nun schon über ein
Menschenalter hindurch betriebenen gründlichen und mit so seltener
Sachkenntnis ausgeführten vielen wissenschaftlichen Experimente
mit Schmetterlingen und deren bedeutsame Ergebnisse in den Kreisen
der Zoologen und Botaniker die ihnen gebührende Beachtung noch
nicht gefunden haben.
2) Vergl. seine diesbezügl. größ. Arbeit: M. Standfuss, „Chaero-
campa (Pergesa) elpenor L. ab. daubi Niep. und einige
Mitteilungen über Wesen und Bedeutung der Mutationen, illustriert
an Agliatau L.“ — „Iris“, Dresden, Band XXIV, Heft 8 und 9.
M. Rothke, Arctia figurata Dru. 13
man darnach fast einen Schluß auf das männliche
Exemplar des Elternpaares ziehen darf. Das weibliche
Exemplar (Fig. 14) ist ja eine excelsa. Nach der
üblichen Auffassung einer solchen Sachlage, wie die in
diesem Falle gegebene, würde man für das väterliche
Exemplar höchstwahrscheinlich ein figurata 5 an-
nehmen. Zieht man aber das Mendelsche Gesetz der
alternativen Vererbung in Rechnung, so ist das nicht
möglich; denn darnach wäre bei einer solchen Paarung
der figurata-Typus in der ersten Generation der
Nachkommenschaft für das Auge wenigstens völlig aus-
geschaltet worden, um dann erst bei fortgesetzter Paarung
von zwei aus jener Verbindung hervorgegangener Indivi-
duen unter den Nachkommen den figurata-Typus
wieder erscheinen zu lassen und zwar zu ein viertel der
Gesamtzahl der Abkömmlinge. Ein solches Zahlen-
verhältnis liegt nun gerade bei obiger Zucht zwischen
den figurata-und excelsa-Exemplaren vor, nämlich
16 zu 44. Dieses Verhältnis ist allerdings nicht ganz
genau, es müßte 15 zu 45 sein; aber solche kleine Ab-
weichungen von der Regel können ja bei derartigen
Kreuzungen vorkommen. Auch ist in Rechnung zu
ziehen, daß nur ein Teil der Brut sich bis zu Schmetter-
lingen entwickelte, wodurch höchstwahrscheinlich diese
kleine Verschiebung in: dem Zahlenverhältnis herbei-
geführt wurde. Darnach läßt sich nun schließen, daß
das männliche sowohl wie das weibliche Exemplar des
Elternpaares zu excelsa gehörte. Beide waren aber
nieht rasserein, sondern besaßen in ihren Keimdrüsen
neben 50°/, Keimzellen der Varietät auch 50°, Keim-
zellen der Stammform, vorausgesetzt natürlich, daß beide
von einem Mischpaare einer rassereinen figurata und
einer rassereinen excelsa abstammten;, wobei es dann
gleichgültig ist, welchem Geschlecht die eine oder die
andere Form angehörte, da das Geschlecht nach-
gewiesenermaßen in dieser Beziehung keinen Einfluß auf
die Nachkommenschaft ausübt. Ein solcher ziemlich weit-
gehender Rückschluß mag etwas gewagt erscheinen, ist
aber doch, meine ich, wenn man das obige auffallende
Zahlenverhältnis in Betracht zieht, auf Grund der
Mendelscehen Vererbungsregeln nicht ganz unberechtigt.
Anders liegen die Dinge freilich, wenn man einen
Vergleich in der Individuenmenge zwischen den roten und
14 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
gelben Exemplaren zieht. Es gingen aus der Zucht 36
rote und 24 gelbe Exemplare hervor. Das ist ein ganz
anderes Verhältnis wie 3 zu 1. Hier noch einen Rück-
schluss zu wagen, wäre doch wohl nur ein Tappen im
Dunkeln.
Die reiche Mannigfaltigkeit in der Zeichnung der
Hinterflügel, die sich unter den excelsa Exemplaren
vom mütterlichen Typus (Fig. 14) an mit grossem spatel-
förmigem Fleck bis zu völligem Verschwinden desselben
(Fig. 22) zeigt, gibt auch zu verschiedenen Deutungen
Anlass, ieh glaube aber nicht, dass auf Grund des aus
nur einmaliger Zucht gewonnenen Materials bei der-
artigen Spekulationen etwas brauchbares herauskommt.
Deshalb wäre es gewiss von hohem Interesse gewesen
und hätte möglicherweise weitere Einblicke in die Ab-
stammungs- und Vererbungsfrage der verschiedenen
Formen gebracht, wenn die Zucht hätte fortgesetzt werden
können. Leider aber versagten die verschiedenen 5%
und 99, die ich von beiden Formen zu Paarungszwecken
verwendete, aus mir unbekannten Gründen völlig. Mangel
an Erfahrung meinerseits und deswegen vielleicht ver-
kehrte Handhabung war nicht die Ursache des Misslingens,
da ich mehrfach sowohl bei nordamerikanischen Arten
wie auch bei europäischen aus Innzucht hervorgegangene
Individuen der Gattung Aretia mit gutem Erfolge sich
habe paaren lassen. Uebrigens paaren sich ja die
Arctiiden auch in der Gefangenschaft in der Regel leicht.
Ich hatte immer noch gehofft. ein glücklicher Zufall
würde mir noch einmal ein @ im Freien in die Hände
spielen. Bis jetzt waren aber alle meine Bemühungen
vergeblich. Ein einziges mal fand ich seitdem ein ab-
geflogenes figurata 5 am elektrischen Licht.. Die
Hoffnung gebe ich indessen noch nicht auf. \
Den verschiedenen Herren, die mich durch ihre
Aufklärungen bei dieser Arbeit freundlichst unterstützt
haben, möchte ich auch an dieser Stelle verbindlichen
Dank sagen.
Otto Stertz, Makrolepidopteren Teneriffas. 15
Beiträge zur Makrolepidopteren - Fauna
3 der Insel Teneriffa.
Von Otto Stertz. Breslau.
(Hierzu Tafel I.)
In den Jahren 1908 und 1909 nahm ich von Anfang
März bis Anfang April Aufenthalt in Orotava auf der
Insel Teneriffa, um dort in der milden, heilkräftigen
Frühlingsluft Erholung zu suchen, die ich auch fand. Ich
mietete mich in dem grossen Hotel „Humbolds Kurhaus“
ein, dessen Lage die denkbar schönste ist. Auf einem
grossen, steilabfallenden Lava-Vorsprung steht es inmitten
der üppigsten Blumen- und Gartenanlagen echt tropischen
Gepräges, etwa 250 Meter über dem zu dieser Jahreszeit
in steter, wildtosender Brandung befindlichen Ozean und
der eigentlichen Stadt Puerto Orotava.
Von der langen, breiten Hotelterrasse geniesst man
einen überwältigenden Ausblick nordwärts auf das Meer
und die freundliche Stadt, nach Westen auf den mächtigen
Tigaiga- Rücken und den gewaltigen berühmten Pie
de Teide, am Fusse des Tigaiga auf das Städtchen
Realejoalto.
Das eigentliche Hotelgebäude entsendet nach Süden
zu zwei lange Seitenflügel, die dadurch einen grossen
Ehrenhof bilden. Von hier aus bietet sich dem staunen-
den Auge der Blick auf das weite fruchtbare und
vulkanisch zerrissene, berühmte Orotavatal bis zu dem
etwa 1300 Meter hohen Cumbre-Gebirge. Dieses teilt
die Insel in eine nördliche, gemässigte, fruchtbare und
eine südliche echt afrikanische, tropische, wenig frucht-
bare Hälfte.
An den Ehrenhof des Hotels schliesst sich ein grosser
Palmenpark an, in dem auch die englische Kirche (guter
Fangplatz) erbaut ist, rings herum liegt eine Anzahl
englischer Villen und Landsitze, eingebettet in paradiesische
Gärten. Jede Wand und jede Mauer ist hier mit Blüten
der tiefroten Bougainvillia und scharlachroten Geranien
überzogen.
16 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Oestlich vom Hotelpark liegt der alte, von dem
Schweizer Wildprett angelegte botanische Garten, der
ausser etwa 40 verschiedenen Palmenarten auch ansehn-
liche Exemplare des Drachenbaums enthält. Auf Fuss-
wegen mit Ueberschreitung des Baranco Martianez ist
der Ausflug nach dem botanischen Garten ein lohnender,
besonders auch in entomologischer Hinsicht. Der An-
blick all dieser Wunder hinterlässt bei dem Naturfreunde
bleibende, tiefe Eindrücke.
Meine entomologische Tätigkeit durfte mit Rücksicht
auf meine Rekonvaleszenz nur sehr beschränkt sein,
trotzdem gelang es mir, das Meiste der an sich geringen
Artenzahl der Inselfauna zu erbeuten.
Dieses günstige Ergebnis verdanke ich wesentlich
dem Umstande, dass ich vier an der Hotelfront für mich
leicht zugängliche grosse Bogenlampen zum Lichtfang
zur Verfügung hatte.
Nieht unerwähnt will ich lassen, dass von diesen
Lampen nur eine, die nordwestlich gelegene von Insekten
zahlreich besucht wurde, während an den übrigen drei
Lampen so gut wie nichts zu erbeuten war.
Unter meiner Ausbeute befanden sich nicht weniger
als 6 für die Insel neue Arten und eine Tephroelystia
nov. spec.
In den folgenden Zeilen will ich über meine Fang-
ergebnisse berichten; wo nichts besonders gesagt ist,
gilt für den Fang die Zeit vom 10. März bis Anfang
April in beiden Jahren.
Pieris brassicae L. var. cheyranthi Hb. In der Um-
gebung des Hotels vereinzelt. Auf der Fahrstrasse nach
Icod flog die Art in Massen an einer steilen wenig zu-
gänglichen Stelle. Die grünen Puppen fand ich verein-
zelt an Agaven und zog den Falter.
Pieris rapae L. var. leucotera Stef. Ueberall und
häufig.
Pieris daplidice L. Auf trockenen Wiesen am bota-
nischen Garten und am Strande häufig. Die var. b elli-
dice Ochs. traf ich auf Teneriffa nicht an.
Colias edusa F. Ueberall vereinzelt, auf den
trockenen Wiesen am botanischen Garten häufiger. Die
Otto Stertz, Makrolepidopteren Teneriffas. {7
ab. helicee Hb. und helieina Obth. erbeutete ich eben-
falls in einigen Exemplaren.
Gonepteryx cleobule Hb. Vereinzelt in der Um-
gebung von Orotava; die Art fliegt sehr hoch und ist
schwer zu fangen. Sie muss an anderen Lokalitäten
nicht zu weit von ÖOrotava gemein sein, denn als ich
dem Apotheker am Ort (ein Sammler für alles) Auftrag
gab, mir von der Art eine Anzahl zu besorgen, sandte
er mir 2 Tage darauf ins Hotel 70 Exemplare, die noch
spannweich waren. Ich war nicht wenig darüber erstaunt.
Pyrameis ataianta L. Sehr selten unter der nach-
folgenden Art anzutreffen.
Pyrameis indieca Hbst. var. vuleaniea God. In den
Parkanlagen des Hotels häufig, wo man sie an den
Orangeblüten leicht fangen kann. Auf einer Dorfstrasse
bei den Palmeros fand ich die Raupe auf Brennessel in
Anzahl; die schönen Falter entwickelten sich während
der Heimfahrt auf dem Ozean.
Pyrameis eardui L. Ueberall nur vereinzelt.
Pyrameis virginiensis Dru. Anfang März 1 Exemplar
bei Tacaronte.
Danais chrysippus L. var. eanariensis u. ab. aleippus
F. Nicht häufig und seines hohen Fluges wegen schwer
zu erbeuten. Anfang April fand ich in dem Baranco
Martianez an einem blumenreichen Abhange die Raupen,
Puppen und Falter in Anzahl, eben so die von Danais
plexippus.
Pararge aegeria L. var. xiphioides Stgr. Ueberall
häufig, seltener im 2 Geschlecht.
Epinephele jurtina L. var. fortunata Alph. Anfang
April 1908 in Santa Cruz 1 & und 19.
Chrysophanus phlaeas L. Vereinzelt auf trockenen
Wiesen, die Art variiert hier sehr in der Grösse und
dem Aussehen. Ich erbeutete auch einige schöne
Exemplare der var. eaeruleopuncta Stgr.
Lampides boetieus L. Häufig in dem Baranco hin-
ter dem Friedhof.
Lampides webbianus Brulle. Am 20. März 1908 in
einem Baranco bei Icod in sehr geflogenem Zustande
*2
18 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1912.
angetroffen. Die Flugzeit des Falters dürfte im Dezbr.—
Februar sein.
Lycaena Iysimon Hb. var. Sehr häufig in dem
Baranco hinter dem Friedhof.
Lyeaena astrarche Bgstr. var. eramera Eschh. Im
Baranco Martianez vereinzelt, am 20. März 1908 in einem
Baranco bei Icod in Anzahl.
Adopaea christi Rbl. Anfang April 1909 1 Expl. im
botanischen Garten.
Protoparce convolvuliL. var. batatae Christ. Einige
Exemplare am Licht erbeutet.
Deilephila tithymali B. Nicht selten am Licht. Ich
fand die erwachsenen Raupen an Euphorbia Canariensis;
die Falter entwickelten sich im Dezember bis Februar.
Ein prächtiges tief dunkles 2 kam am 24. Dezember
1909 aus.
Deilephila lineata F. var. livorniea Esp. In 6 Exem-
plaren am Licht. Bis dahin war das Vorkommen der
Art auf Teneriffa nicht erwiesen.
Uhaerocampa celerio L. Nicht selten am Licht.
Macroglossa stellatarum L. Ueberall angetroffen.
Dasychira fortunata Rghfr. Nur ein © Exemplar
am 25. März 1909. Die Art ist sicher in den höher be-
waldeten Gebirgslagen häufig.
Agrotis pronuba L. ab. innuba Tr. Einige auffallend
dunkle Stücke am Licht.
Agrotis spinifera Hb. Häufig am Licht und an
Mauern sitzend angetroffen.
Agrotis ypsilon Rott. Selten am Licht. \
Agrotis trux Hb. In wenigen sehr abgeflogenen
Stücken am Licht in der Form var. lunigera Steph.
Agrotis saueia Hb. Häufig am Licht, an manchen
Abenden in störender Menge.
Agrotis canariensis Rbl. (Tafel II,,Fig. 6 und 7.)
Diese interessante Art, der ich ganz besondere Aufmerk-
samkeit zuwandte, erbeutete ich im März am Licht in
Otto Stertz, Makrolepidopten Teneriffas. 19
563 9, die ziemlich von einander abweichen. Der Ver-
such mit 2 99, eine Eiablage zu erzielen, misslang.
Mamestra maderae Baker (Tafel II, Fig. 8). Diese für
Teneriffa neue hochfeine Art fing ich in einem @ Exempl.
am 22. März 1908 am Licht.
Perigea eireuita Gn. In wenigen Stücken am Licht.
Hadena atlanticum Baker (Tafel II, Fig. 9 und 10).
Ich erbeutete diese Art vom 10. bis Ende März 1908 und
1909 in einer kleinen Anzahl am Licht. Ich wiederhole
hier die von mir Herrn Professor Dr. Rebel gemachten
und von ihm in XXIV. B.d. A. des K.K. Hofmuseums
veröffentlichten Mitteilungen. Am 10. März 1909 erzielte
ich von der Art eine Eiablage, die Räupchen kamen
nach 6 Tagen heraus; sie nahmen gern welken Salat.
Am 8. April wurden die bereits ca. 1 cm langen smaragd-
grünen Räupchen über Nacht von Ameisen angefallen
und verzehrt. Nur aus einer unbeachtet gebliebenen
Raupe, die ihre Nahrung mit den von mir gezogenen
Prodenia littoralis fand, entwickelte sich am
6. Novbr. 1909 ein kleines sehr dunkles ©.
Brotolomia wollastoni Baker (Tafel II, Fig. 13). Diese
sehr interessante für Teneriffa ebenfalls neue Art er-
beutete ich am Licht Anfang April 1908 in 2 99 Expl.
Das von mir dem K. K. Hofmuseum überlassene Stück
ist in dem XXIV. B.d. A. des K. K. Hofmuseums auf
Tafel XI, Fig. 19, abgebildet.
Callopistria latreillei Dup. In einem abgeflogenen
Exemplar am Licht, März 1908.
Prodenia littoralis BB Sehr häufig; an manchen
Abenden zu hunderten am Licht. Ich zog den Falter in
Anzahl aus dem Ei. Er entwickelte sich nach drei-
wöchentlicher Puppenruhe im Juli und August.
Sesamia nonagrioides Lef. In einigen sehr grossen
Exemplaren am Licht im März 1908.
Leucania loreyi Dup. In einem Exemplar am Licht,
Anfang April 1908.
Leucania vitellina Hb. Die Art kam an manchen
Abenden so häufig ans Licht, dass der Fang anderer
20 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Arten unmöglich wurde. Die Falter sind bis tief leder-
braun gefärbt.
Leucania uaipuneta Hw. Auch diese Eule kam
manchmal recht häufig an die Lampe.
Caradrina exigua Hb. Vereinzelt Anfang März auch
in der ab. pygnıaea Rohr.
"_Caradrina selini B. var. rebeli Stgr. (Tafel II, Fig. 14 u.
15). Vereinzelt im März und April am Licht fast nur im
© Geschlecht. Ich zog diese Art 1909 aus dem Ei. Die
Eiablage erfolgte in den ersten Apriltagen. Aus den
rundlich weissen Eiern schlüpften nach 8 Tagen die
Räupchen, den.n ich als Futter welken Salat, Brot und
Apfelschalen sab. Von Mitte bis Ende Juni erfolgte ihre
Verwandlung zur Puppe, die Falter erschienen nach
6—7 Wochen. Gestalt, Behaarung und Warzenbildung
d. R. waren wie bei jener von Caradrina quadripunc-
tata oder selini. Der Kopf glänzend braun-schwarz,
der Rücken dunkelgraubraun, unter der Lupe gesehen
heller gerieselt, auf den Subdorsalen wie bei d. R. von
Caradr. morpheus schwärzliche Keilfleekchen. Die
übrigen Zeichnungen ganz undeutlich. Die Bauchseite
matter grau.
Caloecampa exoleta L. Anfang April 2 sehr grosse
lebhafı gefärbte Stücke am Licht.
Caeullia elattariae Esp. Anfang April 1908 ein
stark geflogenes © dieser für die Insel Teneriffa
neuen Art.
Eutelia adulatrix Hb. In wenigen Stücken am Licht.
Heliothis dipsacea L. Ein © dieser Art von ausser-
ordentlich dunkler Färbung der Vorderflügel und lebhaft
gel»en Zeichnung der Hinterflügel. Anfang April 1908
am Licht.
Heliothis peltigera Schiff. und Jarmigera Hb. Von
beillen Arten wenige Stücke am Licht, von den euro-
päischen nicht abweichend.
Galgula partita Gn. Nicht zu häufig am Licht stets
nur im & Geschlecht. Im Baranco Martianez und auf
eier dürren Wiese am botanischen Garten { scheuchte
ich sie am Tage in beiden Geschlechtern auf.
Otto Stertz, Makrolepidopteren Teneriffas. 21
Cosmophila erosa Hb. Einige Exemplare Anfang
April 1909 in Santa Cruz am Licht.
Abrostola tripartita Hufn. (Tafel II, Fig. 16). Ver-
einzelt in mehr oder weniger stark geflogenen Exempl.
gegen Mitte März am Licht. Die Art unterscheidet sich
von der europäischen durch wesentlich kleinere Figur
und hellere Färbung.
Plusia aurifera Hb. Häufig am Licht. Ich zog die
Art aus den auf Salat gefundenen Raupen.
Plusia signata F. Nur 3 sehr stark geflogene Stücke
am Licht Anfang April 1909.
Plusia chalcytes Esp. Machte sich an manchen
Abenden ebenfalls durch zu reichlichen Besuch am Licht
unangenehm bemerkbar.
Plusia gamma L. Kam vereinzelt ans Licht.
Plusia eircumflexa L. Vereinzelt am Licht. Auch
diese Art zog ich ans den an Salat gefundenen Raupen;
die Falter erschienen im Mai und Juni.
Plusia ni Hb. Kam häufig ans Licht; vereinzelt
waren sehr dunkel gefärbte Exemplare darunter, wie
südamerikanische.
Pseudophia tirhaca Cr. Ein stark geflogenes 9 im
März 1908 am Licht.
Apopestes exsiccata Led. Leider erbeutete ich von
dieser feinen Art nur ein stark geflogenes & Mitte März
1908. Sicherlich fällt ihre Flugzeit in frühere Monate.
Hypena lividalis Hb. und obsitalis Hb. Sowohl am
Licht wie am Tage überall häufig.
Eucrostes simonyi Rbl. (Tafel II, Fig. 18). In weni-
gen Stücken am Licht im April.
Acidalia guancharia Alph. (Tafel II, Fig. 17). Diese
feine Geometride erbeutete ich in Anzahl am Licht. Es
gelang mir leider nur eine kleine Zucht aus dem Ei;
der grösste Teil derselben erfror mir auf meinem Landgut
in Jannowitz im Riesengebirge Ende Mai in einer starken
Frostnaeht.
Sterrha sacraria L. Diese Art flog in. dem
Baranco hinter dem Friedhof häufig im Sonnenschein,
223 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
—
worunter manchmal die schöne ab. sanguinaria Esp.
vorkam.
Larentia ferrugata Cl. Von dieser für die Insel
neuen Art fing ich 2 Exemplare Anfang April 1908
am Licht.
Larentia fluviata Hb. (Tafel II, Fig. 19). Sehr häufig
am Licht. Ich zog sie in Anzahl aus dem Ei; zu meiner
Freude erhielt ich aus dieser Zucht am 9. Juli 1909
einen Zwitter, links &, rechts 9.
Larentia numidiata Stgr. Einige ziemlich geflogene
Stücke am Licht.
Tephroelystia stertzi nov. spec. Rbl. Von dieser neuen
Art erbeutete ich ein ziemlich geflogenes & Exemplar
am 26. März 1909 am Licht. Auch Herr Gustav Leo
Schulz, Berlin erbeutete gegen Ende April 1909 ein
besseres Stück.
Die Beschreibung Professor Rebels, Band XXIV der
Ann. d. K.K. Hofmuseum, Wien, p. 338 Taf. XI, Fig. 6,
gebe ich im nachstehenden wieder:
Am nächsten steht sie bicoloria Baker von
Madera. Fühler hell bräunlich, sehr kurz bewimpert
und dunkel geringt, die Palpen kurz, die Beine hell mit
dunkel geringten Gliederenden, die Hinterschienen mit
2 Paar Sporen. Der Hinterleib gleich dick, am Ende
abgestutzt, hellgrau, am Rücken mit Spuren rotbrauner
Beschuppung.
Die Vorderflügel sehr gestreckt mit scharfer Spitze
und schrägem Saum, zeigen eine weissliche Grundfarbe.
Eine schwarzgraue (wie es scheint von der Basis aus-
gehende) Beschuppung bildet in der Mitte eine nach
aussen gleichmässig bogig begrenzte Mittelbinde. Auch
das breite Saumfeld zeigt unterhalb des Vorderrandes
und im Innenwinkel zerrissene Flecke schwarzgrauer Be-
stäubung. Am Innenrand und schwächer auch längs des
Vorderrandes finden sich die Spuren rotbrauner Be-
schuppung. Die Hinterflügel ebenfalls weissgrau mit vom
Innenrand ausgehenden schwärzlichgrauen Staubbinden,
deren breiteste schon nahe der Basis liegt. Der Saum
aller Flügel fast ganzrandig, mit Spuren einer schwarzen
Otto Stertz, Makrolepidopteren Teneriffas. 23
Randlinie. Die Unterseite vorwiegend weissgrau, glänzend.
Vorderfiügellänge 10, Exp. 20 mm.
Die Type überliess ich dem ebenso berühmten wie
hochverehrten Eupitheeienforscher Herrn Karl Dietze in
Jugenheim.
Tephroelystia roederaria Stfs. (illuminata loan). Von
dieser seltenen Art erbeutete ich 1 Exemplar Ende
März 1908. Es zeichnete sich durch hellere Färbung
aus und ist viel grösser als Algier-Stücke.
Tephroelystia tenerifensis Rbl. Diese feine Art fing
ich öfters am Licht. Am Tage scheuchte ich sie in
einem offenen Schuppen an ‘der englischen Kirche auf.
Tephroclystia pumilata Hb. und var. insulariata Stt.
kamen in Anzahl ans Licht.
Tephroelystia boryata Rbl. Selten am Licht, immer
erst Anfang April.
Phibalapteryx centrostrigaria Woll. In wenigen
Exemplaren im April am Licht. Am Tage scheuchte
ich 2 frische Stücke aus dürrem Laub im Hotelgarten auf.
Hemerophila abruptaria Thnbre. ro Inden
Dämmerung an Blüten erbeutet. Für die Insel Teneriffa
neu.
Boarmia fortunata Blach. (Tafel II, Fig. 20 und 21).
2 &58 am Licht im April 1908. 1 stark lädiertes 2 fand
ich am 4. März 1908 in Funchal auf dem Monte. Von
meinem Freunde Gustav Leo Schulz, Berlin, der nach mir
Teneriffa aufsuchte, erhielt ich Ende April 1909 25 Raupen
dieser Art, welche ich an Eiche grosszog. Die sehr träge
Raupe ging Anfang bis Mitte Juni in die Erde, die Falter
erschienen von Anfang bis Mitte Juli und zwar 8 5
und 7 9%.
Tephronia sepiaria Hufn. Erbeutete ich in Villa
Orotava an Mauern sitzend.
Aspilates collinaria Holt Withe (Tafel II, Fig. 22).
Diesen seltenen und interessanten Spanner erbeutete ich
in5 & und 1 9 am Tage durch Aufscheuchen auf einer
Wiese am botanischen Garten, ein 5 Exemplar in einem
Baranco bei Icod.
24 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Rhyparia rufescens Brulle (Tafel II, Fig. 24). Diese
schöne Art kam 1908 nur einmal in einem typischen
rötlichen Exemplar ans Licht. Im März 1909 erbeutete
ich 4 &, welche auf aschgrauem bis chocoladenbraunem
Grund über den ganzen Oberflügel stark schwarz ge-
sprenkelt sind. Die Hinterflügel von derselben Färbung
sind saumwärts im ersten Drittel ebenso gesprenkelt. Ich
fand unter den Raupen von Pyr. vulcanica eine
solche obiger Art, leider wurde die Puppe auf der Heim-
reise beschädigt.
Geraretia poliotes Hmps. (Tafel II, Fig. 23). Von
dieser kürzlich nach einem 9 beschriebenen neuen Arctie
erbeutete ich Anfang April 1908 den bis dahin noch un-
bekannten $ am Licht.
Lithosia albicosta Rghfr. Diese niedliche Lithosie
erbeutete ich nicht selten am Licht.
Psyche cabrerai Rbl. Leere 4eckige Säcke dieser
Art fand ich in Anzahl im März an den Felsen von La-
paz. Den Falter konnte ich trotz aller Aufmerksamkeit
nicht entdecken.
Am Schluss dieses Aufsatzes möchte ich noch an
dieser Stelle Herrn Professor Dr. Rebel in Wien, der sich
der Sichtung meiner Teneriffa-Ausbeute in liebenswürdiger
Weise unterzog, meinen besten Dank aussprechen.
Eine neue Form von Polia dubia Dup. aus Spanien.
von Otto Stertz. Breslau.
(Hierzu Tafel II.)
Polia dubia Dup. nov. var. johni (Tafel II, Fig. 11
und 12) Stertz. Von dieser schönen Eule erhielt ich von
Herrn Kurt John in Gross-Deuben 8 Paare, die nach
seiner Angabe in Escurial bei Madrid Anfang September
1911 gefangen wurden. Da die nov. var. von den be-
kannten Polia dubia-Formen stark abweicht, will ich
sie im Nachstehenden beschreiben:
Otto Stertz, Neue Form von Polia dubia Dup. 5
Sie steht am nächsten der var. lutescens Tur,,
die mir nur im Bilde, Tafel 5 Fig. 37 und 38 in Turatis
Arbeit „Nuove Forme di Lepidotteri“ III 1909 p. 92, vor-
liegt. Seine var. lutescens hat einen gelbrosa Grund-
ton ähnlich wie Polia venusta B. Beider var. johni
ist dieser lichtgelblich-weiss, von dem sich die zarten
Zeichnungen und die schwärzliche Bestäubung charak-
teristisch abheben, besonders im männlichen Geschlecht.
Das Wurzelfeld ist vom Innenrand bis zum Medianast
von der Farbe des Grundtons, darüber bis zum Vorder-
rand dunkel beschuppt, letzteres ist auch in der Mittel-
binde der Fall, besonders in der unteren Hälfte.
Paralell mit der äusseren meist sehr scharf aus-
gezackten Begrenzung des S-förmigen Mittelfeldes läuft
eine helle Binde in der Grundtonfarbe, die mehr oder
weniger mit einer Punktreihe durchsetzt ist und sich
kurz vor dem Apicalteil verdunkelt. Eingefasst ist diese
Binde saumwärts von einer gewellten Schattenlinie,
hinter der die kräftigen Limbalpunkte sichtbar sind.
Fransen sind gescheckt und die zum Teil hell gekörnte
Ringmakel ist fast bei allen Stücken sichtbar.
Die Oberflügel beim © sind im allgemeinen wohl
etwas dunkler und die Zeichnungen nicht so klar wie
die des 5 Geschlechtes. Hinterflügel beim & heller als
die der Stammform, jedoch mit saumwärts zunehmender
dunkler Bestäubung und dunkler Saumlinie und deutlicher
Schattenbinde in der Mitte; die des % dunkler, ähnlich
wie bei ab. typhonia Mill. Unterseite aller Flügel wie
bei der Stammform, nur etwas heller. Kopf, Thorax und
Hinterleib der Grundfarbe angepasst, bei 6 45 am
Afterbüschel nur schwarze Behaarung wahrnehmbar.
Figur, Fühler, Palpen und Beine wie die der Stammform,
weshalb die Zugehörigkeit zu dieser wohl sicher anzu-
nehmen ist.
Ich benenne diese schöne Eule zu Ehren des sehr
rührigen Lepidopterologen und Schwärmerzüchters Herrn
Kurt John in Gross-Deuben.
Beim Schluss dieser Beschreibung werde ich von
Herrn Rudolf Püngeler auf Guen&es Arbeit p. 40 Nr. 723
über Polia caerulescens B. und Guene6es var. A.
aufmerksam gemacht. Caerulescens B. fällt mit
dubia Dup. zusammen, was schon Staudinger im Kata-
26 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
log „Staudinger und Rebel“ 1901 p. 179 bemerkte; er-
stere ist eine aus der Provence stammende weissgraue
Form mit bläulich aschgrauem Mittelfeld und Aussen-
rand.
Dagegen lag Guene&e offenbar für die kurze Be-
schreibung seiner var. A. ein aus Madrid stammendes
männliches Exemplar meiner var. johni vor.
Ich füge hier noch den Wortlaut seiner Diagnose bei:
A.
D’un ton legerement jaunätre saupoudre d’atomes
noirs, avec l’espace median et deux taches costales
d’un gris-noir fonce un peu olivätre. Tous les dessins
plus saillants, et les lignes et la reniforme mieux deta-
chees en blanc; inferieures aussi plus noires.
Madrid, Coll. Feisth. Un 2.
Drei neue Bombyciden-Formen des palaearktischen
Faunen - Gebietes
Von Otto Stertz. Breslau.
(Hierzu Tafel Il und III.)
Phalera bucephala Esp. nov. var. tenebricosa Stertz.
(Tafel II, Fig. 5.) Von dieser neuen Form liegen mir
4 gezogene 99 vor, welche mir Herr J. Kostial in
Wiener-Neustadt sandte. Nach seiner Angabe zog er sie
aus einer kleinen Anzahl Raupen, die er aus der Um-
gebung von St. Petersburg erhielt.
Grösse des Falters 44 mm. Farbe der Oberflügel
gleichmässig dunkel quecksilbergrau, die äussere Be-
grenzung des Mittelfeldes ist viel weniger gezackt und
der grosse Apical- Mondfleck ist rundlicher als bei der
Stammesart. Charakteristisch ist das gänzliche Fehlen
der Makel bei allen Stücken.
Hinterflügel dunkler, gelblich rauchgrau, wurzelwärts
dunkler bestäubt, Unterseite aller Flügel ebenfalls dunkler,
rauchig und die braunen Zeichnungs - Elemente viel
schwächer ausgeprägt. Stirn und Kragen lebhaft leder-
Otto Stertz, Neue paläarktische Bombyeiden-Formen.
106)
-ı]
braun, der Hinterleib gelblich rauchfarben. Ich nehme
an, dass die var. tenebricosa einer sehr begrenzten
Lokalform angehört.
Lasiocampa davidis Stgr. (Tafel III, Fig. 1 und 2)
nov. ab. schulzi Stertz, Aus einer Zucht, die Herr Dr.
Lück, jetzt in Berlin, vor zwei Jahren für Rechnung
eines Sammlers, welcher sich vorübergehend im Jordan-
tal (Jericho) aufhielt, aus den ihm gesandten Cocons
besorgte, wurden mir von davidis Stgr. ca. 100 Paare
zur Durchsicht übergeben.
Ich bin deshalb in der Lage, die eingehende Be-
schreibung Dr. Staudingers: Iris, Jahrg. 1894 p. 265 über
diese so sehr abändernde Art durch meine Beobachtungen
ergänzen zu können: Grösse der 55 37—48, die der 99
40—57 mm. Grundton der Falter ist überwiegend
gelblichweiss (sahnefarben); etwa !/, derselben weichen
davon ab und nehmen einen gelben (etwa wie bei Las.
decolorata Klg.) bis bräunlichrosa Ton an. Bei sol-
chen Stücken tritt der kleine weisse Fleck am Ende
der Mittelzelle deutlich hervor.
Von meiner ab. schulzi liegen mir 3 35 und 5 99
vor. Bei dieser ist die Färbung aller Flügel rein gelblich-
weiss und der kleine weisse Fleck ist ganz verschwunden,
die Binden fehlen ganz und sind nur bei einem Paare
kaum noch erkennbar. Die Unterseite aller Flügel ist
ebenfalls einfarbig.
Ich benenne diese aparte Form nach meinem Freunde
Herrn Gustav Leo Schulz, Berlin.
Lasiocampa serrula Gn. var. palaestinensis Stgr.
(Taf. III, Fig. 3 bis 5) nov. ab. seileri Stertz. Auch von
der var. palaestinensis Stdgr. lagen mir aus der
oben erwähnten Zucht ca. 120 Paare vor, die ich
eingehend studierte. Von derselben lagen Staudinger
damals für seine Beschreibung: Iris, Jahrg. 1894 p. 263
nur wenige 5 & von sehr kleiner Figur vor.
Sie werden wohl aus Mangel an Futter in der Ent-
wickelung zurückgeblieben sein, denn Paulus selbst er-
zählte mir, dass das Heranschaffen der Futterpflanze aus
dem Jordantal recht schwierig war.
Die Faltergrösse des mir vorgelegenen Materials war:
85 39—48, 99 45—55 mm. Der Grundton, besonders im
283 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
männlichen Geschlecht, ändert ungemein ab und zwar
von einem lebhaften lichten grau und graublau bis zum
schmutzigen ledergelb, bei einzelnen Stücken ist der
Innenteil der Oberflügel bis zur Wurzel braun, besonders
im weiblichen Geschlecht; dann aber ist der schmälere
äussere Teil bis zu den Fransen gleichmässig heller.
Bei meiner ab. seileri, von der mir 6 && und 699,
zum Teil aus den Sendungen des Herrn Paulus stammend,
vorliegen, ist der Aussenteil (Binde) des Oberflügels
gelblichweiss bis zum Rand, ungefähr von dem Grund-
ton der davidis;, dicht vor den Fransen ist eine leichte
graue Bestäubung wahrnehmbar. Der innere Teil bis
zur Wurzel ist dann meist lichtgrau, nur bei 2 &&
lebhaft hellbraun. Die Hinterflügel sind der Färbung der
Oberflügel angepasst, heller, sie sehen denen der davi-
dis recht ähnlich und so macht diese Form den Eindruck
eines Ueberganges zu dieser.
Ich benenne diesen recht schönen interessanten
- Falter nach meinem Freunde R. Seiler in Blasewitz.
Soweit hier von Interesse, möchte ich noch auf
einige Irrtümer im Seitz’schen Werke aufmerksam machen.
Auf Tafel 25 stellt die Abbildung von Lasioc. davidis
Stgr. diejenige von Lasioc. grandis ab. sapiens Stgr., ö
auf Tafel 26 die Abbildung von josua Stgr. diejenige
von serrula var. palaestinensis & und var. palaesti-
nensis & und 9, diejenige von davidis Stgr. & und 9
vor. Die Abbildung von decolorata Klg. 9 ist ziem-
lich verfehlt, denn der Grundton des © dieser Art ist
sahnefarben oder zartgelb.
Beitrag zur Mikrolepidopteren - Fauna
der Dresdener Gegend.
Von Eduard Schopfer. Dresden.
Als Nachtrag zu meinem im Jahre 1907 aufgestellten
Mikra - Verzeichnis (s. Iris, Bd. XX, Heft 4) lasse ich
weitere 95 Arten aus Dresden und Umgegend folgen, so-
Ed. Schopfer, Mikrolepidopteren-Fauna von Dresden. 29
dass die Artenzahl der selbst gesammelten Klein-
schmetterlinge nunmehr 523 beträgt. Kleine Spazier-
gänge im Weichbilde der Stadt liefern meist bessere
Fangergebnisse als weitläufige Sammeltouren. Arten,
die ich in der Lössnitz ganz einzeln antraf, fand ich an
Gartenmauern und Bretterzäunen des Stadtgebietes in
Anzahl. Als ein überraschend ergiebiges und dazu sehr
naheliegendes Sammelgebiet ist die Räcknitzer Höhe zu
bezeichnen, auch die Gegend um Mockritz, Nöthnitz
und Kaitz, vornehmlich aber die dort überall an der
Landstrasse und an den Wegen stehenden Obstbäume:
alte, jahrzehnte lang bekannte Aepfel-, Kirsch- und
Birnbäume, die, zwar im Kampfe mit der Blutlaus sieg-
reich geblieben, durch die Angriffe der inneren Feinde
schliesslich mulmig geworden, einzeln von der Bildfläche
verschwinden, um jüngerem Ersatze Platz zu lassen. Es
ist kaum glaublich, wie lohnend das regelmässige Ab-
suchen dieser Bäume sich zeigt. Besonders zahlreich sind
Tortriciden anzutreffen, wie Capua reticulana, einige
Arten der Gattungen Caeoecia, Pandemis, Olethreu-
tes, Notocelia, Epiblema thapsiana, Cnephasia
wahlbomiana, Grapholita woeberiana, einzeln nur
die schöne Pamene regiana, sowie rhediella und
Carpoeapsa pomonella. Swammerdamia pyrella,
Argyresthia cornella, ephippella und goedartella
sind häufig, einzeln dagegen conjugella. Die Gele-
chiiden sind durch scalella, alburnella und luceul-
lela vertreten, ebenso Recurvaria leucatella und
nanella. Sehr zahlreich zeigt sich Endrosis lacte-
ella. Borkhausenia schaefferella und formosella,
letztere durch helle Färbung auffallend. Sceythris chen-
opodiella ist nicht selten, häufiger schon$Blasito-
daena hellerella. Wir erwähnen noch einige Co-
leophora, Gracilaria- und Ornix- Arten, darunter
guttea häufig, ferner Lithocolletis- Arten, sowie Lyo-
netia clerkella. Nicht selten sind Buceculatrix-
und Nepticula- Arten, ferner in Baumritzen ruhend
Ochsenheimeria vacculella. Scardia boleti und
Tinea granella sind regelmässig in Anzahl, lapella
dagegen nur einzeln anzutreffen.
Von grösseren Faltern sind Schwärmer, Eulen und
Spanner vertreten, unter letzteren z. B., Opistho-
graptis luteolata, Semiothisa alternaria, die rein
30 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
schwarze Form von Chloroelytis reetangulata»
auch Nola cueculatella.
Mit der Zucht von Lithocolletis- und Nepticula-
Arten habe ich in diesem Jahre begonnen und kann
daher eventuelle Ergebnisse erst nachträglich verwenden.
Gute Dienste leisten beim Sammeln die Tabellen von
Dr. Sorhagen in „Beiträge zur Auffindung und Bestim-
mung der Raupen der Mikrolepidopteren“ (s. Berliner
Entom. Zeitschrift Bd. XXVII, 1883, Heft 1).
Pyralidae.
Phyeitinae,
Zophodia convolutella Hb. April. Einzeln in der
Lössnitz.
Salebria fusca Hw. Juni. Am Auer aus Gebüsch
geklopft (1),*) ferner ein Stück Dresden - Bergstrasse an
einer Gartenmauer gefunden.
Hydrocampinae.
Nymphula stagnata Don. August. Einzeln bei Moritz-
burg. Ausserdem erhielt ich von Herrn Dr. Husadel ein
Q© dieser Art mit gleichem Fundorte bezettelt.
Scopariinae.
Scoparia murana Curt. Am 31. Mai im Rabenauer
Grund (1).
Pterophoridae.
Oxyptilus tristis Z. Juli. Bei Kötzschenbroda (1).
Tristis unterscheidet sich zunächst von pilosellae und
ericetorum durch veränderte Lage des schwarzen
Schuppenwulstes der dritten Hinterflügelfeder.
Alueita tetradaetyla L. Juli. Bei Kötzschenbroda-
Himmelsbusch (2).
Pterophorus lithodactylus Tr. August. Je ein Stück
bei Räcknitz, Kötzschenbroda und Zitzschewig.
Stenoptilia pelidnodaetyla Stein. Juni. Bei Kötzschen-
broda und Zitzschewig (2).
Tortrieidae.
Teortrieinae.
- Acalla literana L. November. Bei Kötzschenbroda-
Himmelsbusch (1).
*) Die eingeklammerten Zahlen geben die Anzahl der erbeuteten
Stücke an.
Ed. Schopfer, Mikrolepidopteren-Fauna von Dresden. 34
A. schalleriana F. Am 18. 8. 1910 erhielt ich ein
Stück durch Abklopfen von Buchenästen in der Dresdner
Heide. Ein zweites Stück mit schwarzem Üostalfleck,
v. comparana Hb. vom Wolfsberg (Sächsische Schweiz)
empfing ich von Herrn Dr. Heusinger.
Conchylinae.
Gonchylis implieitana Wck. Am 31. 8. 1911 im
Grossen Garten (1).
Olethreutinae.
Cnephasia incertana Tr. Juni. Kaitzergrund (1). In
der Zeichnung einer wahlbomiana ähnlich, hat jedoch
dunkle Hinterflügel wie nubiliana.
Evetria resinella L. Juni, Juli. In Anzahl in der
Dresdner Heide.
Olethreutes umbrosana Frr. Ein Stück klopfte ich
aus Gebüsch in der Nähe der Spitzgrundmühle.
Steganoptycha nanana Tr. Mai. Bei Zitzschewig-
Steinbruch (2).
Gypsonoma neglectana Dup. Juni. Je ein Stück bei
Kaitz und Zitzschewig. Diese Art besitzt eine grosse
Aehnlichkeit in der Zeichnung mit incarnana, ist aber
grösser.
Epiblema semifuscana Stph. Juli. Einzeln im Kaitzer
Grund. Kleiner als solandriana mit helleren Hinter-
flügeln.
Grapholita funebrana Tr. Mai. Der Falter flog auf-
gescheucht in Anzahl im Steinbruche bei Zitzschewig.
G. eoronillana Z. Mai, Juni. In Anzahl bei Zitz-
schewig.
Pamene ochsenheimeriana Z. Am 15. Mai 1909 auf
dem Wege zwischen Tharandt und Edle Krone (2).
Yponomeutidae.
Argyresthiinae.
Argyresthia conjugelila Z. Juli. Räcknitz (2). Der
mendica ähnlich. Im allgemeinen ist conjugella
dunkler und glänzender, die Strieme ist gelblich und die
Vorderflügel sind stärker gesprenkelt.
A. ephippella F. Juni-August. Zahlreich bei Räck-
nitz. Den ganzen Sommer sassen die Falter gesellig an
32 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
den alten Kirschbäumen des Dorngrabens hinter Räcknitz.
Etwas weiter oben bei Pestitz war cornella heimisch.
Ich zählte an einem Stamme 26 Stücke dieser Art.
Plutellidae.
Plutellinae.
Cerostoma asperellum L. Juli. Einzeln in der
Lössnitz. Ein Stück von Neubert bei Zitzschewig gefangen.
Theristis mucronella Sc. ab. obseurella. m. Diese
Form beschrieb ich bereits kurz in meiner früheren Liste
(s. Iris, Bd. XX, S. 285). Zwei Stücke aus Wachwitz
dienten mir als Unterlage. Ein am 20. April 1910 in der
Lössnitz gefundenes drittes Exemplar, ferner ein Stück
von Neubert dortselbst im Februar gefangen, sowie drei
in der Dr. Staudingerschen Sammlung befindlichen Stücke
bestätigen die Beständigkeit dieser Form, die ich ab.
obscurella benenne, um diese schöne Abart hervor-
zuheben.
Unter 30 mucronella habe ich direkte Ueber-
gänge zu obscurella nicht finden können.
Mucronella wurde zuerst von Scopoli im Jahre 1763
in Entomologia Carniolica beschrieben, seine Diagnose
lautet: „Alae omnes lanceolatae, mucronatae, nitidae,
concolores, pallidae,;, anticae longitudinaliter fusco-
sublineatae.“ Dem Autor hat zu seiner Beschreibung
nur ein Exemplar vorgelegen, wahrscheinlich ein @. Im
Hübnerschen Werke ist mucronella & abgebildet, mit
bis über die Mitte des Flügels reichendem, scharf schwarzen
Streifen. Die neuerdings im Spulerschen Werke gelieferte
Abbildung würde, in natürlicher Grösse gehalten, die
gewöhnliche Form des Falters gut veranschaulichen.
Neben dem erwähnten schwarzen Streifen, welcher
beiobscurella bis an die Fransen des Aussenrandes ‘
reicht, besitzt diese noch nahe dem Vorderrande einen
ebensolchen Streifen, der sich bis zur äussersten Flügel-
spitze, die Fransen schwarz färbend, hinzieht. Der von
beiden Streifen gebildete Zwischenraum ist mehr oder
weniger dicht schwarz bestäubt. Beide Geschlechter
sind bei dieser Abart vertreten.
Die lichten Gespinste der Räupchen von mucronella
sind in der Lössnitz an Pfaffenhütehen, Evonymus
europaeus nicht selten. Im Juli sind die im Gespinste
>
Ed. Schopfer, Mikrolepidopteren-Fauna von Dresden. 33
nicht mehr zahlreich vorhandenen lebhaften Räupchen
erwachsen und zum Mitnehmen geeignet.
Gelechiidae.
Gelechiinae.
Platyedra vilella Z. Am 30. 5. 1910 ein Stück an
einem Bretterzaun der alten Strasse bei Räcknitz.'
Gelechia mulinella Z. Juni. Im Rabenauer Grund (1).
6. virgella Thnbg. Mai. Einzeln bei Lindenau-
Lössnitz.
6. humeralis Z. Ende September. Bei Zitzschewig.
(1). Herr Prof. Dr. Rebel in Wien hatte die Güte, das
Stück zu bestimmen. Ferner Lössnitzgrund (1) im März.
G. saltuum Z. Mai. Einzeln in der Dresdner Heide.
Chrysopora stipella Hbh. var. naeviferella Dup.
Diese Art erzog ich aus der spiessförmigen Melde, Atriplex
hastata L., die ich im Herbst eintrug. Sämtliche Stücke
gehörten der var. naeviferella (ohne gelbe Binden) an.
Dieselbe Pflanze lieferte auch eine Anzahl Stücke von
hermanella. Während letztere Falter sämtlich im Früh-
jahr erschienen, dauerte es bei stipella von Mai bis
Ende September. Diese Art scheint demnach nur eine
Generation zu haben, jedoch zwei Flugzeiten.
Oecophorinae.
Epigraphia steinkellneriana Schiff. Mai. Ein Stück
fand ich im Saubachtale und erhielt ein Stück aus Cosse-
baude von Herrn Dr. Husadel.
Während die ähnliche avellanella bei uns nicht
selten ist, ist steinkellneriana hier noch wenig ge-
funden worden. Nach Sorhagen findet man den Falter von
Anfang April bis Mai. In warmen Jahren früher. Er
ruht an den Stämmchen der noch unbelaubten Sträucher
dicht über der Erde am Tage und fliegt erst in der
Dunkelheit.
Borkhausenia formosella F. Juli, August. Dieser
hübsche Falter fand sich in der Lössnitz nur einzeln, da-
gegen war er in den Abendstunden zahlreich an Bäumen
der Landstrasse zwischen Räcknitz und Kaitz.
Elachistidae.
Seythridinae.
Scythris fusco-euprea Hw. Juli. Im Grossen Garten (1).
#
34 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
S. chenopodiella Hb. Juni, Juli. In Anzahl an
Gartenzäunen der Alten Strasse bei Räcknitz, ferner an
einer Scheune bei Coschütz und in der Dresdner Heide.
Momphinae.
Blastodaena hellerella Dup. Juni, Juli. Zahlreich
an Baumstämmen bei Räcknitz, Pestitz, Coschütz.
Anybia epilobiella Roemer. Am 9. September 1910
fing ich ein Stück an einem Fenster des Gartenhauses
im Restaurant Fischhaus, Dresdner Heide.
Spuleria aurifrontella Hb. Am 18. 5. 1910 klopfte
ich aus Gebüsch bei Zitzschewig drei Stücke dieser Art.
Coleophorinae.
Ein grosser Prozentsatz Coleophora-Raupen liefert
nicht den Falter sondern Schlupfwespen. Ich musste
daher eine Anzahl Raupensäcke, die mir zweifelhaft er-
schienen, vorläufig weglassen. Im Jahre 1911 waren die
Räupehen besonders stark angestochen.
Goleophora limosipennella Dup. Am 22. Juni bei
Nieder-Lössnitz, Himmelsbusch (1).
C. fiavipennella H.S. Juli. Baumwiese (1).
Ü. viminetella Z. Juni. Baumwiese. Die zweifarbigen
Säcke an Erle, Anfang Oktober.
C. nigricella Stph. Juli. In Anzahl an der Baum-
wiese und in der Dresdner Heide.
G. paripennella Z. Juni, Juli. In Anzahl bei Räcknitz
und an der Baumwiese.
C. bilineatella Z. Am 25. 5. 1910 bei Zitzschewig (1).
C. serenella Z. Juni, Juli. Zahlreich in der Lössnitz.
Die Säcke fand ich bei Zitzschewig sowohl an Traganth,
Astragalus glyeyphillus L., als auch an der Blasenschote,
Colutea arborescens L. zahlreich. Die Falter schlüpfen
einzeln noch bis Ende Juli.
C. palliatella Zk. Juli. Einzeln bei Zitzschewig und
Kaitz. Die pistolenförmigen Säcke sind ganz mit grauer
Haut überzogen und mit lockeranliegenden Seitenklappen
versehen. Himmelsbusch an Stämmen.
C. betulella Hein. Juli. Bei Zitzschewig (2). Die
kleinen, braunen Pistolensäcke mit weisslichen Endklappen
an Stämmen.
Ed. Schopfer, Mikrolepidopterenfauna von Dresden. 35
92
C. anatipennella Hb. Juni, Juli. Bei Zitzschewig (3).
Die schwarzen Pistolensäcke mit schwärzlichen End-
klappen an Weissdorn.
GC. hemerobiella Sc. Bei Zitzschewig (3). Die
geraden, braunen Säcke, am Ende dreiseitig, im Mai an
Weissdorn.
'C. onosmella Brahm. Juni. Im Steinbruche bei
Zitzschewig (2).
C. flavaginella Z. Mitte Juni. Bei Kaitz (1).
Elachistinae.
Elachista poae Stt. Am 8. 5. 1910 bei Zitzschewig (1).
Gracilariidae.
Gracilariinae.
Gracilaria elongella L. März, April. Ueberwinterte
Stücke bei Zitzschewig und an der Baumwiese nicht
selten. Ein Exemplar mit dunkelbraunen Vorderflügeln,
mit schmaler heller Strieme am Vorderrande bei Zitschewig.
Ornix anguliferella Z. Am 17. April 1910 bei
Zitzschewig (1).
Lithocolletinae.
Lithoecolletis roboris Z. Mai. In Anzahl bei Zitzsche-
wig und Baumwiese.
L. amyotella Dup. Mai. Einzeln im Priessnitzgrund
und bei Mockritz.
L. hortella F. April, Mai. Einzeln bei Zitzschewig
und Dresden, Trinitatis - Friedhof.
L. tenella Z. Mai. Bei Zitzschewig (1).
L. abrasella Z. Am 2. Sept. beim Himmelsbusch (3).
L. alniella 2 Am 15. 5. 1910 in Anzahl bei Tharandt.
L. nigriscentella Log. Am 15. 5. 1910 bei Tharandt (1).
L. insignitella Z. Am 20.5. 1910 im Saubachtale (1).
L. salieicolella Sircom. Mai. Heide- Radebeul (2).
L. cerasicolella H.S. Juni. Bei Räcknitz an Kirsch-
bäumen (2).
L. spinicolella Z. Mai, Juni. In Anzahl bei Döltzschen
und Räcknitz.
L. eoncomitella Bk. Am 26. 5. 1910 bei Kaitz (2).
L. mespilella Hb. Juni. Heide - Radebeul (2).
L. eorylifoliela Hw. April, Mai. In Anzahl bei
Mockritz und Zitzschewig.
36 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
L. betulae. Z. April, Mai. In Anzahl bei Nöthnitz
und Zitzschewig.
I. klemannella F. Mai. Bei Zitzschewig (3).
L. emberizaepennella Bouche. Juli, August. Einzeln
bei Ränitz und Kaitz.
L. pastorella Z._ Am 22. 5. 1910 bei Mockritz an
Weiden (2).
L. populifoliella Tr. Mai—August. Zahlreich an
Grartenmauern beim Linkeschen Bade in Dresden -Neust.
L. tremulae Z. August. In Anzahl im Grossen
Garten an Stämmen.
Lyonetiidae.
Lyonetiinae.
Lyonetia elerkella L. Von April bis Oktober überall
im Stadtgebiete an Gartenzäunen in Anzahl zu finden.
Baumwiese, Lössnitz. Die an Fäden gespannten Gespinst-
röhren des Falters in gerollten Birken- und Eichen-
blättern, sowie an Kirschbäumen. Vermutlich kommt
die dunkle Form ab. aereella Tr., die im zeitigen Früh-
jahre, sowie zahlreich Anfang Oktober frisch geschlüpft
gefunden wird, vorherrschend in der 2. Generation vor.
Im Laufe des Sommers fand ich nur helle Stücke.
Phylloenistinae.
Phylloenistis suffusella Z. August. Beim Linkeschen
Bade in Dresden-Neustadt (2).
Buceulatrix thoracella Thnbg. Mai bis September.
Zahlreich im Stadtgebiete, wo Linden stehen. Ueberall
an Gartenzäunen die Bergstrasse entlang bis Räcknitz.
Die weisslichen, gerippten Cocons an Stämmen, Strassen-
bahnmasten und Blättern der Sträucher. Auch im
Grossen Garten.
B. erataegi Z. Mai bis September. Zahlreich bei
Zitzschewig. Die Cocons in Menge an Bretterzäunen in
der Nähe von Weissdornhecken.
B. boyerella Dup. Juli. Einzeln an Gartenzäunen
der alten Strasse bei Räcknitz.
Nepticulidae.
Nepticula ruficapitella Hw. Am 28. Mai 1910 bei
Döltzschen (1).
Ed. Schopfer, Mikrolepidopteren-Fauna von Dresden. 37
N. minuseulella H.S. Juni. Einzeln bei Räcknitz an
Obstbäumen.
N. oxyacanthella Stt. Juni. Einzeln bei Zitzschewig.
N. marginicolella Stt. Am 15.5. 1910 bei Tharandt (1).
N. basalella Hs. August. Im Grossen Garten an
Buchen nach starkem Regen (5).
N. salieis Stt. Mai. In Anzahl bei Zitzschewig an
Espen. Die Falter sind sehr lebhaft und bleiben nur
kurze Zeit rein.
N. sericopeza Z. Mai—Juni. Dresden - Bergstrasse,
Räcknitz und Mockritz nicht selten.
Tineidae.
Öchsenheimeriinae.
Ochsenheimeria vacceulella F. Juli. In Anzahl bei
Räcknitz. Am Tage ruht der Falter in Rindenspalten der
Bäume. Von den übrigen Arten der Gattung unter-
scheidet sich vacculella durch die unverdiekten
Fühler.
Tineinae.
Diplodoma marginepunctella. Stph. Mai, Juni. Einzeln
im Priessnitzgrund, Zitzschewig und Himmelsbusch. Den
länglichen Sack, mit einer lockeren Schutzhülle um-
schlossen, habe ich wiederholt eingetragen, ohne jedoch
den Falter zu erzielen. Dagegen hat Herr Amtstierarzt
Möbius ein Exemplar des Falters erzogen.
Trichophaga tapetzella L. August. Am Licht gefangen
im Konzerthaus Zoologischer Garten (1).
Tinea fuliginosella Z. Juli. Abends in den Strassen
der Stadt fliegend. Der Falter ist dunkler als pellio-
nella mit nur einem Punkte auf dem Vorderflügel.
T. misella Z. Juli im Stadtgebiet. Am Fenster
eines Abortes fand ich zwei frische Stücke dieser Art.
T. columbariella Weck. Anfang August. (1). Der
Falter fliegt in der Dämmerung um die Häuser. Er
ist ebenfalls pellionella ähnlich, aber einfarbig gelb-
braun, ohne dunkle Zeichnungen. Die Raupe soll in
Taubenschlägen vorkommen.
T. pallescentella Stt. Juni, Juli. Zwei Stücke am
Fenster meiner Wohnung. Die Bestimmung dieser Tinea
verdanke ich Herrn Professor Dr. Rebel in Wien.
38 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Tineola biselliellla Hummel. Juli. Ueberall in
Wohnungen. Von eolumbariella unterscheidet sich
biselliella hauptsächlich durch die Flügelform.
Adelinae.
Nemotois cupriacellus Hb. Am 30. Juli 1911 im
Grossen Garten (1).
Adela rufimitrella Sc. Juni. Ein 9 bei Zitzschewig.
Mieropterygidae.
Mieropteryx aruncella Sc. Juni. In einem Stein-
bruche bei Hosterwitz. (1)
Ueber Zeichnungs-Aberrationen bei Lycaeniden.
Von. Prof. Dr. DL. Oourvoisier. "Basel:
Schon mehrmals (s. Mitteilungen d .schweiz. ent. Ges.
1903. p. 18—25; ferner Zeitschr. f. wiss. Ins. Biol. 1907,
Heft 1—-3; namentlich Ent. Zeitschr. Frankfurt 1911
Nr. 14) habe ich Beobachtungen über Zeichnungs- Aber-
rationen bei Lycaeniden veröffentlicht und Vorschläge
für deren Benennung gemacht. Entsprechend den Fort-
schritten meiner Kenntnisse und Erfahrungen habe ich
auch Aenderungen und Verbesserungen meiner Nomen-
klatur vorgenommen. Anlässlich der im Mai 1910 ab-
gehaltenen sehr gelungenen Ausstellung der Soeiete
lepidopterologique in Genf habe ich dort mein ganzes
System durch eine Tabelle mit Schemata der einzelnen
Aberrationen, sowie durch Tafeln mit photographischen
Abbildungen meiner Typen zu veranschaulichen gesucht.
Wer diese Abberationen auf Grund eines etwas
grösseren Materials eingehender studiert, der erkennt
bald, dass’ sie nicht regellos auftreten, sondern etwas
Gesetzmässiges an sich haben, indem sie sich bei den
verschiedensten Arten in gleicher Weise wiederholen.
Man kann bei ihnen auch gleichsam verschiedene
Richtungen unterscheiden: Formen, welche gegenüber
den gewöhnlichen Exemplaren eine Art von Bereicherung
und solche, welche im Gegenteil eine Verarmung dar-
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 39
stellen. Zu den ersteren gehören diejenigen, welche eine
Vergrösserung, Vermehrung, Verschmelzung, zu den
letzteren diejenigen, welche ein Verschwinden von Flecken,
Augen, Binden etc. aufweisen.
Es mag allerdings etwas gewagt erscheinen, hier von
Gesetzen und Richtungen, von Bereicherung und Ver-
armung zu reden, so lange wir über Wesen und Be-
deutung der normalen Flecken und Augen so wenig
wissen, wie es bis jetzt der Fall ist. Sind sie als blosse
Verzierungen aufzufassen, die vielleicht gar nur dazu da
wären, das Auge des Menschen zu erfreuen, etwa wie
man früher die bunten Farben der Blumen in erster
Linie als Schmuck der Natur betrachtete? Oder spielen
sie als Erkennungszeichen im Verkehr der Geschlechter
eine Rolle? Oder sind sie etwa eigentliche Organe, die
im Haushalt der kleinen Wesen eine unsrer Erkenntnis
bis jetzt sich gänzlich entziehende Funktion ausüben?
(An letzteres liesse sich denken, weil das Mikroskop uns
lehrt, dass die Schuppen im Bereich der Augen etc.
meist nicht nur anders gefärbt, sondern auch anders ge-
formt sind, als in der Umgebung.) *
Ebenso gering sind unsre Kenntnisse hinsichtlich des
Wesens der Aberrationen. Stellen sie vielleicht Miß-
bildungen dar? Dieser Gedanke drängt sich einem auf,
wenn, wie ich es vielfach beobachten konnte, ein Falter
einen einzelnen mißgestalteten Flügel und gerade nur
an diesem entweder einen Mangel an Augen oder um-
gekehrt sogar eine Vermehrung und reichliche Ver-
schmelzung von solchen aufweist.
Sollten aber etwa bei der Entstehung der Aber-
rationen phylogenetische, atavistische Einflüsse im Spiel
sein? Etwa in der Weise, dass die von der Flügelwurzel
gegen den Aussenrand, parallel zu den Adern. verlaufen-
den Streifen, welche wir als Konfluenzen zu bezeichnen
pflegen, Ueberreste wären aus einer früheren Periode,
wo die Zeichnung noch eine radiär-streifige, nicht in
einzelne Flecken aufgelöste war? Oder umgekehrt in der
Weise, dass die Bildung von Streifen das letzte Ziel der
Entwicklung wäre, das zunächst durch das Auftreten von
*) Notiz während des Druckes: Wie die Ent. Zeitsch
Fkft. 1912 Nr. 50. p. 260 meldet, hat ja neuerdings Vogel gewisse
Sinnesschuppen auf den Schmetterlingsflügeln entdeckt.
40 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
neuen Zwischenpunkten zwischen den regulären Augen
und zuletzt durch deren Verschmelzung zu Strichen er-
reicht würde ?
Wir stehen hier jedenfalls einer Menge von Rätseln
ratlosgegenüber und müssen ehrlich gestehen: „ignoramus.“
Aber aus dem „ignoramus“ darf nicht ein „ignorabimus‘
werden. Unermüdliche Forschung muss auf diesem noch
so dunklen Gebiete endlich Aufklärung bringen. Und
was uns nicht gelingt, werden unsere Nachfolger er-
reichen!‘ Unsre Aufgabe muss sein, ihnen durch An-
sammlung von möglichst reichlichem Beobachtungs-
material die Grundlage zu schaffen, auf der jede Natuı-
wissenschaft sich aufbauen muss. Sodann werden wir
die einzelnen gemachten Beobachtungen sichten und in
gewisse Gruppen einordnen müssen, welche vorläufig
nur zur Uebersicht dienen sollen, später aber, mit Ver-
mehrung unserer Kenntnisse, vielleicht einer Aenderung
unterworfen werden müssen. Das ist die Stelle, wo ich
meine Hebel ansetzen möchte Dieses Ziel verfolgen
alle meine bisherigen Mitteilungen über Lycaeniden-
Aberrationen.
Die betreffenden Gruppen und die in denselben
untergebrachten Formen müssen aber der Uebersichtlich-
keit wegen Namen erhalten. Und nun ist es wohl klar,
dass, wenn man hier Ordnung haben will, man nicht eine
regellose Nomenklatur anwenden darf, sondern dabei ge-
wissen Grundsätzen folgen muss... Allgemein gilt in den
Naturwissenschaften die Vorschrift, dass innerhalb einer
und derselben Gattung jede Art ihren eigenen Namen
haben soll, weil doch jede ihre eigenen Charaktere hat.
Soll aber auch bei den Aberrationen so gehandelt
werden, trotzdem es sich immer sicherer herausstellt,
dass jeder Typus derselben sich bei den verschiedensten
Spezien in genau gleicher Weise wiederholt? Meiner
Ansicht nach nicht! Bis jetzt ist aber vielfach so ver-
fahren worden; und einzelne Autoren waren gross darin,
dass sie, wenn eine und dieselbe Abweichung ihnen bei
immer neuen Arten begegnete, auch immer wieder neue
Namen dafür erfanden, welche zum Teil doch alle die
gleiche Bedeutung hatten. (So nannte z.B. Oskar
Schultz eine fast oder ganz augenlose Form bei
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 41
alciphron: viduata, bei gordius: mutilata, bei hippotho&:
decurtata und orba, bei phlaeas: spoliata.)
Nun bringt aber ein solches Verfahren, zumal bei der
heutzutage überhand nehmenden Sucht, sich selber durch
Benennung jeder noch so unscheinbaren neuen Abänderung
zu verewigen, eine lawinenhaft anschwellende Vermehrung
der Bezeichnungen. Es ist sogar dem Spezialisten, der
sich nur mit einer einzelnen Kamilie beschäftigt, heut
kaum mehr möglich, die in zahllosen Zeitschriften und
Werken zerstreuten neuen Namen vollständig zu regist-
rieren oder gar im Gedächtnis zu behalten. Und damit
nehmen die Anlässe zu Prioritätsstreitigkeiten bedeutend zu.
Dazu kommt, dass diese Namen oft recht unglücklich
gewählt sind. So ist es z. B. gewiss nicht nachahmens-
wert, wenn einzelne Aberrationen. Ortsnamen erhalten
haben, welche den falschen Glauben erwecken können,
die betreffende Form sei eine Eigentümlichkeit einer be-
stimmten Lokalität (pheretes f. maloyensis Rühl, tithonus
eros f. petrividendus Favre, gordius f. diniensis Ober-
thür). Oder wenn aus Freundschaft, Anerkennung und
Dankbarkeit Namen von Personen erteilt werden, welche
zu den betreffenden Aberrationen auch nicht die mindeste
Beziehung haben (bellargus f. krodeli Gillmer damon f.
gillmeri Krodel; icarus f. courvoisieri Hirschke, phlaeas
f. kochii Strand, tityrus f. strandi Schultz). Schlimmer
aber ist es, wenn die Namen direkt irre führen, indem sie
etwas ganz anderes aussagen, als was man erwarten
sollte. So wenn Aigner eine bellargus- Form „pauci-
puncta“, kleinpunktig tauft, weil sie statt 2 Wurzelaugen
der Vorderflügel nur eines hat, und einen damon „caeca“
während er doch die Vorderflügelaugen hat und nur der
Hinterflügelaugen entbehrt. Oder wenn Fuchs eine an-
geblich augenlose Form von semiargus „caeca“ nennt,
während sein in meinen Besitz übergegangener Original-
typus derselben an beiden Vorderflügeln noch Bogenaugen
aufweist; oder endlich, wenn manche Autoren und
Händler leichthin von „Konfluenz“ reden in Fällen, wo es
sich um blosse Verlängerungen und keineswegs um Ver-
bindungen von Augen handelt.
Gegenüber solcher gedankenlosen Zersplitterung und
teilweise verkehrten Namengebung, welche alles eher
als Wissenschaftlichkeit ist, habe ich zunächst grund-
42 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
sätzlich auf eine einheitliche Nomenklatur gedrungen.
Gleiche Aberration — gleicher Name — das
ist mein Ziel und mein Vorschlag, der hoffentlich in nicht
allzu ferner Zeit allgemein anerkannt und befolgt sein
wird. Und überdies sollen die Bezeichnungen
rationell sein, d.h. das Wesen einer Aberration
möglichst genau angeben!
Gillmer hat (Gub. Ent. Zeitschrift 1. April 1904)
in einem freundlichen Referat über meine erste Arbeit
darauf hingewiesen, dass vor mir Tutt bereits „diesen
gleichen Gesichtspunkt geltend gemacht und bei Neu-
benennungen angewandt“ habe. Das ist aber nur zum
Teil richtig. Tutt’s erstes Werk kannte ich damals nicht
und kenne es heut noch nicht. Aber beim Studium seines
seit 1905 erscheinenden, leider durch seinen Tod unter-
brochenen Riesenwerks (Nat. Hist. of the Brit. Buttfl.)
erkennt man zwar sehr wohl, dass auch ihn der Gedanke
an Vereinheitlichung der Aberrationen - Namen geleitet
hat. Man ertappt ihn jedoch auf zahlreichen Inkonse-
quenzen. Die Ausdrücke: extensa, juncta, conjuncta,
radiata, striata, lineata etc. braucht er z. B. (um nur
diese zu erwähnen) keineswegs nach einer bestimmten
Regel, vielmehr einerseits mehrere derselben für dieselbe
Form, andrerseits den gleichen für verschiedene
Formen, bald für Verlängerungen, bald für allerlei Ver-
schmelzungen von Augen. Ja mit „radiata“ bezeichnet
er überdies bei phlaeas eine Form, bei welcher auf der
Oberseite der Hinterflügel die rote Randbinde strahlen-
förmige Fortsätze in den Diskus hineinschickt. Eine
wirkliche Einheitlichkeit ist also bei Tutt (wie übrigens
später noch nachgewiesen werden soll) nicht zu finden.
Indem ich nun seit 1903 unablässig bemüst war, an
Stelle der bisherigen inkonsequenten, verfahrenen Nomen-
klatur eine einheitliche, logisch ausgebildete zu setzen,
habe ich wohl bei manchen Fachkollegen den Verdacht
eines Revolutionärs erweckt. Bis zu einem gewissen
Grad verdiene ich auch in der Tat diesen Verdacht.
Ich habe es zunächst als selbstverständlich betrachtet,
dass meine Aberrationen - Namen für alle die Spezien
gelten sollten, die ich 1903 und 1907 bei jeder einzelnen
Aberration als in meinem Besitz befindlich, oder von mir
beobachtet aufgeführt hatte. Weiter schwebte mir als
L. Courvoisier. Lycaeniden- Aberrationen. 43
Ziel vor, dass meine Namengebung künftighin wenigstens
da befolgt werden dürfte, wo es sich um Neubenennungen
von individuellen Abweichungen handeln kann bei Arten,
bei welchen ich solche damals noch nicht gekannt und
benannt hatte. Endlich hielt und halte ich es auch für
denkbar, dass meine vereinfachte und einheitliche Nomen-
klatur an die Stelle so vieler älterer, zum Teil unter sich
bereits synonymer, vielfach unverständlicher oder gar ver-
kehrter Benennungen treten könnte. Das könnte unbe-
schadet aller Prioritäten dadurch geschehen, dass allfällige
frühere Namen jeweilen in Klammern beigesetzt würden.
Nun hat Gillmer im oben erwähnten Referat aller-
dings zuerst erklärt: „Es ist zu wünschen, dass in Zukunft
bei Neubenennungen in der Lycaeniden-Gruppe auf die
Vorschläge des Herrn Courvoisier Rücksicht genommen
werde, damit die Bezeichnungen hier einheitlicher
werden.“ Aber sofort scheint ihn diese Konzession zu
reuen, wenn er wenige Sätze später sagt! „Uebermäßiges
Schablonisieren macht die Nomenklatur der Aberrationen
eintönig, was auf die Dauer ebenfalls verdriesst.“ Und
später vermeidet er glücklich diese Eintönigkeit, indem
er am Schluss des Referates für mehrere Arten gewisse
Aberrationen, die ich bei andern Arten schon benannt
hatte, ohne jede Rücksicht auf meine Vorschläge mit
ganz neuen Namen versieht. — Dampf (Deutsche Ent.
Nat.-Bibliothek 15. Aug. 1911) in einem kurzen Referat
über meine „Lycaeniden Basels“ (Vhdl. d. naturf. Ges.
Basel 1910) bezeichnet ebenfalls eine einheitliche Be-
nennung der Aberrationen als wünschenswert, aber erst:
„sobald uns die Varietätsgesetze bei den verschiedenen
Arten klar geworden sind.“
Diese beiden Kollegen würden also keinen Nachteil
darin erblicken, wenn auf unbestimmte Zeit hinaus die
alte ziellose und egoistische Namengeberei weiter ge-
schleppt und sogar weiter gepflegt würde. Den meisten
Entomologen aber dürfte es viel verdriesslicher sein, sich
für die gleichen Aberrationen bei jeder Spezies immer
wieder neue, als bei allen Spezien nur einen und den-
selben Namen zu merken.
Jenen, wie mir scheint, allzu vorsichtigen Aeusserun-
gen gegenüber möchte ich es als eine im Interesse der
Sache erfreuliche und für mich ermutigende Tatsache
44 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
bezeichnen, dass von anderer Seite meine Bemühungen
um die Herstellung einer einheitlichen Aberrationen-
Benennung begrüsst und unterstützt werden. So hat
OÖberthür (Etud. de Lep. comparee Fasc. III. 1909
Preface) dieselben anerkennend erwähnt. Zu besonderem
Dank aber bin ich Prof. Rebel (neueste Auflage von
Berge’s Schmetterlingsbuch 1910) sowie Vorbrodt
(Schmetterlinge d. Schweiz 1911) verpflichtet, welche
beide meine Bezeichnungen der Besprechung der Lycae-
niden-Aberrationen zu Grunde legen. Der Letztgenannte
hat sogar meine oben erwähnte Genfer Tabelle mit den
schematischen Bildern seinem Buch einverleibt. Von
diesen beiden Werken verspreche ich mir, dass sie als
kräftiger Sauerteig zunächst auf die deutschen und
schweizerischen, später auf weitere Fachkreise wirken
und sie für die von mir vertretene Sache gewinnen
werden.
Der nachfolgenden Darstellung meines nomen-
klatorischen Systems muss ich folgendes vorausschicken:
Ich nenne konsequent:
die Gegend der Flügelwurzel. . . . Basis.
5 2 des Mittelmondes . . . Centrum.
He h der Bogenaugen . . . . Discus.
Randmende . . . Limbus.
” ”
Ferner gestehe ich, dass es mir für eine Reihe kom-
plizierterer Konfluenzen heut so wenig, wie am Schluss
meiner letzten Arbeit im Sommer 1911, hat gelingen
wollen, kurze und doch treffende Bezeichnungen auszu-
klügeln; dass ich für sie vielmehr äbnlich, wie dies
OÖberthür, Favre und Tutt getan haben, zusam-
mengesetzte Worte habe wählen müssen. Im Ubrigen
behalte ich die alte Einteilung bei und unterscheide:
Ueppige, bereicherte Formen — Formae
luxuriantes.
I) Formae crassipunctae — mit allseitig vergrösserten Augen
II) Formae elongatae — mit einseitig verlängerten Augen
a) Forma basi-elongata — mit verlängerten Wurzel-
augen
b) F. centro-elongata — mitverlängertiem Mittelmond
e) F. disco-elongata — mit verlängert. Bogenaugen
d) F. sagittata — mit verlängerten Randmonden
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 45
III) Formae confluentes — mit Verschmelzungen von Augen
A.Confluentiae simplices - einfache, innerhalb einer Zelle
a) F. basijuneta — zwischen Wurzelaugen
b) F. centrojuneta — zwisch.Wurzelauge u. Mittelmond
e) zwischen Wurzelaugen und Bogenaugen
1) F. semiarcuata — unvollständiger Bogen in
hinterster Zelle des Vorderflügels
2) F. arcuata — vollständiger Bogen an gleicher
Stelle
3) F. biareuata — doppelter Bogen an gleich. Stelle
4) F. eostojuneta — längs des Vorderrandes des
Hinterflügels
5) F. retrojuneta — in der drittletzten Zelle des
Hinterflügels
6) F. imojuncta — in der zweitletzten Zelle des
Hinterflügels
d) F. discojuneta — zwisch. Mittelmond u. Bogenauge
e) ©. limbojuneta — zwisch. Bogenauge u. Randmond
B. Confluentiae multiplices - mehrfache Verschmelzungen.
a) F. bi-centrojuncta i) F. arcuata-costo-retrojt.
b) F. diseo-costojuncta k) F.areuata-retro-imojun.
e) F. costo-retrojuneta I) F. quadruplex
d) F. limbo-retrojuneta m)F.parallela
e) F. arcuata-retrojuneta n)F.digitata
f) F. areuata-imojuncta o)F.radiata
g) F. tri-basijuneta p) F.extrema
h) F. arcuata-centro-retrojuneta
C. Confluentiae transversae — quer von Zelle zu Zelle
IV) Formae excedentes — Ueberzählige Formen
A. Formae basi-auctae — überzählige Wurzeiaugen
a) F. basi-tripuneta — 3 (statt 2!) Wurzelaugen
b) F. basi-quadripuncta — 4
c) F. basi-quinquepuncta — 5
d) F. basi-novopunceta — neue h
B. Formae centre-auctae — Ueberzählige Mittelmonde
a) F. lunulata — neuer Mittelmond
b) F. bilunata — verdoppelter Mittelmond
©. Formae disco-auctae — pluripunctae — überzählige
Bogenaugen
Eh
46 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1912.
Verarmte Formen — Formae privatae.
I) Formae parvipunctae — mit: verkleinerten Augen
II) Formae reductae — mit verminderter Augenzahl
A. Formae basi-reductae — fehlende Wurzelaugen
a) F. basi-unipuneta — nur I (statt 2!) Wurzelauge
b) F. basi-impuneta — kein (statt 2!) Wurzelauge
B. Formae disco-reductae — fehlende Bogenaugen
a) F. paueipuneta — Fehlen vieler Augen
b) F. caeca — Fehlen aller Augen.
Zu obigem Schema seien folgende Erläuterungen und
Bemerkungen gestattet:
Formae luxuriantes.
I. Formae crassipunctae.e Der Name bedarf kaum
einer Erklärung oder eines Bildes. Selbstverständlich
gilt er nur für Fälle von aussergewöhnlicher und all-
gemeiner Vergrösserung normaler Punkte und Augen und
zwar nach sämtlichen Richtungen. Favre (Faune du
Valais Suppl. p. 4) bezeichnete diese Aberration bei
orbitulus als: „F. subtus-punctis-fortissimis.“ — Diese
Fälle sind selten (In meinem Besitz! 4 aegon, 1 christophi,
1 jcarus, 1 escheri, 3 bellargus, 1 coridon, 1 meleager).
Il. Formae elongatae Formen mit Verlängerung von
Augen nur nach einer Richtung, so dass Keile, Keulen,
Striche entstehen.
a) F. basi-elongata. (Genfer Schema Litt. Ila.)
Die Wurzelaugen verlängern sich zuweilen beträchtlich
(T. IV F.1 icarus 2). Tutt brauchte hierfür bei icarus
(IV. p. 170) einfach den Ausdruck „elongata“. (In meinem
Besitz: 10 icarus, 1 bellargus. 1 coridon).
b) F. centro-elongata. Von mir nie beobachtet, von
Tutt bei einem coridon nur beschrieben, nicht abge-
bildet (IV.p. 40), er nennt sie „extensa-discoidalis“. Da-
bei war der Mittelmond zu einem sogar doppelten, radial
verlaufenden Strich verwandelt: Meine Bezeichnung
' „eentro-elongata“ erscheint klarer und passt besser in
meine Nomenklatur.
ce) F. disco-elongata — mit verlängerten Bogen-
augen (Genfer Schema Lit. IIb). Hier finden sich alle
L. Courvoisier. Lyeaeniden-Aberrationen. 47
Uebergänge von geringen oder mäßigen, nur auf einzelne
oder wenige Augen beschränkten, bis zu beträchtlichen
und vielfachen Verlängerungen der Bogenaugen, wobei
zuweilen wundervolle Bilder entstehen (T. IV, F. 2
semiargus &, schon in meiner Arbeit 1903 abgebildet).
Die Literatur enthält viele hierauf bezügliche Angaben,
Darstellungen und Namen.
Ich führe folgende an:
aegon „radiata“ Tutt (l.e.IIL.T.4.F.18)
optilete „subtus-radiata*“ Favre (l.c. Suppl.p.4)
eversmanni „amplificata“ Schultz (Gub. E. Ztschr. 06 SA.)
iearus „extensa“ Tutt (l.e.IV.p. 164)
coridon „extensa*“ Tutt (l.c.IV. Taf.2F.12)
bellargus „postico-striata“ Tutt (l.c. II. p. 352)
damon „extensa“ Krodel (Allg. Ztschr. E.04F.19)
alexis (ceyllarus) „radiata*“ Favre (l.c.p.5)
= „subtus-radiata“ Oberthür (Etud.XX. 189 T.3
melanops „subtus-radiata“ R (ib. F. 36) [F.23
e „marchandii (false!)“ Gerhard (T.15.F.1.a.b.)
semiargus „striata“ Wheeler (Bttfl. Switzld. 1903
h „striata“ Tutt (1. e>IH. T.A2R.6) 1 [p>26
Fi „lineata“ »„: (l.c.IIl'p. 268)
argiolus „subtus-radiata“ Oberthür (l.c.T.3.F.24)
ir „subtus-radiata“ Blachier (Bull. lepid. Geneve
minima „striata“ Tutt (II. T.4F.8)(1909T.10F.2)
virgaureae „guttata“ Schultz (Gub. E. Ztschr. 1904)
alciphron „constrieta“ 5 (ib. 1905)
sordius „subtus-fere-radiata“ Oberthür (l.ce.T.5,F.78)
phlaeas (ob.) „supra-radiata“ x (l.c.T.5 F.74)
tityrus (dorilis) „cuneifera“ " (Etud. Fase. IV. 1910
T. 43 F. 335.)
Schon diese Liste kann recht deutlich die bei der
Benennung der Aberrationen herrschende Konfusion und
Inkonsequenz veranschaulichen. Denn wenn für eine
und dieselbe Form in 22 Fällen 10 und sogar für einzelne
vom gleichen Autor 3, ja 4 verschiedene Namen erteilt
werden, so ist das eine Verwirrung, die nicht vom Guten
sein kann und dringend nach Abhilfe ruft.
d) F. sagittata (im Genfer Schema Lit. II. ce.)
Pfeilförmige Verlängerungen der Randmonde gegen die
Bogenaugen hin, hauptsächlich am Hinterflügel be-
obachtet (T.IV F. 5 argus ö). Eine ähnliche Form nannte
48 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Tutt bei argus (III. p. 186) „euneata“. (In meinem Besitz
ausser dem abgebildeten argus 5 argulus.)
Ill. Formae confluentes. Hier sind alle Formen auf-
gezählt, die ich bis jetzt kenne von Vereinigung von
Punkten und Augen zu Strichen. Der Uebersichtlichkeit
wegen scheide ich streng die einfachen, einzelnen, von
den mehrfachen.
A. Formae confluentes simplices (Uniconfluentiae). Sie
finden nur an einer Stelle, in einer Zelle statt, oft aber
symmetrisch.
a) F. basijuneta — zwischen Wurzelaugen (neu!)
Bei unsern Ohrysophanus-Arten zeigt die Mittelzelle des
Vorderflügels 2 Wüurzelaugen in einer Linie mit dem
Mittelmond. Seltenerweise verschmelzen sie zu einem
Stück. Ein Beispiel findet sich bei Tutt (I.T.13.F.13) von
phlaeas abgebildet unter dem irreführenden Namen „disco-
juncta*, die Konfluenz betrifft ja nicht den Discus, son-
dern die Basis — also „hasijuneta“. Von einer gleichen
Aberration bei tityrus berichtet mir Herr R. de Saussure
in Genf. Selbst beobachtet habe ich sie nie. — Bei
icarus, bellargus, coridon ete. kommt es zu einer Ver-
schmelzung von verdoppelten Wurzelaugen der Mittel-
zelle des Vorderflügels so häufig, dass man hier kaum
mehr von Aberration reden kann. Eventuell würde auch
hier der Name „basi-juneta“ zutreffen (T. IV. F.8
coridon).
b) F. centrojuneta — zwischen einem Wur-
zelauge und dem Mittelmond. (Genfer Schema
Ill. A. a) Von mir isoliert erst ein Mal beobachtet
bei einem böhmischen icarus @ (T. IV, F.4). Auch
Gerhard bildet (T. 38 F.9) einen icarus von dieser
Form ohne Namen ab. Tutt nennt eine ähnliche
Abweichung bei icarus (IV. p. 167) einfach „confluens“.
Oberthür bildet (Etud. 1910 T. 38 F. 252, 253) $ und @
aegon mit dieser Aberration am Hinterflügel ab, nennt
sie aber nach der Lokalität, wo er sie erbeutete: „plou-
harnelensis.“ — Jedenfalls äusserst seltene Fälle!
ec) Konfluenzen zwischen Wurzel- und Bo-
genaugen.
1) F. semiarcuata (Genfer Schema II. A.b. 4).
Unvollständige, an einer oder zwei Stellen unterbrochene
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 49
Bogenbildung zwischen den hintersten Wurzel- und
Bogenaugen des Vorderflügels (T. IV F. 8 coridon, rechts)
Esper bildete diese Aberration von icarus (T. 50 F. 3)
als „Polyphemus Varietas“ ab, Herrich-Schäffer
dieselbe von coridon (F. 362); Gerhard kopierte diese
letztere (T. 38 F. 4). Sie ist bei icarus und coridon ver-
hältnismässig häufig, bei anderen Arten selten. (In
meinem Besitz: 3 orion, 1 tithonus, 60 icarus, 5 bellar-
gus, 30 coridon.)
2) F. arcuata (Genfer Schema III. A. b. 5). Voll-
ständige Bogenbildung zwischen den hintersten Wurzel-
und Bogenaugen der Vorderflügel (T. IV F.8 coridon &
links). Diese Form hat schon Petiver (Pap. Brit. 1715
T.6F.2) von icarus abgebildet. Esper (T.51 F. 4) hat
sie bei bellargus als „Tiphys“ bezeichnet. Freyer
(N. Beitr. T.651 F.2,3) malte ein solehes Pärchen von
icarus. Gerhard (T.32F.4) nannte bei einem Pariser
Q von der Form syngrapha die Aberration: „parisiensis.“
— Bei icarus hat ihr 1873 Pincitore den lange Zeit
übersehenen Namen „melanotoxa“ (die schwarzbogige)
gegeben; 1878 ist sie von Weymer als „arcuata“, 1903
von Andre als „regnieri“, 1903 von Favreals „areua“,
1906 von Aigner als „confluens“ bezeichnet worden.
[Der von Esper (T. 50 F. 2 icarus 9) erteilte Name
„polyphemus“ den z.B. Leonhardt und Seitz vor-
anstellen, kommt hier garnicht in Betracht, denn er be-
zieht sich nicht auf die einfache Form „arcuata“, sondern
auf die Multikonfluenz, die ich später als „costo-retrojuneta‘
schildern werde] — Verity (Bull. Soc. Ent. Ital. 1910
T.1 F.20) bildet eine hierher gehörige Form von coridon
als „arcuata forma nova“ ab, übersieht aber, dass ich
schon 1903 den Namen für coridon gegeben habe. (In
meinem Besitz: 4 orion, 2 tithonus, 1 eröides, 1 amor,
. 3 venus, 50 icarus, 8 bellargus, 41 coridon, 1 syngrapha,
1 albicans.)
3) F. biarcuata (Genfer Schema III. A. b. 6). 2 Bogen
zwischen hintersten Wurzel- und Bogenaugen der Vorder-
flügel (T. IV F.9 coridon Q). Herrich-Schäfferhat
diese Aberration von icarus (Fig. 362, Oberthür hat
sie (Etud. xx. T. 3 F. 27) von bellargus, Tutt hat sie
(IV. T.2 F.17) von coridon abgebildet und (IV. p. 168)
von icarus erwähnt. Sie ist äusserst selten. (In meinem
Besitz: 3 icarus, 4. coridon.)
*4
50 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
4) F. costojuneta (Genfer Schema Lit. III. A. b. 1).
Vorderstes Wurzel- und vorderstes Bogenauge des
Hinterflügels vereinigt. (T. IV F.5 orion 2, schon 1907
von mir abgebildet F. 6). Der Name stammt von Tutt,
der ihn für solehe Vorkommnisse bei aegon (II. T.4 F. 19)
bellargus (Ill. T. 42 F. 8), eoridon (IV.p. 41) braucht. —
(In meinem Besitz: je 1 aegon und argus einseitig, je
1 baton, orion, escheri, coridon, damon, iphigenides,
sowie 2 bellargus und 2 thersamon beiderseitig.)
5) F. retrojuneta (Genfer Schema III A.b.2 retro-
juncta a). In der drittletzten Hinterflügelzelle sind Wurzel-
und Bogenauge, resp. die hier meist stehenden 2 Bogen-
augen. verschmolzen (T. IV F. 6 pylaon 9). — Tutt hat
hierfür wiederholt, bei bellargus (III. T.42 F.6) coridon
(IV. T.2 F. 7) .jearus.-(1V.'p. 172): den. ’Ausdruck 7 base
juneta“, der aber unglücklich gewählt’ ist, da niemand
den hinteren Teil, sondern jedermann die Wurzel der
Flügel als Basis zu bezeichnen pflegt. (In meinem Besitz:
6 aegon, 4 argulus, 1 phanorum, 2 pylaon, 1 baton, 7
icarus, 2 coridon, 1 arion, letzterer in meiner Arbeit 1907
Taf. 1 F. 7 abgebildet.)
6) F. imojuncta (Genfer Schema Ill. A. p. 3 re-
trojuncta b.. Wie vorige Form, aber die Konfluenz in
der zweithintersten Hinterflügelzelle (T. IV F.7 arion &).
Meines Wissens noch nirgends erwähnt. (In meinem Be-
sitz: je 2 lyeidas, icarus, arion.)
d) F. diseojuncta (Genfer Schema III. A. e).
Ein schwarzer, Strich verbindet den Mittelmond mit
einem Bogenauge des Vorderflügels (T. IV F. 10 semiar-
gus ©). Fine solche Abbildung bringt Oberthür
(Etud. xx. 1. 3. F. 39) von tithonus; Tutt gibt sie von
phlaeas (I. T. 13 F.4 u. 14); er nennt die eine „infra-
extensa*, die andre „infra-radiata“. [Was Tutt bei
phlaeas (I. p. 380 T. 13 F. 13) „discojuneta“ nennt, sollte
besser „basijuneta“ heissen, da es sich um Verschmel-
zung zwischen 2 Wurzelaugen handelt, und man doch
die Flügelwurzeln nicht als Discus. sondern als Basis
zu bezeichnen pflegt]. Ebenfalls eine höchst seltene Aber-
ration. (In meinem Besitz: je 1 aegon, bellargus, semiar-
gus, sowie I arion Oberseite.)
e) F. limbojunecta (im Genfer Schema nicht
enthalten). Verschmelzung zwischen einem Bogenauge
ze
R)
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 51
und dem zugehörigen Randmond, bis jetzt von mir nur
am Vorderrand des Hinterflügels isoliert beobachtet, aber
natürlich an allen möglichen Stellen denkbar. (T. IV F. 11
lyeidas 5, 1907 schon als F. 12 abgebildet), ebenfalls
selten (in meinem Besitz: je 1 argus, cyparissus, coridon,
hippotho& einseitig, je ein argulus, lyeidas beidseitig.) —
Herr Prof. Blachier in Genf teilt mir mit, dass er
einen icarus 5 mit einer Confluentia „limbojuncta“ in der
Spitze des rechten Vorderflügels besitze. Will man dafür
einen besonderen Namen geben, so könnte er am besten
„apieijuncta“ lauten.
B) Multiconfluentiae. — Confluentiae multiplices.
a) F.bi-centrojuncta (Genfer Schema Typus a).
Wiederholung der oben beschriebenen Form „centrojuncta“
am Vorder- und Hinterflügel (T. IV F. 12 gordius 3). Ich
kenne sie bis jetzt aus keiner Beschreibung oder Ab-
bildung und besitze nur 3 entsprechende Exemplare von
gordius: 1 & und 19 zeigen dieselbe an allen 4 Flügeln,
1 5 an beiden Vorderflügeln und an einem Hinterflügel.
b) F. diseo-costojuneta (neu). Kombination von
„aAiscojuneta* und „costojuncta“. Bis jetzt mir nur be-
kannt aus Oberthürs Bild von tithonus (Etud. xx.
T. 3 F. 39), wo sich am Vorderflügel Mittelmond und
drittes Bogenauge, am Hinterflügel vorderstes Wurzel-
und Bogenauge vereinigt finden; der Autor nennt das
„subtus-radiata“.
ec) F. costo-retrojuncta (Genfer Schema Typus b).
Kombination von „costojuncta“ und „retrojuneta“ (T. IV
F. 13 argulus ö). Dieselbe ist bei Oberthür (Etud.
xx. T. 4 F, 52) von argus unter der Bezeichnung „subtus-
maculis - partim - extensis“ abgebildet. Ich selbst habe
meinen argulus schon 1907 (F. 15) wiedergegeben. (In
meinem Besitz ausserdem: Il aegon, 1 icarus, 1 sephyrus.)
d) F. limbo-retrojuneta (neu). Kombination von
„limbojuneta“ und „retrojuneta“ am Hinterflügel; mir
ebenfalls nur bekannt aus einem Oberthür’schen Bild
(T. 4 F. 62) von aegon, als „radiata“ bezeichnet.
e) F. arcuata-retrojuncta (Genfer Schema Typ. e).
Kombinationen des bekannten Bogens am Hinterrand des
_ Vorderflügels mit Konfluenz in der dritthintersten Hinter-
52 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
flügelzelle (T. IV F. 14 icarus 9). Diese Konfluenz-Kombi-
nation, und nicht die einfache „arcuata“ hat Esper
„polyphemus“ genannt (T.50 F. 2); sie betraf auch ein
icarus ©. Ausser diesem Esper’schen und meinen eigenen,
schon 1907 (F. 14) gegebenen Bild kenne ich kein
anderes. (In meinem Besitz: 7 icarus, 1 bellargus,
1 coridon.)
f) F.areuata-imojuncta (Genfer Schema Typus d).
Der vorigen ähnlich, aber die Konfluenz am Hinterflügel
in der zweitletzten Zelle (T. V F. 15icarus 9%). Das ab-
gebildete Stück ist das einzige mir bekannte.
g) F.tri-basijuncta (neu). Ein von mir erst im
Sommer 1911 erworbenes Unicum: ein aegon %, das am
Hinterflügel zwischen 3 Wurzelaugen einerseits, zwischen
vorderstem Bogenauge, Mittelmond und zweithinterstem
Bogenauge andrerseits prächtige Verbindungen auf-
weist (T. V F. 16).
h) F. areuata-centro-retrojuncta (Genfer
Schema Typus e). Am Vorderflügel ein Wurzelauge mit
dem Mittelmond verschmolzen; dazu F. arcuata und retro-
juneta (T. V F. 17 icarus 2). Ebenfalls Unicum!
i) F. arceuata-costo-retrojuncta (Genfer Schema
Typus fJ. Vorderflügelbogen, F. costojuncta, retrojuncta
(T. VF. 18 icarus 2). Wiederum Unicum! (vgl. 1907 F. 18).
k) F. arcuata-retro-imojuncta (Genfer Schema
Typ.g). Vorderflügelbogen; dazu Konfluenzen in 2 hinteren
Hinterflügelzellen (Taf. V F. 19 icarus 9, vgl. 1907 F. 19).
Ich besitze noch ein zweites, weniger schön ausgeprägtes
icarus © dieser Form.
l) F. quadruplex (Genfer Schema Typus h). Vier-
fache Konfluenz!: am Vorderflügel lange Verbindung
zwischen 2 Wurzelaugen + F. arcuata; am Hinterflügel
F. costojuncta + retrojuncta (T. V F. 20 hbellargus 9,
1907 schon als F. 20 abgebildet). Unicum!
m) F. parallela (Genfer Schema Typus i). Hier ver-
schmelzen das dritte und vierte Bogenauge des Vorder-
Nügels mit dem Mittelmond durch parallel gerichtete
Streifen (T. V F. 21 bellargus 4). Tutt gibt unter der
Bezeichnung: „extensa -conjuneta“ (I. Taf. 13 F. 7, 8)
Bilder von 2 phlaeas, welche meine Aberration „parallela “
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen 53
und überdies einige verlängerte Bogenaugen zeigen, wie
sie sich bei den meisten meiner hierher gehörigen Stücke
auch finden. (In meinem Besitz: 1 argus und 1 arion
Oberseite; 1 cleobis, 1 lyeidas, 3 bellargus, 1 coridon
Unterseite, 5 virgaureae, 3 phlaeas Oberseite.)
n) F. digitata (Genfer Schema Typ. k). Bei recht
ausgeprägten derartigen Aberrationen entsteht durch
einfache oder doppelte Verschmelzung von Wurzelaugen
mit dem Mittelmond, ferner des letzteren mit dem dritten
und vierten Bogenauge, endlich meist durch begleitende
Verlängerungen weiterer Bogenaugen im Vorderflügel
eine Figur, die einigermassen dem Skelett einer Hand
mit Fingern gleicht; daher der Name (T. V F. 22 icarus
‘9. Tutt bringt (IV.T.2F.5) ein Bild von coridon, das
er „antico-juneta“ nennt, und bei welchem zwar von der
durch diesen Namen angedeuteten Vereinigung keine
Rede ist, das aber gleichsam einen Anlauf zeigt zur
Entstehung meiner Form „digitata“. Denn sowohl Wurzel-
als Bogenaugen sind in der Richtung gegen den Mittel-
mond so verlängert, dass sie beinahe. aber nicht ganz
mit ihm sich verbinden. Aehnlich ist das Bild von
bellargus bei Oberthür (Etud. 1910 T.19F.62) „radiata“
genannt. Man könnte hier beinahe von „F.semidigitata“
reden. — Dagegen bildet Oberthür (Etud.xx. T.3 F. 28)
von bellargus eine „subtus-partim-radiata“, ferner von
icarus (ib. T.4 F.43) eine „subtus-radiata“, endlich von
aegon (Et. 1910 T. 38 F. 251) eine „radiata“ ab, welche
genau meiner „digitata“ entsprechen. Letzteres Bild zeigt
sogar überdies eine analoge Aberration am Hinterflügel.
(In meinem Besitz: je 2 tithonus, icarus, bellargus und
coridon.)
o) F.radiata (Genfer Schema Type). Der Ausdruck
„radiata“ ist in älterer und neuerer Zeit von vielen Autoren
für die allerverschiedensten Aberrationen verwendet
worden, so besonders von Oberthür und Tutt.
Niemand hat ihn aber bis jetzt konsequent für eine be-
stimmte Form gebraucht, wie es doch rationell und
praktisch gewesen wäre. Ich habe nun den Namen
streng derjenigen Form vorbehalten, bei welcher mehr-
fache bis vielfache Konfluenzen zwischen Bogenaugen und
zugehörigen Randmonden, also mehrfache „Confluentiae
limbojunctae“, bestehen. Die daraus hervorgehende
54 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Figur ist eine „strahlige“, wie es der Wortlaut des Namens
angibt. Auf den ersten Blick gleicht sie derjenigen,
welche bei multipeln Elongationen der Bogenaugen ent-
steht (meine T.IV F.2). Die betreffenden Bilder gehören zum
Schönsten, was man auf diesem Gebiete beobachten kann,
und ein Rahmen voll solcher „Radiatae“ ist eine wahre
Augenweide (T. V F. 23 rutilus 2). Darum haben sie von
jeher mehr, als manche andere unscheinbarere, aber doch
ebenso interessante Konfluenzen die Aufmerksamkeit der
Entomologen erregt, und wir treffen Erwähnungen und
Darstellungen derselben schon bei alten Autoren. Folgende
Aufzählung der mir bekannt gewordenen Beschreibungen,
Abbildungen und Benennungen mag, obschon sie kaum
vollständig sein dürfte, davon eine Vorstellung geben:
argus „Var.“ Herrich-Schäffer (F.247)
‘ Copie: Gerhard (T. 38 F.5)
| ebenso: Krodel (Allg. Ent. Z. 1904 F.21)
a „subtus-radiata“ Oberthür (Etud.xx.T.24 F.53)
aegon Bellier (Ann.Soc. Ent.France 1858 p.307)
orbitulus „striata“ Reverdin (Bull. Lep.Geneve 09 T.10 F.3)
sephyrus „variete“ Lederer (Ann. Soc.Ent.Belg. 1865 T.3 F.2)
chiron Esper (T.SOF.3)
„ „subtus-radiata“ OÖberthür (l.c. T.4F.50)
hs „pilzii“ Schultz (Berl. Ent. Ztschr. 1905)
tithonus (eros) Bellier (l.c.p. 307)
medon (astrarche) „radiata“ Blachier (Bull. Lep.Geneve 1908 T.I9F. 8)
»„ „subtus-radiata“ Öberthür (l.c.F.51)
iearus J. Chr. Schäffer (1766 Icon T.255 F.4,5)
»„ „subtus-radiata“ Oberthür (l.c.T.4 F. 43)
„ „subtus-maculis-extensis“ ,„ (ib. F. 44)
RN ALOE N (Etud. 1910 T. 41 F. 298)
n Aradiata“ = (ib.F. 299)
» „radiata“ Blachier (l.c.F.9)
„o,striata® Tutt (IV.p. 165)
»„ nigrocuneata“ Lacreuze (Bull.Lep.Genevei909T.9F.1)
escheri $&% (2) „radiata“ Oberthür (Etud. 1909 T.20 F. 74 u. 80)
5, „radiata“ Turati-Verity (Bull. S. Ent. Ital. 1910
bellargus „conjuneta“ Tutt (II.T.42F.15) [T:1:2,16)
arion „Aberr.“ | Herrich-Schäffer (F. 519, 520)
“ Copie voriger: Gerhard (T.38 F.a. b.)
» „eoalescens“ Gillmer (Soe, ent. 1904)
lysimon „mora“ Swinhoe (Pr. 2.8. 1884 T.47 F.7)
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 55
hippotho& Esper (T.100 F. 2)
5 Engramelle (T.73 F.93 g.)
n Bergsträsser (T.6S F.5)
E Meigen (T.40 F.1 ec.)
5 „Abart“ Freyer (N. Beitr. T.163 F. 3)
5 (4) „eonfluens“ Gerhard (T.SF.1a-d.4 versch. Formen)
z (2) „eonfluens* Oberthür (Et.xx. T.5 F.80, 81)
E Einicke (Ent. Ztschr. Stuttgt. :910 Nr. 14)
alciphron „radiata“ Turati-Verity (l.c.p.274)
sordius „rondoui“ OÖberthür (Etud. 1910 T.38 F. 246)
ochimus „strigifera* Schultz (Gub. Ent. Ztschr. 1905 S,A.)
rutilus „sagittifera* Hormuzaki (Vhdl. zool.-bot. Ges. Wien
& „nigrolineata“ Verity (Entomol. 1904 p. 57) [1877 p.12)
phlaeas „striata“ Gillmer (Gub. Ent. Ztschr. 1904 S. A.)
tityrus (2) „radiata“ Oberthür (Etud. 1910 T. 43 F. 332, 333)
r „strandi“ Schultz (l. c.)
Diese Liste ist lehrreich: sie zeigt, dass bei 12
Lycaena- und bei 7 Chrysophanus - Arten eine und die-
selbe Aberration in 48 Fällen beobachtet resp. beschrieben
worden ist. Aber man lernt aus derselben zugleich sehr
deutlich eine bunte Musterkarte von Namen kennen,
die für diese einzige Form erteilt worden sind: 12 Autoren
haben bei 16 Arten in 55 Fällen 15 verschiedene Be-
nennungen angewendet; mehrere Autoren haben die
gleiche Aberration 2 Mal, einer hat sie 3 Mal, einer
5 Mal verschieden getauft. Sie hat bei icarus allein
6 verschiedene Namen erhalten. Von irgendwelcher
Uebereinstimmung in der Nomenklatur ist also keine Rede.
Immerhin überwiegt im Register die Bezeichnung „radiata“,
die fast ebenso häufig vorkommt, wie alle anderen zu-
sammen; sie ist die von Oberthür mit Vorliebe, von
Blachier und Turati einzig gebrauchte. Das ist
auch der Grund, weshalb ich sie, obschon sie ja an sich
nicht eindeutig ist, für diese Aberration gewählt habe.
(In meinem Besitze: je 1 aegon, lyeidas, superba, titho-
nus, hylas (in meiner Arbeit 1907 F. 23 abgebildet), iphi-
genides, ochimus; je 2 argus, icarus, meleager 59,
3 gordius, 3 euridice, 4 rutilus, 6 tityrus, 9 hippotho£.)
p) F. extrema (Genfer Schema Typ. m). Die höchste
denkbare Konfluenz: Kombination von „centrojuncta,
parallela und radiata“, oder von „digitata und radiata“,
indem dabei an einer oder mehreren Stellen durch-
56 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
gehende Verschmelzung vom Wurzelauge durch Mittel-
mond und Bogenaugen bis zu den Randmonden, meist
begleitet von andern Konfluenzen und von Elongationen,
besteht. (T. V F. 24 aegon 9, 1907 noch in Fig. 24 als
argus bezeichnet.) — Von entsprechenden Bildern bei
anderen kenne ich nur icarus © „subtus - radiata“ bei
Oberthür(Et.xx. T.4F.43 links) und bellargus „striata “
bei Tutt (III. T.42 F.16). Es ist offenbar wieder eine
der seltensten Formen. (In meinem Besitz: je 1 aegong,
icarus @ unvollständig, icarus @ vollständig, tityrus 9.)
Ill. C) Formae transversae. — Quere Konfluenzen. Alle
bisher besprochenen Konfluenzen verbinden nur Augen,
die innerhalb der gleichen Zelle stehen. Die ver-
bindenden Striche verlaufen also zwischen den Gefässen,
ihnen parallel. Allerdings gibt es an jedem Flügel eine
Stelle, wo auch quere Verschmelzungen auftreten. Das ist
am Vorderflügel die hinterste Zelle mit dem siebenten und
achten, am Hinterflügel die dritthinterste Zelle ebenfalls
mit dem siebenten und achten Bogenauge. Diese Augen
stehen überhaupt sehr dicht beisammen und sind vielleicht
ebenso häufig zu einem kurzen Strichelchen verschmolzen,
als getrennt. Man kann also hier überhaupt nicht
mehr von Aberration reden. Ausnahmsweise ist dieses
Zwillingspaar, zumal am Hinterflügel, etwas weiter aus-
einander gerückt und die Lücke durch einen dicken,
hakenförmigen Strich überbrückt. Dann kann von Kon-
fluenz gesprochen werden, die auch einen eigenen Namen
verdient. So nennt Tutt bei argiolus (I. p. 398) und
semiargus (Ill. p. 261) diese Aberration: „enigrum“.
Die jetzt zu besprechenden Konfluenzen sind ganz
anderer Art: sie kreuzen die Gefässe, die Striche
verlaufen quer, von Zelle zu Zelle. Derartige Verbin-
dungen sind auch schon beschrieben und benannt worden,
aber nur von der Oberseite. Zuerst hat Strecker
(Cat. Amer. Lep. 1878 p. 101) eine solche Aberration von
hypophlaeas „fasciata“ getauft. Dabei waren auf den Vor-
derflügeln alle schwarzen Punkte sehr verlängert und unter
sich zu einem breiten, den Discus quer durchziehenden
Band vereinigt. Genau gleich war wohl die von Strand
(Nyt. Mag. f. Nat. 1902 p. 165) als „kochii“ bezeichnete
phlaeas-Aberration. Dem Wesen nach damit überein-
stimmend war auch die phlaeas-Form, die Tutt (I. p. 362)
ar
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 57
„Juneta“ nennt; nur dass die verbundenen Flecken nicht
verlängert waren und statt einer Binde ein Zickzack
bildeten. Hierher gehört auch die von Schultz (Gub.
Ent. Ztschr. 1904 p. 233) getaufte, wenig auffällige Form
„subfasciata“ bei gordius, deren Original Seitz (T. 77
b. F.3) abgebildet hat. — Von der Unterseite sind mir
keine Beschreibungen bekannt. 1907 habe ich in einer
Fussnote (p. 34) zuerst den Fall erwähnt, wo ich bei ei-
nem semiargus des Basler Museums .zwischendrittem
und viertem Bogenauge des rechten Hinterflügels einen
kurzen, dicken Verbindungsstrich entdeckte. Ein Holz-
schnitt, der aber schlecht ausfiel, sollte diese Aber-
ration illustrieren. Seither sind folgende Exemplare in
meinen Besitz gelangt: ein arcas & mit genau der
gleichen, eben bei semiargus beschriebenen Querver-
bindung, ein tithonus (eros) & mit symmetrischer Kon-
fluenz zwischen zweitem und drittem Bogenauge jedes
Hinterflügels; ein aegon & mit Verschmelzung mehrerer
mittlerer Bogenaugen aller Flügel; endlich eine hervor-
ragend schöne Aberration eines hylas &, bei dem beider-
seits sämtliche Bogenaugen der Vorderflügel, ferner am
rechten Hinterflügel das zweite bis sechste, am linken
das dritte bis sechste Bogenauge zu ununterbrochenen
schwarzen Zickzacklinien verbunden sind (T. V F. 25).
IV) Formae excedentes. — Ueberzählige Formen. Sie
entsprechen den „Formae supernumerariae“ meiner Arbeit
von 1907.
A) F, basi-auctae — mit überzähligen Wurzelaugen.
Hierher gehören zunächst gewisse Aberrationen, welche
nur bei den schon normal mit Wurzelaugen ausgestatteten
Arten auftreten können, indem entweder eines der beiden
anscheinend gesetzmässigen Augen, und zwar bald das
vordere, bald das hintere, oder beide sich verdoppeln,
eventuell eines derselben sich verdreifacht. Demgemäss
habe ich die entstehenden Formen bezeichnet als:
a) F. basi-tripuncta
b) F. basi-quadripuncta
ec) F. basi-quinquepuncta.
Für sie bedarf es wohl keiner Abbildungen. Sie sind
übrigens im Ganzen nicht besonders häufig, namentlich
nicht „quadri-* oder gar „quinquepuncta“. (In meinem
58 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Besitz tripuncta: 2 baton, 4 orion, 1 orbitulus, 3 tithonus,
4 eroides, 40 icarus, 44 bellargus, 30 coridon, 4 arion. —
quadripuncta: 2dicarus, 2eroides, 29 bellargus, 40 eori-
don, quinquepuncta: 2 icarus 9.)
d) F. basi-novopuncta, mit ganz neuen Wurzel-
augen. So nenne ich Fälle, wo bei Lycaenen, welche
normal der Wurzelaugen entbehren, solche ausnahms-
weise auftreten; oder, wo bei CGhrysophanusarten, welche
normal nur in der Mittelzelle 2 mit dem Mittelmond in
einer Linie stehende Wurzelaugen besitzen, entweder
zwischen dieser oder im hinteren Teil der Vorderflügel-
wurzel ein neues Auge erscheint. (In meinem Besitz:
1 aegon, 2 hylas, 1 escheri, 2 alexis [cyll.], 2 gordius,
2 rutilus.)
B) Formae centro-auctae.
a) F. lunulata — mit neuem Mittelmond. Hier-
her gehört eine tithonus- (eros-) form aus Kuldja, welche
Staudinger mir 1894 in litt. als „stigmatifera“ be-
zeichnet, aber später meines Wissens nie beschrieben hat.
— Von der montanen Form der hippotho®, der euridice
(eurybia) wird zuweilen behauptet, der & entbehre im
Vorderflügel eines Mittelmondes, wie ihn die Ebenenform
trägt. Wäre das die Regel, so würden die mit Mond
versehenen euridicen-S5 Aberrationen sein und den Namen
„lunulata“ verdienen. Tatsächlich scheint, wenn ich nach
meinem Material urteilen darf, jene Behauptung unrichtig
zu sein. Denn ?/, meiner etwa 50 euridice 55 besitzen
den Mond. — Dagegen kommen bei anderen Arten ge-
legentlich Vorderflügelmonde vor, die sie gewöhnlich
entbehren. (In meinem Besitz: 12 coridon 4, 4 damon
85, 10 semiargus &4, 24 virgaureae &&.)
b) bilunata — verdoppelter Mittelmond. Aus-
nahmsweise erhält der normale Mittelmond der Unterseite
des Vorderflügels einen Nebenmond (T. V F.20 bellargusQ®
links).
©) Formae disco-auctae — mit überzähligen Bogenaugen.
F. pluripuncta. Diese Form, bei der zwischen
Mittelmond und normalen Bogenaugen oder auch längs
der letzteren nach aussen hin neue Punkte auftreten,
hatte ich 1907 unter den „Formae supernumerariae“ auf-
N,
RY
-
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 59
gezählt, ohne sie besonders zu benennen. Rebel hat
sodann (Berge’s Schmetterlingsbuch 1909 p. 66, 67 etc.)
bei einer Reihe von Arten einen angeblich von mir für
solche Aberrationen erteilten Namen „multipuncta“ an-
geführt, den ich aber nie vorgeschlagen habe. Neuerdings
habe ich nun (Genfer Schema und Tabelle bei Vorbrodt
Lit.IV.C.) die Bezeichnung „pluripuncta“ gewählt, welche
treffender ist, indem sie nicht nur angibt, dass viele, sondern
dass mehr Punkte als normal vorhanden seien.
Ich halte sie auch für genauer, als 3 andere für diese
Abweichung erteilte Namen: Tutt tauft sie bei bellar-
gus (III. T.42 F. 13) und coridon (IV.T.2F.4) „addenda“,
eine ähnliche bei coridon (ib. F. 6) „glomerata“; Gillmer
(Gub. Ent. Ztsehr. 1907 p. 88) nennt sie bei icarus „excessa“,
(T. V F.26 amandus %. In meinem Besitz: 3 aegon,
1 argus, 1 baton, 1 Iycidas, 2 cyparissus, 2 orbitulus,
1 ehiron, 1 phyllides, 7 tithonus, 1 medon, 7 jicarus,
il amandus, 6 hylas, 20 bellargus, 9 coridon, 1 iphige-
nides, 1 melanops, 2 alexis (ceyll.), 2 arion, 3 virgaureae,
1 rutilus, 5 tityrus.)
Formae privatae. — Verarmte Formen.
Im Gegensatz zu den luxurierenden Aberrationen,
unter welchen eine ganze Menge einzelner Formen auf-
gezählt wurde, tritt bei den verarmten die Zahl der
Möglichkeiten sehr zurück. Es kann sich hier nur um
Verkleinerung oder Verlust dieser oder jener Funkte oder
Augen handeln.
I) Formae parvipunetae — kleinäugige Formen. Sie
stehen direkt den „Formae crassipunctae“ gegenüber.
Denn bei ihnen ist die Zahl der Bogenaugen auch un-
verändert, aber ihre Grösse mehr oder weniger vermindert.
Der von mir für solche Fälle gewählte Name ist zuerst
von Fuchs (Stettin. Ent. Z. 1580 p. 116) für eine ent-
sprechende argiolus-Aberration erteilt worden. Hierher
gehört aber z.B. auch die von Bienert (Dissert. p. 29)
benannte icarus-Form „persica*. — Natürlich soll diese
Bezeiehnung nur angewandt werden in Fällen, wo die
Verkleinerung eine sehr erhebliche und allgemeine ist
(T. V F. 27 persica ö). Man trifft sie im Ganzen sehr
selten. (In meinem Besitz: 2 argulus. 4 persica, 6 coridon,
1 damon, 1 argiolus-Original von Fuchs!)
60 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Il) Formae reductae — mit verminderter Augenzahl. 1907
habe ich alle derartigen Aberratiöonen zusammen als
„paucipunctae“ bezeichnet. Jetzt trenne ich 2 Gruppen,
solche, wo der Verlust die Wurzel- und solche, wo er
die Bogenaugen betrifft.
A) F. basireductae. — Fehlen der Wurzelaugen. — Sie
bilden den direkten Gegensatz zu den „Formae basiauctae“.
Es handelt sich dabei fast nur um die Wurzelaugen der
Vorderflügel, für welche, wie schon erwähnt, bei den
Arten, wo sie regulär vorkommen, die Zweizahl maß-
gebend zu sein scheint: ein vorderes Auge steht im
Grund der Mittelzelle, ein zweites in der hintersten Zelle.
|An den Hinterflügeln beträgt die Normalzahl 4: eins
in der vordersten, eins in der mittleren, eins in der dritt-
letzten. das letzte in der hintersten Zelle, Diese Hinter-
flügelaugen sind aber bei Lycaenen oft durch blaue oder
grüne Wurzelbestäubung verdeckt. Sonst scheinen sie
fast nur bei allgemeinem Augenverlust zu fehlen.| Für
unsere Betrachtung handelt es sich also fast nur um die
Vorderflügel von: baton, orion, orbitulus, anteros, titho-
nus, icarus, bellargus, coridon und arion. Hier gibt es:
a) F.basi-unipumeta mit nur einem Wurzelauge.
b) F. basi-impuncta ohne Wurzelauge.
Schon älteren Autoren sind solche Defekte aufgefallen.
So bildet z. B. Esper (T.79 F.1) ein an der Wurzel
blindes coridon 9, ferner (T. 55 F. 2 u. 6) 2 bellargus 5 ab,
den einen mit nur einem, den andern ohne Wurzelauge;
endlich (ib. F.5) einen icarus & ohne solches, und alle
bezeichnet er eben dieses Mangels wegen als „Ab-
änderungen!“ Auch bei Engramelle (T.39 F.82 a)
findet sich ein coridon mit nur einem und (ib. F. 82 e)
ein bellargus ohne Wurzelauge. Herrich-Schäffer
(F. 246) malte eine icarus „Varietät“ ohne ein solches. —
Auch mehrere ‚Namen sind für solche Fälle gegeben
worden, meist im Glauben, es handle sich um eigene
Arten. So nannte Meigen (I. T.48 F.2) den an der
Wurzel einäugigen icarus „iphis“; Gerhard folgte ihm
mit Bild und Namen (T. 28 F. 1b). Den an der Wurzel
ganz blinden icarus taufte Scriba (Inal. f. Ent. 1795)
„iearinus‘, Freyer (N.Btr. T.676F.1, 2 52) „alexiee“;
Gerhard (T.28F.2 b) „thersites“. — Spätere Autore2
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 61
haben es freilich für überflüssig gehalten, diese blos
individuellen Abweichungen abzubilden. Auch ich ver-
ziehte auf entsprechende Bilder. — In meinem Besitz!
unipuncta: 7 baton, 2 orbitulus, 2 anteros, 10 tithonus,
25 icarus, 33 bellargus, 34 coridon, 8 arion — impuncta:
2 orbitulus, 5 tithonus, 44 icarus, 12 bellargus, 16 coridon,
6 arion.)
B) Formae disco -reductae. - Fehlende Bogenaugen.
Hierher müssten. streng genommen, alle Fälle gezählt
werden, wo von den normalen Bogenaugen auch nur
eines fehlt, bis zu denjenigen, wo alle verloren gegangen
sind. Denn alle Zwischenstufen kommen vor, und eine
Grenze ist nicht zu ziehen. Ich habe aber 1907 schon
gezeigt, dass von den 3 Vorder- und den 9 Hinterflügel-
augen, welche für die Genera Lycaena und Chrysophanus
der höchste Grad der Entwickelung zu sein scheinen,
sehr oft die vordersten und hintersten an jedem Flügel
fehlen. Ausgedehnte Beobachtung lehrt sogar, dass bei
gewissen Arten (z. B. in der admetus-, damon-, alexis-
[eyllarus] Gruppe) eine Verminderung der Augen auf die
mittleren 5 bis 6 so häufig ist, dass man das bei ihnen
kaum Aberration nennen darf. Im Allgemeinen wird
man also besondere Namen nur für Abweichungen geben,
wo die Reduktion und dadurch der Kontrast mit der Norm
gross ist. Solche Vorkommnisse mussten von jeher auf-
fallen und wurden abgebildet, oft wieder in der Meinung,
man habe neue Arten vor sich. Das folgende Register
bezieht sich auf diesbezügliche Fälle:
aegon „caeca“ Grund (Gub. Ent. 2.1908 p. 71)
argus „maracandica“ Erschoff (Fedtschenkos Reise p. 10)
er „tomyris“ Gr. Grshimailo (Mem. Rom. 1890 T.7 F.5)
orbitulus „caeca“ Muschamp (Bull. Lep. Geneve 1908 p. 264)
pheretes„maloyensis“ Rühl (Soe. ent. 1892 p. 181)
chiron „privata* Staudinger (lris 1895 p. 300)
= „speveri“ Hucz (Berlin. Ent. Nachr. 1881 p. 244)
medon „vedrae“ Harrison (Ent. Record. I. p. 296)
icarus „sub-obsoleta“ Tutt (IV.p.155)
Rn „vaeua“ Gillmer (Gub. Ent. Z. 1910 p. 4)
escheri „rostagnoi“ Turati-Verity (Bull. Soe. Ent. Ital. 1910
hylas „obsoleta“ Gillmer (Gub. Ent. Z. 1904 p.6) |[T.1F.15)
5 „glycera“ Schultz (Soe. ent. 1904 p. 6)
62 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
bellargus „krodelii“ Gillmer (Jll. Ztschr. f. Ent. 1899 p. 50)
5 „einnides“ Staudinger (Cat. 1901 p. 12)
Mi „obsoleta Tutt (IN.T.42 F. 18,19)
eoridon „einnus“ Hübner (F. 531)
5 „lueretia* Gaschet (Bull. Soe. E. France 1877 p. LXIV)
» „sohni“ Rüh] (p. 279)
5 „obsoleta* Gillmer (Soe. ent. 1902 p. 68)
= „obsoleta* Tutt (IV.p. 36 T.2F.13—16)
amandus „caeca“ Gillmer (Soe. ent. 1904 p. 180)
stoliezkana „arene“ Fawcett (Proc.Zool.Soc. 1904 p.137 T.IF.4)
meleager „obsoleta* Rebel (Berge p. 71)
damon „gillmeri“ Krodel (Allg.Ztsehr.f.Ent.1904 T.1 F.11—16)
5 „eaeca" Aigner (Gub. Ent. Z. 1906 p. 8)
alexis (eyll.) „dimus“ Bergsträsser (T.43 F.7, 8)
A „phobos“ = (T. 54 F.7, 8)
„subtus-impunctata* Oberthür (Et.xx. T.3 F. 21, 22
3 „lugens“ Caradja (Iris 1893 p. 177)
melanops „marchandii* Boisdoval (Rev. Silberm. 1807 T. 27)
semiargus „caea* Fuchs (Stett. Ent. Z. 1883 p. 253)
e „spadae* Hellweger (Gub. Ent. Z. 1909 p. 312)
alecon „cecinae“ Hormuzaki (Soe. ent. 1897 p. 18)
euphemus „obsoleta“ Gillmer (Gub. Ent. Z. 1904 p. 6)
arcas „inocellata“ Sohn (Soc. ent. 1893 p. 77)
N lyeaonius“ Schultz (Gub. Ent. Z. 1904)
arion (ob.) „unicolor“ Hormuzaki (Vhdl.zool. hot. Ges. Wien 1892
h „arthurus“ Mellvill (Ent. Mo. Mag. 1872 p.263) [p. 138)
„ (ob.) supra-impunct. Oberthür (l.c.T.3 F.19)
»„ „subtus-impunctata“ h (ib. F. 20)
argiolus „hypoleuca* Kollar (Dkschr. Ak. Wien 1850 p. 52)
„obsoleta* Tutt (U. p. 398)
minima „obsoleta“ „.. »(IIE.P. 109)
»„ „semi-obsoleta“ „ab. p&4110)
lorquinii „nodibuja“ Ribbe (Iris 1910. p. 108)
argiades „caeca“ Aigner (Gub. Ent. Z. XIX. p. 209)
alcetas „depuneta* Hirschke (Vhal. zool. bot. Ges. Wien 1903
aleiphron (ob.)midas Wheeler (Bttfl. Switzld.p.15) [T.2F.4)
„evanescens*“ Gillmer (Soc. ent. 1904 p. 178)
5 „extineta“ Fi (Gub. Ent. Z. 1904 Nr. 1)
5 „milena“ Schultz (Geb. Ent. Z. 1905 p. 131)
ei „mutilata“ = (ib.)
„.. (obr) vaduabar: » (ib.)
gsordius „diniensis“ Oberthür (Etud. 1910 T. 38 F. 245)
5 „herrichii“ y (ib. p. 115)
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 63
hippothoe „decurtata* Schultz (Nyt: Mag. Nat. 1903 p. 24)
n „orba“ F (Soc. Ent. 1904 p.9)
h „extineta“ Gillmer (Gub. Ent. Z. 1904 Nr. 1)
8 „obliterata* Turati-Verity (l.c.p. 244)
phlaeas „obliterata® Scudder (Bttfl.N. Engld. 1889 II. p. 1007)
»„ „punctisremotis Oberthür (Et. XX.T.5 F.7, 5)
Rn „remota“ Mutt (Bpasah)
” „obsoleta“ ». (1.P2 8a)
H „spoliata“ Schultz (Nyt. Mag. 1903 p. 25)
virgaureae „virgaureola* Staudinger (lris 1592 p.314)
Eine grössere Planlosigkeit und Zersplitterung, als
sie sich in dieser Liste zu erkennen gibt, ist undenkbar!
Auf 65 Aberrationsfälle bei 32 Spezien und Subspezien
sind 48 verschiedene Namen erteilt worden, von welchen
3 zwei Mal, einer 6 Mal, einer 10 Mal vorkommt; ein
Autor gibt für 9 Spezien 6, ein Anderer sogar für 8 eben
so viele eigene Namen. Alciphron mit seiner Form
gordius erhält allein 8 verschiedene Bezeichnungen.
Deutlicher kann das Unsinnige der jetzt üblichen Namen-
geberei nicht beleuchtet werden.
Untersucht man nun genauer, so findet man, dass
es sich in allen Fällen um einen der beiden Zustände
handelt, welche ich unterscheide als:
a) F. paucipuncta, mit stark verminderter
Augenzahl (T. V F. 28 hylas).
b) F. eaeca, wo die sämtlichen Bogenaugen, even-
tuell auch noch Mittel- und Randmonde fehlen (T. V
F. 29 alexis-cyllarus, sowie meine F. 28 v. coridon &
aus der Arbeit von 1907, reproduziert bei Seitz. T.S1
d. 5),
(In meinem Besitz paucipuncta: 2alcetas, 6 argiolus,
4 aegon, 5 argulus, 15 pheretes, l sajana, 2 pheretiades,
5 orbitulus, 8 donzelii, 3 tithonus, 3 chiron. 7 medon,
5 icarus, 5 amandus, 1 escheri, 8 hylas, 1 nivescens,
7 bellargus, 7 coridon, 10 damon, 2 menalcas, 1 perse-
phatta, 5 sebrus, 2 lorquinii, 9 semiargus, 13 alexis, 2 mela-
nops, 5 euphemus ob., 6 arion ob., l arcas, 1 trochilus,
10 minimus, 2 virgaureae, 4 hippotho&, 8 euridice,
2 aleiphron, 3 gordius. 2 rutilus, 2 phlaeas, 1 tityrus.
— caeca: ?2argiolus, 1 annetta (Nd.-Amer), 1 pheretes,
IMmipheres,.o, ‚ehiron. | medon, 2 icarus,. 1‘ ‚escheri,
64 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
1 nivescens, 3 bellargus, 5 coridon, 1 damon, 1 perse-
phatta, 5 semiargus, 4 alexis, 4 arion, 1 trochilus, 2 mini-
mus; 1 hippotho®, 3 euridice, 1 splendens, 1 alciphron,
5 gordius, 1 tityrus.)
Zum Schluss füge ich folgende Bemerkungen bei: Die
grosse Mehrzahl der beschriebenen Aberrationen kann
überhaupt nur die Unterseite betreffen. Dies etwa durch
Vorsetzen des Wortes „subtus“ oder „infra“ noch be-
sonders zu markieren, erscheint überflüssig. Einzelne
aber, z. B. centrojuneta, discojuncta, bicentrojuncta,
parallela, radiata. bilunata, pluripuncta und einzelne
Formae privatae sind auf Ober- und Unterseite möglich.
Dann wird es geboten sein, das „supra“ oder „subtus“
vorzusetzen. Einzelne Aberrationen sind nur am Vorder-,
andre nur am Hinterflügel denkbar, wo sie an beiden
vorkommen können, wird man dies mit „antico* und
„postico“ klar machen. -- Wer es endlich für unerläss-
lieh hält, haarscharf festzustellen, ob die rechte oder die
linke Körperseite betroffen sei, mag sein Gewissen mit
Vorsetzen von „dextro“ und „sinistro“ beruhigen.
Sodann werden ohne Schwierigkeit allfällig neu ent-
deckte Aberrationen, namentlich im Gebiete der Multikon-
fluenzen, im Sinne meiner obigen Nomenklatur, eventuell
durch Zusammensetzung der Bezeichnungen benannt
werden können. Für guten Rat im Sinn einer Ab-
kürzung der zu sammengesetzten Namen werde ich stets
dankbar sein.
Im Vorangehenden war nur von solchen Aberrationen
die Rede, welche im Bereich der typischen Flecken,
Punkte, Augen und Monde sich einzustellen pflegen.
Jhnen hauptsächlich habe ich meine Aufmerksamkeit ge-
schenkt. Es wäre aber noch manches zu sagen über
andere Aberrationen der Zeichnung, z. B. über Auftreten
oder Verschwinden von Randpunkten auf den Hinter-
flügeln, über Verbreiterung oder Verschmälerung der
Flügelränder bei Bläulingen und Goldfaltern, der Quer-
binden bei Theclen, über Vorhandensein oder Fehlen
des weissen Hinterflügelwisches bei der admetus- und der
damongruppe. Auch hinsichtlich dieser Vorkommnisse
ist die Namengebung eine recht willkürliche und ver-
worrene.
L. Courvoisier. Lycaeniden-Aberrationen. 65
Beschäftigt man sich aber mit den Färbungs-Aber-
rationen, so entdeckt man vollends eine ganz unglaub-
liche Planlosigkeit der Nomenklatur. Wie unendlich
viele Namen sind z. B. für blaue Weiber der verschiedenen
Lycaenen erteilt worden, während so wenige treffende,
einheitliche dafür genügen würden — wenn nicht jeder,
der eine neue derartige Variation entdeckt zu haben
glaubt, ohne Kenntnis oder Berücksichtigung bereits vor-
handener Bezeichnungen auch einen neuen Namen dazu
erfinden wollte.
Von diesen Dingen hoffe ich gelegentlich später be-
richten zu können.
Basel, im März 1912. Courvoisier.
Beitrag zur Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens.
Von Dr. H. Rebel
(mit 11 Textfiguren).
Das K. K. Naturhistorische Hofmuseum in Wien er-
hielt in letzter Zeit von mehreren Seiten kleine Material-
einläufe aus Unteraegypten, so dass eine Zusammenfassung
derselben, namentlich im Hinblick auf unbeschriebene
oder für die Fauna Unteraegyptens neue Arten, wün-
schenswert erschien.
Herr Karl Ritt. von Blumencron hielt sich seit
längerer Zeit in Alexandrien auf und fand unter anderem
auf den Oleanderbäumen im Garten des Hotel Beauri-
‘vage Anfang Juli 1908 Lepidopterenraupen, aus denen
sich eine Geometride und eine Tortrieide entwickelten.
Herr Julius Herzog überliess einen Teil seiner
hauptsächlich in der Umgebung Kairos von Oktober 1909
bis Februar 1910 gemachten Ausbeute dem Hofmuseum.
Unter derselben befindet sich eine sehr schöne, kleine
*5
66 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
neue Noctuide. Er hat inzwischen selbst über seine
Ausbeute Mitteilung gemacht. !)
Eine sehr interessante Kollektion gezogener Arten,
vorzugsweise Mikrolepidopteren umfassend, wurde von
Herrn Bron. Debski, der sich zu botanischen Studien
in Heluan aufhielt, dem Hofmuseum übergeben. Genaue
Angabe über die Futterpflanzen und Notizen über das
Aussehen der Raupen erhöhen sehr den Wert dieses
leider nur schlecht konservierten Materiales.
Eine von Herrn Baron L. H. Fischer im Jahr 1891
(bei Luxor) erbeutete Art findet jetzt auch hier ihre Er-
ledigung.
Ferner hatten die Herren Dr. Alfons Dampf und
Dr. M. Draudt in Königsberg die grosse Freundlich-
keit anlässlich von Bestimmungssendungen an mich ein-
zelne erwünschte Arten aus Unteraegypten dem Hofmu-
seum zu überlassen. Mit Genehmigung des Herrn Dr.
Draudt führe ich auch die von M. G. Ferrante ge-
sammelten Mikrolepidopteren -Arten hier an.)
Weiter sandte Hert AdolfAndresin Bacos Ramleh
seinen ganzen Sammlungsbestand an aegyptischen Mikro-
lepidopteren zur Revision ein und überliess Dubletten
daraus dem Hofmuseum.
Die für die Fauna Unteraegyptens neuen Arten sind
mit einem Sterne (*) versehen.
Schliesslich noch ein paar Lokalitätsangaben, welche
sich auf das von Andres eingesandte Material beziehen:
Amrich, Station der Marioutbahn.
Bir Viktoria, halbwegs der Natron-Seen (Wadi Natron)
in der libyschen Wüste.
I) Herzog Jul. Schmetterlingsfang in Aegypten und Syrien.
(XXI. Jahresber. d. Wien. Entom. Ver. 1910 p. 85-91.) In der Liste
der aegyptischen Arten (p. 86-87) sind nachstehende auffallende Be-
stimmungsfehler: Statt Pieris napi muss es heissen Pieris ra-
pae L. 1 3 und 1 aus der Ausbeute Herzogs im Hofmuseum,
(über die Variabilität dieser Art in Aegypten vergl. Graves Ent.
Rec. XIX. p. 65), statt Colias myrmidone zweifellos Colias
edusa F. und statt Agrotis strigula v. suffusa Tutt.
muss stehen Agrotis ypsilon Rott. (suffusa Hb.).
2) vergl. Bull. Soc. Ent. d’Egypte 1910 p. 96-97.
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 67
Carlton, Bahnstation zwischen Alexandrien und Ramleh.
Choubrah, Vorort Kairos.
Hawaria, Ort in der Mariout.
Kingi, desgl.
Kobur el Omara, am Rande des kultivierten Nildeltas,
schon in der libyschen Wüste.
Marg, Vorort Kairos.
Mariout, Gegend nördlich des Mariotis (Marjut) Sees
in westlicher Richtung sich der Meeresküste ent-
lang ziehend, später in die Marmonika und Cyrenai-
ka übergehend.
Siout, Ort am Meeresstrand unweit Aboukir.
Noctuidae.
1. Scythocentropus (Centropodia) inquinatus. Mab.
Hmps. Cat. VII p. 453 fg. 90. — Joannis Bull.
Soc. Ent. Fr. 1911 p. 183; . Turati ib. p. 287 Fig. 1 —
? ferrantei Draudt Bull. Soc. Ent. d’Egypt. 1910 p. 97.
Ein Pärchen von Herzog in Benhä bei Kairo anfangs
Dezember erbeutet, stimmt im dunkleren, weiblichen
Geschlechte bis auf die etwas geringere Grösse (30 gegen
34 mm Exp.) so gut mit der Abbildung bei Hampson
überein, dass ich an der Artidentität keinen Zweifel
habe. Das hier abgebildete % ist beträchtlich heller, die
Vdfigl. gelblich sandfarben, beim Q vorherrschend grau,
die Htfigl. rein weiss, -beim © aber bis gegen die Basis
Sceythocentropus inquinatus Mab. 3
stark grau bestäubt. Die Fühler des 5 zeigen starke
Wimperpinseln, die Klaue an der Vorderschiene ist sehr
auffallend. J. de Joannis u. Graf Turati haben sich kürz-
lich eingehend über diese Art geäussert.
68 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Mit der von Dr. Draudt als Seythocentropus ferran-
tei (n. sp.) angeführten Art ist das vorliegende Pärchen
höchst wahrscheinlich identisch, und wie ich glaube von
Se. inquinatus nicht zu trennen. !)
*2. Bryophila algae F. — Stgr. und Rbl. Cat. N. 1592.
Ein abgeflogenes & mit der Bezeichnung „Bacos am
Licht 15. Oktober 1911‘ (Andres) gehört sicher dieser
Art an.
..*3. Segetia (Hadjina) viscosa Frr. — Stgr. und Rbl.
Cat. N. 1634 — Hmps. Cat. VII p. 529.
Ein frisches & von Benhä aus der Umgebung. Kairos
(Dezember, Herzog) ist.etwas heller als Stücke von den
kanarischen Inseln.
4. Caradrina (Laphygma) exigua Hb. — Stgr. und Rbl.
Cat. N. 1990 — Hmps Cat. VIII p. 262.
Von Herzog auch bei Kairo erbeutet.
5. Heliothis peltigera Schiff. — Stgr. und Rbl. Cat. N.
2325. — Hmps. Cat. IV p. 42.
Bei Heluan wurde von Debski am 4. April 1910
eine Raupe auf Hyoscyamus muticus gefunden und er-
gab ein & am 2. Mai.)
*6. Eublemma spirogramma n. sp. (9). — Herzog l.c.p. 86.
Ein einzelnes, sehr gut erhaltenes weibliches Stück
wurde von Herzog „Ende November im Gestrüpp am
Mokattam-Gebirge bei Kairo“ gefangen und gelangie an
das Hofmuseum. Sir G. F. Hampson, welcher eine Kopie
der photogr. Abbildung zur Ansicht hatte, blieb die Art
unbekannt.
I) Die von Draudt (Bull. Soc. Ent. d’Egypt. 1910 p. 97) an-
geführte Odontelia megastigma Warr. (Seitz Pal. Gr. Schm.
II p. 86 Taf. 20,b) steht der Thargelia gigantea Rbl. (Verh.
Naturw. Ver. Karlsruhe 21. Bd. 1909 p. 55) von der Sinai-Halbinsel
sehr nahe. Letztere Artist jedoch viel grösser und rein weissgrau
sefärbt. Sie entbehrt an der Vorderschiene ebenfalls des Dornes,
so dass sie auch in die (vielleicht kaum haltbare) Gattung Odon-
telia Hmps zu stellen wäre.
2) Mit Armada eremophila Rbl. (Cat. N.1895) von Algier,
Syrien und der Sinai-Halbinsel fällt Metachrostis costiplaga Warr.
und N. C. Rothsch. (Entom. 1903 p. 225 Pl. 4 Fig. 1,2) aus dem Natron-
tal in Aegypten als Synonym zusammen.
a,
aus
Die RT ü
70 # i
f r
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 69
Was vorerst die generische Stellung derselben an-
belangt, so gehört die Art zu Folge der gestielten Adern
R, bis R, (Rippe 8, 9, 10) und des Mangels einer Anhangs-
zelle der Vdilgl., sowie der glatt beschuppten Stirne zur
Gattung Eublemma !}).
Eublemma spirogramma Rbl. @ (2)
Klein, von schneeweisser Grundfarbe der Vdfigl. mit
auffallender, schwarzbrauner Ausfüllung des spiralig ver-
laufenden hinteren Querstreifens.
Die kurzen Fühler sind bräunlich. Die Palpen
schwach aufgebogen, von ca. 1!/;, Augendurchmesser-
länge, ihr Endglied nur !/, des Mittelgliedes lang. Der
Thorax schneeweiss, der Thoraxrücken grau bestäubt
mit weissen Segmenträndern, die Beine weiss mit schwarz
gefleckten Tarsen. Die Vdfigl. dreieckig geformt, schnee-
weiss, nahe der Basis mit 2 schwarzblauen Vorderrand-
fleckchen, deren äusserer den Beginn des nur unter-
brochen angedeuteten vorderen Querstreifens darstellt.
Der hintere Querstreifen bildet in der Mitte einen Bogen
nach aussen und diese Biegung ist, unter Freilassung
eines schmalen gebogenen weissen Streifens, durch schwarz-
braune und stahlblaue Schuppen ausgefüllt. die mit einem
ebenso gefärbten grossen Vorderrandfleck zusammen-
hängen. Das Saumfeld weiss, längs des äusseren Quer-
streifen schwach bräunlich, an der Fransenbasis blau-
grau gefleckt. Die Htfigl. vor dem Saume bräunlich mit
dunklem, geschwungenen Mittelstreifen und 3 solchen in
der braunen Saumfärbung aufgehenden Streifen. Die
Fransen aller Flügel blaugrau, jene der Htfigl. bräunlich
gemischt.
Die Unterseite aller Flügel weiss, gegen Vorderrand
und Saum bräunlich, die Vdflg. mit schwärzlichem, (viel
!) Hampson vermutete auch einen eventuelle Zugehörigkeit
zu Tarache.
70 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
kleinerem) Vorderrandfleck, die Htflgl. mit zerrissenen
solchen Querstreifen. Vor dem Saum dicke schwarze
Fleckehen. Auch die Fransen schwärzlich. Vdilgllänge
8.5 Exp. 17 mm. Diese eigentümlich gezeichnete Art
erinnert etwas an die kleine Eublemma (Erastria) sei-
tula Rbr.
“. Thalpochares phoenissa Led. — Stgr. und Rbl. Cat.
Nr. 2427.
Ein Stück von „Sidi Haber 5. Sept.“ (Andres).
*s. Rivula sericealis (Sc.) tanitalis n. subsp. (2).
. Ein 9 aus der Umgebung Alexandriens von Andres
eingeschickt ist beträchtlich kleiner als südeuropäische
Stücke (Vdilgllänge 8, Exp. 16 mm, gegen 10.5:20 mm
normaler Stücke) und zeigt eine trüb ockergelbe Färbung
Rivula sericealis tanitalis Rbl. 2 (?/,).
ganz ohne hellgelbe Aufhellung der Vdfigl. Von der
Nierenmakelzeichnung derselben sind nur die beiden
übereinanderliegenden schwarzen Punkte übrig geblieben.
Die fleckartige graue Verdunklung zwischen ihnen ist
Jedoch ganz geschwunden. Die Vorderrandstriche und
die feinen weissen Punkte an der Fransenbasis sind er-
kennbar. Die angegebenen Merkmale berechtigen zur
Annahme, dass es sich um eine eigene Lokalform (tani-
talis) handelt.
9. Plusia ni Hb. — Stgr. und Rbl. Cat. N. 2571.
Ebenfalls von Herzog bei Kairo erbeutet.
10. Pseudophia haifae Habich zool. bot. Ver. 1905 p. 21.
— Draudt Bull. Soc. Ent. d’Egypt. 1910 p. 97 N. 26.
Bei Kairo erbeutete Herzog im Dezember das hier
in Fig. 5 abgebildete %. Herr Debski zog am 3. Juni
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 71
1910 bei Heluan ein & derselben Art. Der Vollständig-
keit halber ist in Fig. 4 eine männliche Type von Haifa
(coll. Habich) abgebildet.
Pseudophia haifae Habich &9.
Geometridae.
11. Nemoria faustinata Mill. — Stgr. und Rbl. Cat. N.
2908 — Draudt l. c. p. 97 N. 27.
Mehrfach von Herzog Ende November bei Benhä
(Kairo) erbeutet. Die Stücke stimmen mit solchen aus
Katalonien überein.
12. Acidalia ochroleucata HS. — Stgr. und Rbl. Cat.
N. 3008.
Wie die vorige von Herzog mehrfach bei Kairo er-
beutet.
*13 Tephroclystia ultimaria B. — Stgr. und Rbl. Cat.
N. 3628.
Herr Debski zog bei Heluan aus einer am 4. April
1910 auf Tamarix gefundenen Raupe ein @ am 2. Septbr.
*]4 Tephroclystia pumilata Hb. — Stgr. und Rbl.
Cat. N. 3685.
Herr von Blumeneron fand die Raupe anfangs Juli
1909 mehrfach auf den Oleandern (Nerium) des Hotels
2) Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Beaurivage in Alexandrien. Die Falter erschienen schon
Ende des Monats Juli.
15. Orsonoba aegyptiaca Rbl. zool. bot. Verh. 1906 p.
234 et larv. p. 236 Fig. — Andres Ent. Z. XXII p. 90
Fig. larv. — Coenina dentataria (?Swinh. Tr. Ent. Soc.
1904 p. 513) Joan. Bull. Soc. Fr. 1908 p. 214 et larv, Fig.
p. 232, p. ‚266.
Orsonoba aegyptiaca Rbl. 2.
Ein sehr gut erhaltenes @ von Herzog wahrschein-
lich Ende Oktober im Mokattam-Gebirge bei Kairo er-
beutet, zeigt Ader R, (Ader 9) der Vdfigl. vorhanden,
so dass vielleicht eine generische Verschiedenheit von
der aus Palaestina bekannt gemachten Ors. paulusi Rbl.
anzunehmen ist.
Ueber die von mir zuerst bekannt gemachte merk-
würdige auf Acacia nilotica lebende Raupe haben seit-
her Joannis und Andres Mitteilungen und Abbildungen
publiziert.
Die Nomenklatur der Art liegt noch sehr im Un-
klaren. Gegen die Annahme der Gattung Coenina WIk.
sprechen vor allen die hier viel längeren Labialpalpen.
Möglicherweise ist dentataria Swinh. aus Abyssinien der
prioritätsberechti;ste Artname, wahrscheinlich handelt es
sich aber doch um eine allerdings sehr nahe verwandte
Art aus Aegypten, worüber nur ein Typenvergleich
sicheren Aufschluss geben könnte. Jedenfalls dürfte eine
Abbildung des 2 willkommen sein.
*16 Gnophos sacraria Stgr. — Stgr. u. Rhl. Cat. N. 3953.
Ein einzelnes gepflogenes 9 aus der Umgebung Kairos,
im November von Herzog erbeutet, ist weissgrau, schwach
bräunlich bestäubt und weicht von typischen Sacraria-
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 73
Stücken aus Palaestina wesentlich nur durch das voll-
ständige Fehlen der Mittelpunkte aller Flügel ab. Die
Unterseite ist vollständig zeichnungslos weisslich. Mög-
licherweise handelt es sich um eine Lokalform.
Nolidae.
17. Nola aegyptiaca Snell. — Stgr. u. Rbl. Cat. N. 4124.
Zwei ganz frische weibliche Stücke erbeutete Herzog
in der Umgebung Kairos im November. Dieselben stim-
men gut mit der Abbildung bei Snellen, der die Art
nach einem & von Kairo beschrieb. Ein 5 von Bacos
8. November (mit ziemlich lang kammzähnigen Fühlern)
hatte ich von Andres zur Bestimmung.
Pyralidae.
*18. Arenipses sabella Hamps. — Rbl. Cat. N. 1.
Drei anfangs Juli bei Luxor erbeutete Stücke erhielt
ich von Dr. Draudt zur Bestimmung.
*19. Corcyra ? cephalonica Stt. — Rbl. Cat. N. 2.
Ein einzelnes sehr grosses, etwas defektes und ver-
schimmeltes Stück (9) aus der Umgebung Alexandriens
erhalten, weicht von gezogenen Stücken (La Plata, Nagel.)
durch etwas breitere Flügelform ab. Die ockerbräun-
lichen Vdfigl. zeigen unter dem Vorderrande eine kurze
breite schwarze 'Längsstrieme und eine dünnere solche,
welche die Mittelzelle teilt und etwas erweitert bis in
die Fransen reicht. Die Form der Htfigl. und Palpen (2)
wie bei Coreyra. Vdfigllänge c. 12, grösste Breite 5 mm.
Möglicherweise liegt eine neue Art vor.
20. Lamoria anella Schiff. — Rbl. Cat. N. 15.
Mehrere Stücke beiderlei Geschlechts von Alexan-
drien, Bacos Ramleh (Oktbr. a. Licht), und Kairo (Andres)
stimmen mit solehen aus Südeuropa. Zwei sehr kleine
schmalflügelige 9 von Herzog im November bei Kairo
erbeutet gehören vielleicht zur Form imbella WIk.
(Rag. Mon. II p. 437 Pl. 45 Fig. 12).
*21. Ancylolomia tripolitella Rbl. zool. Jahrb. (Abt.
Syst) XXVI p. 283.
Ein frisches 5 aus der Umgebung Alexandriens von
Andres stimmt ganz mit den Typen aus Tripolis überein.
74 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
22. Talis afra Bak. Tr. Ent. Soc. 1894 p. 47 Pl. 1,
Fig. 16. — Rbl. Cat. N. 180. |
Zwei & mit der Bezeichnung „Kingi 29. September
und 29. Oktober“ von Andres gehören dieser schönen
Art an. Die männlichen Fühler sind einreihig gekämmt.
*23. Anerastia ablutella Z. — Rbl. Cat. N. 203.
Ein einzelnes 5 aus der Umgebung Alexandriens
(Blumeneron) zeigt trüb ockergelbe Vdflgl. mit kleinem
einfachen schwärzlichen Mittelpunkt und schwärzlich be-
stäubten Adern. Die weisslichen Htflgl. sind gegen Spitze
und Saum bräunlich. Bei der starken Variabilität der
Art (vgl. Hmps. in Rag. Mon. II. p. 404 und Carad. Iris
XXIV p. 117) ziehe ich das Stück unbedenklich zu
ablutella.
*24. Saluria maculivitella Rag. — Rbl. Cat. N. 217.
Ein weibliches Stück von Aboukir, am 28. Septem-
ber erbeutet (Andres). Die Art ist auch aus Syrien
bekannt.
25. Ematheudes punctella Tr. — Rbl. Cat. N. 219.
Ein & aus der Umgebung von Bacos Ramleh von
Andres zur Bestimmung erhalten. Die Art wurde be-
reits von Baker für die Umgebung Alexandriens ange-
geben.
26. Ephestia elutella Hb. — Rbl. Cat. N. 283.
Von Dr. Draudt, anfangs Juli bei Minia erbeutet,
eingesandt.
*27. Heterographis hellenica Stgr. — Rbl. Cat. N. 341.
Zwei Stücke, am 6. Juli bei Luxor erbeutet, kamen
mir von Dr. Draudt zur Bestimmung zu.
*28. Heterographis ephedrella HS. — Rbl. Cat. N. 369.
Eine Serie im April am Licht erbeuteter Stücke
schickte Andres aus der Umgebung Alexandriens ein.
Dieselben stammen zum Teil aus der Mariout. Die Art
varriiert sehr stark. Die Vdfilgl. sind bald rötlich ocker-
gelb mit mehr oder weniger dunklem, fast viereckigen
Innenrandfleck bei 1/, der Flügellänge, bald vorherr-
schend violettgrau.
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 75
*29. Euzophera osseatella Tr. — Rbl. Cat. N. 449.
Zwei weibliche Stücke in Bacos Ramleh am 12. und
20. Novbr. erbeutet (Andres) stimmen ganz mit Stücken
aus Syrien überein.
*30. Salebria cingilella Z. var. brucella Stgr. — Rbl
Cat. N. 609 a.
Ein @ fiel am 12. Dezbr. 1910 aus einer Puppe aus,
die ich von Herrn Debski erhielt. Er fand die Raupe
in Heluan auf Tamarix.
31. Salebria psammenitella Z. — Rbl. Cat. N. 631.
Ein gezogenes 5 mit der Bezeichnung „Kafr. Zagar.
Raupe an Acacia nilotica . Juni“ wurde von mir für Dr.
Dampf bestimmt und nachträglich dem Hofmuseum freund-
lichst überlassen.
*32. Salebria terrella Rag. Mon. I. p. 389, Pl. 13, Fig. 15.
Zwei weibliche Stücke von Herzog wahrscheinlich
im November bei Kairo erbeutet, gehören fast zweifellos
dieser nach ostafrikanischen Stücken (Natal, Zanzibar)
beschriebenen Art an. Beide sind längs des Innenrandes
schwärzlich verdunkelt, wie auch Ragonot angibt, und
zeigen eine gebrochene schwärzliche (undeutliche) erste
Querlinie erst bei ?/,;, der Vdflgllänge (M.C.) — Ein
kleines 5 von Bacos 8. Novbr. gehört wahrscheinlich
auch hierher.
*33. Salebria dionysia Z. — Rbl. Cat. N. 632.
Ein einzelnes @ von Bacos Ramleh bei Alexandrien
im Juni erbeutet erhielt ich von Dr. Draudt. Die Art
ist viel kleiner als die vorige, die Vdflgl. sind schwächer
gezeichnet, mehr gelblich gefärbt.
*34. Triaenoneura albifascia Rbl. n. sp. (Q.)
Ein gut erhaltenes weibliches Stück mit der An-
gabe „28. Mai 1911, Kobur el Omara“ von Andres aus
der Umgebung Alexandriens erhalten gehört einer neuen
Art aus der bisher für monotypisch gehaltenen Gattung
Triaenoneura Rag. an, deren Flügelgeäder durch die
langgestielten Ader C,, M, u. M, (Ader 3, 4 und 5) der
Vdfigl. ganz isoliert unter den Phyeidinen steht (vergl.
Rag. Mon. Pl. 2. Fig. 8).
Da die typische Art latieincetella Wlk. ebenfalls
aus Aegypten stammt, dachte ich zuerst nur ein frisches
76 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Stück dieser vor mir zu haben. Die schwarzbraune (bei
latieinetella ockerbräunliche) Grundfarbe der Vdflg. und
Triaenoneura albifascia Rbl. 2 (2/,)
die von parallelen Rändern (bei laticinetella nach aussen
eckig) begrenzte weisse Schrägbinde vor der Mitte
schliesst jedoch jede artliche Zusammengehörigkeit aus.
Die schwärzlich braunen, fadenförmigen Fühler rei-
chen über !/, der Vorderrandslänge. Das verdickte Basal-
glied ist mässig lang. Scheitel und Palpen sind dick
beschuppt, rotbraun. Das schwach gekrümmte Mittel-
glied der Palpen reicht bereiis bis zur Scheitelhöhe, das
viel schmälere Endglied von ca 1/; Länge des Mittel-
gliedes ist stumpf zugespitzt. Die Nebenpalpen sind un-
sichtbar, der Rüssel normal entwickelt.
Der Thorax ist schwärzlich braun, nach hinten,
sowie die Schulterdecken, weissgrau. Der Hinterleib ist
schwärzlich mit ockergelber Spitze, am Rücken mit breiten
weissen Segmenträndern. Ein schwarzbrauner Schuppen-
‚büschel liegt am Rücken des ersten Segmentes. Brust
und Bauchseite des Hinterleibes sind weissgrau, die
Beine schwärzlich bestäubt mit weissgrau geringten
Gliederenden.
Die breiten stumpfgerundeten Vdflgl. mit vor der
Spitze stärker gerundeten Vorderrand zeigen eine schwarz-
braune Grundfarbe mit rötlich brauner und silbergrauer
Einmischung. Die Beschuppung ist rauh, an manchen
Stellen fast erhaben. Bei !;; der Flügellänge liegt eine
beiderseits tief schwarz begrenzte, rein weisse Schräg-
binde, die sich gegen den Vorderrand nur wenig ver-
engt. Das Saumfeld scheint zeichnungslos. Die sehr
breiten, rotbraunen Fransen führen an der Basis eine
" Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 17
diehtere, mehr weissgraue Beschuppung. Die halbdurch-
sicehtigen Htflgl. sind weiss, gegen den Saum schwach
verdunkelt mit schwarzbrauner, weissdurchschnittener
Saumlinie. Die breiten Fransen weiss, gegen die Spitze
bräunlich verdunkelt mit undeutlichen feinen Teilungs-
linien.
Die Unterseite aller Flügel weisslich, jene der Htägl.
mit gelblich erscheinender Schrägbinde und an der Spitze
rötliche Fransen. Vaäfigllänge 9, Exp. 17 mm (Type M.C.)
35. Nephopteryx (Centolopha) isidis 7. — Rbl. Cat.
N. 648.
Ein gezogenes % von Heluan von Debski mit der
Bezeichnung: larv. in floribus Albinia lebbek 14. Mai
1910, imago 3. Juni 1910.
*36. Nephopteryx rubromixta n. sp. (5):
Ein einzelnes %& mit der Bezeichnung „Mariout, Okt.
1911“ (Andres) steht wahrscheinlich der mir in natura
unbekannten N. emussiatella Rag. aus Ostafrika zunächst,
hat aber auch manche Aehnlichkeit mit der aegyptischen
Salebria psammenitella Z., so dass die Angabe
der Unterschiede von letzterer Art am besten zu ihrer
Kenntliehmachung dienen dürfte. Der Schuppenbusch
an der Basis der Fühlergeisel ist grösser, breiter und
viel tiefer schwarz. Die Palpen (dem Gattungscharakter
entsprechend) mit stumpfgerundetem Endglied, überragen
nicht den Scheitel. Die Vdflgl. schwärzlich braungrau
mit feinem schwärzliehen Mittelmond und doppelten
solehen Querstreifen, die mehr oder weniger purpurrot
au ‘gefüllt sind. Der erste Querstreifen nach !/; der
Flügellänge zeigt die rote Ausfüllung in der Flügelmitte
besonders deutlich, fast als Makel. Der hintere Quer-
streifen ist viel undeutlicher, aber mehr geschwungen.
Die Saumlinie (aller Flügel) diek schwarz. Die Fransen
sehr breit. im Endtrittel weisslich mit 2 dunklen Teilungs-
linien. Die Htfilgl. weisslich, gegen die Ränder ver-
dunkelt, mit weisser scharfer Linie an der Fransenbasis
(nach der schwarzen Saumlinie). Unterseits alle Flügel
schmutzig grau, gegen den Vorderrand dunkel. Vaflgl.-
länge 10, Exp. 20 mm. (in coll. Andres).
Das Exemplar schlüpfte am 11. Oktober aus einer
in einem leeren Kokon von Taragama acaciae gefundenen
78 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Puppe. Die Raupe dürfte daher auf Akazie leben.
(Andres.)
37. Nephopteryx divisella Dup. — Rbl. Cat. N. 667.
Ein © mit der Bezeichnung „Siout 15. Oktober 1911.“
von Andres.
*38. Nephopteryx ochriplaga Rbl. Verh. Naturw. Ver.
Karlsruhe 21 Bd. 1909 p. 64.
Ein 5 von Bacos Ramleh, Oktober (Andres) stimmt
mit der Type von Sinai. )).
*39. Myelois nivosella Rag. — Rbl. Cat. N. 763.
Ein grosses & (Vdflgllänge 13 mm) in Mariout am
Lieht im April 1911 von Andres erbeutet, gehört höchst- -
wahrscheinlich dieser Art an. Die Vdflgl. erscheinen sehr
schmal, reinweiss, glänzend, mit feinem dunklen Vorder-
rand. Die Htfigl. weissgrau, gegen den Vorderrand
schwach bräunlich, mit rein weissen Fransen.
Unterseite der Vdfigl. schwarzgrau, vor dem Saum,
sowie die Fransen weiss, jene der Htflgl. weiss mit ziem-
lich breit dunkelgrau gefärbtem Vorderrand. Fühler und
Beine bräunlich, letztere mit weiss beschuppten Schienen.
Die kurzen anliegenden Palpen gelblich. Der (verölte)
Körper ist weiss. (Coll. Andres).
*40. Lepidogma tamaricalis Mn. — Rbl. Cat. N. 801.
Ein gut erhaltenes $& aus der Umgebung Alexan-
driens. Von Andres zur Bestimmung erhalten. Die Art
ist auch aus Palaestina (det. Rbl.) bekannt geworden.
*41. Endotricha jordana Hmps. — Rbl. Cat. N. 812.
Mehrere Stücke mit der Bezeichnung „Kairo 18. Juni,
Minia 4. Juli 1910 und Luxor 8. Juli“ von Dr. Draudt
dürften von Ferrante erbeutet worden sein. Dieselben
stimmen vollständig mit der Originalbeschreibung Hamp-
sons überein. (Ein Pärchen M. C.)
42. Aglossa pinguinalis asiatica Ersch., — Rbl. Cat.
N."823ch.
Mehrere Stücke mit der Bezeichnung „Kingi 10. und
29. April an Licht“ von H. Andres erhalten. Ein scharf
SER 2 Ein kleines schadhaftes Q einer Nephopteryx-Art von Bacos
20. Okt. gleicht am meisten N. rhenella Zk. ist aber viel kleiner
mit feinem schwarzen Mittelmond der Vdälgl.
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. ‚79
gezeichnetes & von Kairo (Andres) gehört der Stamm-
form an.
43. Aglossa cuprealis Hb. — Rbl. Cat. N. 831.
Ein sehr lichtes 53 von „Birket See“ bei Kairo im
November von Herzog erbeutet (M. GC.) kommt der Type
von Agl. ocellalis (Koll) Led. (Pyr. p. 165 Taf. 7, Fig. 9),
welche die Bezeichnung „Kotschy 1845 Senaar“* trägt,
durch Reduktion der dunklen Bestäubung der Vadflgl.,
wobei sich augenförmige lichte, kleine Flecke mit dunklen
Mittelpunkten ergeben, so nahe, dass ich glaube, dass
es sich auch bei ocellalis nur um eine Öuprealisform
handeln dürfte. Organische Verschiedenheiten liegen
keine vor.
44. Pyralis farinalis L. — Rbl. Cat. N. 836.
Zwei Stücke von Bacos Ramleh von Andres.
45. Constantia bella Bak. -— Rbl. Cat. sub. N. 865.
Zwei geflogene 5 von „Kingi, 20. April an Licht“ von
Andres erhalten, gehören zweifellos zu dieser von Baker
nach Stücken aus der Umgebung von Alexandrien publi-
zierten Art, die von Hampson (und ihm folgend auch im
Katalog) mit Unrecht als Synonym von C. syrtalis Rag.
aufgeführt wurde. Schon die mehr oder weniger deutlich
auftretende rosenrote Einmischung der Vflgl. schliesst eine
artliche Vereinigung aus. Auch ist die Art viel robuster
als syrtalis.
46. Constantia pectinalis HS. — Rbl. Cat. N. 574 —
quadripunctata Bak. Tr. Ent. Soc. 1894 p. 45 T.1 Fig. 13.
Von dieser aus der Umgebung Alexandriens als
quadripunctata beschriebenen Art liegen eine‘ Anzahl
Stücke (3%) vor. Die meisten tragen die Bezeichnung
„Kingi, 24. und 29. April an Licht“ und stammen von
Andres und Dr. Draudt. Die Stücke vermag ich nur
durch bedeutendere Grösse von einem korsischen Pärchen
der ©. pectinalis HS. zu trennen. Vielleicht liegt
eine aegyptische Lokalform dieser auch von Sizilien und
Tunis (Joannis) bekannten Art vor. Sehr nahe kommt
derselben auch die Const. caidalis Hmps. von Biskra, die
aber im männlichen Geschlecht etwas bräunliche (bei
pectinalis quadripunctata rein weisse) Hflgl. besitzt. Die
ersten Stücke aus Aegypten bestimmte ich irrtümlich als
caidalis. —
80 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Ein sehr kleines lichtes @ mit der Bezeichnung
„Aboukir, 28. Sept. 11* von Andres zur Bestimmung er-
halten, ziehe ich auch hierher.
*47. Constantia infulalis Led. — Rbl. Cat. N. 876.
Drei Stücke von Andres, davon 2 5 mit der Be-
zeichnung „Kingi, 26. April 1911 an Licht“ gehören dieser
bereits auch aus Tunis bekannt gewordenen Art an.
“48. Constantia debskii n. sp. (Q).
Zwei weibliche Stücke, welche Herr Debski bei
Heluan aus der Raupe gezogen hat, vermag ich mit
keiner anderen Art zu vereinen.
Am nächsten verwandt mit der von mir ebenfalls nur
nach weiblichen Stücken von der Sinai Halbinsel be-
schriebenen sinaica (zool. bot. Verh. 1903 8.586), jedoch
beträchtlich kleiner und schmälerflügelig, die Vflgl. eben-
falls schmutzig gelbgrau, die weisslichen Querstreifen
sehr breit und gegen den Innenrand stark konvergierend,
so daß sie bei einem Stücke fast zusammenstossen.
Uebrigens differieren beide Stücke ziemlich stark von ei-
nander.
Fig.8 Const. debskii Rhl 9 (?/,) Fig. 9. Const. sinaica Rbl. 2 (?/,).
Der Körper ist robuster, die Palpen sind kürzer als
bei sinaica, die zum Vergleiche mit abgebildet wurde.
Eine ausführliche Beschreibung dieser Art kann erst nach
Entdeckung männlicher Stücke erfolgen.
Tr ea 2 Al Ah
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DU " *
r
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 81
Herr Debski fand die Raupe am 3. und 26. März
1910 auf Zygophyllum album und erhielt die Falter am
29. Mai bezw. 3. Juni (MC.)
Wie Oonst. sinaica in der Nähe von Const. sanctalis
Hmps. einzureihen.
*49. Actenia orbicentralis Rbl. — Iris XV. p. 102 T. 4
Fig. 4.
Ein 3 mit der Bezeichnung „Kingi, 29. September“
(Andres) stimmt ganz mit den Typen aus Palaestina.
*50. Cledeobia syriaca Rbl. — Iris XVI. p. 5.
Ein frisches & mit der Bezeichnung „Amrich,
6. Oktober 1911“ (Andres) stimmt ebenfalls vollständig
mit den Typen aus dem Jordantal.
5l. Nymphula fuscomarginata Bak. — Rbl. Cat. N. 919.
Ein sehr grosses (Vdfllänge 11,5 mm), auf den Flügeln
dieht schwärzlichbraun bestäubtes Stück (ohne Fühler
und Hinterleib) mit der Bezeichnung „Bacos an Licht
6. April 1911* (Andres) und ein kleines (Vdfllänge 9 mm)
stark weissliches 9 mit der Bezeichnung „Dessonnes Mai“
(Dr. Dampf, M. ©.) gehören dieser von gleicher Lokalität
(Alexandrien) beschriebene Art an, deren Abbildung (Tr.
Ent. Soc. 1894 T. 1 Fig. 17) unkenntlich ist. -
52. Duponchelia fovealis Z. — Rbl. Cat. N. 927.
Zwei von Andres im Mai bei Bacos erbeutete Stücke
dieser schon von Baker für Aegypten angeführten Art.
Ein sehr grosses @ von Bacos wurde am 11. Oktober
erbeutet (Andres).
*53. Bradina andresi n. sp. (5).
Ein sehr gut erhaltenes & mit der Bezeichnung
„Choubrah 20. Mai 1910“ von Andres zur Bestimmung er-
halten, gehört einer neuen Art bei admixtalis WIk.
an, unterscheidet sich aber von ihr sogleich durch be-
deutendere Grösse, strohgelbe, glänzende Färbung und
das nicht verdunkelte Saumfeld aller Flügel.
Allgemeinfärbung glänzend strohgelb, die Palpen auf
der Aussenseite schwärzlichbraun. Die Vdfigl. sind längs
des Vorderrandes, namentlich gegen die Basis, schwärz-
lich verdunkelt. Der erste schwärzliche Querstreifen bei
ı/, nur schwach gebogen, der äussere stark geschwungen,
am Vorderrand etwas verdickt. Am Schlusse der Mittel-
zelle ein feiner hakenartiger Querstrich. Im Saumfelde
*6
82 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1912
aller Flügel die undeutliche, schattenartige dunkle Be-
sgrenzung der Wellenlinie, die Htflgl. sonst nur noch mit
der stark geschwungenen äusseren Querlinie. Alle Flügel
mit schwärzlicher Saumlinie. Die Fransen weisslich mit
undeutlicher dunkler Teilungslinie nahe der Basis.
Bradina andresi Rbl. 3 (Ch).
Die Unterseite beträchtlich blässer mit blass durch-
scheinender Zeichnung der Oberseite. Vdfllänge 10,
Exp. 21: mm.
Nach Herrn Adolf Andres benannt, in dessen Samm-
lung sich die Type befindet.
Eine nahestehende kleinere Art liegt mir aus Süd-
afrika \Holub M.C.) vor, welche aber viel schärfer ge-
zeichnet ist und auch auf den Htfigl. 2 Querstreifen nebst
der streifenartigen dunklen Begrenzung der Wellenlinie
besitzt.
*54. Ercta ornatalis Dup. — Rbl. Cat. N. 987.
Zwei Stücke von Bacos Ramleh am 23. Sept. und
12. Nov. am Licht gefangen, schickte H. Andres ein.
55. Glyphodes unionalis Hh. — Rbl. Cat. N. 998.
Mehrere Stücke bei Bacos Ramleh im Juli erbeutet,
von Andres zur Bestimmung erhalten.
56. Nomophila noctuella Schiff. — Rbl. Cat. N. 1039.
Zahlreiche Stücke von Andres in der Umgebung von
Bacos Ramleh, Kingi, Mariout im April und Mai erbeutet.
Herzog fand die Art auch im Mokattamgebirge im
November.
AN, en
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 83
*57. Pachyzancla licarsialis WIk. — Rbl. Cat. N. 1040.
Mehrere Stücke bei Bacos Ramleh im August und am
31. Oktober 1910 am Licht (Andres). Herzog traf die Art
im November bei Kairo.
*58. Phlyetaenodes ustrinalis Chr. — Rbl. Cat. N. 1059.
Ein © mit der Bezeichnung „Hawaria Juni“ von
Andres aus der Umgebung Alexandriens zur Bestimmung
erhalten. Die Art kommt auch in Palaestina vor (M.C.)
59. Phlyctaenodes nudalis Hb. — Rbl. Cat. N. 1058.
Von „Bacos Ramleh, 17. Mai“ (Andres) zur Bestimmung
erhalten.
*60. Cybolomia arenosalis n. sp. (%).
Ein sehr gut erhaltenes männliches Stück von Baron
Fischer im Jahre 1591 in Aegypten, wahrscheinlich bei
Luxor erbeutet, gehört einer neuen Art an, welche mit
©. guyoti Rbl.!) von der Sinai-Halbinsel am nächsten
verwandt ist, sich von ihr aber durch viel bedeutendere
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Cybolomia arenosalis Rbl. & (2/ı)
Grösse, viel hellere, gelblich sandfarbige Vdflgl. und viel
schwächere Saumlinie, namentlich auf den weisslichen
Htflgl.. sicher unterscheidet.
Die kurzen einfachen Fühler gelbgrau, Kopf sowie
Palpen weisslich. Der Thorax gelblich sandfarben, die
zeichnungslosen Beine heller, der Hinterleib weissgrau.
Die sehr gestreckten Vdflgl. bleich gelblich sand-
farben, fein dunkel bestäubt mit einer feinen ge-
schwungenen dunklen Querlinie nach 3/, der Flügellänge
und einer Querreihe dunkler Fleckehen längs des Saumes
bis nahe unter die Spitze. Eines derselben oberhalb
des Innenwinkels bildet einen schwarzen Punkt. Die sehr
breiten Fransen weisslich mit bräunlicher Teilungslinie
!) Verh. Naturw. Ver. Karlsruhe 21 Bnd. 1909 p. 66.
84 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
am Ende. Htflgl. durchaus weisslich mit kaum ange-
deudeter dunkler Saumlinie. Unterseite der Vdflgl, sand-
farben, jene der Htflg. weiß. Vdägl. 7, Exp. 13.5 mm (M. ©.)
Ich dachte anfänglich an eine Vertreterin der Gattung
Krombia Chret. Die volle Zahl der Adern namentlich
auf den Htflgl. schliesst jedoch eine Zugehörigkeit zu
dieser Gattung aus. Auch blieb Mr. Chrötien, dem ich
eine Kopie der Abbildung zusandte, die Art unbekannt.
*61. Metasia hymenalis Gn. — Rbl. Cat. N. 1116.
Zwei weibliche Stücke mit der Bezeichnung „Ha-
waria Juni“ und „Marg Mai“ von Andres erhalten. Viel-
leicht gehört Hypotia (Constantia) bilinea Bak. (Cat.
879) zu dieser Art.
*62. Metasia carnealis Tr. — Rbl. Cat. N. 1123.
Ein geflogenes % mit der Bezeichnung „Hawaria Juni“
1911 von Andres zur Bestimmung erhalten.
63. Pionea ferrugalis Hb. — Rbl. Cat. N. 1151.
In Anzahl bei Bacos Ramleh und Mariout im April
und Mai am Licht erbeutet. (Andres).
*64. Pyrausta nubilalis Hb. — Rbl. Cat. N. 1218.
Mehrere Stücke, darunter ein im Juli bei Bacos
Ramleh erbeutetes 9%, von Andres erhalten. Wahr-
scheinlich Kulturschädling.
#65. Noctuelia floraiis Hb. — Rbl. Cat. N. 1218.
Ein grosses & von Andres und ein sehr kleines, auch
auf den Vafigl. ockergelb gefärbtes 5 mit der Bezeich-
nung „Luxor 6. Juli 1910“ von Dr. Draudt erhalten.
Pterophoridae.
66. Pterophorus monadactylus L. — Rbl. Cat. N. 1587.
Kairo 14. Juni ein kleines, gelbgraues Stück (Dr.
Draudt). Bereits von Baker für die Umgebung Alexan-
driens angeführt.
*67. Agdistis frankeniae Z. — Rbl. Cat. N. 1420.
Nur Debski zog ein Stück bei Heluan aus einer auf
Frankenia anfangs Juni gefundenen Raupe. Der Falter
erschien am 25. Juni.
in ir a Aka BA Nee s
U ET Be! ER .
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 85
68. Agdistis tamaricis Z. — Rbl. Cat. N. 1428.
Im Februar und März gefundene Raupen ergaben
bei Heluan mehrere Falter (Debski). Auch aus der
Umgebung Alexandriens (Baker, Andres).
Tortrieidae.
*69. Euxanthis ramessana n. sp. (&).
Ein einzelnes %& von Bir Viktoria Nov. 1910 gehört
nach den gestielten Adern M, und ©, der Htfigl. in die
Gattung Euxanthis, steht aber keiner mir bekannten
Art besonders nahe.
Kopf samt spitzen Palpen, Schulterdecken und Fühler
weisslich. Letztere erreichen nicht die halbe Vorderrand-
länge und sind mit langen Wimperpinseln besetzt. Der
Hinterleib gelbgrau (sandfarben). Ebenso gefärbt sind
die annähernd wie bei elongana geformten Vdfigl., die
durch graue Bestäubung namentlich im Saumfelde schwach
gegittert erscheinen. Die Saumlinie in grau; die weiss-
lichen Fransen mit 2 bräunlichen Teilungslinien. Die
sehr breiten Htfigl. staubgrau mit weisslichen Fransen.
Unterseite der Vdfll. ziemlich dunkelbräunlich, jene der
Htflgl. schmutzig grau mit weisslichen Fransen. Vdflel.
9, Exp. 17 mm (M.C.)
*70. Polychrosis botrana Schiff. — Rbl. Cat. N. 1949.
Mehrfach von Andres in der Umgebung Alexandriens
im Juli erbeutet, mit dem Bemerken erhalten, dass die
Art an den in Gärten kultivierten Trauben sehr grossen
Schaden bereitet.
H. v. Blumeneron erzog die Art aus Raupen, die er
im ‚Juli auf den Oleanderbäumen im Hotel Beaurivage in
Alexandrien gefunden hatte. Die Falter erschienen vom
25. Juli ab.
*71. Grapholitha planifrontana n. sp. (59).
Herr Debski fand in den Schoten von Fasetia aegyp-
tiaca, einer Örucifere, bei Heluan schon im Jänner,
Februar die Raupen und später die Puppen einer Tor-
trieide, deren Falter vom 6. März bis 24. April erschienen.
Leider ist der Erhaltungszustand der Stücke ein durch-
aus schlechter. Trotzdem lässt sich die bei leplastri-
ana Öurt. einzureihende kleine Art ausreichend er-
kennen.
s6 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Kopf und Thorax weiss, die Palpen aussen grau-
staubig. Die auffallend flache Beschuppung der Stirne
tritt. nach unten in einer Spitze vor und ist silberglän-
zend weiss. Die Fühler sehr kurz, nicht bis !/, der
Vorderrandslänge reichend, weissgrau, beim & sehr kurz
bewimpert. Der Hinterleib gelbgrau (zumeist verölt),
die}Beine weissgrau, alle Tarsen weiss, scharf schwarz
geringt, die Vorder- und Mittelschienen aussen grau-
staubig mit weissen Querbinden.
Die ziemlich kurzen, ganz stumpf gerundeten Vdfigl.
sind weiss, namentlich in der Flügelspitze gelblich ge-
mischt und dureh bräunliche Querstrichelehen, die an
der Basis des Innenrandes fleckartig werden, unruhig
gezeichnet. Längs des ganzen Vorderrandes, von der
Basis bis zur Flügelspitze, liegen ca. 14, durch dunkle
Zwischenräume von einander getrennte, einfache silber-
graue Vorderrandshäckchen, die eine schräge Rich-
tung nach aussen haben und sich zuweilen gegen das
grosse Spiegelfeld in Bleilinien fortsetzen. Letzteres ist
sehr ausgedehnt, glänzend bleigrau mit zerrissener weisser
Begrenzung und ganz kurzen schwarzen Längsstrichen
und Punkten. Die Saumlinie schwarzstaubig, die Fransen
dicht grau bestäubt mit undeutlichen Teilungslinien.
Die Htfigl. gelblich weissgrau, vor dem Saume zuweilen
dunkler mit breiten weissen Fransen, die an der Basis
eine graue Staublinie führen.
Die glänzende Unterseite der Vdflgl. grau, jene der
Htfig. weiss. Vfigllänge 5, Exp. 11 mm. (M.C.) Durch
die flache Stirne und grossen bleigrauen Flecken im
Spiegelfeld der Vdflg. sehr ausgezeichnet.
72. Pamene pharaonona Koll. — Rbl. Cat. N. 2233.
Ein defektes Stück aus der Umgebung Alexandriens
von Andres.
Glyphipterygidae.
73. Simaethis aegyptiaca Z. Stett. e. Z. 1867 p. 396;
Dr. Eint330e. 18B77p.,461.. 7, 23. West.
Ein Stück mit der Bezeichnung „Choubrah 20. Mai
1910“ von Andres zur Bestimmung erhalten.
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Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 37
Plutellidae.
74. Plutella maculipennis Curt. — Rbl. Cat. N.. 2447.
Ein Stück von Heluan (Debski) mit der Bezeichnung
„in floribus Zilla myagroidea, larv. 17. Jänner 1908*.
Auch von Luxor „6. Juli 1910* (Draudt).
Gelechiidae.
*75. Gelechia gossypiella Saud. Tr. Ent. Soc. Lond.
III p. 284 (1842) — Maxwell-Lefroy Mem. Dep. Agriec.
India (Ent.' Ser.) I, N. 2. p. 223 Fig.
Ich erhielt ein Stück von Andres mit der Bezeich-
nung „R. Cherbin ges. 8. Juni“ und nachstehender brief-
licher Bemerkung: „Ich erzog die Art aus einer roten
Raupe, die in Baumwollsamen lebt und durch Anfressen
desselben sehr schädlich wird. Die Raupe befindet sich
im Oktober in der Baumwollkapsel und überwintert als
solche zwischen zusammengesponnenen Samen. Der
Falter erscheint im Juni. Es könnte sich um den bereits
von Vosseler aus Deutsch -Ostafrika erwähnten roten
Kapselwurm (Gelechia gossypiella) handeln, der dort den
Baumwollkulturen sehr schädlich ist, dessen Vorkommen
in Aegypten aber bis jetzt unbeachtet geblieben zu sein
scheint.* Die Vermutung des Einsenders hat sich be-
stätigt, es handelt sich zweifeilos um diesen in Ostindien
weit verbreiteten Baumwollschädling. Da in der deut-
schen Literatur keine deskriptiven Angaben über die
ökonomisch so wichtige Art vorliegen, sei eine kurze
Diagnose des eingesandten Stückes (5) gegeben.
Die Fühler reichen bis °/, der Vorderrandslänge, ihr
kurzes Basalglied zeigt unten einige lange Borsten, die
auf ihrer Innenseite gezähnelte und bewimperte Geissel
(&) ist gelbbraun, undeutlich schwarz geringt. Kopf
samt Palpen gelbbraun, letztere stark sichelförmig auf-
gebogen, aussen schwarz bestäubt, mit rauh beschupptem
Mittelglied und fast ebenso langem unter der Spitze
schwarz geringten Endglied. Der Thorax mehr grau be-
stäubt mit hellgelbbraunen Schulterdecken, der Hinterleib
dunkelgrau mit gelblichem Afterbüschel. Die gelblichen
Beine aussen schwarz bestäubt mit hellen Gliederenden.
Die lange Behaarung der Hinterschienen gelbgrau.
Die relativ schmalen, sehr spitz endenden Vaflgl.
rötlich gelbbraun mit zerrissener (wolkiger) schwarzer
88 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Bestäubung im Innenrandsteil und der ganzen Spitze.
Am Schluss der Mittelzelle ein schwarzer Punkt auf
lichterem Grund. Die ausnehmend langen Fransen gelb-
braun, in der Basalhälfte mit undeutlichen schwarzen
Flecken und dunkler Staublinie vor der Spitze. Die in
eine lange Spitze ausgezogenen Hinterflügel grau mit
einfarbigen kaum lichteren Fransen. Unterseite der Vdilgl.
schwärzlichbraun mit rötlichen Fransen. Vdfilgllänge 7,
Exp. 14 mm.
Die Abbildung bei Maxwell-Lefroy ist offenbar zu
breitflügelig geraten mit zu deutlichen dunklen Quer-
binden der Vdfilgl. Das vorliegende (gezogene) Stück
dürfte unter der Durchschnittsgrösse stehen.
*76. Gelechia sesostrella n. sp. (4%).
Ein einzelnes gezogenes & von Heluan (Debski) mit
der Bezeichnung „larv. libera fusiformis, Tamarix, 15,
29. April 1910“ gehört einer neuen Art aus der Plutelli-
formis-Gruppe an.
Die kurzen, nur bis !/; des Vorderrandes reichen-
den Fühler braun, undeutlich dunkel geringt. Der Kopf
und Thorax rötlichgrau, das sehr breit beschuppte
Palpenmittelglied heller rötlich, das ebenso lange spitze
Palpenendglied weisslichh, an der Basis und Spitze
schwärzlich. Hinterleib und Beine gelbgrau, letztere mit
schwarz gefieckten Tarsen.
Die schmalen Vdfigl. rotgelb (porphyrrot), in der
Vorderrandshälfte braunstaubig. Eine mittlere schwarz-
braune, geschwungene Längsstrieme beginnt erst ein
Stück nach der Basis und ist in der Flügelmitte
nach oben gebrochen. Als Fortsetzung finden sich noch
einige abgesetzte schwarze Punkte in der Mitte gegen
das Apikalfeld.e Das scharf abgesetzte Innenrandsfeld
bleibt in seiner ganzen Länge ungetrübt rotgelb. Die
blässer rötlichen Fransen auch längs des Vorderrandes
schwärzlich bestäubt mit lichter Teilungslinie vor dem
Ende. Die Htflgl. mit schwach vorgezogener, stumpfer
Spitze hellgrau mit gelblichen Fransen. Vdfigllänge 5.5,
Exp. fast 12 mm (M.C.)
Von den zunächst stehenden G. plutelliformis
Stgr. und G. sieversi Stgr.!) durch viel geringere
!) Diese Arten sind mit Unrecht im Katalog (2584) zusammen-
gezogen. (Vgl. Wlsghm. Pr. Z. S. 1907 p. 938).
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 89
Grösse, kürzere Fühler, schmälere Flügel, und Mangel
einer schwarzen Saumlinie der Vdflgl.. von plutelliformis
überdies durch die erst nach der Basis beginnende Längs-
strieme verschieden, die bei G. sieversi einen fast graden
Verlauf hat. Mit der grösseren G. erubescens
WlIsghm. (M. Mag. 1904 p. 265 Biskra) liegt keine nähere
Verwandschaft vor.
*77. Lita spec.
Ein einzelnes & von Heluan (Debski) mit der Be-
zeichnung „larv. in folii Zygophyllum album 5. Febr. 08,
imago 26. Febr. 1908* gehört in die Diminutella- Gruppe
und steht der pusillella Rbl. aus Aragonien zunächst.
Wahrscheinlich liegt eine unbeschriebene Art vor.
*78. Lita zygophyliella n. p. (3).
Zwei weitere von Zygophyllum album und Z. guyoti
im April gezogene Stücke, deren Raupen Ende März und
anfangs April gefunden wurden, gehören einer von der
vorigen sicher verschiedenen, fast zweifellos neuen Art
an. Die Fühler weiss, schwarz geringt. Auch Gesicht
und Palpen weisslich, das Mittelglied letzterer kaum
verdickt, auf die Aussenseite ebenso wie das kurze,
spitze Endglied mit schwarzem Fleck gezeichnet. Schulter
und Thorax trüb ockergelb, etwas graustaubig. Hinter-
leib und Beine weissgrau, letztere mit schwärzlich ge-
fleckten Tarsen.
Die Vafigl. gleichbreit, trüb ockergelb in der heller
gelben Spitze (bei einem der beiden Stücke auch längs
des Vorderrandes) schwarzstaubig. Drei undeutlich be-
grenzte, bräunliche Flecken liegen in gleichen Abständen
von einander und bilden undeutliche Querbinden. . Die
Fransen mit schwarzer Staublinie um die Spitze. Die
Htflgl. mit lang ausgezogener Spitze gelblichgrau. Eben-
so die etwas dunklere Unterseite der Vdfigl. Vdilgllänge
5, Exp. ca. 10 mm. (Debski, M. ©.)
*79. Teleia hyoscyamella n. sp. (5)
Zwei (leider defekte) weibliche Stücke von Heluan
(Debski) mit der Angabe „larv. 4. April 1910 eunieuli
Hyoseyamus muticus, imago 18. April 1910“ und „nympha
Tamarix 9. April, imago 18. April 1910“ gehören einer
neuen, eigentümlich gedrungen, fast durchaus ockergelb
gefärbten Art an. Körper gedrungen. Kopf samt Fühler
90 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
und Palpen ockergelb. Die Fühler gegen die Spitze fein
gezähnelt, das Palpenendglied (?/; des rauhbeschuppten
Mittelgliedes) vor der helleren Spitze mit undeutlichem
schwärzliehen Ring. Auch Thorax, Hinterleibsrücken und
Beine ockergelb, letztere mit dunkler gefleckten Tarsen.
Die Bauchseite des Körpers ist lichter ockergelb.
Die kurzen Flügel mit geradem Vorderrand sind
ockergelb, bräunlich bestäubt mit bräunlichen, undeut-
lichen, kurzen Längsstrichelehen in der Falte und auf der
unteren Mittelader. Der Vorderrandsteil ist mehr gleich-
mässig bräunlich bestäubt. Die am Innenwinkel sehr
breiten Fransen sind gelbgrau mit 2 deutlichen Teilungs-
linien am Ende. Die Htfigl. mit lang vorgezogener
Spitze grau, gegen die Ränder ockergelb, mit ockergelb-
lichen Fransen. Unterseite der Vdflgl. gelbbraun mit
helleren Rändern. Vdfllänge 5.5 bis 6, Exp. 11 bis
12 mm (M. CO.)
*80. Teleia tamariciella 7. — Rbl. Cat. N. 2740.
Zwei Stücke von Heluan (Debski) mit der Bezeichnung
„larva libera bicornuta, Tamarix, 14. Dezember 1909
bezw. 15. April 1910, imag. 14. Februar 1910 bezw. 4. Mai
1910“. Drei weitere gezogene Stücke ebendaher mit der
Bezeichnung „e larv. tubicol. Tamarix April, imago
4. Mai 1910* vermag ich trotz der oekologisch gewiss
bemerkenswerten anderen Lebensweise der Raupe nicht
von tamarieiella sicher zu trennen !).
*S1. Anacampsis polychromella Rbl. Iris XV. p. 109.
Zwei Stücke von „Luxor, 7. Juli 1910“ hatte ich von
Dr. Draudt zur Bestimmung. Die Art wurde von mir
nach Stücken von Haifa (Syrien) beschrieben.
*82. Oegoconia quadripuncta Hw. — Rbl. Cat. 3056.
Ein weibliches Stück von Bacos Ramleh (Andres) im
Oktober erbeutet.
*83. Depressaria ? siraminella Stgr. — Rbl. Cat. N. 3185.
Ein einzelnes schadhaftes weibliches Stück von
Carlton Dezbr. 1911 (Andres) gehört vielleicht dieser un-
genügend gekannten Art an.
1) Ich dachte zuerst an G. heligmatodes Wlsghm. (M. Mag
1904 p. 267 aus Algier), welche aber eine andere Art ist.
Dr. H. Rebel. Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens. 91
Tinaegeriidae.
*84. Eretmocera ? microbarbara \Wlsghm., Month. Mag.
1907 p. 149 (Algeria).
Ein einzelnes © aus der Umgebung Alexandriens
(Blumeneron) gehört vielleicht dieser kleinen Art an. Die
schwärzlichbraunen Vdflgl. zeigen nur im Apikalteil eine
ockergelbliche Bestäubung, die vor der Flügelspitze einen
grossen Vorderrandsfleck bildet. Der Hinterleib ist rot-
gelb, die Palpen sind reinweiss. Vadflgllänge nur 5 mm.
Tineidae.
*s5. Hapsifera palaestinensis Rbl. — Rbl. Cat. N. 4508.
— ? luridella Bak. Tr. Ent. S. 1894 p. 56. —
Vier Stücke aus der Umgebung Alexandriens (Andres)
mit der Bezeichnung „Mariout an Licht, April 1911,
Kingi 20. März und Haisanich .‚JJuni“ gehören dieser von
mir aus Palaestina beschriebenen Art an. Fast zweifel-
los führt bereits Baker (l.e.) dieselbe Art als H. luri-
della aus der Umgebung Alexandriens an. Auch ein
etwas abweichendes @ von „Kingi, 29. Oktober 1911*
(Andres) ziehe ich hierher.
86. Scardia mediterranea Baker — Rbl. Cat. N. 4523.
Zwei 5 aus der Umgebung Alexandriens von Andres
mit der Bezeichnung „Kingi, Februar“. Nur das aus der
Beschuppung des Mittelgliedes deutlich hervorstehende
pfriemenförmige Palpenendglied sprieht für die Gattung
Scardia, der die Art gewiss nicht angehört. Zu einer nähe-
ren Untersuchung mangelt derzeit noch das erforderliche
Material. Obwohl die Stücke nur 16 bis 17 mm Exp.
(nach Baker 19 — 20) und beträchtlich schmälere Flügel
als die Abbildung zeigen, glaube ich doch dieselbe Art
vor mir zu haben.
87. Trichophaga swinhoei Butl. Pr. Z.S. 1854 p. 502; —
Wilsghm ib. 1896 p. 230; — coprobiella Rag. Am S.Fr.
1894 p. 120 Fig. — Joannis Bull S. Fr. 1899 p. 248.
Von dieser aus Syrien, Arabien und Aegypten be-
reits bekannten Art liegt eine Anzahl Stücke aus der
Umgebung Kairos vor. Herr Andres schreibt darüber:
Die Motten wurden durch Zucht aus Raupen erhalten,
die sich in den Exkrementen eines Schakals befanden.
92 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Dieselben wurden anfangs Mai in der Wüste bei Kairo
gefunden und ergaben die Falter von Ende Mai ab. Die
Raupen wurden auch in Kameldünger und Hunde-
exkrementen gefunden.
ss. Tinea fuscipunctella Hw. — Rbl. Cat. N. 4583.
Ein 2 von Bacos, Dezember (Andres).
*89. Tineola biskraella Rbl. — Rbl. Cat. N. 4627.
Von „Luxor, 6. Juli 1910“ hatte ich ein Stück von
Dr. Draudt zur Bestimmung.
Beiträge zur Kenntnis der Elachista-Raupen.
Von W. Martini. Sömmerda.
Blattmine, Raupe und Puppe der Elachista chrysodesmella Z.
Diese Elachista erzog ich als neue Nord - Thüringer
Art bei Sachsenburg, Höhenzug der Hainleite, in der Um-
gebung der Burgruinen, von Brachypodium pinnatum.
lm südlichen Thüringen wurde sie bei Bad Blankenburg
durch Professor Dr. Petry gefangen.
Die im Juli bis Anfang August gesammelten Raupen
lieferten die Falter vom 6.— 21. August. Diese gehören
der zweiten Generation an, da eine leergefundene Mine
sicher alt war.
Der Nepticula-artige Anfang der Mine liegt neben
dem Blattrande, erreieht denselben nach allmähliger Ver-
stärkung und ist mehr oder weniger mit Kot erfüllt.
Die Raupe frisst nach aufwärts, oft fast bis zur
äussersten Spitze des Blattes und wendet sich dann ab-
wärts, indem sie die Mine nun streifenartig, mehrmals
wieder von oben beginnend, verbreitert. In dieser Ver-
breiterung verschwindet die Anfangsmine, da die Raupe
auch noch den Kot entfernt, oft vollständig, seltener ist
sie von den abwärts ziehenden Gängen getrennt. Die
ungleichen Enden der verschiedenen Minengänge liegen
in einer Mine nicht dicht aneinander, so dass deutlich
zu sehen ist, wie die Raupe die Mine gebildet hat.
u.
Ueber Elachista -Raupen. 93.
In zwei langen Blättern sind die Enden der Nepticula-
artigen Minenteile von der Blattspitze noch über 8 cm
weit entfernt, aber die Raupen wendeten sich doch um
und frassen nach unten zu.
Dieses spätere Abwärtsminieren ist also eine Eigen-
tümlichkeit der Art, die nicht durch das Erreichen der
Blattspitze bedingt wird, wie dies bei mehreren anderen
Arten der Fall ist. So minieren die Raupen von tetra-
gonella!), elegans, freyi, martinii?), megerlella Stt.
Katalog II?) (nicht aber einctella Z. Katalog II, die nie
aufwärts, sondern nur abwärts miniert), alle aufwärts
und nur dann später abwärts, wenn sie, am Ende des
Blattes angekommen, noch nicht erwachsen sind.
Eine dichte Kotlagerung befindet sich in den bis zur
Blattspitze ziehenden Minen meist an zwei kurz getrennten
Stellen unweit der Blattspitze, während der untere Teil
nur wenige zerstreute Kotkörner enthält.
Bei der anderen Form (in den langen Blättern) ist
bis ans Ende des 5 em langen Nepticula-artigen Teiles
die. Mine dieht mit Kot erfüllt, sie dehnt sich dann noch
4 em längs des Blattrandes aus und enthält nur an
einer Stelle eine geringe Kotlagerung. Dann beginnt
von oben an die zweimalige Verbreiterung nach unten
zu in 6 cm Länge, wovon 2 cm an der Anfangsmine,
schmal getrennt, vorbeiziehen. In der Mitte befindet
sich eine stärkere Kotlagerung.
Sämtliche Raupen haben sich an dem Glase des
Zuchtbehälters mit einem Faden um den Leib fest-
gesponnen, obgleich reichlich Gelegenheit gegeben war,
dies an der Futterpflanze zu tun. Da es nicht gelang,
an Grasbüschen mit leeren Minen festgesponnene Raupen
oder Puppen zu finden, so scheinen auch im Freien die
Raupen die bewohnten Pflanzen nicht zur Verwandlung
zu benutzen. Bei Regensburg erfolgt die Verwandlung
am Blatt.
!) Die Angaben Freys, die Raupen von tetragonella miniere nur
abwärts, trifft für Thüringen nicht zu.
2) Die Herbstmine zieht nach abwärts; Iris 1902 p. 145 steht
fälschlich aufwärts. In den Regensburger Berichten ist es richtig
angegeben. EI. martini, Katal. II ist Druckfehler.
3 Megerlella Stt. Katal. II halte ich für eine gute, von einstella
Z. verschiedene Art.
94 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Die Raupenform weicht von der anderer Blachista-
Arten etwas ab, indem die einzelnen Körperringe höher
gewölbt erscheinen. Der hellbräunliche Kopf ist an den
Rändern auffällig stark verdunkelt. Eine schwache Ver-
dunkelung zeigt auch das gelbliche Halsschild in der
Mitte. Das zweite Segment ist breiter und dicker wie
die folgenden und gleich dem dritten viel matter als die
übrigen, die bernsteingelb gefärbt sind.
Die hellgelbe runde Puppe hat eine sehr schwache
Rücken- und kaum sichtbare Seitenkante.
Die Blattmine der Elachista serricornis S$tt.
Im Jahre 1904 am 24. Juli fing ich im Steiger bei
Erfurt an einem Waldwege an den längs desselben zahl-
reich wachsenden Büschen von Carex silvatica eine
sichere Blachista obiger Art. Das Absuchen der Pflanzen
ergab nur drei unvollständige Minen, eine leer und zwei
mit toten Raupen. Gestochene Raupen verhalten sich
gegen gesunde oft anders, wie aus folgendem hervorgeht:
Bei Sachsenburg (Station Heldrungen der Erfurt-
Sangerhäuser Bahn) fand ich nämlich einmal eine Elach-
ista-Raupe in Garex humilis, die ich mit der eingesetzten
Pflanze gerade einen Monat im Zuchtapparate hatte. Die
Mine verlief in der Mitte des Blattes mit ganz lockerem
Kotstreif und sah gegen die einseitige Mine der freyi,
mit dichtem Kotstreif im unteren Teile der Mine, so ver-
schieden aus, dass ich sie für eine mir noch unbekannte
Art hielt. In den letzten Tagen verlegte die Raupe die
Mine plötzlich in die eine Blatthälfte und nun war kein
Zweifel, dass die Art freyi war. Am 31. Tage fand ich
den Schlupfwespenkokon vor.
Da aber serricornis eine nur an wenigen Orten ent-
deckte seltene Art ist und die Minen in den drei Blättern
bei einigen Abweichungen eine ganz gleiche Bildung
zeigen, so gebe ich die vielleicht doch erwünschte Be-
schreibung nach der grössten der drei Minen. Es ist wohl
sicher anzunehmen, dass die Mine der serricornis ange-
hört, denn diese Art lebt in Carax silvatica. Die Mine
ist so charakteristisch und gut unterscheidbar, dass sie
mit keiner anderen der mir bekannt gewordenen Sorten
(37) zu verwechseln ist.
N
an
95
Sie verläuft zwischen den durch die feinen Längsrippen
des Blattes gebildeten Feldern, sich immer mehr durch
Hinzunahme solcher verbreiternd,. aber stets genau mit
den Rippen abschliessend, ohne die geringste Ueber-
schreitung derselben. Die Verbreiterungen oder auch
Verschmälerungen sind also vollständig geradlinig.
Die aufwärts ziehende Mine beginnt mit einer
schwachen Verdunkelung (Kotstreif) zwischen zwei Blatt-
rippen als feine 6 mm lange Linie, an die sich drei neue
Felder ansetzen, eins bis zur Mittelrippe und zwei nach
aussen. Nach 4 mm setzen davon zwei Felder plötzlich
ab, so dass nur noch zwei Felder in 3 mm Länge neben
der Mittelrippe liegen, von denen das äussere mit Kot
gefüllt ist. Nun kommen wieder vier Felder von 5 mm
Länge dazu, die nach einander treppenartig beginnen.
Eine zweite Kotstelle liegt dem Anfange des letzten
Feldes gegenüber im zweiten, also im Verlaufe desselben
Feldes wie vorher und kurz von dieser Stelle getrennt.
Die letzte Verbreiterung von sechs Feldern erfolgt paar-
weise nach einander in drei Absätzen und 12 mm Länge.
An einer Beschädigung des Blattrandes fallen zwei Felder
aus. Auch gegenüber, an der Mittelrippe entlang, sind
in diesem letzten Teile der Mine einige kurze Strecken
der beiden ersten Felder unminiert geblieben. Vor dem
Ende der Mine liegt eine dichte, dunkle Kotstelle und
unter dieser die Raupe. Eine Beschreibung der ver-
trockneten Raupen war nicht möglich.
Leider wurde die Carex-Art an dieser Stelle durch
das Heben der den Weg begrenzenden Gräben und Aus-
rodung eines grossen Stückes Waldes vernichtet. Ander-
weit konnte ich das Gras nur spärlich auffinden und
mein Suchen war in den folgenden Jahren ganz ohne
jeden Erfolg.
Grapholitha Hein. (Laspeyresia Meyr.) oxytropidis,
eine neue Wicklerart aus Thüringen.
Von W. Martini, Sömmerda.
Vorderflügel graugelb, im Mittelraum mit dunkleren
Längslinien; die Vorrandshäkchen und der Spiegel sehr
unregelmässig, letzterer silbern eingefasst, mit Punkten
96 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
oder Striehen im Innern und zwei Punkten vor der
vorderen Einfassung, die scharfe Saumlinie schwarz;
Hinterflügel grau.
Flügelspannung 55 15—17 mm, 99 13—16 mm.
Die Vorderflügel sind lang gestreckt mit schwach
gebogenem Vorderrande. Der Saum ist verschieden
stark geschwungen, lässt aber die Flügelspitze immer
noch weiter als bei succedana hervortreten, auch ist die
Lage mehr oder weniger schräg. Die Hinterflügel er-
scheinen nach dem Innenrande zu flacher abgerundet
als bei genannter Art.
Die Vorderflügel nehmen vorn eine lichtere gelbgraue
bis bräunlichgraue Färbung an, indem daselbst die dicht
liegenden langen Schuppen weniger gelblich erscheinen
als hinten. Diese Färbung hellt sich gegen den Vorder-
rand auf und wird begrenzt durch die zwischen dem 5.
und 6. Häkchenpaare entspringende schräge braune
Linie, die bis zum Querast zieht und sich dann im
rechten Winkel, vor den vorderen Punkten der Spiegel-
einfassung, schräg der Falte zu, meist wenig deutlich
fortsetzt. Unter letzterer tritt die mehr graue Färbung
noch weiter nach aussen vor. Die graugelbe Beschuppung
hinter dieser Linie bis zum Saume ist ganz dicht, die
@Querreihen ohne Zwischenräume, deshalb erscheint sie
auch nicht als Bestäubung.
Am Innenrande liegen bis zur Falte matte Quer-
wellen, die nur bei wenigen der zahlreichen Falter
deutlich sind.
Die vier fast immer vorhandenen Längslinien im
Mittelraume sind öfter kaum sichtbar, wenn man sie
schräg von oben in der Richtung der Flügelspitze be-
trachtet, sie scheinen in feinen nicht mit helleren
Schuppen bedeckten Faltungen der Flügelmembran zu
liegen. Die unteren ziehen der Wurzel zu, die oberen
bis über den Spiegel.
Die Vorderrandshäkchen, die öfter eine geradere
Stellung haben, besonders die der Flügelspitze am
nächsten stehenden, sind weisslich, selten schwach
glänzend, oder grau getrübt und erreichen, undeutlicher
werdend, fast die Wurzel. Der aufgehellte Vorderrand
zeigt die trennenden Schrägstriche als kleine dunkle
W. Martini. Grapholitha# oxytropidis n. sp. -97
Fleckehen. Die Häkchen der drei ersten Paare sind
meist am regelmässigsten, sie stehen aber auch öfter
weiter voneinander ab, so dass die trennenden dunkleren
oder helleren Striche alle ziemlich gleich breit sind. Die
Häkchen des 4. und 5., seltener auch die des 3. Paares
nähern sich einander oder fliessen zusammen. Mitunter
ist die Unregelmässigkeit so, dass die paarweise An-
ordnung unkenntlich wird.
Die aus den Häkchen entspringenden, öfter schräger
als diese liegenden Linien sind von trüber weisslich-
oder bleigrauer Färbung. Die Linien aus dem ersten
Häkchen des 1. und 3. Paares ziehen bis vor die Stelle
des Augenpunktes und stossen daselbst fast rechtwinkelig
zusammen. Auch die vereinigten Linien des 5. Paares
und die aus den eingeschlossenen Häkchen des Winkels
sind nach dieser Stelle zu gerichtet. Durch den ver-
längerten Strich zwischen dem 3. und 4. Paare ist der
Winkel dunkel angelegt. Die Linien aus dem 4. und den
letzten Paaren sind verkürzt oder undeutlich. Einzelne
dieser Linien sind etwas wellig.
Der glänzend silbergrau eingefasste, oben weit
offene und unten verschmälerte Spiegel ist im Innern
von gleicher Färbung wie die anliegende Fläche. Die
hintere Einfassung besteht selten aus nur einer gebogenen,
unten dem Saume genäherten Linie. Ofter ist sie an
der Stelle des untersten Spiegelpunktes in zwei Linien
zerlegt, deren obere die längere ist. Beide sind dann
weniger gebogen und stumpfwinkelig gegen einander
gerichtet. Die vordere kürzere Einfassung ist etwas
breiter, winkelig gebrochen, oder sichelförmig, oder auch
mehr gerade, und da sie unten von dem Ende der
hinteren Einfassung mehr oder weniger entfernt bleibt,
so ist der Spiegel auch unten stets offen.
Die drei schwarzen Striche oder Punkte im Innern
des Spiegels sind sehr unregelmässig. Die unteren
fehlen öfter oder sind viel feiner. Oben steht meist ein
kürzerer oder längerer Strich, selten auch Doppelpunkte.
Die beiden dicht vor der vorderen Spiegeleinfassung
übereinander liegenden Punkte sind in gleicher Höhe wie
der erste und dritte Strich oder Punkt im Spiegel. Nur
bei einem Falter befindet sich noch ein kleiner Punkt
in der Mitte, so dass diese drei Punkte die gleiche Lage
98 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
wie die im Innern des Spiegels haben. Auch diese, mit-
unter etwas lang gezogenen Punkte sind sehr unregel-
mässig, nur selten beide sehr stark, oder fein bis zum
Verschwinden, der obere oft kleiner.
Die scharfe schwarze Saumlinie beginnt hinter dem
ersten Vorderrandshäkchen und endet etwas schwächer
an dem Fransenanfang am Innenwinkel.
Die Fransen sind grau, nach aussen mit Metallglanz,
ohne Augenpunkt. Die Hinterflügel grau bis dunkelgrau
(einzelne @Q), die helleren Fransen mit Teilungslinie.
Thorax nnd der obere Kopf heller gelbgrau. Fühler
heller oder dunkler grau. Gesicht und Palpen hell gelb-
grau, das kurze Endglied dunkler. Beine hellgrau,
Tarsen dunkler, schwach gefleckt. Hinterleib grau, letztes
Segment des & öfter heller gelbgrau, des © dunkler.
Die neue Art ist charakterisiert durch die gleich-
mässige dichte gelbe Beschuppung, die nicht als Be-
stäubung eines dunkleren Grundes erscheint, und durch
die scharfe schwarze Saumlinie.
mierogrammana Gn. ist verschieden durch die
weniger gestreckten breiteren Vorderflügel, den schwächer
geschwungenen, nicht so schräg liegenden Saum und die
weniger hervortretende Flügelspitze. Ganz abweichend
ist die dunkelgraue, durch feine staubartige gelbe
: Schüppchen hinter der Mitte aufgehellte Grundfarbe. Vor
der vorderen Spiegeleinfassung liegt meist nur ein un-
regelmässiges schwarzes Fleckchen. Die dunkele Saum-
linie fehlt; die oft starken Querwellen in der vorderen
Flügelhälfte sind nicht immer ein Unterscheidungszeichen,
da sie bei einzelnen Faltern bis zum Verschwinden un-
deutlich werden.
succedana Froel. ist verschieden durch das
weissliche Mittelfeld und fehlende Saumlinie.
var. ulicetana Hw. (von Vannes) hat viel dunkler
braune, hinten gelbstaubige Vorderflügel, das weissgraue
Mittelfeld ist wie bei succedana gestaltet. Gegenüber
dem unteren, oft fleckartig erweiterten Punkte vor der
vorderen Spiegeleinfassung liegt am Rande des Mittel-
feldes ein schwarzer Punkt oder strichartiger Fleck, der
der neuen Art vollständig fehlt. Die kurzen dicken
Striche im Spiegel sind viel regelmässiger. Ein englisches
Stück ist durch die braunschwarze Grundfarbe noch viel
W. Martiri. Grapholitha oxytropidis n. sp. 99
unähnlieher. Nach der Mitteilung von Herrn Disqu& in
Speyer unterscheiden sich die Raupen von succedana
und der var. ulicetana durch die feinen auf den beiden
ersten Segmenten stärkeren Punktwärzchen, die aber nur
unter Vergrösserung erkennbar werden.
Für deutlich verschieden hält Herr Professor von
Kennel in Dorpat auch negatana Rbl. aber derselbe
ist noch nicht zu der festen Ueberzeugung gekommen,
dass es sich bei oxytropidis um eine distinete neue Art
handelt; er denkt zwar nicht mehr an ulicetana, aber meint
adenocarpi Rag. könnte in Frage kommen. Die
Unterschiede seien so gering, dass man sie ganz gut in
den Rahmen der Variation bringen kann, zumal ja beide
Formen eine gewisse Variationsbreite zeigen.
Da ich adenocarpi nicht besass, so stellte Herr
Stadtrat Meeß in Karlsruhe auf meine Bitte freundlichst
einen genauen Vergleich an und teilte mir folgende Ab-
weichungen der adenocarpi mit:
Die Vorderflügel sind nach aussen stärker verbreitert,
der Saum ist etwas steiler, die Spitze schmäler und
stärker vorgezogen, so dass die Saumlinie ziemlich stark
eingeknickt, nicht geschwungen, erscheint. Die Gesamt-
färbung ist dunkler, die gelbe Beschuppung über den
ganzen Flügel verteilt, die einzelnen Schuppen stehen
entfernter, wodurch die Flügel im Ganzen reicher be-
schuppt sind. Einzelne Stücke haben auch Anzeigen
von Längslinien im Diskus. Diese bestehen aber aus
dunkleren Schuppen, nicht wie bei oxytropidis in Aus-
sparungen der hellen Schuppen. Die Vorderrandshäkchen
stehen schräger und die Verlängerung derselben ist dann
fast geradlinig. Die Einfassung des Spiegels ist aussen
schmäler und mehr eingezogen, so dass er höher und
nicht so breit ist. (Ragonot bezeichnet den Spiegel als
oval.) Die Fransen haben weniger Metallglanz und. die
ganze Zeichnung ist matter. Die Saumlinie viel schwächer,
oft kaum angedeutet. Herr Meeß möchte dieser vielen
Unterschiede wegen oxytropidis nicht zu adenocarpi
ziehen und hält sie nach wie vor für eine gute neue
Art. Herr Disqu& und Herr Professor Dr. Petry sind
derselben Ansicht.
Aus der Ragonot'schen Originalbeschreibung, die ich
Herrn Dr. Petry verdanke, ist noch Folgendes hervor-
zuheben:
100 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Die Verlängerungen des 6. u. 8, Häkchens erreichen
und bilden die Einfassung des Spiegels; dies ist bei
oxytropidis nicht der Fall. Die Spiegelstriche sind viel
regelmässiger und die oberhalb derselben befindlichen
angehängten kleinen schwarzen Punkte, die auch in der
Abbildung dargestellt sind, fehlen bei oxytropidis. Auch
die Raupenbeschreibung spricht gegen die Vereinigung:
Sur cette derniere partie (l’@cusson) on remarque quatre
taches noires le long du bord posterieur, Trapezoidaux
et stigmataux grands, tres visibles a l’oeil nu, luisants,
de m&me couleur (d’un roux noirätre, mais beaucoup plus
päle) que l’ecusson. Herr Disque, der die präparierte
Raupe besitzt, hält sie sicher für verschieden.
Bisher sind folgende Fundorte festgestellt: Der von
West nach Ost ziehende südlich abfallende lange Hang
der Weissenburg, zwischen Weissensee und Sömmerda
belegen, die Schwellenburg bei Kühnhausen und durch
Herrn Dr. Petry die Höhen bei Gangloffssömmern.
(Letztere zwei Orte an der Bahnstrecke Nordhausen—
Erfurt.) Herr Professor v. Kennel hat neuerdings ganz
identische Falter von Zeitun am Südabhange des Taurus
im östlichen Kleinasien erhalten.
Die genannten Höhen bestehen alle aus schwefel-
saurem Kalk und haben eine eigene Flora von Kalkboden
liebenden Pflanzen: z. B. Oxytropis, Glaucium, Nonnea,
Astragalus, Adonis vernalis, Stipa.
Die Raupe lebt in den Schoten von Oxytropis pilosa
und ist in der zweiten Julihälfte am häufigsten. Sie ist
hellgelb, Kopf und letztes Segment hellbraun und voll-
ständig unbezeichnet. Das hinten abgerundete Halsschild
ist wenig dunkelfarbiger als der Körper und gleich dem
Kopf schwach glänzend. Die Zucht scheint schwierig,
denn die sehr zahlreich eingesammelten Raupen lieferten
mir und Herrn Disqu& nur je einen Falter.
Die Flugzeit ist sehr ausgedehnt. Im Jahre 1911
fing ich die Falter vom 26. Mai bis 11. Juli.
Eine der neuen Art zugehörige Schlupfwespe, die er-
zogen und stets in Anzahl an der Nährpflanze gefangen
wurde, ist eine Braconida, deren Namen Ascogaster
quadridentatus ich Herrn Professor Dr. Schmiede-
knecht in Bad Blankenburg verdanke.
RN
Kleine Mitteilungen. 101
Kleine Mitteilungen.
Wohl auch eine Folge des abnorm warmen Sommers 1911,
Unseren ältesien Sammlern ist es bisher hier noch nicht
vorgekommen, dass von Apatura iris L. eine zweite
Generation im Freien zur Entwickelung kam. Im Jahre
1911 aber fand ein Mitglied des hiesigen Entomologischen
Vereins am 18. September eine fast erwachsene Raupe
von Apatura iris. Am 30. Sept. fand dasselbe Mit-
glied ein zweites Stück. Die Raupen ergaben am 28.
Sept. bez. 15. Oktober die Puppen, aus welchen am 13.
bez. 27. Okt. die Falter schlüpften. Diese Falter (25 8)
erschienen abends 10 Uhr und wiesen im Gegensatz zur
ersten Generation kleinere Formen auf; sonstige abwei-
chende Merkmale sind nicht vorhanden.
Entomologischer Verein Mühlhausen i. Th.
Anmerkung der Redaktion: Wir gaben gern der obigen
Mitteilung Raum, die schon anderweit veröffentlichte
Beobachtungen eigenartiger Anomalien in der Erschei-
nungszeit von Schmetterlingen im Jahre 1911 ergänzt.
So wurden bei Hannover !) junge Raupen von Limenitis
populi Anfang Juli gefunden, die bereits im August
Falter ergaben, die etwas kleiner sind als die normalen.
Auch bei Berlin ?2) wurde im Juli ein L, populi Raupe
gefunden, die ein % von nur-58mm Spannweite ergab.
In England !) wurden Falter von Limenitis sibilla am
19. Sept. beobachtet. Dr. Dampf?) macht ferner auf das
Auftreten östlicher Steppentiere in Ostpreussen im Sommer
1911 aufmerksam. In der Umgebung von Dresden wurde
die sonst seltene Pieris daplidice in auffallend grosser
Menge beobachtet und ebenso traten die Raupen der
zweiten Generation von Gelerio euphorbiae euphor-
biae in ausserordentlich grosser Anzahl auf. Bemer-
kenswert war ferner das Erscheinen der Raupen einer
einwandfreien 3. Generation von Pieris brassicae und
rapae. Diese Raupen wurden unmittelbar nach ihrer
letzten Häutung Mitte November aufgefunden. Sie hatten
schon mehrere starke Nachtfröste durchgemacht und
lieferten im warmen Zimmer Ende November die über-
winternden Puppen. DrD
wg 1) Entom. Zeitschr. Frankfurt a. M. 1912 Nr. 46. p. 239. 240.
2) Inter. Ent. Zeitschr. Guben 1912, Nr. 53, p. 379. 3) Ent. Zeitschr.
Frankfurt a. M. Nr. 41, p. 222.
ERRN. ei: 2 Vorstand
WE las Entomologischen Vereins ‚„Iris” zu Dresden.
De önder Prof.Dr.K.M.Heller, Dresden, Franklinstr.22.
"Stellvertr.: "Dr. H. Walther, Dresden-N., Böhmertstrasse 4.
. Schriftführer: Ad. Winckler, Dresden- Pl., Kaitzerstr. 137.
|} Stellvertr.: Eduard Riedel, Dresden, Bahe Strasse 40 II.
AU AR Rechnungsführ.: Greta Dresden, Bismarckpl!. 6.
R Rihliorh,: Amtstierarzt Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
‚steur: Dr. P. Denso, Hellerau b. Dr., Auf d. Sande.
ılvertreter: Dr. P. Husadel, Dresden, Gewandhanusstr. 3.
Sitzungen: Mittwochs v. 8—11 Uhr im Zoolog. Garten.
|: Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren
Hefte und Separata unserer Zeitschrift zu halben Prei- -
sen, mit Ausnahme von Band I Heft 1—3 und Band VII
‚und VIII, welche vergriffen sind. Anfragen bittet man
an den Bücherwart (E. Möbius, Dresden-F., Schlacht-
hofring 3, II) zu richten.
suET Der Jährliche Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist
in den ersten 3 Monaten eines jeden Vereinsjahres zu
zahlen (an den Rechnungsführer G. Kretzschmar.).
-
Heft gegen Nachnahme des Beitrages zugesandt (soweit nach den
betreffenden Ländern Nachnahme zulässig ist).
EN, 'Laut Vereinsbeschluss erscheint die Zeitschrift vom
Jahre 1912 ab wieder in vier Vierteljahrsheften.
\
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte
| können nur innerhalb der Frist eines Jahres, vom Erschei-
nen der betreffenden Heike, an gerechnet, berücksichtigt
"werden. be
‚Den Herren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu zahlen ver-
gessen haben, wird das zweite (Anfang Juli erscheinende).
Die Grossschmetterlilge der Erde |
Bearbeitet von ersten Kennern ‚und Autoritäten, wie:
Aurivillius (Stockholm), Jor dan (Tring), Bar tel (Berlin), Pr out
(London), Janet (Paris), Standfuß (Zürich), Haensch (Berlin),
Warren (Tring), Mabille (Paris), Fruhstorfer (Genf), Strand
- (Berlin), Weymer(Elberfeld), Eiffinger (Prankfurt), ED
und anderen. ER
Herausgegeben von Professor Dr. Adalbert ‚Seitz. RR
Komplell in ga. 460 Lielerungen oder in \ Bänden, in 2 Hann ”
1. Hauptteil Palaearktische Fauna. |, 2. Hauptteil Exoten. Urs
Vollständig in etwa 110 Lieferungen Vollsfändig in etwa 350 Lieferungen I
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Bd. I Tagfalter i. 43 Lief. od. geb. 58 M. | Bd. V— VIII Amerik. Fauna ca. 1201f. RR.
„. U Spinner u. Schwärmer Eu » "IX--XILIndo-austr. ,, ‘„ 14518...)
in ca. 25 Lief. od. geb. ca. 35M. | „XII—XVIAfrikan. „ „ 85Lf.
„IH Noktueni.ca.25 Lt. od.gb.ca.55M. Die Einteilung der einzeln. Binde
„IV Geometriden„ 20 5 5» » B0M. entsprechend dem 1. HUBUmIL. Br
Hierzu erscheint noch ein Supplement-Band mit Allgemeinem Teil,
Morphologie, Biologie, Geographie. a
In beiden Hauptteilen zusammen werden auf ungefähr 1000 Taf, Ss
rund 40000 Falter in vorzüglich kolor. Abbildungen dargestellt. BEN
Jeder Falter sofort bestimmbar. | Kein Museum, keine Sammlung
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Im Jahre 1912 erscheint der Schluß der palaearktischen Schwärmer ;
und Spinner, der. Noktuen und Spanner, sowie die 2. Hälfte der I
Exotischen Tagfalter und Fortsetzung der Exotischen Nachtfalter. |
Das Gesamtwerk hät 1906 begonnen und wird 1913, also in
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und wird von 1911 ab in 3—-4tägigen Pausen erscheinen.
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0 Iris, Dresden, Band XXVI. Heft 2.
Deutsche u
‚ Entomologische Zeitschrift
‚aris’
herausgegeben
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
"Jahrgang 1912. Zweites Heft.
30. Juni 11
N 4d/fna
una) I
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N _ Redakteur: Dr. Denso.
Preis für Nichtmitglieder des Vereins: 3 Mark.
Berlin.
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Carl-Strasse 11.
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14
i n T
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Ay \
Inhalts-Uebersicht.
Seite
Bang -Haas, Neue oder wenig - bekannte palacarktische RT A
Makrolepidopteren RE N » 108-4110
Dr. A. Petry, Ueber die deutschen an Artemisia Ich A EN.
den Arten der Gattung Buceulatrix 2. nebst EZ 5%
Beschreibung einer neuen Art, . „2... 11-15 2 ©
Zur Biologie der Lita vieinella Frey. non Dougl. STiD® IS ENneR |
Dr..H. Zerny, Neue Heteroceren aus der Sammlung des RER
k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien‘. 119-124
Dr. P. Denso, Palaearktische Schmetterlingsformen . . .125--136
Leo Sheljuzhko, Eine neue Form v. Melitaea didyma O0. 137—138
Bücherbesprechungen: um 0 eu a nm.
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Für die Form "und den Inhalt der in dieser Zeitschrift ver-
öffentlichten Aufsätze sind die Herren Autoren allein verantwortlich.
. In allen redaktionellen Angelegenheiten, die auf das Jahr 1912
Bezug haben, bitten wir, sich nur an den Redakteur Herrn Dr. Denso,
Hellerau b. Dresden, auf dem Sand, ‚zu wenden.
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D
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. IV. 103
Neue oder wenig bekannte palaearktische
Makrolepidopteren. IV. *)
Von A. Bang-Haas. Blasewitz.
Parnassius intermedius forma fortuna B-H.
Aus dem Sajan-Gebiete (Arasagun-gol) erhielten wir
eine Anzahl recht hervorragender Stücke, die sich .be-
sonders durch leuchtend weisse Grundfarbe, starkes,
schwarzes, glasiges Saumband und Submarginalbinde, so-
wie durch sehr kräftige, schwarze Zell-Flecke der Vdilgl.
auszeiehnen;, auch der schwarze Hinterrandfleck und die
rote Kostal-Ozelle der Vdflgl.,. sowie auch die starken
roten Ozellen der Htflgl. sind meist wesentlich kräftiger
entwickelt als bei den nahestehenden Formen. Ein
kleineres 5 (Spannweite 56 mm) zeigt sogar zwei be-
sonders grosse. rote Kostal-Ozellen der Vdflgl. Bei den
wenigen erhaltenen %9 sind auch die roten Ozellen sehr
kräftig, ein © zeigt drei Kostal-Ozellen der Vdfilgl.; ein
anderes © hat zwei sehr kräftige, rote Apikal-Flecke. Die
hellere, weisse Grundfarbe ist auch bei diesen 9% hervor-
tretend.
“
Das grösste 5 weist eine Spannweite von 69 mm
auf, allerdings dürfte dieses doch eine Ausnahme sein.
Das grösste misst nur 64 mm. Im allgemeinen ist die
Durehsehnitts - Grösse höher als bei den verwandten
Formen.
Colias croceus (edusa) ab. cremonae n. ab.
Diese herrliche Aberration wurde am 13. April 1910
in einem reinen, männlichen Stücke bei Hasmich im
Libanon von Herrn Cremona gefangen und ich benenne
diese auffallende Farbenvariation ihm zu Ehren.
Die Farbe hat etwas Aehnlichkeit mit derjenigen
des C. europomene OÖ. aber mit einem Stich ins
Grünliche. Die Vdfigl. haben eine reinere, gelbliche,
*) Frühere Beschreibungen in der „Iris“ siehe
I, Band XIX 1906 pag. 127 — 144
U, „ _ XX 1907 pag. 69 —88
Il. „ XXIV 1910 pag. 27 —b5i1
x
104 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
schwach grünliche Farbe, nur der Vorderrand zeigt
schwache schwärzliche Bestäubung, während an der Basis
des Innenrandes sich ein etwas kräftigerer, kurzer
schwarzer Schatten bemerkbar macht. Die Htflgl. sind
ziemlich regelmässig schwärzlich bestäubt und neigen
mehr zu der obenerwähnten grünlichen Färbung. In dem
kräftigen, schwarzen Saumband treten an der Flügelspitze
einige gelbliche Adern hervor.
Spannweite 45 mm.
Oeneis norna v. tundra n. var.
Die vielen Stücke der nordischen typischen O. norna
Thnbg. in coll. Staudinger zeigen alle eine mehr oder
weniger einförmige grau-gelb-hraune Grundfarbe, und sind
im allgemeinen von kleinerer Statur als die sibirische
Form. Wir erhielten aus dem Sajan-Gebiete eine Anzahl
Stücke, die ich als v. tundra bezeichne, weil die Ober-
seite wesentlich lebhafter, ockergelb gefärbt ist. Die
dunkelbraune Mittelbinde der Unterseite der Htflgl. tritt
sehr schwach hervor und ist viel weisser abgegrenzt,
Auch das 9 ist entsprechend lebhafter gefärbt. Zu dieser
neuen Form muss ich auch einige Stücke aus dem
Central-Altai ziehen, jedoch ist die hellere Färbung meist
nicht gar so hervortretend; auch die Unterseite der
Htfigl. nicht so scharf weiss gesprenkelt, wie bei den
Sajan-Stücken, aber mit der von Elwes aufgestellten, sehr
dunkel gefärbten v. altaica können meine Altai- und
noch weniger meine Sajan-Stücke jedoch nicht vereinigt
werden. Im Katalog 1901 unter v. altaica muss die
Lokalität Sajan vorläufig ausfallen, da das dazu gezogene
blasse 2 besser zu v. tundra passt.
Spannweite 43--52 mm.
Deneis norna v. saga n. var.
Diese der v. fulla Ev. im Flügelbau nahestehende
Form lässt sich leicht durch die tiefe, schwarzgraue
Färbung mit weit schwächerer und weniger hervor-
tretender gelblicher Mischung unterscheiden; die dunkle
Mittelbinde der Htflgl.-Unterseite ist kräftig weiss begrenzt.
Meistens haben die Stücke ein ganz kleines Auge zwischen
Rippe 5 und 6 der Vdilgl.; seltener ist ein solches noch
schwächeres Auge am Analwinkel der Htflgl. zwischen
Rippe 2—3 angedeutet.
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. IV. 105
Aus Saisan (Saur-Gebirge).
Spannweite 40—43 mm.
Oeneis brunhilda n. sp. Taf. VI, Fig. 1. **®)
,,
Diese interessante Art aus dem Sajan-Gebiete unter-
scheidet sich durch die (meist helle) lehmgelbe Färbung
von der OÖ. nana Men. = hulda Stgr. aus dem Amur
(Prokofka), die eine tiefe kastanienbraune Farbe aufweist;
ausserdem sind sowohl die Vorder- wie Htfigl. in beiden
Geschlechtern ziemlich gleichmässig gefärbt, während bei
nana die innere Flügelhälfte ganz wesentlich dunklere
Bestäubung als die äussere hat. Die Zahl der meist
recht kleinen Augen variiert sehr bei den einzelnen In-
dividuen, diese sind aber im allgemeinen so verteilt wie
bei nana; sehr selten ist ein Auge weiss gekernt. Die
Binde auf der Htflgl.-Unterseite tritt weniger scharf her-
vor als bei nana, selten sind die Rippen weisslich gefärbt,
die beiden Arten nanaund brunhilda unterscheiden
sich dadurch sofort von OÖ. tarpeia Pall., bei welcher
die Rippen ja besonders stark weiss angelegt sind.
Spannweite 44—50 mm.
Triphysa phryne Pall. v. glacialis n. var.
Von Arasagun-gol erhielten wir eine Anzahl Stücke
beider Geschlechter, von denen besonders die 99 durch
ihre Kleinheit auffallen, und die sich wohl als eine Lokal-
form abtrennen lassen.
Die 58 zeigen nicht ganz so rein-weisse Fransen wie
diev. dohrni Z., unterscheiden sich aber sonst wenig
von dieser Form; die v. striatula Elw. war nicht vertre-
ten unter den erhaltenen Stücken, eher solche der v.bio-
cellata Stgr., wenn auch mit nicht sehr hervortretenden
Augen, wogegen ein © mit zwei sehr scharfen, schwarzen
Augen als unverkennbar zu dieser gezogen werden muss.
Im allgemeinen sind die dunklen Zeichnungen der Unter-
seite bei den @Q sehr stark durchschlagend und sichtbar
auf der Oberseite, selbst die sehr breite, weisse, hufnagel-
ähnliche Umrandung der Mittelzelle der Htflgl. hebt sich
auf der Oberseite scharf ab.
**) Die Tafel VI, die ausser den zu dieser Arbeit gehörenden
noch einige weitere Abbildungen enthält, wird mit einem späteren
Hefte erscheinen.
106 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Die Zahl der Augen ist variabel; im allgemeinen ist
die Neigung zu den für biocellata charakteristischen,
grossen Flecken in Zelle 2 und 3 vorhanden; doch
kommen auch Stücke vor, bei denen alle Augen gleich
gross sind, ja bei einem Stücke fehlen die Augen der
Vdfigl. so gut wie ganz oder sind doch höchstens durch
Pünktchen angedeutet. |
Spannweite & 29—30, 2 27—29 mm.
Callophrys rubi v. caerulescens n. var.
Aus dem Kaukasus (Elisabethpol) erhielten wir eine
Anzahl Stücke, die einen starken bläulichen Schiller auf
der Oberseite haben, und ebensowohl einen Namen ver-
dienen dürften, wie die stark goldige v. fervida Stgr.
Spannweite 27 mm.
Notodonta jullieni Obth.
Von dieser der Pheosia tremula Ül. etwas
ähnlichen Art erhielt ich ein @ aus dem Karagai-tau,
während Herr Oberthür den 5 erhielt und mir mit der
Beschreibung (Etudes Comp. V. Fig. 629 5) zuvorgekommen
ist. Die gute Abbildung lässt keinen Zweifel aufkommen,
dass das 9, welches ich als Pheosia oberthüriü.l.
bereits etikettiert hatte und so beschreiben wollte, dazu
gehört. Die beiden Geschlechter scheinen keine grossen
Zeichnungsunterschiede aufzuweisen.
Notodonta graeseri Stgr.
Die von Oberthür (Etudes Comp. V. Fig. 623 &) ab-
gebildete und als arnoldi Obth. bezeichnete Art (aus
der Mandschurei), kann ich nicht von dem graeseri-
Originale Stgr. unterscheiden.
Allodonta ieucodera Stgr.
Auch diese Art hat Oberthür (Etudes Comp. V.Fig.645)
als elongata Obth. neu aufgestellt; leider vermag
ich auch hier nach Stgrs. Originalen keine neue Art
zu erkennen.
Pygaera modesta Stgr. 1559 — moderata Graeser 1392.
Leider hat diese Art noch ein neues Synonym durch
Oberthürs Beschreibung 1910 von Rhegmatophila
akulini(von Fort Naryn) Etudes Compar. IV. T.51 Fig.441
erhalten; wir erhielten sie auch aus dem Karagai - tau.
Enge
= En
Se
ER
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. IV. 107
Dasorgyia alpherakii Gr. Gr.
In Etudes Comp. V. veröffentlicht Oberthür eine
Triehosoma houlberti (Fig. 782); wie es mir
scheint, fällt diese nach den in eoll. Stgr. befindlichen
Stücken zusammen mit D. alpherakii. Das als Fig. 783
abgebildete Stück dürfte ein zeichnungslose var. dieser,
wie es scheint variablen Art sein.
Stilpnotia surtur n. sp.
Obgleich nur ein (ganz reines) © vorliegt, muss ich
doch dieses auffallende Tier als neue Art aufstellen. Sie
steht wohl der S. sartus Ersch. am nächsten, unter-
scheidet sich aber durch die gleichmässig schwarze Farbe
(etwa wie die des Weibes von Oeneria detrita Esp.)
sowohl auf der Ober- wie Unterseite, auch alle Körper-
teile sind schwarz. Die Vdilgl. sind ein wenig breiter
als bei sartus, und die Fühler haben etwas kräftigere
Kammzähne.
Aus dem Julduss-Gebiete.
Spannweite 39 mm.
Syntomis hyrcana n. sp. Taf. VI, Fig. 2.
Leider erhielten wir nur 2 Stücke dieser interessanten
neuen Art, das eine davon ist ganz rein, aber mit abge-
brochenen Fühlern, das andere etwas abgerieben, aber
mit vollständigen Fühlern; beide erhielten durch das
Eintüten sehr flachgedrückte Hinterleiber, aber das gelbe
Rundband auf dem fünften Segment tritt deutlich
hervor; dagegen fehlt der gelbe Fleck auf dem
ersten Segment ganz. Die Fühler sind ganz schwarz
ohne weisse Spitze. Die Art wäre in der Nähe
von S. mestralii Bugnion einzureihen: Grundfarbe
schwarz; die Flecke gelblich (etwa wie die der
Farbe’ von mestralii v. palaestinae Stegr.));,
Vdflgl. mit zwei grossen, rundlichen Flecken unter der
Spitze, die zwei Flecke sind bei dem einen reinen Stücke
sogar zusammenlliessend und dann mit drei schwarzen
Rippen durchzogen; ein scharfer, flacher viereckiger
Fleck steht etwas vom Vorderrande entfernt an der
Querrippe, darunter befindet sich ein kurz vor der Basis
beginnender, langer, breiter, etwas sgebogener, auch
scharfeckiger Fleck, der sich bis kurz vor den Innen-
winkel ausdehnt; bei dem zweiten, abgeriebenen Stück
108 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
lässt sich aber erkennen, dass dieser lange Fleck mit-
unter auch in zwei geteilt wird. Htflgl. fast ganz gelb-
lich ausgefüllt, nur die Flügelspitze mit breiterem nach
dem Innenrand schmal verlaufendem schwarzem Band.
Aus dem Sultanabad-Gebiet (Persien).
Spannweite 535 mm.
Ocnogyna rothschildi n. sp. Taf. VI, Fig. 3.
Diese der OÖ. parasita Hb. am nächsten stehende
Art unterscheidet sich durch weniger breite, am Innen-
rand stark gerundete Flügel und durch viel kräftigere, ‘
schwarze Zeichnungen. Der schwarze Vorderrandstreifen
ist weit seltener in Flecke aufgelöst als bei parasita;
besonders kräftig ist der Innenrandstriemen, der fast
bis zum Innenwinkel reicht. Ab und zu kann auch dieser
Streifen einmal unterbrochen sein. Die im Saumfelde
stehenden zwei Flecke sind diek und kräftig; zwischen
diesen beiden Flecken befindet sich am Saume ein dritter,
meist recht kräftiger, nach der Basis zu abgerundeter
Randfleck. Dieser Fleck ist bei parasita meist
nicht einmal angedeutet; auch schwarze Stricheichen
kommen meist in der Flügelspitze vor. i
Die Grundfarbe ist dunkelgrau, meist mehr oder
weniger ins bräunliche übergehend; ein Stück zeigt tief
grau-schwarze Färbung. Auch die Htfigl. sind am Saume
stärker gerundet und nicht so breit wie bei parasita; sie
sind etwas glasig, haben drei mehr oder weniger kräftige,
meist rundliche, schwarze Flecke am Saume; ein vierter
steht an der Spitze und ist öfters am Vorderrand in einen
langen Schattenfleck ausgedehnt; dieser Schatten tritt
bei gespannten Stücken wenig hervor, weil die Vdilgl.
die betreffende Stelle decken; die Unterseiten geben die
schwarzen Zeichnungen meist recht kräftig wieder.
Da wir nur unvollkommen entwickelte 29 erhielten
mit 4—5 mm langen krüppligen Flügellappen, lässt sich
nicht sagen, ob diese rudimentären Flügel so gross und
breit werden können wie bei parasita, diese meist aus
den Puppenhülsen herausgeholten Stücke zeigen fast
immer nur getrennte, schwarze, mitunter weisslich um-
randete Fleekenzeichnung; der Hinterleib ist sehr kräftig
entwickelt und zeigt sehr scharfe, schwarz gefärbte
Segment-Ränder.
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. IV. 109
-
Die 55 wurden schon Ende März im Sonnenschein
fliegend an den Wiesen der Wolga (Gouv. Samara) ge-
fangen.
Spannweite & 24—29 mm.
Hipocrita atra n.sp. Verwandt mit der H. diaphana
Ev., aber leicht zu unterscheiden durch die schwärzliche
Farbe der schwach bestäubten, glasigen Flügel, dem ganz
einfarbigen schwarzen Hinterleib, und dem ebenfalls
schwarzen Halskragen. Alle Stücke der H. diaphana in
coll. Staudinger (aus Irkutsk, Urga und Amur), sowie auch
spätere Stücke aus dem Sajan - Gebiete, haben gelben
Hinterleib, oben mit schwarzen Segmentflecken und scharf
gelbem Halskragen; ausserdem ist die Flügelfarbe hell
aschgrau und weniger glasig, während die H. atra
schwärzlieher mit einem etwas helleren, glasigen schwa-
chen Submarginalschatten und am Innenrande der Vdflgl.
ebenfalls einen etwas helleren Schatten aufweisen, der
nicht bei diaphana vorkommt.
2 55 aus dem Arasagun-gol (Sajan).
Spannweite 30 mm.
Die H. diaphana Ev. ist wesentlich grösser und
hat 355—35 mm Spannweite.
Amicta caucasica n. sp.
Diese in der Nähe von A. lutea Stgr. stehende Art
zeichnet sich zunächst durch die auffallende (rösse aus.
Sie hat eine Spannweite von 23—29 mm. Die Grundfarbe
ist rötlich schwarz-grau, etwa wie die der Pachytelia
villosella Oehs.;, die Vdflgl. sind etwas breiter, der
Innenwinkel gerundeter als bei lutea Stgr. Die Rippen
heben sich weisslich ab. Die Fransen etwas dunkler als
die Grundfarbe, aber mit schwach helleren Spitzen. Die
kräftigen Kammzähne der Fühler, Kopf, Thorax und der
langgestreckte Hinterleib haben Flügelfärbung. Bei meinen
beiden Stücken tritt der Penis stark hervor. Leider er-
hielten wir weder Säcke noch %%9.
Aus dem Kaukasus (Elisabethpol).
Holcocerus tsingtauana n. sp.
Diese, der Gruppe volgensis Chr. — arenicola
Stgr. angehörige, neue Art unterscheidet sich von den
genannten Arten durch die schwarze Färbung der Basis
110 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
der Vdflgl., die fast die Hälfte der Flügel einnimmt, be-
sonders am Vorderrande. Anschliessend befindet sich
ein russbräunlicher Schatten in der Mitte des Flügels.
Die Saumhälfte ist etwas heller und besonders gegen die
Spitze zu mehr grau gemischt.
Die schwarzen Gitter-Querstrichelchen sind besonders
kräftig in der Saumhälfte, die am stärksten, fast regel-
mässig zusammenhängende Gitterlinie läuft von der
Spitze nach dem Innenwinkel und verästelt sich auch
nach der Mitte des Flügels zu. .Die Spitze der Valflgl.
ist am Vorderrande weniger gerundet. Htflgl. grauschwarz;
auch hier stehen in der Saumhälfte schwarze Quer-
Gitterlinien. Schon dadurch unterscheidet tsingtauana
sich leicht von der volgensis etc., die ganz zeichnungs-
lose Htflgl. haben. Die schwarzen, flachgedrückten
Fühler sind kräftiger als bei den genannten Arten.
Die hellere, mehr mit grau gemischte Unterseite
zeigt am Vorderrande der Vdflgl. eine Reihe schwarzer
Fleckehen. Die Gitterzeichnung tritt deutlich hervor,
sowohl auf Vd.- wie Htflgl. und verschwindet nur in den
Mittelzellen.
Einige 55 aus Tsingtau (Deutsch-China).
Spannweite 56 mm.
Dyspessa tristis n. sp. Taf. VI, Fig. 4.
Eine eintönig, blass bräunlich-graue Art, die sich
besonders durch das Fehlen stark hervortretender weisser
Zeichnungen auszeichnet; sie muss wohl am nächsten der
D. lacertula Stgr. eingereiht werden. Die Mittelzelle
ist etwas schwach heller gefärbt. Die Querader und Rippe
2, sowie auch der Rippen 3. 4und besonders 7 sind tief
bräunlich hervortretend. Auch Rippe 1a ist fast in der
ganzen Länge deutlich braun. Diese dunklen Rippen he-
ben sich am meisten aus derganzen Flügelfläche hervor.
Die Fransen mit schwach ins gelbliche übergehen-
der Teilungslinie, am Ende der Rippen schwach und
schmal gescheckt. ' Die Htflgl. grauschwärzlich, dunkler
als die Vdflgl. Fransen hier ohne Zeichnung.
Die Fühler wie bei D. lacertula, doch wohl mit
etwas stärkeren Kammzähnen.
Einige 55 aus dem Karagai-tau.
Spannweite 22 mm.
A. Petry. Deutsche Buceulatrix - Arten. 11
Über die deutschen an Artemisia lebenden Arten
der Gattung Bucculatrix Z.
nebst Beschreibung einer neuen Art.
Von Dr. A. Petry. Nordhausen.
Mit Artemisia campestris L., ihrer Nährpflanze, ist
weit über Deutschland verbreitet die von Herrich-
Schäffer beschriebene Buceculatrix artemisiae. Die Art
lebt in der frühesten Jugend minierend, später frei an
den Blättern in einer Frühjahrs- sowie 'einer Sommer-
generation an der genannten Pflanze. Sie findet sich in
folgenden Gebieten: Schlesien (Wocke), Oberlausitz
(Schütze), Prov. Brandenburg (Sorhagen, Sommer, Pfütz-
ner). Pommern (Büttner), Mecklenburg (G. Stange), Thürin-
gen (nach eigenen Beobachtungen), Wiesbaden (Rössler),
Pfalz (Disqu6), Baden (Reutti), Regensburg (A. Schmid),
Umgebung von Wien (Mann), Süd-Tirol (v. Hedemann nach
Rebel), Böhmen (©. Nickerl). Sie fehlt demnach an-
scheinend dem nordwestlichen Deutschland sowie dem
Mittelgebirge. Im übrigen kommt sie östlich von Deutsch-
land auch in Ungarn, ferner in den russischen Ostsee-
provinzen, Ost- Finnland und wahrscheinlich noch viel
weiter verbreitet vor. Aus England wird sie zwar für
den äussersten Südosten, die Grafschaft Kent, von Meyrik
angegeben, doch gründet sich diese Angabe nur auf ein
einziges, noch dazu von Achillea millefolium erzogenes
Stück; es erscheint daher eine Nachprüfung jenes
einzelnen Stückes sehr wünschenswert, zumal diese
Pflanze bei uns eine andere Art, Buceulatrix crista-
tella Z., ernährt.
B. artemisiae variiert in der Zeichnung der Vdflgl.
ganz ausserordentlich. Bald sind dieselben scharf ge-
zeichnet. bald schwindet die dunkle Zeichnung mehr und
mehr und wird undeutlich und verloschen, bis zuletzt
fast rein weisse Stücke übrig bleiben. Wocke hatin dem
bekannten Werk von Heinemann, Die Schmetterlinge
Deutschlands und der Sehweiz II. Bd. 2. S. 718, eine vor-
treffliche Beschreibung der Art gegeben, auf die ich hier
verweise. Die hellen, fast zeichnungslosen Stücke hatte
112 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1912
Stainton als Buceulatrix ratisbonensis beschrieben,
und manche Autoren haben nach dem Beispiel des Katalogs
von Staudinger und Wocke, 2. Aufl. 1871, beide Formen
als besondere Arten betrachtet (so z. B. Schmid und Sor-
hagen), doch bestreitet dies Wocke a. a. ©. mit Recht,
indem er darauf hinweist, dass unter mehreren hundert
von demselben Ort erzogenen Exemplaren beide Formen
in ziemlich gleicher Zahl, am meisten aber Übergänge
zwischen beiden vorkamen. Ich kann diese Beobaehtung
Wockes bestätigen, B. ratisbonensis ist lediglich als
helle aberrative Form der B. artemisiae anzusehen. Im
Süden scheint diese helle Form dann allerdings mehr und
mehr zu überwiegen.
Vor Jahren erhielt ich von dem verstorbenen Dr.
Hinneberg zwei von Artemisia vulgaris erzogene Stücke
aus Potsdam und Alt-Damm in Pommern. Dieselben
fielen .mir sofort durch die abweichende Färbung bez.
Zeichnung auf, und da beide Artemisia- Arten, A. cam-
pestris und A. vulgaris, in ihrem Auftreten an ver-
schiedene Lebensbedingungen geknüpft sind und auch
verhältnismässig wenig inbezug auf die von ihnen sonst
ernährten Lepidopteren übereinstimmen, so vermutete ich
schon damals in der Form von A. vulgaris eine selb-
ständige Art. Erst im Dezember des vergangenen Jahres
erhielt ich wiederum Stücke dieser Form von A. vulgaris
und zwar in grosser Zahl von Herrn Professor G. Stange
aus der Umgebung von Friedland in Mecklenburg als
Bueculatrix Noltein.sp.*“) Dieselben stimmen voll-
kommen mit den Exemplaren von Potsdam und Alt-Damm
überein und zeigen im Gegensatz zu der Bucceulatrix
artemisiae von A. campestris eine verhältnismässig
geringe Variabilität. Es war vollkommen berechtigt, die
Form als Art neu zu benennen, es ist meines Erachtens
an der Artberechtigung derselben nicht zu zweifeln.
Im Einverständnis mit Herrn Prof. Stange gebe ich
hier eine kurze Beschreibung der neuen Art, indem ich
zugleich den Namen Buceulatrix Noltei beibehalte.
Aufden ersten Blick unterscheidet sich Noltei von artemisiae
durch die viel grössere Ausdehnung der dunklen Zeich-
nung bez. durch das Zurücktreten der weissen Grund-
*) Anm. d. Red. Auf besonderen Wunsch des Verfassers mit
grossen Anfangsbuchstaben geschrieben.
A. Petry. Deutsche Buceulatrix - Arten. 113
färbung auf den Vaflgln.. Helle Stücke wie bei arte-
misiae scheinen nicht vorzukommen, auch ist die Grund-
färbung nicht so rein weiss wie bei jener. Dabei ist die
Zeichnung keineswegs so scharf begrenzt wie es bei
letzterer der Fall zu sein pflegt. Im allgemeinen er-
scheinen die Vdflgl. also dunkel, d. h. gelbbräunlich ge-
wölkt mit einzelnen aufgehellten Stellen. Verhältnis-
mässig am deutlichsten treten die beiden kurzen Schräg-
striche dunkel, aber nicht scharf begrenzt hervor, welche,
hinter der Mitte gelegen, vom Vorder- und Hinterrande
aus spitz aufeinander zulaufen. Sie heben sich dadurch
ab, dass sowohl der Innenraum in dem spitzen Winkel,
den sie bilden, wie auch einige kleinere Fleckchen, die
auf ihrer Aussenseite am Vorder- und Hinterrande des
Flügels erscheinen, aufgehellt sind. Auch in der Flügel-
spitze und am Innenwinkel findet sich noch gewöhnlich
je ein kleiner weisser Fleck. Der Faltenstrich ist gelb-
lich, die Wurzel der Vdflgl. überhaupt meist mehr oder
minder verdunkelt. Die dunkle Zeichnung setzt sich
teils aus gelben, teils aus bräunlichen Schuppen zu-
sammen, dazwischen finden sich besonders nach der
Flügelspitze zu am Grunde der Fransen auch vereinzelte
dunklere Schuppen. Die Fransen sind dunkelgrau, aber
an den Stellen, wo ein weisses Fleckchen am Flügel-
rande steht, scharf weiss durchschnitten, so z. B. von dem
Fleckcehen in der Flügelspitze nach dem Vorderrande zu
sowie auch am Innenwinkel. Die Kopfhaare sind weiss
und gelb oder braun gemischt, der Thorax ist besonders
an der Seite gelb. In der Grösse stimmt B. Noltei
mit kräftigen Stücken der B. artemisiae überein.
Ueber die Biologie der Art schreibt mir Herr Prof.
Stange: „Die Raupe lebt im Herbst an Artemisia vulgaris
und zwar, wie es scheint, mehr an den oberen Blättern,
sie ist spindelförmig, sehr beweglich und weisslich, nicht
graugrün wie B. artemisiae. Die Art des Frasses weicht
insofern ab, als sie genau wie eine Coleophore miniert,
nur ist das Loch, durch das sie durch die Haut des
Blattes dringt, viel kleiner als bei einer Coleophore
gleicher Grösse, wo es ja dem Umfang der Sacköffnung
entspricht. B. artemisiae miniert zwar auch, schlitzt
aber das Blatt stets an der Seite auf, so dass ihre
Minenöffnung nie mit der einer Coleophore verwechselt
*g
NEE NR Th EN
> rn 7% it IRn
114 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
werden kann. Die Puppe überwintert, bei B. artemi-
siae dagegen das Ei oder die junge Raupe.“
Die Art wird zu Ehren eines verdienten Lepidop-
terologen, des Herrn Oberst v. Nolte in Neubrandenburg
benannt, dem wir die Entdeckung eines neuen Tagfalters
in den Alpen, der merkwürdigen Erebia flavofasciata
Heyne-Rühl, verdanken.
Was das Vorkommen der neuen Art anbelangt, so
stehen also folgende Fundorte fest: Friedland in Mecklen-
burg (G. Stange), Potsdam (Hinneberg), Alt-Damm (wohl
von Hauptmann Herms aufgefunden). Auch bei Nemitz
in Pommern kommt sie vor; Büttner!) führt B. ratis-
bonensis und B. artemisiae als zwei verschiedene Arten
auf, nennt als Nahrungspflanze der ersteren Art campes-
tris, während er von der letzteren ausdrücklich erklärt:
„In 2 Generationen. auf Artemisia vulgaris bei Nemitz.“
Er hat aber offenbar beide bereits ganz richtig als ver-
schiedene Arten erkannt, aber die Art von A. vulgaris
irrtümlich auf B. artemisiae bezogen, während er in der
helleren Art von A. campestris B. ratisbonensis als be-
sondere Art zu erkennen glaubte. Ferner erwähnt Sor-
hagen ?), dass Lüders einen Buceulatrix-Cocon an Arte-
misia vulgaris bei Hamburg gefunden habe, offenbar
ebenfalls die neue Art. Sauber?) freilich nennt über-
haupt keine Buceculatrix von Artemisia aus der Umgebung
von Hamburg. In Thüringen fand ich bisher die Art
noch nicht, während B. artemisiae z. B. im Kyffhäuser-
Gebirge sowie auf den Buntsandsteinhügeln, die sich in
der Goldenen Aue erheben, häufig vorkommt, im nord-
westlichen Teil (Eichsfeld) allerdings zugleich mit ihrer
Nahrungspflanze fehlt.
An einer dritten Artemisia-Art, nämlich an A. .ab- i
sinthium L., kommt auch eine dritte Buceulatrix vor:
B. absinthii Gartn., eine schöne fast reinweisse Art.
Sie besitzt eine ziemlich beschränkte Verbreitung: Rhein-
I) Büttner, F.O. Die Pommerschen Mikrolepidopteren. Stettin.
Entom. Zeitung 1880 S. 468.
2) Sorhagen, L. Die Kleinschmetterlinge der Mark Brandenburg.
Berlin 1886 S. 298.
3) Sauber, A. Die Kleinschmetterlinge Hamburgs und der
Umgegend.
A. Petry. Deutsche Buceulatrix - Arten. 115
Gau, Württemberg, Regensburg, Nieder - Oesterreich,
Mähren. Ob die aus dem Wallis durch Frey beschriebene
Art B. valesiaca Frey, welche bei Zermatt an Arte-
misia absinthium vorkommt, damit zusammenfällt, ist wohl
noch unentschieden; Frey selbst scheint es zweifelhaft
gewesen zu sein.
Eine vierte, nur in den Alpen einheimische Art, B.
fatigatella Heyd., wurde im Engadin auf der Alp
Giop durch v. Heyden entdeckt, ohne dass dieser die
Nahrungspflanze feststellen konnte. Letzteres gelang
Herrn Prof. G. Stange, der diese Art im Oetz - Tal von
einer Artemisia-Art erzog.
Endlich wäre noch Buceulatrix atagina Weck.
zu erwähnen, die Wocke bei Meran an Artemisia cam-
pestris auffand. Sie ist sonst meines Wissens nirgends
weiter gefunden worden.
Zur Biologie der Lita vicinella Frey, non Dougl.
Von Dr. A. Petry. Nordhausen.
Im Jahre 1551 beschrieb Douglas in der "Trans. Ent.
Soe. London unter dem Namen „vicinella* eine Tinee
von Belfast in Irland. Mit dieser Art welche an den
Küsten von England und Irland an Silene maritima
lebt, wurde dann später von Frey, v. Heinemann und
Wocke eine deutsche Art identifiziert, die nur von
wenigen Stellen in gefangenen Stücken bekannt geworden
war, so aus dem Engadin und den Sudeten, wo sie Wocke
bei Reinerz im Grunwalder Tale mehrfach erbeutet hatte.
Sie muss aber in den Sudeten weiter verbreitet sein,
denn ich erhielt sie von Herrn Prof. Dr. Götschmann
in Breslau nicht nur aus dem Glatzer, sondern auch aus
dem Waldenburger Gebirge. Dass die Art, wie Rössler!)
angegeben hatte, in dem heissen Sandgebiet von Mom-
bach bei Mainz vorkomme, ist offenbar ein auf falsche Be-
stimmung und Verwechselung mit Lita petryi zurück-
1) Rössler, A. Die Schuppenflügler des Reg. - Bez. Wiesbaden.
Wiesb. 1881, S. 294.
116 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
näher dargetan habe.!) Dagegen ist sie neuerdings, wie
mir Herr Professor G. Stange schreibt, auch bei Fried-
land in Mecklenburg gefunden worden. Endlich habe ich
sie seibst seit einigen Jahren im Harz konstatieren
können. Ausserhalb Deutschlands wird sie noch von
St. Petersburg?) angegeben.
Es war mir immer sehr auffällig gewesen, dass diese
Art, die nach ihrem Auftreten in Deutschland ganz den
Eindruck eines montanen Insekts macht, unter so ganz
verschiedenen Lebensbedingungen in Deutschland und
England leben sollte. Dass sie auch in Mecklenburg
vorkommt, ändert daran nichts, denn es ist eine bekannte
Erscheinung, dass viele Insekten unserer Mittelgebirge
stellenweise schon im norddeutschen Flachland, nament-
lich im nördlichen Teile derselben wiederkehren. Nun
hat kürzlich Herr Eustace R. Bankes°) in überzeugender
Weise auseinandergesetzt, dass jene von Douglas be-
schriebene vermutlich neue Art weiter nichts ist als die
in England ebenfalls auf Silene maritima lebende Lita
leucomelanella Z., so dass der Name L. vicinella
Doug]. eingezogen werden muss oder allenfalls für eine
‘ aberrative Form der L. leucomelanella Z. beibehalten
werden könnte. Nun ist aber unsere deutsche Art ganz
sicher von L. leucomelanella Z. spezifisch verschieden,
und so löst sich das Rätsel der scheinbar zwiefachen
biologischen Verhältnisse in einfachster Weise.
Es entsteht nun zunächst die Frage, welchen
Namen hat die bisher als Lita vieinella betrachtete
deutsche Art zu erhalten? Herrich - Schäffer hat als L.
vieinella Dougl. die L.junctella Dgl. angesehen (vgl.
Katal. Staudinger-Rebel 1901 S. 149), er kommt also als
Autor nicht in Betracht. Dagegen hat I'rey*) 1856 eine
!) Petry, Beitr. z. Kenntnis der heimatlichen Pflanzen- und Tier-
welt, Nordhausen 1910 S. 17, sowie Deutsche Entom. National - Bibl.
1911 S. 183 (Gypsophila fartigiata u. ihre Bewohner unter den Lepi-
dopteren etc.)
2) Kawrigin, W.N. Verz. d. im St. Petersburger Gouvernement gef.
Schmetterlinge. St. Petersburg 1894 S. 29.
3) Bankes, E. R., Gelechia vieinella Dgl. eonspeeifie with G. leu-
comelanella Z. The Entomologist’s Monthly Magazine 1909 S. 263.
a) Frey. H. Die Tineen und Pterophoren der Schweiz. Zürich
1856. S. 106.
A. Petry. Lita vieinella. Frey. 117
Diagnose der L. vicinella gegeben, die man, so dürftig
sie auch ist, mit grosser Wahrscheinlichkeit auf unsere
Art beziehen muss. Unsere deutsche Art muss daher
L. vieinella Frey heissen, während L. vieinella Dgl., wie
bereits gesagt, als synonym zuL. leucomelanella Z. zu
stellen ist. Dass Frey etwa die letztere Art bei seiner
Diagnose im Auge gehabt hätte, ist ganz ausgeschlossen,
eher könnte man allenfalls an L. junctella Dgl. denken,
und es ist ein wenig verdächtig, dass Frey auch Herrich-
Schäffer zitiert und sogar hinzufügt, dass dieser die von
Pfaffenzeller im Ober-Engadin gefangene Art bestimmt
habe. Immerhin scheint mir die Diagnose Freys besser
auf unsere Art als auf L. junctella Dgl. zu passen.
Wollte man aber Frey nicht als Autor gelten lassen, so
käme v. Heinemann als solcher in Betracht, welcher in
seinem Werke über die Schmetterlinge Deutschlands und
der Schweiz II. Teil, B. 2 S. 265 eine Beschreibung auf
Grund zweier schlesischer bei Reinerz von Wocke ge-
fangener Stücke geliefert hat. v. Heinemann erwähnt
auch schon ganz richtig den Unterschied dieser Stücke
von einer englischen L. vicinella, d.h. also in Wahrheit
L. leucomelanella Z., er hat denselben aber anscheinend
nur für einen solehen individueller Art gehalten und
nicht erkannt, dass es sich um 2 verschiedene Arten
handelte. Schliesslich will ieh nieht unerwähnt lassen,
dass Freya. a. O.auch noch Gelechia manniella F.R.
als synonym zitiert. Da ich das Werk von Fischer
v. Röslerstamm nicht zur Hand habe, vermag ich nicht
festzustellen, ob dieser Name etwa Prioritätsberechtigung
besitzt. So viel über diese Komödie der Irrungen.
Es war mir eine angenehme Ueberraschung, als ich
im Juli und August 1909 mehrere Exemplare der L.
vicinella Frey im Harz und zwar im oberen Teile des
Ilfelder Tales in der Nähe der Talmühle an feucht-
schattigen Waldstellen fand. Ich überlegte, an welcher
Pflanze das Tier hier wohl leben könne, und da die
meisten Lita-Arten an Silenaceen und Alsinaceen leben,
so kam an der betreffenden Lokalität in erster Linie
Stellaria nemorum L. in Betracht. Diese Vermutung er-
wies sich als zutreffend, und ich sammelte im nächsten
Frühjahre gegen Ende Mai mit leichter Mühe eine Anzahl
Raupen in den zusammengesponnenen Trieben der Pflanze,
welche in der Zeit vom 18. bis 30. Juni die Falter
118 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
lieferten. In der Freiheit erscheinen sie meist etwas
später. Die Raupe ist intensiv grün mit tief schwarzem
Kopf und Nackenschild, der Körper ist mit ziemlich
langen schwarzen Borsten besetzt.
Die ganz reinen gezogenen Stücke lassen auf den
Vdflgln. eine hellere aus weissen, gelblichen und bräun-
lichen Schuppen gebildete Grundfärbung erkennen, inner-
halb deren sich mehrere tiefschwarze Flecke und eben-
solche scharf umschriebene Punkte abheben. Ein kleinerer
und nicht sehr deutlicher soleher Fleck liegt nahe der
Wurzel, ein grösserer nahe dem Innenrande etwa bei !/ı
bis 1/, der Flügellänge, der sich mehr oder minder deut-
lich in schräger Richtung einwärts nach dem Vorder-
rande zu fortsetzt. In dem darauf nach aussen folgenden
stark aufgehellten Raume steht ein sehr charakteristischer
deutlicher schwarzer Punkt etwa in der Mitte. Darauf
folgt bald wieder ein grösserer schwarzer Fleck mit
konkav nach der Wurzel zu gebogenem Rand, nach
aussen stark braun gemischt, hierauf die beiden hellen
Gegenflecken, durch schwarze Schuppen in der Mitte
von einander getrennt. Endlich ist der Raum jenseits
der Gegenflecke bis zu den Fransen des Aussenrandes
vorherrschend dunkel mit einzeln oder auch mehrfach
eingestreuten hellen Schuppen. Die Variabilität ist nicht
allzugross, bei gefangenen Stücken sind die dunklen
Flecke oft mehr oder minder abgerieben und verwischt.
Die Art ist sicherlich weiter verbreitet und wird
voraussichtlich auch in den Tälern anderer Mittelgebirge
und wahrscheinlich auch an geeigneten Lokalitäten der
norddeutschen Ebene noch aufzufinden sein.
H. Zerny. Neue Heteroceren. +19
Neue Heteroceren aus der Sammlung des k.k. natur-
historischen Hofmuseums in Wien.
I. Teil.
Von Dr. H. Zerny. Wien.
Fam. Syntomidae.
1. Syntomis phaeozona n. sp.
Die Art gehört in Hampsons Gruppe 2Chb’ in die
Nähe von dilateralis Hmps., unterscheidet sich aber
von allen verwandten Arten leicht durch die Färbung
des 3. bis 5. Abdominalsegments, welche braun mit
metallisch-grünen Schimmer sind.
Schwarz, lebhaft metallisch-grün schimmernd. Stirn
dunkelbraun, Halskragen und Brust seitlich mit ziegel-
roten Flecken, 1. Abdominalsegment oben ziegelrot, 3. bis
5. Segment oben braun mit metallisch-grünem Schimmer,
unten mit ebensolehen breiten Hinterrandsbinden; Schen-
kel auf der Öberseite, Schienen und Tarsen braun,
metallisch-grün schimmernd. Anordnung und Form der
hyalinen Flecken auf den Flügeln wie S. dilateralis
Hmps. Unterseite der Vdflgl. am Vorderrand gegen die
Basis mit einem kurzen ziegelroten Längsstreif. Expan-
sion 22mm, Vdfigllänge 11!/,mm.
19 Zwischen Bukoba und Usumbura, westl. Deutsch.-
Ostafrika, von R. Grauer im Januar 1910 gesammelt.
2. Thyretes trichaetiformis n. sp.
Die Art weicht durch schmälere Zelle und ziemlich
stark nach innen geknickte Diskoidale des Htflgls. und
viel längere Sporen der Mittel- und Hinterschienen von
den übrigen Vertretern der Gattung und durch letzteres
Merkmal auch von Eressades Beth.-Bak. ab; sie dürfte
vielleicht eine eigene Gattung bilden.
Vom Aussehen eines Triehaeta. Männliche Fühler
sehr lang bis zur Spitze gekämmt. Braun; Stirn, Hals-
kragen, Basis der Schulterdecken, Metathorax, schmale
Hinterrandssäume der Abdominalsegmente und Beine
ockergelb. Vorderflügel braun mit 7 hyalinen Flecken
in folgender Anordnung und Gestalt: Ein abgestutzt keil-
120 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
förmiger Fleck im Ende der Zelle, ein grosser beinahe
rhombischer Fleck basalwärts von diesem unterhalb der
Zelle, ein grosser ovaler Fleck, der bis an die Zelle reicht,
zwischen C, und (G,, ein annähernd rechteckiger zwischen
M, und C,, ein halbkreisförmiger zwischen M,;, und M;—
diese 3 Flecken sind voneinander nur durch die Adern
getrennt — ein kleiner rundlicher Fleck zwischen M, und
M, und schliesslich ein grösserer, abgestutzt dreieckiger
zwischen R, und M,. Die Adern zwischen und an den
Glasflecken ockergelb, die Flecke zwischen Ader M, und
R;, aussen schmal ockergelb gerandet. Htfigl. unterhalb
der Zelle mit länglichem hyalinen Fleck, der von den
ockergelb beschuppten Adern M,, ©, und GC, durchsehnitten
wird, am Innenwinkel ein ockergelber Fleck. Unterseite
der Flügel wie ihre Oberseite gezeichnet. Expansion
25mm, Vdflgllänge 11!/,mm. Die Art ist am besten nach
Monteiroi Butl. einzureihen, mit der sie die gelb ge-
säumten Abdominalsegmente gemein hat, die aber durch
die Fleckenzeichnung der Flügel weit verschieden ist.
1 5 Zanzibarküste, Ostafrika (Sikora).
3. Apisa quadrimaeulata n. sp.
Liehtbraun. Fühlerschaft, Oberseite und Basis der
Palpen, Hinterkopf, Basis des Halskragens, Beine. schmale
Hinterrandssäume der Abdominaltergite und Unterseite
des Körpers licht ockergelb. Vdrflgl. lichtbraun, in der
Zelle mit schmalem, dreieckigem und darunter’ mit kreis-
rundem licht ockergelben Fleck. Htflgl. ockergelb, der
Saum breit braun angelegt. Auf der Unterseite der
Vdflgl. etwas mehr als das Basaldrittel ockergelb, das
übrige braun, die Unterseite der Htflgl. gleicht der Ober-
seite. Expansion 23 mm, Vdflgllänge 12mm. Die Art
steht am besten bei monotica Holl.. von der sie sich
leicht durch die Fleckenzeichnung‘ der Vdflgl. unter-
scheidet.
1& zwischen Mawambi und Ukaika, Distr. de Stanley-
ville, östlich. Congostaat, von R. Grauer im November
oder Dezember 1910 gesammelt.
4. Euchromia guineensis F. ab. diseifera n. ab.
Diese Form unterscheidet sich vom Typus auffällig
dadurch, dass der Fleck unterhalb der Zelle der Vaflgl.
halbkreisförmig ist und nicht weiter gegen die Wurzel
A EL u
al
H. Zerny. Neue Heteroceren. 121
reicht als der Zellfleck, während er beim Typus länglich,
abgestutzt-keilförmig ist und viel weiter gegen die Wur-
zel reicht als der Zellfleck.
1% Beni, Distr. de Stanleyville, östl. Congostaat,
leg. R. Grauer Juli 1910.
5. Pseudosphex deceptans n. sp.
Die Art gehört in Hampson’s Sektion Il, wo sie bei
latieinetus Hmps. einzureihen ist, von der sie sich so-
fort durch ganz gelbe Palpen, gelbe Stirn und viel
schmälere gelbe Hinderrandsbinden der Abdominalseg-
mente unterscheidet.
Braunschwarz mit purpurnem Schimmer, Fühler vor
der Spitze hellbraun, Palpen, Stirn, Nacken, Vorder- und
Hinterrand des Halskragens, Seiten der Schulterdecken
und die Beine gelb, Thorax mit gelben Flecken. Vorder-
hüften innen und vorne und Vorderschenkel unten glän-
zend weiss, Vorderschienen aussen schwarz, Hinter-
schenkel unten mit schwarzem Wisch. Abdomen am
ersten Segment mit zwei runden, gelben Seitenflecken,
die übrigen Segmente dorsal und ventral mit schmalen,
gelben Hinterrandssäumen, der Hinterrand der „ventral
valve“ glänzend weiss. Flügel gelblich-hyalin, der Kostal-
rand bis zur Ader M,, der Hinterrand bis Ader A, braun
beschuppt, stark purpurn schimmernd, die Zelle selbst
in der Spitze braun. Kostalrand der Htfigl. schmal
braun. Adern und Fransen aller Flügel braun. Die
Unterseite der Flügel gleicht der Oberseite. Expansion
24-28mm, Vdfigllänge 11!/,- 13 mm.
6% & Blumenau, Sta. Catharina, Hetschko 1839, 235
Sta. Catharina, Funke 1886. Die Art ist eine Nach-
ahmerin von Polybia fasciata Lep.
6. Sphecosoma perconstrietum n. Sp.
Die Art stimmt morphologisch mit angustatum
Möschl. überein und unterscheidet sich von dieser, be-
sonders deren Form nigriferum Dyar mit schwarz-
gebänderten Abdomen leicht durch die an der Innenseite
dunkelbraunen Palpen und die schwarzbraunen, nicht
gelbroten Fühler.
Schwarzbraun. Fühler besonders gegen die Spitze
purpurn schimmernd, Palpen innen schwarzbraun, aussen
weiss mit schwarzbraunem Längsstreifen. Stirne gelb,
122 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
in der Mitte mit schwarzbraunem Fleck, Nacken gelb,
Halskragen vorne weiss, hinten gelb gerandet, Schulter-
decken aussen gelb gerandet, Thorax metallisch-grün
schimmernd, wie die Brustseiten mit gelben Flecken.
Beine gelb, Schenkel schwarzbraun, die vorderen und
mittleren aussen gegen die Basis gelb. Am Abdominal-
segment die dorsalen Tuberkel gelb, die ventralen hinten
gelb gerandet, die übrigen Segmente .mit nach hinten
allmählich schmäler werdenden gelben Hinterrandssäu-
men; auf der Bauchseite das 2. Segment (Stielsegment)
glänzend weiss, die mittleren Segmente mit gelben, die
letzten mit weisslichen, sehr breiten Hinterrandsbinden.
Die Flügel schwach gelblich hyalin, Kostalrand und
Hinterrand der Vorderflügel schmal hellbraun, Adern und
Fransen aller Flügel braun. Expansion 24mm, Vorder-
Nügellänge 12 mm.
1& Santa Catharina, Funke 1886.
7. Psilopleura pentheri n. sp.
Die Art weicht vom Typus der Gattung, vittata
WIk. durch breitere Vdflgl., kürzeres Palpenendglied und
längere Sporen der Mittel- und Hinterschienen ab, stimmt
aber im Geäder gut damit überein.
Kaffeebraun, Scheitel und Fühlerbasis unten er&me-
farbig, Fühler vor der Spitze mit ebensolchen breiten
Ring, Hinterkopf cremefarbig, nach hinten gelb, mit
zwei grossen tief schwarzen Flecken. Halskragen in
der Mitte, Längsstreifen über den Thorax, Hüften, Tarsen-
gelenke und Schienensporen cremefarbig. Metathorax
hinten beiderseits mit dottergelbem Haarbüschel. Ab-
domen mit zwei breiten dottergelben Subdorsalstreifen,
die nach hinten etwas schmäler werden und an den
Hinterrändern jedes Segments nach beiden Seiten hin
zahnförmige Vorsprünge zeigen, Ventralseite des Ab-
domen bis zum 4. Segment mit gelblichweissem Längs-
streifen, Vdflgl. kaffeebraun, gegen den Saum etwas lich-
ter und mit einer Reihe lichter, wenig auffallender
Saumpunkte. Htflgl. braunschwarz, an der Basis schmal
gelblich, mit schmalem weissen Längsfleck unterhalb der
Zelle und grösserem rundlichen Flecke distal von der
Zelle zwischen Ader M, und C,. Unterseite der Vorder-
flügel mit kleinem trübweisslichen Fleck in der Zelle,
einem etwas grösseren darunter und mit drei untereinan-
H. Zerny. Neue Heteroceren. 1:23
derliegenden Flecken distal von der Zelle, !/; der Flügel-
länge vor der Spitze, zwischen den Adern R,-; und M;,;
der mittlere dieser drei Flecken ist etwas weiter gegen
die Flügelwurzel gerückt. Unterseite der Htflgl. wie
ihre Oberseite. Expansion 32mm, Vdflgllänge 15 mm.
19 bei Joazeiro, Staat Bahia, Brasilien, von Dr.
Arnold Penther, dem ich mir diese schöne Art zu
widmen erlaube, am 17. März 1905 gesammelt.
8. Diptilum erassum n. sp.
Die Art unterscheidet sich durch die relativ breiten
Hinterflügel, in denen Ader M,, C, und C, ziemlich weit
voneinander aus der ebenfalls relativ breiten Zelle ent-
springen, von allen bisher bekannten Arten der Gattung.
Männliche Fühler sehr lang gekämmt, Flügel ohne
jede Sexualauszeichnung, Abdomen relativ breit und dick.
Schwarz, Palpen gelb mit schwarzer Spitze, Kopfseite
und Schultern gelb, Abdomen mit blauem Schimmer,
Segment 5 bis 7 oben gelb mit breiter schwarzer Mittel-
binde, Ventralseite des Abdomens ganz gelb, gegen die
Basis lichter. Hüften ganz, Schenkel innen an der Basis
gelb (Hinterbeine fehlen). Flügel hyalin mit schwach gelb-
lichem Stich, Adern der Vadflgl. an der Basis gelb, sonst
schwarz. Spitze der Vdfigl. etwa Iimm breit schwarz,
Innenrand mit schwarzem Längsstreifen, der in der Basal-
hälfte bis Ader A,, in der Spitzenhälfte bis Ader As
reicht. Htflgl. am Innenrand schwarz, welche Färbung
sich viel schmäler ein Stück am Aussenrand fortsetzt
und bei Ader A, etwas nach innen einspringt; Fransen
aller Flügel schwarz. Expansion 23mm, Vorderflügel-
länge 13mm 8.
1 & Bogota, Colombia, Steinheil 1880.
9. Schasiura gymnelioides n. sp.
Die Art gleicht im Habitus einer Gymnelia und
weicht besonders durch kürzere, breitere Flügel und ge-
drungere Körperform stark von der einzigen bisher be-
kannten Art der Gattung- mimica Bull. ab, stimmt
aber .sonst, besonders im Geäder recht gut mit ihr
überein.
Schwarz, Stirne an den Seiten orangerot, Palpen
orangerot mit schwarzem Endglied und mit ebensolchem
’
124 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Fleck an der Aussenseite der Mittelgliedes; Kopfseiten,
Halskragen mit Ausnahme des Vorderrandes, Schulter-
decken vorne und innen orangerot, Thorax mit solchen
Flecken. Hüften, Innenseite der Schenkel und Schienen
orangerot. Abdomen schwarz, Analende und Ventralseiten
stark blau schimmernd. 2. bis 7. Abdominalsegment mit
auf der Dorsalseite schmalen, auf der Ventralseite breiten
orangeroten Hinterrandssäumen. Flügel hyalin mit
schwach gelblichen Stich, Kostalrand der Vorderflügel
stärker gelblich; Adern, ein schmaler Saum an der
Flügelspitze und eine Längsbinde am Innenrand der
Vdflgl., die in der Basalhälfte bis Ader A,, in der Spit-
zenhälfte bis Ader A,, reicht, schwarz, die Innenrands-
binde mit orangerotem Längsstreifen. Im Hinterflügel
die vordere Hälfte der Zelle und der Innenrand breit
schwarz. Unterseite wie oben, auf den Vdflgl. fehlt je-
doch der orangerote Innenrandsstreif, dafür tritt ein
solcher am Kostalrand der Htfigl. auf und ein kürzerer
darunter in der Basis der Zelle. Expansion 35 mm,,
Vdflgllänge 17 mm.
1% Südamerika (ohne näheren Fundort), Heyne 1873.
10. Gtenucha reimoseri n. Sp.
(Gehört in die Gruppe der C. circe Or., unterscheidet
sich aber von allen Arten dieser Gruppe durch ihre
Schmalflügligkeit und dadurch, dass der weisse Fleck
der Vdfigl. nicht distal von der Zelle, sondern in der
Spitze der Zelle selbst liegt.
Schmalflügelig, im Flügelschnitt etwa mit ©. venosa
WIk. übereinstimmend. Schwarz mit schwachem blauen
Schimmer. Basalglied der Palpen, Kopfseiten, Schultern
und After gelb. Vdfigl. schwarz mit beinahe kreisrundem
1?/;,mm im Durchmesser haltenden weissen Fleck im Ende
der Zelle auf der Ober- und Unterseite. Hinterflgl. schwarz.
Expansion 32mm, Vdfigllänge 15mm.
129 von Herrn E. Reimoser in Mödling bei Wien,
dem ich mir die Art zu widmen erlaube, bei San Luis,
Paraguay, gesammelt.
Denso. Palaearktische Schmetterlingsformen. 125
Palaearktische Schmetterlingsformen.
Von Dr. Denso. Dresden -Hellerau.
Celerio hybr. grossei Dso.!) (Celerio hybr. galiphorbiae
Dso. & X Celerio euphorbiae euphorbiae L. 9.)
Diese Rückkreuzung der hybr. galiphorbiae Dso. &
(gallii 5 X euphorbiae 9) mit seiner mütterlichen Art
gelang mir schon in den Jahren 1907 und 1908, jedoch
war es unmöglich, den Falter zu erhalten, die Raupen
starben alle unmittelbar vor der Verpuppung ab und eine
einzige weibliche Puppe ging bei der Ueberwinterung zu
Grunde. Im verflossenen Jahre aber gelang die Zucht Herrn
Oberleutnant Grosse in Pilsen, der die Liebenswürdigkeit
hatte, mir sein gesamtes Material zum Studium zur Ver-
fügung zu stellen. Aber auch bei ihm war die Zucht
ungemein verlustreich — er erhielt nur 3°/, Falter, 4 85
und 2 992. Ich beabsichtige hier nicht näher auf die
Einzelheiten dieser Zucht einzugehen, da dieselben ver-
eint mit den übrigen von Grosse ausgeführten Zuchten
eingehend in meinen „Monographien der Schwärmer-
hybriden“, die in der „Zeitschrift für wissenschaftliche
Insektenbiologie“* in Kürze erscheinen sollen, besprochen
werden.
Was die Falter anbelangt, so erinnern sie auffallend
an euphorbiae, zeigen jedoch noch einige typische
Merkmale von gallii. Während sich unter den 6 Faltern
AR
4 sehr ähnlich sehen, stehen 2 55 den euphorbiae-Faltern
ganz bedeutend näher, so daß sie wahrscheinlicherweise,
!) Literatur: Denso, Die Erscheinung der Anticeipation in der
ontogenetischen Entwickelung hybrider Schmetterlings-Raupen in
Zeitsch. wiss. Ins. biologie IV. p.p. 130, 201—205 (1908). — id., Con-
tributions & l’etude des Sphingides hybrides palearetiques in Bull.
Soc. Lep.Genevel. fasc. IV. p. 308 (1909). — id., Katalog der Schwärmer-
hybriden in Bull. Soc. Lep. Geneve. I. fasc. IV. p. 329 (1909). — id.,
Schwärmerhybriden in Seitz, Grosschmetterlinge der Erde II. p. ...
(hybr. grossei).
126 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
hätte man sie im Freiland aufgefunden, nur als leicht
aberrierende euphorbiae aufgefasst worden wären.
Immerhin lassen aber auch sie bei genauerer Unter-
suchung gewisse von gallii herrührende Merkmale, wenn
auch in sehr geringem Masse erkennen.
Die 4 sich gleichenden Falter unterscheiden sich von
euphorbiae durch den wesentlich dunkler angelegten
Vorderrand, sodann erkennt man deutlich den von gallii
stammenden basalen Vorderrands - Fleck. Der zweite
Vorderrandsfleck ist, ähnlich wie bei gallii, parallel zum
Vorderrand beiderseitig verlängert, läuft aber nicht mit
der dunklen Vorderrandfärbung zusammen. Der dritte
Fleck ist stets deutlich vorhanden, ist aber nicht wie bei
euphorbiae scharf begrenzt und zeigt meist einen kleinen
Ansatz zu einer Verbindung mit dem zweiten Fleck. Bei
allen Faltern tritt dann noch ein sehr kleiner apikaler
. Vorderrandsileck auf.
Die Schrägbinde verläuft etwas weniger steil als bei
euphorbiae, ihr Innenrand liegt mehr basalwärts.
Die Hinterflügel gleichen sehr denen von euphorbiae,
jedoch zeigen sie in der roten Binde deutliche Aufhellung
am Vorderrand.
Auf dem Abdomen sind Spuren der von gallii her-
rührenden Dorsale zu erkennen, während eine Ventrale
nicht auftritt.
Was die Färbung betrifft, so gleicht sie der von
euphorbiae. Im Saumfeld der Vdflgl. tritt ein deutlicher
graulila Schein auf. Die Unterseite neigt zu rötlichen
Tönen. Die Füller sind bei den 85 zu °/, helloliv mit
weisser Spitze, bei den 92 weiss. Die beiden euphor-
biae näherstehenden 35 haben ebenfalls einen etwas dun-
kel angelegten Vorderrand, es fehlt aber der basale
Vorderrandfleck, ferner verläuft die Schrägbinde fast ge-
nau so wie bei euphorbiae, sie fällt also sehr steil zum
Innenrand ab. Am auffallendsten erscheinen die Fühler,
die vollkommen weiss sind.
Parnassius delius Esp. Hermaphrodit.
Dieser hochinteressante Falter wurde von Herrn R.
P. Meyer in Chemnitz auf dem Albula erbeutet und be-
Denso. Palaearktische Schmetterlingsformen. 127
findet sich jetzt in seiner Sammlung. Wie die Abbildung
zeigt, ist er genau symmetrisch geteilt und zwar so, dass
die linke Hälfte rein weiblich, die rechte rein männlich
ist.
Wir sehen sofort auf der weiblichen Seite den
breiteren glasigen Aussenrand des Vorder- und Hinter-
flügels, an den sich deutlich die Submarginalbinde an-
schliesst, ferner den sehr kräftigen schwarzen Fleck am
Innenrande und die rotgekernten Subapikalflecke des
Vdflgls., sowie die kräftigen Analflecke des Htifigls.
Der Falter war beim Fange nicht als Hermaphrodit
erkannt und deshalb eingetütet worden. Er musste also
später aufgeweicht werden und die Folge davon war,
dass die Behaarung von Thorax und Abdomen strähnig
dem Körper anliegt, statt wie sonst wollig und buschig
zu sein. Infolgedessen aber vermögen wir deutlich die
Genitalanhänge zu erkennen, die nochmals in dreifacher
Linearvergrösserung dargestellt sind. Auch hier zeigt
128 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
sich eine scharfe symmetrische Teilung: rechts männlich,
links weiblich.
Saturnia pyri Schiff. forma alticola.
Von Saturnia pyri Schiff. sind Lokalformen bisher
noch nicht beschrieben worden. Auch sonst scheint der
Falter nur sehr wenig zu Aberrationen zu neigen. Ich
möchte nun heute Mitteilung von einer Höhenform
machen, die mir durch zwar geringe, aber konstante
Denso. Palaearktische Schmetterlingsformen. 129.
Unterschiede vom Typus sehr beachtenswert erscheint.
Ob sie eine gefestigte Form vorstellt, vermag ich mit
Sicherheit noch nicht zu entscheiden, da alle meine 7
Falter aus einer Zucht stammen. Diese 7, unter ein-
ander völlig gleichen Falter zu benennen, liegt kein
Grund vor, es genügt sie als Höhenform: forma alticola
zu bezeichnen.
Im allgemeinen steigt pyri nicht hoch im Gebirge
empor. Bei Genf fand man sie bei Monnetier, in der Rin-
sattelung zwischen kleinem und grossem Saleve in etwa
700 m Höhe. Frey gibt in seinen Lepidopteren der
Schweiz p. 99 als höchsten Fundort Brusio etwa 850 m
hoch an. Sonstige Mitteilungen habe ich in der Literatur
nicht gefunden.
Die Falter, von denen ich hier sprechen will, stammen
von einem 9 ab, das auf dem höchsten Punkt des Mont
Saxonnet bei Bonueville in Frankreich (an der Arve,
Dpt. Savoye) gefangen wurde. Der Fundplatz liegt fast
genau 1000 m hoch auf dem Rücken des genannten
Berges, wo sich eine Vegetation hauptsächlich von
Buchen- und Haselnussgestrüpp vorfindet. Der Fundtag
war der 7. Juli 1905. Der Falter wurde einem Genfer
Sammler gebracht, der sofort seine auffallende Kleinheit
bemerkte. Während des Transportes hatte er in der
Schachtel 12 Eier abgelegt, die sich von normalen pyri-
Eiern durch ihre reinweisse Farbe unterschieden. Zwei
Wochen. später schlüpften die Räupchen, die mit der
grössten Sorgfalt aufgezogen wurden. Ihre Entwickelung
war normal, jedoch erreichten sie trotz reichlichsten
Futters und günstiger Temperaturverhältnisse nur eine
geringe Grösse und lieferten auffallend kleine Kokons.
Die Falter schlüpften 1906, wahrscheinlich (genaue An-
gaben fehlen) erst im Juni, es waren 4 58 und 5 %%.
Vergleicht man diese Falter mit normalen pyri aus
der Umgebung von Genf, so fällt zunächst der ausser-
ordentliche Grössenunterschied in die Augen: die gesamte
Flügeloberfläche bleibt noch hinter der Hälfte von der
zurück, die pyri-Falter von Genf aus demselben Jahre
aufweisen. Zum Vergleich mögen einige Zahlen dienen
die die Spannweite von Apex zu Apex gemessen und die
Vorderflügellänge (bis Mitte Thorax) angeben.
*9
130 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
pyri, Type Genf 1906 | pyri form. alt.
9 | 8 ®
119209 127 72 | 98.56 102. .59
125 73 +27102 58% 08V or
122» 10 10339 101: 59
122.16 1057755
128 75
Neben der verschiedenen Grösse fällt auch noch eine
ziemlich deutliche Veränderung des Flügelschnittes auf.
Es genügt hier mittlere Zahlen zu geben, die das Ver-
hältnis von der Länge des Aussenrandes zu der des Innen-
randes und der des Vorderrandes der Vdflgl. angeben.
Diese Verhältnisse sind:
bei pyri form. alt. 1 17
bei pyri 19 221,000
Wir ersehen daraus, dass die Höhenform eine viel
gestrecktere Flügelform besitzt, die ihr auch in der Tat
ein eleganteres Aussehen verleiht.
Ebenso wie die Höhenform von der Normalform
durch Grösse und Flügelschnitt abweicht, unterscheidet
sie sich von ihr auch durch geringe, aber konstante Ab-
weichungen der Zeiehnung und Färbung.
Zunächst sind die Ziekzacklinien von Vorder- und
Hinterflügeln viel weniger deutlich ausgeprägt und be-
rühren stets die Augenflecken, während sie bei pyri in
einer gewissen Entfernung davon verlaufen.
Die Färbung ist im allgemeinen düs'erer als wie bei
pyri; die bei dieser weisslichen Partieen des Basalteiles
des Vorderrandes sind dunkler, ebenso ist die weissliche
Bestäubung im Mittelfeld dunkler und in ihrer Aus-
dehnung dadurch reduziert, dass der dunkle Schatten,
der vom Vorderrand der Vdflgl. zum Augenfleck zieht,
viel breiter ist und fast die feine dunkle basale Querlinie
berührt. Dadurch erhält die gesamte Flügelfärbung und
-zeichnung etwas gleichmässigeres, düsteres.
Fassen wir einmal alle wichtig erscheinenden Punkte
zusammen:
In verhältnismässig grosser Höhe (1000 m) wird ein
auffallend kleines pyri @ erbeutet und zwar sehr
Denso. Palaearktische Schmetterlingsformen. 131:
spät im Jahr (7. Juli). Die 12 abgelegten weiss-
lichen Eier ergeben Räupchen, die trotz bester
Pflege und günstiger Temperaturverhältnisse sich
nur zu mittelgrossen Raupen entwickeln. Aus den
kleinen Kokons schlüpfen auffallend kleine Falter,
die, unter sich alle gleich, deutliche konstante
Unterschiede gegen die Stammform aufweisen.
Hierzu ist noch zu bemerken, dass die Flugzeit von
pyri bei Genf in den ersten Tagen des Mai beginnt und
sich bis zum Juni hinzieht. Das späte Auftreten auf dem
M. Saxonnet (30 km von Genf) spricht nicht dafür, dass
der Falter etwa aus dem Tale der Arve (dort in etwa
400 m Meereshöhe) nach dem M. Saxonnet aufgestiegen
sei, sondern dass er sicher aus der Höhenlage von 1000 m
stammt. Pyri ist ja überhaupt kein besonders fluglieben-
des Tier.
Interessant sind die weisslichen Eier, die genau die
Färbung unbefruchteter pyri-Eier hatten, so dass der
Sammler, dem das pyri © überbracht wurde, sie zu-
erst wegwerfen wollte. Befruchtete pyri-Eier (bei pa-
vonia ist es ebenso) zeichnen sich durch ihre unregel-
mässig braungefleckte Oberfläche aus. Diese Färbung
rührt vom Sekret der Kittdrüsen her, die bei nicht be-
fruchteten 99 nicht funktionieren. Infolgedessen haften
solehe unbefruchtet abgelegte Eier nicht oder kaum an
einer Unterlage und zeigen eine hellweissliche Färbung.
So waren also auch die Eier der Höhenform beschaffen.
Wollen wir nieht annehmen, dass es sich hier um einen
Fall von Parthenogenesis handelt, dass das erbeutete 9
also unbefruchtet war, so müssen wir annehmen, dass bei
ihm die Kittdrüsen entweder durch Einfluss des Höhen-
klimas oder aus irgendwelchen pathologischen Gründen
nicht funktionierten.
Ziehen wir weiter in Betracht, dass die Raupen trotz
günstigster Umstände klein blieben, dass Falter von der
geringen Grösse ihrer Mutter ziemlich spät (im Juni)
schlüpfen, die sich von der Normalform konstant unter-
scheiden, so erhalten wir den Eindruck, dass es sich hier
um eine schon gefestigte Montanform von pyri handeln
muss. Es kann nicht der Einwand erhoben werden, als
ob die Raupen auf dem M. Saxonnet nicht die geeignete
Nahrung finden könnten, da dort hauptsächlich Buchen-
’ TER En ee
132 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
und Haselnussgestrüpp wächst. Denn die pyri- Raupe
nährt sich von den verschiedensten Laubhölzern, nicht
nur wurde sie auf Prunus, Pirus, Crataegus und andern
Rosaceen gefunden, sondern auch auf Esche. Ich selbst
fand sie bei Genf in Anzahl auf Akazie, Robinia pseud-
acacia. Rosaceen sind nun ebenfalls reichlich auf dem
M. Saxonnet vertreten, so, um nur einige strauchartige
zu nennen: Öotoneaster tomentosa, Sorbus aria, Aronia
rotundifolia u. a. m.
Orgyia antiqua L. ab. grisea n. ab.
Diese eigenartige Aberration, der wohl sicher der
Charakter einer Mutation zukommt, wurde in 5 Stücken
von Herrn Seiler (Blasewitz bei Dresden) im Jahre 1902
erzogen.
Bevor ich auf die Beschreibung dieser neuen Aber-
ration eingehe, möchte ich zunächst die Angaben bringen,
die mir mein Freund Seiler in liebenswürdigster Weise
zur Verfügung stellte. Er schreibt mir:
„Im zeitigen Frühjahr 1902 fand ich ein antiqua-
Gelege in unserm Fabrikgarten an der Leipziger
Strasse in Dresden an einer Mauer hinter einem
Strauch von Salix caprea. Schon immer hatte ich
an diesem nicht zu grossem Strauch, sowie an einem
danebenstehenden Prunus padus Raupen von antiqua
bemerkt ohne ihnen weitere Beachtung zu schenken.
Ich nahm aber das obengenannte Gelege sorgsam
von der Mauer ab und heftete es mit Nadeln fest
an den Salix-Strauch, in der Absicht, die Raupen
später in den Zuchtkasten zu nehmen, um frisches
Faltermaterial für die Sammlung zu erhalten. Dies
tat ich denn auch. Mitte Juli 1902 schlüpften die
Falter, gerade als ich einen 3 wöchentlichen Urlaub
antreten wollte. Es sassen verschiedene 55 und 92
der Stammform im Kasten und darunter auch ein
graues Exemplar, das eben nur auch eine antiqua
sein konnte. Ich tötete es noch rasch und empfahl
meiner Frau die antiqua besonders im Auge zu be-
halten. Als ich wieder heim kam, waren noch 4
graue Exemplare geschlüpft neben einer grösseren
Anzahl der Stammform.
Denso. Palaearktische Schmetterlingsformen. 133
Püngeler, dem ich ein & übersandte, kannte
eine graue Form der antiqua auch nicht; nach
seiner Meinung aber wäre das Stück die graue nord-
amerikanische Art leucostigma, da die Fühler mit
dieser übereinstimmten. Auf die grosse Verschieden-
heit in der Zeichnung legte er keinen besonderen
Wert und glaubte, dass jedenfalls auf irgend eine
Weise die Raupen der leueostigma mit in die Zucht
gekommen seien. Das ist aber nach meiner Ansicht
absolut ausgeschlossen; ich nahm die sämtlichen Rau-
pen noch ziemlich klein herein und zog sie in ge-
schlossenem Kasten. Hätte ein % von leucostigma
am selben Strauch seine Eier abgelegt, so hätten
leueostigma-Raupen in grösserer Anzahl auftreten
müssen, und dann ist mir auch nicht aufgefallen,
dass unter der Zucht Raupen von anderem Aus-
sehen waren, denn jedenfalls schaut die Raupe
leucostigma anders aus als die von antiqua, doch
konnte ich hierüber nichts näheres erfahren.“ !)
Der Ansicht von Seiler, dass es sich auf keinen Fall
um leucostigma handeln kann, stimme ich vollkommen
bei. Wenngleich Fälle von Einschleppung fremder Arten
bekannt sind, musste doch auch hier eine ganz eigen-
artige Häufung von sehr unwahrscheinlichen Zufälligkeiten
vorhanden sein. Erstens das Einschleppen der Eier, denn
nur diese können in Betracht kommen, sodann mussten
die jungen Räupehen auch noch gerade unter antiqua-
Raupen geraten und sogar noch vollkommen gleichalter-
lich mit diesen gewesen sein, da ja die Falter zur
gleichen Zeit schlüpften! Aber vor allem sind ja die
Falter der ab. grisea von leucostigma völlig verschieden.
Gewiss ist es zutreffend, was Püngeler sagt, nämlich dass
die Fühler stark denen von leucostigma gleichen, denn
sie sind in der Tat etwas grösser und länger gekämmt
als die der normalen antiqua 53. Ja, die grisea - Falter
haben insofern noch eine gewisse Aehnlichkeit mit den
!) Soeben erhalte ich durch Herrn Seiler einige leucostigma-
Raupen, die sich auf den ersten Blick sofort wesentlich von antiqua-
Raupen unterscheiden durch ihren rotbraunen Kopf und einem leuch-
tend mennigrotem Nackenfleck. Die Seiten sind blaugrau; auf dem
9ten und 10ten Segment finden sich zwei kleine mennigrote Punkte
und ferner ist die Raupe auf dem Sten bis Ilten Segment durch
zwei schwefelgelbe Subdorsallinien ausgezeichnet.
134 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
leucostigma-Faltern, als der weisse Fleck nahe am Innen-
winkel bei den mir vorliegenden 3 35 nur schwach aus-
gebildet ist. Das hat aber nichts zu bedeuten, da diese
mangelhafte Ausbildung auch bei antiqua beobachtet wird.
Was aber die Zeichnung sonst betrifft, so ist grisea
mit antiqua vollkommen identisch, während sich leuco-
stigma von diesen beiden vor allem durch den anderen
Verlauf der distalen Querlinie unterscheidet, die bei ihr
einen gestreckt S-förmigen Strich darstellt, während sie
bei jenen beiden aus einer haarfeinen stark gezackten
Linie besteht. In der Färbung unterscheidet sich grisea
von antiqua nur dadurch, dass die sattbraunen Töne der
letzteren überall durch grau ersetzt sind. Ihre Farbe
pendelt also entsprechend der helleren oder dunkleren
Färbung der einzelnen Zeichnungselemente zwischen hell-
grau und dunkelgrau — analog wie antiqua zwischen
hellerem und dunklerem Braun; leucostigma hat dagegen
graue, braungraue und weissgraue Färbung, die vor
allem stark am Apex und der breiten Mittelbinde auftritt.
Die Unterseite der Flügel zeigt nichts bemerkenswertes,
bei ihr ist ebenso wie bei Kopf,. Thorax, Abdomen,
Fühlern und Beinen das Braun durch die entsprechende
Nuance des Grau ersetzt.
Auch ‚mit anderen, schon bekannten Formen von
antiqua ist grisea nicht identisch, da nicht eine von rein
grauer Farbe beschrieben wurde. Heyne bespricht zwar
eine var. modesta aus Zentral-Russland, nennt aber ihre
Färbung matt graubraun und gibt an, dass die Zeichung,
die bei grisea sehr deutlich und kontrastreich ist, äusserst
verloschen sei.
Unter den, gleichzeitig mit den 53 geschlüpften 99
wurden keine bemerkt, die irgend wie von der Normal-
form abweichen. Dies erklärt sich dadurch, dass die
antiqua 92 schon normalerweise grau gefärbt sind.
Allem Anscheine nach liegt hier eine Mutation vor.
Für diese Annahme spricht erstens das spontane Auf-
treten von mehreren grisea-Faltern in ein und derselben
Zucht und zweitens der Umstand, dass alle grisea-
Falter sich weitgehendst gleichen und keine Zwischen-
formen zwischen ihnen und der Stammform antiqua auf-
traten.
Denso. Palaearktische Schmetterlingsformen. 135
Leider konnte Seiler, da er am selben Tage abreiste,
als der erste grisea & erschien, keine Nachzuchtversuche
unternehmen. Dies ist um so bedauerlicher als es ihm
nicht gelang, trotz alljährlicher antiqua-Zuchten nochmals
ab. grisea zu erhalten. Es wäre deshalb allen Züchtern
dringend ans Herz zu legen, die sich überall vorfindende
und leicht zu erziehende antiqua zu züchten, vielleicht
ist doch noch einmal grisea zu erhalten, deren Charakter
dann durch plangemässe Kreuzungsversuche leicht zu
ergründen wäre.
Seiler erhielt 5 $3, 3 davon, die der Beschreibung
zu Grunde lagen, befinden sich in seiner Sammlung, ein
weiterer in Coll. Püngeler und der letzte, etwas ver-
krüppelte, in Coll. Grellmann (Dresden).
Dysauxes (Naclia) hybr. punctilla n. hybr.
Die Kreuzung der beiden ziemlich nahestehenden
Arten D.punetata F. & und D. ancilla L.Q gelang Herrn
Seiler im Jahre 1902 und zwar gelangten Falter der
1. Generation zur Verwendung. Raupen der D. punctata
von Atzwang in Südtirol ergaben Falter im Juli zu der
gleichen Zeit als ancilla-Falter, die aus einer Nachzucht
von 1901 bei Tharandt bei Dresden gefangenen Tieren
stammten, die Puppe verliessen. Es glückte sowohl
die Coputa punctata 5 X ancilla % als auch die
reziproke. Jedoch erwiesen sich nur die aus der ersteren
stammenden Eier als befruchtet. Leicht verständlich ist
es, dass bei den Raupen dieses Hybriden sich irgend-
welche merkbaren Unterschiede gegenüber den Raupen
der elterlichen Arten nicht feststellen liessen, da ja diese
beiden sich zum Verwechseln ähnlich sehen.
Ganz besonders interessant ist aber die Tatsache,
dass hybr. punctilla sich in keinem einzigen wesent-
lichen Punkt von aneilla unterscheidet. (Grenaue ana-
tomische Untersuchungen konnten vorläufig aus Mangel
an Material nicht durchgeführt werden.
Wie bekannt, hat punctata zum Unterschied gegen
ancilla 2 weisse Flecke im Diskus und 3 vor dem Apex,
von denen der oberste von den beiden unteren getrennt
ist. Aneilla dagegen besitzt meistens nur 2 grössere und
einen kleinen oberen von den grösseren getrennten Fleck
vor dem Apex und keine Diskalflecke. Es treten aber
136 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
sehr häufig Abweichungen von dieser Regel besonders
bei den 92 auf. So beobachtet man oft noch einen
vierten im freien Raume zwischen den beiden grossen
und dem kleinen Fleck vor dem Apex sich findenden
Fleck. Andererseits erscheinen auch Diskalflecke, von
denen aber nur der nächst dem Innenrand sich befindliche
ungefähr denselben Platz einnimmt wie bei punctata,
während der andere in der Verbindungslinie von jenem
zu den apikalen Flecken auftritt.
Die mir vorliegenden 2 5% der hybr. punctilla, die
im September 1902 schlüpften, gleichen nun in weit-
gehendstem Masse den aneilla &8, von denen sie sich
nur dadurch unterscheiden, dass sie etwas kleiner sind
(beide 20,5 mm gegen etwa 23 mm Spannweite normaler
ancilla 5& der 2. Generation) und dass bei ihnen der
oberste der 3 Flecke vor dem Apex zu einem Pünktchen
reduziert ist. Sie weisen jedoch nicht ein einziges von
punetata herrührendes Merkmal auf, denn auch ihre
Grundfarbe erinnert nicht an die sattgefärbten punctata,
sondern gleicht der der hellen, halbtransparenten aneilla
56. Was die hybr. punctilla 29 anbelangt, so würde
man auch sie, wäre ihre Abstammung nicht einwandfrei
festgestellt, für ancilla 99 halten. Beide zeigen 4
subapikale Flecken und 2 Diskalflecken, die wie oben
bei aneilla angegeben angeordnet sind. Die Grundfarbe
ist bei dem einen 9 ein kräftiges, beim andern ein helles
Braun. Dieser Farbenunterschied kommt übrigens eben-
falls bei ancilla vor.
Wir haben hier den ausserordentlich interessanten
Fall, dass ein Hybrid zwischen zwei Faltern, die allgemein
als verschiedenen Arten angehörig betrachtet werden, in
seinem äusseren Habitus völlig der einen, in diesem Falle
mütterlichen Art gleicht. Es lohnte sich wahrlich hier-
über eingehendere Untersuchungen anzustellen, indem
man versuchen sollte, sowohl den reziproken Hybrid
ancilla X punctata zu erziehen als auch vor allem
Nachzuchten der beiden Hybriden unter sich und Rück-
kreuzungen mit den elterlichen Arten anzustellen. Denn
das Bild was wir jetzt haben, gleicht dem, dass uns die
erste (reneration der Nachkommen einer Kreuzung
zwischen Stammart und Mutation liefert bei völliger
Dominanz des einen Merkmals.
Leo Sheljuzhko. Eine neue Form von Melitaea didyma, 0. 137
Eine neue Form von Melitaea didyma, O.
Von Leo Sheljuzhko. Kiew.
Melitaea didyma 0. nadezhdae, subspec. nov.
Var. turanica Stgr. similis. sed minor, alis
anticis supra maeulis subaibidis costalibus api-
calibus, pieturisnigrisminoribus; sabtuspallidior.
Asia centr. (Pamir cent. Pamirskij Post).
8 537—39mm., 92 37—44 mm., also im allgemeinem
etwas kleiner als turanica Stgr. Die schwarzen Punkte
auf der Oberseite der Flügel sind kleiner und nicht so
zahlreich. Bei den meisten 92 besteht die schwarze
Zeichnung auf den Htflgln. nur aus einer Reihe Sub-
marginalflecken und der Randbinde; in der Mitte des
Flügels sind die schwarzen Zeichnungen nicht vorhanden,
während bei den meisten 99 von turanica Stgr. aus
Turkestan eine Reihe grosser Flecke quer durch die
Mitte des Httflgls. zieht. Unterseite blasser.
Als ziemlich konstantes Merkmal des %& erscheinen
zwei helle gelblichweisse Flecke an der oberen Ecke beim
Aussenrande des Vdiflgls.;, der eine zwischen den Sub-
marginalflecken und der schwarzen Randbinde, der zweite
an der anderen Seite der Submarginalbinde. Dieses Merk-
mal ist bei allen 5 & dieser Form meiner Sammlung
zu bemerken, es ist aber nicht gleichmässig entwickelt.
Bei den 99 ist der ganze Aussenrand des Vdflgls. heller
gefärbt, deshalb vereinigen sich die hellen Flecke mit
der Farbe des Randes und treten scharf nur bei einzel-
nen Exemplaren hervor. Bemerkenswert ist noch, dass
die Spuren dieser Zeichnung auch bei einigen Exem-
plaren der turanica Stgr. vorkommen, jedoch nicht so
deutlich und verhältnismässig selten.
6 55, 4 92 aus den Umgebungen von Pamirskij-
Post (Kisilj-ar, Nechisilga). Mitte Juli-Ende Juli 1909.
Von meinen Sammlern erhalten.
138 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Avinov bringt in „Horae Soe. Ent.* (XXXIX, 234)
eine Beschreibung dieser Form, ohne sie aber zu be-
nennen. In der Beschreibung ist jedoch von den oben
erwähnten weissen Flecken an der Ecke der Vdilgl.
nichts gesagt.
Es scheint berechtigt zu sein anzunehmen, dass diese
didyma eine besondere Lokal-Rasse ist und ich erlaube
mir für sie die Benennung nadezhdae, subsp. nov. nach
dem Namen meiner Frau und Gehilfin im Gebiete der
Lepidopterologie einzuführen.
I Entomologischen Vereins „lris” zu Dresden.
‚Vorsitzender: Prof. Dr. K.M.Heller, Dresden, Franklinstr.22
'Stellvertr.: Dr. H. Walther, Dresden-N., Böhmertstrasse 4.
Sehriftführer: Ad. Winckler, Dresden-Pl., Kaitzerstr. 137.
Stellvertr.: Eduard Riedel, Dresden, Hohe Strasse 40 Il.
Reehnungsführ.: G.Kretzschmar, Dresden, Bismarckpl. 6.
Biblioth.: Amtstierarzt Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
- Redakteur: Dr. P. Denso, Hellerau b. Dr., Auf d. Sande.
Stellvertreter: Dr. P. Husadel, Dresden, Gewandhausstr. 3.
Sitzungen: Mittwochs v. S—11 Uhr im Zoolog. Garten.
/
Mitglieder erhalten auf’ Wunsch die früheren
Hefte und Separata unserer Zeitschrift zu,hal’ben Prei-
sen. mit Ausnahme von Band I Heft 1-3 und Band VI
und VIII, welche vergriffen sind. Anfragen bittet man
an den Bücherwart {E. Möbius, Dresden-F., Schlacht-
hofring 3, I) zu richten.
ST Der jährliche Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist
in den ersten 3 Monaten eines jeden Vereinsjahres zu
zahlen (an den Rechnungsführer G, Kretzschmar).
. Den Herren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu zahlen ver-
gessen haben, wird das zweite (Anfang Juli erscheinende)
Heft gegen Nachnahme des Beitrages zugesandt (soweit nach den
‚ betreffenden Ländern Nachnahme zulässig ist).
Au
Laut Vereinsbeschluss erscheint die Zeitschrift vom
Jahre 1912 ab wieder -in vier Vierteljahrsheften.
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte
können nur innerhalb der Frist eines Jahres, vom Erschei-
nen der betreffenden Hefte an gerechnet, berücksichtigt
werden.
Die Grossschmetterlinge der Erde
Bearbeitet von ersten Kennern und Autoritäten,- ‚wie:
Aurivillius (Stockholm), Jordan (Tring), Bartel (Berlin), "Prout
(London),
Warren (Tring),
Janet (Paris), Standfuß (Zürich),
Mabille (Paris),
Haensch (Berlin),
Fruhstorfer (Genf), Strand
(Berlin), Weymer (Elberfeld), Eiffinger (Frankfurt), Ober (Dres en]
und anderen. - Ka
Herausgegeben von Professor Dr. Adalbert Seitz.
Komplell in ca. 460 Lielerungen oder in 16 Bänden, in 2 Hauplleilen.
1. Hauptteil Palaearktische Fauna.
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Entomologische Zeitschrift
„Iris”
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Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Jahrgang 1912. Drittes Heft.
30. September 1912.
Redakteur: Dr. Denso. |
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Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 139
Neue oder wenig bekannte palaearktische
Makrolepidopteren V.
Von A. Bang-Haas, Blasewitz.
(Hierzu Tafel VI.)
Simyra nervosa v. expressa n. var.
Asiatische Stücke aus dem Karagai-tau und dem
Juldus-Gebiete zeichnen sich durch bläuliche, weissgraue
Färbung der Vdflgl., schärferen und reiner weisslichen
oder weissgelblichen Wurzelstrich, so wie durch einen
solehen von der Querader bis zum Saume aus. Die
Htflgl. sind meist tiefschwarz mit rein weissen Fransen.
Agrotis (Agrotis) e nigrum v. depravata n. var.
Aus der Umgebung von Yarkend (Mus-tag-ata) er-
hielten wir eine Anzahl Stücke, die sich von typischen
e nigrum — die ja auch in etwas hellerer Färbung in
Zentralasien vorkommen -— unterscheiden, besonders
durch den dunklen (wenig heller) hervortretenden Vorder-
rand im Mittelfelde und den daranstossenden Nierenmakel.
Die Farbe der Vdflgl. ist eine trüb schwarze, wenig leb-
hafte, aber auch etwas ins kupferige übergehende. Die
Htfigl. in beiden Geschlechtern wie bei den typischen
ce nigrum.
Spannweite 32 mm.
Mit der viel helleren A. degenerata Stgr. lassen
meine Stücke sich absolut nicht vereinigen, wenn ich
auch annehmen möchte, dass degenerata wohl eher als
eine sehr blasse Form von c nigrum aufzufassen ist.
Agrotis (Episilia) wockei v. tundrana n. var.
Schon im Katalog 1901 führt Stgr. die im Ala-tau
von Haberhauer gesammelten Stücke mit var. an; ich
glaube diese, so wie auch spätere aus dem Sajangebiete
erhaltene Stücke als eigene Form abtrennen zu müssen.
*) Frühere Beschreibungen in der „Iris“ siehe:
Il, Band XIX 1906 pag. 127—144
I., = XX 1907 „ 69— 88
I., u: URREV - 1910 27—51
IV., » AXVI 1912 „. 108-110
140 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Die Stücke von wockei, die ich aus Labrador —
darunter Moeschlers Original — vor mir habe, sind bunter
gefärbt, besonders im Basal- und Saumfeld mit grauerer
Bestäubung, während die Ala-tau Stücke eine viel gleich-
mässigere, hell bräunliche, und diejenigen vom Sajan
eine dunkelbräunliche Färbung annehmen. Auf der
Oberseite der Htflgl. tritt die Linie vor dem Saume bei
wockei stärker hervor, bei den asiatischen Stücken ist
sie auf der Oberseite so gut wie verschwunden.
Die Ala-tau Stücke messen wie die Labrador-Stücke
40 mm, während Sajan-Stücke nur 37 mm Spannweite
zeigen.
Agrotis (Feltia) pulchrella n. sp. Taf. VI, Fig. 5.
In der Zeichnungsanlage mit der viel grösseren A.
honesta Stgr. übereinstimmend, aber viel heller und leb-
hafter gefärbt. Die Zeichnungen der Vdfigl. treten sehr
scharf weissgrau hervor, ebenso die die Mittelzelle ein-
fassenden Adern; der Nierenmakel kräftig weiss umrandet;
die äussere Hälfte des Saumfeldes ist nicht wesentlich
dunkler als die Grundfarbe der Flügel, die im allgemeinen
grau erscheint, während A. honesta eher trübschwarz zu
nennen ist; dieselben Farbenunterschiede treten auch auf
der Oberseite der Htflgl., so wie auch auf der Unterseite
aller Flügel hervor. Während die kräftigere A. honesta
aber auf den Htflgln. einen deutlichen mondförmigen
Mittelfleck aufweist, tritt dieser bei pulchrella nur punkt-
förmig vor,
Mehrere 55 aus dem Sajangebiete.
Spannweite 30—32 mm.
A. honesta dagegen misst 37—40 mm.
Agrotis (Agrotis) picata n. sp.
Vafigl. einfarbig dunkelgrau, höchstens an der
Wurzelhälfte des Vorderrandes etwas heller, mit schwach
angedeutetem auch etwas hellerem Querstreifen und
kräftigerer Wellenlinie, die nach der Basis zu sehr
schwach dunkel, fleekenartig angelegt ist. Saumlinie hell
mit sehr schwachen Möndcehen. Fransen dunkelgrau mit
schwach hellerer Teilungslinie. Ein tiefschwarzer, fein
gelb umrandeter, scharfer, dreieckiger Fleck (gebildet aus
einem äusseren stehenden, zusammenstossend mit einem
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 141
inneren, liegenden Fleck, etwa wie bei Agrotis ce nigrum)
ruht in der Mittelzelle auf Rippe 4. Ringmakel nicht
sichtbar, Nierenmakel sehr schwach angedeutet. Htifigl.
fast ebenso dunkel wie die Vdflgl. mit deutlichem Mittel-
punkte und helleren Fransen als die Vdflgl. Die Unter-
seite aller Flügel dunkelgrau ohne Zeichnung, nur der
Mittelpunkt ist am Hitflgl. deutlich hervortretend. Kopf,
Thorax und Hinterleib ebenfalls dunkelgrau.
Die Art wird wohl am besten in der Nähe von
Ayrotis glareosa Esp. einzureihen sein.
Nur 1 9 aus Batna (Algier).
Spannweite 32 mm.
Agrotis (Lycophotia) renigera v. furiosa n. var.
Zu den vielen Formen dieser variablen Art muss
ich noch eine aus dem Gebirge Peter des Grossen, im
Juni bei Garm gefunden, aufstellen. Die Vdflgl. sind
violett-rötlich (nicht gelb-rötlich wie die v. erubescens
Stgr.); sehr lebhaft gefärbte Stücke zeigen sogar einen
rosa Anflug. Die Zeichnungen treten kräftig hervor, be-
sonders die tiefschwarzen Vorderrandsflecke. Die Htflgl.
sind grau-schwarz, am Saume stärker verdunkelt ohne
jedoch eine Binde zu bilden. Die Unterseite der Vdflgl.
ziemlich gleichmässig grau-schwarz; der Mond am Quer-
ast schwach heller, ein schwacher Ansatz zu einem
dunklen Vorderrandsfleck lässt sich bei einigen 99 dort
erkennen, wo die äussere Querlinie auf der Oberseite
steht. Die Htfigl. heller als die Vdflgl., am Saume
bindenartig dunkler.
Spannweite 37—42 mm; die 992 sind meist grösser
als die 42.
Agrotis (Euxoa) tyrannus n. sp.
Diese der A. celebrata Alph. nahestehende Art unter-
scheidet sich hauptsächlich durch die graugelbliche,
etwas ins hellbräunliche gehende Grundfarbe der Vdilgl.
und die einfarbigen, grauschwarzen Htflgl. Die Zeichnungs-
anlagen sind sonst übereinstimmend, jedoch bei A. tyran-
nus kräftiger schwarz. Die kleinen schwarzen Monde
am Flügelsaume mitunter linienförmig verbunden. Die
innere Fransenhälfte einfarbig graugelblich, während sie
bei A. celebrata meist reinweiss ist. Die Tarsen sinds ehr
142 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
kräftig schwarz geringelt, was bei A. celebrata nicht der
Fall ist.
Einige Paare aus dem Karagai-tau.
Spannweite 33—42 mm.
Agrotis (Agrotis) imperator n. sp. Taf. VI. Fig. 6.
Diese herrliche Art erinnert in Zeichnung u. Färbung
an Agrotis melanura Koll., und wird am besten bei dieser
eingereiht. Das Basal- und Mittelfeld der Vafigl. ist
eremegelb - rötlich gefärbt, spärlich mit vereinzelten,
schwärzlichen Schuppen gesprenkelt;, das Saumfeld
sch warz, das Mittelfeld ist begrenzt von zwei tiefschwarzen
Querstreifen, die an den Innenseiten, besonders zwischen
Rippe 1 und 2, und in der Mittelzelle einige kleine Ver-
diekungen aufweisen; am Vorderrande steht im Mittel-
und Wurzelfeld je ein kleines kurzes schwaches Fleckchen
oder eine Linie, und der äussere Querstreifen bildet vor dem
Saumfelde einen kleinen, dreieckigen, eremefarbigen Fleck.
Die innere Fransenhälfte ist schwarz (die äussere weiss-
licher, schwach gescheckt) mit helleren (er&mefarbigen)
Punkten an den Rippen. Alle Makeln fehlen. Die Htflgl.
grauschwarz, die Basis heller beim 5 als beim 9; die,
Fransen nur sehr wenig heller an den Spitzen und ohne
hellere Punkte an der Saumlinie. Thorax, Scehulter-
blätter von der erwähnten Cr&mefarbe; Kopf, Palpen und
Hinterleib meistens etwas heller. Fühler beim %& gleich-
mässig gewimpert. Die Unterseite sowohl der Vorder-
als Htflgl. rein weiss mit dunkler Saumbinde. darin mit-
unter mit heller angedeuteten Rippen.
Eine kleine Anzahl Stücke aus Biskra.
Spannweite 38—40 mm.
Agrotis (Euxoa) urbana n. sp. Taf. VI Fig. .
Trotz der an gewisse Arten der A. tritici-Gruppe er-
innernden Zeiehnung, muss diese neue Art in der Nähe
von A. graslini Rbr. eingereiht werden. Anfänglich
dachte ich, dass sie die mir in natura unbekannte A.
rugifrons Mab. (aus Tunis) sein könnte, aber nach Hamp-
sons Beschreibung und Abbildung, Catalogue IV p. 157,
Tafel LXI Fig. 3, kann es nicht diese Art sein, die kurze
Kammzähne hat, während urbana stark gekämmte Fühler
hat, und auch sonst sehr verschieden aussieht. Die
Grundfarbe variiert von gelbgrau bis dunkel braunrötlich,
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 143
Der Vorderrand mit diekerem gelbweissen allmählig bis
über den Nierenmakel spitzer verlaufendem Streifen.
Rippe 4 ist bis an den Nierenmakel stark weiss, Ring-
und Nierenmakel kräftig, gelblich, schwach schwarz um-
randet; Zapfenmakel lang und schmal, weit dunkler aus-
gefüllt als die beiden anderen Makeln. Ein kräftiger,
schräger, gelber Strich läuft an Rippe 2 nach dem Saume
zu. Das Mittelfeld ist nicht sehr hervortretend und die
Einfassung ist nicht sehr scharf, die schwach gezackten,
gelblichen Wellenlinien zeigen einige kleine Pfeilflecke;
die Saumlinie ist heller mit kleinen Möndchen versehen.
Fransen mit deutlicher Teilungslinie.
Die Htflgl. sind meist kreideweiss mit dunkler,
schmaler Saumlinie, doch kommen auch stark dunkle
Stücke mit weniger weissen Flügeln vor, so wie solche
auf der Unterseite mit Ansatz am Vorderrande zu einer
dunkleren schmalen Saumbinde; der feine, kleine Mittel-
punkt ist auch oben sichtbar.
Die Unterseite der Vdflgl. meist etwas dunkler als
die der Htflgl., mitunter mit sehr hellem Saume. Ein
liehter Wisch vom undeutlichen Mittelpunkt bis kurz
vor dem Saume hebt sich auffallend ab.
Aus Batna (Algier) nur 85 erhalten.
Spannweite 30—34 mm.
Phleboeis rogneda v. atra n. var.
Alle Stücke (nur 3%) die ich bisher unter Händen
gehabt habe von P. rogneda (aus Sarepta, Amasia,
Valladolid, sowie auch Stgrs. Original-Exemplar mit Be-
zeichnung Tauria mer.) haben bei ganz reinen Stücken
eine ausgeprägte gelbliche Grundfarbe. Dagegen erhielten
wir jetzt eine Anzahl Anfang September erbeuteter, eben-
falls ganz reiner Stücke aus der Krim, die durch ihre
tiefschwarze Färbung der 55 ganz wesentlich kontrastieren.
Die weissen Rippen treten dadurch noch mehr hervor
als bei den obenerwähnten gelben Stücken, die Makeln
dagegen sind wiederum dunkler als bei den gelben. Bei
den gleichzeitig erhaltenen seltenen, schwarzen 99 treten
die Rippen weit weniger weiss als bei den 55 hervor;
sie haben dunkel schwarzgraue Htfigl., höchstens an der
Basis etwas aufgehellt, während die männlichen Htägl.
bekanntlich blendend weiss sind.
144 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Gewöhnlich sind die v. atra etwas grösser als die
gelben rogneda. Das grösste & hat eine Spannweite von
36 mm.
Mamestra conspicua n. sp. Taf. VI Fig. 8.
Die breiten Vdflgl. sind tief-grauschwarz mit hellerer
weisslicher Beimischung. Eine halbe Basal-Linie im
Wurzelfeld weisslich, ebenso der innere sehr unregel-
mässig verlaufende Querstreifen, die äussere dagegen
ist regelmässig geschwungen mit feinen scharfen, zackigen
Bogen, die sich auf den Rippen saumwärts spitz ver-
längern, ohne jedoch die von der deutlich weisslichen
Wellenlinie in umgekehrter Richtung stehenden, kurzen,
schwarzen Pfeilfleckchen zu berühren. Die Saumlinie
mit schwarzen Möndehen, die Fransen (mit schwach her-
vortretender Teilungslinie) sind auf den Rippen scharf
weiss aufgeblitzt. Der Vorderrand mit 4 sehr kleinen,
aber sehr deutlichen Punkten. Ringmakel sehr klein,
grau und deutlich, fein schwarz umrandet, innen mit
schwachen schwarzen Punkten. Nierenmakel unregel-
mässig eingefasst, etwa wie bei Hadena maillardi H. G.;
Zapfenmakel fein schwarz umzogen.
Kopf, Thorax von der Vdflgl. - Färbung, Palpen
schwärzlich, wollig behaart, mit kurzem, schwach ge-
neigtem Endgliede. Augen behaart, Fühler sägezähnig
fein gewimpert. Die Tarsen weiss geringelt, Htflgl. grau
schwärzlich mit dunklerer Saumbinde, dahinter etwas
heller, so dass ein schmaler Mittelschatten sich linien- .
förmig abhebt. Die Saumlinie deutlich schwarz, selten
unterbrochen. Ein Mittelpunkt ist auf der Oberseite
nicht sichtbar. Die Fransen mit deutlicher Teilungslinie,
die äussere Hälfte fast reinweiss, am Innenwinkel mit
einem etwas erweiterten, kleinen, weisslichen Wisch.
Die Unterseite der Vdfigl. in der Mitte gleichmässig
dunkelgrau mit deutlicher, äusserer, zackiger Querlinie
und geschwungener Wellenlinie. Das Saumfeld und der
Vorderrand, in welchem auch die vorhin erwähnten 4
weissen Pünktchen deutlich sichtbar sind, ist heller und
mehr weiss gesprenkelt. Auch das weisse Aufblitzen der
Fransen auf den Rippen tritt hervor, wenn auch lange
nicht so rein weiss wie auf der Oberseite. Auch auf der
Unterseite der etwas helleren Htfigl. ist die dunkle
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 145
Mittellinie deutlich hervortretend. Sowohl Vorder- wie
Htflgl. haben kleine. dunkle Mittelpunkte.
Nur ein ganz reines & aus dem Sajan - Gebiete er-
halten. Die Art hat etwas Aehnlichkeit mit Hadena
maillardi H. G., kann aber der behaarten Augen wegen
nicht zu der Gattung Hadena gestellt werden.
Mamestra monotona n. sp. Taf. VI Fig. 9.
Eine der M. altaica Led. sehr ähnliche, kleinere Art.
Grundfarbe dunkelgrau bis bläulich-schwarz mit helleren
und dunkleren Schatten. M. altaica, wovon Original-
stücke von Lederer sich in Coll. Staudinger befinden, ist
grau, oft mit rötlicher Mischung, hat etwas gestrecktere
Vorderfigl. mit mehr gerundetem Saum. Die Htflgl. sind
dunkler als bei altaica. Die Zeichnungsanlagen Kopf
und Fühler sind sonst mit der altaica übereinstimmend.
Eine Anzahl Stücke, meist 55, aus dem Sajangebiete.
Spannweite 39—40 mm.
M. altaica misst meistens 45—47 mm.
Mamestra enodata n. sp. Taf. VI Fig. 10.
Hier liegt eine Art vor, die grosse Aehnlichkeit mit der
gewöhnlichen M. nebulosa Hufn. hat mit deren Zeichnungs-
anlage und Flügelfärbung sie auch ziemlich übereinstimmt.
Die Vdflgl. sind schmäler, die Querlinien weniger hervor-
tretend, die nicht regelmässig schwarz umrandeten 3
Makeln kleiner; die Färbung weniger mit schwarz ge-
mischt, die schwarzen, kleinen Pfeilflecke an der Wellen-
linie am Vorderrande schärfer, der schwarze Wisch in
Zelle 1B kräftiger schwarz, die Fransen schärfer (etwas
spitzer) ausgerundet. Die dunkle Saumbinde der Htfigl.
schmäler; die Basis heller.
Einige Stücke beider Geschlechter von Karagai-tau.
Spannweite 45—50 mm.
Mamestra contigua v. decolor n. var.
Aus dem Juldusgebiete erhielten wir eine Anzahl
übereinstimmender Stücke, die wesentlich heller gefärbt
sind, und weit mehr grau gemischt als die gewöhnlichen
europäischen Stücke, auch die Htflgl. sind weit heller.
Ich nenne diese Form v. decolor.
*10
146 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Mamestra perdita v. pallida n. var.
Bisher hatte ich nur Stücke mit der bekannten mehr
oder weniger hell- oder dunkel-grauen Färbung aus Sarepta,
Uralsk, Syr-Darja, Margellan, Alexandergebirge erhalten.
Jetzt trafen von Kaschgar und Yarkend Stücke ein, die
eine so auffallende gelbliche Farbe haben, dass ich sie
als v. pallida bezeichne.
Dianthoecia filigrama Esp. v. karagaia n. var.
Am nächsten der v. luteoeinta Rbr., aber kleiner
mit weniger scharfen Zeichnungen, weniger hellgrauem
Farbenton der Vdfigl, dagegen öfters recht schwarzer
Beimischung, und mit einem kleinen, auffallend stark
ockergelben Fleck an der Basis. Htfigl. mit hellerer
Basis.
Während die meist noch kleinere v. melanochroa
Stgr. einen einfarbigen, trüben, dunkelgrauen Eindruck
macht, ist die v. karagaia lebhaft und bunt gefärbt.
Ich dachte anfänglich die D. lypra Pgl. aus Askhabad
Iris 1903. p.: 287 Taf. 6 Fig.'3, vor‘ mir zu haben, aber
Herr Püngeler war so liebenswürdig mir mitzuteilen, dass
es nicht diese Art sei.
Ein Anzahl Stücke, nur 99, aus dem Karagai-tau.
Spannweite 30 mm.
Aus Chami Hami erhielten wir von Herrn Tanere
1 & und 1 9, die sich durch ausserordentlich viel ocker-
gelbe Beimischung, besonders beim & auszeichnen. Ob
diese Stücke zu v. karagaia zu ziehen sind, muss ich
vorläuäg dahingestellt sein lassen. Jedenfalls ist das &
so bunt gefärbt, wie ich noch kein Stück aus der fili-
grama-Gruppe sah.
Apamea testacea v. irritaria n. var.
Aus Batna (Algier) trafen eine Anzahl männliche
Stücke (und auch ein @) ein, die sich durch wesentlich
hellere, meist weissgelbliche bis staubgraue Färbung und
sehwächere, mitunter fast ganz verschwommene Zeich-
nungen von den kräftiger gebauten dunkelgrau-bräunlich
gefärbten mitteleuropäischen testacea abheben, und wohl
als v. irritaria abgetrennt werden können; sie messen
30—35 mm.'
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 147
Die im Katalog 1901 unter A. testacea aufgeführte
gueneei Dbld. ist eine eigene gute Art. Wir erhielten
sie jetzt in reinen Stücken aus England. Sie kann aber
auf keinen Fall mit der v. diversa Stgr., Katalog Nr.
1620 b, vereinigt werden, wie Oberthür Bullet. S. Ent. de
France 1908 p. 5323 annimmt, denn diversa ist eine aus-
geprägte dumerilli Dup. Form, und auch Hampson, Kat.
Vol. VII p. 472, zieht sie zu dieser Art.
Hadjina eremita n. sp. Taf. VI Fig. 11.
Die Vaflgl. laufen spitz zu, mit schrägem, breitem
Saume; sie sind ziemlich gleichmässig rötlich-violett,
stellenweise mit bräunlicher Bestäubung, mit zwei un-
regelmässig gezackten, schwach helleren, nach den zu-
gekehrten Seiten ein wenig dunkler angelegten Quer-
linien; auch die schwach hervortretenden, zwei grössere
Bogen bildenden Wellenlinien sind nur ein wenig heller.
Der Nierenmakel ist mitunter verschwommen, oder wie
der kleine Ringmakel schwach heller umrandet;, beide
treten wenig hervor. Am Vorderrande hinter der Wellen-
linie stehen drei kleine, hellere Randflecke. Die helle
Saumlinie ziemlich scharf, nieht unterbrochen; die Fransen
mit schwächerer Teilungslinie, die innere Hälfte von der
Flügelfärbung, die äussere etwas weniger dunkel, nicht
gescheckt, höchstens an einzelnen Stellen ein wenig
dunkler.
Kopf, Stirn, Schulterblätter und der glatt beschuppte
(nieht wollig behaarte) Thorax von der Farbe der Flügel.
Fühler nackt. Palpen, den Kopf sehr wenig überragend,
schwach aufgebogen, wenig behaart mit kurzem, dicken
Endgliede. Saugrüssel kräftig entwickelt. Der schlanke
Hinterleib von der Farbe der Htflgl., beim 5 mit After-
büschel und mit kräftigen Afterklappen. Die Hinterbeine
sind doppelt gespornt. Die Htflgl. ohne Mittelpunkt auf
der Oberseite, grauschwarz, rötlich angehaucht, besonders
in der äusseren Hälfte, die Fransen aber viel heller rötlich.
Die Unterseite aller Flügel gleichmässig hellgrau mit
äusserst schwach hervortretender Saumbinde und sehr
schwachem, dunkleren Mittelpunkt der Htflgl.
Das % hat etwas weniger schrägen Vdflgl. - Saum,
weshalb die Flügel etwas breiter aussehen; es unter-
scheidet sich aber sonst in Farbe und Zeichnung nicht
vom 6-
148 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Die Art tritt auch in einer sehr abweichenden dunkel
aschgrauen Färbung in beiden Geschlechtern auf, und
ich habe diese Form v. decolorata n. var. benannt. Die
beiden Formen wurden gleichzeitig in der ersten Hälfte
des Juni bei Garm (Gebirge Peter des Grossen) in
kleiner Zahl erbeutet.
Spannweite 23—30 mm.
Hadena xylinoides n. sp. Taf. VI Fig. 12.
Vdflgl. am Vorderrande mit einem breiten, gelblich-
hellbraunem Bande, das fast ein drittel der Flügelbreite
einnimmt; die übrige Fläche schwarzbraun, stellenweise
gemischt mit derselben helleren Vorderrandsfarbe; be-
sonders ein breiter Streifen vom Innenrande bis zum
Nierenmakel hebt sich ebenfalls so hell ab. Ein dicker,
kurzer Wurzelstrich ist schwarz; die Mittelzelle ist dunkel
ausgefüllt, und der darin stehende weissliche Nieren-
makel ist nicht scharf begrenzt; statt des Ringmakels
befindet sich hier auch ein schräger länglicher Fleck.
Die Rippe 4 ist von der Basis bis zum Nierenmakel
heller (weisslich) angelegt, dagegen sind die Rippen in
der äusseren Hälfte der Vdfigl. schwarz. Querstreifen
fehlen; Wellenlinie zackig, schwach gelblich - braun.
Saumlinie mit kleinen, schwarzen Möndehen und von
diesen strahlen kürzere oder längere Pfeilflecke oder
Striche zwischen Rippe ILB--7 nach innen zu, die längsten
befinden sich in der Zelle 2—4 und sind 3 mm lang.
Die Fransen an der Wurzel hell, mit Teilungslinie, aussen
dunkler.
Kopf heller, Palpen wenig behaart, Endglied klein,
schwach geneigt, Thorax dunkler. Augen nackt. Die
Htflgl. grauschwarz, an der Basis etwas heller mit deut-
lichem Mittelfleek; Saumlinie mit schwarzen Möndchen.
Die Unterseite der Vdfilgl. grau, an der Wurzel gelblicher
mit dunkler, bräunlicher, unregelmässiger Schattenbinde,
so dass der Saum heller bleibt, die Htflgl. mit eben-
soleher dunkleren Binde, jedoch bis an den Saum
reichend. Alle Flügel mit kräftigen, dunklen Mittelflecken
und auch kräftigen, schwarzen Saum-Möndchen.
Nur 1 9 aus dem nördlichem Alai. Es wurde im
August bei Ispajran in Höhe von 3400 m erbeutet.
Spannweite 41 mm.
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 149
Einstweilen stelle ich diese Art in die Gattung Ha-
dena, und reihe sie bei H. leuconota H.S. ein.
Hadena ingloria n. sp. Taf. VI Fig. 13.
Diese in der Nähe von H. maillardi H-S. stehende
Art ist kleiner und breitflügliger; in der Färbung variiert
sie von schwärzlich aschgrau bis olivgelb. Die Zeich-
nungen treten wenig hervor. Die nicht immer ange-
deutete, halbe Linie im Wurzelfelde schwach schwärzlich ;
die zwei Querstreifen schwach heller als die Grundfarbe,
auf den zugekehrten Seiten schwach schwarz eingefasst;
die innere bildet auf den Rippen la und 4 scharfe nach
der Wurzel zu gehende Spitzen. Die äussere hat den
gewöhnlichen, regelmässig geschwungenen Verlauf; sie
bildet zwischen den Rippen kleine Bogen, deren Spitzen
in kleinen, schwarzen Pünktchen enden. Die Wellenlinie
ist heller, mitunter mit schwachen Pfeilfleckchen. Ring-
makel klein, ebenso wie der Nierenmakel heller ausge-
füllt. Zapfenmakel sehr klein, mitunter ganz undeutlich.
Einige (meist 3 oder 4) kleine Hakenfleckchen sind am
Vorderrande meist deutlich sichtbar. Saumlinie wenig
heller mit schwachen, schwarzen Pünktchen zwischen
den Rippen. Die Fransen dunkel mit ganz unregelmässiger
länglicher Verdunkelung. Kopf, Stirn und Thorax von
der Flügelfärbung; Palpen wenig wollig behaart, Endglied
klein, die Stirn wenig überragend. Fühler borstenförmig,
kurz gewimpert. Die Htfigl. eintönig schwärzlich grau,
eine schwache Mittellinie ist auf der Oberseite sichtbar;
Saumlinie schwärzer, kaum unterbrochen, Fransen mit
Teilungslinie, innen gelblich grau, aussen heller.
Die Unterseite der Vdflgl. schwärzlich - grau, am
Saume heller; eine äussere Querlinie ist meistens vor-
handen. Mittelpunkt fehlt auf den Vdflgl., dagegen deut-
lich vorhanden auf den Htfigl.. auf welchen auch die
dunkle Linie vor dem Saume wesentlich deutlicher ist
als auf den Vdilgl.
Eine kleine Anzahl — meist 35 — aus dem Sajan-
Gebiete.
Spannweite 39—42 mm.
Hadena lama Stgr. v. dubiosa n. var.
Da alle Zeichnungen mit den drei männlichen Ori-
ginalen von H. lama in Coll. Staudinger übereinstimmen,
150 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
glaube ich trotz des’ sehr veränderten Aussehens nicht
eine eigene Art aufstellen zu dürfen, sondern ziehe eine
Anzahl Stücke aus Yarkend (Mustagata) vorläufig als
var. zu lama. Die v. dubiosa hat eine blasse hellbraune,
mitunter schwach ins rötliche gehende Färbung der
Vdäfigl., während die der lama Stgr. licht-(gelblich)-grau
ist. Hauptsächlich trafen 9% ein, die dunklere fast
gleichmässig graubräunliche Htilgl. haben; die Mittellinie
der Htflgl. ist auch auf der Oberseite deutlich hervor-
tretend. Bei dem einzigen erhaltenen & ist die Färbung
der Vafigl. mehr rötlich als bei den 9%; auch sind die
Htfigl. des & dunkler als bei der lama, aber doch lange
nicht so dunkel wie die der 92 von dubiosa. Die Augen
sind wie bei lama nackt.
Spannweite 42—46 mm.
Lasionycta hospita n. sp. Taf. VI Fig. 14.
Vdflgl. grauschwarz mit sehr undeutlichen Zeich-
nungen. Von den zwei Querstreifen ist der innere nur
äusserst schwach erkennbar, der äussere verläuft so
ziemlich dem Saume parallel und ist auch wenig hervor-
tretend schwach gezackt, innen schwach schwärzlicher.
Der Raum zwischen den Querstreifen ist vom Innenrande
bis gegen Rippe 4 schwarz verdunkelt oder (wie bei dem
abgebildeten Stück) schmäler striehförmig verbunden.
Die Wellenlinie sehr schwach angedeutet, nur durch
kleine schwärzliche Pünktchen bezeichnet. Einige weisse
Hakenpunkte sind am Vorderrande vorhanden. Alle 3
Makeln fehlen. Die Rippen sind im Saumfelde stellen-
‚weise schwärzlich. Saumlinie schwarz ohne Möndchen.
Fransen mit undeutlicher Teilungslinie, schwarz gescheckt
und mit weisslichen Pünktchen vor den Rippen auf der
inneren Hälfte. Die Htflgl. grau, am Saume schwach
dunkler mit kleinem, schwachen Mittelpunkte und dahinter-
stehender, sehr wenig hervortretender Mitteilinie, die
schwarze Saumlinie ist sehr deutlich. Die Fransen mit
dunkler Teilungslinie, auf den Rippen und aussen weisslich.
Kopf und T'horax schwarzgrau-weiss gemischt. Palpen
heller gefärbt, mit schwach aufwärts gebogenem End-
gliede. Saugrüssel kräftig entwickelt. Augen nackt. Die
weiblichen Fühler dünn, etwa zwei Drittel der Vorder-
randslänge messend, aber nicht bis zum Anfange der
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 151
äusseren Querlinie reiehend. Hinterleib dunkelgrau, glatt
beschuppt, aber mit deutlichem Schuppenhöcker auf dem
Rücken. Legestachel fehlt.
Die Unterseite aller Flügel grau, wesentlich heller
als die Oberseite; die Vdflgl. mit sehr schwach ange-
deutetem Mittelpunkte und davorstehender ziemlich regel-
mässiger Querlinie, und ausserdem noch mit einer zwar
sehr schwachen, aber doch erkennbaren Linie, etwa dort
wo die Wellenlinie auf der Oberseite steht. Die Vdflgl.-
Fransen deutlich weiss durchzogen, vor den Rippen auf
den etwas helleren Htflgl. ist der Mittelpunkt sehr deut-
lich, ebenso wie die Querlinie vor dem Saume. Die
Fransen-Färbung vor den Rippen nicht so regelmässig
und scharf weiss wie auf den Vadilgl.
5} .
Ich erhielt nur 53 99 aus dem Sajan-Gebiete.
Spannweite 29—31 mm.
Da 33 nicht vorliegen, stelle ich diese kleine. un-
scheinbare Art einstweilen in die Gattung Lasionycta
Auriv. (ef. Iris XX 1907 pag. 75.)
Hadula orbona n. sp. Taf. VI Fig. 15.
Vaflgl. weisslich ockergelb, rostbraun gemischt und
gesprenkelt und mit rostbraunen Zeichnungen. Die halbe
Wurzellinie- kurz und schwach; die innere Querlinie be-
steht aus fleckenartigen, rostbraunen, grösseren Bogen;
die äussere, nach dem Saume zu heller angelegte, ist
schärfer mit kleinen, zackigen Bogen zwischen den Rippen.
Zwischen beiden Querstreifen, dem äusseren näher, steht
ein grösserer, unregelmässiger, rotbrauner Schatten.
Wellenlinie kaum angedeutet. Saumlinie unbedeutend
heller, aber sonst ohne jede weitere Auszeichnung. Die
Fransen auf den Rippen unbedeutend heller, sonst von
der Grundfarbe der Vdflgl. Alle 3 Makeln fehlen ganz.
Htflgl.. ebenso Kopf, Thorax und Hinterleib etwas heller
als die Vdflgl. Die Schulterdecken schwach rostbräun-
lich; Palpen seitlich schwärzlich, wollig behaart, das
Endglied darin steckend, und die wollige Stirn nicht
überragend. Saugrüssel gut entwickelt, wenn auch nicht
sehr kräftige. Augen gross, schwarz, behaart. Fühler
dieht gewimpert. Tarsen braunschwarz geringelt. Die
Unterseite beider Flügel gleichmässig weiss - gelblich,
152 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
spärlich fein rostbräunlich gesprenkelt, besonders am
Vorderrande. Mittelpunkte fehlen. Eine schwache, äussere,
auf den Rippen etwas stärker markierte Querlinie vor
dem Saume ist auf beiden Flügeln vorhanden.
. Spannweite 47 mm.
Nur ein (ganz reines) 5 aus dem Karagai-tau erhalten.
Ich reihe die Art neben sabulorum Alph. (Katalog Nr.
1459) ein.
Die von Staudinger (Stettiner ent. Zeitung 1889 pag.
43) aufgestellte Gattung Hadula wurde im Katalog 1901
fallen gelassen. Hampson, Katalog Vol. V. 1905 pag. 243,
hat sie wieder beibehalten und vereinigt darin folgende
palaearktische Arten aus Katalog Staudinger-Rebel:
Nr. 1442 Mamestra longicornis Graeser
„..1448 R praeeipua Stgr.
1459 = sabulorum Alph.
„. 1461 R (Hadula) insolita Stgr.
„1488 & ineommoda Stgr.
„ 1521 Haderonia khorgossi Alph.
a a9 Rs tancrei Graeser.
ER optima Alph.
nina) Phoebophilus turpis Stgr.
wozu noch die später beschriebenen
Hadula impia Pgl. Soc. Ent. 1905 (XIX) Nr. 20
5 nefasta Pgl. Iris XIX pag. 219, Taf. VII Nr. 15
kommen.
Raphia aethiops n. sp. Taf. VI Fig. 16.
Vafigl. kohlschwarz, im Mittelfelde schwach weiss
gesprenkelt.e. Die innere Querlinie ist am Innenrande
nicht sichtbar, sie fängt erst bei Rippe la an, einen
scharfen, tiefschwarzen (nicht gezackten) Bogen nach dem
Vorderrande zu bildend; die äussere, ebenfalls tiefschwarze,
dem Saume nach weisslich angelegte Querlinie verläuft
schwach gezackt wie bei R. hybris Hb. Ring- und
Nierenmakel fein schwarz umrandet, weisslich gekernt.
Die weissliche Wellenlinie ist recht deutlich und zackig.
Die schwarze Saumlinie auf den Rippen beim 5 stärker
unterbrochen als beim 9. Die Fransen sind beim 9
regelmässiger schwarz als beim &, bei dem sie stellen-
weise der Länge nach weisslich gemischt sind. Kopf,
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 153
Thorax und Hinterleib schwarz. Die Tarsen schwarz-
weiss geringelt. Die Htflgl. reinweiss, mit sehr wenig
schwarzer Besprenkelung. am Innenwinkel etwas dunkler
und mit schwachem, schwarzen, weiss aufgeblitzten Anal-
flecke, die Rippen sind am Saume schwach schwärzlich.
Die Fransen schwarz, stellenweise mit ein wenig weisser
Mischung. Die Unterseite der Vdflgl. des & besonders
am Vorderrande und vor dem Saume am reinsten weiss.
Kurz hinter der Mitte tritt ein kleiner, scharfer, schwarzer
Haken als Anfang der sehr schwachen Querlinie auf;
zwischen diesem Haken und dem schmalen helleren
Saum befindet sich am Vorderrand ein stark verdunkelter,
schwarzer Schatten. Ein schwacher Mittelpunkt ist am
Vdflgl.. und ein mehr mondförmiger ist am Htflgl. sicht-
bar. Die Htflgl. sind heller als die Vdflgl., am Vorder-
rande stärker schwarz gesprenkelt. Die Fransen an beiden
Flügeln stärker weisslich gescheckt als auf der Oberseite.
Beim 9 ist die Unterseite der Vdflgl. viel schwärzer als
beim 3, und nur am Innenrande etwas bläulich - weiss.
Auch die Htflgl. sind schwärzer, und nur hinter der deut-
lich hervortretenden Querlinie stark heller (bläulich-weiss).
Die Mittelpunkte sind kräftiger als beim %.
Spannweite 5 29, © 54 mm.
Nur ein Paar erhalten aus Algier. Das Männchen
wurde im ‚Januar bei Larmorieiere, das Weibchen am
14. Mai bei Magenta erbeutet.
Dasypolia fraterna n.sp. Taf. VI Fig. 17.
Vaflgl. gleichmässig dunkelgrau-bräunlich mit spär-
licher, weisslicher Besprenkelung. Die halbe Wurzellinie
tritt sehr schwach hervor. Die innere, etwas hellere
Querlinie bildet zwei sehr tief ausgebuchtete Bogen; die
äussere weissliche, auf den Rippen dem Saume nach
zackige Querlinie bildet in Zelle 1a eine etwas stärkere,
scharfe Spitze. Beide Querlinien sind auf den zugekehrten
Seiten kaum oder äusserst wenig dunkler angelegt.
Ring- und Nierenmakel weiss mit schwachem, dunklen
Kern. Das Saumfeld ist schwach heller grau, die Wellen-
linie sehr schwach und undeutlich. Am Vorderrande
stehen drei weisse Fleckehen. Die Saumlinie mit tief
schwarzen, auf den Rippen mit weisslichen Pünktchen
unterbrochenen Strichen, die sich mitunter mondartig er-
Er NN RE ER TE VOR REE
154 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
weitern. Fransen heller, bräunlich. Kopf und Thorax
grau, Stirn schwärzlich, Schulterblätter schwach bräunlich.
Palpen stark wollig behaart, seitlich‘ schwärzlich; das
Endglied behaart, die Stirn etwas überragend. Hinterleib
mit schwachen Schuppenhöckern grau, etwas flach, seit-
lich und am After bräunlich behaart. Die Htfigl. ein-
farbig, blass grau - bräunlich, mit kleinem, deutlichen
Mittelpunkte, nicht unterbrochener, dunklerer (bräunlicher)
Saumlinie und etwas helleren Fransen.
Die Unterseite der Vdflgl. hellgrau, am Vorderrande
bis zu der deutlichen äusseren Querlinie dunkler und
stärker bräunlich gesprenkelt. Der Mittelpunkt ist mond-
förmig und kräftig. Die Rippen 2—7 sind auf einer
kurzen Strecke (etwa unter der äusseren Querlinie der
Oberseite) etwas stärker bräunlich verdunkelt; die Saum-
linie wie auf der Oberseite, doch weniger kräftig schwarz.
Die Htflgl. sind auch am Vorderrande am stärksten
bräunlich gesprenkelt. Mittelpunkt weniger kräftig als
auf der Vdflgl.-Unterseite. Die Querlinie vor dem Saume
bildet zwischen Rippe 2—4 einen grossen Bogen. Die
Saumlinie stellenweise mit schwachen, kleinen, schwar-
zen Strichen.
Spannweite 42 mm.
Nur 1 © (ganz rein) aus dem Karagai-tau.
Tapinostola? distineta n. sp. Taf. VI Fig. 17b.
Vaflgl. dunkel fahlgelblich, stellenweise in olivgrün-
lich übergehend. Der Vorderrand bis zwei Drittel der
Flügellänge mit etwas hellerer, sehr schwach ins rötliche
gehender Färbung. An der Basis steht ein kleiner,
schwarzer Punkt und strichartige Verlängerung unter
der Rippe 4, ausserdem breitet sich hier ein dunkler,
olivgrünlicher Längsschatten aus. Auf Rippe 4 geht ein
kräftiger, weisser, langer, spitz zulaufender Strich von
der Basis bis kurz vor den Flügelsaum. Dieser weisse
Strich ist auch auf der Vorderseite (in der Mitte des
Flügels) schwach dunkeloliv gesäumt. Unter der Flügel-
spitze befindet sich ein weisser, ca. 3 mm langer Wisch
mit vorgeschobener Spitze, ebenfalls nicht den Saum be-
rührend. Die Rippen sind etwas dunkler. Querlinien
und Makeln fehlen ganz. Die Saumlinie schwarz, sehr
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 155
schwach, nicht unterbrochen. Die Fransen an der Wurzel
weiss, aussen dunkler, schwach rötlich gefärbt. Die
Htflgl. schmutzig weisslich, an der Basis und dem Innen-
winkel dunkler gesprenkelt. Ein schmutzig grauer Strich-
schatten läuft in der Mitte des Flügels nach dem Saume
zu. Fransen weiss.
Kopf, Schulterdecken und Thorax weiss - gelblich.
Palpen wollig‘ behaart, dunkelgelblich. Das Endglied
nackt and spitz, gerade hervorstehend, die Stirn über-
ragend. Hinterleib diek und kräftig, den Innenwinkel
weit überragend. Die weiblichen Fühler mit kurzen
Sägezähnen. Die Beine gelblich, aussen oliv, die Hinter-
schienen mit einem Paar Sporen. Die Tarsen nicht
geringelt.
Die Unterseite der Vdflgl. grau-gelblich, sehr schwach
bräunlich gesprenkelt. Rippe la ist an der Basis bis
Mitte des Flügels schwarz; auch ein schwarzer Wisch
geht von der Qnerader der Mittelzelle aus; die Rippen
in dem äusseren Flügeldrittel sind schwärzlich bestäubt.
Die Htflgl. an der Basis ohne Besprenkelung, etwas heller,
am Saume mit schwacher Besprenkelung. Die Fransen
beider Flügel wie die der Oberseite.
Spannweite 32 mm.
Ich erhielt nur 1 @ (ganz rein) aus Nikolsk, Ussuri
(Amur).
Einstweilen stelle ich diese interessante Art neben
Tap. musculosa Hb. bis das 5 bekannt wird. Hampson,
Vol. IX pag. 353, hat für T. musculosa und myodea Rbr.
das Genus Oria Hb. aufgestellt. Aber die distincta scheint
mir ebensowenig in diese Gattung wie in eine der palae-
arktischen Gruppen Nonagria—Leucania zu passen; wahr-
scheinlich wird sie wohl später eine neue Gattung bilden
müssen.
Caradrina tenera n. sp. Taf. VI Fig. 18.
Vdflgl. gelblich grau, schwach schwärzlich gesprenkelt
(etwa von der Farbe wie helle ©. congesta Led.). Die
deutliche halbe Wurzellinie wird am Vorderrande mit
einem scharfen, schwarzen Fleckchen angefangen; die
innere schwärzliche Querlinie (ebenfalls am Vorderrande
scharf schwarz fleckig) verläuft zackig bis Rippe 4, bildet
156 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1912
hier einen grossen, spitzen Bogen bis Rippe 1a und von
da bis zum Innenrande einen ebensolchen zweiten Bogen;
die äussere stark geschwungene, zackige Querlinie verläuft
wie bei C. menetriesii Kretschmar, auch mit einem
scharfen, schwarzen Anfangspunkte. Ringmakel klein,
dunkel, Nierenmakel heller, die Umrandung unregelmässig,
aber mit 4—5 weissen Kernchen. Die Wellenlinie aussen
schwach weisslich angelegt, innen sehr wenig, fast fehlend
gelb-bräunlich. Die sehr schwach hellere Saumlinie mit
schwachen, schwarzen Möndehen. Die Fransen von der
Flügelfarbe. Die Htflgl. rein weiss, ebenso wie die Fransen.
Die Saumlinie gelblich grau. Die Palpen und Fühler wie
bei der C. albina Ev.
Die Unterseite der Vdflgl. gelblich grau, am Vorder-
rande reiner weiss, die Rippen heben sich meist dunkler
gelblich ab, ebenso der Nierenmakel. Der äussere Quer-
streifen ist deutlich sichtbar, am Vorderrande am dunkelsten
und am kräftigsten. Die Htflgl. weiss, am Vorderrande
etwas gelblich, ein Mittelpunkt und ein Anfang zu einer
äusseren Querlinie tritt nur sehr schwach hervor.
Am ähnlichsten in der Zeichnung ist diese Art wohl
der C. menetriesii, die sich aber leicht durch die tief-
dunkel-aschgraue Färbung unterscheidet; auch sind die
Vdflgl. der tenera langgestreckt und am Saume weit
schmäler.
Eine kleine Anzahl Stücke beider Geschlechter aus
Yarkend (Mus-tag-ata) erhalten.
Spannweite 31—34 mm.
Pseudopseustis tellieri Lucas.
Einige Stücke dieser Art versandten wir unter dem
Namen Orthosia batnana B.-H.i. |. bis ich fand, dass sie
zu der von Lucas als Taeniocampa tellieri aus Tunis be-
schriebenen Art gut passte. Hampson stellte die neue
Gattung Pseudopseustis auf (Katalog Vol. IX pag. 510)
und vereinigt damit als zweite palaearktische Art Or-
thosia jordana Stgr. (Katalog 1901 Nr. 2121.)
Wir erhielten die tellieri aus Batna (Algier).
Taeniocampa incerta forma picata B.-H.
Eine Anzahl Stücke aus dem Karagai-tau weichen
von der var. pallidior Stgr. ab, sodass sie nicht damit
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 157
vereinigt werden können; sie sind etwas spitzflügliger,
sind nicht glelblich-grau, sondern ziemlich einfarbig blass-
bräunlich, sehr wenig bunt gesprenkelt und besonders
sind die Htflgl. viel heller (etwa wie bei v. pallidior), als
bei europäischen Stücken.
Xanthia gilvago Esp. v. algirica n. var.
Aus Batna (Algier) erhielten wir eine grössere An-
zahl Stücke, die ziemlich von den europäischen Formen
abweichen; sie zeichnen sich aus durch mehr roströtliche
Färbung, durch stark hellrötlichen Nierenmakel, sowie
durch graue Htflgl., die dieht am Saume eine deutliche,
schwach dunklere Binde tragen.
Xanthia lineago Gn. forma rubra B.-H.
Gleichzeitig mit der vorigen Art trafen auch von
lineago eine grössere Anzahl (von Batna) ein, die so
ziemlich in der Färbung mit den mitteleuropäischen über-
einstimmen, aber fast die Hälfte der erhaltenen Stücke
zeigen eine sehr ausgeprägte, gleichmässig rote Färbung,
die stark kontrastiert mit der staubig-rötlich-grauen der
Europäer. Die rubra hat auch ähnliche Htflgl. wie die
vorher beschriebene v. algirica.
Lithocampa millieri v. centralasiae Stgr. und v.
aksuensis n. var.
Die v. centralasiae Stgr. wurde nach einem weiblichen
Stücke (aus Osch) beschrieben. Jetzt erhielten wir aus
Ispajran in 3400 m Höhe (Nord-Alai) eine Anzahl Stücke
beider Geschlechter, auch 1 9 aus Wernyi, die (auch in
der dunkel-aschgrauen Färbung) vollständig mit Stgrs.
Original-Stück übereinstimmen.
Die von Püngeler (Iris 1903 Taf. 6 Fig. 4a) aus Aksu
abgebildete v. ? centralasiae stimmt zwar in der Zeichnung
vollständig mit dieser überein, aber die Färbung (blass-
gelblich-grau) ist eine so abweichende, dass ich vorschlage,
dafür den Namen v. aksuensis zu benutzen, da eine
Anzahl Stücke ganz gleichmässig gefärbt sind.
Hypomecia lithoxylea n. sp. Taf. VI Fig. 19.
Vdflgl. grau - weisslich oder ockergelb, stellenweise
mit schwachem rostbräunlichen kleinen Schatten. Die
Rippen, besonders Ta und 4, so wie die meisten Rippen
158 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
19)
im Saumfelde schwarz, zum Teil auch mit weisslicher
Einfassung. Ein kurzer Wurzelstrich ist scharf schwarz.
In Zelle 1a steht in der Flügelmitte ein kleiner, schwarzer
Punkt oder Fleck. Aehnliche längliche Flecke stehen
im Saumfelde in den Zellen 2—5 und verlängern sich in
eine bräunliche Schattenlinie bis zum Saume. Ein dunkler
Wisch fängt an der Basis der Zelle 2 an und verläuft
schräg bis Rippe 6 oder 7, kurz vor dem Saume auf-
hörend. Der Nierenmakel ist nur durch einen schwachen,
gelblichen Schatten angedeutet oder fehlt ganz. Bei dem
abgebildeten (am meisten ockergelben) Stücke ist der
Ringmakel länglich flachgedrückt, fein schwarz umzogen,
bei den 2 weiteren (grau - weisslichen) Stücken ganz
fehlend; ebenso ist der Zapfenmakel bei allen 3 Stücken
ganz verschwunden. Die Saumlinie zwischen den Rippen
mit schwachen, bräunlichen Punkten, die sich den dunkel
gescheckten Fransen anschliessen.
Die Htflgl. rein weiss, die Rippen am Saume schwärz-
lich angelegt; die Saumlinie sehr schwach dunkler mar-
kiert. Die Fransen bei dem ockergelben Stücke innen
auch schwach gelblich, aussen weiss; bei den beiden
anderen weissgrauen Stücken sind sie reinweiss. Kopf
und Thorax von der Flügelfarbe; der Halskragen ist
schwach schwarz umrandet, der Mittelthorax mit zwei
scharfen, schwarzen Linien, dazwischen grau gefärbt; die
Ränder der Schulterdeeken ebenfalls scharf schwarz. Die
Palpen gerade vorstehend, wenig behaart; das Endglied
stumpf, die Stirn nicht überragend. Die Fühler mit
starken Sägezähnen, kräftiger als bei H. quadrivirgula
Mab. Der Hinterleib weissgelb.
Die Unterseite aller Flügel zeichnungslos weiss, am
Vorderrande schwach gelblicher. Die Rippen am Saume
meist schwach dunkler angelegt.
3 5% aus Batna (Algier).
Spannweite 32--35 mm.
Cucullia vieina n. sp. Taf. VI Fig. 20.
In der Nachbarschaft von C. mixta Frr., aber mit
viel breiteren Flügeln, mit kräftigeren Zeichnungen und
von dunklerer Farbe.
Die Vaflgl. dunkel aschgrau (am hellsten im Saum-
felde), stellenweise mit starkem rotbräunlichen Anflug,
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 159
besonders zwischen dem Saume und den scharf hervor-
tretenden rotbräunlichen Ring- und Nierenmakeln, die
fein weisslich umzogen und öfters mit schwarzen Punkten
unterbrochen sind. Diese Makeln treten bei mixta meis-
tens ganz undeutlich hervor. Der Wisch an der Flügel-
basis ist bei vieina weniger hervortretend; die schwar-
zen Saummöndcehen sind dagegen viel kräftiger als bei
mixta.
Die Htflgl. viel dunkler und der Mittelpunkt kräftiger
entwickelt. Die Unterseite aller Flügel dunkler als bei
mixta.
In Coll. Staudinger befindet sich ein am 6. Juli ge-
fangenes reines 9 aus dem Alai, das er mit Fragezeichen
zu mixta zog. Später erhielt ich 2 &5 aus den: Karagai-
tau- und Juldus-Gebiete; diese passen sehr gut mit die-
sem Q zusammen und ich zweifle nicht, dass eine neue —
wenn auch der mixta sehr ähnliche — Art vorliegt.
Spannweite 5 42, 2 45 mm.
Die C. mixta aus Ural und Sarepta erreichen meist
nur 38, sehr selten 40 mm Grösse.
Cucullia tosca n. sp. Taf. VI Fig. 21.
Vdilgl. hell aschgrau, stellenweise dunkler grau. Ein
feiner, langer, tiefschwarzer Wurzelstrich, auf hellerem,
fast, weissen Grund, geht in Zelle 1b bis zur Mitte der
Flügel bis an eine hellere weisse Punktstelle; davor noch
ein schwaches, schwarzes, schräges Strichelchen dicht
am Saume. Die Rippen sind im Saumfelde fein schwärz-
lich angelegt; in den Zellen 2, 3, 5 und 6 treten weisse
Längsstriche im Saumfelde recht deutlich hervor und
berühren den Saum. In Zelle 4 dagegen befindet sich
ein kleiner schwarzer Strich, der jedoch den Saum nicht
berührt. An der Querader wird ein etwas hellerer, kleiner,
rundlicher, weisslicher Fleck sichtbar. Am Vorderrande
hinter der Spitze stehen 3 weisse kleine Pünktchen. Dis
Fransen mit deutlicher Teilungslinie sind grau und weiss-
lich gemischt. Die schwarze Farbe der Rippen ist bis
zur Teilungslinie fein schwarz fortgesetzt.
Die Htflgl. hellgrau, am Saume schwach dunkler.
Kopf, Thorax und Hinterleib hellgrau; die Zeichnung
am Halskragen wie bei der sonst in Zeichnungsanlage
160 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
sehr ähnlichen C. inderiensis H. S.; aber während diese
Art viel dunkler ist in beiden Geschlechtern (etwa wie
die Farbe dunkler C. umbratica L. Weiber), ist die
tosca in der Färbung nicht viel dunkler als C. tanaceti
Schiff. Die vorliegenden, anscheinend gezogenen, ganz
reinen und etwas kleineren Stücke von C. inderiensis
(erbeutet von Christoph bei Guberli, Süd-Ural,) haben
eine stark hervortretende rostbraune Mischung (beson-
ders im Saumfelde), diese fehlt ganz bei tosca.
Wir erhielten eine kleine Anzahl aus dem Karagai-
tau,; ein sehr helles Stück aus Issyk-Kul (1895 von Rück-
beil gesammelt) in Coll. Staudinger möchte ich zu tosca
ziehen.
Spannweite 42—43 mm.
Anarta melanopa 'I'hnbg.
So viel ich weiss, ist diese Art aus dem asiatischen
Gebiete bis jetzt nicht bekannt, weshalb ich hier erwähne,
dass ich aus Sajan zwei 99 erhielt, die nicht von den
europäischen abweichen.
Isochlora yarkenda n. sp.
Diese der I. albivitta Alph. nahestehende Art unter-
scheidet sich leicht von dieser durch das vollständige
Fehlen des weissen Wurzelstriches; sonst sind die Vdflgl.
von derselben Flügelform wie bei dieser, vielleicht etwas
weniger gerundet aımn Hinterwinkel; die grüne Farbe ist
dunkler gesättigt als bei albivitta (etwa wie die der
I. maxima Stgr.). Ein grösserer Nierenmakel und dahinter
ein ganz kleiner Punkt ist rein weiss. Der Vorderrand
ist weisslich. Die Hıflgl. sind etwas reiner weiss und an
der Basis weniger dunkel als bei albivitta; der Mittel-
punkt ist wie bei dieser ebenso schwach hervortretend.
Der Fühlerbau auch mit albivitta übereinstimmend.
In kleiner Zahl aus Yarkend (Mus-tag-ata) erhalten,
jedoch nur &d.
Spannweite 40 mm.
Armada dentata Stgr. v. nilotica n. var.
Staudinger beschrieb die dentata nach einer Reihe
von Stücken aus Askabad, die eine gelblich - bräunliche
Färbung haben. Aus Kairo erhielt ich 2 55, die ganz
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren. V. 161
rein blendend weisse Grundfarbe beider Flügel haben,
aber sonst in Zeichnung und Grösse nicht abweichen;
ich benenne diese ägyptische Form v. nilotica.
Sinocharis korbae n. gen. et n. sp. Püngeler.
Diese Art beschrieb Püngeler in dem 3. Jahrgange
der Mitteilungen der Münchner entomologischen Gesell-
schaft 1912 pag. 6 nach einem Stück aus Ussuri (Amur-
gebiet).
Ein zweites Stück befindet sich schon lange in Coll.
Staudinger. Es stammt aus Korea und ist von Herz am
7. Juli gesammelt worden, wird aber nicht erwähnt in
Herz’s Lepidoptera von Korea (Extrait de l’Annuaire du
Mus&e Zoologique de l’Acad@mie Imp£riale des Sciences
de St. Petersbourg IX 1904). Dieses Stück, ebenfalls ein
9, ist beträchtlich grösser als das beschriebene Stück,
da es eine Spannweite von 42 mm hat (also 9 mm mehr),
sonst stimmt alles mit der Beschreibuug überein.
Die neue Gattung soll nach Hampsons Mitteilungen
in der Nähe der Gattung Eulocastra Butl. aus der
Erastrianae-Familie (Katalog Vol. X) zu stellen sein. Auf-
fallend ist die Grösse dieses Tieres unter dieser sonst
nur ganz kleine Arten erhaltende Familie.
Haemerosia vassilininei n. sp. Taf. VI Fig. 22.
Vdflgl. hell bräunlich-rot. Das Mittelfeld tiefbraun, es
tritt sehr deutlich hervor, ist beiderseits scharf weiss mit
mondförmigen Bogenlinien eingefasst. Die äussere Quer-
linie ist vor der Querader am schwächsten weiss; der
Nierenmakel (hinter dieser Stelle) ist durch 2 runde,
scharf weisse Punkte ersetzt; selten berühren diese Punkte
sich durch sehr schwache, spitze Verlängerungen. An der
inneren Querlinie befindet sich in der Mittelzelle ein scharf
gesonderter, weisser, runder Punkt. Allein durch diesen
Punkt ist die Art leicht von der viel blässeren (gelblich
fleischfarbigen) H. renalis Hb. zu unterscheiden; unter
etwa 20 renalis aus Digne und Kleinasien, die ich augen-
blicklich vor mir habe, ist keine Spur dieser scharfen
Punkte vorhanden, ausserdem ist die innere Querlinie
bei renalis viel schwächer, oft sogar undeutlich, und der
Nierenmakel bei allen diesen Stücken nur ein regelmässig
gebildeter, nie eingeengter oder gar in 2 Punkten geteilter.
Die weisse Farbe der Punkte und Querlinien ist bei vassi-
“LE
162 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
lininei blendend weiss, fast mit schwachem Silberhauch.
Am Vorderrande sind die Querlinien schwach fleckenartig
erweitert und weniger rein weiss. Die Htfigl. hellbräun-
lieh-rot. Die Fühler sind etwas länger kammzähnig als
bei renalis.
Wir erhielten die neue Art in kleiner Zahl aus Aresch
im Kaukasus, wo sie im August von Herrn Vassilinine,
dem zu Ehren ich mir diese reizende, kleine Art zu be-
nennen erlaube, erbeutet wurde.
Spannweite 22—25 mm.
Euelidia mi Cl. v. extrema n. var.
Die wohlbekannte europäische Variation v. litterata
Cyr. tritt im Amur- Gebiete (Wladiwostock, Sutschan,
Suifun, Ussuri) in einer so extremen Form auf, dass nicht
nur die Htigl. sondern auch die Vdflgl. stark überwiegend
weisse Färbung aufweisen; die schwarze und weisse Farbe
ist ziemlich gleichmässig vertreten, so dass das Tier einen
ganz anderen Eindruck macht, als die düsteren Europäer.
Besonders auf den Htflgl. ist die weisse Querbinde in der
Mitte des Flügels oft recht breit.
Toxocampa decolor n. sp. Taf. VI Fig. 23.
Vdfigl. blass lehmgelblich ins graue spielend, am
Vorderrande regelmässig schwärzlich gesprenkelt. Der
Nierenmakel ist nur äusserst schwach angedeutet. Die..
Saumlinie mit unbedeutenden, oder, wie bei dem vor-
liegenden Weibe, fast verschwindend wenig dunkleren
Möndehen. Die Fransen mit hellerer Teilungslinie. Die
Vdflgl. sind am Aussenrande schmäler, als bei der T.
limosa Tr. Die grauen Palpen kürzer, den Kopf weniger
überragend als bei der eben genannten Art. Kopf, Thorax
und Schulterdecken gelblich-grau, weisslich gesprenkelt.
der Halskragen nur wenig dunkler als die Flügelfarbe
(ebenfalls weisslich gesprenkelt) und lange nicht so ab-
stechend, wie der tiefbraun - schwarze Halskragen der
limosa. Hitflgl. grau- gelblich, am Saume etwas dunkler
bestäubt. Die Unterseite der Vdflgl. lichtgrau, am Vorder-
rande heller weisslich. Die Htflgl. an der Basis wesent-
lich heller und am Saume nur wenig dunkler.
Aus Yarkend (Mus-tag-ata) nur 13 und 1 erhalten.
Spannweite 34 mm.
Martin. Ein neuer Papilio aus Celebes. 163
i
Ein neuer Papilio aus Celebes.
Von Dr. Martin, Palu (Celebes).
Seit 1907 haben die Holländer die grosse Insel
Celebes völlig unter ihre direkte Herrschaft gebracht,
mit den treulosen Lehensfürsten ist gründlich aufgeräumt
worden, grosse Gebiete, welche früher auf der Landkarte
als weisse Felder erschienen, sind nun genau bekanut
und vermessen und wo früher der Europäer überhaupt
nicht hingelangen konnte, ohne den grossen, teueren
Apparat einer militärischen Expedition, da kann heute
ein einzelner Weisser, wenn er will, nur mit dem Spazier-
stoeke tagelang wandern und die gebirgige Insel von
West nach Ost durchqueren. Um diesen günstigen Zu-
stand aber zu erhalten, sind noch militärische Vorsichts-
massregeln nötig, welche in zahlreichen nimmer ruhenden
Patrouillen bestehen; nach allen Richtungen durchziehen
sie das Bergland und bringen den Eingeborenen unblutig
nur durch Vorführung der Karabiner und kurzen Säbel
den richtigen Begriff der für sie unüberwindlichen, euro-
päischen Macht bei. Als stellvertretender Militärarzt bin
ich in der Lage, die den Patrouillen beigegebenen
Sanitätssoldaten durch kleine Geldgeschenke zum Sammeln
von Schmetterlingen anzueifern. Meist ist der Erfolg
vieler Worte ein geringer und enttäuschender, aber ab
und zu kommt doch eine edle Beute zur Ablieferung.
So hat mir die letzte Patrouille, welche aus meinem
Garnisonsplatze Palu in die westlichen Berge abgesandt
wurde, einen wirklich neuen Papilio gebracht aus einer
Gruppe, deren Auffindung so weit östlich auf Gelebes
die wenigen Kenner der indo-malaiischen Fauna sicher
überraschen wird. Es handelt sich um den Üelebes-
Vertreter der Coongruppe, deren Zentrum in Sumatra
und auf der malaiischen Halbinsel liegt, während die
Andamanen und Java die bisher bekannten Grenzen der
Verbreitung nach Westen und Osten darstellten. Meine
Neuheit ist beim Kampong (Dorf) Lewara in einer un-
gefähren Höhe von 2000 m am Ostabhange der östlichen
Bergkette gefangen, welche mit zwei weiteren westlichen,
von Süden nach Norden die Halbinsel durchzieht, welche
164 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
die Paloebai von der Makassarstrasse trennt. Es ist ein
Weibehen, eines jener weiblichen Individuen, welche in
abgetragener Kleidung zur Erhaltung des Geschlechts
die lange Trockenzeit überdauern, deshalb leider abge-
flogen und teilweise zerrissen, aber doch noch so gut
erhalten, dass seine Zugehörigkeit zur Coongruppe als
ausser Zweifel stehend erkannt werden kann.
Eine kurze Beschreibung dürfte am besten meine
Diagnose erhärten:
Kopf und Thorax schwarz, die Brustseiten rot, die
fünf hintersten Abdominalsegmente leuchtend orange-
gelb. Vdfigl. dem 9 Geschlechte entsprechend abgerundet,
jedoch an der Costa stark geschwungen, Grundfarbe
schwarz, wird vom Rande aus nach innen lichter, grau
und leicht transparent, alle Adern und deren Aeste dick
schwarz bestäubt, in der Zelle drei dunkle Linien, eben-
solehe vom Flügelrande zwischen den Aderästen nach
innen laufend, ohne jedoch den Stamm der Mediana zu
erreichen, nur der Streifen zwischen den beiden Radialen
erreicht den Zellverschluss, wo er sich in Verbindung
setzt mit der vordersten der drei Zell-Linien. Vdigl.-
Unterseite ebenso, nur weniger beschuppt, etwas glänzend.
Htflgl. stumpf und dickstielig geschwänzt, Abdominalrand
leicht ausgeschnitten; Grundfarbe schwarz mit einer
medianen Binde von sieben weissen Keilfiecken, der
unterste zwischen Submediana und erstem Medianaste
klein mit breiter Basis und rundlicher Spitze, die folgen-
den drei zwischen den Medianästen und der Radiale
gross, nach innen spitz, gegen den Flüselrand hin breit
und ziemlich gerade abgeschnitten, der fünfte rund und
klein, der sechste fast viereckig und klein und der
siebente zwischen erstem Subcostalast und Costalis nur
eben angedeutet. Auf der Flügeloberseite sind nur die
ersten unteren vier Flecken zu sehen, während die kleinen
drei anderen unterseits deutlich, oben nur durchschimmern.
Fühler und Beine schwarz. Länge der Vorderflügel
6,5 Zentimeter.
Das Tier ist am 26. Mai 1912 gefangen und ich
nenne es nach meinem derzeitigen Garnisonsplatze „Palu“,
also Papilio palu. Wenn wir bedenken, dass bereits auf
der Insel Bali der havanische coon nicht mehr vorkommt
und dass weder aus Borneo noch von den Philippinen
Martin. Ein neuer Papilio aus Celebes. 165
bis heute ein Repräsentant der Gruppe bekannt geworden
ist, so entbehrt diese Auffindung auf Celebes nicht des
Interesses. Der rote Thorax, der gelbe Hinterleib, der
transparente Vdflgl. stellen den Falter unbedingt in die
Coongruppe, von welcher er durch den nicht spatel-
förmigen Schwanz und die schwarze Zelle des Htfigl. ab-
weicht. Da aber alle Falter aus Celebes durch Form,
Farbe und Zeichnung sehr von den Gattungsgenossen im
Archipel verschieden sind und deshalb meist als gute
Spezies aufgefasst werden, so sind das keine zu grossen
Abweichungen. Immerhin aber lässt sich palu nicht als
Subspezies zu coon stellen. Jordan schrieb 1908 im
grossen Seitz ziemlich abschliessend „Drei malaiische
Arten“ von der Coongruppe, das ist durch meinen Fund
schon wieder nicht mehr stichhaltig. Die Auffindung
einer neuen Papiliospezies ist ja kein welterschütterndes
Freignis und der Kreis der sich hierfür interessierenden
Menschen ein sehr kleiner und kurz geschlossener,
dennoch ist die armselige Papierdüte mit den getrockneten
Chitinresten des neuen Falters im Stande, mich mit den
vielen und grossen Beschwerden meines derzeitigen
Aufenthaltes fern von jeder Zivilisation reichlich aus-
zusöhnen.
Palu, 16. Juni 1912.
Dr. LY Martin;
Anmerkung der Redaktion:
Wie uns der Verfasser mitteilt, hofft er nächstes
Jahr wieder in Europa zu sein und wird dann nach-
träglich eine Abbildung des neubeschriebenen, hoch-
interessanten Papilio veröffentlichen.
166 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Zwei neue Syntomiden von Nord-Argentinien.
Von ©. Schrottky, Posadas (Argentinien).
Horama fulvitarsis n. sp.
& schwarzbraun, gelb und weiss gefleckt. Kopf mit
Ausnahme des dunkelbraun behaarten Scheitels fast ganz
orangegelb behaart, ebenso die Palpen, diese an der
Wurzel dunkelbraun behaart. Fühler dunkelbraun, nach
der Spitze zu heller, auf der Dorsalfläche mit dunkel-
blauem Anfluge, vorzüglich nahe der Basis. Pronotum
dunkelbraun mit drei weissen Flecken. Patagia lang be-
haart, dunkelbraun, veilchenblau angeflogen, mit orange-
farbenem, hakenförmigen Längsstriche. Mesonotum wie
die Patagia gefärbt mit zwei Paar orangegelben Flecken.
Tegulae weiss gefleckt. Vdflgl. einfarbig dunkelbraun,
auf der Unterseite an der Basis und längs der Kostal-
ader orangegelb. Htflgl. orangegelb, nach der Spitze zu
braun; Fransen aller Flügel braun. Brust jederseits mit
drei weissen Flecken. Koxen aller Beine orangegelb.
Beine braun, aussen, wenigstens die Tibien, orangegelb.
Tibien der Hinterbeine beiderseits gefiedert, Basalhälfte
orangegelb, Apikalhälfie braun. Hintertarsen aussen lang
gefiedert, orangegelb, nur nahe den Klauen bräunlich.
Abdomen braun, erstes Segment mit weissem Doppelfleck
und orangegelbem Apikalrande; Marginal- und Ventral-
flecke auf den vordersten Segmenten weiss, auf den
übrigen orangegelb, Anus orangegelb.
Körperlänge Il mm, Flügelspannung 30 mm.
Missiones: Bompland 5. Sept. 1909 P. Joergensen leg.
Macrocneme nigricornis n. sp.
Bei M. eupripennis. 5% schwarz mit grünlichem
Anfluge, weiss gefleckt. Fühler und Tarsen der Hinterbeine
ganz schwarz. Vorderkoxen vorn dunkelblau. Die Ver-
teilung der weissen Flecke ist folgende: Auf dem Pro-
thorax drei, je einer auf den Tegulae, zwei auf dem
ersten Abdominaltergit, auf der Brust jederseits drei und
auf den beiden ersten Abdominalsegmenten je ein
Marginalfleck. Flügel oberseits schwach metallisch grün
angelaufen, unterseits einfarbig dunkelbraun.
Körperlänge 121), mm, Flügelspannung 33 mm.
Missiones: Bompland 27. September und 10. Oktober
1909. P. Joergensen leg. Posadas 5. Mai 1910.
Neustetter. Neue Cymothoö-Arten. 167
Neue oder wenig bekannte Cymothoe-Arten.
Von Heinrich Neustetter, Wien.
(Mit 6 Textfiguren)
Wie aus dem Werke von Seitz „Großschmetterlinge
der Erde, Fauna afriecana“ bei der Gattung Cymotho&
Hb. zu ersehen ist, sind manche Arten erst wenig und
oft nur in einem Geschlecht bekannt. Da mir nun in
meiner Sammlung einige solcher Arten in dem bisher
noch unbekannten Geschlechte und auch einige ganz
neue Formen vorliegen, so ergreife ich die Gelegenheit,
sie hier zu beschreiben.
Vorher möchte ich noch Herrn Prof. Dr. Rebel,
welcher mir in liebenswürdiger Weise die Benützung der
Bibliothek und der Sammlung des k. k. Naturhistorischen
Hofmuseums gestattete, sowie Herrn Prof. Dr. Chr.
Aurivillius, welcher die Güte hatte, einige der
zweifelhaften Arten bezüglich ihrer Bestimmung zu revi-
dieren, meinen verbindlichsten Dank abstatten.
Cymotho& theobene ab. nebetheo Suff.
Diese Aberation kommt auch beim © vor. Ich be-
sitze ein solches von Kamerun, bei welchem die breite
dunkle Schattenbinde auch oberseits vorhanden ist. Als
weitere Fundorte wären also Kamerun und auch das
Kongo-Gebiet beizufügen. Von letzterer Lokalität besitzt
das Hofmuseum in Wien mehrere Exemplare, die von
Grauer gesammelt wurden.)
Cymotho@ lurida var. butleri Grünbg. 9 ab. rufo-
brunnea n. ab.
Es liegen mir 4 Stücke (2 &, 2 9) einer lurida-
Form vor, von denen die 35 gut zur Beschreibung von
butleri Grünbg. passen, die 99 aber sind davon so
verschieden, dass ich nicht zögere. dieselben zu benennen.
Sie sind etwas grösser als das bei Seitz auf Taf. 34d
abgebildete 9 von hesiodotus Stgr., die Zeichnung
*) Das überaus reiche Material dieser Ausbeute wird in Kürze
durch Prof. Rebel eine eingehende Bearbeitung erfahren.
168 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
ist ganz dieselbe. Der Unterschied liegt nur in der
Färbung, diese ist nämlich dunkel rotbraun und zwar
auf den Vdflgl. von der Wurzel bis über ein Drittel des
Vorderrandes und von hier in schräger Richtung parallel
mit der weissen Querbinde zum Innenrand. Saumwärts
derselben ist die Färbung graubraun. Die Htflgl. sind
von der Wurzel bis zur schwarzen Kappenbinde rotbraun
und von dieser bis zum Saum sowie am Vorderrand bis
zur Subkostale graubraun. Die Zeichnung der Unterseite
ist schwach durchscheinend, wie bei den übrigen 90 der
lurida-Formen. Unterseite violettgrau. Zeichnung nicht
so scharf wie bei lurida und hesiodotus, sondern
mehr verloschen
2 © vom Kassaifluss im Kongostaat in Koll. Gerres-
heim und Neustetter.
Durch die Freundlichkeit des Herrn Gerresheim
erhielt ich für meine Sammlung und zur Bestimmung
einige lurida-Formen, die Uebergänge zu hesiodus
Hew. bilden, woraus ich ersehe, dass letztere auch zu
lurida zu stellen sind. Die 55 sind am Innenrande der
Htfigl. bald mehr oder weniger schwarz verdunkelt. Die 29
in der Färbung bald hesiodotus Stgr., bald hesiodus
Hew. ähnlich gefärbt. Die Zeichnung der Unterseite ist
bei beiden Arten dieselbe. Die Stücke sind alle sehr
gross und die Htfigl. bald stärker oder schwächer gelappt.
Die Färbung der Unterseite ist dunkel eisengrau bis fast
schwarz. Diese Stücke wurden in Süd - Kamerun, Neu-
Dokodama, erbeutet, da sie aber sehr variieren und
kaum 2 von ihnen gleich sind, so sehe ich vorläufig von
einer Benennung derselben ab.
Cymothoö cyclades Ward 9. Fig. 1.
Zugleich mit vorerwähnten Stücken erhielt Herr
Gerresheim mehrere Exemplare von eycelades, wo-
runter sich auch einige der noch unbeschriebenen 99
befanden. Ich erhielt 3 Stücke davon, von denen eines
in Fig. 1 abgebildet ist.
Länge eines Vdfilgl. 46 mm. Expansion 82 mm. Die
Flügel sind von der Wurzel bis über die Mitte dunkel-
braun, leicht grau aufgehellt. In den Mittelzellen mit
der üblichen Makelzeichnung. Es folgt nun hinter der
Mitte eine etwa 3—4 mm breite schwarze Schattenbinde,
Neustetter. Neue Cymotho&-Arten. 169
wie beim %, aber verloschener. Sie beginnt in Zelle 2
der Vdflgl. und zieht nach abwärts durch die Htflgl. bis
in den Analwinkel. Einwärts dieser Binde stehen auf
den Vdflgl. 5 weisse dreieckige Flecke in Zelle 2—6.
Auf den Htfigl. 2 solche in Zelle 6 und 7, von denen der
Fig. 1
in Zelle 6 undeutlich ist. Die äussere Flügelhälfte ist
lichter gelbgrau mit schwarzer gezackter Kappenbinde.
Die gelbgraue Unterseite weist dieselbe Zeichnung wie
beim 5 auf.
Nach mehreren Exemplaren aus Neu -Dokodama,
Süd-Kamerun. Koll. Gerrhes und Neust.
Cyelades 9 ist dem @ von ochreata Smith
sehr ähnlich (siehe Seitz Gross - Schm. der Erde, Fauna
afric. pag. 147), wahrscheinlich ist ochreata auch eine
Form von eycelades.
Cymotho@ cyciades intermedia n. subsp.
Vom Kongo - Gebiete (Kassai) liegen mir 2 Stücke
(3, 2) einer eyelades-Form vor, die in der Mitte zwischen
n a u 4 PER, a ee TR TEN
170 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
ceyelades und ochreata steht und die ich infolge
dessen intermedia nenne. Das & hat die Grösse und
Färbung von eyelades und unterscheidet sich haupt-
sächlich durch das Fehlen der schwarzen Mittelbinde,
welche nur auf den Htflgl. kaum erkennbar auftritt. Die
Saumbinde der Vdfigl. fehlt, nur die Submarginalpunkte
sind vorhanden. Auf den Hiflgl. ist sie noch am Innen-
winkel und aufwärts bis zur Rippe 5 in schwacher .Be-
stäubung vorhanden. Die Innenrandfalte der Htflgl. ist
wie bei ceyclades dunkelbraun. Die Unterseite ist in
der Zeichnung von eycelades nicht verschieden, in der
Farbe lichter, mit ganz verloschener Mittellinie. Der
Anallappen der Hitflgl. viel schwächer ausgeprägt als
bei ochreata, aber doch stärker als bei eyclades,
bei welcher die Htfigl. abgerundet sind. Das 9 ist in
Farbe und Zeichnung wie eyclades, nur etwas kleiner
und lichter. Die 5 weissen Flecke der Vdflgl. und die
2 der Htflgl. sind doppelt so gross als wie bei eyclades,
die Unterseite lichter und mit dem 5 übereinstimmend.
Nach 2 Exemplaren (4, 9) vom Kassai (Kongo - Gebiet)
Koll. Neust.
Das © von intermedia ist in der Beschreibung
dem @ von ochreata Smith so ähnlich, dass ich es
unbedingt dafür gehalten hätte, wenn ich nicht das
sicher dazugehörige 5 hätte, so aber bestärkt es mich
nur in der Ansicht, dass ochreata eine Form von
eycelades ist. Man kann also diese Q9 nur dann sicher
unterscheiden, wenn man die 5% dazu besitzt.
Cymotho& hypata Hew. 9 ab. alexander Suff.
Das k. k. Hofmuseum in Wien besitzt ein genau mit
der Orignalbeschreibung von alexander Suff. über-
einstimmendes @ von Kamerun. Ein Vergleich mit dem
Q von hypata Hew. zeigte mir sofort, das alexander
nur eine Weibchenform von hypata ist, die sich durch
die weisse Subapikalbinde vom typischen hypata 9
unterscheidet. Grösse und Zeichnung bleibt dieselbe.
Diese Form wäre also aus der fumana-Gruppe zu streichen
und bei hypata einzufügen.
Chymotho& herminia Smith.
Das @ von herminia ist kaum mit althea Drury
III. Exot. Ins. 3, p. 25 T. 20 F. 1, 2 (1782) zu vergleichen
Neustetter. Neue Cymotho&-Arten. 171
oder es müsste die Abbildung letzterer sehr schlecht sein.
Ich kenne diese Art aus Süd-Kamerun und vom belgischen
Kongo-Gebiet; von letzterer Lokalität besitzt das Wiener
Hofmuseum eine grössere Anzahl beider Geschlechter.
Eine Abbildung des Weibcehens wird nächstens zugleich
mit dem noch unbekannten Weibehen von staudingeri
Aur., welches ebenfalls nieht mit indamora überein-
stimmt, von Herrn Prof. Dr. Rebel gebracht werden.
Cymotho@ johnstoni Btlr. 9.
Von dieser Art liegt mir ebenfalls das noch unbe-
kannte @ vor, das ich im folgenden beschreibe. Länge
eines Vdflgl. 383 mm. Expansion 78 mm. Kopf und
Fühler dunkelbraun. Palpen oben dunkel, unten licht
gelbbraun, Flügelform wie bei consanguis Aur. ©.
Auch in Farbe und Zeichnung dieser ähnlich. Flügel
oben von der Wurzel bis zur Mitte dunkelbraun. Die
Makelzeiehnung oben sichtbar, ihre Einfassung schwarz.
Es folgt hierauf eine wurzelwärts scharf abgeschnittene
weisse Querbinde, die ganz wie bei consanguis ge-
formt, auf den Vdflgl. von Zelle 2 bis zum Vorderrand
gegen die Wurzel bogenförmig ausgerandet ist. Von
Zelle 2 abwärts bis zum Innenrand der Htfigl. ist sie in
schräger Richtung scharf abgeschnitten, saumwärts durch
eine braune Pfeilfleekenbinde begrenzt. Die Pfeile sind
in den Zellen mit der Spitze gegen die Wurzel, auf den
Rippen mit der Spitze gegen den Saum gerichtet. Die
weisse Binde ist doppelt so breit als bei consanguis
(5 bis 8 mm), am Vorderrand durch einen braunen Fleck
gegabelt, von welchem eine feine braune Linie bis in die
Zelle 2 zieht, wo sie sich mit der Grundfarbe vereinigt.
Der saumwärts der Binde liegende Teil ist etwas heller
braun mit einer scharfen weissen und einer schwarzen
Kappenbinde. Die Unterseite entspricht der Oberseite,
nur ist sie heller und in der Zeichnung mit dem 5 genau
übereinstimmend.
Ich erwarb dieses © zugleich mit dem dazugehörigen
5 von der Firma Staudinger—Bang-Haas.
Fundort Uganda, Koll. Neust.
Cymotho& caprina Aur. 9.
Auch von dieser Art besitze ich das noch unbekannte
Q. Es hat eine Vdfilgl.-Länge von 31 mm. Expansion
72 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
_
58 mm. Flügelform wie beim &, Vdflgl. noch stärker
sichelförmig ausgeschnitten. Flügelfarbe braungrau, die
Makelzeichnung sehr deutlich. Vdfigl. in der Mitte mit
5 weissen länglich dreieckigen Flecken in Zelle 2 bis 6,
die nach oben kleiner werden. Saumwärts sind sie von
einer dieken braunen Linie begrenzt, welehe sich nach
abwärts auf die Htfigl. fortsetzt und hier den dunklen
Wurzelteil von der weissen Querbinde trennt. Der
äussere Flügelteil wird von 2 weissen und 2 schwarz-
braunen Kappenbinden eingenommen, die sich gegen den
Vorderrand verlieren. Die Htfigl. mit 5 mm breiter
weisser Mittelbinde, die sich gegen den Vorder- und
Innenrand zu verschmälert. Saumwärts je eine braune,
weisse und schwarze Kappenbinde. Unterseite hell gelb-
grau mit dieker brauner Querlinie durch die Mitte.
Zeichnung mit dem 3 übereinstimmend. Nach einem ©
vom Kassai (Kongo-Gebiet), Koll. Neust.
Diese Art ist im weiblichen Geschlecht der eris
Aur. sehr ähnlich, aber kleiner und besonders durch die
viel diekere braune Querlinie, die auch oberseits auftritt,
verschieden.
Cymothoö jodutta Westw. und 9 ab. eiceronis Ward.
Das k. k. Hofmuseum in Wien besitzt aus dem
Kongo-Gebiet (Ausbeute Grauer) eine Anzahl jodutta,
worunter sich auch 92 befinden, die genau mit der Ab-
bildung von Ward (Afr. Lep. p. 14 T. 11 Fig. 6, 7, 1874)
übereinstimmen, wodurch sich die Vermutung von Auri-
villius, das cieceronis nur eine Weibchenform von
jodutta ist, bestätigt. Auch in Kamerun (Bipindie)
wurde ciceronis zugleich mit jodutta gefangen.
Cymothoö haimodia Smith &.
Ein mir von Uganda vorliegendes & halte ich infolge
der mit dem 9 übereinstimmenden, sanz schwach ge-
zeichneten Unterseite und der orangeroten Oberseite für
das noch unbekannte 5 von haimodia. Es hat die
Grösse und Flügelform von coceinata Hew., ist aber
oben nicht zinnober, sondern orangerot mit einem Stich
ins goldrote. Die Vdflgl. sind zeiechnungslos mit Aus-
nahme von 8 kleinen schwarzen Submarginalpunkten und
einer feinen braunen Saumlinie, welche nur am Apex in
Zelle 8-9 ein wenig verdickt ist. Hitfigl. ebenfalls
Neustetter. Neue Cymothoö-Arten. 173
zeichnungslos mit 7 etwas grösseren schwarzen Sub-
marginalpunkten, welche durch eine feine saumwärts
gezackte Linie verbunden sind. Die Spitzen dieser Linie
sind bis zum Saum verlängert. Dieser selbst, wie auf den
Vdilgl. fein braun. Unterseite trüb rötlich - braun mit
grauer Beimischung. Makelzeichnung schwach, fein braun
gerandet. Im Saumfeld eine innere verloschene und
eine äussere deutliche dunkle Pfeilfleckenbinde. An der
Wurzel und in Zelle 7 der Htfigl. je ein Fleck weisslich
aufgehellt, der auf der Oberseite fehlt. Eine Mittellinie
ist nicht vorhanden; dadurch und durch die hellere rote
Färbung der Oberseite leicht von allen anderen roten %&
zu unterscheiden. Ich zweifle nicht, dass ich das & von
haimodia Smith vor mir habe; nur der Fundort
Uganda ist auffallend. Doch da ich das Tier von einem
Händler erworben habe, so könnte vielleicht eine Ver-
wechselung des Fundortes vorgekommen sein.
1 5 (aus ? Uganda) Koll. Neust.
Cymothoö aramis Hew.
Als aramis beschreibt der Autor in seinem Werke
Exot. Butt. Euryphene pag. 45 (1865) zum ersten Male
unter diesem Namen ein Cymotho@ 9 und gibt auf T. 4
F. 16, 17 die Abbildung dazu. Dieses © hat einen ocker-
gelben (nicht aber zinnoberroten) Innenrandsfleck der
Vdflgl. und ist als typisches aramis 9 zu betrachten.
Später beschrieb Capronier (An. Belg. 33 Bull. p.
144, 1899) dieselbe Art als fulvomacula. Aurivillius
zieht richtiger Weise beide zusammen (Rhop. Aethiopica
p. 216), scheint aber doch nur die rote Form des 9 ge-
kannt zu haben. Auch bei Seitz wird nur diese erwähnt
uud fälschlich als aramis Hew. auf T. 36 c, abgebildet.
Da mir nun aber sowohl gelbe, als auch rote 92 mit den
dazugehörigen 535 vorliegen, so bin ich zu der Ueber-
zeugung gelangt, dass wir es mit zwei verschiedenen
Formen zu tun haben. Zu diesen mit gelbem Fleck ge-
zierten typischen aramis Hew. 9 gehört ohne Zweifel
das von Hewitson im selben Werk (1574) als anitorgis
beschriebene, auf T. 6 F. 26 als ecoccinata Hew. ab-
gebildete . Der genaue Vergleich beider Geschlechter
schliesst jeden Zweifel an ihrer Zusammengehörigkeit aus.
Das später von Hewitson (1874) p. 42 nochmals als
aramis beschriebene auf T.6 F. 27 abgebildete weisse
174 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Q ist eine dimorphe Form, auf die ich noch zurück-
kommen werde.
Aramis Hew. ist eine ziemlich seltene Art, die be-
sonders im weiblichen Geschlechte noch wenig nach
Europa gekommen ist. Ich kenne bis jetzt nur 39, wo-
von sich je eines in der Koll. Gerresheim, Wernicke und
in meiner Sammlung befindet. Die 5% sind zahlreicher
und in vielen Sammlungen vertreten.
Kamerun, Kongo-Gebiet.
Cymothoö aramis excelsa n. subsp.
Ich komme nun zur zweiten Form, von der besonders
die 99 jenen von aramis nahe stehen und vielfach mit
ihnen verwechselt wurden, so auch bei Seitz Fauna
africana p. 153 T. 36c, wo ein typisches exelsa 9 als
aramis Hew. beschrieben und abgebildet ist. Das 9
steht zwischen aramis und coccinata Hew. es hat
die Grösse von ersterer, doch sind die Flügel nicht so
in die Länge gezogen, sondern mehr abgerundet, sie sind
oben blutrot wie bei sangaris God., mit 7 bis 8 Sub-
marginalpunkten und deutlicher schwarzer Saumlinie,
welche im Apex verdickt ist und den 8. Punkt einschliesst.
Htflgl. ebenfalls mit 7 Submarginalpunkten, welche durch
eine feine schwarze Linie verbunden sind, die sich im
Analwinkel etwas verdickt. In der Mitte der Zelle 7 steht
ein grosser runder reinweisser Spiegelfleck, durch den
sich exelsa sofort von allen andern roten 3% unter-
scheidet, denn aramis Hew. 5 hat einen grösseren
gelben, coceinata Hew. einen kleinen meist ver-
waschenen gelben Spiegelfleck, bei haimodia Sm,
sangaris God. und ogowa Plötz fehlt er ganz. Die
Unterseite variiert in der Farbe, sie ist gelbgrau bis trüb
gelbbraun mit schwachem violetten Anflug, deutlicher
Makelzeichnung und scharf begrenzter rotbrauner Mittel-
linie. Die das Wurzelfeld begrenzende Linie ist genau
wie bei aramis verlaufend und bleibt von der Mittel-
linie entfernt. Bei coccinata ist sie stärker gezackt,
so dass die Zacken bis an die Mittellinie stossen. Der
Spiegelfleck ist auch unterseits rein weiss und grösser
als bei coccinata. Das 9 steht der aramis nahe,
unterscheidet sich aber sofort durch den roten, statt
gelben Innenrandfleck von dieser. Derselbe ist bei
Neustetter. Neue Cymothoö-Arten. 175
aramis durch die dunkle Mittellinie der Vdfigl. wurzel-
wärts scharf abgeschnitten und reicht nicht bis zum
Saum. Bei excelsa setzt sich die rote Farbe in
schwacher Bestäubung bis zur Wurzel und nach aussen
bis zum Saum fort; auch die Makeln sind rot bestäubt.
Zeichnung der Unterseite wie bei aramis. Färbung
ebenfalls dieser ähnlich, etwas dunkler, mehr rötlich als
gelb. Zu erwähnen wäre noch, dass die weisse Binde
der Htfigl.-Oberseite bei aramis 9 breiter und gelblich,
beiexcelsa 9 schmäler und rötlich bestäubt ist.
Nach mehreren Exemplaren in verschiedenen Koll.
und in Koll. Neustetter.
Kamerun und Kongo - Gebiet.
Diese Form steckt wohl in vielen Sammlungen, das
Q als aramis, das & unter coccinata, auch das bei
Seitz auf T. 36c als coccinata abgebildete & dürfte
zu excelsa gehören, doch ist die rote Färbung lichter
als bei allen mir vorliegenden Exemplaren.
Cymotho@ aramis Hew. @ ab. albofasciata n. ab.
Diese weissgebänderte Form des @ wurde, wie be-
reits erwähnt, von Hewitson (Exot. Butt. T. 6 F. 27, 1874)
abermals als aramis beschrieben und abgebildet. Da
dieser Name aber schon (1865) für die gelbe Form ver-
geben wurde, so mag die weisse albofasciata heissen.
Nach einem mit der oben zitierten Abbildung überein-
stimmenden Exemplar aus Kamerun (Bipindie) Koll.
Neustetter.
Cymotho& coceinata Hew. und ab. similis n. ab. F.29
Ehe ich die neue Form beschreibe, möchte ich erst
die Stammform kurz besprechen. Die typische cocci-
nata Hew. (Exot. Butt. Harma T. 6 F. 24, 25 & (1874)
abgebildet), ist etwas kleiner als dieö& von aramis
und excelsa; oben hell zinnoberrot. Ein Spiegelfleck
ist auf der Abbildung wegen der Spannung oben nicht
sichtbar, unten aber vorhanden. Bei den mir vorliegen-
den 85 ist er auch oberseits vorhanden, aber klein und
gelb. Die Unterseite ist gelbbraun mit starker violetter
und weisslicher Mischung. Die braune Mittellinie ist
etwas verwaschen und reicht bis zu den Zacken der das
Wurzelfeld begrenzenden Linie. Die Makelzeichnung ist
Wert, y En I in, % Ne ji
Ra
. _ er vw; Fk ui =
r SF RpEN FUN ING u F RR
176 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
fast dieselbe wie bei aramis und excelsa, ihre Ein-
fassung aber schwarz und dicker als bei den vorigen
Formen. Das © wurde zuerst von Hewitson als sangaris
(Hew. Exot. Butt. Aterica und Harma F. 14 (1866)) abge-
bildet. Es ist durch die rote Wurzelfärbung auf Vdfigl.
und Htfigl. leicht kenntlich und auch bei Seitz Fauna
africana. auf T. 56b gut abgebildet. Die Unterseite ist
verwaschen gelbgrau, am Saum heller mit zwei undeut-
lichen Pfeilfleckenbinden. Die Makeln sind gelblich,
schwarz eingefasst. Die das Wurzelfeld umfassende
Fig. 2 und 3.
Linie sehr undeutlich, graubraun. Die Mittellinie rot-
braun, ebenfalls undeutlich und auf den Htflgl. gegen die
Wurzel gebogen. Durch letzteres Merkmal sind die zu
Neustetter. Neue Cymothoö-Arten. 177
eoceinata und aramis gehörigen %Q leicht von jenen
der sangaris und ogowa zu unterscheiden. Bei
diesen letzteren ist nämlich die Mittellinie der Htilgl.
entweder gerade verlaufend (ogowa) oder etwas gegen
den Saum gebogen (sangaris).
Ich komme nun zur Beschreibung von ab. similis,
von der sich besonders die 92 auffallend von der Stamm-
art unterscheiden, indem die rote Wurzelfärbung der
Oberseite vollständig fehlt und dafür eine mehr oder
weniger breite weisse Mittelbinde auftritt. Ich sandte
ein solches 2 an Herrn Prof. Dr. Aurivillius, welcher mir
dasselbe als aralus Mab. bestimmte. Da ich aber be-
reits ein 2 besitze, das genau mit der Original-
Beschreibung und Abbildung von aralus Mab. (An. E.
Fr. [6] 10, p. 22 T. 2 F. 9, 1890) übereinstimmt, das aber
von dem %, welches Aurivillius als aralus bestimmte,
sehr verschieden ist, so bin ich sicher, dass ich zwei 9
vor mir habe, die ganz verschiedenen Arten angehören.
Das eine % gehört nämlich zu coceinata, und ich
nenne diese Form, zu der mir auch 35 vorliegen, simi-
lis (wegen ihrer Aehnlichkeit mit aralus), letzteres
aber gehört sicher einer der sangaris nahestehenden
Form an. Mit Unrecht zieht daher Aurivillius in seinem
Werk Rhop. Aethiopieca p. 216, aramis Hew., Exot.
Butt. Harma T. 6 F. 27 (1574) und aralus Mab. An.
E. Fr. (6) 10, p. 22 T. 2 F. 9 (1890) zusammen. Eine ge-
naue Betrachtung beider Abbildungen zeigt, dass es zwei
verschiedene Tiere sind. Die erstere ist eben meine
jetzige aramis ab. albofasciata, die zweite aber
eine der sangaris nahestehende Weibchenform, die den
Namen aralus Mab. beibehalten muss. Die 55 von
similis nun unterscheiden sich von coceceinata durch
helleres Rot der Oberseite, das dem 5 von haimodia
Smith ähnlich ist. Die Submarginalpunkte sind auf den
Vafigl. verloschen, auf den Htflgl. vorhanden, aber kleiner
als bei coceinata. Der Spiegelfleck der Htflgl.-Ober-
seite ist nur durch eine kleine lichtgelbe Stelle ange-
deutet. Die Unterseite entspricht in der Zeichnung bei
5 und @ genau der, Stammart, nur ist sie etwas ver-
waschen in der Farbe, beim % matt gelbgrau ohne die
violette Beimischung typischer coceinata, beim 9 hell
weisslich, nur an der Wurzel mit rötlichbrauner Mischung.
Die Mittellinie ist rotbraun und deutlich ausgeprägt.
*12
178 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Durch letzteres Merkmal unterscheidet sich similis &
leicht von haimodia, bei dem die Mittellinie fehlt.
Das © ist oben von der Wurzel bis vor die Mitte braun-
grau, zwischen den Makeln licht aufgehellt, diese schwarz-
braun eingefasst. Durch die Mitte der Flügel zieht eine
in der Breite etwas wechselnde reinweisse Binde, welche
sich bis zur schwarzen Kappenbinde ausdehnt. Sie wird
durch eine stärker oder schwächer ausgebildete braune
Pfeilfieckenbinde durchscehnitten, und am Vorderrand der
Vdälgl. durch die Radialen, sowie durch einen braunen
Vorderrandsfleck geteilt. Der Saum ist wieder braun,
teilweise licht aufgehellt. Die Kappenbinde besteht aus
kräftigen langen Keilen. Flügelform wie bei coccinata,
in der Grösse besonders beim @ diese noch übertreffend.
Nach mehreren Exemplaren aus Kamerun und dem
Kongo-Gebiet. Wiener Hofmuseum und Koll. Neust.
Ich halte es für wahrscheinlich, dass sowohl aramis
mit excelsa, als coccinata mit similis alles nur
Formen einer Art sind, zu denen vielleicht auch noch
haimoda gehört.
Cymothoö aralus Mab. An. Ent. Fr. (6) 10, p. 22 T.2
Fig. 9 (1890). Fie. 3 9 (p. 176).
Wie bereits erwähnt, ist aralus eine der sangaris
nahestehende Art oder vielleicht nur eine weibliche
Form von dieser. Die Oberseite ist bei meinem Stück
von der Wurzel bis zur Mitte licht braungrau mit deut-
licher Makelzeichnung, die von der das Wurzelfeld be-
grenzenden dunklen Linie umsäumt wird. Es folgt hier-
auf die breite weisse Mittelbinde, welche eine feine braune
Pfeilfleckenbinde einschliesst und von der schwarzen,
aus kurzen dreieckigen Kappen bestehenden Binde be-
grenzt wird. Der nach aussen folgende Teil ist von der
Grundfarbe ausgefüllt und stellenweise licht aufgehellt.
Unterseite von der Wurzel bis vor die Mitte weissgelb
und von da bis zum Saum weiss. Zeichnung und Mittel-
linie wie bei sangaris. Die Mittellinie auf den Htfigl.
gelb und fast gerade so wie bei ogowa verlaufend.
Flügelform wie bei sangaris, der Saum etwas mehr ganz-
randig. Durch den ganz anderen Verlauf der Mittellinie
und die der sangaris ähnliche Flügelform leicht von dem
Oder coccinata ab. similis zu unterscheiden.
Nach 1 % vom Kongo-Gebiet, Koll. Neust.
Neustetter. Neue Cymotho&-Arten. 179
Cymothoö sangaris © ab. gerresheimi n. ab. Fig. 4 9
Durch die Freundlichkeit der Herren Gerresheim und
Ribbe erhielt ich mehrere <9 von sangaris, bei denen
die rote Färbung der Flügel vollständig fehlt und durch
schmutzige weisse bis braune Färbung ersetzt wird. Die
Flügel sind von der Wurzel bis zur deutlich dunklen
Mittellinie weisslichgrau bis gelbbraun. Von da bis zum
Saum hellbraungrau mit abwechselnd schmalen weissen,
einer braunen und einer schwarzen Kappenbinde Von
Fig. 4 und 6.
der Mitte der Vdfigl. bis zum Vorderrand eine aus 5
weissen Flecken bestehende Binde. Die Flecken werden
nach oben zu grösser und sind doppelt so gross, als bei
180 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
typischen sangaris 9%. Zeichnung der Unterseite von
normalen @ nicht versehieden, nur entsprechend heller
gefärbt. In der Grösse übertreffen die weissen Weibehen
die roten. Ich benenne diese Form zu Ehren meines
lieben Tauschfreundes Gerresheim.
' Nach mehreren 92 im Wiener Hofmuseum und in
den Koll. Gerresheim und Neustetter.
Fundorte: Kamerun (Bipindie) und Kongo - Gebiet.
Diese Form ist auf den Vdfigl. sehr der vorerwähnten
aralus Mab. ähnlich, aber durch das vollständige Fehlen
der breiten weissen Binde der Htflgl. leicht von dieser
zu unterscheiden.
Cymotho& ogowa Plötz 9.
Zugleich mit dem 9 von ogowa erhielt ich auch
ein sicher dazugehöriges 5. Es, steht dem & von san-
garis sehr nahe und kann infolgedessen leicht damit
verwechselt werden. Es hat auf der Oberseite dieselbe
rote Farbe und unterscheidet sich nur durch den Flügel-
schnitt. Die Vdfigl. sind nämlich am Aussenrand nicht
eingebuchtet, sondern nach einwärts schräg abgeschnitten.
In der Farbe blutrot ohne Zeichnung, nur mit feiner
schwarzbrauner Saumlinie, genau wie bei sangaris,
Htfigl. ebenfalls am Saum schräg nach innen - abgestuzt.
(nicht so bauchig wie bei sangaris) am Analwinkel
abgerundet. Farbe wie auf den Vdfigl., aber mit 7 Sub-
marginalpunkten, die am Innenwinkel am grössten sind
und gegen den Vorderrand zu kleiner werden. Die Unter-
seite ist stärker von sangaris verschieden, indem die
das Wurzelfeld begrenzende Linie viel dicker und nicht
schwarz, sondern braun ist. Die Zacken dieser Linie
bleiben von der Mittellinie entfernt, bei sangaris stossen
sie damit zusammen. Die Mittellinie selbst ist etwas
undeutlicher, nicht rotbraun wie bei sangaris, sondern
safrangelb, auf den Htfigl. gerade und gleich breit bleibend,
gegen den Saum undeutlich begrenzt. Bei sangaris
ist sie überall scharf und deutlich begrenzt und wird auf
den Htflgl. gegen den Analwinkel zu feiner. Die Grund-
farbe der Unterseite ist- licht rotgrau, zwischen den
Makeln stark gelb), am Saum violettgrau aufgehellt.
Auffallend ist je ein grosser gelber Fleck am Vorderrand
der Vdfigl. und ein kleiner auf den Htfigl. Der erstere
Neustetter. Neue Cymothoö-Arten, 181:
befindet sich genau an der gleichen Stelle, an der beim
@ der grosse weisse Fleck liegt. Besonders dieses Merk-
mal sowie der Flügelschnitt sind gute Kennzeichen,
durch die man sangaris und ogowa 5& unter-
scheiden kann.
Nach einem 59 aus Kamerun, Koll. Neust.
Cymothoö ogowa % ab. major n. ab. Fig. 5
Durch Herrn Ribbe erhielt ich ein auffallend grosses
Y von ogowa, das ich infolgedessen ab. major nenne.
Es hat eine Vdflgl.-Länge von 40 mm. Expansion 72 mm
und ist das grösste Q der sangaris-Gruppe, das ich bis
jetzt gesehen habe. Mein typisches ogowa % hat eine
Vdflgl.- Länge von 32 mm. Expansion 6() mm. In der
Fig. 5
Zeichnung sind beide 99 gleich. Die Farbe ist bei ab.
major @ dunkler braun. Die Htflgl. von der Kappen-
binde bis zum Saum rotgelb. Diese Färbung ist auch
am Saum der Vdfigl. angedeutet. Der grosse lichte Fleck
am Vorderrand der Vdflgl. ist lichtgelb, bei der Stamm-
A . A
Ka a Tal a Ah U on nr 9 ”
nn * er ad =
x 2 u
”
x
182 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
art reinweiss. Die Unterseite ist stark zimmtbraun ge-
sprenkelt, am Saum rotgelb. Zeichnung genau wie bei
ogowa. Infolge der Grösse und der rotbraunen Färbung
am Saum macht dieses Tier einen ganz andern Eindruck
als ogowa, doch bestätigte Herr Prof. Dr. Aurivillius
meine Ansicht, dass es nur ein grosses ogowaQ Sei.
Nach 1 9 aus Kamerun, Koll. Neust.
Cymothoö rebeli n. sp. 9. Fig. 6. (p. 179)
Durch die Firma Staudinger—Bang-Haas erwarb ich
vor einiger Zeit ein Cymotho& 9, das ich für eine
neue Art halte. Herr Prof. Aurivillius erklärte sie eben-
falls als eine ihm unbekannte Art. Ich benenne sie Herrn
Prof. Dr. Rebel zu Ehren und stelle sie in die Nähe
von ogowa, mit welcher sie in der Zeichnung der
Unterseite am besten übereinstimmt.
Länge eines Vdfigl. 35 mm, Expansion 61 mm.
Kopf und Fühler oben dunkelbraun, unten graubraun.
Palpen oben braun, unten gelbgrau. Körper oben dunkel-
braun, unten graugelb. Flügel oben von der Wurzel bis
zur Mitte dunkelbraun. Das Wurzelfeld durch die übliche
schwarze Linie begrenzt, aber nicht deutlich sichtbar.
Die Makeln schwarz eingefasst. Es folgt hierauf eine
3 bis 5 mm breite reinweisse Binde, welche durch die
Mitte der Flügel zieht. Dieselbe beginnt am Vorderrand
der Vdflgl. und endet, einen schwachen Bogen nach aussen
bildend, am Innenrand der Htflgl. Sie ist auf den Vdiigl.
wurzelwärts bogenförmig ausgerandet und wird durch
eine dicke braune Linie in der Mitte geteilt. Auf den
Htilgl. ist sie wurzelwärts scharf abgeschnitten und saum-
wärts sowohl auf den Vdflgl. wie auf den Htfigl. durch
je eine braune, weisse und schwarze Kappenbinde be-
grenzt. Das Saumfeld wird von der Grundfarbe ausge-
füllt und ist zum Teil licht aufgehellt. Fransen braun
und weiss gescheckt. Unterseite von der Wurzel bis zur
weissen Mittelbinde rotgrau mit schwarz eingefassten
Makeln. Formation derselben genau wie bei ogowa.
Die das Wurzelfeld begrenzende Linie ist auf den Vadfigl.
braun, auf den Htflgl. rotbraun. Die sehr dicke Mittel-
linie ist ebenfalls auf den Vdflgl. braun, auf den Htifigl.
rotbraun. Am Saum sind die Flügel wieder rotgrau,
ebenso wie an der Wurzel und stark weiss beschuppt.
Neustetter. Neue Cymothoö-Arten. 183
Das % ist unbekannt, dürfte aber dem von ogowa
ähnlich sein.
Nach 1 9 aus Kamerun, Koll. Neust.
Infolge der durch mich gemachten Verschiebungen
in der Sangaris-Gruppe, sehe ich mich veranlasst
die Formen derselben in neuer systematischer Reihen-
folge anzuführen. Die mit * bezeichneten Formen sind
mir in natura unbekannt.
Systematische Uebersicht der Arten und Formen
der Cymotho& sangaris - Gruppe.
Cym. preussi Stgr.
St. Ent. Z. 50, p. 412 (1889); Smith u. Kirby, Rhop.
Exot. 12 Cymotho&, p. 3 T. 1 F. 6—8 (1890), Auriv. Rhop.
Aethiop. p. 215 (1598); Seitz Gross-Schm. d. Erde Fauna
africana p. 153 T. 35 ee.
Kamerun.
Cym. haimodia Smith.
An. N..H. (5) 19,p..62 (1887) ;,-Smith u. Kirby... cit.
p-1 TI E.3,4:(1890); Auriy. l.eit. p. 216 (1898); Seitz
b+clEp.153.
Kamerun, ? Uganda.
Cym. coccinata Hew.
Exot. Butt. Harma T. 6 F. 24, 25 (1874), sangaris Hew.
Exot. Butt. Aterica u. Harma F. 14 (1866), Staud. Exot.
Schmett. 1, p. 151 T. 53 (1885—86) ; Auriv. ]. eit. p. 216
(1898); Seitz 1. ‚eit. p. 153.T. 365 © (36 c, Q'ab.)
Alt-Calabar bis südl. Kongo-Gebiet.
Cym. coccinata ab. similis Neust.
Kamerun und Kongo-Gebiet.
Cym. aramis Hew.
Exot. Butt. Euryphene, T. 4 F. 16, 17 © (1865); fulvo-
macula Capron, An. E. Belg. 33 Bull. p. 144 (1889); ani-
torgis Hew. 5 Exot. Butt. Harma, T. 6 und Euryphene
T. 10 text (1874), coceinata Hew. & 1. eit. T.6 F. 26 (1874);
Auniv.l. ei p.. 216. 11898), Seitz. 1. eit.- p. 155 (T.:386.e,
aramis &).
184 Deutsche Eutom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Alt-Calabar bis südl. Kongo - Gebiet.
Cym. aramis ab. © albofasciata Neust.
Aramis Hew. Exot. Butt. Harma, T. 6 F. 27 (1874);
anitorgis @ Auriv. 1. eit. p. 216 (1898); anitorgis @ Auriv.
l. eit. p. 216 (1898); anitorgis 2 Seitz 1. eit. p. 153.
Kamerun.
*Cym. aramis ab. © leonis Aur.
Seitz l. eit. p. 153 T. 36 b (als anitorgis ab.)
Kamerun.
*Cym. aramis ab. © misa Strand.
Seitz l. eit. p. 153 (als anitorgis ab.)
Kamerun.
Cym, aramis excelsa Neust.
Aramis Q Seitz 1. eit. p. 153 T. 36c; coceinata & Seitz
rein ip. 153 7. 308.
Alt-Calabar bis südl. Kongo-Gebiet.
Cym. angulifascia Auriv.
Öfvers. Sv. Vet.-Akad. Förhandl. 54:5, p. 285 F.39
(1897); Auriv. Rhop. Aethiop. p. 216 (1898); Seitz 1. eit.
p. 153—54 T. 36 b.
Französisches und belgisches Kongo-Gebiet.
Cym. sangaris God.
Enc. Meth. 9. p. 384 (1823), Lucas. Lep. Exot. T. 69
F. 2 (1835); uselda Hew. Exot. Butt. Harma, T. 3 F. 13,
14 (1869); Auriv. Rhop. Aethiop. p. 216 (1898): Seitz 1.
eit. p. 153.
Kamerun.
*Cym. sangaris ab. reuteri Strand.
Seitz 1. eit. p. 153.
Kamerun.
Cym. sangaris ab. © gerresheimi Neust.
Kamerun und Kongo-Gebiet.
Cym. aralus Mah.
An. E. Fr. (6) 10, p. 22 T. 2 F. 9 (1890); anitorgis 2
Neustetter. Neue Cymotho&-Arten. 185
Auriv. Rhop. Aethiop. pag. 216 (1898); anitorgis © Seitz
F2e1b. np. 153.
Kongo-Gebiet.
Cym. ogowa Plötz.
St. Ent. Z. 41 p. 193 (1880); serpentina Kirby, An.
N. H. (6) 3, p. 248 (1889); Auriv. Rhop. Aethiop. p. 216
(1898); Seitz ]. eit. p. 154, T. 36 b.
Kamerun und Ogowe.
Cym. ogowa ab. © major Neust.
Kamerun.
Cym. rebeli Neust. 9.
Kamerun.
*Cym. hobarti Butl.
Proc. zZ. S. 22.916 (1899); Seitz ıl. eit. p- 194.
Uganda im Nandi-Land.
Über die Heinemann’sche Elachisten-Gruppe D.
Von W. Martini, Sömmerda.
Dieselbe ist folgendermassen charakterisiert:
„Vdfigl. weisslich mit 2 oder 3 unbestimmten gelb-
lichen oder bräunlichen Querbinden und einer dunklen
Staublinie in den Fransen.“
Bei dem Vergleich dieser Gruppe der gelben Arten
mit den Gruppen der grauen und schwarzen ergibt sich,
dass die Beschreibungen entgegengesetzt dargestellt sind:
Bei den letzteren ist grau und schwarz Grundfarbe und
die weissen Querstreifen und Gegenflecke Zeichnung, bei
den gelben aber umgekehrt. Infolgedessen ist die Form
der weissen Querstreifen und Gegenflecke nicht nälıer
beschrieben und für die Unterscheidung der Arten un-
genügend herangezogen. Pollinariella ist allerdings
in den gelben Querbändern nur sehr matt gefärbt und
bei collitella der vordere Querstreif am Innenrand oft
mit der hellen Wurzel vereinigt und die Gegenflecke
186 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
sind so verbreitert und zusammengeflossen, dass in diesen
Fällen die weisse Zeichnung als Grundfarbe angesehen
werden konnte. Bei den anderen Arten sind aber meistens
die hellen Stellen so scharf aus dem gelben Grunde als
Zeichnung hervorgehoben, dass keine Ursache vorhanden
ist, ihre Zeichnungsanlage anders aufzufassen als die der
grauen und schwarzen. Dr. Hofmann - Regensburg hat
ausdrücklich diese Anschauung für die richtige erklärt.
In der Beschreibung von disertella und subo-
cellea ist nur von ersterer gesagt, dass die Zwischen-
räume halb so breit wie die Binden sind. Aber über
die Form dieser Zwischenräume, der weissen Querstreifen,
fehlt jede Angabe. Und doch sind die hinteren Quer-
streifen so verschieden, dass sich beide Arten sofort
trennen.
Subocellea hat eine steilere, fast gerade, aus den
zusammengeflossenen Gegenflecken entstandene hintere
Querbinde. welche bei disertella durch die wage-
rechte Verbindung des Innenrandfleckes mit dem weiter
nach hinten gerückten Vorderrandflecke doppelt ge-
brochen — knieförmig — erscheint. Dr. Wocke scheint
subocellea gar nicht gekannt zu haben, denn er be-
stimmte ein Sachsenburger Stück wie folgt: „Kleines 9,
mit auffallend starker schwarzer Saumlinie, aber gerade
deshalb sichere disertella.“ Da ich später Pfälzer
disertella von Eppelsheim mehrfach erhielt, so wollte
mir nun die Zugehörigkeit der Thüringer Stücke, be-
sonders nachdem ich die Raupe derselben an Brachy-
podium pinnatum entdeckt und Falter erzogen hatte,
nicht mehr einleuchten. Ich sandte deshalb die Tiere an
Herrn Stadtrat Meeß in Karlsruhe, dem Besitzer der
Eppelsheim’schen Sammlung. Dieser erklärte sich nach
genauem Vergleich für subocellea, was durch ein
beigefügtes badisches Stück von Grötzingen (Bezirk
Karlsruhe) bewiesen wurde. Diese Bestimmung hat nun
auch Herr Professor Dr. Rebel als richtig bestätigt.
Anserinella und lugdunensis sind ein zweites
Paar oft verwechselter Tiere. Bei ersterer Art ist in der
Beschreibung zwar erwähnt, dass ein weisslicher Quer-
fleck am Vorder- und Innenrande eingeschlossen sei, aber
über die Verbindung der Flecke ist auch hier nichts ge-
sagt. Auf meine Bemerkung zu bei Sachsenburg er-
FREE GAREN ®
ia X '
Martini. Heinemann’sche Elachisten-Gruppe D. 187
beuteten Stücken, dass sie zu der Beschreibung von
anserinella zu stimmen scheinen, entgegnete Dr.
Wocke: „Meine disertella haben alle grössere
schwarze Punkte. Am besten passen diese Stücke zur
Beschreibung von lugdunensis, die ich aber nicht in
natura kenne. Anserinella ist gelber und garnicht
schwarz punktiert. Also doch wohl disertella.“
Schwarz punktiert sind aber diese Sachsenburger Stücke
durchaus nicht. Da hatte ich wieder ein anderes Tier
für disertella! Später hielt sie Dr. Wocke doch für
lugdunensis, ebenso Major Hering, der 1891 in der
Stettiner entom. Zeitung berichtet, dass er lugdu-
nensis von Friedland i. M., Zürich, Karlsruhe und der
Pfalz und von Sömmerda (Sachsenburg) kenne. Stain-
ton hat die ihm dureh Major Hering übersandten Sachsen-
burger Tiere, die solchen von Durlach völlig gleichen,
fir eine neue Art angesehen, jedenfalls sie aber für ab-
weichend von lugdunensis erklärt. Allen diesen
Unsicherheiten bereitete endlich Medizinalrat Dr. Hofmann
ein Ende, indem er durch mikroskopische Untersuchung
der 5% feststellte, dass alle vermeintlichen lugdu-
nensis von anderer Herkunft als von Frey, nichts als
die sehr veränderliche anserinella sind. Auf meine
Mitteilung hierüber schrieb Major Hering: „Von lugdu-
nensis besitze ich nur ein von Frey herrührendes &.
Was ich 1891 p. 213 über diese Art geschrieben habe,
bezog sich, im Vertrauen auf die Autorität meines ver-
storbenen Freundes Reutti, auf das, was ich jetzt —
(von Hering unterstrichen) — durchweg für anseri-
nella ansehe und wovon ich nur gefangene Exem-
plare im Ganzen 18, in der Sammlung habe, und zwar
von Durlach, Grünstadt, Regensburg, Friedland i. M. und
aus der Stettiner Gegend“. Alle Angaben von deut-
schen Fundorten für lugdunensis sind deshalb sehr
anzuzweifeln.
Frey’s Beschreibung der lugdunensis L.E. 13. 291
bezeichnet die ‚Färbung als hellocker - braungrau oder
mehr rein grau und trüber. Zwischen der mittleren
bindenartigen braunen Zeichnung und der braunen Flügel-
spitze zeigt sich ein Rest der weisslichen Flügelfarbe in
(estalt einer schmalen verloschenen zackigen Querbinde.!)
Der ganze Flügel (ob auch die helleren Querstreifen ?)
ist mit sehr zarten, aber auch sehr reichlichen Schüppchen
Anmerkung !) siehe folgende Seite.
188 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
von schwarzbrauner Farbe übersät. Bei dem Vergleiche
der Art mit disertella sind diese „höchst kleinen in
Unzahl vorhandenen Stäubehen“ als schwarz bezeichnet.
Anserinella kann hiernach nicht schwer von
lugdunensis zu unterscheiden sein und zwar durch
den viel weiter nach hinten gerückten Vorderrandfleck,
der durch einen gegen den Saum konvexen Bogen, welcher
dem Saume sehr nahe steht, mit dem Innenrandfleck ver-
bunden ist, durch andere, besonders am Innenrande des
Wurzelfeldes weissliche Grundfarbe, die dann vor dem vor-
deren Querstreif in gelb übergeht. Die langen gelben, auch
mit bleicheren untermischten Schuppen sind, allmälig zu-
nehmend, sehr ungleich dieht mit rostbraunen Endpunkten
versehen, während reinweisse Schuppen die Zeichnung
bilden. Diese ist mehr oder weniger scharf von den
gelben Schuppen und den rostbraunen Endpunkten be-
grenzt und da der konvexe Verbindungsbogen oft ver-
schieden abgeflacht ist, so entsteht eine grosse Ver-
änderlichkeit der Zeichnung, die zur Verwechselung der Art
führte. Nur sehr wenige der gefangenen Falter sind
scharf und deutlich gezeichnet, meist sind sie bis zur
Unkenntlichkeit verflogen.
Von Herrn Landgerichtsdirektor Frank - Regensburg
besitze ich ein bei Etterzhausen von Brachypodium
pinnatum erzogenes Stück. Die seit Jahren jedes Früh-
jahr an dieser Grasart unternommene Suche brachte mir
zwar die Entdeckung der Raupe von subocellea,
aber die Raupe von anserinella blieb unauffindbar
was umso unerklärlicher ist, da die Falter gar nicht
selten fliegen.
Lugdunensis hat nach Frey zwei Generationen,
während anserinellain dem mir bekannt gew ordenen
Lokalfaunen nur als im Mai vorkommend verzeichnet ist.
Auch ich habe nie ein Stück einer zweiten Generation
an den sehr oft besuchten Flugstellen bei Sachsenburg
gesehen.
I) Nach Dr. Hofmann stehen die zusammengeflossenen Gegen-
flecke gerade übereinander und bilden die zweite Querbinde. Diese
hat in der Mitte — nur auf einem Flügel des Freyschen Original-
Exemplares deutlich — eine scharfe Spitze gegen den Saum, bleibt
aber von denselben viel weiter entfernt, als der NerDhINLDEBEEEE
zwischen beiden Gegenflecken der anserinella.
Kleine Mitteilungen. 189
+ H. J. Adams, I. P.
Am 1. März 1912 verstarb im Alter von 74 Jahren
unser langjähriges Mitglied Herbert Jordan Adams auf
„Roseneath“ in Enfield (England), der eine umfangreiche
Sammlung britischer und exotischer Lepidopteren besass.
Geboren 1838 in London, war er in seinen jüngeren
Jahren ein tätiger Förderer der Freiwilligen - Bewegung
und diente selbst als Leutnant bei den freiw. Schützen;
später nahm er im Öffentlichen Leben manchen Vertrauens-
posten und manches Ehrenamt ein, was für die Opfer-
willigkeit und Lauterkeit seines Charakters zeugt. Vor
allem fand er eine grosse Befriedigung in der Förderung
des Freimaurertums und gründete selbst einige Logen,
denen er ein freigebiger Gönner war. Wenngleich ihn
so die Sorge für das Öffentliche Wohl vielfach in An-
spruch nahm, so hatte er doch für Sport und nicht zum
wenigsten auch für naturwissenschaftliche Liebhabereien
Musse. Als Präsident des „Enfielder Crieket-Clubs“ ver-
machte er diesem einen grossen Spielplatz; als Blumen-
und ÖOrchideen-Züchter erhielt er mehrere Auszeich-
nungen der Königlichen Gartenbau - Gesellschaft und
seine in 28 Jahren zusammengebrachte Schmetter-
lingssammlung ist reich an europäischen und ausser-
europäischen Seltenheiten. Die Sammlung britischer
Schmetterlinge hat er der Entomolog. Gesellschaft in
Enfield, die der exotischen Schmetterlinge, die viele
Exemplare aus der Sammlung Honrath enthält, dem
British Museum vermacht, so dass auch in entomologischen
Kreisen dem Verstorbenen ein dankbares Andenken ge-
sichert bleibt. Unserem Vereine gehörte Adams 18 Jahre
als treues Mitglied an, so dass die Nachricht von
seinem Hinscheiden mit aufrichtiger Teilnahme aufge-
nommen wurde. H.
”
\ Sehriftführer: Ad. Winekler. Dresden-Pl., Kaitzerstr. 137,
aingen: Mittwochs v. 8s—11 Uhr im Zonfor Garten,
und VII, welche vergriffen sind. Anfragen bittet man
. an.den Bücherwart (BE. Möbius, Dresden-F., Schlacht-
hofring. 3,1). zu. richten. ©
betreffenden Ländern. Nachnahme zulässig ist):
| | Vorstand
dos: Entomologischen Vereins „Iris” zu Dresden.
- Vorsitzender: Prof. Dr.K.M.Heller, Dresden, Franklinstr.22.
EEE Dr. H, "Walther, Dresden-N., Böhmertstrasse 4.
Stellvertr.) Eduard Riedel, Dresden, Höhe Strasse‘40 Ill.
. Rechnungsführ.: G.Kretzsehmar, Dresden, Bismarckp!. 6.
. Biblioth.: Amtstierarzt Möbius, Dresden, Schlachthofring3.,
" Redakteur: Dr. P. Denso, Hellerau b. Dr., Auf d. Sande.
‚Stellvertreter: Dr. 32; UpRdeL, Dresden, Gewandhausstr. 5
; |
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Mitglieder erhalten auf Wunsch die frühere n
Hefte und Separata unserer Zeitsehrift zu halben Prei-
sen, mit Ausnahme von Band I Heft 1-3 und Band vu
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er Der jährliche Mitgliedsheitr ‘ag von-10 Mark ist
in den ersten 3 Monaten eines jeden Vereinsjahres zu
zahlen (an den Rechnungsführer G. Kretzschmar).
Den Herren Aiteliadern, welche ihren Beitrag zu zahlen ver-
gessen haben, , wird das zweite (Anfang Juli erscheinende)
Heft gegen Nachnahme des Beitrages zugesandt (soweit nach den
Laut Vereinsbeschluss erseheint die Zeitschrift vom
Jahre 1912 ab wieder in vier Vierteljahrsheften.
\
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte
können nur innerhalb der Frist eines Jahres, „vom Erschei-
nen der ‚betreffenden Hefte “an gerechnet, berücksichtigt
werden.
Die Großschmetterlinge der Erde
Bearbeitet von ersten Kennern_und Autoritäten, wie:
Aurivillius (Stockholm), Jordan (Tring), Bartel (Berlin), Pat.
(London), Janet (Paris), Standfuß (Zürich), Haensch (Berlin),
Warren (Tring), Mabille (Paris), Fruhstorfer (Genf), Strand
(Berlin), Weymer (Elberfeld), Eiffinger (Frankfurt), Röber (Dresden! |
und anderen.
Herausgegeben von Professor Dr. ‚Adalbert Seitz.
Komplell in ca. 460 Lielerungen oder in 16 Bänden, in 2 Haupleilen
1. Hauptteil Palaearktische Fauna. | 2. Hauptteil Exoten.
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Bd. I Tagfalter i. 43 Lief. od. geb.58M. | Bd. V— VII Knkrik, Fauna ca. 120Lf.
„ U Spinner u. Schwärmer |, 5. IX—XI Indo-austr. „ 145 Lf.
in ca. 25 Lief. od. geh. ca. 35M. „XIU—XVlIAfrikan. „ -85Lf.
„IH Noktueni.ca.25 Lf.od.gb.ca.35M. Die Einteilung der einzeln. Bände
„IV Geometriden „ 20 „ „ %.».80M. | entsprechend dem 1. ‚Hauptteil.
Hierzu erscheint koch ein Supplement-Band mit Allgemeinem Teil,
Morphologie, Biologie, Geographie.
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billigste Werk seiner Art. 2;
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Deutsche
Entomologische Zeitschrift
‚äris
herausgegeben
Entomologischen Verein Irıs zu Dresden.
Jahrgang 1912. Viertes Heft.
| Mit 2 Tafeln (VOL und VIII)
: ®
31. Dezember 1912.
e
Redakteur: Dr. Denso. # »
\
“r Nichtmitglieder des Vereins: €
Berlin.
R. Friedländer & Sohn.
Carl-Strasse 11.
i Schlenkrich. Iuh, Edwin Jeutzsch, Radeheul.
Inhalts-Uebersicht.
Seite
Dr. L. Martin, Ein seltener Ixias. -. » - . » 2.....191-19%
Zwei neue Euploeen aus Üelebes . . . 196 -200
»
Dr. Th. Sasse, Saturnia pyri Schiff. forma alticola . . 201-203
Eduard Schopfer, Epiblema nisella Cl. und Varietäten 204—207
W. Martini, Beiträge zur Kenntnis von Arten-der
Gattung ‚Elachista . et - A202, 245 seh 2208-218
Dr. Walther, Lichtfangergebnis i. J. 19312 . . . ...,.. 211-215
R. Seiler, Die Zucht von Se nigra Hw.
(aethiops O.). . a. 216219
E. Miller, Neue Rhopalocera aus Transkaukasien . . . 220—223
Dr. L. Martin, Zwei neue Delias aus ÜCelebes . . . . . 224-228
A.Bang-Haas, Neue oder wenig bekannte palaearktische .
Makrolepidopteren VI. ». . 2... .......... 229—230
Franz Philipps, Einige interessante Aberrationen und
Hermaphroditen meiner Sammlung . . . . 230—231
Dr. Ernst Hartert, Gegen die Zulassung von Ausnahmen
vom Prioritäts-Gesetz' .. .. .*. u un m. 1282 235
Bücherbesprechungen
Vereinsnachrichten
Verzeichnis neubesprochener Arten, Varietäten und
Aberrationen BAER SUR Fe.
Für die Form und den Inhalt der in diese
öffentlichten Aufsätze sind die Herren Autoren all
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Bezug haben, bitten wir, sich nur an den Redakteı
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Verzeichnis von Büchern e
allgemeiner Teil. 16
Auswahl von Büchern entoı
für Liebhaber, Anfäı
Martin. Ein seltener Ixias. 191
Ein seltener Ixias.
von Dr. L. Martin. Paloe (Celebes).
(Mit einer Abbildung.)
Das Genus Ixias Hbn. ist eine echt indo-malaiische
Gattung, welche vom Westrande Ceylons und der Bom-
bayküste über den ganzen Süden Asiens verbreitet ist,
nach Norden bis Formosa geht und östlich auf Celebes
und den Ausläufern der kleinen Sundainseln ihre Be-
grenzung findet. Aus der Subregion der Molukken und
aus dem Papuagebiet ist bisher kein Ixias bekannt ge-
worden, sogar auf den östlichen Satellitinseln von Cele-
bes scheint das Genus nicht mehr vorzukommen. Die
vielen beschriebenen Arten lassen sich leicht auf zwei
Grundtypen zurückführen, die kontinentale Form mit
grossem, orangefarbenen Schmuckfleck im Apex des
Vorderflügels und die insulare Form mit kleinerem
Schmuckfleck gleicher Farbe mehr in der Mitte des Flü-
gels über Zelle und Zellschluss. Rs scheint überall nur
eine Form vorzukommen mit Ausnahme der beiden gros-
sen Sundainseln Sumatra und Java, wo offenbar die
westlich-kontinentale und östlich-insulare Form auf ein-
ander gestossen sind und sich nebeneinander zwei Arten
finden. So darf auf Sumatra Ixias lüdekingi Vollenh.
als Vertreter des kontinentalen Typus und flavipennis
Gr. Sm. als der des insularen angesehen werden.
Letztere Art hat allerdings durch alpine Lebensweise
eine starke Abänderung erfahren. Auf Java nehmen Ixias
balice Bsd. und venilia Gdt. die gleichen Stellen ein.
Von dem grossen Inselkontinent Borneo kennen wir bis
heute nur einen Vertreter des kontinentalen Typus, Ixias
undatus Btlr., es wäre also möglich, dass dort noch eine
insulare Form aufgefunden wird, obwohl die Urwaldflora
der wasserreichen Insel wenig Hoffnung darauf lässt.
Ein so xerophiles Genus wie Ixias kann auf Borneo nur
ganz kleine Strecken passenden Terrains finden, womit
sich die grosse Seltenheit von undatus von selbst erklärt.
Auch von der mit Borneo so übereinstimmenden malai-
ischen Halbinsel kennen wir nur eine kontinentale Form.
192 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Oestlich von Java wird überall nur eine Art des insularen
Typus gefunden. Den orangefarbenen Schmuckfleck des
Vorderflügels finden wir wieder im Genus Hebomoia und
Teracolus, beide Gattungen haben mit Ixias auch die
Futterpflanze gemeinsam, stachelige Sträucher mit leder-
artigen Blättern aus der Familie der Cappariden, von
denen die Raupen meist nur die Blätter der jungen
Triebe fressen können. Es scheint deshalb hier eine
nähere Verwandtschaft zu bestehen, welche auch in der
Raupenform, Verdiekung der Segmente hinter dem Kopfe,
ihren Ausdruck findet. Die Ixiasfalter sind natürlich
streng an das Vorkommen der Futterpflanze gebunden,
welche trockenes, heisses Klima, sandigen Boden und
Meeresnähe liebt, wodurch das stark lokale Vorkommen
und die relative Seltenheit mancher Arten sich leicht
erklären lässt. Nur eine Art, die obenerwähnte flavi-
pennis von Sumatra, lebt in höheren Erhebungen und
hat sich als alpines Tier auch am meisten in Farbe und
Zeichnung von allen Gattungsgenossen abgesondert.
Von der stattlichen Formenreihe, die Fruhstorfer im
Seitz’ schen Werke aufzählt, hat ihm nur der Celebes-Ixias,
natürlich eine Ööstlich-insulare Form, bei Abfassung der
Arbeit nicht in natura vorgelegen und es ist diese
in Sammlungen seltene Art, welcher die folgenden Aus-
führungen gelten sollen. Fruhstorfer erwähnt an gleicher
Stelle, dass die Art im Britischen Museum nicht vor-
handen sei, erzählt aber von zwei 55 im Berliner Museum.
Die Art wurde schon in den sechziger Jahren des ver-
gangenen ‚Jahrhunderts durch den holländischen Ento-
mologen Piepers im Hinterlande von Makassar entdeckt,
von Snellen beschrieben und nach ihrem Entdecker be-
nannt, es müssen sich also die Typen im Museum von
Leyden befinden. Während eines Aufenthaltes von
13 Monaten in Süd-ÖOelebes erhielt ich nur ein 9, welches
zur Zeit meine Sammlung in der Heimat ziert, das Tier
kam in meinen Besitz unter einer grossen Anzahl von
gewöhnlichen Danais chrysippus, mit denen es zusammen
bei Paugkadjene nördlich von Makassar gefangen wurde.
Die Begleitung von chrysippus wundert mich heute gar
nicht mehr, nachdem ich an meinem derzeitigen Aufent-
haltsorte zur Genüge erkannt habe, dass Galotrophis
gigas, die Futterpflanze von chrysippus auf Celebes
gleiche Standorte wie die Ixias-Capparide bevorzugt.
Martin. Ein seltener Ixias. 193
Angenehm war ich jedoch überrascht, als wenige Tage
nach meiner Ankunft hier in Paloe an der Nordwestküste
von Celebes am Ende der tief in die Insel einschneiden-
den Paloebai ein eingeborener Fänger mir ein Ixias &
brachte, bei welchem es sich nur um den seltenen pie-
persi handeln konnte, dessen Weibchen noch unbeschrie-
ben ist und von dem ich alles bisher bekannte oben
mitgeteilt habe. Nachforschungen nach dem Fangplatze
liessen mich eine 6 Meter hohe sandige Bank am rech-
ten Ufer des Paloeflusses entdecken, auf welcher die
Capparide in reichen Beständen neben ÖOpuntien und
Euphorbiaceen wächst — ein nahezu afrikanisches, xero-
philes Vegetationsbild. Dort war es mir möglich bei
wiederholten Besuchen die folgenden biologischen Beo-
bachtungen zu sammeln. Die Schmetterlinge verlassen
kaum das Gebiet ihrer Futterpflanze, wodurch ihre rela-
tive Seltenheit, d. h. ihr Nichtvorkommen überall anders
sich erklärt, so dass sowohl Fruhstorfer als auch der
Fürst unter den indischen Samnmlern, der verstorbene
Amerikaner Doherty, die Art auf Celebes nicht erbeutet
haben. Die von Piepers gesammelten Typen sind wohl
an den Abhängen des Pik von Bonthain in Süd-Celebes
nieht weit vom Meere gefangen und wäre es nicht un-
möglich, dass bei der grossen Verschiedenheit der Fauna
von Süd- und Nord-Celebes meine hier an der Grenze
zwischen beiden Gebieten fliegenden Exemplare eine
geographische Subspezies darstellen. Das kann jedoch
nur durch einen Vergleich mit den Typen im Leydener
Museum festgestellt werden.
Das noch nichtbeschriebene @ ist ein schmuckloses
Tier, in der Hauptsache schwarz mit weisser Flügelbasis
und einer weissen Fleckenbinde ausserhalb der Zelle des
Vorderflügels, die Unterseite beider Flügel ist tiefgelb
mit 4—5 rotbraunen, submarginalen Makeln auf dem
Hinterflügel. Es ist scheinbar seltener als das /, da es
nur im Dornendickicht der Futterpflanze fliegt. nicht an
Blumen geht und deshalb weniger auffällt. Der Flug ist
ruhig und bedeutend langsamer als der des/, wird auch
oft unterbrochen zur Ablage der Eier auf ‘der Unterseite
der Blätter oder an holzigen Aesten der Futterpflanze.
Einen kurzen Augenblick nur wird das Afterende des
Unterleibes weit nach vorn gestreckt und gekrümmt
und das kleine, weisse, flaschenförmige Ei sitzt fest auf
194 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
seiner Unterlage. Beobachtet man ein eierlegendes 2
zum Zwecke des Einsammels der Eier, so tut man gut,
sieh mit höchstens drei Eiern zu begnügen, da man bei
gsrösserer Anzahl Gefahr läuft, keines mehr zu finden.
Bei dem unendlichen Gewirre der gleichgrossen und
gleichfarbigen Blättehen ist es kaum möglich, mehr als
zwei Ablagestellen topographisch mit dem Gedächtnisse
festzuhalten. Die von Verlusten begleitete Erfahrung
auch bei anderen Arten hat mich diese Genügsamkeit
gelehrt. Das 3 ist ein sehr eleganter, symphonisch ge-
färbter Falter, Grundfarbe beider Flügel ist ein feines
Rahmgelb mit breiter, fast bis zur Mitte des Flügels
reichender, tiefschwarzer Umrandung; der Vorderflügel
trägt ausserhalb der Zelle zwei Reihen von gelbweissen
Striehen und am Zellende und etwas oberhalb der Sub-
costale den ungemein zierenden, orangefarbenen Schmuck-
fleck. Die Unterseite beider Flügel ist nahezu fleckenlos
eitronengelb, nur auf der unteren Discocellulare steht
ein winziger schwarzer Punkt. Deı Leib ist oben schwärz-
lich, unten weiss, der Kopf gelb behaart, die Augen sind
gelb und die Fühler schwarz-weiss geringt mit gelblicher
Keulenspitze. Der Flug des % ist ein rascher, stossweiser,
schwer zu berecehnender, es sucht nach versteckt sitzen-
den, frisch geschlüpften 922 oder saugt Nahrung von
Blüten. Hat man es mit dem ersten Netzschlage gefehlt,
so ist eine weitere Verfolgung meist nutzlos, es sei denn,
dass es geängstigt und schutzsuchend sich in nächster
Umgebung auf der Unterseite eines Blattes verbirgt, wo-
bei der Falter offenbar mit einem ihn nur im Fluge wahr-
nehmenden Verfolger rechnet. An heissen, sonnigen
Tagen gehen die 53 auch gerne auf feuchten Sand und
Wegpfützen, werden sie da verscheucht, so verbergen
sie sich rasch an den nächsten Büschen, wo man sie
leicht mit dem Netze abstreifen kann. An trüben, sonnen-
armen Tagen sind sie viel weniger beweglich und setzen
sich öfters, so dass solche Tage für die Ixiasjagd den
Vorzug verdienen. Uebrigens auch am Fangplatze sind
die Ixias nicht zu häufig und es werden höchst selten mehr
als 5—4 Exemplare erbeutet. Da ich bis heute im Laufe
von fünf Monaten (März—Juli) bei jedem Besuche des
Ortes ganz frische Stücke gesehen habe, so besteht für
mich kein Zweifel, dass dieser Ixias an der bewussten
Stelle das ganze Jahr hindurch vorkommt und dass
Martin. Ein seltener Ixias. 195
Generation auf Generation folgt. Da die Q9 anscheinend
lange leben und täglich nur immer einige Eier legen,
so müssen zu allen Zeiten alle Stände des Falters vor-
handen sein.
Das weissgelbe Ei besitzt, wie schon gesagt, Flaschen-
form, sitzt mit seiner Unterlage breit auf, während das
freie Ende eine flaschenhalsartige, flach abgeschnittene
Verdünnung zeigt, bei Vergrösserung erkennt man eine
feine Längsriffung. Am zweiten Tage wird das Ei orange-
gelb und bleibt so bis zum Ausschlüpfen des Räupchens.
Dieses ist frisch geschlüpft fleischrot und trägt kleine,
weisse, borstige Haare, nach Nahrungsaufnahme wird es
grün und ist dann nur mehr mit grosser Mühe auf der
Nährpflanze zu sehen. Die nun durch alle Häutungen
grüne Raupe wächst langsam, braucht lange zu den
Häutungen und hält sich so verborgen wie möglich.
Ausgewachsen ist sie 3 Centimeter lang und dunkelsaft-
grün, ungefähr von der Farbe unserer heimischen rapae-
Raupe; der herzförmige Kopf ist grün, trägt zwei an
Augen mahnende, schwarze Punkte und zwei frontale
Hervorwölbungen. Der ceylindrisch geformte Körper zeigt
sowohl gegen den Kopf als auch gegen den After eine
Verschmälerung und die Segmente hinter dem Kopfe sind
die dieksten; über den Beinen läuft ein weisslichgelber
Lateralstreifen, welcher eine feine rotbraune Begrenzung
besitzt und gegen den After hin am breitesten und deut-
licehsten wird. Nach ungefähr 18—20 Tagen Raupenleben
hängt sich die Larve mit einem weisslichen Gürtel an
einem Aestchen auf und ergibt die höchst auffällig ge-
formte, grüne Puppe, welche völlig die Blattfarbe der
Nährpflanze trägt und nur mit Mühe zu sehen ist, selbst
wenn man das Aestchen, an welchem sie hängt, genau
kennt. Sie hat nahezu die Form eines gleichschenkligen
Dreiecks, dessen eine Kathete parallel zum Aste verläuft,
das Kopfende ist sehr spitzig, indem die Palpenhülle in
einen langen, nach abwärts gebogenen Stachel ausläuft,
die bauchigen Flügelhüllen sind heller grün und etwas
transparent, einige sehr kleine, schwarzbraune Flecken
finden sich an der Flügelbasis und auf der Rückseite
des vierten Abdominalsegmentes. Eine noch so genaue
Beschreibung wird dieser Puppe nicht gerecht, ein auch
unbeholfenes Bild tut bessere Dienste. Die Puppenruhe
dauert 3 Tage, sodass die ganze Entwicklung vom Ei
196 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1912.
bis zum Falter ungefähr die Dauer eines Monats in An-
spruch nimmt. Schon zwei Tage vor dem Schlüpfen
wird der Orangefleck deutlich sichtbar, am Schlüpftage
morgens ist die Puppe völlig citronengelb verfärbt, die
schwarze Flügelzeichnung schimmert deutlich durch und
die Fühlerhüllen sind ebenfalls schwarz. Der Falter er-
scheint zwischen 9 und 10 Uhr morgens.
Es ist mir ein besonderes Vergnügen, hiermit das
über der Biologie gerade dieses seltenen Schmetterlings
ıuhende Dunkel völlig gelichtet zu haben, trägt er doch
den Namen mieines verehrten Gönners und Freundes, des
Herrn Dr. M. ©. Piepers, der durch sein ganzes Leben
für die Erforschung der Falterfauna des malaiischen
Archipels tätig war und dem wir auch das im Erscheinen
begriffene prachtvolle Werk über die Tagfalter Java’s
verdanken.
Paloe, Ende Juli 1912.
Zwei neue Euploeen aus Celebes.
Von Dr. L. Martin. Paloe (Celebes).
Aus dem gleichen Gebiete, aus dem ich erst vor
kurzem einen neuen Papilio (Papilio palu aus der Coon-
gruppe, Iris 1912p.165) beschreiben konnte, sind mir nun mit
einem Schlage auch zwei, wie ich hoffe, sowohl für Ce-
lebes als auch für die Wissenschaft neue Euploeen ge-
worden. Es handelt sich um die an der Grenze von
Mittel- und Nord-Celebes westlich von der tief ins Land
\ 2% I)
Rn
\
Martin. Zwei neue Euploeen. 197
einschneidenden Palubai gelegenen, höchst gebirgigen
Landschaften Bekawa und Rion, welche man sowohl vom
Meeresstrande von der Ortschaft Pasangkayu ausgehend
betreten kann, die aber auch von Palu aus durch Ueber-
schreiten dertrennenden etwa 1500 m hohen, von Süd nach
Nord laufenden Gebirgskämme zu erreichen sind. Während
Bekawa politisch unter dem Einflusse des Magou (Fürsten)
von Palu steht, gehört Rion in die Domäne des Magou
von Dolo. Beide Länder sind dicht bewaldet, spärlich
bevölkert und die Bevölkerung steht auf niedriger Kultur-
stufe und ist arm; sie lebt in der Hauptsache von Tapioka
und Buschfrüchten und pflanzt nur wenig Reis und Mais.
Zahlreiche Wasseradern, teils in den Palufluss, teils in
See auslaufend, durchziehen das Gebirgsland; im Tale
des ljoflusses sind meine neuen Euploeen gefangen.
1. Euploea magou, nova species, nach 4 55 von Mai
bis August in Bekawa und Rion gefangen, im Palutale,
wo ich sehr eifrig gesammelt habe, ist mir die Art noch
nicht begegnet. Es erschien mir anfänglich, als ich in
den Besitz des ersten Stückes der wunderbaren, grossen
Art kam, kaum glaublich, dass Celebes, auf dem doch
schon so oft und von so berufener Hand gesammelt wor-
den ist, noch einen so auffallenden Tagfalter unbeschrie-
ben bergen könne, und ich dachte zuerst, dass es sich
vielleicht um das & der seltenen Euploea latefasciata
handeln könnte und dass alle bisher nach Europa ge-
langten Stücke dieser Art zufällig 92% seien. Dass Fruh-
storfer im grossen Seitz ausdrücklich bemerkt, latefas-
ciata & habe keinen konvexen Innenrand des Vadiflgls.,
bestärkte mich in meinem Verdachte. Nun habe ich
aber in der Zwischenzeit, bis ich den Mut zu diesen
Neubeschreibungen fand, ein sicheresä% von latefasciata
mit deutlichen & Vorderfüssen erhalten und bin deshalb
beruhigt über meine neue Art, die auch keinenfalls die
mir in Natur unbekannte, aus Nord-Celebes beschriebene
Euploea donovani Fldr. sein kann, welche auf dem
Vdfigl. eine weisse Fleckenbinde trägt. Ich möchte in
meiner neuen Art vielleicht den Celebesvertreter der
sonst auf allen grossen Sundainseln meist in zwei Arten
vorkommenden Subspeeies penoa sehen; allerdings besteht
eine starke Abweichung vom malaiischen Typus, aber
das ist bei Celebesfaltern immer so, man denke nur an
midamus und encetemon. Die weissen Flecken der Vdilgl.-
AIRLINE 7 BDR K- TREE T D: SAHNE DEEP AIG
» on =
a
we.
1983 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
unterseite meiner neuen Art zeigen aber grosse Aehnlich-
keit mit penoa. Sollte ich mit dieser Annahme einer
falschen Spur folgen, so bleibt nur übrig, in der neuen
Art ein merkwürdiges Papuaelement der Celebesfauna
zu erblicken und das Tier nahe zur Euploea melanopa
aus Neu-Guinea zu stellen, mit welcher es Färbungs-
charaktere gemeinsam hat. Die Beschreibung des an-
sehnlichen Falters, grösser als Euploea leachi, fast so
gross wie latefasciata oder viola, ist ziemlich einfach:
Väaflgl. am Costalrande stark geschwungen, einfarbig,
sammtig schwarzbraun ohne Blauschimmer mit einem
schmalen, langen, glänzendschwarzen Sexualstreif zwi-
schen Sudmediana und unterstem Medianast; Innenrand
gerade abgeschnitten, nicht konvex ausgebuchtet; Unter-
seite liehtbraun mit einem zentralen, dunkelbraunen Ge-
biete um den Stamm der Mediana und deren Aeste, am
hellsten braun entlang der Costa und im Subapiealgebiete;
im dunkelbraunen Gebiete stehen drei weisse Flecken
mit leicht violettem Hauche, ein runder in der unteren
Spitze der Zelle, ein etwas grösserer auswärts von dem
ersten zwischen dritten und zweiten Medianast und ein
noch grösserer, ovaler zwischen mittlerem und unteren
Medianast; das Gebiet um die Submediana bis zum Innen-
ande von einem braungelben Spiegel eingenommen, in
welchen entlang dem unteren Rande des Sexualstreifs
ein schwach beschuppter Strich der Grundfarbe von der
Basis hereinragt, ohne den äusseren Rand des Spiegels
zu erreichen. Htflgl. an der Basis und im Zentrum
schwarzbraun wie der Vdiflgl., dann folgt ausserhalb der
Zelle ein von der Costa bis zum Innenrande, mit der
Flügelkontur parallel verlaufendes, stark aufgehelltes,
lichtbraunes Band, durch welches die Aderäste und
Internervalstreifen dunkel verlaufen, Flügelrand wieder
dunkelbraun; Unterseite von gleicher Zeiehnung, nur hat
hier das hellbraune Band in seiner Mitte eine deutliche
Weissbeschuppung und finden sich am basalen Ende von
vier Internervalstreifen kleine, rein weisse, dunkel ein-
gefasste Punkte, so auf den Internervalstreifen zwischen
den Medianästen, zwischen Subeostale und oberer Radiale
und zwischen unterer Radiale und oberstem Medianaste,
eine Zeichnung, die mir von keiner anderen Euploea be-
kannt ist. Fühler, Kopf und Leib dunkelbraun mit ge-
ringer Weisstupfung der 'l'horaxseiten, ein weisser Saum
Martin. Zwei neue Euploeen. 199:
hinter den Augen, Abdomen auf Bauchseite weiss geringt.
Palpen kurz und haarig, Augen und Rüssel glänzend
schwarz. Länge des Vdfigls. von Apex zur Basis 5,5 cm.
2. Euploea cordelia, nova species, nach 1 & im August
am ljoflusse in der Landschaft Rion gefangen, ein kleines,
sehr eintönig gefärbtes Tier, welches an Formen aus
dem Kreise Euploea moorei erinnert, gegen welche Ver-
wandtschaft aber der deutliche Androconienfleck des
Htflgls. spricht. In der allgemeinen Erscheinung möchte
man in diesem Falter eher einen Bewohner Enganos oder
einer Insel der Nordmolukken erkennen, aber die Öelebes-
fauna zeigt solche überraschende Aehnlichkeiten, ich
nenne nur die aussergewöhnlich Ähnlichen Radenaformen
von Engano und Celebes. Oberseite beider Flügel tief
dunkelbraun, kein Sexualstreif, Innenrand des Vdfigls.
leicht konvex ausgebuchtet, an der Costa des Htfigls.
bis zur Subeostalader ein gelbgrauer Spiegel, unterhalb
der Subcostale vor ihrer Verzweigung in der Zelle ein
runder, schwärzlieher Androconienfleck mit heller Um-
randung; Unterseite beider Flügel heller braun mit einem
schwachen Bronzeglanz, auf Vdflgl. zwischen erst:n und
zweiten Medianast ein länglich ovaler, weisser Fleck, das
Gebiet der Submediana von einem breiten, graugelben
Spiegel eingenommen, der dem Spiegel auf der Oberseite
des Hinterflügels entspricht. Einige weisse Punkte an
Kopf und Thorax, Bauchseite des Abdomens undeutlich
weiss geringt, Fühler, Augen, Kopf, Thorax und Leib
schwarzbraun wie die Flügel, Palpen kurz und haarig.
Länge des Vadfigls. 4 em.
Celebes mit seinen Inselanhängen besitzt mit diesen
beiden Neubeschreibungen 15 gute Euploeenarten, welche
ich zur leichteren Orientierung hier aufzähle:
l. E. leachi Fldr. mit coracina Hpffr. Nord- und Ost-
Celebes und albiplagiata Fruhst. von Bangkai.
2. E. donovani Fldr. Nord-Celebes, nur wenige Stücke
bekannt.
3. E. diana Btlr. mit lorsfieldi Fldr. Süd-Celebes, tom-
bugensis Röb. Ost-Celebes und laodikeia Fruhst.
von Saleyer.
4. E. maura Hpffr. von den Togean-Inseln im T'omini-
golf mit corvina Fruhst. von den beiden Sulas und
und wiskotii Röb. von Bangkai.
200 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
5. E. gloriosa Btlr. Nord-Celebes mit pompilia Fruhst.
Süd-Celebes, die Saleyeırform steht noch aus, befin-
det sich aber in meiner Sammlung.
6. E. enctemon Hew.
7 E. hyacinthus Btlr. Süd-Celebes mit subeongrua
Röb. aus Nord-Öelebes, mangolina Fruhst. Sula-
Mangoli und besinensis Fruhst. von Sula Besi.
8. E. celebica Fruhst. nur ein in Toli Toli gefangenes
5 bekannt.
9. E. mniszechi Fldr. Süd-Celebes mit palata Fruhst.
aus Ost-Celebes, die einzige Art. der ich einiges
Misstrauen entgegenbringe.
10. E. vollenhovi Fldr. mit aganor Fruhst. von Bangkai.
11. E.viola Btlr. N.-Celebes m. westwoodi Fldr. Süd-Celebes.
12. E. eupator Hew. Nord-Öelebes mit orneus Fruhst.
Süd-Celebes.
13. E.latefasciata Wegm. anscheinend ganz Celebes, selten.
14. E. magou Martin, Nord-Celebes und
15. E. cordelia Martin, ebenfalls Nord-Oelebes.
Vom Kampong Lewara in der Bekawa, wo die Type
des neuen Papilio palu gefangen wurde, erhielt ich unter-
dessen zu meiner grossen Freude ein zweites Stück dieser
offenbar seltenen Art, leider abermals ein 9; der eine
erhaltene Hinterflügelschwanz ist aber sehr lang. dünn-
stielig und breit gespatelt, also völlig der Coongruppe
entsprechend; auf dem Htflgl. sind nur sechs weisse
Flecken, aber sonst gleicht Zeichnung und Färbung völlig
dem ersten Stücke. Von dem seltenen Papilio doreus,
von dem bisher ein genauer Fangpla‘z nirgends ange-
geben wurde — Jordan sagt im Seitz nur „Nord-Celebes“
— habe ich nun bei Kalawara Naputie, acht Stunden fluss-
aufwärts von Palu ein Exemplar erbeuten können; doch
fürchte ich, dass es sich dabei um ein durch Wind oder
Zufall aus höherer Lage herabgeführtes Stück handelt,
denn dorecus, den ich für den Gelebesvertreter von agetes
ansehe, lebt sicher nur in den Bergen. Papilio montico-
lus Fruhst. aus Süd-Celebes, den Jordan im Seitz als
eine kleine und Gebirgsform (Verkümmerungsform?) von
sarpedon bezeichnet, scheint mir eine gute, eigene Spezies
zu sein, denn ich erhielt ihn in Anzahl aus den Bergen
der Landschaft Bekawa zusammen mit typischen milon
Rlar. Paloe, Westküste von Celebes, im September 1912,
Sasse. Saturnia pyri Schiff. forma alticola. 201:
Saturnia pyri Schiff. forma alticola.
Von Dr. Th. Sasse. Magdeburg.
Angeregt durch die Abhandlung des Herrn Dr. Denso
auf S. 128 ff. des laufenden Jahrganges dieser Zeitschrift
nahm ich bei den in meinem Besitze befindlichen Sat.
pyri, unter denen sich auffallend kleine Exemplare be-
finden, Messungen vor zwecks Feststellung der Flügel-
proportionen.
Da liegt mir zunächst ein wahrhaftiger pyri-Zwerg
vor, ein &, gefangen in den Basses Alpes bei Digne,
also aus Süd-Ost-Frankreich stammend. Die Grössen-
verhältnisse sind: Spannweite von Apex zu Apex 83,
Vorderflügellänge vom Apex bis zur Mitte des T'horax 46
und das Verhältnis: Aussenrand zum Innenrand zum Vor-
darrandı ko H1,1 21,75,
Wie wir sehen, sind hier die Proportionen dieselben
wie bei den von Denso beschriebenen Exemplaren. Und
auch in der Flügelzeichnung herrscht im wesentlichen
Uebereinstimmung. Die Ziekzacklinie ist weniger deut-
lich als bei normalen pyri, namentlich in den Hinter-
flügeln, ausserdem berührt sie direkt die Augenflecke.
Die Grundfärbung des Falters ist ein eintöniges Braun-
grau, was noch dadurch um so augenfälliger wird, dass
die weisse Bestäubung im Mittelfeld und im Basalteil
der Vdflgl. nur noch schwach angedeutet ist, indem sie
nur als ein helles Graubraun erscheint. Der dunkle
Sehatien am Vorderrand der Vdflg. nähert sich auch bei
nıeinem Exemplar der feinen, dunklen, basalen Querlinie
mehr als bei normalen pyri, wenngleich wohl nicht so
sehr wie bei den vom Saxonnet stammenden Faltern.
Ein kleiner, wenn auch kaum bedeutsamer Unterschied
von einfachen pyri ist auch folgender: Zwischen dem
schwarzen Fleck in der äussersten Spitze der Vdfig. und
dem Beginn des sich längs des weisslichen Aussenrandes
zum Hinterrande hinziehenden, breiten, schwarzbraunen
Feldes liegen bei allen meinen normalen pyri 3 nach
aussen weisende Zacken der Ziekzacklinie, bei dem Zwerg-
202 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
exemplar von Digne dagegen nur 2 solcher Spitzen.
Ferner erscheint der Hinterleib bei allen anderen pyri
mehr oder weniger deutlich braun und weiss quergestreift,
bei dem & von Digne dagegen ist das 6.—8. Abdominal-
segment rein weiss behaart, ohne dunkle Zwischenlinien,
und erweckt den Eindruck einer weissen Leibbinde.
Ausser dem oben besprochenen %& liegen mir noch
je 1 & und 1 9 Sat. pyri minor e Ross. vor, aus Odessa
stammend. Auch diese sind noch sehr klein im Vergleich
zu meinen aus Dalmatiner Puppen gezogenen normalen
pyri. Die Flügelspannung von Apex zu Apex gemessen
und die Vorderflügellänge von der Spitze bis zur Mitte
des Thorax betragen:
6) Q
92 54 94 55
Auch in der Färbung weichen sie von normalen pyri ab.
Die Ziekzacklinie von Vorder- und Hinterflügel ist stark
verwaschen und nur in den Flügelspitzen noch klar er-
kennbar, speziell neben den Augenflecken dagegen fast
verschwindend. Auch rückt sie bis auf ca. 1 mm an die
Augen heran, berührt sie jedoch nicht. Die Grund-
färbung ist wesentlich düsterer als bei pyri. Ferner ist
die weissliche Bestäubung im Basalteil der Vdfigl. und
im Mittelfelde kaum noch vorhanden, namentlich beim 9,
und der dunkle Schatten am Vorderrand ist breiter und
deutlicher wahrnehmbar als bei den Dalmatinern. Was
nun die Flügelproportionen anbetrifft, ist das Verhältnis
der Länge des Aussenrandes zu der des Innenrandes zu
der des Vorderrandes:
a a RR N: ©
A re
bei den normalen pyri entsprechend angegeben:
1 een
a BE ME: age 9;
Wie man sieht, decken sich hier die Flügelproportionen
in beiden Fällen ungefähr.
Obgleich nun diese beiden pyri minor wesentlich
kleiner als normale pyri sind und auch in der Färbung
ziemlich von ihnen abweichen, sind sie doch nicht der
Sasse. Saturnia pyri Schift. forma alticola. 203
forma alticola zuzurechnen. Denn die Proportionen sind
die aller normalen pyri. Der Unterschied in der Färbung
ist auch kein wesentliches Merkmal, da auch andere,
durchaus normale pyri, wie mir solche in Exemplaren
von Sardinien, aus Syrien und aus Algier vorliegen,
wesentlich düsterer gefärbt sind als die Dalmatiner, und
auch teilweise eine viel weniger klare Flügelzeichnung
aufweisen. Dagegen berührt bei keinem einzigen Exem-
plare die Ziekzacklinie die Augenflecke ausser bei dem
von Digne stammenden Falter, worin dieser also den
pyri vom Mont Saxonnet vollständig gleicht. Ob die aus
Südrussland stammenden pyri etwa stets von geringerer
Körpergrösse sind als andere pyri, entzieht sich leider
meiner Kenntnis.
Dagegen möchte ich das zuerst besprochene kleine
Exemplar von Digne als sicher zur forma alticola gehörig
ansprechen, da es nicht nur in der Lage der Ziekzack-
linie den vom Mont Saxonnet stammenden Exemplaren
gleicht, sondern namentlich auch in den Proportionen
mit jenen übereinstimmt. Wenn Denso sagt, er vermag
es noch nicht mit Sicherheit zu entscheiden, .ob seine
forma alticola eine gefestigte Form vorstelle, da alle
seine 7 Falter aus einer Zucht stammten, so möchte ich
diese Frage nunmehr bejahen; denn aus der gleichen
Zueht stammt mein Exemplar sicher nicht, sein Fangort
liegt ein gut Teil südlicher in den Alpen des südöstlichen
Frankreichs. Aber eben deshalb, und weil es sich gleich-
falls in verhältnismässig grosser Höhe!) fand, und da es
dieselben Merkmale aufweist in Form und Zeichnung wie
die Falter vom Mont Saxonnet, aus allen diesen Gründen
scheint mir die forma alticola tatsächlich eine konstante
Form zu sein.
1) A.d.R. Digne selbst liegt in etwa 600m Höhe ü. d. M.
204 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Epiblema nisella Cl. und Varietäten.
Von Eduard Schopfer. Dresden.
(Hierzu Tafel VII.)
Im August und September 1912 war nisella Cl. im
Dresdner Gebiete besonders häufig. Ueberall an Stämmen
sassen die Falter, sowohl im Stadtgebiete als in der
Lössnitz und der Pillnitzer Gegend. Es war somit die beste
Gelegenheit geboten, das nötige Material zu sammeln,
um die v. pavonana Don. und v. decorana Hb. zu
erhalten. Gesammelt wurden 94 Stück nisella. Man
sollte nun meinen, diese Zahl wäre genügend, um den
Durehschnitt der Variabilität zu vereinigen. Dies ist
jedoch nicht der Fall, es fehlen eben darunter Stücke,
deren schon vorhandene Abbildungen unsere Meinung
bestätigt, dass es schwer hält, zwei völlig gleiche Exem-
plare zusammen zu bringen. Immerhin waren die ge-
wünschten Varietäten. wenn auch in geringer Zahl, vor-
handen, ausserdem einige recht hübsche konstante
Formen, die als bemerkenswert nachstehend erwähnt
werden sollen.
Im Spulerschen Werke ist die var. decorana Hb. gut
charakterisiert, auch stimmt eines meiner Stücke mit
der Abbildung von decorana % in Hübner, Samml. europ.
Schmetterlinge Bd. 6, T. 42, Fig. 265 genau überein.
Von v. pavonana Don. konnte gleiches nicht gesagt
werden. Spuler schreibt: „hat am Dorsalrand des Vdflgls.
eine kastanienbraune Längsstrieme*, was zu wenig sagt.
Auch will die Diagnose im Staudingerschen Katalog
auf pavonana Don. nicht gut passen. Sehen wir uns
lieber die Abbildungen von Phalaena pavonana an, in
The Natural History of Britisch Insects von E. Donovan.
Wir sehen Bd. II auf T. 58 in nat. Grösse und auf 'T. 59
stark vergrössert nisella @ mit braunem, gleichmässig
scharf schwarz umrandeten Innenrandsfleck. Ferner
zeigt das vergrösserte Bild auf den Htflgln. augenähnliche
Kreise, die Donovan veranlasst haben, dem Falter den
Namen pavonana zu geben. Diese wohl zufällige Zeich-
nung der Htflgl. darf uns jedoch nicht abhalten, Stücke
Schopfer. Epiblema nisella Cl. und Varietäten. 205.
von nisella, die bezüglich der Vdflgl. der Donovanschen
Abbildung entsprechen, zu pavonana zu ziehen. Unter
meinen nisella befanden sich zwei solcher Stücke. Ue-
brigens werden wir weiter unten sehen, dass pavonana
Don. nur als Uebergang zu decorana Hb. angesehen
werden muss.
Nisella trägt ein dreifarbiges Kleid: schwarz, weiss,
rotbraun. Diese Farben sind bei jedem Stück vorhanden.
Braun ist aber oft auf dem Flügel so verteilt oder durch
schwarz verdeckt, dass es meist übersehen wird und erst
aufzufallen pflegt, wenn es im Mittel- oder Wurzelfeld,
am Innenrand oder gar im Spiegel als Fleck oder als
Strieme zusammengezogen, auftritt. In der Regel sind
die mehr albinotisch veranlagten 55 heller, die melano-
tisch abändernden 99 dagegen dunkler gefärbt.
Im Freien können wir zunächst folgende Hauptformen
unterscheiden:
1. hell-. bis dunkelgrau mit zahlreichen Schräglinien,
2. mit rotfarbigem Dorsalfleck, welcher den ovalen
Rückenfleek beim sitzenden Falter bildet und
3. mit stark verdunkeltem Wurzelfeld und aufgehelltem
Mittelfeld. Der obere Teil des Saumfeldes ist meist
auch verdunkelt.
Diese drei Hauptformen sind nun einer Menge Ver-
änderungen unterworfen und bilden so konstante Zwischen-
formen, dass man versuchen kann, an der Hand des
vorliegenden Materials sie unterschiedlich anzuführen:
1. hellgrau, mit mehr oder weniger zahlreichen, schwar-
zen Schräglinien 3 u. © (s. Godart u. Duponchel
Bd. 9, Taf. 249, Fig. 1, Graph. siliceana=nisella /),
2. dunkelgrau mit Schräglinien, die sich bei manchen
Stücken zur halben oder ganzen Querbinde ver-
dichten & u. @ (s. Hübner Bd. 6,- T. 33, Fig. 210,
Tortr. petrana-nisella /),
3. hellgrau, mit rostgelbem, nicht schwarz eingefassten
Dorsalfleck &,
4. hellgrau, mit breit rostgelbem Mittelfleck 5 {s. Hüb-
ner Bd. 6, T. 42, Fig. 265, Tortr. decorana=nisella /),
Ti
206 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
dunkelgrau, mit schmaler, kastanienbrauner Innen-
randstrieme % u. 9,
eb}
6. grau, mit braunem, schwarz eingefassten Dorsalfleck,
über die schwarze Umrandung ein weisser Längs-
wisch 5 u. 2
—]
. hellgrau, mit schwarzem Dorsalfleck 3 u. 9,
® +)
. dunkelgrau, mit rotbraunem, scharf schwarz um-
randeten Dorsalfleck 3 u.Q@ (s. Natur. Hist. of Brit.
Inseets Bd. II, T.58 u. 59 Phal. pavonana=nisella Q),
9. hellgrau, mit breit rotgelbem Mittelfeld, die schwarze
Umr randung des Dörsalleeks deutlich durehsceheinend
al. deeorana Hb.,
10. dunkelgrau, mit schwarzem Wurzelfeld und weiss-
licher Mittelbinde 5 u. 9,
11. dunkelgrau, mit verdunkeltem Wurzelfeld und rot-
braunem Dorsalfleck 3 u. © (s. Hübner Bd.6, T. 31,
Fig. 196 Tortr. siliceana=nisella 9),
12. grau mit rostbraunem Dorsalfleck und Wurzelfeld
(s. Godart und Duponchel Bd. 9, T. 249, Fig. 2
Graphol. petrana=nisella 9).
Das Duponchel’sche Stück mit braunem Wurzelfeld,
ferner einige Exemplare meines Materials, die braune
Flecken im Saumfeld und Spiegel führen, zeigen uns
deutlich, wie die braune Farbe bestrebt ist, die übrigen
Flügelteile einzunehmen. Es ist daher zu erwarten, dass
nisella $ durch die Ausbreitung des rotbraunen Dorsal-
flecks zu rostgelben Vaflgln. gelangen wird. Die var.
decorana Hb. ist die in der Mutation am weitesten be-
griffene männliche Form von nisella. Weibliche Exemplare
von decorana zu finden, ist weniger Aussicht vorhanden,
eher noch völlig verdunkelte Stücke.
Zwei Serien Uebergänge zu dieser Varietät möchte
ich noch erwähnen. Ich wähle absichtlich möglichst
wenige, dafür um so schärfer gezeichnete Exemplare.
1. Serie. 5 58.
Erstes Stück: hellgrau;
zweites Stück: hellgrau mit rostbrauner Innenrand-
strieme;,
ar u u ST
Schopfer. Epiblema nisella Cl. und Varietäten. 207
drittes Stück: die Strieme hat sich zu einem halb-
runden Dorsalfleck konzentriert;
viertes Stück: der rostbraune Dorsalfleck dehnt
sich über die ganze untere Hälfte des Mittel-
feldes aus;
fünftes Stück: das ganze Mittelfeld rostbraun bis
rostgelb=var. decorana Hb.
2. Serie. 5 &6-
Erstes Stück: hellgrau mit schwarzen Innenrands-
fleck. Mit der Lupe wird man unschwer den
schwarz gedeckten, braunen Dorsalfleck fest-
stellen können;
zweites Stück: die schwarze Decke ist vom braunen
Dorsalfleek gewichen und bildet rechts mit
diesem verbunden, nach der Wurzel zu, einen
unregelmässigen schwarzen Fleck;
drittes Stück: der braune Dorsalfleck zeigt bereits
bis zur Hälfte eine breit schwarze Umrandung;
viertes Stück: der braune Dorsalfleck ist gleich-
mässig schwarz eingefasst = v. pavonana Don.;
fünftes Stück: das Mittelfeld breit rostbraun bis
rostgelb, die schwarze Einfassung des Dorsal-
flecks deutlich durchscheinend — var. deco-
rana Hb.
Beide Serien enden mit v. decorana Hb., eine kon-
stante Form, welche den Varietätnamen mit Recht ver-
dient. Die zweite Serie zeigt uns aber ganz klar, dass
pavonana nichts weiter als ein Uebergang zu decorana
darstellt. Abgesehen von der Schwierigkeit, ein zweites
gleiches Exemplar der von Donovan als eigene Art be-
schreibenen pavonana zu finden, schaffen die zahlreichen
Veränderungen in Form und Umrandung des Dorsalflecks
eine gewisse Unsicherheit für eine einwandfreie Bestim-
mung dieser Varietät, die ohne besonderen Namen leichter
unterzubringen wäre.
208 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Beiträge zur Kenntnis von Arten der Gattung Elachista.
Von W. Martini. Sömmerda.
Elachista collitella Dup.
Die R. dieser Art lebt in abwärts verlaufender Mine
in den Blättern von Festuca ovinaL. (die grünblätterige
Form) und (seltener) von Poa pratensis L. Nur einmal
fand ich sie auch in Koeleria cristata Pers.
Die R. ist heller oder dunkler grünlichgrau. Kopf
bräunlich, vorn dunkler. Die dunkelbraune Halsschild-
zeichnung besteht aus zwei nebeneinander liegenden
sehmalgetrennten Streifen, welche in der Mitte und be-
sonders am Ende seitlich stark erweitert sind. Die Seg-
mente zeigen oben neben der Mitte je einen feinen dunk-
len in flacher Vertiefung liegenden Längsstrich. Eine
R., die sich am 15. Juni inmitten der Pflanze nahe der
Erde versponnen hatte, verpuppte sich erst am 21. und
lieferte den Falter am 5. Juli. Die 1. Generation im Mai.
Die Falter sind sehr veränderlich, so dass die Ex-
treme der 55 den Eindruck verschiedener Arten machen.
Beim dunkelsten Stück dehnt sich das vollständig graue,
nach dem Vorderrand zu dunklere Wurzelfeld bis zum
vorderen Querstreif aus. Die gelbe Färbung des Mittel-
und Saumfeldes ist sehr stark mit grau gemischt. Der
Hinterleib schwarzgrau. Das hellste 5 (von Koeleria er-
zogen) zeigt den Vorderrand an der Wurzel nur äusserst
schwach verdunkelt, die gelbe Färbung der Felder ist
sehr matt und ohne graue Schuppen. Die Punktierung
feiner und reichlicher. Der Hinterleib hellgrau.
Auch ein gefangenes © weicht von den erzogenen
59 bedeutend ab. Bei allen ist die Verdunkelung des
Vorderrandes an der Wurzel kaum angedeutet. Während
bei den erzogenen das weissliche Wurzelfeld vollständig
mit dem vorderen Querstreif zusammengeflossen ist, hat
dasselbe bei den gefangenen mattgelbe Färbung und ist
von dem schmalen weissen Querstreif scharf begrenzt.
Hinter letzterem steht dicht unter der Falte ein aus zu-
sammengerückten Punkten gebildeter grösserer Punkt
Martini. Beiträge zur Gattung Elachista. 209
(auf dem linken Flügel etwas strichartig), den ich noch
nie bei einem der zahlreichen Falter dieser Art gesehen
habe. Die Vorderflügel sind entschieden schmäler als
bei den erzogenen Stücken,
Eine der subocellea nächstverwandte neue Art liegt
in 4 gefangenen Stücken, 3 35, 1 2 und in einem zu-
fällig erzogenen %& vor.
Das 3 unterscheidet sich durch schmälere Vorder-
flügel und dunklere bräunlichgraue Färbung (die gefan-
genen sind etwas abgeflogen und viel heller), das @ aber
von allen Arten der Gruppe G durch die Fransenlinie.
Diese verlöscht nicht an der Flügelspitze, sondern biegt
um dieselbe herum und endet erst an den weissen Fran-
sen des Vorderrandes, die von dem hinteren Querstreif
ausgehen. Hoffentlich gelingt es bald, die Biologie sicher
festzustellen.
Mine, Raupe und Puppe von Elachista elegans Frey.
Diese seltene Elachista fand v. Heinemann zuerst in
Deutschland bei Braunschweig an einer ihm unbekannten
Grasart, welche Frey als wahrscheinlich eine Bromus-Art
bezeichnet.
Die Raupe lebt jedoch nur an Calamagrotis arun-
dinacea Rth. obgleich Bromus und andere Gräser sehr
reichlich an den Fundstellen bei Sachsenberg, Erfurt,
Gotha (durch Herrn Lenthe gefunden) vorhanden sind.
Die oft über 20 cm lange Mine, die nach Frey an
albifrontella erinnern soll, aber mit dieser Art gar keine
Aehnlichkeit besitzt, zieht unterseitig nach aufwärts und
ist auch oberseitig fast gleich deutlich sichtbar. Die
Anfangsmine, welche die jedenfalls überwinterte Raupe
beginnt, liegt in der Breite von 1—1!/; mm neben der
Mittelrippe oder dem Rande des Blattes mehr genähert
und verändert sich einige cm lang nur wenig, dann ver-
breitert sie sich und erreicht allmählich den Blattrand,
dem sie derartig folgt, dass einige Mal äusserst schmale
Streifen unberührt stehen bleiben. Die Breite wechselt
in unregelmässiger Weise bis zum Ende, welches meist
in einiger Entfernung von der Blattspitze liegt. Nur
210 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
selten ist die Raupe, die bis zur Blattspitze vorgedrungen
ist, noeh nicht erwachsen und dann genötigt, sich um-
zuwenden und die Mine nach abwärts fressend zu voll-
enden. Der Kot wird in einer Linie abgesetzt und zwar
in sehr eharakteristischer Weise entweder an der inneren
Seite oder aussen (dem Blattrand entlang), in einem
Falle an der inneren Seite ohne Unterbrechung. Bei
den meisten Minen, sobald sie breiter geworden sind,
setzt der Kotstreif plötzlich ab und fängt wieder gegen-
über an der anderen Seite an. Dies findet mitunter zwei
mal statt. Es kommen auch unregelmässige Strecken
vor, wo der Streif fast ganz verschwindet, indem Kot-
körner über die ganze minierte Fläche zerstreut sind
oder wo er doppelt ist. Besonders im letzten Teil der
Mine, auch bei nicht schwächer gewordenem seitlichen
Kotstreif ist oft die andere Seite und der dazwischen
liegende Raum mit einzelnen Kotkörnern besetzt.
Die Raupe ist grünlichgelb, auf dem Rücken dunkler,
mit einer weisslichen ins bläuliche ziehenden Mittellinie.
Kopf bräunlich gelb, vorn dunkler. Das Halsschild glasig
hell, so dass die Hinterlappen des Kopfes bräunlich
durchscheinen. Hierdurch ist ein Erkennen der Zeich-
nung sehr erschwert. Es sind drei Paar hintereinander
liegende rundliche Fleckehen vorhanden, von denen das
kleinste und dunkelste Paar in der Mitte liegt, aber seit-
lich herausgerückt ist. Die anderen Fleekenpaare sind
matt gelblich und kaum erkennbar, die Fleckchen des
dritten Paares etwas in die Breite gezogen. Die Raupe
spinnt sich mit einem Faden um den Leib an der Basis
eines Blattes fest, leider selten an dem Blatte, welches
sie bewohnte.
Die Puppe ist gelbbraun, mit weisslicher Rücken-
und gelblicher Seitenkante und mit einem braunen Strich
dazwischen. Thorax weisslich umzogen, die Stirn oben
weiss gesäumt, Stellung meistens aufwärts gerichtet, nur
zwei Mal fand ich Puppen nach abwärts gerichtet.
Die Falter erzog ich in verschiedenen Jahren vom
24. Juni bis 17. Juli und sowohl Dr. Wocke wie Major
Hering haben dieselben gesehen.
a a
er,
nn
eo.
Pk
Martini. Beiträge zur Gattung Elachista. 211
Raupe und Mine der Elachista subocellea Stph.
Die Raupe dieser Art lebt in Brachypodium pinnatum
P.B. an ganz freien Stellen. So fand ich bei Sachsenburg am
Südhange am 23. Mai und 5. Juni zwei bewohnte Minen,
welche die Falter am 18. und 25. Juni lieferten. Am
15. Juli wurde noch ein Falter gefangen. Die R. miniert
zuerst fein neptacula-artig aufwärts, dann nach abwärts.
Nun wird die Mine aufgetrieben, aber nur sehr wenig
entfärbt, so dass sie sehr schwer zu finden ist. Die
vorhandenen Minen sind 5!/, und 8 em lang.
Die Raupe ist matt hellgrün, Kopf und Halsschild-
zeichnung hellbraun; letztere streifenförmig, zweiteilig,
schmal getrennt. Die Streifen aussen in der Mitte etwas
eingebuchtet, die Enden abgerundet, kolbig. Die Ver-
puppung fand unter lockerem Gespinnst statt.
Lichtfangergebnis i. J. 1912.
Von Dr. Walther. Loschwitz.
Die nachfolgende Aufzählung der von mir in diesem
Jahre am Lichte gefangenen Falter ist vielleicht deshalb
von allgemeinem Interesse, weil der Lichtfang stets an
demselben Ort — Loschwitz b. Dresden — und während
der ganzen Saison von März bis November betrieben
wurde, im Ganzen an über 180 Tagen. Man hat also
einen gewissen Ueberblick über die während dieses
Zeitraumes hier in Loschwitz ans Licht angeflogenen
Arten, über deren zeitliches Auftreten und ihre Häufig-
keit. Wenn die rastlos fortschreitende Kultur und das
Wachstum der angrenzenden Grossstadt Dresden schon
in wenigen Jahren so manche der heute noch lebenden
Arten vernichtet haben wird, kann diese Aufzählung
vielleicht ein gewisses historisches Interesse bieten.
Auch die Feststellung der Flugzeiten, sowie die der
Häufigkeit der einzelnen Spezies wird sowohl bei Ver-
gleichen mit früheren, wie später zu machenden Beob-
achtungen nicht wertlos sein. Die Anzahl der gefangenen
Arten — im Ganzen 123 — stimmt insofern nicht überein
912 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris.
Dresden 1912.
mit den wirklich ans Licht angeflogenen, als es natürlich
bei Weitem nicht gelang, alle Tiere zu fangen und somit
zu bestimmen.
Die Liste der gefangenen Falter ist folgende (in der
Reihenfolge des Staudinger-Rebel-Katalogs):
. Smerinthus populi
% ocellata
. Hyloieus pinastri
. Drymonia querna
a chaonia
> power
. Pheosia tremula
2» = dietaeoides
8. Notodonta ziezac
dromedarius
10. Odontosia carmelita
l1. Lophopterix camelina u.
ab. giraffina
cuculla
13. Pterostoma palpina
14. Phalera bucephala
15. Pygaera curtula
16. Dasychira pudibunda
17. Euproctis chrysorrhoea
15. Lymantria monacha
u. mut.
19. Malacosoma neustria
20. Macrothylacia rubi
21. Odonestis pruni
22. Aglia tau.
23. Drepana falcataria
24. Drepana lacertinaria
28. 4 binaria
26. “ eultraria
23. 8.—25. 7. h., nur
DI. H: e, nurd
1.26:=-19. 7. h,::, ur
11.—17. 7. 68
9,—22.5. n h, nur
l.Gen.
ii. Gen. Mitteg, $ nur Ö
1.Gen. 10. Be sh, nurd
2.Gen.15.7 "81780
1. Gen. 2
‚.ou9
1. Gen. Ende 5.
| 2. Gen. Mitte 7.9 © u.Q
7.—12. 5. ns, nurd
1. Gen. 22 ‘6%
| 2.Gen.24.7..12.8. D 5 u. 9
IT 1 6
1. Gen. 15.-30. 5.
| 2.Gen.20.7..228. 1b Su.
24.5.—:28:7 sh 5.9
1. Gen. Ende5.
9. Gen. Ende7. & Mur ö
10. 5.—24. 6. sh, nur &
Mitte 7. s, nur &
92, BD Ei
ca ®/;dunklet'orm.
Ende 7. e, nur ö
17. 5.—18. 6 ns, nur
Khe 16
13. 5. RS
1. Gen
| 2.Gen.25.7 ‚nho.u.9
1. Gen } .
| 3/Gen. 30.6.-23.8. N h, 5 u.9
1 Algen}
2. Gen. 9.-16.8, bh, 5 u. 9
| I. Gen. I
2. gen, 19. 7.
Walther. Lichtfangergebnisse i. J. 1912. 913
27. Panthea coenobita 14. 7. 1&
28. Demas coryli ee en:
29. Acronieta leporina | nee n 8, Aus
30. s aceris 13: 7. 19
Si R tridens 18.8. 1%
32. E psi ZUM: 1076)
33. Agrotis strigula 18.7: 1.9
34. 5 pronuba 19.29, S
35. ke ec. nigrum 6.—20. 9. hu
36. 5 cinerea 21.,.08 28. 5. je 28
37. A exclamationis 7.7. e
38. „. .ypsilon 4.--18. 10. zn... 088
39. e segetum 15.9. 19
40. 5 vestigialis 198. 16
41. Mamestra leucophaea 7. 6. 11089
42. “ tineta 1 19
ES 1. Gen.
a ae. wuohl | 2!Gen.23.7.29.9. 0 5 u 9
44. „ dentina ab.latenai 28. 5. 18
45. Dianthoecia capsincola 5: ER ah: 8
46. Apamea testacea 16. 8.—17. 9. ho u
47. Episema glaueina
v. dentimac. 4.—18. 9. ns,nurvar.
48. Ammoconiacaeeimacula 3. 10. 14)
49. Brachionycha sphinx 18.—27. 10. n. 8) nUr’&
50. Dipterygia scabriuscula 23. 5. RS
dl. Hydroeeia nictitans 6. 8. re
52. Luceria virens 30. 8: 18
53. Leucania pallens 25. 5.—9. 9. N
54. h comma 8.—11. 7. N)
1. Gen. Mitte 6.
BER album. Ken Änfg. 10. 7 5 81.9
56. £ albipuncta 6.8: 158
57. Caradrina quadripunctata20. 6. 13
58. ” alsines 16. 6.—20. 7. ns, 9u.Q
59. „ ambigua | 2.Gen 8.12.9.0% 8u.9
60. Rusina umbratica 11.—15. 7. nh, 5u.9
Deutsche Entom. Zeitschr. Iris.
. Amphipyra tragopogin.
. Taeniocampa incerta
3. Panolisgriseovariegata 20. 4.—26. 5.
. Calymnia trapezina
. Cosmia paleacea
. Xanthia citrago
“ aurago
% fulvago
. Xylina fureifera
. Cueullia umbratica
. Plusia gamma
. Polyploca flavicornis
. Pseudoterpna pruinata
. Geometra papilionaria
. Acidalia marginepunct.
B incanata
. Ephyra pendularia
. Timandra amata
. Anaitis plagiata
. Cheimatobia brumata
. Larentia dotata
H variata und
v. obeliscata
"2 firmata
& viridaria
B fluctuata
4 dilutata u. ab.
obscurata
% adaequata
= silaceata
. Tephroclystia oblongat.
“ sobrinata
. Epirrhantis marginata
. Ennomos autumnaria
ie fuscantaria
E alniaria
erosaria
. Selenia tetralunaria
Mitte 9.
20. 4&.—17. 5.
Ende 8.
Mitte 8.
11.—20. 9.
28. 10.
7.—15. 9.
22.
2,1:
21. 7.—24.
Anfang 9.
Mitte 7.
NR
1212.59,
13308:
| 1. Gen.
2. Gen. 15.-30. 8.
26.9.
1.Gen.20.5 -18.6.
| 2.Gen.15.8.-24.9.
19. 10.—Ende 11.
1%.
| 1. Gen.
2. Gen. 1.-24. 9.
Ende 10.
Ende 8.
1. Gen.
2.Gen. 1.9.-4.10.
9.
16.—31. 10.
192778
BES:
Ku (zen.
2.Gen. 16.8.-19.9.
ee
Anfang 7.
4. 9.—31.
10.
2. 8.—1.9.
15,5 AB:
9.
2. 8.—6. 9.
1.Gen. 1.Hälfted.
2.Gen. 11.7.-11.8.
Dresden 1912.
E-
02
are
No)
2 © (02707)
n
©
zZ
+0
=#02708)
Ormrkaon nme dp RA
er
u.Q9
sh, Su.9
h, 5 2
Walther. Lichtfangergebnisse i. J. 1912. 215.
97. Gonodontis bidentata Mitte 5. e
93. Himera pennaria 18.—30. 10. ns,nur 5
99. Angerona prunaria 14,30: % ns, nur &
100. Eurymene dolabraria Mitte 6. e, nur &
101. Epione advenaria 1128 1&
102. Semiothisa notata | ee ns, nur ö
103. 4 liturata | a Ka Mitte g. & nur ö
104. Hybernia aurantiaria 17.—31. 10. h,nur ö
105. „ defoliariaet var. 21. 9.—31. 10. sh, nurd
106. Phigalia pedaria BU. hr nur
107. Biston hirtaria 19. 4.—13. 5. ns, nur &
108. Amphidasis betularia 1.—24. T. sh, Suse
et ab. doubledayaria a
Zwischenformen
109. Boarmia roboraria ab. 26. 6.—1. T. ns, nur &
infuseata keine Stammform
110. : erepuscularia Mitte 7. nh,nur &
et ab. defessaria
ill. Ematurga atomaria | ee h, nur 53
ER 112. Bupalus piniarius Ende 5. Say RO
118, Phasiane elathrata {5 cn sy 18
114. Hylophila prasinana 13.—24. 7. ns, 9uQ
115. Spilosoma mendica 11.—24. 5. ns, @ u00
116. Y lubrieipeda 7. 7. 18
117. ir menthastri 31. 5.—8. 7. hau. ®
118. Phragmatobiafuliginosa | en: EN a 07
2. Gen. 24.1.
119. Coseinia eribrum 1.25. 7. SOHU®
120. Endrosa irrorella 15.—22. 7. nh, nurd
121. Oeonistis quadra 8. 8. 1,9
122. Lithosia complana 1342.— 1% 8 ns. Oo u.0
123. Zeuzera pyrina 19°. 7. 16
Abkürzungen: e= einzeln, s = selten, h = häufig, n h = nicht
häufig, sh = sehr häufig, n s = nicht selten, 1. Gen. =
l. Generation, 2. Gen. = 2. Generation.
216 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Die Zucht von Aporophyla nigra Hw. (aethiops O).
Von R. Seiler. Blasewitz-Dresden.
Diese schöne Eule ist weitverbreitet in ganz Europa,
aber nirgends häufig. Nach Spuler kommt sie auch vor
in Süd-Russland, Kleinasien, Pontus usw.
Es sind davon zwei Formen zu unterscheiden, eine
mehr südlich fliegende, die Heinemann gut charakterisiert
hat, und eine solche, die in den nördlich gelegenen Ge-
bieten vorkommt.
Die erstere ist im Aussehen mehr braunschwarz,
herrührend von einem über die Vdilg. verbreiteten kupf-
rigen Glanz, auch sind diese südlichen Stücke (Dalma-
tien, Riviera) im allgemeinen etwas grösser als die nörd-
licher Herkunft.
Die nördliche Form dagegen, wie sie besonders
schön in unserer Dresdener Gegend fliegt, ist gleich-
mässig und rein schwarz, mit ausgeprägter tief-
schwarzer Zeichnung, die besonders beim Schräghalten
des Falters hervortritt. Bei manchen Stücken zeigt sich
auch ein schwacher kupfriger Glanz im Saumfeld, doch
bei weitem nicht so stark wie z. B. bei Dalmatiner
Stücken, die hierdurch einen ganz anderen Charakter
erhalten. Dies ist so auffällig, dass der verst. Dr. Stau-
dinger die ersten Dresdner Stücke, welche ihm ein
Meissner Sammler (Zeidler) zuführte, zuerst nicht für
nigra ansprechen wollte.
Der verst. Pfarrer A. Fuchs, Borniech beschrieb 1901
in der Stettiner Entomol. Ztg. eingehend diese nördliche
Form, nach von mir erhaltenen Dresdener Stücken und
benannte sie zum Unterschied von den südlichen bräun-
lichen Form var. seileri.
Diese tiefschwarze Färbung verändert sich auch
nicht mit den ‚Jahren, jahrzehnte alte Dresdner Stücke
sind noch so schwarz wie vordem, nur dass der Ton
etwas matter geworden ist.
Seiler. Die Zucht von Aporophyla nigra Hw. 217.
Ausgeschlossen ist nicht, dass in höheren Lagen
der südl. Gegenden vorkommende nigra sieh im Aus-
sehen der nördlichen Form nähern, hierüber müssen
weitere Beobachtungen gemacht werden. Fest steht,
dass Dalmatiner Stücke, als auch ein Stück aus Digne,
die ich frisch gefangen erhielt, eine braunschwarze und
nicht tiefschwarze Färbung haben; die Htflgl. der 2 sind
auch weniger dunkel wie bei Dresdner Stücken, wiewohl
auch hier 2 mit in der Mitte aufgehellten Htflgln. vor-
kommen.
In meiner Sammlung befinden sich den Dresdnern
gleiche Stücke aus England, ebensolche sah ich aus
Estland und Prof. Standfuss schrieb mir s. Z. dass er
gleiche Stücke in seiner schlesischen Heimat gefangen
hat. Kurz, die nigra in dieser tiefschwarzen Form dürfte
über das ganze nördliche Europa verbreitet sein.
Der Schmetterling fliegt bei Dresden je nach der
Witterung von Mitte September bis in den Oktober hin-
ein und wird am Köder gefangen, immer nur in wenigen
Stücken, nur in den Jahren 1897 und 1898 trat er
häufiger auf. In manchen Jahren blieb der Fang ganz
aus. Das Tier ist also im allgemeinen eine Seltenheit,
was nicht zu verwundern ist, wenn man seine Biologie
näher kennt.
Die Gegend um Coswig bei Dresden, wo das Tier
gefunden wird, ist eine reine Sand- und Heidegegend,
die erwachsene Raupe lebt hier vorzugsweise an Heide
(Calluna vulgaris Salisb.) und Ginster (Sarotham. scopar.
Koch).
Im Juni-Juli findet man dieselbe erwachsen beim
Licht der Laterne oben an den Futterpflanzen. Am
Tage lebt sie verborgen. Die Zucht des Falters aus
diesen überwinterten Raupen ist nicht schwierig, bei
aufmerksamer Behandlung kommt der Falter fast mit
Sicherheit.
Anders jedoch verhält sich die Sache bei der Zucht
aus dem Ei, nach vielfachen Fehlversuchen gelang mir
dieselbe in zufriedenstellender Weise, zugleich auch dem
Sammler B. Taggeselle, Meissen, im Jahre 1911.
Das geköderte © der Eule gibt die Eier leicht ab
und zwar werden dieselben mit Vorliebe an die ver-
218 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
trockneten rötlichen Blüten(Samen)köpfehen der beige-
gebenen Heide abgelegt. Man muss gut hinsehen, um
die in Klümpehen daran abgesetzten Eier, die’in Farbe
und Aussehen den Blütenköpfchen gleichen, zu entdecken.
Das junge Räupchen entschlüpft dem Ei schon Ende
Oktober — Anfang November, überwintert also und
in diesem Umstand mag wohl die Ursache zu der ver-
hältnismässigen Seltenheit der Eule liegen.
Von den jungen, zarten, grünen Räupchen dürften
die meisten durch die Unbilden der Witterung im Herbst,
namentlich bei länger andauernden nasskaltem Wetter, zu
Grunde gehen.
Den jungen Räupchen legte ich bisher nur Heide
vor, hielt kühl oder nahm ins Zimmer und zog auf einge-
pflanztem Futter, hatte aber keinen Erfolg damit. Eine
Zeit lang hielten sich die Räupchen, manche kamen
auch durch den Winter, wuchsen aber sehr langsam
und gingen dann ausnahmslos ein. Ich kam dann auf
den Gedanken, dass die herbstliche Heide für die Kau-
werkzeuge der Räupchen zu hart sei uud legte denselben
deshalb Gras und andere niedere Pflanzen vor, wie solche
unter dem Heidekraut wachsen. Der Erfolg zeigte sich
sofort, die Räupchen gingen sogleich an das Futter, be-
sonders an das Gras Poa nemoralis L. Wald -Rispen -
gras, nahmen aber auch andere Grasarten und besonders
gern Genista tinetoria L. sowie Blätter der Schwarz-
wurzel (Scorzonera Tourn.) an. Ich hielt die Räupchen
kühl an sonnigem Fenster und die Tiere wuchsen dabei
langsam aber sichtlich. Es waren 15 Stück, die ich
auf diese Weise von Ende November ab behandelte.
Eine noch grössere Anzahl derselben Zucht war einge-
gangen, da ich nur Heide gegeben hatte, nur diese
15 Stück waren noch am Leben. Nachdem dieselben
etwa Mitte Dezember !/, der Grösse erreicht und den
kritischen Punkt der Erstarrung für die Winterruhe
überwunden hatten, nahm ich die Zucht ins warme Zimmer
und fütterte weiter mit möglichst grünen Zweigen der Heide,
die ich im Walde unterm Schnee hervorsuchte und
Schwarzwurzel. Die letztere wurde mit Vorliebe ge-
nommen, die Raupen frassen sich mitunter in ihrer
ganzen Länge in die zur Hälfte abgeschnittenen oberen
a TE ee A
Da
re
Seiler. Die Zucht von Aporophyla nigra Hw. 211g:
Teile der Schwarzwurzeln hinein, nachdem zuerst die
zarten Herzblättehen des Wurzelstocks verzehrt worden
waren. Die erwachsene Raupe ist prächtig anzuschauen
in ihrem leuchtend grünen Kleide von einem matten,
sammtartigen Glanz übergossen, aus dem sich die dunklen
Rückenzeiehnungen scharf hervorheben. Neben den
grünen Raupen kommen auch vereinzelt solehe von brauner
und schwarzer Grundfarbe vor. Eine nähere Beschrei-
bung der Raupe erübrigt sich, da sie bekannt ist.
Meine Zucht gedieh weiter gut bis zu Ende. Mitte
Januar waren die Raupen erwachsen und verschwanden
in der sandigen Heideerde, die ich in einem grossen
Blumentopf zurecht gemacht hatte. Ich liess den Topf
unberührt und offen im kühlen Zimmer stehen und be-
sprengte nur bei gelinder Witterung ganz leicht.
Mitte April nahm ich den Topf ins Zimmer und
schaute zunächst mal nach, ob Puppen zu finden wären.
Alsbald fand ich auch die erste, einige Gentimeter tief
in einem Erdcocon. aber — verstockt. Das Stürzen des
Topfes ergab noch drei anscheinend gesunde Puppen,
die anderen sämtlich verschimmelt.
Obgleich der Topf offen und kühl gestanden, die
Erde auch ziemlich trocken war, hatte es doch an ge-
nügender Luftzirkulation gefehlt, so dass die Puppen
verkommen waren. Besser deshalb, man nimmt sie nach
einiger Zeit aus der Erde und übergibt sie dem Puppen-
kasten.
Die drei noch gesunden Puppen gaben im Puppen-
behälter, unter Moos auf einem mit Gaze bespannten
Rahmen gelegt, unter dem ein Wasserbehälter steht, im
Juni drei prächtige © Falter.
Im Freien dürften die Räupchen beim Eintritt der
Kälte sich in die Wurzelballen des Waldgrases einbohren
und dort überwintern, sie haben da auch sogleich, beim
Eintritt wärmerer Witterung, Aesung an den zarten
Wurzelschösslingen, die immer frisch und grün sind.
Taggeselle, Meissen hat die nigra-Raupen aus-
schliesslich mit Heide getrieben und gezogen und auch
einige Falter erhalten.
220 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Neue Rhopalocera aus Transkaukasien.
Von E. Miller. Moskau.
Nachstehende neue spec. und subsp. wurden im
Kagysmanschen Bezirk des Karsschen Gouvernements !)
erbeutet, wo ich im Jahre 1911 sammelte.
Lycaena diana nov. sp.
Vorliegendes Material 7 5 39. Der L. coelestina
Ev. v. alticola Chr. am nächsten. Schmetterling ist
26—29 mm. Vorderflügel gestreckter als bei coelestina;
Aussenwinkel weniger stumpf. Flügeloberseiten des &
auf schwarzbrauner Grundfarbe dunkelblau beschuppt.
Bei einigen Exemplaren führt das Blau einen Stich ins
violette, bei anderen ins grünliche. — Auf den Vorder-
flügeln erstreckt sich die blaue Beschuppung von der
Basis auf 1/,—?/;, des Flügeldiscus; am dichtesten ist sie
längs dem Innenrande, zum Vorderrande hin wird sie
allmählich spärlicher. Aussenrand breit schwarzbraun,
schräg zum Vorderrand sich erweiternd.. — Auf den
Hinterflügeln ist die blaue Beschuppung regelmässiger,
der dunkle Rand weniger breit, — doch breiter wie bei
eoelestina. — Rippen auf allen Flügeln von dunkler
Grundfarbe. — Unterseite perlgrau bis dunkelaschgrau.
Mittelmond und Punktreihe der Vorderflügel von der
Grösse von coelestina, aber angelegt wie bei cyllarus,
— also gebogener wie bei coelestina. Wurzel der Vorder-
flügelunterseite span- oder blaugrün. Hinterflügelunter-
seite blaugrün oder hellblau übergossen. Mittelbinde
aus kleinen, an Zahl variirenden Punkten bestehend.
Der Saum breit grundfarbig grau. Mittelmond sichel-
förmig weiss. Rippen mehr oder weniger grau gekenn-
zeichnet. — Fühler schwarz, weiss geringelt.e. Kolbe
unten weiss. Kolbenspitze schwarz. Palpen lang behaart
(länger als bei coelestina), weissgrau und schwarz unter-
mischt, Endglied schwarz. Torax und Hinterleib grau-
blau behaart, letzterer unten weiss. Fransen weiss,
— breiter als bei coelestina. — Das 9 oben gleich-
mässig braun mit schwarzem Mittelmond. Grundfarbe
der Unterseite hell graubraun. Das Debrige wie beim &
!) Anmerkung d. Redakt. An der armenischen Grenze.
Miller. Neue Rhopalocera aus Transkaukasien. 291
Lycaena diana, nov. sp.
Lycaenae coelestinae Ev. v. alticolae Chr. similis.
Exploratio alarum anteriorum 26-29 mm. 5 supra
obseure caerulea, plus minusve violascens sive virides-
eens, alis anterioribus plus minusve nigro obscuratis.
Margine exteriore praesertim alarum anteriorum latissime
nigro, in alis posterioribus non distinete punctato. Puneto
centrali semper perspieuo. Venis nigro tectis,. — Subtus
einereo-griseus alis anterioribus L. coelestinae similibus,
sed basi viridescenti. Alis posterioribus fere totis viri-
descentibus sive caerulescentibus, lunula alba perspicua
et venis griseis, punetis ocellaribus parvis. Ciliis albis
latis. Antennis nigro-annulatis, articulo ultimo nigro.
Palparum velis longioribus, quam in coelestina, supra albo-
griseis, nigro mixtis. — @ supra brunnea, alis anteriori-
bus puncto nigro; subtus griseo-brunnescens, alis poste-
rioribus viridescentibus; cetera ut in 4. Lye. coelesti-
nae v. alticolae similis, sed major, caerulea et partim
nigro-infuscata, margine nigro, latissimo. velis et eiliis
longioribus, subtus in alis posterioribus lunula alba et
venis haud viride tinctis, species sine dubio diversa esse
videtur. —
L. diana fing ich im Kagysmanschen Bezirk zum
grössten Teil in der Umgegend des Bergsee’s Tschangle,
nördlich vom Arax. Sie fliegt dort auf Wiesen, die teils
steppen-, teils.subalpinen Charakter aufweisen, in einer
Höhe von etwa 2000 m in Gesellschaft von L. coe-
lestina, Eupheme menestho, Cleophana antirrhinii, Cledeo-
bia moldavieca und wenigen anderen Arten und scheint
hier den Verhältnissen gut angepasst zu sein, da sie hier
in einer ziemlichen Anzahl von Exemplaren vertreten
war. Die & variieren ziemlich stark in Beziehung auf
Grösse, Nüance des Blau, Verbreiterung der schwarzen .
Aussenbinde, Zahl und Grösse der Augenpunkte auf der
Unterseite, wie es auch bei L. coelestina aus derselben
Gegend der Fall ist. Die genannten Lycaenenarten be-
vorzugen im Kagysmanschen Gebiet Steppenwiesen mit
fruchtbarem vulkanischen Boden, wie wir ihn stellenweise
auf dem linken Ufer des Arax, auf der Seite des Kars’schen
Hochplateaus, stellenweise auf der rechten Seite des
Flusses auf einigen wenigen Nordhängen des Aggri-Dagh-
Gebirges vorfinden. In Gegenden mit dürrer Steppen-
222 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
vegetation, die im Kagysmanschen Gebiet ungleich do-
miniert, fand ich die Tiere nie. Die Höhe, in der sie leben,
beträgt wie gesagt, etwa 1800 —2000 m; Fangdatum bei
Tscehangle 15. — 17.VL.!
Callophrys mystaphia nov. sp.
Bestimmungsmaterial 25 2%. Schmetterling 16—19
mm, merklich kleiner als Callophrys rubi, dem er ähnelt.
Spitze der Vorderflügel stumpfer. Vorderseite rauch-
braun, von der Farbe von rubi. Beim % befindet sich
an der Stelle der Verästelung der Subcostalader, wo bei
rubi ein Grübchen von trüberer Farbe zu bemerken ist,
ein markierter graugelber Fleck von elliptischer Form.
Hinterflügel im Analteil gerundet, ungezähnt, an Rippe I
nicht in ein Läppcehen endend. Unterseite grasgrün, am
Innenrand der Vorderflügel hellbraun. Auf den Vorder-
flügeln parallel dem Aussenrande eine mattweisse Flecken-
binde. Eine weisse, mehr markierte Fleckenbinde auch
auf den Hinterflügeln. Im Unterschied von rubi, bei dem
die Fleckenbinde auf den Hinterflügeln beinahe grade ver-
läuft, ist dieselbe bei mystaphia auf Ader 5 rechtwink-
lieh gebrochen. Fransen auf den Vorderflügeln hellbraun,
auf den Hinterflügeln weiss und an den Rippenenden
schwach hellbraun gescheckt. Augen hellbraun, länger
behaart, als beirubi. Fühler weiss und schwarz geringelt,
Kolbenspitze hellbraun. Palpen grau. grün untermiseht;
kurzes Endglied schwarz. Stahlgrüne Schuppen finden
sich auch im Halskragen und grüne Haare, im Unter-
schied von rubi, um die Augen. Thorax und Hinterleib
oben wie rubi, unten graubraun, grün untermischt.
Callophrys mystaphia nov. sp.
Alarum exploratio 16—19 mm. Supra brunneus iu
alis anterioribus in & maecula odorata dilute brunnea,
fere alba. Alae posteriores nec dentatae, ut in ©.
rubi, nee in parte anali angulatae. Subtus viridescens,
fascia albomaculata in alis anterioribus fere obsoleta,
in alis posterioribus angulo recto pleeta. Ciliis anteri-
oribus brunneis, in alis posterioribus albo-brunneoque
variis. Oculis magis lanatis quam in C. rubi, pilis
viridibus einetis. Antennis albo-nigroque variis. Thorace
et abdomine subtus pilis griseo-brunneis, viride mixtis,
obtectis.
de
De
Miller. Neue Rhopalocera aus Transkaukasien. 223
Der Schmetterling wurde nur in 4 Exemplaren den
12. V. im Geklüfte „Mystaph“ beim Dorf Novoja Nico-
laewka (rechtes Ufer des Arax, an der Grenze zwischen
dem Kars’schen und dem Erivan’schen Gouvernements)
in einer Höhe von zirka 1800 m gefangen. In dieser
Höhe endet auf den Osthängen des Mystaphgeklüftes die
Waldregion, die übrigens nur durch Sträucher vertreten
ist, und wird durch eine üppige, beinah manneshohe
Umbellifere ersetzt, der Prangos lophoptera. Wie alle
Xerophyten der Gegend am Arax, hat auch diese Pflanze
eine kurze Vegetations- und Blütenperiode, die auf einer
Höhe von 1500 m —1800 m auf die erste Hälfte Mai fällt.
Die Schmetterlinge, & und 9, setzen sich beinah aus-
schliesslich auf diese Pflanze.
Colias chlorocoma, © ab. nova sulphurea.
Bestimmungsmaterial 1 ©. Schmetterling 57 mm. Un-
terscheidet sich von den normalen, grünlichweissen 92 von
chlorocoma durch hell schwefelgelbe Färbung der Ober-
seite und eine ebensolche, graugrün untermischte Farbe
der Unterseite. Thorax und Hinterleib ebenfalls hell-
gelb untermischt. Auf den ersten Blick erinnert die
Form an ein grosses 2 von C. erate. Von letzterer lässt
sie sich leicht durch den sehr hellorangefarbenen Mittel-
fleck der Hinterflügelvorderseite und die hellgraugrüne Fär-
bung der Hinterflügelunterseite unterscheiden. Vorderfigl.
sind viel gestreckter als bei erate. Dieses Unikum
wurde auf dem Aggri-Dagh-Gebirge auf einem der spezi-
fischen von CO. chlorocoma besuchten Kalkhängen den
28. VII. in Copula erbeutet. Die „Chlorocomahänge“ des
Aggri-Dagh sind öde Westhänge, zirka 2400 m hoch,
mit Dornpolstern von Astragalus und Acantholimon be-
wachsen. C. chlorocome haust hier von Mitte Juni bis
Juli. Die 3 lassen sich beinah nur in den ersten Morgen-
stunden an den Blüten von Aethionemum pulchella Boiss.
et Huet und an Stachys lavandulaefolia abfangen. Die
QQ fängt man am besten zur Mittags- oder Nachmittags-
zeit, wenn sie ihre Eier auf die Polster des Astragalus
aurens Wild. absetzen. Ausser von chlorocoma werden die-
selben Plätze noch von L. damone v. damonides besucht;
zuweilen setzt sich ein apollo v. kaschtschenkoi auf die
Blüten von Aethionemum nieder; äusserst selten sieht
man eine C. aurorina über den Hang vorüberrasen.
224 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Zwei neue Delias aus Celebes.
Von Dr. L. Martin.
Das Jäger- und Autorenglück ist mir an meinem
derzeitigen, schon öfters in diesen Blättern erwähnten
Aufenthaltsorte entschieden günstig — ich bin bei der
Wahl dieser kleinen Garnison glücklich in ein noch un-
erforschtes Gebiet getappt, welches sehr im Gegensatz
zu Makassar und Menado noch unbekannte Formen bietet.
Ich sage „getappt“, denn als ich an der massgebenden
höchsten Stelle in Batavia die Wahl hatte unter ver-
schiedenen Garnisonen, sowohl im Archipel, als auch
speziell auf der Insel Celebes, war niemand anwesend,
der mir über den Ort meiner Wahl auch nur die geringste
Mitteilung hätte machen können. Die Gebrüder Sarasin
aus Basel haben den Platz besucht, erwähnen aber in
ihrem berühmten Reisewerk über Celebes nur, dass Palu
nahezu moskitofrei sei. Ihre Erfahrung war aber eine
zu kurze und oberflächliche; wohl wird man in Palu
auffallend wenig durch das liebe, singende Genus Öulex
belästigt, was ich mir nur durch die Anwesenheit einer
kleinen, auch in sauerstoffarmen Wasser lebenden Barsch-
art erklären kann, die sich von den Öulexlarven nährt.
Aber dafür sind die gefährlichen Anophelesmücken nicht
selten und mit ihnen eine sehr angreifende, ermattende
Malaria. Ich habe Dörfer in der Umgebung von Palu
besucht, in denen die gesamte Einwohnerschaft an
riesigen Milztumoren litt. Auch in Makassar, der Haupt-
stadt von ÜÖelebes, wurde mein Wissensdurst nicht ge-
stillt, der Kommandant der auf der Insel liegenden
Militärmacht war auf einer Inspektionsreise abwesend,
der dirigierende Militärarzt hatte den Ort nie gesehen,
blieb mir nur die Konsultierung eines Feldwebels übrig,
der eben von Palu zurückgekehrt war. Was ich
aus ilhım herausholen konnte, war für meine Gesichts-
punkte nahezu Nihil, so überliess ich mein Schicksal
dem blinden Zufall und blieb bei meiner ersten Wahl
„Palu“. Durch die acht Monate, die ich bis heute auf
dem ganz unglaublich einsamen Platze verlebt habe, bin
Martin. Zwei neue Delias aus Celebes. 2235
ich nun genügend aufgeklärt und habe auch trotz Chinin-
prophylaxe den Anopheles meinen Tribut entrichtet.
Da aber Palu erst seit wenigen Jahren Garnison und
Standplatz eines Zivilbeamten ist, so kann die Zahl der
Europäer, die da mit offenen Augen gelebt haben und
Auskunft geben können, nur eine äusserst kleine sein.
Nun Palu selbst ist trotz des rauschenden, gelbweissen
Gebirgsstromes für den Entomologen eine bittere Ent-
täuschung, der denkbar schlimmste Hereinfall, denn es
hat in ganz Niederländisch-Indien die kleinste, jährliche
Regenmenge und stellt in Wahrheit in Fauna und Flora
eine afrikanische Encelave im malaiischen Gebiet dar.
Aber es besitzt ein regen- und waldreiches Hinterland,
in welchem die Palu austrocknenden Winde nicht mehr
wehen, und von dort muss ich meine Schmetterlinge
beziehen, allerdings auf dem mühsamen Wege militäri-
scher Patrouillen oder dnrch eigene kleine, aber sehr
kostspielige Sammelexpeditionen. Aber es geht und die
Erfolge übertreffen die anfänglichen Erwartungen, schon
habe ich einen neuen Papilio und zwei neue Euploeen
in diesen Spalten beschreiben können und gestern hat
mir der einer Patrouille von dreissig Bajonetten mit-
gegebene Sanitätssoldat mit einem Schlage zwei, wie
ich annehme, sicher neue Arten von Delias mitgebracht.
Ich hätte wohl kaum gewagt den hier an zweiter Stelle
stehenden Delias für neu zu beschreiben ohne Kenntnis
des von Staudinger schon vor 26 Jahren aus Üelebes
beschriebenen Delias melusina. Mein Glück wollte aber,
dass sich in der gleichen Ausbeute auch ein Stück der
in europäischen Sammlungen sicher sehr seltenen melu-
sina befand, an deren Identität ich an der Hand der
kurzen Beschreibung im grossen Seitz nicht zweifeln
kann und die mich aus meinem Dilemma befreit.
1. Delias benasu, nova species, nach 388, gefangen
in der ersten Oktoberhälfte 1912 beim Dorfe Boku, wo
die drei Landschaften von Mittel-Celebes Kolawi, Benasu
und Besoa zusammenstossen. Der Falter gleicht ober-
seits in der Färbung dem @ von Delias zebuda, Hew.,
nur ist die Grundfarbe etwas dunkler mit einem leichten
Stich ins Blaugraue. Grösse ebenfalls ungefähr wie
zebuda, Flügelschnitt der Vdflgl. jedoch spitzer und der
Htfigl. rundlicher, ausgebauchter. Der Vdflgl. zeigt auf
296 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
grauschwarzem Grunde grauweisse Zeichnungen: Ein
feiner Strich entlang dem Costalrande, diesen aber nicht
erreichend, so dass direkt am Rande noch ein dünner
Streifen der Grundfarbe bleibt. Der weisse Strich schlägt
am Zellverschlusse einwärts und begleitet diesen bis zum
Anschlusse an die Mediana in der Weise, dass die Disco-
cellularadern deutlich schwarz auf weisslicher Einfassung
erscheinen. Hinter dem Zellverschlusse wird der weisse
Costalstrieh etwas undeutlich, um gegen den Apex des
Flügels hin nochmals breiter und deutlicher aufzutreten;
am Aussenrande stehen zwischen den Adern sechs grau-
weisse Randflecken, von welchen die vier mittleren durch
schwarze Internervallinien in Hälften geteilt werden;
diese Randfleeken nehmen vom Apex gegen den Innen-
winkel an Grösse ab, die ersten drei sind oval, der vierte
und fünfte dreieckig, der sechste nur noch striehförmig.
Die Flügeleilien sind weiss, was besonders am Innen-
winkel auffällt. Die Unterseite des Vdflgls. zeigt die
gleiche Zeichnung, nur sind die Randflecken undeutlicher
und nach innen leicht schwefelgelb beschuppt, auch die
basale Hälfte der Zelle ist gelb angeflogen. Das Gebiet
unterhalb der Submediana ist in seiner basalen Hälfte
schwach beschuppt und grauweiss, welche Färbung auch
in einem dünnen Streifen oberhalb der Submediana zu
erkennen ist. Die grauschwarze Htflgloberseite trägt
ebenfalls sechs, den Rand nicht erreichende Randflecken,
welche vom Apex gegen den Analrand hin an Grösse
zunehmen, zwischen den Adern stehen und von denen
die drei grössten von schwarzen Internervallinien ge-
schnitten werden. Auf der Htflglunterseite finden sich
statt der hellgrauen Randflecke zwischen den dick-
schwarzen Adern mehr nach innen gerückte schwefel-
gelbe Wische, welche basalwärts reingelb und in einer
scharfen Linie abgeschnitten, gegen den Rand hin all-
mälig erlöschen und diesen nirgends erreichen. Auch
die Spitze der Zelle ist mit gelben Schuppen bedeckt
und ein kleiner, gelber Fleck steht in der Gabelung der
Subeostale, ein weiterer noch kleinerer direkt an der
Flügelwurzel vor der Costalader. Das grösste gelbe
Gebiet befindet sich zwischen Submediana und Interna
und vom Flügelrande her verlaufen schwarze Internerval-
linien in die gelbe Färbung. Kopf und Thorax, beide
stark behaart, sind wie Fühler und Füsse schwarz, Ab-
Martin. Zwei neue Delias aus Celebes. 227.
domen oberseits ebenfalls schwarz, auf der Bauchseite
gelblichweiss. Länge des Vadfigls 4,4 em.
Die Falter sassen auf dem feuchten Ufersande eines
kleinen Flüsschens, wo sie Wasser einsaugten,. sie haben
eine merkwürdige Aehnlichkeit mit Formen aus dem
amerikanischen Genus Pereute. Benennung nach der
Landschaft Benasu, an deren nördlichen Grenze sie ge-
fangen wurden. Die nächsten indischen Verwandten
dürften in der aglaia-Gruppe (tobahana aus Sumatra)
zu suchen sein, darauf wenigstens weisen Flügelschnitt,
Färbung und die weisse Einfassung des Zellverschlusses
des Vadfigls. hin.
2. Delias prinsi, nova species, nach 1 & im Oktober
1912 in der Landschaft Kolawi nahe dem Dorfe Lemo
gefangen. In der Grösse kommt diese neue Art mit der
eben beschriebenen und zebuda ziemlich überein, der
an der Costa stark gebogene Vdflgl. ist spitziger, der
Htfigl. gerundeter und bauchiger als bei zebuda. Grund-
farbe beider Flügel oberseits weiss mit schwarzer Zeich-
nung. Der Vafigl., an der Basis und entlang dem Costal-
rande schwarz bestäubt, ist in seinem äusseren Drittel
an der Costa breit, am Innenwinkel nur noch schmal
schwarz, die Grenzlinie des schwarzen Gebietes liegt
ausserhalb der Zelle und die Schwarzfärbung nimmt
gegen Apex und Aussenrand an Stärke zu. Im schwarzen
Gebiet steht eine marginale Binde von sechs weissen,
ovalen Flecken, von denen sich der erste und kleinste
direkt hinter dem Costalrande befindet, der zweite in der
Gabelung der Subeostale ist der längste und hellste, der
dritte, nur wenig kürzer, ist mehr randwärts gerückt,
der vierte und fünfte sind ziemlich gleich an Grösse,
der sechste ist nur eben noch angedeutet. Die Median-
ader und ihre Aeste sind leicht schwarz bestäubt. Die
Uuterseite des Vdfigls. ist schwarz, die marginale Flecken-
binde der Oberseite erscheint auch hier, aber stärker
weiss und der oberste, hinter dem Costalrande stehende
Fleck ist leicht gelblich; zwischen Mediana und Sub-
mediana am Rande vor dem Innenwinkel noch drei
weitere kleine, weisse Flecken; in den Flecken 2, 3, 4,
5 und 6 eine prominente Internervallinie, vom Flügel-
rande her etwas schwarz bestäubt, gegen die Basis hin
weiss und in dieser Farbe noch als feiner Stiel der
Flecken in das schwarze Gebiet fortgesetzt. Direkt
298 Deutsche Entom, Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
hinter dem Costalrande nach aussen vom Zellverschluss
stehen zwei weitere längliche, weisse Flecken vor Fleck
1 und 3 der Randbinde. Htfigloberseite rein weiss, nur
die anale Hälfte des Aussenrandes von der Submediana
bis zum Apex des dritten Medianastes schwarz geräandet,
diese schwarze Randfärbung setzt sich auf den Adern
basalwärts etwas ins weisse Gebiet fort. Unterseite
reich dottergelb mit sehr breiter blauschwarzer Randbinde,
welche vom Costalrande bis zum Analwinkel reicht. In
dieser Randhinde stehen sieben gelbe Flecken, durch
deren Mitte eine prominente, schwarze Internervallinie
läuft. Der oberste und zugleich grösste Fleck ist oval,
der zweite kleiner, nach innen und unten schief abge-
schnitten, der dritte ebenfalls klein, nach innen und oben
schief abgeschnitten, der vierte oval mit abgeschnittenen
inneren Pole, der fünfte herzförmig mit Spitze gegen
den Flügelrand, der sechste und siebente, klein und
tropfenförmig, stehen zwischen Mediana und Submediana
nahe beisammen. Kopf und Thorax schwarz mit weisser Be-
haarung, Augen und Fühler schwarz, Füsse weisslich. Abdo-
men oben schwarz, unten weiss. Länge des Vdilgls. 4,5 em.
Benennung zu Ehren des Kapitäns der Infanterie
S. Prins, des Kommandanten der kleinen Garnison von
Palu, dessen Wohlwollen ich manche entomologische
Beute verdanke, welche die Patrouillen aus bisher un-
erforschtem, von Europäern kaum betretenen Gebiete
angebracht haben. Wie schon oben gesagt, war es mir
sehr angenehm, dass die gleiche Patrouille auch ein
Exemplar der mir noch unbekannten, sicher seltenen
Delias melusina, Stdgr. erbeutete. Melusina hat die
Oberseite beider Flügel dicht grau bestäubt, ist bedeutend
kleiner und besitzt anderen, spitzeren Flügelschnitt, zeigt
aber nahezu gleiche Htilglfärbung und Zeiehnung wie
die neue Art. Diese käme in die Nähe von chryso-
melaena, Voll. aus Batjan zu stehen.
Bis heute waren von der Insel Celebes uur vier
Deliasarten bekannt, jedenfalls viel zu wenig für das
grosse, gebirgige Gebiet der Insel. Wir kennen nun:
zebuda Hew. von Süd- u. Nordeelebes — melusina Stdgr.
nur von Nordcelebes — rosenbergi Voll. aus Südcelebes
mitlorquini Fld. als Nordform — battana Fruhst. aus Süd-
celebes und die beiden eben beschriebenen, neuen For-
men. Weitere Neuentdeckungen sind nach meiner An-
sicht mit Sicherheit zu erwarten.
Paloe, den 23. Oktober 1912.
Bang-Haas. Palaearktische Makrolepidopteren 229.
Neue oder wenig bekannte palaearktische
Makrolepidopteren VI.
Von A. Bang-Haas, Blasewitz.
Dolbina elegans n. sp.
Von dieser interessanten kleinen Art erhielten wir
nur zwei männliche, ganz reine Stücke aus Syrien (Isken-
derun). Die Grundfarbe der Vdfigl. ist grauschwarz, zu-
weilen weisslichgrau gesprenkelt, besonders im Mittel-
und Saumfelde. An der Basis fällt am Vorderrande ein
ziemlich reiner, weisser, kleiner Fleck auf. Die Einfassung
des Mittelfeldes durch unregelmässige, schwärzliche Quer-
streifen ist am deutlichsten am Innenrande, besonders an
der inneren doppelten Linie, die allmählig nach dem
Vorderrande zu verlöscht. Die äussere Einfassung besteht
ebenfalls aus drei etwas unregelmässigen, ziemlich para-
lellen, öfters zusammenfliessenden Streifen oder Linien,
‚die von mehreren kleinen, scharfen, schwarzen Strichen
in den Zellen durchschossen werden. Auffallend ist eine
lange, feine, scharfe, kurz hinter der Flügelbasis be-
ginnende bis an den Saum reichende schwarze Linie in
Zelle 1 B. Die Flügelspitze ist etwas kräftiger weisslich
bestäubt mit kurzem, scharfen, schwarzen Striche (etwa
wie bei Hyloicus pinastri L.). Dahinter stehen 3 dickere,
schwarze Längsfleckchen. Der Mittelpunkt tritt scharf
hervor und ist reinweiss. Die Fransen sind nur ein wenig
heller grau, etwas unregelmässig fleckig, schwärzlich
unterbrochen; diese fleckige Unterbrechung beginnt schon
im Saumfelde durch schwache Verdunkelung der Rippen
und setzt sich etwas verdickt in den Fransen fort; in-
dessen zeigen die Fransen durchaus nicht eine so scharfe
Farbentrennung wie z. B. bei H. pinastri. Die Hinter-
flügel sind einfarbig grauschwarz, an der Basis kaum
heller, aber am Analwinkel mit schwacher, schwarzer
fleckenartiger Verdunklung, etwa wie bei Dolbina tancrei
Stgr. AmInnenrande sind die Fransen reiner weiss, sonst
treten sie auf den Rippen nur wenig dunkler hervor,
und sind lange nicht so deutlich gefleckt wie auf den
Vdilgln. Kopf und Thorax ziemlich hell gesprenkelt; die
Fr N Au A a ne 6
230 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Ränder der Halskragen und der Schulterdecken sind fein-
linig schwarz. Der hintere Teil des Thorax zeigt eine
scharfe, weisse Beschuppung, die wiederum von tief-
schwarzer Behaarung abgesehlossen wird vor dem Be-
ginn der hellen Farbe der Hinterleibsringe. Besonders
diese ersten Ringe sind seitlich heller gefärbt als die
letzten Ringe. Eine fleckige Zeichnung, etwa wie bei
Dolbina exacta oder tancrei, weist der Hinterleib nicht
auf. Die Unterseite der Vdfigl. ziemlich zeichnungslos,
höchstens am Vorderrande heller grau; nur die Spitze
zeigt einen kleinen, scharfen, länglichen, weissen Fleck;
die Querbinden der Oberseite sind nur durch schwache
Schatten mit etwas stärkeren Absätzen am Vorderrande
bemerkbar. Auffallend sind dagegen die scharfen Zeich-
nungen auf der Unterseite der Htfigl. Ein dicker, gerader,
schwärzlicher Streifen geht vom Analwinkel bis an die
Mitte des Vorderrandes, und ausserdem steht saumwärts
eine dünnere gebogene Linie. Die Farbe der Unterseite
beider Flügel ist etwas heller, regelmässiger grau als
die der Oberseite.
Spannweite 39—41 mm.
Einige interessante Aberrationen und Hermaphroditen
meiner Sammlung.
Von Franz Philipps. Köln a. Rhein.
(Hierzu Tafel VII.)
No. 1. Doritis apollinus Hbst.
Vollständiger Zwitter, links, rechts &, geschlüpft
bei mir am 16. Januar 1911 aus einer Puppe von
Beirut (Syrien).
No. 2. Colias phicomone Esp.
Vollständiger Melanismus eines Weibchens, ge-
fangen von mir am 8. August 1907 bei Arolla
(Wallis), auf einer blumenreiehen Alpenwiese, in
einer Höhe von zirka 2200 Meter.
No
No.
No.
No.
Philipps. Interessante Aberrationen u. Hermaphroditen 231 .
2 D.
. 6-7.
10.
Argynnis ino Rott.
Gefangen im Juli 1907 von Herın Robert Zur-
strassen, Essen-Rüttenscheidi. Leukerbad(Schweiz).
Argynnis paphia L. — valesina Esp.
Dieses hochinteressante gynandromorphe Stück
wurde von Dr. med. E. Fischer, Zürich, im Jahre
1911 ab ovo gezogen. Alle charakteristischen
Merkmale sind auf der Abbildung genau ersichtlch.
Augiades commaL.
Vollständiger Zwitter, erhalten von der Firma
Dr. O. Staudinger & A. Bang-Haas, Blasewitz.
Fundort: Wien 1908.
Saturnia pavoniaLl.
Eine merkwürdige Abart mit den grossen schwarzen
länglichen Augenfeldern; gezogen aus Raupen, an
Schlehen fressend gefunden, in Zella.H. (Kintzig-
tal) von Friedr. Hern, Gengenbach (Baden).
Arctia caja L.
Diese auffallende, naturgetreu abgebildete Aber-
ration wurde von Herrn L. Bauer, Köln, am
19. September 1899 mit normal gezeichneten
caja aus Raupen, von Reichenbach in Schlesien
stammend, gezogen.
Callimorpha philippsi Bartel.
Eine neue, von Max Bartel, Nürnberg (früher
Oranienburg) beschriebene Art (Soc. Entomologica
1906, XXI p. 41) e. coll. Max Korb, München,
welcher sie aus Kuschk (Russisch-Turkmenien)
erhielt.
Pericallia matronula L.
Von Max Hellfritsch, Jena, aus einer bei Jena
gefundenen Raupe gezogen; geschlüpft am 16. Juni
1911.
Dadurch, dass der rechte Unterflügel grösstenteils
mit Oberflügelzeichnung versehen ist, dürfte das
Stück pathologisch sehr interessant sein.
# b Tan Ir Al u 2.’ -
Tr ey en .
232 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Gegen die Zulassung von Ausnahmen vom Prioritäts-
Gesetz.
Von Dr. Ernst Hartert.
Seit etwa dreissig Jahren sind Zoologen der ver-
schiedensten Länder ernsthaft bemüht, in das bis dahin
vorwiegende Chaos der zoologischen Nomenklatur Ord-
nung zu bringen. Die Internationalen Zoologenkongresse
haben sich der Sache angenommen und Kommissionen
ernannt, die sich mit der Regelung der Nomenklatur auf
Grund derinternationalen Nomenklaturregeln beschäftigen.
Diese Bemühungen sind von glänzenden Erfol-
sen gekrönt worden, in fast allen Spezialgebieten
systematischer Zoologie sind die ältesten feststehenden
Namen an Stelle der vielfach nach den persönlichen
Anschauungen der Autoren wechselnden getreten. All-
gemein fing man in der systematischen Zoologie an,
Gleichmässigkeit und Beständigkeit in der Nomenklatur
zu fühlen, endlich gab es feste Regeln, nach denen man
sich richten konnte, namentlich die so lange schwankende
Typenbestimmung älterer Gattungsnamen erfolgte nach
bestimmten Grundsätzen, so dass auch hierin — dem
bisher schwierigsten Punkte der Nomenklatur — eine
endgültige Regelung in Sicht war. Man sollte glauben,
dass diese Bestrebungen und mühevollen Arbeiten unter
Hintansetzung augenblicklicher Unbequem-
lichkeiten allgemein unterstützt worden wären.
Dies ist indessen nicht der Fall.
Auf der Jahresversammlung der Deutschen Zoolo-
gischen Gesellschaft in Halle, 1912, wurden in Gestalt
von vier Paragraphen Anträge angenommen „zur Ein-
schränkung des Prioritätsgesetzes‘. Diese Anträge sind
(nach der Fassung im Zool. Anz. 1912 p. 155) folgende:
s$s 1. Listen von Gattungsnamen sind aufzustellen,
die dem Prioritätsgesetz nicht unterliegen sollen, niemals
abgeändert oder auf andere Gattungen übertragen werden
Hartert. Ausnahmen vom Prioritätsgesetz? 233
dürfen. Diese Listen sind von besonderen
Kommissionen fortdauernd zu ergänzen.
$ 2. Die Uebertragung eines Gattungs- oder Art-
namens auf eine andere Gattung oder Art ist unzulässig,
wenn sie dauernd zur Verwirrung und Irrtümern Anlass
bietet.
$ 3. Bei der Feststellung der Priorität sind gewisse
Werke nicht zu berücksichtigen, z. B. (folgt Liste von
zwölf Werken). Diese Liste ist vonden Kommis-
sionen zu ergänzen.
$ 4 Ebensowenig kommen bei der Feststellung der
Priorität in Betracht: Angaben in Encycelopädien, popu-
lären Reisewerken, Jagd- und Fischereizeitungen, Kata-
logen, Gärtnerzeitschriften, landwirtschaftlichen Veröffent-
lichungen, Unterhaltungs- und politischen Zeitschriften,
Zeitungen und ähnlichen nichtwissenschaftlichen Ver-
öffentlichungen, welche keinen wesentlichen Einfluss auf
die wissenschaftliche Systematik gehabt haben und von
dieser so gut wie nicht berücksichtigt werden.
Diese Anträge erhielten 635 Unterschriften. Diese
Anträge kommen einem völligen Aufgeben des Prinzips
der Priorität gleich. Wenn fortdauernd zu er-
gsänzende Listen von hinfort nicht mehr zu ändernden
Namen aufgestellt werden, so heisst das, dass man hin-
fort nieht mehr sicher sein kann, ob ein durchaus rich-
tiger, ältester Name bestehen bleiben wird oder nicht.
„In erster Linie haben diese Listen diejenigen
Gattungsnamen zu enthalten, welche vor 1900 eingebürgert
waren und besonders im Unterricht gebräuchlich sind.“
Diese Listen sind also mit anderen Worten zu machen,
um eine momentane Unbequemlichkeit beim
Unterrichte zu ersparen. Ist das ein Grund zur Auf-
gabe eines als richtig anerkannten Prinzipes? Was sind
„vor 1900 eingebürgerte* Namen, sind dieselben etwa
in den verschiedenen Ländern und Lehrbüchern die
gleichen’?
Diese Anträge sind vorzugsweiss von Universitäts-
lehrern vorgeschlagen worden, die Regelung der Nomen-
klatur ist aber am wichtigsten für die Systematiker und
234 Deutsche Entom. Zeitschr. Iris. Dresden 1912.
Spezialisten, und diese haben darin in erster Linie das
Wort zu führen, wenn diese die für sie viel grössere
momentane Unbequemlichkeit nicht scheuen, so sollten
ihre Bestrebungen doppelt unterstützt und anerkannt
werden. Geschieht dies nicht, so werden die Systematiker
gezwungen werden, über diejenigen, welche die logisch
richtigen, auf dem allgemein anerkannten Prinzipe der
Priorität beruhenden Namen nicht anerkennen wollen,
zur Tagesordnung überzugehen.
Ausser den vor 1900 im Unterricht eingebürgerten
Namen sollen aber auch andere auf die Proscriptionsliste
gesetzt werden, denn es heisst, dass jene nur „in erster
Linie“ kommen. Ein Ende der Liste ist also nicht ab-
zusehen, Stabilität hinfort problematisch.
Ferner soll ein Index nomenklatorisch verbotener
Bücher aufgestellt werden. Wie kann man ernstlich
einen solchen Antrag unterstützen, ohne zu wissen, was
für Bücher auf den Index kommen sollen? Die ange-
geführten Beispiele erklären die Natur dieser Werke
nicht. Wie die Anträge vor uns stehen, öffnen sie also
der Willkür Tor und Tür. Es ist fraglich, ob alle Unter-
zeichner ihre Zustimmung wohl erwogen haben.
Zum Schluss kommt $ 4. Dieser Paragraph muss
das Vertrauen in den Ernst der Anträge erschüttern.
Es sind da „Encyelopädien, Kataloge, populäre Reise-
werke“ usw. genannt; in solchen Werken aber sind oft
die grundlegendsten systematischen Arbeiten enthalten.
Man erinnere sich nur der grossen französischen Encey-
elopädien, die zu den Grundlagen entomologischer Nomen-
klatur gehören, an den „Catalogue of Birds“, der das
bedeutendste ornithologische Werk bis auf den heutigen
Tag bildet, an die wissenschaftlichen Anhänge zu vielen
populären Reisewerken u. a. m., abgesehen davon, dass
es sehr schwer ist, die Grenze zwischen populär und
nichtpopulär zu ziehen, ‚und dass die Entscheidung da-
rüber in den einzelnen Fällen eine viele Jahre lange
dauernde Unsicherheit und Arbeit bringen würde, bis zu
deren Erledigung Chaos herrschen würde.
Wahrscheinlich meinte der Antragsteller, dass obige
Werke u. a. m. nur dann nicht berücksichtigt werden
Hartert. Ausnahmen vom Prioritätsgesetz ? 239.4
sollten, insofern sie keinen wesentlichen Einfluss auf
die wissenschaftliche Systematik gehabt haben; der
Woertlaut des Antrags aber besagt das nicht. Es würde
übrigens eine lange Arbeit kosten, die Kataloge (gemeint
sind vielleicht Preiskataloge von Händlern, der Wortlaut
aber sagt Kataloge, und dazu gehört der „Catalogue
of Birds“), Eneyelopädien, und andere Werke zu studieren,
Listen von den Schafen und Böcken unter ihnen aufzu-
stellen — die Nomenklatur würde vor der Hand un-
sicherer sein, als vor dem Bestehen irgend welcher Regeln!
Wir sind der Ansicht, dass nur unbedingte Priorität
zu einer Stabilität in der Nomenklatur führen kann, und
dass die Abfassung der Anträge „zur Einschränkung des
Prioritätsgesetzes“ nicht vertrauenerweckend ist. Wir
protestieren daher gegen die Anerkennung der Anträge,
die einer Aufgabe des Prioritätsprinzipes gleichkommen
würden.
Anmerkung der Redaktion: Mit grosser Genugtuung
drucken wir die Ausführungen des bekannten Ornithologen
Hartert hier in unserer Iris ab, da sie sich mit unseren
Anschauungen völlig decken. Gerade die Entomologen
können auch ein Lied davon singen, welch unglaublicher
Wirrwarr in der entomologischen Nomenklatur herrschte
und noch herrscht. Denn ganz allmählich erst kommt,
dank angestrengter Arbeit, langsam Ordnung auch auf
unserem Gebiete zu stande. Dies war aber nur möglich
auf Grund der internationalen Nomenklaturregeln, unter
denen das Prioritätsgesetz mit obenan steht. Auch wir
sind deshalb der Meinung, Ausnahmen von demselben
nicht zuzulassen und wenden uns hierdurch an unsere
Mitgieder mit der Bitte Stellung zu der ganzen Sache zu
nehmen, deren Wichtigkeit wohl einem jeden einleuch-
tet. Wir werden in Kürze den Mitgliedern der Iris Ab-
stimmungskarten in dieser Angelegenheit zur Verfügung
stellen.
" v Pe ee u WEN DE EEE TE, \ ’ = ”
prior, "a6" 57 Reue Ska RL ey Ar Zee
Dal A Ken) }
I Bücherbesprechungen
Bücherbesprechungen.
Krancher, Dr. Oskar. Entomologisches Jahrbuch. XXI. Jahr-
garg. Kalender für alle Insektensammler auf das Jahr 1912. Heraus-
gegeben unter gütiger Mitwirkung hervorragender Entomologen.
Preis: 1,60 Mk. Druck und Verlag von Frankenstein & Wagner,
‚Leipzig 1912. — Auch der vorliegende neue Jahrgang dieses
beliebten Kalenders bietet wieder zahlreiche entomologische Abhand-
lungen mannigfachster Art dar. Die Sammler vor Mikrolepidopteren
finden in den „monatlichen Sammelanweisungen“ willkommene An-
regungen zum Aufsuchen von Faltern und Raupen. Nach einem
einleitenden Vorworte von Dr. A. Meixner in Graz beginnt in diesen
Anweisungen die Besprechung der formenreichen Gruppe der Tine-
aemorpha durch Dr. Meyer in Saarbrücken. Von den übrigen lepi-
dopterologischen Abhandlungen des Büchleins seien hervorgehoben:
„Verhalten der Schmetterlinge bei starkem Winde im Hochgebirge“
von K. Mitterberger, — „Die Tagfalterfauna Anhalts“ von A. Kunze,
— „Etwas Neues über Stegania trimaculata Vill. u. ab. cognataria
Ld.“ von H. Gauckler, — „Ueber den Fang von Hiptelia lorezi
Stgr. in Steiermark“ von F. Hoffmann.
Von coleopterologischen Arbeiten sind zu nennen: „Die Haseinuss
— ein Wohnhaus“ von ©. Schenkling, — „Bibliographie von Edm.
Reitters Bestimmungstabellen der europ. Coleopteren“ von Prof. v.
Dalla Torre, — „Fine Sammelexkursion auf den Vlasulja“ von J.
Meixner, — „Die Varietäten der bei Leipzig vorkommenden Phydo-
deeta-Arten.“ nebst einer farbigen Tafel von A. Reichert und vieles
andere. Sodann folgt ein Literaturbericht über die wichtigsten Er-
scheinungen auf dem entomol. Büchermarkte vom Verfasser. Den
Schluss bildet eine Humoreske: „A Sitzungsoabend vum entomolog.
Verein „Oberschlesien“ von H. Grützner.
Die Anschaffung des entomologischen Jahrbuches kann jedem
Insekten-Sammler dringend empfohlen werden.
A. Winckler.
Kleine, Richard: Unsere heimischen Schmetterlinge, ihr Leben
und ihre Entwickelung. Leipzig 1912, Theod. Thomas Verlag M. 1.—.
Das kleine Werk, das als Buchbeilage der wohlbekannten Zeitschrift
„Natur“ der Deutschen naturwissenschaftlichen Gesesellschaft bei-
liegt, bringt in gedrängter Kürze ausgezeichnete biologische Hin-
weise auf die einzelnen Entwickelungsstadien der Schmetterlinge
vom Ei bis zum Falter und giebt in seiner Gesamtheit ein treften-
des Bild von dieser Entwickelung, Gut gewählte selbstgefertigte
Photographieen und Zeichnungen ergänzen den Text. Das Buch
wird sicher der Entomnlogie neue Freunde erwerben und zeigt
diesen den Weg für selbstständiges Beobachten und Forschen sowie
die richtige Art, eine Sammlung von wissenschaftlichem Werte an-
zulegen. Dr. w.
Alexander Heyne in Berlin-Wilmersdorf hat (siehe das Inserat
auf dem Umschlag) zwei Bücherverzeichnisse über Bücher entomo-
logischen Inhalts und eine Liste entomologischer Gerätschaften er-
scheinen lassen, bei deren Durchsicht wir manches gute und em-
pfehlenswerte gefunden haben. Dr D
BR * Kr Ur
Bücherbesprechungen II
Bücherbesprechungen.
Karl Vorbrodt und J. Müller-Rutz. Die Schmetterlinge der
Schweiz. 2. und 3. Lieferung, Bern, Druck und Verlag von R. J. Wyss.
In der 2. Lieferung sind die Tagfalter zu Ende geführt in derselben
umfassenden und sorgfältigen Weise wie ich in der Besprechung
der 1. Lieferung (Iris XXV.S. XIH) näher ausgeführt habe. Grosses
Interesse bieten die biologischen Beobachtungen, die gerade bei den
Tagfaltern viel neues bringen und dem Züchter erwünscht sein wer-
den. Bei den Lyeaeniden finden wir das ganze grosse Heer von
Aberrationen angeführt, bekanntlich hat der furor nomencelatorius
bei dieser Gattung die ärgsten Blüten getrieben, und auf einer
Tafel wird das Courvoisier’sche System der Zeichnungs-Aberrationen
übersichtlich dargestellt. Bei den Hesperiden sind die neueren
Untersuchungen Reverdins berücksichtigt. Die 3. Lieferung beginnt
mit der Fortsetzung des allgemeinen Teils: Die klimatischen Ver-
hältnisse, Herkunft und Verbreitung der Fauna werden ausführlich
behandelt, daran reiht sich die Fortsetzung des speziellen Teils:
Sphingidae (Nomenklatur nach Rothschild und Jordan), Bombyces
(45 Seiten), am Ende dieser Lieferung beginnen die Noctuen. Es
braucht nicht wiederholt zu werden, dass ein Studium dieser vor-
züglichen, auf der Basis der modernsten Forschungen fussenden
Fauna jedem Entomologen sehr zu empfehlen ist, besonders auch
denjenigen, die keine Zeit und Gelegenheit haben, sich immer mit
der gesamten Literatur auf dem Laufenden zu halten. Möbius
Stephan, J. Insektenschädlinge unserer Heimat. — Verlag
Theodor Thomas, Leipzig. Preis SO Pfg. — Das kleine Werk macht
den Leser mit den wichtigsten unserer heimischen Schädlinge aus
der Insektenwelt bekannt und gibt sachgemässe Hinweise auf eine
rationelle Bekämpfung derselben, bringt auch eine grosse Anzahl
von Abbildungen. Bei dem niedrigen Preis wird das Heft weite Ver-
breitung finden. Dr. W
Stephan, J. Unerwünschte Hausgenossen aus dem Insekten-
reich (Naturwiss.-technisch. Volksbücherei, Verlag von Th. Thomas,
Leipzig, ohne Jahreszahl, Preis 20 Pfg.) betitelt sich ein kleines
Büchlein, das in anregendem Ton allerlei Belehrendes aus dem
Leben der gelegentlich in unseren Wohnungen vorkommenden In-
sekten erzählt, wobei allerdings vorausgesetzt wird, dass man die
betreffenden Insekten bereits kennt, denn nach den grösstenteils
sehr mangelhaften Textfiguren ist eine Bestimmung unmöglich.
(Vorbildlich hätte in dieser Hinsicht: Houlbert, Inseets ennemis
des livres, Paris 1902, dienen können.) H
K. Lampert, Prof. Dr., Stuttgart. -— Kleines Schmetterlings-
buch. — Verlag von J. F. Schreiber, Esslingen und München. —
Preis geb. Mk. 4,50. — Das Buch ist für Anfänger und Schüler be-
stimmt. Es behandelt in leicht verständlicher, knapper Weise Bau
der Insekten und besonders der Schmetterlinge, es bringt anschau-
liche biologische Hinweise, die zu weiteren Beobachtungen anregen.
Nutzen und Schaden, Feinde und Krankheiten, Fang und Sammel-
technik ete. werden besprochen und im systematischen Teil wird
der Leser mit den wichtigsten Vertretern der einzelnen Arten Mittel-
Europas bekannt gemacht, wobei vorzügliche, zum grossen Teile
farbige Abbildungen die Bestimmung erleichtern. Es ist anerkennens-
wert, was für den niedrigen Preis geboten wird, und es bleibt nur
zu wünschen, dass durch dieses Buch der Schmetterlingskunde
recht viele neue junge Freunde zugeführt werden. Sie haben in
ihm jedenfalls einen ausgezeichneten Ratgeber. Dr. W
IV Bücherbesprechungen.
Bücherbesprechungen.
Seitz: Die Großsehmetterlinge der Erde. Seit unserer letzten
Besprechung dieses großen Unternehmens ist das Werk wieder ein
gutes Stück gefördert worden; bei der Fülle des gebotenen Materials
ist es hier nicht möglich, auf den Inhalt ausführlicher oder gar
kritisch einzugehen. Dass es bei der Menge von Licht nicht auch
an Schatten fehlen kann, wird jeder billig Denkende entschuldbar
finden. Hängt doch die Bearbeitung der verschiedenen Teile nicht
nur vom Geschick und der Literaturkenntnis der einzelnen Bearbeiter,
sondern vor allem von den bereits vorhandenen Vorarbeiten ab, die
eine mehr oder weniger rasche Bewältigung des Stoffes ermöglichen.
Den Wunsch, das Werk in möglichst rascher Folge erscheinen zu
lassen, mit der erstrebten Gründlichkeit in Einklang zu bringen,
bildet daher wohl die Hauptschwierigkeit für den Herausgeber. Dem-
entsprechend verteilt sich auch das bisher Erschienene sehr ungleich
auf die projektierten Bände, so daß es nicht allzu leicht ist, einen Ueber-
blick über das bereits Gelieferte und noch zu Erwartende zu gewinnen.
Seid ungefähr Jahresfrist sind erschienen: Band II, Fauna palaearctica,
Sphingidae und Bombyeidae: Lasiocampidae, Lemoniidae, Eupterotidae,
Notodontidae von Grünberg, Bombyeidae, Endromiidae, Callidu-
lidae, Brahmaeidae, Uranidae, Megalopodidae und Limacodidae von
Seitz, Drepanidae von Strand, Saturnidae und Sphingidae von
Jordan, Schwärmerhybriden von Denso und Cymatophoridae von
Warren. Zu dem erschienenen Text sind bisher 49 Tafeln beige-
geben worden, die in der naturgetreuen Art ihrer Ausführung dem
Werk ja seinen besonderen Wert verleihen. Daß da, wo die Aus-
führung den Anforderungen nicht genügt, der Verlag bemüht ist,
Ersatz zu schaffen, beweist der Neudruck von Tafel 41 (Celerio).
Vom Bd. III, Noctuidae, ist seit Jahresfrist nichts weiter erschienen.
Band V, Fauna americana, Rhopalocera, bringt mit 9 weiteren Druck-
bogen die umfangreiche Familie der Satyriden von Weymer zum
Abschluss und 3 Druckbogen Morphidae bis Narope von Fruh-
storfer. Die schönen Tafeln mit Morphiden, so wie die 72. und
73. mit den schwierig nach Beschreibungen zu unterscheidenden
Heliconius werden allerseits willkommen sein. Band IX, Fauna indo-
australica, Rhopalocera bringt den Schluß der Satyridae von Fruh-
storfer, ferner von demselben Autor die altweltlichen Morphidae,
die jetzt als Amathusiidae zusammengefaßt werden und S1/, Druck-
bogen von Nymphaliden bis Vanessa nnd Polygonia. Von den bis
139 nummerierten Tafeln dürften die dem Text teilweise vorauseilenden
mit den Gattungen Tanaecia, Felderia und Taxila am meisten dazu
beitragen, die Artkenntnis der Sammler zu vertiefen. Band X,
Fauna indo-australica, Phalaenae, ist seit 13.1.08 nur davon das Vor-
wort und die Castniidae von Strand erschienen. Band XI, Fauna
indo - australiea, Noctuidae: Einleitung von Seitz und die Familie
Agaristidae von Jordan, sowie der Anfang der Noctuidae von
Warren. Band XII, Fauna atricana, Rhopalocera, ist um 10 Druck-
bogen vermehrt worden und bringt die von Aurivillius be-
arbeiteten, umfangreichen Satyriden zum Abschluss und die Nympha-
lidae bis zur Gattung Euphaedra. Die 46 bisher erschienen Tafeln
Bücherbesprechungen. N
halten mit dem Text Schritt und geben zu Ausstellungen keinerlei
Anlass.
Ist somit bisher schon sehr Ansehnliches geleistet worden (Band
I liegt abgeschlossen vor), so bleibt doch noch eine große Arbeit bis
zur Vollendung zu tun übrig. Von Band IV, VI, VII, VII, XII, XIV,
XV, XVI ist bisher noch garnichts, von Bd. II und X nur der erste
Anfang erschienen. Da es sich gerade bei diesen Bänden um bisher
noch wenig in faunistischen oder systematischen Zusammenhang be-
arbeitete Gruppen handelt, so ist besonders inbezug auf diese dem
Unternehmen gedeihlicher Fortgang zu wünschen und den Abonnenten
Geduld und Nachsicht zu empfehlen, damit dieses deutsche Monu-
mentalwerk auch wirklich in absehbarer Zeit seine Vollendung, die
wir alle sehnsüchtig erhoffen, entgegengeht. H.
=
| Bücherbesprechungen. VH
Bücherbesprechungen.
Rebel, Dr. H. Die Lepidopterenfauna von Herkulesbad und
Orsowa. Eine zoogeographische Studie. Separatabdruck aus den
Annal. k. k. naturhist. Hofmuseums, Wien 1911.
Herkulesbad (Bez. Mehadia), dieser berühmte an der Grenze
von Rumänien und Serbien und am Südabhange der Banater Alpen
reizvoll gelegene ungarische Badeort bildete von jeher den An-
ziehungspunkt der Naturforscher. Bereits 1793 sammelte hier Graf
von Hofmannsegg aus Dresden Vögel und Insekten und entdeckte
Frebia melas und Pararge roxelana. Der Insektenreichtum wurde
bald bekannt, und viele Sammler wurden im Laufe der Jahre ange-
-lockt, so Kollar, Dahl, Stentz, v. Frivaldszky, Kindermann, Haber-
bauer, Mann, Virtl, Bohatsch, Aigner-Abafi, v. Hedemann, in jüngster
Zeit Fischer, v. Rothschild und der Verfasser der Fauna selbst, man
sieht eine recht stattliche Reihe hervorragender Entomologen. So
darf es nicht erstaunen, dass auf diesem verhältnismässig kleinem
Gebiete von 300 km? bereits 1234 Falterarten entdeckt worden sind
und trotzdem so manche noch aufzufinden ist, bs. von Noctuen,
Geometriden und Mikrolepidopteren. Die klimatischen Verhältnisse
sind der kontinentalen Lage entsprechend sehr kontrastreich, Tem-
peraturminima bis — 22° C und Maxima bis 35 0 C sind beobachtet
worden. Laubwald von Eichen und Buchen ist vorherrschend und in
den Schluchten ist der Reichtum an seltenen Pflanzen bemerkenswert.
Das an der Donau in der Ebene gelegene Orsowa ist dagegen ärmer,
zeigt mehr Steppencharakter. Die geographische Lage bedingt
natürlich bez. der Gesamtfauna einen starken Einschlag der Balkan-
und orientalischen Arten. Diesen ausführlichen Kapiteln über den
Ursprung der Arten folgt ein „Quellen“verzeichnis nicht nur des
fraglichen Gebietes sondern auch der benachbarten Länder. Diese
vorzüglichen Quellen und die bekannte, eminent kritische Bearbeitung
derselben von seiten Rebels verleihen dieser Fauna eine so einwand-
freie Basis und so hohen Wert wie wohl wenigen dergleichen, bes.
auch rücksichtlich der Kleinschmetterlinge.
In dem systematischen Teile befinden sich eine grosse Anzahl
Textfiguren und am Schluss eine Tafel der bemerkenswertesten
Arten und Formen, z. B. Mel. athalia v. mehadiensis, Par. climene
und roxelana, Amph. styx und micans, Cran. pontica, Lem. balcanica,
Hydr. moesiaca, Buccul. mehadiensis. Alab. kindermanni u. a.
Es braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden, dass das
eingehende Studium des ganzen Inhaltes sehr zu empfehlen ist und
derselbe für die winterlichen Rasttage des Sammlers eine recht lehr-
reiche Lektüre bildet.
Möbius.
Lüttgendorff, M. A. v. Die Insekten, ein Handbuch für In-
sektensammler und Freunde. Wien und Leipzig, Hartlebens Verlag
1913, mit 60 Abbildungen (Preis 3 Mark).
VIN Bücherbesprechungen.
Das Büghlein wendet sich mit seinen 171 Seiten, ohne Vor-
aussetzung von Vorkenntnissen, an naturliebende Anfänger, um sie
über das Wissenswerteste, Körperbau, Verwandlung, Systematik,
Präparation, Zucht, Kauf und Tausch von Insekten zu unterrichten.
Neues oder Originelles wird man daher bei einem bereits von so
vielen Seiten bearbeiteten Stoff nicht erwarten dürfen, es dünkt uns
aber, als ob auch von Veraltetem mehr als erwünscht Aufnahme
gefunden hätte (z. B. unter Systematik und Präparation). Immerhin
dürfte das Büchlein, in Anbetracht des nicht zu hohen Preises,
manchen Nutzen stiften, namentlich durch seine gedrängte Dar-
stellung des Körperbaues der Insekten. Bezüglich der in Klammern
gesetzten lateinischen Fachausdrücke, hätten wir die kleine Schreib-
weise, statt „Clypeus“ celipeus und statt „der“ die Imago vorgezogen.
Die zumeist trefflichen, nach Originalphotographien hergestellten
Abbildungen können mit wenigen Ausnahmen als ein Schmuck des
Buches angesehen werden: nur Abbildung 31 lässt mit besten Willen
das in der Unterschrift Angegebene nicht erkennen, Abbildung 28
dagegen wäre, da ohne Erklärung im Text, unverständlich, besser
weggeblieben und endlich können Abb. 5l mit den teilweise nicht
fachgemäss präparierten Halbflüglern und Abb. 58 mit neuen, nur
nach der Grösse, nicht systematisch, angeordneten europäischen und
exotischen Käfern nicht als musterhafte Vorbilder für Sammlungen
gelten. Was die Literaturangaben betrifft, so vermissen wir einesteils
die Angabe eines so grundlegenden Werkes wie: Kolbe, Einführung
in die Kenntnis der Insekten, anderseits sind die Titel der Werke
nicht nach den neuesten Ausgaben (ohne Erscheinungsort und
Jahreszahl) und eine Zeitschrift, Insektenbörse, erwähnt, die unter
diesem Titel nicht mehr, sondern nur als Beilage zur Entomolog.
Rundschau erscheint: auch die Erwähnung von Leisewitz’s
Arbeit über den chitinösen Fortbewegungsapparat passt als eine
subtile Spezialforschung nicht für den Leserkreis, an den sich das
Büchlein wendet.
K. Vorbrodt und J. Müller-Rutz. Die Schmetterlinge der
Schweiz. 4. bis 6. Lieferung. Bern, Druck und Verlag von J. Wyss.
Diese 3 Lieferungen behandeln die Noctuen von A. pronuba
bis Ende, der 1. Band ist damit abgeschlossen. Wie schon früher
ausgeführt (Iris XXV, S. XIII und XXVI, S. II) ist auch der Inhalt
dieser Lieferungen mit grosser Sorgfalt und Sachkenntnis behandelt,
alle Literatur. bs. auch in systematischer Hinsicht, berücksichtigt.
Mit Bienenfleiss sind aus entomologischen Zeitschriften aber auch
ebensoviele eigene biologische Beobachtungen über die Zucht zu-
sammengetragen, für Eulenzüchter recht wertvolle Unterlagen.
Meistens findet man bei den einzelnen Arten interessante Angäben
über das höchste Aufsteigen in den Alpen, und viele Literaturzitate
erleichtern die weitere Orientierung. Der allgemeine Teil über die
geographische Verbreitung mit anschliessenden tabellarischen Ueber-
sichten über die Horizontal- und Höhenverbreitug der Arten und
ein ausführliches Literaturverzeichnis wird zu Ende geführt. Etwas
näher muss ich auf A. lucernea und A. nietymera eingehen. Das
unter diesen beiden Arten Gesagte muss ich voll bestätigen. Auch
ich fand im Juli auf dem Gorner Grat bei 2800 m unter einem Stein
eine Agrotis, die ich bis jetzt für nietymera hielt, infolge ihres
Bücherbesprechungen. IX
gelblich-hellen Aussehens und nach Bestimmung von mehreren A.
nietymera (von Wullschlegel stammend) in einer grossen Sammlung.
Nach nochmaligen Vergleich meines Falters mit dem A. nietymera
in der Staudingerschen Sammlung, dessen Einblick mir Herr Bang-
Haas gestattete, stellte ich einwandfrei fest, dass es sich um eine
A. lucernea handelte und zwar um die neue helle Form dubia Vor-
brodt des Wallis. A. nietymera besitzt übrigens u. a., nicht wie im
Berge-Rebel angegeben, weisse Fransen der Htflgl. wie die A. lucerna,
sondern dieselben sind wie das ganze Tier gelblich getönt. Favre,
der diese helle Walliser lucernea v. dubia für v. dalmata (Faune du
Valais pag. 158 et supplement pag. 15) hielt und Wullschlegel für
nietymera, haben in neueren Werken und Sammlungen versch. Kon-
fusion dieser beiden Arten angerichtet, deshalb diese ausführliche
Bemerkung.
Man muss den Text dieser Lieferungen eingehend studieren
und wird noch manche diesbez. neue Gesichtspunkte finden und
seine Freude daran haben und mit Spannung die weiteren Liefer-
ungen erwarten.
Möbius.
Georg Ulmer. Unsere Wasserinsekten. Leipzig, Quelle &
Meyer. 165 Seiten mit. 119 Abb. und 3 Tafeln, eleg. geb. 1.30 Mark.
Wohl manchem Entomologen oder Naturfreunde sind bei einer
Rast am Teichrande oder Bachufer die eigenartigen Köcherbauten
der Phryganidenlarven oder anderer Wasserbewohner aufgefallen,
für deren auffallende Formen er keine Erklärung fand.
Der beste Kenner der Phryganiden hat es unternommen in
leicht verständlicher Weise uns nicht nur mit deren Hauptformen,
sondern auch mit den verbreitesten wasserbewohnenden Insekten
und deren Lebensweise bekannt zu machen. Die vielen guten Ab-
bildungen ermöglichen es jedem Naturfreunde die dem Wasser an-
gepassten interessanten Tierformen wieder zu erkennen. Wir erfahren
auch aus dem Werke, wie wenig man im allgemeinen über die
Biologie der Wasserinsekten unterrichtet ist und so findet nicht nur
jeder Naturfreund und Aquarienliebhaber sondern auch der Fach-
entomologe mancherlei Anregungen zu wissenschaftlichen Beob-
achtungen.
Der Preis ist ausserordentlich niedrig.
Mg.
Berichtigung.
Zu meiner Arbeit „Neue Cymotho&-Arten‘, im letzten Hefte
dieser Zeitschrift ist folgendes zu berichtigen; Die Figuren 1 und 5
wurden verwechselt. Fig. 5, (soll heissen Fig. 1,) ist das @ von
Cym. eyelades Ward., Fig. 1 (soll heissen Fig. b.,) ist das Q von
Cym. ogowa ab. major Neust. Auf pag. 174, Zeile 15 von oben
lies 3 (nicht 2). Auf pag. 180, Zeile 13 von oben lies & (nicht 9).
Ausserdem ist noch zu bemerken, dass die Photographien der ab-
gebildeten Falter etwas zu klein ausgefallen sind und deshalb meinen
Grössen-Angaben nicht vollständig entsprechen. Heinr. Neustetter.
1 Yale Bi ame nn aan NER,
Vereins - Nachrichten. XI
Vereins-Nachrichten.
Das Jahr 1912 war ein Markstein in der Geschichte
der Iris, konnte doch der Verein in diesem Jahre auf
sein 5S0jähriges Bestehen zurückblicken.
Aus diesem Anlasse fand am 17. Februar im Konzert-
hause des Zoologischen Gartens ein Festessen statt.
Ueber den Verlauf dieser Veranstaltung sei kurz folgen-
des berichtet.
Zur Jubelfeier hatten sich in dem festlich geschmück-
ten Saale 48 Personen, darunter auch auswärtige Mit-
glieder, eingefunden. Herr Professor Dr. Heller gab in
seiner Festrede einen historischen Rückblick von der
Entwicklung des Vereins seit seiner Gründung im Jahre
1862 bis in die Neuzeit. Er gedachte dabei im beson-
deren der ehemaligen Vorsitzenden, E. Venus, Dr. E.
Haase, Dr. OÖ. Staudinger und Prof. Dr. O. Schneider
und würdigte ihre Verdienste um den Verein. Der Redner
schloss mit einer Beglückwünschung des ältesten Mit-
gliedes, Herrn R. Ihle, der dem Vereine seit seiner
Gründung als treues Mitglied angehört.
Hieran schlossen sich die Verlesung von auswärts
eingegangener Glückwunschdepeschen, launige Tischreden
und Ansprachen und das Absingen eines Tafelliedes. —
Die Vorstandsämter wurden im abgelaufenen Vereins-
jahre von folgenden Herren verwaltet:
Prof. Dr. K. M. Heller, Vorsitzender,
Dr. med. H. Walther, Stellvertreter,
Kaufmann G. Kretzschmar, Rechnungsführer;
Amtstierarzt E. Möbius, Bibliothekar,
Bausekretär A. Winckler, Schriftführer,
Kaufmann E. Riedel, Stellvertreter,
Dr. P. Denso, Redakteur,
Dr. med. P. Husadel, Stellvertreter.
Gegen das Vorjahr weist die Mitgliederliste nach-
stehende Veränderungen auf: Herrn Charles Oberthür
XI Vereins- Nachriehten.
in Rennes wurde die Eigenschaft eines Ehrenmitgliedes
verliehen.
Neuaufgenommen wurden die Herren: R. Bret-
schneider in Wilsdruff, R. Gsehwandner in Wien,
A. Hall in East Croydon, W. Johnas in Libau, W.
Junk in Berlin, A. Maier in Bad Rheinfelden, W.
Martini in Sömmerda, Th. Sasse in Magdeburg, die
entomologischen Vereine „Aurora“ in Breslau und „Pacta“
in Stettin.
Den Austritt erklärten die Herren: van den Bergh
in Tilburg, W. Crowfoot in Beccles, A. Fechner in Hohen-
salza,a M. Fürbringer in Heidelberg, R. Klos in Stainz,
C. König in Karlsruhe, ©. Neubert in Dresden, J. Paulus
in Jerusalem, J. Schikowski in Charlottenburg, H. Schulz
in Dresden, M. Schwandke in Tilsit, R. Weise in Dresden,
ferner der entomologische Verein „Sphinx“ in Wien und
der entomologische Verein in Gotha.
Dureh den Tod wurden uns die Herren H. Adams
in London und OÖ. Kummer in Dresden entrissen.
Die Herren E. Aehnelt in Jena, A. Bandis in Buda-
pest, A. Grund in Agram, Krulikowsky in Urjum, P. Ringler
in Thale, W. Sowinski und T. Weidinger in Kiew mussten
gestrichen werden.
Gegenwärtig gehören dem Vereine 229 Mitglieder,
nämlich 10 Ehren-, 180 ordentliche, 11 ausserordentliche
und 28 korporative Mitglieder, an. Ausserdem wird mit
30 wissenschaftlichen Gesellschaften Schriftentausch
geübt.
Die Vereinsabende boten auch in diesem Jahre wieder
eine Reihe recht interessanter Vorträge und Demon-
strationen.
An mehreren Abenden wurde ein reiches Vergleichs-
material von Faltern, den verschiedensten Faunengebieten
entstammend, vorgelegt und besprochen. So gelangten
zur Verhandlung: Pieris daplidice L., Lycaena icarus
Rott, Lyc. astrarche Bgstr., Argynnis selene eig. Boar-
mia crepuseularia Hb. und B. repandata L. Eine Sitzung
galt den Lieblingen der Herren Käfersammler und b achte
Vorzeigung und” Erläuterung seltener Käfer, ein anderer
Abend die Besprechung und Vorführung von Zucht-,
Sammel- und Sammlungsgeräten.
Vereins - Nachrichten. XII
Den Mitgliedern wurde ausser den 4 Jahresheften
noch das Beiheft III und IV vom Bande XXII sowie
das neuaufgelegte Bibliotheksverzeichnis zugestellt.
Infolge des umfangreichen Tauschverkehrs und dank
der ÖOpferwilligkeit zahlreicher Mitglieder erhielt die
Bibliothek erfreulicher Weise auch in diesem Jahre
wieder einen recht beträchtlichen Zuwachs.
Aus der Zahl der gestifteten Schriften und Werke
seien besonders hervorgehoben:
eine Reihe Sonderabdrücke von Aurivillius, Janet,
Meinhard und Turaäti, ferner:
Rebel: „Die Lepidopterenfauna von Herkulesbad und
Orsova“,
Oberthür: „Etudes de L&pidopterologie compar&e“, Band
KH und IV bis. VI,
Austaut: „Les Parnassiens de la Faune Palearctique“,
geschenkt von E. Schopfer, Dresden,
Heller: „Eine neue Discolomidae aus der orientalischen
Region,
Chretien: „Mierol&pidopteres“* (Faune entomolog. des
Isles Canaires), geschenkt von Prof. Heller,
Johnas: „Das Facettenauge der Lepidopteren‘,
Bornemann: „Verzeichnis der Grosschmetterlinge aus
der Umgebung Magdeburgs und des Harzgebietes“,
Ribbe: „Ein Sammelaufenthalt in Neu-Lauenburg“.
Zur Ausstattung des vorliegenden Bandes spendeten
die Herren: Bang-Haas in Blasewitz, Courvoisier
in Basel, Stertz in Breslau und Philipps in Cöln die zu
ihren Veröffentlichungen gehörigen Tafeln.
Allen den sehr geehrten Herren, die durch diese
uneigennützigen Zuwendungen ihr besonderes Interesse
und Wohlwollen für den Verein bekundeten, sei auch an
dieser Stelle nochmals der aufrichtigste Dank zum Aus-
druck gebracht. Ebenso sprechen wir den hochgeschätzten
Herren Autoren den herzlichsten Dank für ihre Be-
mühungen aus und bitten sie, auch fernerhin dem Ver-
eine ihre Dienste zu widwen.
_ flossen, möge es dem Jahre 1913 hen \ieden se
Iris zu den alten treuen EuLDEEN, recht viele neue
zugewinnen. 3
AR ur
Ad. Winckler, 2. Z. Schriftführer. Ki
Dresden, im Dezember 1912.
f
Alphabetische Liste ZV.
Alphabetische Liste
der in diesem Bande
neuaufgestellten und besprochenen Arten,
Varietäten und Äberrationen.
(Neue Arten sind gesperrt, neue Var. und Ab. kursiv
gedruckt.)
Morasıcla biinartbauBin.. 2... uns ee
Seallaeberanan lin en a ee > al
BES Era U BER ee Re Te
MREODPRRANAR EDEN. ya a
Acidalia euanchzmarAlph: "A. Sin sr er
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Bereniarorbieentralis Rbl.. . .......0. 4.2. 208 ..X 20281
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Aglossa euprealis Hb. . . . RE ER LEN HT)
pinguinalis asiatica Ersch. ! EI IR RE
Agrotis canariensis Rbl. . a EN A
e. nigrum v. depravata B- H. A BEE EB 1)
imperator B-H. .. EN 2
e DicabraıB-H.. ; ! KIRR STD NL ee en RISENN
A pronuba L. ab. Te A) A 18
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BELLE LEN a a) RAR
spinifera Hb. . . 2 RR NR LS,
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urbana BH. ... 0. 3 OR N WERDE
wockei v. fundrana B- H. PET aA NS ee Aa
BESHonSRoBIEs ee it; FAHRER
xvI Alphabetische Liste
Alueita tetradactyla L. .
Allodonta elongata Obth.
N leucodera Stgr. .
Amieta caucasica B-H. e
Anacampsis polychromella Rbl. .
Anarta melanopa T'hnbe.
Ancylolomia tripolitella Rbl.
Anerastia ablutella Z.
Anybia epilobiella Roem.
Apamiea gueneei Dbld. . .
4 testacea v. /rritaria B- H.
Apisa quadrimaculata Zerny.
Apopestes exsiceata Led. .
Aporophyla aethiops O.
” nigra Hw. :
Ri v. seileri Fuchs .
Arctia celia Saund.
„ figurata Dru.
„ v. excelsa Neum.
„ phyllira Dru.
v. favorita Neum.
Arenipses sabella Hamps. .
Argyresthia conjugella Z..
E cornella F. . .
ephippella F. ’
Armada dentata Stg. v. milotica B- H.
E eremophila Rbl.
Aspilates collinaria Withe
Blastodacna hellerella Dup. .
Boarmiaffortunata Blach. .
Borkhausenia formosella F.
Bradina andresi Rbl..
Brotolomia wollastoni Bak.
Bryophila algae F..
Buceulatrix absinthii Gartn.
= artemisiae .
6 atagina Wek.
x boyerella Dup.
Alphabetische Liste
Buceulatrix crataegi Z.. .
x fatigatella Heyd
x ratisbonensis .
x thoracella T'hbhg.
x valesiaca Frey
: woltei Petry
Callophrys mystaphia Miller .
“ rubi v. caerulescens B-H. .
Callopistria latreillei Dup.
Calocampa exoleta L.
Caradrina exigua Hb. .
s ab. pygmaea Rbr.
| selini v. rebeli Stgr.
r tenera B-H.
CGelerio hybr. grossei Dso.
ÖCentropodia inquinatus Mah.
Cerostoma asperellum L.
Chaerocampa celerio L.
Chrysophanes phlaeas L.
® V. caeruleopuneta Stg.
Chrysopora hermanella F.
3 stipella v. naeviferella Dp.
Cledeobia syriaca Rbl.
Cnephasia incertana Tr.
Coenina dentataria Swinh.
Coleophora anatipennella Hh. .
betulella Hein.
= bilineatella Z.
a flavaginella Z.
A flavipennella HS.
hemerobiella Se.
F limosipennella Dup.
a nigricella Stph.
z onosmella Brahm. .
ch palliatella Zk.
- paripenella Z.
a serenella Z.
x viminetella Z.
Colias chlorocoma ab. su/phurea Miller
„ eroceus ah. cremonae B-H.
DNB" Den 3 PAS LE En SET NE
' } j N
XVII Alphabetische Liste
Colias edusa F... .
„ .ab. helice Hb. .
„ ab. helicina Obth.
Conchylis implieitana Wek.
Constantia bella Bak. .
j debskii Rbl.
ei infulalis Led.
5 pectinalis HS. .
2 4-punctata Bak..
Coreyra cephalonica Stt.
Cosmophila erosa Hb.
Ctenucha reimoseri Zerny .
Cueullia blattariae Esp. .
2 toscea B-H.
vieina B-H.
”
Cybolomia arenosalis Rbl.
Cymotho& aralus Mab.
aramis Hew.
A je exce/sa Neust.
& caprina Auriv.
e cocceinata Hew.
; R ab. similis Neust..
: eyclades Ward.
RN b intermedia N eust.
2 haimodia Smith. .
B herminia Smith.
A hypata ab. alexandra Suft.
& jodutta Wstw.
a ab. eiceronis Ward.
. johnstoni Bitlr.
x lurida v. butleri Grbg.
4 ab rzufobrunnea Neust.
2 ogowa Plötz
R „. ab. major Neust.
® rebeli Neust.
” sangaris ab. gerresheimi De
Iheobene ab. nebetheo Suff.
u 2 ah. lbofaseiat> "Neust.
E
2
e
Alphabetische Liste
Danais chrysippus L. v. canariensis
t ab. aleippus F.
i plexippus E:
Dasorgyia alpherakii Gr. Gr.
Dasychira fortunata Rghf.
Dasypolia fraterna B-H.
Deilephila lineata F. v. livornica Esp.
N tithymali B.
Delias benasu Martin
»„ Prinsi Martin
Depressaria ? straminella Ster.
Dianthoeeia filigrama v. Aaragaica B-H.
Diplodoma marginepunctella Stph. .
Diptilum erassum Zerny .
Dolbina elegans B-H. .
Duponchelia fovealis Z.
Dysauxes hybr. punctilla Dso.
Dyspessa tristis B-H. .
Blachista collitella Dup. .
x poae Stt.
$ Gruppe D
Ematheudes punctella Tr.
Endotricha jordana Hmps.
Ephestia elutella Hb. .
Epiblema nisella Cl.
r v. decorana Hb.
rn v. pavonana Don.
H semifuscana Stph.
Epigraphia steinkellneriana Schff.
Epinephele jurtina L. v. fortunata ee
Ereta ornatalis Dup.
Eretmocera? microbarbara Wish.
Eublemma spirogramma Rbl.
Euchromia guineensis F. ab. discifera Zerny
Euclidia mi Cl. v. extrema B-H.
Euerostes simonyi Rbl.
Euploea ecordelia Martin
magonu Martin.
xXX Alphabetische Liste
Eutelia adulatrix Hb. .
Euxanthis ramessana Rbl.
Euzophera osseatella Tr.
Evetria resinella L.
Galgula partita Gn.
Gelechia gossypiella Saund.
4 humeralis Z.
A mulinella Z. .
u saltuum Z.
sesostr ellal Rbl.
virgella Thnbg.
Geraretia poliotes Hmps.
Glyphodes unionalis Hb.
Gnophos sacraria Stgr.
Gonepteryx cleobule Hb.
Gracilaria elongella L.
Grapholita coronillana Z.
funebrana Tr.
”
x planifrontana kRbl.
Gypsonoma neglectana Dup.
Hadena atlanticum Bak.
N insloria,B-H. .;
a lama Stg. v. dubiosa B-H.
S xylinoides B-H.
Hadjina eremita B-H.. .
5 R V. decolorata Dr H.
& viscosa Frr.
Hadula orbona B-H.
Haemerosia vassilininei B-H.
Hapsifera palaestinensis Rbl.
Heliothis armigera Hb.
5 dipsacea L. .
% peltigera Schff.
Hemerophila abruptaria Be
Heterographis ephedrella HS.
hellenica Stgr.
Hipoerita atra B-H.
" oxytropidis Martini .
2
ur
Alphabetische Liste
—
Holcocerus tsingtauana B-H.
Horama fulvitarsis Schrottky
Hypena lividalis Hb.
” obsitalis Hb.
Hypomeeia lithoxylea B-H.
Isochlora yarkenda B-H.
Ixias piepersi Snell.
Lamoria anella Schiff.
Lampides boeticus L. j
e webbianus Brll.
Laphygma exigua Hb.
Larentia ferrugata Cl.
F fluviata Hb.
% numidiata Stgr.
Lasiocampa davidis Stg. ab. Kehle Surtz.
j ab. sesleri Strtz.
Lasionyeta hospita B-H.
Lepidogma tamaricalis Mn.
Leucania loreyi Dup. .
unipuncta Hw.
en vitellina Hb.
Lita junctella Dgl. .
leucomelanella Z.
„ manniella FR.
„ vieinella Frey
zygophyllella Rbl.
Lithocampa millieri v. aksuensis BH. h
ss v. centralasiae Stgr.
Lithocolletis abrasella Z.
alniella Z.
amyotella Dup.
betulae Z. e
cerasicolella HS.
eoncomitella Bk.
, eorylifoliella Hw. te
emberizaepennella Behe. .
hortella F. .
insignitella Z. .
klemannella F.
77
n
serrula Gn. v. palaestinensis Stg.
“ az In e. ey Er Dr DT, ar ELE h wi
XXI Alphabetische Liste
Lithocolletis mespilella Hb.
nigriscentella Log.
pastorella 2...
populifoliella Tr.
”
2 roboris Z. k }
n salieicolella Sireom.
> spinicolella Z.
B tenella Z.
tremulae Z.
Lithosia albicosta Rghfr.
Lycaena astrarche Bgst v. cramera en
diana Miller SEA NER
$ Iysimon Hb. var.
Lyonetia clerkella L.
» ab. aereella Tr.
”
Macroeneme nigricornis Schrottky .
Macroglossa stellatarum L.
Mamestra conspiceua B-H.
“ contizua v. decolor B- Er
k enodata B-H.
g maderae Bak.
" monotona B-H.
perdita v. pallida B- 3%
Melitaea didyma O. nadezhdae Sh]j.
Metachrostis costiplaga Warr.
Metasia carnealis Tr.
hr hymenalis Gn. .
Micropteryx aruncella Se.
Myelois nivosella Rag.
Nemoria faustinata Mill.
Nemotois ceupriacellus Hh.
Nephopteryx divisella Dup.
> isidis Z.
e ochriplaga Rbl.
rubromixta Rbl
Me leula basalella Hs.
. marginicolella Stt.
minuseulella HS.
1 oxyacanthella Stt.
3 ruficapitella Hw.
Alphabetische Liste XXI.
NOpmenlaBalleis, Sul 2 NIE ae ODE El.
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Nola aegyptiaca Snell. Ban SM SHBE VRR VL ERUEELB ATS RRR LEN
Komenhila noeimella Schill; v2 2... num.
Notodonta, amoldı ‚Obth: 1... 28 a
x STAESETI 'StEr. 1.0 SZ N. BAM IR N (06)
B nullispi Obth: .\.., VERS ENR RAN ER REG
Nympinula tuscomareinata Bak. .,.. lan ne ara
S Stapnaral Don... ma. se N Ro
Ochsenheimeria vacculella F. Es REN TUR, re 0 FE
Peneoevmanochschildi B-H.\..:% . ..1.. 2er
Odontelia megastigma Warr. . . . N
Oegoeconia quadripuncta Hw. . . . . Re NER
Demnach rund nid. BB Nils nls u ee so
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Br tundtas Beil. u. N. a lade ne RER Se ER
eshreuteszumbrosana rer. 3°... 8 ne
Deviazsantigua, l..ab. erisea Do: 1.2... 22,07 v1la@
Ornix anguliferella Z. . . ... ERTL IB Ro URL a 2 RT
Ersonoba aeeypuaca Rbl. .....2, 42..0:, 3 an ee
Orthosia batnana B-H. PR ER RL ee
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Kasıyzanela,liearsialis Wik., 1.20% an o.
Pamene ochsenheimeriana Z. Ruten NAT. ai!
pharaonana Koll. LREESTE: l N No
Papilio palu Martin . EROBERN OR ARE AR NIE ERRERT FEARTESELYN. 0; |
Fansereraeretia 1. vw. xiphioides. Stern: 7.2"... 0
Parnassius delius Esp. Hermaphrodit . . . . 25.1020
4 intermedius f. /ortunata B-H. . . . . . . 1083
Perigea eircuita Gn. BR. \ N
Phalera bucephala v. feraBdeea Se. BERGEN
Phibalapteryx centrostrigania. Well: .. .1......» ..,..,28
Ehlehoeis roeneda: w. ara, BIN... u. en ee
aniveracenodes nudaleriib. are ıc) ww
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XXIV Alphabetische Liste
Pieris brassicae L. v. cheyranthi Hb.
„ daplidice L. \
„.:rapae L.'v. leueotera. ‚Stef.
Pionea ferrugalis Hb.
Platyedra vilella Z.
Plusia aurifera Hb.
chaleytes Esp.
eireumflexa L.
gamma L.
ae SEIN.
signata F. 2
Plutella maculipennis Curt.
Polia dubia Dup. v. johni Strtz. .
Polychrosis botrana Schff.
Prodenia littoralis B. Sa
Protoparce convolvuli v. aaa Ohne ;
Pseudosphex deceptans Zerny .
Pseudophia haifae Habich
n tirhaca Cr. .
Pseudopseustis tellieri Lucas
Psilopleura pentheri Zerny .
Psyche cabrerai Rbl.
Pterophorus lithodactylus Tr.
’ monodactylus L.
Pygaera moderata Graes. .
r modesta Stgr.
Pyralis farinalis L.
Pyrameis atalanta L.
cardui L. keit
indica v. vuleanica God.
virginiensis Dru.
Pyrausta nubilalis Hb.
Raphia aethiops B-H.
Rhegmatophila akulini Obth.
Rhyparia rufescens Brll. :
Rivula sericealis Sc. subsp. tanitalis Rbı.
Salehria eingillella Z. v. brucella de h
dionysia Z.
fusca Hw.
»
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Alphabetische Liste
Salebria psammenitella Z.
a terrella Rag.
Saluria maculivitella Rag. .
Saturnia pyri Schff. f. alticola
Scardia mediterranea Bak.
Schasiura gymnelioides Zerny
Scoparia murana Ourt.
Scythocentropus ferrantei Drama
inquinatus Mab.
Serihris chenopodiella Hb.
3 fuscocuprea Hw.
Segetia viscosa Frr.
Sesamia nonagrioides Lef.
Simaethis aegyptiaea Z.
Simyra nervosa v. expressa B-H.
Sinocharis korbae Püng.
Spheeosoma perconstrietum en ?
Spuleria aurifrontella Hb.
Steganoptycha nanana Fr. .
Stenoptilia pelidnodactylus St.
Sterrha sacraria L.
S ab. sanguinaria Esp.
Stilpnotia surtur B-H..
Syntomis hyrcana B-H.
3 phalreozona Zerny
Taeniocampa incerta f. picata B-H.
Talis afra Bak.
Tapinostola distincta B Mm
Teleia hyosceyamell’a,Rbl.
„ stamariciella. Zu...
Tephroelystia boryata Woll.
5 illuminata Joan.
4 pumilata Hh.
5 v. insulariata Stt.
» roederaria Stfs.
R stertzi Rbl.
tenerifensis Rbl.
ultimaria B.
RREVR.
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71
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23
22
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11
Tephronia sepiaria Hufn.
Triaenoneura albifascia Rbl.
_ Triphysa phryne Pall. v. glacialis B-H.
Xanthia gilvago Esp. v. algirica B-H. .
Thalpochares phoenissa Led.
Thargelia gigantea Rbl.
Theristis mucronella Se. ab. obs Schopf..
Thyretes trichaetiformis Zerny
Tinea columbariella Weck.
fuliginosella Z.
fuseipuncetella Hw.
rn misella ’Z.. -..
„ pallescentella Stt.
Tineola biselliella Hum. .
N biskra&@lla Rbl.
Toxocampa decolor B-H.
Trichophaga swinhoei Butl.
tapetzella L.
en houlberti Obth.
nr »lineago, Gn. T. rubra, B-H. x w. NT; . 157 ;
Zophodia ceonvolutella Hb. a
Biolog. Notizen.
Aporophyla nigra Hw. . .
v. seileri Fuchs.
Arctia figurata Drury.
Buceulatrix artemisiae
ratisbonensis
. woltei Petry .
Elachista chrysodesmella Z.
5 elegans Frey.
5 serricornis Stt.
subocellea Stph.
belechia gossypiella Saund. j
Grapholitha oxytropidis Martini
Ixias piepersi Snell.
Lita vicinella Frey.
”
no noginio |
isanntusbsi bg
Tafel 1.
Diese Tafel gehört zur Arbeit von Max Rothke:
„Beiträge zur Kenntnis von Arctia figurata Drury
und ihren Formen nebst einigen Betrachtungen über
deren Wesen und Bedeutung.“
pag. 1—14.
Fig. 1 bis 24. Varietäten von Arctia figurata Drury.
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Tafel I.
Diese Tafel gehört zu den Arbeiten von O. Stertz:
„Beiträge zur Makrolepidopteren-Fauna der Insel
Teneriffa.“
pag. 15—24.
Fig. 6—7 Agrotis eanariensis Rbl. 5% \
e 8 Mamestra maderae Baker 2
’ 9—10 Hadena atlantieum Baker 5%
P 13 Brotolomia wollastoni Baker &
„ 14-15 Caradrina rebeli Stgr. 52
“ 16 Abrostola tripartita Hfn. var. &
Bi 17 Euerostes simonyi Rbl.
A 18 Acidalia guancharia Alph. 9
f 19 Larentia fluviata Hb. Zwitter
„.. 20-21 Boarmia fortunata Blach. 59
A 22 Aspilates collinaria Holt- White &
a 23 Gerarctia poliotis Hamps. &
24 Rhyparia rufescens Brulle var. &
„Eine neue Form von Polia dubia aus Spanien“
Fig. 11—12 Polia dubia Dup. var. pag. 24—26.
johni Stertz og
„Drei neue Bombyeiden-Formen des palaearktischen
Faunengebietes“ (siehe auch Taf. III.) pag. 26—28.
Fig. 1—2 Lasiocampa serrula Gn.
ab. seileri Stertz &9
a 3—4 Lasiocampa davidis Stgr.
ab. schulzi Stertz 59
f 5 Phalera bucephala Esp.
var. tenebricosa Stertz 9
TAF. 1.
IRIS, DRESDEN, BD. XXVI
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10
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SEE „Drei neue Borslyelde: Ihren des ae
LESE ‚Pounenpenieten‘ (siehe auch Tafel “. Pag.
3% ie, ı. Lasiocampa davidis Stgr. &
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Tafel IV.
IRIS, DRESDEN, BD. XXVI.
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Tafel IV und V.
Diese zwei Tafeln gehören zur Arbeit von L.Courvoisier:
„Ueber Zeichnungs-Aberrationen bei Lycaeniden“
. Confluentia
. Multiconfluentia
25. Confluentia
. Forma
”
Tafel IV.
basielongata.
discoelongata.
sagittata
centrojuneta
eostojuneta
retrojuneta
imojuncta
semiarcuata + arcuata
biareuata
discojuneta
limbojuncta
bicentrojuneta
costo-retrojuncta
arcuata-retrojuncta
Tafel V.
arcuata-imojunecta
tribasijuneta
pag. 38—6D.
icarus 2 (Formia)
semiargus (Ungarn)
argus & (Martigny)
icarus @ (Eger)
orion % (Martigny)
pylaon 2 (Uralsk)
lyeidas @ (Berisal)
coridon & (Basel)
coridon @ (Basel)
semiargus® (Schlesien)
lyeidas & (Berisal)
gordius 3 (Berisal)
argulus 5 (Berisal)
icarus 9 (Zabern)
icarus 9 (Jura)
eegon 9 (Hamburg)
arcuata-centro-retrojuncta icarus @ (Martigny)
arcuata-costo-retrojuncta icarus 2 (Vitznau)
arcuata-retro-imojuncta
quadruplex
parallela
digitata
radiata
extrema
transversa
pluripuneta
parvipuncta
paueipuncta
caeca
icarus 9 (Bayern).
bellargus 2 (Klausen)
cleobis 3 (Kurdistan)
icarus @ (Baselland)
rutilus © (Berlin)
aeson 2 (Berlin)
hylas 3 (Mödling)
amandusö (Thian-Shan )
persica & (Merw.)
hylas & (Budapest)
alexis (cyll) (Issyk-Kul.)
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Tafel V,
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Tafel VI.
Diese Tafel gehört zu den Arbeiten von A.Bang-Haas:
„Neue oder wenig bekannte palaearktische
Makrolepidopteren IV.
Y:
1. Oeneis brunhilda © B-H.
2. Syntomis hyrcana & B-H.
3. Ocnogyna rothschildi 3 B-H.
4. Dyspessa tristis & B-H.
5. Agrotis pulchrella & B-H.
6. e imperator 2 B-H.
1s N urbana & B-H.
8. Mamestra conspicua 5 B-H.
9. a monotona & B-H.
10. " enodata © B-H.
11. Hadjina eremita & B-H.
12. Hadena xylinoides 2 B-H.
13. 3 ingloria & B-H.
14. Lasionyeta hospita @ B-H.
15. Hadula orbona & B-H.
16. Raphia aethiops 5 B-H.
17. Dasypolia fraterna @ B-H.
(7 bis Tapinostola (?) distineta 2 B-H.
18. Caradrina tenera & B-H.
19. Hypomeeia lithoxylea & B-H.
20. Cucullia vieina © B-H.
21: " tosca & B-H.
22. Haemerosia vassilininei © B-H.
23. Toxocampa decolor & B-H.
do.
p. 103—110
p. 139162
pag. 105
»
107
108
110
140
142
142
144
145
145
147
148
149
150
151
152
153
154
157
158
159
161
162
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TAF. VI
IS, DRESDEN, BD. XXVl.
Vorstand
des Entomologischen Vereins ‚Iris” zu Dresden.
Vorsitzender: Prof. Dr.K.M.Heller, Dresden, Franklinstr.22. ||
Stellvertr.: Dr. H. Walther, Dresden-N., Böhmertstrasse 4,
Schriftführer: Ad. Winckler, Dresden-Pl., Kaitzerstr. 137.
Stellvertr.: Eduard Riedel, Dresden, Hohe Strasse 40 II.
Rechnungsführ.: G. Kretzschmar, Dresden, Bismarckpl!. 6.
Biblioth.: Amtstierarzt Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Redakteur: Dr. P. Denso, Hellerau b. Dr., Auf d. Sande.
Stellvertreter: Dr. P. Husadel, Dresden, Gewandhausstr. 3.
Sitzungen: Mittwochs v. S—11 Uhr im Zoolog. Garten.
Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren
Hefte und Separata unserer Zeitschrift zuhalben Prei-
sen. mit Ausnahme von Band I Heft 1-3 und Band VII ||
und VIII, welche vergriffen sind. Anfragen bittet man
an den Bücherwart (E. Möbius, Dresden-F., Schlacht-
hofring 3, I) zu richten.
|
|
|
ss” Der jährliche Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist
in den ersten 3 Monaten eines jeden Vereinsjahres zu
zahlen (an den Rechnungsführer G. Kretzschmar).
Den Herren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu zahlen ver-
gessen haben, wird das zweite (Anfang Juli erscheinende)
Heft gegen Nachnahme des Beitrages zugesandt (soweit nach den
betreffenden Ländern Nachnahme zulässig ist).
Laut Vereinsbeschluss erscheint die Zeitschrift vom
Jahre 1912 ab wieder in vier Vierteljahrsheften.
=
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte
können nur innerhalb der Frist eines Jahres, vom Erschei-
ne» der betreffenden Hefte an gerechnet, berücksichtigt
! gt f
%
Bearbeitet von ersten Kennern und Autoritäten,
Aurivillius (Stockholni), Jordan (Tring), Bartel (Berlin),
(London), Janet (Paris), Standfuß (Zürich), Haensch (Berlin),
Warren (Tring), Mabille (Paris), Fruhstorfer (Genf), Strand
(Berlin), Weymer (Elberfeld), Kiffinger (Frankfurt), Röber u 3
und anderen,
Herausgegeben von Professor Dr. Adalbert Seitz.
Komplell in ca. 460 Lielerungen oder in 16 Bänden, in 2 Haupllelen
1. Hauptteil Palaearktische Fauna. DL Hauptteil Exoten.
Vollständig in etwa 110 Lieferungen | Vollständig in etwa 350 Lieferungen
& Mk. 1.— | a Mk. 1.50.
Bd. I Tagfalteri.43 Lief.od.geb.58M. | Bd. V—VII Ken Fauna ca. 120Lf.
2 Banner u. Schwärmer „ IX--XUIndo-austr. „ „ 145Lf.
in ca. 25 Lief. od. geb. ca. 35M. „AII—-XVIAfrikan. RER.) Do
ESETT, Noktueni. ca.25d Lt. od. gb.ca.355M. Die Einteilung der einzeln. Bände
„IV Geometriden „ 20 „ » » „ 30M. entsprechend dem 1. Hauptteil.
Hierzu erscheint noch ein Supplement-Baud mit Allgemeinem Teil,
Morphologie, Biologie, Geographie.
In beiden Hauptteilen zusammen werden auf ungefähr 1000 Taf.
rund 40000 Falter in vorzüglich kolor. Abbildungen dargestellt.
Jeder Falter sofort bestimmbar. | Kein Museum, keine Sammlung
/ ; j | mehr mit unbestimmten Faltern!
Der zweite Teil ersetzt jedem Nur durch eine sehr hohe Auflage
eine vollständige | konnte der beispiellos billige Preis
von ca. 1 Pfg. pro Abbildung Br
Exoten-Sammlung. | zielt werden.
Im Jahre 1912 erscheint der Schluß der palaearktischen Schwärmer
und Spinner, der Noktuen und Spanner, sowie die 2. Hälfte der:
Exotischen Tagfalter und Fortsetzung der Exotischen Nachtfalter.
Das Gesamtwerk hat 1906 begonnen und wird 1913, also in
rund 6!/, Jahren beendet sein. Das Werk erschien anfangs (1907)
in I4tägigen, dann in 10tägigen, 1910 in wöchentlichen Pausen
und wird von 1911 ab in 3—4tägigen Pausen erscheinen.
N 1 ist das erößt . im Verhältnis zud
seilz, Großsehmellerlinge der ErÜB Gevctesen auzieicn nei weitem das
billigste Werk seiner Art.
Keinem Museum, keiner Bibliothek, keinem Privatsammler
ist dieses Werk entbehrlich.
Jedem, der Schmetterlinge sammelt, kauft, tauscht oder verkauft, von
unschätzbarem direktem Nutzen, weil alle Werte der gesammelten
Schmetterlinge sofort bestimmbar, und jedes Angebot sofort
kontrollierbar.
Wer im Puslande, in besitzt. Ka sich
den Kolonien lebt und deilz, roßschmellerlinge er Rriß an Hand dieses
Werkes durch den Fang En Verkauf von Schmetterlingen lohnenden
Nebenv erdienst, köstliche Unterhaltung verse haffen.
Das Werk kann mit deutschem oder englischem oder franzö-
sischem Text bezogen werden. 12
Zu jeder weiteren Auskunft ist gern bereit der
Verlan des oeilz sehen Nerkes Mir Kr) SH,
AR
u ‚Baal 3
HREN
Sy. PIE h
4 BP, I EUR, u
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