ris, Dresden, Band XXIX. Heft 1.
Deutsche -
Entomologische Zeitschrift
„Lris”
herausgegeben
vom
Bntomologischen Verein I zu Dresden
Jahrgang 1915. Erstes Heft. -
10. Mai 1915. en
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Redakteur: Dr. H. Walther. "
Preis für Nichtmitglieder des Vereins: 4 Mark.
——— ———————_— — — — — — — — — — — — — — — —— — — u ———
In Kommission bei
R. Friedländer & Sohn
Berlin, Carl Strasse 11.
Druck von Oskar Honsel, Gottesborg.
Inhalts-Uebersicht.
Dr. v. Linstow. Die Ne der N E betularia
ab. doubledayaria i
Dr. L. Martin. Die Tagtalter ii Aa Gehen. di. Fort.
setzung.) PR
H. Stauder. Neue lbieane Top Aontreifr ale ,
Ernst Möbius. Beschreibung der Raupe von Gnophos ran
gertsi Püng. >
Dr. med. C. Fiedler. Das ler nbekarkle Männchen von
Charaxes (Eriboea) pyrrhus editha Ribbe Be
H. Fruhstorfer. Eine neue palaearktische Charaxes-Rasse
W. Fritsch. Zur Phaenologie von Colias crocea Foure. (—edusa
F.) nebst ab. micans .
Bücherbesprechungen
H. Fruhstorfer. Neue ormen de Gar Lithroden and
Uebersicht der bekannten Rassen auf Grund morphologischer
Untersuchungen
47—48
In allen redaktionellen Angelegenheiten (Manuskripte, Tafeln, Bücher-
besprechungen, Korrekturen ete.) bittet man, sich bis auf weiteres nur
an den Vorsitzenden, Hofrat Prof. Dr. Heller, Dresden, Kgl. Zoolog.
Museum, Zwinger, zu wenden. Die Autoren erhalten 25 Sonderdrucke
kostenfrei, nach Vereinbarung auf Wunsch mehr. Für die Form und
den Inhalt der in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze sind die
Autoren allein verantwortlich.
Dr. v. Linstow. Die Entstehung der Amphidasys betularia ab. doubl. 1
Die Entstehung der Amphidasys betularia
ab. doubledayaria.
Von Professor Dr. v. Linstow, Göttingen.
Seit einiger Zeit ist man darauf aufmerksam geworden,
dass unter einer Zucht gleichartiger Schmetterlinge unvermittelt
ganz abweichende Formen auftreten, die sich von der Stamm-
form ganz wesentlich unterscheiden; man bezeichnet sie als
Mutationen und sie sind bald erblich, bald schlagen sie in ihren
Nachkommen wieder zur Stammform zurück, wie ich in meiner
Arbeit „Eine neue Aberration von Arctia caja L. und bei
Schmetterlingen beobachtete Mutationen“ gezeigt habe. Zu den
Aberrationen, die wohl am meisten Aufsehen erregt haben, weil
sich ihr Auftreten in den letzten 60—70 Jahren abspielt und
sich ihr Fortschreiten von Westen nach Osten genau verfolgen
lässt, gehört wohl die von Amphidasys betularia ab.
doubledayaria, die im Gegensatz zu der weissen Grund-
form mit schwarzen Zeichnungen einfarbig tief schwarz ist. Sie
trat zuerst in England auf und war, wie Hasebroek in seiner
schönen Arbeit „Ueber die Entstehung des neuzeitlichen Mela-
nismus“, die besonders über Oymatophora or ab. albin-
gensis handelt, gezeigt hat, 25 Jahre auf die Umgegend von
Manchester beschränkt, breitete sich dann aber über England,
mit Ausschluss von Schottland und Irland, und über den Kon-
tinent, über Holland und Belgien, über den grössten Teil von
Deutschland aus. Bis zum Jahre 1850 war doubledayaria
ganz unbekannt, bis sie im genannten Jahre in Manchester,
einem Ort, der durch seine ausgedehnten Fabriken bekannt ist,
auftrat. 1878 erschien sie in Cannock-Chase, 1885 in Bershire,
1892 in Cambridge, 1893 in Essex und Norfolk, 1896 in Suffolk,
1897 in London, 1902 in Dovercourt, 1905 in Woodfort. Jetzt
ist doubledayaria häufiger als betularia bei Leeds,
Rotherham, Barnsley, Sheffield, Doncaster, Hull, Middelborough;
bei Newport, wo bis 1870 die Stammform in gleicher Menge
wie die Aberration auftrat, fliegt doubledayaria jetzt aus-
schliesslich, ebenso bei Huddersfield, wo sie 1860 auftrat; in
Halifax hat sich die gleiche Erscheinung zwischen 1860 und
1870 eingestellt. Auffallender Weise sind Schottland und Irland
von dieser Veränderung ausgeschlossen; in Schottland ist nur
ein. braunes Exemplar gefangen, in Irland ein Exemplar von
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen_
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915.
2 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
doubledayaria im Jahre 1894, ein anderes im Jahre 1896;
auf der Insel Man ebenfalls nur 2 Exemplare.
Auf dem Kontinent erschien doubledayaria im Jahre
1882 in Crefeld; die Angaben der Fundorte sind so massenhaft,
dass hier nur einige wenige mitgeteilt werden sollen; 1884
erschien die Aberration in Hannovor und Gotha, 1885 in Hol-
land, 1886 in Belgien und Bremen, 1887 in Dortmund, 1892
in Dresden und in Schlesien, 1896 in Hamburg und Göttingen,
1897 in Westfalen, 1899 in Heidelberg, 1900 in Pommern
und im Harz, 1903 in Berlin, 1905 in Mainz, in Stralsund und
in Wiesbaden, 1908 in Stuttgart, 1909 in Brandenburg, 1910
in Halle und im Elsas, 1911 in Charlottenburg; besonders häu-
fig ist sie in Westfalen und in der Rheinprovinz. Zwischen-
formen sind in Reichenbach, in Wiesbaden und in Westfalen
gefunden. Im Gegensatz zu verschiedenen Mutationen, die
sprungartig aufgetreten und ebenso schnell wieder verschwunden
sind, wie die schwarzen, zeichnungslosen Exemplare von Papilio
machaon, Euchlo& cardamines, Apatura iris,
Pieris napi, Melanargia galatea, Limenitis si-
bylla, ist die Aberration doubledayaria erblich. Steinert
gibt an, als Nachkommen von betularia d’ und double-
dayaria 2
betularia 45%, und doubledayria 550,
erhalten zu haben;
Doncaster berichtetvon betularia J’ und doubledayaria 2
betularia 540/, und doubledayaria 460/g,
von doubledayaria J’ und betularia 2 ebenfalls
betularia 54%, und doubledayaria 460/,,
von doubledayaria 0’ und 2
betularia 00%), und doubledayria 100%),
als Nachkommen.
Auch ab. albingensis ist erblich und erzielte Hasebroek
von albingensis d und 2
albingensis 77%), und or 230g.
Wodurch sind diese Mutationen zu Stande gekommen ?
Hasebroek weist für albingensis nach, dass die Ursache die von
den Fabrikschornsteinen ausgeströmten unverbrannten Kohleteile,
besonders aber die Gase, die schweflige Säure sind, welche
die Luft in der Umgegend von Fabriken und anderen industriellen
Anlagen in reichem Masse durchsetzen.
Nicht Wärme, Kälte, plötzliche Klimaschwankungen, Trocken-
heit, Feuchtigkeit, Entziehung von Licht sind es, welche hier
ausschlaggebend wirken, sondern allein die rauchenden Fabrik-
Dr. v. Linstow. Die Entstehung der Amphidasys betularia ab. doubl. 3
schornsteine mit ihren Effluvien, wie das erste Auftreten von
doubledayaria bei Manchester und von albingensis bei
Hamburg zeigen, an zwei bedeutenden Fabrikorten; dass bei
doubledayaria England hier Deutschland voran geht, kann
nicht Wunder nehmen, denn ersteres Land hat etwa 30 Jahre
früher als Deutschland gewaltige industrielle Anlagen, und muss
man für beide Länder gesonderte Zentren annehmen, welche
die Mutation zu Wege brachten.
Der Süden und Südosten von England wurde von dem
Auftreten von doubledayaria kaum erreicht; eine Wanderung
der Aberration über das Meer ist also nicht anzunehmen, wir
sind genötigt zu der Meinung, dass die Mutation in Deutsch-
land selbständig vor sich gegangen ist. Lange bevor die Aber-
ration ihre Verbreitung in England genommen hatte, war sie
bereits in Deutschland aufgetreten, ein Beweis, dass sie hier
selbständig entstanden war.
Die Verbreitungszentren in Deutschland für doubledayaria
scheinen Westfalen, Schlesien, Hannover, Hamburg zu sein,
fabrikreiche Länder und Orte; in die übrigen Gegenden ist die
Form offenbar durch Einwanderung gelangt; für Göttingen kann
ich angeben, dass daselbst keine Fabriken sind und keine Luft-
verderbnis durch Schornsteine herrscht, wodurch die Mutation
entstanden sein könnte.
Ueber die Art und Weise, wie die von den Fabrikschorn-
steinen ausgeströmte Luft die Veränderung bewirkt, kann man
verschiedener Ansicht sein. Dass es die Luftverderbnis ist, wird
sofort klar, wenn man berücksichtigt, dass es bei Hamburg nur
der Nordosten ist, der die Veränderung bewirkt, weil dies die
Gegend ist, wo die vielen industriellen Anlagen, das Elektrizitäts-
werk, die Müllverbrennungsanstalt, die Gasfabrik, die Abdeckerei,
die Gummifabrik und andere Anlagen stehen. Man könnte nun
annehmen, dass die Gase der Schornsteine die Vegetation schä-
digen, so dass sie verkümmert und in diesem Zustande den
Raupen ein minderwertiges Futter gewährt. Das müsste eine
Unterernährung der Raupen zur Folge haben, wovon man bei
Amphidasis ab. doubledayria nichts gesehen hat.
Den wahren Grund lehrt uns M. Gräfin v. Linden kennen,
welche zeigt, dass jeder Einfluss, welcher der jungen Puppe die
Oxydation und Atmungstätigkeit hemmt, zu Bildungen führt, die
sich durch Ueberhandnehmen der schwarz pigmentierten Schup-
pen kennzeichnet, und dass die Raupen, die in einer mit Kohlen-
stoff, Kohlenoxydgas, Kohlensäure, schwefliger Säure überladenen
Luft atmen, solchen Schädlichkeiten ausgesetzt sind, liegt auf
4 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
der Hand. Der schädigende Einfluss ist also ein direkter, nicht
durch die Vegetation vermittelter. Es muss aber noch andere
Ursachen der melanistischen Mutation geben.
Die schwarze Aberration von Lymantria monacha ab.
atra v. Linst. tritt in meilenweiten Wäldern auf, in denen von
einem Verderben der Luft durch Fabrikschornsteine keine Rede
sein kann; die Aberration von Aglia tau, ab. melaina fliegt
in Buchenwaldungen der Voralpen Oberösterreichs, etwa zu 2%o
unter der Stammform, wo ebenfalls Luftverderbnis durch in-
dustrielle Anlagen ausgeschlossen ist; die vereinzelten, nicht
vererblichen Mntationen gehören ebenfalls hierher, so dass wir
über diese Veränderungen bis jetzt noch völlig unaufgeklärt sind.
Literatur.
K. Hasebroek. Ueber die Entstehung des neuzeitlichen Melanismus
der Schmetterlinge und die Bedeutung der Hamburger Formen für
dessen Ergründung. Zoolog. Jahrb. Abt. System, Bd. 37, Jena 1914,
Pag. 567—600, 8 Fig.
0. v. Linstow. Eine neue Aberration von Arctia caja L. und bei
Schmetterlingen beobachtete Mutationen. Internat. Entomol. Ztschr.
Jahrg. 8, Guben 1914, Pag. 40—41, 43—46, 1 Fig.
Die Tagfalter der Insel Celebes.
Eine kritische Studie mit einigen Neubeschreibungen.
Von Dr. L. Martin, Diessen.
1. Fortsetzung.*)
Auf der Insel Saleijer fliegt eine sehr wohl verschiedene,
einfarbigere, aber nicht kleinere Lokalrasse von Euploea diana,
welche von mir 1906 entdeckt und von Fruhstorfer laodikeia
benannt wurde. Die grossen, weissen Diskalflecke von diana
fehlen ihr völlig und sind durch eine nur in der vorderen Hälfte
des Vfl sichtbare Diskalserie kleiner, weisser Punkte ersetzt.
Uebrigens eine mit Recht benannte Lokalform !
23. Euploea donovani, Feld. mir in Natur leider unbekannt
und ohne Zweifel nicht nur sehr selten, sondern auch äusserst
lokal, immerhin aber ein unsicherer Gast, da seit Dr. Platen,
in den achtziger Jahren, das Tier von niemand mehr gefangen
worden ist. Felder’s Beschreibung stammt aus dem Jahre 1867;
man entnimmt ihr nur, dass Lorquin, den Falter auf Celebes
*) Siehe diese Zeitschrift Jahrgang 1914, p. 59—107.
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. b
erbeutet hat, derselbe sei nahe verwandt mit Euploea swein-
soni Godt. von den Philippinen, jedoch durch die bedeutend
kleineren Flecken im Scheitelsaume der Vfl und die viel grösseren
Saummakeln der Hfl sogleich. erkenntlich, auch sei der Innen-
rand der Vfl beträchtlich konvexer. Eine Abbildung ist nicht
gegeben. Nach Fruhstorfer befindet sich in der nun in Berlin
aufbewahrten Staudinger’schen Sammlung ein sicheres Männchen
aus der Ausbeute Dr. Platens aus! derMinahassa. Es ist nur schwer
zu begreifen, dass diese Art in späterer Zeit den vielen in und
um Menado tätigen Sammlern ständig entgangen ist. Dennoch
ist mir eine solche Möglichkeit verständlich, wenn ich bedenke,
dass ich im Hinterlande von Palu im Jahre 1912 noch zwei
ganz neue Euploeaarten entdecken konnte, welche nun folgen.
24. Euploea magou, Mart.”). An dieser Stelle muss diese
grosse, neue Art eingefügt werden, welche ich im Jahre 1912
in der westlich von Palu gelegenen Berglandschaft Pekawa zu
entdecken das Glück hatte. Es schien mir zuerst kaum glaub-
lich, dass eine so grosse, auffallende Art noch unbekannt und
unbeschrieben sein könne; jedenfalls muss das Tier nur sehr
lokale Verbreitung besitzen. Mein ganzes Material besteht leider
nur aus 5 Männchen, welche im Juni, August und Januar in
der Pekawa und in Riou am Ijoflusse gefangen sind und zwischen
90 und 96 mm. spannen. Merkwürdig ist, dass auch das Männ-
chen dieser Species keinen konvexen Innenrand der Vfl zeigt.
Mit latifasciata hat magou eine gewisse Aehnlichkeit in
sonderbaren, kleinen, weissen, gemmenartigen Punkten auf der
Unterseite des Hfl, welche auf dem proximalen Ende der Inter-
nervalstreifen zwischen Subeostal- und Medianästen liegen.
Wir kennen bisher keine penoa aus Üelebes, die weissen
Flecken der Vflunterseite und der Sexualstreif vom magou
tragen Penoacharakter. Vielleicht ist also magou eine sehr
weit differenzierte penoa, vielleicht aber ist sie auch ein nur
Celebes zukommender, mit der geheimnisvollen Afrikaanalogie
in Verbindung zu bringender Faunenrelikt.
25. Euploea cordelia, Mart. Noch eine zweite neue, aller-
dings kleinere und ganz einfärbig braune Euploea konnte ich
im Hinterlande von Palu leider nur in einem männlichen Exem-
plar entdecken; sie flog ebenfalls am Ijoflusse in der Land-
schaft Riou. Obwohl sie entschieden Anlehnung an Formen
der Molukken zeigt, wird man doch erst bei grösserem Material
und Kenntnis des Weibchens dem Tiere die rechte Stellung im
*) „Iris“, XXVI, 1912, p. 197.
6 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
System anweisen können. Interessenten finden genaue Beschrei-
bung der beiden neuen Arten in der Iris 1912 pag. 196.
26. Euploea (Stictoploea) gloriosa, Btlr. Wenn eine Euploea
einen prunkenden Namen mit Recht trägt, so ist es die vor-
liegende Art und die Berechtigung steigt, wenn wir die etwas
einfärbigen, weniger schönen Stictoploeen der anderen Gebiete
in Vergleich ziehen. Hier liegt die zweite Instanz vor, in der
wir uns über die Priorität der Butler’schen Namen zu freuen
haben, denn Felder wollte das herrliche Tier schlegeli nennen.
Es ist in Wahrheit eine der nobelsten Erscheinungen im ganzen
Genus und hat sogar einen der sonst nur wenig enthusiastischen,
‘ holländischen Entomologen (Vollenkoven) zur Benennung als
„superba“ animiert. Die Art geizt nicht mit Darbietung der
schon besprochenen Celebescharakteristika. Das Männchen trägt
leuchtend schneeige, grosse Submarginalflecken, welche ein reizen-
der Lilaschimmer umfliesst und das Weibchen zeigt das in der
Einleitung schon erwähnte, plastische Zusammenschmelzen der
diskalen und submarginalen Fleckenreihen. Butler’s lateinische
Diagnose kann diesem Reichtum an Sammet- und Seiden-
glanze kaum gerecht werden und besagt nur, Üelebes sei die
Heimat, die Flügelspannung betrage 3!4/ıs Zoll und die Art
befinde sich im Britischen Museum. Die Abbildung ist unge-
nügend und zeigt auf den Submarginalflecken rote Töne, welche
in Natur fehlen. Besser ist Felder’s Bild, seine Type stammt
abermals aus der alten Sammlung „van der Capellen“ und zeigt
nur einen einfachen Apikalfleck des Vfl, was für die Herkunft
aus dem Norden spricht. „Trotz Aehnlichkeit mit Euploea
mniszechi gehört die Art aber zur Gruppe der Euploea
dufresnei“ (eine andere, sehr farbenprächtige Stictoploea
von den Philippinen), sagte Felder und hat damit den doppelten
Sexualstreif auf dem Vfl des Männchens richtig eingeschätzt.
E. gloriosa ist etwas seltener als die meisten ihrer Gattungsge-
nossen, besonders im Süden, im Hinterlande von Makassar,
keine zu häufige Erscheinung, wo vor allem die Weibchen
sehr selten sind, von welchen ich im Laufe eines Jahres nur
zwei Stück erhalten konnte. Im November war das Tier relativ
am häufigsten. Auch Rothschild erhielt von seinem Sammler
W. Doherty nur zwei Männchen und W. J. Holland garnichts,
während M. C. Piepers Bonthain und den Bergpass Amparang
als Flugplätze meldet. Häufiger war die Art in,Palu, wo auch
die Weibchen öfter in Gefangenschaft gerieten; dort flog sie in
allen Monaten des Jahres, am häufigsten im Januar und Juni,
am spärlichsten im Dezember, Hopfier erhielt aus Menado übri-
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 7
gens auch nur ein einziges Männchen. Meine Sammlung ziert
eine grosse Serie beider Geschlechter aus allen Monaten des
Jahres aus Palu.
E. gloriosa beteiligt sich nur sehr bescheiden an der
südnördlichen Differenzierung und die Unterschiede sind nicht
sehr konstant. Die Nordstücke sind grösser und gröber ge-
zeichnet und tragen auf dem Vfl meist nur einen einfachen
Apikalfleck der submarginalen Reihe, während die Südform
durch das Hinzukommen eines kleinen, accessorischen Apikal-
fleckes in der Gabel der Subcostalis einen doppelten Apikalfleck
besitzt. in Palu überwiegt die Südform und fliegt dort im
Verhältnisse von 13 : 5 zur Nordform. Die Weibchen des
Nordens sind reicher blauschillernd als die aus Makassar, und
den reichsten Blauglanz zeigt ein weibliches Stück, welches ich
aus Gorontalo an der Tominibucht erhielt. Von der später zu
besprechenden Euploea viola gibt es kleine Weibchen, viel-
leicht Hungerformen, welche sehr dem Gloriosaweibchen gleichen
und oft nur durch genaues Studium zu unterscheiden sind.
Die Namenfrage liegt überaus einfach, denn Butler hat zweifel-
los ein Südstück abgebildet = gloriosa, Felder dagegen ein
Nordstück = schlegeli, womit die Fruhstorfer’sche Bezeichnung
pompilia für die Südform als völlig überflüssig verfällt. Ich
würde jedoch in Anbetracht der geringen und auch inkon-
stanten Unterschiede der Trennung der Art in Subspecies über-
haupt nicht das Wort reden. Im Seitz befindet sich ein gutes
Bild der Südform mit deutlichem, kleinen, accessorischen Apikal-
fleck. Besser verschieden aber, wieder kleiner und kümmerlich
ist die auf der Insel Saleijer fliegende Form, welche ich in der
Iris 1913 pag. 154 beschrieben und glarang genannt habe,
27. Euploea (Trepsichrois) euctemon, Hew. Abermals ein
so wundervoll gefärbtes und gezeichnetes Tier und so durch
und durch Celebesoriginal, dass ich nur aus Befürchtung, den
Leser durch Ueberschwänglichkeit zu ermüden, von weiterer,
rühmender Erwähnung absehen muss. Die Flügelform, die
sekundären Geschlechtsauszeichnungen des Männchens und der
hochgradige geschlechtliche Dimorphismus lassen sofort die
Trepsichrois erkennen, aber so häufig auf dem asiatischen
Kontinente, Sumatra, Java und Borneo dieses Subgenus auftritt,
als ein Schmetterling, dem man das ganze Jahr täglich bei
jedem Ausgange begegnet, so selten ist das Tier auf Celebes
geworden, wo es an der Östgrenze für das ganze Subgenus
steht, welche von der Linie: Philippinen—Celebes— westliche
kleine Sundainseln gebildet wird. Aueh auf den kleinen Sunda-
8 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915. °
inseln ist Trepsichrois schon sehr selten und von den
Philippinen, wo allein mehrere Formen (5) des Subgenus neben
einander fliegen, kommt nur spärliches Material nach Europa,
so dass auch dort auf relative Seltenheit geschlossen werden
darf. Die westlichen, häufigen Trepsichrois dienen zahl-
reichen mimetischen Tag- und Nachtschmetterlingen als Modell,
von einer Nachahmung der seltenen Celebesform ist mir nichts
bekannt geworden, vielleicht ein negativer Beweis für die viel-
fach angegriffene Mimikrytheorie. Bezüglich der Gründe für
die Seltenheit auf Celebes können wir nicht einmal Mutmassungen
äussern, wir stehen vor einem nicht zu lösenden Rätsel. E.
euctemon seheint an passenden, nicht zu niedrigen Oertlich-
keiten auf der ganzen Insel und das ganze Jahr hindurch vor-
zukommen. Mir blieb seine Erbeutung in Süd-Celebes völlig
versagt und ich besitze kein Stück aus dem Süden, aber Do-
herty hat an Rothschild 11 Männchen und 6 Weibchen geliefert,
Piepers erwähnt die Art vom Bergpasse des Amparang, aller-
dings nur 2 Männchen, und Fruhstorfer hat sie bei Patunuan
(Hinterland von Makassar) gefangen. Holland erhielt sie nicht,
Hopffer fand sie ebenfalls nicht in Dr. A. B. Meyer’s Beute und
Professor Kükenthal hat sie bei Menado auch nicht gefangen.
Eine gute Serie beider Geschlechter konnte ich aber im Hinter-
lande von Palu sammeln, wo euctemon das ganze Jahr hin-
durch, am häufigsten im Oktober und November, aber nur in
höheren Lagen (Pekawa, Kalawi, Bomba) flog; in Pasangkagu
an der Westküste war er im April nicht zu selten. Durch die
Anordnung der blass blauen Punkte am Rande beider Flügel-
oberseiten lehnt sich euctemon etwas am visaya und min-
danaensis der Philippinen an, aber die Verteilung der blauen
Farbe auf dem Vfl, entlang der Costa und dem Aussenrande
ist völlig originell und findet sich ähnlich höchstens bei Orni-
thoptera urvilleana wieder. Den blass blauen Submarginal-
punkten des Hfl begegnen wir bei keiner anderen Form im ganzen
Subgenus, sie müssen zweifellos als ein echtes Celebescharak-
teristikum aufgefasst werden. Auch die 3—4 silberblauen
Costalstriche der Vflunterseite sind äusserst apart und reizvoll.
Das Weibchen ist vom Männchen so grundverschieden in Farbe,
Zeichnung und Form, dass man nur mit Widerstreben beide
Tiere zusammensteckt und leicht begreift, dass Felder in dem
Weibchen eine eigene Art sah und Moore sogar zwei Subge-
nera auf die beiden Euctemongeschlechter begründete. Hewit-
son’s Originalbeschreibung, 1866, (Vaterland Menado, Flügel-
spannung 3!/, Zoll) ist dürftig; er hat‘ seine Type sicher von
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 9
Wallace erhalten. Etwas schadenfroh teilt er mit, dass Butler
in seiner Monographie des Genus Euploea diese Art „omitted“,
ausgelassen habe, weshalb er für Abbildung sorge; diese ist
jedoch ziemlich schlecht ausgefallen wie auch die des Männchens
- im Seitz, welches übrigens sicher ein schwieriges Objekt für
gute Reproduktion darstellt. Felder beschrieb 1867 das Weib-
chen als E. configurator, seine Type stammt aus der
Sammlung „van der Capellen“ und ist, wenn noch in Tring erhal-
ten, sicher das älteste nach Europa gelangte Exemplar der Art.
Scharfsinnig sagt Felder, dass die Flügelform an mindamus,
Farbe und Zeichnung dagegen an Danais ismare und die
Gattung Ideopsis erinnern. Die Abbildung ist minderwertig,
lässt alle Details vermissen und zeigt eine viel zu schwarze
Unterseite. Auch das im Seitz abgebildete Weibchen ist etwas
zu dunkel und zu rötlich geraten. Kirby besass über die Art
kein klares Urteil, da er sie in seinem Kataloge an ganz un-
richtige Stelle setzt. Euctemon in beiden Geschlechtern ist
zweifellos eine der interessantesten Erscheinungen der an Ueber-
raschungen so reichen Celebesfauna und im Subgenus Trepsi-
chrois die am weitestendifferenzierte und isolierte Art.
28. Euploea (Calliploea) hyacinthus, Btlr. eine schöne,
farbenprächtige Art von reinstem Blauschimmer, mit breiten,
weissen Diskalflecken, wie sie im Subgenus nicht wieder vor-
kommen, fliegt überall auf der ganzen Insel, geht auch ziemlich
in die Höhe bis zu 3000‘, ist aber nirgends so häufig wie die
folgenden Arten (vollenhovi, mniszechi und viola). Eine
an und für sich sehr variable Art, besonders was die Ausdehnung
der Weisszeichnung angeht, beteiligt sie sich doch nur in ge-
ringem Masse an der Differenzierung von Süden nach Norden
und, obwohl beide Formen Namen tragen, könnte man eigent-
lich mit bestem Gewissen mit dem einen, ältesten, gutgewählten
Namen hyacinthus auskommen. Der einzige tatsächliche
Unterschied findet sich in der Färbung des männlichen Duft-
fleckes, auf der Oberseite des Hfl noch in der Zelle liegend;
dieser ist gelblich bei der Südform und schwarz bei der Nord-
form, aber dieser Unterschied hält leider nicht immer gut und
es gibt im Süden auch Männchen mit schwarzem Duftfleck und
im Norden solche mit gelbem, wenn auch natürlich in geringerer
Anzahl. Palu zeigte sich wieder als Uebergangsgebiet, jedoch
mit vorherrschender Nordform. Dort war das Tier nicht zu
selten, flog in allen Monaten des Jahres, aber im Januar, Mai
und Juni am häufigsten. Die Männchen hatten den Duftfleck
schwarz, schwärzlich bestäubt, gelblich und fast weiss, woraus
10 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
der geringe Wert dieses Kriteriums sich von selbst ergibt. In
den Sendungen aus Menado fand sich die Art stets und Hopffer
berichtet von Dr. Meyer beide Geschlechter in schönen Exem-
plaren empfangen zu haben. Auch im Hinterlande von Makassar
flog hyacinthus das ganze Jahr, am häufigsten im Februar
und November, war aber viel seltener als mniszechi und
horsfieldi. Die Südstücke sind oft etwas grösser als die aus
dem Norden und variieren mehr, es gibt melanotische Exemplare
mit nahezu schwarzen Hfl und fehlenden Submarginalflecken.
Eine Eigenheit der Art ist, dass sie auf beiden Flügeln nur
Submarginal-, aber keine Marginalflecken trägt, was für den
‚Süden sowohl wie für den Norden gilt. Piepers hat nur ein
Weibchen bei Bonthain in einer Höhe von 3000° zur Strecke
gebracht, was kaum glaublich erscheint, da ich doch grosse
Serien aus den Dörfern im Hinterlande von Makassar erhielt,
allerdings nur wenige Stücke aus Maros, wo Piepers haupt-
sächlich sammelte. Holland und Rothschild (6 Exemplare aus
2000— 2500‘ Höhe) erhielten beide die Art von Doherty. Das
Weibchen ist heller, hat geraden Innenrand des Vfl und misst
den Duftfleck. Saisonunterschiede gibt es nicht.
Die älteste Beschreibung der Art stammt von Butler (1866)
und ist sehr dürftig; Vaterland Celebes, Flügelspannung 2 18/15
Zoll und die Anwesenheit der Art im Britischen Museum ist Alles.
Die beigegebene Abbildung ist gut und bezieht sich mit gelbem
Duftfleck deutlich auf ein Südstück, obwohl die weissen Diskal-
makeln sehr klein ausgefallen sind. Hyacinthus bezeichnet also
die Südform. Die nur wenig ältere Diagnose Felder’s, hewit-
soni, stützt sich auf ein Stück aus der alten Sammlung „van
der Capellen“, vermutlich von Lorquin erbeutet, auch Wallace
wird als Sammler gemeldet. Ein Uebergang zur Eleusina-
gruppe, meint Felder. Die zu schwarze Abbildung lässt allen
Blauschimmer vermissen, zeigt reduzierte Weissfleckung des Vfl
und deutlich schwarzen Duftfleck, bezieht sich also sicher auf
ein Nordstück, so dass hewitsoni als Name für die Nord-
form behalten bleiben muss, womit subcongrua, Röber,
welche Fruhstorfer im Seitz festhält, zum Synonym wird.
Die meisten Celebes-Danaiden gehen auch auf die Insel
Saleijer über, wo sie sich, wie schon mehrfach erwähnt, in ver-
kleinerter, verkümmerter Form wiederfinden. Auffallenderweise
aber ist die Celebes-Calliploea nicht auf Saleijer zu finden,
sondern wir treffen dort, allerdings selten, eine Calliploea-
species vom Typus der auf den kleinen Sundainseln fliegenden
Arten. Mein ganzes Material besteht leider nur aus drei
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 11
Männchen, im Mai und Dezember 1906 beim Hauptorte der
Insel, Benteny, gefangen. Ich nenne diese neue Art nautilus.
In der Grösse wie mazares Moore; der Vfl trägt auf dunkel-
brauner, stark blauschillernder Grundfarbe einen rundlichen,
weissen Fleck, an der Mitte des Costalrandes und eine sub-
marginale Fleckenbinde von sieben, weiss gekernten, blau oder
lila umzogenen, nach innen verlängerten, nach aussen zugespitzten
Flecken, welche in ihrer Form etwas den gleichen Flecken des
Euploea gloriosa von Üelebes gleichen, der unterste zwischen
erstem Medianast und Submediana ist doppelt. Auf dem Hil
ein graugelber Duftspiegel, in der oberen Hälfte der Zelle, mit
kleinem, dreieckigen Anhang in der Gabel der Subeostalis,
Costalrand breit graugelb und glänzend, eine submarginale Reihe
von sechs bis sieben kleinen, rundlichen, weiss gekernten, lila-
umzogenen Flecken. Unterseite beider Flügel schimmernd oliven-
braun, auf dem Vfl eine submarginale Reihe von zehn kleinen,
weissen Flecken, der neunte der grösste, der zehnte, unterste,
doppelt, ein weisser Fleck an der Mitte des Costalrandes, ein
ebensolcher ausserhalb der Zelle, zwischen erstem und zweiten
Medianast, 13—15 sehr kleine, weisse Marginalflecke in Paaren
zwischen den Adern, über dem Innenrand eine breite, ovale
Reibefläche für den Duftfleck des Hfl, oben gelb, unten grau,
der oberste Rand leicht blau schimmernd. Auf dem Hil eine
submarginale und marginale Reihe sehr kleiner, runder, weisser
Flecke; die submarginale beginnt an der Costa, die marginale
erst an der Mitte des Aussenrandes unterhalb der Subcostalis,
reicht aber analwärts weiter als die früher aufhörende submar-
ginale. Kopf und Fühler schwarz, Thorax oben schwarzbraun,
unten weiss gefleckt, Abdomen oben schwarzbraun, unten auf
jedem Segmente mit einem quadratischen, graulila Felde geziert.
Flügelspannung 58—64 mm. Am ähnlichsten der sumbawana,
Doh, aber durch die völlig andere Form der Submarginalflecken
des Vfl sehr gut verschieden. Die nach aussen zugespitzte Ge-
stalt dieser Flecken kehrt in keiner anderen Art des Subgenus wieder.
29. Euploea (Makroploea) corus celebica, Fruhst. wie
Salatura malossona nur in einem Weibchen, von Fruhs-
torfer bei Tolitoli nur in einem Männchen gefangen, mir leider
in natura unbekannt. Da nach allen Himmelsrichtungen auf
Java, Bali, den Philippinen, den Molukken und den kleinen
Sundainseln bis weit in die Südsee überall eine Makroploea
fliegt, so kann das Vorkommen des Subgenus auf Celebes nicht,
jedoch das anscheinend sehr begrenzte und seltene Auftreten
verwundern.
12 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
30. Euploea (Salpinx) mniszechi Feid. abermals eine un-
gemein farbenprächtige Art, die aber nur den Süden der Insel
bewohnt und im Osten bis zur Breite von Tombuku geht, im
Norden aber völlig fehlt, wo sie durch die folgende, im Süden
völlig fehlende Species vollenhovi ersetzt wird. In Tom-
buku fliegen beide Arten zusammen, wo aber die Grenze des
Vorkommens und Verschwindens an der Westküste liegt, ist bis
heute leider unbekannt. In Palu und soweit südlich davon
meine Sammler vordringen konnten, haben sie niemals mnis-
zechi, immer nur vollenhovi gefangen; in Mamudje sah ich
selbst keine der beiden Arten, aber es war ein für Euploea zu
. trüber Tag. Fruhstorfer stellt diese Art im Seitz als Subspe-
cies zur javanischen eleusina, mit welcher sie sicher nahe
verwandt ist, dass man ihr wohl vollen Speeiesrang zuerkennen
muss. Sie ist die gewöhnlichste Euploea von Süd-Celebes und
meine Fänger haben mir aus dem Hinterlande von Makassar,
besonders von Goa, hunderte von Exemplaren angebracht. Da
das Tier eine aparte Schönheit besitzt und in beiden Geschlechtern
sehr variabel ist, konnte ich mich kaum dazu entschliessen, von
diesem Ueberflusse wegzuwerfen oder den Fang zu verbieten.
Im Februar, Juli und August und wieder im November
kam es zur Anhäufung von Individuen, in den dazwischen
liegenden Monaten war das Tier seltener. Auch Piepers spricht
von vielen Exemplaren bis zu einer Höhe von 3000‘, Holland
und Rothschild (nur 3 Paare) haben die Art von Doherty
empfangen, während sie Hopfler selbstverständlich nicht melden
kann, da sie ja im Norden der Insel fehlt. Der reiche Blau-
schiller, der breite, zartlila Geschlechtsstreifen des Männchen
und die ausgedehnte, auf die Mitte der Flügel übergreifende
Weisszeichnung der Weibchen, Alles einer grossen individuellen
Variabilität unterworfen, bilden den Reiz des schönen Tieres.
Es gibt aber auch in beiden Geschlechtern zeichnungsärmere
Exemplare, welche nur die submarginalen Flecken besitzen und
keinen diskalen Schmuck tragen; sie stellen jedoch keine Saison-
form dar, da man ihnen in allen Monaten begegnet. Fruhs-
torfer hat aber Recht, wenn er sagt, dass die hellsten Stücke
in der Trockenzeit vorkommen; meine Weibchen aus August
tragen das meiste Weiss. Der Autor Felder hat die Art dem
Grafen Georg Mniszech gewidmet, der sie erbeutet hat und
„dessen Güte wir sie verdanken.“ Er nennt sie nahe verwandt
mit eleusina, Or., von der sie aber durch die weissgefleckte
Unterseite verschieden sei. „Ihr Vaterland ist Celebes.“ Die
unkolorierte Abbildung ist aber sehr deutlich und es kann kein
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 13
Zweifel bestehen, welche Art gemeint ist. Das Bild des Männchen
im Seitz ist gut.
31. Euploea (Salpinx) eleusina palata, Fruhst. Merkwürdiger-
weise fliegt jedoch in Tombuko an der Ostküste von Üelebes
neben mniszechi und vollenhovi auch die typische, echte
eleusina, von welcher mir durch gütige Vermittelung des
Herrn ©. Ribbe vier Männchen vorliegen; sie unterscheiden sich
in keiner Weise von Stücken aus Java, Bali und Sumbawa in
meiner Sammlung, höchstens ist ihr Schimmer mehr lila als blau,
wie bei den ersten. Bei der grossen Verschiedenheit der Unter-
seite der Flügel und des männlichen Geschlechtsstreifens und
der Tatsache, dass diese Form ohne alle Uebergänge am gleichen
Platze neben typischer mniszechi fliegt, kann ich sie nicht als
Subspecies zu mniszechi stellen, wie das Fruhstorfer im Seitz
tut. Nur ist es höchst wunderbar, dass dieser absolut nicht
celebesische l'alter gerade an der Ostküste, auf der von Java und
den kleinen Sundainseln abgewandten Seite der Insel fliegt, so
dass auch hier die Einwanderungstheorie zu Bruch kommt. Die
Weibchen, welche ich aus Tombuko erhielt, gehören jedoch alle
zu mniszechi und sind von solchen aus Süd-Celebes nur
wenig verschieden. Das Eleusinaweib dagegen ist ein farben-
armes und unansehnliches Tier.
32. Euploea (Salpinx) vollenhovi, Feld. Schade, dass diese
hervorragend schöne Art, welche einen Schmuck der Sammlungen
bildet und in kaum zu übertreffiendem, glänzenden Tiefblau
schimmert, nicht durch Butler benannt worden ist, der sicher
einen dem Reichtum an Farbe und Glanz entsprechenden Namen
gefunden hätte. Die Art bewohnt nur Central- und Nord-Celebes
und wird deshalb von unseren bekannten vier Autoren nur von
Hopffer erwähnt, welcher die ungenügende lateinische Diagnose
Felder’s tadelt und in gutem Deutsch eine treffliche, jedenfalls
völlig ausreichende Beschreibung gibt, Felder’s Type, noch von
Rosenberg in Gorontalo an der Nordküste der Tominibai ge-
fangen, stammt aus dem Museum in Leiden. „Ist etwas grösser
als die verwandte mniszechi und hat breitere Hfl“ ist Alles,
was er sagen kann, auch gibt er keine Abbildung. Die Eng-
länder haben die Art, welche ihrer Beschreibung entging, eben-
falls nicht im Bilde festgehalten. Die Figur des Männchens im
Seitz ist völlig misslungen, da alle weissen Felder blau ange-
laufen sind und alle die reizenden Details völlig fehlen. Das
als Weibchen von vollenhovi abgebildete Tier ist aber deut-
lich ein Weib von mniszechi, daran ist nichts zu ändern,
obwohl es ja nur sehr wenige Menschen geben wird, welche sich
14 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
um die Verschiedenheiten der Euploeenweibchen auch nur ein
Jota kümmern.
Im Hinterlande von Palu, das ganze Jahr hindurch gemein,
in riesigen Anhäufungen von Individuen aber im Januar und
Mai, spärlicher im März, April, August und Oktober; die Männ-
chen früher als die Weibchen, letztere noch auf den Flügeln
und am Eierlegen, wenn es schon lange keine Männchen der
gleichen Generation mehr gibt. Nach dem mir von Herrn C.
Ribbe aus Tombuku gelieferten Material auch dort sehr gewöhn-
lich, in Menado aber entschieden seltener, da ich nur ganz
wenige Stücke aus dem äussersten Norden erhalten habe. Da
ich den Falter aus dem Ei ziehen konnte, ist die völlige Biologie
bis ins kleinste in den Mitteilungen der Münchener Entomol.
Gesellschaft 1914 beschrieben, wo etwaige Interessenten, wenn
es solche überhaupt gibt, nachzusehen belieben. Es gibt in
beiden Geschlechtern melanotische Stücke, wohl individuelle Hitze-
formen, welche nichts mit der Saison zu tun haben. Es be-
finden sich in meiner Sammlung: 1. ein Männchen (I. 13) mit
nur zwei weissen Flecken der diskalen Binde, fast ohne alle
Submarginalflecken, 2. ein Weibchen (V. 12) mit völlig unge-
zeichnetem, schwarzen Hfl und 3. zwei Männchen (V. 12 und
I. 13) mit nur blauen Makeln ohne jede Spur von Weiss und
kleinem, schmalen Sexualstreifen. Alle diese Aberrationen stam-
men aus den Monaten des gehäuften, massenhaften Vorkommens
und besitzen eine stark schwarze Unterseite mit nur Spuren von
weissen Flecken. Leider kann ich keine bestimmte Angabe über
die Südgrenze der Art machen, ebenso wenig wie ich die Nord-
grenze von mniszechi angeben kann. Meine südlichste Exem-
plare stammen aus dem Berglande Kolavi. E. vollenhovi
scheint mir in der Hauptsache eine Centralform zu sein und
Stücke aus dem südlichen Celebes, von denen Fruhstorfer im
Seitz spricht, gibt es nach meiner Sammelerfahrung nicht.
Ein mit vollenhovi gefüllter Glaskasten, wie er mir vor-
liegt, ist ein grosser Genuss für das Auge nicht nur des Ento-
mologen, sondern auch des Laien, wie mir solche allseitig ver-
sichern.
E. mniszechi-palata-vollenhovi ist zweifellos wenn
nicht die schönste und farbenprächtigste, so doch die interessanteste
Euploea von Celebes und da im weiten malaischen Archipel fast
immer nur eine Salpinx aus dieser Gruppe auf einem Gebiele
fliegt, so stehen wir vor der Frage, ob in dieser höchst variablen
Art nur das von keiner anderen erreicht, wirklich zum Species-
rang führende Maximum der Differenzierung von Süden nach
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 15
Norden zu erblicken ist, oder ob wir auf Celebes in diesem
Falle einem besonderen Speciesreichtume, wie z.B. bei Lime-
nitis, gegenüberstehen. Die erste Entscheidung dürfte fallen,
wenn von mniszechi und palata in gleicher Weise wie von
vollenhovi die ersten Stände bekannt werden, was einem
ernsten Entomologen eine leichte Aufgabe wäre. Nach meinem
Gefühle, bei den sich ausschliessenden Fluggebieten und dem
Zusammenfliegen auf Tombuko, wie ich das von anderen, weniger
differenzierten Arten auch auf Palu beobachten konnte, möchte
ich nur an eine, sehr stark differenzierte Species glauben. Der
Hauptunterschied zwischen mniszechi und vollenhovi
liegt für den ersten Blick und mit kurzen Worten darin, dass
bei mniszechi in beiden Geschlechtern die weissen, lila um-
zogenen Fleckenbinden submarginal, bei vollenhovi aber
diskal nach innen gerückt verlaufen, während bei vollenhovi
die submarginalen, beimniszechi dagegen die diskalen Flecken
zurücktreten, ohne jedoch ganz zu fehlen.
33. Euploea (Salpinx) viola, Btlr. Mit latifasciata und
magou die grösste Euploea auf Celebes, a noble species,
wie Holland sagt, welche alle Verwandten aus der Leucostictos-
gruppe, von anderen Inseln, an Grösse weit übertrifft, aber auch
die variabelste von allın Euploeen der Insel, für deren Varie-
täten Fruhstorfer im Seitz bereits mehr als ein Vierteldutzend
Namen Moore’scher und eigener Mache fertig hat, ein aussichts-
loses Beginnen, da in Wahrheit von den nahezu hundert Stücken,
welche ich aus dem Süden, Norden und Zentrum der Insel ge-
spannt habe, auch kein einziges, weder Mann noch Weib, dem
anderen völlig gleicht. Bewohnt die ganze Insel und beteiligt
sich lebhaft an der Differenzierung von Süden nach Norden,
ist aber im Süden viel, viel häufiger als im Norden und tritt
in einer etwas ärmlichen, kleineren Rasse auch auf der Insel
Saleijer auf. Obwohl im Hinterlande von Makassar der grosse,
imponierende Falter eine der gewöhnlichsten Erscheinungen ist,
so kennen wir doch seine ersten Stände noch nicht. Hier in
dritter Instanz dürfen wir uns über den gut gewählten, treffen-
den Namen Butler’s freuen, der dem prachtvollen Tiere sinnig
gerecht wird. Butler hat deutlich und gut einen Mann der
Südform abgebildet, seine lateinische Beschreibung beider Ge-
schlechter ist genau und erschöpfend, was er aber sonst noch
mitteilt, leider ungenügend. Dass die Species, wie er sagt,
closely allied to Euploea mniszechi sei, von der sie sich
hauptsächlich nur durch ihre grösseren Masse unterscheide, ist
mir unverständlich, da es sich um zwei grundverschiedene Tiere
16 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
handelt. Felder hat ebenfalls die Südform als westwoodi
beschrieben, seine Abbildungen lassen darüber keinen Zweifel
aufkommen, nur fehlt seinem Männchen jede Weissfleckung der
diskalen Fleckenserie. Seine Typen stammen „ex antiqua collec-
tione van der Capellen* und von Wallace. Stolz sagt er „Wir
besitzen obige prachtvolle Art in einer nicht geringen Menge
von Stücken beiderlei Geschlechtes, welche stark variieren.“
Schon die Menge seines Besitzes spricht für den Süden, wenn
es nicht auch die Abbildungen täten. Die Figur des Weibchens,
mit seinen langgezogenen Makeln, ebenfalls eine ganz distinkte
Südform, ist leider schlecht, die teilweise Unterbrechung der
Submarginalflecken ist durch Lilastreifen ausgedrückt, welche
es in natura nicht gibt. Natürlich erwähnen alle unsere Au-
toren die Art und alle betonen die grosse Variabilität, welche
in gleichem Masse vielleicht nur wieder bei Hypolimnas
bolina in Erscheinung tritt. Hopffer hat beide Geschlechter
mit prächtigen weiblichen Varietäten erhalten, Piepers fing die
Art häufig am Bantimurung, in Bonthain und am Amparang
und erwähnt auch kleine, zwergenhafte Stücke. Auch Holland
bespricht die Variabilität und Rothschild hat von W. Doherty
78 Exemplare empfangen. Das Tier war im Hinterlande von
Makassar (Maros, Goa usw.) im Gegensatze zu den westlichen
Leucostictosformen, die stets seltener und mehr vereinzelt auf-
treten, ungeheuer häufig. Schon im September und Oktober
gab es viele frische Exemplare, der Höhepunkt der Flugzeit
aber ist November; im Dezember und Januar lässt sich eine
deutliche Abnahme an Zahl und Frische der Stücke wahrnehmen
und von Februar bis August gibt es nur wenige, meist abge-
flogene, ausgefranzte und nur sehr selten frische Stücke — so
war es wenigstens während meines Aufenthaltes. In den November
fiel auch die reichste Farbenentwicklung der Art. Uebrigens
ist schon auf dem benachbarten Java und Bali leucostictos
häufiger als auf Sumatra und dem Festlande, das Maximum an
Individuenzahl wird aber sicher auf Celebes erreicht. In den
Sendungen, die ich aus Menado erhielt, war die Art nur spär-
lich vertreten und in Palu (Central-Celebes) kam sie wohl das
ganze Jahr hindurch, aber ebenfalls viel seltener als im Süden,
noch am häufigsten im Oktober vor. Ich habe jedoch im ganzen
Jahre nicht so viele Exemplare erhalten, als ein Sammler in
Makassar im November von einer dreitägigen Exkursion mit-
brachte. Die Palustücke gehören aber alle, Männchen wie
Weibchen, völlig der schmuckloseren Nordform an und Ueber-
läufer aus dem Süden habe ich dort, sehr im Gegensatze zu
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 17
anderen Arten, nicht beobachtet. Hier also war Palu kein
Uebergangsgebiet.
Die wirklich grosse, allen Autoren bemerkbare Variabilität
der Art muss kurz besprochen werden. Die eine Grenze bilden
dunkle Stücke, mit dürftiger Blaufleckung der Oberseite, welche
sich kaum, höchstens durch ihre Grösse von solchen aus Java
unterscheiden, die andere breit blau, oder lila geschmückte
Stücke mit einer submarginalen Reihe von Keilflecken, welche
auf dem Vfl von der Costa gegen den Innenrand grösser werden,
während sie auf dem Hfl von der Costa gegen den Analrand
an Grösse abnehmen, so dass, das beide Flügel überziehende
Band in der Mitte über dem Innenrand am ansehnlichsten ist.
Bei den Männchen findet sich dann häufig eine zweite, diskale
lila oder lila- weissgekernte, oder auch eine rein weisse Flecken-
reihe, welche in reizvoller Weise mit den Flecken der submar-
ginalen ‘serie zusammenfliesst. Die Zelle ist immer ungelfleckt,
nur bei einem sehr reich gezeichneten Weibchen (vom November)
steht die Andeutung eines metallblauen Punktes in der Zelle des
Vfl. Zwischen untersten Medianast und Submediana steht ein
blassblauer, länglich abgerundeter Fleck, der wie ein Sexual-
strich aussieht, für das grosse Tier aber eigentlich zu klein ist
und nur sehr selten bei den Weibchen Andeutung findet. Sehr
fallen die Farbenunterschiede der Flecken auf, welche zwischen
Himmelblau und Blasslila wechseln. Auch bei den Weibchen
fliessen die submarginalen und diskalen Fleckenreihen zu breiten,
lilaweissen Streifen zusammen, doch gibt es auch Stücke mit
nur submarginalen Flecken und solche, bei denen beide Serien
streng gesondert verlaufen. Die Unterseite des Hfls zeigt oft
eine breite, diskale, grauweisse Aufhellung, in welcher sich die
Flecken auflösen. Spuren dieser Aufhellung lassen sich auch
schon bei den Weibchen von gloriosa erkennen.
Die Nordstücke sind keinenfalls grösser, aber entschieden
farbenärmer, meist fehlt ihnen die diskale Fleckenreihe ganz, oder
hört am obersten Medianaste auf; weissgefleckte Männchen mit
vollständiger, diskaler Serie habe ich aus dem Norden nie ge-
sehen. Auch die Weibchen lassen die langen, weissen Querflecken,
welche durch das Zusammenfliessen beider Serien entstehen, meist
vermissen. Auf der Unterseite aller Flügel sind die Serien der
marginalen und submarginalen Punkte besonders gegen die Costa
hin obsolet geworden, oder fehlen ganz, die Grundfarbe ist matter
und fahler und der grosse, weisse Wisch, den die Weiber der
Südform zwischen Subcostalis und Costalis auf der Unterseite
des Hfls tragen, fehlt fast immer.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1935, Hr
18 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Es ist leider unbekannt, wo die geographische Grenze
zwischen Nord- und Südform liegt, auch sind die Unterschiede
nicht immer beständig; in der Serie aus dem Süden gibt es
Stücke, welche man getrost zu der des Nordens stecken könnte
und umgekehrt. Bei einem so variablen Tiere, das aber dennoch
durch seine Grösse und seinen Gesamthabitus eine sehr distinkte,
nur auf Celebes beschränkte Form darstellt, genügt meiner An-
sicht nach der eine gute Name, viola. Wem er aber nicht ge-
nügt, der muss zuerst eine Benennung der Nordform aushecken,
wobei er jedoch Butler’s Spuren folgen wolle. Ich unterlasse
es sicher bei einem absolut nimmer zu verkennenden Tiere,
dessen Schönheit sogar den alten Staudinger zu einer genauen
Beschreibung in seinem textarmen Exotenwerke begeistert hat.
Die Saleijerform habe ich entdeckt und Fruhstorfer hat sie
im Seitz leochares benannt; sie ist ein wundervoller Ueber-
gang zur westlichen leucostictos.
34. Euploea eupator, Hew. wird von Fruhstorfer im Seitz
in der langen Kette der indo-australischen Euploeen an aller-
letzter Stelle gebracht, ein Zeichen, dass der Autor bezüglich
der Stellung der Art im System über keine bestimmte, leitende
Ansicht verfügte. Er sagt zwar, eupator sei vermutlich der
Ersatz von diocletianus auf Celebes. Diese ist aber eine
rein makromalaische Species, mit nur einem Ausläufer in ein
anderes Gebiet (Südost-Himalaya) und ist schon auf Bali ver-
schwunden, kommt also für Celebes nicht mehr in Rechnung.
Ausserdem aber kann ich in der hochoriginalen eupator weder
in Form, Farbe noch Zeichnung irgend ein Element entdecken,
welches eine Aehnlichkeit mit diocletianus besässe. Letztere
ist eine blaue Art, das Männchen trägt einen deutlichen Sexual-
streifen und das weisse Gebiet des Hfl. ist deutlich basal,
eupator, eine absolut braune Art, besitzt auch nicht die An-
deutung eines Sexualstreifens und das weisse Gebiet des Hfl.
ist diskal gelegen. Wir müssen in eupator eine jener nur
Celebes eigenartigen, streng endemischen Formen erblicken, die
sich sonst nirgends wiederfindet als auf der Heimatsinsel, wo
noch eine zweite Art, latifasciata, genau die gleiche Zeich-
nung trägt. Während aber die weissen Flecken bei ersterem
einen deutlichen Stich in’s Violette tragen, sind sie bei der weit
grösseren, auch anderen Flügelschnitt besitzenden latifasciata
leicht rahmgelb. Mir liegen aus Süd-Celebes 14 Männchen und
14 Weibchen, aus Nord-Celebes 6 Männchen und 1 Weibchen
und Üentral-Celebes (Hinterland von Palu) 8 Männchen und
3 Weibchen vor und auf Grund dieses auch bei genauer Unter-
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 19
suchung kaum variierenden Materials — die Unterschiede sind
minimal und nicht konstant — muss ich jede Spaltung der Art
in zu benennenie Subspecies wenigstens für den Inselkontinent
bestimmt ablehnen, Die obigen Zahlen lassen auch sofort er-
kennen, dass die aparte Species im Süden häufiger ist als im
Norden und Zentrum. Im Ilinterlande von Makassar (Maros,
Patunuan, Goa, Tjampa, Montjolo&, Samangki) war die Art das
ganze Jahr hindurch nicht eben selten, doch auch nicht häufig
und gute Stücke sogar schwierig zu erhalten. Besonders im
November, auch im Dezember und Januar war eine gewisse An-
häufung von Individuen festzustellen. Aus Menado erhielt ich
nur wenige Stück und in Palu bekam ich das Tier höchstens
ein oder zweimal im Monat zu sehen. llopffer erwähnt eupator
nicht, was bei der verhältnismässig kurzen Sammelzeit des Dr.
A. B. Meyer und der relativen Seltenheit im Norden sehr er-
klärlich ist. Piepers hat sie am Amperang und bei lamatti ge-
fangen und Holland und Rothschild erhielten sie beide von
Doherty, letzterer jedoch nur 12 Männchen und 3 Weibchen,
was so ziemlich mit meinen Resultaten übereinstimmt.
Hewitson’s Originalbeschreibung ist kümmerlich, seine Figur
aber gut. Vaterland Oclebes (in diesem Falle genügend), Flügel-
spannung 3t/a Zoll und vertreten in den Sammlungen Saunders
und Hewitson ist alles, was wir erfahren. Auch im Britischen
Museum befand sich laut Butler schon 1866 die Art und mögen
diese Exemplare wohl alle von Wallace stammen. Wagner ist
der erste, der das Weibchen gesehen und beschrieben hat. Das
Bild im Seitz ist gut und zur Erkennung der Art genügend.
Auf jeden Fall ist eupator eine in jeler Beziehung würdige
Species, um der Aufzählung «der hochinteressanten Üelebes-
Euploeen als Schlussstein zu «dienen. In der Staudinger’schen
Sammlung in Berlin hat I'ruhstorfer die kleinere und ärmlicher
gezeichnete Saleijerform von eupator entileckt und thrasetes
benannt. 13... 188.14.
(Fortsetzung folgt.)
20 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Neue mediterrane Lepidopterenformen.
Von H. Stauder, Triest.
Euchlo& belia Cr.-Formen aus Algerien. E. belia Cr. ge-
hört entschieden zu jenen Arten, bei denen Temperatureinflüssen
auf die Entwicklung und Färbung des Falters weittragendste Be-
deutung beizumessen ist. Wenn man reichhaltige Serien dieses
prächtigen Tieres aus verschiedenen Lokalitäten und die dazu
gehörigen geographischen und meteorologischen Kenntnisse über
diese Lokalitäten — womöglich selbst gesammelt — besitzt, so
fällt es gar nicht schwer, auf die einerseits zwischen den Saison-,
anderseits aber auch zwischen einzelnen Rassenformen bestehen-
den, trennenden Unterschiede annähernd richtige Schlüsse zu
ziehen. Dies wird um so leichter, wenn man eine gewisse Er-
fahrung hierin sein eigen nennt und es versteht, brauchbare
Vergleiche an anderen verwandten Arten heranzuziehen.
Ich glaube anlässlich der Monographie über die nordafrika-
nischen Teracolus nouna Luc.-Rassenformen*) ziemlich klar
bewiesen zu haben, dass es Arten gibt, deren Variabilitätsnei-
gung geradezu Staunen erregen muss, während nachgewiesener-
massen im Gegensatze hierzu viele andere Arten über den
grössten Teil des Erdballs verbreitet sind, ohne irgend welche
Abweichungen am Habit oder Farbenkleide zu erleiden. Man
kann also diesbezüglich in der Falterwelt — wie allenthalben —
„starke“ und „schwache“ Vertreter unterscheiden. Zu den letz-
teren zählen etliche Pieriden - Arten, aber ganz besonders aus
dem ehrenwerten Geschlechte der Teracolus Swains und
Euchlo& Hobe. Ganz geringe Höhenunterschiede genügen —
wie ich an Teracolus nouna dargetan — oft, um eine
„schwache“ Art abzuändern; eben solchen Abänderungen sind
auch die einzelnen Saisonformen infolge der verschiedenen Tem-
peratureinflüsse unterworfen.
Ich kann an dieser Stelle nicht alle geeigneten Momente
aus der erwähnten Monographie wiederholen und verweise ledig-
lich nochmals auf die bezüglichen Ausführungen in derselben.
Ein würdiges Gegenstück zur Variabilität von Teracolus nouna
finden wir bei Euchlo& belia wieder. Der Palaearkten-Seitz
(Bd. I, pag. 52) führt eine aus Batna, im Atlas, im Mai ge-
*) Vergleiche H. Stauder in Z. f. wissensch. Ins.-Biolog. IX, 1913,
pp. 227/236, 289/294 samt Tafel I und Bd. X, 1914. pp. 84/85, 125/129
(Lepidopterol. Ergebnisse zweier Sammelreisen in den algerischen Atlas
und die nördliche Sahara).
H. Stauder. Neue mediterrane Lepidopterenformen. 91
fundene kleinere belia-Form als melanochloros Röb. ein.
Soweit mir bekannt, ist belia wohl über den grössten Teil
Nordwestafrikas verbreitet. Mir fiel die Art in Bone am 20. IV.,
in Philippeville am 23. IV. (beide Orte liegen an der Nordküste
Algeriens), am 7. V. in Constantine, am 19. V. in Markouna
bei Batna und am 16. V. in Biskra, also schon in der Sahara,
zur Beute; hierzu kommt nunmehr noch die Gegenstandsform
aus den Auresbergen bei El Kantara in der eingangs erwähnten
Anzahl. Als weiteres Vergleichsmaterial besitze ich typische
Stücke aus Royan in Westfrankreich, Frühjahrsformen aus Klein-
asien (Umgebung Smyrna), Mitteldalmatien (Spalato); ferner
Maiformen aus dem Neapolitanischen und vom Aspromonte.
Typische (ausonia Hbn.) Sommerstücke besitzte ich von Süd-
frankreich.
Ich muss hier vorausschicken, dass sich die Flugzeiten der
einzelnen Saisonformen natürlich ganz nach dem Klima des be-
treffenden Landstriches richten und erheblich verschieden sind.
Aus der mir vorliegenden Literatur finde ich die verlässlichsten
und glaubwürdigsten Angaben über Flugzeiten im Rühl-Heyne*),
nämlich für die Frühjahrsbrut die Monate März bis April, in
höheren Lagen den Monat Mai und für die Sommergeneration
die Monate Mai, Juni und Juli. Dass der Herbst so unglücklich
sein sollte, keine belia-Saisonform zu besitzen halte ich für
vollkommen ausgeschlossen; wie andere verwandte Arten wird
wohl auch belia seine eigene Herbstform besitzen und zwar
überall im Süden, wo klimatische Verhältnisse dies noch ge-
statten.”*)
Die E. belia-Rassen erfreuen sich — insoweit Oertlich-
keiten mit einem regelmässigen längeren Nachsommer in Be-
tracht kommen, wohl überall einer dritten Generation.
Als Flugzeiten für die einzelnen Generationen können in
den nördlichen Randländern des Mediterranbeckens angenommen
werden:
a) für die g. v. die Monate März, April,
b) für die g. aest. Mitte Mai bis Ende Juni und
c) für die g. aut. die Herbstmonate September, Oktober.
In den gebirgigen Teilen der Nordwestküste Afrikas (Algerien)
fliegt die erste Generation erst ab April und erstreckt sich in
den Mai hinein. Scharf unterschieden muss auch werden
*) Die palaearkt. Gross-Schmetterlinge und ihre Naturgeschichte,
I. Bd., Leipzig 189.
*#*) Vergleiche auch Seitz, ‚Bd. I. pag. 70, bezügl. dritter (Herbst-)
Generation in Südfrankreich.
33 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Ta "TG ee >
zwischen Individuen, die aus höheren Lagen und solchen, die
aus dem (relände der Meeresküste stammen. An geschützten
Stellen der Riviera fliegt die g. v. schon im März, während die
ersten Gebigsstücke aus derselben Lokalität erst im April und
Mai erscheinen, was sich naturgemäss leicht erklären lässt. Mai-
stücke aus höheren Jagen haben demgemäss oft schon einen
Einschlag in die Sommerbrut un\ können vielfach nicht mehr zu
typischen g. v. gerechnet werden. Wie wiı später sehen werden,
kann diese „verspätete“ Frühjahrsgeneration (I. Gen.) wenn sie
aus bedeutenderen Höhen stammt, eine verschmolzene g. v. +
g. aest. werden und wird danı auch die Merkmale beider Sai-
sonformen in sich vereinigen. In und um Biskra fliegt die erste
Generation schon ab Februar und im März, ab Ende April er-
scheint dort schon eine leicht unterscheidbare zweite Generation.
Anders verhält es sich mit Stücken aus dem hohen Atlas (Um-
gebung von Batna, 1000—1300 m) wo überhaupt erst im Mai
die erste Generation zum Vorschein kommt und hier dennoch
einer vollen g. v. gleichkommt, ohne schon irgend welchen Ein-
schlag zu einer Sommersaison zu besitzen. Oft wird es beim
Hineinragen einer S:isonform in die nächste, wie wir dies bei
Pieriden so häufig finden, schr schwer, genaue Grenzen zwischen
Frühjahrs- und Sominerbruten zu ziehen, namentlich, wenn nicht
eklatanter Dimorphismus besteht. Dem geübten Pieridenspezia-
listen wird es im Allgemeinen aber bei etwas Kenntnis der
Witterungsverhältnisse der einzelnen Flugplätze nicht gar so
schwer fallen, die Saisonformen auch dann streng auseinanderzu-
halten, wenn der Saisondimorphismus nicht gerade als in die
Augen springend bezeichnet werden kann. Wie wir wissen,
greifen die Saisonlormen zahlreicher Arten zeitlich in einander,
das heisst, beide Saisonformen fliegen zu ein und derselben
Zeit. Dieses Ineinandergreifen finden wir naturgemäss am
häufigsten in den südlichen Zonen und ist wohl auch ohne wei-
teres einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die Frühjahrstem-
peratur im Süden oft einer sommerlichen geradezu gieichkommt,
wenn auch zeitweise merkliche Rückschläge erfolgen; mit einem
Worte, die Temperatur der Frühjalırsmonate ist auch im Süden
noch nicht konstant, oıler mit dem Mitteleuropäer zu reden, es
gibt auch im Süden einen launenhaften April, wenn er hier
vielleicht auch etwas früher fällt. Dieser Wetterwechsel kann
auf empfindliche Arten nicht ohne Einfluss bleiben. Man hört
daher auch öfters von einer „verspäteten“ oder „verfrühten“
Frühjahrs- oder Sommergeneration sprechen. Nun kann aber
auch ein weiterer Fall eintreten: Eine Brut kann infolge Ein-
H. Stauder. Neue mediterrane Lepidopterenformen. 23
wirkung physischer Einflüsse an ihrer Entwicklung derart be-
hindert werden, dass sie mit der nächstfolgenden verschmilzt und
daher vielleicht in den meisten derartigen Fällen — ich möchte
sogar etwas weiter gehen und behaupten, naturgemäss fast durch-
wegs — die Charakteristika beider Saisonformen in sich vereinigt.
In dieser Hinsicht möchte ich Euchlo& belia-Rassen —
soweit mir meine Erfahrungen dies bestätigen — in zwei „Rich-
tungen“ einteilen und zwar:
1. in Rassen, die zeitlich scharf getrennte Saisonformen
hervorbringen und bei denen der Saisondimorphismus
auch in ganz hervorragender Weise zum Ausdrucke
kommt;
2. in solche, welche infolge äusserer Einflüsse, bei Voraus-
setzung der regelmässigen Wiederkehr derselben, eine
verschmolzene erste Generation besitzen, die mehr oder
weniger die Charakteristik beider Bruten, der Frühjahrs-
sowie der Sommerbrut, in sich vereinigt.
Dieser Versuch einer Rassentrennung mag vielleicht manchem,
auf den blossen Schein hin, nicht genehm erscheinen, aber ich
will diesen Gedanken nicht ungeschrieben an mir vorüberziehen
lassen, weil er doch vielleicht manchem Autor den Anstoss dazu
geben könnte, nicht nur neue Formen und Rassen einzuführen,
sondern auch den Wissbegierigen, etwas tiefer in die Sache
eindringen Wollenden in die Möglichkeit zu versetzen, — so
oft dies möglich ist — auch auf die mutmasslichen oder gar
leicht erklärlichen Ursachen der Mutation im Vergleiche zu be-
kannten Formen mehr oder minder richtige Schlüsse ziehen zu
lassen. Die Unkenntnis, ob irgend eine neue Form dieser oder
jener Saisonform angehöre, ist nur in den allerseltensten Fällen
gänzlich belanglos und wird diesbezüglich viel gesündigt.
Freilich liegt einzelnen Autoren nur daran, recht viele „nov. f.
und subsp. m.“ einzuführen, es soll sogar vorgekommen sein,
dass Formen nach einzelnen Stücken neugegründet wurden,
ohne dass der Autor den Fundort und das Fangdatum gekannt
hätte. Wahrhaft bedauerlich! Doch zurück zum Gegenstande!
In die Richtung 1 der belia-Rassen fällt zweifellos E. belia
belia Cr. (erameri Butl.), in die Richtung 2 romana Calb.
aus dem mittleren Italien und romanoides Ver. aus Süd-
italien und endlich die hier neu einzuführende Form aus den
Auresbergen. Schon wieder eine neue Form und dazu noch
aus einer Lokalität, die nur etwa 100 km von Batna gelegen
ist, von woher wir ja schon die melanochloros Röb. kennen!
Dies wohl der Gedanke so manchen Tuttfeindes! „Natura non
24 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
facit saltus“, erwidere ich ihm, „et facta loquuntur.“ Vor mir
liegt die prächtige Serie, die mir mein braver arabischer Führer
zugesandt und die ich vergeblich in eine der bekannten Formen
einzureihen bemüht war, die ich doch alle schon in meiner
Sammlung vertreten hatte. Nicht einmal als Uebergang konnte
ich sie einer meiner anderen zahlreichen Serien beistecken, so
seltsam dies vielleicht klingen mag. Die klimatischen Unter-
schiede zwischen Biskra und Batna, wo E. belia ebenfalls vor-
kommt, werde ich zum Schlusse der Erörterung würdigen, nach-
dem ich die Beschreibung meiner neuen Form vollendet haben
werde. Wenn ich auch zugestehen muss, dass E. belia eine
der variabelsten Pieridenarten ist, so kann ich ihr doch nicht
nachsagen, dass Individuen, die aus „einem“ Fundorte stammen,
unter sich nennenswert abweichen; meistens gleicht ein Stück
dem anderen aufs Haar, oder es beschränken sich die Ab-
weichungen nur auf die Grösse des Tieres und des Mittelfleckes
der Vorderflügel, welchem Umstand ich jedoch kein Gewicht
beilege. Solche Abweichungen finden wir auch bei Euchlo&
falloui Alıard*), die ich trotzdem für eine „starke“ Art halte.
Ausschlaggebend für die Unterspaltung von belia sind lediglich
die oberseitliche Apikalzeichnung, der Flügelschnitt, namentlich
der des Vorderflügels, ganz besonders aber die Auszeichnungs-
verteilung und Färbung der Hinterflügelunterseite, welche bei
„jeder“ Lokalform anders erscheint.
Wenn Röber im „Seitz“ belia Cr. crameri in Nordafrika
vorkommen lässt, so hat er damit sehr unrecht, denn die Nomi-
natform kommt dort wie aus einer reichhaltigen Serie von Ge-
birgs-Küstenlands- und Wüstentieren aus vielen Gebieten Al-
geriens ersehe, nirgends vor. Meine Frühjahrsstücke aus Bone,
Philippeville, Constantine und Batna weisen unter sich keine
nennenswerten Divergenzen auf, sind aber von typischen süd-
französischen Exemplaren vollkommen abweichend; der Vorder-
flügelschnitt ist bei den Algeriern (I. Generat.) nicht spitz, sondern
bedeutend mehr abgerundet, der Apikalfleck grösser, die silber-
glänzenden Makeln der Hinterflügelunterseite sind in vermehrter
Anzahl vorhanden und doppelt so gross wie bei französischen
Stücken. Die aigerische Frühjahrsbrut hat viel Aenlichkeit mit
der zentralitalienischen romana Calb., von der sie aber die
nahezu einförmig grüne Hinterflügel-Unterseiten-Färbung (bei
belia aus Algerien) schärfer scheidet. Ausserdem hat die alge-
rische Frühjahrsbrut noch die zahlreichen, prächtigen Silber-
*) Vergleiche H. Stauder in Iris Dresden, XX VIII, pp. 233/4.
H. Stauder. Neue mediterrane Lepidopterenformen. 35
makeln, die wir bei romana entweder ganz vermissen, oder nur
mehr angedeutet finden.
Die von Röber aus Batna importierte Höhenform melano-
chloros scheint mir, den im „Seitz“ angeführten Merkmalen
nach, viel eher mit Ph. tagis Hbn. verwandt zu sein; ich
sammelte zwei Jahre hintereinander im Mai auch einige Tage
in und um Batna und fing immer nur die oben beschriebene,
algerische belia-Form, die das gerade Gegenteil von melano-
chloros Röb. darstellt. Verity hat die norditalienische, fran-
zösische und spanische Frühjahrsgeneration als occidentalis
abgetrennt; ich halte diesen Vorgang nicht für gerechtfertigt,
wenigstens nicht nach dem mir vorliegenden Materiale; ich finde
keinen nennenswerten Unterschied zwischen Stücken aus Süd-
frankreich und Oberitalien einerseits und der Type anderseits.
Viel eher am Platze wäre die Abtrennung der atlantischen Rasse
gewesen, welche sich mit keiner der südeuropäischen Formen
vergleichen lässt.
Nachdem mir aber spanisches und marokkanisches Ver-
gleichsmaterial gänzlich fehlt und somit die Verbreitungskette
der Art nicht geschlossen erscheint, will ich die Erörterung über
die Berechtigung der Artspaltung bei nordafrikanischen Stücken
vorläufig fallen lassen und jetzt nur das eine feststellen, dass
ausschlaggebende Divergenzen tatsächlich bestehen. Aber auf
jeden Fall finde ich die Abtrennung der mir so zahlreich vor-
liegenden Auresianerrasse ohne weiteres für berechtigt; sie fällt in
die Richtung 2 meiner vorgeschlagenen Synopsis und vereinigt
daher — wie keine der mir bekannten diesbezüglichen Formen —
alle charakteristischen Merkmale der ersten und zweiten Brut
in sich. Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass wir in dieser
Form das Prototyp einer Verschmelzung von ausgesprochenem
Saisondimorphismus vor uns haben. Die charakteristischen Unter-
scheidungsmerkmale zwischen Frühjahrs- und Sommerbruten von
E. belia Cr. sind ja allgemein hinlänglich bekannt, weshlb
ich eine diesbezügliche Wiederholung für überflüssig erachte.
Meine neue Lokalform, für die ich, um die vielen Verdienste,
die sich der bekannte Spezialist auf dem Gebiete der Erforschung
der Pieriden, Herr L. Paravicini Arlesheim, erworben hat, zu
ehren, nach diesem Forscher den Namen E. belia paraviecinii
nova subspecies beantrage, stellt die erste Generation aus den
höheren Lagen der von mir schon vielfach geschilderten Djebel
Aures in Südalgerien dar. Wie ich die Faunenverhältnisse
dieses Landstriches wohl kenne, dürfte diese Form wohl über
den ganzen zerklüfteten Südabhang des Atlasgebirges verbreitet
“96 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
sein, insoweit nicht ein milderes Winterklima die Hervorbringung
einer anderen Frühjahrsform schon in den Monaten Februar — April
ermöglicht. In Biskra z. B. — also kaum 60 km Luftlinien-
Entfernung von El Kantara — fliegt ab Ende Februar eine erste
Generation, die sich mit der schon beschriebenen nordalgerischen
g. v. deckt; im Mai fliegt dort eine ausonia-ähnliche
zweite Generation, während in den Auresbergen bei El Kantara
um diese Zeit erst die erste Generation (paravicinii) zum
Vorschein kommt. In dem nordseils angrenzenden Verbreitungs-
bezirke, dem mittleren Atlas, haben wir im Mai als erste Gene-
. ration, die aber noch kein ausgesprochenes Gemisch von belia
und ausonia darstellt, wenn sie auch schon ziemliche Aehn-
lichkeit mit romana Calb. besitzt. Nur die klimatischen Ver-
hältnisse in den Auresbergen konnten paravicinii hervor-
bringen, die sich folgendermassen beschreiben lässt:
c' fast durchwegs bedeutend grösser und stattlicher als
belia typisch, Vorderflügelmasse 23—27 mm (Basis zu Apex),
Vorderflügelschnitt mehr ausgerundet, der oberseitliche Apikal-
fleck ausgedehnter und intensiver schwarz als bei der Type;
die weissen Flecken im Apikalflecke stark reduziert, so dass der
ganze Apikalfleck mächtig absticht. Der Mittelfleck ist von
verschiedener Ausdehnung, bei vielen Stücken grösser als normal,
vielfach auch oberseits weiss gekernt, bei einzelnen Stücken
auch in der Mitte schräg geteilt; die dem Vorderrande sonst
eigentümliche schwärzliche Sprenkelung fehlt fast bei allen Be-
legstücken, nur bei einigen wenigen ist sie noch leise angedeutet.
Während alle diese Merkmale, namentlich die Grösse des
Tieres und der vergrösserte Apikalfleck auf eine Sommerform
schliessen lassen, sind auf der Hinterflügeloberseite noch Spuren
der g. v. übriggeblieben: die schwarze Bestäubung an den Adern-
enden in den Saumfransen. Die frappantesten Mischmerkmale
bestehen jedoch auf der Hinterflügelunterseite. Bei oberfläch-
licher Betrachtung glaubt man eine simplonia Frr. vor sich
zu haben, denn mit der Unterseite dieser stimmt die der para-
vicinii am besten überein. Bei genauerer Betrachtung findet
man die Anzahl der meisten Flecken aber noch stark vermehrt,
dieselben auch noch grösser wie bei simplonia und — was
sie von allen Sommerformen scharf trennt — die hellen Flecken
der Hinterflügelunterseite sind nicht mattweiss, sondern silber-
glänzend wie bei der typischen Frühjahrsgeneration.
Eben das Vorhandensein dieser vermehrten und vergrösserten
Flecken von silberweisser und nicht matter Färbung veranlassen
mich, diese Frühjahrsform, die sonst alle charakteristischen Merk-
H. Stauder. Neue mediterrane Lepidopterenformen. 27
male der g. aestiva an sich trägt, als das Prototyp einer
Mischgeneration hinzustellen. Bei einigen wenigen /o’ der Serie
sind die diskalen Hinterflügelflecke allerdings nicht mehr intensiv
silbrigglänzend, bei einigen sind diese sogar matt, bei allen aber
sind der grosse Mittel- und die Vorderrandsflecken metallisierend.
Ebenso ist bei nahezu allen Stücken Metallglanz in der unter-
seitlichen Apikalzeichnung vorhanden. Bei 90°/, der vorliegen-
den JS’ ist auch im Mittelfelde der Hinterflügelunterseite (in
der oberen Ecke des grossen weissen Mittelfleckes an der Ader)
ein deutlicher schwarzer Punkt sichtbar, wie ihn laut „Seitz“
die sizilianische Frühjahrsform matutia Trti. besitzt.*)
Von den mir vorliegenden vier ?Q hat das grösste 26 mm
Vorderflügellänge, während die übrigen etwas kleiner sind. Die
übrigen Unterscheidungsmerkmale stimmen mit denen der Jo"
überein; nur der Vorderflügel-Mittel- und Apikalfleck ist analog
wie bei allen übrigen Sommerformen viel grösser als beim do‘.
Ein Weibchen hat den Silberglanz auf der Hinterflügelunterseite
nur mehr angedeutet, während die übrigen 3 Typen denselben
im gleichen Masse wie die d'f besitzen.
Typen 73 fd, 4 22 in meiner Sammlung; Patria: Djebel
Aures bei El Kantara, Mitte bis Ende Mai 1914, aus Höhen von
etwa 700-1000 m.
Anthocharis charlonia Donz. ab. nov. interrogans m. Unter
einer grösseren Serie von charlonia aus Südalgerien befindet
sich ein d', dessen Vorderflügelmittelfleck infolge Rückbildung
ein deutliches umgekehrtes Fragezeichen (?), dessen Punkt an
der Costa steht, darstellt. Type in meiner Sammlung.
Colias croceus mediterranea Stauder. Die illyrisch-dalma-
tinische Frühjahrsgeneration von croceus Fourer. habe ich
seinerzeit”*) unter dem Namen mediterranea abgetrennt; sie
ist viel heller und kleiner als die Sommerform aus Zentral- und
‚Südeuropa.
Eine prächtige Aberrativform von mediterranea fing ich
.am 7. April auf der Napoleonstrasse bei Triest. Es ist ein 0’
von der normalen hellen Grundfärbung der mediterranea;
die Costa beider Vorderflügel ist aber von der Basis bis zur
schwarzen Randbinde 3 mm breit schwefelgelb gefärbt, was dem
Tiere eine besondere Schönheit verleiht. Offenbar handelt es
sich hier um eine mediterranea, der es als imago nicht
*) Diese Form liegt mir zum Vergleiche nicht vor.
**) H. Stauder, „Weitere Beiträge zur Kenntnis der Makrolepidopt-
erenfauna der adriatischen Küstengebiete", Boll. della Soc. adriatica &
scienze naturali, Vol. XX VII, parte I, Triest 1913,
28 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
mehr vollständig gelungen ist, sich zu einer tergestina Stdr.*),
welche Aberrativform bekanntlich ganz schwefel- oder zitronen-
gelb ist, umzubilden und somit als ein Uebergangsstück gehalten
werden muss. In meiner Sammlung.
Lycaena argus L. (aegon Schiff.) chrysophthalma m.
nova forma (?). Der im Vorjahre von mir in Inner-Istrien und
am Karste der Umgebung Triests entdeckten Aberrativform
flavodentata Stauder”*“) kann ich nunmehr eine weitere präch-
tige anreihen, die ich 12. VI. 1914 in zwei weiblichen Exem-
plaren an den Karsthängen zwischen Opeina und Prosecco er-
. beutete.
Während bei typischen 2 2 der Nominatform die im Saume
der Hinterflügelunterseite liegenden (meist 6) Punkte entweder
schwarz, oder schwarz mit weniger metallischer Kernung sind,
wobei das schwarz doch immer noch überwiegt, sind diese Punkte
bei chrysophthalma m. vollkommen prächtig metallisch glän-
zend, so dass von der schwarzen Farbe gar nichts mehr erübrigt.
Typen 2 22 in meiner Sammlung.
Lycaena cyllarus illustris m. nova forma. Unter einer
grösseren Anzahl cyllarus, die ich im Mai 1914 ın den Salz-
sumpfwiesen bei Noghera (Muggia— Triest) einfing, waren mehrere
bereits benannte Aberrativformen enthalten; ab. dimus Bergstr.
und blachieri Mill. sind bei Triest keine Seltenheit, die 2?
gehören fast ausnahmslos der forma andereggi Rühl an. Wäh-
rend ich die Art in Südtirol sehr konstant fand, ist sie um Triest
recht veränderlich. Das kann übrigens nicht wundernehmen;
denn cyllarus kommt hier sowohl an den heissen Karstabhän-
gen und auf den kühleren, aber äusserst trockenen Altipiano
als auch auf Wiesen vor, deren nächste Umgebung ausgedehnte
Salzwassersümpfe (aufgelassene Salinen) bilden.
Von hier stammen zwei herrliche ‚Weibchen, die der tief-
schwarzen andereggi angehören, deren Oberseiten aber über-
dies prächtige, stark blaue Bestäubung, namentlich an der Basis
des Vorder- und längs den Adern des Hinterflügels aufweisen.
Da diese Abweichungsform an einer Stelle in zwei Exem-
plaren sich vorfand, ist Grund zur Annahme vorhanden, dass
sich diese später gewiss noch treffen lassen wird, weshalb ich
sie auch benenne: ® illustris nova forma aberr., Typen 2
Stück in meiner Sammlung.
Malacosoma castrensis halophila m. nova subsp. Im Mai
1914 fand ich in den Salzsümpfen von Muggia bei Triest an
*) idem, ibidem, pag. 149.
#%) Beschrieben in Iris, XXVIII, pag. 119/120,
H. Stauder. Neue mediterrane Lepidopterenformen. 29
Alisma plantago, welche dort massenhaft wächst, Raupen von
castrensis, die mir sofort durch die ganz ungewöhnliche
Grösse auffielen. Denn während die Raupe der Nominatform nur
40 bis 50 mm lang wird, massen die von mir gefundenen zwi-
schen 70 und 85 mm; auch wiesen sie gegen solche der Type
einige Unterschiede auf, weshalb ich vermutete, die ersten Stände
der aus dem benachbarten Venetien benannten Lokalrasse veneta
Sendf. vor mir zu haben, von der mir bekannt war, dass sie
sich unter anderem durch ihre Grösse besonders auszeichnet.
Das Zuchtergebnis enttäuschte meine diesbezüglichen Vermutun-
gen nur insoweit, als tatsächlich eine der veneta Stndf. nahe
verwandte Form zum Vorscheine kam. Doch sind die Zeich-
nungsunterschiede, namentlich bei den cf‘, derartige, dass
die mir vorliegenden 23 fd’ und 60 ?? aus Muggia — welche
das Zuchtergebnis darstellen — sowie 3 im Freien ebenfalls bei
Muggia Ende Juni erbeutete Pärchen sowohl von der Nominat-
form als auch der ihr am nächsten stehenden veneta Stndf.
abzutrennen sind. Während am trockenen istrischen Karste noch
allenthalben die Nominatform und teilweise die in denselben vor-
kommenden Aberrativformen fliegen, scheinen die Salzsümpfe
mit ihren Ausdünstungen die Ursache gewesen zu sein, dass
hier eine so markante neue Rasse sich entwickelt hat; demge-
mäss habe ich den Namen mit halophila am besten gewählt.
Diese übertrifit an Grösse noch die ihr verwandte veneta
Stndf., namentlich die fc sind durchwegs doppelt so gross
als typische mittel- und nordeuropäische Stücke. Das Gelb des
Vorderflügeloberseitegrundes ist bedeutend dunkler, die Hinter-
flügel sind (beim /) einfarbig tief dunkel kaffebraun und prächtig
glänzend, ohne jegliche Andeutung einer lichteren Querlinie. Das
doppelt so breite, dunklere Mittelband der Vorderflügeloberseite,
oft wie bei veneta dunkelbraun ausgefüllt, bei wenigen Stücken
aber auch nur schwächer braun gefärbt, verleiht der halophila
ein ganz eigenartiges Aussehen; bei oberflächlicher Betrachtung
möchte man fast auf eine neue Art schliessen, da dieses Band
fast senkrecht auf dem Hinterrand steht. Bei der Nominatform
und veneta durchschneidet das Mittelband den Vorderflügel in
schräger Richtung. Im dunkelgelben Aussenfelde bilden die
braunen Flecken eine zweite, wenn auch schwächere Aussenbinde,
der äusserste Rand bleibt bei halophila im Gegensatze zu
castrensis castrensis und veneta einfärbig dunkelgelb,
nur bei wenigen JS erscheint der äusserste Rand braun gefleckt
wie bei der Stammform. Bei veneta Stndf. ist der Aussenrand
breit braun gefasst. Während Kopf, Thorax und Antennen beim
30 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915
cd‘ veneta braun gefärbt sind, bleiben diese bei halophila
dunkelgelb, Merkmale, welche letztere hauptsächlich von veneta
scheiden. Das Basalfeld des 0 (Vfl) ist leicht braun behaart,
nur bei wenigen Stücken vollständig braun. Abdomen kaffee-
braun wie die Hinterflügel, an den Seiten und dem Ende heller,
gelblich.
Die zahlreichen mir vorliegenden 22 sind viel dunkler
und lebhafter rotbraun grundgefärbt, die gelben Querlinien des
Vorderflügels sind sehr schmal, vielfach auch ganz fehlend, das
Basalfeld dunkel, die Querlinie auf der Hinterflügeloberseite fehlt
‚durchwegs, während auf den Unterseiten noch leise Spuren
davon vorhanden sind. Auch die 2? von halophila sind
nahezu doppelt so gross als solche der Nominatform; die rot-
braune Grundfarbe kommt jener des ? von M. franconica
sehr nahe; ja einige meiner halophila-Typen (??) sind noch
dunkler als franconica 2%; diese Stücke müssen wohl der
Form hilleri Stndf. zugeschrieben werden. Die Fühler sind
rötlichbraun, Kopf, Thorax und Abdomen gleich der Grund-
färbung der Flügeloberseiten.
Nach den zahlreichen Typen zu schliessen, ist diese Sumpf-
rasse sehr konstant; denn die unter der Stammform allenthalben
mehr oder weniger häufig auftretenden Tutt’schen Individual-
abweichungen sind in ihr nicht wiederzufinden; als einzige
Aberrativform unter halophila ist nur hilleri Stndf. ver-
treten. In der Grösse variieren lediglich die 22 etwas, während
sämtliche do” dieselben Flügelmasse besitzen.
Zur Biologie sei beigetragen: Die Eier werden von den $2
an solche Pflanzen abgelegt, die auf etwas erhöhtem Terrain
stehen, wohl um die jungen Räupchen vor den bei Regengüssen
eintretenden Ueberschwemmungen in den besagten Sumpfgebieten
zu schützen; die erwachsenen Raupen fand ich ausschliesslich
auf Alisma plantago; mit Vorliebe leben sie in unmittel-
barer Nähe des salzgehältigen Wassers und scheinen ihnen die
schweren Dünste sehr wohl zu bekommen. Krankheiten konnte
ich keine feststellen, dagegen machte ich die Wahrnehmung, dass
etwa 500/, der Raupen von Parasiten belegt sind. Typen in
eingangs erwähnter Anzahl in meiner Sammlung.
Prothymnia viridaria hoffmanni m. nova forma. Ueberall im
österreichischen Litorale ist P. viridaria ziemlich gemein. Un-
ter einer grösseren Serie typischer Stücke fallen zwei Exemplare
auf, welche erheblich abweichen und die ich zu Ehren des be-
kannten Lepidopterologen, Herrn Fritz Höffmann benenne.
P., hoffmanni m. hat lehmgelbe Vorderflügelbasis, während
H. Stauder. Neue mediterrane Lepidopterenformen. 31
der Aussenteil von der Mittelbinde an durchweg prächtig purpur-
rot gefärbt ist; die Unterteilung des Aussenfeldes durch ein Band
von Grundfarbe fehlt bei dieser Form. Die Farbe der Hinter-
flügel ist ebenfalls bedeutend lichter als bei typischen Stücken.
Typen 2 SS Opeina, Umgebung Triest, 12. VI. 1914 in meiner
Sammlung.
Siona decussata marginata m. nova forma. Die typische
Form besitzt im äusseren Felde der Vorderflügel zwei parallele
schwarze Zackenbinden, 1—2 mm von einander entfernt. Der
dazwischen liegende Teil ist meist ausgefüllt, während der ganze
übrige Teil des Vorderflügels mehr oder minder rauchbraun über-
gossen ist. Am schönsten treten diese zwei Zackenbinden bei
der Form praeclara Stauder*) hervor, bei der alle Felder
weiss ausgefüllt erscheinen.
Bei marginata m. fehlt die innere Zackenbinde auf den
Vorder- und Hinterflügeln völlig, die inneren Partien sind wie
bei praeclara weiss, nur von den schwarzen Adern geteilt
und gegittert, während der Aussenrand (von der äusseren Zacken-
binde an) prächtig schwarz gefärbt ist.
Während praeclara in der Umgebung von Triest keine
Seltenheit ist, konnte ich von marginata bis nun nur ein
einziges Stück erbeuten (7, Opeina, Mitte Juni). ‘Type in meiner
Sammlung.
Dysauxes ancilla inornata m. nova forma. Ein am 15. Juli
1913 am Mrzavec im Küstenlande (1300 m) gefangenes f be-
sitzt nur mehr in den Zellen 3 und 4 des Vorderflügels die
weisslichen Pünktchen, auch diese sehr stark reduziert und von
Grundfarbe leicht übergossen; ein weiteres Stück (9 aus Triest)
ist durchweg ockerbraun gefärbt und entbehrt aller charakte-
ristischen Auszeichnungen.
Obwohl die Art über ganz Mitteleuropa und einem Teil
West- und Südosteuropas verbreitet ist, sind bis jetzt keine Ab-
weichungsformen bekannt geworden.
Nach meinem Dafürhalten gehören die von mir aufgefun-
denen zwei Stücke, die ich inornata benenne, einer Lokal-
rasse an; doch lässt sich dies nicht mit aller Bestimmtheit
vertreten, da das Belegmaterial natürlich zu gering erscheint.
Weiteres Material, das ich in der Folge noch in Besitz zu be-
kommen trachten werde, wird entscheiden, ob es sich um eine
*) H. Stauder: Weit. Beitr. zur K. der Makrolep.-Fauna der adr.
Küstengebiete, Boll. Soc. Adr. di scienze naturali, Vol, XXVII, p. I,
Triest, 1913, pag. 164 und Abb, auf Taf. II, Fig. 13,
32 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
neue Rassen-, oder nur um eine individuelle Abweichungsform
handelt. Typen, 1 d° $, in meiner Sammlung.
Zygaena rubicundus pallescens m. nova forma. In der
zweiten Julihälfte 1914 fiel mir auf der etwas über 1000 m hoch
gelegenen Pianura del Faito (Halbinsel Sorento) eine kleine Serie
der in Mittel- und Süditalien nur sehr lokal auftretenden Z. rubi-
cundus Hb. zur willkommenen Beute. Während 5 JdJ 2 22
schön rot gefärbt sind, weicht ein Pärchen ganz frischer Qualität
erheblich vom Typus ab: die Vorderflügel sind derart schwach
beschuppt, dass sie mit Ausnahme des Kostalteiles gäuzlich
. durchscheinend sind, was den Tieren ein graugelbes Aussehen
verleiht. Auch die Flügelunterseiten dieses Pärchens sind be-
deutend heller als die normale rubicundus.
Zygaena transalpina maritima ÖObth. d und
carniolica Scop. ® —= ® hybr. sticheli m. nova forma
(Freilandtier); Type 1 X 14. Vl. 1914, Umgebung Triest, in
meiner Sammlung.
Zygaena hybr. transalpina calabrica Calb. f und
carniolica Scop. 2 — ® hybr. galvagnii m. nova forma
(Freilandtier); Typen 2 22 Ende VI. 1914, Monte Faito, Halb-
insel Sorrento, in meiner Sammlung.
Dass zu den mannigfachen Hybridationsversuchen bestbe-
kannter Forscher fast durchwegs nur Elterntiere aus den Fami-
lien der Sphingidae, Saturniidae und Depranidae ge-
wählt wurden, ist von dem Standpunkte aus, dass sich hierzu
gerade die Zyganaenidae in hervorragendem Masse als Ver-
suchskaninchen eignen müssten, eigentlich recht bedauerlich, aber
immerhin leicht entschuldbar. Die hervorragendsten Hybriden-
züchter entfalten ihre Tätigkeit an Oertlichkeiten, an denen eben
die sich erfahrungsgemäss am besten zur Hybridation geeigneten
Arten aus den genannten Familien vorhanden waren. Naturge-
mäss hängt die Eignung der Tiere zu derartigen Versuchen von
einem ausgesprochenem Geschlechtswitterungsvermögen der ein-
zelnen Arten ab, sowie von der Voraussetzung, dass die zu
kreuzenden Arten derselben Gattung angehören.
Wer viel an den Küsten des Mittelmeeres gesammelt hat,
war gewiss erstaunt über die Massen, in welchen gerade manche
Arten der Zygaenidae stellenweise auftreten. Nur wenige
Arten leben getrennt oder besser gesagt, fast alle Arten leben
gleichzeitig an gleichen Oertlichkeiten. Der Geschlechtstrieb ist
bei allen mir bekannten Arten hervorragend; bei Z. car-
niolica Scop, transalpina Esp.’ (und deren Sekundär-
formen) und trifolii syracusiae Zell., sowie seriziati
H. Stauder. Neue mediterrane Lepidopterenformen. 33
Obth. beobachtete ich in vielen hunderten Fällen das Eingehen
der Kopula in vollkommen frischem Zustande; am Monte S.
Angelo auf Sorrent schlüpfte Z. t. calabrica Calb. — J und
2 — knapp nach vier Uhr nachmittag, um 5 Uhr waren die
frischen Pärchen schon zur Kopula geschritten. Aehnliche Be-
obachtungen machte ich an Z. trifolii syracusiae, seri-
ziati und carniolica. Bei Triest und im Neapolitanischen
fliegen zu ein und derselben Zeit an vielen Flugplätzen vier
bis sechs Arten und stellte ich im Laufe weniger Jahre eine
erkleckliche Anzahl von Ehebrüchen fest.“) Am wenigsten rigoros
bei der Zuchtwahl gehen die Arten Z. transalpina Esp. (so-
wie deren Unterrassen) und carniolica Scop. vor. Ich konnte
gerade von diesen ]. c. ein umfangreiches Sündenregister be-
kanntgeben.
Und gerade diese beiden Arten sind es, welche eine Un-
zahl Formen aufweisen und die zu den am wenigsten- konstanten
zu zählen sind. Dass lediglich klimatische Einflüsse massgebend
sein sollten, ist schon aus dem Grunde nicht anzunehmen, weil
mehrere Formen der gleichen Art zur selben Zeit an demselben
Orte getroffen werden. Diesbezüglich verweise ich nur auf meine
Z. transalpina-Monographie (]. c.).
Berge-Rebel IX gibt im ganzen 8 primäre und 4 abegelei-
tete Bastardformen von mitteleuropäischen Zygaeniden - Arten
an und meint, dass trotz der mehrfach konstatierten Kopulie-
rungsfestellung zwischen verschiedenen Arten, die Zahl der be-
kanntgewordenen Hybriden keine sehr grosse sei. Das ist aller-
dings richtig, doch glaube ich den Mangel von Zygaenen-Hybri-
den, viel eher dem Umstande zuschreiben zu müssen, weil eben
gerade den Arten dieser Familie der Ruf der Selbständigkeit
ganz zu Unrecht angedichtet wurde und wird. Gerade die
Zygaenen müssten in biologischer Hinsicht viel genauer betrach-
tet werden; es scheint mir gar nicht ausgeschlossen, dass manche
der bekannten Aberrativformen mit Hybridation zu erklären wäre.
Schon die Tatsache, dass es mir im Laufe zweier Jahre gelungen
ist, drei sichere Freilandhybriden festzunageln, bestärkt mich in
meinem Glauben an die geringe Selbständigkeit einiger Zygaenen-
Arten und will ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass diese Funde
manchen Sammler anspornen werden, das Bastardierungsthema
der Zygaenidae entsprechend zu würdigen. In mir haben
diese glücklichen Funde den Gedanken gereift, in den kommen-
den Jahren zahlreiche Hybridations- und Mongrelisationsversuche
*) Vergleiche H. Stauder iu Z. f. wissenschaftliche Insektenbiologie
Schöneberg- Berlin, XI, 1915, unter der Presse.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Naan Iris zu Dresden, Jahrgang 1915.
III
34 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
in dem von der Stadtgemeinde Triest in grosszügiger Art zu
diesem Zwecke erbauten Insekten-Vivarium zu betreiben.
Mitte Juni 1914 fing ich bei Triest auf einer Waldwiese,
auf der Z. transalpina maritima, carniolica, ochsen-
heimeri, dubia, und cynarae turatii in grosser Anzalı all-
jährlich fliegen, ein $, das ich sofort als Hybriden zwischen
transalpina maritima Obth. und carniolica Scop. erkannte.
Wenn wir an dem Grundsatze festhalten, dass sich im Ge-
präge des Hybriden in der Regel ein etwas stärkerer Einfluss
des männlichen Elternteiles als des weiblichen ausspreche*), so
müssen wir beim vorliegenden Hybriden, den ich zu Ehren des
hervorragenden deutschen Entomologen, Herrn H. Stichel Schöne-
berg-Berlin, benenne, als Vater transalpina maritima, als
Muttertier carniolica annehmen. Vom Vater stammen Habit,
Fühler, Färbung, Fleckenanlage und -Anzahl, dann die Hinter-
flügelumrandung, von der Mutter carniolica dagegen die weiss-
gelbe Umrandung der Flecken 1 bis 5, die sticheli kennzeichnet.
Fleck 6 ist wie bei maritima Obth. klein, geteilt und nicht
mehr von weisslicher Farbe umrandet. Anstatt Jer fein schwarz
umzogenen Vorderflügelflecken, die alle transalpina-Formen
charakteristisch kennzeichnen, finden wir also bei hybr. sticheli
die weisse Umrandung, wie sie nur Zyg. carniolica Scop.
und deren meisten Formen eigen ist.
Ein analoges Kreuzungsprodukt, als dessen väterlicher Eltern-
teil Z. transalpina calabrica Calb. nach dem früher er-
wähnten Grundsatze gelten muss, stammt aus dem Neapolita-
nischen (Monte Faito auf Sorrent), wo ich ebenfalls unter einer
Anzahl anderer Zygaenidenarten auch calabrica und carnio-
lica zur selben Zeit antraf. Es sind 2 2%, die man auf den
ersten Blick als zu calabrica gehörig erkennt, deren Type sie
darstellen. Aber auch gleich hybr. sticheli haben diese
zwei Hybriden, die ich dem bestbekannten Wiener-Lepidoptero-
logen, Herrn Dr. E. Galvagni zu Ehren als galvagnii hier
einführe, alle fünf Vorderflügelflecke statt schwarz, prächtig gold-
gelb gerändert, ein Umstand, der keinen Zweifel auflässt, dass
die Mütter dieser 22 carniolica Scop. waren. Fleck 6 fehlt
wie bei typischen calabrica Calb. gänzlich, auch auf der Un-
terseite, (also wie calabrica depuncta Titi.).
Triest, im März 1915.
*) Berge-Rebel XI, pag. A 78 (Hybridation s. str.)
E. Möbius. Beschreibung der Raupe von Gnophos spröngertsi Püng. 35
Beschreibung der Raupe
von Gnophos spröngertsi Püng.
Von Ernst Möbius, Dresden. (Mit 2 Abbildungen im Texte.)
Im vorjährigen Bande dieser Zeitschrift (Iris XXVIII, S. 51)
ist dieser in den Seealpen aufgefundene, neue Gnophos von
Püngeler beschrieben und abgebildet (Taf. III Nr. 15 und 25).
Ueber das Vorkommen berichtet der Entdecker, Spröngerts, in
seiner Fauna von St. Martin-Vesubie (8.253 1.c.) des Näheren.
Auf dringende Empfehlung des Letzteren war es auch mir vergönnt,
in dieser herrlichen Gegend, in Gesellschaft lieber Sammel-
genossen den Juli 1914 zu verbringen. Es gelang uns durch
sehr eifriges Suchen eine Anzahl Gn. spröngertsi zu erbeuten.
Ein 2 legte mir noch einige Eier, deren Aufzucht ich versuchte.
Eine Beschreibung der gelben Eier konnte ich leider auf der
Reise mangels optischer Hilfsmittel nicht vornehmen. Das
Räupchen sieht in allen Stadien gleich aus, wenn auch nach
der letzten Häutung die Merkmale deutlicher hervortreten.
Jetzt nach der Ueberwinterung ist
die Raupe ca. 1 cm lang, von walziger
Form, Oberfläche runzlig und wulstig,
Farbe bräunlich, an den Seiten und am
Bauch rosabräunlich. Dorsale fein an-
gedeutet, seitlich dieser auf dem 4. bis
8. Segment befindet sich jederseits ein
bräunlicher, nach hinten schwärzlich
werdender und auf dem Vorderende des
folgenden Segmentes tiefschwarz enden-
der Strich. Diese beiden Striche eines
Segmentes divergieren nach hinten und
bilden so eine für das Aussehen der
Raupe sehr charakteristische trapez-
artige Figur. Suprastigmale und Stig-
male dunkelbräunlichh, Stigmen tief-
schwarz. Unter den Stigmen eine rosa
lichtbräunliche, breite, gewulstete Kante;
Raupe von Game Basale eine tiefschwarze, breite, auf-
sproengertsi küng. fallende Linie. Die Ventrale und Supra-
4!/, mal vergrössert, von > et : Ei
der Seite und von oben. ventrale bilden bräunliche, in den Seg-
Seiten- und Rücken- menteinschnitten unterbrochene Linien.
ansicht, Kopf gelblich-bräunlich, Füsse desglei-
36 Deutsche Entom. Zeitschrift Irıs. Dresden 1915.
chen Nachschieber am Rande spärlich beborste. Auf dem 11.
Segment 2 kleine Höcker. Bewegungen träge, tastend wie bei
allen Gnophos-Raupen, Aufzucht mit Löwenzahn. In ihrer
Heimat bildet vermutlich eine kl. Saxifraga-Art, die häufig auf
den Felsen wuchs, ihre Nahrung.
Der Herr Vorsitzende des Vereins war so liebenswürdig,
die Rücken- und Seitenansicht des Räupchens (vor der letzten
Häutung) zu zeichnen, wofür ich auch hier bestens danke.
Das bisher unbekannte Männchen von Charaxes
(Eriboea) pyrrhus editha Ribbe.
Von Dr. med. C. Fiedler, Suhl i. Thüringen.
Diese Subspecies ist von C. Ribbe nach einem einzigen 2,
das er auf Bougainville erbeutete, in der „Iris“ Bd XI, 1898,
pag. 131 beschrieben worden, nicht, wie Fruhstorfer im Seitz
Bd. IX, pag. 754 in dem Urbeschreibungs-Nachweis der indo-
australischen Nymphaliden angibt, in den Entomol. Meddel. 1904
pag. 315. Nach Ribbe’s Beschreibung stellt editha eine sehr
wohlumschriebene Rasse unter den zahlreichen Subspecies von
pyrrhus L. dar. Ribbe teilte mir mit, dass nach Rotschild’s
Ansicht editha mit epigenes Godm. u. Salv. zusammenfalle,
dass man sie jedoch später wieder getrennt habe. Die Zu-
sammenziehung war vielleicht möglich, so lange man nur das
Q von editha kannte; nachdem ich jetzt das nach meiner
Ansicht unzweifelhafte 0 bekannt gebe, wird jeder Vergleich
mit epigenes hinfällig werden.
Ch. pyrrhus editha stellt eine sehr grosse Rasse dar;
Ribbe erwähnt, dass das 2 beinahe das Mass von Erib. eury-
alus von den Molukken erreiche. Das cd hat eine Vorder-
flügellänge von fast 5 cm und übertrifft damit an Spannweite
bereits die Weibchen der jupiter-Rasse von Holländisch und
Deutsch-Neuguinea, und dürfte in diesem Geschlecht von allen
Rassen jupiter Btlr. am nächsten stehen, doch gleichen die
Hinterflügel oben in der Form der Mittelbinde mehr gilolensis
Btlr., während die ganze Unterseite durch die äusserst kräftige
Zeichnungsanlage mehr der Nominatform pyrrhus ähnelt.
Oberseite, Vorderflügel: Mittelzelle-völlig schwarz, die gelbe
Aussenrandspunktreihe gross und deutlich, die einzelnen Punkte
Fiedler. Das bisher unbekannte Männchen von Charaxes editha. 37
etwas in die Quere gezogen, die doppelten in Zelle Ia grünlich
überstäubt. Die gelbe Mittelbinde sitzt in einer Breite von
1,5 cm der Mitte des Innenrandes auf, ist zackig, aussen und
innen grünlich bestäubt und verjüngt sich stark nach oben,
breitet sich aber nur über die Zellen Ia und Ib aus, nicht
wie bei jupiter auch auf Zelle II übergehend. Hier steht viel-
mehr ein grosser, isolierter, runder Fleck. Der gelbe Fleck in
Zelle III ist klein und kommt an Grösse etwa dem am Mittel-
zellenschluss stehenden gleich. Bei jupiter übertrifft der sehr
grosse Fleck in Zelle III den an der Discocellulare um ein
Vielfaches.
Hinterflügel: Durch das ganze Mittelfeld zieht sich eine
bis zu 1,5 cm breite Binde, die sich stark gegen den Analwinkel
verjüngt und nach aussen gleichmässig gerundet ist wie bei
gilolensis, nicht in scharfe Zacken ausgehend wie bei jupiter.
Im oberen Teile ist sie gelblichweiss gefärbt, heller als die
Diskalbinde der Vorderflügel, der ganze untere und äussere Teil
derselben ist grünlichblau bestäubt wie bei jupiter und lässt
nach dem Aussenrande zu deutlich eine dunkle Binde der Un-
terseite durchschimmern, wie Ribbe schon in seiner klaren Be-
schreibung des 2 ebenfalls hervorhebt. Der Aussenrand des
Flügels ist vom Analwinkel bis zur 1. Radiale zusammenhängend
schmal grünblau gefärbt, nicht mit Doppelflecken versehen wie
bei jupiter, die marginale Punktreihe ist klein und vollständig,
von gleicher Färbung; ein rotgelber Analfleck fehlt wie beim 2
oben und unten völlig.
Unterseite mit der charakteristischen Zeichnung und Fär-
bung der Gruppe, jedoch alle schwarzen Flecken und Linien
sehr stark angelegt und hervortretend, viel stärker als bei jupiter
und auch noch als bei der Nominatform, so kräftig wie bei dem
dS von Eriboea cognatus. An den Vorderflügeln ist die
graulila Aussenrandsbinde nicht wie bei jupiter durch eine oliv-
grüne Linie geteilt, sondern die hier breitere Binde enthält im
äusseren Teil eine vollständige Reihe weisser Flecken, die basal-
wärts von olivgrünen Punkten begrenzt werden.
Hinterflügel: die ockergelben, schwarzen und lilaweissen
Aussenrandfleckenbinden sind zu ausgeprägten Linien geworden,
die nach vorne bis zur Subcostale reichen und nicht wie bei
jupiterz. T. in Flecke aufgelöst sind. Das weisse Mittelflügel-
feld zieht sich vom Vorderrande bis an die Mediana und endet
an ihr wie gerade abgeschnitten, während es bei jupiter unter-
halb der Mediana keilförmig spitz zuläuft bis an die Mitte des
2. Medianastes. „Der bei jupiter diesen weissen Mittelfleck
38 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
aussen begrenzende schwarze Strich steht bei editha in dem
ersteren und schimmert, wie schon bemerkt, auf der Oberseite
durch“, sagt Ribbe in seiner Beschreibung des $, und lässt sich
wörtlich auch auf das 0’ anwenden. Die basalwärts folgende
gerade, schwarz eingefasste, olivgrüne Binde weist oberhalb der
Costale eine starke winklige Verbreiterung bis an den Vorder-
rand auf, wie es sonst bei keiner der verwandten Formen vor-
kommt. Der hierauf nach der Wurzel zu folgende lilaweisse
Strich ist breit und hervorstechend; er zieht sich vom Vorder-
rande bis fast zur halben Länge des 2. Medianastes hinunter.
Die eigentliche Basis des Hinterflügels ist dann wieder olivgrün
gefärbt. Durch das an der Mediana stumpf abgeschnittene weisse
Mittelfeld, durch die innerhalb dieses Mittelfeldes stehende, durch-
scheinende Linie, sowie durch die oberhalb der Costale stark
winklig erweiterte, schwarz geränderte, olivgrüne Mittelbinde
der Unterflügel ist editha im männlichen Geschlecht sehr gut
differenziert.
E. editha scheint auf Bougainville und den übrigen Salo-
monsinseln sehr selten zu sein. Der erfolgreiche Sammler Paul
Kibler in Stuttgart, dem wir auch das bis dahin unbekannte 9
von Eriboea cognata Voll (s. Iris 1914 pag. 255) verdanken,
hatte das seltene Glück, zwei Freilandpuppen zu entdecken, die
beide Männchen lieferten. Das sind die einzigen bekannt ge-
wordenen Exemplare, von denen sich das eine jetzt in meiner
Sammlung befindet.
Eine neue palaearktische Charaxes-Rasse.
Von H. Fruhstorfer, Genf.
Eriboea narcaeus richthofeni subspec. nova. Der JS der
Regenzeitform von Eriboea narcaeus forma mandarinus
Feld. aus Shanghai ist ohne weiteres zu differenzieren durch an-
sehnlichere blassgrüne Submarginalflecken der Oberseite beider
Flügel. Die schwarze innere Binde der Hfl wird dadurch er-
heblich verengt und scheint schärfer abgegrenzt. Ausserdem
zeigt sich eine Vermehrung des lichtblauen Anflugs auf den
Schwänzen und in der Analzone der Hfl.
Die Trockenzeitform, welche ich als arna forma nova ein-
führe, differiert von narcaeus Hew., welcher aus Tschekiang
H. Fruhstorfer. Eine neue palaearktische Charaxes-Rasse, 39
beschrieben ist, durch kaum halb so breite schwarze Submargi-
nalbinde der Hfl und durch eine äusserst zierliche, in 2 Reihen
schwarzer Flecken aufgelöste Terminalbinde der Hfl.
Das 2 der Regenzeitform unterscheidet sich nur durch die
Grösse vom J’ der Trockenzeitform und das 2 der Trockenzeit-
form zeigt die typische Verschmälerung der schwarzen Submar-
ginalbinden beider Flügel.
Unterseits ergeben sich kaum nennenswerte Unterschiede
E. narcaeus Hew. und L. mandarinus Feld. gegenüber.
Patria: Kiautschou. 3 fc 2 2% Coll. Fruhstorfer.
Die prächtige neue Form, welche geographisch durch das
Yangtsetal und die Sumpfebenen von Kiangsu von den süd-
licheren Rassen getrennt ist, dürfte die nördlichste Abzweigung
der Collectivspezies darstellen. Durch Lewis wird zwar ihr Vor-
kommen von Japan erwähnt, doch wurde dieser Fundort in der
neueren Zeit nicht bestätigt. Vielleicht handelt es sich um einen
durch Schiffe verschleppten Findling, den Lewis erbeutete. Eine
Einbürgerung der Art in Kiushiu liegt aber im Bereich der
Möglichkeit, weil sie ja in dem nördlicheren Shantung in An-
zahl heimisch ist.
Im Seitz Band IX pag. 722 erwähnte ich Exemplare aus
dem Britischen Museum mit der Bezeichnung „Nord-China“.
Diese tragen ungewöhnlich kleine Submarginalpunkte der Hfl und
stammen sicher nicht aus dem Norden des Landes, sondern aus
einer der mittleren Provinzen. Uebrigens sind die westchine-
sischen Stücke von dem Exemplar, das taf. 52 als E. mandarinus
im Seitz Teil I abgebildet ist, durch etwas grössere Submarginal-
flecken abweichend, so dass wir ohne Schwierigkeit drei Terri-
torialformen in China aufstellen können:
Eriboea narcaeus narcaeus Hew. Tschekiang, Shanghai.
forma mandarinus Feld. Regenzeitform.
forma aemiliani Farn. (Bol. Soc. Esp. Hist. Nat.
Madrid 1912 p. 302) ist ein Produkt der Trockenzeit,
gefunden im Sommer 1911 in der Provinz Hunan,
mit zusammen geflossenen intraradialen und intra-
medianen Makeln der Hfl, so dass diese eine Brücke
bilden.
Eriboea narcaeus thibetanus Oberthür, Westchina.
forma menedemus Oberthür, Trockenzeitform.
Eriboea narcaeus richthofeni Fruhst. Kiautschou.
forma arna Fruhst. Trockenzeitform. Ferner:
Eriboea narcaeus meghaduta Fruhst. Formosa, als insulare Rasse.
40 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Zur Phaenologie von Colias crocea Fourc.
(= edusa F.) nebst ab. micans.
Von W. Fritsch, Donndorf (Unstrut).
Seitdem es überhaupt eine wissenschaftliche Beobachtung
der Schmetterlingswelt gibt, hat dieser schöne Falter zu den
problematischen Erscheinungen unter der Fauna unseres Gebietes
gehört. Bereits der biedere August Johann Rösel”) hatte mit dem
Tiere seine liebe Not. Erstlich gelang es ihm nicht, seine
früheren Stände aufzutreiben, so dass er zu seinem Kummer
und Verdruss nur imstande war, das fertige Insekt, ein Weib-
chen, abzubilden und zu beschreiben. Ferner verwirrte ihn die
Fülle ähnlicher Erscheinungen. „Vom gegenwärtigen Papilion,“
hebt er an, „treffen wir jährlich in unseren Gegenden im Sommer
fünferlei Varietäten auf den Wiesen an.“ Er führt sie aber
bald darauf selbst auf drei Hauptarten zurück, von denen die
eine „fast einen weissen, eine andere einen mehr citronengelben
und die dritte eine schönen oraniengelben Grund führet“, und
worin-Colias hyale 2, C. hyale d' und C. crocea 2
unschwer zu erkennen sind. Eine weitere Vereinfachung deutet
er gleichfalls noch an, indem er die Vermutung äussert, die
Tiere, die keine gelben Flecken in der schwarzen Saumbinde
hätten, möchten nur das andere Geschlecht ein- und derselben
Art sein.
Aber auch für uns, die wir in vielen Dingen jetzt klarer
sehen, hat ©. erocea (die „edusa“ unserer Jugendtage) noch
manches Rätselhafte. Vor allem will der Streit der Meinungen
darüber nicht zur Ruhe kommen, für welches Gebiet der Falter
als eingebürgert, also als sicheres Vorkommnis betrachtet werden
darf, und wo er nur Gastrollen gibt. Von Zeit zu Zeit tritt er
jahrgangsweise häufig, ja geradezu massenhaft auf. Dann pflegen
sich (wie 1911 erst wieder geschehen) die Stimmen der Un-
vorsichtigen und Voreiligen zu erheben und den Falter als ver-
meintlich sesshaft gewordenen Ansiedler dem festen Besitzstand
ihrer Gegend zuzurechnen. Das wäre an sich nicht undenkbar;
es gibt zugewanderte Arten genug, die dauernd Boden gefasst
haben. Dann aber müsste C. erocea die Probe bestehen und
selbst die ungünstigsten Jahre, wenn auch mit arg verminderter
Individuenzahl, überdauern. Das ist aber keineswegs der Fall.
*) Insekten-Belustigung, 3. Teil, Nürnherg 1755, p. 260.
Fritsch. Zur Phaenologie von Colias erocea Foure. (= edusaF.) 41
Der völlig verregnete Hochsommer und der kühle, klatschnasse
Herbst des Jahres 1912, im Verein mit den verhängnisvollen
Spätfrösten im April 1913 und dem Wettersturz im Mai des-
selben Jahres, wo „der erkältete Kuckuck im Walde mit heiserer,
blecherner Stimme schrie“, haben ©. cerocea aus unserer Ge-
gend völlig weggefegt, nachdem die Art zuletzt drei Jahre hinter-
einander, 1911 sogar ziemlich häufig, beobachtet worden war.
Es ist also gar nicht daran zu zweifeln, dass diese Art in unseren
Breiten gegenwärtig ein Fremdling ist, der sich aus eigener Kraft
nicht zu erhalten vermag. Da ich wiederholt in Jahrgängen, in
denen erocea zu fehlen schien, vereinzelte Stücke beobachtet, 1. J.
1908, am 12. Oktober, sogar die 2 ab. helicina gefangen hatte,
so neigte ich lange Zeit der Ansicht zu, die Art sei dennoch
bei uns endemisch und hielte sich an besonders warmen und
trockenen Stellen — gleichsam auf Oasen und Wärmeinseln ihres
Vorkommens — auch in ungünstigen Jahren. Dieser Meinung
bin ich zum Teil jetzt noch und werde durch die Mitteilungen
erfahrener Beobachter darin bestärkt. Dennoch muss ich, durch
die Erfahrungen der letzten Jahre eines anderen belehrt, zugeben,
dass crocea kein dauernder Bestandteil unserer heimischen
Tierwelt mehr ist. Es gibt katastrophale Jahre, denen sie jetzt
in der Tat erliegt. In früherer Zeit scheint sie sich besser ge-
halten zu haben. Herr Spröngerts (Artern), ein sehr erfah-
rener Beobachter, dessen treffende Urteile ich ungemein hoch-
schätze, gab eine verblüffend einfache und dabei durchaus glaub-
hafte Erklärung für diese auffällige Erscheinung. C. crocea wird
durch landwirtschaftliche Intensivkultur vertrieben. Sie liebt
warme, unkultivierte Oertlichkeiten u. besonders Brachfelder, wie
sie früher, in der guten alten Zeit der Dreifelderwirtschaft, gang
und gäbe waren. Mit dem Rückgang der Schafe in Deutsch-
land, die früher die brachliegenden weiten Ackerflächen abwei-
deten, teilt auch C. erocea dasselbe Schicksal: Flucht vor
der Kultur! Der wilde, unstete, in reissendem Fluge über die
Felder eilende Falter findet die ihm zusagenden Daseinsbedin-
gungen nicht mehr. So wird ihm ungünstiges Wetter, das ihn
früher vielleicht nur verminderte, jetzt zum Verhängnis. Wir
haben also keine Einbürgerung dieses schönen Tieres, sondern
im Gegenteil eher noch ein Seltenerwerden zu erwarten; eine
Verlängerung seiner Erscheinungspausen.
Es wäre von Wichtigkeit zu erfahren, von wo an (nach
Süden und Osten gehend) sich C. erocea dauernd, also auch
in den allerungünstigsten Jahren zu halten vermag. Bei uns in
Mitteldeutschland hat sie jedenfalls den geeigneten Boden ver-
49 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
loren, so dass klimatische Ungunst den Falter vorübergehend
völlig entwurzelt. Wir werden ihn also dort als ständige Er-
scheinung zu erwarten haben, wo er entweder einen stärkeren
klimatischen Schutz findet (wie weiter im Süden) oder gün-
stigere Nahrungsbedingungen (wie im Osten mit einer weniger
intensiven Bodenkultur). Blosser Zugvogel — etwa wie D. nerii
oder Ch. celerio — ist er bei uns nicht; er besitzt noch die
Kraft, sich eine aufeinanderfolgende Reihe von Jahren zu halten,
was jene echten Zugtiere nicht vermögen. Aber eben so wenig
gehört er zu den sicheren Arten, zum eisernen Bestand unserer
heimischen Tierwelt. Er bildet ein Schulbeispiel für die Zu-
rückdrängung kulturflüchtiger Arten durch die fortschreitende
Bebauung der Oedländereien. Infolge seiner grossen Wildheit und
des ungestümen Wesens vermag er sich den veränderten Be-
dingungen nicht anzupassen. Wo Amsel und Holztaube, ihre
natürliche Scheu ablegend, ihren Frieden mit der Kultur machen
und sich vermehren, büsst crocea an Häufigkeit und Verbrei-
tung ein. Schade, aber nicht zu ändern!
Wie über die örtlichen Erscheinungsbedingungen noch keine
allgemeine Klarheit herrscht, so ist auch die zeitliche Erschei-
nungsweise keineswegs eindeutig festgestellt. Ein kurzer Blick
in die Litteratur beweist das. Alexander Bau gibt in seinem
„Handbuch“ den Mai und „Ende Sommers“ als Flugzeit für
den Falter an; Berge-Rebel verzeichnet zwei Generationen,
Juni und August, zuweilen in 3. Generation im Oktober fliegend.
Hoffmann-Spuler schreibt „Ende April bis Juni, die zweite
Generation meist viel häufiger als die erste, Ende Juli, August,
event. eine dritte Ende September, Oktober“. Und Seitz end-
lich sagt: „Der Schmetterling fliegt in Norddeutschland, wo er
selten ist, Ende August bis September, im Süden häufig und
viel früher, z. B. in Algier schon anfangs Juli“. Danach gäbe
es also im wesentlichen nur eine Brut, mit Verfrühungen und
Verspätungen allerdings. Wie stellen wir uns nun kritisch zu
diesen Angaben?
Zunächst ist eins wohl sicher: dass sich erocea in Mittel-
deutschland anders verhält als im Süden. Denn während die
naheverwandte Art ©. hyale bei uns in der Tat drei Bruten
entwickelt (Mai — Anfang Juni, Ende Juli — August, September
— Anfang Oktober) und ©. myrmidone diese 3 Bruten so-
gar deutlich verschieden zeigt (Frühjahrsbrut blasser, Sommer-
brut feuriger, Oktoberbrut bleicher und kleiner: gen. III autum-
nalis nana), ist mir kein einziger Fall-bekannt geworden, dass
crocea hierzulande schon im Frühjahr bemerkt worden wäre,
Fritsch. Zur Phaenologie von Colias erocea Foure. (= edusa F.) 43
und wäre es noch so spärlich. Ich persönlich habe weder in
Thüringen, noch in Sachsen noch in Schlesien, jemals eine crocea
vor Mitte August gesehen. Gewöhnlich taucht sie um den 20.
August herum auf. Von hyale habe ich zahlreiche Frühlings-
stücke, z. T. schon in den allerersten Maitagen beobachtet; von
crocea niemals. Dennoch bildet crocea eine Frühlingsbrut,
nur eben bei uns nicht, sondern anderwärts, so z. B. schon in
Digne im Mai. Selbst die auffällig frühe Angabe „April“ ist
belegt. Ich besitze z. B. ein ? aus Merw von diesem ausser-
ordentlich zeitigen Datum (Gewährsmann: der f als sehr ge-
wissenhaft und zuverlässig bekannte Entomologe M. Bartel).
Dr. M. Schneider (Stuttgart) berichtet von 2 d’S und
1 2, die im April 1913 in Viareggio (oberital. Küste) gefangen
wurden. Diese Stücke sind durch ihre Kleinheit bemerkens-
wert (der Vorderrand der Vorderflügel misst bei den 0'0’ reich-
lich 20 mm, beim 2 stark 23 mm) und durch ihre lebhafte
Färbung; insbesondere ist die Oberseite der Hinterflügel auf-
fallend dunkel bestäubt, so dass der orangefarbene Mittelfleck
sich sehr hell und deutlich abhebt. Beim 2 ist er sehr gross,
auch der dunkle Mittelfleck der Vorderflügel ist stark entwickelt;
die Unterseite zeichnet sich besonders durch starkes Hervor-
treten der dunkeln Flecken der Vorderflügel aus.
Hierher sind sicher auch 2 Stück meiner Sammlung zu
ziehen, die — leider ohne Fangdatum — von der Insel Lussin
(Istrien) stammen, sowie (möglicherweise!) auch ein $ aus
Bosnien. Die beiden istrischen d’S' sind von auffällig geringer
Grösse (Länge des Vorderrands der Vorderflügel nur 13 mm,
Gesamt-Flügelspannung bei dem kleinsten Stück nur 3,5 cm,
beim andern 0" 3,7 cm). Das bosnisce ® misst 21 mm
Vorderrandslänge und 4 cm Spannbreite. Das kleinste d' sowie
das $ sind auf der Oberseite der Hinterflügel ziemlich stark
dunkel bestäubt, sonst aber sind diese Stücke ziemlich bleich,
der sog. ab. citrina sich nähernd.. Auch ist weder der
schwarze Mittelfleck der Vorderflügel, noch die Flecken auf deren
Unterseite besonders kräftig. Das mögen eben individuelle
Schwankungen sein. — Spätlinge der Frühjahrsbrut mögen sich
bis Anfang Juni hinziehen;, dann mag (in heissen Gegenden
bereits Anfang Juli) die Sommerbrut erscheinen und endlich,
durch Verzettelung und verspätete Nachzügler damit verbunden,
Ende September bis Oktober (bei uns aber nur ganz ausnahms-
weise, in besonders geeigneten Jahren) die Herbstbrut. Das
Tier ist also in Mitteldeutschland für gewöhnlich einbrütig,
ausnahmsweise auch einmal zweibrütig, dann aber nur im Hoch-
44 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
sommer und im Herbst erscheinend, nicht im Frühjahr. Weiter
südlich wird die Art durch Hinzutreten einer I. gen. vernalis
dreibrütig.
G. Warnecke (Altona) ist der Ansicht, Edusa sei „in
Mitteleuropa wahrscheinlich überhaupt nicht einheimisch, sondern
wandere jährlich wohl aus dem Süden im August, September
ein.“ Dieser Meinung vermag ich auf Grund meiner eigenen
Erfahrungen nicht ganz beizupflichten. Wohl muss nach kata-
strophalen Jahrgängen Wiedereinwanderung von Süden her er-
folgen. Aber dass sie jährlich geschieht, halte ich für aus-
geschlossen, denn dann hätte die Einwanderung nach der
“ Katastrophe von 1912 uns bereits im Hochsommer 1913 einen
wenn auch noch spärlichen Ersatz bringen müssen. Das war
aber nicht der Fall; selbst 1914 ist C. crocea hier völlig ausge-
blieben, obwohl Hochsommer und Herbst trocken, warm und
schön war, so dass die Ernte gut und ohne jede Mühe eingebracht
werden konnte. Vermutlich gehört eine ganze Reihe von auf-
einanderfolgenden guten, oder wenigstens leidlichen Jahren dazu,
ehe crocea durch langsame Rückeroberung des verlorenen Ver-
breitungsgebietes wieder bei uns auftaucht, um sich dann wieder
längere Zeit zu halten. Mit der Annahme einer jährlich er-
folgenden Einwanderung steht auch die gesicherte Beobachtung
nicht im Einklang, dass besonders am Anfang der Flugzeit voll-
kommen reine, frisch geschlüpfte Stücke bei uns gefangen werden
können. Wandervögeln, die aus so weiter Ferne kommen, wäre
der Staub der Landstrasse doch wohl etwas anzumerken! Ich
bin vielmehr der Ansicht, dass die Wiederbesetzung des Gebietes
nicht jährlich und mit einem Schlage, sondern sprunghaft und
in mehreren Etappen sich vollzieht: wobei ein besonders heisser
und günstiger Sommer die Weite des Sprunges natürlich un-
gemein steigern kann. Sehr wertvoll ist aber die Mitteilung
G. Warneckes, dass er Colias crocea in der „entzückenden
Frühlingsform var. mediterranea Stauder“ im März bei
Ragusa (Süd-Dalmatien) gefangen habe. „Die erste im Fe-
bruar und März schlüpfende Generation zeichnet sich durch
ihre Kleinheit aus und bildet eine „ausgesprochen saisondimorphe
Form des südlichen Verbreitungsgebietes“, die von Stauder-Triest
als mediterrana 1913 beschrieben worden ist. Meine Ragusaner
Stücke, die allerdings nicht so klein sind, wie das von Stauder
im Bolletino d. Soc. Adriatica di Scienze nat. 1913 abgebildete
c', sind Mitte März gefangen und ganz frisch. Somit sind die
Monate Februar bis einschliesslich Oktober als Erscheinungszeit
für C. crocea mit ausreichender Sicherheit belegt, und die Früh-
Bücherbesprechungen. 45
jahrsbrut führt einen besonderer Namen, während es bei myr-
midone die 3. (Herbst-) Brut ist, die sich durch geringe Grösse
kennzeichnet und einen eigenen Namen trägt.
ab. micans.
Alle bei uns vorkommenden rotgelben Colias-Arten (chry-
sotheme, crocea [edusa], myrmidone, auch hecla v. suli-
telma Auriv.) weisen im 0 Geschlecht bei satt gefärbten
Stücken einen rotvioletten Schiller auf, myrmidone sogar —
wenn auch als äusserste Seltenheit — im 2 Geschlecht. Wo
sie noch nicht benannt sein sollten (was vermutlich bei chry-
sotheme und sulitelma der Fall) so seien sie nach dem
Muster von myrmidone ab. micans Röb. gleichfalls micans
benannt, der Einfachheit wegen. Colias crocea ist — aller
guten Dinge sind drei — bereits dreimal dieser Taufe unter-
zogen worden: zuletzt von Herrn Hauptmann R. Konas, Eger,
im ersten Heft der „Iris“ Jahrg. 1914 Seite 17; vorher von
Herrn H. Kiefer, Admont, in Nr. 6 der „Entomolog. Rund-
schau‘ vom Jahre 1913, durch eine spätere Berichtigung in
Nr. 9 desselben Jahrgangs wieder eingezogen; und noch früher
von meiner Wenigkeit in der „Intern. Ent. Zeitschrift“, Guben,
V. Jahrg. Nr. 8 im Jahre 1911.
Bücherbesprechungen.
Paul Blaschke, Die Raupen Europas mit ihren Futterpflanzen. Ein
vollständiger Raupenkalender nebst einer lepidopterologischen Botanik
mit 34 col. Tafeln, Grasers Verlag, Annaberg (Sachsen), gebunden
9,80 Mk.
Im allgemeinen Teil werden der Bau des Raupenkörpers, die Lebens-
weise, die Verpuppung, Zucht der Schmetterlinge aus Eiern und Raupen
und die Krankheiten der Raupen beschrieben. Dann folgt der spezielle
Teil, ein nach Monaten geordneter Raupenkalender (bei jeder Art: Ver-
breitung, Beschreibung ihres Aussehens, Futterpflanzen uud Entwicklungs-
zeit) und zuletzt eine Beschreibung der Futterpflanzen und Aufzählung
der daran lebenden Raupenarten. Die Ausstattung des Buches ist eine
recht gefällige. Sieht man sich den Inhalt genauer an, so machen sich
doch rechte Mängel bemerkbar. Es ist anzuerkennen, dass der Verfasser
mit grossem Fleiss alles Wissenswerte zusammengetragen hat, ob freilich
der Zweck, dem Raupensammler das Auffinden und die Kenntnis der
Raupen zu erleichtern, erreicht wird, ist mir zweifelhaft. Die Anordnung
ist zu weitschweifig, besonders die vielen Register und die vielen im Text
eingestreuten, oft seitenlangen Hinweise machen den Inhalt unübersicht-
lich, auch ist das Gebiet: ganz Europa, zu umfangreich, um für den
46 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Raupensammler praktisch zu sein. Es seien einige irreführende Unge-
nauigkeiten hier angeführt:
S.l1: Thaumatopoea pityocampa kommt in Sachsen nicht vor,
ist ein südliches Tier (Vergl. Iris 1905, Fauna des Kgr. Sachsen
S. 55).
8.19: Cloantha polyodon soll von Wurzeln mehrerer Grasarten und
Küchenkräutern leben; sie lebt dagegen ausschliesslich an Hyperi-
cum (Samenkapseln).
S. 111: Daphnis nerii soll besonders die Blätter des Oleander fressen ;
sie zieht die Blüten allem anderen vor und frisst nur die jüngsten
Blätter.
S. 141: Hybernia leucohpaearia: Entwicklung des Falters im Mai,
er fliegt aber schon im Februar und März.
8.171: Deilinia pusaria: Entwicklung: Die erste Generation im Mai,
die zweite im nächsten Mai. Das ist eine Generationsverwirrung,
wie man sie öfters findet.
S.173: Boarmia consortaria; Entwicklung im April, zweite Genera-
tion im Mai. So schnelle Entwicklung ist natürlich nicht möglich.
Der Versuch des Verfassers für jeden lateinischen Namen eine deutsche
Bezeichnung hinzuzufügen beziehentlich zu erfinden, stellt ein recht zweck-
loses Unterfangen dar, denn diese deutschen Namen widerholen sich natur-
gemäss sehr oft und sind so wenig bezeichnend, dass kein Mensch sich nur
eine Anzahl merken kann, welche Art ist z.B. die Zichorien — „Borst-
fuss“ — Blasenstirneule oder der braunschwarze Blattspanner, kann mir
der Verfasser darauf antworten?
Die kolorierten Abbildungen der Raupen sind meist kläglich, z. B.
Arctia caja (T. 6 No. 10) ist bei bester Kenntnis dieses Tieres nicht
zu erraten, auch die rubi-Raupe ist kostbar anzuschauen. Einigen Wert
haben für den in der Botanik nicht erfahrenen Raupensammler die kolo-
rierten Abbildungen auf den 28 Pflanzentafeln. Wie gesagt, es gibt
billigere und praktischere Raupenkalender. E. Möbius.
Fritz Hoffmann und Rudolf Klos, Die Schmetterlinge Steiermarks,
Verlag d. Naturwis. Vereins für Steiermark, Graz 1914.
In der mir vorliegenden Abhandlung, einem Sonderdruck aus den
Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 1913,
werden auf 138 Seiten die Tagfalter Steiermarks in so vorzüglicher Weise
besprochen, wie es von beiden bekannten Verfassern so vieler entomolo-
gischer Abhandlungen zu erwarten war. Es gibt wohl wenige Schmetter-
lings-Faunen, die so viel eigenes Tatsachenmaterial enthalten und so
kritisch gesichtet sind, wie vorliegende, auf jeder Zeile machen sich die
reichen Erfahrungen der Verfasser unter Benutzung einiger gewissenhafter
Lokalfaunen bemerkbar. Die in den Alpen so reich vertretenen Formen
und Nebenformen fast jeder Art sind sorgfältig aufgeführt, ebenso die so
interessanten Angaben über die Höhenverbreituug. Man lese nur die
Kapitel über Parnassius apollo und phoebus, ferner über C.
myrmidone und die Erebien. Die Bemerkung bei Besprechung eines
Zwitters von Colias myrmidone: „Der Falter kam leider nach Deutsch-
land“ hätte ich (jetzt im Jahre 1915) allerdings gern vermisst. Die Be-
arbeitung lehnt sich an das Berge-Rebelsche Werk an; hoffentlich er-
scheinen bald die anderen Falterfamilien. Man kann die Arbeit jedem
nach Steiermark reisenden Sammler dringend empfehlen, sie ist ein wür-
H. Fruhstorfer. Neue Formen der Gattung Luthrodes 47
diges Glied in der Reihe der in den letzten Jahren erschienenen so vor-
züglichen Schmetterlingsfaunen Österreichischer Kronländer.
E. Möbius.
Dr. Oskar Krancher, Entomologisches Jahrbuch Leipzig. XXIV.
Jahrgang. Kalender für alle Insektensammler auf das Jahr 1915.
Herausgegeben unter gütiger Mitwirkung hervorragender Entomolo-
Ben. Preis 1,60 Mk. Druck und Verlag von Frankenstein und
agner, Leipzig 1915.
Während draussen im Osten und Westen die Stürme des gewaltigen
Weltkrieges toben und das deutsche Volk heiss um die Ehre und das
Bestehen des geliebten Vaterlandes ringt, erscheint ein friedliches deutsches
Kulturwerk, das entomologische Jahrbuch 1915 auf dem Büchermarkte.
Die deutschen Entomologen werden dem Herausgeber Dank wissen, dass
er ungeachtet aller Kriegsstürme, ihnen diesen Kalender bescherte. Wie
bei seinen Vorläufern ist der Inhalt des Werkchens, Aufsätze aus fast
allen Gebieten der Entomologie darbietend, ein gediegener. In den
„Monatlichen Sammelanweisungen“ erreichen die wertvollen, von hin-
gebenden Forscherfleisse zeugenden Arbeiten von Dr. Ad. Meisner, Graz
und Dr. Meyer, Saarbrücken, die mit dem 17. Bändchen 1908 begannen,
ihren Abschluss. Auch die Aufsätze aus den Federn der übrigen Mit-
arbeiter verdienen gleichfalls volle Annerkennung. Nachdrücklich seien
hier die, in der Arbeit von Curt Daehne, Halle. a. S. „Faunistische
Forderungen“, enthaltenen Anregungen zur Beherzigung warm empfohlen,
denn nur durch gewissenhafteste Bezettelung jedes einzelnen Sammlungs-
stückes mit Fundort- und Datumangabe, sowie durch Führung von Tage-
büchern usw. kann der entomologischen Wissenschaft ein wirklicher Nutzen
erwiesen werden. — Das Jahrbuch, das mit einer Tafel „Seltsame Neu-
ropteren-Formen“ und mehreren Original- Abbildungen ausgestattet ist, wird
ewiss wieder vielen Sammlern Freude bereiten, sowie Anregungen und
ingerzeige zu Naturbeobachtungen bringen. Möge dem Büchlein die
weiteste Verbreitung beschieden sein.
A. Winckler.
Neue Formen der Gattung Luthrodes und Ueber-
sicht der bekannten Rassen auf Grund morpho-
logischer Untersuchungen.
Von H. Fruhstorfer, Genf.
Das Genus Luthrodes wurde von H. H. Druce 1895,
P.Z.S. p. 576, von der benachbarten Gattung Talicada Moore
abgetrennt, weil der erste Subecostalast auf seiner ganzen Länge
frei bleibt, während er bei Talicada damit verwachsen ist.
In den Zeichnungsanlagen der Unterseite nähern sich die Luth-
rodes etwas den Thysonotis der schaeffera-Gruppe, doch ist
die einzige in Frage kommende Art auch von diesen durch die
freistehende Subcostale ohne weiteres zu differenzieren.
48 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Wenn wir die Gestaltung der Klammerorgane in Betracht
ziehen, finden wir eine der Lycaenopsis und Thysonotis
genähberte Ausbildung der Valve, welche eine zierliche dorsale
Gabel nahe der Ansatzstelle trägt. Die Valve selbst ist mulden-
förmig, mit einer deutlich abgesonderten fingerartigen Spitze,
welche je nach der Lokalität etwas in der Grösse varliert. Der
Uncus ist zart gebaut, weder so breit und plattenförmig wie bei
den Thysonotis noch wulstig wie bei den Lycaenopsis,
bedeutend kürzer als die Valve und in eine feine Spitze aus-
laufend, welche gleichfalls je nach insularen Heimat der Imago
in der Form abändert.
Nach C. Ribbe sind die Falter schwerfällig fliegend. Sie lieben
feuchte Stellen an sonnigen Ufern von Wasserläufen, an denen
man häufig 20—30 Individuen an einer Stelle zusammen sitzen
sehen kann. Ribbe hat die Arurasse aus Raupen gezogen,
die Raupe jedoch nicht beschrieben. Er erwähnt aber, dass aus
einer Brut geschwänzte und ungeschwänzte 22 hervorgingen.
Die Gattung ist monotypisch und bewohnt das Papuagebiet,
von wo aus einzelne Rassen bis zu den Salomonen im Osten
und über die Molukken bis Celebes und zur Insel Wetter vor-
dringen. Üelebes hat die am meisten differenzierte Form und
bringt wie so häufig weitaus die grössten Individuen hervor. Im
Norden haben wir die Insel Mindoro und Teile von Nord-Borneo
als Grenzgebiet.
Type: L. cleotas Guer.
L. cleotas cleotas Guer. 1829. Bismarckarchipel.
L. cleotas gades subspec. nova. Salomonen, Shortlandinseln.
Unterseite reiner weiss, die schwarzen Flecken beider Flügel
prominenter, der Analfleck der Hfl intensiver und gesättigter
ziegelrot als bei cleotas. |
L. cleotas kaiphas subspec. nova. Neu-Guinea. Flügelform
gestreckter, länglicher als bei cleotas. Das Blau der Ober-
seite etwas fahler. Der rotgelbe Analfleck der Hfl bei den dd
schmäler, bei den 2? ausgedehnter als bei cleotas. Unterseite
dunkler, mehr rauchbraun statt weisslich, wie bei cleotas und
gades.
L. cleotas exellens Butler, 1875. Neu Hebriden.
L. cleotas arruana Felder, 1865. Aru Inseln. Eine aus-
gezeichnete Rasse, kenntlich an den graublau überstäubten Vfl
der 22. Die ZJS scheinen seltener zu sein als die 22. Die
geschwänzte Form des 2 hat Ribbe 1886 caudata benannt.
L. eleotas elitophon Sm., 1895. Insel Wetter,
Vorstand
des Entomologischen Vereins „Iris” zu Dresden.
Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. phil. K. M. Heller, Dresden,
Franklinstr. 22.
Stellvertr.: Dr. phil. P. Denso, Hellerau b. Dresden, Auf d. Sande.
Schriftf.: Bausekretär Ad. Winckler, Dresden-Pl., Kaitzerstr. 137.
Stellvertr.: Dr. jur. G. Heusinger, Dresden N., Grosse Meissnerstr. 2.
Rechnungsf.: Kaufm. G. Kretzschmar, Dresden, Bismarckplatz 6.
Bücherwart: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Redakteur: Dr. med. H. Walther, Dresden N., Böhmertstrasse 4.
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Sitzungen: Mittwochs 8t/; Uhr im Hauptrestaurant des Zoolog.
Gartens. Gäste stets willkommen,
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in den ersten drei Monaten eines jeden Vereinsjahres zu
zahlen (an den Rechnungsführer G. Kretzschmar).
Den Herren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu zahlen vergessen
haben, wird das zweite (Anfang Juli erscheinende) Heft gegen Nachnahme
des Beitrages zugesandt (soweit nach den betreffenden Ländern Nach-
nahme zulässig ist).
Die Zeitschrift erscheint in Vierteljahrsheften.
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte können nur
innerhalb der Frist eines Jahres, vom Erscheinen dieser
Hefte an gerechnet, berücksichtigt werden.
Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren Hefte und
Sonderdrucke unserer Zeitschrift zu halben Preisen mit Aus-
nahme von Band I, Heft 1—3, und Band VII und VIII, welche
vergriffen sind. Anfragen an den Bücherwart (E. Möbius,
Dresden-F., Schlachthofring 3) zu richten.
Di hross-oehmekterlinge dor Erde
in Verbindung mit bedeutenden Gelehrten der Entomologie
herausgegeben von Professor Dr. Adalbert Seitz
vollständig in ca. 525 Lieferungen oder in 16 Bänden
erscheint in deutscher, englischer und französischer Sprache.
Das Werk umfasst 2 Hauptteile:
l. Hauptteil: palaearktische Fauna
vollständig in etwa 125 Lieferungen & Mk. 1.—.
Band I Tagfalter, gebd. Mk. 60.—.
Band II Spinner und Schwärmer, gebd. Mk. 45.- .
Band Il Eulen, gebd. Mk. 55.—.
Band IV Spanner, ca. 15 Lig. oder gebd. ca. Mk. 40.—.
II. Hauptteil: exotische Fauna
vollständig in ca. 400 Lieferungen ä Mk. 1.50.
Band V—VIII amerikanische Fauna, ca. 140 Lieferungen
Band IX— XII indo-australische Fauna, ca. 170 Lieferungen
Band XII—XVI afrikanische Fauna, ca. 90 Lieferungen.
Die Einteilung der einzelnen Bände entsprechend dem I. Hauptteil.
Nach Erscheinen eines Bandes erhöhen sich die Preise um ca. 15°),
Als Band XVIl wird ein Suplementband erscheinen, der Morpho-
logie, Biologie, Geographie und wichtige Ergänzungen des
Hauptteiles behandelt.
In beiden Hauptteilen werden auf ungefähr 1000 Tafeln rund 4000
Falter in vorzüglich kolorierten, naturgetreuen Abbildungen dargestellt.
Sämtliche Bände und Faunen des Werkes können einzeln be-
zogen werden.
Genau nach dem Seitz’schen Werke bearbeitet erscheint im
gleichen Verlage eine vollständige
Etiketten-Liste,
deren Ausgabe zunächst nur für den Palaearktenteil vorgesehen ist
und in einzelnen Blättern mit ca. 156 Namen erfolgt.
Für jeden ernsteren Sammler, für Bibliotheken und Institute
sind unentbehrlich die vereinigten entomologischen Blätter:
Entomolog. Rundschau — Insekten-Börse —
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Abonnementspreis nur Mk. 1 ‚0, Ausl. 2.— bei 14täg. Erscheinungsweise.
Prospekte, Probetafeln und Probenummern versendet kostenlos der
dluttgart, Verlag des Seitz'schen Werkes (Alired Kernen).
[R
Iris, Dresden, Band XXIX. Heft 2/3.
Deutsche
Entomologische Zeitschrift
RE
„Iris
herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Jahrgang 1915. 2/3. Heft.
(Mit 6 Tafeln und 1 Textfigur.)
1. Oktober 1915.
Redakteur: Dr. H. Walther.
Preis für Nichtmitglieder des Vereins: 8 Mark.
BERRUBGSEENIE SENSE RE en oT
In Kommission bei
R. Friedländer & Sohn
Berlin, Cärl Strasse 11.
Drusk von Oskar Honse), Gottosbarz.
Inhalts-Uebersicht.
Seite
H. Fruhstorfer. Neue Formen der Gattung Luthrodes und
Uebersicht der bekannten Rassen auf Grund morphologischer
Untersuchungen . . 202 .49—50
Dr. L. Martin. Die Tagtalter dr at Delehes. @: Fort-
setzung.) . . ae N)
H. Frulktorfer. Neue Thonsus-Bawen > 8 9092
0. Bang-Haas. . Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914 .....92—100
M, Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zoolo-
gischen Museums . . OL 123
0. Stertz. Mitteilungen ni ee en, .. . 123—132
0. Stertz. Mitteilungen über Zuchtergebnisse des Genus Chon-
drostega im Allgemeinen . . . 0 ..132—133
0. Stertz. Mitteilungen über meine an ic . .. 134—142
0. Stertz. Mitteilungen über eine Zucht von Arctia caja. . 142—143
M. 6aede. Lepidoptera von Herrn P. Range im Nama-Land,
Deutsch 8. W. Afrika, gesammelt . . . . . 144—148
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius dellens N |
und verwandter Arten . . . BEER SER NE 6 LAS ITO
0. Bang-Haas. Einiges über en le GI 7D
A. H, Fassl. Neue Pieriden aus Süd-Amerika . . . . 176—181
0. Bang-Haas. Einheitliche Aberr nn der Gene
IBOTnassias N ta Ne ER re te) Eat ko}
In allen redaktionellen Angelegenheiten (Manuskripte, Tafeln, Bücher-
besprechungen, Korrekturen etc.) bittet man, sich bis auf weiteres nur
an den Vorsitzenden, Hofrat Prof. Dr. Heiler, Dresden, Kgl. Zoolog.
Museum, Zwinger, zu wenden. Die Autoren erhalten 25 Sonderdrucke
kostenfrei, nach Vereinbarung auf Wunsch mehr. Für die Form und
den Inhalt der in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze sind die
Autoren allein verantwortlich.
user.
H. Fruhstorfer. Neue Formen der Gattung Luthrodes 49
L. cleotas buruana Holl., 1900. Insel Buru. Eine her-
vorragend spezialisierte Rasse. c” oberseits blass veilblau, ohne
Spur eines roten Analfleckes. 2 mit graublauem Anflug im Ba-
salteil der Vfl und dadurch der aruana ® genähert, aber gleich-
falls ohne rotgelben Analfleck der Hfl. Unterseite kreideweiss,
etwa wie bei aruana, aber mit nahezu völlig erloschenem sub-
analem Gelb der Hfl.
L. cleotas soamis subspec. nova. Insel Obi. 2 Kleiner,
zierlicher als buruana. Vfl ausgedehnter und dunkler blaugrau
überstäubt. Unterseite trotz der Kleinheit mit prägnanteren
schwarzen Zeichnungen. Vom rotgelben Anflug sind zwei noch
kleinere Halbmonde als bei buruana übrig geblieben.
L. cleotas boopis Frhst. Zentral-Celebes. (B.E.Z. 1897
p- 115.) Die am weitesten von der Matrimonialform entfernte
Rasse. d’ oberseits ähnlich buruana Holl. Doch viel grösser,
mit breiterem schwarzen Distalsaum und mit von der Unterseite
weniger durchscheinenden schwarzen Flecken. ® oberseits ein-
farbig schwarzgrau. Unterseite gelblichgrau mit ungewöhnlich
grossen schwarzen Makeln und Halbmondbinden, die ihrerseits
ausgedehnt weiss umgrenzt sind. Der subanale Anflug der Hfl
etwa wie bei buruana.
Beschreibung nach einem Z und 2 2%, welche ich bei
Donggala, Dezember 1895, gelegentlich eines kurzen Aufenthaltes
auf den Anhöhen über dem Hafenort erbeutete. Neuerdings hat
Dr. Martin eine grosse Anzahl / bei Palu, Zentral-Celebes
gesammelt, doch meines Wissens keine 22.
L. cleotas mindora Feld., 1865. Philippinen. Nach Semper
auf Mindoro, Mindanao, Palawan. Ein mir aus Sandakan, Nord-
Borneo, vorliegendes $ hat geringeren gelben Anflug der Oberseite der
Hfl und weniger kräftige Schwarzfleckung der Unterseite. L. min -
dora scheint häufiger geschwänzt, als ungeschwänzt vorzukommen.
Alle aufgezählten Rassen galten bisher als eigene Arten
und man könnte auf Grund der Färbungsverhältnisse in der Tat
die Formen auf mindestens drei Spezies verteilen, nämlich in die:
L. cleotas-Gruppe, mit grossem rotgelben Analfleck der
Oberseite,
L.buruana-Gruppe, ohne diesen Fleck und mit verschwin-
dendem roten Anflug der Unterseite und in die
L. boopis-Gruppe, mit ganz schwarzen 22.
Die Valvenform ist aber bei diesen sehr ähnlich und wir
haben zwischen der breitesten Form, welche wir später gelegent-
lich abbilden werden von L. cleotas einen Uebergang in L.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915, =
50 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
buruana, welche die schärfste und am weitesten vorspringende
Spitze hat, zu L. boopis, mit trotz der bedeutenden Grösse
verkürzter Valvenspitze und dem zartesten Uncus.
Die Tagfalter der Insel Celebes.
Eine kritische Studie mit einigen Neubeschreibungen.
Von Dr. L. Martin, Diessen.
2. Fortsetzung.*)
2. Papilioniden.
Die Papilios von Celebes sind in ihrer Gesamtheit noch
eigenartiger und für das Faunengebiet der Insel noch charak-
teristischer als die soeben besprochenen Danaiden. Wohl muss
gegenüber dem makromalaischen Gebiete schon eine bedeutende
Abnahme der Spezieszahl festgestellt werden, aber es steigt da-
für ungeheuer die Zahl der völlig endemischen Arten und
Formen treten auf, welche uns entschieden archaisch, wie Ur-
formen, anmuten. Auf Sumatra kommen 48 gute Papilioarten
vor, von welchen jedoch höchstens 6 —= 12 %, endemisch, nur
auf Sumatra fliegend, genannt werden können, Celebes dagegen
besitzt nur noch 27 Spezies, von diesen aber sind 17 = 63 9),
völlig endemisch und werden nirgends ausserhalb des Faunen-
gebietes von ÜCelebes gefunden. Java und Borneo verhalten
sich ganz ähnlich wie Sumatra. Der Unterschied von 12 zu
63 0/, ist ein grosser und spricht laut für die Ausnahmestellung
von Oelebes. Um einem Sachverständigen, der mir nachrechnen
will, diese Aufgabe zu erleichtern, will ich die Arten beider
Inseln, welche ich für endemisch halten möchte, bei Namen
nennen. Sumatra: Celebes:
honrathianus, haliphron, blumei,
hageni, palu, adamantius,
forbesi, kühni rhesus,
diophantus, polyphontes, dorcus,
perses, veiovis, androcles
xanthosoma. gigon, monticolus
alcindor, milon,
ascalaphus, deucalion
encelades.
*) Siehe diese Zeitschrift Jahrgang 1914, p. 59-107 und 1915 p. 4-19
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 51
Ich glaube bei dieser Schätzung in keiner Weise gegen Sumatra
zu streng, oder gegen Celebes zu mild gewesen zu sein. Oest-
lich von Celebes fällt die Spezieszahl noch mehr, denn Amboina
kann nur noch 15 Papilioniden aufweisen, aber auch die ende-
mischen Arten fallen rapid in ihrer Zahl und dürften kaum das
Verhältnis von Sumatra erreichen. Auffallend und unbegreiflich
ist, wie schon in der Einleitung gesagt, das Fehlen einer grün-
goldenen Ornithoptera, nachdem fast überall auf den Nachbar-
inseln solche Tiere fliegen. Nur Java scheint dieses Defizit mit
Celebes zu teilen, beide Eilande haben sich eben lange vor dem
Entstehen des makromalaischen Gebietes vom Festlande getrennt,
Celebes früher als Java und eine Einwanderung hat es trotz der
vielen angenommenen Landbrücken im Laufe der Jahrmillionen
nicht gegeben. Von den vier gelben, der Insel eigenen Ornith-
opteras erachte ich nur haliphron für endemisch, hypolitus
ist ein mit den Molukken zu teilendes Faunenelement und
hephaestus und celebensis gehören als Subspecies zu weit
verbreiteten Arten. Wenn ich oben von archaisch anmutenden
Papilioformen der Insel sprach, so möchte ich als klassische
Beispiele Tiere wie palu, androcles und milon zitieren,
welche in ihrer Form und Zeichnung eine gewisse Urwüchsig-
keit offenbaren, welche auf anderen Inseln nicht zu finden ist.
Auch der Vertreter der memnon-Gruppe auf Celebes, asca-
laphus, ist noch in beiden Geschlechtern geschwänzt, während
von allen memnon-Formen der anderen Inseln nur eine kleine
Minderzahl weiblicher Individuen die Schwänze noch bewahrt
hat, geschwänzte Männchen aber nirgends vorkommen. Dass in
den beiden Arten veiovis und encelades Formen erscheinen,
welche in keine verwandtschaftliche Beziehung zu irgend einer
anderen Art des Archipels gebracht werden können, dass viel-
mehr mit Wahrscheinlichkeit die Verwandten dieser beiden Fal-
ter in der afrikanischen Fauna zu suchen sind, ist schon in der
Einleitung erwähnt. Wie indisch aber trotz seiner grossen Eigen-
art Celebes doch noch wieder ist, erkennen wir aus dem Vor-
kommen einer Leptocircus-Spezies, welches Genus hier an
seiner äussersten Ostgrenze steht. Dass die Männchen der bei-
den Vertreter der eurypylus-Gruppe ein silberweisses Abdomen
besitzen (überall soust schwarz), dass Celebes aus der sarpedon-
Gruppe zwei spezifisch höchst distinkte Arten aufweisen kann,
während auf allen anderen Gebieten nur eine Spezies erscheint,
und dass schliesslich der auffällige Schwung des Costalrandes
der Vfl gerade in dieser Familie besonders stark zu beobachten
ist, sei ebenfalls der namentlichen Besprechung der Papilioniden
52 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
vorausgeschickt. Nicht uninteressant ist das Zahlenverhältnis
der Papilioarten bei unseren vier Autoren:
Hopffer nennt 14 Spezies
Piepers a
Holland 17%, 1720 0 and
Rothschild „ 22 ,„. , aus welcher Zahl man das
intensive Bestreben Doherty’s erkennen kann, seinem Abnehmer
ein möglichst komplettes Bild der Fauna zu liefern. In der vor-
liegenden Arbeit ist es gelungen, die Artenzahl auf 27 zu er-
höhen; dass es ein späterer Autor auf 30 bringen wird, ist mir
nicht sehr unwahrscheinlich.
35. Ornithoptera hypolitus cellularis Rothsch. Diese schöne
Art steht ganz für sich, sagt lakonisch Staudinger bei Besprech-
ung der schon von Cramer beschriebenen Molukkenform des auf-
fälligen Tieres, welches wirklich innerhalb des Formenkreises der
schwarzgelben Ornithopteren, zu denen es doch offenbar gehört,
durch Zeichnung und Färbung eine ganz isolierte Stellung ein-
nimmt. Die gelbe Farbe, welche alle die anderen Arten an der
Basis und in der Mitte des Hfls tragen, ist bei ihr an den Flü-
gelrand verlegt und das Abdomen des Männchens zeigt auf sei-
nem Rücken eine ungemein schmückende Orangefleckung. Wir
stehen auf jeden Fall einem sehr altertümlichen, nicht mehr
wiederholten Typus gegenüber und ein Blick auf die Innervation
des männlichen Hfls löst stets einen stark primigenen Ein-
druck aus, denn man kann nicht sagen, dass auch nur einer der
Aderäste eine direkte Fortsetzung des Aderstammes sei, da alle
Aeste unter ganz ungewöhnlichen Winkeln zum Hauptstamme
stehen. Die leicht transparenten Vfl des Männchens finden
sich dagegen sowohl bei Ornithoptera als auch Papilio wie-
der. Hopffer fand die Celebesexemplare nur um ein Drittel
kleiner als solche aus Amboina, sonst aber nicht abweichend und
übersah die im weiblichen Geschlechte bestehenden Unterschiede.
Celebesstücke, besonders Weibchen, erreichen oft die Masse der
Molukkentiere, die Männchen sind vielleicht im allgemeinen et-
was kleiner, aber auf Üelebes gibt es eben sehr kleine Exem-
plare der Trockenzeit und solche mögen Hopffer vorgelegen haben.
Welch bedeutende Grössenunterschiede innerhalb der Art auf
Celebes vorkommen, wird durch mein Material illustriert, die
Männchen massen von 100 zu 130 mm und die Weibchen von
105 zu 165 mm. Staudinger im Besitze von grossem, durch
Dr. Platen gelieferten Material übersah die Unterschiede nicht
und benannte die Celebesform 1894 celebensis, gebrauchte
dabei aber einen im Subgenus bereits präoccupierten Namen, so
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 53
dass Rotschild 1895 den heute giltigen Namen cellularis ein-
führen konnte. Auch er besass reiches Material, da ihm Doherty
19 Exemplare beiderlei Geschlechtes geliefert hatte. Der Unter-
schied der Celebesform, nur im Weibchen ausgedrückt, besteht
darin, dass die apikale Hälfte der Hflzelle mehr oder minder
ausgedehnt weissgrau gefärbt ist, während bei Molukkenstücken
die ganze Zelle schwarz erscheint. Die sonst noch angeführten
Unterschiede sind unerheblich oder halten in Serien nicht.
O0. hypolitus fliegt auf Celebes zu allen Jahreszeiten, häufiger
im Süden, seltener im Norden; während ich aus dem Hinter-
lande von Makassar grosse Serien erhielt, besitze ich nur ein
kleines Weibchen aus Menado und im Laufe meines Jahres auf
Palu kamen nur drei Exemplare zur Strecke. Auch Piepers
sagt „nicht selten am Bantimurung und bei Bonthain“ und hat
den Falter auch auf Saleijer gefangen. Dort habe auch ich
nahe dem Meer ein Männchen in grosser Höhe fliegen sehen,
während ich auf Buton ein grosses Weibchen ebenfalls nahe der
Küste mit dem Netze gefehlt habe. Wie bei einigen Papilios
aus der nox-Gruppe sind die Männchen seltener als die Weib-
chen, was sich vielleicht aus dem hohen Fluge der ersteren und
das Aufsuchen der niedrigen Futterpflanze duıch die letzteren
erklärt. Die Weibchen aus Nord-Ceiebes unterscheiden sich
leicht von jenen aus dem Süden durch vermehrtes Schwarz an
der Costa der Hfloberseite, man möchte bei ihnen von gelben
Flecken auf schwarzem Grunde sprechen, während die Südweib-
chen schwarze Flecken auf gelben Grunde zeigen. Mann und
Weib der Molukkenrasse ist im Seitz gut abgebildet.
36. Ornithoptera haliphron Bsd., die Ornithoptera der west-
lichen Halbinsel von Süd-Celebes, wo sie im Hinterlande von
Makassar (Maros, Patunuan) das ganze Jahr durch in immer
frischen Generationen in einer für Örnithoptera ungewöhnlich
grossen Anzahl von Individuen auftritt, jedoch von April bis
Juli etwas spärlicher, am häufigsten von November bis Februar,
also im Herzen der Regenzeit, in welcher Periode meine Samm-
ler Hunderte von Stücken anbrachten. Die Art bewohnt aber
nur den äussersten Süden der Insel, scheint schon auf der Höhe
von Parepare nicht mehr vorzukommen und schlägt hiermit der
Migrationstheorie brutal ins Gesicht, denn was sollte den flug-
kräftigen Falter hindern, sich über die ganze Insel zu verbrei-
ten, wie das Ornithoptera hephaestus tut. Eine Anzahl
von Subspezies des haliphron bewohnt aber die südlich von
Celebes gelegenen, kleinen Sundainseln von Sumbawa bis zu den
Tenimber (Timorlaut) -Inseln, mit Anschluss von Timor, auch
54 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
auf der verbindenden Insel Saleijer ist die Art sehr häufig
und wir stehen hier, wie oben bei der schwarzen Salatura,
vor der Tatsache, im Verbreitungsgebiete dieses Falters die
Grenzen eines einstigen Inselkontinentes erkennen zu müssen,
welcher nur den Süden des heutigen Celebes in sich schloss. In
Palu war natürlich keine Spur von haliphron zu entdecken,
auch von der Ostküste (Kendari, Salabanka) habe ich die Art
schon nicht mehr erhalten, ebensowenig fand ich sie auf Buton.
In Patunuan bei Maros habe ich 1906 einen Zwitter dieser
grossen Art erbeutet — wie ich glaube der erste und bisher
einzige Fall dieses Naturspieles bei Ornithoptera. Das in-
teressante Stück, sogar im Seitz erwähnt, befindet sich heute in
der Sammlung des Herrn von Rothschild. Die Originalbeschrei-
bung Boisduvals ist als Beschreibung gut, lässt aber jede
weitere Mitteilung von Interesse vermissen und ist auch von
keiner Abbildung begleitet, so dass ich diese in der Folge für
die weiteren von Boisduval beschriebenen Papilios, für welche
genau das Gleiche gilt, unbesprochen lassen kann. Boisduval
wusste eben seiner Zeit selbst nichts von seinen beschriebenen
Arten, er hätte sicher jeden Funken von Information gerne
drucken lassen. O. haliphron ist ein schmuckes Tier, der breit-
schwarze Hfl mit dem schmalen, nur aus fünf leldern be-
stehenden, die Zelle meist freilassenden, einen plastischen-heral-
dischen Eindruck machenden Goldschilde hat einen besonderen
Reiz; auch die blassen Weibchen sind schöne Erscheinungen,
Mann und Weib sind im Seitz gut, doch etwas zu dunkel ab-
gebildet.
Die Subspecies pallens Oberth. aus Saleijer unterscheidet
sich schr vom typischen haliphron, besonders die Weibchen
mit fahlbraunem Vdflgl. und schwarzem Htflgl. geben ein im
ganzen Subgenus einziges Bild. OÖ. pallens ist auf der Insel
sehr häufig und war der erste Schmetterling, der mir direkt an
der Küste ins Netz geriet. Auf dem alten Friedhofe von Ben-
teng, wo Portugiesen und Engländer unter schwer gemauerten
Grabsteinen die letzte Ruhe gefunden haben, flogen die Tiere
langsam und flatternd von Blüte zu Blüte und waren leicht mit
dem Netz abzustreifen, in welchem sie sich unbeweglich tot
stellten. Bei einem Fehlschlage jedoch erhoben sie sich rapid
und unverfolgbar in die Lüfte.
37. Ornithoptera helena hephaestus Feld., die auf ganz
Celebes im Norden und Süden, im Flachland und Gebirge flie-
gende Subspezies der über den ganzen Archipel von Nord-Indien
auf dem Kontinente bis nach Neu-Guinea verbreiteten helena.
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 55
Doch auch diese Art ist im Süden entschieden häufiger als
im Norden, aus dem Hinterlande von Makassar grosse Serien,
aus Menado und Palu nur wenige Stücke in meiner Sammlung,
fliegt jedoch überall das ganze Jahr hindurch und Celebes hat
der Art durch den langgestreckten, schlanken, an der Costa stark
gebogenen Vfl seinen Stempel aufgedrückt. Es folgen die
Makassar-Fangresultate der einzelnen Monate, aus welchen leicht
das richtige Frequenzbild der Art geformt werden kann:
Januar 23 April 1 Juli 19 Oktober 9
Februar 8 Mai 4 August 24 November 41
März 3 Juni 7 September 8 Dezember 51.
Im März und April hatte ich zu wenige und zu ungeübte
Sammler, so dass diese Zahlen wohl etwas zu niedrig sein dürf-
ten. Im Hinterlande von Palu bevorzugte hephaestus die
hohen Lagen, fast alle meine Stücke stammen aus der Pekawa
und nur wenige wurden in der Ebene bei Kalawara gefangen.
Es erscheinen zwei weibliche Formen, eine mit einfärbig schwar-
zen Vfl, von Dr. K. Jordan im Seitz Iygaea genannt und
eine mit stark aufgehellten, weisslichen Vfl, welche derselbe
Autor am gleichen Platze lucinda nennt. Letztere scheint
nach meinem Material im Norden der Insel zu überwiegen. Die
Flügelbasis bleibt bei ihr stets schwarz, aber die äussere Hälfte
der Zelle, die Apikalregion und die Adnervalstreifen am Aussen-
rande sind gelblichweiss bestäubt. In beiden Geschlechtern sind
die Lilien beider Flügel abwechselnd weiss und schwarz gefärbt,
schwarz am Apex der Aderäste, was sehr hübsch anzusehen ist.
O.hephaestusisteine sehr grosse Form, viel grösser als die java-
nische helena und erreicht fast die Masse der riesigen oblongo-
maculatus, Goeze von den Südmolukken. Felders Originaldiag-
nose ist dürftig, er hat seine Typen von Lorquin und Wallace
und sagt nur „der javanischen Form sich zunächst anreihend,
aber schlankere, gestrecktere, am Aussenrande mehr gebogene
Vfl*. Er gibt kein Bild, aber im Seitz ist die Form befrie-
digend abgebildet. Auf der Insel Saleijer fliegt eine von he-
phaestus sehr abweichende, kleinere Spezies, von Staudinger
zuerst leda, dann thestius genannt, welche von Kühn ent-
deckt wurde. Sie scheint ziemlich selten zu sein, in allen mei-
nen Saleijerausbeuten befand sich nur ein einziges Pärchen.
Das Tier sieht mit den dickschwarzen Adern der Hflober-
seite des Männchens und mit den nahezu weissen Vfl des
Weibchens so verändert aus, dass man wohl an eine eigene
Spezies denken muss. Das Goldfeld des Hfls gleicht in seiner
Form mehr dem von oblongomaculatusals vonhephaestus,
56 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
38. Ornithoptera criton celebensis Wall. Von dieser sehr
seltenen Subspezies sind bis heute nur zwei Männchen bekannt
geworden, das eine in den fünfziger Jahren durch Wallace bei
Makassar gefangen, das zweite habe ich am 26. Dezember 1906
bei Patunuanasu erbeutet; es befindet sich heute in der Samm-
lung des Herrn von Rothschild in Tring (England). Unter
mehreren hundert hephaestus war es das einzige seines Stammes.
Vielleicht wird mit der Zeit von dieser Art an der Ostküste von
Celebes noch ein ergiebiger Fundort entdeckt andernfalls könnte es
sich auch um verirrte, durch Ostwinde von den Nord-Molukken
nach Celebes verschlagene Exemplare handeln. Von hephaestus
unterscheidet sich celebensis durch bedeutend kleineres Gold-
feld der Hfl, nur die äussere Hälfte der Zelle ist gelb, der
Innenrand des Flügels auf beiden Seiten breit schwarz, ebenso
alle anderen Ränder; die Submediana verläuft auf der Ober-
seite völlig in schwarzem Gebiete, unten steht zwischen Sub-
mediana und Flügelrand noch ein Streifen von spärlich ausge-
streuten, gelben Schuppen. Der gelbe Fleck oberhalb der Sub-
costale besitzt ganz andere Form als hephaestus. Abdomen
oben ganz schwarz, unten leicht gelb geringt, bei hephaestus
oben dunkelbraun mit lederfarbenem Dorsalstrich, unten ganz gelb.
39. Papilio Kühni Honrath. Die Erbeutung dieses in den
deutschen Sammlungen fabelhaften Papilios war einer meiner
Hauptwünsche, als ich mich zum ersten Male nach Celebes begab.
Mein Jahr in Makassar endete mit vollständiger Enttäuschung,
ich hatte weder einen Flügel des seltenen Tieres gesehen, noch
auch nur ein Wort von seiner Existenz gehört, es fehlt eben
einfach in Süd-Celebes, wie es auch in Nord-Celebes fchlt, da
ich es noch niemals in den zahlreichen Sammlungen aus Me-
nado gesehen habe. Seine Heimat scheint ausschliesslich ein
nicht zu breiter von der Ost- zur Westküste reichender Strich
von Zentral-Celebes zu sein, ungefähr in der Linie Tombuku—
Donggala, mit Ausbreitung nach Norden und Süden. Um so
grösser war meine Freude, als ich im April 1912 der Beute
eines Sanitätssoldaten, welcher einer Patrouille in das Bergland
Pekawa beigegeben war, das erste Weibchen entnehmen konnte.
Im folgenden Juni erhielt ich aus der gleichen Gegend ein
Pärchen und im August zwei weitere Männchen aus Riou an
der Westküste von Zentral-Celebes. Diese nicht zu verkennen-
den Beweise von der Anwesenheit des seltenen Wildes verlei-
teten mich, am 12. September unter ziemlich hohen Kosten
eine kleine Expedition von drei Eingeborenen unter Befehl eines
zivilisierten, schreibgewandten Menadonesen — Michael della
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 57
Cruz hiess der Brave — nach dem in der Pekawa gelegenen,
halb ausgestorbenen Dorfe Simalandje zu senden. Diese Expe-
dition war erfolgreich und della Cruz lieferte nach 14 Tagen
80 Männchen ab, aber kein einziges Weib. Die mehrmalige
Wiederholung der Expedition in jedem der folgenden Monate bis
zum März 1913 zeitigte stets das gleiche Resultat, nur Männ-
chen, niemals aber ein Weibchen trotz aller Ermahnung und
Scharfmachung auf das andere Geschlecht. Es scheint, dass von
dieser Art das Weibchen eine völlig verschiedene Lebensweise
besitzt und dass die Plätze, wo die von den Weibchen sicher
besuchten Futterpflanzen stehen, weit ab von den Tummelplätzen
der Männchen liegen. Bei vielen Arten der nox-Gruppe werden
aber gerade die Weibchen bedeutend häufiger gefangen als die
Männchen, hier auf Celebes gerade das Gegenteil. Der Flug der
Männchen ist elegant, schwungvoll, mächtig, sich hebend, meist
in einer für das Netz unerreichbaren Höhe. Sie kommen aber
zum Blütenbesuche herab und nur dann sind sie zu fangen;
schon sehr frühe am Morgen gegen 7 Uhr erscheinen sie, der
Flug währt bis 10 oder 11 Uhr, dann aber verschwinden die
Falter, um für diesen Tag nicht mehr aufzutauchen. Im Ver-
laufe des Jahres erhielt ich auch einige wenige männliche Exem-
plare aus der Ebene von Kalawara und Lewara und auch aus
dem Berglande Kolawi. Die Fänger dieser Tiere, welche meinen
ausgiebigen Fundplatz in der Pekawa nicht kannten, dachten
stets mir eine ganz besondere, hoch zubezahlende Seltenheit zu
bringen. Das Dorf Simalandje liegt an einem tief eingeschnit-
tenen, kristallklares Wasser führenden Bergstrom in einer un-
gefähren Höhe von 3500°; Jambosa domestica Rumph. und
Jambosa aquaea Rumph. waren die Bäume, auf deren Blüten
die Männchen gefangen wurden. Die Expeditionen nach Sima-
landje wurden übrigens immer schwieriger, da die Bevölkerung
das schwer von Malaria verseuchte Dorf verliess, die wenigen
Hütten einfielen und keinerlei Nahrungsmittel dort zu erhalten
waren. Da der Falter von August bis März stets flog, ich auch
im April und Juni Exemplare erhielt, muss ich annehmen, dass
er an den wenigen, seltenen Plätzen seines Vorkommens das
ganze Jahr hindurch in stets sich folgenden Generationen lebt,
wie das z.B. alcindor sogar in dem extrem trockenen Palu tut.
Die Type von Kühni ist an der Ostküste bei Tombuku
durch den leider verstorbenen Sammler*), dessen Name er trägt,
entdeckt und durch den ebenfalls viel zu früh dahingegangenen
*) Nachruf auf ihn in dieser Zeitschrift 1906,
58 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Honrath beschrieben worden. Diese Originalbeschreibung stammt
aus dem Jahre 1866, die beigegebene Abbildung des Männchens ist
sehr schlecht und was als Weibchen abgebildet ist, möchte ich
fast auch als ein Männchen ansehen, da der Hfl der Figur nur
einen roten Flecken trägt, aber alle mir bekannten Weibchen
von der Westküste ausser einem bedeutend längeren und schmä-
leren, roten Diskalfleck noch 4—5 grosse rote Submarginalmonde
besitzen. Auch ist die Grundfarbe beider Flügel deutlich braun
und der Hfl trägt eine diskale und marginale Serie schwarzer
Keilflecken, zwischen welchen die roten Flecken der Unterseite
in Gestalt von unregelmässigen, graurosa Halbmonden durch-
- scheinen, was wir alles an Honrath’s Figur vermissen. Wenn
sich aber dieses Bild wirklich auf ein Weibchen bezieht, — ein
so gewiegter Entomologe wie Honrath, der noch dazu die Um-
schlagsfalte des Männchens erwähnt, musste über das Geschlecht
doch sicher sein — dann ist die Ost- und Westform dieses
Papilios sehr verschieden und sind meine Stücke aus der Pekawa
mit dem Grose-Smith’schen Namen dixoni zu belegen, welcher
der Rothschild’schen Benennung mesolamprus gegenüber Prio-
rität besitzt. Die Männchen meiner Ausbeute variieren sehr in
Bezug auf die Rotfleckung der Hflunterseite. Es gibt Stücke,
welche nur den einen grossen, roten Fleck zeigen, welcher sich
vom Analrande bis zur Radiale erstreckt, aber weder diese noch
den Analrand völlig erreicht. Schon dieser Fleck zeigt bei jedem
Stück eine andere Form; er kann kurz oder lang, breit oder
schmal sein, ist über den Adern in einem Falle proximal, im
anderen distal ausgezogen und in seltenen Fällen auch nach
beiden Seiten. Nach auswärts von ihm stehen aber zwischen
den Adern noch rote Submarginalmonde mit der Konkavität
nach aussen, welche an Zahl zwischen 1—4 schwanken, sehr
schmal, aber auch viel breiter sein können. Die Umschlags-
falte ist gelbgrau und enthält einen länglichen, graubraunen
Haarsaum, welcher entlang dem inneren Rande der Umschlags-
tasche genau über der Submediana steht; letztere Ader verläuft
so, dass sich ihr Apex mit dem des untersten, ersten Median-
astes am Flügelrande trifft. Die Rotfleckung hinter dem Kopfe,
am Metathorax und am Analsegmente ist überall genügend her-
vorgehoben. Flügelspannung des Männchens 90—120 mm, des
Weibchens 112—126 mm, was die von Honrath mitgeteilten
Masse der Ostform (89—92 und 96—100 mm) weit übertrifft.
Die Innervierung des Hfl ist etwas abnorm und vielleicht archaisch,
der oberste, dritte Medianast und die Radiale entspringen aus
einem Punkte, so dass der Eindruck hervorgerufen wird, als ob
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 59
sich die Stämme der Subcostale und Mediana schneiden würden.
Das schwarzbraune, sehr breitflüglige Weibchen, mit hellen Ad-
nervalstreifen der Vfl, welche die Zelle erreichen und dunkle
Internervalstreifen einschliessen, ist oben schon erwähnt und
stimmt am meisten mit der von Grose-Smith aus Buwool un-
weit Tolitoli an der Nordküste beschriebenen, dixoni genannten
weiblichen Form überein. Dass an der West-Nordküste von Pa-
sangkayu bis Buwool zwei verschiedene Formen fliegen sollten,
erscheint mir sehr unwahrscheinlich und so muss für die West-
form entsprechend den Gesetzen der Priorität der Grose-Smith’sche
Name erhalten bleiben. Wir hätten also Papilio kühni kühni
Honrath, Tombuku, Ostküste und Papilio kühni dixoni,
Grose-Smith, Pekawa bis Buwool, Westküste. Das Tier scheint
sehr lokal zu sein und nur ganz bestimmte, mit der unbekannten
Futterpflanze zusammenhängende Futterplätze zu besitzen. Kühn
fing den Falter nur an einer Stelle und sah ihn sonst nicht
wieder und auch mir ist nur der allerdings sehr ergiebige Fang-
platz bei Simalandje bekannt. Die wenigen Exemplare aus der
Ebene mögen durch Winde herabgetrieben sein. Mit Papilio
semperi von den Philippinen und einem anderen sehr seltenen
Papilio aus Formosa, von dem erst drei Exemplare bekannt sind
und dessen von japanischer Seite stammender Name mir ent-
fallen ist, sehen wir in kühni den östlichsten Vertreter der
nox-Gruppe, obwohl es meiner Ansicht nach nicht ausgeschlossen
ist, dass sich in den Bergen des westlichen Neu-Guinea noch
eine weitere Form findet. Durch seine eigentümliche Flügelform
und die höchst aparte, etwas plumpe Rotfleckung der Hflunter-
seite gibt sich kühni als ächtes Celebes-Tier zu erkennen und
ist vielleicht mit adioneus Dbld. die altertümlichste Form in
der ganzen nox-Gruppe. Obwohl die Oberseite des Männchens
nur einfarbig schwarz ist, macht es durch den edlen Schnitt der
Flügel, die zarten Adnervalstreifen des Vfls, seinen intensiven Me-
tallglanz und den schwarzsammetnen, rot geschmückten Körper
einen ungewöhnlich vornehmen, interessanten Eindruck. Das
Weibchen steht ohne Zweifel in seiner Gesammterscheinung dem
gleichen Geschlechte des oben erwähnten Formosapapilios am
nächsten. In der vollendete Aesthetik anstrebenden, prächtigen
Sammlung des Herrn von Plessen, in München, hatte ich die
seltene Gelegenheit, beide Tiere nebeneinander zu sehen.
40. Papilio palu Martin. Die Entdeckung Jieser neuen
Art ist vielleicht das beste Resultat meines Jahres in Palu.
Niemals hätte ich und wohl auch andere Kenner der indo-
australischen Fauna gedacht, dass auf Celebes noch ein Ver-
60 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
treter der streng malaiischen coon-Gruppe fliegen würde,
deren Verbreitung nach Osten bisher in Zentral-Java ihre Be-
erenzung fand. Das Tier scheint sehr selten und lokal zu sein
und ist in seinem Vorkommen wohl nur auf die Westküste von
Central-Celebes beschränkt, denn sowohl aus Süd- und Nord-
Celebes als auch von der Ostküste fehlt jede Kunde, Das erste
Exemplar, ein zerrissenes Weibchen, erhielt ich im Mai 1912
aus dem Dorfe Lewara, zwei Stunden westlich von Palu am
Abhange des dortigen Gebirgszuges gelegen. Ein weiteres, leider
abermals etwas verstümmeltes Weibchen, welches in der Iris
1913 abgebildet ist, brachte mir der javanische Füselier Siwar
“im August 1912 aus dem gleichen Dorfe. Die Falter sollen
sehr hoch fliegen und nicht herab kommen; alle weiteren Expe-
ditionen nach Lewara, ich sandte natürlich viele aus, blieben
total erfolglos, obwohl das Tier noch öfters gesehen wurde.
Lewara liegt ebenfalls an einem starken, klaren, über grosse
Felsen rauschenden Bergstrome, der sich von Westen her in
den Palufluss ergiesst. Die genaue Beschreibung der neuen
Art finden Interessenten in der Iris 1912 p. 163. Auch P. palu
ist eine der Celebesformen, welche besonders im Vergleiche mit
anderen Faltern der coon-Gruppe einen urwüchsigen, ar-
chaischen Eindruck hervorruft. Dieser Eindruck wird durch
folgende Eigenschaften des Tieres bewirkt: Die Vfl sind auch
für das weibliche Geschlecht, welches ja allein vorliegt, ausser-
gewöhnlich plump und breit, die hellgrauen, transparenten
Flecken und Streifen zwischen den Adern und in der Zelle des
Vfls sind sehr breit und durchsichtig, die drei eigentümlichen
Pseudoadern innerhalb der Zelle des Vfls ausserordentlich ver-
dickt und plump. Die Flecken des Hfls stehen nicht in coon-
Anordnung, sondern haben die neptunus-Stellung, reichen
aber bis zum Costalrande, was besonders auf der Unterseite
deutlich ist; Submarginalflecken und Analmakel, bei allen
coon-Formen vorhanden, mangeln völlig und die Schwänze
sind plump und breit. Die leuchtend gelbe, hintere Hällte des
Abdomens erlaubt aber keinen Zweifel an der Zugehörigkeit
zur coon-Gruppe, nur kombiniert palu Eigenschaften von
coon und neptunus.
41. Papilio polyphontes Bsd. gewiss und sicher der Vertre-
ter des westlichen aristolochiae-antiphus und ein guter
Uebergang zum östlichen polydorus, häufig im Süden, seltener
im Norden, jedoch über die ganze Insel und alle Satelliteilande
bis zu den Nord-Molukken verbreitet. Wenn wir das Tier mit
diesen eben genannten, nächsten Verwandten vergleichen, so
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 61
drängt sich uns sofort die Superiorität des Celebesfalters in Form,
Zeichnung und Farbe auf, denn er ist wirklich ein ungewöhn-
lich elegantes, harmonisch gefärbtes, durch grosses Mass sich aus-
zeichnendes Tier, dessen helle, weissliche Flecken auf beiden
Flügeln eine gewisse heraldische Plastik besitzen. Im Hinter-
lande von Makassar flog der Falter das ganze Jahr und war
dort ungemein häufig, viel häufiger als antiphus auf Sumatra
oder adamas auf Java. Zu Individuenanhäufung kam es im
Mai und in der Regenzeit von Oktober bis Januar mit einer
Hochsaison im November. Als eine Eigentümlichkeit der Art
traten in der Trockenzeit von Juni bis September sehr kleine
Stücke mit spitzen Schwänzchen auf, welche eine gewisse ober-
flächliche Aehnlichkeit mit dem javanischen adamas Zink. be-
sitzen und vielleicht Anlass zur irrtümlichen Angabe Doherty’s
gegeben haben, aristolochiae fliege auf ÜCelebes. Diese Er-
klärung erscheint mir plausibler als die Annahme eines Etiquet-
tierungsfehlers. Wenn ich jedoch bedenke, dass ich 150 See-
meilen von Ceylon entfernt im indischen Ozean auf hoher See
Papilio hector in tadellosen Exemplaren gefangen habe, so
könnte auch leicht eine aristolochiae-Form der kleinen
Sundainseln durch Winde nach Celebes verschleppt worden sein.
Auch im Hinterlande von Palu flog polyphontes das ganze
Jahr, aber immer nur sehr vereinzelt; wenn ich 1—2 Exemplare
im Monate erhielt, so war es viel. Der Falter, den ich auch
bei Donggala in kleinen Waldparzellen in der Nähe des Ortes
beobachtete, flog auch in hohen Lagen, ich besitze Stücke aus
der Pekawa und selbst vom Berge Gavalisi aus einer Höhe von
5000°. Im äussersten Norden der Insel, in Menado, scheint das
Tier wieder häufiger zu sein, wenigstens lag es meinen Sen-
dungen immer in genügender Zahl bei. Natürlich hat das vier-
blättrige Kleeblatt meiner Autoren insgesamt die Art zu ver-
melden. Hopffer sagt: „scheint auf Celebes sehr gemein zu sein“,
er hat also viele Stücke erhalten. Piepers fing ihn noch in einer
Höhe von 3000‘ bei Bonthain und auch auf Saleijer, Holland und
Rothschild erhielten ihn von dem Sammler Doherty, Rothschild
mehr Weibchen als Männchen entsprechend der Fangzeit Doherty’s
im August und September, in welcher mehr die Art erhaltenden
Weibchen, eierlegend, noch am Leben waren. P. polyphontes
fliegt flatternd wie aristolochiae, besucht gerne Blüten, er-
hebt sich aber, verfolgt, in höhere, sichere Luftschichten. Die
Art zeigt nur mässige Differenzierung von Süden nach Norden,
welche dem descriptori insatiabili, Fruhstorfer, nicht entgangen
ist. Die Unterschiede sind aber so gering, dass sie nicht ver-
62 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
dienen, durch Namen festgehalten zu werden und folge ich dem
Beispiele Jordans, der die Namen Fruhstorfers (lingonus, pha-
nocles) als nichtssagende, rein mnemotechnische verwirft. Die
Schwänze von polyphontes sind plumper und dicker als alle
gleichen Gebilde in der aristolochiae-Gruppe und muten
deshalb archaisch an. Während die Submarginalflecken der Hfl-
unterseite bei aristolochiae und polydorus einfach rot sind,
finden wir sie bei polyphontes elegant gelb verbrämt. Im
Süden, vielleicht nur auf der südwestlichen Halbinsel von Cele-
bes fliegt unter der Stammart eine sehr schöne Farbenvarietät,
welche Oberthür treffend rosea genannt hat; die diskale Flek-
kengruppe. des Hfls ist statt gelb, zart erdbeerrot gefärbt, oder
wie der Autor sagt „d’un rose carmine un peu orange“. Im
Zentrum und Norden der Insel scheint rosea, nach meinen
Erfahrungen, nicht vorzukommen. Öberthür spricht in seiner
Originalbeschreibung deutlich von einer Lokalvarietät, deren ge-
naue Ortsangabe ihm jedoch unmöglich war, da er seine Type
von einem Pariser Händler, Depuiset, nur mit dem Fundorte Ce-
lebes erhalten hatte. Dieser Depuiset war seiner Zeit beauftragt,
die Insekten des Gouverneur General von Niederländisch-Indien,
van Lansberge, welcher nur Coleopteren sammelte, zu verkaufen.
Jordan hat demnach völlig Unrecht, wenn er im Seitz rosea
auf die Saleijerform von polyphontes bezogen sehen will.
Der Salejjer-polyphontes ist eine sehr gut differenzierte Lo-
kalform, welche Fruhstorfer — ich lobe, wo zu loben ist — mit
einem passend gewählten Namen belegt hat. Er nannte ihn
mit Recht extensus, weil das diskale gelbe Fleckengebiet des
Hfls in beiden Geschlechtern stets um einen Flecken ausgedehnt
ist. Bei polyphontes stehen fünf Flecken strahlenförmig
um den Zellfleck, bei extensus aber immer sechs. Die Far-
benvarietät rosea kommt auch unter extensus vor.
42. Papilio veiovis Hew. Eine jener ganz isolierten Arten
der Insel, für welche im weiten indo-australischen Faunengebiete
keine Verwandtschaft aufzufinden ist. „Very distincet from any
known butterfliy“ sagt der Autor der Art, Hewitson, der seine
Type wohl für schweres Geld von Wallace bezogen hat. Doch
sind schon Versuche gemacht worden, den seltsamen Falter
systematisch unterzubringen. „But more nearly allied to Pa-
pilio encelades than to any other species“ fährt Hewitson
fort, aber es ist mir völlig unmöglich, irgend eine Analogie der
beiden grundverschiedenen Tiere zu entdecken. Jordan hat im
Seitz veiovis in die celytia-Gruppe gestellt und vergleicht ihn
mit dissimilis. Auch das ist ein misslungener Versuch, denn
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 63
_—_
es besteht in Wirklichkeit, bei genauem Vergleiche, keine auch
nur annähernde Aehnlichkeit zwischen den beiden Formen.
Ein Blick auf Tafel 20 im Seitz, wo in der rechten Ecke unten
beide Tiere neben einander abgebildet sind, genügt. P. elytia
hat einen entschieden danaidenartigen Charakter, den wir bei
veiovis vergebens suchen. Fruhstorfer beschreibt in der Ber-
liner Entomolog. Zeitschrift 1898 dithyrambisch seine Jagder-
folge auf den seltenen Papilio, aber über die systematische Stell-
ung weiss auch er keinen Rat, glaubt ihn jedoch in die Nähe
von agestor oder epicydes stellen zu müssen, wofür Ringelung
und Färbung des Abdomens und die beiden schwarzen Strahlen
in der Zelle sprächen. Ich glaube, die Verwandtschaft des
veiovis wäre in Afrika zu finden, ist dort aber vielleicht längst
ausgestorben, uder hat sich so differenziert, dass wir sie heute
nicht mehr erkennen. Möglich, dass uns durch Entdeckung der
Larvenstände bessere Einsicht wird, als bisher. Wenn wir in
veiovis eine mimetische Form sehen wollen, von der er ja
zweifellos viel hat, so stehen wir vor einem neuen Rätsel, da
wir keinen Falter kennen, der als Modell gedient haben könnte,
aber es besteht auch hier keine Spur von Aehnlichkeit. P. veiovis
ist auch das fatale Tier, welches Rothschild in seiner berühmten,
trefflichen Revision der Eastern Papilio’s völlig übersah und aus-
gelassen hat. Was hätte Hewitson zu dieser „Omission“ gesagt,
wäre er noch am Leben gewesen! Ausser der Beschreibung
weiss er aber nur das Vaterland Menado und die Flügelspannung
von 5 Zoll anzugeben. Hopffer hat von Dr. A. B. Meyer nur
ein Stück dieser „interessanten, schönen und sehr seltenen Art“
erhalten, Piepers und Holland kennen sie nicht, Rothschild aber
empfing von Doherty 6 Männchen und 1 Weibchen, letzteres
bis dahin 1892 unbekannt, beschreibt er kurz in der Iris. He-
witons Abbildung ist sehr gut und auch das Bild im Seitz be-
friedigend, beide beziehen sich auf die Nordform der Art.
Dieser Papilio ist im Süden der Insel ausserordentlich sel-
ten, ich erhielt im Laufe eines vollen Jahres nur ein Exemplar
aus dem Hinterlande von Makassar und auch Fruhstorfer hat
dort nur wenige Stücke erbeutet. So ist mir Doherty’s Fang-
resultat ziemlich unverständlich. Im Norden ist er viel häufiger
und durch Händler aus Menado in Anzahl nach Europa gelangt.
Auch im Hinterlande von Palu keine zu grosse Seltenheit, fliegt
er in allen Monaten des Jahres, doch selten in der Ebene bei
Kalawara, während jede der Expeditionen in die Pekawa oder
nach Kolawi einige Exemplare mitbrachte, er zieht also höhere
Lagen vor. Das an und für sich höchst variable Tier beteiligt
64 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
sich stark an der Differenzierung von Süden nach Norden und
ich glaube, dass Jordan Unrecht tut, die von Fruhstorfer als
samangus (nach dem Dorfe Samangki, wo auch meine Samm-
ler tätig waren) beschriebene Südform zu verwerfen. Mein ein-
ziges authentisches Südstück, am 20. Juni 1906 bei Maros ge-
fangen, sticht durch seine Helle (weissgrüne Felder) so von den
16 Exemplaren aus Nord-Oelebes auf den ersten Blick ab, dass
ich der Vermutung zuneige, Jordan habe überhaupt kein echtes
Südstück gesehen, wenn er sagt, Fruhstorfers Unterschiede wür-
den von seinem Materiale nicht bestätigt. Ich will zur mög-
.lichen Aufklärung des Falles eine kleine Erzählung bringen.
In Süd-Celebes habe ich 1906 weder von Naasuma fulvus,
noch Euploea euctemon und Papilio veiovis nur ein
Stück gefangen, dennoch befanden sich bei meiner Heimkehr 1907
in meiner definitiven Ausbeute eine gute Serie von fulvus,
mehrere euctemon und drei dunkle veiovis-Männchen aus
dem Norden. Ich hatte die Tiere durch befreundete Menadonesen
und einen europäischen Sammler, der über Makassar aus Menado
heimkehrte, erhalten. Doherty kann auf Celebes Aehnliches er-
lebt haben, es musste ihm aber vor allem auch daran liegen,
Herrn von Rothschild ein möglichst komplettes Bild der Celebes-
fauna zu liefern, so dass er wahrscheinlich wegen jeder neuen
Art mehr froh war. Auch war man 1892 mit Fundortsangaven
noch nicht so gewissenhaft wie 1914. Demortius nil nisi bene —
doch liesse sich so ein Zusammenhang konstruieren, durch den mir
Jordan’s absprechendes Urteil über den deutlich verschiedenen
samanganus verständlich würde. Diese Form muss also bestehen
bleiben und ich füge eine weitere Farbenvarietät bei: veiovis
bugis, welche aus der schon öfters erwähnten, sich durch ex-
trem melanotische Formen auszeichnenden Landschaft Pasang-
kayu an der Westküste stammt, aber auch vereinzelt in der
Pekava fliegt. Die Beschreibung ist keine ermüdende; Vfl- und
Hflunterseite in der basalen Hälfte völlig zeichnungslos schwarz,
so dass auf dem Hfl der costale Teil der diskalen Fleckenreihe
völlig verschieden ist, statt 7 gelben Flecken bei typischem
veiovis, zählen wir auf dem Hfl von Bugis nur noch 5 und
auch diese sind durch zunehmende Breite der schwarzen Adern
und schwarze Ueberstäubung sehr obsolet geworden. Typen
aus der Pekava und Pasangkayu in meiner Sammlung. P. veıi-
ovis, ein sehr gewandter Flieger, setzt sich gern auf die nackte
Erde, Fruhstorfer hat ihn so auch an Wegpfützen und Bach-
rändern gefangen und mein Fänger der Menadonese Wios sagte,
die Tiere hätten im Walde auf der Erde gesessen.
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 65
43. Papilo gigon Feld., ein echtes Celebes-Tier in Form und
Zeichnung; Felder’s Typen stammen von Lorquin und Wallace.
Am Schlusse der Beschreibung, welcher keine Abbildung bei-
gegeben ist, sagte Felder: „Kommt dem demolion zunächst,
aber keine blosse Lokalform, sondern eine gute Spezies, weil
Zeichnung und Flügelform abweichen.“ Felder hat damit völlig
Recht und auch Jordan hat dem gigon im Seitz vollen Spezies-
rang zugeteilt, obwohl natürlich die Zugehörigkeit zur demolion-
Gruppe auf den ersten Blick erkennbar ist. Da ich sowohl
demolion auf Borneo als auch gigon in Palu ex ovo gezüchtet
habe, konnte ich auch Verschiedenheiten der Raupe und Puppe
feststellen, wodurch Feder’s Urteil noch Bekräftigung erhält.
Eine grosse, bei Papilio seltene Eigentümlichkeit der Gruppe
besteht in dem geselligen Leben der Raupen bis zur Verpuppung.
Näheres habe ich in den Mitteilungen der Münchener Entomolog.
Gesellschaft 1914 veröffentlicht, wo auch rohe Zeichnungen beider
Puppen wiedergegeben sind. P. gigon ist über die ganze Insel
verbreitet und nirgends selten, aber ein rastloser, unruhiger,
rascher Flieger, der nicht leicht zu haschen ist. Im Hinterlande
von Makassar, in Nord-Celebes und in Palu in allen Monaten
des Jahres, im Norden etwas spärlicher als im Süden, wo im
November und Dezember eine Individuenanhäufung vorkommt.
Meine Fangresultate aus Makassar geben ein deutliches Biid von
der Frequenz der Art:
Januar 7,9) 8,2 Mai I 8, (September, —. LI?
Kobruar 3.1 K,undlunin, 3,513: 1./Oktober ee
März Neu Aus 5, November) 37,51 1,
Apalı ee lokAugust>27 „1: unıuDezember (19,410,
Eine Differenzierung kann ich nicht finden, Nord- und Südstücke
lassen sich nicht trennen. Die im Seitz gut abgebildete Art
zeichnet sich durch besonders starken Celebesschwung der Vil-
costa aus. Merkwürdig sind auch die langen, sehr dünnen Beine
(bei dem sicher nahe verwandten euchenor wiederkehrend),
welche bei der Präparation des Tieres oft hinderlich auffallen.
Das lila silberne Ornament, welches sich durch das schwarz-
gelbe Diskalband der Hfl-Unterseite schlingt, gibt dem Falter
einen besonderen Reiz für das Auge und gefiel schon weiland
Dr. Otto Staudinger. Hopffer erhielt „schöne Exemplare beider
Geschlechter von abweichender Grösse“. Es macht sich hier
wie bei polyphontes der Einfluss der Trockenzeit geltend.
Piepers betont den schnellen, niedrigen Flug, nahe dem Boden,
und Snellen spricht natürlich nur von einer riesigen Varietät
des demolion Cr.; Holland erhielt beide Geschlechter, ebenso
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915. =
66 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Rothschild 17 Exemplare. Es werden von dieser Art verhält-
nismässig viele Weibchen gefangen.
44. Papilio sataspes Feld. 1864 (= hecuba, Wall. 1865
in älteren Werken) bewohnt wie gigon die ganze Insel, ist aber
im Norden häufiger als im Süden. Im Hinterlande von Palu,
besonders in der Pekawa ziemlich häufig und in allen Monaten
des Jahres, im September und November in Anhäufung; auch
in Makassar, wo das Tier viel seltener war, im November die
meisten Stücke, sonst zwei deutliche Flugzeiten, die erste im
Mai und Juni, die zweite im Oktober bis Dezember. P. satas-
pes hat im Seitz eine gute Abbildung gefunden. Felders Typen
stammen von den Sammlern Lorquin und Wallace, nur die Un-
terseite ist schlecht, in viel zu kleinem Massstabe abgebildet.
„Kommt dem Papilio helenus zunächst, ist aber gut ver-
schieden“ sagt der Wiener Altmeister. Ist auch nach meiner
Ansicht zweifellos der Vertreter von helenus auf Celebes, aller-
dings ist er ganz bedeutend grösser, aber es sind ja alle Celebes-
Papilio’s grösser als ihre Verwandten aus Makromalaiana. Ich
sehe deshalb nicht ein, aus welchen Gründen Jordan in den
„Eastern Papilios“ sataspes zu einer Subspezies von iswara
White macht, da er doch nichts, garnichts von der komplizierten
Iswarazeichnung aufweisen kann. Im Seitz hat er ihn später
als eigene Spezies, aber hinter iswara, durch diesen von
helenus getrennt, aufgeführt. Auch Fruhstorfer, offenbar be-
einflusst, spricht in einer seiner Publikationen einmal von iswaıa
sataspes. Alle meine Gewährsmänner nennen die Art; Hopffer
hat beide Geschlechter in schönen, sehr grossen Exemplaren er-
halten, Piepers bezeichnet sie als „niet zeldzaam“ im Hinter-
lande von Makassar und sowohl Holland als auch Rothschild
empfingen sie beide von dem Sammler Doherty, ersterer beide
Geschlechter, letzterer nur 22 Männchen. Snellen ist meiner
Ansicht und spricht von helenus var. sataspes. Bei ge-
nauem Studium stellt sich sataspes als echter helenus her-
aus, das weisse Feld des Hfl hat gleiche Form und Fleckenzahl
und nach auswärts von diesem stehen auf der Unterseite gelbe,
oder rote Mondflecke, welche kein iswara jemals zeigt, dessen
weisser Fleck andere Form und ein Feld mehr besitzt. Das
Weibchen ist nicht so sehr selten wie bei anderen Papilioarten
und stecken solche aus Makassar, Menado und Palu in meiner
Sammlung. Vom Männchen unterscheidet es sich durch das
Fehlen der Sammetflecken im Aussenteile der Vfl, durch brei-
tere Flügelform und hellere Färbung, da an Stelle des tiefdunk-
len Plüschgebietes. eine Reihe von graugelben Querstrichen steht;
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 67
der weisse Fleck des Hfls ist auf beiden Seiten durch ein ver-
schieden grosses, accessorisches Feld zwischen oberstem Median-
ast und Radiale vermehrt. Die zwischen den Adern weissge-
fleckten Cilien bilden einen Reiz der Art, welche das Celebes-
Charakteristikum, die geschwungene Vflcosta, besonders deutlich
zeigt. P. sataspes fliegt genau so stürmisch und rasch wie
helenus und beraubt die Blüten im Fluge. In der ganzen
helenus-Gruppe nähert sich ihm an Grösse höchstens der süd-
indische dakscha, während Sumatra- und Javastücke gegen
sein Ausmass einen zwerghaften Eindruck machen. Eine Diffe-
renzierung der Art lässt sich auf Celebes nicht feststellen.
45. Papilio pertinax Wall., wie die beiden Vorgänger über
die ganze Insel verbreitet, aber im Süden ziemlich selten. In
der Minahassa und im Hinterlande von Palu relativ häufig, in
allen Monaten des Jahres, aber auch am häufigsten im No-
vember. Für die Seltenheit im Süden sprechen die Tatsachen,
dass die Art Piepers ganz entgangen ist, Holland sie gar nicht
und Rothschild nur „one fine male“ erhalten hat, wozu Do-
herty ausdrücklich bemerkte „This species must be exceedingly
rare“. Ich konnte im Laufe meines Makassarjahres 8 Exem-
plare ansammeln und aus Palu besitze ich eine grosse Serie
aus allen Monaten des Jahres. Hopffer hat entsprechend dem
frequenteren Vorkommen im Norden schöne Exemplare beider
Geschlechter erhalten. „Steht dem severus nahe“ fügte er bei.
Im Seitz wird er von Jordan als Subspezies zu fuscus, Goeze
(= severus Cr.) gestellt. Wenn man sataspes nicht als Sub-
spezies zu helenus zieht, so könnte man auch getrost per-
tinax als eigene Spezies festhalten, da er von fuscus sehr weit
verschieden ist durch das weisse Band der Vfl, das weisse Ge-
biet der Hfl, Detaile der Unterseite und den Schwung der Costa,
wodurch ihm der Stempel seiner Heimatinsel unverkenntlich auf-
gedrückt ist. Dennoch habe ich ihn nicht den endemischen
Papilios der Insel zugezählt! Das Tier ist einer deutliche Diffe-
renzierung von Süden nach Norden unterworfen, die viel klei-
neren Südstücke zeigen das Längsband der Vfl nur sehr un-
deutlich und sind auf der Unterseite der Hfl viel sparsamer blau
und gelb gefleckt. Ich glaube, dass längst eine Subspezies be-
nannt wäre, wenn nicht der Mangel an Material aus dem Süden
hinderlich gewesen wäre. Das Weibchen, in Palu eben keine
Seltenheit, unterscheidet sich vom Männchen ähnlich wie bei
sataspes durch hellere Färbung, breitere Vfl, ein deutliches
viertes Feld des weissen Gebietes der Hfl und noch reichlichere
Blau- und Gelbfleckung der analen Hälfte der Hflunterseite. Das
68 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
weisse Band des Vfl ist aber auffälligerweise beim Weibchen
diffuser und weniger deutlich als beim Männchen. P. pertinax
fliegt viel schwächer als sataspes und hat mehr den Flug des
alcindor. Der Costalrand des Vfl ist wie bei den Vorgängern
stark geschwungen.
46. Papilio alcindor Oberthür, der gemeinste Papilio der
Insel, überall das ganze Jahr hindurch, in immer sich folgenden
Generationen. Hinter meinem Hause in Palu stand ein alter
Zitronenbaum mit kräftigen Wurzelschossen, auf diesen konnte
ich das ganze Jahr bei jedem Besuche frisch gelegte Eier der
Art finden mit Ausnahme von sechs Wochen im September und
Oktober. Aber der September 1912 hatte nur 12 und der
Oktober nur 43 mm Regenfall und das war selbst den alcindor-
Weibchen zu bunt. In Makassar war der Papilio am häufigsten
im März, nachdem im Februar auf allen den zahlreichen in um
die Stadt vorkommenden Hecken von Kingkit (Triphasia trifoliata)
die Raupe in Menge zu finden war. Kinghit ist eine sehr an-
genehme und liebliche Aurantiacee mit drei lappigen, kleeförmigen
Blättern, deren kleine, rote, hocharomatische Früchte eine un-
übertreffliche Konfitüre abgeben. Wohl versichert Piepers, dass
sich die Raupen des celebischen alcindor in keiner Weise von
denen des javanischen polytes javanus Feld. unterscheiden
sollen; aber solche aus der Erinnerung abgegebene Erklärungen
sind von zweifelhaftem Wert und könnten höchstens wertvoll
sein, wenn der betreffende Gewährsmann die Raupen aus den
verschiedenen Gebieten gleichzeitig neben einander gesehen hätte,
was ja möglich ist. Ich habe polytes auf Sumatra, Java,
Borneo und Süd- und Nord-Celebes aus dem Ei gezogen, könnte
mich aber heute bei Todesstrafe nicht an nur einen Unterschied
der Larven erinnern und doch werden und müssen solche be-
stehen. Zweckdienlich können hier nur getreue Abbildungen,
oder genaue Beschreibungen nach der Natur sein. Da ich in
meinen Notitzen eine Beschreibung der aleindor-Raupe auf
Kingkit finde, will ich sie aus obigen Gründen hier veröffent-
lichen, obwohl das für Schreiber und Setzer keine angenehme
Arbeit ist.
Am 14. II. 06 sechs Eier von alcindor gefunden,
kleine gelbe Kugeln, ohne Muster oder Zeichnung, sie sind an
junge, keimende Blätter geklebt, der freie Pol zeigt einen kleinen
schwarzen, später bräunlichen, mehr diffusen Punkt, den Rau-
penkopf, besitzen also ein Alter von 2-3 Tagen. Die junge
Raupe sieht nach Nahrungsaufnahme schmutzig gelbgrün aus,
Kopf und Analende sind heller gefärbt, auf beiden je zwei flei-
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 69
schige Dornen, kleinere solche, mehr warzenartige, jederseits einer
auf jedem Segmente. Das dritte und vierte Segment sind leicht
höckerig verdickt, dann verschmälert sich die Raupe nach rück-
wärts, nur das vorletzte und das Analsegment sind wieder etwas
breiter; Kopf dunkel, schwärzlich. Nach der zweiten und drit-
ten Häutung sehen die Raupen aus wie Vogelexkremente, Kopf
schmutzig gelb mit zwei Stacheln, Thoraxsegmente dunkelgrün,
dann da, wo die Verjüngung eintritt, zwei grün weisse Segmente,
die folgenden schmalen Abdominalsegmente schmutzig dunkel-
grün, die beiden letzten Segmente grünlich weiss, mit zwei ziem-
lich langen, weissen Stacheln auf dem letzten Segmente; diese
sind etwas nach hinten und aussen gekrümmt. Die erwachsene
Raupe, nach meinem Gedächtnisse sicher von typischem polytes
aus Makromalaiana differierend, ist saftig dunkelgrün, Bauch
schneeig weiss mit zartrosa Schimmer, Kopf und die drei Thorax-
segmente unten braunrosa, die verdickten (4. u. 5.) Segmente
sind auf dem Rücken von zwei bräunlichen Binden mit weissen
Kernen umsäumt, die vordere, über dem mittleren Fusspaar er-
reicht die braunrosa Bauchfärbung nicht, während die hintere
eine Fortsetzung dieser Farbe ist. Auf dem achten Segmente
läuft rechts und links von der rosaschimmernden Bauchseite ein
rosa, braunrot gesprenkelter Streifen schief nach oben und rück-
wärts und endet auf dem Rücken genau mit dem neunten Seg-
mente nahe bei dem der anderen Seite, ohne sich aber mit die-
sem zu verbinden. Auf dem 10. Segmente ein ähnlicher Strei-
fen, der jedoch nur auf dieses Segment beschränkt bleibt und
auf dem Rücken einen nach vorne gerichteten Zahn zeigt. Ein
gleicher, schmälerer Streifen auf dem Analsegment, den After
umgrenzend, dort zwei kurze, dorsale, weissgelbe Fleischzapfen.
Auch über dem Kopfe setzt eine weisse Linie die grüne Dorsal-
farbe von der braunroten Bauchfarbe ab und verbindet sich mit
der Sattelbinde über dem fünften Segmente.
In der Trockenzeit, Mai bis September, erschien der Papilio
in Makassar nur vereinzelt, daraus erklärt sich auch das eigen-
tümliche Fangresultat Dohertys, welches er selbst „very odd“
findet. Er konnte Rothschild nur ein Männchen liefern, aber er
sammelte im August und September. Holland erhielt beide Ge-
schlechter, Piepers hat, wie ich, die Raupen zahlreich auf King-
kit beobachtet und Snellen nennt den alcindor eine riesige
Rasse von polytes. Hopffer verfügte nicht über Celebesexem-
plare. Die Art zeigt eine geringe Differenzierung von Süden
nach Norden und Westen nach Osten; im äussersten Norden
aber fliegt eine völlig andere Subspezies, welche im weiblichen
70 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Geschlechte sehr der Philippinenform, ledebouria Eschsch.
ähnelt und von Fruhstorfer alpheios getauft wurde. Wir
stehen auch hier wieder vor der schon mehrfach erwähnten, so
interessanten Vermutung eines früheren Continentes, dessen Ge-
biet bei Besprechung der schwarzen Salatura genau angegeben
ist. Ein Bewohner dieses einstigen Erdteiles war und ist auch
diese polytes-Rasse, welche sich äusserst konservativ im Nor-
den von Celebes erhalten hat und noch keine Tendenz zeigt,
sich mit der celebesischen Urform aleindor zu verschmelzen.
Die Männchen von alpheios, nicht so konservativ wie die Weib-
chen, zeigen teilweise alecindor-Typus, teils aber sind sie kurz-
geschwänzt und tragen ein breiteres, weisses Band des Hfls, auf
dessen Unterseite keine blauen Schuppen zu finden sind, nähern
sich also deutlich der Philppinenform. P. aleindor, nach einem
Weibchen von Oberthür wohl aus dem gleichen Material wie
polyphontes rosea beschrieben, hat nur eine weibliche
Form, welche dafür aber auch um so auffallender und schöner
ist; zweifellos in der ganzen, grossen polytes-Gruppe die vor-
nehmste Erscheinung, welche im Seitz eine gute Abbildung ge-
funden hat. In Palu, Zentral-Celebes, flog in diesem Falle noch
die Südform und wäre es von Interesse, die genaue Grenze
zwischen aleindor und alpheios zu kennen; sie muss nach
meiner Ansicht sehr hoch im Norden liegen. Die Vfl der Weib-
chen von Palu sind aber mehr schwarz und weiss und nicht wie
die der von Makassar rauchig braun und grau. Die Männchen
zeigen öfters, wie die aus dem Süden, auf der Oberseite des Hfls
einen oder zwei weisse Submarginalflecke angedeutet. Die Weib-
chen der Ostform (mir liegen Exemplare aus Paloppo, Kendari
und Salabanka vor) zeichnen sich durch geringere Ausdehnung
des weissen Diskalfeldes der Hfl und ausgesprochen starke Cele-
besschnitt der Vfleosta aus. Eine Benennung verdienen alle die
Unterschiede nicht. Die Saleijerform jedoch unterscheidet sich
im weiblichen Geschlechte so sehr vom typischen aleindor aus
Süd-Celebes, dass sie wohl eines Namens gewürdigt werden darf.
Vfleosta nur wenig geschwungen, die um die Hflzelle stehenden,
weissen Flecken sind doppelt so gross wie bei aleindor und
zeichnen sich durch scharfe Begrenzung seitens der Grundfarbe
und regelmässige (Ei-) Form aus, was bei alecindor nicht der
Fall ist, da hier diese Flecken immer distal verwischt und
schwarz überstäubt sind. Leider nur nach einem im Mai 1906
auf Saleiyer gefangenen Weibchen. Da ich niemals weiteres
Material erhielt, scheint die Art dort recht selten zu sein. Be-
nennung: rompiesi, nach dem freundlichen, damals auf der
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 7E
Insel tätigen Doktor Herrn Rompies, dem ich einen grossen Teil
meiner Saleijer-Rhopaloceren verdanke. P. aleindor habe ich
auch in einer kleinen Form, ohne Besonderheit, auf der Insel
Muna gefangen.
47. Papilio ascalaphus Bsd. die riesige, auch im männ-
lichen Geschlechte geschwänzte memnon-Form der Insel Ce-
lebes, welche aber überall bei allen Autoren als gute Spezies
gilt. Ein in der Tat in beiden Geschlechtern hervorragend
schönes Tier, das übrigens Lebens- und Fluggewohnheiten völlig
mit memnon gemein hat. Dem Autor Boisduval war nur das
Männchen bekannt, während de Haan später das Weibchen
beschrieb. Er bewohnt die ganze Insel, da ich Stücke aus dem
Süden, Norden, Osten und Zentrum besitze. Flog in den Gärten
der Stadt Makassar und in deren Hinterlande das ganze Jahr
hindurch und wird auch von Piepers als im Flachland überall
häufig gemeldet. Die Raupe, welche auf Citrus nobilis und
auch sehr gerne auf Citrus decumana lebt, sieht oberflächlich
der memnon-Raupe sicher sehr ähnlich; die wirklichen Unter-
schiede könnte nur der Vergleich lebenden Materials, oder sehr
guter Abbildungen zu Tage fördern. Ich gebe hier eine kurze
Notiz über eine erwachsene Raupe von Citrus decumana aus Ma-
kassar vom 25. 1. 1906. Die glänzende Reflexe zeigende Raupe
ist saftig blaugrün gefärbt, mit folgender weissen Zeichnung: am
Kopfe, in Sattelform in Mitte des Körpers, über dem sechsten
und siebenten Segmente und auf den beiden letzten Segmenten.
Zwei fleischige, gelbe Zacken am Kopfe, zwei grössere, weisse
auf dem Analsegment; überall in der dunkel blaugrünen Grund-
farbe einige weisse Flecken; Schreckgabel rot; die weisse Zeich-
nung der beiden Analsegmente erscheint reliefartig wie bei Wed-
gewoodporzellan. Viel grösser als die alecindor-Raupe, das
dritte und vierte Segment ist kugelig, fruchtartig angeschwollen.
Die Puppe, der Erinnerung folgend, gleicht sehr der von
memnon. Es tut mir heute leid, nicht mehr notiert zu haben,
da ich in Makassar den Schmetterling oft ab ovo gezogen habe.
In Palu selbst flog ascalaphus nicht, es war ihm dort offen-
bar zu trocken, aber ich erhielt das ganze Jahr hindurch, aller-
dings spärlich, Exemplare aus dem Hinterland aus Kalawara
und Kolawi und besonders aus der Berglandschaft Pekawa, diese
werden weiter unten eine besondere Besprechung finden. Von
der Ostküste besitze ich Stücke aus Paloppo und Posso. Das
mir vorliegende, gespannte Material setzt sich, wie folgt, zu-
sammen:
Süd-Celebes 18 "11 2 Nord-Celebes 6 J’ 3 2 Ost-Celebes3 2 2
2 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Zentral-Celebes Ebene 4 d' 2 2
Zentral-Celebes Berge 3—4000' 6 J 1 2
Auf Grund dieses, wohl nur in sehr wenigen Sammlungen so
reich vorhandenen Materials, glaube ich über die Differenzierung
des in beiden Geschlechtern ungemein variablen Falters einige
Schlüsse ziehen zu dürfen. Die von Süden nach Norden zu
beobachtende Differenzierung betrifft bei den Männchen haupt-
sächlich die Randmonde der Hfl-unterseite, welche bei Süd-
stücken immer eine leichte, mehr oder minder deutliche Orange-
beimischung tragen, während bei Nordstücken aus der Minahassa
diese Monde einfärbig graublau sind und höchstens der am
Analwinkel stehende, ocellenartige Fleck etwas Orangeverbrämung
zeigt. Die Männchen der Ebene von Zentral-Celebes ebenso
wie die Männchen aus dem Osten gehören in Bezug auf die
Färbung dieser Monde der Südform an. Das Weibchen des
Südens, eine dunkle, im Seitz sehr gut abgebildete Form, ist
am besten beschrieben, wenn man sagt, es gleiche dem Pa-
pilio polyphontes, während das viel hellere Weib des
Nordens mit bedeutend grösserem und weisseren Diskalfleck des
Hfis mehr an das Weibchen des Papilio alpheios erinnert.
Das gleiche alpheiosartise Verhalten zeigen auch die Weibchen
von Zentral-Celebes, doch kommt dort auch die von Fruhstorfer
nubiger genannte, bei Tolitoli gefangene Aberration vor, bei
welcher der Diskalfleck des Hfls mit graublauen Schuppen über-
zogen ist, aber immerhin noch als solcher erkannt werden kann.
Ich erbeutete ein solches Weibchen bei Sidondo im Palutale am
281IX.1912. Ein Weibchen aber aus dem Osten (Paloppo) be-
sitzt einen völlig schwarzen Hfl, auf welchem nur noch gelb-
graublaue Streifen ungefähr wie beim Männchen zu finden sind,
aber die Zelle ganz schwarz ist. Diese auffallende Aberration,
welche auf dem Vfl nur ausserhalb der Zelle weissliche Aufhellung
trägt, stellt sicher das Maximum der Evolution von nubiger
dar. Da meine Arbeit nun einmal eine kritische sein soll, muss
ich an dieser Stelle auf einen Irrtum Jordans im Seitz auf-
merksam machen. Er sagt bezüglich des weiblichen Vfls er sei
von der Wurzel bis zur zweiten Mediane schwarz; bei allen
meinen Weibchen aber, jeder Herkunft, steht schon die erste
Mediane völlig auf weisslich aufgehelltem Gebiete. Zum Schlusse
muss ich noch auf die auf der Unterseite sehr verschiedene,
alpine Varietät aus der Berglandschaft Pekawa erwähnen, von
der mir 6 Männchen und 1 Weibchen vorliegen. Diese trägt
ziegelrote, sehr grosse Randmonde, welehe sich in graublauer
Färbung ringförmig gegen den Flügelrand fortsetzen und einen
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 73
schwarzen Halbkreis der Grundfarbe einschliesen, so dass 6
ocellenartige Gebilde entstehen. Selbst der das meiste Rot tragende
ascalaphus des Südens hat noch nicht ein Drittel der roten Fär-
bung dieser alpinen Form. Das eine dazu gehörige Weibchen
ist auf der Oberseite der Südform gleich, aber auf der Unter-
seite zeigt es das weisse Diskalgebiet lichtblau umzogen und auch
hier wieder sind die Randmonde ziegelrot und auffallend gross.
Ich nenne die Form rubicundus, sie fliegt in einer unge-
fähren Höhe von 3—4000'.
P. ascalaphus wird von allen meinen Autoren erwähnt,
Rothschild bekam von Doherty 15 Männchen und 1 Weibchen.
Auch bei dieser Art zeigt die Costa des Vfls den Celebesschnitt
in hervorragender Weise. Den mächtigen, dunklen Falter um
die Zitronenbäume kreisen zu sehen, wobei er mit geschickter,
komplizierter Steuerung der grossen Flügel das stachlige Gewirre
der dichtbelaubten Aeste umschifft, ist ein schöner Anblick. Die
Weibchen fliegen oft sehr niedrig, da sie sich zur Eiablage mit
Vorliebe kleine Schösslinge oder Wurzeltriebe geschlagener Bäume
heraussuchen. Der Flug ist, so lange sie ungestört bleiben, lang-
sam und schlagend.
48. Papilio blumei Bsd. Schon im Jahre 1836 von Bois-
duval beschrieben, ein Glanztier, welches man dem Laien zeigt,
wenn man ihm tropische Farbenpracht vorführen will, wird aber
auch von ernsten Entomologen als einer der schönsten Papilios
dieser Erde gepriesen, ist auch schon der schönste genannt worden.
„Besonders prachtvoll und ausgezeichnet ist der sehr seltene
(Juli 1884) blumei dadurch, dass bei ihm die sehr breiten
Schwänze ganz blau werden“, sagte Staudinger. Das Tier hat
Felder so imponiert, dass er es in seinem grossen Exotenwerk
nochmals abbilden liess, allerdings ungenügend; sein Stück
stammte von Lorquin und trug nur die Vaterlandsangabe ÜOelebes.
Hopffer erhielt von Dr. A. B. Meyer nur ein Stück, Holland von
Doherty nur das Männchen und Rothschild 3 Männchen und 1
Weibchen, während Piepers die Art nicht fing. Die Abbildung
im Seitz zeigt ebenfalls nicht die Pracht des Falters, welche
wohl nur durch ein eigenes, neu zu entdeckendes Verfahren
naturgetren wiederzugeben wäre. Das negative Resultat Piepers
sagt uns schon, dass die schöne Art im Süden ausserordentlich
selten ist; ich erhielt im Laufe eines vollen Jahres nur ein Stück,
ein den 10. XII. 1906 am Bantimurung gefangenes Männchen.
Ob die Stücke Doherty’s wirklich Südstücke sind, liesse sich
sehr leicht nachweisen, da die Südform sehr von der typischen
Nordform verschieden ist. Röber hat das Verdienst, diese Unter-
74 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
schiede festgelegt zu haben und benannte die noch schönere
Südform in den Entomolog. Nachrichten 1897 No. 14. pag. 223
fruhstorferi, da die Type im Januar 1896 persönlich durch
Fruhstorfer bei Patunuan erbeutet worden ist. Die sehr erheb-
lichen Unterschiede sind an dieser Stelle einzusehen. In der
Minahassa ist blumei ziemlich häufig und in der letzten Zeit
in grosser Anzahl nach Europa gelangt, wo er als echter Augen-
reisser stets willige Abnahme findet. Sein Preis ist aber sehr
gefallen und er ist heute für ungefähr Mk. 2.— zu erstehen,
während er früher, solange ein gewisses Monopol bestand, hohe
Summen einbrachte. Ich habe aber nirgends und niemals An-
gebote der Südform gelesen. Das Vorkommen aus der Palubei
war auf die Gebirgslandschaften Pekava und Riou westlich von
Palu beschränkt, da flog der stolze Papilio in einer Höhe von
34000‘ das ganze Jahr hindurch und nicht zu selten. Eine
Serie aus allen Monaten des Jahres ziert meine Sammlung.
Aus der Ebene (Kalawara) und aus den südlichen Bergländern
(Kolawi) habe ich jedoch kein Stück erhalten. Die Exemplare
aus der Pekawa sind typische blumei, gehören also der Nord-
form an, doch besteht ein kleiner Uebergang zur Südform darin,
dass bei vielen Stücken der Ursprung des ersten Medianastes
schon in der grünblauen Glanzbinde steht. Bei typischen Nord-
stücken fällt der Ursprung dieses Aderastes immer mit der in-
neren Grenze des Bandes zusammen, bei der Südform aber ent-
springt der erste Medianast an der Grenze des ersten Drittels
der Binde. Die übrigen Charaktere der Pekawastücke schliessen
sich aber völlig der typischen Nordform an. Aus dem Glanze
der Binde, ob mehr blau oder grün, hellgrün oder dunkelgrün,
lassen sich keine systematischen Werte prägen, weil dieser Glanz
bei jeder Herkunft variiert, Blauglanz aber haben immer die
analen Randmonde und die Schwänzchen. Aus dem schon
mehrfach erwähnten, an der Westküste gelegenen Ländchen
Pasangkayu erhielt ich ein so abänderndes, melanotisches Stück,
leider ein Weibchen, dass ich es beschreiben und benennen muss,
sowohl der Vollständigkeit halber als auch aus Prioritätsgründen,
da diese Rasse in anderen Besitz fallend sicher auch benannt
würde. Das Exemplar ist im April 1912 gefangen und zeichnet
sich durch sehr schmale, wenig glänzende Binden beider Flügel,
obsolete Randmonde der Hfloberseite und nahezu schwarze
Schwänzchen aus. Letztere tragen nur zu beiden Seiten der
Mittellinie einen dünnen blaubeschuppten Streifen. Das Tier
nähert sich der Südform durch die stark entwickelte, weissliche
Binde vor dem Submarginalflecken der Hflunterseite, der erste
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes, 75)
Medianast aber entspringt auf schwarzem‘ Gebiete innen von
der Glanzbinde, also analog den Nordstücken. Ich nenne die
auffallende Rasse occidentalis, weil sie an der Westküste
beheimatet ist. Wir haben hiermit aus Pasangkayu bereits zwei
melanotische Danaiden und nun auch zwei solche Papilioniden
kennen gelernt.
49. Papilio adamantius Feld. 1865 (— macedon, Wall.
später, im Jahre 1865). „Eine Lokalform des javanischen
peranthus F.“ sagt der Urbeschreiber, der seine Type von
Wallace hat und sie gut abbildet. Er gibt als Vaterland nur
Celebes, im vorliegenden Fall eine ausreichende Belehrung, da der
schöne und grosse Papilio überall auf der Insel, im Süden, Nor-
den und Zentrum fliegt. Eine riesige, völlig endemische Art,
von der bisher keine Weiterverbreitung, auch noch nicht einmal
auf die Satellitinseln bekannt geworden ist. Nicht ganz so far-
benprächtig und glänzend wie der eben besprochene blumei, aber
im Gesamteindrucke vielleicht mehr harmonisch und vornehm.
In Makassar das ganze Jahr hindurch, selbst ab und zu in den
Gärten der Stadt, mit zwei grossen Flugzeiten im Juli und August
und wieder im November, dann am häufigsten sonst nur ver-
einzel. Auch im Hinderlande von Palu das ganze Jahr hin-
durch, immer aber nur in vereinzelten Stücken, nicht in den
Bergen, aber häufiger in der Ebene bei Kalawara, ein verirrtes,
abgeflogenes Stück erschien selbst im Hexenkessel von Palu. In
jeder Sendung aus Menado. Hopffer erhielt nur zwei Exemplare
dieser „schönen Art“ aus Dr. A. B. Meyer’s Beute; Holland und
Rothschild bekamen von dem Sammler Doherty nur Männchen,
Piepers fand ihn bei Makassar, Bonthain, Allu und am Banti-
murung häufig, mehr im niederen Gebirge als im Flachlande.
Snellen schätzt ihn als wenig mehr als eine grosse Varietät von
peranthus ein. Abgesehen davon, dass adamantius reich-
lich doppelt so gross ist wie peranthus, müssen wir der öst-
lich von Java lebenden Rasse dieser Art gedenken, deren Ent-
wicklungsrichtung in ganz anderen Bahnen verläuft. Eher dürfte
man in adamantius die Urform der peranthus-Gruppe
erblicken. Wenige Vergleiche werden mehr für die urwüchsige
Originalität des Celebes-Tieres sprechen, als wenn wir es mit dem
zierlichen, sich völlig in den gewohnten, malaiischen Papilio-
umrissen bewegenden peranthus zusammenstecken: Die ge-
schwungene Costa, die enorm breiten, unvollkommen gelappten
Schwänze und das Zurücktreten des grünen Goldbandes gegen
die Flügelbasis geben adamantius ein völlig verändertes, sicher
archaisches Ansehen. Doch hat Snellen in einer Beziehung
76 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Recht, denn die Unterseite beider Flügel gleicht sich bei ada-
mantius und peranthus mutatis mutandis völlig und alle
Details der letzteren lassen sich bei adamantius wiederfinden,
so auch die eigentümliche, staubige Graufärbung am inneren
Rande der Discocellularen des Hfls. Schon Boisduval beschrieb
diesen Falter 1836 als Varietät von peranthus, kannte aber
nicht das richtige Vaterland und gab keinen Namen; der Belgier
Payen dürfte wohl als erster den interessanten Falter gefangen
haben. Das Männchen trägt auf der Oberseite des Vfls, über der
äusseren Hälfte der beiden unteren Medianäste, manchmal auch
auf der Submediana und seltener auch noch auf dem obersten
: Medianaste längliche, schwarze, an feinstes Pelzwerk erinnernde
Sammetflecken, welche bei Nordstücken entschieden kleiner
sind.*) Bei stärkster Entwicklung dieser Männlichkeit, im Süden,
fliessen die sonst federförmig gebildeten, eine länglich ovale Ver-
breiterung der Adern darstellenden Flecken zu einem grossen
Pelzquadrate zusammen und steht dann noch eine kleine Pelz-
feder auf dem obersten Medianaste. Das Weibchen ist keine
so grosse Seltenheit, wie Suffert (Berlin. Entom. Zeitschr. 1896
pag. 289) annimmt; denn ich besitze Weibchen aus allen Teilen
der Insel und konnte auch die Sammlung des Herrn von Roth-
schild in Tring mit solchen versehen, auch muss das ihm vor-
liegende Stück ein kleines und elendes gewesen sein, denn die
Weibchen aus Süd-Celebes — ich habe mehr als zehn in den
Händen gehabt — sind alle etwas grösser als die Männchen;
Makassar d' 105, $ 115; Palu d’ 114, 2 120 mm. Dem Weib-
chen fehlen natürlich die erwähnten Pelzflecken, was zur Folge
hat, dass die vom Costalrande zum Aussenwinkel verlaufende,
an Breite allmählich abnehmende, schwach blaugrün bestäubte
Randbinde komplet ist. Im allgemeinen sind die Weibchen
heller und minder scharf gezeichnet und erscheinen auf der Ober-
seite des Hfls die gelben Mondflecke der Unterseite in braun-
schwarzem Durchschlage. Auf der Unterseite des Vfl ist das
Gebiet der oben erwähnten Randbinde grauweiss aufgehellt und
und zeigt nur am Aussenrande des Flügels eine leicht ge-
schwärzte Zone, welche beim Männchen viel schwärzer und aus-
gesprochener ist, so dass hier wohl von einer schwarzen Rand-
binde gesprochen werden darf. Bei beiden Geschlechtern ist
der Apex der Vflzelle unten grauweiss. Auf der Hflunterseite
steht eine diskale Serie von schwarzen Keilflecken, deren jeder
nach innen von einem gelben, nach aussen von einem silber-
*) Die Männchen aus dem Palutale sind’ in dieser Beziehung ent-
schiedene Nordstücke.
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 77
blauen Strich begrenzt ist, letzterer ist beim Männchen dunkel-
blau, beim Weibchen blass silberblau. In beiden Geschlechtern
ändern jedoch diese Striche sehr an Breite und Intensität des
Glanzes ab auch sind sie bei Nordstücken konstant dünner
und unauflälliger. Von einer weiteren Differenzierung der Art
von Süden nach Norden kann gar nicht gesprochen werden, wie
auch keine Saisonunterschiede bestehen. Das edle Tier hat
einen schwebenden, aber scharfen Flug und ist gar nicht leicht
zu fangen. Auf Saleijer fliegt eine nahe stehende Art, insuli-
cola Rothsch., welche ein treffender Uebergang von adaman-
tius zu peranthus zu sein scheint; sie ist mir leider ent-
gangen.
„Celebes allein hat drei Arten der antiphates-Gruppe,
rhesus, dorcus und androcles, von denen die beiden
letzten Arten, die grössten und schönsten, mit sehr langen
Schwänzen versehen sind“ so sagt Staudinger in seinem Exoten-
werk. Auch hier noch ein völlig indischer Charakter der Cele-
besfauna, welche sogar reicher als die von Java ist; östlich aber
von Celebes nur noch ein Vertreter von aristeus, so dass
antiphates und agetes mit ihren Vertreter androcles und
dorcus hier an der äussersten Ostgrenze stehen. Wie weit
aber haben sie sich differenziert! Während der antiphates
von der malaiischen Halbinsel, Sumatra, Java und Borneo kaum
zu trennen ist, auf Celebes der riesige, eigenartige, urwüchsige
androcles, eine dem „Paradiese“ entflogene, einer früheren
geologischen Periode angehörige Form, welche durch irgend einen
glücklichen Zufall Jahrmillionen der Evolution, welche die an-
deren antiphates umgebildet haben, überlebt hat.
50. Papilio rhesus Bsd. Unzweifelhaft der aristeus-Ver-
treter auf Celebes, aber schwer erblich belastet mit Celebes-
charakteren. Wenn man adamantius als Subspezies zu
peranthus stellt, dürfte man sicher auch rhesus unter
aristeus einordnen, doch kein Autor hat es versucht. Boisduvals
Beschreibung aus dem Jahre 1836 ist gut und genau, er glaubte,
das Tier stamme aus Bengalen und hielt ihn für nahe verwandt,
oder sogar für eine Varietät von aristeus. Uebrigens hatte er
ihn schon früher 1829 unter dem Namen celtibericus als
aus Spanien stammend, beschrieben. Von der ganz unglaub-
lichen Individuenmenge dieser Art auf Celebes sind eben schon
zu so früher Zeit Exemplare bis nach Europa durchgedrungen.
Im Süden, Norden und Osten, überall auf der Insel, aber massen-
haft nur auf der südwestlichen Halbinsel im Hinterlande von
Makassar, auch dort nur im September und Oktober in grosser
78 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Individuenanhäufung, in den anderen Monaten, Februar, Juni
Juli, August und November, nur einzelne, wenige Exemplare.
Auch in Palu, wo der Falter in der Ebene bei Kalawara vor-
kam, die gleiche Beobachtung, im August und September häufig,
in anderen Monaten — ich besitze noch Stücke aus Januar, Fe-
bruar, April, Mai, Oktober November und Dezember — nur
vereinzelt und selten. Aber in Zentral- und Nord-Celebes kommt
es nie zum Massenfluge wie im Hinterlande von Makassar.
Dieses vermehrte Auftreten zu einer gewissen Jahreszeit auf der
ganzen Insel ist eine höchst interessante Tatsache. Schon Piepers
wurde durch die gleiche Beobachtung sehr betroffen, da er den
- Falter in seinen ersten Makassarjahren weder sah, noch fing, um
ihn dann in zwei auf einander folgenden Jahren (1872 und 75) im
Oktober in grosser Zahl zu erbeuten. Er dachte, das Tier habe
vielleicht nur eine jährliche Generation wie die palaearktischen
Spezies, oder lebe als Raupe auf einer Pflanze, welche wie z. B.
der bekannte Teakbaum (Teectonia grandis A.) nur eine gewisse
Zeit im Jahre belaubt sei. Ich glaube nicht, dass es auf Celebes
Papilios mit nur einer jährlichen Generation — single brooded,
nennen sie die Engländer — gibt, habe ja auch aus anderen,
dazwischen liegenden Monaten frische Exemplare von rhesus
nachgewiesen, bin aber der Ansicht, dass bestimmte, auf Celebes
bestehende, klimatische, die Flora in Mitleidenschaft ziehende
Faktoren das jährliche Massenauftreten der Art zur gleichen Zeit
verursachen müssen. Auch Fruhstorfer machte die gleiche Be-
obachtung, da er im November rhesus in grosser Menge am
Bantimurung fing. Er will aber die Südstücke unter dem Namen
rhesulus vom typischen rhesus aus Nord-Celebes abgeschie-
den wissen und findet, wie sein Name ausdrücken soll, die Süd-
stücke kleiner und die Grundfarbe ihrer Flügel schwarzbraun
und nicht schwarz wie beim typischen rhesus. Ich kann hier
in keiner Weise beipflichten und glaube, dass die Fruhstorfer’schen
rhesus aus Süd-Celebes, aus November stammend, schon ziem-
lich abgeflogen waren, da ja die Hauptflugzeit nach Piepers und
meiner Beobachtung in den September und Oktober fällt. Alle
weiteren von Fruhstorfer angegebenen Unterschiede halten nicht,
und ich besitze auch aus Süd-Celebes sehr grosse Exemplare.
Es ist aber merkwürdig, dass Jordan, der doch oft mit sicht-
lichem Behagen Fruhstorfer’sche Namen einzieht, im Seitz gerade
den völlig haltlosen rhesulus gehalten hat.
Hopfier erwähnt rhesus aus Dr. A. B. Meyers Ausbeute
als häufig in beiden Geschlechtern, Holland, für den Doherty im
Juni und Juli sammelte, erhielt ihn entsprechend dieser Zeit
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 79
gar nicht und Rothschild nur 25 Exemplare, weil Doherty etwas
vor dem Massenfluge (August) tätig war. Man sieht, dass die
Fangresultate genau mit den Beobachtungen bezüglich des zeit-
lichen Vorkommens der Art übereinstimmen. Rothschild hat
das Weibchen in seinen Novitat. Zool. 1596 pag. 60 beschrieben,
aber es war bereits Hopffer bekannt.
P. rhesus wurde mir von meinen Makassar-Sammlern
nach Hunderten gebracht, so dass ich wie bei Hestia marosi-
ana den Fang verbieten musste; sie brachten eben ausschliess-
lich nur rhesus, weil dieses Tier durch Decken mit dem Netze
in Anzahl und leicht zu fangen war und weil sie von der
Meinung ausgingen, dass es für meine Zwecke genügend sei,
nur Schmetterlinge überhaupt zu erhalten, gleichviel welcher
Art. Wie alle Eingeborenen jeden Gebietes glaubten sie, ich
benötige die Tiere zur Herstellung von Arzneien. Leider fand
sich niemals auch nur ein einziges Weibchen in den grossen
Blechkästen, völlig vollgepfropft mit dem zierlichen, lang-
geschwänzten Papilio, dessen Hil-unterseite eine wahre Farben-
symphonie genannt werden darf. Beide Seiten sind im Seitz
verdienstlich abgebildet. Dass rhesus auf seiner Heimatsinsel
so häufig ist, hätte ich schon in Europa aus der Tatsache
schliessen können, dass das Tier für 40—50 Pfennige bei allen
Händlern erhältlich war. Es müssen schon vor meiner Zeit
grosse Ernten gehalten und nach Europa versandt worden sein.
51. Papilio dorcus, de Haan. Noch ist das geheimnisvolle
Dunkel, welches diesen heute seltensten Papilio der Insel ein-
hüllt, nicht völlig geklärt. Es ist mir zwar gelungen, zwei
geographisch genau bestimmte Fundplätze festzustellen, aber die
Funde waren so gering an Zahl, dass man mit Sicherheit an-
nehmen darf, die Entdeckung von Orten, wo der grosse, seltene,
kostbare dorcus zu Dutzenden zusammengesellt auf dem
feuchten Sande klarer Bergströme zu frischem Trunke sich
niederlässt, gehöre noch der Zukunft an. In den Eastern
Papilio’s nennt Jordan höchst unbestimmt als Fundort nur „Ce-
lebes“, im Seitz wird er präziser und spricht von Nord-Üelebes.
Meine authentischen Fangplätze liegen in Zentral-Celebes und
wohl nur da scheint der Falter zu leben, da weder ich noch
ein anderer Sammler ihn jemals im Süden gesehen hat und
mir auch kein Exemplar bekannt wurde, welches im Norden,
in der Minahassa gefangen worden wäre. Dort hat ein sehr
gründlicher, auf bezahlende Arten scharfer, deutsch-amerikanischer
Sammler gearbeitet, ohne den dorcus zur Strecke zu bringen,
dieser ist ohne Zweifel auf Celebes der Vertreter des auf dem Kon-
80 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
tinente, Sumatra, Borneo vorkommenden, auf Java jedoch fehlen-
den, hochalpinen Papilio agetes, dessen roter Hflschmuck
noch am meisten mit Zeichnung und Farbe mit dem von dorcus
übereinstimmt; auch sind die Haarbüschel an der Umschlagsfalte
des Hfls in beiden Arten genau von der gleichen braungelblichen
Farbe. P. dorcus dürfte deshalb auch gleiche Gewohnheiten
wie agetes besitzen, dessen Sumatrarasse, insularis, ich zu
Hunderten aus den zentralen Bergen der Insel erhielt, wo die
Tiere in Haufen trinkend auf dem feuchten Sande des Fluss-
ufers sassen. Noch ist aber das Gebirgsland in Celebes zu ent-
decken, wo man dieses herzerfreuende Schauspiel geniessen wird.
‘Meine drei armseligen Exemplare stammen: 1 Männchen vom
24. VIII. 1912, ein weiteres vom 9. X. 1912 ebenfalls von dort
und das dritte aus Gimpu in Kolawi auch aus Oktober 1912.
Kalawara liegt noch auf der Sohle des Palutales, Kolawi ist da-
gegen ein echtes Bergland. Also bei Kalawara und in Kolawi
fliegt dorcus, das ist Tatsache. Dennoch bin ich der Meinung,
dass meine drei authentischen Stücke durch Zufall oder Wind
aus ihren noch alpinen Wohnplätzen vertrieben worden sind;
wer diese aber auffindet, wird den seltenen Vogel in Menge
fangen. Auffallend ist die Flugzeit August bis Oktober, man
wird bei dorcus wahrscheinlich Gleiches erleben wie bei rhesus.
Fruhstorfer berichtet von einem Männchen aus Gorontalo, dieser
Fundort erscheint mir ungenau und unsicher, es kann sich nur
um die Berge im Hinterlande von Gorontalo handeln; ich erhielt
eine Sendung aus Gorontalo, aber natürlich ohne dorcus. Die
anderen Zeugen schweigen, nur Hopffer berichtet von einem
Männchen dieser „prachtvollen und sehr seltenen Art“ was ja
für Nord-Celebes sprechen würde, aber Hopffer ist nicht stark
in Fundorten. In der Münchener Staatssammlung befinden sich
zwei Stücke von dorcus, welche aus einer alten Sammlung
(Sturm) vom Anfange des vorigen Jahrhunderts stammen; ich
selbst besitze einen vierten dorcus ohne jeden Fundort, den ein
Freund in Genua in einem kleinen Kuriositätenladen am Hafen
auftrieb. Es ist wunderbar, auf welchen Wegen solche einzelne
Stücke eines so seltenen Tieres doch nach Europa gelangen.
52. Papilio androcles, Bsd. Der Riese aus der anti-
phates-Gruppe, der Jordan im Seitz zu den Worten „unstreitig
einer. der elegantesten Schmetterlinge des indo-australischen Fau-
nengebietes“ begeistert hat. Bewohnt die ganze Insel, Süden,
Norden und Zentrum; im Hinterlande von Makassar war er von
Juli bis Dezember nicht gerade selten, wenn er auch nie in
so grosser Stückzahl wie rhesus sich in der Ausbeute
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 81
der Sammler vorfand. Im August war das Tier am häufigsten,
ich erhielt in diesem Monate über 100, allerdings oft sehr ver-
stümmelte Exemplare. Eine zweite, etwas kleinere Hochsaison
bestand im November. Am 18. März 1906 fing ich selbst an
einem blühenden Busche auf dem Bergwege nach Lokka, ober-
halb Bonthain, zwei tadellose, frische Männchen. Der Flug des
Tieres mit den enorm langen Schwänzen ist ein zitternder, minder
rapider wie der des gewöhnlichen antiphates; ich dachte an
ein in wehende, weisse Schleier gehülltes, fliegendes Figürchen.
Im Hinterlande von Palu war androcles in der Ebene bei
Kalawara recht selten, häufiger dagegen in der Berglandschaft
Pekawa, wo er im Februar 1913 in einer gewissen Anhäufung
auftrat. Meine Palustücke stammen aus den Monaten Fe-
bruar, März, Juni, August, September, November und Dezember,
sehr grosse Stücke erhielt ich aus Amurang und Tumpaan
in der Minahassa. Fruhstorfer fing den Falter in Tolitoli,
Hopffer spricht nur von einem schönen Männchen, Holland er-
hielt nichts, Piepers fing das Tier bei Bonthein und am Am-
parang und sagt, es komme nicht im flachen Alluvialland,
aber um so häufiger im niedrigen Gebirge vor, womit er sehr
richtig gesehen hat. Doherty erbeutete im August und Septem-
ber 1891, für Rottschild, 25 Exemplare dieser „splendid species,
representing a good deal of hardwork“, wie er an seinen Ab-
nehmer schrieb. Da androcles wie seine Verwandten gern
an feuchten Wegestellen und Flussufern Wasser saugt, ist aber
sein Fang nicht so schwierig, nur die Entnahme aus dem Netze
ohne Bruch der riesigen und doch so zarten Schwänze ist schwie-
rig. Das Weibchen scheint bis heute noch unbeschrieben zu
sein. Ich kann bei genauester Prüfung meiner grossen Serien
aus dem Süden und Norden keine haltbaren Unterschiede finden,
welche für eine Differenzierung der Art sprächen. Einen an-
drocles im Fluge geschen und gefangen zu haben, ist ein hoher
sportlicher Genuss, den ich jedem Feldentomologen wünschen
würde und eine schöne Serie der stolzen Tiere in der Samm-
lung vereint, sicher eine Augenweide. Da aber alle anderen
antiphates-Arten in der Grösse ziemlich übereinstimmen, wird
das riesige Ausmass des androcles beim Verteilen des meist
beschränkten Platzes in den Sammlungskästen oft störend em-
pfunden. Diese schon mehfach hervorgehobene, aussergewöhnli-
che Körper- und Flügelgrösse, die enorm langen und starken,
weissen, schwarzgekielten Schwänze, die massige, etwas plumpe
schwarze Zeichnung und die ausgesprochene Konvexität derV dfleosta
geben dem Tiere den Charakter einer Urform und bilden auch
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915.
vI
82 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
_—
den nicht misszuverstehenden, faunistischen Stempel einer ori-
ginellen Heimat.
53. Papilio codrus celebensis Wall. Eine der wenigen
Arten, deren Beschreibung sich Wallace selbst vorbehielt und
die ihm auch verblieb. Ein auf der ganzen Insel vorkommendes,
aber überall seltenes Tier, das auch in Folge seines rapiden und
rastlosen Fluges nur sehr schwierig zu fangen ist. Es dürften
nur wenige Stücke in den europäischen Sammlungen vorhanden
sein. Als Rothschild die Eastern Papilios schrieb, befand sich im
Tring-Museum kein Celebesstück. Auch mein Material ist klein,
besteht aus nur vier Köpfen, deckt aber dennoch die ganze Insel
und beide Geschlechter. Ich besitze ein Weibchen aus Maros,
Süd-Celebes, vom 10. VIII. 1906, ein Männchen aus Amurang,
Minahassa, Nord-Celebes vom Dezember 1906, ein Männchen aus
Pasangkayu von der Westküste von Zentral-Celebes vom April
1912 und ein weiteres Männchen aus Kalawara, Palutal, vom
14.11.1913. Das Männchen trägt auf dem Vdfl einen wunder-
vollen Metallglanz von dunklem Flaschengrün und eine Serie
von neun medianen, hellgrünen Flecken, der siebente etwas grö-
sser als der sechste, sonst vom Innenrande zur Costa gradatim
an Grösse abnehmend, der neunte, oberste länglich, strichförmig,
der zweite zwischen Submediana und unterstem Medianaste der
grösste in Form eines länglichen Rechteckes, unten breiter als
oben. In der Umschlaesfalte des Htfls ein ledergelber Filzfleck
mit langen, weisslich gelben Haarbüscheln am Innenrande. Das
noch unbeschriebene Weibchen entbehrt den Metallglanz des
Männchens, die gelbgrünen Flecken des Vdfls sind etwas grösser
und plumper und das basale Weissgebiet der Htfloberseite ist
ausgedehnter. Meine Erfahrungen über diese seltene Art decken
sich völlig mit jenen meiner vier Autoren. Hopfier hat mehrere
Stücke dieser „sehr abweichenden Form“ aus Nord-Celebes
empfangen; codrus ist dort vielleicht etwas häufiger als im Sü-
den, da sich auch in meinen Amurangsendungen ein Exemplar
vorfand und diese gerade nicht vom besten Sammler stammten.
Holland erhielt von dem Sammler Doherty Mann und Weib, von
letzterem sagt er dass es „not materially different in markings
fromthe male“ sei. Ich finde die oben angegebenen Unterschiede
ziemlich bedeutend, wenn sie sich auch wirklich weniger in der
Zeichnung ausdrücken. Piepers sagt wörtlich „nur einmal in
meinem Garten in Makassar“, ob er aber das Tier auch gefan-
gen hat, wird verschwiegen. Ich glaube es fast nicht, denn ich
hatte das gleiche Erlebnis in Makassar, bis ich aber das Netz
aus dem Hause herbei holte, war der rapide Flieger längst ver-
Dr. Martın. Die Tagfalter der Insel Celebes. 83
schwunden. Ich habe ihn in Makassar auch in den Strassen der
Stadt dahinschiessen sehen. Rothschild hat ihn in seine Celebes-
liste aufgenommen auf Grund der Worte Doherty’s „was seen,
but not taken.“ Ueberall so ziemlich das gleiche Lied, ein hoch
und rapid fliegendes, sich kaum niederlassendes, überdies seltenes
Tier. Das Männchen aus der schon so oft erwähnten Land-
schaft Pasangkayu, an der Westküste, hat die diskale Flecken-
binde des Vdfls mehr nach auswärts gebogen und entschieden die
einzelnen Flecken kleiner als meine anderen drei Exemplare.
54. Papilio milon Feld. = miletus Wall.) nach Stücken
von Lorquin und Wallace durch den Autor beschrieben, der
ihn von allen bisher bekannten Lokalformen des sarpedon die
ohne Zweifel auffälligste nennt, aber nicht abbildet. Die
Heimatsangabe „Celebes“ genügt, da der Falter auf der ganzen
Insel immer und überall gemein ist, neben alcindor und
rhesus wohl die gemeinste Art. Im Seitz sind beide Seiten
befriedigend abgebildet. Alle Autoren erwähnen das ubiquitäre
Tier. Piepers sagt mit vollem Rechte „gerne in der Nähe
strömenden Wassers“, was auch ganz meinen Beobachtungen
entspricht. Rothschild empfing von Doherty „a fine series of
29 specimens“, keine Extraleistung bei dieser Art. Nicht so
sehr selten fliegen unter der Stammart Exemplare, welche die
roten Flecke der Htfl-unterseite gelb verfärbt zeigen — eitri-
cinctus Fruhst., und Honrath hat als milonides ein Stück
der Beschreibung gewürdigt, dessen Htfl-band an der Subcostalis
breit unterbrochen ist. Man kann die diskalen Bänder beider
Flügel bei gewisser Beleuchtung auch statt grün blau nennen,
etwas, was nur bei der Celebes-Subspecies von sarpedon mög-
lich ist. Von einer Differenzierung der Art von Süden nach
Norden kann ich keine Spur finden. Für die Häufigkeit des
Tieres brauche ich nur zu sagen, dass ich noch heute einige
Blechbüchsen mit 5—600 Exemplaren aus Süd und Nord im
Hause stehen habe. Wenn man in einem Kasten sarpedon
aus allen Gebieten der grossen indo-australischen Fauna zu-
sammensteckt, so wird keine Subspezies so durch ihre Origina-
lität hervorstechen wie milon. Man kann dafür ungefähr die
gleichen Worte wie bei androcles gebrauchen. Stark ge-
schwungene Costa, sehr massive, stets deutlich getrennte Diskal-
flecken, ganz aussergewöhnlich grosse Randmonde des Htfls und
hervorragende Grösse bewirken auch hier wieder ein urwüchsiges,
archaisches Bild.
55. Papilio monticolus Fruhst. Wie ich schon oben be-
merkte, ist es eine grosse Eigentümlichkeit der Celebesfauna,
84 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
dass sie aus der sarpedon-Gruppe zwei Formen beherbergt,
aber es handelt sich zweifellos um zwei gute, völlig distinkte
Spezies. Fruhstorfer hat monticolus in der Soc. Ent. 1896
beschrieben und hielt ihn für eine sarpedon-Form, Jordan
hat den Wert der Fruhstorfer’schen Entdeckung im Seitz herab-
gedrückt, indem er dort von einer kleinen Gebirgs-, eventuell
sogar Verkümmerungsform spricht. Da aber monticolus nur
in alpinen Regionen fliegt, dort wie in Zentral-Öelebes immer
zusammen mit typischem milon und sich von diesem gewaltig
unterscheidet, so muss man unbedingt zur Annahme einer
zweiten, sehr distinkten Spezies gelangen. Fruhstorfer hat die
Art auf dem Bua Kraeng, 5000‘, in Süd-Celebes, im Februar
1896 entdeckt, ich fand sie wieder in Zentral-Celebes in den
Berglandschaften Pekawa und Kolawi, auch in Höhen von
3—5000. Was Fruhstorfer von Einwanderung der beiden
Arten, milon und monticolus, der ersteren von den Molukken,
der zweiten von den kleinen Sunda-Inseln, sagt, ist reine Phan-
tasie. Beide sind echt endemische, sonst nirgends vorkommende
Celebesformen und haben auch keinen Versuch gemacht, nach
irgend einem anderen Gebiete auszuwandern. Es ist möglich,
dass man für monticolus, wie für die schwarze Salatura
und Ornithoptera haliphron ein Gebiet umgrenzen muss,
welches ausser Süd- und Zentral-Celebes auch einen Teil der
kleinen Sunda-Inseln umfasst, weil dort sarpedon-Formen
fliegen, welche gewisse Charaktere mit monticolus teilen.
Es handelt sich dabei hauptsächlich um jugans Rothsch. von
Sumba, bei dem{der dritte Fleck des Vdflbandes (von der Costa
ab gezählt) ebenfalls grösser als der vierte ist. Durch das
grüne Marginalband des Vdfls, welches kein sarpedon zeigt,
durch das breite, gänzlich anders geformte Diskalband des Htifls,
die zarten Randmonde dieses Flügels, die Farbe der Bänder
beider Flügel und den oben schon erwähnten, ausser der Reihe
vergrösserten, dritten Fleck der Vdflserie ist monticolus weit-
gehend — abundantly würden die Engländer sagen — ver-
schieden. Auch der rote Schmuck der Htflunterseite ändert in
Form und Farbe sehr von milon ab und die Behaarung des
Analrandes des Htfls über der Dufttasche ist graubraun und
nicht schwarz wie bei milon. P. monticolus, der in Zentral-
Celebes das ganze Jahr hindurch fliegt, ist ein echtes Alpentier
und zweifellos eine sehr schmucke Form, entbehrt aber die ge-
wöhnlichen Celebescharakteristika.
56. Papilio pamphylus Feld. (= telephus Wall.) Die
Type stammt aus Makassar und wurde von Wallace erbeutet.
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 8
„Eine Lokalform von molukkischen Papilio eurypylus“ ist
alles, was Felder sagt, ein Bild wurde nicht gegeben. Ungefähr
ebenso häufig und allüberall auf der Insel zu allen Zeiten des
Jahres wie Papilio milon, mit dem er auch meist zusammen-
fliegt und die Vorliebe für strömendes Wasser teilt; auch in
höheren Lagen bis 5000‘. Selbstverständlich bei allen Autoren
zu finden, Holland hat sogar das sehr seltene Weibchen von
Doherty erhalten, welches sich vom Männchen durch sein schwar-
zes Abdomen unterscheidet. Obwohl ich im Hinterlande von
Makassar viele hunderte von pamphylus erbeutete, habe ich dort
niemals ein Weibchen gesehen, in Palu dagegen fing ich eines
der so seltenen Tiere direkt an meinem Hause, am 28. Juli 1912,
auf einer frisch gewaschenen, zum Trocknen aufgehängten weissen
Jacke. In dem so furchtbar heissen und trockenen Palutale war
sogar diese Wasserquelle dem Falter genehm. Hopffer unterzieht
Felders lateinische Diagnose einer kleinen Berichtigung aus Be-
sorgnis, pamphylus könnte mit seinem neu beschriebenen, unten
folgenden Papilio meyeri verwechselt werden. Aus einer
Sammlung der eurypylus-Gruppe leuchtet pamphylus durch
seine Grösse und ganz besonders durch sein schneeweisses Ab-
domen mit lateralem Schwarzstreif ebenso hervor wie milon
aus seiner Sippe. Saisonunterschiede, oder eine Differenzierung
von Süden nach Norden gibt es nicht, höchstens finde ich, dass
die Nordstücke einen noch stärker konvexen Costalrand des Vdils
besitzen, als die aus dem Süden und Zentrum. Mein Weibchen
aus Palu, ein sehr grosses Tier, von 77 mm Flügelspannung, zeigt
ebenfalls starke Konvexität. Auch Fruhstorfer erwähnt in der
Berl. Ent. Zeitschr. 1902 pag. 209, Weibchen aus Süd- und
Nord-Celebes. Bezüglich der Rechtschreibung seines Namens
wird kein anderer Celebes-Papilio so schlecht behandelt wie
pamphylus, der einen seiner Zeit durch Nestroy in Wien
sehr beliebten, fast klassischen Bedientennamen komischen Cha-
rakters trägt.
57. Papilio meyeri Hopfier. Diese dem vorhergehenden
Papilio sehr ähnliche, aber auf Ober- und Unterseite gut
verschiedene Art, hat der Autor zu Ehren des Entdeckers ge-
nannt. Da das Tier im Süden der Insel fast ebenso häufig ist
als pamphylus, so müssen unbedingt schon früher Stücke
nach Europa, besonders nach Holland, gelangt sein, aber erst
Hopffer sah die konstanten und auch ziemlich gewichtigen
Unterschiede. Er gab jedoch keine Abbildung, welche bei einer
so genauen Beschreibung wie die seinige, trotz Oberthür, über-
flüssig ist. Selbstverständlich spricht Snellen bezüglich meyeri
s6 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
nur von einer Varietät des eurypylus, er hätte sicher lange
vor Hopfier Gelegenheit gehabt, die distinkte Art zu beschreiben.
Rothschild, der durch Doherty 19 Exemplare von pamphylus
erhielt, berichtet nur von 11 meyeri, diese beiden Zahlen
mögen ungefähr richtig das Verhältnis angeben, in welchem beide
Arten im Hinterlande von Makassar gefangen werden. Nach
Norden zu wird meyeri, aber zusehends seltener. Im Hinter-
lande von Palu flog er nur sehr vereinzelt und ich besitze nur
von Februar, Mai, Juli, August und Oktober Exemplare. Aus
Menado habe ich ihn gar nicht erhalten. Eine Differenzierung
von Süden nach Norden lässt sich nicht finden. Analog dem
milon eitricinetus berichtet Fruhstorfer auch hier von einem
Männchen mit unterseits gelben, statt roten Makeln, hat es aber
glücklicherweise nicht benannt. Auch bei meyeri ist das Ab-
domen des Männchens weiss, das der seltenen Weibchen schwarz
oder schwarzbraun; Fruhstorfer hat das seltene Geschlecht so-
wohl im Süden bei Patunuan, als auch im Norden bei Tolitoli
zur Strecke gebracht. Im Seitz sind beide Seiten der Art gut
abgebildet. P. milon, pamphylus und meyeri fliegen
meist zusammen und lieben sehr die Nähe von fliessendem
Wasser.
58. Papilio agamemnon comodus Fruhst. —= celebensis
Fickert, letzterer Namen muss leider fallen, da er schon durch
codrus celebensis präoccupiert ist, hatte aber jedenfalls
mehr Sinn gehabt, was von comodus nicht zu sagen ist. Der
Falter ist auf der ganzen Insel überall sehr häufig und lebt
seine Raupe, wie auch sonst im Archipel, auf Anona muricata
und auch, allerdings seltener, auf Anona squamosa, welche auf
Celebes weit verbreitet ist. Ich habe ihn in Makassar und Palu
aus dem Ei gezogen, ebenso auf Sumatra und Borneo, kann
mich aber aus dem Gedächtnisse an keine Verschiedenheit ven
Raupe und Puppe erinnern. In Makassar, wo das Tier in den
kleinen Vorgärten der Stadthäuser häufig war, beobachtete ich
einen vermehrten Flug im März und Mai, während ich aus dem
Hinterlande von Palu das ganze Jahr hindurch Stücke empfing.
Die im Seitz schlecht abgebildete Subspecies wird von allen
meinen Autoren genannt, Hopffer und Snellen beschrieben beide
deutlich die Eigenart der Celebesrasse, ohne an eine Benennung
zu denken. Rothschild hat von Doherty stiefmütterlich nur zwei
Weibchen erhalten. Die Eigenarten bestehen, abgesehen von
starkem Celebesschnitt des Vdfls, in ziemlich langen Schwänzchen
und kleinen, isoliert stehenden, grünen Flecken der Vdfloberseite.
Zum Unterschiede von den vorausgehenden, grünen Papilio-Arten
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 87
sind bei comodus die Weibchen keine Seltenheit und werden
fast in gleicher Zahl wie die Männchen gefangen. In Palu flogen
zwei deutlich verschiedene Typen des Falters, die eine, archa-
ische, mit sehr reduzierten grünen Flecken, langen Schwänzen
und dunkler Unterseite, die andere mehr recent malaiische, mit
grösserer Grünfleckung, kurzen Schwänzen und lebhaft rosa-
violetter Unterseite. Ich nannte die erste den afrikanischen,
die zweite den malaiischen Typus. Häufig erlebt man es bei
dieser Art, dass die Vdfl der Quere nach umgebogen sind und
dadurch einen hässlichen, schuppenlosen Strich zeigen; es scheint,
dass die lang ausgezogene Form dieses Flügels an diesem öfters
eintretenden Zufalle die Schuld trägt.
59. Papilio deucalion Bsd. Hewitson hat diese mimetische
Form nochmals beschrieben und gut abgebildet, da ja Boisduval
für seine neuen Arten keine Figuren hinterliess. Vaterland Ce-
lebes Flügelspannung von 4%, Zoll und in einer Fussnote
eine, vielleicht bissige Bemerkung auf Wallace, von dem er doch
seine Type hatte, ist Alles, was wir da lesen. Wallace scheint
deucalion und den unten folgenden Papilio encelades
für beide Geschlechter einer Art gehalten zu haben; er sei
„pretty sure“ von dieser Annahme, sagt ironisch Hewitson. P.
deucalion ist der letzte, deutliche Vertreter der macareus-
Gruppe nach Osten und trägt dazu bei, den indischen Charakter
der Celebesfauna zu stärken, doch besitzt er Celebesgrösse und
sind die grauen Streifen gelb geworden; sie tragen das eigen-
tümliche Celebesgelb, dem wir schon bei Danais menadensis
begegnet sind und bei den Weibchen von Pareronia tritae
wieder begegnen werden. Wenn es sich um einen mimetischen
Papilio handelt, so ist auf jeden Fall das Modell nicht auffind-
bar, denn weder Danais menadensis, noch das Weib von
Pareronia tritaea, forma flava, zeigen genügende Achn-
lichkeit zur Aufrechterhaltung einer solchen Vermutung. Be-
wohnt die ganze Insel, vielleicht mit Ausnahme des äussersten
Nordens, da ihn Hopffer nicht meldet; aber auch Piepers und
Holland verzeichnen ihn nicht, während Rothschild, für den Do-
herty offenkundig besondere Anstrengungen gemacht hat, 14
Männchen und ein Weibchen erhielt. Ich fing das Tier im
Hinterlande von Makassar in den Monaten Mai, Juni, August,
September, Oktober und November, im September und Oktober
bestand eine relative Häufigkeit. Im Palutale bei Kalawara flog
es das ganze Jahr hindurch, aber nur vereinzelt und eigentlich
selten. Aus höheren Lagen habe ich es nie erhalten, es gehört
der Ebene an. Meine grossen Serien aus dem Süden und Nor-
ss Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
den bieten absolut keine Unterschiede. In der Zeichnung wird
das bekannte macareus-Muster gut eingehalten, nur die bei
allen anderen Arten vorhandenen Querstreifen in der Vdflzelle
sind in eine Doppelreihe von Punkten und Strichen aufgelöst,
von der diskalen Streifenreihe des Vdfls sind die einzelnen Strei-
fen kürzer und dicker, der schwarze Aussenrand beider Flügel
ist viel breiter und die marginale Fleckenserie sehr undeutlich.
60. Papilio encelades Bsd. 1336. Vaterland Celebes, Flü-
gelspannung 42/,., Zoll, Beschreibung spärlich, Bild gut, habe
ich mir von der zweiten Diagnose Hewitsons notiert, der auch
hier wie bei der vorhergehenden Art für eine Figur sorgte. Ob-
wohl Jordan im Seitz als Vaterland Nord- und Süd-Celebes an-
gibt, ist mir von einem Vorkommen des seltenen Falters im
Norden niemals Kenntniss geworden, er bewohnt nach meiner
Erfahrung ausschliesslich den Süden der Insel, vielleicht nur die
südwestliche Halbinsel; wo die Grenze des Vorkommens nach
Norden liest, ist heute leider noch völlig unbekannt. Hopffer
und Holland nennen die Art nicht, Piepers hat zwei Exem-
plare bei Bonthain gefangen, Rothschild aber wurde von Doherty
mit einer stolzen Serie von 32 Exemplaren bedacht, auch hier
wieder eine besondere Kraftleistung. Er ist etwas seltener als
der vorhergehende, auch schon selten zu nennende deucalion,
mit welchem er im Süden zusammen fliegt und mit dem er auch
so ziemlich die gleichen Flugzeiten besitzt. Ich habe ihn in
den Monaten April, Juni, Juli, August, September und Oktober
gefangen, September ist die Hauptflugzeit, daher auch der hohe
Rekord Dohertys, der gerade in diesem Monate für Rothschild
sammelte. Es sei hier jedoch bemerkt, dass die Resultate Do-
hertys nur so glänzend ausfielen, weil er Leepcha-Sammler, Ein-
geborene aus Sikkim im Himalaya, mit sich hatte, welche durch
einen Mann wie Otto Möller, Darjeeling, ausgebildet waren und
wirklich Vorzügliches leisteten. Hätte er mit Makassaren arbei-
ten müssen, so wären wohl seine Zahlen anders ausgefallen. Ich
habe ungefähr 50 Exemplare zusammengebracht. Das anschei-
nend sich immer wiederholende Zusammenfliegen mit deuca-
lion hat in Wallace den von Hewitson belächelten Irrtum auf-
kommen lassen. Das vom Männchen vermutlich nur wenig ver-
schiedene Weibchen ist bis heute noch unbekannt. Wie wenig
man über die systematische Stellung des Tieres im klaren ist,
beweist einfach die Tatsache, dass Rothschild in seinen Eastern
Papilios, encelades ausgerechnet an die letzte Stelle der grossen,
langen Aufzählung setzt und auch Staudinger nennt ihn völlig
isoliert, eine Form, die keiner ihm bekannten Art einer anderen
Dr. Martin. Die Tagfalter der Insel Celebes. 89
Gattung nahe kommt; aber er war nicht auf der richtigen Spur.
P. encelades ist sicher keine mimetische Form, denn es gibt
auf Celebes keine Danaide oder Pieriede, die ihm ähnlich sähe
und wie Snellen sagen konnte „diese seltene und merkwürdige
Art sieht vollkommen aus wie eine Danaide“, ist und bleibt mir
unverständlich. Auch mit Papilio idaeoides Hew., von
Mindano, besteht keine Verwandtschaft. Betrachten wir aber
Bilder von afrikanischen Papilios, speziell zum Beispiele von
Papilio endochus, Madagascar, aus der pylades-Gruppe,
dann findet sich eine greifbare Aenlichkeit und wir kommen zur
Ueberzeugung, dass encelades einer jener rätselhaften, afri-
kanischen Anklänge ist, deren es auf Celebes so viele in allen,
auch höchsten Familien gibt. Eine andere Erklärung für diese
isolierte, im ganzen Archipel allein stehende Form gibt es nicht.
Auffallend erscheint mir ein sehr, einer Ader gleichender, feiner,
schwärzlicher Strich, welcher auf dem Vdfl von der Basis der
Submediana bis zum Aussenrande zieht, gegen welchen hin er
nur mehr eine undeutliche Rinne im Flügel bilde. Das Männ-
chen trägt am Analrande des Htfls eine Bürste von langen, braun-
gelben Haaren. Das weissgelbe Abdomen hat einen breiten,
schwarzen Dorsal- und beiderseits einen doppelten, schwarzen
Lateralstreifen, während die Bauchseite weiss ist. Dieser letzte
Papilio der Insel Celebes, der sowohl im Staudinger’schen Exo-
tenwerke, als auch im Seitz befriedigende Abbildung gefunden
hat, ist zweifellos der interessanteste der ganzen Reihe, ein
Kasten mit Serien von veiovis, deucalion uud encelades,
wie er mir bei Niederschrift dieser Zeilen vorliegt, bietet ein
höchst sonderbares, gar nicht indisches Bild dar.
61. Leptocircus ennius Feld. (= curtius Wall.) steht
für sein Genus an der äussersten Ostgrenze, denn östlich von
Celebes ist bis heute kein Leptocircus gefunden worden, er-
scheint aber als ein kräftiger Kronzeuge für die Zugehörigkeit
der celebesischen Subregion zur indischen Fauna. Er ist über die
ganze Insel verbreitet und stellenweise sogar ziemlich häufig, so
im Hinterland von Makassar, wo er das ganze Jahr hindurch
fliegt. Spärlicher und mehr in höheren Lagen erschien er in
Zentral-Celebes, wo ich ihn in den Monaten Februar, März, Mai,
Juni, August, September und November fing. Alle meine Au-
toren kennen die durch Celebescharaktere reichlich ausgezeich-
nete Art. Rothschild empfing von Doherty 53 Exemplare, die
Leepchas haben also seiner Zeit in dieser Art gut gearbeitet.
Die Nordform ist von der Südform geringfügig, aber deutlich ver-
schieden, denn erstens ist das diskale, grüne Band beider Flü-
90 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
gel bei Südstücken ungefähr ein und einhalbmal so breit wie
bei Nordstücken und zweitens haben die Südstücke das Glasfeld
des Vdfls grösser, es erreicht mit seiner hinteren Spitze am Anal-
winkel des Vdfls nahezu den Flügelrand und hat nur schmale,
schwarze Umsäumung, während es bei Nordstücken kleiner und
breit schwarz gesäumt erscheint. Eine Benennung lehne ich je-
doch bei dieser, durch den ganzen malaiischen Archipel unge-
mein konstanten Art unbedingt ab. Celebesstücke sind ausser-
dem durch ihre Grösse, die stark konvexe Kosta und die sehr
langen Schwänze gut kenntlich. Im Seitz findet sich ein gutes
und deutliches Bild der Nordform.
16. April 1914, in der Strasse von Malakka.
Neue Taenaris - Rassen.
Von H. Fruhstortfer.
(Mit Tafel 1.)
Taenaris dimona anna subspec. nova. 2 am nächsten T.
dimona zaitha Frhst., vom Eilandenfluss von 8. O. Holl.
Neu-Guinea, aber erheblich grösser und oberseits von rein
weisser Grundfarbe, also nicht gelblich überflogen wie alle bis-
her bekannten dimona-Formen, nur auf den HtflgIn macht
sich ein auffallend heller, nahezu rein gelber, aber sehr schwacher
Anflug in der Zelle und zwischen der mittleren und hinteren
Mediana bemerklich. Die schwarze Umrahmung beider Flügel
ungewöhnlich breit, ohne braune Nuance und sehr grosse blaue,
deutlich schwarz geringelte Augenflecke umschliessend.
Unterseite charakterisiert durch das rein weisse Mittelfeld
der Vdflgl. Die blauen Ozellen der Htflgl ungewöhnlich gross
und durch eine komplete, im Analwinkel nicht unterbrochene
ockerfarbene Peripherie der offaka Frhst. von Waigeu genähert,
während bei zaitha der proximale Teil der fahler ockergelben
Peripherie zwischen der hinteren Mediana und der Submediana
schwarz überdeckt ist.
2 oberseits heller gelb überhaucht als das 2 von dimona
dinora Gr. Sm. Der subbasale gelbe Anflug der Unterseite
aber ausgedehnter als bei dinora, mehr an jenen von sor-
ronga Frhst. gemahnend.
DRESDEN, BD. XXIX.
TAREEST.
Tenaris dimona anna Fruhst.
Mann, Weib.
Graphische Werke Markert & Sohn, Dresden-A. 10,
H. Fruhstorfer. Neue Taenaris-Rassen. 9]
T. anna kann als die ansehnlichste bisher bekannte dimona-
Rasse aufgefasst werden.
Patria: Arfak-Gebirge, Holl. N. W. Neu-Guinea.
Die Benennung ist erfolgt zu Ehren der anmutigen und kunst-
sinnigen Gemahlin des Herrn Major Biedermann in Winterthur,
dem ich die prächtigen und naturgetreuen Abbildungen verdanke,
die auf Tafel I, in schwarz wiedergegeben sind und zwar stellt
die obere Figur links die Ober-, rechts die Unterseite des Männ-
chens, die untere Figur desgl. die des Weibchens dar.
Taenaris dimona thaöma subspec. nova. Eine Serie von
dimona 2%, welche mir neuerdings aus Finschhafen zuging,
differiert ganz auffallend von dimona areia Frhst. aus der
Astrolabebai, durch das rein weisse Basalfeld der Oberseite der Htilgl.
Die Zeichnungsverteilung der Vdilgl erinnert an dimona
anna, nur ist die Zelle nicht so schön weiss, sondern bei
einigen Individuen fast ganz bräunlich, bei andern schwärzlich
überdeckt. Die blauen Augen der Htflgl fast so gross wie bei
anna, jedoch wie bei areia hellblau, mit rein weissem Kern,
oder fast so dunkelblau wie bei anna, in beiden Fällen aber
ohne die schwarze Pupille, welche wir nur bei anna, offaka
und sophaineta Frhst. von der Yule-Insel vorfinden. Die Un-
terseite unterscheidet sich von areia gleichfalls durch das Vor-
herrschen der weissen Grundfarbe.
Patria: Finschhafen 4 JS’ Coll. Fruhstorfer.
Taenaris myops errhiphoria subspec. nova. Die dd” dieser
ausgezeichneten Inselrasse erinnern in der Zeichnungsanlage an
myops kirschi Stdgr., von Britisch Neu-Guinea, wie sie mir
aus Port Moresby, woher die Namenstype stammt und vom
Kamusifluss in Anzahl vorliegen. T. errhiphoria differiert aber
von kirschi durch das ausgedehntere kreidigweisse Praeapikal-
feld der Vdflgl, welches nur einen ganz schmalen, weisslich-
grauen Apikalsaum freilässt. Auch die Zelle wird von dem
weisslichen Feld im vorderen Drittel okkupiert. Auf den Htflgln
tritt in der Regel der schiefergraue Distalsaum vielmehr als bei
myops kirschi und bei myops verbeeki, von der Milne-
bai, zurück.
Die Ozellen der Unterseite schlagen äusserst kräftig durch,
so dass Augenflecken entstehen, wie sie als Seltenheit bei
myops mailua Sm. gelegentlich auftreten. Das weissliche
Basalfeld der Htflel ist ungefähr wie bei verbeeki gelblich
überhaucht.
Die Unterseite ist von allen verwandten Formen noch weit-
gehender differenziert. Das weisse Feld der Vdilgl erstreckt
99 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
sich horizontal über die ganze vordere Flügelhälfte und ist nicht
schräg wie bei den übrigen verwandten Rassen gestellt. Der
Distalsaum der Htflgl fehlt bei einem Exemplar und ist bei
einem zweiten nur rudimentär vorhanden. Der gelbe Anflug in
der Basalzone etwa wie bei verbeeki, doch heller. Ozellen
nicht ganz so gross wie bei verbeeki, aber ansehnlicher als
bei kirschi. Die Analzelle nur schwach schwärzlich um-
ringelt.
Patria: Yule Island 2 ZJ Coll. Fruhstorfer.
Taenaris myops errhephoria subspec. nova. dd’ oberseits
am nächsten kirschi, doch mit viel schmälerem, weissem,
halbbogenförmig angelegtem Praeapikalfeld. Letzteres ist viel
schärfer abgegrenzt als bei kirschi und errhiphoria, so
dass ein ausgedehnterer, braungrauer Apikalsaum bestehen bleibt.
Htflgl ebenso ausgedehnt fahl ockergelb überhaucht wie bei
verbeeki.
Unterseite: Das weisse Gebiet der Vdflgl vertikal und nicht
schräg verlaufend. Ringsum von dem blassbraunen Distalsaum
umgrenzt. Htfigl etwa wie bei kirschi, die Ozellen aber etwas
grösser mit ansehnlicherem, hell ockergelben Vorhof als bei
kirschi. Das Basalgebiet der Htflgl ausgedehnter, aber fahler
rotgelb überdeckt, als bei verbeeki.
Patria: Deutsch Neu-Guinea, Finschhafen.
Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914.
Von Otto Bang-Haas, Blasewitz.
1.
Bereits im Jahre 1913 rüsteten wir eine Expedition aus,
um am Nordabhange des Karakorum, in den Gebirgen südlich
der Stadt Chotan (Chinesische Tatarei), sammeln zu lassen;
leider kam diese nicht weiter als bis zur Stadt Aksu. Auf der
schwierigen Reise über die hohen, schneebedeckten Pässe des
Thianschan verloren die fünf Sammler allein fünf Pferde, von
denen vier mitsamt den Lasten abgestürzt waren.
Infolge Schwierigkeiten mit den chinesischen Behörden,
wegen der Pässe, ınussten die Sammler 55 Tage in Aksu bleiben,
so dass es in diesem Jahre nicht mehr möglich war, zur rechten
Zeit an die Sammelplätze zu gelangen, da die Reise von Aksu
über Yarkend nach Chotan ungefähr einen Monat dauert,
O0. Bang-Haas. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914. 93
Selbst das Futter für die Pferde muss mitgenommen werden,
wodurch die Reise sehr kostspielig wird.
Im nächsten Jahre (1914) gelangte die Expedition an ihr
Ziel und brachte eine grössere Ausbeute von Lepidopteren mit.
Ueber den Verlauf der Reise kann ich jedoch erst später Mit-
teilung machen, da die meisten Briefe anscheinend während des
Krieges verloren gegangen sind.
Gesammelt wurde in den Gebirgen südwestlich Chotan, in
der Richtung nach Schahiduelah, ungefähr in 4500 m Höhe,
während des ganzen Monats Juni (russ. Stils). Die genaueren
Lokalitäten sind: Kitschick-jailjack, Kedjik, Mukur, Keran,
Udjimock, von denen nur die erste auf den russischen General-
stabskarten zu finden ist.
Chotan liegt in Chinesisch-, oder Ost-Turkestan, auch
Chinesische Tatarei (Tartarei ist unrichtig) genannt, am Nord-
abhange des Karakorum. Ueber den Karakorumpass, 5580 m
hoch, führt die uralte Verbindungsstrasse von Ladak (Nord-
Indien) nach Turkestan.
Die Ausbeute ist dadurch besonders interessant, dass man
feststellen kann, welche Arten auf dem Nord- und welche auf
dem Südabhang des Karakorum fliegen, ferner, weil meines
Wissens seit mehr als 60 Jahren von niemanden als nur von
Herrn Avinoffi, vor wenigen Jahren, auf der Durchreise, dort
gesammelt wurde.
Die Zahl der gefundenen Arten ist gering, da die Sammler
wohl in der Hauptsache ihre ganze Zeit auf den Fang von
Parnassius und Colias verwandten.
Papilio machaon L., ein einziges, grosses, abgeflogenes ?,
welches von der Thianschan-Rasse wenig verschieden ist und
im Gegensatz zumachaon ladakensis lange Schwänze trägt.
Parnassius actius ornatus 0. B.-H. n. var., die grösste
und schönste aller actius-Rassen, reinweisse Grundfarbe,
grosse, tiefrote Ozellen, beide Costalflecke und der Hinterrand-
fleck der Vdfl meist rot gekernt; geringe, oft ganz fehlende Sub-
marginalflecke, meist breite, schwarze Marginalbinde der Vdll.
In seltenen Fällen befindet sich zwischen den beiden rotgekernten
Costalflecken ein dritter roter Fleck (tripieta 0. B.-H. n. ab.).
Bei wenigen Stücken sind die Htflozellen durch einen Steg ver-
bunden (ab. conjuncta), bei einem 2 ausserdem noch der
Analfleck in gleicher Weise mit der Mittelozelle. Durchschnitts-
grösse d' 60 mm, 265 mm. Die 22 beinahe in gleicher An-
zahl wie die dd.
94 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Von den übrigen nahestehenden actius-Rassen unterscheidet
sich ornatus ©. B.-H. von:
a) ambrosius Ver. (= superbus Gr.) vom Aksutal,
von denen Verity, Rhopaloc. Palaearctica Tf. XII, Fig.
5 und 6 die Typen (wohl ausgesucht schöne Exem-
plare) abbildet, haben auffällig starke Submarginalflecke
und weniger Rotzeichnung;
b) actinobolus Stgr. von Korla ist kleiner, hat schwä-
chere, schwarze Zeichnungen und kleinere, rote Ozellen.
Die beiden folgenden, noch unbeschriebenen Rassen
haben schmutzig-weisse Grundfarbe:
c) brutus 0. B.-H. n. var. aus dem Pamir (Kisiljahr u.
Beik sowie vom Mustagata westl. Yarkend), ist grösser
und schärfer gezeichnet als die typischen actius
vom Ala Tau und unterscheidet sich von ornatus
durch die schmälere Flügelform, geringe, rote Zeichnung
und schmutzig-weisse Grundfärbung;
d) flora O0. B.-H. n. var. aus dem Nord-Alai (Ispajran,
3400 m, August) hat auffällig langgestreckte Flügel-
form und starke Submarginalflecke, verdunkelte 2%
meist mit einer deutlichen Costalbinde, die oft mit der
Submarginalbinde zusammengeflossen ist.
Auf der Südseite des Karakorum wurde actius noch nicht
gefunden, dagegen ist die nachfolgende Art der häufigste Par-
nassius Nord-Indiens.
P. epaphus Obth. Der Name epaphus stammt von Ober-
thür 1891 (Type vom Altyntag, Lob-Nor). Abgebildet wurde
epaphus (von Ladak) jedoch bereits 1844 von Blanchard, ferner
1552 auf gleicher Tafel wie simo von Gray, jedoch von beiden
unter dem Namen jacquemonti Boisd., der bereits 1836
beschrieben worden war und eine von epaphus ganz ver-
schiedene Art ist.
Es ist demnach wohl eine Streitfrage, welche Lokalität für
den typischen epaphus zu gelten hat. Die typische epaphus-
Rasse vom Altyntag wurde von Stichel noch zum Ueberfluss
als altynensis beschrieben, die Kaschmir-Rasse als cache-
miriensis Obth. Letztere soll nach Verity pag. 72 die
Trockenzeitform sein, fliegt im Juli und August, ist grösser als
der typische Regenzeit-epaphus und hat eine mehr orange-
gelbe, oder gelbe Ozellenfärbung. Letzteres ist auch bei den
am Ssasser Pass (Nord-Ladak) im August gefangenen Stücken
mehrmals der Fall, die jedoch erheblich kleiner als die Typen
von cachemiriensis Obth. sind. Mit letzteren stimmt der von
O. Bang-Haas. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914. 95
Gray abgebildete grosse epaphus (mit der höchst ungenauen
Fundortbezeichnung „Thibet“) vollständig überein. In den
Sammlungen findet man mit Fundort „Ihibet“ Falter aus
Kaschmir, Sikkim, ganz West-China, Kuku-Nor usw.
Ich glaube kaum, dass eine Trennung zwischen Zeitformen
von epaphus möglich sein wird. Zwischen den epaphus-
Rassen aus Chotan, Altyntag und Kaschmir kann ich keinen
nennenswerten Unterschied feststellen, weshalb die Chotan-Rasse
wohl zu der typischen Rasse zu rechnen ist und keinen eigenen
Namen verdient.
P. epaphus ist ausserordentlich variabel und zeigt ähn-
liche Abweichungen wie discobolus und actius. Es gibt
z. B. alle Abstufungen zwischen Stücken, bei denen die Sub-
marginalfleckenreihen stark ausgeprägt sind, oder diese vollstän-
dig verschwunden sind (ab. erema), ferner bei denen beide
Costalflecke des Vdfls oft stark rot gekernt (ab. ulbenrlev)
oder total schwarz sind.
Nur ein einziges Pärchen, mit orangeroten Özellen befindet
sich in der Ausbeute; bei der Rasse vom Südabhang des Kara-
korum waren diese viel häufiger. Die Chotan-Rasse ist von
dem epaphus von Nord-Ladak (Ssasser Pass) kaum zu trennen,
während die epaphus von Süd-Ladak (Schamm) erheblich
grösser sind.
Durchschnittsgrösse ’ 45—50 mm, $ etwas grösser. Auf 4
&&. kam II 2.
P. epaphus epaphactius 0. B.-H. n. var.,? Hybride zwischen
epaphus und actius. Einige sehr interessante Stücke be-
finden sich in der Ausbeute, die anscheinend eine Kreuzung
zwischen den beiden oben genannten Arten darstellen. Diese
Stücke machen den Eindruck eines grossen epaphus (das grösste
hat eine Flügelspannung von 60 mm), haben eine viel lang-
gestrecktere Flügelform als actius ornatus, mattere Ozellen-
färbung und geringere, oft durchbrochene Marginalbestäubung.
Alle epaphus-Rassen haben meist eine Flügelspannung
von 45—50 mm, sikkimensis ist noch bedeutend kleiner,
epaphactius misst 55—60 mm.
Kreuzungen zwischen verschiedenen Parnassius-Arten sind
eine Anzahl bekannt, so z. B. von:
polo mit nomion,,. diseobolus, actıius,
vielleicht auch delius.
discobolus mit apollonius (= dux Stgr.) und
actius.
delius mit nomion.
96 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
P. simo Gray wurde bereits im Jahre 1852 aus der chine-
sischen Tatarei beschrieben. Die Typen befinden sich im
Britischen Museum und wurden sehr gut von Verity Tf. LXV
Fig. 6 u. 7 abgebildet.
Wie Fruhstorfer im Seitz, Bd. IX p. 110 erwähnt, waren
bis jetzt nur 4 Stücke von simo bekannt. Erst vor 3 Jahren
hat Herr Avinoff diese Art in wenigen Exemplaren auf der Reise
von Indien nach Turkestan gefangen und zwar südlich vom
Karakorumpass (am Ssasser Pass), dann auf der Passhöhe 5680 m
hoch, mit Parn. acco zusammen, ferner am Nordabhang bei
Schahidulla. Nach seinen Mitteilungen fliegt sim o ganz einzeln
und ist infolge seines raschen Fiuges schwer zu fangen.
Meine Exemplare stimmen mit der von Verity abgebildeten
Type Fig. 7 vollständig überein, Fig. 6 mit schwarzen Ozellen
(ab. caeca) ist jedenfalls eine individuelle Aberration, wie
dies auch bei einem meiner Stücke der gleiche Fall ist.
Die meisten Stücke haben zwei deutliche, rote Ozellen, ge-
legentlich sind auch die Costalflecke der Vdfl rot gekernt (ab.
rubropicta).
Die Ozellen sind mehrmals durch einen schwarzen Steg ver-
bunden (ab. conjuncta), die Mittelozellen sind einige Male
ohne Rotfärbung (ab. semicaeca), jedoch letzteres nur bei
den d’J’; selten ist die Farbe der Ozellen gelb (ab. flavoma-
culata), nur bei 2 f und 1 2 der Ausbeute.
Austaut beschreibt in der Int. Ent. Zeit. V, p. 360, Fig. 4,
eine simo simonides, aus Ladak, nach einem Paare, anschei-
nend aus einer alten Sammlung. Die Abbildung gleicht voll-
ständig der von v. simonius Stgr., besonders die bandförmige
Submarginalreihe der Htfl (nicht bogenförmig wie bei sim o) ist nicht
zu verkennen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Fundortan-
gabe verwechselt und der Name ist wohl deshalb am besten zu
streichen, denn seit den fünfziger Jahren sind keine echten sim o
mehr gefangen worden.”)
Die der typischen simo am nächsten fliegende Rasse ist
v. avinoffi Verity pag. 316, Tf. LIII, Fig. 11, von Hindukusch
(Beik), die sich durch grössere Ozellen und spitzere llügelform
unterscheidet.
Im Gegensatz zu allen anderen Parnassius-Arten ist der
Unterschied zwischen den Geschlechtern bei simo äusserst
schwer festzustellen, da die weiblichen Leiber genau so behaart
*) Austaut schrieb nachträglich: l’origine de mon specimen est
peut-etre fausse. .
OÖ. Bang-Haas. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914. 97
sind wie die männlichen und die Legetaschen fehlen. Nur bei
einem einzigen Weibe konnte ich eine kleine, leider nicht mehr
vollständige Legetasche finden. Es ist deshalb wohl möglich,
dass die Legetaschen in seltenen Fällen rudimentär vom Männ-
chen produziert werden, aber infolge ungenügender Befestigung
bald abfallen.
Der Unterschied der Geschlechter lässt sich noch am leich-
testen durch die Form des Hinterleibes feststellen. Beim 2 hat
der Hinterleib eine tonnige Form, und die Afterhaare verlaufen
in eine Spitze, während beim cf der Leib die Form einer nach
unten gebogenen Röhre hat und die Afterhaare eher büschel-
förmig sind. In der Flügelzeichnung ist kein irgendwie nennens-
werter Unterschied zu finden, im allgemeinen sind jedoch die
weiblichen Flügel dünner beschuppt, wie dies bei simo sub-
diaphana Ver. vom Altyntag, in beiden Geschlechtern vor-
kommt, ferner sind die 22 durchschnittlich grösser als die d'd‘.
Durchschnittsgrösse X 45 mm 2 48 mm. Auf 4
kommt 1 2. |
P. delphius abramovi 0. B.-H. n. var.*) Diese interessante
delphius-Rasse benenne ich zu Ehren unseres Sammlers
Abramow, der die Expedition nach Chotan organisierte.
Die Grundfarbe ist schmutzig weiss, die Ozellen sind meist
verdüstert, bei der Hälfte aller Falter ist die Mittelozelle ohne rote
Bestäubung (ab. semicaeca), bei wenigen Stücken sind beide
Özellen total schwarz (ab. caeca), und die schwarze Bestäu-
bung der Htfl erstreckt sich vom Innenrande bis zwischen beide
Ozellen.
P. delphius abramovi unterscheidet sich durch diese
Merkmale sofort von allen turkestaner delphius-Rassen; denn
lebhaft rote Ozellen waren bei keinem einzigen Stücke anzutreffen.
Am meisten ähnelt abramovi der von Verity p. 317 be-
schriebenen und dort abgebildeten (Tf. LXIV, Fig. 11 u. 12)
hunza race chitralica aus Chitral (Baroghil Vellez, 3600 m),
doch hat letztere viel schmälere Randbestäubung, auch ist das
Mittelfeld der Htfl viel heller. Die beiden Analflecke der Htfl
stehen bei chitralica dem Aussenrande näher und sind blau
gekernt, was bei abramovi niemals vorkommt.
P. delphius jacobsoni Avinoff, Horae Ent. Ross. XL, 1913,
Nr. 6, Tf. II, Fig. 8 u. 9 vom zentralen Pamir (Sheljuzhko erhielt
diese It. Iris 1914, p. 19 auch vom Kisiljahr), unterscheidet sich
*) Die hier beschriebenen neuen Parnassius-Formen werden, zu-
gleich mit anderen, auf Tafel IV und V abgebildet werden.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915. a:
98 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
von abramovi durch die viel grösseren Ozellen; besonders die
Mittelozelle ist viel grösser als die Vorderrandozelle, auch ist die
Pamir-Rasse weniger schwarz gezeichnet.
Durchschnittsgrösse 52—55 mm.
Auf 2 7 kommt 1 2.
Es ist merkwürdig, dass abramovi mit der auf der Süd-
seite des Karakorumpasses fliegenden delphius-Rasse steno-
semus f. mamaievi (Avinoff i. 1.) 0. B.-H. n. var., die wir von
Schamm (Süd-Ladak) erhielten, gar keine Aehnlich-
keit hat.
Letztere hat viel schmälere Binden als stenosemus, nur
2 blaue Analaugen, das dritte fehlt ganz, das vierte ist oft nur
_ ganz schwach in der Submarginalbinde angedeutet, während
stenosemus 4 bis 5 grosse blaue Analaugen auf dem Htfl
trägt. (Cotype von stenosemus ist abgebildet in Verity Tf.
XIX, Fig. 4).
Vergleichstabelle der Parnassiusarten aus Chotan.
Stammform | Pamir | Chotan | Ladak
actius Ev. |brutus O.B.-H. [ornatus O.B.-H. fehlt
epaphus Obth. fehlt epaphus Obth.[cachemiriensis
(Type Altyntag) Obth.
simo Gray avinoffi Ver. simo Gray simo Gray
(simonides Aust.
false)
delphius Ev. [jacobsoni Av.| abramovi |stenosemus Hon-
0. B.-H. rath und ma-
maievi ©. B.-H.
Colias cocandica tatarica 0. B.-H. n. var. Leider enthielt
die Ausbeute nur eine einzige Colias-Art, diese dafür jedoch
in grösserer Anzahl. C. tatarica ist so ausserordentlich variabel,
wie ich dies bis jetzt bei keiner anderen cocandica-Rasse
gesehen habe und unterscheidet sich von der typischen cocan-
dica Ersch. von Transalai (sowie den mir vorliegenden grossen
Serien von Fergana, Osch, Alexander-Gebirge, Narynsk und
Iuldus) durch die düstere, tiefgrüne Färbung der fc’ und dunk-
lere Zeichnung der 22. Bei beiden Geschlechtern ist die äussere
Hälfte der Htfl meist bis zum Mittelfleck schwarz, so dass sich
die Randfleckenreihe sehr deutlich abhebt.
Besonders auffallend bei tatarica ist jedoch die ocker-
gelbe Bestäubung des Mittelfleckes der Htfl. = f. aurantiaco-
maculata, was bei zirka !/, aller gesandten Stücke in beiden Ge-
schlechtern auftritt. Auch für die nachfolgenden bei cocan-
O. Bang-Haas. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914. 99
dica tatarica auftretenden Aberrationen benutze ich zur
Vereinfachung der Nomenclatur die von Verity pag. 274 für die
Gattung Colias vorgeschlagenen Namen.
f. brunneo-viridis, in seltenen Fällen gleichzeitig mit der
vorhergehenden Aberration auftretende Braunfärbung der Vdifl
ähnlich wie bei cocandica hybrida Gr.Gr. und wie man dies
auch bei Colias wiskotti, sagartia, eogene usw. be-
obachten kann.
Die Unterseite ist bei diesen letzten beiden Aberrationen
meist gelbgrün, anstatt hellgrün gefärbt. Nur bei einem einzi-
gen @ konnte ich eine geringe Braunfärbung der Vdfl beobachten.
f. griseo viridis, graugrüne Färbung des d.
f. viridis, lebhaft hellgrüne Färbung des S, dem typischen
cocandica am nächsten stehend.
f. immaculata, die hellen Flecke im Aussenrande der Vadfl
verschwinden bei einigen fd‘.
f. melanitica, mit Ausnahme einiger Randflecke ist der
ganze Vdfl schwarz, sehr selten bei einigen “od.
f. minor, Zwerge); der kleinste 0° misst 33 mm, selten.
Aberrationen des schwarzen Mittelfleckes des Vdfls:
f. eircumiens, anstatt eines schwarzen Punktes ein kleiner
Kreis.
f. impunctatas, ohne Fleck, selten.
f. radiata, Mittelfleck strahlförmig nach aussen verlängert,
nur 2 Stücke.
f. galba (Gr.Gr.) 2 dimorph, grünliche anstatt weisse
Grundfärbung, diese in beinahe gleicher Anzahl wie die weissen
2P, während bei der typischen cocandica die grünen 2%
sehr selten sind.
Verhältnis aller gefangenen ZZ’ zu allen 22 3:1. Durch-
schnittsgrösse 40 mm.
Baltia butleri Moore. Die Chotan-Stücke stimmen mit den
mir vorliegenden butleri vom Südabhang des Karakorum
(Ssasser Pass) sowie aus Poo (Bashar state) vollständig überein.
Die Zeichnung ist sehr konstant, nur bei einigen Ladak-Weibchen
ist die Submarginalbinde der Vdfl verkürzt, während diese ge-
wöhnlich, bei den Chotan-Weibchen immer, den Hinterrand berührt.
Die von Rückbeil gesammelten butleri vom Kuku-nor,
mir liegen nur J'd’ vor, zeigen auf der Oberseite keine Unter-
schiede vom typischen butleri (gehören also nicht zur v. po-
tanini Alph. vom Nan-chan), die Grundfärbung der Unterseite
der Htfl ist jedoch lebhafter rötlich, nicht grau gefärbt,
100 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Pieris deota Nicev. (= roborowskii Alph.) nur 2 d’d’ u.
1 2 erhalten, die grössere (98 mm) und dunkler gezeichnet sind
als die Pamirstücke (Kisiljahr, 50—54 mm) und wohl zwischen
diesen und den grossen, typischen deota aus Ladak stehen.
Argynnis hegemone chotana 0. B.-H. n. var. unterscheidet
sich von den Originalen von hegemone Stgr. aus dem Ala Tan
in Coll. Stgr. durch folgendes:
Die Grundfarbe aller Flügel ist feuriger, tiefer rot, alle
schwärzen Flecken sind reduziert, der Saum aller Flügel ist bis
zur Zackenreihe schwarz ausgefüllt, was bei erubescens Stgr.
aus Korla niemals vorkommt. Die schwarze Zeichnung der Htfl,
welche besonders bei dem 2 hervortritt, erstreckt sich von der
Basis längs des Innenrandes fast bis zum Afterwinkel. Die
Unterseite ist nicht verschieden. In der Ausbeute befand sich
ein schöner, aberrativer d‘, bei dem die Flecken der Vdfl, mit
Ausnahme der Fleckenreihe am Saume und des Discoidalfleckes,
vollständig verschwunden und die Zeichnungen der Htflunterseiten
zusammengeflossen waren, analog der ab.thalia Hb. vonselene.
Grösse 34—37 mm. Au 202128.
Satyrus (Aulocera) palaearcticus Stgr. nur 4 JS und 18,
meist abgeflogen, dunkler und kleiner als die mit Issykkul mer.
occ. 88. ges. Rückbeil bezettelten Originale. Eine genauere Angabe,
woher alle die 88 von Rückbeil gesammelten Arten stammen,
habe ich leider nicht erhalten können. Ich halte Issykkul mer.
or. für viele dort gefundene Arten wahrscheinlicher. Wir er-
hielten gleiche Stücke wie die 3 Originale von Mustagata
(Yarkend) und Kaschgar. Da mir keine nanchanica Gr.
Gr. (An. M. Z. St. Petersbg. 1902) vom Nanchan vorliegen und
bei der geringen Menge der Ghotan-Falter, lässt es sich nicht
feststellen, ob diese zur Aufstellung einer neuen Rasse berech-
tigen. Grösse d 38—40 mm, $ 43 mm.
Lycaena pheretiades dschagataicus n. var. B.-H. Leider
nur einen einzigen 0’ erhalten, welcher der pheretulus Stgr.
(Typen von Osch) am nächsten steht. Die Färbung der Ober-
seite ist metallisch grünlich, nicht so bläulich wie bei pheretu-
lus mit breitem, schwarzen Rande, die Unterseiten aller Flügel
dunkelgrau mit deutlich entwickelter und gekernter Augenreihe
auch auf dem Htfln, nicht weiss mit verschwindenden Augen wie
pheretulus. Grösse 23 mm.
Lycaena pheretes lehanus Moore. Einige, meist abgeflogene
Stücke erhalten, die mit den von Kaschgar, Yarkend und Schamm
(Ladak) übereinstimmen, die 22 meist, mit etwas bläulicher Be-
stäubung der Flügelbasis.
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 101
Neue afrikanische Heteroceren des Berliner
Zoologischen Museums.
Von M. Gaede, Charlottenburg.
(Mit einer Figur im Texte und mit Tafel II.)
I.
Neue und wenig bekannte Cucullianae.
Herrich-Schaeffer hat in seinen Aussereuropäischen Schmet-
terlingen, Regensburg 1850 —58, auf Seite 68 eine recht auffäl-
lige Noctuide vom Cap als Mythimna (?) trinota benannt
und in Figur 26 sehr deutlich abgebildet. Dieselbe Noctuide
wurde von Hampson zuerst 1905 in den Annals of the South
African Museum III Seite 426 als Heiiophobus leucogonia
beschrieben, dann 1906 im Catalog des Brit. Mus. Band VI,
Seite 136 als Leucochlaena leucogonia auch abgebildet.
Dabei war ihm die ältere Abbildung von Herrich-Schaefter kei-
neswegs unbekannt, denn in seiner ersten Bearbeitung der süd-
afrikanischen Noctuiden, in den Annals of the S.-Afr. Mus. Band
II, S. 294 wird die Herrich-Schaeffer’sche Figur unter der Wal-
ker’schen Bezeichnung Gortyna trinota H. S. als eine ihm
unbekannt gebliebene Art der Gattung Charidea Guen. unter
den Caradrininen von ihm aufgeführt. So versteht man, wie diese
irrtümliche Unterbringung der Mythimna (?) trinota H. S.
bei der späteren Bearbeitung der Cucullianae (früher Polia-
nae), zu welchen er seine Leucochlaena leucogonia stellt,
für ihn ein natürliches Hindernis werden musste bei der richtigen
Identifizierung. Unverständlich bleibt freilich wie der Name
Gortyna trinota H. S. in Hampson’s späterer dreibändiger
monographischer Bearbeitung der Acronyctinae früher (Cara-
drininae) einfach ganz verschwinden konnte.
Leucochlaena leucogonia Hmps. 1906 (Helio-
phobus leucogonia Hmps. 1905) muss also als synonym
zu Leucochlaena trinota H. S. eingezogen werden.
Ich gehe nun über zur Beschreibung einiger neuer Uloch-
laena Arten. Die Tiere passen zwar nicht ganz in das System
Hampson’s in Band VI des Cat. Brit. Mus., aber immerhin doch
am besten zu Ulochlaena.
Ulochlaena sagittata nov. spec. Taf. II Fig. 1 f. Nach dem
Flügelschnitt, den Rippen, dem stark eingebogenen Vorderrande
usw., sicher hierher gehörig. In der Zeichnung noch am ähn-
102 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
lichsten der fumea Hmps., doch hat das d lang gekämmte
Fühler wie U. hirta Hübn. Palpen, Kopf und Thorax grau-
braun, Leib gelbbraun. Vorderflügel graubraun wie der Thorax,
mit einer ante- und eine postmedianen Linie, ähnlich gezackt
wie bei manchen Cleophana Arten. Die innere Linie springt
auf der Medianrippe stark vor, geht dann scharf nach innen
und hat auf R, noch einen kleinen Vorsprung. Die äussere
Linie beginnt dicht am Apex, springt bei R, etwas nach innen
vor, hat auch auf den anderen Rippen kleine Zacken und auf
R, einen tiefen Vorsprung nach innen, dem etwas weniger tiefe
in der submedianen Falte und auf R, folgen. Der Aussenrand
ist leicht gewellt, mit dunkler Grenzlinie; Fransen wie der Flügel
gefärbt, doch am Apex dunkler und heller gescheckt. Htfl braun,
nach der Wurzel zu etwas heller; Fransen graubraun. Unten
vorn und hinten graubraun ohne Zeichnung.
Das 2 mit fadenförmigen Fühlern und normalen Flügeln
ist in der Färbung dem gleich, doch sind die beiden Linien,
insbesondere die äussere, weniger stark gezackt. Aber das ist
vielleicht nicht immer so.
Type: 1 5 Prinzenbucht, Deutsch S. W. Afrika, 11. X. 11,
ausserdem 1 $ Prinzenbucht, 15. X. 11 und 1 2 Bogenfels
3. X. 11. Sammler Dr. Schäfer. Spannweite 29 mm.
Ulochlaena schaeferi nov. spec. Taf. II Fig. 2. Kopf und
Thorax graubraun, Leib gelblich weiss, Fühler bräunlich, beim
kräftig gekämmt, beim % fadenförmig. Vdfl an der Costa weni-
ger stark eingebogen als bei der vorhergehenden Art; Wurzel-
feld grau. Die innere Grenze des dunkleren graubraunen Mittel-
feldes von !/; der Costa schräg nach aussen, mit Vorsprüngen
nach aussen auf der Subkostale, unter der Mediane und unter
R,. Die äussere Grenze bei 3/, der Costa beginnend, ziemlich
parallel dem Aussenrande, unregelmässig gezackt und in Feld
5 leicht nach innen geeckt. In der Mittelbinde ein entfernt
H-förmiger weisser Fleck, teilweise dunkel gerandet. Aussen-
feld grau, mit stark gezackter bräunlicher Submarginale, die auf
R, stark nach innen vorspringt und nur aussen scharf begrenzt
ist. Feine schwarze Randpunkte; Fransen bräunlich, auf den
Rippen weiss. Hinten Rand bräunlich, Wurzel und Mittelfeld
weisslich, Fransen weiss. Unten einfarbig gelblich weiss, vorn
die äussere Grenze der Mittelbinde schwach erkennbar.
Type: 1 £ Prinzenbucht 18. III. 12, ausserdem 1 2 von
dort, II. 12, Sammler Dr. Schäfer. Spannweite 28 mm.
Ulochlaena reducta nov. spec. Taf. II Fig. 3. Sehr ähn-
lich der vorhergehenden Art. Kopf und Thorax graubraun,
M.@aede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 103
Leib etwas bräunlicher, Fühler beim / kräftig gekämmt. Vafl
im Wurzelfeld bräunlich, unter der Mediane etwas mehr nach
aussen vortretend. Innenfeld reiner braun; die äussere Grenze
des Innenfeldes beginnt am Vorderrand mit einem nach aussen
offenen Bogen bis zu R,, dann geht sie parallel dem Aussen-
rande zackig zum Innenrand. Von dem H-förmigen Fleck der
vorigen Art sind nur die 2 oberen Punkte erhalten. Die Ante-
marginale besteht aus einigen isolierten braunen Flecken, von
denen der in Feld 5 am grössten ist. Schwache dunkle Rand-
punkte in der Mitte des Aussenrandes. Fransen braun, mit
weissen Rippen. Hinten ist der Rand etwas breiter dunkel,
als bei der vorhergehenden Art, das Wurzelfeld gelblicher,
Randlinie braun, unterbrochen; Fransen weiss. Unten vorn und
hinten im Innenfeld gelblich weiss, aussen hell bräunlich.
Type: 1 f Bogenfels 13. X. 11, Sammler Dr. Schäfer,
Spannweite 29 mm.
Ulochlaena ferruginea nov. spec. Taf. II Fig. 4. Kopf,
Thorax und Leib graubraun. Fühler, soweit erhalten, mit mässig
langen Kammzähnen. Vdfl graubraun; ein dunkler, kurzer
Wurzelstrahl und die antemediane Binde am Vorderrand sehr
undeutlich. Die postmediane Linie beginnt etwas unter dem
Vorderrande, geht bis R, schräg nach aussen, dann schräg ein-
wärts zum Innenrand. In Feld 3, dicht innerhalb dieser Linie
steht ein kleiner gelblich weisser Fleck, darunter in Feld 2 ein
etwas grösserer. Aussenrand in der Mitte mit etwas gelblichem
Schein; unter dem Apex ein schräger dunkler Strich; schwarze
Randpunkte zwischen den Rippen. Fransen wie der Flügel ge-
färbt, auf den Rippen weiss. Htfl am Rande graubraun, Mittel-
und Wurzelfeld heller; auf der Querrippe ein schwarzbrauner
Mondfleck. Am hinteren Teil des Aussenrandes einige dunkle
Randpunkte. Fransen gelblich weiss. Unten einfarbig blass
gelbgrau; vorn und hinten ein Mondfleck auf der Querrippe, der
hintere etwas stärker.
Type: 1 Z Prinzenbucht, März 1912, Sammler Dr. Schaefer.
Spannweite 26 mm.
Von der Gattung Ectochela führt Hampson in Band VI
des Cat. Brit. Mus. nur die Art E. canina Fldr. an. Mir lie-
gen aus Deutsch S. W. Afrika mehrere Arten vor, die unzwei-
felhaft auch zu Ectochela Hmps. gehören und deren Be-
schreibung ich nirgends finden kann.
Ectochela nigrilineata nov. spec. Taf. II Fig. 6. Palpen,
Kopf, Thorax und Leib wie bei canina Fldr., Fühler braun mit
weisser Wurzel. Vdfl auf der Medianrippe ein kräftiger schwar-
104 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
zer Strich, der sich noch etwas auf R, und R, fortsetzt. Das
ganze Innenfeld weiss bis gelblich weiss variierend; bei der Type
nur unter der Medianrippe schwach gelblich; bei 1 cd’ und 1%
ausgedehnter gelblich, bei 1 9’ bräunlich grau, doch über der
Mediane bei allen Stücken weisslich. Bei den dunkleren Stük-
ken ist die Wurzel von Feld 2 und 3 weisslich, aber dort kein
scharf begrenzter Fleck. Vom Apex zieht eine schräge, schatten-
hafte bräunliche Binde zu ®/, des Innenrandes, die bei der Type
nur bis R, einigermassen deutlich ist. Randlinie hell, Rand-
punkte fehlen, Rippen am Rande kaum etwas kräftiger dunkel.
Fransen graubraun, die weissen Einschnitte etwas breiter als bei
den anderen Arten. Hinten an der Wurzel weiss, Aussenrand
wechselnd breit braun, Randpunkte nur angedeutet, Fransen
weiss. Bei dem ® das Wurzelfeld etwas gelblich. Unten vorn
und hinten Wurzel- und Innenfeld weiss, mit feinen schwarzen
Diskalpunkten; vorn eine braune Subterminalbinde; hinten bis
an den Rand braun, mit feinen schwarzen Randpunkten.
Type: 1 £ Prinzenbucht, 11. X. 11, Sammler Dr. Schäfer.
Spannweite 33 mm. Ausserdem noch 1 d’ von Prinzenbucht,
1 2 von Churutabis, 1 2 von Bogenfels.
Ectochela albilunata nov. spec. Taf. II Fig. 7. Ebenfalls
canina Fld. ähnlich. Kopf, Thorax und Leib wie bei dieser
gefärbt; Fühler braun, an der Wurzel kürzer weiss als bei
canina. Vdfl am Vorderrand über der Medianrippe und über
R, grauweiss, die Medianrippe selbst fein schwarz. Unter der
Mediane, dann zum Apex hin und am Aussenrand graubraun.
Weissgraue Randflecke am Innenwinkel, in Feld 4 und 5. R,
und der Raum darunter weisslich, am Innenrand eine feine
braune Linie angedeutet. Rippen eher heller als die Umgebung,
nicht wie bei canina dunkler. Eine antemediane Binde, aus
Punkten bestehend, erkennbar; rechts und links der Querrippe
2 undeutliche braune Winkelflecke; an der Wurzel von Feld 2
ein grösserer, von Feld 3 ein kleinerer weisser Mondfleck; um
diesen eine Reihe postmedianer Punkte, Randpunkte zwischen
den Rippen fein schwarz. Fransen braun, auf den Rippen weiss.
Hinten Aussenfeld bräunlich, innen weisslich, feine schwarze
Randpunkte, Fransen weiss. Unten vorn und hinten an der
Wurzel weisslich, aussen bräunlich, ohne Diskalpunkte, Rand-
punkte sehr schwach.
Type: 1 S Bogenfels 15. III. 12, Sammler Dr. Schäfer,
Spannweite 35 mm, ausserdem 1 d° Prinzenbucht 18. III. 13.
Ectochela roseitincta nov. spec. Taf. II Fig. 8. Aussen-
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 105
seite der Palpen, Kopf und Fühler braun, Thorax grau und
braun gemischt, Leib hell graubraun. Vdfl über der Median-
rippe und ?/; von R, weiss, zum Vorderrand hin gelblich weiss
werdend. Unter der Mediane ein schwarzbrauner Streifen, der
nach unten ziemlich scharf begrenzt ist. Auf der Querrippe
ein 8-förmiger weisser Fleck, der innen von 2 kleinen, aussen
von einem grösseren schwarzbraunen Fleck berührt wird. An
der Wurzel von Feld 2, 3, 4 schwarze Flecke, von denen die
2 ersten von rötlichem Schein umgeben sind. Von dort zieht
ein verwaschener brauner Schatten zum Apex. Dicht am
Innenrand eine dunkelbraune Linie, sonst ist der Raum bis
zur Mediane und die obere Hälfte des Aussenrandes gelblich
weiss. Rippen fein braun, am Rande mit kleinen Dreiecken.
Fransen braun, mit heller Grundlinie. Htfl weiss, nur am Rande
hellbräunlich, mit schwarzen Randpunkten zwischen den Rippen.
Fransen weiss. Unten vorn am Vorderrand, Apex und Aussen-
rand schwach bräunlich, sonst fast weiss. Hinten weiss, nur
am Vorderrand schmal bräunlich. Vorn und hinten dunkle
Randpunkte zwischen den Rippen. Bei einem alten 2 ist vorn
oben die Gesamtfärbung mehr bräunlich, die Rippen länger
und kräftiger dunkel. Hinten ist der Rand breiter dunkel, die
Wurzel etwa so dunkel wie beim Jd’ der Rand. Unten ent-
sprechend ebenfalls dunkler.
Type: 1 0” Churutabis, 1912, Sammler Lorch, Spannweite
38 mm, ausserdem 1 $, Süd-Afrika.
Ectochela flavilunata nov. spec. Taf. II Fig. 9. Palpen,
Kopf und Thorax hell, bläulich grau, Leib graubraun. Auf
dem Vdfl ist die Medianrippe selbst und 2/; von R, weiss, der
Raum darüber grauweiss, nach dem Vorderrand hin dunkler
und bräunlicher Auf der Querrippe ein undeutlicher weisser
Mond, darunter in Feld 3 an der Wurzel ein kleiner und in
Feld 2 ein grösserer gelber Mondfleck. Unter der Medianrippe
und unter R, bis 2/; ihrer Länge ein schwarzbrauner Streifen,
der sich zum Apex hin verschmälert. Innenrand und obere
Hälfte des Aussenrandes blaugrau, untere Hälfte bräunlich. Rip-
pen schwarz, am Aussenrande etwas verbreitert. Eine post-
mediane Punktreihe angedeutet. Fransen bräunlich, zwischen
den Rippen schmal weiss. llinten braun, an der Wurzel heller,
zwischen den Rippen kleine schwarze Randpunkte. Fransen
weiss. Unten vorn braun, an der Wurzel etwas heller, Aussen-
rand und Fransen hellgrau, schwarze Randpunkte zwischen den
Rippen vorn und hinten. Hinten Rand braun, Innenrand und
Mitte weiss, Apex hellgrau.
106 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915,
Type: 1 2 Rehoboth 1892, Sammlung Staudinger. Spann-
weite 39 mm.
Ectochela aberrans nov. spec. In der Zeichnung von den
anderen Arten ganz abweichend, aber anscheinend doch hierher
gehörig. Palpen, Kopf und Thorax grau und braun gemischt,
Leib heller graubraun. Vdfl gleichmässig graubraun wie der
Thorax. Auf der Querrippe ein gelblich weisser Strich, innen
dicht daran ein liegender flacher Ring schwarz, aussen ein gelb-
lich weisser Fleck, in Feld 2 ein etwas grösserer gleicher Fleck.
Eine schwarzbraune gezackte postmediane Binde, die auf R, und
R , etwas mehr vorspringt als auf den anderen Rippen. Dann
- folgt eine verwaschene submarginale dunkle Binde. An den
Rippenenden schwarze Randpunkte. Fransen dunkel, mit heller
Grundlinie.e. Hinten an der Wurzel gelblich weiss, am Rande
bräunlich. Fransen weiss. Unten vorn und hinten gelblichweiss,
schwarzbraun bestäubt, besonders vorn am Apex und im Diskus
bräunlich.
habe ich folgendes System angewandt:
A. Ein schmaler Wurzelstrahl auf der Mediane, der auch manch-
mal fehlen kann:
a) Ohne Mondfleck auf der Querrippe:
1. Auch ohne sonstige Mondflecke . 1. nigrilineata.
2. Mit 2 weissen Monden . . .. 2. albilunata.
b) Mit Mondfleck auf der Querrippe . . 3. canina Fldr.
B. Mit breitem Wurzelstrabl:
c) Auf der Querrippe ein weisser Dop-
pelllecks ef. a ee
d) Mit 2 gelben Monden SE
C. Vorderflügel gleichmässig verdunkelt .
‚4. roseitincta.
.5. flavilunata.
.6. aberrans.
II.
Neue Acronycetinae.
Euplexia nyassana nov. spec. Aehnlich saldanha Fldr.
und augens Fldr. Kopf und Thorax braun, Fühler dunkel-
braun, Tarsen gelblich weiss geringt, Leib braun, der schwarze
Schopf an der Spitze weisslich. Auf den Vdfl entspricht die
subbasale und antemediane Linie in der Form mehr der Ab-
bildung von augens bei Felder, da die letztere am Innenrand
mehr nach innen gebogen ist als bei saldanha; Mittelfeld tief
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 107
dunkelbraun wie saldanha; Zapfenmakel auf dem dunkeln
Untergrund nicht erkennbar; Ringmakel nahezu kreisrund, etwas
heller als die Umgebung, mit feinem hellen Rand und um diesen
herum dunkel gerandet, ausser nach oben, ohne Ausläufer nach
unten oder Verbindung mit einem Fleck unter der Zelle. Nieren-
makel braun ausgefüllt und weiss gerandet; dicht an ihrer Innen-
seite ein fast grader weisser Strich auf der Querrippe; augens
hat auch einen weissen Strich, der aber befindet sich auf der
Medianrippe. Die postmediane Linie doppelt, dunkelbrauu, da-
zwischen heller braun, ähnlich geformt wie bei saldanha. Vorder-
rand ausserhalb davon hellockerbraun ohne weisse Punkte; Rand
vom Apex bis Rippe 3 bogenförmig braun; dunkle Flecke zwi-
schen dem Innenwinkel und der postmedianen Linie nahe am
Innenrand; Fransen vorn und hinten schlecht erhalten. Hinter-
flügel wie bei saldanha, doch reicht die weisse Begrenzung
der postmedianen und subterminalen Binde nur bis Rippe 4.
Unten wie saldanha.
Type: 1 2 Langenburg am Nyassa-See 18.—22. X. 99,
Sammler Fülleborn. Spannweite 33 mm.
Euplexia melanocycla Hmps. var. depravata nov. var. Vdil
hellbraun, Subbasallinie angedeutet, Antemedianlinie auch nur
undeutlich, Zapfenmakel klein, schwarz; Ringmakel blauschwarz,
mit weissem Fleck im oberen Teil und mit einem Fleck unter
der Zelle verbunden; der untere Teil der Aussenseite der Ring-
makel fällt früher und steiler ab als bei melanocycla, so
dass der Abstand bis zur Nierenmakel grösser wird. Diese ist
schmäler, da ihr Aussenrand weiter einwärts liegt und grader
ist. Mittellinie nicht kenntlich, postmediane Linie schwach
kenntlich. Subterminalbinde hell, zackig; der Raum ausserhalb
davon dunkelbraun. Hinten ist der Aussenrand nicht so breit
braun wie bei melanocycla, zwischen Rippe 1—3 am dun-
kelsten, aber kein Punkt an Rippe 2 erkennbar. Unten heller
als melanocycla.
Type: 1 2 Iringa, S. Uhehe, März 99, Sammler Götze.
Spannweite 29 mm.
Perigea bicyclata nov. spec. Durch die ringförmige Zapfen-
makel und die postmediane Linie ähnlich der quadrimacula
Mab. Kopf und Leib braun, Thorax graubraun, Palpen an der
Seite mit schwarzer Linie; Tegulae braun, über der Mitte und
am Rande eine dunkelbraune Linie; Tibien und Tarsen dunkel-
braun, gelblich geringelt. Vdfl graubraun, Subbasallinie doppelt,
fast grade, innen braun, aussen schwarz; ein kurzer schwarzer
Strich in der Submedianfalte von der Antemedianlinie nach
108 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
aussen (nicht von der Subbasallinie wie bei quadrimacula),
Ringmakel und die gleichgeformte Zapfenmakel gross, graubraun,
schwarzgerandet innen mit nierenförmigem Kern, berühren sich.
Nierenmakel sehr gross graubraun, schwarz umzogen, ausser oben,
und mit schmalem nierenförmigem Kern. Postmediane Linie
doppelt, innen schwarz, aussen braun, nur vorn leicht gezackt,
am Vorderrand nach aussen gebogen, in Feld 2 leichte Biegung
nach innen, dann wieder auswärts zum Innenrand. Das Mittel-
feld zwischen Ringmakel, Nierenmakel und dem Vorderrand
violettbraun, zuweilen auch so längs der Antemedianlinie. In
der Mitte des Aussenfeldes eine helle zackige Subterminallinie,
die innen auf die ganze Länge, aussen nur am Apex violett-
braun gerandet ist Am Rande eine Linie von schwarzen Mond-
flecken. Fransen braun, in der Mitte mit einer schwarzen Wel-
lenlinie. Htfl schwarzbraun, an der Wurzel heller, Mondfleck
und Medianlinie angedeutet. Fransen gelblich, an der Wurzel
dunkler. Unten vorn braun, am Aussenrand dunkler, Innenrand
hell; hinten wie oben, Mondfleck und Mittelbinde besser erkennbar.
Type: 1 0 Natal aus der Sammlung Staudinger, Spann-
weite 29 mm, ausserdem noch 6 Stück von dort.
Perigea camerunica nov. spec. Sehr ähnlich der P. ethi-
opica Hmps. und vielleicht nur eine Form von dieser. Kopf
und Thorax braun, Palpen aussen schwarz, Tegulae oben
schwarz, Tarsen schwarz mit gelbbraunen Ringen. Leib oben
dunkler braun, unten heller, aber nicht weisslich; der Schopf
auf dem ersten Hinterleibsring mit dunkler, aber nicht schwarzer
Spitze. Vdfl an der Wurzel und am Innenrand bis etwa zur
Mitte gelb mit grünlichem Schein; der Raum darüber bis zum
Vorderrande, nach aussen bis zur Nierenmakel und unter dieser
dunkelbraun. Eine gezackte, antemediane Linie schwach er-
kennbar, die Zapfenmakel fehlt; die lange schmale Nierenmakel
grünlich braun, nach dem Vorderrand hin ausgelaufen und auch
hinten offen; ihre innere Begrenzung schwach bräunlich, die
äussere schmal weiss und dunkelbraun; letztere geht, etwas
heller werdend, wellig bis zum Innenrand. Vom Apex her ein
gleicher gelbweisser Fleck wie bei ethiopica und unter diesem
ein dunkelbrauner Strich, der sich etwas heller und breiter
zum Innenrand fortsetzt; in dem gelbbraunen Randfeld eine
dunklere Submarginalbinde; grosse, dreieckige, schwarze Rand-
punkte; Fransen braun mit heller Grundlinie. Unten graubraun,
vorn am Apex ein scharf begrenzter gelbweisser Fleck (bei
ethiopica nicht erwähnt); vorn und hinten am Aussenrande
schmal gelblich; vorn die Randpunkte nicht so gross wie oben.
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 109
Type: 1 2 Manenguba-Gebirge, 700 m hoch, Kamerun,
vn. 1910, Sammler Schäfer. Spannweite 23 mm. Durch die
grössere Ringmakel und fehlende Zapfenmakel von ethiopica
zu trennen.
Chytonix brunnea nov. spec. Etwas ähnlich der Ch. me-
lanochlora Hmps. Palpen aussen, Kopf und Thorax dunkel-
braun, Leib etwas heller, Tarsen braun mit hellen Ringen.
Vafl bis zur Mitte braun mit undeutlicher, doppelter, zackiger,
antemedianer Binde; Nierenmakel von der Grundfarbe, mit 2
dunkleren Ringen umgeben; in grossem Bogen um diese eine
doppelte, dunkle, gleichmässig gezackte, postmediane Linie, die
von dem unteren Rand der Nierenmakel bis zum Innenrand
von tief dunklem Schatten begrenzt wird, der einwärts bis etwa
zur Flügelmitte reicht. Im Aussenfeld eine helle, in Flügelmitte
stärker gezackte, Submarginallinie, die am Vorderrand breit
schwarz einwärts begrenzt wird und zwar soweit, bis bei der
postmedianen Linie der dunkle Schatten anfängt. Am Rande
dunkelbraune Dreieckflecke; Fransen gleichmässig dunkelbraun
mit heller Grundlinie.e Hinten einfarbig braun mit dunklem
Mondfleck, Randlinie dunkel, Fransen wie Flügel gefärbt, mit
heller Grundlinie. Unten vorn braun mit dunkler, gebogener,
postmedianer Linie, die am Vorderrand aussen gelb begrenzt
ist, an dem äusseren Teil des Vorderrandes einige helle Flecke;
hinten hellbraun, dunkelbraun gesprenkelt, Mondfleck schärfer
als oben, eine postmediane, dunkle Linie.
Type: 1 5 Natal 1896, aus der Staudinger-Sammlung.
Spannweite 27 mm.
Craniophora paragrapha Fldr. var. inversa nov. var. Kopf
und Thorax weiss und braun gemischt, zweites Glied der Palpen
mit breitschwarzer Wurzel, drittes Glied und die Fühlerwurzel
weiss, Tegulae mit brauner Mittellinie, Tibien und Tarsen
schwarz und weiss geringt, Leib braun, Unterseite weisslich.
Vdfl weisslich mit braun gemischt; ein brauner Strich in der
Subbasalfalte bis zur Antemedianlinie; in der Mitte über diesem
ein weisser Halbmond und ein weisser Strich; am Vorderrand
3 dunkle Flecke. Antemedianlinie doppelt, innen weiss, zackig,
am Vorderrand mit einem dunkeln Fleck beginnend. Ring-
makel schwarz umzogen, weiss ausgefüllt, mit braunem Kern.
Nierenmakel schwarz umzogen, braun ausgefüllt. Zwischen
beiden Makeln vom Vorderrand her 3 schwarzbraune Striche,
die keilförmig bis an den unteren Zellrand vordringen und die
Ringmakel berühren. Unter der Nierenmakel bis Rippe 1 ein
schwarzbrauner Fleck; innen, aussen und über der Nierenmakel
110 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
schmal bräunlich. Der innere Teil des Mittelfeldes vom Vorder-
rand bis zum Innenrand längs der Antemedianlinie grauweiss.
Die hellen und dunkeln Stellen des Mittelfeldes sind also grade
entgegengesetzt gefärbt wie bei paragrapha. Postmediane Linie
doppelt, schwarz, innen weiss ausgefüllt, geteilt durch einen
schwarzen Strich in der Submedianfalte, der aber schon unter
der Nierenmakel endet. Ueber diesem am Innenrand der post-
medianen Binde ein scharfer weisser Fleck. Submarginallinie
am Innenrand reiner weiss, am Vorderrand grau übergossen.
Randlinie weiss, schwarz durchschnitten, Fransen braun und
weiss. Unten heller als paragrapha, postmediane Linie vorn
_ und hinten deutlicher, der Anfang einer Mittellinie vorn und
hinten am Vorderrande, ausserdem vorn der Anfang der Ante-
medianlinie deutlich.
Type: 1 % Mtai, Deutsch O.-Afrika, ohne Datum, Sammler
Meinhof.
Cetola costata nov. spec. Aehnlich C. radiata Hmps.
Fühler des f ungekämmt, Palpen und Kopf schwarz braun,
Tegulae graubraun mit dunkler Mittel- und Randlinie, Thorax
holzgelb, Leib braun. Vdfl am Vorderrand und in der Zelle
bis nahe zum Apex violettbraun, der übrige Teil braun. In
der Zellwurzel ein ähnlicher Fleck wie bei radiata; Ringmakel
rötlichbraun umzogen, gelblich ausgefüllt, mit dunklerem Kern,
Nierenmakel gelblich weiss, ohne Rand, oben braun ausgefüllt;
mit 2 violettbraunen Verlängerungen in die Zelle hinein, die
innen rötlichbraun gerandet sind, ausserdem eine weisse Ver-
längerung über und unter Rippe 3; ein rotbrauner Strahl auf
der Mittelrippe und auf Rippe 4; im Aussenfelde ist der Raum
über Rippe 4 etwas heller ockerbraun als der innere Teil; am
Innenrand von etwas vor der Mitte bis zum Aussenrand eine
rötlichbraune Linie; Fransen hell und dunkelbraun gescheckt,
bei Rippe 4 am dunkelsten. Hinten gelblichweiss, am Vorder-
rand und am Innenwinkel bräunlich, Fransen gelblichweiss.
Bei dem ® ist der Rand breit braun gerandet, die Fransen
auch braun. Unterseite gelblichweiss, vorn am Vorderrande,
auf der Querrippe und um Rippe 4 braun; hinten nur am
Vorderrande braun, auf dem vorderen Teil der Querrippe ein
kräftiger dunkler Fleck, der nach oben durchschimmert. Bei
dem 2 auch am Aussenrande verdunkelt, eine dunkle Mittel-
binde mehr oder weniger deutlich.
Type: 1 Z Iringa, Deutsch O.-Afrika, März 99, Sammler
Götze, mehrere 2% aus Iringa und Transvaal. Spannweite
27—33 mm. ;
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 111
Omphaletis ethiopica Hmps. var. Von dieser Art liegen mir
einige am Kilimandjaro 3000 m hoch gefangene Stücke vor, bei
denen die Palpen nicht weiss mit schwarzer Spitze, sondern
aussen ganz schwarz sind; ausserdem sind die Vorder- und Mit-
telschienen schwarz mit hellen schmalen Ringen und die Flügel-
färbung ist dunkler als typisch. Indessen sind die Abweichun-
gen zu gering um einen Namen zu rechtfertigen. Eine, im Ge-
gensatz zu dieser, sehr helle Form hat Herr Dr. Grünberg in
der Entomologischen Rundschau 1913 als erffai beschrieben.
Ethioterpia janenschi Taf. II Fig. 5. Die Flügelform der
vorliegenden Art stimmt gut zu Gattung Lophotarsia, die
Kopfform und das Geäder aber passen zu Ethioterpia Hmps.
und daher beschreibe ich die Art hierunter, ohne eine neue Gat-
tung zu schaffen.
Kopf und Thorax gelblich weiss, Palpen erstes und drittes
Glied weisslich, das zweite und die Fühler schwarzbraun. Leib
oben bräunlich, dessen Ende und Unterseite weisslich. Vadfl
gelblich weiss; ein schwarzer Fleck nahe der Wurzel am Vor-
derrande und ein zweiter dicht darunter; die schwärzliche ante-
mediane Linie mit einer Zacke einwärts auf der Mitte. Mittel-
feld schwarzbraun; die innere Grenze parallel der Antemedian-
linie, die äussere etwa von 5/; des Vorderrandes schräg einwärts
bis Rippe 6, dort ein spitzer Winkel, dann bei Rippe 4 nach
aussen gewölbt und weiter parallel zum Aussenrande, auf Rippe
1 noch ein kleiner Vorsprung nach aussen. In diesem Mittel-
feld ein weisser Doppelfleck, den Vorderrand berührend, innen
etwas dunkler. Das Aussenfeld ist hell graugelb; in der Mitte,
am Rande des Mittelfeldes, ein weisser Fleck in einem schmä-
leren und einem breiteren Zahn nach aussen vorspringend und
schwarz begrenzt. Rand mit schwarzen Punkten, Fransen so-
weit erhalten grau. Hinten hyalin weiss, am Vorderrand bis
Rippe 7 bräunlich, ein schwacher dunkler Mondfleck auf der
Querrippe; Rand schmal dunkel, nicht ganz bis zum Innen-
winkel; Fransen weiss. Bei dem 2 ist eine schwache post-
mediane Linie parallel dem Aussenrande erkennbar. Unten vorn
gelblich weiss, das dunkle Mittelfeld durchschimmernd; hinten
Vorderrand an der Wurzel dunkler, der Mondfleck deutlicher und
ein grösserer Fleck schräg auswärts davon am Vorderrande. Bei
dem 2 beginnt die postmediane Linie an diesem Fleck. Rand
wie oben dunkel.
Type: 1 5 Mikesse, Bezirk Morogoro, Deutsch Ost-Afrika,
Sammler W. Janensch. Spannweite 32 mm. Ausserdem noch
112 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
1 2 von dort, Spannweite 30 mm. Benannt zu Ehren des zoo-
logischen Leiters der Tendaguru-Expedition.
Ectolopha hypochlora nov. spec. Taf. II Fig. 11. Aehnlich
der E. viridescens Hmps. Kopf und Thorax gelbgrün, Leib
glänzend gelbbraun, am Rücken dunkler. Vdfl gelblich grün,
am Innenrand an der Wurzel bräunlich grün; in der Mitte des
Vorderrandes ein grauvioletter Fleck bis zur Zellrippe reichend
und am Innenrand ein gelblich weisser Mittelfleck nicht ganz
bis R, reichend. Beide Flecke sind innen und aussen von einer
Linie begrenzt, die vorn dunkel violett, hinten dunkel gelbgrün
ist, die Reste einer antemedianen und postmedianen Linie dar-
stellend und geteilt durch eine gleichfarbige Mittellinie. Am
Vorderrande laufen die ersten zwei Linien schräg nach aussen,
am Ende mit kleinen Bogen nach innen; die dritte geht bis R,
schräg nach aussen, macht dann einen kleinen Bogen nach innen,
springt bei R, und R, am weitesten vor, bei R, stark einwärts
gebogen, dann wieder nach aussen zum Innenrand. Der innere
Teil von R, und R, bis an diese Linie ist dunkel markirt. Die
untere Fortsetzung der ersten zwei Linien beginnt auf der Zell-
rippe und geht schräg einwärts zum Innenrand; die zweite und
dritte berühren sich beinahe am oberen Ende des hellen Fleckes.
Am Apex steht ein gelblich weisser Fleck, durch R, und Rz
geteilt; ausserdem eine Reihe wenig deutlicher gelbweisser Sub-
marginalflecke bis zum Innenrand. Randlinie braun, Fransen
grünlich braun. Hinten braun, an der Wurzel und schmal am
Aussenrande heller gelbbraun, Randlinie braun, Fransen gelb, an
den Rippen braun durchschnitten. Unten vorn grauviolett,
Aussenrand etwas aufgehellt, Apikalfleck und der Innenrand bis
R, gelblich weiss; hinten gelblich weiss.
Type: 1 J Moschi, Deutsch Ost-Afrika, Sammler Mauck.
Spannweite 32 mm. Ausserdem noch 1 0” von dort.
Centrogone (?) purpurea nov. spec. Taf. II Fig. 10. Von
Centrogone Hmps. abweichend durch längere Palpen und
spitzeren Apex der Vdil, darin der vorhergehenden Gattung
Chalcopasta Hmps. entsprechend.
Vdfl am Vorderrand bis zur Mitte der Zelle und am Innen-
rand bis etwas über R, weinrot bis an die Submarginallinie;
der Rest des Mittelfleldes braun. Die Mediana und R,—R,
weiss bis etwas über die Submarginallinie, ebenfalls R, aussen
etwas weiss. Ringmakel weiss gerandet, nach aussen verlängert,
im oberen Teil mit wenigen weissen Schuppen; Nierenmakel
weiss gerandet und mit weisser Teilungslinie; beide Makeln mit
der Grundfarbe ausgefüllt; ausserdem ein undeutliches Winkel-
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 113
zeichen (Zapfenmakel) unter der Ringmakel mit der Spitze bis
unter die Wurzel von R, reichend. Die weisse Submarginale
beginnt am Vorderrand ziemlich undeutlich, hat auf R, eine
tiefe Einbuchtung und auf R, eine weniger tiefe. In Feld 3
und am Innenrand tritt sie etwas nach aussen vor. Das Aussen-
feld ist grün, etwas bräunlich übergossen; am Rande eine weisse
Wellenlinie, zwischen dieser und dem Rande etwas dunkler;
Fransen wie Aussenrand. Htfl bei dem / weiss, Vorderrand,
Apex und Aussenrand schmal blass rötlich braun; bei dem
am Rande eine weisse Wellenlinie ähnlich wie vorn; Fransen
wie Aussenrand. Unten weisslich, Vorderrand vorn schmal wein-
rot, Aussenrand braun; hinten Vorderrand breiter rötlich. Fühler
bei d und 2 bis zur Spitze mässig lang gekämmt; Beine, Pal-
pen, Kopf und Thorax weinrot; Leib bräunlich, unten dunkler.
Type: 1 & Songea, Deutsch Ost-Afrika, 29. I. 11, Sammler
Reuss. Spannweite 25-31 mm. Ausserdem noch 1 J’ und 1 2
von dort.
Omphalagria togoensis nov. spec. Höchst ähnlich der nach
einem einzigen @ beschriebenen hemichroa de Joannis und
möglicherweise diese Art. Palpen, Kopf und Thorax schwarz,
bei dem 2 ist der Thorax hinten etwas grau beschuppt (siehe
hemichroa). Vdfl schwarzbraun, auf der Medianrippe eine ocker-
braune Binde, die an der Stelle, wo die Ringmakel sein könnte,
nach unten hin eine schwach gebogene weisse Linie als An-
deutung einer solchen zeigt. Die Binde geht durch die Nieren-
makel hindurch, welche oben eine ockerbraune Begrenzung,
dunkle Ausfüllung mit etwas hellerem Kern zeigt; in der un-
teren Hälfte ist die Umgrenzung und der Kern weiss. (Hampson
beschreibt diesen Teil bei hemichroa so: Ein feiner schwarzer
Strich oben und unten mit weiss begrenzt an der Terminal-
hälfte der Zelle dehnt sich in einen Fleck aus vor dem runden
weissen Fleck am unteren Ende der Zelle. Der erst erwähnte
Fleck müsste danach also schwarz sein, nach der Abbildung ist
er aber hell [wie bei togo@nsis] und dass die Nierenmakel nur
als weisser Fleck bezeichnet wird, kann auch durch schlechte
Erhaltung der Type bedingt sein.) Eine postmediane Binde ist
bei einem Stück angedeutet durch schwarze Punkte. Schräg
vom Apex her eine ockerbraune Linie, welche bis an die Me-
dianbinde reicht, bei dem zweiten cf verlängert sich diese
Apikalbinde zu einer schwach gewellten, mässig deutlichen
Antemarginalen bis zum Innenrand. Im Randfeld eine Reihe
von submarginalen weissen Punkten, hinter diesen am Rande
nur ebenso dunkelbraun wie das Aussenfeld bei den 2 /, bei
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915.
VII
114 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
dem ® dagegen deutliche schwarze Randpunkte und verlängerte
weisse Submarginalpunkte (siehe hemichroa). Randlinie hell,
Fransen dunkelbraun, wie die Flügel, durch eine helle Linie
geteilt. Htfl bei dem cd” gelblichweiss, am Aussenrande schmal
dunkler mit Ausnahme des Innenrandes, bei dem ® ist der
dunkle Rand wenig breiter. Unten vorn ganz braun, hinten
am Aussen- und auch Vorderrand ebenso, sonst gelblich weiss.
Hampson beschreibt die Unterseite von hemichroa: „Costalfeld
mit braun übergossen“, ob vorn oder hinten wird nicht gesagt.
Type: 1 % Bismarckburg, Togo, Sammler L. Conradt, 14.
IX. 95, Spannweite 23 mm. Ausserdem 1 J’ von dort, 29.
IX. 90, Sammler R. Büttner; 1 2 Sokode-Basari, Togo, 24.
VII. 1900, Sammler F. Schröder.
Callyna peectinicornis nov. spec. Zu Sektion I der Gattung
Callyna gehörend, da das S’ gekämmte Fühler hat. Kopf und
Thorax schwarz, Leib graubraun, Beine braun mit gelbroten
Ringen wie bei C. nigerrima. Vdfl ebenso schwarz, am Vor-
derrande die gleichen 4 gelblich weissen Flecke, von denen der
innerste der grösste ist; ausserdem aber noch am Apex ein
weisser Fleck, ähnlich wie bei C. decora; dicht am Vorder-
rande steht in diesem aber noch ein kleiner schwarzer Fleck;
Randlinie fein gelblich weiss, Fransen schwarz. Hinten etwas
heller braun als C. nigerrima, Randlinie dunkel, Fransen wie
der Flügel, mit heller Grundlinie. Unten vorn und hinten etwas
heller als die Oberseite der Htfl, am hellsten vorn am Innen-
rand; die 4 Randpunkte und der Apikalfleck vorn vorhanden,
ausserdem eine undeutliche postmediane Binde, hinten eine Mit-
telbinde.
Type: 1 9 Tabora, Deutsch O.-Afrika, VII. 07, Sammler
Wintgens. Spannweite 31 mm.
Cyclopera galactiplaga Hmps. Hampson kennt nur das 2
dieser Art und stellt es in die zweite Gruppe der Gattung, bei
der das d ungekämmte Fühler hat. Mir liegt ein sicheres Z
dieser Art vor aus der Staudinger Sammlung von Natal, das ge-
kämmte Fühler hat. Die Art ist also in Gruppe I zu setzen.
Spannweite des d’ 27 mm, des 2 32 mm.
Herr Dr. W. Ramme, Assistent am Museum hatte die Güte
die Photogramme für einige der oben beschriebenen Arten, bei
welchen eine Abbildung erwünscht war, anzufertigen, wofür ich
auch an dieser Stelle meinen Dank ausspreche.
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 115
108
Neue Zamarada-Ärten.
Ich war eben mit dem Studium der in Afrika so überaus
zahlreichen Arten der Geometriden-Gattung Zamarada- Moore
beschäftigt, als Band VI vor Oberthür’s Lepidopterologie com-
paree erschien”), der hervorragende Abbildungen einiger neuer
oder für neu gehaltener Arten bringt. Ich werde daher mit
einer Besprechung der von Oberthür behandelten Arten be-
ginnen und meine Neubeschreibungen daran anschliessen.
Als eine der am längsten beschriebenen Arten bildet Ober-
thür die Z. transvisaria Guen. ab, die aber keineswegs die
einzige von Guenee beschriebene Art ist, wie 0. meint, denn
hyalinaria Phal. I Seite 45, indularia Phal. II S. 46
und secutaria Phal. II S. 45 sind auch Zamarada-
Arten. Da aber aus den Worten Oberthür’s hervorzugehen
scheint, dass die Typen dieser Arten in Paris nicht mehr vor-
handen sind und weder in Berlin noch in London davon Exem-
plare sind, wäre es wohl am besten, diese 3 Namen zu streichen,
da die Beschreibungen ganz unzureichend sind.
Z. exarata Fldr. soll möglicherweise ein Synonym zu
transvisaria Guen. sein. Dieses halte ich für ausge-
schlossen, denn die Abbildung die Felder gibt, sowie diejenige
von reflexaria Wlkr. bei Saalmüller zeigen, dass re-
flexaria ungescheckte Fransen hat und die Randbinde vorn
nahe dem Vorderrand einen nach innen offenen Bogen macht;
bei transvisaria liest der Bogen umgekehrt und die
Fransen sind gescheckt. Exarata ist ein Synonym, aber
nicht von transvisaria, sondern von reflexaria
(nach Swinhoe Trans. Ent. Soc. 1894). Wenn freilich Swinhoe
meint, dass auch latimargo Warren hiermit synonym sei,
so kann das schon deshalb nicht stimmen, weil bei lati-
margo ausdrücklich der sehr grosse Zellfleck, der mit dem
Vorderrand verbunden ist, erwähnt wird.
Z. euterpe Öberth. ist ein Synonym zu glareosa
Bstlb. (Entom. Zeitschr. Guben 1909 Nr. 18), die Abbildung
zeigt eine Reihe Flecke in der Randbinde, welche aber auch
fehlen können, was in der Beschreibung nicht erwähnt wird,
Z. melpomene OÖberth. soll keine Dornen an den
Hintertibien haben. Mir scheint dichte Behaarung, oder un-
*) Ich halte das Jahr 1912 nur für das Jahr der Herstellung und
nicht der Veröffentlichung, auch die Naturwissenschaftlichen Jahrbücher
und Entomologist's Record erwähnen für 1912 diesen Band VI nicht,
116 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
günstige Lage der Beine die Veranlassung zu dieser Behauptung
zu sein, es ist doch schon ohne weiteres anzunehmen, dass
solche da sind.
Z. erato Oberth. scheint mir nach Swinhoe’s Beschrei-
bung (Trans. Ent. Soc. London 1904) mit ilaria synonym
zu sein. Die Unterseite der Abbildung stimmt mit den mir
vorliegenden Stücken nicht ganz, da nur der äussere Teil
der Randbinde hell ist.
Z. polymnia Öberth. ist auch im Berliner Museum von
Johann-Albrechtshöhe vorhanden; der Ort liegt übrigens nicht
irgendwo in „West-Afrika“ sondern im deutschen Nord-Kamerun.
Der doppellappige Sinus, wie ihn die Abbildung zeigt, ist auch
oft einfach und die Farbe des Aussenrandes dunkler. Die weis-
sen Flecke auf dem Hinterleib oben sehe ich nicht. Was die
Aehnlichkeit betrifft, so würde ich nach den Stücken selbst wie
nach der Abbildung polymnia eher mit erato vergleichen
als mit flavicinta Hmps. Z. flavicincta ist kleiner als
polymnia, in der Farbe des Aussenrandes ziemlich veränder-
lich, aber durch den dreizackigen Sinus immer gut zu erkennen;
hinten unten ist die helle Zackenlinie zuweilen verwaschen.
Uebrigens ist flavieincta Hmps. (Proc. Zool. Soc. London
1910) synonym zu scintillans Bstlbg. Entomolog. Zeitschrift
Guben 1909.
Z. calliope Oberth. ist einer der schönsten Nachtfalter,
Wirklichkeit fast noch schöner als die tadellose Abbildung, aber
leider ist dieser Name ein Synonym zu rufilinearia Swinhoe
(Trans. Ent. Soc. London 1904).
Z. aglae Öberth. soll von allen anderen Zamarada-Ar-
ten sich durch besonders tiefen Sinus unterscheiden, die nächst
folgende Art euphrosyne hat doch aber einen kaum weniger tiefen
Sinus und ausserdem manche andere Arten auch.
Z. euphrosyne Öberth. ist eine weit verbreitete Art,
Stücke aus Deutsch Ost-Afrika scheinen mehr einfarbig helle
Fransen zu haben. Die kleinste Art ist euphrosyne aber
durchaus nicht wie Oberthür meint, es gibt mehrere ähulich
kleine in der pulverosa-Gruppe, zu der auch die allerkleinste
aureomarginata Pagenst. gehört.
Z. thalia No. 12 Oberth. kann nicht bestehen bleiben, da
als No. 2 schon eine thalia (!) beschrieben ist, ich ändere
sie in thalysia nom. nov. um. Diese Art scheint recht vari-
abel zu sein. Ausser Stücken, die der Abbildung gut entsprechen,
liegen mir auch solche vor, ‘die hinten keinen Zellfleck haben
oder bei denen die Farbe des Innenfeldes ziemlich stark abweicht.
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 117
Es mögen sich in Oberthür’s Arbeit noch mehr Synonyme
finden, aber bei der Mangelhaftiskeit der meisten Beschreibungen
aus dieser Gattung, habe ich das nicht festellen können; auf alle
Fälle bleibt es ein verdienstvolles Werk, dass jetzt von einer
ganzen Anzahl Arten tadellose Abbildungen veröffentlicht worden
sind. Es ist nur zu bedauern, dass die Verbreitung dieser
Lepidopterologie comparee durch den riesigen Preis nahezu un-
möglich gemacht ist.
Bevor ich jetzt diejenigen Arten beschreibe, die mir neu
zu sein scheinen, seien mir einige Bemerkungen über die Be-
schreibungen anderer Autoren gestattet. Prout beklagt mit Recht
im Entomologist 1912 bei Gelegenheit seiner neuen Arten, dass
es so sehr schwer sei, schon beschriebene Arten aus den Be-
schreibungen zu erkennen; das liegt aber nicht allein an der
grossen Aehnlichkeit, die sich in vielen anderen Gattungen ja
auch findet, sondern zum Teil an den Autoren. Da wird mit
grösster Gewissenhaftigkeit die unbestimmte Mischfarbe von Pal-
pen. Kopf, Hals, Schulterdecken usw. beschrieben, die doch bei
allen Arten nahezu gleich ist, die wesentlichen Sachen aber wer-
den nur dürftig behandelt: 1. die Form des Zellfleckes, ob er
ein Punkt, ein Strich, ein schmales oder breites Rhombus usw.
ist, ob er vorn und hinten verschieden ist, darüber erfährt man
wenig; 2. über den Sinus der Randbinde wird jedesmal erwähnt,
dass er zwischen R, und R, liest (Warren), zwischen R, und
R, (Hampson) oder unter der Mitte (Swinhoe). Welche Form
er aber hat, also die Hauptsache, wird garnicht oder halb an-
gegeben. Der Grund dieser Unvollkommenheit scheint mir zu
sein, dass die Randbinde zu wenig „feste Punkte“ hat, an die
man sich bei der Beschreibung halten kann, ich habe daher auf
meiner schematischen Skizze solche geschaffen und nenne vorn
und hinten den Anfang der Binde am Vorder-
rande Punkt a, bei b biegt sich die Grenzlinie
nach aussen bis c, geht dann nach dem Innen-
rand zu bis d, wendet sich der Flügelwurzel
zu bis e und erreicht vorn und hinten bei f
den Innenrand. Um die Breite der Binde zu
kennzeichnen, benutzeich R, vorn, und hinten
die Stelle, wo R, sein würde, jedesmal von
Mitte Zellfleck ab.
Um nach Möglichkeit die Schaffung von Synonymen zu ver-
meiden, habe ich zur Beschreibung in erster Linie solche Arten
herausgesucht, welche Aehnlichkeit mit längst beschriebenen ha-
ben und wo ich keinen Hinweis finde, dass andere neue diesen
118 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
alten Arten ähnlich sind. Ferner habe ich noch solche gewählt,
bei denen die dritten Tibien eine Verdickung oder einen Haar-
busch tragen, eine Eigenschaft, die sicher keiner der früheren
Autoren übersehen hätte; nur Oberthür erwähnt bei 2 Arten
derartiges.
Zamarada fumosa nov. spec. Taf. II Fig. 12. Aehnlich
glaerosa-euterpe, Fühlerschaft nicht gelblich wie bei
glareosa Bstb., sondern wie die Wimpern schwarzbraun, Kamm-
zähne bis 3/, der Fühlerlänge reichend. Innenfeld bräunlich be-
stäubt, Zellflecke verwaschen, vorn breit rhombisch fast quadra-
tisch, hinten schmäler rhombisch. Aussenrand braun, mit dunk-
ler Grenzlinie innen und aussen; die Farbe etwa plana
Bstlb. entsprechend, also dunkler als glareosa. Randbinde
vorn: ab schwacher nach innen offener Bogen, c in der Mitte
von Feld 3, cd dem Aussenrand parallel gebogen, de auf R;
liegend. Auf R, Binde gleich breit wie das Innenfeld bis zum
Zellfleck, bei cd nur 2/; davon, cd etwa halb so lang wie die
schmalste Stelle der Binde, de = ef. Bei glareosa gehen
cd und de mehr in einander über, da de schräger liegt.
Hinten ist die Randbinde auch breiter als bei glareosa;
in Feld 6 ein schwacher Sinus; bei R, (b) Innenfeld schmäleı
als der Rand, c in der Mitte von Feld 3, cd ziemlich abgerun-
det, bei e etwas schärfere Ecke; auf R, Binde 2/;z der Breite
von der auf R,. Fransen wie die Flügel, mit heller Grundlinie.
Zuweilen ist in der Randbinde eine weisse durchlaufende Zacken-
linie zu sehen, die vorn !/; vom Innenrande der Binde absteht;
hinten liegt sie etwas mehr nach aussen. Unten Mittelpunkte
schärfer begrenzt, dunkler, ebenso die Randbinde innen, aussen
ist sie heller etwa wie oben; äussere Randlinie dunkel, Fransen
wie oben; Tibien des dritten Beinpaares beim verdickt, mit
dunkelbraunen Haaren.
Type: 1 S Lolodorf 14. V.95, L. Conradt Sammler, ausser-
dem noch mehrere SS und 2% Spannweite. 25—29 mm.
Zamarada bastelbergeri nov. spec. Taf. II Fig. 13. Hat
einige Aehnlichkeit mit scintillans-flavicincta. Fühler
hell rötlich braun. Innenfeld gelblich grün, Randbinde etwa so
breit wie bei aglae Oberth., violettbraun; Zellfleck vorn gross,
breit rhombisch, hinten schmäler, nicht dunkel sondern wie die
Randbinde gefärbt.
Vorn: Wurzel, Costalrand und Mitte des Innenrandes gelb-
braun und violettbraun gesprenkelt. Randbinde innen von stär-
kerer, aussen von schwächerer dunkler ‚Linie begrenzt. ab vom
Vorderrand bis R, nach aussen vorspringend, dann ein schwa-
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 1|9
cher nach aussen ofiener Bogen bis R, (Punkt b), mit Ecken
auf R, und R,; be auf R, und de auf R,, cd nach aussen
geknickt, mit Ecke auf R,; ef wellig zum Innenrand. Auf R,
brauner Teil etwa 1!/, mal so lang wie der grüne; auf R, etwa
ı/, so breit wie auf R,; bc etwa ?2/,; so lang wie de. Zacken-
linie in Farbe und Abstand vom Aussenrand wie bei scintillans.
Hinten in Feld 6 und 7 kleine Ausbuchtungen; von Mitte
Feld 6 bis R, (Punkt b) Wölbung mit Oeffnung nach aussen;
be und de auf R, und R,; cd geknickt etwas über R,; bei
d und e ziemlich scharfe Ecken. Auf R, brauner Teil 1?/,
mal so lang wie der grüne, bei R, Rand !/; so breit wie auf
R,; Entfernung bc kleiner als cd, da aussen die Rippen weiter
von einander. Fransen an der Basis mit Bleilinie, gelbbraun
wie bei scintillans Bstlb., aber stärker dunkel gesprenkelt.
Unten bis auf die grossen Zellflecke wie scintillans; hinten
Zackenlinie stark verwaschen.
Type: 1 2 Niger-Benu& Dampferfahrt 1912, Sammler Dr.
A. Houy. Spannweite 20 mm.
Zamarada subincoloris nov. spec. Taf. II, Fig. 14. Fühler-
schaft und Kopf rostfarbig, Fühlerwimpern dunkel. Innenfeld
klar gelbgrün; Zellfleck vorn ein etwas mondförmiger Strich,
hinten kaum punktförmig zu sehen; Aussenfeld rötlich braun,
mit innerer schwarzer Grenzlinie, die einwärts gelblich und
aussen von Schwacher Bleilinie begleitet ist; am Aussenrande
eine weniger starke dunkelbraune Linie.
Vorn: Costalrand violett und rostfarbig gemischt. Aussen-
feld: Strecke ab gezackt und in be übergehend; ce und d in der
Mitte von Feld 2 und 3 liegend; auf R, leichte Ecke nach
innen, bei e etwas schärfer geeckt. Auf R, Breite der Binde
gleich dem grünen Stück, im schmalsten Teile, bei cd, etwa
1/3, so breit; cd, de und ef etwa gleich lang.
Hinten in Feld 6 spitzer kleiner Sinus; bei b starke Ab-
rundung, sonst be und de ziemlich parallel; auf R, Randbreite
ebenfalls gleich dem grünen Teil, in Feld 2 etwa Y, so breit.
Die weisse, sehr schwache Zackenlinie, etwas innerhalb der
Mitte, läuft vorn vom Vorderrande bis Feld 3 gerade oder fast
etwas einwärts gebogen; innen ist sie von dunkleren Flecken be-
gleitet; auf beiden Flügeln durchlaufend.
Thorax und Leib grauviolett, letztere oben mit gelben Punk-
ten, Unterseite, Afterbusch und Beine hellgelb, letztere nicht
verdickt; Fransen braun, zwischen den Adern dunkler. Unten
Randbinde schwarzbraun, Apex heller, Zellflecke scharf und
schwarz.
120 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Type: 1 X 1. VI. 96, Johann-Albrechtshöhe, Kamerun,
Sammler L. Conrad. Spannweite 26—28 mm.
Zamarada aurolineata nov. spec. Taf. I Fig. 15. Fühler-
schaft gelbbraun, Wimpern dunkel, bis ?/, der Länge reichend.
Innenfeld blass gelblich srün, ziemlich stark irisierend, in der
Mitte mit braunen Sprenkein: Mittelpunkte schwarz, klein, be-
sonders hinten; innere Grenzlinie der Randbinde schwarz, innen
gelblich, aussen von Bleilinien begleitet; also ähnlich wie bei
der vorhergehenden Art; Randbinde selbst heller rotbraun; Zak-
kenlinie goldig, durchlaufend, innen mit dunkler rotbraunen
Flecken; am Aussenrand schmale schwarzbraune Linie durch-
laufend.
Vorn: Vorder- und Innenrand violettbraun. Randbinde:
ab leicht gezackt, ein nach innen offener Bogen; auch auf R,
ein kleiner Vorsprung; c in der Mitte von Feld 3, d stark abge-
rundet, e auf R,, ef leicht gewellt. Auf R, Rand etwas brei-
ter alz der grüne Teil, auf R, etwa 0,6 mal so breit wie auf
R,; auf R, etwa 1'/, mal so breit wie auf R,
Hinten am Vorderrand leicht gezackt, in Feld 6 ziemlich
bedeutender Sinus; auf R, eckiger Vorsprung nach innen auf
R, schwächere Ecke; c, d und e abgerundet. An der schmal-
sten Stelle ist die Binde so breit wie vorn; auf R, vorn und
hinten eine schwache Zacke nach innen.
Fransen mit heller Grundlinie, gelb mit dunkeln Flecken,
die vorn am Apex am grössten sind; Thorıx und Leib violett-
braun, unten Leib und Beine heller: Hintertibien verdickt;
Mittelpunkt schwarz; Randbinde dunkelbraun, besonders vorn
an der Innenseite, heller hinten am Aussenrande.
Iype: 1 Jaunde, Kamerun 31. V. 95, Sammler v. Car-
nap. Spannweite 29
Zamarada triangularis nov. spec. Taf. II, Fig. 16. Kopf
und Fühlerschaft gelbbraun, Wimpern dunkel, bis zur Hälfte
reichend. Innenfeld blassgrün; Zellfleck vorn fast quadratisch,
hinten nur am oberen Teil der Querader ein Strich; Randbinde
rötlich braun, innen begrenzt von einer kräftigen dunklen Grenz-
linie mit Bleilinie aussen; am Aussenrand mondförmige unter-
brochene Randlinie; Zackenlinie weisslich, nur vorn durchlaufend,
innen von dunkelbraunen Flecken begleitet.
Vorn: Costa an der Wurzel violettbraun, zum Apex hin
heller gesprenkelt, Strecke abe ein gleichmässiger Bogen mit
schwachen Vorsprüngen auf den Rippen; bei e in der Mitte von
Feld 3 ziemlich spitze Ecke; ode gradlinig, in stumpfern Win-
kel in e f übergehend. Auf Re Randbinde etwas schmäler als
M.Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zool. Museums. 192]
der grüne Teil, in Feld 3 etwa ?/, so breit wie auf R,, auf R,
etwas schmäler als auf R,.
Hinten: In Feld 6 schwache Ausbuchtung; von R, bis zur
Mitte von Feld 3 (Punkt ce) S-förmiger Bogen; auf R, leichter
Vorsprung einwärts; dc auch etwas S-förmig; ef parallel zum
Aussenrand. Auf R, Randbreite gleich dem grünen Teil; auf
R, Rand nicht wesentlich breiter als die Fransenlänge; auf R,
doppelt so breit. Von R, bis zum Innenwinkel ist der Rand
hell graubraun. Fransen vorn schwarzbraun, an der Basis gelb-
braun, hinten ausgedehnter gelbbraun. Thorax und Leib violett-
braun, After gelbbraun, Leib und Beine etwas heller als oben.
Hintertibien verdickt.
Type: 1 £ Bagiri, Neu-Kamerun, 22. V. 13, Sammler Dr.
A. Houy. Spannweite 30 mm.
Zamarada subinterrupta nov. spec. Taf. II, Fig. 17. Kopf
und Fühlerschaft gelbbraun, Wimpern dunkel, bis 3/, der Fühler-
länge reichend. Innenfeld blassgrün, Zellflecke vorn und hinten
schwarze Punkte; Randbinde graubraun, innen von einer schwarzen
Linie begrenzt, die aussen von einer Bleilinie begleitet wird.
Vorn: Costalrand heller braun, Randbinde am Apex etwas
heller (abgerieben?); ab vom Vorderrande grade bis R, und
dem Aussenrande parallel, dann eine Ecke bei R, (Punkt b);
be auf R, und de auf R,; c und d liegen senkrecht über
dem Innenrand, also d dem Aussenrande etwas näher. Die
Verbindung von cund dauf R, weit nach aussen vorspringend,
viel weiter als bei seintillans Bstlb.; die Schenkel dieses Vor-
sprungs enden unter c und über d, so dass 3 spitze Ecken ent-
stehen; ef schräg zum Innenrand. Auf R, Randbinde etwas
breiter als der grüne Teil; be — cd gradlinig; auf R, Binde
'/a so breit wie auf R,; de etwa 1!/, mal cd.
Hinten: Binde leicht gewellt bis Feld 6; dann schwacher,
nach aussen offner Bogen bis R, (Punkt b); be und de auf R,
und R,; bei ce und d nicht so spitze Ecken wie vorn und auf R;
nur schwache Wölbung nach aussen. Da aber c verhältnismässig
weiter aussen liegt als vorn, so ist der Rand hinten auf R, eben-
so schmal wie vorn; ef leicht nach innen gerichtet.
Silberweisse Zackenlinie vorn nur verwaschen (abgerieben?)
innen mit dunkelbraunen Flecken, vorn etwas näher der Innen-
seite der Randbinde, hinten auf der Mitte, durch den Sinus vorn
und hinten unterbrochen. Randlinie dunkelbraun; Fransen gelb-
braun und dunkel gescheckt, mit basaler Bleilinie. Thorax vio-
lettbraun; Leib oben graubraun, unten und die Beine gelblich ;
Hintertibien etwas verdickt und leicht behaart.
122 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Type: 1 £ S. Nigerien, Opobo, Sammler Schütze. Spann-
weite 22 mm.
Zamarada funebris nov. spec. Taf. II, Fig. 18. Kopf und
Fühlerschaft braun, Wimpern dunkel, bis reichlich zur Hälfte
der Fühlerlänge reichend. Innenfeld blassgrün, mit grossen bräun-
lichen Querflecken gesprenkelt; Zellfleck vorn breit rhombisch
mit heller Mittellinie, hinten nur ein Strich auf der Querader,
Farbe dunkel graubraun wie die Randbinde; deren innere Grenz-
linie dunkelbraun, mit einer Bleilinie aussen.
Vorn: In Feld 6 ein kleiner Sinus, von dort bis Mitte Feld
3 (Punkt ce) ein nach aussen offener Bogen; bei c abgerundet,
- cd parallel dem Aussenrande; de auf R,, bei d starke Abrun-
dung, so dass cd und de in einander übergehen; ef parallel
dem Aussenrand. Auf R, Randbreite gleich dem grünen Teil;
auf R, etwa 2/, so breit, auf R, etwas breiter als auf R,.
Hinten: Vom Vorderrand bis Feld 6 grade, dort leichte
Ecke, dann Bogen bis an R, be und de aufR, und Rz,; cd
ziemlich stark gebogen; bei e scharfe Ecke, ef parallel dem
Aussenrand. Auf R, Randbinde etwas breiter als der grüne
Teil; auf R, etwa !/, so breit, also der Sinus tiefer als vorn;
be gleich de, beide ein wenig kleiner als cd.
Eine weisse undeutliche Zackenlinie etwas innerhalb der
Mitte der Randbinde, vorn durchlaufend, hinten anscheinend
nicht. Fransen wie der Rand gefärbt, mit etwas hellerer Grund-
linie. Thorax und Leib violett bräunlich, Leib unten und die
Beine heller, Afterbusch gelblich. Hintertibien stark verdickt,
mit schwarzbraunem Haarbusch.
Type: 1 Ngoko Station, Kamerun, 7. V. 02, Sammler
Hösemann. Spannweite 26—29 mm.
Zamarada leona nov. spec, Taf. II, Fig. 19. Kopf gelb-
braun, Fühler schwarzbraun, Wimpern bis über die Hälfte der
Fühlerlänge reichend. Innenfeld blassgrün, mit weniger dichten,
aber ähnlich dicken Flecken wie lugubris. Zellfleck vorn breit
rhombisch, verwaschen, hinten ein Punkt, der unterseits fehlt.
Aussenfeld dunkel graubraun, innen mit schwarzer Grenzlinie;
am Aussenrande unterbrochene Linie von schwarzen Monden.
Vorn: Costa violettbraun, nach dem Apex hin heller.
Strecke ab ein schwacher nach innen offener Bogen, ohne be-
stimmten Sinus in Feld 6; Punkt baufR,, cauf R,; cd grade,
d etwas über R, und etwas weiter aussen als c; ef steiler als
der Aussenrand. Auf R, Randbinde etwas schmäler als der
grüne Teil, bei Punkt d !/, so breit, bei e ebenso wie auf R,.
Tafel 1.
(Stertz: Mitteilungen über palaearkt. Heteroceren, über
seine algerischen Reisen und Arctia caja-Zucht.)
Big. 1
Fig. 2
Fig. 3
Fig. 4
Fig. 5
Fig. 6
Big.
Fig. 8
Big. ..9
Fig. 10
Fig. 11
Fig. 12
Fig. 13
Fig. 14
Fig. 15
Fig. 16
Fig. 17
Fig. 18.
Fig. 19
Fig. 20
Fig. 21
Fig. 22
. Lasiocampa püngleri Stertz 4"
. Lasiocampa püngleri Stertz 2
Ä Lasiocampa decolorata Klug g
. Catocala nymphagoga var. nov. defasciata Stertz g'
. Catocala nymphagoga Esp. var.
. Pangrapta lunulata Stertz 2
. Orthosia blidaönsis Stertz 5
. Conisania (Mamestra) leineri var. nov. pölli Stertz J”
. Conisania (Mamestra) leineri var. nov. pölli Stertz 2
. Chondrostega götschmanni Stertz 9
. Chondrostega götschmanni Raupe
. Chondrostega palaestrana Stgr. Raupe
. Arctia caja Hb. aberr. 2
. Arctia caja Hb. aberr. 9
. Hypoplectis henricaria Obth.
. Hypoplectis henricaria 9
. Orthosia rutieilla Esp. var. nov. fuliginosa Stertz 7
Caradrina noctivara var. nov. algeriensis Stertz
oO {o}
9. Dasysternum variabile Stertz J'
. Dasysternum variabile 9
. Euxoa tischendorfi Pglr. 5"
2. Euxoa tischendorfi Pglr. 2
. Euxoa flagrans Pglr. 9
. Monina pfennigschmidti Pglr. 2
At bier
19dü ‚n913901339Fl Arlısasieg 19dü nsgnwlistiM :st1532)
(InouS-sisa sitoıA brnu naeisfl marloeinsgis anise
o stıada Frelguig squsooiasıl 5
2 sts} frolgnüg syqmsooieel .
"o zul steroloaab sqursooiası.l N
‘o stıata siemastab ‚von .ısv syogscdguma slsoots) .
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IRIS, DRESDEN, Bd. XXIX. TAF. II.
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Licktdruck von Markert & Sohn, Dresden.
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Ö. Stertz. Mitteilungen über palaearktische Heteroceren. 123
Hinten: In Feld 6 ein kleiner Sinus; von R, bis etwas
unter R, (Punkt c) ein Bogen; cd schwach gebogen; din der
Mitte von Feld 2, näher dem Rande als c; bei e auf R, etwas
Ecke; f näher dem Aussenrand als e. Auf R, Randbinde gleich
dem grünen Teil; bei d sehr schmal, etwa 1/, so breit wie
vorn bei d; bei e etwa ?/, so breit wie bei R,. Zackenlinie
gelblich weiss, vorn und hinten wenig deutlich, innen mit
dunkeln Flecken; Fransen dunkelbraun. Thorax und Leib oben
graubraun, Afterbusch gelbbraun, Leib und Beine unten heller.
An den Hintertibien ein schwarzbrauner Haarbusch wie bei
lugubris.
Type: 1 0° Sierra Leone 1887,83 aus der Staudinger-
Sammlung. Spannweite 27 mnı.
Es liegen mir noch manche Exemplare von Zamarada-
Arten ohne Namen vor, da ich aber bei diesen nicht so sicher
bin, dass sie tatsächlich unbeschrieben sind, so unterlasse ich
lieber eine Benennung.
Zum Vergleich haben mir an Typen und Cotypen vorge-
legen aus dem Berliner Museum aureomarginata Pagst. und
pulverosa Wrr. Ausserdem hatte das Senckenbergische Museum
in Frankfurt a. M. die Güte, mir Typen von scintillans,
glareosa und plana Bstlb., sowie von dilucida und
ansorgei Wrr. zur Ansicht zu senden, wofür ich an dieser
Stelle meinen besten Dank sage.
Herr P. Walter, Vorsitzender der Berliner Entomologischen
Gesellschaft, war so freundlich, die beschriebenen Zamarada-
Arten für mich zu photographieren und danke ich dafür hier-
mit bestens.
Mitteilungen über palaearktische Heteroceren.
Von Otto Stertz, Breslau.
(Mit Tafel III.)
Lasiocampa decolorata Klug (Tafel III, Fig. 3 S). Von
dieser Art, die Klug vor ungefähr 100 Jahren nach einem 2
aufgestellt hat, das sich in Königl. Museum für Naturkunde
in Berlin befindet, erhielt ich 1912 und 1913 von Herrn Dr.
Niessen, in Algier, eine Anzahl 0’ und nur wenige 2%. Er
erbeutete diese in Guelt-el-stel (südliches Algerien) im Laufe
des September. Da ich bisher nur die aus Palaestina (Jericho)
stammende decolorata kannte, die Dr. Staudinger von Paulus
124 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
aus Jerusalem 1890, oder 1291 zuerst erhielt und als solche
auch versandte, hielt ich die von Nissen erhaltene, eingangs
erwähnte Art für eine Lokalform der aus Jericho stammenden.
Um hier Klarheit zu schaffen, sandte ich je 11 d' 12
der Palaestina- und Algierform an das Kel. Museum für Natur-
kunde in Berlin zum Vergleich. Diese Arbeit hatte Herr Direktor
Brauer die Güte persönlich vorzunehmen und er schreibt mir
unterm 13. Januar d. J. Folgendes:
„Der Vergleich der beiden Lasiocam pa-Paare von Pa-
laestina und Algerien mit dem Lasiocampa decolorata
Klug 2 hat folgendes Ergebnis:
Auf den ersten Blick könnte man im Zweifel sein, ob
decolorata zu der Lasiocampa von Algerien oder zu der von
Palaestina gehört. Offenbar ist aber in den rund 100 Jahren,
welche das decolorata @ in unserer Sammlung zugebracht
hat, die Färbung ein wenig bleicher geworden. Sie stimmt da-
her weder mit der Form von Alserien noch mit der von Pa-
laestina völlig überein. Nun ist aber die Beschuppung der
Flügel bei der palaestinischen Form viel dichter und heller als
bei der algerischen Form, so dass die Rippen, besonders der
Vdfl beim Q kaum hervortreten, während sie beim 2 der al-
gerischen Form sich scharf von dem schwächer beschuppten
Grund abheben.
Darin stimmt decolorata Klug 2 vollständig mit der
algerischen Form überein. Wenn die decolorata Klug mit
einer der zur Nachprüfung eingesandten Formen identisch sein
muss, so kann die identische Form nur die algerische sein.“
Demnach unterliest es keinem Zweifel, dass die Art aus
Guelt-el-stel die richtige decolorata Klug ist, während die
palaestinische eine neue Art darstellt.
Da Klug damals nur das $ zur Beschreibung vorlag, will
ich im Nachstehenden zunächst den / charakterisieren.
Spannweite der Vdfil 35—40 mm, die Grundfarbe aller
Flügel ist eintönig, lederfarben grau, mit einem Stich ins oliv-
grüne; bei einzelnen Exemplaren wurzelwärts eine lichtere Be-
schuppung. Die Unterseite aller Flügel entspricht genau dem
Tone der Oberseite. Fransen, Thorax und Hinterleib von gleicher
Färbung. Die Fühler sind braun, ausserordentlich lang und
stark gekämmt. Der Flügelbau erscheint rundlicher und breiter
als bei der nächstbeschriebenen neuen Art. Die Spannweite
des 2 ist bei 3 Exemplaren 50 bis 51, bei einem nur 48
mm, während das Klugsche Original 55 mm misst. Die
Grundfarbe aller Flügel ist ein lichtes, schmutziges braun, bei
DD
on
O0. Stertz. Mitteilungen über palaearktische Heteroceren,. 1°
einem 2 etwas heller und wie schon in dem oben angeführten
Vergleich des Herrn Direktor Brauer erwähnt, dünn be-
schuppt, wodurch die Rippen stark hervortreten. Der Hinter-
leib ist kurz, überragt nie den Rand der Htfl und ist wenig
behaart; auch hierin stimmt die Algierform mit dem Klugschen
Original überein. Die Unterseite aller Flügel vom gleichen
Ton wie der der Oberseite.
9 Sc und 4 2% in meiner Sammlung.
Die Behauptung Sir Walther Rothschilds, diese decolo-
rata aus Guelt-el-stel sei eine südlichere Form von Lam-
bessa staudingeri und aus diesem Grunde mit normalen
Flügeln ausgestattet, will ich hier zwar noch erwähnt haben,
ohne aber weiter darauf einzugehen. |
Mit Bezug auf meine Bemerkung „Iris 1912, p. 28“, die
Abbildung des decolorata 2 im Seitz-Werk sei ziemlich ver-
fehlt, erkläre ich hiermit, dass dieselbe im Allgemeinen dem
zur Abbildung vorgelegenen Original entspricht. Wie schon
von mir gesagt, kannte ich damals eben nur das decolorata 9
aus Palaestina.
Lasiocampa püngeleri Stertz n. sp. (Tafel III, Fig. 19722).
Wie schon erwähnt, erhielt Dr. Staudinger anfangs der
1890er Jahre diese Art vom Herrn Konsulatssekretär J. Paulus
in Jerusalem, die ersterer irrtümlicher Weise als decolorata
versandte. Sie ist aber, wie ich im Nachstehenden dartun will,
grundverschicden von der decolorata Klug.
Zur Beschreibung liegen mir 7 fc und 3 2% vor.
Spannweite beim f 35—41l mm beim 9 48—52 mm.
Der Grundton der Flügel bei beiden Geschlechtern ist auffallend
schön. Die Vdfl des / sind einfarbig, lebhaft zart orangegelb-
lich einschliesslich der Fransen; bei 2 JS ist in der Flügel-
mitte eine mit dem Aussenrande parallel verlaufende, dunklere,
bräunliche Schattenbinde deutlich erkennbar. Fig. 1. Die Fär-
bung der Htfl ist lebhaft rostbraun, wodurch sich die gelben
Fransen klar abheben. Der äusserste obere Innenrand aber und
die lange Behaarung an der Wurzelbasis harmvnieren mit der
Färbung der Oberfl, ebenso der Thorax und Hinterleib. Die
Fühler sind braun, stark gekämmt, jedoch viel kürzer wie bei
decolorata Klug. Die Unterseite aller Flügel ist weniger
lebhaft bräunlich, wurzelwärts gelblich aufhellend. Die Figur
erscheint schmalflügeliger und weniger rundlich als bei deco-
lorata Klug.
Die Färbung beim 2 ist auf allen Flügeln dieselbe wie die
der männlichen Oberflügel, ebenso auch die Unterseite, diese
126 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
aber weniger lebhaft. Thorax und Hinterleib von gleicher Fär-
bung. Letzterer ist wesentlich länger wie bei decolorata Klug;
er ragt bei püngeleri zur Hälfte über den Flügelrand.
Ich benenne diesen hervorragend schönen Falter nach mei-
nem lieben Freunde Herrn Amtsgerichtsrat Rudolf Püngeler in
Aachen.
Chondrostega götschmanni 7 Stertz Tafel III, Fig. 10. Von
Herrn J. Paulus aus Jerusalem erhielt ich 1897 6 J'J’ einer
Chondrostega-Art, die er mir als eine Varietät der palae-
strana Stdgr. bezeichnete. Er fand die Raupen derselben im
März und April im Jordantal bei Jericho und erzog daraus im
- Ganzen nur 8 J’d‘, aber keine 2%. Eine spätere Zucht miss-
glückte wie das bei dieser Familie zumeist der Fall ist, gänzlich.
Indess sandte Paulus zugleich 4 geblasene Raupen dieser
Art mit, die von derjenigen der palaestrana Stdgr. Fig. 12
so grundverschieden, unter sich aber sehr ähnlich sind, dass
hier eine neue Art vorliegend ausser allem Zweifel ist.
Nun sandte ich aber meine Stücke hiervon mit Raupen
nochmals an Herrn Amtsgerichtsrat Rudolf Püngeler, Aachen,
der mit Eifer die Nachprüfung aller bekannten Chondrostega-
Arten vornahm. Ein Teil dieser Untersuchung war das Ergeb-
nis, dass unter den oben angeführten 6 9’ nicht nur eine son-
dern 2 gute, sich sehr ähnliche neue Arten befanden; auch die
vorhandenen 4, sich ebenfalls sehr ähnlichen Raupen sind ver-
schieden. Auf Tafel III Fig. 11 bringe ich zur Orientierung eine
dieser Raupen zur Abbildung mit der Bemerkung, dass durch
spätere Zucht erst ermittelt werden soll, ob es diejenige der von
mir beschriebenen götschmanni, oder die der als intacta
Pglr. i. 1. benannten anderen Art ist.
Meine Ch. götschmanni hat eine Spannweite von
22—23 mm, also die Grösse der palaestrana Stdgr. die
Grundfarbe der Flügel ist seidig gelbgrau. Bei den vorliegenden
3 Stücken steht hinter der Vdfl-Mitte eine nach aussen leicht
gebogene bräunliche, sehr verwaschene Querbinde; auf der mehr
glänzenden, lichteren Unterseite tritt diese deutlicher und auch
auf dem Htfl hervor. Von der pastrana Ld. unterscheidet
sich diese nov. sp. durch die dunkle Querbinde, und die nicht
so auffallend stark gekämmten Fühler. Verläuft der Vorderrand
der Vdfl bei palaestrana Stdgr. gradlinig, so erscheint dieser
bei meiner götschmanni ein wenig eingebogen.
Der Beschreibung liegt 1 S aus der Sammlung des Herrn
Rudolf Püngeler, 1 0” aus derjenigen des Herrn P. Wolf in
Breslau und 1 / aus der meinigen vor,
O. Stertz. Mitteilungen über palaearktische Heteroceren. 127
Ich benannte die Art zu Ehren des leider so früh ver-
storbenen, mir befreundeten Herrn Professor Dr. Götschmann,
Breslau, der ein hervorragender Geometrieden- und Miero-
kenner war.
Anmerkung: pastrana Ld., hyrcana Stdgr. und pa-
laestrana Stdgr. sind zweifellos gut unterschiedene Arten,
wie schon Aurivillius Iris 1894, Seite 136/137, angenommen
hat; Staudinger, Rebel und Seitz haben diese richtige Ansicht
leider unbeachtet gelassen.
Conisania Hamps. (Mamestra) leineri Frr. nov. var. pölli
Stertz, Tafel III Fig. 8 Z, Fig. 9 2. Mein leider vor kurzem
verstorbener Tauschfreund Herr A. Pöll in Innsbruck, der all-
jährlich mit Unermüdlichkeit die Tiroler Alpen durchstreifte,
sandte mir 1913 unter anderem einige Falter als Mamestra
albicolon Hb., die ich indes für eine mir unbekannte Ma-
mestra sp. hielt. Die Art erinnert in Zeichnung und Farbe
lebhaft an serratilinea Tr., aber der Figur nach an lei-
neri Frr. Von Herrn Pöll, den ich auf meine Wahrnehmung
hinwies, erbat ich mir weiteres Material hiervon mit genauer
Fundorts-Angabe. Er überliess mir nun im Ganzen 8 Sc’ und
1 2 und gab über das Auffinden nur den kurzen Bescheid
„Vintschgau Ende Juli 1913.“
Herr Rudolf Püngeler, dem ich einige Exemplare davon
sandte, schrieb mir, es handle sich hier um eine nahe Ver-
wandte der Mam. leineri Frr., insbesondere hinsichtlich der
Bildung der Vorderbeine, die sich nur bei leineri findet und
Hampson zur Aufstellung der neuen Gattung „Conisania“,
mit leineri als einziger Art, veranlasst hat. Da ich Arten-
unterschiede zwischen der var. pölli und leineri Frr. nicht
aufstellen kann, auch die wahrscheinlich auf Artemisia lebende
Raupe noch nicht bekannt ist, so ziehe ich vor, sie als var.
zu leineri zu stellen.
Der Unterschied zwischen beiden ist so gross, dass man
sie mit Leichtigkeit von einander trennen kann. Der Grund-
ton der nov. var. ist vorherrschend ein dunkles grau (zuweilen
etwas heller) mit einem kleinen Anflug ins moosgrüne. Die
bei leineri meist verloschenen Zeichnungsanlagen sind bei
var. pölli immer scharf ausgeprägt. Die äussere wie die innere
Querbinde ist immer deutlich erkennbar; bei den meisten Stücken
sind sie doppellinig. Die äussere S-förmige endet oben unter
dem Vorderrand genau in den oberen Teil der stets weiss um-
randeten Nierenmakel. Die Ringmakel ist nur bei 2 dc” deut-
lich sichtbar und ebenfalls licht umrandet. Am Vorderrand
128 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
stehen über der Aussenbinde bis zum Apex 4 lichte weisse
Pünktchen; die 10. Linie im Saumfeld tritt meist verlosclren
auf, an ihrer inneren Basis kann man 3—4 mehr oder weniger
deutliche Pfeilflecken beobachten.
Die Htflfläche ist dunkel, manchmal der Färbung der Vdil
entsprechend, etwas heller, rauchgrau; von ihr heben sich die
lichteren, leicht gewellten Fransen deutlich ab.
Die Unterseite der Vdfl ist lebhaft rauchbraun. Das Saum-
feld wird von einer graden, mit dem Aussenrand parallel lau-
fenden, im Apikalteil aber zurücktretenden, helleren Binde ein-*
gefasst; bei einigen Exemplaren ist dicht hinter ihr eine ver-
loschene Bogenlinie erkennbar.
Auf den Htfl treten letztere, sowie die Mittelflecken kräftig
auf. Das Saumfeld bis zu den Bogenlinien ist mehr oder weniger
verdunkelt.
Ich benenne sie zum Andenken an den leider vor kurzem
verstorbenen Herrn A. Pöll in Innsbruck.
Dasysternum variabile Stertz n. sp. (Tafel III, Fig. 19 £
Fig. 20 2). Spannweite 34 mm, Vdfl-Länge 15 mm. Grund-
farbe der Vdfl schmutzig ascherau, die des 2 lichter, mehr
schmutzig weissgrau, beim zweiten f aber rötlich braun. Die
Beschuppung ist dicht und rauh. Die oleichfarbigen Fransen
leicht gescheckt; hinter ihnen stehen auf den Rippen deutliche
schwarze Pünktchen. Eine gewellte Saumbinde ist bei allen
Stücken sehr verloschen; das Saumfeld verdunkelt (beim $ weniger).
Die äussere, das Mittelfeld begrenzende, deutliche Quer-
binde ist sichelförmig gewellt und verlänft schwach S-förmig;
die innere Querlinie macht in der Mitte eine stark gebogene
Ausbuchtung nach dem Saume zu und bildet kurz vor dem In-
nenrand einen wurzelwärts gerichteten scharfen Einschnitt und
nähert sich hier sehr der äusseren Querlinie, das Mittelfeld im
unteren Teile verengend. Bei den 2 Z/ ist das Mittelfeld be-
sonders gegen den Aussenrand hin stark verdunkelt, während
das beim ® nicht der Fall ist. Hier heben sich auch die 2 be-
sonders grossen rundlichen Makeln licht von demselben ab,
während diese bei den d’S kaum erkenubar sind.
Die Htfl sind lichter gelblich weiss und die ein wenig ge-
wellten Fransen von einer zarten dunklen Linie begrenzt. Eine
schwach angelegte Mittellinie erreicht nicht ganz den Vorderrand.
Auf der hellen, klaren, etwas gelblichen Unterseite führen
die Vd- und Htfl deutliche Mittelflecken und ebensolche ein
wenig gezackte Bogenlinien, die Fransen -haben eine zarte, ein
wenig gewellte Wurzellinie.
Ö. Stertz. Mitteilungen über palaearktische Heteroceren. 129
Die Fühler beim 5 sind so lang gekämmt wie bei bacheri
Pelr. und die des 2 sind fadenförmig. Brust und Thorax wol-
lig behaart; Hinterleib von der Farbe der Htfl.
Der Beschreibung liegen 2 SS und 1 2 vor die Herr Dr.
Niessen aus Aleier am 10. 10. 1913 in Guelt-el-stel an der
Lampe erbeutet hat. Herr Amtsgerichtsrat Rudolf Püngeler, dem
ich das Material zur Ansicht sandte, hält die Art am nächsten
zu Epunda bacheri Pglr. gehörig, die Hampson nunmehr
in das Genus Dasysternum Stdgr. einreihte.
Hadena lateritia Hufn. nov. var. decolor Stertz. Von Herrn
Otto Sohn-Rethel aus Capri erhielt ich 2 X 1 2 einer auffal-
lend blassen Form von Hadena lateritia, die er im Juli
1910 in Pescoconfanza in den Abruzzen erbeutete.
Die Spannweite der Vdfl beträgt 40 mm, während typische
lateritia 42 bis 46 mm messen. Der Grundton der Vdil
ist aschgrau, die der Htil ein wenig heller; die Zeichnung der
ersteren und die Makeln sind verloschen und die sehr zarte Be-
schuppung lässt die Rippen deutlich hervortreten
Auch die Unterseite aller Flügel ist lichtgrau und zeich-
nungslos.
2 dd 1 2 in meiner Sammlung; Herr Sohn-Rethel be-
sitzt ebenfalls eine kleine Anzahl in der seinigen.
Orthosia ruticilla Esp. var. (ab) n. fuliginosa Stertz (Tafel III
Fig 17 5). Gegen Ende März 1914 erbeutete ich in Hammam
R’hra, Algerien, am Licht 1 S und I ® einer mir ganz un-
bekannten Orthosia-Art. Auf dem Rückwege kam ich auch
nach Capri wo ich, wie immer Herrn Otto Sohn-Rethel besuchte.
Als ich ihm dieses Pärchen zeigte, sagte er mir, dass er
ein gleiches Stück im März 1906 in Rom am Licht gefangen
hätte und es für eine ruticilla hielt. Er überliess mir sein
Exemplar für den Fall einer Beschreibung. Auch Herr Pün-
geler, dem ich alle 3 Stücke zur Ansicht sandte, hielt sie für
ruticilla.
Merkwürdig ist, dass ich diese Art in den vorangegangenen
3 Jahren immer nur in der typischen, also gelblich grauen Form
in Hammam R’hira erbeutete, 1914 aber nur die 2 auffallend
braunen. Ich besitze in meiner Sammlung auch rötliche Exem-
plare die in der Staudinger’schen Preisliste als forma rubra
verzeichnet sind.
Die nov. var. (ab) fuliginosa unterscheidet sich von der
typischen ruticilla Esp. auffallend durch die tiefdunkle nuss-
braune Färbung aller Flügel, ferner durch die Zeichnungslosig-
keit der Oberflügel. Auf diesem ist die bei ruticilla immer
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915, Er
130 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
fehlende oder kaum erkennbare Aussenrandlinie licht und haar-
scharf vorhanden; die Nierenmakel ist zart leicht umrandet und
und der sonst in ihr stehende dunkle Fleck hier nicht wahr-
nehmhar. Thorax, Hinterleib und Fransen ebenfall tief braun:
die Unterseite derjenigen von ruticilla gleich, nur etwas
dunkler.
Da ich ähnliche, oder gleiche Falter bisher in keiner Samm-
lung bemerkte, so muss ihr Vorkommen sehr selten sein. 10
aus der Sammlung von Otto Sohn-Rethel 1 1 2 in der
meinigen.
Orthosia blidaönsis Stertz n. sp. (Taf. III Fig. 7 0.) Herr
Doktor Niessen in Algier erbeutete am 11. November 1913 auf
dem Blida glaciere 4 Zo' einer Orthosien-Art, welche der lota
Esp. sehr nahe steht, von dieser aber leicht zu unterscheiden ist.
O0. blida@önsis hat eine Spannweite von nur 30 bis
3l mm, während lota 35—36 mm messen. Der Schnitt der
Vd- und Htfl ist bei beiden gleich. Die Grundfarbe der Vafl
der n. sp. ist aber heller, die Fransen sind gescheckt; am Saume
steht vor denselben eine deutliche schwarzzarte Wellenlinie. Die
charakteristische Linie, die das Saumfeld begrenzt, ist blasser als
bei lota und macht in ihrem untersten Teile eine kleine saum-
wärts gerichtete Ausbuchtung.
Beide Makeln sind zart rötlich umrandet und der untere
Teil der Nierenmakel mit einem schwarzen rundlichen Fleck aus-
gefüllt, die lichten Fleckchen am Apikalrand, die bei lota immer
vorhanden sind, fehlen hier ganz. Die Fläche des Vdfl, begin-
nend vor der Nierenmakel, bis zum Wurzelfeld ist mit unregel-
mässıgen Punktreihen oder ganz rudimentären Querlinien durch-
zogen und eine braune, im oberen Teile nach dem Saume hin
kräftig ausbuchtende Schattenbinde gut erkennbar.
Die langen Fühler sind deutlich gezähnt, die Palpen braun,
Thorax und Hinterleib von der Farbe der Vdfl, die starke Be-
haarung am After rötlich braun.
Unterseite aller Flügel ist glänzend zimmtbraun, das Saum-
feld der Vfl ist gradlinig, leicht abgetönt und die Binden und
der Mondfleck deutlich hervortretend. Je 1 % und 1 2 in der
Sammlung von Herrn Dr. H. C. Niessen, Algier, 1 0’ in der
meinigen.
Catocala nymphagoga Esp. n. ab. defasciata Stertz. (Taf.
III Fig. 4 2., Herr A. Faller aus Freiburg in Baden sandte
mir im Dezember 1911 5 d' und 3 2 von Catocala nym-
phagoga Esp., welche er im September desselben Jahres in der
Umgebung der Stadt Tunis an seiner Lampe in Anzahl erbeutete.
O. Stertz. Mitteilungen über palaearktische Heteroceren. 131
Als ich diesen Freund im Februar 1912 in Freiburg be-
suchte, konnte ich sein ganzes Material dieser Art besichtigen.
Die Falter weichen in Figur und Grösse nicht unerheblich von
europäischen und Stücken aus Palaestina ab; sie gleichen darin
etwa der disjuneta H. G. var. luctuosa Stdgr. Sie er-
reichen nur eine Spannweite von 35—36 mm, während die
europäischen und palaestinischen 40—42 mm messen.
Bei den vorwiegend vorhandenen typischen nymphagoga
ist deren Grundton in der Mitte der Obfl etwas heller, die
Zeichnung aber genau wie bei obigen; nur zeigt die schwarze
Binde auf den Htfl Neigung, schmäler zu werden und bilden
so Uebergänge zu meiner defasciata. Tafel III, Fig. 5. Des
weiteren fanden sich in der Ausbeute ein kleiner Teil in der
Form der ab. anthracita Th. Mieg. vor mit tiefschwarz-
braunen, fast zeichnungslosen Vdfl.
Von der als ab. defasciata benannten Form stellte ich
nur 5 Exemplare fest, von denen mir Herr Faller schweren
Herzens ein Stück abgab. Sie gleichen sich einander voll-
ständig. Die Vdfl sind schmutzig graubraun mit verloschener
Zeichnung und nur im Saumfeld hebt sich die Wellenlinie
deutlicher ab. Auf den Htfl fehlt die schwarze Mittelbinde
völlig! Die Grundfarbe ist etwas lebhafter gelb, die breite,
schwarze Saumbinde verläuft wie gewöhnlich, jedoch ohne die
bekannte Ausbuchtung im unteren Teil. Der Htfl hat danach
die Aehnlichkeit mit dem von Polyphaenis xanthochloris B.
Die Unterseite aller Flügel ist zeichnungslos bis auf die breit-
angelegte schwar.e Aussenrandbinde. Die Farbe der Obfl ist
hier hellgelb, die der Htfl rötlich gelb, im oberen Teil mit
dunklen Atomen bestreut.
Das Bemerkenswerteste bei ab. defasciata ist wohl der
Umstand, dass bei allen Catocalen das Verschwinden der
schwarzen Mittelbinde höchst selten, oder vielleicht gar nicht
vorkommt.
4 Exemplare in der Sammlung A. Faller in Freiburg i. B.
1 2 in der meinigen.
Pangrapta lunulata Stertz nov. sp. (Taf. III Fig. 6 2).
Spannweite 25 bis 26 mm. Die Art ist der flavomacula
Stdgr. am ähnlichsten, besonders in der Flügelform, nur ist sie
im Aussenrandsteil der Vdfl lebhafter braun gefärbt.
Die auffallende Zeichnung auf allen Flügeln genau zu be-
schreiben, wäre zu umständlich; ich beschränke mich daher
hierbei auf das Hauptsächlichste umsomehr, als die Abbildung
die Art leicht erkennen lässt,
132 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Auf dem Vdfl setzt die äussere Querbinde in der Mitte des
Vorderrandes ein, beschreibt im oberen Teil saumwärts einen
sehr scharfen Bogen und ist von einer zweiten schwächer auf-
tretenden parallelen Linie begrenzt, die ihrerseits die sehr grosse
quadratisch geformte Nierenmakel von aussen einfasst. Letztere
ist durch einen feinen, braunen, nach innen gerichteten Winkel-
strich in 3 weisse Flecken geteilt. Die immer das Wurzelfeld
begrenzende Querlinie, löst sich in ihrem unteren Teil in Punk-
ten auf und vor ihr steht an Stelle der Ringmakel ein deut-
licher brauner runder Punkt. Die gezackte Saumlinie aller Flü-
gel ist dunkelbraun eingefasst. Im Apikalteile stehen einige un-
regelmässige grössere und kleinere weisse Fleckchen, ferner am
Vorderrand über der äusseren Querlinie ein grösseres lichtes
Dreieck.
Die helleren Htfl sind ebenfalls von 2 stark gebogenen
Querlinien durchzogen, die als Fortsetzung derjenigen der Obfl
gelten können. Die ganze Fläche der Hfi aber ist mit einer
Anzahl weisser, sich scharf abhebender Fleckchen bedeckt, die
im Saumfeld grösser und halbmondförmig, wurzelwärts aber
kleiner rundlicher erscheinen.
Auf der lichteren Unterseite aller Flügel tritt die Zeich-
nung der Oberseite ganz und recht deutlich auf.
Der Beschreibung liegen je 1 X 1 2 aus meiner Samm-
lung vor, die der eine der Söhne des Herrn F. Dörries in Ham-
burg von seiner letzten Amurreise 1899 mit vielen anderen
Seltenheiten mitbrachte.
Mitteilungen über Zuchtergebnisse des Genus
Chondrostega im Allgemeinen.
Von Otto Stertz, Breslau.
Da ich mich ein wenig mit der Gattung Chondrostega
beschäftigte, so sei über das berichte, was mir Herr Paulus
über die diesbezügliche Zucht persönlich erzählte und was ich
sonst darüber durch eigene Erfahrung weiss.
Die Raupen der von Paulus entdeckten Arten pastrana
Led., palaestrana Ster., götschmanni Stertz, intacta
Pglr., fasciana Stdg., aurivillii Pglr. fand er meist zahl-
reich in der Umgebung Jerusalems und im Jordantal, in der
Nähe von Jericho. Deren Aufzucht bis zum Cocon gelang ihm
fast immer sehr leicht. Aber zum Falter entwickelten sich im
OÖ. Stertz. Mitteilungen über Zuchtergebnisse des Genus Chondrostega. 133
ersten Jahre immer nur 4—6 °/,, nach 2 jähriger Puppenruhe
folgten noch 1—20/,; der Gesamterfolg erreichte demnach
höchstens 8 °/,, also ein sehr mühsames geringes Resultat.
Als ich 1910 mit Herrn Paulus Anfang April von Jerusa-
lem nach Jericho und an das tote Meer reiste, wo er mir seine
interessanten Fangplätze zeigte, machten wir in Jericho die Be-
kanntschaft eines armseligen Deutschon namens Kronenberg.
Dieser Mann war nach 3 jährigem Aufenthalt in Armenien durch
den bekannten Aufstand und die Christenverfolgung unter Ver-
lust seiner ganzen Habe nach Jericho verschlagen worden und
von den Brüdern des St. Paulus-Hospizes in Jerusalem unter-
stützt worden. Er betrieb in Armenien neben seinem Geschäft
(er war Stubenmaler) den Schmetterlingsfang und war, als das
Unglück über ihn hereinbrach, gerade im Begriff, seine 3 jährige
Ausbeute nach Deutschland zu senden
Wir waren nicht wenig erstaunt als er uns seine Zucht
von Lasiocampa davidis, palaestinensis, josua
decolorata (die nunmehrige püngeleri) und von 2 Arten
Chondrostega zeigte. In grossen primitiven Kisten hatte er
von diesen Arten ca. 4-5000 meist erwachsene Raupen am
Futter. Ausdem Erfolg wollte er sich eine kleine Existenz schaflen.
Um ihm ein wenig zu helfen sollte er mir von jeder Art
einige Dutzend Falter senden, die ich an meine Freunde bege-
ben wollte. Eines schönen Tages im Juli 1910 erhalte ich aber
anstatt der kleinen Faltersendung 2 grosse Postkisten mit ca.
2400 Cocons wofür er sich baldigst den Gegenwert erbat. Das
war nun eine tolle Sache, und ich musste mich mit dem Ab-
sender telegraphisch dahin verständigen, dass ich die Sendung
dem damals in Breslau wohnenden Herrn Dr. Lück für seine
Rechnung übergab.
Im November kamen von den Lasiocampen ca. 400 ge-
sunde Falter heraus, sodass ihm immerhin noch ein anständiger
Betrag überwiesen werden konnte.
Von den 2 Arten Chondrostega, ca. 360 Cocons, übernahm
ich 100 und den Rest Herr John in Leipzig.
Als ich im Oktober einmal zum Rechten sah, fand ich in
dem Behälter einen total abgeflatterten 5, er nach der Grösse
zu urteilen nur fasciana Stder. sein konnte. Dann aber kam
in den nächsten 4 Jahren kein einziger Falter mehr heraus, obgleich
nach diesem langen Zeitraum die meisten Cocons noch lebend waren.
Genau denselben Erfolg hatte nach soeben erhaltener Nach-
richt Herr John in Leipzig. Er schrieb mir, dass auch jetzt
noch, also nach 5 Jahren ein Teil der Cocons lebten.
134 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Mitteilungen über meine algerischen Reisen.
Von Otto Stertz, Breslau.
(Mit Taf. III, Fig. 17 und 18.)
In den Jahren 1911, 12, 13 und 14 reisten meine Frau
und ich nach Algier, wo wir uns stets in Hammam R’hira,
einem im Gebirge anmutig gelegenen Bade und Luftkurort 3—4
Wochen häuslich niederliessen. Man erreicht diesen Ort nach
zunächst 3 stündiger Fahrt mit der von Algier nach Oran füh-
renden Bahnlinie und steigt an der kleinen arabischen Station
Bou-Metfa aus.
Die Reise bis dahin ist sehr interessant und anziehend und
belehrend zugleich. Sie führt durch eine breite, sehr frucht-
bare Ebene, die im Süden von den Gebirgszügen des kleinen
Atlas begrenzt wird. In höchster Kultur sieht man hier den
Gemüse- und Weinbau abwechselnd mit grossen mit Getreide
und Luzerne bepflanzten Flächen. Unterbrochen wird das Ganze
durch kleinere und grössere Apfelsinen- und Zitronen-Plantagen,
die stets von regelmässig eng aneinander gepflanzten Zypressen
umfasst sind, wodurch erstere vor scharfen Nord- und Ostwinden
geschützt werden sollen. Da leuchten auch durch das üppige
Grün die roten Dächer der reichen Farmen-Gebäude und drücken
dem ganzen Bilde das Gepräge einer lieblichen Landschaft auf.
Auf den Feldern arbeiten Araberkolonnen in ihren langen weissen
Hemden (das heisst im Sonnenlicht und aus der Ferne leuchten
sie weiss!), immer nur Männer, denn die Araberin darf zu öffent-
lichen Arbeiten nicht verwendet werden. Häufig sind die Bahn-
strecke und die Böschungen von saftigen Wiesenrändern einge-
fasst, auf denen Riesen-Eucalyptus und Akazien stehen; letztere
schon in voller Blüte, deren lieblicher Duft während der Fahrt
in das Wagenabteil dringt Auf den blumenreichen Wiesenab-
schnitten tummeln sich Euchlo& belia Cr., belemia Esp.,
eupheno L. und Gonepteryx cleopatra L. und öfters
auch segelt hier der kräftig gebaute P. podalirius ab. lotteri.
In Bou-Metfa erwartet uns schon der Hotelwagen und nun
geht es bald im flotten Trab auf der guten, sanft ansteigenden
Serpentinstrasse, vorbei an von Regen und Wetter zerklüfteten
vegetationslosen Höhen und Abgründen, weiter. Wir erklimmen
gegen 500 Meter Höhe und in einer knappen Stunde erreichen
wir zunächst das romantisch gelegene kleine Dorf Hammam
Ö. Stertz. Mitteilungen über meine algerischen Reisen. 135
R’hira und 5 Minuten später öffnet uns das schöne Hotel für
längeren Aufenthalt seine gastlichen Pforten.
Das Hotel mit seinen heissen Bädern, die schon von den
alten Römern benutzt wurden, ist ein gegen Süden hin lang-
gestreckter Bau im gothischen Stil, mit 2 Stockwerken. Es liegt
inmitten eines feenhaften, ausgedehnten, wohlgepflegten Parkes,
in dem man herrliche, seltene Koniferen, ebensolche riesenhafte
Palmen in vielen Arten bewundern kann. Verlockend winken
Apfelsinen- und Zitronenbäume, vollbehangen mit aromatischen,
goldenen Früchten, die vielen und öfteren Genuss verheissen.
Zehn Minuten davon liegt ein wenig gepflegter, aber
wildromantischer Kiefernwald, in dem man stundenlange Spa-
ziergänge machen kann.
Steigt man nördlich vom Hotel ungefähr 300 Meter an, so er-
reicht man den Sattel des Höhenzuges, von dem wieder aus-
sichtsreiche Kammwanderungen gemacht werden können.
Das Hotel mit seiner riesig grossen Terrasse, von welcher
man einen ganz wunderbaren, umfassenden Ausblick auf die
Ebene von Bou-Metfa bis zum Kamme des kleinen Atlas, der
gerade hier schön zackige Formationen aufweisst, geniesst, ge-
hört einer bedeutenden Gesellschaft in Algier, wird von
einem deutschen Direktor aus Luzern geleitet und die ganze
Tisch- und Zimmerbedienung ist deutsch, entweder in der
Schweiz, oder dem Elsass beheimatet. Hätte man nicht die
üppige subtropische Vegetation und den echten unverfälschten
Orient vor Augen, könnte man glauben, in einem deutschen
Gebirgsdorf zu sein.
Da es neben den herrlichen Naturgenüssen, in denen man
hier im Maerz und April schwelgen kann, auch noch interessante
Schmetterlingsjagd gibt, so wird der freundliche Leser gewiss
verstehen können, dass man 4 Jahre hintereinander die weite
Reise hierher unternimmt. Für mich aber kam ausser allem
noch ganz besonders meine mit dem Generalkonsul Dr. Niessen
1911 gemachte Bekanntschaft in Betracht, welche nicht nur
engste entomologische Interessen - Gemeinschaft, sondern auch
innigste Freundschaft mit ihm auslöste.
Da es mir versagt ist, grössere und daher anstrengende
entomologische Exkursionen vom Standort aus zu unternehmen,
so kommt für den Fang hier nur die Umgebung, die Höhen
hinter dem Hotel, dann die Waldwiesen in dem angeführten
Kiefernwalde dem Foret Samam in Betracht. Zum Licht-
fang bot die gerade nicht besonders gute elektrische Lampe am
Hotel Gelegenheit; teils aber leuchtete ich auch in der Umge-
136 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
bung mit Acetylen, ohne damit andere, oder besondere Resultate
zu erzielen, als an der Hotellampe.
Ich habe hier, was das Sammeln von Raupen, das Aufscheu-
chen von Geometriden bei Tage und das Auffinden von Noctuen
an Stämmen und Mauern anbelanst, dieselben negativen Erfah-
rungen machen müssen, wie ich sie im März und April 1908
und 1909 auf der Insel Teneriffa erlebte. Das eine ist wohl
aber sicher, dass meine Sammelergebnisse, die ich am Ende
meines Aufsatzes spezificieren will, den Durchschnitt alles dessen
ergibt, was hier von Macrolepidoptera im März und April zu
finden ist. Der beste Monat für den Fang ist wohl Mai bis
Mitte Juni, da fliegen hier zahlreich Zygaenen. Besonders ist
Hammam R’hira der einzige bekannte Fundort von Zygaena
therryi Jouann, die Herr Dr. Niessen hier 1909 oder 1910
entdeckte.
Interessant ist hier das Vorkommen von gewöhnlichen euro-
päischen Arten neben solchen, die rein spezifisch für Algier in
Betracht kommen. Da, wo bei Heteroceren nichts besonderes
angegeben ist, geschah der Fang an der Hotellampe.
1. Papilio machaon Hb. sehr selten, auffallend gelb
gefärbt.
2. Papilio podalirius ab. lotteri Aust. 1911 und
1912 sehr häufig auf Blumen und blühendem Flieder in der
Nähe des Hotels, seltener auf den Höhen hinter dem Hotel. In
den letzten beiden Jahren war der Falter auffallend selten.
3. Thais rumina L., überall auf blumigen Wiesen,
nicht zu häufig.
4. Pieris brassicae v. catoleuca Roeb.
5. Pieris rapae v. leucotera Stef., beide unterein-
ander häufig.
6. Pieris daplidice v. raphani Esp. selten, nur auf
den Höhen.
7. Euchlo& belemia v. desertorum überall, nicht
häufig, das 2 sehr selten.
8. Euchlo& belia var., eine zartgebaute, kleine Form,
die Dr. Niessen auch im südlichen Algerien fing, nicht zu häufig.
9. Euchio& eupheno L. häufig an Abhängen und blu-
migen Wegrändern.
10. Colias edusa F. nicht häufig, überall.
ll. Gonepterix cleopatra v. mauretanica auf-
fallend grosse Exemplare, häufig.
12. Gonepterix farinosa Z. seltener.
13. Pyrameis atalanta Esp. sehr selten.
Ö. Stertz. Mitteilungen über meime algerischen Reisen art!
14. Polygonia c-album L. var., 1 einziges Exemplar
von sehr dunkler Farbe.
15. Vanessa xanthomelas Esp. im Kiefernwalde,
nur 2 Exemplare.
16. Pararge aegeria L. häufig.
17. Pararge megaera L. seltener.
18. Coenonympha pamphilus Esp. häufig, die Falter
sind auffallend klein.
19. Callophrys rubi Esp., auf trockenen Wegen häufig.
20. Callophrys avis Oberth. selten, ich fing diese
Art in 4 S und I 2 immer nur im März, während die vor-
hergehende Art gegen Mitte April erschien.
21. Thestor ballus F. häufig auf Wiesen und blumi-
gen Wegrändern.
22. Thestor mauretanicus Luc. häufig, der Falter
sucht sonnendurchglühten, graslosen Lehmboden auf, oder trok-
kene Waldwiesen.
23. Chrysophanus phlaeas L. sehr selten.
24. Lycaena icarus var. icarinus Skriba, Lycaena
icarus ab. caerulea 2 Fuchs nicht häufig.
25. Lycaena astrarche Bgstr. vereinzelt, darunter
auch die var. cramera Esch.
26. Lycaena cyllarus Rott. v. aeruginosa Stdger.
jei & und 1 2 im April in 800 m Höhe.
27. Deilephila lineata v. livornica Esp. im März
öfter am Licht.
29. Macroglossa stellatarum Esp. häufig.
30. Cerura bifida v. urocera B.Ben. vereinzelt
am Licht.
3l. Dicranura vinula v. delavoici Gaschet an
Stämmen von Esche.
32. Onethocampa pityocampa Schiff. hiervon traf
ich nur die Raupen in grossen Mengen an.
33. Lymantria atlantica Rbr. hiervon erbeutete ich
ein frisches 2 am 20. April 1913.
34. Lasiocampa trifolii var. cocles H. G. hier-
von fand ich die ziemlich erwachsenen Raupen, woraus ich im
August eine Anzahl Falter erzog.
35. Lemonia vallantini Oberth. 1 J Exempl. im
März 1914 im Sonnenschein auf einer Wiese erbeutet. Da der
Falter sonst im November und Dezember fliegt, so handelt es
sich wohl um ein überwintertes Stück.
138 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresdea 1915.
36. Saturnia atlantica Luc. hiervon fand ich häufig
an Stämmen der Esche die leeren Cocons. Trotz öfteren Klop-
fens an Esche konnte ich der Raupe nicht habhaft werden.
37. Drepana,binarra y. uncınwla Bkh.
38. Cilix glaucata Sc. Ent. Carn. selten am Licht.
39. Agrotis puta Hb. ab. lignosa 2 vereinzelt am Licht.
40. Pachnobia faceta Tr. häufig am Licht. Die Zucht
ergab helllederbräunliche Exempl. im cd, dagegen tief dunkle
im ® Geschlecht
41. Mamestra trifolii Rott ab. farkasii Tr. selten.
42. Mamestra sociabilis Grasl. var. irrisor Ersch.
1912 in 2 Exemplaren.
43. Mamestra sodae Rbr. nur 1 Exemplar.
44. Mamestra serena F. vereinzelt am Licht, 1
Exemplar zog ich aus einer an Esche gefundenen erwachsenen
Raupe.
45. Dianthoecia carpophaga var. capsophila Dup.
öfters am Licht.
46 Dianthoecia nana Rott. selten.
47. Dianthoecia silenes Hb. 1914 im März 1 Exempl.
am Licht.
48. Bryophila raptricula ab. striata Stdgr. im März
1913 1 Exempl. am Licht.
49. Hadena solieri Dup. öfters am Licht; die Stücke
sind sehr dunkel.
50. Callopistria latreiliei Dup. vereinzelt am Licht
51. Leucania sicula Tr. öfters am Licht.
52. Leucania L-album Esp. nur 1 Exempl. am Licht.
53. Leucania lythargyria Esp. selten am Licht.
54. Caradrina exigua Hb. vereinzelt am Licht.
55. Caradrina flava Oberth. selten, im April 1913 er-
beutete ich am Licht 1 2, das eine Anzahl Eier legte. Herr
R. Püngeler dem ich diese sandte, zog eine Anzahl dieser sehr
schönen Art.
56. Qaradrina'quadrıpunctata ER. jedes Jahr
gemein.
57. Caradrina noctivaga Bell. nov. var. algeriensis
Stertz (Tafel III Fig. 18 JS) die Art fing ich 1911 und 12 im
März am Licht in einigen dd’ und 1 %; auch Herr Doktor
Nissen aus Algier erbeutete sie in Blida Glaciere, in Guelt-el-
stel und Tilhammt, Algerien in einzelnen Stücken. Alle Exem-
plare zeigen eine übereinstimmende Zusammengehörigkeit und sind
von noctivaga leicht zu unterscheiden. Der Grundton der Obfl
Ö. Stertz. Mitteilungen über meine algerischen Reisen. 139
der var, algeriensis ist dunkel oder etwas heller schmutzig
lederbraun; sie sind zeichnungslos und die 3 Punkte an ihrem
Vorderrand fehlen ganz. Die Nierenmakel ist nur bei einzelnen
Stücken und dann auch nur schlecht erkennbar. Die ganze
Figur ist schlanker und nicht so gedrungen wie bei noctivaga.
Sind bei letzterer die Htfl hell weissgrau (im männlichen Ge-
schlecht), so sind sie bei der var. algeriensis schmutzig grau-
braun; ebenso beschaffen ist die Unterseite aller Flügel.
Leider erzielte ich bei dem einzigen in Hammam R’hira
gefangenen keine Eiablage. Ich glaube sicher annehmen zu
können, dass die Zucht bewiesen hätte, dass es sich hier um
eine gute Art handelt. So lange dies nicht möglich ist, stelle
ich sie als Varietät zu noctivaga.
58. Panolis griseovariegata Göze selten, von euro-
päischen Stücken nicht zu unterscheiden.
59. Orthosia ruticilla Esp. häufig am Licht.
60. Orthosia ruticilla var. n. fuliginosa Stertz.
Ich verweise bez. dieser nov. var. auf meine Beschreibung in
der Iris und die auf Tafel III Figur 17.
61. Xylina semibrunnea Hw. Einige Exemplare am
Licht. Aus einer Ende März an einer Esche gefundenen Raupe
zog ich den Falter im Mai.
62. Xylocampa areola Esp. Häufig am Licht.
63. Calophasia platyptera Esp. var. subalbida
Stdgr. öfters am Licht.
64. Cleophana serrata Tr. April 1913, 2 Exemplare
aın Licht.
65. Cucullia verbasci Esp. 4 ausserordenlich grosse
Falter dieser Art 1913 und 1914 am Licht; sie haben eine
Flügelspannweite von 55 mm, während grösste europäische Stücke
48 mm messen.
66. Cucullia chamomillae Schiff. und var calendulae
Tr. häufig am Licht.
67 Cucullia absinthii S. in einigen Exemplaren am
Licht.
68. Heliothis peltiger Schiff. selten am Licht.
69. Thalpochares ostrina Hb. einige Exempl. am
Licht.
70. Rivula sericealis Hb. var. oenipontana Hellw.
selten am Licht.
71. Plusia gamma Esp. selten.
72. Leucanitis cailino Lef. einige Exempl. am Licht
von auffallend kleiner Figur.
140 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
73. Spintherops spectrum Esp. ein sehr stark ge-
flogenes Stück am Licht
74. Spintherops cataphanes Hb. vereinzelt,
75. Spintherops dilucida var. rosea Stgr., vereinzelt
beide am Licht.
162 Nodaria nodosalis" HlS. Marz21932, Plz Stuck
am Licht.
71. Hypena obsitalis Hb.
78. Hypena lividalis Hb. beide selten am Licht.
IaNeidallarmacitlentarrarl. Ss
80. Acidalia litigiosaria B. @
81. Acidalia ossiculata Ld.
82. Acidalia asellaria H. S. selten.
83. Acidalia cervantaria Mill. selten.
84. Acidalia virgularia v. australis.
85. Acidalia subsericata Hw.
86. Acidalia infirmaria Rbr.
87. Acidalia marginepunctata Goeze.
88. Acidalia immistariaH.S.
89. Acidalia emutaria Hb. Bis’ auf cervantarıa
kamen die angeführten Acidalien häufig ans Licht.
90. Ephyra pupillaria Hb.ab. syrata Hb. nicht häufig,
aber in besonders grossen Exemplaren.
91. Chesias rufata var. plumbeata Stgr. sehr häufig
am Licht.
92. Larentia fluctuata selten.
93. Larentia variata Schiff. var. variolata selten.
94. Larentia multipunctata Stdgr. nicht selten.
95. Larentia fluviata Hb. selten.
96. Larentia numidiata Stgr. häufig am Licht.
Herrn Rudolf Püngeler in Aachen sandte ich von dieser
Art Eier und er erzog daraus die Raupe und den Falter. Er
sandte mir kürzlich davon eine präparierte Raupe mit der Er-
klärung, dass es bestimmt diejenige von L. ibericata Stdgr. sei.
Die Vergleiche mit meinem Sammlungsmaterial bestätigten Mit-
teilungen des Herrn Püngeler insofern, als ich unter meinen ca.
16 Exemplaren Nümidiata einige fand, die genau mit Ibericata
Stdgr. (aus Jerusalem) übereinstimmen; einige Exempl. bilden
Uebergänge zu ihr. Der grössere Teil der aus Hammam R’hira
stammenden Numidiata stimmen mit solchen aus Teneriffa über-
ein. Deren Vd- und Htfl sind schmutzig grau und die sehr
veränderliche Mittelbinde meist verwaschen und in ihrem oberen
Teile etwas aufgehellt. Bei ibericata dagegen ist der Grundton
Ö. Stertz. Mitteilungen über meine algerischen Reisen. 141
aller Flügel rein, weissgelblich und die Mittelbinde hebt sich
von diesem zart und klarer ab. Ich bin überzeugt, dass diese
beiden Arten zusammen gehören und die häufigere schmutzig
graue Form als Varietät der ibericata gelten muss.
97. Larentia vallantinaria? Oberth. häufig am Licht.
Ich glaube, dass diese Oberthür’sche Art mit cupreata H.S.
identisch ist.
95. Larentia oxybiata Mill. öfters am Licht.
99. Tephrochlistia innotata Hufn. var. tamarisci-
ata Fr. gemein.
100. Tephrochlistia unedonata Mab. häufig am
Licht.
101. Tephrochlistia pumilata Hb. var. insula-
riata Baker selten am Licht.
102. Eusarca interpunctaria H.S.selten am Licht.
103. Stegania trimaculata Vill. var. cognataria Ld.,
beide vereinzelt am Licht. |
104 Metrocampa honoraria Schiff, an manchen
Abenden sehr häufig amı Licht.
105. Opisthograptis luteolata Hufn. selten am Licht.
106. Hypoplectis henricaria Oberth. diese zierliche
seltene Art, die ich auf Tafel III Fig. 15 ® 16 2 zur Ab-
bildung bringe, fing ich alljährlich in wenigen Exemplaren am
Licht. Das einzige erbeutete $ versagte mit der Eiablage.
107. Biston stratarius Hufn. gegen europäische Stücke
sehr variierend.
105. Hemerophila japygiaria Costa vereinzelt am
Licht.
109. Hemerophilaabruptaria Thnbg. häufig am Licht
110. Hemerophila abruptaria var. maura Öberth.
vereinzelt.
1ll. Boarmia psoralaria Mill. vereinzelt am Licht.
112. Boarmia solieraria Bbr. selten am Licht.
113. Boarmia fascinatarid Stgr.
114. Boarmia tenietaria Stgr. beide vereinzelt am
Licht.
115. Gnopharmia colchidaria Led. 1 Exempl. in
Bou-Metfa an einer Mauer erbeutet.
116. Halia vincularia Hb. öfters am Licht.
117. Thamnonoma semicanaria Fır. vereinzelt am
Licht.
118. Aspilates ochraria Ross öfters bei Tage aufge-
scheucht
142 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915
119. Sarrothripus revayana var. striata 1 Exempl.
am Licht.
120. Nicteola falsalis H. S. vereinzelt am Licht.
121. Spilosoma lubricipeda Esp. 1 Exempl. am
Licht, für Algerien neu.
122. Oenogyna huegenini ÖOberth. 1912 ein frisch
ausgekommener f am Felsen sitzend erbeutet.
123. Oenogyna pudens Luc. öfter am Licht. Die
Art fliegt von 7—7'/, Uhr abends heftig an die Lampe und
ist selten in reinen Stücken zu erlangen.
124. Arctia villica var. arabum Stgr. öfters am
Licht.
Ich fand Anfang April 1914 eine der villica ähnliche
Raupe mit breitem weissem Rückenstreifen. Der Mitte Mai
geschlüpfte Falter ergab obige Art.
Mitteilungen über eine Zucht von Arctia caja.
Von Otto Stertz, Breslau.
(Mit Fig. 13 und 14 auf Taf. III.)
Mein entomolvgischer Freund Herr Rentier Jander, Breslau,
übergab mir Aufzeichnungen über eine von ihm betriebene sehr
interessante caja-Zucht. Er berichtet im Wortlaut Folgendes:
Anfang Juli 1911 erhielt ich 62 Arctia caja Raupen von
einem Freilandtier aus Thüringen stammend. Sie hatten 2 Häu-
tungen durchgemacht und gediehen an Leontodon taraxacum
Futter vortrefflich, so dass ich Ende August 60 tadellose Falter
erhielt; darunter 2 ab, lJutescens,
Ein zur Nachzucht abgesperrtes Pärchen normaler Färbung
ergab Ende Oktober aufs Neue mit wenig Verlust ca. 100
schöne Exemplare; darunter 20°/, ab. lutescens. Von einem
Paar dieser Zucht wiederum Nachzucht und gegen Ende Dezem-
ber kräftige grosse Falter mit ca. 300, ab. lutescens. Dies-
mal erhielten die Raupen Wälschkohl, den sie von allen Kraut-
sorten am liebsten nahmen. Anfang Januar 1912 junge lebende
Raupen, gut fressend. Ende Februar fertige schöne Falter, zu-
meist Htfl gelb und orange mit herrlichen Uebergängen zur
Stammform.
O. Stertz. Mitteilungen über eine Zucht von Arctia caja. 143
Die nächste Zucht, März — April mit gleichem Resultat. Fal-
ter sehr gross und im Flügelschnitt dem matronula-Falter
sehr ähnlich. Mai—Juni 6. Zucht mit gleichem Ergebniss, wie
das der vorigen.
Nun beginnt bei der 7. Zucht ein Rückschlag. Ich er-
hielt wohl Nachzucht, aber die Raupen beeilten sicb mit dem
Fressen nicht. Obgleich sie frischen Löwenzahn erhielten, frassen
sie wenig und setzten sich Anfang Oktober im Kasten zur Ueber-
winterung fest. So hockten sie bis in den November hinein;
dann ins warme Zimmer genommen, fingen sie wieder an zu
fressen. Indessen erzielte ich nur noch wenige Puppen; die
meisten Raupen blieben klein und gingen ein. Aus den weni-
gen Puppen schlüpften nur verkrüppelte Falter.
Parallel mit Herrn Jander trieb Herr E. Hoy in Breslau
die gleiche Anzahl Zuchten aus demselben Material, das ersterer
ihm überliess. Er erzielte die gleichen Resultate, nur hatte er
das besondere Glück, aus der 3. und 4. Zucht 4 schöne Aber-
rationen zu erhalten.
Drei derselben erwarb ich von Herrn Hoy für meine
Sammlung und bringe 2 derselben auf Tafel III Figur 13 und
14 zur Abbildung,
Nr. 13 hat tiefbraune Färbung der Obfl, auf denen eine
ziemlich gleichmässige Verteilung der weissen kleinen Flecken
vorhanden ist.
Die Htfl sind tief samtschwarz, die bindenartig merkwürdige
Aussenrand-Einfassung, sowie die 2 grösseren getrennten l'lecken
im Wurzelfeld sind lebhaft orangegelb; die Flecken in der Mitte
etwas heller abgetönt. Die Unterseite der Vdfl ist eintönig blass
lichtbraun. Auf den gleichfarbigen Htfl ist die ganze Zeichnung
der Oberseite deutlich und kräftig sichtbar. Der untere Fleck
im Wurzelfeld ist hier rot, der obere aber sowie die Randbinde
und die Flecken in der Mitte sind blassgelb. Der Thorax ist
von der Farbe der Vdfl, der Leib lebhaft orangegelb mit 4 tief-
schwarzen Einschnitten auf den mittleren Segmenten.
Nr. 14 sehr schmalflügelig, die Vdfl braun, ohne jede
Zeichnung; die Htfl mit normaler Zeichnung auf gelbem Grunde.
Die Unterseite aller Flügel entspricht gänzlich derjenigen der
Oberseite. Der Leib ist gelb.
144 Deutsche Entom. Zeitschrift Irıs. Dresden 1915.
Lepidoptera von Herrn P. Range im Nama-Land,
Deutsch S. W. Afrika, gesammelt.
M. Gaede, Charlottenburg.
(Mit Fig. 20 auf Tafel II.)
Die kleine Ausbeute von 39 Arten befindet sich im Ber-
!iner Zoologischen Museum. Unter den 17 Rhopaloceren ist
kaum etwas zu erwähnen, dafür sind unter den verhältnismässig
zahlreichen Heteroceren einige wahrscheinlich neue Arten.
Papılmommdae:.
1. Papilio demodocus Esp. 1 Sf 1 %. Bei dem ® fehlt auf
den Vdfl von den 3 gelben Flecken zwischen Rippe 7 und 8 der
mittlere vollständig. Stücke bei welchen dieser Fleck stark ver-
kleinert ist, finden sich in der Sammlung des Museums mehr-
fach, aber bei keinem fehlt er ganz. Man könnte das Stück
demodocus var. bimaculatus nennen.
Pöreradidae.
Mylothris agathina Or. 1 J.
Pieris severina Cr. 1722.
Pieris mesentina Cr. 7 d..
Teracolus achine gavisa Wlingr. 1 2.
Terias brigitta zoe Hpfr. 3 0 2 2.
Danaididae.
7. Danaida chrysippus L. 5 7 13 2%. Ziemlich variable
Stücke. Vorn ist der Fleck in Feld 4 einmal ganz isoliert und
rund (chrysipellus Strd.), bald mehr oder weniger nahe mit
dem in Feld 5 verbunden bis zur Form orientis Aur.
Daun
Nymphalididae.
8. Crenis rosa Hew. 1 9.
9. Catacroptera cloanthe obscurior Stdge. 1 2.
10. Preceis oenone cebrene rim. I c.
11. Preeis clelia Cr. 1 c.
12. Pyrameis cardui L. 3 2.
Acraeidae
13. Acraea encedon L. 2 d. j
14. Acraea acerata vinidia Hew. 1 J.
M. Gaede. Lepidoptera von Herrn P. Range im Nama-Land. 145
15. Acraea terpsichore rougeti Guer. 1 J..
15a. Acraea terpsichore buxtoni Btl. 1 J.
16. Acraea zethes acara Hew. 1.
17. Acraea neobule Dbl.-Hew. 1 I 2 2.
Sphingididae.
18. Deilephila nerii L. 1 J.
19. Celerio lineata livornica Esp. 1 2.
Geometridae.
Boarmiinae.
20. Zamarada pulverosa Wrr. 1 2. Im Verhältnis zu
typischen pulverosa etwas zu dunkel, auch scheint der braune
Rand etwas breiter.
Larentiinae.
21. Sterrha sacraria L. 15328.
Geometrinae.
22. Tramida ocellata Wrr. 1 2 ohne Beine.
Arctiidae.
Phlyctaenogastra nov. gen. In Grösse und Flügelform der
Gattung Endrosa ähnlich, im Rippenbau am nächsten der Gattung
Carcinarctia Hmps. Auf den Vdfl entspringt R, hinter der
Mitte und ist etwas abwärts gebogen, R, kurz vor der Ecke,
R, auf der unteren Ecke der Zelle und R, dicht darüber, 6
und 7 aus der oberen Ecke, 8 und 9 mit 7 gestielt, 10 an
einem Punkte Rippe 7 berührend, 11 frei. Hinten R, nach
der Mitte entspringend; 3, 4 und 5 wie vorn, 6 und 7 kurz
gestielt, 8 vor der Mitte der Zelle abzweigend. Palpen die
Stirn etwas überragend, männliche Fühler lang gekämmt, an
den Vorderschienen vorn und hinten kurze Klauen. An der
Unterseite des Thorax 2 grosse farblose Blasen, wie sie sich
auch bei den Gattungen Endrosa und Cymbalophora finden.
23. Phlyctaenogastra rangei Tafel II, Fig. 20. Kopf röt-
ich gelb, Palpen schwarz, drittes Glied gelb; Fühler braun,
lang gekämmt; Halskragen rot, Thorax braun, Leib rötlichgelb,
auf dem Rücken mit einer dunkeln Punktreihe. Vdfl gelbbraun
mit etwas rosa; an der Wurzel ein schwarzer Doppelfleck an
der Costa, dann einer unter der Mediane und einer über R,;
zwei stark gezackte antemediane Linien schwarz, von denen die
äussere in der Zellmitte und über R, je einen Verbindungs-
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915.
x
146 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
strahl zur inneren sendet. Die Mittelbinde ist ebenso stark ge-
zackt und trägt an der Querrippe aussen einen schwarzen Ring;
über R, ebenfalls eine tiefe Zacke nach innen. Postmediane
Binde gleichmässig gezackt; Submarginale an den äusseren
Spitzen der gleichmässigen Zacken mit den schwarzen Rand-
flecken vereinigt; Fransen braun und rötlich gescheckt; alle
Binden am Vorderrand am breitesten und dunkelsten. Hitfl hell-
rot, über Rippe 8 gelbbraun wie die Vdfl. In der Mitte des
Vorderrandes ein kleiner schwarzer Fleck, auf der Querrippe
ein kräftiger schwarzer Mond, submarginale Zackenbinde breiter
als vorn, Fransen rosa. Unten vorn wie oben, am Rande etwas
verwaschener; hinten der Costalfleck ebenso scharf wie der
Mondfleck, ausserdem über letzterem noch ein kleiner Randfleck.
Bei dem von Range gesandten Exemplar sind die Vdfl oben
stärker rosa übergossen als bei Lorch’s Exemplar. Da letzteres
am besten erhalten ist, soll es die Type sein.
Type: 1 & Churutabis, "Deutsch 'S. 'W. Afrika, 1912
Sammler Lorch, Spannweite 26 mm; ausserdem 1 / S. Nama-
Land. Sammler Range, Spannweite 27 mm.
Noctuidae.
Hadeninae.
24. Brithys pancratii Cyr. 1 d’.
Erastriinae.
25. Eublemma therma Hmps. Sehr abgeflogen, aber wahr-
scheinlich diese Art. 1 Stück.
26 0Ozarba bicoloria nov. spec. Etwas ähnlich der bipar-
tita Hmps. Kopf, Torax und Leib hell ockerbraun. Auf den
Vdfl die Wurzelhälfte ebenso; am Vorderrande nahe der Wurzel
einige dunkle Punkte; Antemedianlinie am Vorderrande mit einem
dunkeln Punkt beginnend, nach aussen gebogen, unter der Mittel-
zelle grade zum Innenand, wenig deutlich; das blaugrüne dunkle
Aussenfeld durch eine dicke ungezackte schwarze Linie innen
begrenzt, die, auf der Mitte des Vorderrandes beginnend, bis
zur Flügelmitte etwas einwärts geht und dann grade zum In-
nenrand, also umgekehrt gebogen wie bei bipartita, auf der Quer-
rippe ein schwarzer Strich, unter dem und in der Mitte des
Vorderrandes ist das Aussenfeld am dunkelsten, Fransen wie
das Aussenfeld gefärbt. Hinten graubraun, am Rande dunkler,
Fransen graubraun. Unten graubraun, am Aussenrande vorn
und hinten dunkler. R
M. Gaede. Lepidoptera von Herrn P. Range im Nama-Land. 147
Type: 1 S' S. Nama-Land, Sammler Range, Spannweite
16 mm.
Catocalinae.
27. Cyligramma latona Cr. 1922.
28. Parallelia algira L. 1 J.
29. Grammodes stolida I. 15 Stück, meist sehr geflogen.
30. Cerocala vermiculosa H.-Sch. 1 do”.
Phytometrinae.
31. Phytometra orichalcea F. 1 ö.
Noctuinae.
32. Sphingomorpha chlorea Cr. 1 cd".
33. Polydesma collutrix Geyer. 7 Stück, alle sehr beschä-
digt, wahrscheinlich diese Art.
34. Cosmophila sabulifera Guen. 1 SZ mit sehr dunklem
Mittel- und hellem Aussenfeld.
Lasiocampidae.
35. Taragama rangei nov. spec. Aehnlich der diplocyma
Hmps. Palpen, Kopf und Fühlerschaft weisslich, Kammzähne
braun, Thorax und Leib hell graubraun. Vdfl nicht so rötlich
braun wie diplocyma, sondern reiner braun; von der weissen
Mittelbinde ist nicht nur das kurze Stück am Vorderrande er-
halten, sondern sie erreicht die Medianrippe, läuft auf dieser
weiter bis auf den halben Abstand von der Flügelwurzel, hat
dort eine Spitze und geht in etwa halbkreisförmisem Bogen mit
der Oefinung nach innen zum Innenrand. Die äussere weisse
Binde beginnt am Vorderrand ein wenig weiter vom Apex, sie
ist ähnlich aber weit schärfer gezackt als bei diplocyma; in Feld 4
ein keilförmiger Vorsprung nach innen; von dort senkrecht zum
Innenrande bis Rippe 3, auf dieser weiter nach innen, ein
scharfer Absatz bis Rippe 2, auf dieser nach innen und dann
grade zum Innenrand. Hinten heller braun als vorn; die weiss-
liche Mittelbinde ist etwas verwaschen und schmäler als bei
diploeyma; sie hat bei Rippe 2 eine schwache Einbuchtung.
Fransen soweit erhalten vorn gleich der Flügelfarbe, hinten gelb-
lich. Unten vorn und hinten hell braun, die Mittelbinde fehlt
vorn, die äussere ist undeutlich.
Type: 1 9 S. Nama-Land, Sammler Range, Spannweite
45 mm.
Cossidae.
36. Hyleutes tristis nov. spec. Vdfl schwarzbraun mit
ahlreichen schwarzen Wellenlinien,; im äusseren Ende der Zelle
148 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1915.
aufgehellt; unter der Zelle von der Wurzel her ein schwarzer
Wisch bis zum Ursprung von Rippe 4; dieser Wisch ist durch
helle Flecke unter der Wurzel von R, unterbrochen, Randfeld
ein wenig heller. Htfl braun, an der Wurzel heller. Das Stück
ist schlecht erhalten und mögen die hellen Stellen der Vafl
durch Beschädigung entstanden sein, doch glaube ich, dass die
Art an ihrer sehr dunkeln Farbe wird erkannt werden können.
Type: 1 2 S. Nama-Land, Sammler Range, Spannweite nur
40 mm.
Pyralididae.
37. Crambus spec.
38. Ematheudes spec.
39. Sylepta spec.
Diese 3 Stücke sind so abgewischt, dass eine Bestimmung
oder Beschreibung nicht zweckmässig schien.
Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm.
und verwandter Arten.
Von Otto Bang-Haas.
I.
(Mit Tafel IV und V.)
Es gibt keine Parnassius- Art, die eine derartige Vari-
bilität aufweisen kann wie delphius Ev. Obgleich das Ver-
breitungsgebiet von apollo L. viel grösser ist als bei delphius,
so sind die Unterschiede selbst der entferntesten apollo-Rassen
viel weniger ins Auge fallend als bei den zahlreichen Varietäten
von delphius, da die Natur diesen Falter mit viel reicheren
Zeichnungselementen bedacht hat.
Soweit dies bis jetzt bekannt, fliest er in folgenden Gegenden:
I. Thianschan Nr. 1-9, in 9 Rassen*) u. 24 Aberrat.
II. Turkestan mit Pamir
ohne Thianschan " , 710 —18,7,.97 7, lo ”
III. Nord-Indien inkl.
Hindukusch 5 DA be 4
IV. Süd-Thibet nördl.
Sikkim 220
P. delphius Ev. Nr. 1-—26,in 26 Rassen und 32 Aberrat.
*) Rasse = Subspecies oder Lokalvarietät.
Nr.
Tafel IV.
1 delphius delphius Eversm. 5, Ala Tau, Coll Stgr.,
2 illustris Gr. Gr. g', Pamir, Coll. Stgr.,
. 3/4 candidatus O. B.-H. % 2, Juldus, Original,
. 5/6 constans O. B.-H. 5 %, Aksutal, Original,
7 intermedia Ver. 5, Kuldscha, Coll. Stgr..
8 styx Stgr. J', Kuldscha, Coll. Stgr., Original.
. 9/10 juldussica Ver. 2 ', Julduss
. 11 karaschahrica ©. B.-H. 5‘, Kutscha mont, Original
..12 infernalis (Stgr. i. 1.) Elwes 5 \
— dolabella Fruhst. J
13 infernalis (Stgr. i.1.) Elwes 5, Osch, Coll. Stgr., Orig., pag.
Nr. 14/15 namanganus Stgr. J' 2, Namangan Coll. Stgr.. Orig., pag.
pag.
pag.
pag-
pag.
pag.
pag.
pag.
pag.
Ösch, Coll. Stgr., Orig., pag.
. Bang-Haas: Parnassius delphius und verwandte Arten.)
152
162
145
157
154
157
158
159
160
160
159
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in
TAF. TV.
IRIS, DRESDEN, BD. XXIX.
IR
(u
Tafel V.
(O. Bang-Haas: Parnassius delphius und verwandte Arten.)
Nr. 16 delphius maximinus Stgr. 2, Issykul mer. oc., Original, pag. 159
Nr. 17 delphius mamaievi O. B.-H. Y‘, Schamm, Ladak m.,
Orismal, 1... „pag., .98
Nr. 18 delphius abramovi 0. B.-H.. = Chotan, Chin.-Tatarei,
Origmal, -. . ©. RD N
Nr. 19 delpius lathonius Bryk. 9, Eanke, Thibet cent., Orig. pag. 166
Nr. 20 acdestis priamus Bryk 9, Aksutal, Original, " pag. 168
Nr. 21 actius melaniticus O. B.-H. Kutscha m., Original pag. 173
Nr. 22 basharicus OÖ. B.-H. 5‘, Bashalır, Indiasept., Original pag. 175
Nr. 23 nomion davidis Obth. 5‘, Chingan mont. pag. 170
26 simo Gray d‘ 9, Chotan, Chin.-Tatarei, pag. 96
actius ornatus O. B.-H. g. Chotan, Chin.-Tatarei, Orig. pag. 9
Nr. 27 Unterseite zu Nr. 22
Nr. 23 actius epaphactius O. B.-H. %, Chotan, Chin.-Tatarei,
Ourmal,: er Da
Nr. 29 epaphus Obth. (hillensis) 0. B.-H. E Bashar, Original pag. 175
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und 164
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ang N
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Ö. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 149
P. acdestis Gr. Gr.
I. West-China Nr. 27—23 in 2 Rassen
Ma IThiauscham #2, 29-30 22077,
P. cephalus Gr. Gr.
West-China Nr. 31—32 in 2 Rassen.
Wir finden in Mem. Rom. IV, p. 196 eine kleine, über-
sichtliche Kartenskizze, die auch von Verity t. 10 wiedergegeben
wurde und die Verbreitung der bis 1890 bekannten 9 delphius-
Rassen zeigt.
Ob die beiden in Süd-Thibet fliegenden Rassen lampidius
Fruh. und lathonius Bryk. noch bei delphius einzureihen sind,
lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. In West-China
scheint delphius von acdestis abgelöst zu werden, auch
cinerosus Stichel halte ich für eine acdestis näher als
delphius stehende Rasse.
Bei Gelegenheit der Untersuchung über die Verbreitung der
delphius-Rassen machte ich die Beobachtung, dass das Seen-
gebiet Balkasch-, Sassyk- und Ala-kul, welches zwischen dem
Dsungarischen Ala-tau und dem Tarbagatai eingebettet ist,
eine scharfe Grenzscheide fast aller Parnassius-Arten,
mit Ausnahme von apollo, bildet.
Es fliegen im Gebiet:
I. Dsungarischer Ala-tau nebst Thianschan (Turkestan):
discobolus, apollonius, actius, delphius, mnemo-
syne, auch simo, epaphus, loxias.
II. Tarbagatai nebst Altai (Sibirien): nomion,
delius, tenedius, eversmanni, clarius, stubbendorfi.
Letztere Art tritt hier an Stelle von mnemosyne. Keine der
hier genannten Arten ist gleichzeitig in beiden Gebieten anzu-
treffen. Die einzige Ausnahme macht unser apollo, der abge-
sehen von Europa und Klein- Asien im Gebiet II fliegt, aber
auch im Gebiet I nur noch im mittleren und östlichen Thian-
schan zu finden ist, jedoch nicht mehr in den Gebirgen, die das
Ferghana-Becken einschliessen und südlich davon.
Ob Parnassius rückbeili Deckert von Hami, dem
äussersten Osten des Thianschan (oder Lob-nor?) als delius-
Varietät einzureihen ist, erscheint mir recht zweifelhaft. Rück-
beili steht auch dem P. actius sehr nahe "und ist deshalb
wohl besser als eigene Art zu betrachten.
Wohl bei keiner Parnassius-Art wie bei delphius sind
derartig viele unrichtige Angaben und Bestimmungen zu finden.
Die Ursachen sind hauptsächlich auf folgendes zurückzuführen:
Die Fundortsbezeichnungen in vielen, besonders den älteren
150 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Sammlungen sind recht ungenau, manchmal sogar durch Versehen,
Unkenntnis sowie absichtlich unrichtige Mitteilungen des Berufs-
sammlers falsch. Bezeichnungen wie Turkestan und Sibirien
sind beinahe nichtssagend, auch z. B. Namangan, Samarkand
lassen nur vermuten, wo die Falter gefangen wurden, denn beide
sind in der Steppe gelegene Städte, wohin sich sicherlich noch
kein Parnassius verirrt haben wird. Die wirklichen Fang-
plätze Jiegen meist weit davon entfernt, sogar auf dem entgegen-
gesetzten Gebirgsabhange. Haberhauer senior, vielleicht auch
andere Sammler, haben aus Geschäftsinteressen möglichst unge-
naue, wenn nicht sogar falsche Fundortangaben gemacht, damit
andere Sammler ihm mit dieser Art keine Konkurrenz machen
sollten. Bezeichnend ist, wiein Mem. Rom. IV. p. 195 zu lesen
steht: „Haberhauer sandte 3 delphius (die später benannte
albulus) an Christoph, wollte aber den Fundort nicht angeben.“
Meistens gab er den Ort an, von wo die Falter versandt, nicht
wo sie gefangen wurden, so z. B. für delphius cardinalis:
Samarkand. So hat er unter anderem zwischen bulgarischen
und turkestaner Insekten keine Trennung vorgenommen und auf
ähnliche Weise werden sich wohl mehrere Irrtümer in die Lite-
ratur eingeschlichen haben, die dann von späteren Autoren stets
wieder übernommen wurden, nachdem sie einmal gedruckt waren.
Sehr viele Sammler haben sich damit begnügt, irgend ein
einzelnes Merkmal, welches sie für diese Rasse charakteristisch
hielten, herauszugreifen, (so z. B. die rote Analfleckzeichnung bei
delphius namanganus Stgr.), um dann alle delphius, die
diese individuelle Aberration aufweisen, einfach als namanga-
nus in die Sammlung einzureihen. Dabei ist zu beachten, dass
bei echten namanganus die rote Analfleckzeichnung sogar nicht
einmal immer vorhanden ist. Es würde ein analoges Verfahren
sein, wenn für alle „gelben“ apollo = ab. flavomaculata)
der Name nevadensis angewandt würde, (wie dies auch früher
eine Zeit lang geschehen ist), weil die apollo-Rasse der Sierra
Nevada stets gelbe Özellen tragen soll. So schreibt mir Herr
Stichel, dass die im Seitz abgebile leten delphius „unabhängig
von der Lokalität, wie sie am besten auf die Charaktere der
typischen Form passen“, ausgewählt wurden. Es ist deshalb
auch erklärlich, dass teilweise die dort abgebildeten delphius
ganz anderen Rassen, als angegeben, angehören. Leider fehlt
auch im Seitz die Fundortangabe der abgebildeten Falter, welche
eigentlich zur Vermeidung und Richtigstellung derartiger Irr-
tümer stets angegeben sein müsste.
Es ist unbedingt notwendig, vor Verwendung eines Namens
re
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 151
festzustellen, ob dieser für eine Varietät (= Subspezies oder
Rasse) oder für eine Aberration (individuelle Abweichung vom
Typus) gegeben wurde. Die gleiche Aberration kann bei allen
Lokal-Rassen einer Art, sogar bei allen Arten einer Gattung
oder Familie vorhanden sein. Eine Rasse jedoch ist stets an
eine bestimmte Gegend gebunden und trägt allgemeine Merkmale,
deren Unterschiede mit nahestehenden anderen Rassen beim
Vergleich grösserer Serien sofort ins Auge fallen, dessen genaue
Festlegung bei Berücksichtigung nur specifischer Abweichungen
jedoch oft Schwierigkeiten macht. Deshalb ist es bei einer so
variablen Art wie delp hius direkt irreführend, wenn ein ein-
zelnes, meist sogar besonders auffällig und schön gezeichnetes
Stück herausgegriffen wird und nun mit grösster Genauigkeit
jedes Zeichnungselement dieses betreffenden Stückes beschrieben
wird, während oft alle anderen Stücke der gleichen Rasse wie-
der andere Merkmale tragen. Leider sind nach solchen Einzel-
stücken in den letzten Jahren viele Namen gegeben worden und
die Autoren machen oftmals keine genauen Angaben, ob sie eine
Rasse oder Aberration benannt haben, oder sie beschrieben ge-
ringfügige Aberrationen als Rassen. Wer genügend Material zur
Verfügung hat, kann noch eine unendliche Menge weiterer neuer
Aberrationen aufstellen; es ist persönlicher Geschmack, was man
für eine Neubenennung berechtigt hält, doch sollte jeder im In-
teresse der Wissenschaft in der Aufstellung neuer Aberrations-
namen sich die möglichst grösste Beschränkung auferlegen. Es
sind nicht nur verschiedene Namen für die analogen Aberratio-
nen vieler Arten einer Gattung, sondern sogar für die verschie-
denen Rassen einer Art aufgestellt worden, wodurch die Nomen-
klatur und das Gedächtnis ganz unnötig belastet wird. Dem
bewährten Beispiel von Prof. Courvoisier für die Lycaenen sowie
Verity’s für Parnassius p. 102 für Colias p. 274 folgend,
schlage ich zur Vereinfachung der Nomenklatur Kollektiv-
Aberrationsnamen für alle Parnassius vor, von denen
der grösste Teil auch bei delphius gefunden wurde. Ich lasse
diese Aufstellung im gleichen Irisheft in der nächsten Arbeit
folgen.
Zitierte Literatur, soweit diese abgekürzt wurde.
Veg Verity, Rhopalocera Palaearctica, 1905 — 1911.
Seitz Die Grossschmetterlinge der Erde, I, Palaeark-
tische Tagfalter; Parnassius von Stichel bear-
beitet p. 32 - 34, t. 15—16.
Seitz IX do. Bd. IX, Indoaustralische Tagfalter von
Fruhstorfer bearbeitet p. 110, t. 50.
152 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Rühl Rühl-Heyne, Die palaearktischen Grossschmet-
terlinge, p. 103—107, 705.
Gr. Gr. Grumm-Grshimailo, seine Arbeiten in:
Mem. Rom. Memoires sur les Lepidopteres de Romanoff.
Aust. Austaut, Les Parnassiens, Leipzig 1889.
Bingham The Fauna of British India II, 1907.
Moore Lepidoptera Indica V, 1902.
Rothschild Novitates Zoologicae XVI (1909) p. 17/18
Catalog der Parnassier des Tring-Museums.
Stgr. Reb. Cat. Catalog der Lepidopteren von Staudinger und
Rebel, 1901.
Gen. Ins. Genera Insectorum Wytsmann.
58. Lief. von Stichel bearbeitet 1907.
Coll. Stgr. Kollection Staudinger (Blasewitz).
Vol. Volumen, Band, oft nur mit lateinischer Ziffer
bezeichnet.
Einige Literaturangaben, die nichts Neues bringen, habe ich
weggelassen, man vergleiche für diese in den Gen. Ins.
In der Schreibweise für alle geographischen Bezeichnungen
habe ich mich nach Stielers Handatlas, 1907, Gotha, Justus
Perthes gerichtet.
Die aus Coll. Stgr. abgebildeten Originale sind diejenigen
Stücke, welche dort an erster Stelle von Staudinger eingereiht
worden sind und deshalb als Type für den betreffenden Namen
zu gelten haben.
AT Dhranschean:
1. delphius delphius Eversm., — Taf. IV, Fig. 1.*)
—- Eversm., Bull. Soc. Moscou XIV (1843) p. 541, t.7 f.1a,b.
— Alpheraky, Horae Soc. Ent. Ross XVI (1881) p. 355.
— Gr. Gr., Mem. Rom. IV. (1890) p. 194.
—Aust,np,, Al,.t. Ian. 12 (2)
— Rühl p. 103. — Moore p. 122.
— Seitz p. 32, t. 15. d, e (?).
— Gen. Ins. 38, t..3 £. 14. — Ver..p. 77.1.1418 1%.26.
Dsungarischer Ala-tau, nördlich der Stadt Kuldscha. Ob-
gleich die beiden Typen des Petersburger Museum von delphius,
2 d‘d‘, die vom Autor selbst geschriebene Etiquette „Tarbagatai“
tragen, halte ich diese Fundortangabe doch nicht für wahrschein-
lich. Eversmann beschrieb folgende, vom Petersburger Botaniker
Schrenk gesammelte Arten aus der Dsungarei: clarius, actius,
*) Die fett gedruckten Taf.- u. Fig.-Bezeichnungen beziehen sich
auf Taf. IV und V dieser Abhandlung.
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 153
delphius 1843, apollonius 1847. Unter Dsungarei auch
Dschungarei (Songaria) sind die Gegenden südwestlich des Altai-
gebirges — Tarbagatai, Saisan und Alatau — zu verstehen.
Eversmann hat nun zwischen diesen drei Lokalitäten keine Tren-
nung vorgenommen und alle in der Dsungarei gefangenen Falter
mit Tarbagatai bezettelt. Von den vier genannten Arten fliegt
nur clarius in der Altai-Vorgebirgskette (Saisan), während die
übrigen drei Arten nur im Gebiet I (vergl. das anfangs über
die Verbreitung der Parnassius-Arten Gesagte), ihre Heimat ha-
ben. Gr. Gr. erwähnt in Mem. Rom. IV p. 186: „Altai kann
für die Heimat von actius Ev. niemals in Frage kommen.
Eversmann begeht hier denselben Fehler wie bei der Beschrei-
bung von delphius, denn die Typen seiner Sammlung tragen
alle die Etiquette Tarbagatai“. Bei der geographischen Eintei-
lung der Parnassius hat Gr. Gr. p. 146 delphius nur beim
Thianschan Gebiet nicht beim Altai angeführt, später jedoch
p- 150, durch die ungenauen Fundortangaben Eversmann’s ver-
anlasst, fügt er das Faunengebiet Tarbagatai-Ala-tau ein: „um
zu vermeiden, dass bei den Faunen Altai und Thianschan Fal-
ter eingereiht werden, die für keins dieser beiden Gebiete cha-
rakteristisch sind“, bezeichet aber das Vorkommen von del-
phius bei dieser Fauna p. 148 sogar mit einem Fragezeichen.
(vergl. auch Staudinger, Stett. Ent. Z. 1881, p. 276). Auch
Kindermann konnte trotz eifrigem Sammeln im Altai keinen
einzigen delphius finden (vergl. Lederer, Zool. Bot. Ver. Wien
1853, p. 353).
Staudinger schreibt in der Stett. Ent. Z. 1886, p. 185:
„Die typischen delphius Ev. sind zweifellos diejenigen Stücke,
die mir Haberhauer aus dem Dsungnrischen Ala-tau, (es gibt
eine Anzahl Ala-tau Gebirge), sandte.
In der Originalbeschreibung von „Doritis“ delphius von
Eversmann p. 541 steht über die Lokalität nur folgender Satz:
„Invenitur cum duabus praecedentibus speciebus (= clarius
und actius) in iisdem locis, volat in promontoriis Altaicis austra-
libus.“ Der übrige Teil der kurzen Beschreibung, in welcher
delphius auch mit clarius und delius corybas ver-
glichen wird, ist wenig kennzeichnend. Das von mir abgebil-
dete Stück stimmt mit der Originalfigur t. 7 f. 1 a in Grösse
und Zeichnung recht gut überein.
Von den typischen delphius liegen mir 4 dd, 2 ?% aus
Coll. Stgr. vor. Diese sind auffällig kleiner als alle übrigen del-
phius-Rassen (50—54 mm), haben einen breiten, schwarzen
Glassaum, der durch einen scharf gezackten, weissen Streifen
154 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
von der Submarginalbinde getrennt ist. Wir erhielten eine
delphius- Rasse aus den Gebirgen südöstlich von Aulie Ata
(Gouv. Syr. Darja), Talastau, 3000 m, vom Oberlauf des Flusses
Talass, östlich vom Alexander Gebirge, die den typischen dei-
phius ziemlich nahestehen, jedoch besser mit namanganus
zu vereinigen sind.
2. v. intermedia (Gr. Gr. i. 1.) Verity — Taf. IV, Fig. 7.
— intermedia var? Gr. Gr. Mem. Rom. IV (1890), p. 196,
nomen nudum.
— infernalis (Stgr. i.1.) Elwes, Proc. Z. Soc. Lond. (1886,
Januar) p. 99,
— infernalis Stgr., Stett. Ent. Z. (1886), p. 196,
— intermedia Ver. (1907), p. 316, t. 18, f. 8, 9.
Kuldscha (Thianschan oce.) Kungei Ala Tau, Nord- und
Ostseite des Issyk-kuls, Alexander Gebirge, bei Wjernyi; Ingilt-
schek, Issyk-kul m. or., (vergleiche auch infernalis Elwes.)
Unter infernalis Stgr. finden wir in Coll. Stgr. mit Ori-
ginalzetteln versehen: 3 dIS' 3 22 aus Osch, 3 JS 2 22
aus Kuldscha.. Von letzteren schreibt Staudinger 1. c.: „die
delphius-Form, 1834 von Rückbeil aus dem Kuldschadistrikt
erhalten, gehört zu infernalis, obwohl sie ganz auffallende
Aberration zeigt und einige der typischen delphius, andere
der v. namanganus sehr nahe kommen“. In der Beschrei-
bung derintermedia bemerkt Verity p. 316: „dieinfernalis-
Rasse aus Kuldscha unterscheidet sich auffallend von den typi-
schen infernalis vom Alai. Herr Avinoff, welcher mich da-
rauf aufmerksam gemacht hat, schlägt vor, diese mit dem Namen
intermedia zu belegen, den Gr. Gr. bereits bei der Erklärung
seiner kleinen Karte (Mem. Rom. IV. p. 196) über die del-
phius Rassen gebraucht hat“.
Da bei der Beschreibung von infernalis die Lokalität
Osch (östl. Alai) als erste erwähnt wurde, ist es statthaft, die
Rasse aus Kuldcha neu zu benennen und abzutrennen.
P. intermedia Ver. steht in der Färbung zwischen
candidatus O.B-H. und juldussica Ver.
3. v. albulus Honrath.
— Honrath, Berl. Ent. Z. Vol. 33, p. 161 (1889); t. 2,
1830):
— Aust., p. 209 (1889).
— Huwe, Berl. Ent. Z. Vol. 49, p. 314, 328, (1905).
— Se in Seitz p. 33, t. 16a (1907).
— ? delphinus Gr. Gr. (Christoph?) 1 Mem. Rom. IV p. 195
(nom. nud.) (1890).
r
Ö. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 155
Thianschan, südl. des Issykkul (Prov. Semiretschensk), meist
aus der Umgegend der Stadt Narynsk. Man findet noch fol-
gende nähere Fundortbezeichnungen: Karagaitau, Nura- Kette,
Jitimtau, Temerlik Gebirge, Fluss Naryn. In der Originalbe-
schreibung finden wir: Alpen von Alai, östl. von OÖsch 3600 m
Ende Juli. Die Gegend, in welcher albulus fliegt, kann nicht
mehr als Alai bezeichnet werden. Haberhauer hat sicherlich
auch absichtlich keine genaueren Angaben gemacht.
Von keiner Parnassius-Art sind derartig enorme Massen ge-
sammelt worden, wie von albulus. Ich selbst habe mindestens
5000 Stück in den Händen gehabt und die meisten grösseren
Sammler und Händler haben direkte, grosse Ausbeuten dieses
Falters aus Narynsk erhalten. Es ist daher erklärlich, dass die
meisten delphius Aberrationen von der albulus-Rasse be-
schrieben wurden, weshalb ich auch an dieser Stelle alle del-
phius Aberrationen einreihe, soweit diese nicht an eine be-
stimmte Rasse gebunden zu sein scheinen.
Stichel führt in den Sitzungsberichten des Berl. Ent. Ver-
eins, veröffentlicht in der Int. Ent. Z. IV (1911) p. 277, ferner
im gleichen Bericht in der Berl. Ent. Z. LXI (1911) p .24/25,
16 verschiedene albulus-Formen auf, nimmt aber zur Be-
zeichnung von Aberrationen Namen von Lokalrassen, wie del-
phius delphius, cardinalis, namanganus und kon-
statiert: „dass es sich bei einer Anzahl Lokalvarietäten nur um
individuelle Zustandsformen handelt.“ Ich bin darin ganz ge-
genteiliger Ansicht, denn in Wirklichkeit ist eine analoge Aber-
ration, die ähnliche Merkmale aufweist wie eine Lokalrasse, von
dieser leicht zu unterscheiden. Ich glaube kaum, dass ein ernst-
hafter Sammler damit einverstanden wäre, wenn er anstatt des
schönen delphius cardinalis Gr. Gr. aus Buchara einen
albulus mit verbundenen Ozellen (ab. conjuncta) erhielte.
Bei strenger Befolgung dieser Ansicht würde jede Lokalrasse ihre
Berechtigung verlieren und es blieben nur noch Aberrationen übrig.
Ich verweise auf die in meiner folgenden Arbeit, in dieser
Zeitschrift angeführten Kolleetiv-Aberrationsnamen für Parnassius
und habe bei Uebereinstimmung der Namen eine weitere Er-
klärung weggelassen.
3. v. albulus Honr. typisch = schmaler, glasiger Aussenrand be-
sonders der Htfl. Submarginalflecke auf allen Flügeln,
Analfleck der Htfl. rot.
a) ab. amelia Stichel Int. Ent. Z. IV (1911), p. 277.
— Seitz, p. 33, t. 16a (als albulus).
— albulus ohne roten Analfleck der Htfl,
156 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
b) ab. chrysopis Aust. Int. Ent. Z. V. (1912), p. 366.
— reducta + flavomaculata.
c) ab. liturata Aust. Int. Ent. Z. V. (1912), p. 366.
— amelia (nicht aurelia wie Verity schreibt) + con
junceta + fasciata.
d) ab. barteli Aust. Ent. Z. XXIV (1911), p. 274/5.
(als v. barteli beschrieben!)
— zusammenhängende Submarginalfleckenreihe.
e) ab. marginata Huwe Ent. Z. XVIIl (1905), Nr. 33
— Gen. Ins. p. 40, t. 3, £. 15
— breiter Glassaum, verschwindende Submarginal-
fieckenreihe.
f) ab. tancrei Aust. Ent. Z. XXIV (1910), p. 55.
ab. puritana Stichel, Int. Ent. Z. IV (1911), p. 277.
— reducta mit Hinterrandfleck.
g) ab cncles Aust. Int. Ent. Z. V (1912), p. 365.
= marginata + semicaeca.
h) ab. pura Huwe Berl. Ent. Z. Vol. 49 (1905), p. 324.
— marginata + pura.
i) ab. boettcheri Huwe Ent. Z. XVII, Nr. 33 (Beilage).
— faseiata.
k) ab. semicaeca Huwe |. c.
I) ab. denigrata Huwe Berl. Ent. Z. XVIIl, (1905), p. 323.
— caeca.
m) ab. caeca Dönitz Ent. Nachr. Vol. 28, (1892) p. 193.
— Ver. p. 80, t. 19, f. 12. (Transalai).
n) ab. rubropieta Huwe Berl. Ent. Z. (1905), p. 323, 328.
= rubropicta.
o) ab. immarginata Niep. Iris XXV (1911), p. 132.
— Lepid. Niepeltiana p. 55, t. 7, f. 6.
p) ab. ochreomaculata nom. coll.
vergleiche Kollektiv-Aberrations-Namen.
q) ab. flavomaculatı nom. coll.
r) ab. nigricans nom. coll. = dunkle albulus, meist als ab.
infernalis in den Sammlungen. Es ist jedoch nicht aus-
geschlossen, dass sich die Flugplätze von albulus und
infernalis berühren und dort eine Uebergangsrasse bilden.
Dunkle albulus haben im allgemeinen ein glasiges Aus-
sehen und reinere, weisse Grundfarbe als typische
infernalis.
s) ab. scotina Stichel Int. Ent. Z. IV (1911), p. 277.
= nigricans Analfleck ohne Rot,
t) ab. caeruleomaculata nom. coll.
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 157
u) ab. styx Stgr. — Taf. IV, Fig. 8.
— Staudinger. Ent. Z. Stettin, Vol. 47. (1886) p. 196.
— Aust, p. 75. — Rühl p. 107.
— Setzanp Bat Een Ver. pı 79, 1.118, 2.10:
Bei dem hier abgebildeten Original aus Kuldscha trägt der
d' auf allen Flügeln einen an die Submarginalbinde basalwärts
anschliessenden, weissen Streifen, auch zwischen Marginal- und
Submarginalbinde befindet sich noch eine kleine Fleckenreihe ;
das 2 ist viel dunkler, jedoch sind im Vdfl-Vorderrand noch
viel weisse Schuppen aufzufinden.
P. ab. styx rubropicta nom. coll. ist bei der kleinen
Juldus-Rasse häufiger zu finden.
v) ab. satanas Bang-Haas. (Andreas) Iris XXVI (1910), p. 27.
— satanas (Tranere i. 1.2?) Aust. Int. Ent. Z. VI (1912), p.
25, 8.01.
Extremster Melanismus ohne jede Spur weisser Schuppen,
jedoch mit roten Ozellen.
w) ab. nox Niepelt, Iris XXV (1911), p. 132.
— Lepid. Niepeltiana (1914), p. 55, t. 7, £. 5.
aeca.
x) ab. nana nom. cell.
Stücke von 50—55 mm Grösse.
y) ab. magna nom. coll.
Stücke von 65—70 mm Grösse.
Die Durchschnittsgrösse von albulus ist 55—65 mm.
Ich habe hier nur alle diejenigen Aberrationen angeführt,
die beschrieben, oder die in litteris in Preislisten etc. benannt
waren. Infolge der ganz aussergewöhnlich starken Variabilität
bei albulus treten noch eine Anzahl anderer hier nicht erwähnter
Formen auf, die in meiner Arbeit über die Kollektiv-Aberra-
tions-Namen benannt werden.
Die schönste Aberration von albulus, die ich jemals
sah, befindet sich in Coll Sheljuzhko (aus Coll. Deckert). Bei
diesem Stücke fehlen fast alle schwarzen Zeichnungen, so dass
ich erst glaubte, eine mnemosyne vor mir zu haben.
Herrn Austaut möchte ich bei dieser Gelegenheit für die
liebenswürdige Zusendung einiger von ihm beschriebenen al-
bulus- Aberrationen, Herrn Stichel für einige Literaturangaben
besonders danken.
4. v. constans 0. B.-H. nov. var. — Taf. IV, Fig. 5, 6.
Aksutal (Chantengri.)
Ich hatte schon dreimal Expeditionen ausgerüstet, um den
seltenen P. loxias Pgl. suchen zu lassen, jedoch erst im Jahre
158 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
1914 wurde dieser, aber nur in einem einzigen Stücke, erbeutet.
An gleicher Stelle, wo loxias fliegt, fanden die Sammler eine
delphius-Rasse, die zwischen albulus und karaschah-
rica einzureihen ist. Die Form beider Ozellen ist meist lang-
gezogen (ab. posticelongata), auf den Vafl. ist die ab. fasciata
öfters anzutreffen. Besonders auffällig ist die konstante helle
Färbung, kein einziges dunkles Stück war unter 7 d’’ und 22 99
der Ausbeute zu finden. Schon Herr Avinoff sandte mir früher
einige Stücke dieser Rasse zur Begutachtung. Grösse 55—62 mm.
Es ist merkwürdig, dass in den Gebirgen nördlich Aksu
mehrere scharf localisierte anderweitig fehlende Parnassius ge-
‚funden wurden, wie loxias Pgl., acdestis priamus Bıryk,
simo boedromius Pgl. und simo gylippos Fruhst.
Auch letztere ist als gute Rasse zu betrachten, da ich unter
einer grossen Anzahl boedromius aus mehreren Sendungen keinen
einzigen gylippos erhalten habe.
d. v. candidatus O. B.-H. nov. var. — Taf. V, Fig. 3, 4.
Thianschan or., Juldus (Kuldscha, Ili, Issykkul) Ingiltschek.
Oestlich des Issykkul fliegt eine sehr helle delphius-
Rasse, die schon seit Jahren in allen Sammlungen fälschlicher-
weise als illustris und illustris var. bezeichnet wurde. Wie aus
der beigefügten Tafel ersichtlich, ist der typische illustris aus
dem Pamir eine von candidatus ganz abweichende Rasse mit
anderem Habitus, der sich schon durch eine viel spitzere und
kürzere Flügelform unterscheidet. Candidatus wird am besten
mit albulus verglichen; die Zeichnungen beider Rassen stimmen
ziemlich überein, doch ist erstere viel zierlicher gebaut, hat ge-
strecktere Flügelform mit viel dünnerer Beschuppung und
schmälerer Bindenzeichnung, auch ist diese Rasse lange nicht
so variabel wie albulus, die Submarginalfleckenreihe ist z. B.
bei jedem Stücke noch vorhanden.
6. v. (ab.?) juldussica Ver. — Taf. IV, Fig. 9, 10.
Ze Mer pr Bil, Lats 200
— kühl p. 705 (Zwischenform von namanganus und infer-
nalis, Juldus)
Thianschan or., Juldus.
Verity schreibt: „Im östlichen Thianschan fliegt eine andere
Rasse als intermedia, welche ich als namanganus
Uebergang zu infernalis abgebildet habe, ohne die Localität
dieses Paares zu kennen. Ich empfing nun eine identische
Serie aus dem Juldusgebiet, welche mir erlaubt, diese Rasse
definitiv als juldussica zu beschreiben.“ Ich bezweifele
jedoch, ob eine scharfe Trennung zwischen juldussica und
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis vou Parnassius delphius Eversm. 159
TG
candidatus möglich ist, da beide Rassen an verschiedenen
Orten im Juldus gleichzeitig fliegen und dann in allen Ueber-
gängen untereinander zu finden sind P. juldussica ist
kleiner und schärfer gezeichnet als intermedia, die Analflecke
sind meist stark rot gekernt.
7. v. karaschahrica 0. B.-H. nov. var. — Taf. IV, Fig. 11.
Thianschan or. mer., Kourgak-Taon, Südabhang des Thian-
schan, nord westl.-Karaschahr (Kutscha mont.), Juli, 3500 m.
Diese Rasse ist auffällig dunkel, kein einziges helles Stück
war in der Ausbeute vorhanden. Alle Flügel haben breite,
schwarze Marginal- und Submarginalbinden, die durch eine
kleine Fleckenreihe getrennt sind. Die Costalflecke sind oft
rot gekernt (ab. rubropic‘a) und mit dem Hinterrandfleck durch
eine Bogenlinie verbunden (ab. fasciata). Die schwarze Zeichnung
reicht bis zur Zelle, meist ist nur noch ein kleiner weisser
Fleck in basaler Richtung neben dem Hinterraudfleck vorhanden,
der Analfleck ist selten rot gekernt. Uebergänge zu ab. styx
waren mehrmals vertreten, je einmal ab. caeca und ab. semicaeca.
Grösse dieser östlichsten Thianschan- Rasse 7 60 mm.
172.67 mm.
8. v. namanganus Stgr. — Taf. IV, Fig. 14, 15.
— Elwes (Staudinger i. 1.), Proc. Zool. Soc. Lond. (1886),
p- 39, (nom. nud.)
— Stgr., Ent. Zeit. Stett. Vol. 47 (1886), p. 196.
— Aust., p. 76, t. 17 £. 3. — Rühl p. 105, 705.
— Seitz p. 32, t. 16a (?) — Ver. p. 79, t. 18, f. 17 - 19.
Thianschan oce., von den Alpen (nördlich?) Namangan,
ferner im östlichen Alexander-Gebirge, Talastau, 3000 m, vom
Oberlauf des Flusses Talass südöstlich von Aulie Ata (Syr Darja).
In Coll. Stgr. befinden sich 8 fd 5 22 von Haberhauer
gesammelte Originalstücke, die so verschieden sind, dass ich
beinahe bezweifle, Stücke von ein und derselben Lokalit ät vor
mir zu haben; zwei sehr helle dc, die den maximinus
Stgr. sehr nahe kommen, fallen besonders auf. Als Kennzeichen
der namanganus-Rasse dient der rotgefüllte Analfleck der
Htfl, welcher jedoch nicht bei allen Originalstücken durchgehend
vorhanden ist. Die 2? sind auffallend dünn beschuppt, wodurch
sie ein glasiges, stumpfgraues Aussehen erhalten; ähnliche Stücke
von Aulie Ata wurden früher von mir unter dem Namen ab.
diaphana i. 1. versandt.
9. v. maximinus Stgr. — Taf. V, Fig. 16.
— Steger, Ieis IV ..(1.891), p. 158.
— Bible n. 106,0. Seitz. d, 3%
160 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
— Ver., p. 83, t. 19, f. 10, 11. — Rothschild p. 17.
Südwestseite des Issykkuls, Gebirge südl. Taschkend. Eine
prächtige, grosse Rasse, die mit albulus nicht zu verwechseln
ist, sehr schmale, auf den Htfl oft ganz fehlende Mariginalbinde,
sehr kräftige scharf gezähnte Submarginalbinde, zwei grosse blaue,
daran anschliessend häufig zwei weitere, kleine Submarginal-
ocellen.
Rothschild hält maximinus für eine eigene Art und gibt
als Fundort an: Taschkend, Kukunor, Amur!; die beiden letzten
Fundortangaben sind zweifellos falsch und vielleicht dadurch
entstanden, dass Rückbeil, der Sammler von maximinus, die
verschiedenen Falter seiner an Tancre gesandten Ausbeuten nicht
scharf getrennt hat. Ausser von Rückbeil ist diese schöne Rasse
nur von Schott gefunden worden. Grösse 64—68 nım.
A. U. Turkestan mit Pamir, ohne Thianschan-Gebirge.
10. v. infernalis Elwes. — Taf. IV, Fig. 13.
— Elwes (Staudinger i. 1.) Proc. Zool. Soc. Lond. (1886,
Januar), p. 39.
— Stgr. Ent.: Z. Stett. Vol. 47 (1886) p. 195.
— Aust. p. 74, t. 17 f. 2. — Rühl p. 104, 705.
— Gr. Gr. Mem. Rom. IV p. 197, t. 21 £ 22 b.
— Seitz p. 32, t.15 f. (?). — Ver p. 78, 316, t. 53 £. 14.
-Fergana, Type nach Gr. Gr. Taldyk Pass, Osch, Alai,
Ak Bassega. Vergleiche das unter v. intermedia Ver. Gesagte.
Die Arbeit von Elwes erschien im gleichen Jahre jeduch
etwas früher als die ausführliche Beschreibung Staudingers, so
dass Elwes, vielleicht ohne dass er dies beabsichtigt hatte, als
Autor zu gelten hat. Elwes hat infernalis ebenfalls nach
den von Haberhauer in Fergana gesammelten Faltern, die ihm
Staudinger vor Erscheinen seiner Veröffentlichung sandte, ganz
kurz beschrieben. Elwes besass auch eine Anzahl von Alphe-
raky im Thianschan gesammelte delphius, doch kann ich in
seiner Beschreibung von infernalis nichts finden, dass diese da-
bei berücksichtigt wurden.
Unter den Pamir-illustris kommen einige dunklere Stücke
vor, die einen Uebergang zu infernalis bilden. Staudinger
bemerkte unter drei dunkleren illustris „fast infernalis.“ In Coll.
Rothschild werden zwei Cotypen von infernalis Elwes erwähnt.
a) ab. dolabella Fruhst. — Taf. IV, Fig. 12.
— Fruhst., Ent. Z. XVIIL (1904) p. 29.
— Seitz p. 33. — Seitz IX t. 50 c.
— Ver. p. 108, 316, t. 58, f. 19-20.
O. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 161
Alai Gebirge, Kaschgar. Der von Fruhstorfer im Seitz IX
(Indo-austral. Rhopal.) t. 50 ce abgebildete dolabella 5 stimmt
vollkommen mit der ersten in Coll. Stgr. stehenden Type von
infernalis Stgr. überein, so dass dolabella eigentlich als
synonym einzuziehen wäre. Da dieses, hier abgebildete Stück
jedoch von den übrigen fünf Originalexemplaren in Coll. Stgr.
recht abweichend ist, es sich ferner wohl jetzt noch schwer fest-
stellen Jassen wird, wie das von Elwes beschriebene Stück aus-
gesehen hat, so könnte man den Namen dolabella als Indi-
vidual-Aberration erhalten und damit, wie Fruhstorfer p. 30
selbst bemerkt, besonders dunkle Stücke mit der „prominenten,
schwar en Ozellenconjunction“ bezeichnen. Als Rassenmerkmal
kann man dies, da infernalis und dolabella gleichzeitig flie-
gen, nicht verwenden. Die Bemerkung im Seitz p. 33, dola-
bella sei eine von maximinus Stgr. abgeschiedene Rasse,
ist ganz irreführend, da beide eher als Gegensätze zu bezeichnen
sind. Fruhstorfer schreibt: „dolabella sei auf p. 7 (des Stgr.
Reb. Cat.) als var 9, hinter maximinus Stgr. (der zuletzt be-
schriebenen delphius-Varietät) einzureihen, worauf dieser Irr-
tum jedenfalls zurückzuführen ist.
11. v. interjecta Ver.
Ver., p. 316, t. 18, f. 14. — Gr. Gr. p. 198.
— Rühl p. 705.
Transalai, Kysyl-su; Ispajran, Alai. Verity gibt nur die
kurze Beschreibung: „P. interjecta ist eine konstante Rasse
aus dem Trausalai, welche einen Uebergang von infernalis
zu illustris bildet.“ Jedenfalls ist die von Gr. Gr. p. 198 und
Rühl p. 705 unter infernalis erwähnte Rasse vom Kizyl
(— Kysyl) Art Pass, südlich des Flusses Kysyl-su, der den
Transalai vom Alai trennt, identisch, obgleich Rothschild Stücke
dieser Lokalität zu transiens stellt. Zwischen Alai, Transalai
und Pamir ist leider von den Sammlern oft keine genaue Tren-
nung vorgenommen worden, so dass eine Identifizierung früher
gesammelter delphius auf Schwierigkeiten stösst. Es ist des-
halb wohl das Einfachste, alle helleren Rassen aus den Alai und
Transalai Gebirgen, die wie Rühl schreibt, eine verbindende Form
zwischen infernalis und illustris darstellen, als interjecta
zu bezeichnen. Ich erhielt auch aus Ispajran, Nord Alai, 3400 m
August, eine dazugehörige Rasse, die viel heller und grösser als
die infernalis vom Alai sind. Die ab. fasciata ist meist sehr
stark ausgeprägt, ab. semicaeca und conjuncta war häufig ver-
treten. Zwei Aberrationen beschrieb Bryk aus gleicher Lokalität.
a) ab. arcadius Bryk. Soc. Ent. XXVII (1913) A a 5
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1935.
XI
162 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Alai (nicht Altai wie fälschlich bemerkt). Bryk beschreibt
diese folgendermassen: „Im Gegensatz zu allen delphius-For-
men verläuft die Subcostalbinde nicht gerade gewinkelt, sondern
sie hat sich in lose, bogenförmige Elemente aufgelöst, wohl bei
delphius eine Seltenheit. Type 1 2 in Coll. Bang-Haas“.
Diese Aberration ist den übrigen delphius-Rassen relativ selten,
bei illustris scheint sie häufiger zu sein, auch 1 von ab.
arcadius aus dem Pamir befindet sich in Coll. Stgr.
b) ab. nordmanniides Bryk. Soc. Ent. XXIX (1914) p. 24/25 f. 2.
Ispajran, Nord Alai. Keine Spur von Wurzelflecken auch
unterseits, bei typischen illustris ist dies nicht selten.
12. v. illustris Gr. Gr. — Taf. IV, Fig. 2.
Gr. Gr. Hor. Soc. Ent. Ross. XXII (1858) p. 304.
-25Gr. Gr.„Mem. Romy 1.830), p. 198,12 2,57. 21Fab>
— Aust. p. 205. — Rühl p. 104, 705.
= Seitz p. 82, 44.168. (9)... Ver. up (9, st Mo:
Pamir, Transalai, Aram kungei. Unter dem abgebildeten
Stücke bemerkte Staudinger: „typ. Stück“. Vergl. das unter
candidatus Gesagte. Ein Zwerg J, nur 43 mm, befindet
sich in Coll. Stgr.
a) ab. transiens Aust.
Aust. (Ster. i. 1.) p. 81, t. 18, f£. 3, Rühl p. 104. Pamir
(ohne näheren Fundort).
Die Abbildung bei Austaut zeigt eine helle illustris
mit gelblicher Grundfärbung sowie verbundenen Özellen (ab.
conjuncta). Die Unterschiede sind so gering, dass die meisten
Autoren transiens als synonym zu illustris gestellt haben
und als eigene Rasse zu streichen ist. Höchstens könnte tran-
siens als individuelle Aberration aufgefasst werden.
In der Preisliste Nr. 10 von Bartel ist eine transiens f.
gigantea bemerkt. Da ich nicht weiss, was damit bezeichnet
wurde (jedenfalls besonders grosse Stücke) kann ich keine nähe-
ren Angaben machen.
b) ab. infumata Aust.
— Austaut, Le Naturaliste XXIII (1891), p. 180.
— Rühl p. 105, — Seitz p. 32.
— Ver. p. 79, t. 18, f. 11 (schlecht!)
Karategin (Kara Sagin) Kysyl-su. Diese Aberration ist am
besten einzuziehen, denn meiner Ansicht nach handelt es sich
dabei nur um verdorbene illustris. Einen gleichen bräun-
lichen Farbenton zeigen die aus gleicher Ausbeute ebenfalls von
Maurer gesammelten mnemosyne ochracea Aust. Infolge
Feuchtigkeit hat der Rostansatz der Blechkiste jedenfalls abgefärbt.
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 163
13. v. kiritschenkoi Avinoff. Av., Horae Soc. Ent. Ross XXXIX
AMONEPI228, 12 14T. 7 — Ver., p. 316;
Süd-Pamir, Alitshur beim See Jachil-kul.e. Nur 1 J be-
kannt, nach Verity Zwischenform von illustris und stolicz-
kana. Die Abbildung zeigt einen sehr hellen illustris mit
schmalem Glassaum, alle Flecke der Vdfl besonders der Hinter-
randfleck sind verschwindend klein, Submarginalflecke und Anal-
makeln der Htfl fehlen vollständig. Ob es sich bei kiritschenkoi
um eine gute Rasse oder einen aberrativen illustris handelt,
wird sich erst nach Auffinden einer grösseren Serie feststellen
lassen.
14. v. staudingeri Bang-Haas (Andreas).
— Bang-Haas, Berl. Ent. Z. XXVI (1882), p. 163, t. 2,
f. 7,8, 3a. — Gr. Gr. Mem. Rom. IV, p. 203.
—Nnstep: 19, 6. 18, 8 1, 2,Ruhlıp. 104,705:
— Seitz p. 92, t. 15e,.— Ver. p. 80, t. 18,_£, 15, 16.
Sarafehan; Ghissar — Hissar Berge, Farab Distrikt, Liagar-
Mourda Pass; Dukdan Pass, der von Samarkand nach Buchara
führt; Alpen bei Kokand?; Stgr. schreibt Ent. Z. Stett. 86, p.
195 die Typen sind vom Hasret-Sultan Gebirge, südl. Samar-
kand von Haberhauer gesammelt.
Die Zeichnung der Submarginalbinde der Htfl halte ich be-
sonders charakteristisch für diese Rasse. Diese Binde ist nicht
unterbrochen und endigt im Bogen vor den beiden niemals blau-
bestäubten Analozellen.
15. v. hodja Avinoff.
Avinoff, Horae, Soc. Ent. Ross. XL (1912), p. 18, t. 2,
26:
Hodja-barku, Buchara or. Steht zwischen staudingeri und
cardinalis. Unterscheidet sich von staudingeri durch breite
schwarze Binden der Vdfl, ähnlich wie beiinfernalis, Marginal-
und Submarginalbinden sind verschmolzen, die Ozellen verbunden
(ab. conjuncta) aber viel kleiner als bei cardinalis.
16. v. cardinalis (false cardinal) Gr. Gr.
— Gr. Gr. Mem. Rom. II. (1887), p. 397.
— Gr. Gr. Mem. Rom. IV (1890), p. 201, t. 2 f. 2a—d.
— Aust. p. 83, t. 19 f. 1. — Rühl p. 107, 703.
— Seitz p. 32, t. 15, Ver. p. 81, t. 18 f. 22.
Gebirge Peter des Grossen (Buchara) südl. der Stadt Garm;
ob auch in den Gebirgen nördlich des Flusses Wachsh (Surch-ab)
im Hissar-Gebirge, halte ich für fraglich. Haberhauer verkaufte
cardinalis mit dem Fundort: Samarkand. Das Vorkommen
dieses Falters im Thianschan ist vollkommen ausgeschlossen.
164 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresdea 1915.
Bei den JS habe ich stets die ab. conjuncta gefunden,
bei einigen 22 war der schwarze Verbindungsstrich zwischen
den auffällig grossen Ozellen nur angedeutet. Das von Verity
abgebildete Stück gehört der seltenen, meist auf diese Rasse be-
schränkten ab. rubrojunecta nom. coll. an, bei welcher der
Verbindungsstrich zwischen den beiden Ozellen rot au:gefüllt ist.
17. v. jakobsoni Avinoff.
— Av. Horae Soe. Ent. Ross. XL (1913) p 20, 1.2£.8,9.
— Sheljuzhko, Iris XXVIII (1914) p. 19.
Central-Pamir, nach Shelj. von Pshart und Kisil-jar. Avi-
noff bezeichnet jakobsoni als eine zwischen staudingeri
und ehitralica stehende Rasse, die sich, nach den beiden
Abbildungen zu urteilen, von illustris durch die viel breiteren
Submarginalbinden aller Flügel sowie den kleinen Subecostal-
ozellen ohne Rotfärbung (ab. semicaeca) unterscheidet.
18. v. abramovi 0.B.-H. — Taf. V, Fig. 18.
— 0. B.-H. Iris XXIX (1915), p. 97.
Chotan (Schahidulla) Juni 4500 m. Chines. Tatarei (Chines.
Turkestan).
Steht zwischen jacobsoni und chitralica und unter-
scheidet sich von ersterer besonders durch den breiten Glassaum
aller Flügel, den kleinen meist verdüsterten Ozellen uud den
beiden vom Saume isolierten Analmakeln der Htfl.
ATI Nord Ind ren nel Sirinedineurscerhe
vergl. Bingham, p. 124, Bestimmungs-Tabellen
vergl. Moore, Lep. Ind. V (1902).
19. v. hunza Gr. Gr.
— Gr. Gr. Horae Soc. Ent. Ross. XXII (1888) p. >93.
— Gr:1!Ge. Mem: Rom. IV, p. 205,1. 10, rlwarb:
— Rühl p. 105, 705, -— Seitz I, p. 33, t. 16b, IX p. 110.
Ver. .p:383 1. 10, 1..9,710!
Hindukusch or. 5000 m. Kunjut, auch Beik. Von Gr. Gr.
nur 3 Stücke gefunden, 1 X 2 99, von denen 1 9 in Coll.
Stgr. Das Subcostalauge beim 9 fehlt vollständig, ob dies Regel
ist, kann ich nicht beurteilen.
a) ab. deficiens Avinoff.
— Av. Horae Soc. Ent. Ross. XL (1913), p. 19, t. 2,f. 7 2.
Beide Augen fehlen (ab. exoculata).
20. v. chitralica Ver.
— Bingham p. 124, f. 32.
— Ver. p. 317, t. 64, f. 11, 12 (als hunza race chitralica).‘
— Chitral (Baroghil Vellez, 3600 m).
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 165
Viel dunkler als hunza, breite verschwommene Binden,
auch beim 9 beide Ozellen noch vorhanden.
21. v. stoliczkanus Felder.
— Felder, Reise Novara II (2) (1864), p. 138, t. 69, f. 2, 3.
— Elwes, Proc. Soc. London (1886) p. 40.
-— Rühl p. 106, 705, — 'Seitz’I, p. 33, t. 16c., IX 'p. 110.
— Moore Lep. Ind V. p. 120, t. 142, f. 1a, b.
= Ver p8 32.2.1077 19,7 12} ’Bineham! p! 123.
Kaschmir mer. or. (Ladakh) Marka, Prov. Rupshu; Kulu;
Engpass Baralacha, nördlich Lahoul 18000'; Engpässe von Ru-
nane und Hungrung 16000; falsche Fundort-Angabe: Pamir,
tühl p. 705; Darjeeling in Coll. Hewitson, Elwes p. 40.
a) ab. obliterata Ver. p. 317, t. 59, 1. 1.
Kulu, 1 2. Ozellen fehlen vollständig (= exoculata).
. v. stenosemus Honr.
-llone Ente Nachr, AV1..C890) pr 127.
u HonraBerls Ent. iz, NRAVM (0892), P:7 431, 611897122.
Suhl ;p: 106, Seitzul, pP. 33, 16. 16 by IX pr 110:
— Moore Lep: Inıl. Vol. V, p. 122, t. 412 f. 3, 3 a-c.
Ne pr82,012 29, 678 | 18%, (d.) Ar ist Cotype).
— Bingham p. 126.
Kaschir mer. or., Ladakh, Kutie Pass, östl. von Dalhousie
17000, (Punjab).
23. v. mamaievi (Av. ı. 1.) 0. B.-H. — Taf. V. Fig. 17.
— 0, B.-H. Iris XXIX, p- 98.
Kaschmir e., Jurrusschiucht, westlich von der Stadt Ladakh,
Schamm, August.
Heller als stenosemus, die blauen Analmakeln 3—5 fehlen,
24. v. atkinsoni Moore, Moore Lep. Ind. V (1902) p. 121, t.
[SS
IS)
412, f. 2. — Seitz I p. 33, IX p. 110, Bingham
p. 125. — Ver. p. 82, t. 10 £. 13, t. 64 f. 13—14
(Typen).
Kaschmir oce., Pir Pingal (bei Srinagar ?,; Darjeeling, Sikkim,
letztere Fundortangabe wohl nur aus Irrtum, vergl. Verity Tafel-
erklärung t. 64. Nach 1 2 beschrieben, 60 mn.
A. IV. Süd-Thibet, nörd. Sikkim.
25. v. lampidius Fruhst.
— Fruhst. Iris XVI (1903) p. 44, t. 1, f. 2 (nicht 1).
— delphius var. Elwes, Iris XVI, (1905) p. 389.
— Seitz I, p. 34. IX p. 110 t. 50e. -— Ver. p. 80, t. 19,
Tale.
— whitei Bingham (1907) p. 125/6. f. 33.
166 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
a FF ne
Süd-Thibet (Kampa-Dzong —= Kambajong), auch unabhän-
giges Sikkim bezeichnet, nicht Süd-China, wie in Gen. Ins. p. 41
angegeben.
Wir finden vorzügliche Abbildungen der beiden Cotypen
aus Coll. Deckert bei Verity, während die Abbildungen von
Fruhstorfer in der Iris und im Seitz, anscheinend nach einem
ganz verzeichneten Bilde gefertigt, eine ganz falsche Vorstellung,
dieser kleinsten aller delphius-Rassen geben. f 56 mm,
2 30—35 mit kurzer, rotbrauner Legetasche, die den Leib ring-
artig umschliesst, breiter als hoch und zweizipfelig ist. Bing-
ham beschrieb whitei als eigene Art.
26. v. lathonius Bryk, — Taf. V, Fig. 19.
— Bryk, Archiv. f. Naturkunde 1913 p. 123 nov. spec. (?)
Süd-Thibet, Gjangtse, nördl. Kambajong. Die Fundortbe-
zeichnung Alai in der Beschreibung ist durch einen Irrtum Bryks
entstanden.
Von diesem recht interessanten Falter erhielt ich leider nur
2 22, von denen sich die Type in Coll. Bang-Haas, das andere
Stück in Coll. Avinoff befindet. P. v. lathonius macht einen
von allen mir bekannten delphius-Rassen abweichenden Ein-
druck. Die Marginalbestäubung der Htfl ist gering, die Sub-
marginalbinde ist weit vom Aussenrande entfernt und endigt
unterhalb des Medianauges und oberhalb der blaugefüllten Sub-
marginalozelle II. Besonders auffällig ist der grosse rote Basal-
fleck der Htfl, der auch oberseits stark zinnoberrot durchleuch-
tet, letzteres ist wohl kaum als specifischer Unterschied zu be-
trachten
Ob lathonius (ebenso wie lampidius) eine eigene
Art und keine delphius-Rasse ist, lässt sich jedenfalls erst
beurteilen, wenn eine grössere Anzahl Falter besonders 2? mit
tadellosen Legetaschen vorliegen. Infolge des länglichen Flügel-
schnittes gehört er wohl kaum zu den beinahe rundflüglichen
acdestis, obgleich die halbierte, defecte Legetasche nach Bryks
Ansicht für diese Art spricht, noch weniger zu cephalus wie
Avinoff annimmt, da die schwarzweisse Fransenfärbung fehlt. Ich
halte lathonius für eine derlampidius recht nahestehende Rasse,
obgleich der Grössenunterschied sehr erheblich ist, Jampidius
30-35 mm, lathonius 57 mm. Soweit ich es nach den
farbigen Abbildungen der Cotypen von lampidius bei Verity
beurteilen kann, sind die verschiedenen Zeichnungelemente wie
auch die der Analmakeln nebst angrenzender Submarginalbinde
der Htfl mit lathonius übereinstimmend.
Die nachfolgenden Falter wurden früher als delphius-Va-
0. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 167
rietäten behandelt, sind aber nach neueren Untersuchungen, die
sich hauptsächlich auf die Verschiedenheit der Legetaschen
stützen, als eigene Arten abgetrennt worden.
Ganz überflüssig halte ich jedoch die Aufstellung neuer
Gattungsnamen für verschiedene Parnassiusgruppen von
— Moore in Lep. Ind. V, 1902.
p- 116 Tadumia Moore (Typus: acco.)
p- 118 Kailasius Moore (Typus: charltonius.)
p. 120 Koramius Moore (Typus: delphius)
Bryk verwendet Tadunia Moore (über dessen Notwendig-
keit er selbst im Zweifel ist) für acdestis in Soc. Ent. XXIX
(1914) p. 25. T. acco Gray ist jedoch eine von acdestis weit
entfernte Art, so dass hier wohl eine Verwechselung vorliegt.
Ich kann auch nicht verstehen, warum Bryk in seiner Arbeit:
Ueber eine neue Einteilung der Papilionidae, Archiv f. Natur-
kunde Vol. 79 (1913) A. 2 p. 117 Tadumia (Moore) Bryk
schreibt.
B. I. West-China.
27. Parnassius acdestis Gr. Gr.
— Gr. Gr. Horae Soc. Ent Ross. XXV (1891) p. 446,
— Rühl p. 105, — Seitz p. 33, t. 16 b.
— Ver. p. 81, t. 318, t. 18, f. 23, 24.
Sining (Amdo). Verity trennt (p. 318) acdestis als
eigene Art von delphius ab. Die abgerundete Flügelform, und
die ganz abweichende Legetasche berechtigen zweifellos dazu,
doch müssten erst genauere Untersuchungen bestätigen, ob ac-
destis zu Gruppe Vl der Parnassius-Einteilung nach Verity ge-
hört und P. imperator am nächsten steht.
28. v. einerosus Stichel,
— delphius var. Obth., Et. Ent. XIX (1894), p. 3, t. 8,
f. 71 (71a Legetasche).
— cinerosus Stichel, Seitz (1906) p. 34; Gen. Ins., p. 41.
— diaphana Verity (1907) p. 78, t. 18, f. 7.
Tatsienlu (Prov. Sz’tschwan) West-China; false Tanghö. Da
Oberthür p. 3 auch cephalus elwesi Leech aus Tanghö be-
schreibt, hat Stichel jedenfalls die Fundortangaben verwechselt.
Oberthür bemerkt in der Beschreibung, dass er nur ein
einziges Paar vom Pater Dejean, 1893, erhielt, welches grösser
und grauer als die westsibirischen delphius gefärbt sei.
Die Legetaschen des 2 (f. 71a) ist nicht doppelt gelappt und
weniger eingeschnitten als bei delphius 22. Bezugnehmerd
auf diese Beschreibung und Abbildung haben Stichel und Verity
diesen Falter fast gleichzeitig benannt. Stichel beschreibt cine-
168 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
rosus: „eine eintönig graue Form jedoch im Discus des Vdfls
und in der Basalhälfte des Htfls reichlicher grau bestäubt“.
Verity bildet die Type als diaphana ab, doch muss dabei wohl
eine Verwechslung geschehen sein. Seine Figur, es ist nur die-
ses einzige J' bekannt, misst 57 mm, ist glasig und matt gefärbt
mit weissgelben Ozellen, während Oberthürs Falter, wie Verity
p. 78 selbst schreibt, 62 mm gross ist und eine gesättigt graue
Grundfarbe mit roten Ozellen zeigt. Auch ist bei Oberthürs
Abbildung deutlicher zu sehen, dass die beiden Analmakeın
nicht rund wie bei delphius sondern halbmondförmig wie bei
acdestis sind. Infolge der Form der Legetaschen und Anal-
makeln, sowie aus geographischen Gründen halte ich einerosus
eher zu acdestis als zu delphius gehörig.
B. II. Thianschan.
29. v. priamus Bryk, — Taf. V., Fig. 20.
— Bryk, Soc. Ent. XXIX (1914) p. 24—25 f. 1, Lege-
taschen f. 3.
Thianschan, Aksutal Chantengri. In der Ausbeute vom Jahre
1913 aus den Gebirgen nördlich der Stadt Aksu fielen mir beim
Auspacken unter einer grossen Anzahl delphius einige kleinere
Falter mit verdunkelten Ozellen auf. Nach der Präparation
stellte sich heraus, dass diese konstante Unterschiede mit del-
phius aufwiesen. Besonders auffällig ist das vollständige Feh-
len der Analmakeln, an deren Stelle eine gleichmässig verlau-
fende, reduzierte Submarginalfleckenreihe in Form von Strichen
und Halbmonden tritt.
30. v. patricius Niepelt,
— Niep. Ent. Z. V (1911) p. 274/35.
— Niep. Lepidoptera Niepeltiana (1914) p. 55, t. 7, f. 1—3.
— delphius cretatus Shelj. Iris XXVIIL, (1914) p. 18,
1, 1: =
Thianschan, Narynsk. Ich halte patricius für keine eigene
Art, sondern für eine der acdestis priamus verwandte Rasse,
was seine Bestätigung durch die Form der Legetasche findet.
P. patricius unterscheidet sich von priamus durch das voll-
ständige Fehlen der submarginalen Fleckenreihe der Htfl, auch
alle anderen schwarzen Zeichnungen sind geringer entwickelt.
Niepelt schreibt: „die kleinen, schwarzen Ozellen, welche distal
weiter von der Zelle abgerückt sind als bei delphius, werden
von einer Schicht rauchschwarzer Schuppen halbschattenartig
überwuchert, so dass der ganze Fleck ein unregelmässiges, kleck-
siges Aussehen erhält“. Dies stimmt auch mit priamus über-
O. Bang-Haas. Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm. 169
ein, nur bei einem einzelnen 2 war die Rotfärbung der Ozellen
vorherrschend, während bei dem mir vorliegenden Pärchen von
acdestis aus Coll. Stgr., sowie bei den drei abgebildeten Stücken
die roten Ozellen nur einen schmalen schwarzen Rand haben.
Das von Sheljuzhko als delphius cretatus beschriebene
2 ist synonym mit patricius. ‘Ich erhielt das in der Iris ab-
gebildete Weibchen von einem inzwischen verstorbenen Herrn
nebst einer grosen Anzahl Narynsk Faltern mit der Fundortan-
gabe „Pamir“, über deren Richtigkeit ich sofort meine Zweifel
äusserte. Gleiches teilte ich auch Herrn Deckert mit, dem ich
dies interessante Stück zur Beschreibung überliess. Jedenfalls
hat Deckert vergessen, auf dem Fundortzettel ein Fragezeichen
zu vermerken. Aus den Abbildungen von Sheljuzhko und
Niepelt geht zweifellos hervor, dass es sich um die gleiche Art
handelt.
C. West-China.
Parnassius cephalus wurde wegen der Aehnlichkeit der
Legetaschen von Verity zu Gruppe VII der Parnassius neben
szechenyi Friv. gestellt. Die schwarz- und weissgescheckten
Fransender Vdfl, welche bei keinem delphius oder acdes-
tis beobachtet wurden, sind ein sehr charakteristisches Merk-
mal für diese Art.
31. cephalus cephalus Gr. Gr.
— Gr. Gr. Horae, Soc. Ent. Ross. XXV (1891) p. 446.
— Rühl p. 106, — Seitz p. 32, t. 16b.
— Ver. p. 88, 1.19, 1. 17 (&) 18, (& Type).
Amdo (Sining = Hsi-ning). Ein etwas abgeflogener d' von
Gr. Gr. erhalten und mit den Typen übereinstimmend, befindet
sich in Coll. Stder.
32. v. elwesi Leech.
— Leech, The Entomologist XXVI (1893) Suppl. p. 104.
— Leech, Butt. Chin. Jap II (1893) p. 504 t. 33, f. 4.
— Obth., Et. Ent. Fasc. XIX, (1894) p. 3, t. 8, f. 72, (72a
Legetasche). — Obth., Et. comp. V. (1911) t. 61, £.
558/560.
— Seitzp. 32, Ver., p. 88 t. 21, £f. 13.
Tatsienlu, Tongo. Ch. Obthür und Verity bilden elwesi
unter dem Namen cephalus ab, im Stgr. Reb. Cat. 7. von
Stichel im Seitz p. 32 und Gen. Ins. p. 38 werden beide als
verschiedene Rassen aufgeführt. P. elwesi ist grösser und
dunkler gezeichnet als cephalus, besonders auffällig ist der
Unterschied zwischen diesen beiden, wenn man das von Verity
170 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
abgebildete schmal flüglige 2 t. 19, f. 18 mit dem Oberthür-
schen 2 t. 61, f. 560 vergleicht.
Bei der grossen Entfernung zwischen Amdo und Tatsienlu-
(circa 800 klm) ist es auch erklärlich, dass sich diese Art in
zwei verschiedene Rassen gespalten hat, ebenso wie die nach-
folgenden Parnassius-Arten: epaphus, szechenyi, orleansi
und imperator, vielleicht auch acdestis.
Einiges über Parnassius.
Von Otto Bang-Haas.
NUR
(Mit Taf. V, Fig. 21-29).
i. Parnassius nomion davidi(s), Obth. — Taf. V, Fig. 23.
— davidis Obth. Et. Ent. Fasc. 4, (1879), p. 23, 108, 1.2 f. 2.
_ »„ Elwes, Proc. Zool. Soc. London (1886) p. 33.
— »...Obthr, Bir Ent. Rasc- 141891) ps2r le Selena:
— nomion, Rühl, Pal. Grossschm. I. (1892 —5) p. 96.
— nomion davidis l,eech, Butt. Chin. II (1) (1893), p. 498.
— nomion, Stgr. u. Rebel, Cat. Lep. Pal. (1901) p. 5.
davidis, Moore, Lep. Ind. V, (1902) p. 115.
— ,„., Stich., Berl. Ent. Z. EI (1906) p- 32.
E= » Stich., Seitz Gross-Schm. I (1906) p. 26.
— nomion davidis, Verity, Rhop. Pal. (1907—1911), p. 66,
1090. 10, 1.9, 1. 2ASTELL
— davidis Stich., Gen. Ins. Wytsman (197) .p. 28.
— 5 Niep. Lepidop Niepeltiana (1914) p. 57.
— nomion anna Bryk, Mit. d. Münch. Ent. G. V (1914) p.
83,t.1f.7. — Bryk, Int. Ent. Z. VIII, (1914) p. 36, 39.
davidis (nomion var?) Aust. Int. Ent. Z. VIII (1914)
Pr80,7815 89:
davidis ab. pulchra (O0. B.-H.i. 1.) Aust, l. c. p. 89, 90.
Im Jahre 1913 erhielt ich von dem leider inzwischen ver-
storbenen Sammler Ad. Coenen eine prächtige nomion- Rasse
aus dem Chingan-Gebirge (Inn Shan, c. 2000 m, Juli) in der
Mongolei nördlich von Peking. Ich halte diese trotz anderer
Ansicht mehrerer Autoren für davidis ÖObth., von der ein
einziges Stück sich in der berühmten Oberthür’schen Sammlung
befindet. Diese Type wurde sehr gut von Verity, Rhop. Pal.
t. 24 f. 11 farbig abgebildet, ferner finden wir im gleichen
O0. Bang-Haas. Einiges über Parnassius. 171
Werke auf t. 10 f. 5 eine schwarze, rekonstruierte Zeichnung
dieser Art. P. davidis ist nach diesem einzigen, abgepfloge-
nen Weibchen aufgestellt, was bei der grossen Variabilität der
Parnassiusarten eine genaue Bestimmung ausserordentlich er-
schwert. Es ist deshalb auch erklärlich, dass die Autoren ver-
schiedener Meinung über die Zugehörigkeit dieser mysteriösen
Ruine waren.
Da sich unter der Chingan-nomion Rasse Weibchen befin-
den, die vollständig mit dem Original von davidis überein-
stimmen, besteht für mich kein Zweifel, dass beide zu vereinigen
sind. Ich halte davidis keinesfalls zu honrathi Stgr. ge-
hörig, wie dies Stichel im Seitz (Gross-Schmett. I. pag. 26) an-
nimmt, eine Ansicht, die auch Verity pag. 66 und nochmals
sehr genau pag. 106 vertritt. Er schreibt: „un examen minu-
tieux ne m’a laisse aucun doute par rapport a son identite spe-
cifique avec nomion, qu’il s’agisse soit d’une race locale, soit
d’une aberration.* Auch von Leech, Rühl und Staudinger Rebel
Catalog p. 5 wird davidis als synonym zu nomion gestellt.
Das Original von davidis lässt deutlich die für nomion so
charakteristische, schwarze Zeichnung des Innenrandes der Htfl
erkennen, den bis fast unter die obere Ocelle nach oben ge-
öffneten, scharf abgegrenzten Halbkreis, weichen man mit einer
Raubtierkralle vergleichen könnte, was von den Autoren bis
jetzt noch nicht beachtet wurde. Da eine ähnliche Zeichnung
bei honrathi niemals zu finden ist, (bei ungefähr 40 mir vor-
liegenden honrathi ist diese stets unregelmässig und ver-
schwommen), besteht meiner Ansicht nach kein Zweifel über
die Zugehörigkeit von davidis zu nomion.
Herr Niepelt bemerkt in seiner Lepiloptera Niepeltiana
p. 57 bei der Beschreibung von P. honrathi alburnus als
Unterart von davidis: „dass diese bisher unrichtigerweise zu
P. nomion F. d. W. identifiziert sei,“ gibt aber keine weitere
Erklärung, was ihn zu dieser Annahme veranlasste.
Als einzigen Beweis, dass mein nomion nicht zu da-
vidis gehört, führt Bryk an, dass Stichel im Seitz diesen zu
honräthi zieht, ohne anscheinend weder die Type noch Ab-
bildung bei Verity gesehen zu haben; er beschrieb deshalb die
Chingan nomion-Rasse als anna (Münch. Ent. Ges. 1914
p- 33), die als synoym einzuziehen ist.
Im Gegensatz zu seinen eignen Angaben schreibt Bryk
p- 34, falls davidis wirklich ein nomion wäre, käme dafür
der in den Gebirgen westlich Pekings (Hoang-yong-shan) is
gende oberthürianus Bryk (Int. Ent. Z. 1914 p. 35) i
172 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Betracht. P. davidis ist aber vom nördlichen Peking beschrieben
worden, ich verstehe deshalb nicht, warum eine westlich flie-
gende nomion-Rasse, die viel kleinere Ozellen und schmälere
Flügelform aufweist, mit dieser synoym sein soll.
Herr Bryk lässt ferner noch die Frage offen, ob davidis
(er schreibt richtig davidi) zuParn. bremeri mandarinus
(0. B.-H. i. 1.) Bryk gehören könnte, die er nach einem ein-
zigen, von mir erhaltenen Männchen aus gleicher Lokalität wie
nomion oberthürianus in den Ent. Mitt. Dahlem III,
Nr. 3 p. 82/83 Taf. 1 Fig. 6 beschreibt. Obgleich nur dies
eine Originalstück bekannt ist und keine Weibchen vorliegen,
halte ich mandarinus für eine sichere, wenn auch recht
interessante bremeri- Rasse.
Die Type von davidis wurde 1864 vom Pere David 4
Tagereisen nördlich von Peking im Lao-hou-hoon (Tigertal),
nicht weit von Jehol gefangen. Oberthür bemerkt in der Be-
schreibung 1879 Et. IV, p.23, 108, Tf.2, Fig. 2: „Les dessins
et täches sont dans leur ensemble ceux de Nomion.“ Ich war
nach dieser Beschreibung sowie den früher angeführten, sehr
genauen Angaben Verity’s erstaunt, als mir Herr Charles Ober-
thür am 2 Dez. 1913 nach Erhalt einiger Paare davidis mit-
teilte, dass diese keine davidis, sondern nur eine nomion Rasse
wären. Er führte folgende Unterschiede an, die ich aber alle
als nicht stichhaltig bezeichnen kann.
1. Flügelform der wahren davidis mehr abgerundet —
ich erhielt ebenfalls Weibchen mit ganz runder Flügelform.
2. Das Aussehen ist viel dunkler und glanzloser — bei
einigen Weibchen waren die Vdfl beinahe vollständig schwarz
und der Glanz, der meist nur bei den Männern bemerkbar,
verschwindet bei abgeflogenen Exemplaren.
3. Als besonderen Unterschied führt er die total schwarzen
Fransen ohne weisse Unterbrechung an. Schon Stichel bemerkt
in einer Fussnote p. 26 im Seitz, dass dies nicht als spezifisches
Merkmal angewendet werden kann. Die weisse Unterbrechung
der Fransen ist bei meinen nomion ganz verschieden ausge-
prägt, stellenweise fehlt diese vollständig, auch nomion-
Weibchen mit total schwarzen Fransen habe ich gefunden.
Uebrigens sind die Fransen von honrathi ebenfalls meist weiss
unterbrochen. Es ist auch fraglich, ob bei dem sehr abgepfloge-
nen davidis-Original diese nicht gelitten haben, denn wie
lange ein Falter geflogen ist, merkt man zuerst an dem Er-
haltungszustand der Fransen.
Oberthür vertritt nochmals kategorisch seine Ansicht in
O0. Bang-Haas. Einiges über Parnassius. 173
einem Schreiben an Herrn Bryk (Int. Ent. Z. VIII (1914) p. 36):
„Davidis est bona et distincta species, ce n’est pas un n0-
mion.“ Im Gegensatz dazu schreibt Sheljuzhko an Bryk:
„In meiner Sammlung befand sich 1J von nomion aus Peking
und ein anderes als „Mongolia“ bezettelt, beide von A. David
gesammelt; diese hielt ich dem Fundort nach, wenn auch mit
grossem Bedenken für davidi. Ihren Zweifel über die An-
gehörigkeit vom echten davidi (s) zu nomion teile ich nicht.
Meiner Meinung nach ist das Original von davidis ein ver-
dunkeltes (melanotisches) Exemplar einer chinesischen nomion-
Rasse und ist dieses @ vielleicht gar nicht für die Rasse cha-
rakteristisch.*“
Austaut schrieb eine längere Abhandlung über die von mir
erhaltene davidis: „Notice sur le Parnassius davidis Obth. et
sur quelques varietes de cette espece (Int. Ent. Z. VIII (1914)
p. 50, 81, 89, 90) und kommt zu dem Schluss, dass ein Ver-
gleich mit honrathi wenig gerechtfertigt ist und davidis der
nomion mandschuriae am nächsten steht. Die ab.pulch-
ra verwandte ich für Stücke mit besonders schöner Rotzeichnug.
Schon aus geographischen Gründen ist das Vorkommen von
honrathi nördlich Pekings kaum anzunehmen. P. homrathi
ist auf ein relativ sehr kleines Gebiet (Sarafchan und Pamir)
beschränkt, während nomion in allen an die Wüste Gobi an-
srenzenden Gebirgen vom Altai bis zum Nanchan (Kukunor) nur
mit Ausnahme der westlichen Seite, des Tarim Beckens, ge-
funden wurde.
Ein weiterer Beweis für die Uebereinstimmung meiner
nomion mit davidis ist die Tatsache, dass ich von gleicher
Stelle einzelne Stücke der höchst seltenen Pieride: Davidina
armandi Obth. erhielt, die ebenfalls von David nördlich Peking
erbeutet wurde.
Ehe nicht durch eine grössere Serie Falter, welche mit der
Type übereinstimmen, ein Unterschied mit meinen davidis be-
wiesen wird, bedauere ich, trotz gegenteiliger Ansicht, mein
Urteil nicht ändern zu können, obgleich ich Herrn Oberthür
gern die Ehre gönnen würde, der alleinige Besitzer eines Par-
nassius davidis als gute Art zu sein.
2. actius ornatus 0. B.-H., Taf. V., Fig. 25.
Chotan, vergl. pag. 93.
3. actius melaniticus 0. B.-H., nov. var, — Taf. V., Fig. 21.
Thianschan or. mer., Kourgak Taon, Kutscha Gebirge, nord-
westlich Karaschahr.
Es ist dies die dunkelste aller actius-Rassen und stimmt
174 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
mit minuita. Verity, D. 313, 1. 332 1.9, 6501.58, ES 2015,
in Grösse und Zeichnung, abgesehen von der ausgedehnten,
schwarzen Bestäubung, überein. Die schwarzen Zeichnungen
sind auch unterseits viel ausgedehnter als bei minuta, selbst
bei den wenigen Stücken mit hellerer Oberseite Bei extrem
gefärbten Stücken sind die Flügel fast wanz schwarz, weisse
Stellen finden sich nur in der Nähe der Zelle und Basis. Mar-
ginal- und Submarginalbinden sind mehrmals so zusammenge-
flossen, dass nur noch eine kleine weisse Fleckenreihe sichtbar
bleibt.
Grösse d'Ü' 49—57 mm, 22 51--57 mm.
Zwei interessante Aberrationen befinden sich bei actius
‘melaniticus, welche zur ab. mirandus Niepelt, Int. Ent.
Zeit‘ Vu. (1912), px 305, lepıid. Niepelt pr 56. Mia, tu
ziehen sind.
a) ein grosser d’, alle Özellen schwarz mit Ausnahme der
rechten. oberen Ozelle.
b) ein kleiner, etwas asymetrischer c’, alle Ozellen schwarz
mit Ausnahme des linken Subcostalauges. Der linke
Htfl zwischen Media 1 und 2 verläuft in eine Spitze.
Unter actius ambrosius Ver. befand sich:
ein ganz asymetrisches $ mit einem linken, schwarzen
Medianauge. Merkwürdigerweise befindet sich im linken
Htfl oberhalb der Zelle rechts neben dem Subkostalauge
ein eirundes Loch, in der Mitte der Vdfl-Zelle links 2
kleine längliche Löcher. Fundort Aksutal.
4. jacquemonti ab. archonis Bryk.
Soc. Ent. XXIV (1911), p. 54 mit Textfigur.
Die jacquemonti aus Bashahr (— Hill) States, Nord-
Indien sind ausserordentlich variabel; wir finden ganz helle
Stücke, die zur v. himalayensis Elwes zu zählen sind und
ganz dunkele, die von typischen jacquemontii nicht zu tren-
nen sind, weshalb wohl himalayensis, wie schon Stichel
in Gen. Ins. Wytsmann, p. 34 angibt, als Name für eine eigene
Rasse kaum aufrecht erhalten werden kann. Einige ZZ be-
fanden sich in der Ausbeute, bei denen auf der Unterseite der
Htfl deutliche, rote Zeichnungen in der Submarginalbinde auf-
treten, die sich einmal sogar bis auf den glasigen Saum aus-
dehnen. Bei einem sonst normalen / geht oberseits auf dem
linken Vdfl die rote Beschuppung über den schwaren Ring des
Hinterrandfleckes distalwärts hinaus, unterseits ist der gleiche
Fleck, langgezogen, fast ohne schwarzen Ring und stark weiss
gekernt. P. jacquemonti ist die einzige Parnassiusart, bei
O0. Bang-Haas. Einiges über Parnassius. 175
welcher, soweit dies bis jetzt bekannt ist, rote Zeichnungen auch
ausserhalb der Schuppenregion auftreten.
5. bashahricus 0. B.-H., nov. spec. — Taf. V, Fig. 22, 27,
(Unterseite).
Stargyugsa, aus dem Norden von Bashahr State südlich
Lahul nahe der tibetanischen Westgrenze 5000 m hoch, gefan-
gen Ende Juli.
Leider erhielt ich von dort neben jaceguemontii Gray
und epaphus Öbth. nur einen einzigen J‘, der in Flügelform
und Grösse an tibetanus (Leech i. 1.) Rühl erinnert, während
die Zeichnungen am besten mit epaphus Obth. zu verglei-
chen sind.
Die Grundfarbe ist gelblich-weiss, die Beschuppung sehr
schwach, so dass der Falter ein glasiges Aussehen hat. Die bei-
den Costalflecke, der Hinterrand- oberster Basal- sowie Anal-
fleck sind rot gekernt, auf der Unterseite der Htfl befinden sich
ausserdem noch 3 grosse rote Basalflecke, ferner 2 weitere Anal-
flecke, die fast das Medianauge erreichen. Die beiden Ozellen
in mattroter Färbung mit kleinem weissen Fleck sind viel grösser
als bei jacguemonti. Die Fransen ähneln epaphus, sind
weiss mit schwarzen Aderenden. Fühler total schwarz ohne
weisse Ringe. Grösse 65 mm.
Vielleicht ist basharicus trotz der weissen Färbung der
westliche Vertreter von tibetanus Rühl.
6. epaphus cachemiriensis Obth. — Taf. V, Fig. 29.
Aus gleicher Lokalität wie bashahricus erhielt ich einige
epaphus, welche den bei Verity, t. 17 f. 3, 4 abgebildeten
Cotypen sehr nahe stehen, jedoch meist stärkere, schwarze
Zeichnungen aufweisen. Ein 0 erreicht die Grösse von 57 mm
und ähnelt in der Flügelform den jacquemonti Boisd. glei-
cher Lokalität. Ich bilde die Bashar-epaphus-Rasse ab, um
den Unterschied mit bashahricus zu zeigen.
Falls es sich nach Empfang einer grösseren Anzahl epa-
phus von dieser Lokalität herausstellen sollte, dass es sich um
eine gute Rasse handelt, schlage ich den Namen hillensis
0. B.-H. vor.
7. epaphus epaphactius 0. B.-H. — Taf. V, Fig. 28.
Chotan, vergl. pag. 95.
8. simo Gray, — Taf. V. Fig. 24, 26.
Chotan, vergl. pag. 96.
176 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Neue Pierieden aus Süd-Amerika.
Von A. H. Fass, Teplitz.
(Mit Tafel VI.)
Catasticta soccorensis m. d‘ (Fig. 1, T. VD). Grösse,
Färbung und Zeichnung oberseits sehr ähnlich C. semiramis
Luc.; nur fehlt die durch die Mitte des Htfls gehende gelblich-
weisse Schrägbinde fast vollständig. Der Costalrand der Vdfl ist
noch stärker eingebuchtet; die Htfl sind schärfer gezähnt. Ganz
verschieden ist die Rückseite, die am meist'n an jene von Catast.
niobe Stgr. erinnert, aber wie aus der Abbildung ersichtlich,
noch weit markanter gezeichnet ist. Die gelben, radialen Strah-
Jen gewinnen dadurch wesentlich an Deutlichkeit, sodas sie, wie
auch die mittlere Schrägbinde des Htfls auf blaugrauem (nicht
hellgelben Grunde wie bei niobe) aufgelagert sind. Die dichte
Behaarung von Kopf, Thorax und Flügelwurzein ist glänzend
schwarz und weit dunkler als bei niobe.
Diese neue, reizende Catasticta ist ein ausgesprochenes
Hochgebirgstier, das ich nur in einem einzigen Stücke auf der
Höhe des Socorroberges in der Columbischen West-Oordillere bei
fast 4000 m Seehöhe erbeutete, wo sie in lauschiger, wild-
romantischer “_birgsschlucht am Ufer eines eiskalten Baches in
Gesellschaft der roten Catastieta tricolor Btbr. saugte.
Sie vertritt wahrscheinlich die Catasticta niobe Peru-Boli-
viens in Columbien.
Catastieta manco Dbl. 2 (Fig. 2, T. VI), deren Beschrei-
bung ich noch nirgends fand, ist ähnlich dem 2 der nachbe-
schriebenen Form, aber mit dunklerer Aussenhälfte der Vorder-
flügel, stärkerem Spitzensaum und deutlicher Ausprägung der
rudimentären Submarginalbinde der Hinterflügel. Die Rückseite
ist jener der weissen Catasticta Arten (der Prioneris Gruppe)
ähnlich.
Das einzige 2 erbeutete mein Bruder nebst mehreren Jg"
der Art auf der Cuesta von Cillutincara, einem ostandinen Ge-
birgsrücken Boliviens, bei 3000 m Seehöhe, wo die Tiere früh
morgens an feuchten Wegstellen saugten.
Catastieta tolima m. /? (Fig. 3,4, T. VI). Nahe bei C.
incerta Dogn. Das J’ aber viel goldgelber, mit helleren Saum-
dreiecken beider Flügel; Rückseite noch mehr aufgehellt, be-
sonders in den Htfln. Das Tier macht den Eindruck einer
ganz orangegelb gewordenen C. manco Dbl., nur sind sämt-
nD
. Oberseite Colias euxanthe v. nigerrima
. Colias euxanthe v. nigerrima 9
. Colias euxanthe v. nigerrima Uebe
Tafel VI.
l. Ober- u. Untersei :ta manco Dbt.
l. Ober- u. Untersei
Oberseite von Catasticta lubentina 5
1. Ober- u. Unterseite von Catastieta lubentina Q
l. Ober- u. Unterseite von Catastieta suprema sp. n.
pP pP
l. Ober- u Unterseite von Dismorphia Iygdanus Hew.
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. Colias tolima sp. n. 9
Colias tolima sp. n. 2
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—o a .ge smilot esilo) se al ;
9 .0..g2 aurilod zuilo) ‚de .gil 2
TAF. VI.
IRIS, DRESDEN, BD. XXIX.
A. H. Fass. Neue Pieriden aus Süd-Amerika. 1rfat
liche dunklen Partien, auch die Flügelwurzel, die Zelle und die
schwarz bezogenen Adern weit weniger düster bestäubt.
Das voraussichtlich dazu gehörige 2 ist dem ©. manco 2
sehr ähnlich, nur sind sämtliche Randkeilflecken spitzer und jene
des Vdfls ausgeprägter, wie auch die ganze Grundfarbe reiner
weiss ist. Die verhältnismässige Kleinheit des Tieres ist wahr-
scheinlich nur individuell.
Ich fine 3 fd‘ und 1 2 dieser neuen prächtigen Form
am Monte Tolima, in der Columbischen Centralcordillere, bei
3200 m Seehöhe, als einzige Catasticta in dieser Erhebung.
Catasticta modesta ? ab. rubrieata m. Eine Form mit
rosaroten, statt schwefelgelben Vdflfleck, der in etwas blasserer
Färbung auch nach der Unterseite durchschlägt. Das Tier
sieht auf der Oberseite sehr Archonias pharnakia Fruhst.
ähnlich, hat aber rückseits die typische Zeichnung der Cata-
sticta modesta Luc.
Das einzige Exemplar von ab. rubricata erbeutete ich aın
Kamme der Columbischen West-Cordillere bei 2300 m; wo es
auf der Dolde eines weissblühenden Dostes saugte.
Catasticta apollinari m. d' ist eine modesta-Form, deren
Oberseite sämtliche Zeichnungen nicht dunkel olivgelb wie die
Stammform, sondern weissgrau gefärbt hat. Sie bildet den
Uebergang zwischen C. modesta einerseits und troezene Feld.,
und ersetzt diese Formen wahrscheinlich am Ostabhang der Co-
lumbischen Ost-Cordillere; während weiter südwärts in Peru und
Bolivia die modesta-Formen durch die noch weisser gefärbte,
aber jelenfalls ganz nahestehende C.hebra Luc. abgelöst wird.
Nach einem o* in meiner Sammlung, erbeutet von mir beim
Rio-Negro, Columbien, Ost-Cordillere, 800 m. Benannt zu Ehren
meines verehrten Freundes in Columbien, des eifrigen, hervor-
ragenden Sammlers, Direktor Apollinar Maria.
Catastieta lubentina m. d? (Fig. 5, T. VI) steht der roten
C. tricolor Butl. nahe, in deren Gesellschaft ich sie auch am
Quindiupasse in der Columbischen Central-Cordillere, bei 3300 m
Höhe, erbeutete. Die Vdfl tragen rein weisse Zeichnung in Form
eines grossen, durch die Adern geteilten Mittelfleckes und einer
beim co” nur undeutlichen, aus Punkten und Längsstrichen beste-
henden unregelmässigen Submarginalbinde. Die Htfl ziert genau
dieselbe brennrote Zeichnung wie ©. uricoecheae Feld., aber
die Saumdreiecke sind besonders beim 2 viel breiter und nach
aussen schneeweiss begrenzt. Die Rückseite ist sehr ähnlich
jener von Ü. uricoecheae; der weisse Fleck des Vdfl schlägt
nach unten durch; die gelben Radialstriche sind tiefeinschnei-
. „Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915,
XI
173 Deutsche Entom. Zeitschri“t Iris. Dresden 1915.
dender und etwas länger. Das Tier fliegt vormittags im Son-
nenschein auf blühenden Sträuchern, besonders auf den äusser-
sten Bergspitzen, wo es sehr schwer zu fangen ist. Oft wartete
ich in diesen hohen kalien und von ewigen Nebelwolken einge-
hüllten Restonen tagelang >"f einen Sonnenblick; mitunter war
der Morgen des Faugtages so kalt, dass noch mittags im Schat-
ten alles weiss bereift war und öfters hatte ich während des
Tages nur ganz kurze sonnige Augenblicke des Fanges, denen
unmütelbar ein Regen mit Graupeln und Schnee untermischt
folgte. Die Tagesausbeute betrug in diesen Höhen günstigenialls
selten mehr als ein Dutzend Tagfalter, dabei meist nur 1 bis 3
der roten Catastictaformen. Die neue schöne Art erbeutete ich
in einer kleinen Anzahl von Stücken, wovon sich noch ein Paar
in meiner Sammlung befindet. Cotypen von mir im k. k. Wie-
ner Hoimuseum, Museum Paris, Coll. Larsen, Biedermann, und
Paravicini unter anderen Namen, da Weyner die Art seinerzeit
beschreiben wollte, was aber infolge seines Ablebens unter-
blieben ist.
Catasticta suprema m. $. (Fig. 6, T. VI). Die grösste
aller roten Catasticta-Formen und wahrscheinlich nahe der mir
unbekannten C. vulnerata Butl. stehend. Alle Miutelbinden,
auch jene der Vdfl brennrot und nur nahe dem Costalsaum des
Vdfl etwas ins Orangegelbe übergehend. Die Submarginalpunkte
beider Flügel und die Saumfleckchen der Htil schwefelgelb;
die Befransung schmal und weiss. Die Rückseite ähnelt jener
von uricaecheae, aber das Rot des Vdfl, besonders im
untern Teil durchschlagend; die gelben Radialstriche der Htfl-
Rückseite sehr schmal, fast nur angedeutet. Der Körper dicht
schwarz behaart.
Ein einziges ® vom Quindiupass, Columbische Zentral-
Cordillere, 3800 m, wo es an der Blüte eines fliederähnlichen
Strauches saugte. Gegenwärtig in meiner Sammlung.
Ein wahrscheinlich dazugehöriges ganz ähnliches Ü' von
Ecuador sah ich vor Jabren im k. k. Wiener Hofmuseum.
Daptoneura daguana m. cd’. Eine grosse von florinda-Form
mit 64 mm Spannweite und stärkerem schwarzen Saum aller
Flügel; die Htfl gegen den Analrand zu von der freudig orangegel-
ben Färbung ins gesättigt Chromgelbe übergehend. Rückseite
mit viel breiterem schwarzen Zellschlussfleck der schwefelgelben
Vdfl. Htflunterseite gesättist chromgelb (nicht schwefelgelb wie
bei der Stammform). Im 2 mm breiten, schwarzen Aussenrand
zwei, ebenfalls tiefgelbe, lange Strichflecke.
Ein einziges 0’ in meiner Sammlung, das ich bei San
A. H. Fassl. Neue Pieriden aus Süd-Amerika. 179
Jose (180 m Seehöhe) am Rio Dagua in West-Columbien, also
ganz nahe dem Gestade des stillen Ozeans fing.
Dismorphia buchtieni m. ?. Eine arcadia-Form aus Boli-
via; mit 55 mm Spannweite, etwas kleiner als das Columbische
D. arcadia 2. Alle gelbe Zeichnung der Oberseite, beson-
ders die schräge Mittelbinde der Vdfl schmäler, sowie auch die
wagerechte Binde der Htfl enger und an den Adern durchbro-
chen. Der Hauptunterschied ist jedoch der, dass die Mittelbinde
der Vdfl auch auf der Oberseite nicht schwefelgelb, sondern
prächtig orangerot ist, mitsammt dem gelben Keilstrich der sich
längs der Mediana wurzelwärts erstreckt. Die Rückseite analog
der Vorderseite mit schmälerer Zeichnung, stark ausgeprägter
roter Mittelbinde der Vdfl, aber weniger vortretenden Silber-
punkten der Htfl, da deren Grundfärbung nicht hochgelb wie
bei der Stammform, sondern mehr silbergrau ist, wovon sich die
Silberpunkte scharf abheben.
Coroico, Bolivia, 1400 m, ein 2; von mir im dichten Ge-
birgsurwald erbeutet, wo Tagfalter an und für sich selten sind.
Benannt zu Ehren des Herrn Dr. O. Buchtien, Direktor des
National-Museums Bolivias.
Dismorphia Iygdamis Hew. 2. (Fig. 7, T. VI). Das wahr-
scheinlich noch unbekannte $ dieser Dismorphia hat oberseits
viel Aehnlichkeit mit D lewyi Luc. 2, nur ist die innere
Begrenzung des breiten schwarzen Saumes der Vdfl mehr die
Rippen umfassend und anders gestaltet; der Saum der Htfl
jedoch analwärts ganz aufgelöst und von ihm nur schwarze Ver-
dickungen der Rippen übrig. Die Rückseite ist sehr ähnlich
jenen des Columbischen D. hyposticta Feld. 2? und manue-
lita 2; die gelbgetünchten weissen Felder, die dem sitzenden
Faiter das Aussehen einer Catasticta corcyra Fldr. ver-
leihen, sind fast ebenso lebhaft ausgeprägt wie beim Iygdamisd.
Ist schon das dieser Art nicht häufig, so gehört das 2
entschieden zu den grössten Dismorphia Seltenheiten.
Nur ein einziges Exemplar von Coroico, Bolivia, 1400 m.
Dismorphia critomedia 2? var. tolimensis m. Während alle
übrigen Verbreitungsbezirke Columbiens, also sowohl die West-
als auch die Ostcordillere die normale Form von critomedia
Hbn. beherbergen, kommt in dem von mir besuchten Teil des Ost-
abhanges der Zentral-Cordillere (Canon del Monte Tolima,
1200 bis 1700 m) diese Pieride mit einer konstanten weiblichen
Varietät vor, indem alle erbeuteten 8 2% nicht weiss, sondern
schwefelgelb sind, bei sonst völlig normaler Zeichnung und
gleichen fc wie an den übrigen Fundorten. Diese auffällige
180 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Lokalform ist umso interessanter, als das nur mehrere Tagereisen
entfernte, aber am rechten Maedalenaufer liegende Muzo-Pacho
der Ost-Cordillere schon wieder die normale weisse critomedia-
Form besitzt.
Nathalis plauta ? ab. coliaides m. Wenn Röber im „Seitz“
bei Besprechung der Art sagt, dass das 2 fast schwarze VdA
hat, so gilt dies wohl von der Mehrzahl der $£ Formen. Doch
kommen, freilich viel seltener, auch 2? vor, die dem ähnlich
sind, also mit breitem schwarzen Saum und lediglich etwas
gesättigterem, mit grauen Schuppen überstreutem Grundton der
der Vdil. Uebergänge zur Stammform mit schwarzen Vafl
sind nicht selten.
Bogota, Columbische Ost-Cordillere. 2600 bis 3200 m, in
typischen Stücken vereinzelt unter der Stammform; die Tiere
saugen besonders an sonnigen Flächen an einer dort häufig
vorkommenden gelben Hieraciumblüte.
Colias euxanthe nigerrima m. d? (Fig. 8ad,b%,T. VD.
Nur 1 £ bekannt, mit stark angerusster Oberseite; nur der Vorder-
rand der Htfl bleibt schmal hellgelb frei. Der rote Mittelfleck
tritt heller aus der überaus dunklen Grundfarbe hervor. Die
Rückseite ist mehr grünlich wie bei normalen ZZ. Die 22 in
allen Uebergängen von der Form alba Stgr. bis zu tiefdunklen
Stücken wie das abgebildete; also noch schwärzer als die palae-
arktische Colias tamerlana. Die Ueberganesstücke sind zahl-
reicher als die tiefschwarzen, extremen Formen; doch kommen
dabei interessant gerärbte Tiere vor, die wie das Fig. 8c abge-
bildete noch Ueberbleibsel der grünlichweissen Aberration alla
aufweisen.
La Paz, Bolivia, 3600 bis 4000 m; Cuzco, Peru, 4000 bis
4200 m. Sehr selten unter der Stammform, die_an sonnigen,
blumigen Abhängen ziemlich verbreitet ist. Eine. feine Serie
in allen Uebergängen, in meiner Sammlung und Cotypen von
mir im Pariser Museum, und in den Sammlungen von Adam,
Paravieini und Kertecz.
Colias tolima m. 92 (Fig. 9a, b cf, T. Vl.) Aehnlich dem
C. dimera Dbl.-Hew. aus der Ost-Cordillere; Vdfl abgerundeter,
schwarze Saumbinde nach innen geradlinig begrenzt und nicht
bis zum Innenrand reichend, sondern rechtwinkelig in der Mitte
zwischen M ® und SM 2 endigend. Beim 2 die schwarze Aussen-
randsbinde ganz analog different vom C. dimera $. Der
dunkle Anflug der Flügelwurzeln und des Htflsaumes ist weit
spärlicher als bei dimera.
Einer der wenigen Tagfalter, die ich gelegentlich meiner
0. Bang-Haas. Einheitliche Aberrationsbenennungen. 181
Erforschung des Monte Tolima, nahe der Schneegrenze, bei 4200
bis 4600 m Seehöhe entdeckte. Die Tiere flogen rasend schnell
die Lavamoränen entlang und waren sehr schwierig zu jagen.
Meist wartete ich einen Augenblick ab, wo in dem Sonne von
einem rasch vorbeiziehenden kalten Wolkennebel verdeckt wurde
und die Tiere sofort wie gelähmt ins Gras niederschwebten und
sich ruhig mit der Pinzette greifen liessen.
Mehrere JS’ und 1 X in meiner Sammlung; 1 d° in Coll.
Kertesz.
Einheitliche Aberrationsbenennungen
der Gattung Parnassius.
Von Otto Bang-Haas, Blasewitz.
EV.
Bezugnehmend auf meine Ausführung in der vorhergehenden
Arbeit über die Parnassius delphius-Rassen, schlage ich
zur Vereinfachung der Nomenclatur nachfolgende
Colleetiv-Aberrations-Namen
für alle Parnassius-Arten oder Rassen vor.
Ich möchte besonders auf die grundlegende Arbeit von Prof.
Courvoisier: „Ueber Zeichnungs-Aberrationen bei Lycaeniden“
in der Iris XXVI (1912), pag. 38, hinweisen, der als erster
für eine einheitliche Nomenclatur
— gleiche Aberration — gleicher Name —
eintritt. Auch bei Verity, Rhop. Pal., finden wir Vorschläge
zur Vereinfachung der Nomenclatur auf pag. 102 für die Gattung
Parnassius, pag. 274 für die Colias.
Die Collecetiv-Aberrationen könnte man einteilen in solche,
die entstanden sind:
1. durch eine Bereicherung der Zeichnung = formae luxuriantes
2ER „ Verarmung(Reduction)d..„ = „ privatae
Dr)... „ Abweichung d. Färbung — coloratae
A): o s „Gestalt (Grösse) = ,„ _fictae
Courvoisier erwähnt nur Nr. 1 und 2,
bei Nr. 3 wird es sich oft schwer feststellen lassen, ob derartige
Färbungsabweichungen nicht gleichzeitig zu Nr. 1 und 2 gehören,
mit Nr. 4 könnte man auch alle pathologischen Aberrationen
vereinigen.
182 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Es ist nomenclatorisch festgelegt, dass innerhalb einer und
derselben Gattung jede Art ihren eigenen Namen haben soll. Schon
bei den Varietäten oder Rassen ist dabei keine Einheitlichkeit
der Benennungen zu erzielen. Die meisten Autoren halten, und
dies wohl auch mit vollem Recht, gleiche Namen für Varietäten
innerhalb ein und derselben (rattung für berechtigt, einige Au-
toren verlangen auch für diese verschiedene Namen. Stichel
ändert z.B. P. apollo uralensis Obth. in apollo limicola
Stich. um, da bereits ein delius uralensis Men. früher be-
schrieben wurde und bemerkt dazu in Seitz I, pag. 25, in der
Fussnote: „uralensis ist bereits 1859 für eine delius- Form
vergeben, beide Formen sind als systematische Einheiten (Sub-
species) aufzufassen, daher bedarf es hier der Substitution eines
neuen Namens.“ Meiner Ansicht nach, sind aber apollo
uralensis und delius uralensis als systematische Ein-
heiten durch den verschiedenen Artnamen genügend gekenn-
zeichnet.
Bei den verschiedenen Aberrationen einer Gattung, das heisst
den rein individuellen Formen überhaupt, sind gleiche Namen
noch viel eher berechtigt; doch ist selbst darin bis jetzt noch
keine Einigung erzielt worden.
Einen besonderen Autornamen für jede der nachfolgenden
Colleetivbenennungen anzugeben, halte ich für überflüssig und in
vielen Fällen sogar für irreführend, da die gleichen Namen niclıt
immer in demselben Sinne verwendet wurden. Um Irrtümer zu
vermeiden, empfiehlt es sich, jeden Colleetiv-Namen an Stelle
eines Autornamens mit
nom. coll. (n. c.) = nomen collectivum
zu bezeichnen. Es steht jedoch jedem frei, den Namen des
Autors, der diesen Namen zuerst für eine beliebige Parnassius-
Form verwendet hat, in Klammern beizufügen.
Bei allgemeiner Anwendung dieser nom. coll. lässt sich nicht
vermeiden, dass eine ganze Reihe Autornamen ausgemerzt werden,
und ich fürchte, aus diesem Grunde werden manche Autoren die
Nomenclaturregeln nach ihrem Sinne auslegen und die Collectiv-
Aberrations-Namen verwerfen.
Folgende Benennungen, die sich alle nur auf Aberra-
tionen der Oberseite beziehen, möchte ich in Vorschlag
bringen, wobei die in Klammern beigefügten Namen für analoge
Aberrationen im gleichen Sinne bei verschiedenen Parnassius-
Arten bereits früher angewandt wurden.
O0. Bang-Haas. Einheitliche Aberrationsbenennungen. 183
I. Aberrationen aller Flügel.
nana — besonders klein, (minor, minuscula, parva.)
magna — a gross, (gigantea.)
nigricans = a dunkel, /nigrescens, obscura, suf-
fusa.)
albicans — x hell, (albidior, alba, inversa für 22.)
flavicans = . gelb, (flavescens, lutescens, och-
racea, chryseis, gilva.)
fumata — B rauchbraun, (fumosa.)
diaphana —_ 5: dünnbeschuppt, durchsichtig (fe-
nestrata.)
marginata — breiteschwarze Randbestäubung, (Glassaum.)
immarginata — ohne M "N (emarginata,
impunctata).
reducta — ohne Submarginalflecke, (erema, pura.)
pulchra — alle roten Zeichnungen stark vergrössert,
(magnomaculata, wiskotti.)
albina — Albino, graue, unausgetärbte Flecke etc.
(isabellina.)
Kombinierte Aberrations-Namen.
Es empfiehlt sich die gleichen Benennungen
unter Voraussetzung folgender Bezeichnun-
gen zu gebrauchen,wenn eineAberration nur:
dextro — auf der rechten Seite auftritt,
sinistro tin linken! 5
subtus en so) ” Unter- » ”
transitus — eine Uebergang zu einer bereits benannten
Aberration bildet.
II. Aberrationen der Vorderflügel:
monopicta — Costalflecke 1 mal rot gekernt,
rubropieta — : DR ON (bipupillata,
pseudonomion.)
tripieta = e 3 49». (chododactylos,
hardwickii.)
quadripicta — ei ge RR Ne (jambica.)
albopicta _ R rot u.weiss gekernt(albosignata.)
semipieta = ® oberster fehlend,
expicta — A ganz IE
inornata — > u. Hinterrandfleck ohne Rot (virgo,
decolor.)
fasciata — 4 verbunden durch
die Costalbinde, (herrichi, vittata.)
184 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
quincunx — Endzellfleck reduziert,
extabescens Mittel- „ oder fehlend,
cohaerens — Ziellflecke verbunden, (halteres.)
monopupillata — Hinterrandfleck rotgekernt, (venusi.)
pura — N fehlend, (casta, albidus.)
lunulata — weisse Fleckenreihe im Glassaum bei der mne-
mosyne-Gruppe
elunulata —_— , ® N „ fehlend (nox.)
ll. Aberrationen der Hinterflügel:
flavomaculata — Augenfarbe gelb, (aurantiaca.)
ochreomaculata — = orange,
brunneomaculata — e bräunlich,
albomaculata . Be weiss, ohne rot,
rubromaculata _ a rot ‚ohne weissen Spiegel, (rubra)
albopupillata -- rot, mit weissem Spiegel,
graphica — Median- Augen mit seteiltem, weissen
Spiegel,
intercincta — E „ gelbem Ring vor dem
schwarzen Rand, (intertexta)
latecincta — T mit breitem schwarzen Rand
tenuieineta = R „ schmalem „ n
exeincta — ” ohne schwarzen Rand
bieinsta - 5 geteilt oder mit kleinen
Nebenaugen,
semitaeca — Subeostalauge schwarz,
mediocaeca — Medianauge schwarz, (occaecata.)
caeca — beide Augen „ (extrema, denigrata.)
semioculata — Subecostalauge fehlend, (obliterata)
medioculata — Medianauge N
exoculata — beide Augen
intacta — Mittelfleck (bei dermnemosyue-
Gruppe )
melanconia — Basalfleck schwarz,
excelsior e 5 rot, (anna )
excellens — 5 und Wurzelfleck rot,
lacrimaeformis — Subcostalauge verlängert oder mit Basalfleck
verbunden, (sublacrimans).
posticelongata —- Medianauge längliche Form,
reniformis —_ 3 nierenförmig,
conjuncta — 5 mit Subcostalauge mit schwar-
zem Steg verbunden, (nexilis,
connexa, cardinalis.)
O0. Bang-Haas. Einheitliche Aberrationsbenennungen. 185
rubrojuncta — Medianauge desgl. roter Steg,
subjuncta _ - mit Analfleck verbunden,
decora — Analfleck rot gekernt,
caeruleomaculata — vier blaugefüllte Submarginalocellen,
dentata — starke Kappen- oder Submarginalbinde,
(arcuata).
Um eine gewisse Gleichmässigkeit für ähnliche Begriffe, oder
eine bessere Verständlichkeit zu erzielen, habe ich mehrmals
andere Namen gewählt Verity gebraucht z. B. anstatt -macu-
lata stets -pupillata, analoge Aberrativonen würden eigentlich
noch besser mit -ocellata gekennzeichnet werden. Ich wollte
jedoch die allgemein gebräuchlichen, bereits früher verwandten
Ausdrücke nicht umändern.
Ich habe in dieser Aufstellung diejenigen individuellen For-
men ıneist nicht berücksichtigt:
1. welche bis jetzt, soweit wie mir dies bekannt war, nur
bei einer einzelnen Art gefunden wurden
2. welche das gleichzeitige Auftreten mehrerer bereits be-
nannter Aberrationen kei einem einzelnen Stücke mit
besonderem Namen belegen Es empfiehlt sich in diesem
Falle zur Vermeidung von Neubenennungen kombinierte
Aberrationsnamen durch Zusammensetzung der einzel-
nen Namen zu bilden, z. B. fasciata-conjuneta nom. coll.
3. welche Geäderaberrationen, Verkrüpplungen und sonstige
pathologische Zustände,
4. oder ganz geringfügige Zeichnungsabweichungen und
Uebergänge zu bereits benannten Aberrationen bezeichnen.
Mehrere der angeführten Collektivaberrations-Namen sind
jedoch nur dann zu benutzen, wenn die aberrativen Eigenschaf-
ten nicht bei dem Typus der betreffenden Art oder Rasse an-
zutreffen sind.
Ich hoffe, dass sich weitere Spezialisten finden werden, die
sich der Mühe unterziehen, derartige Collektivnamen auch bei
anderen Gattungen aufzustellen.
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AREAL { 1) ü Aue Ba.
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Vorstand
des Entomologischen Vereins „Iris” zu Dresden.
' Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. phil. K. M. Heller, Dresden,
Franklinstr. 22.
‘Stellvertr.: Dr. phil. P. Denso, Hellerau b. Dresden, Auf d. Sande.
Schriftf.: Bausekretär Ad. Winckler, Dresden A., Bayreutherstr. 2.
Stellvertr.: Dr. jur. @. Heusinger, Dresden N., Grosse Meissnerstr. 2.
"Reehnunesf.: Kaufm. 6. Kretzschmar, Dresden, Bismarckplatz 6.
Bücherwart: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Redakteur: Dr. med. H. Walther, Dresden N., Böhmertstrasse 4.
Stellvertreter: Dr. med. P. Husadel, Königsbrück 1. Sa., Markt 13.
Sitzungen: Mittwochs 8'‘/, Uhr im: Hauptrestaurant; des Zoolog.
Gartens. Gäste stets willkommen,
Neuanmeldungen von Mitgliedern werden an den Vorsitzenden
erbeten.
Der jährliche Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist
in den erstem drei Monaten eines jeden Vereinsjahres zu
zahlen (an den Rechnungsführer G. Kretzschmar).
Den Herren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu’ zahlen vergessen
haben, wird das zweite (Anfang Juli erscheinende) Heft gegen Nachnahme
des Beitrages zugesandt (soweit nach den betreffenden Ländern Nach-
nahme zulässig ist).
Die Zeitschrift erscheint in Vierteljahrsheften.
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte können nur
innerhalb der Frist eines Jahres, vom Erscheinen dieser
Hefte an gerechnet, berücksichtigt werden.
Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren Hefte und
| Sonderdrucke unserer Zeitschrift zu halben Preisen mit Aus-
Be j | nahme von Band I, Heft 1—3, und Band VII und VIII, welche
|| vergriffen sind. Anfragen sind an den Bücherwart (E. Möbius,
|| ‚ Dresden-F , Schlachthofring 3) erbeten.
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|
|
)
‚Di erst motterlinge ior ie,
in Verbindung mit bedeutenden Gelehrten der Entomologie
herausgegeben von Professor Dr. Adalbert Seitz
vollständig in ca. 525 Lieferungen oder in 16 Bänden
erscheint in deutscher, englischer und französischer Sprache,
Das Werk umfasst 2 Hauptteile:
I. Hauptteil: palaearktische Fauna
vollständig in etwa 125 Lieferungen ä Mk. 1.—.
Band I Tagfalter, gebd. Mk. 60.—.
Band II Spinner und Schwärmer, gebd. Mk. &.- .
Band II Eulen, gebd. Mk. 55.—.
Band IV Spanner, ca. 15 Lfg. oder gebd. ca. Mk. 40.—.
I. Hauptteil: exotische Fauna
vollständig in ca. 400 Lieferungen ä Mk. 1.50.
Band V—VIII amerikanische Fauna, ca. 140 Lieferungen
Band IX— XII indo-australische Fauna, ca. 170 Lieferungen
Band XUI—XVl afrikanische Fauna, ca. 90 Lieferungen.
Die Einteilung der einzelnen Bände entsprechend dem ]. Hauptteil.
Nach Erscheinen eines Bandes erhöhen sich die Preise um ca. 15°),
. Als Band XVII wird ein Suplementband erscheinen, der Morpho-
logie, Biologie, Geographie und wichtige Ergänzungen des
Hauptteiles behandelt.
In beiden Hauptteilen werden auf ungefähr 1000 Tafeln rund 4000
Falter in vorzüglich kolorierten, naturgetreuen Abbildungen dargestellt.
Sämtliche Bände und Faunen des Werkes können einzeln be-
zogen werden.
Genau nach dem Seitz’schen Werke bearbeitet erscheint im
gleichen Verlage eine vollständige
Etiketten-Liste,
deren Ausgabe zunächst nur für den Palaearktenteil vorgesehen ist
und in einzelnen Blättern mit ca. 156 Namen erfolgt.
Für jeden ernsteren Sammler, für Bibliotheken und Institute
sind unentbehrlich die vereinigten entomologischen Blätter:
Entomolog. Rundschau — Insekten-Börse _—
Societas entomologica. IR
Abonnementspreis nur Mk. 1.50, Ausl. 2.— bei 14täg. Erscheinungsweise. a
Prospekte, Probetafeln und Probenummern versendet kostenlos der
dutigart, Verlag des seitz’schen Werkes (Alfred Kernen). |
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541 Bi
Iris, Dresden, Band XXIX. Heft 4.
Deutsche
Entomologische Zeitschrift
® r)
„lris
herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden,
Jahrgang 1915. Viertes Heft.
(Mit 4 Tafeln.)
10. Januar 1916.
Schriftleiter: Dr. H. Walther.
Preis für Nichtmitglieder des Vereins: 8 Mark.
BEER EEE SEE BUNG SEES TE DI em rege
In Kommission bei
R. Friedländer & Sohn
Berlin, Carlstrasse 11.
Drusk von Oskar Hensel, Gottesberg.
Inhalts-Uebersicht.
Seite
A. H. Fassl.e. Neue Schmetterlingsformen aus Süd- Amerika.
Papilioniden . KR a EN NIE AEFOERR ERS Kalten 150
A. H. Fassl. Drei Schmetterlings-Zwitter aus Süd-Amerika . 189—192
0. Bang-Haas. Einige seltene Pieriden-Aberrationen . . . 193—194
H, Rebel. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten . . 195—206
Bücherbesprechune 5.8 ae ER ALTO
Berichtigungent una Se EN ERSchE er 08
Vereinsnachrichten . . . EN SR ER LVO
Alphabetische Liste der in diesem Band beschriebenen neuen
Gattungen, Arten, Varietäten (v.), Aberrationen (ab.), Formen
1.) amd Hybriden (hybro) tun ano a SV NAT,
In allen redaktionellen Angelegenheiten (Manuskripte, Tafeln, Bücher-
besprechungen, Korrekturen etc.) bittet man, sich bis auf weiteres nur
an den Vorsitzenden, Hofrat Prof. Dr. Heller, Dresden, Kg]. Zoolog.
Museum, Zwinger, zu wenden. Die Autoren erhalten 25 Sonderdrucke
kostenfrei, nach Vereinbarung auf Wunsch mehr. Für die Form und
den Inhalt der in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze sind die
Autoren allein verantwortlich.
(Gaede:
. 10. Centrogene (?) purpurea Gaede sp. n.
. 11. Eetolopha hypochlora Gaede sp. n.
. 12. Zamarada flava Gaede sp. n.
Tafel II.
Neue afrikanische Heteroceren des Berliner
Zoologischen Museums S. 101.)
Ulochlaena sagitta Gaede sp. n.
. Ulochlaena schäferi Gaede sp. n..
. Ulochlaena reducta Gaede sp. n.
. Ulochlaena ferruginea Gaede sp. n.
{eb 1 Ba, u U No Zu
. Ethioterpia janenschi Gaede sp. n.
6. Ectochela nigrilineata Gaede sp. n.
7. Eetochela albilunata Gaede sp. n. .
8. Ectochela roseitineta Gaede sp. n..
jet
ft
m
9. Ectochela flavilunata Gaede sp. n.
m
fer!
[&0}
. 15. Zamarada bastelbergeri Gaede sp. n.. 8. 118
. 14. Zamarada subincoloris Gaede Ss. 119
. 15. Zamarada aurolineata Gaede 8. 120
. 16. Zamarada triangularis Gaede S. 120
. 17. Zamarada subinterrupta Gaede sp. n. S. 121
. 15. Zamarada funebris Gaede sp. n. S. 122
. 19. Zamarada leona Gaede sp. n. S. 122
. 20. Phlyctaenogastra rangei Gaede sp. n. 8. 145
Bas
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Tafel Ill.
(Stertz: Mitteilungen über palaearkt. Heteroceren,
S. 123, über seine algerischen Reisen, S. 134 und
Arctia caja-Zucht, S. 142.)
. Lasiocampa püngeleri Stertz
. Lasiocampa püngeleri Stertz 9
. Lasiocampa decolorata Klug 5
. Catocala nymphagoga v. n. defasciata Stertz Z'
. Catocala nymphagoga Esp. v.
. Pangrapta lunulata Stertz 2
. Orthosia blidaönsis Stertz j
. Conisania (Mamestra) leineri v. n. pölli Stertz 5
>)
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Or UT ET RD
. Conisania (Mamestra) leineri v. n. pölli Stertz 9
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De
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. Chondrostega göts:hmanni Stertz 9
. Chondrostega götschmanni Stertz, Raupe
. Chondrostega palaestrana Stgr., Raupe
Fig. 13. Arctia caja Hb. aberr. 2
Fig. 14. Arctia caja Hb. aberr. 9
Fig. 15. Hypolectis henricaria Ch. Oberth. 5
Fig. 16. Hypolectis henricaria Ch. Oberth. 2
Fig. 17. Orthosia ruticilla v. n. fuliginosa Stertz j'
Fig. 18. Caradrina noctivaga v. n. algeriensis Stertz
Fig. 19. Dasysternum variabile Stertz j'
Fig. 20. Dasysternum variabile Stertz Q
. Euxoa tischendorfi Pglr. 5
. Euxoa tischendorfi Pglr. Q
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. Euxoa flagrans Pglr. 9
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. Monina pfennigschmidti Pglr. 2
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Q sts} iansmdeetög wgsteoıbnod) .
9qusA ‚stı9td Inasımdsatög sustzorbaod) .
squsAd „ıa3a susıtesslsqg sgstzorbaol) .
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Q .rıods .dH sis) sityrA .
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9 .dredO AI srisoitasd zitosloqyH .
o, tot saonieilst .a .v sllnine sieodhO .
st193Q eiensiwuls .u .v sysvihvon sarıbeis) .
o stıst@ olidstısv mumateyasl .
Q stıdd alidsiısv mwasıstenzel .
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Q la Mobnsdsait sozml .E
Q led 2usıyslt sozıl .
Q Ale ibimdoagioastig sıiaoM .
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Tafel VI.
(Fassl: Neue Pieriden, S. 176.)
l. Ober- u. Unterseite von Catastieta sororrensis sp. n.
l. Ober- u. Unterseite von Catasticta manco Dbl. 2
l. Ober- u. Unterseite von Catasticta tolima sp. n. j'
l. Ober- u. Unterseite von Catasticta lubentina Q
1
2
3
. 4. Oberseite von Catasticta tolima sp. n. 2
B)
6
. 6. 1. Ober- u. Unterseite von Catasticta suprema sp. n. 9
l. Ober- u. Unterseite von Dismorphia lygdamis Hew. Q
. Oberseite Colias euxanthe v. nigerrima n. g'
a
b. Colias euxanthe y. nigerrima Uebergangsform zu ab.
alba Stgr.
. 9a. Colias tolima sp. n. 2
Ib. Colias tolima sp. n. Z
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Di
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2
Deutsche
Entomologische Zeitschrift
„lIris”
herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden,
Band XXIX. Jahrgang 1915.
(Mit 10 Tafeln und 3 Textfiguren.)
Schriftleiter: Dr. H. Walther.
Preis des ganzen Bandes 20 Mark.
Dresden 1915.
Verlag des Entomolog. Vereins „Iris“.
In Kommission bei R. Friedländer & Sohn
Berlin, Carlstrasse 11.
Druck von Oskar Hensel, Gottesberg.
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10
Inhalts- Uebersicht
des XXIX. Bandes, 1915.
Seite
Bang-Haas, 0. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914 . . 92—100
_ Zur Kenntnis von Parnassius delphius Eversm.
und verwandter Arten (mit Tafel IV und V) 148—170
—_ Einiges über Parnassius (mit Tafel V, Fig.
DIN ee el en
— Einheitliche Aberrationsbenennungen der Gat-
tung Parnassius u 2 u a ke. 2 2.181185
— Einige seltene Pieriden-Aberrationen (mit Tafel
RcHie. Ar 95 6 und), a am er 93
Fassl, A. H. Neue Pieriden aus Süd-Amerika (mit Tafel VI) 176—181
— Neue Schmetterlingsformen aus Südamerika (mit
Rate VIEL, a HL Erundy XD) 18618
= Drei Schmetterlingszwitter aus Süd-Amerika . 189—192
Fiedler, Dr. C. Das bisher unbekannte Männchen von Cha-
raxes (Eriboea) pyrrhus editha Ribbe . . . . . 2.2... 86—38
Fritsch, W. Zur Phaenologie von Colias crocea Fourc. (= edusa
B)nebstaab. uneansbr2 u. wie. re ar AA
Fruhstorfer, H. Eine neue palaearktische Charaxes-Rase . 38—39
En Neue Formen der Gattung Luthrodes und
Uebersicht der bekannten Rassen auf Grund
morphologischer Untersuchungen . . . . 47—50
— Neue Tenaris-Rassen (mit Tafel J) . . . 90-92
‘Gaede, M. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zoolo-
gischen Museums ‚(mit Ratel IT). 2.2... 72210213
— Lepidoptera von Herrn P. Range im Nama-Land,
Deutsch S.W. Afrika, gesammelt (mit Fig. 20, Taf. II) 144—148
Seit
Linstow, Dr.v. Die Entstehung der Amphidasys betularina,
dubledayamaı N... \M ma aan We a ee ld
Martin, Dr. L. Die Tagfalter der Insel Celebes.
1.) Bortsetzung 1 100 Sul En N Denen We eh
Zip Poriseizung) 2 So ee ee
Möbius, E. Beschreibung der Raupe von er spröngertsi
Füng. (mit 2 Textiiguren) „en er en a 4a
Rebel, Dr. H. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten 195—206
Stauder, H. Neue mediterrane Lepidopterenformen . . . . 20—34
Stertz, 0. Mitteilungen über palaearktische Heteroceren (mit
Tatelı BER) u. u we U ER NE 0125 1325
= Mitteilungen über Zuchtergebnisse des Genus Chon-
drostega im ‚Allgemeinen I. rn 2 nl
— Mitteilungen über meine algerischen Reisen (mit
Patel IN Bier I und Ve) ee
— Mitteilungen über eine Zucht von Arctia caja (mit
BatelORII,. Ric 13lundeAyener Eee 2 er
Bücherbespreehnngen 2... 0. „u. 2 u 49 A7und20T
Berichtiennsenwe yo es u ls
Vereinsnachrichtene m. ZU... Here See SR EN N
Alphabetisches Verzeichnis der in diesem Bande beschriebenen
neuen Gattungen, Arten, Unterarten, Varietäten, Aberrati-
onen, „Eormen/ und Hybriden 2 2.20 EN
Heft 1, Seite 1-48 ist am 10. Mai 1915 erschienen.
Blur2uuLann (5, 49—184 „ ,„ 1. Oktober 1915 “
n 4, „185-208 „ „ 10. Januar 1916 =
OÖ. Bang-Haas. Einheitliche Aberrationsbenennungen. 185
rubrojuncta — Medianauge desgl. roter Steg,
subjuncta _ 5 mit Analfleck verbunden,
decora — Analfleck rot gekernt,
caeruleomaculata — vier blaugefüllte Submarginalozellen,
dentata — starke Kappen- oder Submarginalbinde,
(arcuata).
Um eine gewisse Gleichmässigkeit für ähnliche Begriffe, oder
eine bessere Verständlichkeit zu erzielen, habe ich mehrmals
andere Namen gewählt. Verity gebraucht z. B. anstatt -macu-
lata stets -pupillata, analoge "Aberrationen würden eigentlich
noch besser init -ocellata gekennzeichnet werden. Ich wollte
jedoch die allgemein gebräuchlichen, bereits früher verwandten
Ausdrücke nicht umändern.
Ich habe in dieser Aufstellung diejenigen individuellen l’or-
men meist nicht berücksichtigt:
l. welche bis jetzt, soweit wie mir dies bekannt war, nur
bei einer einzelnen Art gefunden wurden
2. welche das gleichzeitige Auftreten mehrerer bereis be-
nannter Aberrationen bei einem einzelnen Stücke mit
besonderen Namen belegen. Es empfiehlt sich in diesem
Falle zur Vermeidung von Neubenennungen kombinierte
Aberrationsnamen durch Zusammensetzung der einzelnen
Namen zu bilden, z.B. fasciata-conjuncta nom. coll.
3. welche Geäderaberrationen, Verkrüpplungen und sonstige
pathalogische Zustände,
4. oder ganz geringfügige Zeichnungsabweichungen und
Uebereänge zu bereits benannten Aberrationen bezeichnen.
Mehrere der angeführten Kollektivaberrations-Namen sind
jedoch nur dann zu benutzen, wenn die aberrativen Eigenschaf-
ten nicht bei dem Typus der betreffenden Art oder Rasse an-
zutreffen sind.
ch hoffe, das sich weitere Spezialisten finden werden, die
sich der Mühe unterziehen, derartige Kollektivnamen auch bei
anderen Gattungen aufzustellen.
186 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Neue Schmetterlingsformen aus Süd-Amerika.
Papilioniden.
(Mit Tafel VII, VIII und IX.)
Von A. H. Fassl, Teplitz.
Mit Nachstehendem beginne ich die Beschreibung und Ab-
bildung der hervorragendsten Neuentdeckungen an Lepidopteren,
die ich während meiner Reisen in Süd-Amerika meist eigen-
händig erbeutete und deren Veröffentlichung oder Abbildung
bisher noch an keiner anderen Stelle erfolgt ist.
Papilio chibcha nov. spec. (Taf. VIII, Fig. 3, /’, und 4, %.)
Zu meiner in der Entom. Itundschau, 29. Jahrg Nr. 16, ge-
gebenen Originalbeschreibung bringe ich mit heutiger Abbildung
3 die Vorder- und Rückseite des interessanten Tieres.
Abbildung 4 nun stellt Vorder- und Rückseite eines
bisher unbekannten Papilio-Weibes dar, das ich zu anderer
Zeit, aber am gleichen Fangorte des P. chibeha f (Oberer
Rio Negro, Ost-Columbia, 800 m Höhe) erbeutete und wahr-
scheinlich das legitime @ zu vorstehendem Papilio ist. Eigen-
tümlich ist bei diesem Tiere besonders die vertikale gegabelte,
weisse Zeichnungsanlage im Vdfl, die bei den am gleichen
Fundort beheimateten Papilioharmodius halex 2 2, welche
ich in einigen Stücken fing, stets nur als rundlicher, weisser
Diskalfleck auftritt. Die geringe Grösse des Falters und der
mehr ausgebuchtete Aussenrand des Vdfls, vor allem aber die
isolierte Stellung des Tieres in dem einsamen Urwaldtale, an
den Ausläufern der Ost-Anden Columbiens, lassen es als wahr-
scheinlich erscheinen, dass wir es hier mit dem zusammen-
gehörigen Pärchen einer freilich sehr seltenen Papilio-Art zu
tun haben, wovon ich trotz 4jährigen, eifrigen Sammelns kein
weiteres Stück mehr zu Gesicht bekam. Der Annahme, dass
es sich vielleicht um Nebenformen von Papilio ariarathes
Esp. handelt, möchte ich schon aus dem Grunde nicht bei-
pflichten, weil ich letztere Falter erst im heissen Tieflande,
unter 400 m Seehöhe, in den vom Amazonasbecken herauf-
reichenden Llanos Ost-Columbias (Medina, Villavicencio, Rio
Ocoa und Nebenflüsse des Meta) in gänzlich verschiedenen
Stücken gefangen habe.
Die Typen von Papilio chibcha, / und 2, befinden
sich in meiner Privatsammlung.
A. H. Fassl. Neue Schmetterlingsformen aus Süd-Amerika. 187
Papilio harmodius Doubl. 2 (Taf. IX, Fig. 7.) Im
Seitz’schen Werke wird erwähnt, dass das sehr seltene 2 bis-
her nur in einem Stücke in der Sammlung von Charles
Oberthür vorhanden sei Ich hatte Gelegenheit, während meines
letzten tropischen Ausfluges 1912 —13 mehrere ? zu erbeuten,
die unter sich ziemlich gleich sind. Von der nächst verwandten
Form P. imaus R.u.J. aus Central-Peru, von der in den Nov.
Zoologicae VIII, 1906 das $ abgebildet ist, weicht das P. har-
modius 2 vor allem durch den mehr diskal gestellten Fleck
des Vdfls und die erheblich reduzierte Rotbinde des Htfls ab,
welchem der oberste Fleck bei meinen sämtlichen 22 voll-
ständig fehlt.
Nach mehreren von mir am Rio Songo, Bolivia, 750 m,
erbeuteten 22 in der Sammlung von Biedermann, Larsen,
Longsdon und meiner eigenen beschrieben. |
Papilio harmodius halex Rothsch. Jord. ?, Taf. VIII, Fig. 5.
Im „Seitz“ wird schon das @ dieser Form, wahrscheinlich nach
einem, von meiner Ausbeute an das Tring-Museum gelieferten
Exemplare Erwähnung getan. Der weisse Fleck des Vdfls reicht
nur noch als leichter Anflug in die Zelle; die rote Binde des
Htfls ist bis auf 5 Flecken, die hellrot bis orangefarbig sind,
reduziert.
Nach mehreren 2 ? aus meiner Ausbeute vom oberen Rio
Neero, Ost-Columbia, S0O0 m, in der Sammlung von Rothschild,
Ney, Longsdon, Larsen und meiner Sammlung beschrieben.
Papilio euterpinus var. eburneus m. /, Taf IX, Fig. 6.
Ich bringe hiermit die Vorder- und Rückseite dieses bereits in
der Entomol. Rundschau Jahrg. 29 Nr. 16 beschriebenen hoch-
interessanten Tieres. Merkwürdig ist, dass die beinfarbige Binde
auf der Rückseite intensiver und schon ausgesprochen hell
orangerot gefärbt ist, also ähnlich wie bei manchen Pereute-
Formen. Leider ist das Tier bisher allein geblieben, und ich
habe niemals von einem ähnlichen Fang anderwärts gehört.
Vom Fundorte selbst ist die typische rote Form P. euter-
pinus bisher nicht bekannt geworden.
Type in meiner Sammlung vom Oberen Rio Negro, Ost-Co-
lumbia, 800 m.
Papilio lenaeus Doubl. £ Taf. VII, Fig. 2. Das bisher
unbekannte 2 fing ich im Vorjahre am Rio Songo, in Ost-
Bolivia bei 750 m Seehöhe. Es ist bei 116'/; mm Spannweite
grösser als die allergrössten SS. Der sammetartige Glanz der
Oberseite fehlt dem $. Auf den Vdfl verläuft zwischen dem
Mittelfleck und der Submarginalbinde eine zweite verloschene
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
[0 2)
(0)
Fleckenbinde, die sich gegen den Vorderrand verbreitet. Die
Htfl zeichnen sich besonders durch die dunkel karminroten (beim
d’ stets oder mindestens in der grösseren oberen Hälfte gelben)
Submarginalmöndchen aus, welche in Färbung jenen auf der
Rückseite des 0” gleichen.
Das kostbare, bis jetzt einzige $ ziert die hervorragende
Sammlung des Herrn Rob. Biedermann, Winterthur, durch
dessen freundliche Güte auch die, dieser Arbeit beigegebenen
vorzüglichen Abbildungen ermöglicht wurden.
Papilio lenaeus ? ab. aymara n., da sich am gleichen Orte
wie das vorige, aber nur in einem sehr fragmentarischen Stücke
fing, stellt die bei dieser Gruppe übliche zweite dunkle ? Form
dar. Die Vdfl sind bis auf die halbverloschenen Submarginal-
punkte vollständig braunschwarz. Auf den Htflu fehlt die gelbe
Schrägbinde vollständig. Statt dieser verläuft von den rötlichen
Randpunkten gegen die Flügelmitte ein durch die Adern unter-
brochener, grünlich gelber Schatten bis gegen die Zelle. wodurch
das Tier an gewisse andere Papilio-Formen, (besonders P.
xanthopleura und die dunklen 2 Formen von P. andro-
geos) erinnert. — Die Rückseite besitzt im Vdfl einen durch
die Zelle gehenden, breiten gelben Querschatten; im Htfl sind
von der Querbinde nur noch die indischroten, mandelförmigen
Kernflecke in gerader Linie stehen geblieben, wodurch allein die
unbedingte Zugehörigkeit dieses 2 zu P. lenaeus erwiesen ist.
Das einzige Exemplar ist leider zu schlecht, um samm-
lungsfähig hergerichtet und abgebildet zu werden. Da weder
eine angefangene Zucht von P. lenaeus noch der lange Auf-
enthalt meines Bruders am gleichen Fundorte mehr Stücke von
dem seltenen Falter brachten, kann es wohl noch geraume Zeit
dauern, ehe einmal ein gutes Exemplar davon bekannt wird.
Papilio madjes crispus Rothsch. Jord., Taf. IX, Fig.
Zu der bereits in der Entomol. Rundschau (Stuttgart) 29. Jahrg.
Nr. 16 gegebenen Beschreibung bringe ich hiermit noch die Ab-
bildung dieses seltenen Tieres und wiederhole die seinerzeitige
Diagnose:
„Das bisher unbekannte $ dieser Form ist mässig grösser
als das # (74 mm Spannweite) und diesem in Färbung und
Zeichnung ähnlich; das Gesamtkolorit erscheint etwas blässer,
die Grundfarbe mehr dunkel braunschwarz, matt olivgrün glän-
zend. Die hellgelbe Binde der Vdfl ist breiter, der oberste Sub-
marginalfleck fehlt (was vielleicht nur individuell ist). An der
Gabelungsstelle der Binde entspringt jedoch eine zweite paralelle
A.H.Fassl. Drei Schmetterlings-Zwitter aus Süd-Amerika. 189
Fleckenbinde nach abwärts, bestehend aus 3 Punkten, die unter-
seits weiss sind und dem o° vollständig fehlen.
Im Htfl sind die gelben Submarginalmonde undeutlicher
und verloschen. Anstelle der fehlenden Analfalte des 5 steht
nur eine spärliche schwarzbraune Behaarung. Der Leib ist ober-
seits nicht hell grüngelb wie beim d'‘, sondern dunkel olivgrün
wie die Flügel, unterseits gelblichbraun wie die Rückseite des-
selben.
Ein $, Type in meiner Sammlung, bezettelt mit ‚Sta.
Ana, Süd-Peru 2500 m“ aus der von mir vor einigen Jahren
erworbenen Privatsammlung der Brüder Garlepp.
Papilio cinyras ab. ridens n., d' Taf. VIl, Fig. 1. Ich
bringe zum Schlusse der Papilio-Novitäten noch diese
sehr auffällige Aberration, als einziges Exemplar unter mehr
als 1000 P. cinyras-Faltern, die ich bisher zu fangen oder
zu sehen Gelegenheit hatte. Sämtliche Blauzeichnung des
schwarzen Mittelfeides der Iltfl erscheint auch deutlich und
markant auf der Oberseite, wo sonst bekanntlich höchstens von
(len untersten 2 Möndchen noch schwache blaue Spuren vor-
handen sind.
Rio Songo, Bolivia, 750 m. März 1913. Type in meiner
Sammlung.
Drei Schmetterlings-Zwitter aus Süd-Amerika.
Von A. H. Fass], Teplitz.
(Mit Tafel X, Fig. 1, 2 und 5.)
Der ungeheure Reichtum an Schmetterlingen im tropischen
Süd-Amerika und besonders in den von mir bereisten Ländern
Columbien und Bolivien liess mich erhoffen, dass bei der Un-
masse der erbeuteten Tiere vielleicht auch einmal ein gynan-
dromorphes Stück mit unterkommen könnte. Mein Streben dar-
nach war von prächtigem Erfolg begleitet, so dass ich hiermit die
kurze Beschreibung von drei erbeuteten Iervorragenden Herma-
phroditen sowie deren Abbildung geben kann.
Perhybris Iypera Koll. Eine kurze Mitteilung vom Fange
dieses überaus prächtigen Zwitters brachte ich bereits in der
Soc. Ent. Jahrg. XXV. Das Tier ist vollkommen symetrisch
geteilt; links /, rechts ? ; eine weitere Beschreibung des Fal-
ters wird durch die Abbildung erspart. Bezüglich der näheren
190 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Fangumstände möchte ich nochmals meine seinerzeitige Notiz
darüber nachstehend wiederholen:
„Am 15. April des Jahres 1910 war es; matt und schwach
und kaum genesen von einem heftigen Paludismo (Sumpffieber),
so sass ich energie- und tatenlos am Ufer des Rio Estanzuelo,
ferne im Osten Columbias nahe dem Städtchen Villavicencio, am
Eingange der meilenweiten Urwälder der Llanos-Tiefebene. —
Es war vormittags elf Uhr, und die grossen Blätter eines mäch-
tigen Baumes schützten mich vor den intensiven Sonnenstrahlen.
Gleichgültig betrachtete ich die unten am feuchten Ufer des
Baches saugenden Tagfalter; es waren durchwegs gemeine For-
men der heissen Zone: Papilio nealces und dolicaon, meh-
rere Arten Catopsilia, Haematera thisbe, ( Callicore
marchali u.s.w. Ab und zu kam ein neuer Gast angeflo-
gen und brachte etwas Unruhe in die Gesellschaft, doch bald
zechten sie, einträchtlich neben einander sitzend, wieder weiter. —
Etwas bachaufwärts von dieser Stelle hatte sich eine (Gruppe nur
aus Weisslingen bestehend, abgesondert; sei es, dass sie einen
anderen Geschmack bewiesen, oder dass die weisse (resell-
schaft „unter sich“ sein wollte; soviel ich mich erinnere, waren
es nur Perrhybri i1S-, Tachyris- und Terias-Arten. —
Nachdem ich wohl eine halbe Stunde diesem oftgesehenen Trei-
ben zugeschaut hatte, wurde meine ganze Aufmerksamkeit plötz-
lich auf die Pieriden-Gruppe gelenkt, denn es näherte sich dort
ein Falter, den ich infolge des unregelmässigen Fluges und wegen
seines komischen Aussehens eigentlich für zwei, nämlich für ein
Perrhybris-Paar in Kopula hielt. Nachdem die roten 2%
dieser Gattung zu grossen Seltenheiten gehören, näherte ich mich
rasch mit dem Netze der Stelle, um zu sehen, woran ich sei;
aber da flog auch schon der ganze Schwarm in die Höhe, um-
kreiste mehrere Male meinen schattigen Baum, zog ans andere
Ufer und zerstreute sich allmählich. Nur in längeren Pausen
kamen sie wieder, einer nach dem andern, zu derselben Stelle
zurück und mit ihnen auch jenes undefinierbare Wesen, weswegen
ich mein lauschiges Plätzchen verlassen hatte. Es schien nicht
richtig fliegen zu können und umkreiste mit eigentümlich hin-
kendem, bald schnellerem bald langsamerem Fluge mehrere Male
in ziemlicher Höhe das Pieriden-Stelldichein, um sich endlich
mitten darunter nieder zu lassen und gleich den anderen Fal-
tern die Flügel zu schliessen. — Wer beschreibt nun mein Er-
staunen, als ich sehe, dass es kein Pärchen in Kopula sei, son-
dern ein einziger Falter, dessen eine ‘Seite weiss, die andere
rot ist, —
A.H.Fassl. Drei Schmetterlings-Zwitter aus Süd-Amerika. 191
Ich habe im Laufe der Jahre manch’ seltenem und wert-
vollem Falter kalten Blutes die Freiheit geraubt und die Horn-
hautbildung an meinem rechten Handballen gibt Zeugnis von
der fast täglichen Führung des Netzes im tropischen Walde
und lässt vermuten, dass mir so leicht kein gutes Tier mehr
entgeht, wenn es in erreichbare Nähe kommt. Aber diesmal
schien meine gewohnte Ruhe in Anbetracht der Kostbarkeit des
Stückes, vielleicht auch infolge der durch den starken Chinin-
genuss geschwächten Nerven zu versagen. — Trotz meiner Auf-
regung kam ich schliesslich ungestört nahe und bedeckte wohl
die Hälfte des Pieridenkreises mit meinem Netze. Schnell die
Zipfel hochgehalten, von den hochfliegenden Tieren mein Kleinod
erspäht und vorsichtig mit der Pinzette getötet, damit nur ja
kein Bein verloren ginge; die übrigen Genossen dann in Freiheit
gesetzt, — das war das Werk weniger Sekunden! — Und nun
erst entfaltete ich langsam das Netz, um meinen Fang mit
Musse zu besehen. Ein vollkommener Zwitter von Perrhybris
Iypera Koll.! Links d rechts 9%; auch die Fühler, Füsse,
IHinterleib etc. von der Mittellinie aus nach beiden Seiten voll-
ständig geschlechtlich geteilt.
Wer kann sich nun meine Freude vorstellen; vergessen
war alles Fieber und alle Müdigkeit; lange schon war es mein
Wunsch, einmal etwas derartiges zu erbeuten, aber unter der
ungeheuren Anzahl von Faltern, die ich bisher zusammenbrachte,
ist dies der erste Hermaphrodit, was wohl für die eminente
Seltenheit solcher Naturspiele auch in der tropischen Zone
spricht. Dabei war mir das Glück auch insofern noch beson-
ders hold gesinnt, als es in diesem Falle eine Art mit ausser-
gewöhnlich sexuellem Dimorphismus betrifft, was dem Tiere ein
ganz besonders auffälliges Aussehen verleiht.
Eresia castilla Feld. Etwa ein Jahr nach dem Fange des
erwähnten Falters glückte mir, eine Tagereise weiter aufwärts
im Tale des Rio Negro, der Fang eines interessanten Zwitters
dieser ebenfalls recht geschlechtsdimorphen Nymphalide. Es
betrifft ein weibliches Exemplar mit einem ausgesprochen männ-
lichen linken Vdfl, der auffällig kleiner und dunkler und auch
von anderem Flügelschnitt ist, als der rechte. Hochinteressant
ist der Mittelfleck des Vdfl dieses Misch-Zwitters, der die brenn-
rote Färbung des in unregelmässigen Längsstrichen auf dem
hellockergelben $-Flecken aufgelagert hat. Das Merkwürdisste
dabei ist, dass auf der Rückseite die männliche Rotfärbung in
anderer Weise mit dem weiblichen Kolorit gemischt ist und
zum Teil gerade an den entgegengesetzten Stellen wie auf der
192 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Oberseite. Dabei ist die Gestalt mehr dem dreieckigen, spitz-
auslaufenden J-Fleck entsprechend, als der viel breiteren weib-
lichen Binde.
Hinsichtlich der esta Verteilung der S und 9-
Zeichnung auf Vorder- und Rückseite besitze ich in meiner
Sammlung ein analoges Stück von Anthocharis vardami-
nes, das seinerzeit bei Teplitz gefangen und von Herrn Do-
zeıten Gillmer, Cöthen, beschrieben und abgebildet wurde.
Auch bei diesem Tiere tritt der rote Fleck des f in einzelnen
Partikeln auf der Rückseite besonders dort auf, wo die Vorder-
seite weiblich gefärbt ist und umgekehrt. — Es ist mir nicht
bekannt, ob eine genügende Erklärung dieser höchst eigenartigen
Mischfärbung bei Zwitterbildungen bereits erfolgt ist.
Saturnia (Sayana) zapatoza Westw. Den dritten kolum-
bischen Zwitter erhielt ich durch Zucht. In meinen ‚Tropische
Reisen VI, Die Hochkordillere von Bogota‘‘ erwähnte ich bereits
die Auffindung der Raupe dieser hübschen Saturnide an den
niedrigen Sträuchern der Paramo-Erle, die in den sumpfigen
Taleinschnitten, oberhalb der Hauptstadt Bogota häufig zu finden
ist. Die einer grünen Erlenfrucht sehr ähnliche Raupe sitzt
stets an der Unterseite der Blätter und ist sehr schwer zu
finden. Nur der Umstand, dass ich später eine Methode zur
Auffindung des Cocons der Art entdeckte, setzte mich in den
Stand, das hübsche Nachtpfauenauge in einiger Anzahl durch
Zucht zu erhalten. Wie aus der Abbildung ersichtlich, ist der
daraus entstammende Zwitter vollständig durch die Mittellinie
geteilt, wie ich einen ähnlichen Hermaphroditen bereits zu sehen
Gelegenheit hatte, der die verwandte Saturnia pavonia be-
traf. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch bemerken, dass
die Raupe von S. sapatoza nicht saturniden-artig ist, sondern
jener unserer Aglia tau sehr ähnlich sieht.
Alle drei Zwitter befinden sich in meiner Sammlung. —
Nebstdem fing ich besonders in Bolivia mehrere hochinteressante
Aberrationen, die gewiss wert wären, einmal beschrieben und
abgebildet zu werden. — Vielleicht wird mir diese Veröffent-
lichung im nächsten Jahre unter Beigabe von farbigen Tafeln,
die durch die ausführlichste Beschreibung nicht ersetzt werden
können, ermöglicht.
O. Bang-Haas. Einige seltene Pieriden-Aberrationen. 193
Einige seltene Pieriden-Aberrationen.
Lv:
(Hierzu Fig. 4, 5, 6 u. 7 auf Taf. X.)
Von Otto Bang-Haas, Blasewitz.
1 Pieris brassicae ab. obscurata Ch. Oberth. Taf. X, lieg. 5.
brassicae var. Boisd., Spec. Gen. Lep. I. p 521 (155 36)
obseurata Ch. Öberth., kEt.od? Ent, XV, pr6.t.]
Röber im Seitz TI, p. "45, Verity, Rhop. Pal. py 1 35.
Berge-Rebel p. 10.
Von dieser stark melanotischen Aberration unseres Kohl-
weisslings sind meines Wissens nur vier Stücke, 2 dd und 2
22 bekannt. Die beiden von Boisduval und Oberthür beschrie-
benen Stücke, beide $?, stammen aus der Umgebung von Paris.
Einen melanotischen 5 erhielt ich aus Goldap in Östpreussen
(1903). Dieser befindet sich jetzt in der Sammlung von
Rothschild im Tring-Museum. Der hier abgebildete 5 aus
der Sammlung von Dr. Staudinger ist in der Umgebung Dres-
dens gefangen und trägt die Fundortbezeichnung: „Begerburg,
Plauen Grund (Krutzsch) “
Die Grundfarbe der Oberseite dieses Stückes ist grauschwarz,
nach dem Aussenrande zu nimmt die Stärke der schwarzen Be-
stäubung etwas ab, nur die Adern der Zelle und des Vorder-
randes sind weiss geblieben. Alle schwarzen Zeichnungen der
normalen brassicae heben sich jedoch beiderseits von der
Grundfärbung deutlich ab. Die Unterseite ist ebenfalls grau-
schwarz, nur sind die Fransen und daran angrenzenden äusseren
Flügelteile etwas lebhafter grünlichgelb gefärbt.
Auf beiden Hinterflügeln sieht man bei der Abbildung
deutliche, helle, unregelmässige Flecke. Diese bestehen nicht
aus weissen Schuppen, sondern sind abgeschabte und daher
glänzende Stellen. j
2. Pieris brassicae ab. lutea Röber. Taf. X, Fig. 7.
Röber im Seitz I, p. 45.
Dies hier abgebildete Originalstück (?) stammt aus der
Sammlung von Dr. Staudinger, gefangen: Silesia (Löffler).
Die normale, weisse Färbung ist beiderseits lebhaft gelb,
mit einigen bräunlichen, unregelmässigen Flecken. Ein ähn-
liches Stück, bei welchem die Grundfärbung etwas grünlicher
war, erhielt ich aus Hanau (Rheinland).
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915. .
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194 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
3. Colias sulitelma ab. holmbomi n. Taf. X, Fig. 6.
Unter der grossen Anzahl von feurig-roten sulitelma Auriv.,
die ich seit Jahren aus Schweden (Lule, Lappmark) erhalte,
befand sich in einer Sendung im Jahre 1913 ein einziges
Männchen mit lichtgrüner Färbung. Nur der Mittelfleck der
Hinterflügel ist oberseits noch orange gefärbt und die Fransen
sind lebhaft rosa wie bei den meisten frischen Stücken. Die
Unterseite ist von normalen Stücken nicht verschieden, nur ist
der innere Teil der Vorderflügel auch unterseits grün anstatt
rot-orange.
Ein gleichgefärbtes, defektes Weibchen, gefangen in Alten,
Norwegen, 14. 7. 1860, befindet sich in der Sammlung von
Dr. Staudinger.
Zu Ehren des Sammlers des hier abgebildeten S, Herrm
lars Holmbom, benenne ich diese äusserst seltene Aberration.
Den Wechsel der roten und grünen Farbe kann man auch
bei einer Reihe anderer Colias-Arten konstatieren. Bei der
gleichfalls nur im hohen Norden fliegenden, normalerweise grün-
gefärbten werdandi Zett. tritt umgekehrt wie bei sulitelma
die Orangefärbung bei der seltenen ab. christiernssoni
Lampa auf.
Die prächtig grüne Colias chlorocoma Chv. ist jeden-
falls auch nur eine Lokalrasse der roten aurorina HS., auclı
von staudingeri Alph. erhielt ich 1913 ein grünes anstatt
rotes 2. Am auflälligsten ist dieser Farbenwechsel bei wis-
kotti Stgr. und seinen Varietäten.
4. Colias crocea Fourc. (edusa F.) n. ab. cremonae Bang-Haas
(Andreas) Taf. X, Fig. 4.
Iris XXVI (1912) p. 105, Verity p. 353.
Hasmieh in Libanon, 13. April 1910.
Die Färbung von cremonae ist lebhafter grün als bei
holmbomi.
Ich schrieb Herrn Verity, dass wir einen edusa d mit
grünlicher Grundfärbung erhalten hatten, den mein Vater als
ab. cremonae veröffentlichen würde. Auf diese kurze Mit-
teilung hin und ohne dies Stück überhaupt gesehen zu haben,
bezeichnet sich Verity auf p. XLIlI des Vorwortes von Rhop.
Pal. als Autor.
H. Rebel. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten. 195
Revision der palaearktischen Epermenia-Arten.
Von Prof. Dr. H. Rebel, Wien.
Die Elachistiden- bezw. Scythridinen-Gattung Epermenia
wurde von Hübner (Verzeichn. p. 418) für eine einzige Art
pontificella Hb. errichtet (1816?). Später (1833) stellte
Treitschke (Schm. Eur. IX. 2, p. 34) die Gattung Chaulio-
dus mit den Arten illigerella Hb. und pontificella Hb.
auf. Letzterer Gattungsname hat insofern man dem Hübner-
schen Verzeichnis, wie es jetzt allgemein geschieht, eine nomen-
klatorische Bedeutung zuerkennt, demnach als späteres Synonym
einzugehen, wiewohl er durch viele Dezennien zur sicheren
Bezeichnung der Gattung gedient hat.
Herrich-Schäffer (System. Bearb. V., p. 45, 47) stellte die
Gattungen Calotripis (mit den Arten illigerella, seu-
rella, dentosella, pontificella) und Tichotripis
(nur mit testacella-chaerophylella) auf, deren wesent-
licher Unterschied in den Hfln gelegen erscheint, welche bei
Calotripis breiter, mit „3 gesonderten Rippen“, bei Tricho-
tripis schmäler, mit gestielter Rippe 6 und 7 sind.
Heinemann (Schm. Deutsch. II, 2 p. 408 ff.) nimmt nur
eine Gattung Chauliodus Tr. an, behält aber die Herrich-
Schäfferschen Namen als Untergattungen bei und hebt in den
Diagnosen auch die sehr verschiedene Fransenlänge der Hfl hervor.
Auffallenderweise haben spätere Systematiker, wie Snellen,
Meyrick und Spuler, von einer Auflösung der Gattung in Unter-
gattungen, oder wenigstens Artgruppen abgesehen.
Anlässlich einer weitgehenden Untersuchung einiger Eper-
menia-Arten wurde ich neuerlich auf die sehr berechtigte An-
nahme von Untergattungen innerhalb des Genus Epermenia
aufmerksam, deren Beibehaltung gewiss im systematischen In-
teresse gelegen erscheint.
Im Nachstehenden gebe ich, ausser der Beschreibung zweier
neuer Arten, auch kritische Bemerkungen zu einigen andern, so-
wie eine Bestimmungstabelle für sämtliche bisher bekannt ge-
wordenen, palaearktischen Epermenia- Arten.
Epermenia Hb.
I Untergattung Calotripis HS.
Hfl an der Basis wenigstens von Dreiviertel der Vfl-Breite,
mit gesondert entspringenden Adern R und M, ihre Fransen
höchstens von doppelter Flügelbreite.
196 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
1. Epermenia illigerella Hb. — Rbl. Cat. N. 3406.
Neben Ep. chaeıophyllella die in Europa am weitest
verbreitete Art, welche nur in der nachfolgenden Ep. kroneella
eine nahe Verwandte besitzt.
Die fast einfarbig hellgrüne Raupe, mit hellbräunlichem
Kopf, lebt vorzugsweise auf Aegopodium prodagraria.
2. Epermenia kroneella Rbl. Ver. zool. bot. Ges. 53. Jahrg.
1903, p- 98; Krone, XV. Jahrb. Wien. Ent. Ver. p. 99, E27
Fig. 10 (larv.); Meess in Spul. Schm. Eur. p. 434.
Der vorigen Art sehr ähnlich, die Saumfransen der \fl
jedoch ohne den hellen Fleck unterhalb der Spitze, durch wel-
chen bei Ep. illigerella die Vfl-Spitze scheinbar sichel-
förmige wird.
Die Raupe, mit breiter rotbrauner, licht geteilter Rücken-
binde und schwarzem Kopf, lebt auf Peucedanum montanum
und alsaticum
3. Epermenia pontificella Hb. - Rbl. Cat. N. 3408.
Die Art kann als der entwickeltste Typus der 2. Artengruppe*)
der Untergattung Calotripis gelten. Die stumpfe Vfispitze,
die breite bleifarbige Einfassung der lebhaft lackroten Querbin-
den der Vfl, deren Basis rostrot gefärbt und deren letzter
Antiapikalfleck nach aussen hellgelb gerandet ist, machen
die grosse, schöne Art leicht kenntlich. Sie ist, besonders auf
Kalkhügeln im südlichen Mitteleuropa, wie in Südeuropa ver-
breitet, bisher aber aus Griechenland noch nicht nachgewiesen,
wohl aber aus Kleinasien (Brussa).
Die Raupe ist auffallenderweise noch unbekannt.
4. Epermenia scurella Hb. — Rbl. Cat. N. 3407. — Meess
in Spul. Schm. Eur. II, p. 434.
Herrich-Schäffers Original-Figur 968 von scurella muss
(wie dies in gleicher Weise von der später zu besprechenden
Figur 967, dentosella gilt) als verfehlt und irreführend be-
zeichnet werden. Die Vflspitze ist in Herrich-Schäffers Bild
ganz stumpf abgerundet (statt schwach vortretend), der schwarze
Mittelpunkt auf weisslichem Grunde fehlt ganz, die in Herrich-
Schäffers Bild dottergelbe Fleckenzeichnung besteht zumeist aus
lackbraunen Binden, deren Anlage grosse Aehnlichkeit mit jener
der folgenden, insecurella Hb., hat. Die Grundfarbe der
Vfl ist weisslich ockergelb und tritt nach der schwach gebräun-
ten Basis breit und ungetrübt auf. An ihrer inneren Grenze
liegen 3 basale schwarze Punkte untereinander, die in Herrich-
*) Umfassend E. pontificella, seurella, insecurella und
plumbeella.
H. Rebel. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten. 197
Schäffers Bild fehlen. Die Mitte der Saumfransen ist am Ende
breit weiss. Kopf und Palpen ockergelblich, letztere mehr oder
weniger geschwärzt. Dar lange Afterbusch des 7 ist am Ende
gelblich, Vdfllänge 6—S mm.
Eine in den Alpen weit verbreitete Art, welche auch aus
den galizischen Karpathen, von Herculesbad und mehrorts aus
Bosnien bekannt wurde.
Ep. scurella hat die nächste Verwandtschaft mit der fol-
genden Ep. insecurella Hb., von welcher sie sich durch be-
deutendere Grösse, durch die schärfere, meist deutlich vortretende
Vfispitze, einfachen Mittelpunkt und die in der Endhälfte viel
breiter weissen Saumfransen unterscheidet.
5. Epermenia insecurella Stt. Cat. — Rbl. Cat. N. 3410
(Hein. Weck. 410) — Bankes, Proc. Dorset Nat Hist. and An-
tguss Bild-Club, X, 1889, p. 212, DT. 1 2.
Die Art ist durch die stumpfe Vflspitze, die bleichgelbe
Grundfarbe der breiten Vdfl, weiche an der Basis, wo sich drei
untereinander liegende schwarze Punkte vorfinden, ungetrübt auf-
tritt, ferner ducch 2 (selten 3) in der Mittelzelle und am
Schlusse derselben in einer Längslinie, meist auf gelbem Grund
liegenden schwarzen Mittelpunkte, sowie durch den gelben Kopf
kenntlich. Die rostbräunliche bis lackbraune, ziemlich steil lie-
gende Mittelbinde erweitert sich gegen den Vorderrand, hinter
ihr 2 getrennte, oft verschwommene rostbraune Flecken und ein
solcher schärferer, schräg liegender Antiapikalfleck. Die Fran-
sen grau und gelblich gefärbt mit zwei gegen die Flügelspitze
konvergierenden schwarzen Schuppenlinien in ihrer Aussenhälfte.
Die Flügelspitze ist stumpf, unter ihr sind die Saumfransen sehr
schmal weiss, was den unrichtigen Rindruck einer schwach vor-
tretenden Flügelspitze hervorruft. Am Innenrande liegen zwei
schwarze Schuppenhäufchen, von welchen das innere grösser ist.
Die Raupe lebt in zwei Generationen auf Thesium-Arten.
Der Falter im Mai und wieder im August — September (Flet-
cher, Ent. Month. Mag. XXII, p. 13; Barret ib. XXIII, p. 257,
Warren ib. XXIV p. 144; Lafaury Ann. Soc. Ent. France 1885,
p- 418).
Die Art wurde in Süd-England entdeckt und kommt über-
einstimmend in der Gascogne vor.
In Mitteleuropa scheint sie vielfach verkannt worden zu
sein, wie dies von Heinemann bestimmt der Fall war, der unter
Chaul. insecurellus eine andere, von mir jetzt Ep. plum-
beella benannte Art beschrieben hat (vergl. später).
Aus Ungarn liegen mir von Nagy Nyir, bei Kecskemet, 2
198 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
dd vom 19. April und 24. Juni (leg. Predota ’14) und ein d’
aus Flamunda in der Sandpussta bei Deliblat, vom 16. Septem-
ber (leg. Predota ’12) vor. Diese ungarischen Stücke sind grösser
und namentlich in den zostfarbenen Binden bleicher als süd-
französische Stücke aus der (rascogne, lassen sich aber von diesen
örtlich nicht unterscheiden. Schliesslich liegt mir noch ein ge-
flogenes Stück aus Albanien (Orisi, leg. Sturrany, Mai ’05) vor,
welches ich mehrorts irrtümlich als Ep. dentosella aufführte.
Ueber die Unterschiede der Ep. insecurella von der
nahestehenden Ep. scurella H.-Sch. (vergl. diese oben.)
6. Epermenia plumbeella n. sp. — Chauliodus inse-
curellus Hein. Wck. (nec. Stt.) p. 410 N. 624.
Josef Mann erbeutete im Mai 1852 auf dem Laaerberg bei
Wien in Anzahl eine Epermenia-Art, von welchen er in der
Folge Stücke an Herrich-Schäffer, Heinemann und Wocke abge-
geben zu haben scheint. Diese Art dürfte von Fischer von
Röslerstamm den Namen dentosella (i. 1.) erhalten haben,
allen Herrich-Schäffer gibt in Fig. 967 unter den Namen den-
tosella eine Abbildung, welche als ein zwar nicht gelungenes
Bild, duch nur auf die später von Wocke als iniquellus be-
schriebene Art bezogen werden kann, womit die mir brieflich
von Wocke gemachte Aeusserung übereinstimmt, dass er bei Aul-
stellung seines iniquellus din von Mann erhaltene Art für
dentosella HS hielt und in ihr daher nicht seinen iniquel-
lus erkannte.
Heinemann hielt die von Mann erhaltenen Stücke bestimmt
für insecurellus Stt. und beschrieb sie gut kenntlich daher
unter diesem Namen.
Diese von Mann zuerst in Verkehr gebrachte Art steht nun
allerdings der echten Ep. insecurella Stt.”) zunächst und ge-
hört mit ihr in dieselbe A:tgruppe (Calotripis H-Sch), unter-
schon wesentlich durch die breiteren Hfl, deren Fransen nur
die Länge der doppelten Flügelbreite haben, und deren Ader Ms
und R getrennt entspringen.
Die ziemlich dicken, bewimperten männlichen Fühler sind
einfärbig bräunlich. Der Kopf ist bleigrau, am Scheitel bräun-
lich. Auch die bei den verwandten Arten geformten Palpen
sind dunkel bräunlich. Thorax und Beine sind bleigrau, letztere
mit matt weisslich gefleckten Tarsenenden. Der schlanke Hinter-
leib ist bleigrau mit schwach bräunlichem Analbusch.
=) Vergl. oben.
ige
H. Rebel. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten. 95
} Ir
Die Vfl fast gleich breit, mit stumpfer Spitze und schrä-
gem Saum, zeigen die ockergelbe Grundfarbe ganz von bleigrauer
Bestäubung bedeckt, welche häufig auch die rostgelbe Binden-
zeichnung bis auf einen Fleck in der Mitte des Innenrandes
verschwinden lässt. Wo die rostgelbe Bindeuzeichnung vollständig
auftritt, besteht sie (ähnlich wie bei Ep. pontificella Hb)
aus einer Schrägbinde vor der Mitte, welche den Vorderrand
nicht erreicht, aus einer gleichbreiten, den Vorrand ebenfalls
nicht erreichenden, einwärts gekrümmten und durch die Falte
meistens geteilten, hinteren Binde und einem Querfleck vor dem
Apikalteil. Ein schwarzer Mittelpunkt zwischen hinterer Binde
und dem Querfieck fehlt meistens ganz. Am Innenrand liegen
am Beginn der beiden Querbinden zwei schwarze Schuppen-
häufchen, von denen das erste stärker ist. Die in der Basal-
hälfte gelblichen Frausen in ihrer Aussenhälfte mit 2 gegen die
Flügelspitze konvergierenden Teilungslinien. Die Hfl von bei-
läufig 3/, der Vflbreite, sind bleigrau mit gleichfarbigen Fran-
sen. Dis Unterseite der Vfl dunkelbraungrau, jene der Hil
bleigrau. Vfllänge 5,5, Exp. 11,5 mm.
Ausser den vorerwähnten Stücken von Laaerberg bei Wien,
wurde mir auch ein solches sehr altes aus der Sammlung von
Podewin (M.C.), ferner vom Neuberg bei Pötzleinsdorf (Wien,
10. Mai ’01, leg. Fr. Preissecker) und ein sehr deutlich gezeich-
netes von Koriena (Bosnien, leg. Hilf, 22. Mai ’04) bekannt.
Ep. plumbeella unterscheidet sich nun von Ep. inse-
curella Stt. (siehe oben) durch den grauen (dort gelben) Kopf,
die durch bleigraue Bestäubung auch im Basalteil ganz verdeckte
ockergelbe Grundfarbe der Vfl, welche bei insecurella ge-
rade an der Basis sehr breit und ungetrübt auftritt, ferner auch
durch den Mangel des zweiten, beziehungsweise dritten, in einer
Längslinie liegenden schwarzen Mittelpunktes der Vdll.
Von Ep. pontificella Hb. durch geringere Grösse,
schmälere Flügelform, vorherrschende Bleifärbung der Val,
schwächeren ersten Schuppenzahn und viel mattere und unvoll-
ständigere rostfarbige Bindenzeichnung, deren äusserster Grund-
fleck die hellgelbe äussere Umrandung der Ep. pontificella
ganz entbehrt, verschieden.
7. Epermenia ochreomaculella Mill. Ann. S.Ent. Fr. 1554
pr 63, Pl 3,,Eg. II. 2A.
Eine mir in natura unbekannte Art. Falls die Angaben
und die damit im Allgemeinen übereinstimmende Abbildung bei
Milliere richtig sind, handelt es sich um eine Art von eigen-
tümlicher Zeichnungsanlage, indem die dicht grau bestäubten
200 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Vfl drei in einer Längsreihe liegende ockergelbe, keilförmige‘
Flecke besitzen sollen, welche nach unten dunkel gesäumt sind.
Am Innenrande zwei schwarze Schuppenzähne. In der hügeli-
gen Umgebung von Lyon und Bugey im Mai in Anzahl gefunden.
Nach den in der Abbildung sehr breit erscheinenden Hfln,
mit relativ sehr kurzen Fransen, zweifellos in die erste Unter-
gattung Calotripis gehörig und vielleicht mit E p. plum-
beella Rbl. zunächst verwandt
S. Epermenia silerinella n. sp. (d' 2)
Nach deu fast gleich breiten Vfln mit stumpfgerundeter,
nicht vortretender Spitze, dem getrennten Ursprung von Ader
M und R der Htfl und deren Fransenlänge von beiläufig dop-
pelter Flügelbreite in die erste Abteilung (Calotri ipis 18) der
Gattung E permenia gehörig.
Die bräunlichen, beim % ziemlich stark verdickten und ge-
wimperten Fühler zeigen oberseits weisslich gefleckte Glieder.
Die kurzen, meist hängenden Palpen, von beiläufig 1 '/s
Kopfdurchmesserlänge, sind innen ockergelb, ihr Mittelglied gegen
die Spitze schwärzlich, das Endglied nur !/; des Mittelgliedes
lang, mit ockergelblicher Spitze. Kopf und Thorax sind trüb
ockerfarben, desgleichen die nach aussen grau verdunkelten Beine
mit hell gefleckten Gliederenden. Der Hinterleib grau, mit gelb-
lichem Analbusch des 5° und ebenso gefärbten Endsegmenten
des, ®..
Die Vfl ockergelb, an der Wurzel le verdüstert,
mit breiter, gesen den Innenrand gegabelter d. h. daselbst einen
kleinen hellen Fleck der Grundfarbe einschliessender und gegen
den Vorderrand schmäler und dunkler werdender Mitelbinde.
Hierauf folgt noch eine, zuweilen nach Innen gekrümmte, meist
sehr wenig hervortretende, schmale brandbraune Aussenbinde.
An den Innenrandsendigungen der Mittelbinde und der Aussen-
binde liegen 3, nach aussen stark an Grösse abnehmende, schwarze
Schuppenhäufchen, von denen das letzte oft auch ganz fehlt.
Ein Mittelpunkt fehlt. Der Saum und die grauen Fransen sind
von schwarzen Schuppen mehr oder weniger durchsetzt Letz-
tere zeigen in ihrem Enddrittel zwei gegen die Flügelspitzen
konvergierende, schwarze Teilungslinien. Die Hfl von beiläufig
3/, der Vflbreite sind dunkel aschgrau, mit gleichfarbigen
Fransen. Die Unterseite der Vfl dunkel braungrau, jene der
Bfl aschgrau. Vfllänge 5—6, Exp. 11- 12,2 mm.
Aus der Umgebung Wiens bereits durch Mann (1852 £
M. 1) und durch von Hor nig aus einer unbeachteten Raupe,
wahrscheinlich im Jahre 1881, in einem männlichen Stück ge-
H. Rebel. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten. 201
zogen. Weiter von Herrn Fritz Preissecker am Leopoldsberg,
bei Wien, am 8. Juni 1899, in beiden Geschlechtern an Siler
trilobum schwärmend erbeutet, so dass die Raupe fast mit
Sicherheit auf dieser Pflanze leben dürfte. Schliesslich erbeutete
Herr Prof. K. Prohaska (Graz) an einem Abhang bei Gösting
nächst Graz, ebenfalls an Siler trilobum, am 14. Juni 1907
und am 12. Juni 1911 je ein Stück, sowie zwei ganz frische
Stücke am 30. Mai 1914 am Hum, nächst Bad Tüffer (Steier-
mark).
Das von Hornig gezogene, in meinen Besitz übergegangene
Stück schickte ich bereits im Jahre 1890 an Lord Walsingham
zur Begutachtung. welcher darin aber nur ein reicher gefärbtes,
durch den Mangel des schwarzen Mittelpunktes ausgezeichnetes
Stück von Ep. iniquella Z. erblicken wollte und mir von
einer Neubeschreibung ohne Kenntnis der Lebensweise der Raupe
und olıne eine grössere Stückanzahl abriet.
Mit Ep. dentosella HS (= iniquella (Z) Weck) hat
die vorliegende Art keine nähere Verwandtschaft, da sie nicht
einmal derselben Gattungsgruppe angehört, was Lord Walsingham
allerdings an dem einzeluen, gezogenen, aber in den Hfln nicht
ganz voll ausgebildeten Stück schwer wahrnehmen konnte,
Immerhin hätten ihn der hier viel dunklere Kopf und die viel
breiteren Vfl einen Artunterschied erkennen lassen können.
Die ockergelbe Grundfarbe der Vfl und die schwache
graue Bestäubung derselben, sowie die viel stärkeren, schwarzen
Schuppenhäufchen am Innenrand trennen die Art leicht von
vorhergehenden, schmalflügligeren Ep, plumbeella Rbl. Die
echte Ep. insecurella Stt. hat eine lichtere Grundfarbe der
Vfl, mit viel schmälerer, einfacher Mittelbinde und 2 bis 3 in
einer Längsreihe stehenden schwarzen Punkte im Mittelraum.
Schliesslich sei erwähnt, dass die Abbildung von Chaul.
iniquellus bei Milliere (Ann. Soc. Lyon 1883, p. 168, Pl. 3
l’g. 6) eine ziemlich grosse Aehnlichkeit mit vorliegender Ep.
silerinella besitzt, aber nach den von Milliere angegebenen
Futterpflanzen (Laserpitium und Peucedanum) doch wahrschein-
lich zu Ep. dentosella H. S. (iniquella Wck.) gehören
dürfte.
II. Unterg. Tichotripis HS.
Hil an der Basis wenig über !/; so breit als die Vfl,
Ader R und M; derselben meist geteilt entspringend, die Fransen
der Hfl von 4facher bis Sfacher Flügelbreite,
202 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
9. Epermenia petrusella Heyl. ©. R. Soc. Ent. Belg. 1883 p. 11.
Die mir in natura unbekannte, angeblich aus Ungarn stam-
mende Art wurde nicht bloss ohne Angabe der zugehörigen Art-
gruppe, sondern überhaupt ohne jede komparative Angabe auf-
gestellt.
Sie soll ziemlich gross sein (13 —14.5 mm Exp), mit ocker-
gelben, stark rostbräunlich bestäubten Vfl, welche eine sehr
schräge (von '/; des IR zu 2, des V R reichende) rostbraune
Querbinde, einem schwarzen Mittelpunkt und auf dem viel kür-
zeren Innenrand drei schwarze Schuppenzähne besitzen. Ueber
die so wichtige Breite der Hfl und Länge der Fransen werden
keine Angaben gemacht. Der Kopf, sowie die ganze Körper-
oberseite sollen dunkler ockergelb als der Grund der Vfl sein.
Die so schräg liegende Querbinde der Vfl von petrusel-
lus spricht für schmale Vfl der Art, welchen auch lanzettliche
Hfl entsprechen dürften, sodass sie höchstwahrscheinlich in die
2. Artgruppe (Tichotripis HS.) zu stellen ist und der Ep.
daucella sehr nahe kommen dürfte.
Die Hauptunterschiede gegen die folgende Ep. daucella
liegen nach der Beschreibung in der Färbung der Fühler, welche
gelbbraun sein sollen, wogegen sie bei daucella schwärzlich
und verloschen hell gefleckt erscheinen, ferner in der noch schrä-
ger verlaufenden Querbinde der Vfl, welche hei daucella von
ı/, des Innenrandes zur Hälfte des Vorderrandes zieht, und in
den gelbbraunen, bei daucella schwärzlichen Fransen der
Vflspitze.
Eine Zusammengehörigkeit beider Arten halte ich sogar
für wahrscheinlich.
10. Epermenia daucella Peyer. — Rbl., Cat N. 3413.
Eine im Mediterrangebiet bei Algier und auf den Kanaren
weit verbreitete Art, welche sich von der zunächst stehenden
Ep. dentosella durch bedeutendere Grösse, viel gestrecktere
Flügel, schrägere Mittelbinde, lebhaft ockergelbe Färbung des
Apikalteiles und schwärzlichen Fransen der Spitze der Vfl un-
terscheidet. Auch ist das Palpenendglied hier nicht weiss.
Die Art tritt in zwei Generationen auf. Ihre Raupe lebt
ausser auf Daucus carota auch auf Seseli, Thapsia u. a.
Mir wurde sie auch aus Ungarn aus Alibunar, 19. Juni
’10, leg. Holtz (M. C.) bekannt.
11. Epermenia dentosella HS. — Rbl. Cat. N. 3411.
Wie ich bereits bei der vorstehenden Beschreibung der
Ep. plumbeella bemerkt habe, ist“bei Herrich-Schäffer (V.
p- 208 Fg. 967) weder das Bild noch die Beschreibung von
H. Rebel. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten. 203
dentosella für die später von Wocke (Stett. e. Z. 1567 p.
208 und Heinemann (p. 410) als Chaul. iniquellus eindeu-
tig beschriebene Art einwandsfrei zutreffend, was zu manchen
Irrtümern”) und zur Neubenennung der Art als iniquellus
geführt hat.
In Herrich-Schäffers Bild 967 der dentosella ist die
braune Mittelbinde der zu stark grau bestäubten Vfl zu schmal
und zu deutlich in Flecke aufgelöst, die helle Begrenzung des
schwarzen Mittelpunktes ist zu undeutlich. Eine mehr basale
Lage des ersten Schuppenzahnes am Innenrand, welche Wocke
später als Unterschied gegen iniquellus behauptete, ist jedoch
nicht vorhanden. Nach den schmalen Hfl**), den langen Fransen
derselben und dem hellen Kopf kann die Abbildung nur auf
iniquellus bezogen werden, für welche letztere Art sonach
der Name dentosella HS. von mir mit Recht bereits in der
neuen Katalogsauflage angenommen wurde.
Auch die in der Beschreibung hervorgehobene geringe
Grösse, Kopf und Thorax fast weiss, und der nach vorne weiss
umzogene Mittelpunkt treffen nur auf iniquellus zu.
Ep. dentosella (iniquella) ist durch ihre geringe Grösse,
den weissgelben Kopf, das weisslich beschuppte Palpenendglied,
den kleinen, wenigstens basalwärts weissgell begrenzten schwar-
zen Mittelpunkt innerhalb der Untergattung Calotripis sehr
leicht kenntlich.
Die Art variiert jedoch in der Deutlichkeit und Färbung
der stets zusammengeschlossenen hinteren rosthraunen Flecken.
Zuweilen bedeckt eine schwarzgraue Bestäubung stark die licht
ockergelbliche Grundfarbe der Vfl, so dass nur an der Basis
des Innenrandes, vor dem ersten grossen schwarzen Schuppen-
zahn eine lichte, fleckartige Stelle erübrigt, wie dies bei einem
mir vorliegenden cd vom Kalvarienberg bei Gumpoldskirchen,
Niederösterreich, (leg. Fr. Preissecker 8. August 04) der Fall ist.
Die Raupe lebt auf Peucedanum-Arten (besonders in den
Dolden von P. cervaria und officinale). Der Falter erscheint
bei Zucht im Mai (so Hornig von Gutenstein in Niederöster-
reich), wird jedoch häufiger im August erbeutet. Er hat wohl,
wie die meisten Epermeniaarten, zwei (renerationen.
Die Art ist im südlichen Mitteleuropa und in den Vor-
*=) Vgl. die unrichtige Synonymie von Ch. insecurellus bei
Heinemann p. 410, Snellen, Vlind. II, 2 p. 846, not. 2 und Warren, Month.
Mag. XXIV p. 144.
##) Trotzdem stellt Herrich-Schäffer seine dentosella in die
Gattung Calotripis!
204 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
alpen offenbar weit verbreitet, fehlt in England, wurde mir
aber auch aus Mittelitalien bekannt. Belegstücke aus Steier-
mark liegen mir von Plabutsch (23. August 15 leg. Prohaska)
von typischem Aussehen vor; desgleichen zwei Stücke mit der
Bezeichnung ‚„Mehadia, Mn. 1859“. Letztere Angabe erscheint
in meiner Fauna von Herkulesbad und Orsova noch nicht er-
‚wähnt.
12. Epermenia aequidentella Hofm. — Rbl. Cat. Nr. 3414.
Die Art wurde gleichzeitig von Hofmann als Chauliodus
aequidentellus und von Wocke als Ch. strictellus be-
schrieben.
Hofmann hatte Stücke vor sich, deren Vfl mehr weiss-
grau gefärbt und eine mehr sichelförmige Spitze zeigten. Die
4 Schuppenzähne am IR sind mit Ausnahme des ersten wenig
an Grösse von einander verschieden.
Die Raupe lebt auf Meum, Peucedanum, Angelica und an-
deren. Flugzeit hauptsächlich im Spätherbst.
13. Epermenia chaerophyllella Goeze Rbl, Cat Nr. 3416.
Wohl überall in Europa und Kleinasien verbreitet. Von
der vorigen Art leicht durch geringere Grösse, stark sichel-
förmiges Hervortreten der schwarzbeschuppten Vflspitze und
der sehr ungleichen Grösse der 4 Innenrandszähne verschieden.
Zwei Generationen; der Falter der 2. Generation über-
wintert. Die Raupe polyphag.
14. Epermenia nigrostriatella Heyl. ©. R. Soc. Ent. Belgique.
1883 p. 12.
Mir ebenfalls in natura unbekannt. Die gelblichgrauen
Vfl, sollen mit Ausnahme des basalen Vorderrandsdrittels,
schwärzlichbraun bestäubt sein. Ein dicker, schwarzer Längs-
strich zieht von der Flügelmitte zum Innenwinkel und von da
gegen die Spitze Am Vorderrande 5 schwarze Punkte, von diesen
3 in gleichen Abständen von einander im Aussendrittel. Bei
'/; des Innenrandes ein starker schwarzer Schuppenzahn, ein
kleinerer bis 2/; und ein noch kleinerer weiter auswärts. Vfl-
spitze scharf, etwas vortretend, die Fransen mit 2 schwarzen
Teilungslinien. Körper gelbgrau, dunkel bestäubt. Die Fühler
bräunlich, dunkel geringt. Exp. 14 mm. Aus Ungarn.
Fast möchte ich in dieser Art aberrante Stücke von Ep.
chaerophyllella vermuten,
15. Epermenia staintoniella Stt. — Rbl. Cat. Nr. 3417.
Eine ausgezeichnete Art, deren braungraue Grundfarbe der
Vfl durch dickgraue Bestäubung oft ganz verdeckt wird. Zwei
schwarze Mittelpunkte bei '/; und 3/, (Zellenschluss). Am IR
H. Rebel. Revision der palaearktischen Epermenia-Arten. 205
vor dem Beginn der Fransen ein stärkerer schwarzer Schuppen-
zahn, hierauf noch 2—3 kleinere. Die Fransen bräunlichgrau,
mit breiter schwarzer Endlinie. Die Hfl mit sehr langer Spitze.
Die Palpen durchaus braungrau, Vfllänge 6—7 mm.
Eine offenbar nur im Mediterrangebiet verbreitete Art,
welche ausser in Südfrankreich auch bei Abbazzia (ex. l. von
Krone aus Osyris gezogen) und in Kreta (leg. Rbl.) gefunden
wurde.
16. Epermenia wockeella Stgr. Hor. Ross. XV (1880) p. 382.
Durch die Freundlichkeit des Herrn ©. Bang-Haas (jun.)
erhielt das Hofmuseum ein weibliches Stück dieser seltenen Art
von Amasia. Dasselbe ist trotz der gut erhaltenen Fransen auf
den Vfl abgerieben, stimmt aber sonst gut mit der Beschrei-
bung Dr. Staudingers Die Fühler sind einfärbig bräunlich, der
Kopf weisslich, die Palpen dunkelbräunlich mit kurzem, weiss-
lichem Endglied. Der Hinterleib ist weissgrau. Die Beine
aussen grau bestäubt.
Die wie bei E.staintoniella gestalteten gelblichweissen
Vfl sind in der Falte und gegen die Spitze ockergelbh.
Ven den beiden hintereinander bei '/; und 3/, der Flügel-
länge liegenden schwarzen Mittelpunkten ist bei dem vorliegen-
den Exemplar kaum eine Spur vorhanden, desgleichen fehlen
hier die schwarzen Schuppenzähne am Innenrande.
Die scharfe Flügelspitze ist fein braun gesäumt, die grauen
’ransen mit 3 gegen die Spitze zusammenlaufenden schwarzen
Schuppenlinien, von welchen die basale die undeutlichste ist
und die 3. am Fransenende selbst liegt.
Die lifl etwas breiter, mit weniger langer Spitze als bei
staintoniella, heller weissgrau. Vfllänge 6-5, Exp. 13 mm.
Zweilellos eine gute, bisher ausserhalb des (rebietes von
Amasia nicht beobachtete Art, welche sich von staintoniella
sofort dureh die weissliche Grundfarbe der Vfl und die etwas
breiteren Hfl unterscheidet.
Bestimmungstabelle der palaearktischen Arten der
Gattung Epermenia.
1. Hfl an der Basis wenigstens von 3, der Vflbreite, ihre
Fransen höchstens von doppelter Hflbreite (subg. Calotripis)
2 Hfl an der Basis wenig über '/, der Vflbreite, ihre Fran-
sen von 4 bis 5-facher Hflbreite (subg. Trichotripis) 9
2. Vfl gelbbraun oder ockerbräunlich ohne bleigraue Be-
StAuDUmE Den N EN ee ee tr
Vfl hellgelb, mehr oder weniger bleigrau gemischt . . 9
206 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
3. Vfl mit scharfer Spitze und einem dunklen Schrägwisch
zum, Innenwinkeltunts 1a Sr Ne
Vfl mit stumpfer ohne Schrägwisch zum Innen-
winkeleu sr : . 8. silerinella n. sp.
4. Die Saumfransen mit einem hellen Fleck unter der Flügel-
spitze, I. . » ...l. illigerella Hb.
Die Saumfransen ohne hellen Fleck. . 2 kroneella Rbl.
5. Vfl mit drei in einer Längsreihe liegenden ockergelben
Flecken . . - 7. ochreomaculella Mill.
6. Vfl mit vortretender Spitze - 2.0.4. seurella Hb.
Vfl mit gerundeter Spitze . . . nel
7. Gross, Vfl mit lebhaft lackroten, bleigrau sesäumten Quer-
binden und 2 starken Schuppenzähnen am IR 3. pontificella Hb.
Kleiner, Vfl mit zuweilen nur verloschenen rostfarbigen
Querbinden, und 2 schwachen Schuppenzähnen am IR 8
8. Kopf ockergelb, Vfl mit 2 hintereinander liegenden Mit-
telpunkten . . 5. insecurella Stt.
Kopf bleigrau, Vfl miteinfachem Mittelpunkt. PumDee sp.
9. Vfl mit deutlicher Querbinde . . Ye
Vfl ohne Querbinde . Ne de ee ee
10. Grundfarbe der Vfl gelblich. 2 SHE AU Bee ee
Grundfarbe der Vfl bräunlichgrau RN rer 13
11. Sehr klein, Mittelpunkt der Vfl klein, weisslich begrenzt
11. dentosella HS.
Grösser, Mittelpunkt der Vfl gross, einfach schwärzlich 12
12. Die braune Mittelbinde der Vfl von !/; des IR zu !/a des
13.
14.
a
VR, Fransen der Vflspitze schwärziich 10. daucella Peyer
Die braune Mittelbinde der Vfl von !/, des IR zu 2/,; des
VR, Fransen der Vflspitze gelbbraun 9. petrusella Heyl.
Vfl mit dickem, schwarzen, im Innenwinkel abgebogenen
Längsstrich im Aussenteil . . 14. nun SNDIaI SL Heyl.
Vfl ohne schwarzen Längsstrich . . ee al
Schuppenzähne des IR der Vfl sehr an Grösse unterein-
ander verschieden, Vflspitze schwarz, stark hervortretend
3: chaerophyliella Goeze
Schuppenzähne des IR mehr gleich gross, Vilspitze grau,
wenig hervortretend . . . 12. aequidentella Hofm.
. Vflbraungrau, Hfl sehr schmal, unter '/s, 15. staintoniella Stt.
Vf gelbweiss, Hfl breiter, über la . 16. wockeella Stgr.
Bücherbesprechung. 207
Bücherbesprechung.
Fritz Hoffmann und Rudolf Klos, Die Schmetterlinge Steiermarks,
II. Teil, Verlag des Naturwissenschaftlichen Vereins für Steier-
mark, Graz 1915.
In rascher Folge ist der 2. Teil der Schmetterlinge Steiermarks er-
schienen, enthaltend die Falter von Acherontia atropos bis Hyppa
rectilinea. Wie schon bei Besprechung des 1. Teils hervorgehoben
(in diesem Jahrgang p. 46), ist der Inhalt mit grosser Sachkenntnis und
gewissenhafter Sichtung der Beobachtungen abgehandelt, mit solcher Lust
und Liebe durchgearbeitet, dass es eine Freude ist, darin zu lesen.
Man möchte die Sammier Steiermarks um ihren Falterreichtum sowohl
an Arten wie Individuen beneiden, davon zeugen zwei spassige Be-
merkungen: Die Raupe von Acherontia atropos war in Stainz in
einem Jahre dermassen häufig, dass Schulkinder ganze Hüte voll zum
Verkaufe anboten, neben der hellen Raupenform waren braungraue und
grüngraue vertreten; oder über das häufige Auftreten von Macroglossa
stellatarum: Anlässlich eines Blumenfestes in Marburg wurden die
Damen, welche Blumen am Busen trugen, vun den an den Blumen sau-
genden Faltern sehr erschreckt. Die bei allen Arten genauen Angaben
über Zeit und Ort der Funde und Beobachtungen bilden einen besonderen
Vorteil dieser Fauna gegenüber so vielen ähnlichen Abhandlungen, in
denen oft nur allgemeine, unsichere und schwer kontrollierbare Angaben
zu finden sind. Besondere Sorgfalt verwenden die Verfasser auf die ver-
schiedenen Formen und Aberrationen, mit gewissem Rechte bei der durch
die vielen Unterschiede in Klima und Bodengestaltung bedingten er-
heblichen Variationsbreite vieler alpiner Falterarten, besonders sei in
dieser Hinsicht auf die ausführlich und kritisch besprochenen und oft
verwechselten Las. quercus-Formen hingewiesen. Natürlich fehlen
auch nicht die unvermeidlichen Neubeschreibungen einer Anzahl von
Aberrationen und Aberratiönchen. Bei Agrotis polygona steht zum
Schluss: „Da das Ei übeıwintert (auch in Südtirol), so ist es mir ein
Rätsel, wieso Vorbrodt (Schmetterl. d. Schweiz I, p. 245) empfehlen
kann, die Raupe mit der Laterne im April—Mai zu suchen, besonders
wenn sie polyphag und der Falter selten ist!“ Dagegen muss ich aus
eigener Erfahrung erwidern: Ende Oktober 1912 erhielt ich von Wagner-
Waidbruck Eier dieser Art, diese schlüpften bald, die R-upchen wuchsen
anfangs langsam, später rapid, verpuppten sich im Januar, die Falter
schlüpften Anfangs März 1913. Demnach dürften die Raupen in Süd-
tirol (auch im Wallis!) den Winter bindurch sich entwickeln und im
Frühjahr den Falter ergeben und sich im Sommer eine 2. Generation
einschieben. Zur Erhärtung aus Spuler: Nach v. Aigner in Ungarn in
zwei Generationen, R. bis Mai an Bursa pastoris, im Juni, Juli an Cy-
tisus spinosa und Nux manus. Sehr interessant ist das Vorkommen von
Agrotis subrosea in Admont. Es würde zu weit führen, noch mehr
Einzelheiten hier anzuführen, jeder muss diese gediegene Arbeit selbst durch-
studieren. E. Möbius.
208
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Berichtigungen.
Folgende Druckfehler und Versehen bittet man verbessern zu wollen:
Seite 35 ist die rechte Textfigur so zu drehen, dass unten nach
oben kommt
55, 19. Zeile v. u. lies Zilien
64,18. „2.0... semanganus
64, 20. a yaRuN 0 mortuns
EAreB ven biuroäts
65, 12. u von, Helders
Sal 20.0, deutlichen
S0erla: „ vw. o. nach 1912 ist einzufügen: Kalavara
81, 22. „ v. 0. lies Rothschild
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89,10} 52 v0... Nehnlichkeit
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99, 201. van. Kimipunietarta
100, 2. VO N OLOSSER,
1007212: un» edscharatanen
128772: I vo ONV-luinte
133, 1. VE eDeurschen:
AO Tu, vu 9, Enumkndhranta
141, 010! Deus. „Basen abana
160, AN, or, "Marsimalbinde
167.1.10. Devon gardinimeie
Kal2. „ wo. „ abgeflogenen
Male 9: VO. Synonym
102,274, VER ONE x
IT2 m 9: „ “u. „ abgetlogenen
174, 4. a» mu '„ schwarzen
ik ak 60, Bıeriden
ılpter 285 ». \..u. ist „von“ zu. streichen
SA: „ v. 0. lies statt „wo in dem Sonne“: „in dem
die
Sonne“,
Vereinsnachrichten. I
Vereinsnachrichten.
Im Jahre 1915 lag die Vereinsleitung in den Händen fol-
sender Vorstandsmitglieder:
Vorsitzender: Dr. phil. K. Heller,
Stellvertreter: Dr. phil. P. Denso,
Schriftführer: A. Winckler,
Stellvertreter: Dr. jur. @. Heusinger,
Rechnungsführer: (x. Kretzschmar,
Bücherwart: E. Möbius,
Schriftleiter: Dr. med. H. Walther,
Stellvertreter: Dr. med. P. Husadel.
Da sich die beiden Schriftieiter freiwillig in den Dienst
des Vaterlandes gestellt hatten, wurde die Herausgabe der Zeit-
schrift in bereitwilliger Weise von dem Vorsitzenden und dem
Bücherwart besorgt. Dank der hochherzigen Freigebigkeit der
weiter unten genannten Herren war es möglich, auch diesen
Band reichlich mit Tafeln auszustatten; es stifteten die Herren
A. H. Fassl in Teplitz, M. Gaede in Charlottenburg, 0. Stertz
in Breslau je eine schwarze Tafel, ©. Bang-Haas, Blasewitz,
zwei schwarze Tafeln und Herr R. Biedermann, Winterthur,
einen namhaften Beitrag zur Herstellung eines Teiles der vier
bunten Tafeln.
Genannten Herren sei an dieser Stelle im Namen des Ver-
eins der wärmste Dank ausgesprochen, ebenso allen Ilerren, die
durch Zuwendung von entomologischen Schriften und Werken
zur Vergrösserung unserer Bibliothek beitrugen. Besonders er-
wähnt sei das von den Herren W. Petzuld und R. Zeumer ge-
stiftete, das älteste Insektenverzeichnis der Dresdener Umgebung
enthaltende Werk von W. G. Becker, Der Plauische Grund
bei Dresden mit Hinsicht auf Naturgeschichte und schöne
Gartenkunst. 2 Thle. in 1 Band. Mit 25 Taf. (8 koloriert). 4°.
Nürnb. 1799. '
Die Naturhistorische Abteilung des Provinzial-Museums zu
Hannover trat dem Vereine als Mitglied bei. Gestorben ist
Herr R. Jordan in Zschieren bei Dresden, durch den Helden-
tod fürs Vaterland wurde Herr k. k. Hauptmann R. Konas in
Eger dem Vereine entrissen. Vier Herren: F. Dames in Berlin,
H. Disque in Speier, R. Matthes in Dresden und Rolle in
Berlin, sowie der Entomolog. Verein in Chemnitz erklärten
ihren Austritt. Umso dringlicher sei an alle übrigen Mitglieder
die herzliche Bitte gerichtet, der Iris jetzt die alte unverbrüch-
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1915. Mn
X
II Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
liche Treue und Anhänglichkeit bewahren und ihr auch in Zu-
kunft tatkräftige Unterstützung angedeihen lassen und nament-
lich auch suchen zu wollen, dem Vereine neue Mitglieder zu-
zuführen.
Erwähnt sei noch, dass der Verein einem Gesuche der Deut-
schen Bücherei des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu
Leipzig um kostenlose, fortlaufende Ueberlassung der Vereins-
schrift, Berücksichtigung zuteil werden liess.
Von den Vorgängen an den Vereinsabenden sei auszugs-
weise Nachstehendes berichtet:
2. Dezember 1914. Herr Fuchs spricht über Siebenbürgen.
Die geschilderten Beobachtungen von Land und Leuten wurden
vom Redner auf einer Reise im Spätherbste 1913 gesammelt
Einige interessante Gebirgstouren werden eingehend beschrieben,
leider aber waren sie alle von der Ungunst der \Vitterung sehr
beeinträchtigt. Das Beuteergebnis an Coleopteren war aus die-
sem Grunde ein nur recht geringfügiges. Zahlreiche Bilder,
welche die bereisten Gegenden veranschaulichten, werden herum-
gezeigt.
16. Dezember. Durch Wärmeeinwirkung hat Herr Möbius
Falter der dritten Generation von Parasemia plantaginis L.
erzogen und dabei die Spielart ab. matronalis Frr. mit
vollkommen schwarzen Hinterflügeln erzielt. Die Falter werden
vorgezeigt. (Vergl. Sitzungsbericht vom 28. X. 1914, Bd.
XXVIII, Seite IX).
3. Februar 1915. Herr Heller legt zwei merkwürdige, im
Vergleich zur Imago sehr grosse Käferlarven der Familie der
Lycidae aus Sumatra vor, die schon Westwood (Introduction
Class. of Insects I p. 245) 1839 abbildete.
17. Februar. Herr Möbius zeigt mehrere, im Juli 1914
bei St. Martin-Vesubie erbeutete Falter: Melitaea didyma 0.
92, die durch besondere Grösse auffallen, darunter ein albi-
notisches Tier, Lycaena arion L,., in schön gezeichneten, sehr
dunklen Stücken und eine Reihe Gnophos glaucinaria Hb.
14. April. Von Unterzeichnetem werden mehrere Exem-
plare der auf der Titeltafel des entomologischen Jahrbuches von
Krancher 1915 abgebildeten schmetterlingsartigen Neuropteren
Nemoptera lusitanica Sch. und Ascalaphus coccajus
W. V., die südlicheren Gegenden entstammen, vorgezeigt. Fer-
ner gelangen durch ihn noch einige Tagfalter zur Vorlage, die
auf den Dünen beim Ostseebade Arendsee-Brunshaupten in
Mecklenburg im Juli 1914 erbeutet worden sind. Es sind fol-
gende: Argynnis niobe L., die Stücke zeichnen sich durch ge-
Vereinsnachrichten. III
ringere Grösse und düstere Färbung aus, A, aglaja L., Sa-
tyrus semele I, darunter ein 7 mit breiten, hellgelben
Binden auf allen Flügeln, Epinephele lycaon Rott. und
Coenonympha iphis Schifl.
9. Mai. Durch Herrn Bang-Haas gelangen eine grössere
Anzahl prächtiger Parnassier nebst verschiedenen Spielarten:
P. actius Ev., P.epaphus Ch. Oberth., P. simo Gray und P.
delphius Ev., ferner eine sehr reichhaltige seltene Varianten-
reihe von Colias cocandica Ersch. zur Vorzeigung. Die
Falter stammen aus Chotan im Ilimalayagebirge.
2. Juni. Herr Ayrer zeigt einen Kasten mit Südtiroler
Faltern, die er im Mai d. J. bei Weidbruck sammelte,
21. Juni. Herr Möbius zeigte die Minierraupe eines Klein-
schmetterlings Phyllocnistis suffusella Z. vor, die auf
den Blättern von Populus canadensis lebt und gibt einen Bericht
über ihre Lebensweise
30. Juni. Herr Möbius legt lebende Raupen und Puppen
von Melitaea didyma 0. vor. Sie wurden aus Eiern erzogen,
die von in den Seealpen erbeuteten Faltern abgelegt worden
waren. Als Futter diente Artemisia campestris.
4. August Herr Seiler hat einen dunklen, fast schwarzen
Falter von Hyloicus pinastri L. und einen Zwitter von
Orgyia trigotephras v. corsica B., rechtsseitig O', links-
seitig $, gezogen. Die Tiere werden vorgelegt.
Herr Möbius zeigt die Zuchtergebnisse von Selenephera
lunigera, ab. lobulina Esp. und Catocala lupina, ab.
streckfussi Esp. vor. An einem kleinen Fichtenzweig be-
finden sich nebeneinander sechs Gespinste der ersten Art.
8. September. Herr Lange, Freiberg, hat gelegentlich eines
längeren Aufenthaltes in Dahlen im Sommer dieses Jahres eine
grosse Anzahl von Chrysophanus dorilis Hufn., die sich
durch recht erhebliche Abweichungen der Punktreihen und Bin-
den auf den Hflunterseiten, in Bezug der Formen und Grössen
auszeichnen, erbeute. Auch von Melanargia galathea I.
wurden von ihm am gleichen Orte mehrere auffallende Stücke
gesammelt. Die ausserordentlich helle Färbung und Zeichnung
der Hflunterseiten verleihen den Faltern eine gewisse Aehnlich-
keit mit M. lachesis Hb. Die Ausbeute gelangt zur Vorlage.
13. Oktober. Herr Heller legt ein Werk von Becker „Der
Plauische Grund bei Dresden“, Nürnberg 1799 (siehe unter
Zuwendungen für die Bibliothek) vor und stellte an der Hand
dieses ältesten gedruckten Insektenverzeichnisses Betrachtungen
an über die faunistischen Veränderungen die seither durch den
IV Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Fortschritt der Kultur in diesem einst so hoch gepriesenen Tal
stattgefunden haben.
20. Oktober. Ein umfängliches Vergleichsmaterial von Erebia
ligea L. und ähnlicher Formen. den verschiedensten Faunen-
gebieten entstammend, ist von den Anwesenden zusammenge-
bracht worden, um über die vornehmlichsten Unterscheidungs-
merkmale Klarheit zu erhalten. Während die weiblichen Falter
von E. ligea L. und E. euryale Esp. durch Zeichnung und Farbe
der Binden auf den Hflunterseiten leichter unterscheidbar sind,
ist dies bei den männlichen Tieren nicht so einfach und kommen
hier Verwechselungen und Irrtümer recht häufig vor. Herr
Möbius bringt aus Band LXIII der Verhandlungen der zoologisch-
botanischen Gesellschaft in Wien einen Bericht zur Verlesung,
in welchem auf ein überraschend einfaches, aber durchgreifendes
Unterscheidungsmerkmal dieser beiden Arten hingewiesen wird.
Es ist nämlich das Auftreten von Androkonienflecken (Duft-
schuppen) in den Zellenwinkeln auf den Vfloberseiten der ligea-
Männchen, während bei euryale von diesen Flecken keine Spur
zu finden ist. Die Flecken werden nach Aufhellung der Flügel
durch Befeuchten mit Xylol besonders deutlich erkennbar. Bei
den als v. adyte Hb. bezeichneten Lokalstücken aus Norwegen
und Lappland sind diese Flecke ebenfalls vorhanden, wenn auch
zuweilen weniger scharf hervortretend, sie sind daher zu ligea
zu stellen. Bei den als v. adyte Hb. benannten Stücken aus
Mitteleuropa, insbesondere den Alpenländern, hingegen fehlen die
Androkonienflecke wieder vollständig und sind infolgedessen bei
euryale einzureihen. Näheres hierüber ist in der oben ange-
führten Zeitschrift nachzulesen. Die Anwesenden überzeugen
sich von der Richtigkeit und Vortrefflichkeit uieses einfachen
Erkennungsmerkmals und gelangen mit der Bestimmung ihrer
mitgebrachten Falter schnell zum Ziele.
10. November. Herr Heller gibt unter gleichzeitiger Vor-
lage einer eigens zu diesem Zwecke gemachten Zusammenstellung
von Käfern und Larven einen Ueberblick über die Systematik,
Biologie und geographische Verbreitung der Tenebrionidae,
Schwarz- oder Schattenkäfer, deren deutsche Bezeichnungen nur
für einen Teil der Gattungen zutrefiend ist.
Am 6. Juni fand ein Ausflug mit Damen statt. Er führte
über Pirna und Rottwerndorf und dem Cottaer Spitzberge nach
Zwiesel ins Gottleubatal. Trotz der schwachen Beteiligung wird
dieser, vom schönsten Wetter besünstige Ausflug bei den Teil-
nehmern in angenehmer Erinnerung bleiben.
Dresden, im Dzbr. 1915. A. Winckler, z. Zt. Schriftführer.
Alphabetische Liste. V
Alphabetische Liste
der in diesem Bande
beschriebenen neuen Gattungen, Arten, Unterarten (subsp.),
Varietäten (v.), Aberrationen (ab.), Formen (f.) und
Hybriden (hybr.).
Kollektivaberrationsnamen (nom. coll.) siehe ausserdem Seite 183 und 184.
Seite
Anthocharis charlonia ab. interrogans Stauder . . » . 2 2.2.27
Argynnis hegemone v. chotana OÖ. Bang-Haas . . . . 2... 100
Callyna pectinicormis Gaede . . A a en je
Caradrina noctivaga v. algeriensis 2 N NIT:
Catastieta lubentina Fassl . . Mn EEE RE LLR ER, AA NZ!
modesta ab. rubricata Fassl. - » 2 2 2.2.2... 17
pollimarı Basıl 0.0... yon ne ee
SoecorensisgBässli.) Manns. Werk ee
SUDRENAMBIRSEI" Mic Ba De ee et
tolımta Allassl 2. Tl ae ee ee ee it
Catocala nymphagoga ab. defasciata Stertz -. - ». -.2....2..'..380
Pentrorenerparpuren Gaede u 2 020 ee re 2
Cetola costata Gaede . . . re rei)
Charaxes (Eriboea) narcaeus richthofeni Fruhstorfer . ©»... . 838
Ehrtonyzahtunnea Gaede: 4. 0. ara el le ea else 3 109
Chondrostega götschmanni Stertz. . . ee ee se ee
Colias cocandica v. tatarica O. Bang- Haas . . 7:98
" 5 e f. aurantiaco- maculata ©. Bang- Haas 3
Hr e 4 „ brunneo-viridis O. Bang- Hoss 99
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sulitelma ab. holbomi O. Bang-Haas . . . .» 2... . 1%
Conisania leineri v. pölli Stertz . . une, are Mia $12H
Craniophora paragrapha v. inversa Gasde A. Ras
Dentonenra dagruanasBassl .. . ca lee ee
Dismorphia buchtieni Fassl . . ee le
eritomedia v. tolimensis Fassl . 2 2 22.2... 19
Dasysternum variabile Stertz . . KK NE Co:
Dysauxes ancilla f. inornata SETS SUR RT RER ARE EINER.
Eintochela, aberuans, Gaeder er den ea Aal a 608
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nierilmesta; Gaede, Mine ae unse he «108
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VI Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1915.
Ectolopha hypochlora Gaede
Epermenia plumbeella Rebel
silerinella Rebel
Ethioterpia janenschi Gaede
Euchlo& belia subsp. paravicinii Stauder
Euplexia melanocycla v. depravata Gaede
nyassana Gaede
Hadena lateritia v. decolor Stertz
Hyleutes tristis Gaede
Lasiocampa püngeleri Stertz
Luthrodes cleotas subsp. kaiphas Fruhstorfer
„ soanis Fruhstorfer
Lycaena argus f. chrysophthalma Stauder
cyllarus f. illustris Stauder 5
pheretiades v. dschagataica 0. Bang- Haas
Malacosoma castrensis subsp. halopila Stauder
Nathalis plauta ab. coliailes Fassl
Omphalagria togoensis Gaede
Orthosia rutieilla v. fulginosa Stertz
blidaensis Stertz SWL HE:
Ozarbanhieoloria Gaede 2. Te une
Pangrapta lunulata Stertz
Papilio chibcha Fassl .
euterpinus v. eburneus Fassl
lenaeus ab. aymara Fassl
einyras ab. ridens Fassl 5
Parnassius actius v. brutus O. Bang- Haas
„ v. flora O. Bang- Haas
„ v. melaniticus O. Bang-Haas .
„ v. ornatus OÖ. Rang-Haas
v. tripieta 0. Bang- Haas
basharicus Ö. Bang- Haas 5
delphius v. abramovi OÖ. Bang- Haas.
2 v. candidatus 0. Bang- -Haas
iR ab. coeruleomaculata nom. coll.
- v. constans OÖ. Bang-Haas
= ab. flavomaculata nom. coll. .
„ vw. karaschahrica 0. Bang: Haas
’ ab. magna nom. coll... .
Ri ab. nana nom. coll.
5 ab. nigricans nom. coll. .
nr ochreomaculata nom. coll.
stenotemus f. mamaievi 0. Bang-Haas
Perigena bieyclata Gaede
camerunica Gaede
Phlyctenogastra (g. n.) rangei Gaede
Prothymnia viridana f. hoffmanni Stauder
Sionia decussata,f. marginata Stauder
Taragama rangei Gaede . 5
Tenaris dimona subsp. anna Fruhstorfer
N „ tbaöäma Fruhstorfer EL WERE
myops subsp. errhephoria Fruhstorfer . . . 0...
subsp. errhiphoria Fruhstorfer . .» . .2. -
Alphabetische Liste.
Ulochlaena ferruginea Gaede
seducta Gaede
sagittata Gaede
schäferi Gaede .
Zamarada aurolineata Gaede
bastelbergeri Gaede
fumosa Gaede .
funebris Gaede
leona Gaede
subincoloris Gaede
subinterrupta Gaede
triangularis Gaede . .
Zygaena rubicunda v. pallescens Stauder
transalpina hybr. galvagnii Stauder ;
a hybr. sticheli Stauder
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Seite
103
102
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Tafel VN.
(Fassl: Neue Schmetterlingsformen aus
Südamerika p. 186.)
Fig. 1. Papilio einyras Men. ab. n. ridens Fassl 5
Fig. 2. Papilio lenaeus Doubl. 2
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Tafel VI.
(Fassl: Neue Schmetterlingsformen aus
Südamerika p. 186.)
Fig. 3. Papilio chibcha Fassl /
Fig. 4. Papilio chibcha Fassl 9
Fig. 5. Papilio hermodius halex Rothsch. Jord. ©
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Tafel IX.
(Fassl: Neue Schmetterlingsformen aus
Südamerika p. 186.)
Fig. 6. Papilio euterpinus Salv. Godm. var, n. eburneus Fassl.
Fig. 7. Papilio hermodius Doubl. 2
Fig. 8. Papilio madyes crispus Rothsch. Jord. 2.
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Tafel X.
(Fassl: Drei Schmetterlings-Zwitter aus Süd-Amerika.)
S. 189, ia 1,2 und 8.
(O. Bang-Haas: Einige seltene Pieriden-Aberrationen.)
S. 19%, Fig, 4, 5 und 6.
Fig. 1. Perrhybris Iypera Koll. Zwitter, links j', rechts 9
Fig. 2. Eresia castilla Feld. 2, mit linkem männlichem Vfl.
Fig. 3. Saturmia (Sagana) zapatuza Westw., links 9, rechts Z.
Colias crocea Foure. ab. cremonae Bang-Haas.
Pieris brassicae ab. obscurata Ch. Oberth.
Colias sulitelma Auriv. ab. holmbomi O. Bang-Haas.
Pieris brassicae ab. lutea Röber.
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Entomologischer Verein „Iris“ in Dresden.
Vermögensbestand
Aktiva. aufgenommen am 1. Januar 1915. Passiva.
Mark | Pf. Mark | Pf.
An Bankguthaben bei der Allgem. Deutschen Per Guthaben des Iris-Kassierers . . . 89 159
Kredit-Anstalt . . . 2.2 .0.0.0.[ 6101 — „ vorausbezahlte Mitglieder-Beiträge . 30 | —
„ 2500 Mark 3!/, °/, Pfandbr. der Landst. „ Vermögensbestand . . 2 2 2... [394528
Bank der»Oberl. = 7,2, 27522428050, 1216250
„ 900 Mark 4°/, Kreditbrief der Landst.
Bank der Ober. . . . . .29.— | 490| —
„ 900 Mark 31/, %/, Reichsanleihe a 80.— | 400| —
„ Zinsen auf 3 Monate der Reichsanleihe 4|37
„ Insekten-Nadel-Bestand . . . . .. 40| —
„ rückständigen Mitglieder-Beiträgen . . | 358| —
Mark [4064 |87 Mark 4064 |87
NB. Bibliothek, noch vorhandene Iris-Hefte und Inventar sind hierin nicht inbegriffen.
Dresden, den 1. Januar 1915.
Gustav Kretzschmar, Rechnungsführer.
Richard Zeumer, Otto Bang-Haas, Rechnungsprüfer.
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Entomologischer Verein „Iris“ in Dresden.
Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben
Einnahmen.
im Jahre 1914.
An Kassenbestand am 1. Januar 1914 . .
Beiträgen z. Tafeln, Püngeler 100, — Mk.,
DraWwalens3s- Mesa
= Mitslieder-Beiträgen 2.2295
Erlös aus verkauften Zeitschriften . .
Erlös auseinseratene soo 0.
Zinsen von Wertpapieren . . .
Barentnahme aus der Allgem. Deutschen
Kredit-Anstalteee 202 wre
Barverlag des Iris-Kassiererss . . . .
Mark
Bt3
43 05
135 —
2029 02
268 | 40
28| —
125) —
300 | —
89 | 59
Mark |3018|06
Per Druckkosten und Tafeln des Iris-Ban-
dESRXVIN Se SE
„= Spesen beim 2. Siitungsiese ==>
„ Feuerversicherung der Bibliothek .
„ Aufwand für die Vereins-Vorträge ..
„ Ankaufu. Abonnem. a. div. Zeitschriften
„ Buchbinderlöhne und Drucksachen .
„ Einzahlung an d. Allgem. D. Kr.-Anst.
„ Versandspesen des XXVII. Iris-Bandes
undadiverses Ports ee
Mark
Ausgaben.
Mark | Pf.
1639 | 11
6 —
11/70
194 | 53
301806
1915, 1. Januar. Per Guthaben des Iris-Kassierers Mark 89.59. °
Dresden, den 1. Januar 1915.
Gustav Kretzschmar, Rechnungsführer.
Richard Zeumer, Otto Bang-Haas, Rechnungsprüfer.
Vorstand
des Entomologischen Vereins „Iris” zu Dresden.
Vorsitz.: Hofrat Prof. Dr. phil. K.M. Heller, Dresden, Franklinstr. 22.
Stellvertr.: Dr. phil. P. Denso, Hellerau b. Dresden, Auf d. Sande.
Schriftf.: Bausekretär Ad. Winckler, Dresden A., Bayreutherstr. 2.
Stellvertr.: Dr. jur. G. Heusinger, Dresden N., Grosse Meissnerstr. 2.
Rechnungsf.: Kaufm. G. Kretzschmar, Dresden, Bismarckplatz 6.
Bücherwart: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Redakteur: Dr. med. H. Walther, Dresden N., Böhmertstrasse 4.
Stellvertreter: Dr. med. P. Husadel, Königsbrück i.Sa., Markt 13.
Sitzungen: Mittwochs 8'/a Uhr abends im Hauptrestaurant des
Zoologischen Gartens. Gäste stets willkommen,
Neuanmeldungen von Mitgliedern werden an den Vorsitzenden
erbeten.
Der jährliche Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist
in den ersten drei Monaten eines jeden Vereinsjahres zu
zahlen (an den Rechnungsführer G. Kretzschmar).
Den Herren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu zahlen vergessen
haben, wird das zweite (Anfang Juli erscheinende) Heft gegen Nachnahme
des Beitrages, zuzüglich der Portokosten, zugesandt (soweit nach den
betreffenden Ländern Nachnahme zulässig ist).
Die Zeitschrift erscheint in Vierteljahrsheften.
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte können nur
innerhalb der Frist eines Jahres, vom Erscheinen dieser
Hefte an gerechnet, berücksichtigt werden. x
4 .
Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren Hefte und
Sonderdrucke unserer Zeitschrift zu halben Preisen mit Aus-
nahme von Band I, Heft 1—3, und Band VIl und VIII, welche
vergriffen sind. Anfragen sind an den Bücherwart (E. Möbius,
Dresden-Fr., Schlachthofring 3) erbeten.
:
Die Gross-Schmetterlinge der Erde. |
in Verbindung mit bedeutenden Gelehrten der Entomologie
herausgegeben von Professor Dr. Adalbert Seitz,
vollständig in ca. 530 Lieferungen oder in 16 Bänden,
erscheint in deutscher, englischer und französischer Sprache.
Das Werk umfasst 2 Hauptteile:
I. Hauptteil: palaearktische Fauna
vollständig in etwa 125 Lieferungen ä Mk. 1.—.
Band I Tagfalter, gebd. Mk. 60.—.
Band II Spinner und Schwärmer, gebd. Mk. 45.- .
Band III Eulen, gebd. Mk. 55.—
Band IV Spanner, gebd. Mk. 40.—.
Il. Hauptteil: exotische Fauna
vollständig in ca. 460 Lieferungen ä Mk. 1.50.
Band V—VIII amerikanische Fauna, ca. 140 Lieferungen
Band IX—XII indo-australische Fauna, ca. 170 Lieferungen
Band XIII—XVI afrikanische Fauna, ca. 90 Lieferungen.
Die Einteilung der einzelnen Bände entsprechend dem I. Hauptteil.
Nach Erscheinen eines Bandes erhöhen sich die Preise um ca. 15°),
Als Band XVIl wird ein Suplementband erscheinen, der Morpho- .
logle, Biologie, Geographie und wichtige Ergänzungen des
Hauptteiles behandelt.
In beiden Hauptteilen werden auf ungefähr 1000 Tafeln rund 4000
Falter in vorzüglich kolorierten, naturgetreuen Abbildungen dargestellt.
Sämtliche Bände und Faunen des Werkes können einzeln be-
zogen werden.
Genau nach dem Seitz’schen Werke bearbeitet erscheint im
gleichen Verlage eine. vollständige
Etiketten-Liste,
deren Ausgabe zunächst nur für den Palaearktenteil vorgesehen ist
und in einzelnen Blättern mit ca. 156 Namen erfolgt.
Für jeden ernsteren Sammler, für Bibliotheken und Institute N
sind unentbehrlich die vereinigten entomologischen Blätter:
Entomolog. Rundschau — Insekten-Börse — || |
Societas entomologica. NT
Abonnementspreis nur Mk. 1.50, Ausl. 2.— bei 14täg. Erscheinungsweise.
‘Prospekte, Probetafeln und Probenummern versendet kostenlos der
diuttgarl, Verlag des Seitz'schen Werkes (Alfred Kernen),