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NOV 301929
Deutsche
Entomologische Zeitschrift
„Lris”
herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Band XXXI Jahrgang 1917.
(mit 2 Tafeln und 2 Bildnisbeilagen.)
Schriftleiter: Dr. H. Walther.
%
Dresden 1917.
Verlag des Entomolog. Vereins „Iris“.
In Kommission bei R. Friedländer & Sohn.
Berlin, Carlstrasse 11.
Druek von Oskar Hensel, Gottesberg.
Inhalts-Uebersicht
des XXXlI. Bandes 1917.
Seite
Auerbach,M. Grosse Stiftung für das Grossh. Naturalienkabinett
zu Karlsruhe. . . 0 0.2..98—60
Cretschmar, M. Zur ee. von 1 Onlkenla (Saturn Schrk.)
boisduvali Ev. . . N: 1
Denso, P. Zum Gedächtnis Mer Stande DR RL Se 2 Ve
Fruhstorfer, H. Neue palaearktische Lycaeniden . . . .„ 24-43
rr „ Altes und Neues über Erebien . . . . 43—56
r «s Monographische Uebersicht alter und neuer
Erebia-Formen. . . 2 A a a ee
Heller, K. M. Heinrich Dalbkdit re 20 A
Lange, E. Agrotis collina Bdv. und ihr Vorkommen im sächsi-
schen Erzgebirge . . . a ae 2 rt
Möbius, K. Agrotis lorezi a in Deutschland tee 450
= „./, Robert Seller Tu‘. » 2
Schütze, K. T. Argyrestia Deal . : 4-23
Stauder, H. Colias crocea mediterranea Stdr. . . 2. 2... 69-83
Stichel, H. Abermalige Begründung des Namens Limenitis
rivularis Scop. für Limenitis camilla autorum . . . 56--58
Bücherbesprechung . . . . a Ian = borund 134
Zugänge zur Bücherei 1. Januar — 15. Neranker 1917 65 - 68
und 135—136
Vereinsnachrichten . . . 2000. . 186—144
Alphabetisches Verzeichnis do in sr Danke! besohrtebenke
neuen Formen '% ..11.7?... a0 = ae. a IDEAL TEEN
Doppelheft 1/2 erschien am 1. Juli 1917, Doppelheft 3/4 am 1. Februar 1918
Deutsche
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-_ Entomologische heitsel raskıonı.
BHIPEB KUASS
„Lris”
herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Jahrgang 4917. Erstes und zweites Heft.
1. Juli 1917.
#
Sehriftleiter: Dr. H. Walther.
‚Preis für Nichtmitglieder des Vereins; 8 Mark.
In Kommission bei
R. Friedländer & Sohn
Berlin, Carlstrasse 11.
Druck von Oskar Honsel, Gottesberg,
2
Inhalts-Uebersicht.
Aeller, K. M. : Heinrich ‚Onlberla 4 = 2 ma are ra
Schütze, KIT, (Argyresthia illuminatella . . 2 2 222.2 4-8
Fruhstozfer, A Neue palasarktische Lycaeniden . . . 24—45
. » Altes und Neues über Erebin . . . 2... ..43—-56
Stichel, H. Abermalige Begründung des Namens Limenitis
rivularis Scop. für Limenitis camilla autorum . . . . 56-58
‚Auerbach, M. Grosse Stiftung für das Grossh. Naturalienkabinett
zu Karlsruhe . . ER EEE TDBEN
Denso, P. Zum Gedächtnis Max Stande EBENE EU a en 5,
Bücherbesprechung . . . ER A a,
Zugänge zur Bücherei seit 1. anaar. 1917 BEER RN AN 0 er.)
In allen Angelegenheiten der Schriftleitung (Manuskripte, TafelA,
Bücherbesprechungen, Korrekturen usw.) bittet man, sich an den Schrift-
leiter Dr. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstrasse 4 zu wenden. Die
Verfasser erhalten 25 Sonderdrucke kostenfrei, nach Vereinbarung (bei
Einsendung des Manuskriptes) auf Wunsch mehr. Für die Form und
(den Inhalt der in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze sind die
Autoren allein verantwortlich.
Vorstand
des Entomologischen Vereins „Iris” zu Dresden.
Vorsitz.: Hofrat Prof. Dr. phil. K.M. Heller, Dresden, Franklinstr. 22.
#tellvertreter: Rentner R. Seiler, Blasewitz, Schillerplatz 5 I.
Schriftf.: Bausekretär Ad. Winckler, Dresden A., Bayreutherstr. 2-
Stellvertr.: Dr. jur. G. Heusinger, Dresden N., Grosse Meissnerstr. 2.
Rechnungsf.: Kaufm. G. Kretzschmar, Dresden, Bismarckplatx 6.
Büächerwart: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Schriftl.: Dr. med. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstrasse 4.
Stellvertreter: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Sitzungen: Mittwochs 81/, Uhr abends im Hauptrestaurant des
Zoologischen Gartens. Gäste stets willkommen,
Nenanmeldungen von Mitgliedern werden an den Vorsitzenden
erbeten.
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Heinrich Wilhelm Calberla 7. 1
Heinrich Wilhelm Calberla f.
(mit Bildnis).
Dreissig Jahre lang konnte die Mitgliederliste unseres Ver-
eins den in Dresden angesehenen Familiennamen Calberla führen,
da dessen am 8. September 1916 im Alter von 77 Jahren ver-
storbener Träger, Heinrich Wilhelm „der junge Calberla“, wie
er im Gegensatz zu seinem, im 97. Lebensjahr 1906 verstor-
benen Vater“) im Stadtmund genannt wurde, nicht nur einer der
gehorsamsten Söhne, sondern auch ein eifriger Lepidopterologe
war, der sich durch seine verdienstlichen Veröffentlichungen
eine bleibende Erinnerung in entomologischen Kreisen gesichert
hat. Seine Wiege stand im buchstäblichen Sinne des Wortes
an der Elbe Strand, in der Calberlaschen Zuckersiederei, dem heu-
tigen Hotel Bellevue, das seitdem der Brennpunkt des internationalen
Hotelverkehrs in Dresden geworden ist und in seinen Mauern
bereits durch sechs Jahrzehnte hindurch die Spitzen der Adels-,
Finanz-, Künstler- und Gelehrtenkreise beherbergt. Seine erste
Erziehung genoss Calberla in der Vaterstadt, dann besuchte er
die eidgenöss. landwirtschaftliche Cantonalschule in Zürich und stu-
dierte endlich Cammeralia in Jena. Gleich einem jüngeren,
1878 in Mentone als Privatdozent an der Universität Freiburg
i. Br. verstorbenen Bruder, einem vielversprechenden Anatomen
und Embryologen, interessierte sich unser Calberla schon von
Jugend auf für Naturwissenschaften und eine Gesteinsammlung,
die er sich anlegte, war die erste Betätigung auf diesem Gebiete;
später wandte er sich mit grossem Eifer der Botanik zu, und
war Jahre hindurch als praktischer Landwirt in Sachsen und
Preussen tätig. Sein bis zu seinem Lebensende dauerndes
und niemals versiegendes Interesse schenkte Calberla jedoch
den leichtbeschwingten Kindern der Sonne, den Lepidop-
teren. C. E. Venus (f 1889) und Dr. Staudinger (7 1900)
mit denen er in Freundschaft verbunden war, verdankte er bei
seinen lepidopterischen Studien ebenso vielerlei Anregungen wie
unserem jüngst verstorbenen Ehrenmitgliede Prof. Dr. M. Stand-
*) Von diesen, Gustav Moritz C., der gleich seinem betriebsamen
und weitblickenden Vater Heinrich Wilhelm © 1836) ein tüchtiger Kauf-
mann war und gemeinsam mit letzterem nicht nur die erste Zucker-
raffinerie in Sachsen baute, sondern 1835. auf eigene Kosten das erste
Dampfschiff zwischen Hamburg und Dresden verkehren liess. (Vergl.
Dresdner Geschichtsblätter XXV, 1916 p. 164—174) und nebenbei noch
Zeit fand unter H. G. L. Reichenbach fleissig zu botanisieren, hat wohl
unser Calberla die grosse Liebe zur Natur ererbt.
9 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
fuss, mit dem er (1882) gemeinsam Sammelexkursionen in den
Abbruzzen unternahm. (Plusia calberlai Standfuss, Ha-
dena (Mamestra) calberlai Stgr.!) Ausserdem sind ihm zu
Ehren benannt: Caradrina calberlae Failla-Ted., Phala-
cropterix calberlae Heyl. und Poecilocampa calberlae
Ragusa. Im Jahre 1873 hatte nämlich Calberla eine Besitzung bei
Rom, in Monterotondo, in der römischen Campagna, erworben, die
ihm neben dem dert mit Eifer betriebenen Weinbau die Mög-
lichkeit bot, die bis dahin lepidopterologisch noch wenig er-
forschten Albaner und Sabiner Gebirge sowie die Abruzzen,
wiederholt zu durchstreifen. ]In diesen unwirtlichen, teilweise
von Banditen unsicher gemachten Gegenden, hielt er sich tage-
und wochenlang sammelnd auf. Seine Anspruchslosigkeit und
Genügsamkeit, sowie die Beherrschung des Italienischen gleich
seiner Muttersprache, befähigten ihn, so Gebiete zu durchforschen,
die deutschen Sammlern bisher so gut wie verschlossen waren.
In den letzten Jahren war dabei meist Otto Sohn-Rethel
sein treuer Begleiter; mit ihm, dem soviel Jüngeren, ver-
band ihn eine innige Freundschaft, die von Jahr zu Jahr
um so mehr gefestigt wurde, als Calberla unverheiratet blieb
und sein unter italienischer Sonne gelegenes Besitztum seine
zweite Heimat geworden war, in der er einen grossen Teil jedes
Jahres zubrachte. Seine Hin- und Rückreisen haben dem Ver-
storbenen oft Gelegenheit gegeben, in den verschiedensten Ge-
genden der Alpen zu sammeln, u. a. auch einmal (1896) in
Gesellschaft unseres Mitgliedes O. L. Kummer (f 1911) und
E. Riedel in Madona di Campiglio: vorübergehend wurde auch
im Riesengebirge (1906) und im Harz (1905) von ihm gesam-
melt. Längeren Aufenthalt nahm er wiederholt in Veldes am
Veldessee (Krain), während ihn 1889 ein Reise nach Sizilien führte,
über deren Sammel-Ergebnisse eine Veröffentlichung vorliegt.
Auf seinen, in den 1860er Jahren mit dem bekannten
Forschungsreisenden und Geologen Dr. Alphons Stübel, mit dem
er seit seiner Knabenzeit befreundet war, unternommenen Reisen
nach den Orkney- und Shettland-Inseln sowie nach Frankreich
bis Nordspanien und. Italien scheint er entomologisch noch
nicht gesammelt zu haben. |
Seine sorgfältig geordnete und vorzüglich erhaltene Samm-
lung von Grosschmetterlingen, die von den Erben in hoch-
herziger Weise als Calberla-Stiftung dem Kgl. Zoologischen
Museum in Dresden überwiesen wurde, (die Kleinschmetter-
linge und Dubletten erwarb Amtstierarzt E. Möbius) ent-
hält, ausser den reichen Ausbeuten, die Calberla selbst
.
Heinrich Wilhelm Calberla +. 3.
heimgebracht hat, unter ihren 24000 Stücken in ungefähr
2000 benannten Formen u. a auch die käuflich erworbene
Sammlung von dem Wiener Entomologen Emanuel Pokorny*)
und die Ausbeute Dr. Alphons Stübels aus Palästina und
Syrien. Sie ist reich an Erebien und Zygaenen, für die sich
der Verstorbene besonders interessierte, enthält aber ausserdem
viele Seltenheiten aus den verschiedensten Familien. Es ist
um so dankbarer zu begrüssen, dass die Sammlung in Dresden
eine bleibende Stätte gefunden hat, als die meisten und wich-
tigsten Veröffentlichungen Calberlas in der „Iris“ erfolgten, deren
Mitglieder die Gewissenhaftigkeit Calberlas aus dem persönlichen
Verkehr mit ihm kannten und die daher den Wert der Samm-
lung mehr als sonst jemand zu würdigen wissen. Jahrelang
war der Verblichene, der über eine wertvolle lepidopterologische
Privatbibliothek**) verfügte, im „Pressauschuss“ und 1898 als
alleiniger Redakteur unseres Vereines tätig, ein Amt, dass der
so Bescheidene so gewissenhaft und ernst nahm, dass es ihm
manche schlaflose Stunde gekostet haben mag und er froh war,
als es ein anderer übernahm, denn trotz seines noch so ge-
winnend liebenswürdigen und heiteren Naturelles konnte oft
eine unbedeutende Sache sein südländisches Temperament in
Aufregung bringen, die aber bald wieder verflog. Eine zu-
nehmende Weitsichtigkeit, die ihm in den letzten zehn Lebens-
jahren das Studium der Schmetterlinge immer mehr erschwerte, war
Ursache, dass er sich immer mehr von entomologischen Kreisen
zurückzog — er wollte es vermeiden, immer wieder daran er-
innert zu werden, dass er sich mit seinen Lieblingen nicht mehr
beschäftigen könne und so ist er unseren jüngeren Mitgliedern
ein Fremder geblieben, die ihn nur dem Namen nach kannten.
Wer aber mit dem ehrlich nach Wahrheit strebenden gewissen-
haften Entomologen, der, mag er auch sonst vielleicht iı dem
Ruf eines Sonderlings gestanden haben, in persönliche Berüh-
rung zu kommen und seine Schlichtheit und Liebenswürdigkeit
kennen zu lernen Gelegenheit hatte, wird seine Persönlichkeit
in treuem, dankbarem Andenken im Gedächtnis bewahren.
In zeitlicher Reihenfolge angeordnet, hat Calberla folgende
entomologische Arbeiten veröffentlicht:
1886 Die Makrolepidopterenfauna der römischen Campagna und der an-
*) Ehemaliger Präfekt an der Theresianischen Akademie in Wien
und als Dipterologe bekannt.
**) Teile von dieser gingen in der eh
den Erben käuflich in den Besitz des Kgl.
Entomolog. Vereins „Iris“ über,
en Weise von
oolog. Museums und des
4 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1916.
grenzenden Provinzen Mittelitaliens. Correspondenzblatt des ento-
molog. Vereins „Iris“, p. 119—158.
1888 Fortsetzung des Vorigen, daselbst, p. 220—272 (mit 1 Tafel).
1890 Schluss von vorigem, daselbst, p. 980972 (mit 1 Tafel).
1889 Elenco dei lepidotteri raccolti in Sicilia nel giuno e luglio 1889.
Naturalista Sieiliano IX, 1889 p. 42.
1891 Verzeichnis der von Herrn Dr. Alphons Stübel in Palaestina und |
Syrien gesammelten Lepidopteren, darunter 3 neue Arten. Deutsche _
entomologische Zeitschrift „Iris“, p. 33—52
1893 Eubolia sparsaria Hb. in Ober-Italien aufgefunden, daselbst
p. 153— 158.
1895 Ueber einige transalpine Zygaenen. Daselbst p. 203—228.
1896 Ueber Erebia glacialis Esp., insbesondere var. alecto Hb. und
melas Herbst, (m. 1 Tafel). Daselbst p, 377—383. -]1-
Argyresthia illuminatella Z.
Von Oberlehrer K. T, Schütze in Rachlau b. Kubschütz.
An einem schönen Frühlingstage streifte ich missmutig
durch den Wald; ich ärgerte mich wieder einmal darüber, dass
es mir nicht gelingen wollte, Argyresthia amiantella 2.
zu finden. Alle Argyresthien von Nadelholz samt ihrer Lebens-
weise waren mir bekannt, nur amiantella blieb unnahbar.
Ich hatte sie freilich schon einmal in der Sammlung gehabt,
sogar eine ganze Reihe, die Exemplare erwiesen sich aber, als
ich später glabratella Z. in grosser Menge zog, als zu dieser
Art gehörig. Auch illuminatella Z. hatte ich von Fichte,
nicht bloss eigene, sondern auch eingetauschte Stücke; dass sich
aber auch diese nach einigen Wochen als glabratella erweisen
würden, wie hätte ich das jetzt ahnen können! Wie gesagt,
mich beschäftigte nur amiantella. Da kam mir plötzlich
der Gedanke, ich könnte doch einmal auch die Weisstanne,
Abies alba, nach Argyresthien durchsuchen; konnte in den
Knospen oder Zweigspitzen' nicht ebensogut eine Art leben, wie
glabratella und certella an Fichte, laevigatella an Lärche und
dilectella an Wachholder? Gedacht, getan. Und das Glück
war mir ausserordentlich hold; nach kurzem Suchen fand ich
einige angefressene Aestchen, sie waren schon äusserlich an der
blassen Farbe der Nadeln leicht zu erkennen. Das wird wohl-
amiantella sein! Hochbefrieeigt brachte ich das Gefundene
in der üblichen Weise im Zuchtglase unter und schaute jeden -
Tag einige Male nach, ob sich die Falterchen nicht bald zeigen
würden. Da endlich, nach mehreren Wochen, sass auf einem
der Aestchen ein schönes grosses Weibchen, nach einigen Tagen
kam noch ein Männchen, und damit war es für diesmal genug.:
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella Z. 5
‘Aber die Falterchen waren garnicht amiantella, sondern, wie
mich Heinemann belehrte, Arg. illuminatella Z.
Ich neigte nun zu der Ansicht, dass amiantella ein
Fabelwesen, eine nur in den Büchern existierende Art sei, habe
- aber dem Tierchen Unrecht getan; denn in Staudingers Samm-
lung sah ich später eine ganze Reihe leibhaftige schöne, mit
keiner anderen Argyresthie zu verwechselnde Exemplare dieser
‘ Art. | |
Also in Tannenästchen, Albies alba, lebt die Raupe von
‘Arg. illuminatella, und, wie ich nun überzeugt bin, ausschliess-
lich in diesen. Das hat bisher kein Mensch gewusst, und doch
macht jeder schriftstellerisch tätige Sammler Angaben über die
Lebensweise genannter Raupe. Ich kann mirs nicht versagen,
einige dieser Angaben hier anzuführen. Es schıeiben:
Ratzeburg, die Forstinsekten, 1840:
Blastotere bergiella Ratzeb. Fichtenknospen-
motte. Räupchen in den Knospen der Fichte. Hier scheint
es erst das Innere der Seitenknospen und zuletzt das der
Endknospe auszufressen. Wenn die Knospen an der Spitze
des Triebes nicht hinreichen, um die Raupe bis zur Ver-
wandlung zu ernähren, so frisst sie sich abwärts einen
Gang im Baste des Stengels, keineswegs aber in der Mark-
röhre, die man nie ausgefressen findet. Das Ausfliegen
findet wahrscheinlich an der Spitze der Knospe statt, so-
bald sich die Schuppen bei der Sonnenwärme zurückbiegen.
Herr #axesen fand sie wenigstens nach dem Ausfliegen
häufig zurückgebogen. Die Flugzeit ist E. 6 u. A. 7.
Herr Saxesen, dem ich diese interessanten genauen
Beobachtungen verdanke, fügt ihnen noch folgendes hinzu:
Auffallend ist es, dass man schon ganz früh im Frühlinge,
während die meisten Raupen noch unverpuppt sind, an
der Basis einer der unmittelbar unter der Endknospe
sitzenden Seitenknospen, selten etwas tiefer, in der Rinde
des Triebes häufig eine kreisrunde oder auch zusammen-
gedrückte Oeffnung findet, ähnlich dem Bohrloche eines
kleinen Käfers. Die Endknospe ist dann immer nebst den
Seitenknospen ausgefressen wie gewöhnlich, allein es ist
meist kein Tier und nur zuweilen eine Raupe oder Puppe
darin zu finden. Manchmal sind die Knospen auch leer,
wenn die Oeffnung nicht da ist, Die Entstehung der letz-
teren ist also sehr rätselhaft. Das Eingangsloch des Räup-
chens kann es nicht sein, denn das lässt sich fast immer
durch Verfolgung des Raupenganges an einer anderen Stelle
6 Deutsche Entom. Zeitschrift [ris. Dresden 1917.
nachweisen, ist auch äusserlich nicht sichtbar. Wenn es
das für den Falter vorbereitete Flugloch wäre, so müsste
es immer vorhanden sein, Das Flugloch eines Schmarotzers
‚kann es auch nicht wohl sein, da sich noch Raupen und
Puppen öfters neben demselben finden. Wahrscheinlich
ist es, dass neben der Mottenraupe die Larve von irgend
einem anderen Insekt, etwa eines Rüsselkäfers, in den
Knospen haust und aus diesen im Herbst herausgeht, um
sich in der Erde zu verpuppen.
Heinemann, die Schmetterlinge Deutschlands und der Schweiz,
1870:
In den Knospen der Pinusarten.
Schmid, Lepd.-Fauna der Regensburger Umgegend:
In den Knospen der Fichten und Föhren.
Frey, die Lepidopteren der Schweiz, 1880:
In den Knospen der Nadelhölzer.
Rössler, die Schuppenflügler des Regierungsbezirks Wiesbaden,
1881:
Lebt und verwandelt sich nach Kaltenbach in den Knospen
der Tannen.
Sorhagen, die Kleinschmetterlinge der Mark Brandenburg, 1886:
Raupe und Puppe, wie die von dilectella und zur selbigen
Zeit an Juniperus.
Reutti, Lepidopteren-Fauna Badens, 1898:
In den Knospen der Pinusarten.
Stange, die Tineinen der Umgebung von Friedland i. Mecklb.,
1899:
Die Raupe lebt 4 an Fichten genau ebenso, wie laevigatella
an Lärchen und verrät ihre Anwesenheit meist dadurch,
dass die Nadeln der bewohnten Zweigspitzen vertrocknen,
doch glaube ich sie auch in den a an gefunden zu
haben.
Spuler, Kleinschmetterlinge Europas, 1913:
Raupe in Knospen und Zweigspitzen von Abies alba.
Die meisten dieser Angaben beruhen sicher nicht auf eigenen
Wahrnehmungen, sondern sind auf Ratzeburg zurückzuführen.
Aber Ratzeburg hat die echte illum inatella Z. garnicht
gekannt; in seiner Blastotere bergiella vereinigt er zwei,
später von Zeller aufgestellte Arten: glabratella und certella.
In der Beschreibung der Lebensweise der Raupe, wie er sie
nach Saxesens Beobachtungen gibt, deuten die Worte „in der
Rinde des Triebes eine kreisrunde Oeffnung“ auf glabratella,
die Worte „zusammengedrückte Oeffnung“ auf certella. Ich
K. T. Schütze, Argyresthia illuminatella Z. {
——
komme darauf später noch einmal zurück.
Spuler ist der einzige, der eine der Wirklichkeit entspre-
chende Angabe bringt, doch fusst er nicht auf eigenen Beob-
achtungen, sondern auf Mitteilungen meines Freundes Disque in
Speyer, und Disque war über die Lebensweise durch mich un-
terrichtet.
Auch Rössler nennt als Nahrungspflanze die Tanne; wenn
man aber seine Angaben über die übrigen an Nadelholz lebenden
Raupen nachprüft, dann wird ohne weiteres klar, dass er mit
„lanne“ nicht die Weisstanne, Abies alba, meint, sondern die
Rottanne oder Fichte, Picea excelsa.
Stange ist der einzige, der nach eigenen Beobachtungen
über die Raupe schreibt. Auf meine Bitte schickte er mir eine
Anzahl bewohnter Fichtenästchen, aber ich sah sofort an den
Fluglöchern, dass darin nicht illuminatella sondern gla-
bratella lebte; tatsächlich kam auch diese Art heraus.
Woher Sorhagen seine unglückselige Angabe bezogen hat,
ist mir ganz unerklärlich.. In seinem Buche scheint die Be-
merkung: Friedland, im Juni — auf Prof. Stange als Gewährs-
mann hinzuweisen, letzterer aber schreibt von dilectella:
Raupe 4,5 in Wachholdernadeln minierend, welche sich dadurch
entfärben, — was allerdings auch nicht der Wirklichkeit ent-
spricht. Weiter bringt Sorhagen die Bemerkung: Beschreib.
Ratzeb. Forstins. Il, 246 — aber dort wird doch die Raupe in
die Knospen und Zweigspitzen der Fichte verwiesen.
Die Raupe von illuminatella FR. lebt, wie schon gesagt,
in den Zweigspitzen der Weisstanne, Abies alba. Ich finde sie
in der Hauptsache an jungen Bäumen. die im Laubgebüsch
eingesprengt stehen, doch auch auf solchen, die im hohen Nadel-
walde den Unterwuchs bilden. Sie kommt aber auch auf alten
Tannen im Hochwalde vor; denn an den Fenstern meines Dach-
bodenraumes, wo im Frühjahr Tannenreisig vom Holzschlage
aufgeschichtet worden war, traf ich regelmässig einzelne Falter.
Ausserdem finde ich ab und zu auf dem Boden des Hochwaldes
ausgefressene Zweigspitzen, deren Benadelung man es ansieht,
dass sie aus grösserer Höhe stammen. Doch kommt sie durch-
aus nicht an allen Orten vor, wo Tannen in Mehrzahl stehen.
Ich habe sie manchmal stundenlang vergeblich gesucht. Auch
ist es eine Regel ohne Ausnahme, dass sie niemals an Tannen
zu finden ist, die voll von der Sonne beschienen werden; sie
liebt Schatten und Halbschatten.
Die bewohnten Aestchen kann das geübte Auge schon im
Herbste an der schwach gelblichgrünen Farbe der Nadeln er-
S Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
kennen; letztere werden im Frühjahre bei zunehmender Wärme
gelb und machen sich dann auch dem weniger Geübten leicht
bemerkbar. Das Ei wird jedenfalls an die Endknospe abgelegt,
welche selbst auch ausgefressen wird, und von hier aus höhlt
die Raupe das Aestchen aus, oft in einer Länge von 5 bis 7 cm.
Bewohnte Aestchen sind meist daran zu erkennen, dass unter
der Endknospe einige Nadeln fehlen, die äusserste Spitze also
kahl erscheint. Dieses Merkmal ist indess nicht immer vor-
handen. Von den ausgefressenen Aestchen bleibt nur die äus-
serste Rinde stehen, und der Frassgang ist dicht mit Kot gefüllt.
Bei den Herbststürmen und im Winter kommt es nun sehr oft
vor, dass durch die Last des Schnees oder Glatteises ein Teil
des Aestchens abbricht, und war es bis zur Auswuchsstelle
ausgehöhlt, dann fällt es ganz ab; .es sieht dann aus, als ob
noch die Knospe stehen geblieben wäre, aus welcher der Zweig
herausgewachsen war. Beim Suchen muss man besonders auf
diese Art von Frasstücken sein Augenmerk richten, weil man
aus solchen am sichersten den Falter zieht. Da die Zweigspitzen
der Tanne in den meisten Fällen zu dreien nebeneinanderstehen,
fällt natürlich das Fehlen der einen leicht in die Augen. Ent-
täuschungen bleiben aber auch hier nicht aus; denn gar oft
enthält die an Stelle des fehlenden Aestchens sitzende Knospe
keine illuminatelle-Raupe, sondern ist von Epiblema nigricana
angefressen oder aus einem anderen Grunde abgestorben. Das
Suchen bewohnter Aestchen liefert manchmal ein recht kläg-
liches Ergebnis, und die Zucht hat auch ihre Schwierigkeiten.
Von 50 Aestchen, die ich am 28. 4. 07 mitnahm, waren 7 mit
Puppen, 3 mit Raupen und 40 mit Schlupfwespen besetzt. Oft
bin ich allerdings glücklicher gewesen. Alle Aestchen, die Ende
April nicht abgebrochen sind, enthalten Schlupfwespen oder
tote Raupen, ebenso alle Aestchen, die an der Bruchstelle zuge-
sponnen sind, und nur aus den nicht zugesponnenen erhält man
den Falter. Ist das Aestchen schon im Herbste abgefallen, so-
lange die Raupe noch beweglich ist, dann wird die Bruchstelle
sofort zugesponnen. Dadurch will sich wohl die Raupe gegen
das Eindringen von Feuchtigkeit schützen. Ist sie aber im
Frühjahre erwachsen und die Zeit der Verpuppung gekommen,
dann zerstört sie das Gespinst wieder, um für den ausschlüpfen-
den Falter den Wag freizumachen. Ich habe bisher Hunderte
von Aestchen genau untersucht, aber noch niemals ein von der
Raupe genagtes Schlupfloch für den Falter gefunden, und wo
ich ein solches zu sehen glaubte, war es Täuschung und erwies
sich stets als die Ansatzstelle einer abgefallenen Nadel.
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella Z. 1)
Die Raupen, welche teils erwachsen, teils halbgross über-
wintern, haben ausser von Schlupfwespen auch von Vögeln zu
leiden, welche viele Aestchen aufhacken. Die erwachsene Raupe
reinigt das übrig gebliebene Zweigstück von allen Exkrementen,
fertigt am Grunde der Frassröhre eine glatte Puppenwohnung
und schliesst diese oben mit einem weissen Gespinstdeckel ab.
Hier verwandelt sie sich in eine gelbliche Puppe, deren Kopf
und Flügelscheiden rotbraun sind. Von allen anderen Argy-
resthien-Puppen zeichnet sie sich durch eine scharfe Längs-
wulst auf dem Kopfe aus, welche sich auf dem
Thorax schwach fortsetzt. Ausserdem trägt der Kopf
vier kurze hornige Stacheln an der Stirn,
welche in einer Querreihe stehen. Sobald die Puppe erhärtet
ist, fängt sie an, sich um ihre Längsachse zu drehen; die Kopf-
stacheln durchbohren dabei den Gespinstverschluss, und nach
wenig Tagen ist dieser bis auf die Ränder verschwunden, und
für den Falter ist das Schlupfloch fertig.
Die Aestchen mit Puppen steckt man am besten in ein
mit feuchtem Sande gefülltes offenes Glas und stellt dieses aufs
Fensterbrett, doch so, dass die Sonne nicht dazu kann. Letz-
teres ist durchaus notwendig, wie mich die Erfahrung belehrte.
Aus 43 gesunden Puppen erhielt ich einmal keinen einzigen
Falter, weil ich an einem Vormittage, nur an einem, das Zucht-
glas in der Sonne stehen liess. Gebraucht man in dieser Hin-
‚ sicht die nötige Vorsicht, dann schlüpfen die Falter leicht.
Leider sind diese äusserst träge und kurzlebig. Ich habe schon
viele Argyresthien gezogen, aber eine derartige Trägheit ist mir
bei keiner Art vorgekommen. Der ausgeschlüpfte Falter bleibt
bis zur Entwickelung und Erstarkung der Flügel an der Spitze
des Aestchens sitzen; manche verlassen diesen Platz überhaupt
nicht, sondern lassen sich nach wenigen Stunden aufs Fenster-
brett fallen, wo sie zunächst ruhig sitzen bleiben, nach einiger
Zeit aber in die Rückenlage übergehen, sich sehr bald abreiben
und in den späteren Nachmittagsstunden als unbrauchbare Lei-
chen alle Beine von sich strecken. Einige fliegen nach der
nahen Fensterscheibe, bleiben indess nur selten längere Zeit
an derselben sitzen, fallen vielmehr sehr bald ermattet herab,
natürlich wieder auf den Rücken. Wer vormittags Zeit hat,
dem empfehle ich, jeden einzelnen Falter, sobald er entwickelt
‚ist, in ein Probiergläschen zu tun und mit dem Töten nicht
lange zu warten.
Die Raupe ist 5 mm dakepı wenig glänzend, der Kopf
' schwarzbraun, glänzend, mit tiefer Teilungslinie, beiderseits mit
Deutsche Entomologische ee „Iris“ herausgegeben vom Entomologischem
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 19 I
10 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
einem verloschenen rotbraunen Fleck, der oft auch fehlt; Gebiss
rotbraun, Nackenschild klein, glänzend grau, hinten schwarz;
Afterschild klein, rund, glänzend grau. Jeder Körperring ist
durch eine vertiefte Querlinie geteilt, an den Seiten faltig.
Wärzchen sind nicht sichtbar, nur einzelne kurze Härchen,
welche auf Kopf und Nackenschild deutlicher sind. Die Brust-
füsse sind schwarz geringt, die Bauchfüsse ziemlich verkümmert,
die Afterfüsse ebenfalls wenig ausgebildet, aussen mit schwarzer
Einfassung.
Das Schicksal der Raupe teilt auch der Falter: er ist eben-
sowenig bekannt und wird in gleichem Masse verkannt wie diese.
In vielen Sammlungen stecken jetzt echte illuminatella; ich
möchte behaupten, dass die meisten direkt oder indirekt von
mir stammen. Früher hielt man glabratella Z. und cer-
tella Z. dafür, und ich habe im Tausch stets nur diese für
illuminatella erhalten, einmal auch laevigatella H.S.
(oder atmoriella Bnks.). Alle meine Tauschfreunde bestätigten
mir, dass sie echte Exemplare bisher nicht gekannt hätten.
So schrieb mir der leider zu früh verstorbene Dr. Hinneberg-
Potsdam: „Das sind ganz andere Tiere als meine von Prof.
Stange erhaltenen illuminatell.a“. Und doch hatte, wie
mir s. Z. Prof. Stange mitteilte, kein Geringerer als Prof. Zeller
die Friedländer glabratella für illuminatella erklärt.
Zeller hat also, wenn er sie überhaupt gekannt hat, illumi-
natella nicht sicher unterscheiden können; er ist ja auch
bloss der Stiefvater dieser Art. Davon später. Die Verwirrung
wird noch gesteigert durch Prof. Stanges Angabe in seinen
„Microlepidoptera der Umgebung von Friedland i. Mecklb.“ hei
glabratella: „Unter illuminatella (also glabratella)
schlüpfte ein Falter 7. 6. aus, der von Herrn Dr. Rebel in
Wien für diese Art erklärt wurde“. Das Wiener Hofmuseum
besass also damals auch noch keine echte illuminatella.
Ich fuhr dann nach Blasewitz und stöberte‘ Staudingers Samm-
lungen durch. In seiner Privatsammlung war unter den zahl-
reichen Exemplaren keine echte illuminatella, in der Tausch-
sammlung endlich fand ich sie. Meine Freude war nicht gering.
Aber Herr Bang-Haas jun., der die Güte hatte, mir alles Ge-,
wünschte zu zeigen, sah mich eigentümlich an und meinte:
Sind die Exemplare nicht etwa von Ihnen? Und so wars in
der Tat. Also auch der grosse Staudinger hat sich zur letzten
Ruhe begeben, ohne illuminatella gekannt zu haben. Dann
schrieb ich an Prof. Dr. Götschmann in Breslau, welcher illu-
minatella von mir hatte und bat ihn, in Wockes grosser
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella Z. il
nn
Sammlung nach dem Schmerzenskinde Umschau zu halten. Ich
erhielt den Bescheid, dass sich daselbst eine Anzahl anschei-
nend echter Exemplare, ich glaube aus dem Glatzer Gebirge,
dazwischen aber auch zweifellose glabratella als illu-
minatella befinden. Eine andere briefliche Mitteilung Götsch-
manns lautet: „Wocke hatte mir vor vielen Jahren einige von
mir gefangene Argyresthien als Illuminatella bestimmt. Das
Bild dieser Falter hat sich mir eingeprägt, und daraufhin glaubte
ich einige der bei Obernigk gefangenen Stücke als diese Art
ansprechen zu dürfen. Ich habe nun später zwei von Ihnen
herrührende via Guben bezogene illuminatella in die Sammlung
eingereiht. Dabei fand ich, dass die von Wocke bestimmten
Stücke zu den Ihrigen nicht passen wollten. In der Färbung
ja, aber der weisse Kopf fehlt“. Es war demnach auch Dr.
Wocke nicht gelungen, illuminatella und glabrätella
sicher zu unterscheiden.
Wie ist nun dieser heillose Wirrwarr entstanden ? Ich
glaube, dass in erster Linie die Unkenntnis der Lebensweiae der
Raupen von den einfarbigen Argyresthien daran schuld: ist,
Wer die in Frage komrnenden Arten jemals gezogen hat, der
wird sie, dann auch gefangene Stücke, immer mit Sicherheit
- unterscheiden können, bei letzteren natürlich vorausgesetzt, dass
sie nicht zu stark abgeflogen sind. Die Lebensweise der Raupen
war aber bei Aufstellung dieser Arten nicht bekannt und ist
noch jetzt für manchen Sammler ein Buch mit sieben Siegeln.
Dazu kommt noch, dass man auf die Einfarbigkeit der Falter
zu grosses Gewicht legte und nicht in betracht zog, dass jede
Art, wenigstens in frischem Zustande, in verschiedenen Farben-
tönen vorkommt. In dieser Hinsicht fordert besonders glabra-
tella zu Verwechselungen geradezu heraus. Ich habe viele
gehabt, die weisslich aussahen, ohne jede Spur von Grau; diese
habe ich in der Unschuld des Anfängers damals für amian-
tella gehalten. Die meisten Stücke haben freilich die vorge-
schriebene graulichweisse Färbung, ich habe aber auch mehrere
gezogen, die ganz dunkelgrau, fast schwärzlich, aussahen. Auch
bei illuminatella und laevigatella kommen hellere
und dunklere Farbentöne vor, und von certella habe ich
nicht selten Falter gezogen, deren Flügel einen viel schwächeren
Glanz aufwiesen. Auf die Variabilität der Arten ist aber in
keiner Beschreibung Rücksicht genommen, und aus diesem be-
dauerlichen Mangel wird sich somanche falsche Bestimmungerklären.
Dass dem Autor, der die erste Beschreibung von illumi-
natella gab, echte Exemplare vorgelegen haben, darf man an-
12 Deutsche Fintom. Zeitscarift Iris. Dresden 1917.
nehmen. Der Vater der Art ist aber nicht Zeller, sondern
Fischer von Roeslerstamm hat sie benannt. Zeller selbst schreibt
in der „Isis“ von Oken 1839 illuminatella F. R., des-
gleichen in der „Linnaea Entomologica* 1847. Diese Tatsache
ist im Kataloge von Dr. Staudinger und Dr. Rebel nicht be-
rücksichtigt worden. Wie kommt es nun, dass man jetzt all-
gemein schreibt illuminatella Z? Dies dürfte folgender-
massen zusammenhängen: Am Schlusse seiner Arbeit in Isis
1839 sagt Zeller: „Der vorstehende Versuch eines Tineensystems
ist der Auszug aus einer grösseren mit Abbildungen versehenen
Arbeit, deren Bekanntmachung aber wegen gewisser Umstände
unterbleibt.“ Gemeint ist damit offenbar die Fortsetzung von
Fischer von Roeslerstamms Beiträgen zur Microlepidopterologie,
die nicht nur kurze Diagnosen, sondern auch die eigentlichen
ausführlichen Beschreibungen enthalten sollte, die aber eben nie
erschienen ist. Zeller nahm mit seinem F. R. zunächst hierauf
Bezug, schliesslich blieb aber, da ja die Publikation von F. R.
nicht erfolgte, die Autorschaft auf Zeller sitzen. Es ging das
nicht bloss mit illuminatella so, sondern z. B. auch mit Gelechia
electella und manchen anderen Arten.
Zellers Beschreibung in der „liss“ 1839 lautet: „Der prae-
cocella sehr nahe, aber die Vorderflügel fast strohgelb und
glänzender, ohne Verdunkelung des Mittelraumes, 14 Ex. am
Spitzberge (b. Salzbrunn) im Tannengesträuch im Mai und
Juni.“ Da Zeller diese Beschreibung F. R. entnimmt, kann
auch die Fundortangabe nicht von ihm selbst herrühren. Auf
das Vorkommen an „Tanne“ ist eigentlich nichts zu geben, da
Z. nirgends zwischen Tanne und Fichte unterscheidet, wohl aber
können die 14 Ex. vom Spitzberge an Tanne gefangen
worden sein, da diese bestimmt dort vorkam; es geht das aus
der Bemerkung bei fundella hervor: 15 Ex. vom Spitzberge.
Dass diese Beschreibung des Falters ganz unzulänglich ist,
wird Z. selbst eingesehen haben, er erweitert sie daruın in der
„Linnaea Entomologica“ 1847 in folgender Weise: „Von der
vorigen (praecocella) durch lebhafteren Glanz und Mangel
des rötlichen Anflugs auf den bleichocker- oder isabellgelben
Vorderflügeln sowie durch breitere Hinterflügel sicher verschieden.
— Grösse etwas wechselnd, über und unter praecocella; mein
grösstes Männchen hat fast volle 3 Linien Vorderflügellänge.
Rückenschild etwas bleich ockergelb. Kopfhaare ebenso, ohne
Glanz. Fühler weisslich und braun deutlich geringelt, beim
9 gegen die Spitze auf der Bauchseite sehr schwach gezähnelt.
Wurzelglied glänzend bleichgelb, fast zu einem Augendeckel er-
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella 2. | 15
weitert, vorn gewimpert. Gesicht glänzend. Taster von Kopf-
länge, gelblich, dünner und schlanker als bei praecocella. Beine
glänzend, schmutzig hellgeblich, nur die vorderen auf der Vor-
derseite braun. Hinterleib graugelblichh, am Bauch weisslicher.
Legestachel wie bei praecocella, ein wenig hervorstehend. —
Vorderflügel ziemlich breit, ganz einfarbig, sehr blass ockergelb
oder blass isabellgelb mit ziemlich lebhaftem Glanze. Auch
hier bildet sich auf der Querader der Diskoidalzelle eine Er-
höhung, die ein wenig Schatten wirft. Franzen weniger glän-
zend, am Hinterwinkel am hellsten. -— Unterseite graugelblich,
am dunkelsten grau am Vorderrande von der Basis aus. —
Hinterflügel gegen die Spitze merklich breiter als bei praeco-
cella, spitz, glänzend hellgrau mit blass graugelben Franzen.
— Sie lebt in Böhmen bei Nixdorf vom Mai bis zum Juli
in Kiefern- und Lärchengehölzen (F. R.), in Sachsen um Dresden,
(v. Ti.) im Harz und im Thüringerwalde auf Fichten (Btzb.),
um Frankfurt a. M. als schädliches Forstinsekt (v. Heyden),
in Schlesien am Probsthainer Spitzberg an Fichtenbüschen zu
Ende Mai und Anfang Juni nicht selten (Z.), in Livland um
Kokenhusen (Lienig). Nach Ratzeburg fällt die Flugzeit in das
Ende Juni und den Anfang Juli.“
Ich habe die Fundortsangabe mit aufgenommen, weil auch
sie meines Erachtens dafür spricht, dass Zeller illuminatella
nicht genau begrenzen konnte. Die meisten Angaben beziehen
sich sicher auf glabratella. Diese Art hätte er auch statt prae-
cocella bei der Beschreibung zum Vergleich heranziehen
sollen, da eine Verwechselung mit ihr am nächsten liegt und
immer stattgefunden hat. Dass er das nicht getan hat, scheint
ein Zeichen dafür zu sein, dass er auch mit glabratella nicht
ganz im Klaren war.
Zellers Beschreibung habe ich mit 5 d und 5 ® aus
meiner Sammlung verglichen und halte es nun für beinahe ge-
wiss, dass er echte Exemplare vor sich gehabt hat. Er erwähnt
allerdings nicht,. dass der Vorderrand der Vorderflügel von der
Wurzel aus in einer feinen Linie schwärzlich ist, was immer
ganz deutlich ist und oft bis über !/; hinausreicht. Auch gla-
bratella hat diese Verdunkelung, aber nicht so scharf ausge-
prägt.” Die Unterseite ist oft bis zur Spitze verdunkelt. Bei
manchen Stücken sind die Vorderflügel an der Wurzel deutlich
gelb und von hier aus in einem breiten Streifen am Innenrande
gelblicher als auf der übrigen Fläche. Vor allen Dingen hätte
aber Zeller die sehr blassgelbe Färbung der Kopfhaare stärker
hervorheben sollen; hier konnte er zum Vergleich auf prae-
14 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
cocella hinweisen. Er schreibt zwar: „Rückenschild etwas
glänzend, bleich ockergelb. Kopfhaar ebenso, ohne Glanz.“ Ich
habe aber 18 Ex. auf dies Merkmal hin untersucht und dabei
gefunden, dass bei 13 der Rückenschild die Farbe der Vorder-
flügel hatte, bei 4 war er nur oben blass, vorn und an den
Seiten wie die Vfl., nur bei 1 war er ganz blass. Es kommt
auch in betracht, dass bei genadelten Faltern gerade diese Stelle
fast immer mehr oder weniger gelitten hat und an Deutlichkeit
der Färbung oft viel zu wünschen übrig lässt. Dieses Zuwenig-
betonen der Kopffärbung trägt wohl auch mit die Schuld, dass
Zeller mehrfach glabratella für illuminatella hielt, was umsomehr
möglich war, als glabratella durchaus nicht immer so rein
von gelber Färbung ist, wie das Zeller mit seiner Angabe „mit
kaum erkennbarer gelblicher Beimischung“ meint. Das Gelb,
das sich bei manchen Stücken besonders am Innenrande und
um die Spitze zeigt, drängt sich nicht gerade auf, es ist nicht
viel, aber zur Verwechselung doch genug.
Nun braucht aber niemand zu denken, dass ich darauf
ausgehe, die grossen Verdienste unseres Zeller dadurch zu
schmälern, dass ich ihn der Unklarheit beschuldige. Das ist
und wird niemals meine Absicht sein, ich will einzig und allein
die Verhältnisse so darlegen, wie sie nun einmal sind und sich
nicht wegleugnen lassen, und wenn es mir nebenbei gelingt,
durch meine Beobachtungen etwas mehr Licht in das Dunkel
der einfarbigen Argyresthien zu bringen, dann ist mein Zweck
erreicht. Wer aber auf meine Darlegungen betreffs Zellers nichts
geben will, dem sei hiermit verraten, dass ich damit garnichts
Neues gesagt habe und ich will nun zu nutz und frommen et-
waiger Zweifler ein böses Kapitel folgen lassen, eine schlimme
Melodie, gesungen von englischen Forschern.
Wir erfahren z. B. durch R. Bankes, der die neuent-
deckte Arg. atmoriella Bnks. in Ent. Mo. Mag. (2) VII,
1896, p 25, 26 beschreibt, beiläufig folgendes: „Das Vorlie-
gende ist sorgfältig unter Benutzung der Sammlungen von Stain-
ton, Zeller und Frey ausgearbeitet worden. Meine Schwierig-
keiten wuchsen aber durch die Tatsache, dass die beiden
erstgenannten Sammlungen die Reihen dieser verwandten Argy-
resthien als eine unangenehme Mischung von zwei oder mehr
verschiedenen Arten zeigten, woraus folgt, dass auf dem Kon-
tinente viel Konfusion über diese Gruppe existiert und dass
grosse Vorsicht nötig ist, um nicht in Irrtum zu fallen. In
Zellers Serien von illuminatella sind drei Exemplare von
atmoriella, die Zettel tragen, welche (nach Zuhilfenahme der
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella 2. 15.
Zellerschen Korrespondenz) zeigen, dass sie im Juni und Juli
1830 bei Schönberg (Oberlausitz) im nordwestlichen Preussisch
Schlesien von Herrn Otto Torge gefangen worden sind. Herr
Torge, der sie als illuminatella übersandte, machte dabei
folgende bemerkenswerte Notiz: A. illuminatella fliegt
sowohl zwischen Pinus larix wie Pinus picea“.
Dann schreibt Lord Walsingham über die vermutliche
Arg. illuminatella Z. in Ent. Mo. Mag. (2) VII, 1896, p.
98, 99 folgendes:
„Eine nochmalige Untersuchung der Serie von illumina-
tella in Zellerss Sammlung wegen der von Erfolg begleiteten
Nachforschung nach Arg. atmoriella Bnks. hat mich davon
überzeugt, dass wenigstens drei Arten unter dem
obigen Namen von Zeller vereinigt worden sind,
Es ist ausserordentlich schwer festzustellen, welche von diesen
Arten als diejenige betrachtet werden soll, welcher Zeller ur-
sprünglich den Namen gab; jedoch tragen seine ältesten Exem-
plare 2 Namen, „illuminatella F. R.“ und den unpubli-
ziertten „glaberrima Z.“ Das Exemplar, welches von ihm
mit einem Hinweis auf seine Originalbeschreibung (Isis 1839,
205) bezettelt ist, ist wahrscheinlich dasjenige, auf welches er
sich in seiner Arbeit (Linn. Ent. II, 231, 232, 1847) bezieht,
es liegt jedoch genügender Grund vor, anzuehmen, dass er
nicht dieses Exemplar vor sich hatte, als er die
Notiz in der „Isis“ veröffentlichte, wo die in folgen-
dem angeführte kurze Beschreibung sich auf die Exemplare
seiner Serie bezieht, die den von Herrn Savage bei Forres ge-
sammelten äusserst ähnlich aussehen: „der praecocella sehr nahe,
aber die Vorderflügel fast strohgelb und glänzender, ohne Ver-
dunkelung des Mittelraumes.“
In seiner nachfolgenden ausführlichen Beschreibung weist
er acht Jahre später auf die Breite der Vorderflügel hin und
auf das Faktum, dass die Hinterflügel gegen die Spitze deutlich
breiter sind als bei praecocella, obwohl die Palpen dünner
und schlanker wären. Falls sein Typenzettel um diese Zeit an-
gebracht ist (und es ist klar durch den darauf befindlichen Hin-
weis auf Ratzeburg, dass der Zettel nicht vor 1840 geschrieben
worden ist), scheint er das breitflügeligste Exemplar seiner Serie
ausgewählt zu haben, mit welchem kein anderes als kospezifisch
betrachtet werden kann; dieses Exemplar ist bezettelt „illu-
minatella F.R. Isis 1839, 205, bergiella Ratz.“ und steht
nahe bei certella Z. und ist breitflügliger als diejenigen Exem-
plare, die ich als seine Originaltypen ansehe.
16 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Die Beschreibung von praecocella legt Gewicht auf die
rötliche Trübung der Flügel, und in einer langen Serie von
dieser Art in Zellers Sammlung sind nur 2 Stücke, bei denen
dieses nicht zu sehen ist, und diese Stücke stimmen vollständig
mit den von Herrn Salvage gefangenen überein, dagegen etwas
fraglich mit wenigstens 1 oder 2 Stücken in Zellers illumi-
natella-Serie. Da Zeller in seiner ersten Beschreibung 14
Ex. erwähnt, und da die Mehrzahl seiner Exemplare mit dem
Ex., dass das älteste Etikett trägt, übereinstimmt, während da-
gegen das als Typus bezettelte und in der Linn. 'Ent. beschrie-
bene sicher verschieden ist, müssen wir die älteren
Exemplare (die Isis-Ex.) als typische illuminatella
betrachten.“
Man sieht also, dass die Konfusion reichlich gross ist, ob
bloss auf dem Kontinent, wie Herr Bankes meint, wird uns so
lange zu bezweifeln erlaubt sein, bis uns die Engländer nicht
klipp und klar nachgewiesen haben, dass bei Ihnen in der
Kenntnis der einfarbigen Argyresthien der Himmel wolkenlos
ist. Dass das vorläufig noch nicht der Fall ist, beweist mir ein
Bericht über das Vorkommen von Arg. illuminatella in
England, überschrieben: Occurenc of Arg. illuminatella in
Britain, veröffentlicht von E. Meyrick in Ent. Mo. Mag. (2)
XVI, 1905, p. 226. Er schreibt:
„Zwei Exemplare dieses Insekts wurden mir kürzlich zur
Bestimmung von Herrn A. Sick in Chiswick gesandt, der sie
Mitte Juni bei Hailsham in Sussex fing. Die Art scheint, soviel
ich weiss, früher aus England nicht authentisch bekannt gewesen
zu sein; frühere Angaben bezogen sich auf die nun als at-
moriella Bnks. bekannte Art. Die einfarbigen Arten von
Argyresthia bieten Schwierigkeiten, die wahrscheinlich noch
nicht ganz geklärt sind, und deshalb benutzte ich bei einem
Besuch in Morton Hall die Gelegenheit, diese Exemplare mit
Lord Walsinghams Material vom Festlande zu vergleichen und
seine Meinung darüber einzuholen. Lord Walsingham und Herr
Durrant stimmten mir beide zu, dass diese Stücke zu der echten
illuminatella zu ziehen sind, und ihre Identität kann nunmehr
als gesichert gelten.
Die Art ist deutlich kleiner und gelblicher als atmoriella,
unterscheidet sich von ihr jedoch besonders durch die viel
bleicheren Hinterflügel. Atmoriella lebt auf Lärchen, illu-
minatella auf Fichten (die Art ist fraglich, vielleicht mehr als
eine). Ocnerostoma piniariella, die mit ihr verwechselt
werden kann, ist von ihr strukturell durch das reduzierte Geäder
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella Z. 17
und die kürzeren Palpen weit verschieden, auch ist sie grauer.
Herr Sick berichtet, dass die Exemplare von Pinus (die Art ist
nicht festgestellt) geklopft wurden in einem Walde, der ausser-
dem Lärchen und andere Bäume enthielt. Die Art war häufig,
wurde jedoch damals als OÖ. piniariella betrachtet, von
welcher er sie bei späterer Untersuchung verschieden fand.“
Eine Argyresthia, die mit OÖ, piniariella so grosse
Aehnlichkeit hat, dass man sie mit ihr verwechseln kann, hat
mit illuminella sicherlich nichts zu tun, es sei denn, dass
piniariella in England anders aussieht als bei uns.
Was erfahren wir nun aus den übrigen im Kataloge von
Dr. Staudinger. und Dr. Rebel angegebenen Quellen über A.
illuminatella?
Duponchel schreibt: „Länge 4!/, Linien. Die Vorder-
flügel sind oben wie unten von einem sehr leuchtenden Rötlich-
weiss, welches wie versilbert aussieht und ohne irgend einen
Flecken einschliesslich der Franzen. Die Oberflächen der .Unter-
flügel sind fast von derselben Färbung, doch etwas mehr ins
Grau ziehend. Die Fühler, der Kopf, der Körper und die Füsse
teilen die Farbe der Flügel. Herr Fischer von Röslerstamm
sandte mir 2 Stücke dieser Art, mir mitteilend, dass sie im
Fichtengehölz nicht selten ist, wo sie im Juni und Juli um die
Bäume fliegt.“ |
D. hat ohne Zweifel A. glabratella vor sich gehabt;
auch die Angabe „im Fichtengehölz nicht selten“, kann sich
nur auf diese Art beziehen.
Herrich-Schäffer schreibt: „Kopfhaare ockergelb, Vor-
derflügel silberglättfarbig (die Silberglätte sieht bekanntlich nicht
silbern, sondern etwas metallisch rötlich braungelb aus) ins
Graue ziehend, metallisch, die Hinterflügel ebenso glänzend,
weniger gelb, licht veilgrau. Raupe in Knospen der Fichte,
Lärche, Föhre.“
Ich muss bemerken, dass ich diese Mitteilung meinem
Freunde Bär-Tharandt verdanke, den ich stets als Vorspann zu
benutzen pflege, wenn ich selbst nicht mehr weiter kann. Er
hat die Notiz dem H. S.-Werke entnommen, welches mir nicht
zugänglich war. Er fügt hinzu: „Ueber die Abbildungen, die
dazu gehören, habe ich mir leider nichts notiert, vielleicht weil
sie nichts besagen. Auch ist zu bedenken, ob man bei der
Schwierigkeit der Wiedergabe solcher Färbungen, wie der obigen,
auf die Abbildungen sehr hohen Wert legen kann und nicht
vielmehr die beschreibenden Worte in erster Linie muss gelten
lassen, Dazu erleiden gerade derartige Farben durch Oxydation
18 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917
mit der Zeit Veränderungen, sodass man ihrem jetzigen Aus-
sehen nicht so ohne weiteres trauen kann. Meine Meinung ist
nun die, dass H. S. die Art so klar und unzweideutig, wie dies
nur verlangt werden kann, in Deinem Sinne beschreibt. Wer
je die eigentümlich rötlichgraue Silberglätte in Händen gehabt
hat, wird zugeben, dass die Farbe der Vorderflügel der echten
illuminatella nicht treffender bezeichnet werden konnte,
als der jener gleich.“
Ich will meinem Freunde nicht widersprechen. Ob H. S.
die echte illuminatella vor sich gehabt hat, muss ein Blick
in seine Sammlung lehren. Die Angabe „Kopfhaare ockergelb“
genügt mir nicht, zumal er sie auch bei glabratella braucht.
Freys kurze lateinische Diagnose beziehe ich auch auf
glabratella, die Angabe „capite ochraceo“ spricht nicht für
illuminatella, und er selbst meint jedenfalls die erstere,
obwohl er sie 1856 nicht aufführt. Erst 1880 verzeichnet er
sie in seinen „Lepidopteren der Schweiz“, die Angaben „ein
Ex. Mitte Juni von Bergün (Z.), dann von Trafoi (Wo)“ be-
weisen aber, dass er sie niemals selbst gefangen, und sein Be-
merk bei illuminatella „mitunter häufiger (Frey)“ kann nicht
auf diese Art bezogen werden, sondern auf glabratella.
Heinemanns Diagnose lautet: „Vfl. und Thorax glänzend,
bleich ockergelb, die Kopfhaare ockergelb“, und seine Beschrei-
bung: „Die Vfl. in der Mitte zwischen certella und glabratella,
bleich ockergelb, in Grau ziehend, an der Wurzel des Vorder-
randes etwas verdunkelt, nicht so stark glänzend wie bei certella,
auf dem Queraste mit einer schwachen Erhöhung, die Franzen
schwächer glänzend, am Ende hellgrau. Hitfl. hellgrau, bis zur
Mitte 3/,, dahinter schneller zugespitzt als bei glabratella, mit
stärker gebogenem H. R. Der Hinterleib gelblich grauweiss,
die Beine wie bei certella.“
Heinemann scheint die richtige illuminatella gekannt
zu haben; seine Bezeichnung „Kopfhaare ockergelb“ ist hier
nicht so irreführend, da er sie bei glabratella „rostgelb“ nennt.
Im übrigen ist seine Beschreibung so, dass ich seinerzeit meine
ersten Stücke mit Leichtigkeit danach bestimmen konnte. Aller-
dings kannte ich die nächstverwandten Arten ausser amiantella
schon.
Ratzeburg beschreibt seine bergiella folgendermassen:
„Die Flügel ziemlich schmal. Farben gelb und grau, etwas
metallglänzend.. Kopf mit Ausnahme der Stirn, der Mundteile
und der Fühler, welche weisslichgelb und dunkel geringelt sind,
rötlichgelb. Die lanzettförmigen Vorderflügel sowie der Halsschild
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella Z. 19
———
strohgelb. Die Franzen beginnen schon am Vorderrande des
zugespitzten Flügelendes, werden da am längsten, wo der Hinter-
rand, unmerklich gebogen, in den Innenrand übergeht. Sie
werden hier hellgrauge!b, während sie an der Flügelspitze die
Farbe der Flügel haben. Die Hinterflügel linienlanzettförmig,
zugespitzt und samt dem Hinterleibe gelblich hellgrau. Die
schon vor der Mitte des Vorderrandes beginnenden Franzen
werden gegen die Basis des Innenrandes immer länger und sind,
ebenso wie die Beine, hellgraugelb. Die ganze Unterseite hell-
grau. Die Franzen hellgraugelb.
Puppe: Flügel die Hälfte des Körpers weit überragend.
Die Fühler bis zum Ende der Flügel reichend. An der After-
wulst 4 nach vorn gewandte, feine dunkle Börstchen und 4 nach
hinten gewandte, etwas hellere und gekrümmte Börstchen.“
Aus der Beschreibung vermag ich nicht genau zu ersehen,
welche Art Ratzeburg vor sich gehabt hat, illuminatella ists
nicht gewesen. Bei der Puppe hätte er sicher auch die auf-
fallenden 4 Dornspitzen auf dem Scheitel angegeben, welche
weit mehr ins Auge fallen als die kleinen Borsten am Hinter-
leibsende und bei keiner anderen Argyresthien-Puppe gefunden
werden.
Bär schreibt mir folgendes: „Ratzeburg beschreibt seine
bergiella 1840 und meint damit offenbar, wenn seine Be-
schreibung (der Biologie zwar gut aber) das Tieres auch schlecht
ist, die nachmalige certella Z 1847. Ratzeburg ist also der
Entdecker und erste Beschreiber der Art, folgerichtig hat in
Zukunft dieselbe bergiella Rtzb. zu heissen und certella
Z. ist als Synonym dazu zu stellen. Die ganze Sache hat Z.
verfahren, der, weil er ohne die Biologie auszukommen glaubte,
in seinen Argyresthien Linn. Entomol. 1847 eine bereits be-
kannte Art (bergiella Rtzb.) unnötigerweise unter dem neuen
Namen certella beschrieb und den ersteren (bergiella) fälsch-
licherweise als Synonym zu seiner illuminatella 1839
stellte.“
Snellens Beschreibung konnte ich nicht auftreiben.
Wer nun alle diese Beschreibungen mit einem echten illu-
‚minatella-Falter vergleicht, wird sich selbst ein Urteil bilden
können, wie weit sie auf diese Art passen. Wenn es nach den
Angaben über die Raupe, die ich meist weggelassen habe, geht,
dann hat keiner illuminatella gekannt. Und die mehr oder
weniger unsicheren und falschen Angaben wären unterblieben,
wenn man die Biologie berücksichtigt hätte, allerdings eine Un-
möglichkeit, da sie, wenigstens zum grössten Teile, unbekannt
20 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
war. Wer gar keinen Anhalt hat, d. h. keine Art aus der Gruppe
der einfarbigen Argyresthien sicher kennt, der wird sich nach
wie vor nur schwer zur Klarheit durcharbeiten können. Ohne
Kenntnis der Biologie kommt man 'bei so nahe verwandten
Arten nun einmal nicht aus. Biologie ist besser als alle Be-
schreibung, und nur die Zucht ist die einzige Quelle der Klar-
heit und Wahrheit. Bei schwierigen Gruppen ist sie stets der
alleinige Ausweg gewesen. Ich denke da z. B. an die ein-
farbigen Coleophoren, deren Bestimmung nur dann keine Schwie-
rigkeiten verursacht, wenn jedem Falter der Raupensack bei-
und die Futterpflanze angegeben ist, ohne das aber in den
meisten Fällen unmöglich ist.
Vorstehendes im Auge behaltend, glaubte ich von einer
Neubeschreibung der illuminatella absehen zu dürfen; ich habe
mich bloss bemüht, durchgreifende und durchschlagende Merk-
male aufzufinden, nach denen man diese Art von glabratella
sicher unterscheiden kann, aber das ist mir nicht so gelungen,
wie ich wollte. Die Grösse lasse ich geflissentlich ausser acht,
die Farbe der Vorderflügel könnte auch irreführen; die besten
Unterscheidungsmerkmale sind Kopfhaare und Fühler, erstere
sind bei illuminatella stets blassgelb oder weisslich, letztere
scharf und bis in die Spitze hell und dunkel geringelt, während
bei glabratella die Kopfhaare mehr oder weniger rostrot,
rötlichgelb, niemals aber blassgelb sind, und die Ringelung
der Fühler ist nicht scharf und hört vor der Spitze ganz auf.
Nun noch einiges über die nächstverwandten Arten
Argyresthia glabratella Z. und certella Z.
Die Angaben Ratzeburgs über die Lebensweise der Raupe
von Blastotere bergiella veranlassen mich, über die in
der Aufschrift genannten Fichten-Argyresthien meine Wahr-
nehmungen mitzuteilen. Ich glaube damit nicht Wasser ins
Meer zu giessen; denn es herrscht zweifellos noch viel Unklar-
heit über beide Arten und ihre Naturgeschichte.
Man ist gewöhnt, die Sammler früherer Zeiten für muster-
giltige Beobachter zu halten, und in diesem Glauben will ich
mich auch durch die merkwürdigen und sonderbaren Angaben
Saxesens, wie sie bei Ratzeburg zu lesen sind (siehe bei illu-
minatella) nicht beirren lassen. Unbegreiflich ist mir aber,
dass R., der doch sonst ein scharfer Beobachter war, fremde
Angaben ohne Nachprüfung zu den seinigen machen konnte.
Saxesen kamen die Schlupflöcher an den Aestchen und am
Grunde der Knospen ganz geheimnisvoll vor. Schade, dass er
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella Z. . i
nicht einen Schritt weiter gegangen ist. Da er in den Aestchen
und Knospen manchmal Raupen oder Puppen gesehen hat,
brauchte er ja bloss einen Zuchtversuch zu machen, dann hätte
er ohne weiteres erkannt, dass aus den zweierlei Schlupflöchern
auch zweierlei nicht miteinander zu verwechselnde Falter
kommen: aus den runden Arg. glabratella Z., aus den
zusammengedrückten Arg. certella Z. Es scheint dieses
Merkmal noch garnicht bekannt zu sein, wenigstens finde
ich in keinem der mir zugänglichen Werke eine Angabe darüber,
und doch ist seine Beachtung das einfachste und sicherste
Mittel, ganz zweifellose Stücke der genannten Arten zu ziehen.
Eine Verwechselung wird dann auch den Anfängern nicht mehr
unterlaufen, selbst bei gefangenen Tieren nicht, es müsste sich
denn um ganz abgeflogene Tiere handeln, die aber nicht in die
Sammlung gehören, sondern ins Altertumsmuseum.
Im Frühjahre, wenn nach einer Reihe von warmen Tagen
der Saft zu steigen beginnt, und die Nadelholzknospen sich zum
Aufbruch rüsten, suche der Sammler jüngere Fichtenbestände
auf. Man könnte die Raupen auch im Winter suchen; denn
sie sind schon im Herbste erwachsen, aber es gibt für unsere
Augen kein Merkmal, an dem man die bewohnten Zweigspitzen
und Knospen zu erkennen vermöchte. Die Vögel aber, be-
sonders Meisen, müssen solche Merkmale haben; sie arbeiten
den ganzen Winter hindurch, und schon lange vor dem Früh-
jahre sieht man sehr viele aufgehackte Aestchen und Knospen.
Beim aufmerksamen Absuchen der jungen Fichten, sie müssen
wenigstens mannshoch sein, wird man bald bemerken, dass die
Nadeln an manchen Zweigspitzen vergilbt sind und leicht ab-
fallen, manchmal auf einer Länge von kaum 1 cm, manchmal
bis 5 cm und mehr, das richtet sich ganz nach der Stärke des
Aestchens. Man versuche diesen nadellosen Teil zu biegen,
knickt er leicht, dann ist er ausgefressen, also bewohnt. Bei
näherer Untersuchung sieht man, meist an der Knickstelle, ein
kreisrundes Löchlein, das Schlupfloch von Arg. glabratella Z.
Es ist manchmal am Grunde der Röhre, meist aber mehr in
der Mitte; zugesponnen ist es niemals. Die Puppe liegt, auch
ohne jedes Gespinnst, entweder ober- oder unterhalb desselben,
manchmal nahe daran, manchmal weit davon.
Falsch ist demnach Saxesens Angabe, dass die Raupe nur
im Baste des Aestchens lebt, „nicht aber in der Markröhre, die
man niemals angefressen findet.“*. Das ist die Lebensweise der
laevigatella-Raupe in Lärchenästchen, bei glabratella ist
aber gerade das Gegenteil der Fall. Die ausgefressenen Aestchen
22% Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
fallen aber nicht ab, wie bei illuminatella, weil die Raupe
nicht nur die äusserste Rinde, sondern auch den Bast unberührt
lässt. Prof. Stanges Angabe, dass illuminatella (soll heissen
glabratella) an Fichte genau so lebt, wie laevigatella an
Lärche, ist also auch nicht zutreffend.
Uebrigens sind die Endknospen auch ausgefressen und mit
Kot gefüllt, ein Zeichen, dass die glabratella-Mutter das Ei an
diese abgelegt und der Frass hier begonnen hat. Handelt es
sich nun um die Endknospen etwas stärkerer Aestchen, dann
kommt es nicht selten vor, dass die Raupe in ihnen genügende
Nahrung bis zur vollen Entwickelung fand und das Aestchen
nicht anzugreifen brauchte; sie lebt dann wie certella Z., aber
das runde Flugloch am Grunde der Knospe verrät allemal, dass
es sich nicht um letztere Art handelt.
Bei stärkeren Aestchen richte man seine Aufmerksamkeit
auf die Endknospen. Bei zunehmender Wärme lösen sich die
braunen Hüllschuppen und biegen sich sparrig zurück. Solche
Knospen sind stets unbewohnt und niemals ausgefressen, sie
sind im Gegenteil voller Leben; der herandrängende Saft lässt
sie schwellen, löst die Schuppen aus ihrem Verbande und bald
wird ein junger Trieb herauswachsen. Zwischen den sparrigen
wird man aber genug Knospen entdecken, die völlig glatt ge-
blieben sind, die Hüllschuppen liegen ungestört fest an. Solche
sind in den meisten Fällen bewohnt. Wer sie aufbricht, findet
sie meist mit Kot gefüllt, manchmal mit sehr feinem, dann hat
eine Cecidomyien-Larve darin gelebt; sie verlässt aber vor der
Verpuppung die Knospe; ich habe ihr Kokon mehrmals an den
Nadeln gefunden. Ist der Kot gröber, und sieht man beim
Aufbrechen ein graues Räupchen oder eine kleine Puppe, dann
ist es eine Argyresthia, und zeigt sich am Grunde der Knospe
ein längliches, wie zusammengedrücktes Schlupfloch, dann ist
es ganz sicher Arg. certella Z.
Saxesen war also im Irrtum, als er‘ meinte, dass das Aus-
fliegen wahrscheinlich an der Spitze der Knospe stattfindet, so-
bald sich die Schuppen bei der Sonnenwärme zurückbiegen,
Ebenso irrig ist Prof. Stanges Angabe, dass sich certella mit
dem Kopfe nach oben verpuppt; denn das Flugloch ist stets
unterhalb der Knospe.
Beide Arten sind bei Rachlau häufig, man kann sie aus
den eingetragenen Aestchen und Knospen in beliebiger Menge
ziehen. Sicher sind sie überall Begleiter der Fichte und nirgends
selten. Trotz ihrer Häufigkeit kann ich aber v. Heydens An-
gabe bei illuminatella (er meint ganz sicher glabratella):
en en pe ee
K. T. Schütze. Argyresthia illuminatella Z. 23
„um Frankfurt a, M. als schädliches Forstinsekt“ nicht unter-
‚schreiben, in unseren Waldungen habe ich niemals bemerkt,
dass sie irgendwelchen forstlichen Schaden anrichtet. Mit der
Bezeichnung „schädlich“ geht man überhaupt sehr oft allzu
leichtfertig um und verdammt unschuldige Würmer aus Un-
kenntnis. War da vor vielen Jahren auf einer landwirtschaft-
_ lichen Ausstellung in Bautzen von einem sehr bekannten In-
sektenmanne eine grössere Schulsammlung ausgestellt, in welcher
nebst anderen niedlichen Sachen Acherontia atropos L. als
Kartoffel- „Schädling“ und Callophrys rubi L. und Macrothylacia
rubi L. als schädlich für Rubus steckten. Die sachunverständigen
Richter beugten sich solcher Weisheit und gaben der Sammlung
den ersten Preis.
Es dürfte nun keine Schwierigkeiten mehr bereiten, die
einfarbigen Argyresthien sicher auseinander zu halten. _ Der
einzig sichere Weg bleibt immer die Zucht, und die ist in allen
Fällen leicht. Man beachte stets folgendes:
illuminatella kommt nur an Abies alba vor.
glabratella lebt nur in Knospen und Zweigspitzen von Picea
excelsa und hat ein kreisrundes Schlupfloch,
certella findet sich ausschliesslich in den Endknospen von
Picea excelsa und hat ein zusammengedrücktes Schlupfloch.
laevigatella (und atmoriella?) leben in den Zweigspitzen
von Larix decidua..
Diese Arten sind im Frühjahre einzutragen.
praecocella lebt nur in den Beeren von Juniperus communis
und ist im September zu suchen.
Die etwas ausführliche Behandlung des illuminatella-
Falters ist mir nur dadurch möglich geworden, dass mir die
‚Herreu Kustos Dr. Dampf in Königsberg und Assistent Bär in
Tharandt einen grossen Teil der oft schwer zu erlangenden ein-
schlägigen Literatur zugängig machten; ersterer erschloss mir
hauptsächlich die englischen, letzterer die deutschen Quellen.
Beiden Herren spreche ich für ihre nie versagende Bereitwillig-
keit herzlichen Dank aus. |
24 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1917.
Neue palaearktische Lycaeniden.
Von H. Fruhstorfer, Genf.
Wenn wir die rund 100 Lycaena alcon meiner
Sammlung und etwa 50 Stück aus der Sammlung des Herrn
Prof. Dr. L. Courvoisier in Basel überblicken, lassen sich ohne
weiteres 5 Ortsrassen ausscheiden. Am meisten ins Auge fal-
lend ist zunächst eine erst in den letzten Jahren entdeckte
geographische Form aus dem Kanton Graubünden, welche ich
hiermit als
Lycaena alcon haurii subsp. nova einführen möchte.
Beide Geschlechter übertreffen in der Grösse alle bisher bekannten
Formen. Die J’Z’ führen einen ausgedehnten schwarzen Saum
beider Flügel und das 2 zeigt einen schärfer umgrenzten dunkler
blauen aber dennoch intensiver glänzenden Basalfleck als 2? aus
anderen Schweizer und mitteleuropäischen Fundorten. Die Unter-
seite ist ohne weiteres kenntlich an kleineren schwarzen Sub-
marginalilecken, welche jedoch ausgedehnter und heller weiss
umringelt sind als bei alcon anderer Fundorte. L. haurii
findet sich in Gesellschaft einer weiteren ausgezeichneten Areal-
form, nämlich der L. escheri grisonia Vorbr.
Vorkommen: Graubünden, Filisur 1000 bis 1100 m, von
Herrn Pfarrer Hauri zuerst beobachtet.
Lycaena alcon tolistus subsp. nova. (L. alcon Rebel,
Studien II. p. 187.) 0 oberseits lichter blau als Exemplare
aus Norddeutschland und ohne den rötlichen Ton der süddeut-
schen, österreichisch-ungarischen Exemplare. 2 auffallend durch
eine arion vortäuschende lebhaft glänzende Basalpartie und
markante Flecken in der Medianzone der Vfl. Ganz schwarze
Stücke, wie sie am Königssee und in den Schweizer Alpen
vorkommen, scheinen in Bosnien zu fehlen. Unterseits sofort
kenntlich durch die lichter graue Grundfarbe und einen gleich-
falls an arion gemahnenden blaugrünen Anflug der Hfl. Die
schwarzen Flecken heben sich von der lichten Grundierung viel
deutlicher ab als bei alcon aus anderen Fundorten.
Vorkommen: Bosnien, Koriena 5 Z’d’, 10 2% Coll. Fruh-
storfer, in grosser Anzahl in der Sammlung Leonhard.
Das Gegenteil der vorigen, eine oberseits lichter blaue,
schmäler schwarz umrahmte Form, die dann auch unterseits
durch das weisslich graue Kolorit von allen Verwandten leicht
zu trennen ist.
n FERN
A ne — a ae a een ren ee u ——
« H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 25
————
In der lichten Gesamtfärbung wird L. alcon tolistus
noch überboten durch
Lycaena alcon rebeli Hirschke (Jahresber. Wien.
Entom. Ver. 1904 p. 109 T.2 F. 1, 2.) aus dem Hochschwab-
gebiet, Steiermark, besonders kenntlich an breitem, scharf ab-
gesetzten tief schwarzem Apikalfleck der Vf.
Lycaena alcon monticola Stgr. zuerst im Katalog
von 1901 erwähnt, während der Name in den Katalogen von
1861 und 1871 fehlt.
Type aus dem Kaukasus und von dort in Anzahl in meiner
Sammlung. Schon Staudinger und nach ihm Rebel, Seitz und
andere Autoren bringen alpine Schweizer alcon mit monti-
cola in Verbindung, aber sehr zu Unrecht, denn Walliser
alcon stehen den österreichischen L. alcon viel näher als der
kaukasischen Rasse. Dagegen dürften L.alcon aus dem Tessin
durch unterseits reich blau angeflogene J'S’ und unten sehr
helle 22 Anwartschaft haben, als Rasse abgetrennt zu werden.
Meine 2 d’d' 1 ? von Fusio und ein Paar vom Mte. Generoso
in der Sammlung Courvoisier aber halte ich nicht für ausreichend
um Bestimmtes darüber zu sagen.
Als fünfte Rasse bleibt noch die Namensform, welche ein
ausgedehntes Gebiet bewohnt ohne in kenntliche Ortsformen sich
abzustufen. Doch scheint es, dass alcon der bayrischen Alpen
(Berchtesgaden) sich abzusondern beginnen, durch breiteren
schwarzen Saum der Oberseite der 0’0'; auch sind mir von
dort nur oberseits schwarze 29 bekannt.
L. alcon alcon F. aus Oesterreich beschrieben, liegt mir
vor von Altona, Hannover, Nieder-Oesterreich, Budapest, dem
Schweizer Jura, vom Saleve bei Genf, der Riffelalp, vom Lac
Montone und Evolena im Wallis, Arosa (Graubünden), Fusio
(Tessin), ferner von Berchtesgaden, wo alcon Anfang August
sehr häufig ist. Prof. Courvoisier hat Exemplare vom Stilfserjoch,
von Gamsen, Berisal und dem Simplon in Wallis, von Mürren,
der Furca, dem Mte. Generoso und den Basses Alpes, ausserdem
von Kuldscha und dem Ural.
L. euphemus bajuvaricus subsp. nova. cd’ oberseits dunkler
blau mit fast doppelt so breitem Saum beider Flügel als nord-
deutsche Exemplare.*) $ Oberseite vorwiegend schwärzlich braun
mit durch braune Schuppen dicht überdecktem blauen Medianfeld.
Unterseite rauchbraun, statt grau wie bei norddeutschen
Exemplaren.
*) Hübners Type stammt aus Sachsen.
‚ „Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris herausgegeben vom Entomologischeg
Vesein Iris zu Dresden, Jahrgang 1917, ci “ /
6 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Vorkommen: Oberbayern, Type vom Kochelsee 3 JS,
6 2%, Deininger Moos 1 2 Sammlung Fruhstorfer.
Die Entdeckung der ausgezeichneten Lokalform ist Herrn
Assessor Osthelder zu verdanken, der mir die Falter vor einigen
Jahren im Tausch überliess. Bajuvaricus verhält sich zu
den hellen euphemus, wie sie. mir aus der Umgebung von
Passau vorliegen, wie die oberbayerischen Melitaea athalia
suessula Fıhst. zu athalien nördlicherer Fundorte. Wir
haben in bajuvaricus eine ausgesprochene subalpine Form,
zu der Exemplare von Engelhardtszell in Oberösterreich, welche
ich im August 1901 dort sammelte, einen interessanten Ueber-
gang bilden. Doch sind Stücke aus der Umgebung von Passau
unterseits wesentlich heller und die 2? weniger dunkel und
viel grösser als die subalpinen bajuvaricus 2% vom Kochelsee.
L. euphemus thersandrus subsp. nova. cd’ Exemplaren
aus Norddeutschland durch deutliche weisse Submarginalpunkte
der Hfl. genähert, aber von einer Serie von euphemus Jd’ aus
Kassel durch ihre bedeutendere Grösse, verbreiterten Distalsaum
beider Flügel und markantere intramediane Keilflecke der vr.
differenziert. 2 Zum Teil den bajuvaricus 2% ähnlich,
zum Teil aber durch eine vollständige, äusserst prominente Serie
schwarzer Postdiskalflecken der Vfl. kräftig gefleckte L. arion 22
vortäuschend. Das Blau der Flügeloberseite leuchtender als bei
den hellsten norddeutschen Exemplaren. Unterseite: ziemlich
übereinstimmend mit bajuvaricus und somit dunkler als bei
euphemus aus Norddeutschland.
Vorkommen: Canton Vaud, Eclepens, Ende Juli, Anfang Au-
gust 6 FI’2 22 Coll. Fruhstorfer. Eine grosse Serie am Museum
in Genf sowie in den Sammlungen Reverdin, Naville, Jullien.
Euphemus aus der Umgebung von Genf, wie er sich
z. B. im Bois de Versoix, Ende Juni und Anfang August findet,
ist nicht identisch mit der herrlichen Form von der berühmten
xerothermischen Umgebung von Eclepens. ‘Unsere Genfer Exem-
plare bleiben ebenso klein wie Individuen aus Basel und im
Jlichen Geschlecht sogar punktärmer als diese. Es ist sehr
wahrscheinlich, dass auch die Genfer Rasse einen Namen ver-
dient, doch will ich erst mehr Material „aufbringen“, um einen
Ausdruck Espers zu gebrauchen.
L. arion vesubia forma alpina nova. (L.arion
Spröngerts,) Iris 1914 p. 246. (Juni bis Juli häufig in pracht-
vollen, tief biauen, sehr schwarz gezeichneten Stücken. Sehr
verschieden von der Form der höheren Berge bei Digne. Sprön-
gerts.)
“E. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 37
Aus den Anmerkungen Spröngerts geht deutlich hervor,
dass die Form von St. Martin Vesubie nicht identisch sein kann
mit der lichtblauen ligurica Wagn. der Riviera. Als ich nun
neuerdings die reichen arion-Serien der Schweiz, welche mir
zugesardt wurden und das relativ grosse Material meiner eigenen
Exkursion im Sommer 1916 sichtete, wandte ich mich an Herrn
Spröngerts, mir einige seiner arion zur Ansicht zu senden.
Mein Wunsch wurde bereitwilligst erfüllt und ausser der herr-
lichen Serie der Sammlung Spröngerts, überliess mir der ge-
schätzte Autor interessanter Reiseberichte auch 6 Exemplare für
meine Sammlung. Vesubia, wie ich die bisher verkannte
Form umschreibe, schliesst sich mehr der insubrica Vorbrodt
und taimaron Fruhst. aus dem Wallis an, als der geo-
graphischen Rasse und Form der Niederung ligurica. Auch
mit laranda Fruhst. sind Analogieen vorhanden, doch
bleibt vesubia in der Grösse hinter der südtiroler Rasse zu-
rück. dd’? im allgemeinen ausgedehnter schwarz umrahmt als
die taimaron aus dem Wallis, doch werden bei keinem meiner
Exemplare die schwarzen Medianflecken der Hfl. vom Aussen-
saum absorbiert, was bei insubrica fast immer der Fall zu
sein scheint. Die blauen Flächen der Oberseite sind weniger
intensiv als bei der herrlichsten aller arion-Formen, der tai-
maron, aber doch lichter und glänzender als bei insubrica.
Als selbstverständliche und natürliche Erscheinung finden sich
bei vesubia Transitionen zu ligurica, dadurch, dass ausser
dunkelblauen auch lichtblaue Individuen auftreten. Die Unter-
seite der vesubia in der Regel gleichmässig tief grauschwarz
beschattet, verrät durch fast weisslich grau aufgehellte Exem-
plare selbst bei oberseits sehr dunklen Stücken gleichfalls die
nahe Verwandtschaft mit der Form der Küstenregion. Vesubia
hat sich somit noch nicht zu einer reinen Rasse ausgebildet,
und das ist der Grund, warum ich mirden Namen spröngertsi,
welchen ich ihr zugedacht hatte, für eine schärfer ausgeprägte
Rasse vorbehalte.
Vorkommen: Seealpen, St. Martin Vesubie.
L. arion antesion subsp. nova. J’ im Habitus, der Flecken-
verteilung arcina Fruhst. aus der Umgebung von Genf ähnlich
und von arion aus Süddeutschland und ungarischen Exem-
plaren leicht zu trennen durch die markanteren schwarzen
Keilflecken der Oberseite der Vfl. sowie die breitere schwarz-
braune Umrahmung beider Flügel. Exemplare mit bis zur
Zellmitte vordringendem schwarzbraunem Rand der Hfl. wie
wir sie bei insubrica Vorbr., Jlaranda Fruhst. und vesubia
98 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Fruhst. beobachten, scheinen nicht vorzukommen. Unterseite
in der Regel etwas dunkler, das basale Blau der Hfl. ausge-
dehnter als bei arion L.
Vorkommen: Bosnien, besonders von Koricna und dem
Maklenpas. 10 JS 7 22 in der Sammlung Fruhstorfer.
Eine noch grössere Serie in der Sammlung Leonhard.
Exemplare aus Bulgarien sind im 0” lichter blau, beim 2
breiter schwarz umrandet als meine antesiom aus Bosnien.
Weil mir aber nur wenige do‘ und 2%, welche ich Herrn
Leonhard verdanke, vorliegen, lässt sich über deren Zugehörig-
keit zu antesion oder deren Rassen-Eigentümlichkeiten nichts
sagen.
Die arion der österreichisch-ungarischen Monarchie wurden
bisher in ihrer Gesamtheit noch keiner vergleichenden Uebersicht
unterworfen. Mein Material beschränkt sich auf einige prächtige
Paare aus der Tatra (Peschke leg. 1906), aus Mähren und Un-
garn. Die Dokumente der Tatra gleichen durchaus süddeutschen
arion, welchen die Namenstype entstammt. Linne beruft sich
bei seiner Beschreibung des arion L. ausdrücklich auf Rösel
von Rosenhofs Figuren, die ihrerseits wiederum der Umgebung
von Nürnberg entnommen waren. Grosse Serien meiner Samm-
lung aus Württemberg und von Oberbayern gleichen Rösels
Bildern. Individuen aus Ungarn, Nordmähren und der Um-
gebung von Kassel sind unter sich ziemlich identisch und haben
gemeinsam eine Verminderung der schwarzen Keilflecken der
Vfl. auf relativ mattem fahlblauem Grunde. Dagegen gehört
eine Serie arion der transsilvanischen Alpen, welche mir Herr
Dr. Tiltscher überliess, einer hervorragenden Rasse an der voll-
kommensten Abweichung vom süddeutschen Namenstyp. Es
sind dies dunkelblau oder mattglänzende Exemplare, mit feh-
lehlenden Keilflecken der Vfl., aber markanter und relativ
breiter schwarzbrauner Umsäumung beider Flügel. Transsil-
vanische arion entsprechen somit durchaus der Diagnose von
arion ab. unicolor Horm., so dass wir unter diesem Namen
keine Fehlfärbung oder zufällige Aberration zu verstehen haben.
Den Namen unicolor erhebe ich demnach zu dem einer vell-
wertigen Arealrasse, umsomehr als ich auch bei den Melitaeen
die Uebereinstimmung siebenbürgischen Materials mit solchem
aus der Bukowina konstatieren liess.
Für die Formen der tiroler Alpenländer sind zwei Namen
vorhanden. F
L. arion nigricans Kitt ab. et var. als dunkle Form
der tiroler Alpentäler sowie vom Schneeberg, Grossglockner,
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 29
Sonnblick, dem Hochschwab und von Trafoi durch ihren Autor
erwähnt.
L. arion laranda Fruhst. aus den heissen Tälern Süd-
tirols, die bis Sterzing und Franzensfeste ziemlich unverändert
vorkommt. Herr Prof. Kitt macht mir Verh. Zool. Bot. Gesell-
schaft 1912 p. 360 den Vorwurf, dass ich laranda mit ob-
scura Christ verglichen habe und sagt mit Recht, dass laranda
doch wohl das absolute Gegenteil von obscura verstelle. Als
ich 1910 laranda beschrieb, glaubte ich auf Grund meines aus
Zermatt stammenden Materials annehmen zu dürfen, dass alle
collinen und montanen Schweizer arion eben obscura seien.
Dass aber die viel weiter verbreitete subalpine schweizer Rasse
keinen Namen hatte, fiel mir erst 1915 auf, als ich die herrliche
montane taimaron aus dem Wallis beschrieb. Aus Oester-
reich und der Schweiz haben wir demnach zu beachten:
L. arion arion L. Mähren, Ungarn, Fatra.
L. arion unicolor Horm. Bukowina, Transsilvanien.
L. arion antesion Fruhst. Okkupationsländer, allen-
falls Bulgarien.
L. arion nigricans Kitt. Tirol, Steiermark, Nieder-
Oesterreich, Salzburg, als alpine Talform beschrieben, aber sehr
wahrscheinlich der Ersatz der schweizerischen hochalpinen-
obscura.
L. arion laranda Fruhst.e. 1910 Rasse der heissen
Täler des südlichen Tirol.
Der Name magnifica Heydemann 1910, den Herr Prof.
Courvoisier Iris 1914 p. 165 aufrecht erhält und der Bezeich-
nung laranda den Vorzug gibt, muss fallen, weil er in der
Gattung bereits einer Lycaenide aus dem Pamir verliehen wurde.
Derselbe Name kann aber nicht zweimal in der Gattung ver-
wendet werden, auch nicht, wenn es sich um subspecies handelt.
Systematisch werden Art und Unterart als gleichstehend be-
handelt und es hiesse die Lokalrassen entwerten, wenn beliebig
oft ein Name für zwei verschiedene Formen in Anwendung
käme. Dagegen sind Aberrations-Bezeichnungen vogelfrei und
jedem Autor steht es frei, zu solchen einen längst verbrauchten
Namen immer wieder zu wählen.
L. arion arion L. Niederungen der Nordschweiz, z, B.
bei Basel.
L. arion taimaron Fruhst. Wallis aus 1200 m. Type
von Tschieboz über Fully, aber weit verbreitet. In grossen
Serien aus Zermatt, Arolla, Savieze, dem Nordabhang des Simplon,
vom Val Anniviers usw. in meiner Sammlung.
30 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
E. arion obscura Christ. Erhebungen über 1200 m.
Oberhalb Zermatt, bei Pontresina usw.‘von mir gesammelt.
L. arion insubrica Vorbrodt 1911. Südabhang des
Simplon. Von mir in prächtiger Serie bei Mesocco im südlichen
Graubünden auf ca. 600-800 m Erhebung erbeutet. Prof.
Courvoisier vereinigt die Form mit laranda Fruhst., doch
glaube ich für deren Trennung eintreten zu dürfen, weil la-
randa in der Regel noch schärfer begrenzt schwarz umrandet er-
scheint als insubrica und selbst mein grösstes 2 aus Mesocco noch
beträchtlich hinter den laranda-Riesen aus Klausen zurückbleibt.
Insubrica ist die Form der heissen Täler der Südschweiz,
wenn wir aber im Tessin auf 12—1400 m sammeln, begegnen
wir wieder einer Höhenform von arion die sich der obscura
Christ nähert, so z. B. bei Fusio. Ich vermute, dass diese
grosse Aehnlichkeit mit nigricans Kitt haben wird. Wenn
mir einmal von beiden mehr Material vorliegt, komme ich
wieder darauf zurück.
L. arion arcina Fruhst., eine Tal- und Hügelform der
Westschweiz. Sie befindet sich in meiner Sammlung aus Alle-
vard les Bains vor und dringt bis Digne vor. In den Seealpen
wird sie dann abgelöst von:
L. arion vesubia Fruhst. welche etwa der Walliser
taimaron entspricht, während
L. arion ligurica Wagn. von der Riviera als Ersatz der
laranda und insubrica aufgefasst werden kann.
L. arion delphinatus Fruhst. Die kleinste und
dunkelste der bekannten Rassen. Sie ersetzt im Dauphinat die
alpine obscura Frey, Oberseite jedoch eintöniger vorwiegend
graublau. Die Flecken kleiner und das schwarze Gebiet der
Hfl. mehr eingeschränkt als bei obscura. Die Unterseite ist
auffallend differenziert und täuscht fast die Zeichnung von L.
semiargus vor. Die submarginalen und diskalen Punkte
ausserordentlich klein, das basale Blau beinahe fehlend. Patria:
La Grave aus 2200 m Höhe (H. Fruhstorfer) Lautaret (Oberthür).
In Courmayeur fing ich Exemplare welche am besten noch
zu obscura Christ gebracht werden, während
L. arion taras Fruhst. aus Mittel-Italien entschieden
zur ligurica überleitet.
Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass Fr. Meisner,
Professor der Naturgeschichte und Botanik in Bern, bereits alle
drei Schweizer Hauptformen von arion kannte. Meisner
schreibt in seinem „Verzeichnis der. schweizerischen Schmetter-
linge“ wie er die erste wissenschaftliche Arbeit über helvetische
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 31
Lepidopteren bescheiden im „Naturwissenschaftlichen Anzeiger“,
Bern 1890, nannte:
In verschiedenen Gegenden auf Wiesen im Juli und August
nicht selten. (Normale arion arion L. des Tieflandes). Von
ausnehmender Schönheit und Grösse fand ich besonders die
Weibchen am sogenannten Irnisserstalden oberhalb Giornico.
(Die heutige insubrica Vorbr.) Auf den Alpen hingegen
findet man öfter eine bei weitem kleinere Abänderung, wo be-
sonders das Weib auf der oberen Seite fast schwarz und nur
schwach blau bestaubt ist. (Die jetzige obscura Christ!)
L. jolas eurysthenes subsp. nova. 2 unwesentlich von
jolas O. aus Ungarn differenziert, kleiner, unterseits etwas
fahler grau mit reduzierter schwarzer Punktreihe der Vf. 2
ausserordentlich verschieden, der blaue Basalanflug der Vfl. ver-
‘mindert, viel dunkler und mit dem ungewöhnlich verbreiterten
braunschwarzen Aussensaum verschmelzend, also nicht so scharf
abgetrennt wie bei 22 von jolas aus der Umgegend von Buda-
pest.
Vorkommen: Wallis, Follaterres, Ende Juni, Anfang Juli.
3 dd 1 2, Südtirol 1 Cd.
Jolas ist einer der seltensten Tagfalter des Wallis. Per-
sönlich habe ich ihn nicht beobachtet, aber ausser den 4 Exem-
plaren meiner Sammlung, welche ich zum Teil meinem Freunde
J. Jullien verdanke, konnte ich eine Serie aus der Coll. Blachier
am Museum in Genf zum Vergleich heranziehen. Blachier fing
ein jolas ® auch bei Moutiers in der Tarantaise.
L. jolas protogenes subsp. nova. (L. jolas Obthr. Etudes
1910 p. 320. Digne. 2 noch kleiner und etwas dunkler blau
als jolas eurysthenes vom Wallis. 2 mehr der Namens-
type aus Ungarn, als der Walliser Rasse genähert, im Kolorit
etwa die Mitte zwischen jolas jolas und eurysthenes
haltend.
Vorkommen: Digne, ?? Sammlung Fruhstorfer.
118
Chrysophanus virgaureae L. Herr Bryk verschaffte
mir diesen Herbst eine grössere Serie Tagfalter, die er 1916 in
Schweden für mich gesammelt hatte. Linnes Beschreibung von
Chr. virgaureae in der Fauna suecica und darauf zurück-
gehend im Systema Naturae Ed. X. bezieht sich auf schwedische
lixemplare und weil sich zudem schwedische virgaureae in
Linnes Sammlung in der Linnean Society in London erhalten
‚haben, so sind derlei Dokumente als „nimotypisch“ zu betrachten.
32 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Bei Gelegenheit des Einreihens dieser geschätzten Bewohner
Schwedens in die Sammlung verschaffte ich mir zugleich einen
Ueberblick über die Literatur, die Prof. Courvoisier 1911 zum
Teil in umsichtiger Weise kritisch beleuchtet hat. Beim Neu-
ordnen der auf 320 Exemplare angewachsenen eigenen Sammlung
stiess ich zudem auf zwar längst bekannte, aber dennoch ver-
kannte, prächtige unbenannte Rassen und mit noch grösserer
Genugtuung vermochte ich zu konstatieren, dass Deutschland
von drei prägnanten geographischen Formen bewohnt sei. Vom
Norden nach Süden begegnen wir folgenden territorialen Ab-
zweigungen:
Chr. virgaureae oranula Frr. Lappland.
Chr. virgaureae L. Schweden.
Im Staudingerschen Katalog wird dieser Form ein viel zu
ausgedehntes Verbreitungsgebiet eingeräumt; ausser dem eigent-
lichen Europa auch noch der Pontus, Armenien, der Altai und
das östliche Sibirien, dagegen wird ein wirkliches Synonym von
virgaureae, nämlich estonica Huene, als zu unterscheidende
geogr. Rasse beillehalten. Virgaureae bewohnt nicht allein
Schweden, sondern soweit ich dies nach dem Material meiner Samm-
lung beurteilen kann auch Finnland, Esthland und, was viel inter-
essanter ist, unser Ostpreussen! Ein 2 aus Königsberg meiner
Sammlung gleicht den meisten der acht estonica Huene 22
aus Lechts; letztere wieder dem finnischen 2! Schwedische und
esthländische Z sind nicht verschieden, J'd’ aus Königsberg.
etwas, aber doch nur unbedeutend grösser und bleicher als aus
Schweden und Esthland! Das Vorkommen dieser rein nordischen
virgaureae auf deutschem Boden ist ein höchst interessantes
Faktum und findet ein Analogon in der Auffindung der gleich-
falls rein nordischen Argynnis aphirape helmina Fruhst.
im Zehlau-Bruch in Ostpreussen. Jetzt gilt es noch festzustellen,
wie weit virgaureae |, nach Westen (Danzig? Pommern?)
und nach Süden (Posen? Schlesien?) vordringt. In Schleswig-
Holstein (wenigstens bei Altona) haben wir bereits eine von
der ostpreussischen verschiedene Lokalform. Dortige Exemplare
sind ausserordentlich gross und sie entsprechen jenen virgau-
reae, welche man allgemein als typische virgaureae zu
bezeichnen gewohnt war.
Bei dieser holsteinischen Rasse treten bereits sehr deutlich
jene beide 22 Formen auf, welche Hübner schon kannte und
abbildete und von denen iclı der androtropen Koloritabweichung
den Namen galsuintha Fruhst. gegeben habe. Für die Ge-
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 33
samtheit der Rasse fehlt indessen noch eine Bezeichnung, als
welche ich:
Chr. virgaureae chrysorhoas subsp. nova vorschlage.
Wie weit die Territorialform sich bis ins Herz Deutschlands
verbreitet, vermag ich nicht zu sagen. Eine Serie d’d' welche
ich beim Homburg 1905 sammelte, passen noch recht gut dazu.
Mehrere Paare vom Harz (klein, P äusserst kräftig punktiert)
stammen aus unzuverlässiger Quelle. Verbürgte Dokumente
aus Sachsen dagegen sind schon grundverschieden von chrysor-
hoas, viel kleiner und bilden einen entschiedenen Uebergang zu
süddeutschen Exemplaren. Dagegen möchte ich virgaureae
aus dem ungarischen Flachland, schon um Namen zu vermeiden,
trotz ihrem ansehnlicherem Habitus noch bei chrysorhoas
belassen.
Chr. virgaureae juvara Fruhst., mit der Namenstype
aus Passau, soll die auffallend verdunkelte Ortsform süddeutscher
Gebiete umschreiben. Als. Type wurden 2 Q aufgefasst mit fast
ganz geschwärzter Oberseite der Hfl. Derlei Exemplare finden
ihre vollkommenste Entwicklung in Kolorit und Grösse auf öster-
reichischem Boden, z. B. auf der Fatra und der Hohen Tatra,
wo sie in alexandrae Fruhst. übergehen. Nach Westen be-
gegnen wir juvara im südlichen Württemberg und im Schweizer
Jura, so am Tramelan (0’? Koll. Courvoisier).
Einer viel weitgehenderen Differenzierung als auf deutschem
Boden ist virgaureae in der Schweiz unterworfen, eine sehr
natürliche Erscheinung bei der reichen regionalen und klima-
tischen Gliederung dieses Landes, welches zoogeographisch ver-
mutlich als das best durchforschte des Erdballs betrachtet werden
kann, im Gegensatz zu Deutschland, von welchem wir viel
weniger als von Java oder Ceylon und kaum mehr als von
Celebes wissen, wenn wir an Tagfalter denken.
In der Schweiz haben wir zunächst die beiden, alle Rhopa-
lozeren umgestaltenden Hauptregionen der Zone nördlich und
südlich der Alpen zu beachten. Während ältere Autoren wie
Meisner, Meyer-Dür, Frey, die Form der Niederung von der
alpinen virgaureae sehr gut unterschieden, blieb es Wheeler
vorbehalten, die trans- und cisalpine Trennung in der Literatur
(Butt. of Switzerland 2903 p. 13) festzulegen. Er sagt, dass
nach einer Mittelung von Mr. Fison die 2% der Südseite des
Simplonpasses (also jene vom Simplon-Dorf) zur Type, jene der
Nordseite und anderer Wallisertäler der var. zermattensis
angehören. Dass dagegen transalpine Individuen nicht zur
Type gehören, wurde durch die Bezeichnung osthelderi Fruhst.
34 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917
1909 klargestellt, wie es auch sonst mir vorbehalten blieb, den
durchgreifenden Unterschied der Fauna der Süd- von jener der
Nordschweiz im speziellen bei den Saturniden zum Ausdruck
zu bringen.
Nicht weniger als fünf sichere und eine einstweilen noch
nicht scharf zu umgrenzende sechste virgaureae-Rassen haben
wir aus der Schweiz aufzuzählen, ein Reichtum von Erschei-
nungen, wie er auf so kleinem Raum sich gewiss nirgendwo
wiederholt.
Chr. virgaureae juvara Fruhst. Schweizer Jura.
(Als erster hat Meyer-Dür 1851 virgaureae als Jurabewohner
erwähnt. (p. 93). Er sagt: „Am westlichen Jura von Biel
hinweg bis zum Fort de l’Ecluse ist er an manchen Stellen
unsäglich gemein, so z. B. von Mitte Juni an, den ganzen Juli
hindurch am Twannberg und ob Neuenstadt (jetzt Neuveville),
in grösster Menge aber am Col de la Faucille bei 4000 Fuss
überm Meer, wo ich ihn einst scharenweise antraf. Der Falter
ist in allen diesen Gegenden eine wahre Zierde der Insektenwelt
und es gewährt einen wundervollen Anblick, wenn der glühende
Feuervogel in Massen auf den üppigen Abhängen hin und her
flattert, dann auf Blumen absitzt, deren Honigsaft er mit dem
flügelrauschenden apollo harmlos teilt, wenn beide dann in
der Sonne sich ihre Pracht vorspiegeln und gleichsam scherzend
sich den Schönheitsrang streitig machen.“
Frey (1880) nennt ihn im Jura auf höheren Lagen häufig.
Wheeler 1903 weiss keinen Flugplatz im Jura! Im Ver-
zeichnis der Genfer Tagfalter wird nur ein Fundort auf
schweizer Juraboden, nämlich die Döle genannt, während die
übrigen Flugplätze auf französischem Boden liegen. Die Art
ist bei Genf überall äusserst selten, ich selbt besitze nur ein
2 welches einer hellen, lebhaft roten, gering schwarz punktierten
Form angehört, wie sie Prof. Courvoisier vom Berner Jura und
von Urweid bei Guttannen im Haslital besitzt.
Chr. virgaureae cissites subspec. nova. (L. virgaureae
Meisner (Naturwissenschaftl. Anzeiger 1818, 1. Juli No. 1. p.
3 No. 118). Gadmental. Grimselstrasse.
P. virgaureae Meyer-Dür (p. 53) Guttannen, Wenger-
alp, Furka. In Glarus von der Talsohle bis zur Baumgrenze
hinauf.
P. virgaureae Frey, Maderanertal, von woher ihn schon
Stehelin-Imhof erwähnt. |
P. virgaureae Favre 1899 p. 12; Maderanertal, Gadmen-
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 35
tal („während man am Mt. Cenis und in Skandinavien die ge-
wöhnliche Form mit sehr ausgesprochenem Gelb der ?% findet.“)
Chr virge var. zermattensis Wheel. 1903 p.
13, Maderanertal lt. MS. von Kane.)
Chr. virg. f. zermattensis Courv. Ent. Z. Frft.
1911 p. 234 partim, Hasleberg.
Nächst der Südrasse osthelderi ist cissites weitaus die
prächtigste und vielleicht die interessanteste Rasse der Schweiz. Aber
wenngleich ihre Flugplätze seit einem vollen Jahrhundert be-
kannt sind, ist ihre Differenzierung der sogenannten zermat-
tensis gegenüber noch von keinem Autor mit voller Sicherheit
erfasst worden. Dies ist auf die veraltete Manier fast aller
Liebhaber zurückzuführen, sich mit kleinen Serien und 1—2 22
aus dem Engadin, dem Wallis und evtl. noch der Nordschweiz,
zu begnügen, alles in der Sammlung möglich st eng zu stecken,
um Platz für viele, „seltene und wertvolle“ Heterozeren zu
gewinnen, wodurch sich keine Lokalrassen erkennen lassen.
Cissites vereinigt in sich die Charaktere der osthelderi
mit jenen von zermattensis olim. Die d’f erreichen
immerhin bereits die Grösse mittlerer oder kleiner osthelderi,
auch gewinnt deren schwarzer Flügelsaum jene Ausdehnung,
‚welche für die Südrasse typisch ist; sie übertreffen dadurch alle
Walliser und Engadiner virgaureae um ein Bedeutendes.
Die 2% bilden eine natürliche, geographische und morpholo-
gische Transition von zermattensis ?% zu osthelderi 9%.
In der Grösse erreichen sie wiederum mittlere transalpine 27
und in der Färbung stehen sie gleichfalls den osthelderi
näher als den Walliser Schwestern. Vfl. von fahlgelbbraun
bis zu dunkelgraubraun varlierend, äusserst kräftig schwarz ge-
fleckt, ohne jedoch die derben Keilflecken der osthelderi
zu erreichen, aber auch nie so zierlich punktiert wie die vor-
wiegend orangefarbenen Jura-Individuen. Unterseits sind die
Exemplare wesentlich dunkler als meine grosse Walliser Serie,
auch fehlt ihnen der intensive orangefarbene Anflug, welcher
die Jurarasse auszeichnet. Es stellt sich vielmehr bereits der
grünliche Anflug der Hfl. ein, ein Charakteristikum der trans-
alpinen Repräsentanten der Kollectivspezies.
Vorkommen: Erstfeldertal vom 25. VII. bis 8. VII, 3 Jg
10 22 in Coll. Fruhsorfer. Maderanertal 1500 m 2 ff
Mitte August (H. Fruhstorfer leg.) Eine kleine Serie (’0’ vom
Maderanertal am Museum in Genf. Haslital 4 dd‘ 1 2 in
der Sammlung Courvoisier, ebenso ein d' vom Meiental.
36 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Exemplare von Glarus, welche Meyer-Dür erwähnt, gehören
wahrscheinlich auch zu eissites.
Als Wohnbezirk von eissites hat somit in der Hauptsache
der Kanton Uri zu gelten, von wo aus er bis zu den öst-
lichen Berneralpen vorgedrungen ist. Ueber ihr Vorkommen
im Glarus und dem südlichen St. Gallen hoffe ich mir nächstes
Jahr Gewissheit zu verschaffen.
Viel interessanter noch ist das Auftreten und Vorhandensein
von cissites im Ortlergebiet und im südlichen Tirol, wo wir
cissites äusserst nah verwandte Individuen in Trafoi, bei
Unser Frauen und nahe Trient gefunden wurden und sich in,
der Sammlung Courvoisier befinden. Wir haben bei cissites
somit dieselben Phänomen in der Verbreitung wie bi mon-
tana, so dass die virgaureae- Territorialrassen sich nicht
immer in einer fortlaufenden Kette, sondern durchaus willkürlich,
diskontinuierlich bewegen.
Chr. virgaureae montana Meyer-Dür. (P. virg.
var. montana M. D. 1851 p. 53. „d’d‘ viel kleiner als die der
tieferen Regionen und nähern sich durch die spitzeren Vfl. der
nord. var. oranula Frr. Alle meine Exempl. Mitte August
am Rhönegletscher gefangen.“
P. virg. var. 2 zermattensis Frey. Zermatt 1869 selten,
Chr. virgaureae var. zermatt. Favre p. 11. Ausser bei
Zermatt und dem Saastal auch am Simplon, Evolene, Zinal.
Chr. virg. var. zermattensis Wheel. p. 13 partim.
Chr. virg. f. zermattensis Courv. 1. c. p. 235.
Durch oben zitierte Beschreibung von Meyer-Dür, welche
sich nicht auf cissites beziehen kann, weil M.-D. ausdrücklich
auf kleine 22 hinweist, wird der Fallousche Name zermattensis
(1865), der bisher nur Verwirrung und Missverständnisse hervor-
gerufen hat, hinfällig. Ursprünglich sollte er vielleicht nur eine be-
stimmte Aberration umschreiben, ein Standpunkt, welchen Cour-
voisier mit Nachdruck verteidigt, aber alle früheren Autoren,
von Favre an, haben zermattensis als geographische Be-
zeichnung aufgefasst. Der Name — für eine Territorialrasse
viel zu lokalisiert — hat einen umfassenderen und vollwertigen
Ersatz gefunden. Ich: freue mich, dass ich den vollgültigen
Namen Meyer-Dürs (den Courvoisier bereits ausgegraben hatte)
verwenden darf, weil er durch eine Diagnose gestützt, nomen-
klatorische Rechte erworben hat.
Nach den mir vorliegenden Belegstücken scheint montana
auf das Wallis und den Vinschgau in Tyrol beschränkt zu sein,
BTL EL 1. u Lu umbau 8 | Ana ı ma m 24 m ee LE RE a u Le
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 37
anders lautende Angaben Wheelers beziehen sich auf speziali-
sierte südlichere Rassen.
Patria: Zermatt, sehr häufig, von mir im Juli und August
1905 ca. 800 Exemplare erbeutet, von welchen noch 20 Paare
sich in meiner Sammlung erhalten haben. Arolla, August 1908.
(H. Fruhst. leg.), Lötschental, Binn (Museum Genf.) 3 22 welche
ich am Simplon fand, bilden bereits einen Uebergang zur En-
gadiner Rasse durch gelblich aufgehellten Farbenton der Vfl.
26 Simplon Jg‘ sind nicht von Zermatter fc differenziert.
Herr Prof. Courvoisier hatte die Freundlichkeit, mir 45 22
hauptsächlich aus Walliser Tälern zum Vergleich anzuvertrauen.
Aus diesem prächtigen Material geht zur Evidenz hervor, dass
sichmontana M.-D. in ihrer reinsten Form in Zermatt er-
halten hat oder, besser gesagt, im $t.-Nicolas-Saasertal. 12 2 2
von Zermatt, St. Nicolas und von Saas-Grund, sowie Eisten im
Saastal bilden eine homogene Gemeinschaft und ungefähr das-
selbe gilt von entschieden dazu gehörenden 7 $F aus dem Rinn-
tal. Aufhellungen im Diskus der Vfl. sind äusserst selten,
braungraue Verdunkelungen der gesamten Oberseite die Regel.
Ganz anders liegen die Verhältnisse schon im Simplongebiet.
Dort beginnt montana bereits unruhig zu werden, ganz dunkle
Stücke, wie sie für das St. Nicolas-Saaser Rinnental die Regel
bilden, werden ausserordentlich selten, es findet sich sogar nur
ein melanotisches auf 8 helle 22. Die Exemplare werden zu-
sehends grösser und nicht nur der Diskus, sondern die gesamte
Oberfläche der Vfl. beginnt sich aufzuhellen und bei mehreren
2? partizipieren auch die Hfl. in ihren äusseren Partien an
dieser lichten Verfärbung. Noch weiter geht die Neigung, sich
wieder den reicher goldgelb getönten virgaureae von deutschen
und Jurafundorten anzuschliessen, bei den Individuen aus den
westlichen Walliser Tälern, besonders jenen, welche von Martigny
südwärts ausstrahlen und im Val de Herens. 7 22 von Mar-
tigny und Finshaut (ca. 1200 m) sind die am fahlsten, ocker-
gelb getönten Exemplare des gesamten Walliser Bezirks und auf
8 blasslehmgelbe Stücke entfällt nur ein oberseits wesentlich
verdüstertes Exemplar, welches zudem entfernt noch nicht die
gleichmässige Bräunung erreicht, welche bei montana von
Zermatt möglich ist.
Wir haben somit eine Parallelerscheinung zu konstatieren :
einerseits die fahlgelben 22 der westlichen Peripherie des
Wallis mit ihrem Anschluss an die Rasse der Genfer Region,
anderseits im Osten die langsam aufhellenden Simplon
virgaureae, welche dann im Engadin das Maximum der
8 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Rötung erreichen und dort zu den’Formen der Nordschweiz
übergehen. Auf dem Wege nach Osten nimmt die P’rogression
des Aufhellungsprozesses aber nicht kontinuierlich zu, wie man
vorauszusetzen versucht sein könnte. Sie erfährt vielmehr eine
unerwartete und jähe Unterbrechung im Vinschgau, wo bei
Taufers 2? vorkommen, welche von ganz dunklen und sehr
kleinen montana nicht zu trennen sind, was Courvoisier |. c.
bereits konstatiert hat.
Dazwischen aber schiebt sich eine der cissites genäherte
Rasse, deren Komponenten normale montana in der Grösse
übertreffen, mit einem wieder deutlicher geröteten Farbenton der
Oberseite beider Flügel und markanteren submarginalen Schwarz-
flecken — nämlich die oben erwähnten cissites vom Otrtler.
Chr. virgaurea athanagild Fruhst.e (J. E. Z.
Guben 1909 p. 194. Engadin. P. virgaureae Frey, p. 11
Ober-Engadin, Bergell, Stelvi.. „Das $ unserer alpinen virg.
hat nicht mehr die lebhaft goldrotbraune Farbe. Es erscheint
mehr und mehr braun glänzend, z. B. im Ober-Engadin (schon
bei Bergün) und wird durch zunehmende Verdüsterung allmäh-
lich zur Walliser Variation zermattensis.“
Chr. virg. var. zermatt. Wheeler p. 13 part., Sedrun,
Campfer.
Die Graubündener Rasse stellt die Verbindung von mon-
tana zur Juraform, dar, indem die 22 oberseits wieder
das vorwiegend orangefarbene Kolorit der virgaureae der
tieferen Regionen annehmen. In der Kleinheit und auch sonst
im Charakter der 0’0' halten sie jedoch starr am Habitus der
montana rediviva fest. Die 22 variieren erheblich, viel mehr
als Waliser 2?, weil Exemplare mit orangefarbener, fahl lehm-
gelber und grau überdeckter Oberseite der Vfl. vorkommen, so
dass durch letztere ihre strengste Affinität mit montana be-
wiesen wird, während die umgekehrt dominierenden rotbraunen
2? bereits wieder die Juraform vortäuschen. Das Material,
welches mir Herr Prof. Courvoisier gütigst anvertraut hat, ist
in diesem Sinne besonders instruktiv.
Vorkommen: Graubünden, Engadin (Type) 6 Jod’ 1 2
1902 H. Fruhstorfer leg. Rosegg 1 co’ 2 2%, Oberengadin 2 2?
Brigels 1 $ (Coll. Courvoisier).
Chr. virgaureae subsp. nova? (Chr. virg. zerm. Wheeler
p. 13 partim, Courmajeur; La Grave (Dauphine.) 0° welche
ich bei Pralognan, Courmayeur und Chamonix- gesammelt habe,
sind kaum von alpina M. D. zu trennen. Das d von Chamonix
hat den breitesten schwarzen Saum der Vfl. Erst die 2? müssen
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 39
ee —
uns verraten, ob wir die Piemontesen usw. zur Engadiner,
Walliser oder einer unbenannten Rasse bringen müssen.
Exemplare aus Samoens in Savoyen gleichen solchen vom
Saleve und vom Jura bei Genf. dd’, welche ich bei La Grave
in Anzahl fliegen sah, schienen mir grösser zu sein als mon-
tana aus der Schweiz.
Chr. virgaureae pelusiota Fruhst. (E. Z. Stuttg.
1910 p. 144.) Chr. virg. zerm. Wheeler p. 13 nach einer An-
gabe Tutt’s welcher an Wheeler schrieb: „Cogne Exemplare
stehen am nächsten den kleinen und bleichen Zermatter Stücken,
während solche von anderen Lokalitäten (gemeint ist die Mau-
rienne, La Grave, die Basses Alpes) Uebergänge bilden (zu
welcher Form?)
Pelusiota würde ich, wenn die Form erst heute be-
schrieben würde, als Höhenform der osthelderi auffassen
und als solche bezeichnen; auch würde ich gar nicht erstaunt
sein zu erfahren, das virgaureae aus den tiefen Tälern
Piemonts sich ebenso wie virgaureae aus Finnland zu montana
verhalten. Bei Lycaena arion beobachten wir dieselbe
Entwickelungsrichtung, je höher wir aufsteigen, desto kleiner
und dunkler werden die Exemplare, genau wie bei Parn.
apollo, Melitaea cinxia usw. Pelusiota hat
durchaus die Charaktere der osthelderi bewahrt, nur bleiben
die d’d‘ in der Grösse etwas hinter mittleren transalpinen vir-
gaurea dd’ zurück, der schwarze Saum ist weniger ausge-
dehnt und die Gesamtfärbung der Unterseite bleicher. Das 2
gleicht dem cissites 2, doch ist es auf den Hfln oberseits
weniger schwärzlich beschattet. Vom osthelderi $ differiert es
dann ausserdem noch durch kleinere schwarze diskale Fleckung
der Vfl.
Fundorte dieser transalpinen Höhenform: Cognetal (Type)
Macugnaga 14 JJ’ 1 2 Koll. Fruhstorfer.
Chr. virgaureae osthelderi Fruhst. (J. E. Z. Guben 1909
p- 113. Die ansehnlichste und farbenschönste aller bisher be-
kannten virgaureae. Ursprünglich aus dem Fornazzatal,
Iselle, Fusio beschrieben, wurde sie diesen Sommer von mir
auch im Val Piora, Val Blenio und dem Mesoccotal gefunden.
Sehr wahrscheinlich geht osthelderi noch weiter nach Osten
bis ins Bergell und Veltlin.. Im Poschlavtal dagegen verliert
sie bereits an Ansehen. Die 0'J’ sind sehr beständig und leicht
- kenntlich an prominenten schwarzen Antemarginalflecken der
Hfl. Auch die 2? dokumentieren, dass sie einer bereits kon-
solidierten ruhigen Rasse angehören. Die Hfl-Oberseite in der
40 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Regel verdunkelt, unter 30 Exemplaren meiner Sammlung be-
finden sich nur zwei vom androtropen hellen Kolorittypus. Die
Unterseite beider Geschlechter bemerkenswert durch einen manch-
mal sogar schwärzlichgrünen Anflug der Hfl.
Vorkommen: Fornazzatal f' Type (Osthelder leg.), Val
d’Antigorio (Baceno), Unteres Val d’Anzasca, Val Maggia 5 d..
1 cd’ Iselle, 1 2 Type Crevola (Koll. Fruhstorfer.) 53 fd’ 14
22 Mesocco, (6 vom Juli, Anfang August), 10 75 22 bei
Camperio im Val Blenio ca. 1100 m (Juli), 6 dd’ 10 22 Val
Piora zwischen Ambri-Piotta und Altanca ca 1000 m, Ende
Juli (H. Fruhstorfer leg.)
Am Südabhang des Simplon, jedoch in höheren Lagen wie
z. B. in der Gondoschlucht modifiziert sich osthelderi zu
einer interessanten alpinen Form. Die Exemplare werden kleiner,
oben feuriger rot, was auch für die Halbmondkette und einen
Discalfleck der Hfl. gilt. Die Unterseite lebhaft ockerfarben,
ohne Spuren grauer oder grüner, selbst nicht gelblicher Bei-
mischung. Ein solches Exemplar befindet sich in der Sammlung
Courvoisier vom 24. VJI. 1883.
Chr. virgaureae theages subsp. nova. c eine Tran-
sition darstellend von athanagild Fruhst. aus dem Engadin
zu osthelderi und im Habitus genau die Mitte zwischen
beiden haltend. Die Vfl haben bereits .die spitze Form der
Engadiner und Zermatter virgaureae und nicht die gerundete
der transalpinen osthelderi, deren schwarze Umrandung ist
jedoch viel ausgedehnter, ohne dass jedoch die robusten Rand-
punktflecken der Hfl, welche osthelderi eigentümlich sind,
erreicht werden. Auch der Farbenton der Unterseite auf den
Hfin zwar entschieden dunkler als bei athanagild, erreicht
nicht mehr das gesättigte Grün der osthelderi. Und vollends
reduzieren sich im Gegensatz zu letzteren die schwarzen Punkt-
flecken der Vfl, so dass sie eben noch den winzigen Punktreihen
der Engadiner Exemplare gleichen.
Das 2 hoffe im nächsten Jahr zu erbeuten.
Vorkommen: Poschlovtal, zwischen J,e Prese bei 900 und
Brusio bei ungefähr 700 m. (H. Fruhstorfer leg.)
Chr. virgaureae inalpinus Ver. (Journ. Linn. Soc.
Lond. Mai 1913 p. 187.) Verity trennt von der distinkten nor-
dischen Rasse Linnds die Form der Alpen von Zentral-Europa
unter dem Namen inalpinus und erhebt zur Type die grosse
und kräftig gefleckte Form vom Valdieri. (Type). Verity be-
merkt, dass virgaureae der Alpen stets von nordischen dif-
ferenziert werden können durch ihre grössere Gestalt und die
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 41
m—
reichere rote Färbung. Verity irrt in der Annahme, dass alpine
virgaureae „immer“ grösser als nordische Rassen seieu, weil
ja gerade Walliser und Engadiner Individuen im Habitus viel-
fach sogar hinter schwedischen J’/' zurückbleiben. Ferner ver-
fällt Verity bei Chrysophanes in den Irrtum, den er bei
den Argynnis und Satyriden immer wieder begangen hat,
nämlich den, zu glauben, dass für zentraleuropäische Rassen
noch keine Namen vorhanden seien!! Ausser zermattensis
Fall. 1865 und montana M.D. 1851 sind noch vier von mir
1909 und 1910 errichtete Rassen schon im Seitz erwähnt. Indessen
werden die Alpen nicht von einer, sondern sicher von 10 ver-
schiedenen Rassen bewohnt und es spricht für das geringe
Material der Verity’schen Sammlung und seine Nichtachtung
der deutschen Literatur, dass ihm beide Tatsachen entgangen
sind. Verity entwertet durch derlei Flüchtigkeiten seine Ar-
beiten, was ihm mit Recht bereits Stichel zum Vorwurf machte.
Ueber den unglücklich gewählten Namen inalpinus hat
sich Wheeler, Ent. Record 1914 bereits kritisch geäussert, aller-
dings in einer so forensischen Sprache, dass ich ihm „fortiter
in re, suaviter in modo“ für kommende Fälle empfehlen möchte.
Wenn aber Revd. Wheeler das gesamte Veritysche Werk
als einen Wust von aneinandergehäuften Namen erklärt, geht
er entschieden zu weit. Verity hat fast sein gesamtes Privat-
vermögen, mehrere hunderttausend Lire, für seine Rhop. Palä-
arktica geopfert und die beste und umfassendste Ikonographie
über die Parnassier und Pieriden geboten, welche für diese
Gruppen existiert. Auch blieb es Verity vorbehalten über die
Linne’schen Typen in London Licht zu verbreiten. Einige
Schnitzer darin sind zwar bedauerlich, rauben aber Verity nicht
das Verdienst, der Bahnbrcher auf diesem Gebiet gewesen zu
sein. Wheeler, der selbst eine beifällig aufgenommene Arbeit
über die Schmetterlinge der Schweiz veröffentlicht hat, sollte
genügend über die Schwierigkeit, mit denen ein Autor zu kämpfen
hat, ehe er sein Werk vollendet sieht, aufgeklärt sein, um
nicht so scharf abzuurteilen, wenn er irgendwo einige Fehler
entdeckt oder zu finden glaubt. Inalpinus Verity wird
der Cogne-Rasse, viel mehr noch der osthelderi nahe-
stehen. Mich verwundert nur, dass auf 1400 m, welche Höhe,
Verity als Flugplatz der inalpina angibt, eine „large and
boldly marked form“ auftreten soll, während wir im Wallis und
im Cognetal schon bei 1000 m an kleine alpine virgaureae
antreffen.
Vorkommen: Piemont, Valdieri, 1400 m.
, „Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1917, Mi
42 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Chr. virgaureae subsp. nova? cd’ noch grösser als der
Durchschnitt der osthelderi — oberseits lichter orangefarben
— der Saum der stark gerundeten Vfl schmäler, die Rand-
flecke der Hfl aber fast noch grösser und beinah isoliert stehend.
Unterseite fahl lehmgelb, ohne den grünlichen oder schwärzlichen
Anflug der südalpinen Formen.
Vorkommen: Alpes Maritimes, aus etwa 800 m Erhebung.
20. Juli. Balestre leg.
Weil mir Valdieri-Exemplare in Natur unbekannt geblieben
sind, vermag ich nicht zu beurteilen, inwieweit die Rasse des
Südabhangs der Seealpen von jener der Nordseite (Valdieri)
verschieden sein kann.
Chr. virgaureae apennina Calb. 1996. Von dieser Form
liegen mir nur 4 7‘ vom Monte Autore vor, welche ich Herrn
Grafen Turati verdanke.
Chr. virgaureae miegi Vog. 1857. Aus Spanien beschrie-
ben und auch aus den Pyrenaeen bekannt. Dass aber miegi noch
in Armenien auftritt, was der Staudingersche Katalog meldet,
gehört ins Reich der Phantasien. Armenische virgaureae und
solche vom Pontus werden vielmehr einer unbeaehteten Rasse
angehören, deren Entwicklungslinie ziemlich nahekommen wird
der Chr. virgaureae aureomicans Heyne (1897) Taurus,
Mersina.
Chr. virgaureae alexandrae Fruhst. (J. E. Z. Guben
1909 p. 120). Ursprünglich aus dem Ural erwähnt, lässt sich ihre
Verbreitung jetzt weit nach dem Westen verfolgen. Alexan-
drae stellt das melanotische Extrem der Entwicklungsrichtung
dadurch vor, dass nicht nur die gesamte Oberfläche der Hfl
mit Ausnahme der rotgelben Randmonde, sondern auch noch
die Basis der Vfl tief schwarz überdeckt sind. Der Randsaum
der Vfl beginnt sich zu verbreitern und die Unterseite bleibt
ziemlich konstant ockerfarben, mit bräunlicher Beimischung auf
den Hfl. Die schwarze Diskalpunktierung der Hfl schwächer
als bei virgaureae von deutschen oder alpinen Fundorten.
Vorkommen: Ural, die herrschende Form in Transsil-
vanien, auf der Fatra; selbst noch in Nieder-Oesterreich als
Aberration vorkommend.
Chr. virgaureae virgaureola Stgr. Nach Courvoisier
aus dem Kentei-Gebirge. Staudingers Katalog gibt ferner Daurien
und die nördliche Mongolei als weitere Flugorte, zu welchen
zweifelsohne auch noch der Altai und das östl. Sibirien gezogen
werden müssen, Gebiete, welche Staudinger von „normalen“
vigaureae bewohnt sein lässt. Also auch hier wieder die-
ee
H. Fruhstorfer. Neue palaearktische Lycaeniden. 43
selbe zoogeographische Unklarheit, wie bei miegi. Exemplare
aus dem Kentei kenne ich nicht. Dagegen besitze ich 5 J’d”
1 2 aus der Umgebung von Irkutsk, welche sehr wahrscheinlich
als Form der Niederung an virgaureola der östl. Gebirge
angeschlossen werden dürfen. Der c’ ist stets heller, grösser
und zeigt spitzere Vfl als schwedische virgaureae. Die
Unterseite viel dunkler, reicher an orangefarbenem Anflug, aber
ärmer an weissen Flecken. Staudingers Diagnose besagt, dass
virgaureola zwischen deutschen und hochnordischen Stücken
stehe und einen markanteren schwarzen Saum als germanische
Individuen besitze. Das ist vollkommen richtig. Vom % er-
wähnt Staudinger nur, dass es unten dunkler sei, der prächtigste
Trennungscharckter besteht aber auf der Oberseite mit ihrem
so ausgedehnten Randsaum der Vfl, dass er sogar die robusten
Submarginalpunktflecken bereits zu absorbieren beginnt. Im
Gegensatz zu alexandrae ist die Basis der Vfl völlig nackt
und zeichnungslos, sodass ein bei keiner anderen Rasse zu be-
obachtender Kontrast zwischen den zeichnungsarmen, im Mittel-
feld sehr hellen Vfi und den wie bei alexandrae ge-
schwärzten Hfl entsteht. Virgaureola ist zudem bedeutend
kleiner als die uralensisch-siebenbürgische Formengemeinschaft.
Vorkommen: Kentei (Staudinger) Baikalsee (Koll. Fruhs-
torfer) Ost-Sibirien, Mongolei, Altai, (Stgr.)
Altes und Neues über Erebien.
Von H. Fruhstorfer, Genf.
Zu den von den Liebhabern am meisten verachteten Tag-
faltern zählt unstreitig die „gemeine“ E. medusa, die erste
Erebia, welche im Flach- und Hügelland Mittel-Europas im
Nachfrühling die grosse Lepidopteren-Flugzeit einleitet. Forschen
wir aber genauer nach, so stellt sich heraus, dass sich keiner
der früheren Autoren und Katalogschreiber über die wahre
Heimat der nomenklatorischen Type unterrichtet hat und dass
namentlich über die deutschen Rassen noch völliges Dunkel
herrscht.
Der Entdecker der Art ist Denis, welcher sie 1776 im
Wiener Verzeichnis p. 167 mit dem charakteristischen und zu-
treffenden Namen „Blutgrasfalter* vorführte, als Autor gilt
Fabricius, der sich 1787 gerechterweise ausdrücklich auf Denis be-
zieht, aber zugleich den ersten Fehler in die,Literatur einführt.
44 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Nach Butler, Kat. Fabr. Lep. 1869 p. 25 erwähnt nämlich
Fabricius „Austria punica“ als Heimat des Falters. Ein „Austria
punica“ kennt jedoch die Geschichte nicht. Mit den punischen
Kriegen oder mit „Punica“, dem Granatapfelbaum, hat die
Heimat der medusa keinerlei Beziehungen. Fabricius konnte
somit nur „Pannonia“ gemeint haben, jene grosse römische
Provinz, welche sich zwischen Norecium und Dacien ausbreitete,
zu deren Machtbezirk das heutige Wien und somit die erstbe-
kannte Heimat unseres Falters gehörten.
E. medusa stammt, wie wir dies aus dem Wiener Ver-
zeichnis erfahren, aus der Umgebung von Wien und somit sind
nur dortige Stücke als typisch zu betrachten. Aber schon in
Pannonien, dem heutigen Nieder-Oesterreich, haben wir nicht
weit zu gehen, um einer anderen Rasse zu begegnen, denn am
Schneeberg verschwindet medusa, das Kind der Ebene, um
einer montanen Form, einem Uebergang zuE. hippomedusa
Ö. Platz zu machen. Aber selbst wenn wir im Donautal bleiben
und nur bis Krems und Melk stromaufwärts blicken, finden
wir eine weitere prächtige Rasse, welche analog dem Par-
nassius cetius schon längst einen Namen führen würde,
wenn eine Erebia ein Parnassier wäre.
Donauabwärts hält sich medusa ziemlich unverändert bis
Budapest. Erst im Banat und sonst im südlichen Ungarn
ändert medusa ihre Tracht, um sich bei Mehadia am Domoklet
zur herrlichen E. psodea Hb. umzubilden. Im südlichen
Mähren wird medusa sehr unruhig. Der dortige Haupttyp
bleibt zwar den Wiener Traditionen treu, viele Exemplare bilden
aber dagegen einen entschiedenen Uebergang zu psodea. In
der Bukowina und wohl auch sonst in den transsilvanischen
Alpen begegnen wir einem Anklang zur pannonisch-montanen
Rasse, nämlich der procopiani Horm., welche mir in Natur
unbekannt ist.
Die bulgarische Balae welche der an din und
Eiffinger-Seitz noch zu psodea rechnen, verdient aber sicher
bereits einen Namen als euphrasia subsp. nova. Die Ozellen
erreichen bei ihr nicht die vollendete Entwickelung der psodea,
wenngleich sie äusserst ansehnlich bleiben und jene von me-
dusa medusa in der Grösse übertreffen, und vollends der
gelbe Ozellenvorhof zeigt weder die Ausdehnung noch das helle
herrliche Gelb der mehadischen psodea.
Auch auf der Unterseite beider Flügel bleibt die Ozellen-
peripherie weit dunkler rotbraun als bei südungarischen psodea.
H. Fruhstorfer. Altes und Neues über Erebien. 45
Vorkommen: . Bulgarien, Rila und Rhodope, 6 0" 18,
Monte Maggiore, Istrien, 2 22, Borshom, Kaukasus, 2 1%
Sammlung Fruhstorfer. Eine grosse Serie 0‘ $ aus Bulgarien
in der Sammlung von Leonhard.
In Bosnien begegnen wir einer Diminutivrasse, narona
subsp. nova, die sich ihrerseits sofort wieder in zwei Niveau-
formen scheiden lässt, jene der Niederung mit relativ reich gelb
umringelten Augen (Trebevic) und die von mir als Namenstype
hier eingeführte Höhenbewohnerin vom Maklenpass und Koricna,
die sich von hippomedusa aber immer noch durch grössere
Ozellen und namentlich fahler und breiter ausgeflossene gelb-
braune Flecken beider Flügel differenziert.
Die Unterseite der 22 erscheint viel heller grau als bei
hippomedusa.
Vorkommen: Bosnien, Maklenpass, Koriena, Anfang Juni
(7 dd 4 55 Sammlung Fruhstorfer.) Eine grosse Serie in
der Sammlung von Leonhard. Trebevic 3 d'cd‘. Herzegowinische
Exemplare werden sich vermutlich mehr den bulgarischen eu-
phrasia nähern, denn in der Regel übertreffen alle herzego-
winischen Formen die bosnischen Schwesterrassen im Habitus.
Auf deutschem Boden entwickeln sich aus dem medusa-
Stamm drei bis vier Rassen. Wir treffen nämlich in Germanien:
a. eine grosse Ortsform im Rheintal.
b. eine habituell kleinere am oberen Donaulauf.
c. eine montane Form im Schwarzwald, den Vogesen.
d. eine hochalpine im Allgäu.
Die medusa der Donau- und Rheinniederung schliessen
sich im allgemeinen eng an die medea der Wachau an und
es kommen Individuen vor, die durch luxuriante gelbrote
Fleckung E. medusa psodea vortäuschen. Bei dieser Sach-
lage ist sehr verständlich, dass ältere Beobachter wirkliche
„psodea“ im Grossherzogtum Baden oder, wie Eiffinger-Seitz
skeptisch sagen, „angeblich auch als Aberration vereinzelt in
Mittel-Europa“ auftreten lassen. Es handelt sich aber durchaus
nicht um zufällige Aberrationen, sondern um die Vertreter einer
durchaus prägnanten, vollausgebildeten Territorialrasse, für welche
ich den Namen brigobanna subsp. nova einführe. (Brigobanna
ein Ort an der Donau, ehe diese nach Vindelizien übertritt.)
JS’ kleiner als medusa aus der Umgebung von Wien,
Budapest und aus dem südlichen Mähren, die Rotfleckung der
Vfl. nicht bindenartig vereinigt wie bei medusa aus der
Wachau, sondern überwiegend in isolierte Makeln aufgelöst und
dadurch mehr an grossfleckige hippomedusa gemahnend.
46 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
2 viel näher der psodea als die bosnischen, bulgarischen und
Wachauer Exemplare, aber die Ozellenkerne und der Vorhof
der Augenflecken erreichen weder die Grösse noch (namentlich
unterseits) die Ausdehnung oder die helle Färbung der psodea.
Es treten aber sehr häufig Verbreiterungen der gelbroten Binden
bis zur Vfl.-Zelle ein, so dass bei derlei extravaganten Indivi-
duen selbst die prägnanteste pso dea- Färbung noch überboten
wird.
Vorkommen: Umgebung von Ulm 22 ”d8 22. (Samm-
lung Fruhstorfer). Wiesbaden, Koblenz, Kassel, Lothringen,
München 10 dd‘, 5 22, einem grösseren Typus angehörend.
meisneri subsp. nova ist die dritte deutsche Form oder
besser gesagt die verdunkelte montane Abweichung der farben-
prächtigeren brigobanna der Donauniederung und des
Rheintales.. Die Rasse ist nicht auf deutschen Boden beschränkt,
sondern folgt dem Höhenzug des Jura bis in die Nähe von
Genf und vermutlich darüber hinaus. Eine Diagnose lieferte
bereits Meisner, der berühmte Verfasser des ersten wissenschaft-
lichen Verzeichnisses der Schmetterlinge der Schweiz, in dem
er dort (Naturwissenschaftlicher Anzeiger 1818 p. 78) sagt:
„Ob der Schmetterling, den wir auf den höchsten Purkten des
Jura, z. B. auf dem Weissenstein oberhalb Solothurn im Juni
häufig antreffen, wirklich medusa der Autoren sei, ist noch
nicht ausgemacht. Er ist immer kleiner als medusa und
hat viel ähnliches mit psodea, besonders sehr vollkommene
22. Doch finden sich auch von dieser abweichende Charaktere,
so die zerstückelte Binde, die etwas kleineren Pupillen usw.
Zu dieser Beschreibung Meisners hat Öchsenheimer im
vierten Jahrgang des von Meisner redigierten Anzeigers No. 12
p. 15 folgende Bemerkung einrücken lassen: „Die hier be-
schriebene kleinere „Art“ habe ich vor 2 Jahren aus Steiermark
erhalten, sie ist offenbar „eigene Art* und von mir hippo-
medusa benannt.
Vorkommen: Schwarzwald, Titisee 28. Juni (Hauptmann
Schmidt leg.) Jura bei Neuenstadt (Fruhstorfer).
subalpina Gumppbg. 1888. Die am schärfsten um-
grenzte Rasse deutschen Gebiets und ziemlich sicher die
überhaupt am weitesten vom Typus der Donauebene ab-
weichende Form ; es bedurfte der herkömmlichen Willkür
und Nichtachtung vor dem Schaffen anderer Zeitgenossen
(welche das Wirken Staudingers charakterisierte) dass Stau-
dinger auch diese prächtige Rasse als Synonym vergewaltigte
und mit hippomedusa zusammenwarf. “ Özellen der
H. Fruhstorfer. Altes und Neues über Erebien. 47
—_
Vfl. der d’d’ viel grösser als bei hippomedusa von Steier-
mark, der rotgelbe Ozellenvorhof namentlich der 2? ausgedehnter.
Unterseite der Hfl. der ?? zudem breiter grauviolett umrandet,
wie es in solcher Schönheit ‚keine der übrigen medusa-Orts-
formen aufweisen kann.
Vorkommen: Allgäu, ‘Oberstdorf, Juni, (Osthelder leg.) 7
d’e 5 ?2 Samml. Fruhstorfer. Voralberg 2 56.
Letztere sind bedeutend grösser als Allgäuer Individuen
und vermutlich aus tiefer gelegenem Fundort stammend.
Wir kommen nun zu den interessanten und in ihrer Ge-
samtheit noch nie gewürdigten Rassen der Schweiz, wo sich,
wie üblich, auf kleinstem Raum die heterogensten Formen ver-
einigt finden. Leider ist nur ein ganz kleiner Teil der Schweiz
auf die medusa- Formen hin durchforscht, weil die Falter ja schon
längst verflogen sind, wenn die Feriensammler die üblichen
Modeorte abzusuchen beginnen. Ich bin somit fast ausschliess-
lich auf das von mir persönlich aufgebrachte Material ange-
wiesen. Eine äusserst klare Darlegung über die schweizer
medusa gab übrigens Meyer-Dür, dem allerdings wie selbst
noch Vorbrodt, die südlichen Rassen unbekannt blieben. In-
dessen ist es Meyer-Dür zu danken, dass er die von Meisner be-
schriebene und von Öchsenheimer „benennete“ sogenannte Art
hippomedusa auf ihren wahren Wert zurückführte, nämlich
zur montanen medusa-Form des Jura-Höhenzuges. Es sei
mir deshalb gestattet, folgende Aufstellung der schweizer me-
dusa-Formen zu geben.
E. medusa meisneri Fruhst.
E. medusa Meisner 1818 p. 78. Jura „eigene Art.“
E. hippomedusa 0. in Meisners Nat. Anz. 1 v. 1822?
No. 12 p. 15. Steiermark, Jura.
E. medusa Meyer-Dür 1851 p. 163, keine Art, wohl
aber montane Form. Frisch um den 12.—20. Juni auf dem
Kamme und an den höchsten Grasabhängen des Jura, am Weis-
senstein bei 3700 — 3900’ in wahrhaft zahlloser Menge. Lauter-
brunnental bei Wengen 3900’. Glarus oberste Fluggrenze bei
6000’.
E. medusa hippomedusa Frey. 1880 p. 38. Basel,
Liestal, Bechburg, Nairs und Gürgaletsch in Graubünden.
E. medusa var. hippomedusa Wheel. 1903 p. 130.
Tarasp.
E. medusa var. psodea Wheel. p. 131. Pontarlier.
Meyer-Dür wiederholte die Angaben Meisners wie auch jene
von Ochsenheimer und bringt dann die erste vollständige Be-
48 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
schreibung von drei in der Schweiz auftretenden Rassen. Ich
selbst habe meisneri im Jura im Jahre 1906 Anfang Juni
oberhalb Neuveville in sehr mässiger Anzahl gesammelt und
fand später ähnliche Exemplare auf der Faucille und am Saleve
bei Genf, so dast meisn eri als Jurabewohner vom Schwarz-
wald bis zum Rhönedurchbruch betrachtet werden kann. Ver-
mutlich gehören auch med usa der Vogesen zu dieser Rasse.
Dagegen gelten einige von Frey zuerst aufgeführten Fund-
orte, wie Basel, Liestal, Bechburg viel wahrscheinlicher für die
nächstfolgende Rasse des Flachlandes, und die Graubündener
medusa dürften vollends einer besonderen alpinen Form an-
gehören.
E. medusa charila subsp. nova.
E. medusa M.D. 1851 p. 165. Auf allen lichten Wald-
wiesen von Mitte Mai an bis um den 20. Juni gemein.
E. medusa Frey 1880 p. 38. Wohl überall in der
Ebene und dem Hügellande im Mai und Juni, bald seltener,
bald häufiger.
E. medusa Wheel. Butt. Switz. 1903 p. 130. Ge-
meiner im Norden als in der Südschweiz, selten auf bedeutender
Höhe, häufig nur im niederen Lande. Bei Caux einmal häufig.
E. medusa Cat. Lep. Geneve. 1910 vom 13. Mai bis
26. Juni, häufig im Tale von Versoix.
E. medusa charilla ist eine Parallelform der süddeutschen
brigobanna, und folgt derselben Entwicklungsrichtung verbunden
mit einer Progression aller für brigobanna gültigen Merkmale.
Nur sind die d’ von charila in noch höherem Grade gynaiko-
trop, die Pupillen der Ozellen prominenter weiss gekernt, beim
? in der Regel zahlreicher und die rotbraune Fleckung feuriger
im Farbenton und noch breiter ausgeflossen. Wie bei brigo-
banna tritt die von Vorbrodt registrierte Form dilucescens
Gram. häufig in Erscheinung.
Vorkommen: Umgebung von Genf, Namenstype von Ver-
soix. 24 fc’ 6 $%2 in der Sammlung Fruhstorfer. In grosser
Anzahl im Museum in Genf. Diese Form zählt zu den am leich-
testen zu erbeutenden Schmetterlingen. Man findet charila
auf sumpfigen, von Wassergräben durchzogenen Waldlichtungen
im dichtesten Gestrüpp, wo sich die Falter auf Zweige und
Blätter setzen, oder auf den Grasbüscheln der mehr wiesen-
artigen Blössen längs der holprigen Fusswege wiegen, welche
den Jungwald der Jura-Ausläufer bei Genf durchziehen. Es ist
eine Kleinigkeit, innerhalb 2 Stunden 40 bis 50 Exemplare zu
erbeuten. Nach meinen Beobachtungen am 2. Jumi dieses Jahres
H. Fruhstorfer. Altes und Neues über Erebien. 49
erscheinen in den Morgenstunden zuerst ausschliesslich 4".
Erst gegen Mittag, wenn die Sonue höher steigt, drängen auch
die 2? aus ihren feuchten Verstecken zum Tageslicht und zur
Sonnenwärme.
E. medusa generosa subsp. nova. E. medusa Oberth.
Etudes 1909, p. 295. Monte Generoso bis ungefähr 1400 m.
Häufig auf steilen Wiesen vor dem Gipfelhotel.
E. medusa und hippomedusa Favre p. 42. Selten
in der Laubholzregion, am Simplon, bei Zermatt u. s. w.
Eine prächtige Form, die Oberthür zuerst beobachtet hat,
ohne sie jedoch zu erkennen und vergleichender Weise den
übrigen medusa gegenüber zu stellen. Exemplare ansehnlich,
grösser als der Durchschnitt der Genfer Rasse, deren 22
im Gegensatz zu charila und «Jen süddeutschen Individuen
androtrop. Praeapikalozellen stets getrenut, sehr gross, aber mit
dunkler roter Peripherie als charila. Augenflecken der Hfl
unbedeutend, etwa wie bei meisneri angelegt.
2 Pupillen aller Ozellen kräftig weiss gefleckt, die Augen-
flecken selbst aber kleiner und dunkler rotbraun umringelt als
bei charila. Im allgemeinen gleichen beide Geschlechter mehr
der Rasse aus dem Grödnertal in Tirol als irgend einer Schweizer
Form.
Vorkommen: Monte Genoroso, 20. Juni 1916. Wallis,
Simplongebiet 5 Sf 2 22 (von H. Fruhstorfer gesammelt).
Saviese oberhalb Sion (Jullien).
Die Walliser Rasse wird hier nur einstweilen bei generosa
untergebracht, um einen weiteren Namen zu vermeiden. Wer
jedoch mit den zoogeographischen Verhältnissen der Schweiz
vertraut ist, wird ohnedies a priori annehmen, dass Walliser
und Tessiner medusa nicht identisch sein können.
Der Fang der E. medusa zählt zu den reizvollsten Er-
innerungen meiner Sommerreise von 1916, Auf den Hotel-
wiesen, welche Oberthür erwähnt, wird sich medusa infolge
des ausgedehnten Weidebetriebes heutzutage kaum noch finden.
Die Abstürze aber, auf welchen Georg Krüger und ich in diesem
Frühjahr generosa erbeuteten, hat Mons. Oberthür sehr wahr-
scheinlich nicht betreten. Die von uns als Jagdgrund erwählten
Strecken sind gefährlich steil und zum Ueberfluss noch von
grossen, glatten, vertikal gestellten, im Grase versteckten Stein-
platten durchsetzt, welche bei aller Vorsicht ein wiederholtes
Ausgleiten und Abrutschen trotz eisenbeschlagener Stiefel im
Gefolge hatten. Zwischen den weit verstreuten Felsblöcken
50 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
treiben dann noch Vipern ihr Wesen, wie denn überhaupt der
Generoso einen Schlangenreichtum aufweist, wie er mir seit dem
südlichen Brasilien nirgendswo begegnet ist. Für die alpinen
und animalischen Gefahren aber wird der Naturfreund hoch dort
oben entschädigt durch eine wundersame Flora. Päonia
peregrina erhebt ihre leuchtenden, eleganten Blütenköpfe
über weitausgreifende Helleborus-Stauden, grossblumige Ge-
ranium wetteifern mit Paradisea liliastrum, Myosotis, blauer
Enzian öffnen mit schneeweissen Narzissen und Maiblumen
zugleich ihre Kelche! Ueber all diese Blütenpracht hinweg tummeln
sich die medusa zwischen 1800 und 1400 m Höhe, stets einzeln,
aber im Gefolge anderer kostbarer Beute, nämlich der gleichfalls
schnellflügeligenM elitaea aurinia comacina Tur. und
einer neuen grossen Pieris napi-Form, welche bryoniae
am Generoso ersetzt. Weiter unten aber zwischen 1400 und
1200 m, da wo sich die Flanken und Rippen des Berges weiter
vorschieben, und die Grashalden leichter gangbar werden, ver-
schwinden diese Herrlichkeiten, um den Vulgaritäten der Tal-
fauna Platz zu machen. An Stelle der seltenen comacina
fliegt dann die gemeine M. athalia, und statt der bryoniae
kreuzen napi und crataegi den Wegessaum.
E. medusa cercida subsp. nova. E. medusa var.
hippomedusa Wheel. p. 130, Fusio 1—12. Juli, Chap-
mann. E. medusa und hippomedusa Frey p. 38, Trafoi.
Diese interessante alpine Form ist den Genfer Amateuren
und auch mir schon seit vielen Jahren als am meisten von
charila abweichend bekannt, und bereitete es mir eine be-
sondere Freude, Exemplare davon an Ort und Stelle beobachten
zu können. Als ich dieses Jahr am 22. Juni nach Fusio kam,
begann medusa zwischen Peccia (ca 900 m) und Fusio
eben zu schlüpfen. Die Imago waren noch sehr selten, und es
gilt für sie dasselbe, wie für E. medusa generosa, sie flogen
ungemein schnell, waren äusserst misstrauisch und es kostete
mich eine halbe Stunde intensivsten Jagens, um 3 J’J’ habhaft
zu werden. | {
Von Norden nach Süden findet sich medusa demnach
in folgenden bisher festgestellten und umgrenzten Abzweigungen:
E. medusa polaris Stgr. 1861 Lappland, Ost-Sibirien ?
Finnland, Vorberge des Ural (Rühl).
E. medusa brigobanna Fruhst. Type aus Ulm, nord-
wärts von mir bis Cassel festgestellt. Hierzu gehören vermutlich
auch noch belgische medusa und solche von der Marne und
der Aisne, welche Oberthür erwähnt. Weitere interessante
H. Fruhstorfer. Altes und Neues über Erebien. 51
Fundorte kannte Rühl p. 485, nämlich: Lüneburg, Oberharz,
Schlesien, Sachsen, Fichtelgebirge, Regensburg, Karlsbad.
E. medusa subalpina Gumpp. Allgäu. Voralberg?
E. medusa medusa Denis-Fabric. Umgebung von
Wien, Wachau, Südmähren, Budapest (50 7’ einige 2? Koll.
Fruhstorfer.) Rühl nennt noch: Hohe Tatra, Nord-Ungarn,
Lemberg.
E. medusa forma nova. Eine montane Form der Gebirge
Nieder-Oesterreichs, Schneeberg, Gutenstein, Mandling, Piesting,
Hohe Wand, Maria Zell, Oetscher, Sankt Ullrich im Grödenertal,
Mendel (Dr. Schawerda leg.) darunter ein Riesen 2 von Maria
Zell, das grösste unter 240 Exemplaren meiner Sammlung.
Hierzu wahrscheinlich auch die Formen der Rühlschen Fundorte:
Kärnthen, Siebenbürgen, Tatra, Rumänien, Dobrudscha, soweit
.es sich nicht um eigene Rassen handelt.
E. medusa hippemedusa O0. Die hochalpine Form.
Sehr selten in den Sammlungen. Nur ein 2 Steiermark, 3 d'd’
Nordtirol in Koll. Fruhstorfer. Fehlt in der Sammlung, welche
mir Herr Dr. Schawerda in liebenswürdigster Weise zur Ansicht
sandte.
E. medusa psodea Hb. Mehadia, Südrussland?
E. medusa euphrasia Fruhst. Bulgarien, Kaukasus,
Armenien? Pontus? Ararat? Istrien (Dr. Schawerda leg.)
E. medusa narona I'ruhst. Bosnien.
E. medusa uralensis Stgr. Ural.
E. medusa transiens Rübl. Kentei, Urga, Tschita,
Transbaikalien (Koll. Fruhstorfer).
E. medusa meisneri Fruhst.e Schwarzwald, Jura,
Vogesen, Ardennen. |
E. medusa charila Fruhst. Kanton Genf, wahrscheinlich
überall in der Schweizer Niederung nordwärts bis Basel.
E. medusa generosa Fruhst. Monte Generoso, Wallis. ?
E. medusa cercina Fruhst. Tessin, Bernhardino. Südtirol.
E. medusa themistocles de Loche, Piemont, Lom-
bardei, Mittel-Italien (Rühl).
Der Name E. medea Bkh., welchen ich gerne auf die
mitteldeutsche Rasse übertragen hätte, lässt sich leider nicht
verwenden, weil er homorym ist mit medea Denis 1761
p- 167. medea Denis ist zwar nur ein nackter Name, der
noch dazu durch den allgemein bekannten L. aethiops Esp.
überholt wurde, aber dieselbe Bezeichnung darf nicht zweimal
in einem Genus vorkommen, auch nicht für Subspeziesbezeich-
nungen. |
52 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Erebia aethiops Esp. Die medea der Theresianer und
Hübner’s, der sie in Wäldern allenthalben vorkommen lässt.
Esper, der erste Autor, welcher die Art mit einer Diagnose
umschrieben hat, nennt Franken als Heimat. Von dort stammt
also die Type. Mir fehlen fränkische Exemplare, doch weisen
Espers Figuren keine erhebliche Differenz mit Individuen aus
dem südlichen Oberbayern auf. aethiops gilt als die ge-
meinste Erebia, und ist es wahrscheinlich auch, ihr Verbreitungs-
bezirk ist noch ausgedehnter als jener von medusa und um-
fasst ganz Europa von Schottland an bis Italien und zu der Türkei,
und von Livland an bis zum östlichen Sibirien. Gleichwie
medusa aber wird sie im westlichen Europa selten, sie fehlt in
den Pyrenäen vollständig, und Oberthür, Etudes 1909 p. 325
kennt nur die Franche Comte, die Auvergne, Basses Alpes und
Savoyen als Flugorte. In ihren nördlichen Wohnbezirken bleibt
aethiops äusserst beständig, in den Alpenländern beginnt sie
jedoch unruhig zu werden und es zeigen sich teilweise scharf
umgrenzte Territorialformen. Die Schweiz hat, ebenso wie von
medusa, auch hiervon den Löwenanteil, vielleicht aber nur,
weil sie am gründlichsten erforscht ist. Weitaus das interes-
santeste Faktum aber bildet das Vorhandensein einer alpinen
Rasse, welche allen Autoren, von Esper und Meisner angefangen,
bis zur Jetztzeit entgangen ist, wenngleich sie mindestens so
gut von der Talform geschieden ist als EEoeme lugens
Stgr. von E. oeme der tiefer gelegenen Flugplätze.
Die geographischen Spaltzweige der Gesamtart dürfen wir
aufteilen in:
E. aethiops caledonia Ver. Schottland. (B. S. E.
France 1911 p. 311.) Es ist nicht ausgeschlossen, dass der
Name vor alceyone Stew. 1817 weichen muss, vorausgesetzt,
dass Steward eine britische aethiops damit umschrieben hat,
was ich hier nicht ermitteln kann.
E. aethiops blandina F. 1787. Weil Fabricius „Ger-
mania“ als die Heimat seiner blandina angibt, glaube ich
den Namen für alle nordischen aethiops erhalten zu dürfen,
schon um eine Neubenennung zu umgehen. Zudem ist es
sehr wahrscheinlich, dass Fabricius auf norddeutsche aethiops
seine Diagnose begründet hat.
Vorkommen: Norddeutschland, Mecklenburg, Russland,
Viatka, (Stange leg., Koll. Fruhstorfer), Belgien, Nordfrankreich,
Teile von Ungarn. |
E. aethiops aethiopella Stgr. Kentei, Ufa, Urga,
Altai (Koll. Fruhstorfer). Ursprünglich vom Köntei beschrieben,
H. Fruhstorfer. Altes und Neues über Erebien, 53
eine ausgezeichnete Höhenform, aber viel weiter verbreitet und
im Ural auch in die tieferen Täler herabsteigend. Sie setzt da
ein, wo blandina sich zu verlieren beginnt, und zwischen
kleinen blandina und aethiopella ist keine scharfe
Grenze zu ziehen. Am Baikalsee existieren ausserdem aethiops,
welche südbayerischen Exemplaren an Grösse und Entwickelung
der Rotbinde kaum nachstehen.
E. aethiops leucotaenia Stgr. Krain, Herzegowina.
Die ansehnlichste der aethiops-Rassen, die mir neuerdings
durch Herrn Dr. Schawerda auch aus der Herzegowina über-
sandt wurde. Wir werden sie ziemlich sicher von Laibach an
bis Istrien und vermutlich bis Südalbanien-Mazedonien nach-
weisen können. Der Name ist unglücklich gewählt, hat zu
grossen Irrtümern Veranlassung gegeben, aber weil ihr Autor
sie ausdrücklich als geographische Varietät und als Aberration
aufgefasst haben wollte, so nehme ich hier vorbehaltlos den
Namen als Rassebezeichnung an.
E. aethiops aethiops Esper. Von mir in grosser
Anzahl bei Berchtesgaden (August 1901) gesammelt, auch von
Oberaudorf, Voralberg, Umgebung von Innsbruck, von Gastein,
der Hohen Tatra, Transsilvanien, in grosser Anzahl in meiner
Sammlung. |
E. aethiops altivaga forma alpina nova. E. medea
Meyer-Dür p. 175 bis 4800’.
E. medea Frey 1880 p. 42. Die Höhengrenze 4500 bis
5000’, ohne dass diese Stücke von denjenigen der Ebene ab-
weichen! (sic!)
E. aethiops Vorbr. 1911 p. 81. Vom Juli bis September
und bis 2000 m. Exemplare kleiner als aethiops des Tief-
landes, die rote Binde der Vfl stets in der Rückbildung, von
jener der Hfl häufig nur noch Rudimente in Gestalt winziger
Özelleninselchen vorhanden. Auf der Unterseite in der Regel
alle Binden und Streifen mehr verwaschen. Vorkommen:
Kanton Glarus am Glärnisch, von etwa 1400 bis 1600 m
(22 SS 3 PP) auf eine ganz schmale Stufe beschränkt,
welche da einsetzt wo die letzten Apollo ihre Höhen-
grenze erreichen und die ersten Argynnis pales und
Erebia oeme zu fliegen beginnen, mit einem Wort dort,
wo die Fauna und Fiora der mittleren alpinen Region in die
hochalpine übergehen.: Besonders schön am Col de Golese, der
von Champery nach Samoöns in Savoyen führt (20. August
1910), Tournette, 25. Juli 1911 und Pralognan von mir ge-
54 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917,
funden. Ausserdem vom Nebelhorn im Allgäu und von Davos
in meiner Sammlung. (10 dd 5 PP).
E. aethiops sapaudia subsp. nova. (E. aethiops,
Cat. Lep. Geneve 1910, 19. Juli bis 8. September). Exemplare
am Südabhang des Saleve besonders schön, 2 bis zu 6 Ozellen
der Vfl. /
c'd" oberseits namentlich auf den Hfl in der Regel noch
lebhafter und ausgedehnter rotbraun als aethiops aus Bayern.
2. oberseits lebhafter, heller und vorwiegend orangegelb, die
farbenfreudigste aller aethiops. Unterseite gleichfalls bunter,
alle Binden schärfer und die Kontraste zwischen den rot- und
gelbbraunen Streifen auffallender. Ozellen-Hypertrophie die
Regel und zwar bei beiden Geschlechtern.
Falter von Mitte August an auf etwa 600— 700 m Erhebung
am Saleve und auch bei Versoix und sonst im Jura ausseror-
dentlich häufig, eine wahre Zierde der Landschaft. Die aethiops
finden sich im Waldnachwuchs, da, wo die Bevölkerung nur
Strauchvegetation aufkommen lässt (weil alle paar Jahre für
Brennholzbedarf abgeholzt wird) auf den Blättern junger Eichen,
essbarer Kastanien und Zwergbuchen, stets in Gesellschaft von
Satyrus dryas, während in ihrer Nähe auf den grasigen
und steinigen, bereits völlig der Strauchvegetation beraubten
Abhängen als letzte gute Beute Satyrus briseis in Anzahl
vorkommen.
Die Schmetterlinge sitzen häufig paarweise und sind spielend
leicht zu sammeln.
Vorkommen: Umgebung von Genf, wahrscheinlich dem
Jura entlang bis Bern und Basel. 22 ff 14 2? Koll. Fruh-
storfer.
E. aethiops rubria Fruhst. (Soc. E. 1909 p. 125.
Fusio.)
E. aethiops rubria Vorbr. :ter Nachtrag 1914 p. 612.
„Die schöne Form erbeutete Fontana am Monte Generoso.“
(Vorbrodt).
Diese namentlich im Vergleich mit Tiroler und anderen
Schweizer aethiops hochspezialisierte Rasse bleibt in der
Grösse nur wenig hinter leucotaenia Stgr. von Krain zurück.
Die gesättigt rotbraune Binde der Vfl viel kürzer als bei
aethiops und schärfer umgrenzt; dagegen tritt das Rot der
Hfl, verglichen mit jenem von sapaudia, zurück, während
die weissen Augenkerne stets deutlicher hervorstehen. Auch
beim 2 verändert sich die rotbraune Ozellenperipherie der Hfl
verglichen mit jener von sapaudia.
H. Frühstorfer. Altes und Neues über Erebien,; 55
Die Falter beobachtete ich dieses Jahr als relativ häufig
am Bahndamm zwischen Mesocco (ca 700 m) und Soazza (ca
600 m). Die Schmetterlinge waren ausserordentlich scheu und
nur mit grösster Geduld und Umsicht zu erbeuten. Wir haben
also beiden aethiops dieselbe Lebensweise wie bei den medusa
von Fusio und vom Generoso. Wie erklären wir dieses ab-
weichende Verhalten einiger Herden dieser sonst so trägen
Falter ?
Ich vermute, dass es am Generoso und bei Fusio der Kampf
mit den dort fast beständig wehenden starken Winden ist, der
die medusa zur Beweglichkeit und Fluggewandtheit zwingt.
Auf der Bahnstrecke aber siud es die ungefähr alle Stunde vor-
beigehenden Züge, welche die Falter aufscheuchen und von
ihren Ruhplätzen auf der reichen Flora des Bahndammes ver-
jagen. Die Falter werden somit „nervös“. Kommt dann irgend
eine andere Störung, in diesem Falle also der Sammler, mit im
Kiese knirschenden Nagelschuhen und dem weissen wehenden
Netz, so erheben sich auch dann die aethiops, um schleunigst
das Weite zu suchen. Eine Aenderung in ihrer Lebensweise
tritt erst abends ein. Dann setzen sich auch diese Erebien auf
(die Blüten des Wasserhanfs und der Brombeeren zur Nachtruhe,
und ein einziger Schlag ergab einmal 15 E. aethiops und
Satyrus dryas neben einer ganzen Schule diverser Chry-
sophanus- Arten.
Vorkommen: Fusio (Type) Mesocco 20 FF 6 22, Val
Blenio ca. 1000 m, 2 f'/, Val Piora zwischen Altanca und
Ambri-Piotta ca 1200 m (von H. Fruhstorfer gesammelt).
E. aethiops derufata Fruhst. (Soc. Entom. 1909 p.
125). Die rote Peripherie der Vfl-Ozellen im Zurückweichen
und bei den meisten Exemplaren völlig unterbrochen, so dass
statt einer Binde nur noch einzelne Augenflecke vorhanden sind.
Auch auf der Unterseite der Vfl wird die rotbraune Zone un-
scheinbar.
Vorkommen: Süd-Tirol im Val di Canali bei Primiero,
im Juli 1903 auf etwa 600 m Erhebung, von mir gesammelt.
E. aethiops salaria subsp. nova. Exemplare von Klausen
in Südtirol leiten von derufata zu südbayerischen aethiops
über. Die Zeichnung analog rubria vom Tessin entwickelt,
Vflbinde kurz, scharf umgrenzt, äusserst lebhaft rotbraun. Der
rote Ozellenvorhof der Hfi häufig fehlend (Anschluss an deru-
fata), manchmal aber prächtig entwickelt (Uebergang zu
aethiops.)
56 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
—-
salaria stellt eine Diminutivrasse sowohl E. aethiops
wie auch rubria gegenüber dar. Die rote Zone der Vfl-
Unterseite prägnanter als bei derufata, indessen einge»
schränkter als bei aethiops von nördlicheren Fundorten.
Vorkommen: Südtirol, Klausen 7 dd 1 2 H. Fruhs-
torfer 1905 leg.) |
E. aethiops parvisi Ver. (Bull.S. Ent. Ital. 1914
p. 217 t1lf. 14 ) Eine Form, welche 5 Jahre nach meiner
derufata beschrieben wurde. Verity erwähnt derufata nicht,
in deren Schatten parvisi steht. Der Abbildung nach sind
parvisi nur etwas grösser als derufata und es handelt sich
bei parvisi um die Ortsrasse der Südausläufer der Veneziani-
schen Alpen, während meine derufata dem Südabhang der
Dolomiten entstammen. Patria: Venetien bei Udine auf ca 400 m.
E. aethiops taurinorum Ver. ( Bull. Soc. E. Fran-
ee 1911 p. 312.) Sehr gross, nach Verity 42—50 mm, wäh-
rend mein ansehnlichstes rubria f 42, das schönste Krainer
leucotaenia J' 45 mm. Spannweite aufweisen, Ozellen sehr
gross, aber das gelblich e Band der Hfl fehlt gelegentlich —
also Anklang an rubria sowie derufata. Unterseite nach
Verity mehr verwaschen als bei der „Type“, die Bänder undeut-
licher, mehr von der Grundfarbe, also nicht hervortretend wie
bei rubria, deren Streifen auch unterseits fast immer complete
prominente weisse Augenpunkte tragen.
Vorkommen: Hügel der Umgebuug von Turin. In den
Piemonteser Alpen fliegt nach Verity eine Rasse, welche zum
Schweizer Typus überleitet. Die Schweiz hat übrigens nicht
einen, sondern, wie wir heute klarlesten, vier verschiedene aethi-
ops Formen.
Abermalige Begründung
des Namens Limenitis rivularis Scop.
für Limenitis camilla autorum.
| Von H. Stichel, Berlin.
In Band XXX Seite 147 dieser Zeitschrift kritisiert H.
Fruhstorfer die von mir erfolgte Einführung des Namens
Limenitis rivularis Scop. anstelle L. camilla im Sinne
des Katalogs Staudinger-Rebel.e. Er behauptet (p. 146), dass
Herr J. Hafner, Laibach, mit seinem n»rächtigen (?) Artikel
„Was ist unter Papilio rivularis Scop. zu verstehen ?*
——
H.'Stichel. Aberm. Begr. d. Namens Lim. rivul. Scop. f. Lim. cam. aut. 57
(Ent. Zeitschr. v. 22, p.. 148, Stuttgart 1908) „die entsetzlichen
Foleen der Stichelschen rivularıs vonuns abwandte.“ Das ist
a priori eine unrichtige Folgerung, denn Herr Hafner hat gar
keine entsetzlichen (?) Folgen abgewendet, sondern die Lösung
des Problems „berufenen Faktoren“ überlassen, nachdem er die
Tatsache veröffentlicht hat, dass der unter Nr. 443 der Tafeln
zu Scopoli, Entomologia carniolica abgebildete Papilio rivu-
laris mit der heute unter Neptis lucilla F. verstandenen
Art übereinstimmt. Herr Fruhstorfer hat bereits 1910. in
Int. ent. Z. Guben v. 3 p. 94 sich ähnlich drastisch ausge-
drückt, als er gelegentlich der Beschreibung einer camilla-
Form meine „Umtaufe“ als „fehlerhaft und unrichtig“ bezeich-
net hat. Schon damals habe ich in einem Artikel „Ueber die
rechtmässige Anwendung des Namens Papilio rivularis
Scop. für Limenitis camilla“ in Int. ent. Z. v. 4 p. 79
diese Behauptung unter eingehender Begründung des nomen-
klatorischen Standpunktes widerlegt, Herr Fruhstorfer scheint
aber so von seiner Würde als „berufener Faktor“ eingenommen
zu sein, dass er es nicht für nötig gehalten hat, sich in den
Sinn jenes Artikels zu vertiefen. Ich bin daher genötigt, die
Hauptsachen daraus zu wiederholen.
Dass der Name Limenitis camilla im Sinne Stau-
dinger, weil er für L. sibilla anzuwenden ist, ersetzt werden
muss, wird nicht bestritten. Fruhstorfer meint (p. 147), dass
dafür ein Ersatzname vorhanden ist, den Kirby 1914 in Handb.
Lep. p. 146 bereits „klargestellt* hat. Das ist auch nicht rich-
tig, denn es handelt sich nicht um eine Klarstellung, sondern
um einfache Substituierung eines der bereits früher (Cat. diurn.
Lep.) als Synonym von L. camilla geführten Namen: dru-
silla Bergstr., den Fruhstorfer zu nennen vergessen, oder nicht
für nötig gehalten hat. Diese Ersatzwahl ist aber willkürlich,
denn als ältestes Synonym führt Kirby in Syn. Cat. diurn.
Lep. p. 236 selbst Pap. rivularis Scop. an, den auch Schif-
fermüller und Denis, Wien. Verz., in gleichem Sinne re-
gistriert haben. Papilio rivularis Scop. ist eine Mischart,
sie bestand ursprünglich aus einer Hauptform mit 3 „Varietä-
ten“ und diese 4 Faktoren bilden nach moderner Auffassung
der Systematik einen systematischen Kollektivbegrif. Von diesen
Faktoren ist varietass 3 als Limenitis camilla im Sinne
Schiffermüllers und Staudingers sicher wiederzuerkennen. Da
nach den heute giltigen Nomenklaturregeln (Art. 30) es dem-
jenigen Autor, der eine Mischart aufteilt, überlassen bleibt, der-
jenigen aus der Teilung hervorgegangenen Art den ursprüngli-
, Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden, Jahrgang 1917, iv
58 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
chen Namen beizulegen, den er für passend hält, ist nichts da-
gegen einzuwenden, wenn ich diesen Namen auf varietas 3 —
Limenitiscamillaaut. — übertragen habe, selbst dann nicht,
wenn als Hauptform eine andere Art (Neptis lucilla) ab-
gebildet wäre. Das kommt aber garnicht in Betracht, weil für
Prioritätszwecke grundsätzlich nur Unterlagen verwendet werden
dürfen, die regelrecht veröffentlicht sind (Vergl. v. Maehrental,
Zoolog. Annal. v. 1, 1904, p. 104, Art. 10). Die übrigens
nur unvollständigen Tafeln zu Scopoli, Entomologia car-
niolica sind aber nie veröffentlicht worden, sondern nur in
einigen Exemplaren im Privatbesitz verblieben. Ich verweise
deswegen auf die Feststellungen von Hagen in Ent. Z. Stettin
1854, p. 81. Sie scheiden also als vollgiltige bibliographische
Unterlage aus, sie können allenfalls als Hilfsmittel für spätere
Feststellungen, nicht aber mit rückwirkender Giltigkeit, dienen.
Limenitis rivularis Scop. in Seitz, Grossschmett. I,
verbleibt deswegen in berechtigter Anwendung auf Limentis
camilla bestehen, denn dieser letztere Name ist — wie auch von
Fıuhstorfer anerkannt wird — auf den bekannten „kleinen Eis-
vogel“, Limenitis sibilla im Sinne Staudingers, zu über-
tragen, deswegen bleibt auch Neptis coenobita Stoll. von
mir angewendet: Seitz, Grossschmett. I p. 174, unberührt.
Wegen der synonymischen Entwicklung dieses Artnamens, dem
N. lucilla als Unterart anzugliedern ist, verweise ich auf meine
Ausführungen in Soc. entom. v. 226, 113 und 121.
An der Umsturzbewegung, wie sich Fruhstorfer abermals
drastisch ausdrückt, hat er also nichts ändern können, es nimmt
mich nur wunder, dass er mit dieser „Umsturzbewegung“ so
wenig sympathisiert, wo er doch andererseits recht weit gehende
umstürzlerische Handlungen unterstützt und ausbaut. Ich ver-
weise auf die Ausschaltung des Gattungsnamens Elymnias
Hübn. von der seit langen Jahren darunter verstandenen Art-
gemeinschaft, die aus Prioritätsgründen Didonis Hübn. hei-
ssen muss. (Arch. Naturg. v. 81 p. 2.) Im übrigen dürften
die unmittelbaren Folgen in unserem Falle ganz gleich sein, ob
camilla durch drusilla oder durch rivularis ersetzt wird.
Grosse Stiftung für das Grossh. Naturalienkabinett
zu Karlsruhe.
Von Prof, Dr. M. Auerbach, Karlsruhe.
Das Grossh. Naturalien-Kabinett zu Karlsruhe hat eine
Schenkung erhalten, deren Bekanntgabe in Entomologenkreisen
Prof. Dr.M. Auerbach. Gr. Stift. f. d. Grossh. Naturalienkab. z. Karlır. 59
sicher das grösste Interesse und zugleich Freude erwecken wird.
Herr Architekt M. Daub von hier hat seine grosse Schmetter-
lingssammlung nebst seiner ganzen entomologischen Bibliothek
dem gen. Museum zum Geschenk gemacht mit der Bestimmung,
dass die Sammlung mit seinem Tode in den Besitz des badi-
schen Staates übergeht und im Grossh. Naturalien-Kabinett in
würdiger Weise untergebracht und sachgemäss behandelt wird.
Den Lepidopterologen brauchen wir kaum etwas über die Grösse
der Zuwendung zu sagen, denn sie alle wissen ja, dass die
Daub’sche Sammlung eine der grössten Privatsammlungen pa-
laearktischer Makrolepidopteren ist, die in Deutschland, ja viel-
leicht in Europa besteht; sie alle werden es auch freudig be-
grüssen und dem Stifter Dank wissen, dass er bei Zeiten dafür
Sorge trug, die wertvollen Schätze vor dem Schicksal so man-
cher mühsam zusammengetragenen Sammlung zu bewahren,
nach dem Ableben des Besitzers durch Händler zerrissen und
in alle Winde zerstreut zu werden.
In sieben riesigen Schränken sind die Schmetterlinge (etwa
56 000 Exemplare) untergebracht und in einer mustergültigen
Weise aufgestellt. Man kann die Sammlung wirklich als ein
Lebenswerk des Schenkers bezeichnen, denn seit 61 Jahren hat
er jede freie Minute zur Vervollständigung und Wartung seiner
Lieblinge aufgewendet. Das Sammelgebiet, das von Daub be-
rücksichtigt wurde, ist das palaearktische und hier macht die
Sammlung Anspruch auf fast absolute Vollständigkeit. Der
grosse Wert der Schenkung liegt neben dieser Vollständigkeit
besonders auch darin, dass die einzelnen Arten meist in grossen
Reihen vertreten sind, die zeigen, in welch starkem Masse die
Tiere in Folge anderer Lebensbedingungen und anderer Aufent-
haltsorte abändern. Ferner sind als besonders wichtig zahlrei-
che Zwitterbildungen (etwa 300 Stücke) vorhanden, sowie die
Zuchtprodukte des vor kurzem verstorbenen Prof. Dr. Standfuss,
der zeigte, dass die Beeinflussung der Puppen in bestimmten
Entwicklungsstadien durch Wärme oder Kälte sehr bemerkens-
werte Veränderungen in der Flügelfärbung hervorbringt. End-
lich dürfen auch interessante Kreuzungstiere und Biologieen nicht
vergessen werden.
Dass die ganze Sammlung allen wissenschaftlichen Anfor-
derungen in Bezug auf Bestimmung, Herkunftsbezeichnung u.
s. w. durchaus entspricht, braucht bei einem Sammler wie Daub
wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden.
Von gleicher Güte wie die Schmetterlinge selbst ist auch
die dazu gehörige Bibliothek. Sie birgt wahre Perlen der
60 Deutsche Entom. Zeitschrift ti Dresden 1917.
ass eeeess EEE
Schmetterlingslitteratur. Die seltensten und wertvollsten Werke
von der Mitte des 18. Jahrhunderts an sind in einer kaum noch
zu erreichenden Vollständigkeit vertreten, und dabei sind die
einzelnen Werke selbst durchaus vollständig. Herr Daub hat
keine Mühe und keine Kosten gescheut stets nur ganz tadel-
lose Bücher zu erhalten; so ergänzt also die Bibliothek die
Sammlung in prächtigster Weise. |
Für das Grossh. Naturalien-Kabinett hat die Schenkung
natürlich die grösste Bedeutung, denn die weltbekannte Samm-
lung dient fortgesetzt Gelehrten und Liebhabern als Fundgrube
bei ihren wissenschaftlichen Untersuchungen, und dies wird na-
türlich auch in Zukunft so bleiben, denn die Stiftung wird spä-
ter als Ganzes und ungeteilt in einem besonderen Raume des
Museums ihre Unterkunft finden und allen Interessenten, natür-
lich unter den nötigen Vorsichtsmassregeln, zugänglich sein.
Herr Daub ist daher des Dankes der Wissenschaft sowohl wie
auch des Grossh. Naturalien-Kabinettes gewiss. Unser Wunsch
ist, dass er seine Schätze noch recht lange selbst in Verwah-
rung haben, und dass sein hochherziger Entschluss anderen ein
Beispiel sein möge.
Zum Gedächtnis Max Standfuss.
(+ 22. 1. 1917.)
Von Dr. P. Denso, Hellerau bei Dresden.
Vor mir liegt ein dickes Bündel Briefe — alle in der so
eigenartigen, so charakteristischen Handschrift des toten Freun-
des — wehmütig nehme ich sie in die Hand und bei ihrem
Durchlesen tritt mir die Gestalt des Dahingeschiedenen so deut-
lich, so greifbar nahe vor Augen und eine Fülle von Erinner-
ungsbildern werden wieder lebendig, die mich mit dem Toten
verknüpfen. Er steht vor meinem geistigen Auge wie ich ihn
zum ersten Male sah, als ich von Genf nach Zürich hinüberge-
fahren war, um mit ihm die Ergebnisse meiner ersten Hybri-
denzuchten zu besprechen und sie zu vergleichen mit dem,
was er in ununterbrochener, jahrelanger, mühseliger Arbeit er-
reicht hatte. Anderthalb Jahrzehnte werden es bald her sein
— wie gestern kommt es mir vor. Wie herzlich und freund-
lich empfing er den bis dahin völlig Unbekannten — wie ein-
gehend ging er auf alles ein, welche Fülle wertvoller Hin-
weise gab er gleichsam so nebenbei und wie offen freute er
sich über den neuen Mitarbeiter in dem so unendlich grossen,
Dr. P. Denso, Zum Gedächtnis Max Standfuss. 61
wissenschaftlich so schöne Resultate versprechenden Gebiet!
Nun, diesem ersten Besuch folgten weitere — ein häufiger Brief-
. wechsel setzte ein, erfüllt von derselben Herzlichkeit, demselben
freundlichen Entgegenkommen, das er mir von Anfang an ent-
' gegengebracht hatte. Und dieses Herzliche, dieses Entgegenkom-
mende, war einer der Hauptzüge seines Charakters, das wissen
nicht nur die, denen es vergönnt war, ihn persönlich kennen
zu lernen, sondern das haben auch alle die herausgefühlt, die
ihn aus der Ferne um Rat und Auskunft baten. Denn es war
ihm ein Herzensbedürfnis, allen die sich an ihn wandten, jede
gewünschte Auskunft zu erteilen, die er überhaupt zu geben
im stande war. So erklärt sich auch die ganz eigenartige Stel-
lung, die Standfuss in der Entomologie und den Entomologen
gegenüber einnahm. Wir alle wissen, dass sich, wie in man-
chen anderen naturwissenschaftlichen Zweigen, so auch in der
Entomologie zwei verschiedenartige Gruppen betätigen: die rei-
nen Naturwissenschaftler einerseits und das grosse Heer der
Sammler andererseits, wobei unter „Sammlern“ alle die begrif-
fen sein sollen, die aus reiner Liebe zur Insektenwelt sich mit
dieser beschäftigen, ohne auf breiterer wissenschaftlicher Basis
zu stehen, und deren Haupttätigkeit eben das Anlegen einer
Sammlung ist. Die Wissenschaft ist diesen: letzteren zu grossem
Danke verpflichtet; sie haben eine Fülle von Material, eine
Menge wertvollster Beobachtungen angestellt, kurz gesagt: der
Wissenschaft Bausteine herbeigetragen und die eingehende Durch-
forschung und Durchsammelung bisher noch unbekannter Ge-
biete veranlasst. Wer Gelegenheit hatte, gut geordnete und plan-
mässig angelegte Sammlungen zu durchmustern und Einblick in
genau geführte Tagebücher zu nehmen, weiss, wie viel ungeho-
bene, wissenschaftlich noch nicht verwertete Schätze hier noch
schlummern. Ein engeres Zusammenarbeiten aber zwischen
Sammlern und Wissenschaftlern hat früher kaum bestanden,
und dass es in dieser Hinsicht besser geworden ist und zweifels-
ohne noch besser werden wird, ist das grosse Verdienst von Stand-
fuss, der durch sein „Handbuch der palaearktischen Grossschmetter-
linge“ es verstanden hat, den Sammlern richtige Wege zu wei-
sen und der dadurch zum Bindeglied zwischen Sammler und
Wissenschaftler in der Lepidopterologie geworden ist. Diese Tä-
tigkeit allein schon sichert ihm unsere Dankbarkeit. Wie sehr
müssen wir es bedauern, dass es ihm nicht vergönnt war, eine drit-
te Auflage dieses Werkes, fortgeführt bis auf den heutigen Tag
und fussend auf den modernsten Errungenschaften der Wissen-
schaft herauszugeben! Es würde mich hier viel zu weit füh-
62 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
ren, näher auf dieses — allen Lepidopterologen wohlbekannte —
Werk einzugehen, ebenso wie ich hier unmöglich eine Besprechung
seiner zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen geben
kann. Das ist vielleicht zum Teil schon geschehen nnd wird
noch ausführlich am geeigneten Platze erfolgen. Standfuss war
in jeder Hinsicht der geeignete Mann, die Vermittlerrolle zwi-
schen Sammlerwelt und Wissenschaft zu spielen. Eben seine
grosse, persönliche Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit, verbunden
mit seiner reichen wissenschaftlichen Erfahrung machte ihn wie
geschaffen dazu. Aber noch eine andere hervorstechende Eigen-
schaft spielt dabei eine grosse Rolle; nämlich seine unbegrenzte
Liebe zur Natur und ihren Geschöpfen. Sie waren für ihn nıcht
nur wissenschaftliche Studienobjekte, die ihm Probleme zu lösen
gaben — nein, er stand ihnen gegenüber wie in einem persön-
lichen Freundschaftsverhältnis. Ich kam einmal dazu, wie ihm
etwas zu frühzeitig Falter geschlüpft waren, die sich nur müh-
sam aus der Puppe schälten und deren Flügel sich nicht ent-
wickeln wollten. Es war rührend zu sehen, wie er ihnen beim
Ausschlüpfen half, wie er sie zärtlich besorgt an die Gazewand
des Puppenkäfigs setzte und diesen in die Sonne trug, um aller
paar Minuten ihn zu drehen, oder ihn an eine andere Stelle zu
bringen, damit die Falter der vollen Sonnenstrahlen teilhaftig
wurden. Das tat er nicht etwa nur, um für die Sammlung
brauchbare Exemplare zu bekommen, denn es handelt sich um
ganz wertlose Tiere ohne irgendwelche wissenschaftliche Bedeu-
tung, sondern aus reinem persönlichen Mitgefühl mit den sonst
verkrüppelnden Tierchen
Sahen wir so Standfuss als Mensch, als warmempfindenden
Naturfreund vor uns, dem jeder, der ihn kennen gelernt hat, tiefe
Freundschaftsgefühle entgegen bringen musste, so lehrt uns an-
dererseits das Studium seiner wisseuschaftlichen Veröffentlichun-
gen, dass er von einer vorbildlichen Genauigkeit und Voraus-
setzungslosigkeit war, die vereint mit einer ausserordentlichen
Zähigkeit und Ausdauer beim Durchführen unternommener Un-
tersuchungen ihm reiche wissenschaftliche Erfolge einbringen
musste. Es sei hier auf seine umfangreichen Temperatur- und
Hybridations-Versuche, hingewiesen. Abe; trotz dieser erreich-
ten Erfolge blieb er von einer Bescheidenheit, die ihm die Er-
folge anderer neidlos anerkennen, ja mitunter sie sogar zu hoch
einschätzen liess. Ausser seinen Veröffertlichungen bildet der
Aufbau und der Ausbau des Entomologischen Museums der Eid-
genössischen Hochschule in Zürich eine weitere grosse wissen-
schaftliche Tat. Es gibt wohl keinen Entomologen, der in Zü-
Dr. P. Denso, Zum Gedächtnis Max Standfuss. 63
rich geweilt hätte, ohne dies Museum zu besuchen und für jeden
bedeutete dieser Besuch und das Studium der mustergiltig ge-
ordneten Sammlungen einen hohen Genuss.
So hat die gesamte Entomologie, Wissenschaftler wie Samm-
ler, durch den Tod von Standfuss unendlich viel verloren, jedoch
vermag nur der die Grösse des Verlustes, der uns betroffen, so
recht zu ermessen, der ihn persönlich kannte, der ihm als Mensch
und Freund gegenüber gestanden hatte.
Veröffentlichungen von M. Standfuss.*)
*) Ohne weder auf Vollständigkeit dieser hier angefügten Liste
Anspruch machen zu können, noch alle erwähnten Schriften eingesehen
zu haben, glaubt Unterzeichneter, dass diese Zusammenstellung einigen
praktischen Nutzen haben dürfte. K. M. Heller.
1879 Beobachtungen an den schlesischen Arten des Genus Psyche und
System sämtlicher Vertreter dieses Genus. Zeitschrift f. Entomolog.
Neue Folge, 7. Heft. Breslau (147 Seiten m. 2 Taf.) S. 1—44.
1881 Entomologische Mitteilungen (Schmarotzer vonHarpyia bicus-
Be N u milhauseri u. a.) Daselbst 8. Heft,
1884 Lepidopterologische Mitteilungen (Zeit des Ausschlüpfens versch.
Schmetterlinge u. a) Deselbst S. 63—68.
Lepidopterologisches (Sophronia curonella, Bombyx
castrensis v. veneta, zwei neue Hybriden, Plusia cal-
berlae,Agrotis molothina, collina, Psyche wok-
kei, Zygaena.)
1886 Lepidopterologisches (über Varietäten im allgemeinen und insbe-
sondere von Aglia tau) Ent. Zeit. Stettin. S. 318—322.
1888 Lepidopterologisches (P. podalirius, Agliatau,Rheg-
matophila) Berl. Ent. XXXII Berlin. S. 233—246.
Alte und neue Agrotiden D. ent. Z. Iris, S. 211—219 (m.
3 Taf.) Callimorphav. persona. Daselbst S. 23—29.
1889 Zwei neue syrische Lepidopteren. Daselbst S. 266—268.
1890 Eine neue Orthosia (Witzenmanni) Mitt. Schweiz. entom.
Ges. VIII, Schaffhausen, S. 233.
1891 Handbuch für Sammler der europäischen Grossschmetterlinge, Gu-
ben (S. 155).
1892 Ueber die Hybridation bei Insekten. Mitt. Schweiz. ent. Ges.
VIII 8. 386—396 (auch 1893 in Kranchers Ent. Jahrbuch er-
schienen).
1892 Lepidopterologisches (neue Formen von den Gattungen Melan-
argia, Syntomis, Bryophila, Plusia, Erastia und
Lithostege in Memoires sur les Lepidopteres par Romanoff
VI S. 659—669 (m. T. XV.)
Ueber Bastardbildung europ. Grossschmetterlinge Zürich (155 8.)
1893 Neue und alte Noktuiden der palaearkt. Fauna. Berlin. Ent. Zeit.
XXXVIII, S. 359—362.
1894 Die Beziehungen zwischen Färbung und Lebensgewohnheiten bei
den palaearkt. Grossschmetterlingen. Vierteljahrschr. nat. Ges.
Zürich XXXIX. 8. 85—119.
Ueber die Gründe der Variation und Aberration bei Schmetter-
lingen, Insekten-Börse Leipzig (29 Seiten).
64
1895
1896
1898
1899
1900
1910
1912
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
—_—
Dasselbe in englischer Sprache von P. A. Dixey in „The Entomo-
logist.“ 8. 69—76, 102—114 und 142—150.
Ueber Steganoptyceha pinicolana, Bern (20 S.)
Weitere Mitteilungen über den Einfluss extremer Temperatur auf
Schmetterlingspuppen. Ent. Zeit. Guben. N. 12, S. 1—8.
Hanäbuch palaearktischer Grossschmetterlinge für Sammler und
Forscher. 2. Aufl. Jena (392 S. und 8 kol. T.)
Experimentelle zoolog. Studien mit Lepidopteren. Neue Denkschr.
schweiz. naturw. Gesellsch. XXXVI, S. 1-81 m. 6 T. (vergl.
Berl. Ent. Zeit. XLII S. 443).
Sur exper. chrysalides a diverses Temperatures Arch. Se. phis. nat.
Die Anfeuchtung der Körperoberfläche gewisser Raupen. Ins.-
Börse XVI, Leipzig, 2 S.
Synopsis of experiments in hybridication and Temperature mare
with Lepidoptera up to the end of 1898 (Uebersetzung aus dem
deutschen von E. L. Dadd) „The Entomologist* S. 161—167,
283—-292, 340—348 (mit 3 Taf.)
Etudes zoolosiques experimentales sur les Lepidopteres.
Zwei neue Hybriden von Smerinthus. Ent. Zeit. Guben.
Deux nouveaux hybrides du genre Smerinthus. Bull. Soc.
Ent. France S. 86—89.
Zur Frage der Gestaltung 28 jähriger Experimente, Insektenbörse
XIX. Leipzig, S. 155—163. (Nachdruck als Separatum 15 8.)
Zur Frage der Unterscheidung der Arten bei den Insekten. Ent.
Zeitschr. Guben.
Einfluss der Umgebung auf die äussere Erscheinung der Insekten
Insektenbörse Leipzig, S. 307, 314, 322.
Die Resultate 30jähriger Experimente mit Bezug auf Artenbildung
und Umgestaltung. Verh. Naturw. Ges. Luzern.
Bericht über die Versammlung der schw. ent. Gesellschaft beim
6. Zoolog. Kongress. Ent. Ges. Bern.
Zur Frage der Gestaltung und Vererbung. Zürich.
Mitteilungen über palaearktische Noktuiden. Ent. Ges. Bern.
Eine Reihe Demonstrationen von Schmetterlingen und Raupen.
Mitt. schweiz. ent Ges. XI, Bern, S. 243—256.
Agliatau ab. weismanni Ent. Zeit. XXII, Stuttgart S. 42—43.
Aus dem Liebesleben der Falterwelt. „Aus der Natur“ IV, Stutt-
gart, S. 358—381.
Die Hauptfeinde unserer Obstbäume aus der Insektenwelt und ihre
Bekämpfung. Schweiz. Lehrerzeitung, 22 S.
Einige Ergebnisse aus Zuchtexperimenten mit Lepidopteren —
Mutationen. Etudes de Lepidopterologie, Rennes S. 33—47 (m. 2
Taf.) (Uebersetzung ins Französiche S., 49—65).
Die Umgestaltung der Schmetterlinge durch Temperaturexperi-
mente, Leipzig Convers.-Lexicon 5 S. m. 2 Taf.
Chaerocampa elpenor ab. Daubi und einige Mitt. über
das Wesen und die Bedeutung der Mutation. „Iris“ XXIV S.
155—181 m. 9 Taf.
Die alternative od. discontinuierliche Vererbung und deren Ver-
anschaulichung an den Ergeb. von Zuchtexperimenten mit Aglia
tau. Deutsche Ent. National Bibl. I. S. 5—6, 14—15, 21—23,
28—29.
Hybridations- Experimente im weitesten Sinne des Wortes vom
Jahr 1873 bis zur Gegenwart und ihre Ausblicke auf die Schei-
Dr. P. Denso. Zum Gedächtnis Max Standfuss. %5
dung der Arten und den Weg, welchen diese Scheidung durch-
läuft. Proceedings 7. Intern. Zoolog. Congr. Cambridge U. 8. C
Ss. 111—127.
Einfluss der Temperatur auf das Farbenkleid der Schmetterlinge
und die Gestalt ihrer Flügel. „Aus der Natur“ VIII, Leipzig,
S. 5—8.
Einige Mitteilungen über palaearktische Noktuiden. Mitt. schweir.
ent. Ges. XII Bern, S. 69—81 m. 1 Taf.
Bücherbesprechungen.
Dr. Oskar Krancher, Entomologisches Jahrbuch. 26. Jahrgang. Ka-
lender für alle Insekten-Sammler auf das Jahr 1917. Herausgegeben
unter gütiger Mitwirkung hervorragender Entomologen. Preis: 1,80
Mark. Mit Original-Abbildungen und Inseraten-Anbang. Druck und
Verlag von Frankenstein und Wagner, Leipzig 1917.
Wiederum ist ein Bändchen dieses in entomologischen Kreisen 30
beliebten Jahrbuches erschienen. Auf 208 Seiten bietet es seinen Lesern
eine stattliche Zahl anregender Aufsätze und Mitteilungen dar, womit es
sich in gleichwertiger Weise seinen 25 Vorgängern würdig anreiht. Der
Inhalt ist kurz berichtet, nachstehender: Nächst dem Kalendariam eröff-
nen die „Monatlichen Anweisungen für Sammler“ von Dr. Krancher, dieses
Jahr die Lepidopteren behandelnd, die Reihe der Darbietungen. Es fol-
en sodann Aufsätze über Allgemeines, Lepidoptera, Coleoptera, Diptera,
ymenopterä, Orthoptera, auf letzteren Abschnitt bezieht sich die Titel-
tafel mit trefflichen Abbildungen von Ohrwürmern. Die folgende Gruppe
Rhynchota enthält die recht zeitgemässe Arbeit „Etwas über die Läuse“
von Dr. E. Enslin, die bei zartbesaiteten Lesern wohl gar ein leises Juk-
ken hervorzurufen imstande ist. Den Schluss bilden Literaturberichte
und Vermischtes. Auch vorliegendes Bändchen wird gewiss vielen ento-
mologischen Sammel- und Naturfreunden wieder Anregungen bringen und
Karen bereiten, es kann daher zur Anschaffung, wie zum Studium nur
bestens empfohlen werden.
- Dresden, 24. Januar 1917. A. Winckler.
Zugänge zur Bücherei seit 1. Januar 1917.
(Portlaufende Zeitschriften werden am Jahresschlusse aufgeführt.)
Eingänge durch Geschenke:
Standfuss M., Lepidopterologisches (Berliner Ent. Zeitsch. XXXII, 1888.)
Pokorny E., Neue Tipuliden aus den österreichischen Hochalpen. (Wiener
Ent. Zeit. VI, 1887.)
ei IH. und IV. Beitrag zur Dipterenfauna Tirols (Verh. zool.
| _ Bot. Ges. Wien 1887 und 1889.)
Wik J,, 'Ein Beitrag zur Biologie einiger Dipteren (Dactylolabis den-
ticulata Berger und Hilara särtor Beck. (Jahresb. d.
| k. k. Akad. Gymn. Wien 1898/94.)
Haase BE, Duftapparate indo-australischer Schmetterlinge. (Correspon-
| denzbl. Ent. Ver. Iris Nr. 5, 1888.) "
6 Deutsche Eutom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Röber J., Beitrag zur Kenntnis der indo-australischen Lepidopteren-
fauna (Tijdsch. voor Entom. XXXIV.)
Heller K. M., Die Käfer von Neu-Caledonien und den benachharten Insel-
gruppen (Sarasin und Roux, Nova Caledonia II.)
Calberla, Die Macrolepidopterenfauna der römischen Campagna und
der angrenzenden Provinzen Mittelitaliens. (Correspon-
denzol. Ent. Ver. Iris 1887—1890.)
Spengel W., Ueber einige Aberrationen von Papilio machaon (Zool. Jahr»
Jena 1899.)
Brues Ch., Three New Species of Evaniidae.. (Bul. Americ, Mus. Nat.
Hist. XXXV, 1916.)
Eiwes H., A revision of the Genus Erebia (Transact. Ent. Soc., London
1898.)
Fr A revisionof the GenusOeneis (Transact. Ent. Soc., London 1893.)
x On the butterflies of the French Pyrenees (Transact. Ent.
Soc. London 1887.)
Turati, Nuove Forme di Lepidotteri (Natur. Sieiliano XX, 1907.)
Petagnae - Vincentii, In Regio Neapolitano Lyceo Botanices Professoris
Specimen Insectorum ulterioris Calabriae, Neapoli 1786.
Viereck H. New Species of the Bee Genus Andrena in the American.
Museum of Natural History (Vol. XXXV, 1916.)
Rebel H., Ueber Cidaria Tempestaria H.S. (II. Jahresb. Wiener Ent.
Ver. 1891.) z
& Ueber das Auftreten einiger Lepidopteren-Raupen als Schäd-
linge im Jahre 1895 (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1895.)
ie Zwei neue Microlepidopteren aus Marocco (Ver. zool. bot. Ges.
Wien 1896.)
ö Zwei Makrolepidopteren, neu für Oesterreich-Ungara
(ibidem 1895.)
4 Beitrag zur Lepidopterenfauna Südtirols (ibidem 1892.)
* Eine PPaEeric Ausbeute aus der Sahara (ibidem 1895.
. Die Lepidopterenfauna Kretas (Anal. Naturh. Hofmus. Wien
XXX, 1916.)
2 Studien über die Lepidopterenfauna der Balkanländer III
Teil: Sammelergebnisse aus Montenegro, Albanien,
Mazedonien und Thracien. (Annal. Naturh. Hofmus.
Wien XXVLIL, 1913.)
Br Larentia senectaria H. S., Tegostoma Stangei Zerny, Lyth-
ria purpurata L. und L. purpuraria L. (Verh. zool.
bot. Ges. Wien 1916.)
“ Beitrag zur Lepidopterenfauna Bulgariens (Verh. zool. bot,
Ges. Wien 1916.)
“ Aristotelia _remisella rufobasella Rbl., Paraperittia unifor-
mella Rbl., Coleophora spiraeella Rbl. (Verh. zool.
Ges. Wien 1916.)
2 Zur Stammesgeschichte der Zygaeniden. Drepanoptera semi-
alboa Rbl., Gynanisa jama Rbl., Castnıs jeanneei Rbl.
(Verh. 200!. bot. Ges. Wien 1915.)
« - Gracilaria hauderi Rbl., Psodos alticolaria Mn. (Verh. zo0l.
bot. Ges. Wien 1916.)
R Beitrag zur Lepidopterenfauna Griechenlands (Verh. zool.
bot. Ges. Wien 1915.)
= ‘ Veber die Alveus- und Malvae-Gruppe der Gattung Hesperia
(Verh. zool. bot. Ges. Wien 1914.)
Zugänge zur Bücherei seit 1. Januar 1917. 67
Rebel, H. Megazethes musculus Men. in Ungarn (Verh. zool: bot. Ges!
vl Wien 1914.)
Coleophora obviella Rbl. (Verh. zool. bot Ges. Wien 1914.)
Lepidopteren von den Kanarischen Inseln, Nachtrag zur Le-
pidopterenfauna von Herkulesbad (Verh. zool. bot,
Ges. Wien 1914.)
“ Olethreutes stagnicolana Preiss und Pamene agnotana Rbl.
| (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1914.)
Agrotis beatissima Rbl. (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1913.)
n FIRE .
% Pergesa hybr. juliana Rbl. (P. Pen 2 x C. hybr. epi-
lobıii 2 (Jahresb. Wiener Ent. Ver. XxVI)
“ Zar Lepidopterenfauna der Insel Rhodus (Jahresb. Wiener
Ent. Ver. XXVL
a Ueber die Lepidopterenfauna Cyperns (Jahresb. Wiener Ent.
Ver. XXVI.)
| Lepidopteren aus dem nordalbanisch - mn
e° Grenzgebiete. (Sitzungsb. Kais. Akad. issensch.
| Wien CXXTIIL, 1914.)
_ Möschler, Die Familien nnd Arrinten der Europäischen Tagfalter
| und Schwärmer (Abhandl. Naturf. Ges. Görlitz XVL
| und XVII.)
' Seebold F., Catalogus Raisonn® des Lepidoptöres des environs de Bilbao
| (Biscaya) (Annal. Soc. Esp. Hist. Nat. XX VII, 1898.)
Mendes C., Lepidopteros de St. Fiel. I. Macrolepidopteros, II. Microlepi-
dopteros (Broteria 1903—1905.)
‚ Stefanelli P., Catalogo Illustrativo dei Lepidotteri Toscani, Firenze 1869.
, Zeller Die knotenhornigen Phyciden (Isis 1846.)
Verzeichnis der von Prof. Dr. Loew in der Türkey u. Asien
| gesammelten Lepidoptera (Isis 1847.)
| Chilonidarum et Crambidarum genera et species (Progr. Kgl.
| Realschule Meseritz 1863.)
| Mönötries M., Catalogue d’Insectes recueillis entre Konstantinople et Le
Ä | alkan (Möm. Acad. Imp. scienc. St. Petersburg VI.
n
| Serie 1838.)
| Larsen, Fortegnelse over Danmarks Microlepidoptera (Entomologiske
Ä Meddelser 11. Bind, 1916.)
Zerny, Formenkreis von Lythria purpuraria L. (Verh. zool. bot.
Ges. Wien 1916.)
Eulocastra capnoessa Zerny, Armada turcorum Zerny (Verh.
zool. bot. Ges. Wien 1915.)
Sedlaczek, Einwirkung des Klimas auf die Entwicklung der Nonne
Ä (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1916.)
| u Ueber das Auftreten der Forleule (Panolis griseovariegata)
| in Nordböhmen im Jahre 1913 (Verh. zool. bot. Ges.
| Wien 1915.)
‘Schwingenschuss, Mitteilungen über eine Sammeltour in die Zentralkar-
| pathen (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1915.)
Wagner, Brachyglossina Acidalaria Wagner (Verh. zool. bot. Ges.
| Wien 1914.) ’
‘Schawerda K., 7.—10. Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens und der
| Herzegowina (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1913, 1914
und 1916.)
Pr Die Formen der beiden Arten Coenonympha arcania L. und
C. satyrion Esp. (XVII. Jahresb. Wiener Ent. Ver. 1916.)
U]
IN
68 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Denso,
Schultze A,,
a
Wood W.,
Long H.
Contribution & l’etude des Sphingides hybrides palearctigues-
I—III (Bul. Soc. lIepıdopt. Geneve Vol. r.
Barelog, TEEN UTIRRSNDERENER (Bul. Soc. lepidopt. Gendve
ol. I.
Die Erscheinung der Anticipation in der "ontogenetischer
Entwicklung hybrider Schmetterlingsraupen (Zeitsch.
wissensch. Insektenbiologie Bd. IV.)
Wie und was muss insbesondere der Schmetterlingssammler
sammeln, züchten und beobachten, um seinen Fleiss.
der Wissenschaft nutzbar zu machen (Zeitsch. wis-
sensch. Insektenbiologie Bd. VI.) m
De 1a fertilite des Sphingides europeens dans la deuxieme
generation (Bul. Soc. lepidot. Geneve Juni 1908.)
Beiträge zur Kenntnis der Öntogenese europäischer Sphingi-
denraupen (Entom. Zeitsch. Guben XX, 1906.)
Deilephila var. livornica an der Dent du Midi (Entom. -
Zeitsch. Guben XX, 1906.)
Lepidopterologisches von der Umgebung des Genfer Sees
(Entom. Zeitsch. Guben XX, 1906.)
Die Zucht von Pachysphinx modesta imperator Strecker (En-
tom. Zeitsch. XXII, 1908.)
Vorläufige Mittelung über den Hybriden Deilephila hybr.
galii 5’ X euphorbiae @ hybr. galiphorbiae (Entom.
Zeitsch. XXI, END.
Pergesa hybr. luciani (hybr. elpenor g* >< porcellus
& . Entom, Zeitsch. Anh 1908.) 7 F ,
ergesa hybr. irene = hybr. clpenor x hippophaes |
ö ee Zeitsch. XXII, 1908.) Hl ?
Beiträge zur Kenntnis der Variabilität von Celerio euphorbiae:
L. (Entom. Zeitsch. XXII, 1908.)
Zwei neue Rassenbenennungen aus der Celerio euphorbiae-
Gruppe (Entom. Zeitsch. XXV, 1911.
Cerura argentina n. sp., ein als Raupe gesellig lebender
Gabelschwanzspinner des tropischen Westafrika.
Ergebnisse der zweiten Deutschen Zentral-Afrika-Expedition
1910—1911, Lepidoptera I. Teil.
Eingänge durch Kauf.
Index entomologicus or complete illustrated Catalogue of
the Lepidopterous Insects of Great Britain, London
1854 (mit 59 color. Tafeln.) HIT
Rhopalocera Europae (The Butterflies of Europe) London
1884. Vol. I: Text. Vol. Il: Plates (82 color. Tafeln.)
Borkhausen M. B., Naturgeschichte der Europäischen Schmetterlinge,
ö Bde., Frankfurt 1788—179.
jährliche Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist in den
rste Monaten eines jeden Vereinsjahres zu zahlen (an den
jechnungsführer G. Kretzschmar, Bismarckplatz 6).
/ Den Horren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu zahlen vergessen haben, wird
s zweite (Anfang Juli erscheinende) Heft gegen Nachnahme des Beitrages, zuzüg-
‘lich der Portokosten, zugesandt (soweit nach den betreffenden Ländern Nachnahme
aulässig ist).
Die Zeitschrift erscheint in Vierteljahrsheften.
%
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte können nur inner-
halb der Frist eines Jahres, vom Erscheinen dieser Hefte an ge-
zechnet, berücksichtigt werden. .
| Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren Hefte und Sonder-
»drucke unserer Zeitschrift zu halben Preisen mit Ausnahme von Band I,
- Heft 1—3, und Band VII und VIII, welche vergriffen sind. Anfragen sind
an den Bücherwart (E. Möbius, Dresden-Fr., Schlachthofring 3) erbeten.
| Der Inhalt der Deutschen Entomologischen Zeitschrift Iris besteht, ausser
- aus wissenschaftlichen Mitteilungen, aus Vereinsnachrichten, Bücherbesprechungen
and Nekrologen, die letzten sechs Jahrgänge bringen von ersteren die folgenden:
Band XXV, 1911
(mit 2 Tafeln)
N Ayrer, C. Vorkommen von Colias edusa F, im Oktober 1910. Cour-
- woisier, L. G. Einige neue oder wenig bekannte Lycaeniden-Formen. Fruh-
'storfer, H. Neue Hesperiden des indo-malay. Faunengebietes. Jäkel, H. Agrotis
eollina in der sächsischen Oberlausitz. Martin, L. Ueber Charaxesraupen. Marsch-
‘ner, H. Parnassius apollo vom schweiz. Jura. Möbius, E. Zucht von Arctia
servini. Niepelt, W. Eine neue Morpho-Form. Xine neue Kallima. Eine neue
Brassolide. Ney, F. Papilio epycides v. melanoleucus. Petry, A. Eine neue
- Apodia-Art aus Thüringen. Pfitzner. Die Macrolepidopteren der Sprottauer
- Gegend. Die Microlepidopteren der Sprottauer Gegend. Nachtrag 1. Schütze.
Kinige Beobachtungen. Schultze, A. Eine neue Epitola aus dem afrikanischen
Aequatorial-Urwaldee Strand, E. Ludia- und Holocera-Arten. Tetzner, R.
Etwas über Arctinia caesarea.
Band XXVlI, 1912
(mit 8 Tafeln und mehreren Textfiguren).
Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte palaearkt. Macrolepidopteren IV,
Y und VI. Courvoisier L. Ueber Zeichnungs-Aberrationen bei Lycaeniden.
»Denso, P. Palaearktische Schmetterlingsformen. Hartert, E. Gegen die Zulassung
von Ausnahmen vom Prioritätsgesetz. Martin, L. Ein neuer Papilio aus Celebes.
- Kin seltener Ixias. Zwei neue Euploeen aus Celebes. Zwei neue Delias aus Celebes.
:Martini, W. Beiträge zur Kenntnis der Elachista-Raupen. Grapholita nd,
eine neue Wicklerart aus Thüringen. Kleine Mitteilungen. Miller, E. Neue Rho-
aloceren aus Transkaukasien. MNeustetter, H. Neue oder wenig bekannte
imotho&-Arten. Philipps, F. Eine interessante Aberration und Hermaphroditen
"meiner Sammlung. Rebel, H. Beitrag zur Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens.
'Rothke, M. Beitr. z. Kennt. von Arctia figurata und ihren Formen, Sasse, Th.
- "Baturnia pyri forma alticola. Schopfer, E. Fpiblema niselli und Varietäten.
Seiler, R. Die Zucht von Aporophyla nigra Hw. Sheljuzhko, L. Eine neue
Form von Melitaea didyma 0. Sterz, O. Beitr. zur Macrolepidopterenfauna der
Insel Teneriffa. Eine neue Form von Polia dubia aus Spanien. Drei neue Der
- »eiden-Formen des palaearktischen Faunengebietes. Walther, H. Lichtfangergeb-
- aisse im Jahre 1912. Zerny, H. Neue Heteroceren aus dem naturhistorischen
- „Mofmuseum in Wien.
or Band XXVlII, 1913
(mit 8 Tafeln, 1 Bildnis und mehreren Textfiguren).
Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte palaearktische Macrolepidopteren
- Yl. Bryk, F. Apologie der bewusst von mir aufgestellten Synonymen, Chap-
mann, T. A. Zur Biolo
' hippophaös. Palaearktische
H.
Band XXVIN, 1914 | NL,
(mit 4 Tafeln, 2 Textfiguren und 2 Kartenskizzen). Ta a
Courvoisier, L. G. Zur Synonymie des Genus Lycaena. Fiedler, C. Das:
bisher unbekannte Weibchen von Charaxes cognatus Vollh. Fruhstorfer, H. Neue
Lycaenidae. Neue Arhopalä-Rassen. v. d. Goltz. Erebia epiphron vogesiaca.
John, ©. Das Weibchen von Epicraptera alice John. Konias, R. Colias crocea.
ab. micans forma nova. Martin, L. Die Tagfalter der Insel Celebes. Petry, A.
Zwei für Deutschland neue Mikrolepidopteren. Püngeler, R. Neue palaearktische
Macrolepidopteren. Rebel, H. Zweiter Beitrag zur Lepidopterenfauna Unter-
Aegyptens. Ueber eine Microlepidopterenausbeute aus dem westlichen Thian-Schan-
Gebiet. Schopfer, Ed. Beitrag zur Microlepidopterenfauna der Dresdener Gegend.
Seitz, A. Euchlo& falloui form. luecida Shelj. Spröngerts, J. R. St. Martin-
Vesubie, Seealpen. Stauder, H. Microlepidopteren des Triester Gebietes und aus
Istrien. Neue Lepidopterenformen aus dem österreichischen Litoralee Lycaena
argus L. ® flavodentata aberr. nov. Bemerkungen über Euchlo& falloui Allard
(2 = seitzi Böber) und Amicta ecksteini Led. Stertz, ©. Eine neue Heterocere: °
aus Algerien. Walther, H. Ueber die Zucht von Arctia cervini Fall. SRG
Er
Band XXIX, 1915 E-
(mit 10 Tafeln und 3 Textfiguren)
Bang-Haas, ©. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914. Zur Kenntnis.
von Parnassius delphius und verwandter Arten. Einiges über Parnassius. Ein-
heitliche Aberrationsbenennung der Gattung Parnassius. Einige seltene Pieriden-
Aberrationen. Fassl, A. H. Neue Pieriden aus Südamerika. Neue Schmetter-
linge aus Südamerika. Drei Schmetterlingszwitter aus Südamerika. Fiedler, C.
Das bisher unbekannte Männchen von Charaxes pyrrhus editha Ribbe. Fritsch.
Zur Phaenologie von Colias crocea Foner. Fruhstorfer, H. Eine neue palaearkt.
Charaxes-Rasse. Neue Formen der Gattung Luthrodes und Uebersicht der be-
kannten Rassen auf Grund morpholog. Untersuchungen. Neue Terinos-Rassen.
Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zoolog. Museums. Lepidop-
teren von Herrn P. Range in Nama-Land, D. S. W. Afrika, gesammelt. v. Linstow.
Die Entstthung von Amphydasis betularia ab. doubledayaria. Martin, Dr. L.
Tagfalter der Insel Celebes. Möbius, E. Beschreibung der Raupe von Gnophos.
spröngertsi Püng. Rebel, Dr. H. Revision der palaearkt. Epermenia-Arten,
Stauder, H. Neue mediterrane Lepidopterenformen. Stertz, O. Mitt. über:
palaearkt. Heteroceren. Mitt. über die Zuchtergebnisse des Genus Chondrostega ,
im Allgemeinen. Mitt. über meine algerischen Reisen. Mitt. über eine Zucht von
Arctica caja.
Band XXX, 1916 Fo
(mit 2 Tafeln) | S
Caradja, H. Beitr. zur Kenntn, der geogr. Verbreitung der Pyraliden und
Tortriciden des europ. Faunengebietes nebst Beschreibung neuer Formen. Fritsch,
W. Phaenologische Anmerkungen. Eine neue Form von Deilephila gallii Rett.
Neustetter, H. Neue und wenig bekannte afrikanische Rhopaloceren. Pfitzner, R.
Die Lepidopteren der Sprottauer Gegend. Martini, W. Verzeichnis Thüringer
Falter aus den Familien der Pyralidae-Micropteridae. Fruhstorfer, H. Neues
über die alte Art Satyrus fagi Scop. Nochmals Limenitis rivularis Scop,
v. d. Goltz. Noch einmal Erebia epiphron vogesiaca, Rebel, Dr. H. Ueber
eine Microlepidopterenausbeute aus dem östlichen Tannuola-Gebiet. Zöllner, H.
Plötzliches und häufiges Auftreten von Lygris pyropata Hb. in Östpreussen 1915/1 en
Gaede, M. Neue Lepidopteren des Berliner Zoologischen Museums, 7%
er a
Deutsche
BERTÄR
KA |
Entomologische Zeitschrift
RHBRIDEE MASS:
#99 | A
„Lris” x
- herausgegeben
vom
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
Jahrgang 1917. Drittes und viertes Heft.
(Mit 2 Tafeln).
1. Februar 19i8.
#
Sehriftleiter: Dr. H. Walther.
Preis für Nichtmitglieder des Vereins: 12 Mark.
In Kommission bei
R. Friedländer & Sohn
Berlin, Carlstrasse 11.
Drack von Orkar Hensel, Getterherg.
YAAREIJ 2
Ynorinsı Inhalts-Uebersicht.
Oda eb Ir. cl ins crocea mediterranea Stdr. . \ a 69-88
Ash Frahkiertent He ONTDERSPNIEchE Uebersicht alter und neuer
Erebia-Formen . : 83—110
Cretschmar, M. Zur "Biologie von Caligula (Saturnia Schrk.)
boisduvali Ev. . i 110—121
Lange E. Agrotis collina Bdv. und ihr Vorkommen im säch-
OLD, Erzgebirge a A
Möbius, E. Agrotis lorezi Stgr. in Deutschland En
Robert Seiler 7 5 LE 3 |
Bücherbesprechung { RESET 134
Zugänge zur Bücherei seit ‘% Juli IF EEREN DR re . 135 —136
Vereinsnachrichten . . ne, pe)
Alphabetisches Verzeichnis der in diesem Bande beschriebenen |
Henen ‚Formen : ı*"& 2-sNe ) VIREREET A
In allen Angelegenheiten der Schriftleitung (Manuskripte, Tafeln
Bücherbesprechungen, Korrekturen usw.) bittet man, sich an den Schrift
leiter Dr. H. Walther, Dresden N.S8, Böhmertstrasse 4 zu wenden. Die
Verfasser erhalten 25 Sonderdrucke kostenfrei, nach Vereinbarung (be-
Einsendung des Manuskriptes) auf Wunsch mehr. Für die Form und
den Inhalt der in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze sind die
Autoren allein verantwortlich.
Vorstand
des Entomologischen Vereins „Iris” zu Dresdan.
Vorsitz.: Hofrat Prof. Dr. phil. K. M. Heller, Dresden, Franklinstr. 22,
Stellvertreter: Dr. med. H. Walther, Dresden N. 8., Böhmertstr. 4.
Schriftf.: Dr. med. Joh. Krüger, Dresden N., Löbauerstr. 22.
Stellvertr.: Kaufmann R. Zeumer, Dresden A., Schlossstr. 22.
Rechnungsf.: Kaufm. G. Kretzschmar, Dresden, Bismarckplatz 6.
Bücherwart: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schinchthöfemng 3.
Schriftl.: Dr. med. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstrasse 4-
Stellvertreter: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3:
Sitzungen: Mittwochs 81/, Uhr abends im Hauptrestaurant dos
Zoologischen Gartens. Gäste stets willkommen,
erbeten.
H. Stauder. Colias crocea mediterranea Stdr. 69
Colias crocea mediterranea Stdr.
Von H. Stauder, Triest, dzt. Wels.
In Nr. 5 des 2. Jahrganges der Zeitschrift des „Oesterrei-
_chischen Entomologen-Vereins“ Wien, pp. 36/38 erörtert Herr
- Fritz Wagner, Wien, die Aufstellung meiner Ü. erocea me-
# diterranea,*) mir u. a. „verschiedene Mängel der Beschrei-
Be vorwerfend sowie angeblich ganz besonders unter dem
"Banne (Zwange) einer „anderen Auffassung“ stehend.
Für seine gediegenen Ausführungen und seine ehrliche, of-
hi fene Aussprache in causa fraglicher Zugehörigkeit dieser saison-
' dimorphen Form zu crocea oder chrysotheme fühle ich
mich zu vielem Dank verpflichtet, erachte es aber nichtsdesto-
weniger als meine Pflicht, die mir zur Last gelegten „Unter-
_ lassungen“ oder „Oberflächlichkeiten« nach bestem
Wissen und Gewissen zu rechtfertigen.
Im verflossenen Winter teilte ich dem Vorstandstellvertre-
‚ter unseres neuerstandenen Oesterr. Vereins, Herrn Kammel
_ über eine Anfrage um Ablassung von mediterranea- Mate-
rial zur Klärung der Zugehörigkeitsfrage doch mit, dass die von
"mir beschriebene mediterranea zu Gunsten der prioritäts-
- berechtigten Form minor Failla (Naturalista Siciliano VII— VIII,
1889) fallen müsste, ebenso wie die Namen pyrenaica Gr. Gr.,
vernalis und deserticola Verity. Ich muss demnach
voraussetzen, dass dieser mein Entschluss jedem Teile der Wie-
ner Entomologengemeinde, welche die Zugehörigkeit von me-
diterranea zu crocea anfıcht, bekannt war.
In meiner in Ausarbeitung befindlichen „Faunula Il-
lyro-Adriatica,“ die voraussichtlich im nächsten Jahre in
- Druck kommen dürfte, habe ich der hochinteressanten Art
'C. crocea und den Frühjahrsformen derselben aus dem Medi-
terranbecken im besonderen einen Ehrenplatz angewiesen und
sie eingehendst besprochen. Darnach wird F. Wagner auch ver-
nehmen, worauf „meine Unwissenheit der Rebel-
schen Balkanfauna“ zurückzuführen ist; er wird dann
- vielleicht die in meinen Acker geworfenen Steine wieder aufhe-
ben, um sie in einen anderen zu werfen, wenn er erfährt, dass
mir die Erlangung dieser für mich küstenländischen Faunisten
so ungemein wichtigen Literaturbehelfe einfach und rundweg
*) Veröffentlicht im Bolletino della Societä Adriatica di scienze natu-
rali Trieste, Vol. XXV, P. II, Sezione entomologica, 1911, pp. 145/150,
70 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
—__
unmöglich war! Denn wie bei uns im lieben Oesterreich die
„Provinz-Dilettanten“ vom „grünen Residenzgelehrtentische“ aus
behandelt werden, darüber könnte so mancher aus Süd und Nord
eine Jeremiade anstimmen und sein Liedchen pfeifen. Herr
Wagner möge überzeugt sein, dass ich kein erlaubtes Mittel
zur Erreichung dieses hochwichtigen Behelfes unversucht gelas-
sen habe. Auch den vielen Vereinen und Vereinchen kann der
Vorwurf nicht erspart bleiben, dass die Hauptarbeit derselben
im Eintreiben der Mitgliedsbeiträge besteht und die Vereins-
Fachliteratur offenbar nur für Residenzmitglieder vorhanden zu
sein scheint.
Wenn Herr Wagner schon sieht, dass ich Professor Rebel’s |
schöne Arbeit „Studien zur Lepidopterenfauna der
Balkanländer“ nicht kenne, so hätte er doch so nett sein
können, seiner so weitgehenden Erörterung den Wortlaut jener
ominösen „eingehenden, fünfzehn Zeilen umfassenden Bespre-
chung“ auf Seite 148 des II. Teiles in seine Philippika einzu-
schieben, damit ich endlich über die angeblichen montenegrini-
schen „Schwesterexemplare“ des Wiener Hofmuseums
unterrichtet und ich derimassen nicht abermals gezwungen wäre,
„mit keinem Worte Tatsachen, wie Rebels Erwähnung der mon-
tenegrinischen Sonderlinge im Jahre 1904 u. dgl. zu berühren.“ ”
Zu Wagners Beruhigung glaube ich vorausschicken zu müs-
sen, dass gerade C.crocea seit Beginn meiner .17jährigen
Sammeltätigkeit zu den von mir ganz besonders bevorzugten ”
Lieblingen gehörte und dass ich das Glück hatte, mein Netz”
überall dort schwingen zu dürfen, wo die Art als bodenständig
betrachtet werden kann.
Meine ganze Aufmerksamkeit schenkte ich dem Fange mei-
ner crocea und habe ich denn auch aus allen möglichen”
Fluggebieten und Höhenlagen reichhaltigstes Studienmaterial”
(Sizilien, Kalabrien, französische und italienische Riviera, Dje-
bel Aures, nördliche Sahara, ganz Nordalgerien, Tunis, Südal-”
pen, illyrisch-dalmatinischer Karst, Smyrna) selbst zusammen-
getragen; ferner habe ich der Liebenswürdigkeit mehrerer aus-
ländischer Herren Lepidopterologen, wie Universitätsprofessor
Dr. Reverdin Genf, Dr. Gramann Elgg, L. Sheljuzhko Kiew
eine namhafte Reihe crocea aus aller Herren Länder von
Zentralasien bis Portugal zu verdanken und ist mir solcher-®
massen beim Vorhandensein von etwa 1000 Belegexemplaren”
meiner Sammlung wohl doch einige Kenntnis gerade dieser Art
nicht rundweg abzusprechen; reichlich ein weiteres Tausend
®rocea aus Südtirol, Oberitalien, dem österreichischen Küsten-"
——
ee
H. Stauder. Colias crocea mediterranea Stdr. 71
lande und Dalmatien sind durch mich in Tauschhandel gesetzt
worden, wobei jedes einzelne Stück vorerst genau geprüft wor-
den ist. Von Col. chrysotheme Esp. besitze ich nun-
mehr 40 Pärchen aus Niederösterreich und Mähren, und zwar
Tiere, die im Juni, Juli, August und September gefangen wur-
den und somit alle Generationsformen dieser Art umfassen dürf-
ten, mein mediterranea- Material habe ich seit Publi-
kation meiner Arbeit 1913, die schon im Sommer 1912 ge-
schrieben war, beträchtlich erweitert.
Jeder Coliaskenner wird wohl ohne weiteres zugeben müs-
sen, wie schwer es oft hält, die verwandten Arten dieser Gat-
tung auseinanderzuhalten oder Einzelindividuen in die richtige
Art einzureihen , darüber ist schon viel geschrieben worden und
ich möchte diesbezüglich sogar noch weiter gehen und behaup-
ten, dass selbst der geübteste Coliaskenner leicht einen Fehl-
griff begehen kann, wenn er nicht den genauen Fundort und
die Fundzeit sowie mancherlei Nebenumstände (Vorkommen der
Futterpflanze am Fangorte, Anpassung der ersten Stände der
Art an andere Nahrungspflanzen in den verschiedenen Flugge-
bieten und Höhen, genaueste Kenntnis der klimatologischen Ver-
hältnisse der Standplätze u. n. v. a. vielleicht minder wich-
tig erscheinende Umstände) aus eigener Wahrnehmnng kennt.
Niemals hätte ich mich entschliessen können, die herrliche Aber-
rativform myrmidonides Stdr.*), die ich im Juli 1917 auf
der Cerasia im Aspromonte unter crocea tergestina Stdr.,
aubouissoni Caradja und helicina Obth.- Uebergängen
fing, ohne weiteres zu crocea zu stellen, wenn ich das Ein-
zelexemplar von irgendwoher erhalten oder in einer Sammlung
undeterminiert stecken gesehen hätte. Schon dem Flügelschnitte
nach würde ich sowie wohl jeder andere Kenner auf myrmi-
done geschlossen haben, ganz abgesehen von der Fleckenan-
lage und Fleckenfärbung (im Aussenrande); nachdem ich aber
ruhig behaupten kann, dass myrmidone in Süditalien über-
haupt nicht vorkommt, beziehungsweise. nach den einfachen
Grundsätzen der Zoogeographie nicht vorkommen kann, so fiel
es mir nicht schwer, dieses Einzelindividuum, dessen Fundort
ich genau kenne, unter crocea einzureihen, wenn auch man-
cher Nörgler bei Ansicht der Abbildung rund und steif behaup-
ten wird, dass eine offensichtliche Verkennung mit m yrmidone
Esp., beziehungsweise wegen der hellen Färbung des Tieres
mit einer Nebenform von myrmidone vorliege.
*) vgl. H. Stauder in Z. £. wissensch. Ins. Biologie Berlin-Schöneberg
XII. 1916, p. 59 und Tafel V, ders. Z, XI. 1915, Fig. 7,
72 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Wagners Kritik stützt sich auf ein einziges Orginalexem-
plar (Cotype) meiner g. v. merid. mediterranea und
die im Wiener Hofmuseum steckenden montenegrinischen Stücke,
die im Monate November bei Podgorica gefangen wurden. Wenn
auch die Erklärung Wagners punkto Flugzeitdifferenzen zwischen
meinen mediterranea (ab Mitte Februar bis in den Juni
hinein, je nach der Lage und Höhe der Flugstellen) einerseits
und den Museal-mediterranea-Stücken (November), dass es sich
bei letzteren um anticipando erschienene Stücke
einer Frühjahrsgeneration handle, etwas gewagt
scheint, so ist sie doch keineswegs ohne weiteres von der Hand
zu weisen und will ich mich diesem Machtspruche bedingt fü-
gen, wenn ich auch in meinem Aufsatze „Zur Frage der
Ueberwinterung von Colias croceus Fourc. (edusa
F.) als Falter“ in Z. f. wissensch. Ins. Biologie Berlin-Schö-
neberg, IX, 1913, pp. 96/97, dann in meinen „Beiträgen z.
Kenntnis der Makrolep.-Fauna der Adriatischen
Küstengebiete“, Boll. Soc. Adr. di scienze natur. Trieste,
Vol. XXV, P. I, 1911 pp. 102/104 und in den „Weiteren
Beiträgen“ selbe Z., Vol. XXVLU, P. I. 1913, pp. 145/150
zur Genüge bewiesen zu haben vermeine, dass die südliche
dritte Brut der Herbstmonate von der ersten ganz wesent-
lich verschieden ist und die Frühjahrsgeneration an Stattlich-
keit und Grösse fast durchwegs ums Doppelte überflügelt.
Die Wiener Museal-Stücke von mediterranea, die ich lei-
der gleich der fünfzehnzeiligen Erörterung nicht kenne, dürften
somit sehr wohl einer ausnahmsweisen vierten Brut
angehören, die zufolge ganz besonders günstiger Witterungs-
verhältnisse oder vielleicht unter anderweitig vorteilhafter Ein- '
wirkung schon im südlichen Vorwinter die Auferstehung gefeiert
hat. Ich lasse daher Wagners Behauptung der Zusammenge-
hörigkeit „seiner“ und „meiner“ mediterranea be-
dingt gelten und finde — gelinde gesagt — nur den Ton un-
begreiflich, in welchem Wagner meine Diagnose angreift, wenn
er sagt: „Es sei vorweg bemerkt, dass es sich bei den in Rede
stehenden montenegrinischen Stücken zweifellos auch um die
var. mediterranea Stauder handelt, es sei denn, dass
der Autoreine andere Form beschrieben und
abgebildet hat, als es dieist, welche er selbst
als seine mediterranea bezeichnete und von.
welcher mir aus Koll. Kammel ein Orginalex-
emplar vorliegt.“ Erweckfe vielleicht der unter Punkt 1
seiner Philippika gerügte Umstand der grossartigen Vorderflügel-
H. Stauder. Colias crocea mediterranea SItdr. 7 3
————
| längen-Differenz von einem, sage und schreibe einem Mil-
‚limeter Gewissensskrupel? Ja freilich, Präzisionsmessappa-
rate stehen uns „Provinzlern“ leider nicht zur Verfügung und
müssen wir uns meist mit dem Lineal oder dgl. Instrumenten
, behelfen, hoffen aber dennoch, dass deswegen der wissenschaft-
| liche Himmel nicht einbreche. Als ob es nicht vollständig irre-
levant bliebe, ob eine, durch ihre geringen Dimensionen beson-
‚ ders gekennzeichnete Saisonform einen mm mehr oder weniger
‚spannt (g. v. 12 — 23mm, g. aest. 22— 30 mm,g. aest.-
aut. 30—36 mm, cfr. meine „Weiteren Beiträge“ pp.
146 — 148).
Wagner hat es für gut befunden, auf Grund eines einzigen
ihm zugänglichen ÖOriginalexemplares (Cotype) die Behauptung
aufzustellen, meine mediterranea sei höchstwahrscheinlich
| keine crocea-, sondern eine chrysotheme-Form; in fünf
„Punkten“ sucht er meiner mediterranea zu Leibe zu
‚ rücken, weshalb ich bemüssigt bin, in ebensoviel Punkte meine
_ Replik zu fassen.
l. Die Uebergehung der schon gestreiften Flügellängen-
Differenz glaube ich mir wohl gestatten zu dürfen; ich ver-
weise diesbezüglich auf die keinen Zweifel aufkommen lassende
Urbeschreibung in der für 5 fJ 12, für 10 JS 14—16,
weitere 15 ZZ’ 18, 19 und 20 und eingie wenige d’d' 22 mm,
für die durchschnittlich etwas grösseren 2? 18—23 mm an-
gegeben wurden. Dass zur Abbildung das am meisten charak-
teristische Tier gelangte, ist doch in Ordnung, ich sehe gar
nicht ein, warum ich gerade das grösste hätte abbilden sollen,
nachdem die Masse ja ohnehin genau registriert erscheinen.
Ich habe doch stets gehört, dass aus Serien bekannt variabler
Arten oder Formen die markanteste Mittelform als Muster die-
nen soll, wenn die Abbildung der ganzen Serie nicht möglich
erscheint; ich konnte doch dem einen oder andern Nörgler zu-
liebe nicht meine ganze Tausenderreihe crocea abbilden las-
sen, so gern ich dies auch täte, wenn ich die Mittel dazu be-
sässe; denn ich bin der Ansicht, dass sogar eine schlechte Ab-
bildung mehr besagt als eine gute Beschreibung. Ich glaube
auch durch die Tat bewiesen zu haben, dass ich dieses Prinzip
nicht nur predige, sondern selbst: befolge, denn die meisten
meiner kleinen Arbeiten werden durch Lichtdrucktafeln
ergänzend begleitet, wobei ich nicht selten auch von anderen
Autoren eingeführte und bisher nicht abgebildete Formen zur
Veranschaulichung gebracht habe.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1917. ‚
D
74 Deutsche Krtom. Zeitschrift Th. ' Dresden 10T,
Die gelbe Unterteilung der schwarzen Saum-
binde ist für die Form mediterranea Stdr. nach
den mir vorliegenden Typen kein Charakteristi-
kum, wie dies Wagner nach der einzigen ihm vorgelegenen
Cotype annimmt; von dem mir derzeit vorliegenden mediter-
ranea-Material besitzen bloss 7 dd’ von 42 diese Untertei-
lung ; es kann daher diesbezüglich von „den für diese Form
so charakteristischen gelben Adern iin der Saum-
binde“ keine Rede sein. Diese Gelbaderung finden wir bei
Individuen jeglicher Provenienz und jeder Generation, allerdings
relativ häufiger im Süden, soweit dies wenigstens durch mein
Belegmaterial dargetan erscheint. In allen grösseren Nach-
schlagewerken (Berge-Rebel IX, Seitz, Spuler, Rühl-Heyne usw.),
die leider meist viel zu oberflächlich gehalten sind und eher
für Anfänger als für reife Sammler geschaffen worden zu sein
scheinen, findet sich übrigens die Bemerkung von der Durch-
schneidung des Vorderflügelsaumes beim JS als Charakteristikum
der Normalform. Das von mir zur Abbildung (Taf, Il, Fig. 5)
gewählte Stück entbehrt übrigens der Gelbaderung durchaus
nicht, wie Wagner behaupte, wovon sich jedermann über-
zeugen kann; freilich ein der Form faillae Stef. gleich-
kommendes Exemplar, bei der die Säume aller Flügel von
gelben Adern breit durchschnitten werden, stellt die Ab-
bildung nicht dar, obwohl ich auch solche Stücke hätte ab-
bilden lassen können; aber faillae Stef. ist, wie der Kritiker
meiner Arbeit (p. 150) gütigst entnehmen möge, auch im Sü-
den eine Seltenheit und nicht etwa, wie er vielleicht anzuneh-
men geneigt ist, eine Oharakterform !
Das kann mir selbst Wagner in Anbetracht meines wahr-
haft sehr beträchtlichen Belegmateriales, das jeden Lepidoptero-
logen zu jeder Zeit behufs Besichtigung zur Verfügung steht
und auch schon vielfach besichtigt wurde, glauben. Und die
Auswahl der abzubildenden Charaktertiere muss wohl doch auch
dem Autor — dafern er die nötige lestigkeit besitzt — über-
lassen bleiben.
2. Wagner: „Erwähnt Autor (Stauder) mit keinem Worte
diese so charakteristische Durchschneidung der
dunklen Saumbinde durch die gelben Adern bei den Zd. Alle
vorliegenden männlichen Stüeke, auch die meisten der im Mu-
seum befindlichen zeigen dies Merkmal in auffallender Weise,
am auffallendsten das vom Autor selbst herrührende Original.*
u.8.w. Hierzu wäre nach meinen Ausführungen unter 1 wohl
nichts mehr beizufügen. Dass gerade „alle“ Wagner vorliegen-
| H. Stauder. Colias crocea mediterranea Stdr. 25
| den Stücke aus Kammels Sammlung — (er sagt früher selbst:
| „einige männliche Exemplare“ lägen ihm vor; es wäre ange-
| zeigt gewesen, die Zahl zu registrieren; soviel ich mich erin-
'nere, besitzt Herr Kammel ausser dem von mir erhaltenen J”
noch 1 oder 2 selbsterbeutete dd" von der Napoleonstrasse
bei Triest) — dies Merkmal in auffallender Weise zeigen, be-
sagt noch gar nichts, beziehungsweise nicht, dass mediter-
Tanea zu chrys otheme gehört; und selbst wenn alle
meine Typen, Cotypen und nachträglich erlangten mediter-
ranea Sc diese failla a-Charakteristika aufwiesen, SO wäre
damit nur bewiesen, dass es sich um eine Kombination von
faillae Stef, minor und mediterranea Stdr. handelte,
welche letztere jedoch, wie ich schon eingangs erwähnte, ein
Synonym von minor Failla darstellt und zur Einziehung ge-
gelangen wird. Die Gründe hierfür werde ich zum Schlusse
angeben.
| Den weiteren Vorwurf, dass ich in meiner Beschreibung
mit keinem Werte die schon von Rebel und Galvagni betonte
überraschende Aehnlichkeit der neuen Form (also
mediterranea) mit chrysotheme Erwähnung getan, kann
ich schon deshalb verschmerzen, weil, wenn ich zwar auch bei
den O’d' von mediterranea eine offensichtliche „Aehn-
lichkeit“ konstatierte, die vorliegenden 22 von mediter-
ranea (14 Stück) als von allen Zeitformen der chrysothe-
me Esp. derart grundverschieden sind, dass ich es für
überflüssig gehalten hätte, einen Vergleich mit chrysotheme
zu ziehen, selbst wenn mir Rebels Arbeit bekannt gewesen wäre.
Wer nach Ansicht und Vergleich meiner mediterranea-2Q
am gleichen Platze und zur selben Zeit mit den J’d" erbeutet,
mit jenen von chrysotheme aller Bruten noch behaup-
ten will, mediterranea sei eine chrysotheme- Form
bloss aus dem Grunde, weil das / auffallende „Aehnlich-
keit“ mit zweien von chrysotheme besitzt, der möge sich
' nur ruhig sein Lehrgeld von seinem Meister zurückzahlen lassen.
Meine mediterranea 2% sind logischerweise bedeutend
kleiner als solche der Sommer- und Herbstbrut, zeigen aber,
was Flügelschnitt, Saumbindenanlage, Bindenfleckung und Hin-
terflügelfärbung anlangt, alle Charakterstücke der C. crocea
im vollsten Masse; nicht ein einziges Stück befindet sich
unter ihnen, bei dessen Anblick auch nur einem Anfänger die
Vermutung kommen könnte, es handle sich um chrysothe-
me oder eine bereits bekannte oder neue Form dieser Art!
Und dies ist auch der Grund, weshalb ich bei der Beschreibung
76 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
des 2 nicht jenes Wesen gemacht habe, welches der Kritiker
meiner Arbeit verlangte, wenn er im Punkte 5 schreibt: „Ueber
Aussehen, Färbung, Zeichnung u. s. w. (des 2) schweigt er sich
vollständig aus.“ Uebrigens entbehrt auch dieser Vorwurf jegli-
cher Berechtigung, da jedem logisch denkenden Deutschen beim
Ablesen der vier ersten Absätze auf Seite 147 im Anschlusse
an die letzten drei Absätze auf Seite 146, welche ausschliess-
lich die „Frühjahrsgeneration aus Spalato und
Triest“ behandeln, sofort klar werden muss, dass, soweit
von Dalmatiner und Triester-Stücken, 'von der Grundfarbe der
Frühjahrstiere, namentlich der oo, u. s.f. die Rede ist,
doch das Plenum der Form mediterranea, also das d’
sowohl wie das 2, abgehandelt wird.
Wenn die Einreihung einer Form in die eine oder andere
Art „lediglich“ durch die „Aehnlichkeit“ bedingt würde, so
sähe es um die Lepidopterologie nicht gut aus! Mit demselben
Rechte könnte Herr Wagner behaupten, C. myrmidone Esp.
gehöre zu crocea oder umgekehrt, weil sowohl Z als auch 2
beider Arten eine überraschende Aehnlichkeit (untereinander)
besitzen! Und solche Vergleiche gäbe es in der Lepidopterolo-
gie noch zu Dutzenden!
3. Wagner: „Behauptet der Autor (Stauder), dass die
oberseitigen '„schwarzen Mittelflecke“ niemals schwarz (?!),
vielfach braun oder braun gekernt, stets sehr klein sind;
auch das trifft nicht zu, da unter den mir vorliegenden „drei“
Exemplaren eines richtig schwarze und im Verhältnis zur Grösse
recht kräftige Mittelflecke besitzt und auch das von Stauder ab-
gebildete Stück relativ grosse Medianflecke aufweist; desgleichen
viele Exemplare der in der Hofmusealsammiung steckenden Serie.‘
Der betreffende Passus meiner Beschreibung (Seite 147,
Absatz 2) lautet: ,,Die oberseitigen schwarzen Mittelflecke der
Vorderflügel sind bei vielen Dalmatiner-und Triester Stücken
statt „schwarz“ braun, niemals schwarz; braun gekernt, stets
sehr klein, seltener fehlen sie ganz.“ Für Haarspalter sollte
diese ‚Stelle genau so lauten: „Die oberseitigen (dunklen)
Mittelflecke der Vorderflügel sind bei vielen Dalmatiner und
Triester Stücken statt „‚tief-(intensiv-)schwarz“ niemals ganz
„teinschwarz“, sondern braun, bräunlich, schwarzbraun oder
schwarz mit mehr oder minder starkem Stich ins Braune oder
Bräunliche, ab und zu sogar ins Hellbraun bis Ockergelb ; viel-
fach schwärzlichbraun oder schwärzlich und ‚heller‘ gekernt,
„stets“ sehr klein, seltener fehlen sie gänzlich.“ Glücklicher-
weise hat diesmal nicht das von mir stammende Original-
H. Stauder. ' Colias crocea mediterranea Stdr. 77
exemplar, sondern irgend ein anderes „richtig schwar-
ze und im Verhältnis zur Grösse recht kräftige Mittelflecke“,
sonst hätte ich es wieder zu hören bekommen! Aus meiner
starken Serie besitzt nicht ein einziges Stück,
weder ein d noch ein $, rein schwarze Median-
flecke, aber Wagner muss dies ja natürlich besser wissen,
selbst wenn er die Typenserie nicht gesehen hat, denn er hat
ja die im Hofmuseum steckende „November“-Früjahrs-
generation mediterranea gesehen, unter der er auch
reinschwarz gefleckte Stücke gefunden hat! Das ist natürlich
massgebend !
Ich muss entschieden dagegen Stellung nehmen, dass Wag-
ner oder irgend jemand anderes die im Hofmuseum steckenden
„November-antieipando-Frühjahrsgeneration““ ohne weiteres als
Typen neben meine ausschliesslich aus den ersten Frühjahrs-
' monaten stammende Originalserie hinstellt, zumal er die gan-
ze Typenserie (bis auf eine Cotype) nur aus der — wie er so-
gar selbst meint — ungenügend und fehlerhaft geschriebenen
_ Autorendiagnose kennt! Ich möchte den Autor kennen, der
sich solche Anmassung ohne weiteres gefallen liesse?! Nach
Wagner sind die Wiener Hofmusealstücke einfach mit meiner
Serie „identisch‘ und basta! Man sieht aus allem und je-
dem, dass Wagners Fehde nur ganz mutwillig vom Zaune ge-
brochen ist, dies umsomehr, als er durch Herrn Kammel ja er-
fahren haben musste, dass ich mediterranea Stdr. als Sy-
nonym von minor failla ohnedies einzuziehen gedächte und
somit eigentlich überhaupt nur um des Kaisers Bart gestritten
werde! Aber in Ermanglung besseren Arbeitsstoffes muss eben
irgendein Thema angeschnitten werden, damit überhaupt etwas
geschrieben werde,
4. Wagner weiss nun schon wieder, dass bei meiner von
ihm nicht gesehenen Typenserie „ausgesprochener Albinismus“
(wohl richtiger „weiblicher Dimorphismus oder Dichroismus‘)
existiert! Unter ausgesprochenem Albinismus ver-
stehe ich das Extrem von Grundfärbungsausbleichung, z. B. bei
myrmidone die Formen alba Stgr., nigerrima Piesz.,
balcanica rebeli Schaw., bei crocea helice Hb., pal-
lida Tutt, adoratrix Stauder u.. dgl. Wagner zitiert, dass
Rebel unter der November-Serie von Podgorica eines 2 von
helice gedenkt und macht mir dabei abermals den unver-
dienten Vorwurf, dass ich diese seiner Meinung nach schwer-
wiegende Tatsache schon wieder nicht kenne!
78 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Also helice anticipando g. v. natürlich!? Nein,
Herr Kritikus, helice, helicina, pallida sind häu-
fige Erscheinungen im Hochsommer, im Herbste und Nachherb-
ste, wie Sie aus meiner Zusammenstellung der Formen von
crocea aus Illyrien ersehen wollen und wie dies wohl jedem
Sammler, der den Süden kennt, hinlänglich bekannt sein muss.
In meiner „Faunula Illyro-Adriatica‘“ bespreche ich die mut-
massliche Entstehung dieser fast durchwegs als Saisonnachzüg-
lerinnen im Spätsommer und Spätherbste auftretenden, ausge-
sprochen (extrem) albinistischen Formen eingehendst; bis jetzt
wurde mir kein einziges Frühjahrsstück bekannt,
das sich nur annähernd mit einer der drei extrem albinistischen
Aberrativ-Formen vergleichen liesse. Inı Gegensatze zur Herbst-
brut sind es die dd der g. v. merid-mediterranea,
die durchwegs viel heller als die 2% sind; auch in der Som-
merbrut übertreffen die 22 die Männer an Grundfarbenaufhel-
lung im Gegensatze zu Individuen der g. v. mediterranea,
Wagners Annahme, das Museal-helice ? vom Novem-
ber aus Podgorica stünde in irgendwelchem Zusammenhange
mit mediterranea, kann ich daher mit ruhigem Gewissen
als absurd bezeichnen; deshalb ist auch Wagners Behaup-
tung, bei mediterranea existiere weiblicher
Dimorphisinus, rundweg abzulehnen, insoweit dies wenig-
stens bei dem heutigen Stande der Wissenschaft zu erhärten
möglich war. J. Hafners, Turatis, Oberthürs, Gowells, Galvag-
nis, Rebels und Reverdins, sowie meine eigenen aus dem Me-
diterranbecken stammenden und in ihren mir vorliegenden Wer-
ken, Werkchen und Lokalfaunen zitierten helice, helicina,
pallıda und adoratrix stammen insgesamt aus Sommer-
und Herbst-, auch Spätherbstmonaten. Der Einzige: Mann, führt
in seinem Verzeichnisse der im Jahre 1853 in der Gegend von
Fiume gesammelten Schmetterlinge (Wien. Ent. Mtschr. I, 1857,
p. 144) C. Edusa Helice Hb. als im Mai bei Volosca, ge-
fangen an; weiteres figuriert ab Helice Hb. neben C. Chry-
sotheme Esp. und Edusa F. in Manns „Lepidopteren, ge-
sammelt während dreier Reisen nach Dalmatien in den Jahren
1850, 1862 und 1868“ (Verh. Zool. Bot. Ges. in Wien, 1869,
p. 374) als in Mitteldalmatien gefangen. Ein näherer Fundort
und Flugzeitdaten fehlen, auch der Einleitung ist nicht zu ent-
nehmen, in welchen Monaten Mann in Mitteldalmatien gesam-
melt hat: aus der Angabe, dass er chrysotheme gefangen
habe, ist zu schliessen, dass er schon ab Februar, März in der
Umgebung Spalatos und an der Riviera Sette Castelli die heu-
. oo — „u A 32<A„— HD A A u wu Vu u u
H. Stauder. -. Colias erocea mediterranen Stdr. 719
tige mediterranea Stdr., richtiger minor Failla, nicht aber
€. chrysotheme Esp. ins Netz bekam. Natürlich wird
Wagner jetzt sofort wieder die Konstatierung von helice im
Mai (Volosca) sowie von chrysotheme und helice (unbe-
' kannten Datums) in Mitteldalmatien für seine chrysotheme-
mediterranea-Theorie auszuschroten suchen. Aber ich
lasse mich auch durch diese „Authenica‘““ nicht aus der Fassung
bringen; denn erstens fliegt schon um Triest ab Ende Juni
_ normaliter die Sommerbrut von crocea*) und ist es daher
' sehr leicht möglich, dass in dem bekannt ungleich milderen
_ Volosca die g. aest. von crocea und damit helice im ge-
nannten Jahre schon im Mai flog; auch ist, da Mann keine
genauen Fangdaten bei den einzelnen Arten anführt und er
— wie er einleitend schreibt — vom April bis Mitte Juli
bei Fiume sammelte, eins Datumsverwechslung leicht möglich.
Diese Mutmassung gewinnt noch mehr au Wahrscheinlichkeit,
weil Mann chrysotheme (also richtig mediterranea Stdr.
oder minor Failla, die südliche Frühjahrsform) nicht anführt,
woraus mit ziemlicher Gewissheit zu schliessen ist, dass er erst
die 2. Brut von crocea, also C. crocea Foure. und darun-
ter helice Hb. fing. Die Fundangaben Manns von Ü. chry-
sotheme Esp., edusa (crocea) und helice aus Mittel-
dalmatien liefern mir die Gewissheit, dass Mann im Vorfrüh-
ling meine mediterranea und etwa ab Mai, Juni crocea
und helice, die 2. Generation fing. Doch selbst, wenn es
sich herausstellen würde, dass Mann im Mai bei Volosca und
bei Spalato im Frühling C. crocea mediterranea ab.
helice vereinzelt gefangen hätte, so würde dies nicht
mehr bedeuten, als dass eine Schwalbe keinen Sommer mache.
Und übrigens lautet die bezügliche Stelle meiner Arbeit (p. 147
6. Absatz) doch: „Ausgesprochener Albinismus scheint bei
dieser g. v. (mediterranea) nicht vorzukommen; wenig-
stens unter den mir vorliegenden 32 JS und
27 22 ist kein Stück, welches auch nur annä-
hernd zu helice Hb. gestellt werden könnte.“
Diese vorsichtige Fassung schliesst doch den „ausgesprochenen
Albinismus“ nicht absolut und definitiv aus! Oder?
Ne sutor supra crepidam !
5. Den ersten Teil des Wagner’schen Vorwurfes punkto
*) (ecfr. H. Stauder, Weitere Beiträge z. K. der Makrolep. Fauna der
Adr. Küsten-Geb., Boll. Soc. Adr. di scienze nat., Triest, Vol. XXVII,
P. I, 1913, p. 147)
80 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
flüchtiger Behandlung des 2 von mediterranea glaube ich schon
unter 2 entkräftet zu haben.
Nachdem nun Kritikus mit seinen „Richtigstellungen und
Ergänzungen“ geendet, äussert er seine eigenen Ansichten über
diese — wie er eingangs selbst zugibt — interessante Form
(mediterranea), hierbei auf einer Leiter verwegener Kom-
binationen und Theorien zum fast sicheren Schlusse gelangend,
meine mediterranea aus dem österreichischen Litorale
(Triest, Istrien, Dalmatien und „Montenegro“) sei wohl eine ab-
sonderlich interessante Form, jedoch nicht zu crocea zu stel-
len, sondern vielmehr entweder chrysotheme mit Duft-
schuppenfleck selbst oder eine Form dieser Art. Chrysothe-
me ist nicht, wie Herr Wagner annimmt, pontisch-orientalicher,
sondern sibirischer Herkunft, nach Dr. Zerny ein südrussisches
Steppentier. Die Verbreitungsmöglichkeit dieses Sibiriers bis
Istrien und Dalmatien wird natürlich von niemandem angefoch-
ten. Istrien und Dalmatien sowie die Appeninnenhalbinsel be-
herbergen noch eine grosse Anzahl sibirischer, boreal-alpiner
und pontisch-orientalischer Arten, z.B. Parnassius apollo L.
mnemosyne L, Aporia crataegi L, Pieris bras-
sisae L.‘ (bis zu den Kanaren reichend), napi L., dapli-
dieie LE. belia L, "sardamınes L, Wonvar
rhamni L. (bis tief nach Nordafrika), Apatura ilia Schiff
und noch viele Hunderte andere. Wie ist es aber erklärlich,
dass weder ich noch ein anderer Sammler im österreichischen
Süden jemals die II. und III. Brut von Colias chrysotheme
zu Gesichte bekam? Wagner wird doch zugeben, dass ich,
der ich keine einzige Coliasart unbehelligt ziehen liess, in zehn
langen Jahren mindestens einige Stücke der häufigen Sommer-
brut und der wahrscheinlich nicht zu raren Herbstbrut erbeutet
hätte! Dass es gerade die relativ in geringer Individuenzahl
auftretende g. v. von chrysotheme gewesen sein sollte, die
mir und anderen Sammlern zum Opfer fiel? Nein! Colias
chrysotheme ist.bis heute weder in Istrien, noch im Gör-
zischen oder in Dalmatien gefangen worden; und daferne sie
von einigen Gewährsmännern (Mann |. c., Mai Volosca, Carrara
[F. A. Vogel’sches handschriftl. Verzeichnis, bei Miramar März,
April]) für das fragliche Gebiet als vorkommend angegeben
wird, handelt es sich um denselben Irrtum, von dem Herr
F. Wagner — scheinbar unheilbar — befangen--ist. Der Herr
Kritikus hat ja Gelegenheit, die von Mann erbeuteten Tiere
vielleicht im Hofmuseum zu besichtigen, da steckt vielleicht
auch Manns „chrysotheme“ aus Spalato drinnen; aber ich
H. Stauder. Colias erocea mediterranea Stdr. 81
versichere ihm heute schon, der ich die Hofmusealsammlung
noch nie gesehen habe, dass es sich nur um d'f mediterra-
nea Stdr. recte minor Failla handeln kann. So gewiss bin
ich meiner Sache. Und hat Mann zur selben Zeit J'S’ und
9? von mediterranea gefangen, so würden die Z'' ge-
wiss für chrysotheme, die $2 für helle crocea gehalten!
Es ist ja richtig, dass die do’ von mediterranea eine
auffallende — aber immerhin bloss oberflächliche — Aehnlich-
keit mit chrysotheme-J’J” besitzen, die Gestalt und Färbung
der 2? lassen jedoch nicht den leisesten Zweifel an der Zuge-
hörigkeit der Form zu crocea Fourc. aufkommen, wie ich
dies schon ausführlich dargetan habe. Der konstant auftre-
tende Duftschuppenfleck bei männlichen mediterranea ist
zweifelsohne und unbedingt eines der ausschlaggebend-
sten Charakteristika für die Einreihung dieser Form unter
crocea, wobei übrigens noch ganz besonders betont werden
muss, dass die nach Wagner auffallende Aehnlichkeit der
JS doch nur eine sehr oberflächliche ist.. Daran lässt
sich nun einmal nichts ändern. Geradeso wie die algerischen
„mediterranea-ähnlichen* mediterranea, so gehören auch
die istrisch-dalmatinischen mediterranea (vera) zu Ü.cro-
cea und niemals zu chrysotheme. Meine von mir selbst
im April und Mai in Süd- und Nordalgerien zusammengetragene
mediterranea transitus-Serie (deserticola Verity, die ebenfalls
mit minor Failla identisch ist und einzuziehen sein wird) ist
etwas stattlicher im cd’, hat bleiche ZZ und 22 mit stark ent-
wickelten Medianflecken, die nicht stark bräunlich angeflogen
und nicht heller gekernt erscheinen. Obwohl ich zum Voraus
' vollkommen überzeugt bin, dass die Untersuchung der Genital-
apparate meiner mediterranea do kein anderes Resultat
liefern kann, als’ das von mir erwartete, so will ich dennoch
zur Beruhigung des Herrn Wagner einige Stücke zu diesem
Zwecke opfern und das Ergebnis dann anlässlich Publikation
meiner „Faunula Illyro-Adriatica“ seinerzeit bekanntgeben.
Ich bin überzeugt, dass der Herr Kritikus das Thema
nicht angeschnitten hätte, wenn er meine Typenserie gesehen
hätte. Ihm und mir wäre viel Arbeit, unnütze Arbeit, erspart
geblieben. Si tacuisses, ... . !
Schliesslich will ich — vorgreifend — die Fassung *) aus
dem Manuskripte meiner mehrbesagten Faunula betrefis der Sy-
nonymität der bis jetzt aufgestellten Frühjahrsformen bekannt-
geben. Sie lautet: |
*) Fertiggestellt im Dezember 1916.
82 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
„Insoweit ich den sachlichen Ausführungen Verity’s (Rhop
Pal.) folgen konnte, bin ich der Ansicht, dass pyrenaica Gr.Gr,,
vernalis Ver, deserticola Ver.und mediterranea blos-
se Synonyme der prioritätsberechtigten Frühjahrsform des Südens
minor Failla (Naturalista Siciliano, VIT— VIII. p. 25; 1889
sind. Sicher hatte Failla, nicht ahnend, die echte, konstante
Frühlingsform des Südens vor sich zu haben, seine minor als
ein Kuriosum betrachtet und in ihr wohl lediglich eine Aberra-
tivform gesehen. Mir liegen dalmatinische, syrische, siziliani-
sche, kalabrische, algerische (Biskra, Elkantara, Batna, Constan-
tine) und Frühjahrsstücke aus den Pyrenäen, dann von der
Insel Mallorca sowie von der französischen und italienischen
Riviera vor und hält es schwer stand, durchgreifende Un
terschiede zwischen den Individuen der verschiedenen Flugge-
biete herauszufinden; nur bei rigorosester Haarspalterei könnte
die eine oder die andere Frühjahrsrassenform aufrecht erhalten
bleiben. Das gemeinsame Charakteristikum aller dieser ver-
meintlichen Rassenformen liegt ganz entschieden 1. in der
Kleinheit der Individuen, beziehungsweise Gedrungenheit der
Gestalt; 2. in der durchwegs bleicheren Gesamtfärbung ; 3. ie
der mehr oder minder zum Ausdruck kommenden Verschmäler
ung der schwarzen Saumbinde und 4. in der Verminderung
oder dem nahezu gänzlichen Schwinden, auch Umfärbung von
Schwarz in Braun des Vflmittelfleckes. Am meisten von
allen differiert nach den mir vorliegenden südalgerischen
Frühjahrsstücken von deserticola Ver. die Hfl.-Unter-
seite, welche "hier heligelb ist, während z. B. meine illyri-
schen minor Failla (-mediterranea Stdr.) unterhalb etwas
dunkler im Tone und an der Basis zottig behaart sind. Bel
südalgerischen und Atlas- g. v. ist ferners der Vflmittelfleck
bedeutend grösser als z. B. bei illyrischen minor-Stücken;
der schwarze Aussenrand ist bei der g. v. mer. niemals sc
intensiv schwarz wie bei den folgenden Bruten: mehrfach kommet
allenthalben Stücke mit velata-Einmengung vor, viele Stücke
haben den schwarzen Aussenrand mit deutlichem Einschlag
ins Bräunliche; ebenso kommen die faillae- Charakteristika
bei Stücken der g. v. mer. aus allen Gegenden nicht ge
rade selten vor.
Nachdem es bei der heute in diesen Belangen herrschen
den Rigorosität noch kein lepidopterolog gewagt hat, Rassen»
formen dieser von den Kanaren bis China und von der Sahar
bis nahe an den Belt verbreiteten Art zu rekognoszieren, so kaut
man billigerweise verlangen, dass auch die südländische Früh:
H. Fruhstorfer. Colias erocea mediterranea Stdr. 33
jahrsbrut keine Spaltung erleide. Hätte ich bei Auf-
stellung meiner mediterranea Veritys Rhopa-
locera Palaearctica vor den Augen gehabt,
so wäre selbstredend auch diese unterblieben.
Würde man bei meinen zahlreichen Belegexemplaren die Fund-
ortetiquetten entfernen, so fiele es wohl dem geübtesten Spezia-
listen schwer, sie in eine der fünf bekannten kleinen Frühjahrs-
formen einzureihen.
Auch die Abbildungen Verity’s von minor (Taf. XLVI,
Fig. 33/34), dann von vernalis (Taf. XLVI, Fig. 35 und
Taf. XLVII, Fig. 4—7) und endlich von pyrenaica (Taf.
LXXII, Fig. 3/4) lassen nicht derart in die Wagschale fallende
Unterschiede zwischen den einzelnen Formen erkennen, als dass
eine gesonderte Benennung gerechtfertigt erschien. Meine sei-
nerzeit als mediterranea (-minor Failla) abgetrennten
Typen passen ebenso auf Verity’s Abbildungen von vernalis
wie auch von minor oder pyrenaica. Sowie ich nun
nicht anstehe, meine mediterranea zugunsten der priori-
tätsberechtigten f£ minor Failla einzuziehen, so möge dies
Beispiel auch bei anderen, ernsten Lepidopterologen wirken!“
Wels, im August 1917,
Monographische Uebersicht alter und neuer
* Erebia- Formen.
von H. Fruhstorfer.
Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten;
Nichts ist drinnen, nichts ist draussen:
Denn was innen, dass ist aussen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis.
Freuet euch des wahren Scheins,
Euch des ernsten Spieles:
Kein Lebendiges ist ein Eins,
Immer ist's ein Vieles
Goethe.
Erebia oeme Hübner.
Diese ebenso interessante wie unscheinbare Art wurde bis-
her noch keiner monographischen Behandlung gewürdigt. In
den Sammlungen vielfach mit E. medusa vermischt, ist sie
in der Tat rein äusserlich von dieser nur schwer zu trennen
und die von Rebel an verschiedenen Orten angegebenen Differ-
84 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
enzialcharaktere sind durchaus nicht massgebend, wenn wir von
der schwarzen Fühlerspitze absehen — gegen eine rotbraune
der E. medusa — was übrigens Dr. Chapman entdeckte.
In den Genitalorganen dokumentiert E. oeme indessen nicht
die geringste Verwandtschaft mit E. medusa und ihre Valve
mit krallenartig aufgebogener Spitze lässt sich mit jenen ande-
rer Erebien nicht verwechseln. Die Jugendstadien wurden erst
im letzten Jahrzehnt entdeckt, während wir den Falter über
ein Jahrhundert kennen. Spuler wusste noch nichts von der
Raupe, welche dann durch Eiffinger im Seitz und Dr. Rebel
ziemlich gleichzeitig und übereinstimmend, vermutlich aus
derselben Quelle geschöpft, beschrieben wurde. Deren Futter-
pflanze ist Luzula.. Die Falter dagegen wurden seit ca. 1800
von jedem der bekannteren Jconographen und zwar mit Aus-
nahme von Esper vorzüglich abgebildet. Interessant ist auch,
dass sich jeder Autor ein anderes Modell auswählte — so dass
wir jede der dargestellten oeme mit Namen wie esperi,
boisduvali, duponcheli, freyeri belegen könnten, was
phantasiearmen Taufern sehr zu statten käme. Uebrigens blieb
es Staudinger vorbehalten, die am weitesten vom Namenstypus
entfernten Formen nomenklatorisch zu umfassen. Staudingers
Bezeichnungen wurden aber vielfach missverstanden und sind
für die Fülle der wirklich vorhandenen geographischen Abzwei-
gungen auch nicht mehr ausreichend. Mit der Lebensweise der
Falter sind wir durch einen prächtigen Artikel Meyer-Dürs
schon seit 1851 vertraut, während über die steyerische Rasse
Gross anschaulich berichtet hat. oeme zählt zu den lokali-
sierten Arten der Gattung — ihr Verbreitungsgebiet ist rein
europäisch — sie geht nicht auf den Kaukasus über, wenn-
gleich wir sie von den Pyrenaeen bis Bulgarien antreffen. Im
Kolorit bewahrt oeme auf der ganzen rein westöstlichen Ver-
breitungszone den Erebiencharakter. Nur eine Rasse (spo-
dia) sticht hervor, weil bei ihr gynaikotrope J’J’ auftreten.
oeme ist ein echter Alpenfalter, der sich auf keinem Mittel-
gebirge findet, wodurch sie von E. pharte differiert, wel-
che wenigstens auf die Vogesen übergegangen ist. Von Westen
nach Osten vorschreitend begegnen wir folgenden E. oeme
Abzweigungen:
E. oeme pyrenaea Obthr. 1909. (Lep. Comp. 1909
p. 295.) Ozellen der 2% nach Oberthür besonders auffallend
und lebhaft weiss pupilliert. Mir in Natur unbekannt. Patria:
Pyrenaeen, Cauteret. .
| H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 85
{ E. oeme taänita subsp. nova. (E. oeme Bsd. Jcones
1832 p. 175, t. 34, f. 5-8. Oberthür, Lep. Comp. 1909 p. 295.
- Grande Chartreuse.) /® ungewöhnlich klein, im Habitus so-
gar hinter den kleinsten Schweizer und Tiroler Hochalpenformen
zurückbleibend. Hfl mit winzigen, nur unmerklich rotbraun
" umrandeten Ozellen. 2.ohne rotbraunen Anflug der Vfl. Die
- Augenflecken der Hfl nur schwach gelb geringelt. Patria:
Grande Chartreuse. Boisduval schreibt, dass E. oeme in der
- Umgebung der Grande Chartreuse vorkomme, wo sie jedoch
nur während einiger Tage fliegt, dann durch E. stygne,
"E. manto, pyrrha, E. ligea und E. prono& (arachne)
abgelöst wird. Nach Oberthür findet sich E. oeme in Frank-
reich nur bei Aix les Bains, während Boisduval allgemein
die Alpen von Frankreich und Savoyen als Standorte nennt.
E. oeme Jugina subsp. nova. (E. oeme Dup. I. p. 223.
t. 34 f. 4—8.) 0’ gleicht oberseits etwa der E. oeme pacula
Fruhst., bleibt aber habituell in der Grösse hinter der Jurarasse
zurück. 92 Unterseite der Vfl lebhaft rotbraun, Hfl wie
bei E.oeme lugens zart grünlich grau mit prächtig hervor-
tretenden Ozellen. Die Oberseite mit ihren ausgedehnt rot um-
zogenen Augenflecken durchaus verschieden von lugens Stgr.
und ganz besonders auch von E. oeme tanita, wie sie Bois-
duval vorführt. lugina stellt eine distinkte Rasse vor, wel-
che vermutlich von einer Station gekommen ist, welche seit
Duponchel’s Zeit nicht mehr besucht wird. Duponchel gibt im
allgemeinen nur die Schweiz und Tirol als Heimat der oeme
an, doch ist es nicht ausgeschlossen, dass gerade seine oeme
auf französischem Boden gefunden wurde. Diese Hypothese
glaube ich durch das Faktum stützen zu dürfen, dass ich in
Savoyen eine mit lugina sehr nahe verwandte Form erbeutete.
lugina traf ich dort auf der 2400 m hohen Tournette, einem
Berge der sich über den herrlichen Lac d’Annecy erhebt. Die
Falter flogen dort auf etwa 1600---1700 m Erhebung nahe der
Klubhütte, auf steinigen, grasigen Abhängen. Der 07 führt we-
niger Rot der Hlfloberseite als Dupenchels Figur und nähert
sich somit eher der tanita, wie wir sie durch Boisduval dar-
gestellt kennen. Das 2 aber passt recht gut zu dem $, wie es
_ Duponchel vorführt. Aus Savoyen dürfen wir noch eine ganze
Reihe von Erebiarassen erwarten, blieb es doch sogar mir
vorbehalten, als erster Entomologe die Tournette zu besteigen,
trotz ihrer unmittelbaren Nähe bei Genf. Dasselbe gilt auch
für die Alpen der Dauphine, aber auch hier hat der Krieg die
Explorationsmöglichkeit auf lange Zeit unterbrochen. Patria:
86 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Zu
22 (Duponchel) Tournette, Savoyen 25. VII 1911, H. Fruhstor-
fer leg. (Nebenform).
Gründlicher und umfassender sind wir über die geographi-
sche Verbreitung und Rassenbildung der E. oeme in der
Schweiz orientiert, wo sich die einzelnen Formen namentlich im
Gegensatz zu Tirol, viel schärfer absondern. Auch ist es nicht
ohne Interesse, die Geschichte der Entwicklung der Kenntnis
dieser Spezies im Laufe eines Jahrhunderts zu verfolgen. Schon °
Esper weiss E. oeme etwa im Jahre 1805 von den Alpen bei
Genf (vermutlich dem Wallis, wo sein Lieferant Wallner so
fleissig sammelte) zu vermelden. Meisner liess sich über die
Art noch in keine Details ein. Er schreibt im Anzeiger ca.
1818 p. 78 nur: „Auf den unteren Alpen hie und da häufig
im Juli.“ Meyer-Dür aber hat vorzüglich beobaclıtet und schil-
dert in seiner lebhaften anschaulichen Weise: Der Falter fliegt
auf sumpfigen Bergwiesen der niedrigen Kalkalpen den ganzen
Juli hindurch, gewöhnlich an der oberen Fluggrenze von E.li-
gea und an der untersten von E. euryale, stygne und
pharte, also in Höhen von 3800 bis 4300 Fuss ü. M. Seine
_ Flugstellen sind vereinzelt, aber wo er vorkommt, fliegt er meist
in unzähliger Menge: so am Gurnigel zu Tausenden, sparsa-
mer im Oberhasletal, an der Gemmi, am Brienzergrat und
wahrscheinlich auf allen zähmeren Viehalpen der Urkantone.
- Ferner, aber selten, in den Waadtländer Alpen, zumal auf An-
ceindaz und den Bergen von Unterwallis. Das 2 erscheint erst
gegen das Ende der Flugzeit, ist aber ziemlich selten. Auch
vom Jura und von Graubünden ist bei Meyer-Dür noch nicht
die Rede. Frey 1880 bestätigt alle Fundorte von Meyer-Dür,
nennt eine Reihe anderer Stationen der Ostschweiz, da-
runter Einsiedeln, ferner den Kanton Glarus, wo Heer 1846
oeme noch nicht beobachtet hatte, trotzdem die Spezies dort
wenigstens auf den höchsten Almen sehr häufig vorkommt.
Graubünden gilt bei Frey noch als unsicher, vom Jura kein
Wort. Killias nimmt an (1881), dass oeme doch bei Arosa
und anderen Orten in Graubünden auftritt. Rühl weiss 1895
keine neuen Standorte. Favre 1889 meldet oeme alsim Wal-
lis sehr verbreitet, häufiger aber noch in den Waadtländer
Alpen. Der Jura aber wird erst 1903 durch Wheeler als Flug-
ort bekannt, auch erfahren wir durch Wheeler viele neue
Wohnplätze der oeme im Wallis und dem Waadtland, wo
auch spodia (sie) vorkommen soll. Ueber das Bündnerland
aber verliert der sonst so umsichtige Wheeler kein Wort. Wir
kommen somit bis 1911, wo Vorbrodt endlich mit voller Gewiss-
1 nen
er een. u
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 87
‚heit Graubündner Standorte anführt, nämlich: das Calfeisental,
‚Valzeina, Sais und das Albula-Hospiz als höchste Erhebung, auf
welcher oeme in der Schweiz bisher angetroffen wurde.
Ueberblicken wir die E. oeme Formen der Schweiz so
Peso sich ohne weiteres vier Haupttypen ausscheiden:
a. die Rasse des Jura und einiger subalpiner Standorte
des Wallis (pacula),
b. die Form der Hochalpen (lugens),
c. die Rasse der Urkantone und des Bündnerlandes, wel-
che sich eng an die Nordtiroler oeme anschliiesst,
d. eine oberseits reich rot gefleckte Form der süd-
lichen Kantone.
E.oeme pacula Fruhst. (J. Ent. Z. Guben 1910 p.
211, Faucille). (Blachier, Cat. Lep. Gen. 1910 p. 17. Juni - Juli.)
(Pap. voeme Esp. nec Hb. p. 16 t. 120 Cont. 75 £. 2, nec fig. 1.
partim, Alpen bei Genf.) Habituell die ansehnlichste oeme der
Schweiz, bei welcher luxuriant rotgefleckte JS vorherrschen.
O9 oberseits in gewisser Beziehung E. oeme spodia vor-
täuschend und demnach auch der E. oeme clisura Fruhst.
vom Tegernsee nahestehend. Unterseits der Vfl lebhafter rot-
braun als bei oeme vom Kanton Uri und solchen aus Tirol.
Hfl mit ausgedehnt rotbraun umringelten Ozellen;, dennoch
erreicht pacula niemals die Ozellengrösse, noch auch die pro-
minente Weisspupillierung der am geringsten ausgebildeten stey-
erischen spodia. Patria: Faucille bei Genf schon vom 15.
Vl. an. Reculet, Col de Crozet. Cret de la Neige (Französ.
Jura). La Döle (Schweizer Jura). Le Möle und Voirons ca 1000 m
Savoyven von mir gesammelt. Wahrscheinlich gehören auch
Waadtländer und Walliser oeme zu pacula, also Exemplare
von Caux, Glion, Pont de Nant (Wheeler); ferner vermutlich die
von Favre p. 43 von Wheeler und Vorbrodt als spodia von
der Gemmi erwähnten Stücke.
E. oeme nilas forma nova. (nilas, der Schwarze)
(E oeme Wheeler, Butt. Switz. 1903 p. 131 Dent du Midi,
very small). (E. oeme Favre, Macro-Lep. Valais 1899 p. 43
Glacier de Trient, sehr dunkle Stücke, Rotflecken kaum sichtbar).
Eine grosse Serie E. oeme, welche Dr. Denso und Mr.
Muschamp am Dent du Midi erbeuteten, nähert sich ostschwei-
zerischen lugens. Insbesondere bleiben die dd‘ sehr klein —
Augen der Hfl sind nur selten vorhanden — die Apikalozel-
len der Vfl undeutlich. Die 2% verlieren indes nicht so voll-
ständig den pacula Character als die So. Sie erscheinen
zwar auch kleiner als der Durchschnitt der lugens, deren
88 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Ozellen der Hfl sind aber oberseits doch noch lebhafter rot-
braun umringelt als lugens vom Glärnisch.
Auch die Unterseite der nilas präsentiert sich bunter,
lebhafter rotbraun und die Ozellenperipherie der Hfl ist wie-
derum intensiver ockergelb als bei lugens, im gewissen Sinne
also wieder der pacula genähert und somit eine vollkommene
Transition von pacula 2% zu lugens 22 bildend. Patria:
Dent du Midi, Ao’F 2 22 Coll. Fruhstorfer. Eine grosse Se-
rie in Coll. Dr. Denso u. Muschamp.
E. oeme philiata subsp. nova. Unter diesem Na-
men möchte ich eine Form einführen, welcbe E. oeme
oeme Hb. und E.oeme mythia auf Schweizer Ge-
biet ersetzt und ein natürliches Bindeglied darstellt, wel-
ches von der Tiroler- und Allgäuer Rasse zur eigentlichen
lugens vom Berner Oberland und vom Glärnisch über-
leitet. 0? in der Regel ansehnlicher als E. oeme my-
thia, aber hinter Tiroler oeme zurückstehend, und mit
schmäleren, gestreckteren Vfl.e. Die Augenflecke kleiner als
bei den beiden Nachbarformen, sich bereits mehr jenen von
oeme lugens nähernd. Das $ prominenter rotbraun ge-
fleckt als lugens ®. Unterseite gleichfalls die Mitte haltend
zwischan mythia und lugens, jene der Vfl geringer
rotbraun überdeckt als bei mythia, aber dennoch intensi-
ver als bei lugens; auch die Grösse der Ozellen steht genau
zwischen jenen von mythia und lugens. Der Fundort von
E.oeme philiata steht einstweilen noch völlig isoliert,
doch wird die Form wahrscheinlich auch noch in den Nachbar-
tälern des Kanton Uri und auch sonst noch im Herzen der
Schweiz gefunden. Patria: Erstfeldertal, Kanton Uri 22. VI bis
12. V1,10 Jd' 2 22 Coll-Fruhstorfer. Maderanertal ca 1400 m,
23. VII. 1917 (H. Fruhstorfer ZQ leg.)
E.oeme lugens Steger. 1901. (P. caecilia Esp. nec
Hübner, Europ. Schmett. t. 121, Cont 76, ca. 1805. P. mantoi-
des Esp. l. c. Text (!) p. 20. Fliegt an anderen Orten als manto.
E. oeme (sic) Eiffinger im Seitz t. 35 g.) Staudingers Diagnose
umfasst oben schwarze Exemplare mit 2 kleinen Apikalozellen
der Unterseite. In der Regel sind diese auch oberseits vorhan-
den und das 2 hat sogar auf beiden Seiten der Hfl eine kom-
plette Ozellengarnitur. Es existieren jedoch auch 2%, bei wel-
chen diese Dekoration oberseits ganz verschwindet, so dass nur
auf der Unterseite der Hfl winzige Aeuglein übrig bleiben,
prächtige Objekte, welche noch keinen Namen haben, weil sie
wegen ihrer Seltenheit den Varietisten entgangen sind, de-
| H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 89
nen ich übrigens die Taufe gerne reserviere. E.oeme lu-
gens-hatte ich 1916 zuerst Gelegenheit zu beobachten, sie
zählt zu den Charakterschmetterlingen des Glärnisch, wo sie auf
den üppigen, aber steil abfallenden Grashalden des Bergstockes
dort aufzutreten beginnt, wo vom Taie ausgehend E. aethi-
IR ops alvaga Fruhst. und Er. prono&ö pitho Hb. ihre
Höhengrenze erreichen, und auch P. apollo schon längst zu-
“ rückgeblieben ist. lugens tritt demnach bei ungefähr 1600 m
Erhebung auf und verliert sich etwas unterhalb der Klubhütte
auf der Klöntalerseite, also auf etwa 1900 m Höhe. Deren
- Fundstelle besuchte ich erst Mitte August und die Mehrzahl der
- Falter war schon verflogen — nur die 2% hatten zum Teil
noch ihr zartes Kleid in den unentschiedenen Farben bewahrt.
Die Zeit von 9—11 Uhr ist die günstigste zum Fange. lugens
hält sich in Gesellschaft von Coenonympha satyrion
_ und Argynnis pales stets ganz nahe dem Erdboden mit
Vorliebe längs der ausgetrockneten Wasseradern, welche die gra-
sigen Abhänge durchziehen. Zwischen den Erebien flattern
- schwarze Spanner, welche das Auge täuschen, und dadurch den
- Fang der oem-e erschweren, und von den nahen, hochauf-
getürmten Kalkfelsen kollern kleinere und grössere Steine,
- den allzu eifrigen Jäger zur Vorsicht mahnend. Staudinger er-
- wähnte lugens nur aus dem Gadmental, sie ist aber in
den gesamten Alpen der Bezirke M, O und N im Sinne Vor-
brodt’s verbreitet. Frey kannte lugens von Engelberg und
| Surenen-, sowie dem Gadmen-, Weggi- und Seealptal, ferner
- dem Kanton Glarus und Schwyz. Meyer-Dür fing sie am
Gurnigel, dem Brienzergrat, im Oberhasletal. Wheeler nennt
Mürren, Vorbrodt die Appenzelleralpen, Adelboden, ausserdem
noch das Calfeisental, Valzeina und Sais. Weitaus der interes-
santeste Fundort, den übrigens Frey erschlossen hat, ist die Um-
gebung von Einsiedeln. Ich sah Exemplare von dort am Mu-
seum in Zürich, welche kaum von solchen aus dem Gadmental
- abweichen, Relikte der Tertiärzeit, welche heute noch den Platz der
- Gletscherzunge bewohnen, die schon seit Jahrhunderttausenden
zurückgewichen ist, welche aber Einsiedeln später als die Nach-
| bartäler verlassen hat. Patria: Glärnisch 14/7 11 22
(H. Fruhstorfer 16. VIII. 16 leg.). Oberer Steinberg ca 17—1800 m
(Lütschg leg).
E. oeme seliza subsp. nova. (E. oeme spodia Favre
l. cc. p. 43 Laquintal. E. veme Wheel. 1. c. p. 132, Vorbrodt p.
- 73 Laquintal, Wallis.) / Etwas kleiner als E.oeme pacula
vom Jura, oberseits noch reicher rot ornamentiert, die schwar-
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1917,
Yl,
90 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
zen weissgekernten Augen zumeist kleiner als bei pacula.
Patria: San Bernhardino, Anfang Juli auf feuchten, üppigen
Almen und zwar von der Passhöhe bis zum Plateau von San
Giacome von 1400-1200 m. seliza findet sich dort neben
der viel häufigeren E. medusa cercida Fruhst. zusammen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass oeme vom Laquintal, welche
Favre, Wheeler und Vorbrodt von dort vermelden, sowie andere '
oeme der Vorbrodt’schen Zone „S“, welche noch zu entdecken °
sind, zu seliza gehören.
E.oeme oeme Hübner.
Ueber die Rassenbildung und sogar das Vorkommen der |
E. oeme auf Tiroler Boden sind wir durchaus ungenügend
unterrichtet. Die Angaben der wenigen Lokalfaunisten wider-
sprechen sich und sind ausserdem zu dürftig, um sich ein Ur-
teil bilden zu können. Während z. B. von den beiden Oetz- °
talern Prof. Kitt und Postrat Belling ersterer von oeme er-
zählt, welche sich der spodia nähern, spricht Belling von
Uebergängen zu lugens. Beides wird richtig sein, wenn wir
bedenken, dass gerade bei oeme die Talform Iluxuriante, die
alpine Form dagegen verarmte Özellenbildung aufweist. Am
bemerkenswertesten aber erscheint mir, namentlich in Hinblick
auf die reiche Gliederung der Schweizer Rassen, die grosse
Uebereinstimmung der Nord- und Südtiroler oeme. Bei aller-
dings sehr spärlichem Material vermochte ich bisher erwähnens-
werte Differenzen zwischen solchen nicht zu konstatieren. Auf-
fallend .aber ist es, dass die Tiroler Hochalpenform der Beach-
tung der Autoren bisher entgangen ist, dabei ist diese nicht
nur von der Tiroler Talform, sondern auch von der schweizeri-
schen lugens durchaus verschieden.
E. oeme oeme Hb. (E. oeme Spuler p. 36.9 f. 14a)
Hübner’s ausgezeichnete Figur stellt zweifellos eine Form der
niederen Erhebungen dar und dürfte entweder aus der Umge-
bung von Innsbruck oder vielleicht von Voralberg gekommen
sein, wo sie Hübners Sammler vielleicht Zartori zusammen mit
E. alecto Hb. erbeutet haben. |
Jedenfalls harmonieren JS’ meiner Sammlung aus Inns-
brucker Gegend in allen Details mit den Hübner’schen Aboil-
dungen. Patria: Nordtirol, Höttinger Alpe bei Innsbruck, Voral-
berg, Südtirol, Durental, Trafoi, (Coll. Fruhstorfer) Mendel,
Fedajapass, Regensburgerhütte (Coll. Dr. Schawerda)
E. oeme forma noctua forma alpina nova. (noctua
die Nachteule) Diese Form nähert sich im Kolorit vielmehr
der Tiroler Talform oeme, als der schweizerischen lugens,
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 91
sie bleibt, was durchaus natürlich ist, hinter oeme oeme in
"der Grösse zurück, und führt demnach auch kleinere Ozellen.
"Auf den Vfl ist fast immer ein Analauge vorhanden welches
lugens in der Regel fehlt. Das Hauptcharakteristikum
E. oeme lugens gegenüber aber bilden die durchaus an-
drotropen 2% der noctua mit ihrem den 0’0” durchaus gleich-
- artigem Kolorit der Unterseite der Hfl. Diesen fehlt der zarte
grünliche oder graugelbliche Anflug und den Apikalozellen der
Vfl der gelbliche Vorhof und auch der rotbraune Basalanflug,
der lugens auszeichnet. Patria: Südtirol, Sellagruppe, Cam-
polungo, 18—1900 m. Grödnerjoch, Mendelpass. (Coll. Dr.
"Schawerda) Nordtirol: Furtschagelhütte ca 2300 m, Zillertal.
2 do" 4YP% Coll. Fruhstorfer.
E. oeme mythia subsp. rova.. (E. oeme Freyer, Neue
| Beitr. 1831 p. 57 t. 31, f. 2.) Die von Freyer sehr schön abge-
bildete Form differiert bereits erheblich von Exemplaren aus der
| Umgebung von Innsbruck, von woher wahrscheinlich die Hüb-
ner’sche Type gekommen sein dürfte. Die Apikalozellen der
-Vfl in der Regel in einem ausgedehnteren roten Vorhof als
beioeme oeme. Die Hfl aber sowohl ober- wie unterseits
meistens mit kleineren Ozellen oder ganz ohne solche. Es kom-
men auch Exemplare vor mit blinden Özellen der Vfl, denen
| die Weisskernung fehlt und auch solche, denen oberseits auch
| noch die schwarze Punktierung mangelt, so dass die Rotfleckung
keinerlei Schmuck trägt, ausserdem luxuriante Stücke, wie sie
Freyer abbildet mit überzähligen, zu Binden vereinigten Augen
der Oberseite bei beiden Geschlechtern.
Q mit lebhafter rötlich brauner Umgebung der Augen-
flecken. Vfl fast immer nur mit der doppelten Apikalozelle,
sehr selten noch ein intramedianes Auge. Die Ozellen der Hfl
neigen zur Reduktion. Es sind manchmal nur zwei vorhanden,
gelegentlich aber auch vier. Die Unterseite erinnert entfernt
I an spodia. Die Medianzone der Vfl in der Regel rotbraun
angelaufen. Augen der Hfl relativ klein, in einem gelblichen
oder gelblich roten Vorhof. Freyer’s Bild gibt die charakteri-
stische Unterseite vortrefflich wieder.
Patria: Allgäu, Bad Oberdorf, vom Oberjoch und vom
Gerstruben Alple. 16 ZI 6 22 (Max Korb leg.) Grünten
(Feyer). Unter den JS’ Exemplare mit ganz augenlosen Hfl
und nur zwei unbedeutenden verwischten ÖOzellen der Vfl
bilden einen Uebergang zu lugens Stgr. der ostschweizger
1 Alpen. Freyer meldete bereits 1831, dass er oeme (mythia)
99 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
auf der höchsten Spitze des Grünten im Allgäu am 17. Juli
auf ca 6000’ Erhebung erbeutete.
E. oeme clisura subsp. nova. 0’ ausgezeichnet durch?
lebhaftere und ausgedehnter rotbraune Peripherie der sehr gros-
sen Ozellen der Oberseite beider Flügel. 2 vom mythia 2°
und oeme { leicht zu trennen durch das vermehrte bereits
an spodia erinnernde rotgelb der Ozellenperipherie. Aber”
weder die Augenflecke der Vfl noch jene der Hfl erreichen
die Grösse der steyerischen spodia. Unterseite bunter als’
bei mythia. Das Rotbraun der Vfl lichter, der Ozellen-
vorhof der Hfl prominenter ausgedehnter ockergelb. Patria:
Tegernsee und Gmain bei Reichenhall, 8 Jod" 5 22, Hofrat” '
Rückert und Assesor Ostheider leg. in collect. Fruhstorfer und eine
grosse Serie in der Sammlung Rückert. elisura ist ein Gegen-
stück zu der gleichfalls luxuriant entwickelten E. pharte)
eupompa Fruhst. vom Schliersee. Es ist auffallend, wie eine
so prägnante Form der Beachtung entgehen konnte. Soweit
mir bekannt, ist diese hervorstechende Rasse in keiner Lokalliste’
und keinem der populären Werke erwähnt. Es ist eine hervor-
ragende Entdeckung, deren Mitteilung ich Herrn Geheimen Hof- 7
rat Prof. Dr. Rückert in München zu verdanken habe. |
, —
E. oeme clisura schliesst sich bereits auf’s engste der’
E. oeme spodia aus Salzburg und Steyermark an, und hat?
gar keine Bezienungen zu der farbenarmen androtropen mythia
vom Allgäu, wenngleich es wahrscheinlich ist, dass noch Ueber-
gänge dazu im Wetterstein und Karwendelgebirge gefunden
werden. Ueberraschender aber ist die Tatsache, dass am Schlier-
see, also östlich vom Tegernsee, wieder eine verarmte oeme
Rasse vorkommt, welche den sonst durchaus natürlichen An-'
schluss von clisura an oeme spodia unterbricht. Die
Schliersee’er Rasse bildet vielmehr einen Rückschlag zuoeme
und mythia und deren / nähern sich ganz entschieden 9
Allgäuer 'Z‘, während sich die Schliersee’er ?? eher den cli-
sura 22 vom Tegernsee anschliessen. Die Schliersee’er Form
präsentiert sich somit als eine Mischrasse, deren 'S' den oeme”
Charakter bewahren, während das sonst konservative 2 in die-
sem Falle zuerst der Veränderung unterworfen ist und eine Ver-
bindung anstrebt mit der östlicheren :spodia, während die
d’d' in der Entwicklung stehen geblieben sind.
Jedenfalls aber gibt die Entdeckung der E. veme cli-
sura einen Fingerzeig, dass wir erst am Anfang unserer Kennt-
nis der Verbreitung der deutschen Alpenfalter stehen. |
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 93
E.oeme spodia Stgr. 18. 71. (E. oeme spodia Reb.
J. W. E. V. 1910 p. 120 Crna Prst, Krain. E. oeme var spo-
dia Gross 1. c. 1900 p. 37.) „Schon Ende Mai in der Talsohle
der Enns bei 517 m, auf sonnigen Grashalden. Höher oben in
der zweiten Hälfte des Juni, auf dem Schoberstein Anfang Juli.
Auf 1500 m. noch am 2. August frische Stücke über Admont.
Die Rp überwintert in 12—15 mm Länge und ist in den Nie-
' derungen anfangs Mai erwachsen. Die Puppe steckt aufrecht
ohne jedes Gespinnst in den Grasbüscheln zwischen den einzel-
nen Halmen, manchmal auch liegt sie, offenbar herausgefallen,
nebenan auf der Erde. Der Falter kommt nach circa 14 tägi-
ger Puppenruhe um 7 - 9 Uhr früh aus der Puppenhülle bei
heiterem warmen Wetter. Kühle Tage und Regenwetter ver-
zögern die Entwicklung.“
Diese hervorragenste aller E. oeme Rassen findet analog
E. eriphyle und E. prono& den Höhepunkt ihrer Ent-
wicklung in den Salzburger und Steyerischen Alpen. spodia
zeichnet sich durch ihre gynaikotropen dd‘ aus und die am
weitesten fortgeschrittene Entwicklung der Hilozellen. In
Steyermark selbst aber existieren bereits JS, welche einen Rück-
schlag zu normalen, rotarmen f'f der E. oeme oeme aus
Tirol bilden, wie denn überhaupt spodia leicht ihre äussere
Schönheit einbüsst, wenn sie steyerisches Gebiet verlässt. Exen-
' plare von Kärnten und dem Gross-Glockner zeigen bereits schwä-
chere Augenflecken und spod.ia verliert vollends von ihrem
Pomp, wenn sie sich nach Süden (Bosnien) oder nach Osten
(Bulgarien) ausbreitet. Mit dem Namen spodia ist grosser Miss-
brauch getrieben worden, bezeichnete man doch sogar schön gefärbte
2% aus dem Schweizer Jura als sno dia, und wasnoch widersin-
niger ist, oeme 2? aus der Heimat der Namenstype, nämlich aus
Tirol. Patria: Dachsteingebirge, dessen Abhänge sich in Salz-
burg, Ober-Oesterreich und Steyermark verlieren. Gross-Glock-
ner (Tauernkette), ferner in einer abgeschwächten Form in den
Julischen Alpen (Raccolanatal) Coll. Fruhstorfer. Krain (Rebel).
E. oeme subspec. (E. oeme var spodia Caradja,
Iris 1895 p. 54. Azuga, Rumänien. E. oeme Horm. und var.
spodia Horm. Iris 1901 p. 366. Ungarn, Rumänien.) Die von
Hormuzaki von der Ungar. Hohen Tatra von Eperjes und dem
Buceci bei Azuga in Rumänien erwähnten oeme dürften einer
eigenen Lokalform angehören, welche sich je nach der Höhen-
lage des Fundortes mehr der oeme oeme und oeme spo-
dia nähern werden. Patria: Ungarn, Rumänien.
E. oeme vetulonia subsp. nova. (E. oeme Rebel
94 Deutsche Entom. Zeitschrift -Iris. Dresden 1917.
Stud. II. 1904 p. 164, Stud. III. Ann. Hofm. 1913 vol. 27
p. 296. Durmitorgebiet.)
Diese Rasse bildet eine Transition von spodia zur bul-
garischen zagora. Die Exemplare bleiben nur ganz wenig
hinter spodia vom Dachstein und Salzburg zurück. Sie ha-
ben weder die luxuriante Özellenbildung der spodia, noch
die unbedeutenden Augenflecken der bulgarischen Viccariante.
Die Ozellenperipherie der Vfl erreicht manchmal die Aus-
dehnung der am reichst gefärbten spodia d’d. Rebel be-
merkt bereits, dass ausser stark geäugten Stücken in Bosnien
auch eine kleinere schwach gezeichnete oeme auftritt, welche
er die Stammform nennt. Dergleichen Exemplare liegen mir
vom Maklenpass vor. Sie übertreffen bulgarische oeme noch
in der Grösse und führen ein etwas lebhafteres Rotbraun im
Özellenvorhof der Vfl als Tirier oeme. Es handelt sich
zweifellos um einsetzende Rassenbildung, mir fehlen aber 22
der farbenarmen bosnischen Form, so dass ich von einer Na-
mengebung einstweilen absehe. Patria: Bosnien, vom Trebevic
bei Serajewo, 6 dd’ 1%, O0. Leonhard & Wettl. leg. Maklen-
pass 8 dd‘ (Coll. Fruhst.) eine grosse Serie Coll. Leonhard.
— Montenegro, Durmitor (Mss. Nicholl leg.)
E. oeme zagora subspec. nova. (E. oeme Rebel, Stud.
I. 1903 p. 173, Bulgarien.) Die bulgarische{Rasse bildet eine
entschiedene Abschwächung im Habitus und im Kolorit der
spodia gegenüber. Die Exemplare, namentlich solche vom
Rilo bleiben selbst in der Grösse hinter bosnischen Exemplaren
zurück. Die Jo’ haben nicht mehr die ausgesprochene gynai-
kotrope Tracht der echten spodia von Steyermark, sondern
das Rotbraun beginnt sich zu verlieren, so dass die bulgarischen
viel mehr oeme oeme von Tirol und oeme clisura vom
Tegernsee gleichen, als österreichischen Vikarianten. Die Ozel-
len erreichen kaum die halbe Grösse der Augenflecken der
spodia 2%. Für die Unterseite gilt dasselbe. Die Augen
beider Geschlechter weniger prominent, in einem dunkleren und
verwischteren ockerfarbenen Vorhof stehend, hingegen haben die
Vfl der fS einen ausgedehnteren, lichteren und lebhafteren
rotbraunen Anflug als bei spodia und irgend einer der ande-
ren bisher bekannten oeme Rassen. Patria: Bulgarien, Rilo,
1 2 1900 m, Rhodope 9 dd’ 1 2 Coll. Fruhstorfer. Eine
grosse Serie in der Sammlung Leonhard.
Erebia pharte Hübner.
Diese Art bewohnt einen erheblich kleineren geographischen
Bezirk als E. oeme, in deren Gesellschaft sie sich fast immer
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 95
befindet. Ihr Vorkommen ist an die Alpenkette gebunden, wel-
che pharte nur in den Vogesen verlässt, während wir sie we-
der im Balkan noch den Pyrenaeen antreffen. Die Jugendsta-
dien von pharte sind noch unbekannt, während wir über
ihre Lebensweise bereits seit 1851 durch den feinsinnigen Beo-
bachter Meyer-Dür eine anschauliche und zutreffende Schilder-
ung besitzen. Meyer-Dür schrieb damals pag. 157.: Der Fal-
ter fliegt den ganzen Juli hindurch bis um die Mitte August
auf fetten Alptriften der Kalk- und Granitformation von 4—6000
Fuss ü. M., besonders häufig auf feuchten, grasigen Abhängen,
die von Nadelholzwäldern begrenzt sind, so besonders am Gur-
nigel, wo er vom 6.—15. Juli in unsäglicher Menge unter Coen-
satyrion, E. oeme und euryale flog. In den Glarner
Alpen erhebt sich pharte bis zu 7000 Fuss ü. M. Zuerst
erscheinen lauter dc’ in den mannigfachsten Abstufungen der
Grösse, der Deutlichkeit und Breite der Rostbinde, dann erst
die 2 um die Mitte der Flugzeit, aber weit seltener und we-
niger abändernd. Der Falter flattert langsam, etwas schwer-
fällig und niedrig über dem Boden (alse genau wie voeme)
von Blume zu Blume. Das träge 2 muss meistens aus dem
hohen Gras erst aufgescheucht werden. Meyer-Dür hat auch
die für E. oeme geltende Variabilität dieser Art, je nach
der vertikalen Erhebung, sehr richtig beobachtet, weil er pag.
158 ausdrücklich "bemerkt dass: „Exemplare der niedrigeren
Alpen in Grösse und Zeichnung mit Freyers pharte überein-
stimmen; auf der Nordseite der höheren Alpen wie der Gemmi,
Scheidegg, Wengernalp sind sie jedoch bedeutend kleiner und
die Rostbinde der Vfl nur aus ganz kleinen Flecken beste-
hend.“ Dass Meyer-Dür mit letzterer Form die erst 1894 no-
menklatorisch umschriebene phartina Stgr. im Auge hatte,
ist klar. Die Variationsmöglichkeit der E. pharte ist kom-
plizierter als bei E. oeme, die Art hatte noch nicht wie diese
Gelegenheit sich zu festigen, und sind es namentlich die ’d‘,
welche zur Zeit noch in koloristischen Extremen auseinander-
streben, ohne dass abgesehen von Oberbayern und Steyermark
abgegrenzte Lokalrassen zu Tage treten. Auch scheint es, dass
mit wenigen Ausnahmen, vielleicht nur der höheren Alpen des
Wallis, selbst die Hochalpenform sich mit der breitbindigen
Abänderung der tieferen Strecken vergesellschaftet. Tatsache
ist nur, dass die ?2 aller Rassen und Formen recht beständig
bleiben, so dass sie mit Ausnahme jener von E. pharte eu-
pompa nicht nach der Herkunft sortiert werden können.
Für Schweizer Gebiet gilt aber doch die von Meyer-Dür
96 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917,
schon erkannte Regel, und sind es namentlich die heissen und
südlicheren zoologischen Provinzen, deren gynaikotrope JS’ dann
besonders lebhaft mit den ganz verdunkelten ZZ der Walliser
Höhenform kontrastieren. Weitaus am häufigsten, nicht nur in
der Schweiz, sondern z. B. auch in der Tauernkette, hat jedoch
eine bisher noch nicht beachtete Zwischenform zu gelten, wel-
che beständig als phartina bezeichnet resp. damit verwech-
selt wurde und heute als pellene hier eingeführt wird.
E. pharte thynias Fruhst. (Soc. Ent. 1911 p. 24.)
Eine eigentümliche Rasse, welche trotz ihres hohen Standortes
sich nicht zu phartina umgebildet, sondern den pharte-Cha-
rakter bewahrt hat, aber hinter, Schweizer Exemplaren durch ihre
winzige Gestalt zurückbleibt. thynias stellt somit wie fast alle
anderen Tagfalter der Hautes Alpes, so weit sie mir bekannt
geworden sind, eine Diminutivform dar. Patria: Dauphine, Lau-
taret, 2200 m. 5 co’ Juli 1910 H. Fruhstorfer leg. Die Fal-
ter fliegen am Lautaret auf sumpfigen Abhängen inmitten einer
beispiellos üppigen Vegetation, wie sie kein anderes Alpenge-
biet, selbst nicht das Engadin, auch nur entfernt aufzuweisen hat.
E. pharte pellene forma und subsp. nova. (E. phar-
te Eiffinger im Seitz t, 36 d fig. 7 und 8.) Die vorzügliche
Abbildung dieser Form, welche Seitz neben normale pharte
dargestellt hat, macht eine Beschreibung überflüssig. In der
Rückbildung und Verdunklung der rotgelben Binden und Fiek-
ken leitet pellene zu phartina Stgr.über. pellene
ist an vielen Standorten der pharte die herrschende Form,
und in diesem Falle Lokalrasse, so z. B. am Gross-Glockner,
wo normale pharte bereits sehr selten sind, während im nörd-
lichen Tirol umgekehrt pellene nur vereinzelt auftritt, so
z. B. am Kaiserjoch und anderen höheren Alpen im Voralber-
gischen. Dasselbe gilt für die Schweiz, wo pellene z. B.
bei Davos, im Kanton Uri vorherrscht, und für Savoyen.
Patria: Tauernkette, Gross Glockner Type), Schweizer und
Savoyische Alpen. Pralognan, Parmelan, Tournette in Savoyen
(H. Fruhstorfer leg.), Lanslebourg, Charmoz (Oberthür 1909),
Arpilles, Monteluna (Graubünden) Coll. Vorbrodt.
E. pharte phartina Stgr. (E. pharte ab. phartina
Stgr. Iris VII, 1894 p. 245. E. phartina Obthr. Lep. Comp.
I, p. 23 Pl. IV f. 45. E. phartina Seitz t. 36 d.) Diesem
von ihrem Autor als Höhenform aus dem Wallis beschrie-
benen melanotischem Extrem der Kollektivspezies wird von
den Autoren populärer Werke ein viel zu weit gesteckter
Verbreitungsbezirk eingeräumt. Nach dem Material meiner
Ze re BE
NE HE TEEN 1 EEE Er De a dee
N
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 97
] Sammlung und nach den Serien der Kollektionen Reverdin und
Vorbrodt beurteilt bleibt phartina bei Arolla sehr konstant,
und mir sind Exemplare der reinen Form, wie sie Seitz darstellt,
nur aus dem Wallis und dem oberen Engadin bekannt. Favre
pag. 41 unterscheidet nicht zwischen pharte undphartina,
nennt die Gesamtart aber lokal und nicht gemein, was mit mei-
nen Beobachtungen an allen Fangplätzen, nicht nur jenen des
Wallis übereinstimmt. Nach Oberthür kommt phartina auch
in bestimmten Teilen von Savoyen vor. Patria: Arolla, Enga-
din (H. Fruhstorfer leg.), Binnental (Vorbrodt leg.), Savoyen
(Oberthür.)
E. pharte flaceilla forma und subsp. nova.
(P. pharte Esp. Suppl. ca 1805 pag. 17 t. 120 f. 3, 4.
Alpen bei Genf. NM. pharte fasciata Vorbr. nec Spuler
1911 p. 75. E. pharte Bsd. Jcones 1832 t. 35 f. 788.)
Eine luxuriante Abweichung der pharte Gesamtheit und
nach dem Material meiner Sammlung im südlichen Graubünden
und vermutlich in der gesamten Vorbrodt’schen Region „S“ die
dominierende Form, also dort auch Lokalrasse, während wir der
flaceilla im Engadin und Teilen des Wallis nur als einge-
sprengter Aberration begegnen. flaccilla ersetzt auf Schwei-
zer Gebiet entschieden die fasciata Spul., ohne jodoch die
Intensität der gelbroten Binden der steyerischen Rasse zu errei-
chen. Die Vfl aber tragen auch bei relativ dunklen Exem-
plaren eine sehr Breite gelbbraune Binde, sogar bei Individuen
vom San Bernhardino, deren . Hfl völlig geschwärzt sind.
Die Unterseite erscheint manchmal in besonders prächtigem
Kolorit, so z. B. bei einem 2 der Coll. Vorbrodt aus dem Wallis
bei welchem namentlich die äusseren Partieen der V- und Hfl
in einem feurigen Goldgelb schimmern. Patria: San Bernhar-
dino ca 1400 m. Val Calanca auf dem Weg zum Tres Cul-
mine Pass. Val Blenio (H. Fruhstorfer leg.) Alp Veglia, Ai
Ponti (Blachier leg.), Fusio, Guarda (Vorbrodt), Champery 10 70°
4 22 Coll. Fruhstorfer.
E. pharte pharte Hb. ca 1805. Durch ihren Autor
aus den Tiroler und Schweizer Alpen beschrieben und im nörd-
lichen Tirol anscheinend konstanter als auf Schweizer Boden.
Material aus Südtirol besitze ich nur sehr wenig und dieses
lässt nicht auf Rassentrennung schliessen, wie sich ja auch Süd-
tiroler E. oeme anscheinend nicht von solchen aus dem Nor-
den des Landes separieren lassen.
E. pharte eupompa subspec. nova. (E. pharte Frey-
' er, Neuere Beiträge t. 20 f. 3. Transition von pharte zu eu-
98 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
pompa.) Das Seengebiet Oberbayerns wird von der luxurian-
testen pharte Rasse bewohnt, welche bisher erschlossen wur-
de, im Gegensatz zu E. oeme, welche ihren Kulminationspunkt
auf steyerischem Boden findet. eupompa ist übrigens der
farbenreichsten pharte Rasse der fasciata Spuler aus
Kärnten und Steyermark gegenüber ausgezeichnet durch ihre
noch mehr in die Breite gehende, viel lichter ockergelbe und
aus schärfer abgegrenzten quadratischen Komponenten bestehende
Submarginalbinde der Vfl.e Die rundlichen Makeln der Hfl
sind gleichfalls markanter, besonders bei den 0’0‘, welche da-
durch ein durchaus gynaikotropes Aussehen haben. Der Unter-
schied zwischen beiden Geschlechtern ist übrigens durch das
reiche Gelbkolorit der fo’ viel unerheblicher als bei anderen
pharte Rassen. pharte tritt dadurch ebenso wie die ne-
ben ihr vorkommende Ereb. oeme clisura aus dem Rah-
men der übrigen melanotischen Erebienformen hervor. Die
Entdeckung der herrlichen Rasse ist Herrn Geh. Hofrat Prof.
Dr. Rückert zu verdanken, der mir eine grosse Serie eupompa
zur Ansicht sandte. Patria: Oberbayern, Gebirgsrücken zwi-
schen dem Tegern- und Schliersee, so auf der Bodenschneid
13 —1600 m Höhe. 17 fd 6% in Coll. Fruhstorfer. Exem-
plare aus dem Karwendelgebirge bilden eine abgeschwächte
Form der eupo m pa, ebenso wie auch Freyer keine eupompa
in ihrer reinen Form darstellte. Am besten passt auf eupompa
noch Espers Figur 4. t. 120, die aber sicher verzeichnet ist.
E. pharte fasciata Spul. (E. pharte var. fasciata
Spul. Schmett. Eur. 1908 p. 35. Kärnten.) Eine interessante
Form, kenntlich durch die in Progression befindliche Ausdehnung
der gelblichen Binden der Vfl der Tiroler pharte phar-
te Hb. gegenüber. fasciata bleibt aber verglichen mit
eupompa an Grösse hinter der oberbayerischen Vikariante
zurück, auch ist das Gelb ihrer Vflbinde entschieden rötlicher.
Patria: Kärnten (Spuler), Steyermark ‚Prabichel), Zeiritz-
kampel Coll. Fruhstorfer.
E.pharte subspec. (E. pharte Hormuzaki Iris 1901
p. 365. Hohe Tatra. Aigner hat pharte in der Hohen Tatra
entdeckt. Patria: Ungarn, Hohe Tatra (Hormuzaki).
E. pharte subspec. (E. pharle Steger. Katalog. Mir in
Natur unbekannt geblieben. Vermutlich Lokalrasse, weil Fund-
ort isoliert. Patria: Vogesen. Anmerkung: Espers Figur 3
stellt ziemlich sicher Erebia eriphyle Freyer vor.
Erebia pyrene Esper. (Pap. pyrene Esp. Fortsetzg. I
p. 117, t. 116 Cont. 71 f. 3 0" (pirene) ca 1804, P. pirene
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 99
- Hb. Eur. Schmett. 1799 t. 48 f. 223, 324. mas. nom. nud.
P. irene Hb. 1. c. Text 1805 p. 37 Nr. 59.) Wenn sich an
einem Museum oder in Privatbesitz eine Sammlung unberührt
erhalten hat, welche in den Jahren 1860—1880 angelegt wurde,
wird man darin die heute unter dem Namen stygne so be-
kannte Erebia als E. pirene Esp. bezeichnet finden. Es
ist dies zwar eine falsche Schreibweise, welche auf Staudinger’s
Katal. ed. 1. 1861 zurückzuführen ist, aber da ihr nacheinan-
der Butler 1868, Kirby 1871 folgten, bürgerte sie sich überall
ein. -Immerhin aber hatte Staudinger das Richtige getroffen,
wenn er auch statt des y ein i setzte. Uebrigens ist nicht
Esper, sondern Hübner der Urheber des Namens „pirene“
den Hübner in der Schreibweise pirene bereits im Jahre
1799 auf Tafel 48 seiner Eur. Schmetterlinge verwendete. Aber
Hübner kommt als Autor nicht in Betracht, weil seine uninomi-
nalen Tafelaufschriften keine Gültigkeit haben. Hübners „ire-
ne“ im Text aber ist erst im Jahre 1805 erschienen, so
dass sie Esper’s „pyrene“ vom Jahre 1804 weichen muss.
Esper ist somit der Autor, was Staudinger 1861 ermittelt hatte,
wenn er auch eine falsche, d. h. die verfallene Hübner’sche
Schreibweise anwandte. Aber weder der Hübner’sche noch der
Esper’sche Name konnten sich lange halten, weil schon 1807
Ochsenheimer an ihnen zu rütteln begann. Er fand, dass Linne
den Namen „pyrene“ bereits vergeben hatte und glaubte
deshalb für pyrene und pirene einen noch ungebrauchten
Namen von den Danaiden entlehnen zu müssen, Gemeint war
eine Pieride, die heutige Jxias pyrene L. Im Katalog
1871 dachte auch Staudinger den Spuren Ochsenheimers folgen
zu müssen, weil er dort in der Ed. II. p. 24 bemerkt: Pyrene
L. alius erat Pap. und deshalb den Namen „stygne“ ans
Licht zog, der unserer schönen Erebia bis heute verblieben
ist. Dass sich aber schon Meigen und Freyer 1833 über die
überflüssige Aenderung Ochsenheimers beschwert hatten, ist
Staudinger, der kein Bücherwurm war, sondern lieber aus dem
- frischen Quell natürlicher Dokumente schöpfte, entgangen. Liess
sich doch selbst Hübner durch den Uebereifer Ochsenheimers
- einschüchtern, weil: er in seinem Verzeichnis (verfasst von
.1816—1823, aber erst 182 5oder 1828 gedruckt und.dem Buch-
handel übergeben) auf pag. 63 unter den „Umbrosae“ die Ma-
rica stygne Ochshm. der pyrene Esp und pirene Hb.
vorzieht. Von P. irene Hb, spricht Hübner 1825 nicht mehr,
seies, dass er annahm, dass ir ene durch pyrene Esp. 1804
überholt wurde, oder Hübner nicht wagte sie neben P. irene Dru,
100 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
(einer heutigen Tithorea) bestehen zu lassen, weil Ochsen-
heimer auch „irene“ an die Wand gedrückt hatte. Aber der
Name irene, den Hübner bescheiden verschwieg, ist heute wie-
der erstanden, während die zwecklose stygne fortab hoffent-
lich endgültig in der Synonymie vergraben bleibt. P. irene Hb.
war übrigens niemals ein glattes Synonym von P. pyrene Esp.,
was sich ohne weiteres ergibt, wenn die Abbildungen der beiden
Autoren verglichen werden. Auch jeder der späteren Ikonografen
hat eine andere Rasse abgebildet, ein Faktum, das leider kei-
ner der Katalog-Kompilatoren oder Herausgeber populärer Werke
beachtete, so dass erst jetzt den alten Autoren Gerechtigkeit
widerfährt.
Im Gegensatz zu den resistenten E. prono& und beson-
ders E. goante gehört E. pyrene zu den schmiegsamsten
Erebien, die jeder geographischen und physikalischen Einwirkung
gegenüber nachgibt, was die grosse Zahl ihrer Arealrassen be-
weist. Zudem ändert E. pyrene ebenso wie E. oeme auch
nach der vertikalen Erhebung beträchtlich, so dass wir fast bei
alien Rassen eine an Rotbraun luxuriante Tal- und eine an
Rotbraun verarmte Höhenform zu beachten haben (abgesehen
von individuellen Abweichungen, die bei pyrene sich häufig
einstellen), deshalb ist die Beobachtung Spulers auch durchaus
richtig, dass E. pyrene der Mittelgebirge breitere rostrote
Binden aufweisen als solche der hohen Gebirge. Ueber die geo-
graphische Verbreitung der Art bestehen noch einige Zweifel.
Rühl gibt 1396 „Nordostsibirien " an, ein Fundort der seither
nicht bestätigt wurde und vermutlich auf einer falschen Bestim-
mung beruhte. Staudinger nennt Katalog III. 1901 „Armenien“
als Standort, der vielleicht auch noch der Bestätigung bedarf,
weil ja E. pyrene bereits auf der gesamten Balkanhalbinsel
fehlt. Fraglich dürfte dann endlich auch noch die Rühl’sche
Angabe: „Oberhof, Thüringer Wald“ sein, weil Staudinger im
Katalog '1901, Germ. centr. mit ? versehen hat. E. pyrene
bleibt selbst noch in Oesterreich und Tirol überall selten, wäh-
rend sie in den Westalpen z. T. sehr häufig auftritt. Den Hö-
hepunkt ihrer Entwicklung aber scheint die Art auf der iberi-
schen Halbinsel und den Pyrenäen zu finden, so dass wir sie
als eine westeuropäische Art auffassen dürfen, welche sich auf
dem Wege von Westen nach Osten analog der E. alecto
verliert. Exemplare der Abruzzen (Rühl. Staudinger) sind mir
nicht zugegangen, auch solche aus Piemont, welche schon God-
art 1323 erwähnte, mir unbekannt geblieben.
Von Ost nach West finden sich folgende Rassen :
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Frebia-Formen. 101
E. pyrene subsp. (E. stygne Stgr. & Rebel Cat. 1903
p. 45.) Patria: Armenien ? Kaukasus?
| E. pyrene subsp. (E. stygne Hormuzaki, Iris 1901
p. 366. Ungarn.) Hormnzaki erwähnt von Aigner aufgefundene
Exemplare sowie solche seiner eigenen Sammlung. Patria: Un-
' garn, Marmarosch (Aigner) Rodnagebirge, Jneu (Hormuzaki).
'# E.pyrene styriaca Hirschke. (E. stygne var. styri-
aca Hirschke J. W. E. Ver. 1910). Ursprünglich aus Steyer-
mark beschrieben, dürfte die Form auf allen Voralpen der Mo-
narchie vorkommen, jedenfalls zeigen S'd' aus Nieder-Oestereich
alle Charaktere steyerischer Exemplare, wenn sie auch in der
Grösse (höher gelesener Flugplatz?) etwas zurück bleiben. Auch
dürfte die Rasse in Tirol vorkommen, soweit sie nicht in die-
sem Lande bereits durch die vom Allgäu ausgehende freyeri
ersetzt wird. Exemplare der „Südkarpathen“ werden sich gleich-
falls der styriaca nähern. Patria: Steyermark, Hochschwab,
' Nieder-Oesterreich, Gutenstein (4 ZU’ Coll. Fruhstorfer)
| E. pyrene freyeri subsp. nova. (E. pyrene Freyer,
Neuere Beiträge 1833 p. 82 t. 43 f. 2. E. stygne Rühl 1896
p. 489 Algäu.) Eine ausgezeichnete Rasse, welche Freyer vor-
" züglich abbildete, wenn auch so ausgedehnt rotgefleckte Stücke,
wie sie Freyer vorführt, nur äusserst selten vorkommen. Cha-
rakteristisch für Allgäuer pyrene ist nämlich gerade das Ver-
schwinden der rostfarbenen Umgebung der Ozellen, namentlich
auf den Hfl. Selbst beim 2 ist nur ein unbedeutender Vor-
"hof der Apikalozelle der Vfl erhalten geblieben. Das rot-
braune Feld der Unterseite aber ist stets ebenso scharf abge-
setzt vorhanden, wie es Freyer vorführt, bleibt jedoch schmäler
als beipyrene aus dem Schwarzwald, den Vogesen und dem
Schweizer Jura. Im allgemeinen bildet freyeri einen Ueber-
gang zu valesiaca Elw., aber die Exemplare sind grösser als
_ diese Gebirgsform, auch scheint es, dass ganz schwarze 22, wel-
‚che bei valesiaca möglich sind, bei freyeri nicht vorkom-
men. Auf der höchsten Spitze der Grüntalp hat Freyer am
17. VII. freyeri in Gesellschaft von E. oeme gefunden.
Max Korb sammelte sie am Oberjoch bei Oberdorf im Juni 1916.
Bei einem Exemplar von Franzenshöhe verschwindet auch das
Rotbraun der Vflunterseite, das 2 dagegen ist wieder reicher
weiss pupilliert und unten bunter bei einem Exemplar vom Arl-
berg. Patria: Allgäu, Voralberg, Ortlergebiet. 18 7’ 2 27 Coll.
Fruhstorfer.. Der interessanten Form legte ich den Namen des
‚berühmten Autors bei, der sie vor 80 Jahren entdeckte und der
scharfsinniger Weise das Verkehrte der Ochsenheimer’schen
‚ „Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom utemologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1917,
vIl
109 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Umtaufe erkannt und abgewiesen hat. Jetzt gilt es noch ihre
östliche Verbreitungsgrenze festzustellen, besonders auf Tiroler
Boden, wo pyrene anscheinend sehr selten auftritt, denn we
der Prof. Ritter noch Oberpostrat Belling erwähnen die Art ir
ihrem Verzeichnis der Oetztaler Schmetterlinge.
Mit der Rasse des Schwarzwaldes beginnt eine Reihe far
benschöner Formen der Mittelgebirge, welche lebhaft mit de”®
düsteren freyeri-styriaca kontrastieren.
E. pyrene posidonia Fruhst. (E. stygne posidonia®
Fruhst. Soc. Ent. 1911 p. 23. Schwarzwald.) (E. stygne Seitz
part. t. 35 g 2 2te Figur.) Die Seitz’sche Figur gibt eine
gute Vorstellung des 2 dieser Arealrasse, auch die ff sind
ausgezeichnet durch breite rötlichgelbe Bänder der Oberseite
beider Flügel, welche ausserordentlich schön entwickelte grosse
prominente weiss gekernte Augenflecken tragen. Das rotgelbe
Feld der Unterseite der Vfl breiter als bei freyeri, ohne
jedoch die Ausdehnung der pyrene aus dem Jura und de
Vikariante praerutilia Fruhst. von Savoyen zu erreichen
pyrene der Nord-Vogesen schliessen sich sehr eng an posis
donia an, nur beginnt bei ihnen das rotgelbe Feld der Ober-
seite der Vfl proximal sich mehr zu zerteilen, es ist mit ans
deren Worten also am inneren Rande fast immer sehr tie
schwarz eingeschnitten oder gezähnt. Patria: Schwarzwald
Titisee JS 28. VI. (Hauptmann Schmidt leg.) Wildbad 21. VI. 2
Nordvogesen. (von der Goltz leg.) 15 SF 5 22 (Coll. Fruhst.)
E. pyrene guttata Goltz. E. stygne guttata Goltz
Iris 30. Juni 1914, p. 107. E. stygne eximia Fuchs. Int. E:
Ztschft. Guben 1914 Nr. 15, 11. Juli. „Schon unten in den Tä
lern der Vogesen findet sich neben E. medusa, ligea unt
aethiovps von 200 m an bis auf die höchsten Bergkupper
(also 1400 m) eine eigentümliche, zwischen charea Fruhst
nnd posidonia Fruhst. stehende‘ Form von stygne,
welche wegen der tropfenförmigen Gestalt der Flecken der rot
gelben Binde als guttata zu bezeichnen sein dürfte.“ (Goltz)
Nach dem geringen Material, welches mir vorliegt, schiebt sich
die Südvogesenform zwischen charea und posidonia ein
sich naturgemäss mehr der Schwarzwälderform als der savoyl-
schen charea nähernd. cd von solchen der Nordvogeser
leicht zu trennen durch die verminderte rotbraune Peripherie
der an sich schon kleineren Augenflecken der Oberseite beider
Flügel. Patria: Südvogesen 3 ZZ (v. d. Goltz leg.) Hohnecl
2 fd‘ (Hauptmann Schmidt leg.) und Coll. Fruhstorfer.
H.Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 108
| E.pyrene charea Fruhst. (E. stygne charea Fruhst.
I. E. Z. Guben 1911.p. 211 Savoyen. E. stygne vom Jura,
_ Meyer-Dür, 1851 p. 170. E. stygne Freyer 1880 p. 39. Jura.)
Dies ist eine Form, welche Meisner schon aus dem Jura kannte,
_ während Meyer-Dür zuerst ihre ÜUharakteristik gab, indem er
beobachtete, dass bei Jura-Exemplaren die schön weiss pupil-
# lierten Augen in einer breiten mehr zusammenhängenden Binde
stehen. Die. Bindenverbreiterung fällt namentlich auf der Unter-
| seite dler Vfl auf, wo die Jura-pyrene ein ausgedehntes
Feld aufweisen, das bis an die Zellwand reicht. Mir selbst lie-
| gen nur vier Exemplare von der Faucille bei Genf vor, welche
| sich nicht erheblich von meiner Type vom Col des Annes in
Savoyen unterscheiden, so dass anzunehmen ist, dass der Name
| eharea auch die Juraform mit umschreiben kann. Die Exemplare
| sind von mittlerer Grösse, die rostfarbenen Binden der Oberseite
| stets breiter als bei Exemplaren aus dem Wallis und besonders
| aus anderen mehr nördlicheren oder zentralen Fundorten der
ı Schweiz. Bei Genf geht charea in die luxurianteste der
| bisher bekannten Formen über, nämlich in praerutilia
| Fruhst. der savoyischen Talform. Patria: Jura, Dürreck, Bel-
| chen, Chasseral bis 4300 Fuss (Freyer), Vallorbe (Wheeler),
| St. Cergues, Döle, Col de Crozet, Reculet (Cat. Lep. de Geneve),
| Faucille, Pitons, Saleve, August ca 1200 m. Parmelan (18.
| VII. 1911) Mont Baron (17. VII. 11) Col. des Annes 15.
| VI. 07 37 Sd' 6 22 (H. Fruhstorfer leg.) Brizon, Pte d’Andey
(Jullien leg.)
| E. pyrene praerutilia Fruhst. (E. stygne prae-
| rutilia Fruhst. Soc. Ent. 1909 p. 123. Savoyen. Blachier, Cat.
"Lep. Geneve 1910 p. 17. Savoyen.) Bei dieser Talform errei-
| chen die rotbraunen Binden und die weisspupillierten Ozellen
| das, Maximum ihrer Entwicklung im Gebiet der Westalpen.
| Das rotbraune leld der Unterseite der Vfl dehnt sich wie bei
ıcharea bis zur Zelle aus. Die Hfl der 22 sind in den
meistenFällen weiss verwaschen, Uebergang zu cubei der
ı Alpes Maritimes, bei der sich eine deutliche weisse Binde ent-
; wickelt „hat. Patria: Defils von Pine#25. VI 08377.’ VAL 11.
|4 SG 922 H. Fruhstorfer leg. Grande Gorge, Salve ca 800 m.
2 dd 62% Prof. Reverdin 14. VII. 14 leg. praerutilia
| geht also am Sal®ve und am Parmelan auf Erhebungen über
1000 m in die Höhenform charea über, die in der Regel
‚ auch zeitlich etwas später erscheint und dafür länger fliegt.
praerutilia ist Mitte Juli schon abgeflogen, während cha-
104 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1917.
rea noch Mitte August auf 1300 m Erhebung in ganz frischen
Exemplaren anzutreffen ist.
Ganz ähnlich wie am Saleve und seinen Nachbarbergen
(Parmelan über dem Lac d’Annecy) liegen die Verhältnisse im
Wallis. Dort begegnen wir bei Martigny einer Talform, die von
476 m bis Lousine sur Fully und im Lötschental bis 1600 m
hinaufgeht, während in noch höheren Lagen, so am Dent du
Midi und am Col de Coux, auf 1900 m eine ausgesprochene
kleine Gebirgsform heimisch ist. Beide sind schon seit über
einem Jahrhundert bekannt, ohne dass man sich über ihre Ver-
breitung und ihre Nomenklatur Rechenschaft gab. Die Talform
des Wallis möchte ich unbedingt auffassen als: E. pyrene
pyrene Esp. (E. stygne Meyer-Dür 1851 p. 170 form b der
Voralpen aus dem Wallis. E. stygne Freyer 1880 p. 39. nie-
dere Alpen des Cantons Wallis. E. stygne Favre 1899 p. 43
Umgebung von Martigny, Sion, Sierre, et. E. stygne Whee-
ler manchmal in der Ebene bei Martigny im Juni frisch, manch-
mal schon geflogen. E. stygne Vorbrodt 1911 p. 78. ausnahms-
weise bei Vernayaz im Rhönetal.) Die Abbildung bei Esper °
ist, wie bei diesem Iconographen üblich, etwas unbeholfen im
Kolorit, es besteht aber gar kein Zweifel, dass Esper eine Schwei-
zer Erebia damit vorstellen wollte, denn in Tirol kommen so
reich rot gefärbte Exemplare überhaupt nicht vor. Walliser
pyrene vermitteln den Uebergang von E. charea u
E. valesiaca Elw., ihre rost- oder mahagonifarbene Binde
ist stets sehr deutlich, die Ozellen kräftig entwickelt, ohne dass
die rote Zone die Ausdehnung der Jura- und savoyischen Exem-
plare erreicht, andererseits sich aber auch nie so verliert oder
verdunkelt wie bei valesiaca aus -Graubünden oder vom
Berner Oberland. Auch dehnt sich das rostfarbene Feld der
Unterseite niemals bis zur Zellwand aus. Patria: Wallis, Um-
gebung von Martigny, Saviese bei Sion, Lötschental, Val Ferret
9 FT 22% Coll. Fruhstorfer.
E. pyrene irene Hübner. (Pap. irene Hb. Eurcp.
Schmett. 1805 text p. 37. t Schweizer Alpen. P. pirene Hb.
ca 1800 f. 223/224. nom. nudis. P. irene Stgr. Cat. 11 p.
24, 1871. E. irene Kirby Catal. 1877 p. 701. E. stygne ‘
Chap. Tr. E. S. 1905 t. 3. f. 1 0’ ausgezeichnetes Bild!)
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Hübner die Originale zu seiner
irene (pirene auf der Tafel) durch den berühmten Wall-
ner aus Genf empfangen hat. Sicher ist nur, dass seine Figu-
ren und sein Text vorzüglich zu Exemplaren passen, wie sie
tatsächlich in den Schweizer Alpen vorkommen, insbesondere
RR
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 105
bei Champery und anderen hochgelegenen Orten des Wallis, und
dass Individuen, die mit Hübners Bild harmonieren, auch im
benachbarten Savoyen dort auftreten, wo sich E. p.charea ver-
liert. Auf alle Fälle sind Hübner’s Figuren besser als jene von
Esper, und es ist sehr zu bedauern, dass Esper’s vager Text
„liroler und Schweizer Alpen“ und Espers schlechte Figur über
den älteren Hübner’schen aber ungültigen Namen pirene ge-
setzt werden müssen, um sich an die Nomenklaturregeln zu
halten. Auch Hübner’s Name „irene“ im Text ist nur teilweise
als Form der Rassen-Bezeichnung zu retten, weil er erst ein
Jahr nach Espers pyrene gedruckt wurde.
Charakteristikum von irene: Habituell kleiner als pyre-
ne, die rotbraune Binde schmäler als bei charea, Ozellen
unbedeutender als bei pyrene und charea, mit winzigen
_ weissen Pupillen. Patria: Dent du Midi und Col de Coux über
Champery ca 1800-1900 m. Sanetschpass, der vom Wallis
ins Berner Oberland führt. Höhen am Montanvers ca 1900 m
über Chamonix: Tines bei Chamonix (30. VII.) Tournette, Sa-
voyen 25. VII. 1911 (21 JS 3 $2 H. Fruhstorfer leg.)
E. pyrene valesiaca Elw. (E. stygne var. valesi-
aca Elw. Tr. E. Soc. 1898 p. 177. E stygne Meyer-Dür p.
' 170 form a, Berner Alpen. E. stygne Seitz p. 101 t. 35 g. 1. und
2. Figur. E. stygne var. valesiaca Wheel. p. 132. Vorbrodt 1911
p. 78.) Diese leichtsinnige, irreführende Bezeichnung um-
schreibt die in der Schweiz am weitesten verbreitete alpine
E. pyrene Rasse. Der Name ist durchaus falsch gebildet,
denn die Type stammt vom „Splügen“, also aus „Graubünden“,
wo valesiaca die herrschende Form ist, während sie im
Wallis mir nur vom Simplon (Laquintal) bekannt wurde.
valesiaca schliesst sich eng an E. pyrene freyeri
‘vom Allgäu, Voralberg und Südtirol an und stellt andererseits
auch die Verbindung mit E. pyrene pyrene her. Von
letzterer ist sie in vielen Fällen, namentlich wenn es sich um
grössere Exemplare handelt, nur sehr schwer zu trennen. In
ihrer reinen Form aber, wie sie mir z. B. vom Albula vorliegt,
stellt sie das SR, RR Extrem der Gesamtart vor und ist
sehr leicht zu erkennen. Ihre Verbreitung hat nur Vorbrodt
richtig umschrieben, der sie im Oberland, den Urkantonen,
Graubünden, dem Wallis und Teilen der Tessiner Region vor-
kommen lässt.
Aus letzterer Subregion ist sie einstweilen nur von der
Furka (1900 m Vorbrodt) und vom Oberalpsee (Fruhstorfer)
bekannt. Aus dem Canton Glarus führt sie bureits Blumer
106 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. | Dresden 1917.
s
Heer 1846 an. Das Maximum an Rückbilduug der Zeichnung
erreichen J'Z' (Albula, Laquintal) mit nur 2 kleinen kaum
noch rot umringelten Augen der Vfl und 29, die überhaupt
nur noch 2 weisse Vflpunkte aufweisen (Ragaz). Die Form
vom Öberalpsee ist sehr interessant, weil fo’ das extreme va-
lesiaca Kolorit zeigen, während die 22 ein besonders leb-
haftes wenn auch eingeschränktes Rot der Hfl aufweisen. Be-
sonders entwickelt in der Grösse sind die pyrene aus dem
Erstfeldertal, die sich zu valesiaca verhalten wie pyrene
Esp. zu irene Hb., also einer Talform angehören, die von
pyrene durch das dunklere Rotbraun der Submarginalfleckung
und beim J’ weniger prominent weiss gekernte Ozellen abweicht.
Die 2? aber führen bei geringer mahagonibrauner Fleckung
äusserst markante weisse Pupillen. Zwischen valesiaca
und der Erstfelder Rasse stehen dann Exemplare vom Pilatus
und vom Sustenpass, sowie vom Berner Oberland, habituell
kleiner als die Erstfelder Form, mit unbedeutenderen weissen
Kernen ihrer Ozellen. Patria: Glärnisch ca 1400 m. Mitte
August, Oberalpsee, (H. Fruhstorfer leg.) Umgebung von Bern,
Ober-Steinberg, Pilatus, Susten, Erstfeldertal, Wallenstöck, En-
gadin, Albula, Preda, Davos, Bergün, Ragaz, Laquintal 28 Jg’
h
u
Ei
i
{
E
T
f
|
y
I
}
4 h
10 2% (Coll. Fruhstorfer). Fast ganz schwarze Stücke von #
Mürren und vom Simplon in Coll. Vorbrodt. Am Thunersee
und einigen Standorten in Graubünden schon auf 600 m Er-
hebung (Vorbrodt) |
E. pyrene calaritas subsp. nova. (E. stygne Whee-
ler Butt. Switz. 1903 p. 152 part. Basses Alpes, Digne, La
Grave. E. stygne OÖberth. Lep. Comp. 1909 p. 296 Basses Al-
pes, Isere, Cevennes, Auvergne, Mont Ventoux.) Eine Abschwä-
chung der E. praerutilia mit etwas weniger Rotbraun der
Oberseite als diese, das 2 mit gross weiss gekernten Augen,
welche jedoch in der Gestalt auch hinter praerutilia zu-
rückbleiben. {@ Unterseite der Hfl ohne die scharfe weisse
Binde der Vikariante der Seealpen, auch ohne die dort stets
prächtig entwickelten Özellen. Die Medianzone ausgedehnter
weissgrau als bei praerutilia, das rote Feld der Vfl noch
breiter ausgeflossen ala bei E.pyrene cubei. Patria: Bas-
ses Alpes. Digne 27 1 2 Coll. Fruhstorfer, eine grosse Se-
rie in Coll. Reverdin, La Grave ca 1600 m. Brianzon, Lous-
lebourg (Elwes).
E. pyrene cubei Fruhst. (E. stygne"cubei Soc. Ent.
1909 p. 123 E. stygne Godart Hist. Lep. France 2, t. 14 f.
1.2. 1821. E. stygne Wheeler, Butt. Switz. 1903 p. 132.
E. Fruhstorfer. Monegraph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen,. 107
Susa, Gross mit grossen Augen. E. stygne var. pyrene Wheel.
'l. e. Alpes Maritimes.. E. stygne Obthr. 1. c. p. 276 partim,
Cevennes etc?) cubei ist die Form, welche Godart 1821
‚aus den Alpen Frankreichs kenntlich, wenn auch nicht sehr
‚gut, abgebildet hat. Die mahagoni- oder kastanienbraune Binde
erreicht bei cubei nicht die Ausdehnung derselben bei prae-
rutilia, dafür aber vergrössern sich die Ozellen und damit
auch deren rein weisse Pupille, auch wiederholen sich die Au-
gen auf der Unterseite der Hfl der 22. Die Hfl sind unter-
seits, wie schon hervorgehoben, durch eine ausgedehnte, deut-
liche, fast rein weisse Medianbinde vor allen anderen Schwester-
rassen ausgezeichnet. Patria: Alpes Maritimes, Col di Tenda
(Dr. von Cube leg.), St. Martin Vesubie (Spröngerts leg.) 7 J'd”
3 2? (Coll. Fruhstorfer). Vermutlich gehören die von Wheeler
aus Susa in Piemont erwähnten Stücke auch zu cubei. Süd-
abhang des Mont Cenis (Rowland Brown, Ent. Recd. 1914.)
Die von Oberthür aus den Cevennen, der Auvergne und vom
Mont Ventoux erwähnten pyrene gehören vielleicht zum Teil
zu E. cubei und nicht zu E. pyrene calaritas Fruhst.
Aus Italien wird eine Form registriert:
E. pyrene subsp. nova. (E. stygne Rühl, Gross- Schinbttlg.
1895 p. 487. Abruzzen. E. stygne Stgr. Catal. III. 1901 p
45. H. centr) Patria: Abruzzen — welche mir in Natur un-
bekannt geblieben ist.
Wir kommen nun zu den z. T. hochspezialisierten Rassen
der iberischen Halbinsel, welche durch Chapmann’s Publikatio-
nen so berühmt geworden sind. Alle spanischen Rassen zeigen
den „Mittelgebirgscharakter* im Sinne Spulers und es wieder-
holen sich. bei ihnen alle Koloriterscheinungen, welche wir bei
den Rassen des Schwarzwaldes, der Vogesen und den Bergzü-
gen der Umgebung von Genf beobachten. Auch unterscheidet
Chapman bei den spanischen pyrene eine Tal- und Höhenform.
Von hohem Interesse sind die Beobachtungen Chapman’s über
Parallelformen der E. evias, welche in Spanien fast immer
in Gesellschaft von E. pyrene vorkommt, während auf Schwei-
zer Gebiet E. stygnei erst in Erscheinung tritt, wenn E. evias
längst verflogen und, soweit unsere Erfahrung reicht, sich auch
nie nebeneinander finden können, was ja schon das frühe Schlüp-
fen der E. evias Mai—Juni in unsern Alpentälern verhindert
während E. pyrene z. T. erst Ende Juli und im August zum
Vorschein kommt. Chapman hat den koloristisch analogen Ras-
sen von E. stygne und E. evias gleichartige geographische.
Namen zugeteilt. Weil dies nach den Nomenklaturregeln nicht
108 Deutsche Entom. Zeitschrift.Iris. Dresden 1917.
gestattet ist, doch zu Irrtümern Veranlassung geben kann, wird
eine Umtaufe einiger E. pyrene Rassen erforderlich. Von ’# !
Norden nach Süden begegnen wir in Spanien:
E. pyrene almada subsp. nova. (E. stygne Chapm.
T. E,S. L. 1905 p. 31.1. 2f..580' 2%. 6 Tr 208 85
Eine interessante, habituell kleine Form, aber mit ungewöhnlich
breiten und dunkel rotbraunen Binden. Besonders auffallend
ist das rostrote Feld der Unterseite der Vfl, das fast die Zell- 4
wand erreicht, aber auch bis nahe den Analwinkel durchzieht. ©
2 charakterisiert durch prominente Özellen, welche jene von
pyrene cubei noch übertreffen, an solche von praeru-'
tilia erinnern. Das 2 erreicht jedoch nicht die Grösse von
- praerutilia. Patria: Puerto de Pajares, ca 4000 Fuss Er-
hebung. Cantabrisches Gebirge, Provinz Asturien. Piere de
Lurofa.
E. stygne algernon subsp. nova, (E. stygne his-
panica Chapm. T. E. S. 1903 p. 45. E. stygne hispanica
Chapm. ]. c. 1905 p. 31 t. 2£. 34 S 2 Canales. E. stygne
Oberth. Lep. Comp. 1909 p. 296 pärt. Nordspanien.) Habitu- ®
ell almada bedeutend übertrefiend, die falıl rostfarbene Zone ©
beider Flügel aber wesentlich schmäler als bei almada. Die
Ozellen kleiner als bei almada, unbedeutender auch bei
praerutilia, mit welcher algernoni die Ausdehnung des
rotgelben Feldes gemeinsam hat. Patria: Canales de la Sierra
Sierra de la Demanda, südlich von Burgos. Wahrscheinlich °
gehören Exemplare, welche Oberthür von Zumarraga und Al-
sasua, den Baskischen Provinzen und der Provinz Navara er-
wähnt, auch hierher.
E.pyrene castiliana Fruhst. (E. stygne penalarae Chapm.
T. E. S. 1904 p. 46 praeoccup. durch E. evias penalarae Chapm.
E. stygne penalarae Chapm. Il c. 1905 p. 31. t, 3.11.7 — 9
P ®.E.stygne castiliana Fruhst. Soc. Ent. 1909 p 124 Castilien.)
Eine Form, welche geographisch und koloristisch die Mitte hält
zwischen der cantabrischen pyrene almada und der am
weitesten nach Westen vorgedrungenen E. pyrene bejarensis
Chapm. Sie steht sogar habituell zwischen beiden. Binden
der Oberseite schmäler als bei bejarensis, ÖOzellen unbedeu-
tender als bei almada und bejarensis, Unterseite fahler
im Kolorit ohne die rein weisse an E. pyrene cubei gemah-
nende Medianbinde der Hfl. Patria: Castilien, Sierra de Gua-
darrama, (Type Coll. Fruhstorfer.) Penalara und La Granja
(Chapman.)
H. Fruhstorfer. Monograph. Uebersicht alter u. neuer Erebia-Formen. 109
E. pyrene bejarensis Chapm. (E. stygne bejarensis
Chapm. T. E. S. 1902 p. 36. T. E. S. 1905 p. 81t.3£.10 —
12 d' 2.) Eine ausgezeichnete Rasse, geographisch isoliert, in der
Grösse, Ausdehnuug des rötlichen Feldes beider Flügel und de-
ren luxurianten Ozellen alle bisher bekannten spanischen pyrene
übertreffend. Augenflecken ebenso prominent wie bei cubei
und praerutilia, auch die Unterseite der Hfl mit wohlent-
wickelten Augenflecken. Patria: Sierra de Bejar, Sierra de
Credos. Die Formen der Pyrenäen scheinen sich von West nach
Ost gleichfalls abzustufen, jedenfalls sind sich alle Autoren da-
rüber einig, dass die Rasse der Hohen oder Zentralpyrenäen
weniger schön gefleckt ist, als jene der Östpyrenäen, und von
der Form der Westpyrenäen hat ja bereits Rühl bemerkf, dass
sie fast alles Rotbraun der Oberseite verloren hat.
E. pyrene rühli Fruhst. (E. stygne rühli Fruhst. Soc.
Ent. 1909 p. 124. E. stygne pyrenaica Rühl. Pal. Gross Schmett.
1895 p. 489. Franz. Westpyr. E. stygne pyrenaica Oberth.
Lep. Comp. 1909 p. 297 Hautes Pyren., Gavarnie, Cauterets.)
die rotbraunen Flecken der Vfl reichen nur bis zur Flügelmitte,
Augen der Hfl und deren Peripherie stark ıeduziert. Patria:
Westpyrenäen. (Rühl.) Hautes Pyrenees (Oberthür.)
E. pyrene zagazia subsp. nova. (E. stygne bejarensis
Oberth. (!) Lep. Comp. 1909 p. 297. Vernet les Bains. E.
stygne Beth. Bak. Ent. Recd. 1914 p. 17 Eastern Pyren. finest
form!) Nach Angaben Oberthürs nähern sich pyrene aus der
Umgebung von Vernet les Bains durch ihre bedeutende Grösse
der E. pyrene bejarensis Chapm. Dass sie aber damit iden-
tisch sind, wie Oberthür annimmt, ist geographisch vollkommen
unmöglich, weil sich zwischen die Pyrenäen nicht nur die Tä-
ler des Ebro und Tajo sondern auch die Niederungen Castiliens
einschieben, ganz abgesehen von einer ganzen Reihe von Berg-
'ketten wie der Sierra de Albarracin, Sierra de Guadarrama_etc.,
von denen jede bereits ihre eigene pyrene Rasse beheimatet.
Patria: Ostpyrenäen.
E. pyrene subsp. nova. (E. stygne Chapm. T.E.S. 1905
p- 27. Barcelona.) Eine relativ kleine Form, die dunkelste
bisher aus Spanien bekannt gewordene pyrene. Oberseite
gleicht ungefähr den pyrene Esp. aus Wallis. Es liegt mir
nur ein Exemplar vor, das zudem aus einer Händlerquelle
stammt, so dass mir sogar der Fundort sehr fraglich erscheint.
Als Heimat wird die Provinz Gerona genannt, wo nach dem
eben Gesagten eine grosse pyrene fliegen müsste, wegen der
Nachbarschaft der Ostpyrenäen. Dennoch ist es sehr wahr-
110 Deutsche Entom. \Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
u
scheinlich, dass der spanische Abhang der Ostpyrenäen eine
durchaus differente Form produzieren wird. Auch bei Barcelona
wurde pyrene gefunden, so dass wir annehmen dürfen, dass
die Provinzen Gerona und Catalonien eine Rasse gemeinsam
haben. Patria: Catalonien, Barcelona, Mon Sany 6000,
(Chapman) Gerona? (Coll. Fruhstorfer.)
Zur Biologie von Caligula (Saturnia Schrk.)
boisduvali Ev.
Max Cretschmar,, Frankfurt a/Main.
(Hierzu Tafel I und II.)
Im Herbst des Jahres 1916 erhielt ich von dem inzwischen
leider verstorbenen, um die experimentelle Entomologie so hoch-
verdienten Professor Dr. M. Standfuss in Zürich eine Anzahl
Eier von Caligula boisduvali Ev. Im Nachfolgenden möchte
ich versuchen, eine Beschreibung der verschiedenen Entwick-
lungsphasen zu geben.
Das Ei. Die Eier werden — wenigstens in der Gefan-
genschaft — in unregelmässigen Gruppen wie etwa bei Aglia
tau L. abgelegt. Wie die meisten Saturniden-Eier haben sie
eine sehr harte, glatte Schale, auf der sich erst bei stärkerer
Vergrösserung (100fach) eine feine gleichmässige Körnelung
wahrnehmen lässt. Auf der Oberseite des stumpf ovalen Eies
befindet sich eine grosse Delle, deren Gestalt und Ausdehnung
aus Taf. I Fig. 1 (Vergr. 17/1) erhellt. Die Masse des Eies
sind: Länge 2,16 mm, Breite 1,63 mm, Höhe, am Dellenrand
gemessen 1,20 mm. Die Grundfarbe der Eier ist ein schmut-
ziges Weiss. Dieses wird aber gewöhnlich grösstenteils von
gelblichem Braun, das sich an manchen Stellen zu Dunkelrot- -
braun verstärkt, überdeckt. Doch ist die Verteilung der brau-
nen Färbung auf jedem Ei verschieden; manche sind fast völ-
lig weiss (Taf. II Fig. a), manche wieder zeigen einen leichten
gelblich braunen Anflug, der nur stellenweise in tieferes Braun
übergeht, während bei noch anderen eine tiefbraune Färbung
das Weiss fast völlig verdrängt (Taf. Il Fig. b).. Das Merk-
würdigste sind die schwarzbraunen, nahezu schwarzen, scharf
umrissenen Flecke. Ein analoges Beispiel für deren Anordnung
bietet das Kiebitzei. Hier wie dort stehen grosse wie kleine
Flecke und Punkte, abwechselnd getrennt oder durch Stege ver-
bunden, beieinander. Auch in Bezug auf die Fleckenzeichnung
gleicht „kein Ei dem anderen.“ Bald finden sich nur wenige
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M. Öbetschiner: | Zur Biol. v. Calig. (Sat. Schrk.) boisduv. Er. il
ausgedehntere schwarze Flecke, umgeben von einer grossen Zahl
kleiner Wische und Punkte, bald wieder überwiegen die schwar-
# zen Zeichnungen in der Färbung des Eies. Eine gewisse Ge-
‚ setzmässigkeit in der Anordnung der Flecke lässt sich nur in-
' soweit erkennen, als die ausgedehnteren besonders gegen den
| Mikropylarpol hin auftreten. Das Ei gehört, wie die meisten
Saturnideneier, dem Liegetypus an. Der Mikropylarpol ist
' ziemlich klein und verschwommen, auch ist eine Vertiefung in
seiner Mitte, die durch einen dunklen Punkt noch besonders
gekennzeichnet wird, kaum wahrnehmbar. Taf. I Fig. 2 gibt
ein Ei in 17 facher Vergrösserung von der Seite wieder. Die
Aufnahme ist wenige Tage vor dem Schlüpfen gemacht, sodass
die Delle schon etwas hochgetrieben erscheint. Dieses Bild
| zeigt besonders deutlich den Unterschied der beiden Pole. Das
j Mikropylarfeld liegt stets an dem abgeplatteten, stumpten Pol.
| An dem Ei erkennt man noch Reste des schwarzbraunen Kleb-
' stoffes, mit dem das ® die Eier anheftet. Taf. I Fig. 3 gibt
| in 30facher Vergrösserung den Pol mit dem Mikropylarfeld wie-
der und veranschaulicht das Grössenverhältnis des letzteren zum
| Ei. Die Unebenheiten der Kontur sind wie bei Fig. 2 durch
Reste des Klebstoffes verursacht. Taf. I Fig. 4 zeigt das Mi-
kropylarfeld in 115 facher Vergrösserung. Sehr gut lässt sich,
wie auch bei Fig. 3, das schwarze Zentrum erkennen. Dieses
ist umgeben von unregelmässigen Felderchen, die, je weiter von
der Mitte entfernt, immer mehr verschwimmen.
Die Raupe. Erstes Stadium. Taf. I Fig. 5 und
Taf. II Fig. c. Vergr. 6/1.
Am 1. Mai schlüpfte das erste Räupchen, dessen Entwick-
| lung auch späterhin zur Festsetzung der Daten massgebend war.
Die übrigen folgten in den nächsten Tagen. Die Eischale wird
_ stets am Mikropylarpol durchbrochen; ein Verzehren derselben
findet nicht statt. Dle Länge des Räupchens beträgt nach dem
Verlassen des Eies 4—4,7 mm. Die Aufnahmen sind zu die-
sem Zeitpunkt gemacht worden.
Die Raupe ist vom allgemeinen Saturniden-Typus, und die
Aehnlichkeit etwa mit der Jugendform der Raupen von Sat.
pavonia L. ist unverkennbar. Die Grundfarbe ist ein tiefes
Samtschwarz, das nur ventral in Grünlichschwarz übergeht.
Der glänzend schwarze Kopf trägt wenige ganz kurze weissliche
Härchen. Am vVorderrande des vollständig schwarzen ersten
Segmentes stehen beiderseits der Rückenmitte je zwei kleine
Wärzchen, deren jedes an seiner Spitze mit 4—6 dünnen län-
geren Haaren besetzt ist, wie es aus der Abbildung sehr gut
.
112 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917,
zu ersehen ist. Ausserdem trägt das erste Segment eine an-
sehnliche laterale Knopfwarze, deren oberer Aussenrand mit ei-
nem Kranz von 8—10 dünnen, weisslichen. verschieden langen
Haaren besetzt ist. Ebensolche laterale Knopfwarzen, die nur
um weniges kleiner sind als die des ersten Ringes, finden sich
auf allen Segmenten. Das zweite Segment trägt einen blass-
karminroten Dorsalwulst, etwa von der Farbe der Eibenfrüchte.
Aus diesem Rot erheben sich die dorsalen und subdorsaleu
Knopfwarzen, die ersteren ganz davon umgeben, die letzteren
mit der nach der Rückenmitte gelegenen Seite an den Wulst
angrenzend, während die andere Seite in dem lateralen Schwarz
steht. Sowohl Dorsalwarzen, wie Subdorsalwarzen sind mit
8—10 kurzen, dicken, schwarzen Borsten besetzt. Auf dem
nächsten Segment ist der rote Wulst etwas reduziert, sodass
er nur die Dorsalwarzen umgibt. während die subdorsalen von
ihm unberührt in der schwarzen Grundfarbe stehen. Die fol-
genden drei Segmente sind ganz schwarz, doch zeigen sich in
der Bildung der Warzen keine Unterschiede. Auf den nächsten
vier Segmenten sind die Dorsalwarzen mit einem roten Fusse
— manchmal liegt über diesem roten Ring noch ein gelblicher —
versehen, auf dem dann erst die schwarze Warzenkuppe mit
den Borsten steht. Auf dem siebenten Segment findet sich das
Rot mitunter nur erst halbkreisförmig auf der nach aussen ge-
richteten Seite. Selten fliesst das Rot über der Rückenmitte
zusammen. Das folgende zehnte Segment ist wieder ganz
schwarz, doch kann es auch wie die vier vorbeschriebenen ge-
staltet sein. Auf dem elften Segment findet sich das Rot wie-
der stärker ausgebildet. Hier vereinigt sich der Wulst über
der Rückenmitte, reicht aber lateralwärts nicht an die Subdor-
salwarzen heran. Das ganz schwarze Analsegment trägt
nur zwei kleine Dorsalwarzen, hinter denen noch einige
kleinere Einzelwärzchen mit kurzen Borsten stehen. Jedes
Segment (mit Ausnahme des letzten) trägt also im ganzen
6 Knopfwarzen, die gewöhnliche Zahl bei Saturnidenraupen.
Ventral ist die Färbung grünlichschwarz. Die Brustfüsse sind
schwarz, die Stigmen umzieht eine ganz feine weisse Linie.
Nach einigen Tagen, wenn sich die Raupen etwas gestreckt haben,
erscheint ein grünlichweisser Längsstreifen an der Seite, der die
Lateralwarzen untereinander verbindet und nicht breiter ist als
deren Fuss; von diesem helleren Band heben sich die Warzen
sehr gut ab. Am 12. Mai häutete sich die Raupe zum ersten
Mal, nachdem sie mit einigen Fäden eine sichere Unterlage her-
gestellt hatte.
M. Cretschmar. Zur Biol. v. Calig. (Sat. Schrk.) boisduv. Ev. 113
Zweites Stadium. Taf. I Fig. 6. Vergr. 3/1.
Die schwarze Grundfarbe bleibt dieselbe wie im ersten
Stadium. Mit dem Auftreten einer gelblichweissen Laterallinie
setzt der bei Saturnidenraupen allgemein verbreitete Entwick-
lungsgang ein, dass sich mit jeder Häutung die helle, meist
grüne Lateralfarbe weiter dorsalwärts ausdehnt. Gewöhnlich
nimmt bei boisduvali der Lateralstreifen hinter dem dritten Seg-
ment seinen- Anfang und zieht sich, ohne die Subdorsalwarzen
zu berühren, unter diesen bis zum elften Segment hin. Schon
die erste Häutung bringt eine starke Verkleinerung aller War-
zen, namentlich der lateralen, mit sich.
In diesem Stadium hat die Variabilitä& der Färbung der
Raupen ihren höchsten Grad erreicht, und besonders die Rot-
färbung der Dorsalwarzen differenziert sich ausserordentlich.
Das Gewöhnliche ist ein roter Wulst auf dem zweiten und drit-
ten Segment, der die beiden Dorsalwarzen untereinander ver-
bindet. Doch findet im Gegensatz zum ersten Stadium ein
Zusammenfliessen der beiden Wülste niemals statt. Die Dor-
salwarzen der folgenden drei Ringe sind schwarz, und erst auf
dem siebenten bis zelınten Segment ist der Fuss der Warzen
wieder von einem roten Ring umzogen, wie das die Abbildung
sehr schön erkönnen lässt. Eine ganz auffallende Veränderung
gegen das erste Stadium bildet das Fehlen jeglicher Rotzeich-
nung auf dem elften Segment, das bei allen untersuchten Tie-
ren völlig schwarz war. Von dieser Normalfärbung abweichen-
de Exemplare zeigen entweder eine ärmere oder eine reichere
Ausbildung des roten Zeichnungselementes. Zu ersteren gehörte
ein Stück, das überhaupt kein Rot trug, nicht einmal auf dem
zweiten und dritten Segment: auch die Laterallinie war nur
haarfein, setzte aber normal an. Bemerkenswerterweise blieb
dieses Tier von Anfang an beträchtlich hinter den anderen zu-
rück und ging schliesslich ein. Ein Stück, welcher das entgegen-
_ gesetzte Extrem bildete, war das bestentwickelte von allen und
zeigte sogar bereits den Habitus des nächsten Stadiums. Die
leuchtend roten Dorsalwarzen des ersten und zweiten Segmen-
tes hoben sich prächtig von der schwarzen Grundfarbe ab.
Sodann waren schon die Warzen des sechsten Segments mit
Rot versehen; das elfte Segment jedoch trug nicht einmal bei
diesem extremen Tier eine Spur von Rot. Auch die Lateral-
linie war bei diesem Exemplar hervorragend stark ausgebildet.
Sie setzte schon am ersten Segment ein und zog sich bis zum
Analsegment in gleicher Breite hin. Dorsalwärts grenzte sie an
die Subdorsalwarzen; die Lateralwarzen verschwanden wegen
114 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
ihrer Kleinheit fast, da ihre normale schwarze Farbe sich in
das Grün der Umgebung gewandelt hatte. Auch ventralwärts
hatte die gelblichgrüne Farbe der Laterallinie die schwarze
Grundfarbe verdrängt, sodass nur einige schwarze Flecke in der
Bauchmitte ausgespart bliebeu. Bei der Normalfärbung bleiben
Bauchfüsse und Bauch schwarz. Die Dorsalwarzen des zweiten
und dritten Segmentes tragen ausser den kurzen schwarzen
Borsten je ein bis zwei lange, dünne weissliche zentrale Haare.
Die folgenden Dorsalwarzen sind mit kürzeren Haaren versehen,
manchmal fehlen diese ganz. In gleich starker Ausbildung wie
auf dem zweiten und dritten Segment finden sie sich dann wie-
der auf dem Analsegment, mitunter auch schon auf dem elften.
Die Subdorsalwarzen und Lateralwarzen sind ziemlich unverän-
dert gegen das erste Kleid geblieben. Die Länge der Raupen
am Ende dieses Stadiums beträgt fast 2 cm.
Drittes Stadium. Taf. I Fig. 7, nat. Gr. und
Taf. II Fig. d. Vergr. 14/,11.
Die zweite Häutung fand am 17. Mai statt. Die Färbung
des extrem entwickelten Stückes des vorigen Stadiums ist zur
normalen geworden. Die Schwarzfärbung ist bis fast an den
nach aussen gelegenen Teil der Dorsalwarzen zurückgedrängt
worden, wie das die Raupe rechts auf dem Bild sehr schön
zeigt. Olıne jeden Uebergang setzt die hellgrüne laterale Fär-
bung ein, und nur die Bauchmitte, manchmal auch schon die
Bauchfüsse, sind wieder grünlichschwarz gefärbt. Die Dorsal-
warzen sind in den meisten Fällen alle rot mif schwarzer War-
zenkuppe, nur die des ersten, elften und zwölften Segmentes
sind ganz schwarz. Neben dem ursprünglichen Kranz von kur-
zen Schwarzen Borsten tragen die Dorsalwarzen des zweiten,
manchmal auch dritten und des elften und zwölften Segmentes
je ein bis zwei lange weisse Haare. Die Subdorsalwarzen sind
wie auch die Lateralwarzen grün wie ihre Umgebung ohne
schwarze Kuppe. Nur die Subdorsalwarzen des zweiten und
dritten Segmentes tragen mitunter eine kleine schwarze Spitze,
wie das die Raupe links auf dem Bild veranschaulicht. Die
Subdorsalwarzen sind mit je einem langen, weissen zentralen
Haar besetzt, das rings von einigen kürzeren umgeben ist.
Auch hier sind wieder die Warzen des zweiten und dritten
Segmentes mit besonders kräftigen Haaren ausgestattet. Die
Lateralwarzen stehen auf einem niedrigen, gelblichgrünen Wulst;
sie sind mit je zwei bis fünf kürzeren weissen Haaren besetzt
Auf der ganzen Haut finden sich viele kurze, weisse Härchen
verteilt. Der Kopf bleibt ganz schwarz; die Brustfüsse sind
M. Cretschmar. Zur Biol. v. Calig. (Sat. Schrk.) boisdur. Ev. 115
bräunlichrot. Die untere Hälfte der Nachschieber ist nach aus-
sen tiefschwarz gefärbt. Die Länge beträgt 2,5 cm.
mrerree Stiadzame.. Tal IxFig. 8 und Tal
Fig. e. Vergr. 11/,/1.
In dieser Entwicklungsphase hat der Prozess der progres-
siven Reduktion des schwarzen Pigmentes seinen Abschluss er-
reicht. Bei dessen stärkster Ausbildung findet sich noch eine
dünne schwarze Linie zwischen den Dorsalwarzen, häufiger ist
diese in verschiedene Striche und Punkte aufgelöst, meistens
fehlt sie aber vollständig. An die Stelle der dorsalen Schwarz-
färbung des vorigen Stadiums ist, genau in der gleichen Aus-
dehnung, ein ins Bläuliche spielendes Weiss getreten. Der
kräftiger gelb betonte hypostigmatale Lateralwulst scheidet die
grüne Färbung in einen helleren oberen und einen sattgrünen
unteren Teil; ein bekanntes analoges Beispiel findet sich in
der Raupe von Aglia tau L. Die schwarze Ventrallinie vari-
iert in der Ausbildung ebenso wie ihr dorsales Gegenstück.
Die Grösse der Warzen, die sämtlich die grüne Grundfarbe an-
genommen haben, ist wieder beträchtlich zurückgegangen, be-
sonders die Subdorsalwarzen sind wegen ihrer Kleinheit erst
bei genauerer Betrachtung zu erkennen. Nur bei einem einzi-
gen Stück waren die Dorsalwarzen des zweiten und dritteu
Segmentes, die ja in allen Stadien besonders stark ausgebildet
sind, noch mit einer kleinen schwarzen Spitze versehen. Dor-
salwarzen wie Subdorsalwarzen sind mit je einem langen weiss-
grünen Haar, dessen Spitze bräunlich vertrocknet erscheint, be-
setzt. Nur die Warzen des zweiten und dritten Segmentes
sind wieder mit je zwei besonders langen Haaren ausgezeichnet.
Während aber diese Haare zentral auf der Warze stehen, grup-
pieren sich die drei bis fünf nicht so langen Haare der Lateral-
warzen rings um den oberen Warzenrand. Der ganze Körper
ist mässig dicht mit kurzen, lanzettlich abgeplatteten grünen
Härchen besetzt, die sich besonders auf dem weisslichen dorsa-
len Teil reichlicher finden. Lateralwärts nimmt ihre Zahl fort-
schreitend ab. Auch der Kopf, der in den früheren Stadien stets
ganz schwarz war, hat den Wechsel der dorsalen Färbung mit-
gemacht. Sein Kolorit steht im Zusammenhange mit dem Feh-
len oder Vorhandensein der schwarzen Dorsallinie. Im ersteren
Falle ist er ganz grün, im anderen mit schwarzen Flecken von
individueller Ausdehnung versehen. Das Analsegment trägt ge-
nau über dem After einen kleinen tiefschwarzen Fleck, ein Re-
likt dei früheren Dorsalfarbe. Die Nachschieber sind an ihrem
unteren Teile leuchtend braunrot gefärbt. Darüber ist die grü-
116 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
ne Farbe weisslich aufgehellt. Die Brustfüsse sind bräunlichrot.
Die Länge beträgt 3,5 bis 4 cm. Nach dem Verschwinden der
schwarzen Farbe vollzieht sich keine tiefgreifende Veränderung
im Habitus der Raupe und so bilden die beiden letzten Stadien
im Wesentlichen eine Wiederholung des vierten Kleides.
Fünftes Stadium. Taf. T- Big: nat BE
Mit dieser Häutung, die am 29. Mai stattfand, verschwin-
den bei allen Raupen auch die letzten Reste der schwarzen
Dorsallinie. Anstelle des dorsalen Bläulichweiss, der Andeutung
der früheren tiefschwarzen Farbe, ist zum grössten Teil das
schöne Hellgrün der Seiten getreten. Die Warzen und ihre
Behaarung sind unverändert geblieben, abgesehen von ihrer noch
geringeren Grösse. Nur tragen jetzt ausser den Dorsalwarzen
des zweiten und dritten Segmentes auch die des zwölften zwei
oder drei besonders lange Haare. In den ersten Tagen nach
dem Abstreifen der alten Haut erscheinen diese vollkommen,
später nur in ihrem unteren Drittel grün. Der Lateralwulst hebt
sich schön hellgelb von dem Grün ab. Die grünen Härchen
finden sich bloss im dorsalen Teil bis zu den Subdorsalwarzen,
zwischen diesen und den Lateralwarzen stehen -nur vereinzelte
dünne weisse Härchen, wie sie dann in grüsserer Dichte auf
den unter dem Lateralwulst gelegenen Teilen auftreten. Der
Kopf ist stets ganz grün. Die genau unter den kaum noch
sichtbaren Subdorsalwarzen liegenden Stigmen sind violett mit
feiner schwarzer Umrandung. Die Länge beträgt 5,6 bis 6 cm.
Sechstes Stadium. Taf. I Fig. Ir. nat. Gr.
Diese Häutung, die am 9. Juli stattfand, bringt ausser
dem Grössenzuwachs keine Veränderungen von Belang mit sich,
höchstens dass die Behaarung etwas an Dichte zunimmt. Die
Länge der völlig erwachsenen Raupe beträgt 8 bis 9 cm.
Die Puppe. Am 19. Juli bemerkte ich die Raupe mittags
unruhig im Beutel herumwandernd. Die bekannte Verfärbung,
die wohl als Beginn der Bildung des braunen Puppenpigmentes
anzusehen ist, war bereits eingetreten, und die vorher leuch-
tend klaren Farben hatten einen schmutzigen Ton angenommen.
In einen Kasten mit etwas Holzwolle verbracht, begann die
Raupe nach einigem Umherlaufen lange unregelmässige Fäden
zu ziehen, bis sie endlich in einer Ecke zur Herstellung des
eigentlichen netzartigen Kokons schritt. Taf. I Fig. 11 zeigt
diesen in natürlicher Grösse. Er gehört zu den kunstvollsten
Puppenwohnungen, die überhaupt von Raupen verfertigt wer-
den, und selbst unter den Saturniden hat nur eine kleine Zahl
es zu so hoher Vollendung gebracht. Der Kokon hat meist
Tafel 1.
(M. Cretschmar: Zur Biologie von Caligula boisduvali Ev.)
Nr. 1. Ei, von oben, 17fach vergr.
Nr. 2. „ von der Seite; 17fach vergr.
Nr. 3. „ Pol mit Mikropylarfeld 30 fach vergr.
Nr. 4 ,„ Mikropylarfeld 115fach vergr.
Nr. 5. Raupe, erstes Stadium 6 fach vergr.
Nr. 6. = zweites „, B B
NT; T. H drittes ,„ nat. Gr.
Mr. 8. pr viertes $„, ER
Nr... 9: 3 inftes „, SER
Nr. 10. in sechstes ,, 7
Nr. 11. Kokon nat. Gr.
Nr. 12. Stück des Gespinstes 4 fach vergr.
Nr. 13. 2 Puppe, Vorderansicht, nat. Gr.
Nr. 14. d „ ” ER
Nr Bu, Rückenansicht „, ,
Ne. 16:47, Seitenansicht ,„ ,
Nr. 17. Cremaster, Dorsalansicht 6 fach vergr.
116.
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Fig.
c.
Raupe, erstes Stadium. Vergr. 6/1.
Tafel 1.
Cretschmar: Zur Biologie von Caligula boisduvali Ev.)
'a und b. Eier verschiedener Färbung.
Vergr. 17/1.
d. Raupe, drittes Stadium. Vergr. 1'/s/1.
Raupe, viertes Stadium. Vergr. 1'/,/1.
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M. Cretschmar. Zur Biol. v. Calig. (Sat. Schrk.) boisduv. Er. 117
eine spitz birnenförmige Gestalt, doch kommt es auch vor, dass
derselbe wie bei unserer Abbildung einseitig abgeplattet und
auf der anderen Seite vorgewölbt erscheint. Die Fäden an der
Spitze sind in der bekannten reusenartigen Stellung angeordnet.
Die Farbe des Gespinstes variiert bei den Stücken meiner Zucht
von weiss bis hellbräunlich, Verschiedene Kokons zeigen einen
grünlichen Ton. Doch halte ich diese Färbung nicht für die
natürliche, da ein Kokon der Staudingerschen Sammlung tief-
braun gefärbt ist (wie pavonia L.) und auch im Seitz braun
angegeben wird. Durch das liebenswürdige Entgegenkommen
der Firma Dr. ©. Staudinger und A. Bang-Haas, die mir aus
den Schätzen der Staudingerschen Sammlung netzartig herge-
stellte Kokons verwandter Arten zur Verfügung stellte, bin ich
in der Lage, diese zum Vergleich heranziehen zu können. Am
ähnlichsten ist das Gewebe von boisduvali dem von Pe-
risomena caecigena Kupido, doch sind die Maschen des letzte-
ren viel regelmässiger rundlich geformt und auch beträchtlich
enger, während sie bei boisduvali vorwiegend aus unregel-
mässigen Vielecken bestehen. Taf. I. Fig. 12 veranschaulicht
ein Stück des Netzes (Vergr. 4/1). Auch fehlt boisduvali
die grobgefertigte Aussenschicht des Doppelkokons von caeci-
gena. Die Oeffnungen ‘des kräftigen Kokons von Para-
lebeda femorata Men. übertreffen die von boisduvali be-
trächtlich an Grösse und sind wie bei caecigena fast
durchweg oval oder rund. Neoris huttoni Moore subsp. schenki
Stgr. stellt einen Kokon her, dessen Maschen sehr klein und
unregelmässig sind. In letzterer Eigenschaft stimmt er viel bes-
ser als die beiden anderen Arten mit boisduvali überein.
Am 19. Juli hatte die Raupe mit der Herstellung des Kokons
begonnen, die Verwandlung erfolgte am 24. Dieser Zeitraum
von 5 Tagen wurde von allen Raupen stets eingehalten, was
bei der Durchsichtigkeit des Gespinstes naturgemäss leicht zu
konstatieren war. Form und Grösse der Puppe gehen aus den
Abbildungen Taf. I. Fig. 13—16 hervor. Die kleinere Puppe
ist die des /, was ja auch an den mächtigen Fühlerscheiden
deutlich hervortritt. Die ganze Oberfläche ist mit kleinen Run-
- zeln bedeckt. Die Grundfarbe der Puppe ist gelblichbraun,
genau gleich der allbekannten von Pergesa elpenor L. Am Vor-
derrande der Segmente verstärkt sich die Farbe zu dunkelrot-
braun. Mesothorax und Kopf sind von heilerer Färbung. Die
letzten Abdominalsegmente werden, namentlich beim d, fort-
schreitend dunkler; das zehnte ist fast schwarz. Das Geäder
des Subimaginalstadiums ist auf den Flügelscheiden durch dun-
. „Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom En temologischen
Verein Iris an Dresden. Jahrgang 1917.
vill,
118 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
kelbraune Pigmentierung angedeutet. Ebenso sind die Fühler
kämme dunkler gefärbt. Die Warzen der Raupen finden sich
an den entsprechenden Punkten zu schwarzbraunen Querstricher
modifiziert auf den Abdoıninalsegmenten wieder. Anstelle der
beiden Dorsalwarzen ist ein kurzes Strichelchen getreten, das”
gleich weit vom Vorder- und Hinterrande des Segmentes ent
fernt ist; die Subdorsalwarzen erscheinen als ein doppelt so®
langes am Hinterrande des Segmentes, und die lateralen end
lich haben wieder die gleiche Lage wie die dorsalen. Danı
fulgen ventralwärts die schwarzen Stigmen und schliesslich, ge-
nau in der Bauchmitte, ein Längsstrichelchen, das, wie auch
die anderen Strichzeichnungen, bei allen Exemplaren verschie
den stark ausgebildet war. Diese feinen Zeichnungen sind auf
den Abbildungen leider nicht zu erkennen. Der spatelförmige
abgestutzte Cremaster (Taf. I. Fig. 17 (Vergr. 6/1) ist mit ei
ner flachen Einkerbung in seiner Mitte versehen. Die beiden
so entstehenden stumpfen Kegel sind seitlich mit einer flachen
Vertiefung ausgestattet, deren Mitte der Ausgangspunkt mehrerer
fest verbundener Chitindornen mit einwärts gekrümmter Spitze
ist, die in ihrer Vereinigung ein scharfes Häkchen bilden, vor-
trefflich zum Festhalten der Puppenhülle im Gespinst geeignet]
Der Falter. Taf. II fd, g %. Zunächst möchte ich®
der Systematik unserer Art einige Worte widmen, Bis jetz
sind drei geographische Rassen beschrieben und zwar von Evers
mann (Bull. Soc. Mosecou XIX 1846 p. 83 t. I Fig. 1.), die
Nominatform nach einem von A. Sedakow in Jrkutsk erhalte-®
nen 0’, sodann von Dr. K. Jordan in Seitz subsp. fallax aus®
dem Amurgebiet, für die das Auftreten des rötlichbraunen Tones®
gegenüber dem Weissgrau der Nominatform charakteristisch sein®
soll und endlich subsp. jon asi Butl. von Japan (Hauptinsel),
die aber hier nicht in Betracht kommt. Das cd”, welches Evers-
mann bei der Urbeschreibung vorlag und demgemäss als nomen
klatorischer Typus anzusehen ist, passt mit seinem kräftig rot
braunen Diskalfeld der Hfl und dem tiefbraunroten Thorax viel?
besser zu der im Seitz von subsp, fallax gegebenen Beschrei-T
bung, als das /, das ebendort t. 31 d. abgebildet ist. (Für
boisduvali ist laut Text fallax zu lesen). Im Jahre 1847
veröffentlichte Eversmann dann allerdings 1. c. p. 74 15
IV f. 5 die Beschreibung eines weiteren ?? von bois-
duvali, ebenfalls aus der Provinz Irkutsk, dessen®
JS keine Spur eines rötlichbraunen Anfluges zeigt und so der”
Beschreibung der Nominatform im Seitz genau entspricht. Sedz
„femina colore non multum discrepat a mare priori“ atque”
M. Cretschmar, Zur Biol. v. Calig. (Sat. Schrk.) boisduv. Er. 119
„area a fascia ad alae* posticae „basin usque est pallide griseo-
rufescens“, ein Beweis, dass das erste von boisduvali be-
schriebene S'? heute zu fallax gestellt werden müsste. Dass
aber im Amurgebiet, Wladiwostok u.s.w. hinwiederum Stücke
fliegen, die man wohl als boisduvali bezeichnen kann, be-
zeugen einmal die Abbildung des Z im Seitz, sodann die im
Senckenbergischen Museum befindlichen 2 # 1 % (russ. O.Asien,
Ussuri, Sedanka, September 1911, leg. Dr. Moltrecht), die nicht im
entferntesten als typische subsp. fallax bezeichnef werden
können. Das im Seitz wiedergegebene % erfüllt allerdings alle
Forderungen, die an subsp. fallax gestellt werden. Herrich-
Schäffer bildet in seiner „System. Bearb. d. Schmetterlinge v.
Europa“ vol. II t. 28 f. 148/150 ein ?%Y von boisduvali
ab, dessen J' zum mindesten einen Uebergang zu subsp. fallax
darstellt. Leider findet sich sonderbarerweise im Text auf
Seite 95, 96 nicht die geringste Bemerkung zu den Abbildun-
gen. Demzufolge dürften der Abtrennung der subsp. fallax
durch Jordan doch einige Zweifel entgegengebracht werden kön-
nen, von denen der bekanntlich vorbildlich gewissenhafte Au-
tor selbst nicht ganz frei gewesen zu sein scheint und deshalb
wohl der neuen Form den Namen fallax, die Trügerische,
gegeben hat.
Was nun die Stücke meiner Zucht anlangt, se wä-
ren diese bei Aufrechterhaltung der subsp. fallax allerdings
als typisch für dieselbe anzusehen. Die Elterntiere wurden im
Herbst 1914 bei Wladiwostok an Laternen gefangen.
Herr Fritz Scriba in Tübingen brachte dann die Eier
nach Deutschland. Obwohl die Nachkommen doch wahrschein-
lich ohne Blutauffrischung weitergezogen. wurden, übertreffen
sie die im Seitz und Herrich-Schäffer abgebildeten und auch
die Freilandstücke von Sedanka nicht unerheblich an Grösse.
(durchschn. Spannw : X 8 cm, $ 9 cm). Nür bei einem cd’
konnte ich eine Atrophie der Schuppen, besonders der distalen,
feststellen, die vielleicht als Degeneration aufzufassen ist. Der
erste Falter, ein %, schlüpfte am 2. September, das erste cd’
am 5. September. Alle Exemplare der Zucht gleichen im We-
sentlichen dem abgebildeten $. Der Thorax und der hintere
Teil des durch die fast schwarze bis zur Medianader parallel
dem Seitenrande und von dieser rechtwinklich zum Vorderrande
verlaufende Antemedianlinie distal abgegrenzten Basalfeldes, ist
beim 0’ rotbraun, beim $ mitunter mehr gelblichbraun. Das
von der Diskal- und Antemedianlinie begrenzte Feld ist rötlieh,
grau, am Vorderrande und besonders zwischen den drei Sub-
120 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
kostaladern mit eingestreuten schwarzen Schuppen versehen.
Die im Seitz angegebene Vereinigung der Diskal- mit der Ante-
medianlinie auf der Submedianfalte ist bei einem ® besonders
auf dem linken Flügel fast erreicht. Die Diskallinie von der
Özelle bis zum Apikalfleck ist bei den einzelnen Stücken ver-
schieden stark gezackt. Der erste relativ breite Zacken der
äusseren Diskallinie, der sich an den dunkelblauschwarzen Api-
kalfleck anschliesst, ist von violettweisser Farbe. Von derselben
Färbung ist die sehr schmale, nur am Innenwinkel stärker be-
tonte Submarginallinie, die zusammen mit der Diskallinie das
braune vom Apex zum Hinterrand gehende, hinten stark ver-
breiterte Band begrenzt, das sich nach dem Seitenrande zu in
Bogen von Ader zu Ader zieht. Die Farbe der Marginallinie
entspricht der 'Thoraxfärbung bei den einzelnen Stücken. Die
Zeichnungsanlage auf den Hfl gleicht im Allgemeinen derjeni-
gen der Vfl. Die namentlich beim 0° nur schwach betonte
Antemedianlinie schliesst sich an die Diskallinie der Vfl an.
Zwischen Augenfleck und Diskalband ist eine dem letzteren
parallele Linie eingefügt, die bei meinen Stücken dem Ozellus
zwar stark genähert ist, ihn aber in keinem Falle schneidet.
Ihre Färbung gleicht der des von der Diskallinie des Vfl etwas
oberhalb des Augenfleckes nach dem Vorderrande abgehenden
Astes. Dass diese beiden Linien einander entsprechen, ergibt
sich weiterhin unzweifelhaft bei der Betrachtung der Unterseite.
Auf dieser ist das vom Apex zum Hinterrand verlaufende, üb-
rigens hier auf beiden Seiten festonierte braune Band von viel-
geringerer Breite. Infolgedessen zieht sich die auf der Ober-
seite der Vfl nur als Nebenast des Diskalbandes erscheinende
braune Linie in leichtem Bogen vom Vorder- bis zum Hinter-
rande, dort setzt als Fortsetzung die Linie des Hfl an. Den
Mittelpunkt der Ozellen bildet eine kleine strichförmige, schup-
penlose Stelle in braunroter Grundfarbe, darauf folgt ein bräun-
lichgrauer Ring. Zwischen diesem und dem schwarzen Aussen-
ring ist nach der proximalen Seite noch ein weisser und weiterhin
ein weinroter Halbbogen eingeschoben. Die Grundfarbe der Un-
terseite gleicht der des zwischen den Subkostalästen des Vfl ge-
legenen Feldes. lm Uebrigen kann ich Eversmann nur bei-
pflichten: (Quae restant alia minuta e figuris hic adjectis me-
lius cognoscuntur quam e descriptione diligentissima.
Als verhältnismässig leicht ist die Zucht von boisduvall
zu bezeichnen. Die im Herbst bezogenen Eier beliess ich den
ganzen Winter über in einem Mullsäckchen an einem vor Regen
geschützten Platz im Freien, Obwohl die Kälte öfters über
M. Cretschmar. Zur Biol. v. Calig. (Sat. Schrk.) beisduv. Ev. 121
20 Grad C. und mehr betrug, schlüpften doch alle Eier aus-
nahmslos. Gerade in den ersten Maitagen, als die Räupchen
die Eischale verliessen, begannen die Knospen unserer meisten
Laubbäume sich zu öffnen. Da im Mem. Roman. Vol. VI, p. 326
als Hauptfutterpflanze Linde angegeben ist, reichte ich ihnen
die zarten Blättchen von Tilia grandifolia, die sie auch gleich
vom Rande her in Angriff nahmen und verhältnismässig grosse
Stücke ausschnitten. Als Zuchtbehälter nahm ich einen kleinen
Glaszylinder, dessen eines Ende mit einem Kork, das andere
mit einem aufgesteckten Gazering verschlossen war. Peinliche
Sauberkeit ist natürlich Vorbedingung zum (Gelingen der Zucht.
Nach der dritten Häutung band ich die ziemlich trägen Raupen
mit einem leichten Gazesack auf eine kleine Linde im Grarten,
an der ich sie bis zur Verpuppung weiterzog. Während dieser
Freilandzucht herrschte steis trockenes, heisses Wetter. Dieser
Umstand war für das Gedeihen der Tiere natürlich von grösstem
Vorteil. Auch die Puppen liess ich, vor Regen geschützt, stets
im Freien. Die Falter schlüpften ausnahmslos in den Nach-
mittags- bis Abendstunden.
Vielleicht geben die obigen Ausführungen dem einen oder
andern Leser Anregung, in friedlichen Zeiten, wenn unsere Be-
ziehunzen zu dem fernen Heimatlande unserer boisduvali
wieder aufgenommen werden können, einen Zuchtversuch mit
dieser schönen Saturnide zu unternehmen.
Literaturverzeichnis.
1) Eversmann. Bulletin de la Societe Imperiale des Natu-
ralistas de Moscou, 1846, vol. XIX, p. 83, 1. Lf. 1;
1847, vol. XX, p. 74, t. IV, f. 5
2) Herrieh-Schäffer. Systematische Bearbeitung derSchmet-
terlinge von Europa, vol. II, t. 28 f. 148 150.
3) Staudinger. Memoires sur les Lepidopteres p. Roma-
noff, vol. VI, p. 325.
4) Staudinger-Rebel. Catalog der Lepidopteren des palae-
arctischen Faunengebietes. 1901, p. 127.
5) Seitz. Die Grossschmetterlinge der Erde 1. Abt. 2. Bd.
pP. .2E7: t.-3l.d,
d
Agrotis collina Bdv.
und ihr Vorkommen im sächsischen Erzgebirge.
Von Sprachlehrer E. Lange, Freiberg (Sa.)
Als Heimat dieser schönen und seltenen Agrotisart werden
bei Seitz Ill, Seite 47: Mitteleuropa, die Gebirge Südfrank-
reichs und der ‘Schweiz, Schlesien, Galizien, Rumelien, Schwe;
den, ferner West-Turkestan, Tibet und Ost-Sibirien angeführt -
bei Spuler I, Seite 147: Skandinavien, Finnland, Livland,
die Gebirge Schlesiens, Galiziens und der Bukowina, Rumänien,
die südlichen Alpen (Wallis) und das östliche Asien; bei
Vorbrodt und Müller-Rutz: Die Schmetterlinge der
Schweiz, I, Seite 252, Nr. 330: das Gadmental, der Wallis,
Davos und St. Gallen; bei Culot: Noctuelles et Geometres
d’Europe, I, Seite 38: Skandinavien, Finnland, Schlesien, Gali-
zien, die Walliser- und die Digner Alpen. Herrich-Schäffer,
Nr. 542 kennt sie aus Südfrankreich und dem Wallis. Fritz.
Hoffmann: Die Schmetterlinge Steiermarks, II, Seite 342,
Nr. 296 findet sie im Mur-, Enns- und Mürztal, bei Krieglach
und besonders in Alpl in Öbersteier, aber auch an einigen
Stellen in Mittelsteier. Dr. M. Standfuss hat sie It. Stett,
ent.. Zeitung, 1884, Seite 203 im Jahre 1882 im Riesengebirge
in Schlesien bis dicht unter die Schneegruben als Raupe an
derselben Stelle wieder angetroffen, wo sie sein Vater vor 25
Jahren, also im Jahre 1857 zuerst entdeckt hatte. Endlich
findet sich in der Iris, XXV, Seite 102 noch eine kurze Notiz,
wonach sie Herm. Jäckel, Neugersdorf in Sachsen, in den Jah-
ren 1908-10 in der sächsischen Oberlausitz zuerst aufgefunden
hat. Herr Höfer in Klosterneuburg bei Wien will sogar einige
Falter vor 27 Jahren aus dem Erzgebirge erhalten haben.
Wir sehen, dass Agrotis collina immerhin eine weite
Verbreitung hat, doch scheint ihr Vorkommen auf das Gebirge
beschränkt zu sein, der Ebene fehlt sie anscheinend gänzlich.
Es ist verwunderlich, dass sie in den Alpen keine grössere
Verbreitung haben sollte. Auch im Riesengebirge scheint diese
Art nur recht lokal aufzutreten. Der verstorbene Götschmann
soll sie aber in der Nähe von Schreiberhau im Herbste in grös-
serer Anzahl als Raupe aus Himbeergestrüpp geklopft haben.
Nach Fritz Hoffinann soll die Raupe in Alpl häufig zn finden
sein. Ich glaube, dass man durch bessere Durchforschung der
008
W
B. Lange. Agrotis collina Bar. u. ihr Vorkommen i.sächs. Erzgeb 123
ns
‚Gebirgstäler, besonders in bezug auf Raupen im Herbste oder
im zeitigen Frühling noch manchen Fundort entdecken könnte.
Seit einigen Jahren durchforsche ich nun das obere Tal
der Freiberger Mulde und die vielen romantischen Seitentäler,
wo ich schon manches gute Tier gefunden habe, so auch
Agrotis collina. Ende September 1915 fielen mir beim
Klopfen mehrere Raupen mit in den Schirm, die mir zunächst
unbekannt blieben. Der Fundort befand sich in einem Buchen-
hochwalde an einer nach Süden gelegenen Berglehne in unge-
fähr 600 m Höhe, dessen Untergrund reichlich mit Himbeeren,
Hollunder (Sambucus racemosa), Waldkreuzkraut (Solidago
fuchsii) und Waldlattich bewachsen war. Die Raupen, welche
meist eine Grösse von ca. 15 mm hatten, hielten sich aus-
nahmslos in den vertrockneten und zusammengerollten Blättern
dieser Pflanzen auf und fielen beim geringsten Klopfen heraus.
Noch bis zum Eintritt des Winters, sogar bei mehreren Grad
Kälte fand ich die Raupen in diesem Versteck, und nur der
hohe Schnee setzte dem weiteren Samıneln ein Ziel. Im Herbst
1916 suchte ich sie wieder mit dem besten Erfolg an derselben
Stelle und in diesem letzten Herbste habe ich sie nicht allein
dort, sondern auch in mehreren Seitentälern zefunden. Die
Raupen scheinen lichte und sonnige Waldstellen, besonders Lich-
tungen und Schläge dem düsteren Walde vorzuziehen, wenig-
stens fand ich sie an den erstgenannten Stellen viel häufiger,
als im schattigen und dunklen Gebüsch. Im zeitigen Frühjahr
des letzten Jahres habe ich die Raupen auch mit bestem Er-
folge in der Nacht geleuchtet. Mehrfach suchte ich sie beim
Scheine der Laterne in der Zeit von abends 9 bis morgens
4 Uhr, oft dazu in einsamer (regend und den Leuten einen nicht
geringen Schrecken einflössend, sodass mich sogar einmal der
Nachtwächter mit 2 Gehilfen und seinem Hunde gegen 3 Uhr
früh stellte und lange nicht einsehen wollte, "dass ich nur
Raupen sammele: Er ıweinte, die Leute des Dorfes fänden
‚keine Nachtruhe ob des geheimnisvollen Lichtwandelns. Jetzt
sind sie aber nun das Leuchten gewöhnt, stören mich nicht
und lassen sich auch nicht stören. Das ist die Hauptsache.
Also, ich fand die Raupen Anfang Mai bereits in ansehnlicher
Grösse meist oben an den jungen Blättern von Himbeeren und
"Hollunder, ganz vereinzelt an niederen Pflanzen, wie Nesseln
‚und Waldkreuzkraut zusammen mit einer Unmenge anderer
Raupen, wie Agr. brunnea, augur, triangulum,
ditrapezium, fımbria, baja, stigmatica, pri-
mulae, prasina, occulta, Mam. advena, B. repan-
124 Deutsche Fintom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
data. Auch viele bereits erwachsene Raupen von Habr. seita
liessen sich die Holiunder- und Himbeerblätter gut schmecken.
Diese Art ist im Herbst sehr häufig an Wurmfarn zu finden,
frisst aber nach der Ueberwinterung auch allerlei andere Pflan-
zen und ist meist schon erwachsen, ehe das Farnkraut seine
Wedel entfaltet. Mir fiel auch auf, dass die collina-Raupen
schon fast erwachsen waren, obgleich die Futterpflanzen kaum
erst einige Tage Blätter getrieben hatten. Sie scheinen sehr
-bald nach dem Verschwinden des Schnees heraufzukommen und
die Knospen zu benagen. Ja, ich bemerkte sogar, dass einige
die Rinde der vorjährigen Triebe von Sambucus verzehrten.
Heller Mondschein, Regenwetter, Schneefall und ganz niedrige
Temperatur stören sie nicht im geringsten bei ihrer Mahlzeit.
Beim Absuchen der Raupen von den Blättern der Futterpflanze,
die sie meist von der Seite aus benagen, muss man jedoch recht
behutsam verfahren, da die Raupen bei der geringsten Erschüt-
terung herabfallen, sich zusammenrollen und wegen ihrer rot-
braunen oder graubraunen Farbe in dem reichlich am Boden
liegenden Buchenlaube schwer zu finden sind. Die meisten der
oben genannten Raupenarten sassen fester. Ehe ich mich ent-.
schloss, die collina-Raupen nachts zu leuchten, versuchte ich
sie am Tage aus dem Laube zu schütteln, doch gab ich dieses
Verfahren sehr bald wieder auf, da das trockene Buchenlaub
sehr leicht im Schirm zerbröckelt und dann die Raupen schwer
herauszulesen sind.
Ich habe nun sowohl die im Herbste geklopften, wie auch
die im Mai geleuchteten collina-Raupen verhältnismässig leicht
zum Falter gebracht. Auch habe ich nicht bemerkt, dass diese
Art sehr von Schlupfwespen oder Tachinen heimgesucht wird.
Im Gegensatz zu den Mamestra-, Hadena- und vielen
anderen überwinternden Raupenarten lassen sich die Agroten
fast ohne Ausnahme leicht und bequem treiben. Das versuchte
ich nun auch mit den im Herbst 1914 gefundenen und mir,
wie ich bereits sagte, noch unbekannten Raupen, die ich“ der
Zeichnung nach für eine Agrotis hielt. Ich zog sie zunächst
im Glase bei einer durchschnittlichen Zimmertemperatur von
20° C, sorgte aber dafür, dass die Temperatur in der Nacht
nicht sehr weit herunterging. Fest mit Papier, nicht mit Gaze
zugebundene Gläser sind zum Treiben geeigneter als Drahtgaze-
kästen, da die darin befindliche Luft nicht so.- sehr temperiert
als in den Gazekästen. Als Futter reichte ich bis zum Eintritt
des Winters allerlei noch im Freien aufzufindene Pflanzen,
Taraxacum, Rumex, Plantago, Lamium, Himbeere, Brombeere,
F. Lange. Asrotis collina Bdv. u. ihr Vorkommen i. sächs. Frzgeb, 195
später aber, als nichts mehr zu finden war, Weisskraut, Kohl
und besonders Endiviensalat, den ich im "Grünwarenladen bis
zum Februar erhalten konnte. Mitte Dezember waren meine
collina teils schon erwachsen und ich brachte sie in einen grösse-
ren Gazezuchtkasten mit etwas Erde und Moos. Die Raupen
gingen jedoch nicht in die Erde, sondern verpuppten sich in
wenigen Tagen im Moos. Von Ende Dezember ab schlüpften
die Falter, an denen ich nun erst erkannte, welch seltene Raupe
ich gefunden hatte. Trotz der hohen Bewertung des Tieres im
Staudingerkatalog opferte ich einige Falter zur Nachzucht. Ich
fütterte sie einige Tage mit Zuckerwasser, doch gelang mir nur
eine Kopula und die daraus resultierenden Eier waren steril.
Die dc” gingen bald zugrunde und die geopferten 6 22 legten
kein einziges Ei ab. Dagegen paarten sich die im Frühjahr 1917
gezogenen Falter nach kurzer Fütterung sehr bald, ich opferte
10 22 und erhielt etwa 2000 gut befruchtete Eier. Die Räup-
chen wuchsen aber sehr langsam heran und erwiesen sich als wenig
lebensfähig. Sie scheinen auch im Freien zunächst ganz lang-
sam zu wachsen, denn Klopfversuche Ende Juli und Anfang
August förderten noch winzige Räupchen zutage. Erst gegen
den Herbst zu scheint das Wachstum rascher zu gehen, um im
September etwa seinen Höhepunkt vor der Ueberwinterung er-
reicht zu haben und zwar vor der 3. Häutung in einer Grösse
von 1,5 cm. Eine besondere Behandlung beanspruchen die
Raupen nicht. Sie sind keineswegs empfindlich für Moder, auch
brauchen sie niemals besprengt zu werden, doch sind sie sehr
lebhaft und flüchtig und entweichen bei ungenügendem Ver-
schluss bestimmt. Auch die Falter sind ziemlich flüchtig, bei
der geringsten Berührung laufen und fliegen sie rasch davon.
So ähnlich wie ich die collina-Raupen gefunden habe,
hat sie auch Fritz Hoffmann in Krieglach, Steiermark, gesam-
melt, allerdings erst in Höhen von 1000 m ab. Er fand sie
nachts an Himbeeren, Heidelbeeren und besonders an Ebereschen-
schösslingen, deren grosse Knospen sie benagten. Mit einer
Treibzucht hat er aber anscheinend kein Glück gehabt, denn er
schreibt, dass sich von 100 Raupen nur eine rasch entwickelt
und den Falter noch in dem betreffenden Jahre ergeben habe,
die anderen Raupen hätten sich zur Ueberwinterung festgesetzt.
Dr. M. Standfuss hat die im Herbste des Jahres 1882 dicht bei
den Schneegruben im Riesengebirge gefundenen Raupen mit
Plantago lanceolata und Rumex hydrolapatum erfolgreich getrie-
ben, doch sind sie dann, als er feingeschnittene Erdrüben als
Futter reichen musste, zum grössten Teile zugrunde gegangen
126 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
sodass er nur eine geringe Anzahl Falter, meist Sg’ gezogen hat.
Collina ist eine der ersten Agroten, die als Imago im
Frühjahr erscheint. Als Flugzeit kann man bereits Ende Mai
annehmen, kaum aber wohl erst den Juli, wie mehrere Autoren
schreiben.
In Bezug auf die Färbung der Raupe sind die Angaben bei
Spuler: schwarzgrau bis kirschrot mit gelblichen Keilzeichnungen,
ganz zutreffend, desgleichen die bei Seitz: purpurgrau; eine
lichte, schwarzgesäumte Rückenlinie und eine Reihe subdorsaler,
schwarzer Punkte; Seitenlinie gelblich mit ciner Reihe schwar-
zer Zahuflecke darüber; Luftlöcher weiss mit schwarzen Ringen;
auf dem il. Segment ein gelber Querstrich; ferner die bei
Standfuss in der Stett. ent. Zeitung, 1834, Seite 203: schwarz-
grau, graubraun bis beinahe kirschrot, mit gelbweissen Keil-
zeichnungen. Auch Blaschke beschreibt sie in seinem Raupen-
kalender als rot- bis dunkelbraun mit gelben Keilflecken. Ich
könnte höchstens noch hinzufügen, dass der Kopf hellbraun ist
und 2 dunkle Querstreifen sowie vereinzelte Haare aufweist, dass
ferner die sonst meist verschwundene weisse Mittellinie am Kopfe
wieder sehr deutlich hervortritt.
Nun noch eine Beschreibung der Falter. Meine grosse Serie
gezogener Falter ist im Kolorit sehr verschieden. Fast 30, wie
die Raupen abändern, befinden sich unter meinen Stücken rot-
braune, graubraune, weissgraue und gelbliche Exemplare. Die
Originalbeschreibung bei Herrich-Schäffer, 562, lautet:
Purpurascenti-fusca, strigis ambabus et linea undulata denticu-
latis, punctis albis pone strigam posteriorem et in limbo. —
Lässt sich am besten mit Brunnea vergleichen. Kleiner, wenig
grösser als Bella (== rubi), zwischen beiden hinsichtlich der
Farbe die Mitte haltend. Wellenlinie und beide Querlinien noch
schärfer zackig als bei Festiva (= primulae). Die Pyramide
und die Einfassung der Zapfenmakel tiefschwarz, die Ringmakel
schräg stehend, gegen den Innenrand scharf begrenzt, gegen den
Vorderrand offen. Aus der Mitte der Wurzel ein schwarzer
Längsstrich. Die lichten Punkte hinter der hinteren Querlinie
sind der Wellenlinie sehr genähert.
Seitz.(l. c.) kennzeichnet collina foigendermassen: Vfl
graurot; die Linien schwarz; ein kurzer, schwarzer Strich von
der Wurzel aus; Zelle dunkler, oft schwarz; Ringmakel blass,
dabei oft deutlich, Nierenmakel blass gesäuut, Adern, besonders
gegen den Aussenrand zu, grau; Hfl braungrau.
Die Abbildung bei Seitz, III, Tafel 12b, entspricht leider
ganz und gar nicht dieser Beschreibung. Von allen mir zur
| F, Lange. Asgrotis collina Bdv. u. ihr Vorkommen i. sächs. Erzgeb. 127
Verfügung stehenden Abbildungen ist diese am schlechtesten
geraten.
Die genaueste und ausführlichste Beschreibung von Agr
sollina finden wir in der Stett. ent. Zeitung, (l. c.) von Dr.
M. Standfuss. Er sagt: „Die gezogenen Exemplare sind un-
tereinander in Färbung und Zeichnung und teilweise auch in
rösse auffallend verschieden. Die normale braunrote Grund-
arbe, bei einem Stück so. tief wie bei der französischen Form
ion Agrotis molothlina, ändert selten in fast ganz reines
"Grau ab, anderseits zeigen wenige Exemplare das schöne Rot-
"braun der schottischen Agrotis var. alpina und könnten
mit bestem Recht als eigene Aberration benannt werden. Eben-
so variiert die Zeichnung: bald ist die Ring- und Nierenmakel
“mit der Grundfarbe der Flügel ausgefüllt und dann wenig sich t-
dar, bald durch lichtere Färbung markiert; bei einem Exemplar
ist die Ringmakel durch reines Weiss sogay stark hervorstechend.
"Häufig ist zwischen Nieren- und Ringmakel tiefschwarze Färbung,
seltener nur geringe Schattierung, oder es fehlt auch letztere
und die Grundfarbe (les Flügels tritt unverändert ein. Auch die
Zacxenlinien an der Grenze des ersten und zweiten Drittels sind
teils recht stark hervortretend, oder nur wenig markiert. Zeigt
das Tier ein auffallend buntes Ansehen, so beruht dies meist
darauf, dass der Teil zwischen den beiden Zackenlinien wesent-
ich heller wird als die nach Aussenrand und Basis gelegenen
Teile des Vfl. Selbst die Hfl nehmen an den Abänderungen
teil und sind entweder heller mit stärker markierter Binde oder
dunkler, in welchem Falle die Binde oberseits bisweilen kaum
ichtbar, unterseits indessen stets kenntlich bleibt. Die Grösse
schwankt zwischen 29 und 30 mm Spannweite.“
Wie ich bereits andeutete, sind auch meine collina in
er Färbung sehr verschieden, die meisten Exemplare sind rot-
braun gefärbt. Der Raum zwischen Ring- und Nierenmakel ist
selten ganz schwarz ausgefüllt, konstanter ist aber der schwarze
dreieckige Fleck zwischen Ringmakel und innerer Querlinie.
Meist sind beide Makeln dunkel ausgefüllt und hellbraun um-
Bäumt, doch besitze ich auch mehrere Exemplare, wo die Ring-
makel ganz aufgehellt ist. Die Zapfenmakel ist oft sehr schwach
angedeutet, ja, nicht selten tritt sie gar nicht hervor. Hinter
der äusseren Querlinie treten bei allen meinen Faltern die Adern
deutlich hervor in Form von abwechselnd schwarzen und weiss-
lichen kurzen Strichen oder Punkten. Diese Punkte erwähnt
kein einziger Autor. In den Abbildungen sind sie nur bei
Spuler, Tafel 32, Fig. 24 vorhanden, leider aber ist die Figur
138 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917,
recht verschwommen. Auch in den besten Abbildungen, bei
Culot, I, Tafel 6, Fig. 4 und 5 fehlen sie gänzlich, sodass mit
Sicherheit anzunehmen ist, dass die betreffenden Falter, die aus
dem Riesengebirge stammten, diese auffallende Zeichnung nieht
besassen. Der charakteristische schwarze Längsstrich, der in der
Mitte der Basis der Vfl entspringt, reicht bei einigen meiner
Falter bis zur Zapfenmakel und verbindet sich zuweilen mit
dieser. Gewöhnlich ist das Mittelfeld zwischen der inneren und
der äusseren Querlinie etwas aufgehellt. Der Raum zwischen
der äusseren Querlinie und dem Saume ist immer etwas dunk-
ler. Ein Mittelschatten ist selten zu sehen. Die Hfl sind bei
beiden Geschlechtern rötlichgrau, beim nicht viel dunkler als
beim JS. Mittelmond und dunkle Bogenlinie treten wenig her-
vor, In der Mitte der letzteren stehen öfter einige schwärzliche
Punkte. Haarschopf am Leibe des & fuchsrot. Die männlichen
Fühler sind von der Mitte an sägezähnig und fein bewimpert
Ich zog auch 2 sehr auffallende Aberrationen: 1 0’ mit
viel Schwarz auf den Vfl; der Raum zwischen der äusseren
Querlinie und der Wellenlinie ist durch die ganze Flügelbreit e
schwarz gefärbt, auch tritt ein schwarzer Mittelschatten auf;
Ringmakel ganz hellbraun und schwarz umrandet, Nierenmakel
schwärzlich, rotbraun umrandet; der basale Längsstrich ist mit
der Zapfenmakel verbunden; am äusseren Ende der Adern stehen
hellbraune Punkte; die Fransen sind dunkelbraun. Ein anderes
ist einfarbig rotbraun, Ring- und Nierenmakel sind kaum angedeu-
tet, Zapfenmakel fehlt, die Wellenlinie tritt jedoch deutlich her-
vor. Dann besitze ich noch 1 lederfarbenes 2 mit sehr deut-
licher Zeichnung. Hoffmann sagt, dass das $ stets kleiner, viel
einfarbiger und nicht so kontrastreich gezeichnet sei als das co”.
Das trifft bei meinen Faltern durchaus nicht zu. Sowohl in der
Färbung, als auch in der Grösse sind bei mir 9’ und 2 durch-
aus gleich, die grössten ? und 2 messen 36 mm, die klein-
sten 32 mm. Hoffmann besitzt ein JS, bei welchem der Saum
der Hfl zwischen dem äusseren Querstreifen bis einschliesslich
der Fransen schwarzbraun ist, die Wellenlinie ist darin fast
geschwunden. Er benennt diese Aberration nigromarginata.
Die var. kenteana aus Ost-Sibirien liegt mir leider nicht
vor. Sie soll brauner und verloschener sein.
Agrotis collina kann verwechselt werden mit Agr.
agathina var. rosea, doch ist bei dieser Art die Ring-
makel kleiner und deutlicher, der Vorderrand des Flügels ist
sehr hell, besonders an der Basis; auch hat agathina immer
Ernst Möbius. Agrotis lorezi Stgr. in Deutschland. 129
einige schwarze Keilflecke zwischen der äusseren Querlinie und
der Wellenlinie. Auch mit Agr. primulae ist eme Ver-
wechslung möglich,deren Linien, Flecken und Färbung sehr ähn-
lich sind, doch fehlt primulae immer der charakteristische
basale Längsstrich der collina.
Freiberg, 6. November 1917.
Agrotis lorezi Stgr. in Deutschland.
Von Ernst Möbius nn Dresden.
Die von Staudinger in der Societas entomologica (VI. J.
Nr. 18) im Jahre 1891 beschriebene, vom Apotheker Lorez in
Zürich im Monat Juli in Graubünden aufgefundene Eule wurde
von Staudinger nur bedingungsweise unter Hiptelia Gn. neben
ochreago eingereiht, da sie allerdings gewisse Merkmale mit
ihr, bes. die zwar unerhebliche, aber immerhin auflallende hell-
lederbraune Färbung gemeinsam hat, anderseits aber, wie von
Staudinger b:reits hervorgehoben, wesentlich von ihr abweicht
und zwar durch ihre bedeutendere Gıösse, breitere Flügel mit
abgerundetem Apex und stark konvexen Aussenrand, anders ge-
bildete Fühler, dunkleren Thorax und besonders die schwärzliche
Hfloberseite. Das 2 ist wohl überhaupt noch nicht gefunden
worden. Eine Ergänzung der Beschreibung findet sich durch
Gabriel Höfer in der Societas entomologica IX. Bd. Nr. 23, wo
besonders die verschiedene Fühlerbildung zwischen lorezi und
ochreago hervorgehoben wird. Hampson wies der lorezi die
richtige Stellung unter Agrotis an (Cat. Brit. Mus. Vol. IV
p. 492, Pl. 73 t. 12 Enpisilia lorezi). Alle in genannten Ab-
handlungen angeführten Kennzeichen fand ich bestätigt bei einem
d', welches am Morgen des 26. Juli 1917 auf dem Nebelhorn
im Allgäu unweit des Unterkunftshauses auf einer Blüte erstarrt
sitzend von meiner Frau gefunden wurde. Gross wurden meine
Augen, als ich hinzugerufen wurde und der Zufall eine mir
fremde Art in meine Hände spielte. Lange musste ich sinnen,
bis ich zur Ansicht kam, es könnte die mir im Aussehen noch
unbekannte lorezi sein. Nach meiner Rückkehr habe ich
mich durch die Literatur, trotz des schlechten Bildes im Spuler,
sehr schnell überzeugt, dass es tatsächlich Agr. lorezi ist.
Ausserdem wurde mir noch in liebenswürdiger Weise gestattet
mein J mit den beiden / Typen in der Staudinger-Sammlung
«. vergleichen zu können und konnte ich keinerlei Unterschied fest-
130 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris Dresden 1917.
stellen, nur ist bei meinem Stück die äussere Zackenlinie schw:
ausgebildet, wie dies schon Staudinger hervorhebt, dass sie zwei
weilen etwas rudimentär sei. Dieser Fund einer für mich neuen
Eule, noch dazu meines Wissens das erste Stück, das in Deutsch-
land gefunden wurde, förderte die Stimmung bei der sonst m
geren Ausbeute auf dem Nebelhorn wesentlich. Ausser M
Graubünden wurde Agr. lorezi nur noch auf dem Moserbod:
in Tirol durch Robert Wihan in einigen Stücken Anfang J
an Licht erbeutet und ist der Fund in einer anschauliche
Schilderung in der Entomologischen Rundschau (29. J. S. 50)
6. III. 1912) des Näheren ausgeführt. T
Robert Seiler +.
Wenige Monate sind vergangen, seitdem die Iris in Dresden
eines ihrer ältesten Mitglieder, Heinrich Calberla, durch den
Tod verlor, und schon wieder müssen wir das am 22. Juli e®_
folgte Hinscheiden eines unserer tätigsten Mitglieder, und zw
unseres lieben Seiler, betrauern, der seit 33 Jahren unsere
Verein angehörte und in letzter Zeit das Amt eines 2. Vorsitzel
den im Vorstande versah. Mit Recht beklagen wir ın ihm de
Verlust unseres besten Kenners paläarktischer Grossschmette
linge, bei dem wir jüngeren und viele andere von nah und fe
sich immer wieder Rat erholten in allen Fragen der praktische
Schmetterlingskunde. Seine umfangreiche, mustergültige Samı
lung und seine vieljährigen Erfahrungen stellte er in bekannt
liebenswürdiger Weise allen Wissensdurstigen gern zur Verfü
gung, so dass sein Tod ungeteilte, aufrichtige Teilnahme fand
und zu seinem Begräbnis viele Entomologen ihm die letzte ’E
erwiesen. |
Robert Seiler war am 1. Weihnachtsfeiertag 1847 als Sol
des Lokomotivführers Christian Seiler in Nickritz bei Lommatzsc
geboren. Seine Schulausbildung erhielt er in Dresden. I
Jahre 1862 trat er als Kaufmannslehrling in eine Manufaktu
warenhandlung in Dresden ein und nahm nach seiner Lel
zeit eine Stellung im gleichen Fach in Eilenberg an. Hi
verlebte er frohe Jugendjahre und sprach im Familienkreise vi
und oft von den dortigen Erinnerungen als von seinen schö
sten Zeiten. 1868 genügte er seiner Militärdienstpflicht &
Einjährig-Freiwilliger bei der 6. Kompagnie des Leibgrenadie
regiments Nr. 100 in Dresden. Schon bald nachher musste
wieder des Königs Rock anziehen, als der Krieg 1870/71 au
Robert Seiler 7. 131
brach, aus welchem er als Unteroffizier geschmückt mit der
St. Heinrichsmedaille zurückkehrte Im !. Kriegsjahr des jetzi-
gen Weltkrieges, als die Deutschen wieder in Frankreich ein-
rückten, verfolgte er mit grossem Interesse seine damaligen
Aufzeichnungen, waren’ es doch vielfach dieselben Orte, die er
damals als Quartiermacher kennen lernte, und hat von seinen
Erlebnissen an den Irisabenden und in Freundeskreisen oft er-
zählt. Bereits im Jahre 1869 war es ihm gelungen, eine An-
stellung bei der Weltdrogenfirma Gehe u. Comp. in Dresden
zu erhalten. Seine ersten Arbeiten bestanden im Ausschneiden
von Fakturen, was dem unruhigen, jungen Mann nicht recht
behagen wollte. Er hielt aber durch, und durch seinen Fleiss
erwarb er sich bald das Vertrauen seines Chefs, des Herrn Gebe.
Er wurde nach der Fabrik versetzt und mit der Verwaltung des
grossen Warenlagers beauftragt und arbeitete sich nach und nach
zum Faktor des gesamten Fabrikbetriebes ein. 1872 verheira-
tete er sich mit Erna Eckelmann aus Altsattel bei Lommatzsch
und war in glücklicher Ehe mit ihr verbunden bis fast an sein
Lebensende, denn nur 5 Wochen vor seinem Tode war ihm
das schwere Leid beschieden, seine treue Lebensgefährtin durch
den Tod zu verlieren, was seine durch die schwere Kriegszeit
erschütterte Gesundheit nachteilig beeinflusste. Bis auf ein
rheumatisches Knieleiden, das ihm in den letzten Jahren das
Gehen verübelte, war er immer gesund. Ein Magenleiden je-
doch, das sich zu Jahresbeginn fast plötzlich bemerkbar machte,
zwang ihn zu einer schweren Operation, die zwar gut verlief,
und von der er sich schnell erholte; es stellte sich aber bald
ein Rückschlag ein, das Leiden schritt weiter und am 22. Juli
ereilte ihn ein schneller Tod im bald vollbrachten 70. Lebens-
jahre.
Seiler war von mittlerer, untersetzter Figur und von kräf-
tigem Körperbau; als jahrelanges Mitglied der Dresdener Tur-
nerschaft erwarb er sich manchen Preis. Seine Jugendfrische,
sein blondes Haar behielt er bis zum Lebensende, dass alle
Menschen ihn viel jünger schätzten. Seine offenen, blauen Au-
gen zeugten von seinem treuen, ehrlichen Öharakter, hervor-
stechend war aber sein Sinn für heiteren, geselligen Verkehr
und seine stete, grosse Liebenswürdigkeit und Gefälligkeit gegen
alle Menschen und ganz besonders seine ‚entomologischen Freun-
de. Man konnte zu ihm kommen, wenn man wollte, immer
bekundete er offenbare Freude über den Besuch und konnte
nicht genug tun, dem Besucher den Aufenthalt in seinem gast-
lichen Heim angenehm zu machen, Kam aber ein entomolo-
132 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
gischer Freund, so gab es vielfach überhaupt kein Ende, ein
Kasten nach dem andern wurde besichtigt, eine Frage jagte die
andere, viele Erinnerungen wurden aufgefrischt, neue Pläne ge-
schmiedet, die Wangen wurden rot dabei — ja, das waren
köstliche Stunden, mein lieber toter. Freund! —
Seine Sammlung paläarktischer Grossschmetterlinge ist er-
freulicher Weise in Dresden geblieben, das Königliche Zoologi-
sche Museum hat sie erworben, was auch der Wunsch des Ver-
storbenen war. Sie enthält 42622 Falter in rund 4600 be-
nannten Formen in 8 Schränken untergebracht. Es ist wohl
eine der schönsten und sorgfältigsten Sammlungen Deutschlands,
jeder Falter gewissenhaft bezettelt, besonders reich sind gewisse
Gattungen in variabelsten Reihen vertreten, so Agrotis, Xanthia
Orrhodia, Orthosia, sowie die Acidalien und Eupithecien. In
den letzten Jahren seit seiner im Jahre 1909 erfolgten Pensio-
nierung war er hauptsächlich mit der Neuordnung und Durch-
arbeitung der Sammlung beschäftigt; leider ist dies nur mit
den Tagfaitern und Eulen geschehen und noch 3 Wochen vor
seinem Tode besprach er mit mir die Fortsetzung, als ein un-
erbittliches Schicksal ihn seinen geliebten Faltern entriss. Wel-
che unendliche Liebe zur Natur und ganz besonders zu deren
beschwingten Kindern ihn erfasst hatte, kann nur der recht ver-
stehen, den diese Liebe auch. erfasst hat. Jede Minute freie
Zeit seit Jahrzehnten verwandte, er zur Vergrösserung seiner
Sammlung. mit grösster Energie, manchmal fast rücksichtslos
erscheinend, verfolgte er das Ziel und brachte es mit wenig
Mitteln zu einem Erfolge wie selten. Unausgesetzt durchforschte er
die nähere und weitere, vielseitige Umgebung Dresdens, und da
ihm am Tage wenig Zeit verblieb, vielfach nachts zum Köder-
fang, meistens nach seinem geliebten Coswig auf die Heide fah-
rend. Aber auch grössere Reisen, besonders in die Alpen, un-
ternahm er in früheren Jahren, so nach dem Harz, Regens-
burg, Hochschwab, Südtirol, Zermatt, Digne, Cogne, an die
Riviera u 8. w., von denen er immer mit reicher Beute heim-
kehrte. Seine Haupterfolge verzeichnete er aber durch seine
Zuchten schwieriger Arten, deren Behandlung er meisterhaft
verstand ; wie staunte man da, wenn man als Neuling zu ihm
kam. Von weit und breit bekam er kostbares Zuchtmaterial
zugeschickt und wie oft erzielte er Erfolge, womit sich andere
Jahre lang vergeblich abgemüht hatten; seine Sorgfalt, Ordnung
und sein feines Gefühl für die oft minutiösen Erfordernisse,
nicht zuletzt seine botanischen Kenntnisse bildeten die Grund-
lage dazu. Er war wohl mit allen Dresdener Entomologen in
IRIS, DRESDEN, BD. XXX1.
Robert Seiler +. 133
- Freundschaft verbunden sowie in Fachkreisen wohlbekannt; be-
freundet war er u. a. mit Püngeler, Stertz, A. v. Caradja,
Klos, Wagner-Wien, Zeidler und vielen anderen; ich kenne
überhaupt wenige Namen, mit denen er nicht wenigstens brief-
lich im Verkehr stand. Pfarrer Fuchs benannte nach ihm die
| ganz schwarze Varietät von Aporophila nigra Hw, welche Form
_ ausschliesslich auf der Coswiger Heide fliegt, als var. seileri
(Stett. Ent. Zeit. 1901, S. 123) und A. v. Caradja den Hybri-
den Spilosoma luctuosa HG. cd’ x sordida Hb. 2 als hybr.
seileri (Iris XI, S. 393). Literarisch ist Seiler bis auf
einige kleine Aufsätze leider nicht tätig gewesen und
seine Erfahrungen sind grösstenteils mit ihm zu Grabe gegan-
- gen. Jedoch führte er sorgfältig Tagebuch über seine Zuchter-
© gebnisse und füllen diese Aufzeichnungen 4 Bücher, welche vom
Sohne dem Schreiber dieses als liebes Andenken übergeben
worden sind und treu bewahrt und erweitert werden sollen.
Es war nicht seine Art von seiner Tätigkeit viel Aufhebens
zu machen, seine Bescheidenheit verbot ihm dies, doch hat er
in engeren Kreisen, an den Irisversammlungen unter Vorzeigen
_ seiner reichen Falterreihen oft sehr anregende Vorträge gehalten.
Aber nicht allein der Entomologie, sondern auch der Mu-
sik war er treu ergeben, er war viele Jahre eifriges Mitglied
des bekannten Sängervereins „Liedertafel“ und war in frühe-
ren Jahren mit seinem guten Tenor als Sänger eine gesuchte
Persönlichkeit und wirkte öfters als Solosänger in Konzerten
und Kirchenaufführungen mit. Auch fehlte seine Laute und
seine heiteren Weisen niemals bei den Stiftungsfesten der Iris.
— Nun bist Du stumm, Deine Laute vereinsamt und kein
Falter kann Dich mehr erfreuen. Die Erinnerung an ihn,
als einen wahren und lieben Menschen wird alle, die ihn nä-
her kannten, durch ihr Leben begleiten.
Ernst Möbius.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
ersia Iris zu Dresden. Jahrgang 1917.
IX
134 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Bücherbesprechungen.
Im Laufe dieses Sommers gingen der Bücherei der Iris wieder
2 Schriften aus der Feder Dr, Arnold Schultzes zu. Die Verdienste,
die der Verfasser sich um die Erforschung der afrikan. Lepidopteren
erworben, sind so hinreichend gewürdigt worden, dass es sich erübrigt,
nochmals darauf hinzuweisen.
1.) Die erste, ein Abdruck aus dem Archiv für Naturgeschichte,
Herausgeb. Embrik Strand, behandelt eine neue gesellig lebende Gabel-
schwanzart des trop. Westafrikas, Cerura argentina nova spec., die Schultze
bei Molundu im Urwaldgebiete Südostkameruns, am Doryalis Strauch
Fam. der Flacourtiaceen) entdeckte. Einer kurzen Beschreibung der
Abe ihrer Lebensweise, der zur Veranschaulichung eine Momentphoto-
graphie, sowie eine nach einem Aquarell des Verfassers hervorragend
gelungene Farbentafel, die auch das imago darstellt, beigegeben, folgt
eine eingehende Besprechung des ausgebildeten Falters. Eine Textfigur
gibt uns über das Geäder des argentina Q genaueren Aufschluss. Be-
schreib. erfolete nach 14 JS, 8 22. Leider sind wir über die ersten
Stände dieser wie verwandter Formen, Cer. swierstrae, noch im Unkla-
ren, da Schultze die Raupe in erwachsenem Stadium antraf.
2.) Die zweite Sehrift ist eine grössere, noch nicht abgeschlossene
Arbeit, die die lepidopterol. Ergebnisse der zweiten deutschen Zentral-
Afrika-Expedition unter Führung Adolf Friedrichs, Herzog zu Mecklen-
burg, behandelt, der der Verfasser in den Jahren 1910/11 sich angeschlos-
sen hatte. Wissenschaftlich erforscht wurden die grosse zentralafrikanische
Hylaea und die nördlich und südlich angrenzenden Steppen. Der erste
allgemeine Teil gibt uns wichtige Aufschlüsse über die Abgrenzung die-
ser so verschiedenen Charakter zeisenden Faunen, unter Nennung einer
Reihe wichtiger Arten. a
Die ausgezeichnete Kenntnis auch der unscheinbarsten Arten kommt
dem Forscher hierbei zugute und erklärt es, dass die lepidopterolog. Aus-
beute der Expedition die stattliche Zahl von 8000 Stück betrug, in die
sich das Hamburger zoolog. Museum, sowie das der Senckenbergischen
Gesellsch. zu Frankfurt a./M. teilen durften. Viele neue Formen sind
von Schultze bereits beschrieben worden, die in die systemat. Aufzählung
der erbeuteten und beobachteten Arten eingereiht wurden. Wo es mög-
lich war, wurde die Biologie und Zoogeographie berücksichtigt und jeder
Art Literaturvermerke beigefügt. Auch sind Hinweise auf entspr. Seiten
und Tafeln des bekannten Aurivillius’schen Werkes „Rhopalocera aethi-
opica“, sowie die „Seitz’schen Grossschmetter!inge der Erde“ gegeben
und überall genaue Fundorte mitgeteilt. 30 Arten Papilio, eine stattli-
che Reihe Pieridae, Danaiden und Satyriden wurden besprochen und un-
ter den Nymphaliden ein breiter Raum den Charaxes gewährt, dieser
ausserordentlich interessanten und von Sammlern allgemein bevorzugten
Gruppe. Ueber besondere Raritäten wie Charaxes eudoxus Drury, nobi-
lis Druce und hachianus .Ward, sind interessante Mitteilungen gege-
ben. Die Schrift, der eine schwarze und 2 farbige, meisterlich ausge-
führte Tafeln beigegeben sind, schliesst vorläufig mit Apaturopsis
cleocharis.
Da Schultze zu den besten Kennern aetkiop; Heteroceren zählt
und namentlich Saturniden, oftmals unter den grössten Schwierigkeiten
in seinem Zelte während der Reise züchtete, dürfen wir der Fortsetzung
seines interessanten Werkes mit Spannung entgegensehen.
C. Rueger.
Zugänge zur Bücherei seit Juli 1917. 135
Zugänge zur Bücherei seit 1. Juli 1917.
1. Eingänge durch Geschenke:
1% Goltz v. d.; Die Erebien der Oberstdorfer Täler (Mitteil. Münchner en-
tom. Gesellsch. 7. J. 1916). Geschenk des Vertassers.
| Hoffmann u. Klos, Die Schmetterlinge Steiermarks, Teil IV. (Mitteil.
Naturwissensch. Vereins Steiermark 1916). Geschenk
des Verfassers.
Courvoisier, Ueber Nebenformen, Rassen und Zwischenformen bei Lycae-
nıden. (Verh. naturforsch. Gesellsch. Basel, Bd.
XXVIIL). Geschenk des Verfassers.
. Gillmer M., Mimas tiliae Linne nach der Natural History of the Bri-
tish Lepidoptera von J. W. Tutt, 1905. Geschenk
des Hofrates Dr. Heller.
Br Bolle J., Die Bedingungen für das Gedeihen der Seidenzucht (Flugschr.
d. Deutsch. Gesellsch. f. angew. Entomol. Nr. 4, Ber-
lin 1916). Geschenk des Hofrates Dr. Heller.
(Heller K. M., Scaphidiidae von den Philippinen (Wiener Entom. Zeitsch.
XXXVL1 J. 1917) Geschenk des Verfassers,
Ueber Nieidius-Arten von Formosa u. d. Philippinen. (En-
tomol. Mitteil. VI, 1917) Geschenk des Verfassers.
2. Eingänge durch Kauf bez. Tausch:
Reiter E,E 82. Tenebrionidae 13. Teil Asidini (LV. Bi. Verh. naturforsch
Vereins Brünn).
Wiskott, M., Die Lepidopterenzwitter meiner Sammlung m. 4 Tafeln,
(Festschr. Vereins f. schles. Insektenkunde, Bres-
lau 1897.)
Graeser J., Beiträge zur Kenntnis der Lepidopterenfauna des Amur-
j landes L—IV. Teil. (Berliner Entomol. Zeitschr,
1888— 1890)
Culot, Noctuelles et Geometres d’ Europe, Livr. 41—45,
3. Zeitschriften (1. Januar bis 15. November 1917)
Tijdschrift voor Entomologie 59. Deel 1916.
Insektenbörse 34. J. Nr. 1—23.
Societas entomologica XXXII. J., Nr. 1—12.
Entomol. Zeitschr. Frankfurt a.M. XXX. J., Nr. 21---27. XXXL J., Nr. 1—15.
Aus der Heimat 29. J. V. u. VI. Heft, 30, J. L.—IV. Heft.
Intern. entom. Zeitschr. Guben 10. J. Nr. 21—26, 2 I. 126,
Mitteil. Münchner Entomol. Gesellsch. 7. J. Nr. 6-12, 8. J. Nr. 1—4.
” ”
Kosmos 1917, Heft: 1—11, Besser, Natur- und her in Deutsch-
Ostafrika ; Floericke, Plagegeister; Hasterlik, Von Speise u. Tran.
Wiener Entomol. Zeitung Ka IND X Heft, XXXVLJ.L—V.Heft.
ME. Entomol. Rundschau 34. J. Nr. 1-11.
Zeitsch. f. wissenschaftl. Insektenbiologie XII. Bd. 11. u. 12, Heft,
XIII. Bd.. 1.—8. Heft. |
Kranchers Jahrbuch 1917.
Zeitschrift d. Oesterreich. Entomologen- Vereins 1. J. Nr. 7—8, 2. J. Nr. 1—8,
Coleopterol. Rundschau V. J. Heft 11 u. 12, VI. J. Heft 1—9.
Mitteil. d. Entomologia Zürich: Heft 2 u. 3.
Entomol, Mitteil. Berlin-Dahlem Bd. VI, Nr, 1—9,
Ps
136 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
Verhandl. k, e ie bot. Gesellsch. Wien 66. Bd., 6—10 Heft, 67. Bd.
1.—4. eit. r
Jahrbuch d. Nassauischen Vereins f. Naturkunde J. 69.
Entomologisk Tidskrift 1916, Heft 1—4.
XVII. Jahresbericht d. Wiener Entomolog. Vereins 1916.
Stettiner entomol. Zeitung 77. J.' Heft Il.
Entomologische Berichte Nr. 91—%.
Vereinsnachrichten.
Die Vorstandsämter lagen im abgelaufenen Vereinsjahre in
den Händen nachstehender Herren :
Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. phil. K. M. Heller,
Stellvertreter: Rentner R. Seiler,
Rechnungsführer: Kaufmann G. Kretzschmar,
‚Bücherwart: Amtstierarzt E. Möbius,
Schriftführer: Bausekretär A. Winckler,
Stellvertreter: Rechtsanwalt Dr. jur. G. Heusinger,
Schriftleiter: Dr. med. H. Walther,
Stellvertreter: Amtstierarzt E. Möbius.
Der aus dem Felde heimgekehrte Herr Dr. Walther über-
nahm Ende März die Erledigung der Schriftleitungsgeschäfte
selbst wieder, nachdem diese in den beiden vorhergehenden
Jahren dankenswerter Weise durch den 1. Vorsitzenden, Herrn
Hofrat Heller, in Stellvertretung erledigt worden waren. Als
äusseres Dankeszeichen für die Belassung in dem ihm lieb ge-
wordenen Amte während längerer Abwesenheit übergab Herr
Dr. Walther der Vereinskasse den Betrag von 500 Mark in
deutscher Kriegsanleihe mit der Bestimmung, diesen gelegentlich
zur Ausstattung der Vereinsschrift mit Tafeln zu verwenden.*)
Zahlreich sind wiederum die Zuwendungen, welche der Vereins-
bücherei schenkungsweise, hauptsächlich durch die Herren Auto-
ren, zugingen. Sie finden sich unter „Zugängen zur Bücherei“
auf den Seiten 65 68 und 135 —136 dieses Bandes namentlich
aufgeführt. Allen den freundlichen Gebern sei an dieser Stelle
nochmals herzlicher Dank ausgesprochen. Als Mitglieder wurden
folgende Herren neu aufgenommen: M. Cretschmar in Frankfurt
a. M., H. Fieber in Klodnitz O.S., R. Hiller in Rosswein, H.
Glaser, z. Zt. im Felde, Khoss von Sternegg, .z. Zt. im Felde,
*) Herr Cretschmar in Frankfurt a. M. trug zu den Herstellungs-
kosten für die Tafeln zu seiner Arbeit: „Caligula boisduvali Ev. einen
namhaften Teil bei.
Vereinsnachricht ei. i 5 7
Dr. J. Krüger in Dresden, G. Reinert in Marggrabowa und P.
Weyer in Altona. Durch den Tod wurden dem Verein recht
herbe Verluste zugefügt. Am 22. Januar starb unser Ehrenmit-
glied, Herr Prof. Dr. Standfuss in Zürich, ihm folgte am 22.
Juli der stellvertretende Vorsitzende Herr Robert Seiler in Bla-
sewitz-Dresden. Beide Verblichene waren begeisterte Jünger der '
Lepidopterologie, denen auf den Seiten 60—65und 130 —133 vor-
liegenden Bandes warm empfundene Nachrufe gewidniet sind;
ferner starb Dr. med. Macker in Colmar i. E.E Durch Austritt
verlor der Verein die Herren J. Noth in Gera und A. v. Portner
in Judendorf. Infolge des weiteren Fortganges des grossen Völ-
kerringens war es der Vereinsleitung auch in diesem Jahre leider
nicht möglich ein klares Bild über die tatsächliche Zahl der
Mitglieder, namentlich der auswärtigen zu geben, weshalb jede
Angabe über den Mitgliederstand ausfallen muss.
Schliesslich sei allen lieben Freunden, Gönnern und Mit-
arbeitern für das bewiesene Wohlwollen und für die Förderung
des Vereins aufrichtig gedankt.
Gleichzeitig bitten wir wieder alle Mitglieder durch
Ueberlassung von lepidopterologischen Arbeiten und Mitteilungen
von Beobachtungen zur Veröffenlichung in der Vereinsschrift,
durch Werbung neuer Mitglieder oder sonstige freundliche Un-
terstützungen der alten Vereinstreue und Anhänglichkeit auch
fernerhin Ausdruck zu verleihen. Endlich sei auch wieder ein-
mal auf unser Vereinsalbum aufmerksam gemacht. Mitglieder
werden höflichst gebeten, dieses durch Einsendung ihrer Bilder
bereichern und vervollständigen zu helfen, namentlich auch wür-
den die im Felde stehenden Herren uns damit viel Freude be-
reiten. Von den Vorführungen und Besprechungen an den Ver-
einsabenden wie sonstigen Unternehmungen sei kurz nachstehen-
des berichtet:
29. November 1916: Herr Lange aus Freiberg berichtet über
einige in der Umgebung Freibergs gesammelte Falter und zeigt
diese vor. Als bemerkenswert sind von diesen hervorzuheben :
Cymatophora or ab. albingensis Warn, ein
Zwitter von Bupalus piniarius L., rechtsseitig ‘’‘, links-
seitig $, Larentia truncata ab. rufescens _Ström.,
ferner eine sehr reichhaltige Variantenreihe von L. sorditata
F., die auch die ab. fusco-undata Don. und ab, infuscata
Stgr. enthält, schliesslich noch zwei unbestimmte Zygaenen, ver-
mutlich Produkte einer Kreuzung Z. purpuralis Brünnich
x Z. filipendulaeLl.
188 Deutsche Entom. Zeitschrift Gain. Dresden 1917.
3. Januar 1917: Von Herrn Möbius wird eine Reihe von
Faltern der Gattungen Melitaea und Argynnis, die er im
Juli 1916 auf sumpfigen Wiesen bei Oberstdorf im Allgäu fing,
vorgelegt. Diese Falter sind durch auffallend dunkle Färbung
ausgezeichnet. Es sind folgende Arten: M. aurinia Rott.
mit Uebergängen zu v. merope Prun, M. athalia Rott.,
hierunter sehr düstere 2, M. parthenie Bkh., M. dictynna
Esp. mit markanter Flügelbindenzeichnung, A. aphirape Hb,.,
A. amathusia Esp., A. ino Rott., ausserdem M. aurelia
Nick. aus Regensburg.
17. Januar 1917: Herr Ayrer ke über Zuchten von
Arctia villica L. u. A. testudinaria Foure, aus dem Ei.
Die betreffenden Gelege sind von ihm im Mai 1915 bei Klausen
und Waidbruck in Südtirol gesammelt worden. Von den vor-
liegenden Faltern ist ein testudinaria $ mit ganz ungefleck-
ten, einfarbig braunen Vorderflügeln hervorzuheben. — Herr Heller
verliest aus Band 29 der naturwissenschaftlichen Zeitschrift
„Aus der Heimat“, Organ des deutschen Lehrer-Vereins für
Naturkunde E. V. einen Aufsatz „Aus dem Leben der Insekten,
Geschmacksverirrungen bei Raupen.“ Den Ausführungen des
Verfassers, J. Stephan in Friedrichsberg, sei folgendes entnom-
men: Es ist eine auffallende Tatsache, dass man zuweilen auch
im Freien monophage Raupen an Pflanzen antrifft, die ihnen
für gewöhnlich nicht zusagen, viel häufiger aber kann man bei
Zuchten in der Gefangenschaft Raupen in der Jugend an frem-
des Futter gewöhnen. Die Anpassung geht dann nicht selten
sogar soweit, dass derartig erzogene Tiere sich später weigern,
ihre eigentliche Futterpflanze als Nahrung wieder anzunehmen
und lieber hungern und zugrundegehen. Bekanntlich werden
von gewissen Raupen Giftpflanzen keineswegs verschmäht, bei-
spielsweise von Acherontia atropos L. der Stechapfel,
von Daphnis nerii L. der Oleander, von Deiopeia pul-
chellaL. die äusserst giftige Calabarbohne (Physostigma) u.s.w.
Fin in Mühlen und Bäckereien häufig anzutreffender, aus Nord-
amerika eingeschleppter Kleinschmetterling, Ephestia kueh-
niella Z., der sich von Mehl, Kleie, Brot und anderen St of-
fen nährt, soll sogar schon mit Schneeberger Schnupftabak auf-
gezogen worden sein. Raupen von Cossus cossus L. wur-
den mit alten Brotresten, solche von Galleria mello-
nella L. mit getrockneten Feigen erfolgreich gezüchtet. Aber
auch animalische Stoffe dienen vielen Raupen zur Nahrung.
Die Fettschabe verzehrt Fett, Butter, Speck u. a. m., und wel-
chen Schaden Mottenraupen, insbesondere Tineola biselli-.
Vereinsnachrichten. 139
ella Hum. in Insekten- und Vogelbalgsammlungen anzurich-
ten vermögen, hat schon mancher Besitzer solcher Sammlun-
gen zu seinem Leidwesen erfahren müssen. Auch die bösen
Mordraupen, die selbst ihresgleichen nicht verschonen, bereiten
den Züchtern zuweilen recht trübe Enttäuschungen. Die Eulen-
raupen Thalpochares communimacula Hb. und
Th. seitula Rbr. sind wahre Kannibalen, indem sie mit
besonderer Vorliebe lebende Schildläuse verspeisen. Prof. Stand-
fuss berichtete, dass er eine grosse Zahl Raupen von Arctia
villica L. lediglich mit rohem Rindfleische ernährt habe. —
Der Vorlesung schliesst sich eine Aussprache der Anwesenden
an, bei welcher die Erfahrungen über Raupenzuchten unter An-
wendung aussergewöhnlichen Futters ausgetauscht werden.
24. Januar: Herr Lange, Freiberg, hat im vorigen Jahre
im Erzgebirge Falter der Agrotis collina B. gefunden
und von diesen Einblagen erzielt. Die hieraus folgende Zucht
ergab eine grössere Anzahl Puppen, aus denen bereits im De-
zember mehrere Falter schlüpften, diese werden vorgelegt. —
Herr Heller hält, zum grossen Teile auf das gleichnamige
Buch von ©. Taschenberg „Die giftigen Tiere“ (Stuttgart 1909)
gestützt, einen Vortrag über diesen Gegenstand, indem er zu-
nächst den sehr relativen Begriff „giftig“ erörtert und dann die
einzelnen Tierordnungen von den Coelenteraten bis hinauf zu
den Vertebraten und namentlich die mit wirklichen Giftdrüsen
ausgestatteten bespricht. Unter diesen nehmen die Gliederfüs-
ser (Skorpione und Spinnen), sowie Insekten (Bienen, Wespen,
Ameisen, Raupen u. s. w.) einen beachtenswerten Platz ein,
die deshalb ausführlicher Betrachtung unterzogen werden.
31. Januar: Herr Dr. Kleinstück als Gast schildert in fes-
selnder Weise Eindrücke und Erinnerungen einer vor drei Jah-
ren zu Studienzwecken nach Japan unternommenen Weltreise,
Zahlreiche selbst angefertigte Aufnahmen der besuchten haupt-
sächlichsten Plätze werden in sehr guten Lichtbildern vorgeführt
und veranschaulichen die Reize und Pracht der Tropenwelt.
Es sind Ansichten vom Suezkanal, Colombo, Singapore, Schang-
hai, Yokohama, Tokio u. a. m. Als Gegensatz zu asiatischer
Kultur und Eigenart zeigt zum Schlusse der Vortragende noch
einige Bilder aus Nordamerika, das er auf dem Rückwege nach
Europa bereiste. Es sind Aufnahmen von S. Franzisko, Wa-
shington, New-York und vom Niagara-Fall.
28. Februar: Die Herren Kretzschmar, Möbius, Grellmann
und Winckler zeigen die in ihren Sammlungen enthaltenen
Vertreter der Noktuiden-Gattungen Abrostola OÖ. und Plu-
6409.°: Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
sia O. und berichten von den Fangplätzen, wo sie auf ihren
Exkursionen und Reisen die einzelnen Arten und deren Rau-
pen sammelten. Von diesen beanspruchen die sächsischen Fund-
orte vornehmliches Interesse. Als zur Fauna Sachsens gehö-
rige Arten sind festgestellt: A. triplasia L., A. asclepi-
adis Schiff, A. tripartita Hufn, P.c-aureum
Knocen, P. moneta F., P. chrysitis L und ab. june-
ta Tutt., P. bractea F. (1 Stück von Winckler 31. Juli
1910, bei Tharandt gfg), P. festucae L, P. gutta Gn,,
P. pulchrina Hw., P. jota L. und ab. percontatio-
nis Tr, P. gamma L., P. interrogationis L.und P.ain
Hochenw. (vergl. Iris 1905 S. 131 -- 134.)
4. März: Herr Heller spricht über „Urlaubsreisen in Kriegs-
und Friedeuszeiten“ und führt treffliche Lichtbilder vor, die er
im Gebiete der hohen Tauern und verschiedenen Teilen der
Salzburger- und Tiroler Alpen, sowie im Fichtelgebirge aufge-
nommen hat.
24. März: Herr Zeumer zeigt mehrere klare Bernstein-
stücke mit eingeschlossenen, deutlich erkennbaren kleineren In-
sekten aus der Klasse der Dipteren und Formiciden, sowie Ein-
schlüsse mit Spinnentieren vor. Vom Unterzeichneten wird die
zierliche, durch eigenartige Flügelzeichnung auffallende Trype-
tine, Carphotricha pupillata Fall. vorgelest. Die Dip-
tere schlüpfte in reicher Zahl aus im vorhergehenden Herbste
in der Dresdner Umgebung eingetragenen Blütenköpfen von
Hieracium umbellatum L. (vergl. Entom. Jahrbuch von Dr.
Krancher 1916.)
4. April: Von ilerın Möbius wird eine Anzahl kürzlich
geschlüpfter Falter von Epirranthis diversata Schifl.
(Ploseria pulverata Thnbg.) vorgelegt, und über die Zucht ein
ausführlicher Bericht erstattet. Die Eier hierzu entstammten
der Umgebung von Regensburg. Gleichzeitig gelangt aus der
Entom. Zeitschrift in Frankfurt a. M., Bd. XXV. eine Veröffent-
lichung, die gleichfalls über die etwas schwierige Zucht dieser
seltenen Geometride Aufschluss gibt, zur Vorlesung.
11. April: Herr Möbius als Bücherwart erstattet einen kur-
zen Bericht über den Inhalt von 24 verschiedenen Sonder-
drucken mit Publikationen aus der Feder des Herrn Prof. Dr.
H. Rebel in Wien, die der Bücherei vom Verfasser überwiesen
worden sind. (vergl. „Zugänge zur Bücherei Seite 66 und 67 d.Bd.)
25. April: Durch Herrn Heller wird der Hülsenfrucht-
Schädling Bruchus pisi L. nebst mehreren von den Larven
dieses Käfers angebohrten und ausgehöhlten Erbsen vorgelegt.
Vereinsnachrichten. 141
Die Käfer wurden in grosser Menge in diesen Feldfrüchten, die
aus Rumänien eingeführt worden sind, vorgefunden. ' Die glei-
chen üblen Erfahrungen hat auch Herr Walther mit von dort
herstammenden Erbsen machen müssen.
9. Mai: Zur Besprechung und Vergleichung liegt aus den
Sammlungen der Mitgiieder die Nymphalide Coenonympha
arcanıa L. samt Spielarten und Nebenformen vor. Zunächst
wird von Herrn Möbius die im Berge-Rebel enthaltene kurze
Charakteristik und aus der Stettiner Entomologischen Zeitung
1890 ein Aufsatz von Wackerzapp über diese Art verlesen.
Weiter wird noch auf eine neuere Arbeit von Dr. K. Schawerda
in Wien „Die Formen der beiden Arten Coenonympha arca-
nia L. und satyrion Esp.“ (XVII. Jahresb. Wiener Ent. Ver.
1916) Bezug genommen. Das Vorkommen der Stammform
arcaniaL. ist in ganz Europa, ausschliesslich England, nach-
gewiesen und die llöliengrenze mit 900 m festgestellt. Die
grosse Form v. insubrica Frey, in südlichen” Alpentälern
fliegend, ist durch breitere schwarze Säume der Vil und schmä-
lere gezähnte weisse Binden der Hfl ausgezeichnet. Sie ist
aber nicht mit unfehlbarer Sicherheit vom Typus abzutrennen
und darum kaum als namensberechtigt anzuerkennen, weshalb
sie auch schon im Staudinger-Rebel-Kataloge mit der Note
„vix nominanda“ versehen ist. Von der kleineren Form
v. epiphilia Rebel (philea Frr.) liegen Belegstücke aus der
Schweiz und dem Oetztal in Tirol vor. v. darwiniana Stgr.,
eine kleinere alpine Lokalform ist im Simplongebiete heimisch,
wo sie besonders im Laquintale ziemlich häufig ist, es liegen
aber auch Falter aus St. Martin, Seealpen vor. Die vom
Typus wesentlich durch Grösse und Färbung abweichende klei-
ne Bergforn v. alt. satyrion Esp. trägt ein düsteres ein-
farbiges Flügelkleid, das bei den SS’ mausgrau, bei den 22
braungrau abgetönt ist. Sie fliegt häufig in der subalpinen und
alpinen Region bis zur Gleischergrenze. Stücke aus den bay-
rischen, salzburger und tiroler Alpen, dem Oberengadin, sowie
den französischen Alpen werden vorgezeist. Von den an-
deren Nebenformen finden noch v. orientalis und ma-
crophthalmica Galv. Erwähnung.
Herr Heller hat auf dem Balkon seiner Wohnung an
Epheuwänden einige erwachsene Spanner-Raupen gefunden, die
als Ourapteryx sambucaria L. erkannt werden. Durch
Herrn Zeumer gelangen Abdrücke einer Libellenart und einer
Spinne auf Sohlenhofer Schiefer zur Vorlage.
16. Mai: Herr Möbius zeigt einen Falter von Dendroli-
142 Deutsche Fntom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
mus pini vr. montana Stgr. als Zuchtergebnis einer aus
Oberstdorf im Allgäu mitgebrachten Raupe.
6. Juni: Von Herrn Möbius wird eine Anzahl im Stein-
bruchgelände bei Coswig an Kronenwicke, Coronilla varia, ge-
fundene Raupen von Lycaena coridon Poda vorgelegt.
Er berichtet dazu, dass er gelegentlich der Auffindung erstma-
lig das zwar schon bekannte, von den Sammlern indessen we-
nig beachtete Zusammenleben mit Formiciden beobachtete.
Herr Heller bittet die Anwesenden dieser entomologischen Merk-
würdigkeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken und Beobachtun-
gen hierüber bekannt zu geben. (vergl. Iris Bd. 1I. Seite 275.)
21. Juni: Herr Walther hat an Rhamnus frangula Raupen
von Cyaniris argiolus L. gefunden und dabei gleichfalls
das Gemeinschaftsverhältnis dieser mit Ameisen beobachtet.
25. Juli: Eine ansehnliche Trauerversammlung hat sich
nachmittags 3 Uhr auf dem Tolkewitzer Friedhofe eingefunden,
um unserem Robert Seiler, zweiten Vorsitzenden des Vereins,
das Geleite zur letzten Ruhestätte zu geben. Ausser zahlrei-
chen Dresdner Mitgliedern erweisen ihm auch von auswärts
eingetroffene befreundete Sammler, z. T. als Vertreter entomo-
logischer Vereine die letzte Ehre. so die Herren Taggeselle-
Meissen, Hiller-Rosswein, Lange-Freiberg, Breischneider-Wils-
druff u. a.
12. September: Herr Heller legt die Biologie von Cimex
viridis L. vor, von der er die an Smerinthus ocellata L.
erinnernden Eier gefunden und aus den Larven die Imago er-
zogen hatte. Während die Larven schwarze Beine mit zwei
Tarsengliedern und ein wechselndes schwarzfleckiges Kleid zei-
gen, ist das fertige mit Eichenlaub gross gezogene Insekt ein-
farbig grün, mit ganz hellgelben Beinen, die erst bei der letz-
ten Häutung dreigliedrige Tarsen aufweisen. Ein vergrössertes
Lichtbild der Eier und der jungen Larven wird vorgezeigt.
19. September: Herr Möbius legt die von seiner Gattin
auf dem Nebelhorn in Oberbayern gefundene, für Deutschland
neue Noktuide, Agrotis lorezi Stgr. (früher zur Gattung
Hiptelia gestellt) vor. Von Herrn Müller wird ein Kasten mit
Darstellung der Biologie der Seidenraupe, und von Herrn Riedel
werden die gelegentlich seines Aufenthaltes am Müritzsee bei
Waren in Mecklenburg erbeuteten Falter, darunter Satyrus
alcyone Schiff, Coenonympha tiphon Rott.
und Anaitis paluda var. imbutata Hb:- gezeigt.
26. September: Herr Walther berichtet über die Zucht
von Triphosa dubitata L. Die Angabe in der Fauna
Vereinsnachrichten. 143
von Sachsen, dass der Falter in 2 Generationen vorkommt, ist
dahin zu berichtigen, dass der Falter Juni-Juli schlüpft, dann
überwintert und erst im Frühjahr (April, Mai) kopuliert. Die
Raupe lebt Mai, Juni an Rhamnus cathartica.
3. Oktober: (Monatshauptversammlung.) Der Vorsitzende
gedenkt in warmen Worten des Heimganges des allgemein ver-
ehrten und hochgeschätzten zweiten Vorsitzenden, Robert Seiler,
‚eines der erfahrungs- und erfolgreichsten Sammlers Sachsens,
dessen grosse und mustergiltige Schmetterlingssammlung in den
Besitz des Königl. Zoolog. Museums zu Dresden überging. Als
zweiter Vorsitzender wird bis zur Wahl im November Herr
Dr. Walther vorgeschlagen und gewählt.
Herr Krüger legt mehrere von ihm in der Lommatzscher
Gegend am 26. Juli d. J. gesammelte Satyrus briseisL.,
Herr Ayrer seinen diesjährigen Lichtfang aus der Lössnitz, da-
runter Plusia chryson Esp., und Herr Kretzschmar seine
Ausbeute aus dem Weinböhlaer Steinbruchgelände, die Aporia
crataegi L. in mehreren Stücken enthält, vor.
10. Oktober: Herr Walther bringt sein Zuchtergebnis von
Caradrina gilva Donz. zur Vorlage. Von 11 Stück
geschlüpften Raupen, die mit Löwenzahn gefüttert wurden, ge-
langten 4 Stück zur Verpuppung und ergaben schöne Falter.
Die anderen Raupen verpuppten sich nicht, sie fressen noch
immer etwas, besonders an welken Blättern und scheinen über-
wintern zu wollen. Weiter legt er die Kokons von Zygaena
carniolica Sc. vor, die zum grossen Teile erwachsene
Tachinenlarven enthalten. Herr Ayrer zeigt sein Fangergebnis
aus Weinböhia und eine im Wachwitzgrunde erbeutete bemer-
kenswerte aberrante Argynnis lathoniaL. vor.
17. Oktober: Herr Heller übergibt für die Bücherei
1.) Gillmer: Mimas tiliae L. Probelieferung der autorisier-
ten deutschen Ausgabe von Tutt 1905,
2.) Heller: Scaphidiidae von den Philippinen,
3.) Heller: Ueber Nigidius von Formosa und den Philippinen.
4.) Bolle: Die Bedingungen für das Gedeihen der Seiden-
zucht, Berlin 1916. (llugschrift der deutschen Gesell-
schaft für angewandte Entomologie.)
9.) Bolle: Die Förderung des Seidenbaues in der asiatischen
Türkei (Oesterreichische Monatsschrift fürden Orient 1916.)
‚Herr Walther spricht über eine Zucht von Mamestra
splendens Hb. und legt die geschlüpften Falter vor. Die
Eier stammen aus Südtirol, die Zucht verlief mit Löwenzahn
glatt und ergab nach kurzer Puppenruhe die Falter.
144 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
31. Oktober: Der freundlichen Einladung des Herrn Hofrat
Heller Folge leistend, hat sich ein grosser Teil der Dresdner-
Mitglieder im Königl. Zoologischen Museum eingestellt, um die
paläarktische Grossschmetterlingssammlung ihres verstorbenen
Vereinsgenossen Robert Seiler, die durch Kauf in den Besitz
des Museums überging, zu besichtigen. Die in acht Schränken
untergebrachte, 42 622 Falter in 4600 benannten Formen um-
fassende, in unübertrefflichem Erhaltungszustande befindliche
Sammlung, erregt ebenso durch ihre ausserordentliche Reich-
haltigkeit und sauberste Präparation, wie infolge der vorzügli-
chen Durcharbeitung und gewissenhaften Fundorts- und Datums-—
bezettelung die ungeteilte Bewunderung der Beschauer und
zeugt von dem aussergewöhnlichen, unermüdlichen Sammler-
fleisse ihres Begründers, der mit fast allen namhaften Sammlern
Deutschlands und ÜOesterreichs in regem Tausch- und briefli-
chen Verkehr stand.
Die hervorragende Sammlung wird gewiss noch vielen
Entomologen beim Studium der Lepidopterologie, wie bei wis-
senschaftlichen Arbeiten als wertvolle Hilfe nützlich sein.
7. November: Jahreshauptversammlung: Nach Erstattung
des Jalıresberichtes durch den Vorsitzenden werden die Vor-
standswahlen vorgenommen. Diese ergeben einstimmig die
Wiederbestätigung aller Herren in ihren bisherigen Aemtern,
nur in der Besetzung der Schriftführerposten treten Aenderun-
gen ein und zwar wird anstelle des eine Wiederwahl ablehnen-
den Unterzeichneten Herr Dr. Krüger als Schriftführer, und als
dessen Stellvertreter Herr Zeumer für den im Heeresdienst ste-
henden Herrn Dr. Heusinger gewählt.
Herr Walther legt die beiden Zuchtergebnisse von Xan-
thia gilvago Esp. und Nychiodes lividaria Hb.
vor. Die erstere Art wurde aus Pappelblütenkätzchen erzogen
und ergab eine Reihe stark abändernder Falter, darunter auch
ab. palleago Hb. Von den Herren Möbius und Ayrer ist diese
Spielart gleichfalls in einzelnen Stücken gezogen worden, sie ist
in der Grossschmetterlingsfauna des Königreichs Sachsen fälsch-
lich noch als eigene Art angeführt. Die Puppen der schönen
und ebenso abänderungsreichen N. lividaria hat Herr Walther
aus Haidar-Pascha bei Konstantinopel erhalten. Durch Kopu-
lation wurde eine Nachzucht erzielt, die bisher mit Pflaume
gefüttert gut gedeiht. Die Raupen überwintern. Der Falter
tritt in 1 Frühjahrs- und 1 Herbst-Generation "auf.
Dresden, den 8. November 1917.
A. Winckler, z. Zt. Schriftführer.
Alphabetische Liste. I
Alphabetische Liste
der besprochenen Arten, Varietäten und Aberrationen.
(Die neuen Formen sind Aursiv gedruckt.)
| Bei
BER u
BE en rs DA
LE a ee ne a SE N.
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Le a 4
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I Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1917.
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zweite (Anfang Juli erscheinende) Heft gegen Nachnalıme des Beitrages, zuzüg-
L ır Portokosten, zugesandt (soweit nach den betreffenden Ländern Nachnahme N
Die Zeitschrift erscheint in Vierteljahrsheften.
lanehanen wegen nicht empfangener Hefte können nur inner-
Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren Hefte und Sonder- Ei
‚drucke unserer Zeitschrift zu halben Preisen mit Ausnahme von Bandl,
Heft 1—3, und Band VII und VIII, welche vergriffen sind. Anfragen sind
an den Bücherwart (E. Möbius, Dresden-Fr., Schlachthofring 3) erbeten. Se
"Der Inhalt der Deutschen Entomologischen Zeitschrift Iris besteht, ausser _ we ee
aus wissenschaftlichen Mitteilungen, aus Vereinsnachrichten, Bücherbesprechungen
und Nekrologen, die letzten sechs Jahrgänge bringen von ersteren die folgenden:
Band XXV, 1911
(mit 2 Tafeln)
Ayrer, C. Vorkommen von Colias edusa F. im Oktober 1910. Cour-
= . voisier, L. G. ‘ Einige neue oder wenig bekannte Lycaeniden-Formen. Fruh-
storfer, H. Neue Hesperiden des indo-malay. Faunengebietes. Jäkel, H. Agrotis
collina in der sächsischen Oberlausitz. Martin, L. Ueber Charaxesraupen. Marsch- ER
ner, H. Parnassius apollo vom schweiz. Jura. Möbius, E. Zucht von Arctia
cervini. Niepelt, W. Eine neue Morpho-Form. Zine neue Kallima. Eine neue
Brassolide. Ney, F. Papilio epycides v. melanoleucus., Petry, A. Eine neue
Apodia-Art aus Thüringen. Pfitzuer. Die Macrolepidopteren der Sprottauer
Gegend. Die Microlepidopteren der Sprottauer Gegend. Nachtrag 1. Schütze.
Einige Beobachtungen. Schultze, A. Eine neue Epitola aus dem afrikanischen
Aequatorial-Urwalde. Strand, E. Ludia- und Holocera-Arten. Tetzner, R.
Etwas über Arctinia caesarea. |
Band XXVI, 1912 5 $)
(mit 8 Tafeln und mehreren Textfiguren). Br
Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte palaearkt. Macrolepidopteren IV,
V und VI Courvoisier L. Ueber Zeichnungs-Aberrationen bei Lycaeniden. i
-Denso, P. Palaearktische Schmetterlingsformen. Hartert, E. Gegen die Zulassung = y
von Ausnahmen vom Prioritätsgesetz. Martin, L. Ein neuer Papilio aus Celebes,
Ein seltener Ixias, Zwei neue Euploeen aus Celebes. Zwei neue Delias aus Celebes.
Martini, W. Beiträge zur Kenntnis der Elachista-Raupen. Grapholita oxytropidis, N
eine neue Wicklerart aus Thüringen. Kleine Mitteilungen. Miller, E. Neue Rho-
paloceren aus Transkaukasien. Neustetter, H. Neue >der wenig bekannte
Cimothoe-Arten. Philipps, F. Eine interessante Aberration und Hermaphroditen ‚
meiner Sammlung. Rebel, H. Beitrag zur Lepid gr Unter-Aegyptens.
Seiler, R. Die Zucht von Aporophyla nigra Hw. Sheljuzhko, L. Eine neue
Form von Melitaea didyma O0. Sterz, O. Beitr. zur Macrolepidopterenfauna der.
Insel Teneritfa. Eine neue Form von Polia dubia aus Spanien. Drei neue Bomby-
eiden- Formen des palaearktischen Faunengebietes, Walther, H. Lichtfangergeb-
nisse im Jahre 1912. Zerny, H. Neue Heteroceren aus dem ee
Hofmuseum in Wien,
Band XXVII, 1913
‘(mit 8 Tafeln, 1 Bildnis und mehreren Textfig uren).
RK S a RE, F. Apologie der bewust von mir ran Synonymen. Sean ER $
halb der Frist eines Jahres, vom Erscheinen dieser Hefte an en u
= rechnet, berücksichtigt werden.
ihren Formen. Sasse, Th,
"Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte palaearktische Macrolepidopteren BEN
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Arhopala-Rassen. Neue Lycaeniden. Konias, R. Colias
Ba . Das systematische Verzeichnis und Lycaena argus und argyro n.
P. Le; genres Charmion de Nicev. et Oerane Elw. Martin, L. ee:
loceren aus Celebes (2 Teile), Zwei neue Danaidenformen aus Celebes un«
leijer. Martini, W. Zur Biologie von Prays ab. rusticus Hw. Möbius,
.... Beptemberfang in Bozen. Rebel, H. Zur Unterscheidung und Synonymie einig
Arten der Gatt. Gracilaria. Schweitzer, K. Die Grossschmetterlinge des Vogt
landes. Sheljuzhko, L. Gegen unnütze und bew sste Aufstellung von Synonymen.
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Band XXVIll, 1914 65 an
(mit 4 Tafeln, 2 Textfiguren und 2 Kartenskizzen). >
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‚T. A. Zur Biolo ie von Prays
Pure. "Palaearktische Schwärmer
n neuer Sericinus aus China.
Courvoisier, L. G. Zur Synonymie des Genus Lycaena. Fiedler, C. Das 7
bisher unbekannte Weibchen von Charaxes cognatus Vollh. Fruhstorfer, H. Neue
Lycaenidae. Neue Arhopala-Rassen. v. d. Goltz. Erebia epiphron vogesiaca.
John, ©. Das Weibchen von Epieraptera alice John. Konias, R. Colias crocse
ab. micans forma nova. Martin, L. Die Tagfalter der Insel Celebes. Petry, A.
Zwei für Deutschland neue Mikrolepidopteren. Püngeler, R. Neue palaearktische”
Macrolepidopteren. Rebel, H. Zweiter Beitrag zur Lepidopterenfauna Unter-
Aegyptens. Ueber eine Microlepidopterenausbeute aus dem westlichen Thian-Schan-
Gebiet. Schopfer, Ed. Beitrag zur Microlepidopterenfauna der Dresdener Gegend.
Seitz, A. Euchlo& falloui form. lucida Shelj; Spröngerts, J. R. St. Martin-
Vesubie, Seealpen. Stauder, H. Microlepidopteren des Triester Gebietes und aus.
Istrien. Neue Lepidopterenformen aus dem österreichischen Litorale. Lycaena
argus L. 2 flavodentata aberr. nov. Bemerkungen über Euchlo& falloui Allard
(2 = seitzi Böber) und Amicta ecksteini Led. Stertz, O. Eine neue Heterocere
aus Algerien. Walther, H. Ueber die Zucht von Arctia cervini Fall,
Band XXIX, 1915
(mit 10 Tafeln und 3 Textfiguren)
Bang-Haas, O. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914. Zur Kenntnis
von Parnassius delphius und verwandter Arten. Einiges über Parnassius. Ein-
heitliche Aberrationsbenennung der Gattung Parnassius. Einige seltene Pieriden-
Aberrationen. Fassl, A. H. Neue Pieriden aus Südamerika. Neue Schmetter-
linge aus Südamerika. Drei Schmetterlingszwitter aus Südamerika. Fiedler, C.
Das bisher unbekannte Männchen von Charaxes pyrrhus editha Ribbe. Fritsch.
Zur Phaenologie von Colias erocea Foncr. 'Fruhstorfer, H. Eine neue palaearkt.
Charaxes-Rasse. Neue Formen der Gattung Luthrodes und Uebersicht der be-
kannten Rassen auf Grund morpholog. Untersuchungen. Neue Terinos-Rassen,
Gaede. Neue afrikanische Heteroceren des Berliner Zoolog. Museums. Lepidop-
teren von Herrn P. Range in Nama-Land, D. S. W. Afrika, gesammelt. v. Linstow.
Die Entstehung. von Amphydasis betularia ab. doubledayaria.° Martin, Dr. L.
Tagfalter der Insel Celebes. Möbius, E. Beschreibung der Raupe von Gnophos
spröngertsi Püng. Rebel, Dr. H. Revision der palaearkt. Epermenia-Arten,
Stauder, H. Neue mediterrane Lepidopterenformen. Stertz, ©. Mitt. über
alaearkt. Heteroceren. Mitt. über die Zuchtergebnisse des Genus Chondrostega
im Allgemeinen. Mitt. über meine algerischen Reisen. Mitt. über eine Zucht vor
Arctica caja.
Band XXX, 1916
(mit 2 Tafejn)
Caradja, H. Beitr. zur Kenntn. der geogr. Verbreitung der Pyraliden und
Tortriciden des europ. Faunengebietes nebst Beschreibung neuer Formen. Fritsch,
W. Phaenologische Anmerkungen. Eine neue Form von Deilephila gallii Rett.
Neustetter, H. Neue und wenig bekannte afrikanische Rhopaloceren. Pfitzner, R.
Die Lepidopteren der Sprottauer Gegend. Martini, W. Verzeichnis Thüringer
Falter aus den Familien der Pyralidae-Micropteridae. Fruhstorfer, H. Neues
über die alte Art Satyrus fagi Scop. Nochmals Limenitis rivularis Scop.
v. d. Goltz. Noch einmal Erebia epiphron vogesiaca. Rebel, Dr. H. Ueber
eine Microlepidopterenausbeute aus dem östlichen Tannuola-Gebiet. Zöllner, H,
Plötzliches und häufiges Auftreten von Lygris pyropata Hb. in Ostpreussen 1915/16.
Gaede, M. Neue Lepidopteren des; Berliner Zoologischen Museums,
. ö .
- Deutsche
T . 5 DON EEE
—Entomologische Zeitschrift
” 5,
„Iris
herausgegeben
vom
Entomolopischen Verein Iris zu Dresden.
Band XXXIH. Jahrgang 1918.
(Mit 1 Tafel und 5 Textabbildungen.)
Schrittleiter: Dr. H. Walther.
Dresden 19i8.
Verlag des Entomolog. Vereins „Iris“.
Ja. Kommission bei R. Friedländer & Sehr
Berlin, Carlstrasse 11.
' Druck von Oskar Heoneel, Gotiesheng.
des XXXli, Bandes u:
0a RL FIRE. Dr. Ueber ne virgaureae L. und
Re“ Nebeuform eu L# RR | ET N
N 2 R + ördlichste Fundort für die eier |
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Ve Re ; a
Fritsch, W. Berichtigung . . . EU HERREN 3 TE AR
AerinE, M. Zur Biologie und systematischen Dre von... 2%
Scythris temperatella Led. . . . . . ; N 121 BE,
Rebel, Prof. Dr. Zur Kenntnis KARIN, Talseporiien 35-112
Schütze, K. T. Beitrag zur Kenntnis einiger Sesien.. « . 116 10
Sheljuzhko, L. Einige Ergänzungen zu meinen Arbeiten . . 180-133
. ‚Sertz, D. einst ngen und Ergänzungen zu meinen Mit-
teilungen über kanarısche und algerische Großschmetter-
linge, Iris, Jahrgang 1912 und 1915 . . . .. . rest
rg ®. Mitteilungen über Horn oetnen quad gula Mille.
und n. var. jordana Stertz . . . RER | u 112-114 a ni
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Strand, E. H. Sauters Formosa- Ausbeute: Pyralididne, Suß-e
fam. Pyraustinae . . ; a BE
Walther, Dr. Prof. Dr. L. 6. Aekeroeier: % Er h ie EEE
Walther, Dr. Gynandromorpher Falter von Malacosoma fran- .
COnIER Map. 2 rain ul rin a ua. oe
Bücherbesptechung 77° an SEN ee N ern
Zugängs zur Bücherei . . . . RE UNE 9, 185
_ Vereinsnachrichten . . . Re u.
Alphabetische Liste der besprochenen Arten, Varietäten N RE.
Aberrationen . ee ne ee
Doppe!heft 1/2 erschien 1. September 1918,
Doppelheft 3/4 am 15. Februar 1919.
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1. September 1918.
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Schriftleiter: Dr. H. Walther.
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Jahrgang 4918. Erstes und zweites Heft,
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Inhalts-Uebersicht.
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Prof. Dr| Gönrroisier, Ueber Chrysophanus ERRER L. ann
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Dr: Wälther Dr I. 6. Courvoisier + 3 32
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Embrik Strand. H. Sauters Formosa-Ansbeute: Pyralididae,
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Bücherbesprechung . 92—%3
Zugänge zur Bücherei v. 15. XI. 1917 bis 1. VI. 1918 . . . 3-4
In allen Angelegenheiten der Schriftleitung (Manuskripte, Tafeln
Bächerbesprechungen, Korrekturen usw.) bittet man, sich an den Schrift-
leiter Dr. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstrasse 4 zu wenden. Die
Verfasser erhalten 25 Sonderdrucke kostenfrei, nach Vereinbarung (bei
Einsendung des Manuskriptes) auf Wunsch mehr. Für die Form und
den Inhalt der in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze sind die
Autoren allein verantwortlich.
Vorstand
des Entomologischen Vereins „Iris” zu Dresden.
Vorsitz.: Hofrat Prof. Dr. phil. K.M. Heller, Dresden, Franklinstr. 22
Stellvertreter: Dr. med. H. Walther, Dresden N. 8., Böhmertstr. 4
Schriftf.: Dr. med. Joh. Krüger, Dresden N., Löbauerstr. 22.
Stellvertr.: Kaufmann R. Zeumer, Dresden A., Schlossstr. 22.
Rechnungsf.: Kaufm. G. Kretzschmar, Dresden, Bismarckplatz 6.
Bücherwart: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Schriftl.: Dr. med. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstrasse 4.
Stellvertreter: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Sitzungen: Mittwochs 8!/, Uhr abends im Hauptrestaurant des
Zoologischen Gartens. Gäste stets willkommen,
Kousamelduagen von Mitgliedern werden an den Vorsituonden |
Prof. Dr. Courveisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 1
o. Chrysophanus virgaureae L. und seine
Nebenformen.
Von Prof. Dr! Courvoisier, Basel.
Seit Jahren beschäftige ich mich eingehend mit den For-
men der palaearktischen Chrysophanus-Arten
(s. meine Arbeiten: Entdeckungsreisen etc. in: Ent. Ztschr.
Frkft. 1911 p. 228 etc. — Zur Nomenklatur der Chrysophanus-
Arten in: Int. Ent. Ztschr. Gub. 1912 Nr. 5 etc. — Ueber
Nebenformen, Rassen und Zwischenformen bei Lycaeniden in:
Verhdlgn. d. naturf. Ges. Basel 1917 p. 265— 293.)
Parallel mit meinen Studien gingen neuerdings solche des
Herrn H. Fruhstorfer über den gleichen Gegenstand, beson-
ders über virgaureae L. — Nachdem er 1908—10 mehrere
neue Formen dieser Art aufgestellt hatte, bereitete er in den
letzten 2 Jahren eine grössere Veröffentlichung über dieselbe
vor. Dazu hat er viel Material von mir erbeten und erhalten.
Das wurde Anlass zu mehrfacher Korrespondenz, wobei sich
zum Teil tiefgehende Verschiedenheiten in der Beurteilung ge-
wisser Formen zwischen uns ergaben so dass er mir einmal
schrieb: „Wir sind Antipoden, und die Nachwelt wird zwi-
schen uns entscheiden.“
Nun hat er im Juliheft 1917 der Iris die erwartete grössere
Arbeit über virgaureae erscheinen lassen. Daraufhin habe
ich mein in den letzten Jahren schon bedeutend angewachsenes
virgaureae- Material durch weiteren Zuzug von vielen Sei-
ten noch vermehrt. Auf Grund desselben bin ich aber viel-
fach zu ganz anderen Schlüssen gelangt als er. “Ich halte es
‚jetzt für mein gutes Recht, ja für meine Pflicht, die Ergebnisse
meiner Untersuchungen ebenfalls mitzuteilen.
Zunächst aber möchte ich meinen Standpunkt in
der Rassenfrage klarstellen:
Der Ausdruck „Rasse“ ist nur erlaubt, wo
eine Form in zahlreichen Exemplaren, gehäuft
auftritt und nachweislich durch Inzucht und
unter Weitervererbung ihrer wichtigen Merk-
male sich vermehrt. Nur die Erfüllung dieser Bedin-
gungen verbürgt diejenige Abschliessung, die zum Be-
griff der Rasse gehört. Zwei Arten können nebenein-
ander leben; sie werden höchstens seltene und fast ausnahms-
los unfruchtbare Bastarde erzeugen. Die Vermischung
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1918.
I,
9 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. -
von 2 Rassen der gleichen Art aber muss zu
reichlichen, fruchtbaren Uebergängen mit Ver-
mischung ihrer Merkmale, endlich zur Zerstö-
rung beider führen.
Ausdrücke, wie „Orts“-, „Areal“, „Territorial“-,
„geographische Rasse“ sind also nur erlaubt,
wenn nachgewiesen ist, dass die betreffende
Form nur in der betreffenden Gegend und ohne
Anwesenheit einer zweiten Form der gleichen
Art vorkommt. Ueberhaupt aber ziehe ich vor, statt von
„Rassen“ „Subspecien“ und dgl. nur von „Formen“
zu reden, womit keinerlei Hypothese ausgesprochen wird.
Herr Fruhstorfer nimmt in diesen Dingen einen an-
deren, aber sehr schwankenden Standpunkt ein. Einerseits
stellt er seine „Rassen“ oder „Subspecies“ (Ausdrücke,
die er gleichsinnig gebraucht) so hin, als ob sie gegenüber
andern der gleichen Art und auch territo-
rial scharf abgegrenzt seien. Das erhellt aus unse-
rem Briefwechsel noch deutlicher, als aus seinen gedruckten
Arbeiten.
Als er unter meinen virgaureae QP aus dem Hasletal im
Berner Oberland eines fand, das genau meinen ?P aus dem Berner
Jura gleicht, bestand er darauf, es müsse aus letzterer Gegend sein;
denn Hasletal und Jura hätten getrennte Rassen. Als ich ihm mel-
dete, ich besitze Exemplare seiner transalpinen Rasse osthelderi
aus dem Hasletal, erklärte er das für „ausgeschlossen“. Aehnlich
leugnete er die Möglichkeit der Herkunft einiger meiner estonica
aus dem Ural.
Allein im vollsten Widerspruch damit äussert er sich über
die Wohnbezirke mehrerer seiner Rassen: Dass seine „chry-
sorhoas“ in Holstein und in Ungarn, dazwischen aber eine
„grundverschiedene“ sächsische Rasse hause; dass seine „ur-
schweizerische cissites“ auch im Tirol auftrete, während der
ganze dazwischenliegende Kanton Graubünden von „athana-
gild“ bevölkert sei; dass seine „alexandrae“ in den Kar-
pathen und in dem unendlich weit davon entfernten Ural vor-
komme, und dass doch alle „Lokal“- oder „Territorial-
rassen“ seien, das verkündet er sehr entschieden. Ja er er-
klärt es (p. 36) geradezu als Eigentümlichkeit der virgau-
reae-Rassen, dasssiesich nicht immer in einer
fortlaufenden Kette, sondern durchaus dis-
kontinuierlich bewegen“
Ferner spricht er von Uebergängen zwischen seinen
Rassen, wie von etwas ganz Selbstverständlichem: juvara
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf, 3
geht an der hohen Tatra in alexandrae über; athana-
gild stellt die Verbindung von montana zur Juraform dar;
zwischen der Rasse der Zentralschweiz und der eigentlich rein
südlichen osthelderi kommt (wie er mir schrieb) ein wun-
dervoller Uebergang im Val Piora vor u.s. w. — Auf solchen:
Bahnen kann ich ihm unmöglich folgen.
Ein weiterer wichtiger Punkt, bezüglich dessen wir nicht
im Einklang stehen, ist das für die Aufstellung neu-
er Rassen erforderliche Material. Nur ein grosses
Vergleichsmaterial schützt einigermassen vor der Enttäuschung,
die sonst ein einziges, von den bisher beobachteten abweichen-
des Exemplar bereiten kann. Diese Ansicht vertritt ja Fruhs-
torfer selber .(p. 35), indem er von der „veralteten
Manier“ spricht, „ich mit kleinen Serien und 1—2
22 zu begnügen, wodurch sich keine Lokal-
rassen erkennen lassen.“ Damit hat er sich selbat
das Urteil gesprochen. Offenbar erinnert er sich nicht mehr,
wie häufig er der veralteten Manier gcfolgt ist, z. B. wenn er
bei zahlreichen — allerdings oft seltenen — indomalayischen
Lycaeniden-Arten fast jeder Sunda-Insel, nur auf Grund eines
J oder 2, ihre „distinkte“ Rasse zuteilte (wovon in meiner Samm-
lung manche von ihm benannte „Typen“ zeugen). Jetzt über-
trägt er ein ähnliches Verfahren auch auf landläufige Arten,
wie virgaureae L., von der man ja mit Geduld, guten Wor-
ten und entsprechender Münze ein reiches Material vereinigen
kann. Da erscheint es doch als Pflicht, auf voreilige Mitteilungen zu
verzichten und sich zuerst einen grossen Ueberblick zu sichern.
So spricht er z. B. von virgaureae cd kaum, bei 3
Rassen überhaupt nicht. Allerdings weiss jeder erfahrene Samm-
ler, dass die fc der Goldfalter meist weniger differieren, als
die ??. Das ist mir nie mehr vor Angen getreten, als im Som-
mer 1917, wo ich im Walliser Lötschental, in 1400—1600 m.
Höhe, neben zahllosen unter sich sehs ähnlichen J'd‘ über 150
?2 von virgaureae fing, die so erstaunliche Unterschiede
zeigen, dass ich daraus mehrere Rassen hätte machen können.
— Immerhin können nun eben die J’d’ nicht ausgeschaltet
werden; sie gehören mit zur Rasse und müssen beschrieben
werden; rein weibliche Rassen gibt es nicht. Es sieht aber
fast darnach aus, als vernachlässige Herr Fruhstorfer die
Sc, weil sie ihm zu wenig Anhaltspunkte für die Aufstellung
neuer Rassen bieten.
Er gibt sein eigenes virgaureae- Material auf 320 Stücke
an — gewiss eine stattliche Menge, (lie freilich sich in mässige
A Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
Gruppen zersplittern muss, wenn man sie nach Fundorten trennt
und jedem seine Rasse zuteilt. In der Tat erwähnt er nur bei
seinen osthelderi etwa 100, bei cissites schon nur etwa
2 Dutzend, bei pelusivta 15, bei athanagild 13 Beleg-
stücke; bei den übrigen nennt er keine Zahl; aber von chry-
sorhvas hat er mir nur 6 dc 2 22, von juvara nur
7 22, von alexandrae 5 29, von theages gar nur
2 J’d" geschickt. Wiederholt aber genügte ihm ein einzi-
ges ? zur Aufstellung einer neuen Rasse.
[Bezüglich der Fruhstorfer’schen Typen teile ich hier Folgendes
mit: Schon 1914 habe ich mir zu meiner Orientierung die Typen
aller von ihm benannten Lycaeniden-Formen erbeten, die er mir auch
bereitwillig zusandte. Damals habe ich seine Exemplare mit solchen
meiner Sammlung, sowie mit seinen Beschreibungen genau vergli-
chen, dabei aber manche Unstimmigkeiten festgestellt, die mich stut-
zig machten. Ich besitze darüber zuverlässige Notizen.
Auf meinen Wunsch hat er mir nun im Oktober 1917 seine
virgaureae-Typen, mit Einsch’uss derjenigen seiner neuesten
Rassen, nochmals geschickt. Dazu schrieb er mir: „Es ist so
ziemlich alles, was ich davon besitze“ Und wie-
der habe ich dieselben mit meinem inzwischen sehr viel reicheren
Material verglichen.
Als ich ihm Ende Dezember 1917 meinen Entschluss mitteilt®
eine Entgegnung auf seine letzte Arbeit zu veröffentlichen, hielt e!
mir vor: „Ich verwende sein mir anvertrautes Material als Basi®
zu einer Kampfschrift gegen ihn.“ Dieser Vorwurf ist in jeder Hin-
sicht anberechtigt. Meine Basis ist ungleich breiter, als die seinige-
Sie besteht aus seinen eigenen Arbeiten, die Jedem zugänglich sind,
aus meiner grossen Sammlung und erst zuletzt aus seinen spärlichen
Typen. Letztere haben denn auch die Folgerungen, zu denen ich
ohne sie längst gelangt war, nicht mehr beeinflussen, sondern nur
bestätigen können.
Er scheint auch ganz zu vergessen, dass er eine ziemliche An-
zahl meiner eigenen Exemplare selbst mit seinen Namens- und Type-
Zetteln versehen hat. Gegen deren „Verwendung“ wird er doch
wohl nichts einwenden können? e
Im Uebrigen stehe ich auf dem Standpunkt, dass, wer sich auf
Typen beruft, moralisch verpflichtet ist, dieselben den Fachgenossen,
die sie zu sehen wünschen, zur Verfügung zu stellen.)
In den folgenden Mitteilungen stütze ich mich zunächst
auf ein virgaureae- Material von etwas mehr als 600 eig-
nen Stücken; dazu auf 450 mir von schweizerischen Sammlern
und Museen zugesandte; auf 430 von der Firma Staudinger
und Bang Haas in liberalster Weise zur Einsicht mityeteilte;
endlich auf 65 Fruhstorfer’sche; im Ganzen also auf weit über
1500 Stücke, die ich alle genau untersucht, verglichen und in
verschiedene Listen eingetragen habe. Dass dieses Material für
manche Entscheide unbedingt genüge, behaupte ich natürlich
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb, Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf, 5
nicht. Aber es sollte mich wenigstens zum Mitreden be-
rechtigen.
Zum Schluss dieser Einleitung kann ich im Interesse der
Sache (vielleicht auch ‚des Herrn Fruhstorfer selbst) fol-
gende Bemerkungen nicht zurückhalten:
Eine der wichtigsten internationalen Nomenklaturregeln
lautet: „Dass ein gültiger Name in Begleitung
einer Kennzeichnung veröffentlicht sein
muss.“ Bestünde aber diese Bestimmung auch nicht, so hat
doch jeder weniger erfahrene Sammler, ja die Wissenschaft im
allgemeinen Anspruch darauf, über das Wesen der Träger neu-
er Namen genau aufgeklärt zu werden. Jeder Anfänger, der
eine besondere Form entdeckt zu haben glaubt, bemüht sich,
ihre Benennung durch scharfe Darstellung ihrer Eigenschaften
zu sichern. Herr Fruhstorfer setzt sich über jene Vor-
schrift oft genug hinweg. Niemand ist eifriger in der Aufstel-
lung neuer Subspezien, als er. Allein in seinen Arbeiten über
indomalayische Lycaeniden hat er deren viele Hunderte benannt.
Selten aber liefert er davon eine knappe, treffende „Kennzeich-
nung“ nach Grösse, Flügelschnitt, Färbung, Zeichnung u.s.w.
Bei ihm ist es geradezu Methode geworden, eine neue
Rasse nicht so zu beschreiben, wie sie an sich
ist, sondern sie nur mit seinen andern, oft
ebenso ungenau beschriebenen Rassen zu
vergleichen — ein Vergleich mit einer un-
bekannten X. In keiner seiner Arbeiten tritt das so zu
Tage, wie in seinen Mitteilungen über virgaureae, von
1908 bis 1917, in denen er auch nicht eine seiner vielen neu-
en Rassen so kennzeichnet, dass zumal der Unerfahrene genau
weiss, was er meint. — Beliebt ist bei ihm auch der Hinweis
auf seine vielen Walliser Exemplare, als ob deren Beschaffen-
heit jedem Leser bekannt wäre. — Oft scheint er auch ganz
zu vergessen, was er früher von einer Form ausgesagt hat, wo-
bei nicht selten frühere und spätere Angaben einander wider-
sprechen. — Für alle diese Behauptungen werde ich überzeu-
gende Beweise liefern. |
So kann ihm der Vorwurf nicht erspart bleiben, den er
(p. 41) gegen einen bekannten entomologischen Schriftsteller
erhebt: dasser „durch derlei Flüchtigkeiten sei-
ne Arbeiten entwertet“
Seine neueste Arbeit beginnt Fruhstorfer mit Erörter-
ung der Frage, welche virgaureae-Form als Arttypus
6 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918, _
gelten müsse. Er wiederholt dabei das, was Verity (Jnal.
Linn. Soc. Zool. 1913 p. 187) mitgeteilt hatte: ‚dass unter
Linne’s Originalen in London schwedische seien, die man
nun als „nimotypische Dokumente“ zu betrachten habe.
[Im Ausdruck „nimotypisch“, der mir bei Verity und Fruh-
storfer zum ersten Male begegnet, können die 2ersten Silben wohl
nur aus dem lateinischen „nimis“- „sehr“- „höchst“ gebildet sein.
Die Bedeutung wäre also: „Höchsttypus“ oder „Ueberty-
pus“, besser deutsch: „Namensform“ oder Stammform“
Hoffentlich verschwindet jenes halb lateinische, halb griechische
Wort baldigst aus dem entomologischen Sprachschatz, der solcher
fremder Missbildungen schon viel zu viele enthält.|
Fruhstorfer nimmt also mit Verity an, Linne habe
auf schwedische Exemplare den Namen virgaureae gegrün-
det. Er beruft sich dabei auf dessen (erste Auflage der) Fauna
svecica und auf Systema Naturae Ed. X. (1758). Diese Beru-
fung ist keine ganz glückliche. Wie ich 1912 nachgewiesen
habe, hat Linne in der Fauna 1746 zwar phlaeas als
„Butyracea vulgaris“ und virgaureae als „Butyracea alboma-
culata“ unterschieden und als beider Heimat die schwedische
Gegend „Westmannia“ genannt. Aber in Editio X des Syste-
ma Naturae, die leider in der zoologischen Nomenklatur als
unantastbares Gesetz gilt, hat er sie als Geschlechter einer
Art bezeichnet und beigefügt: „habitat in Solidagine virgaurea
Europae, Africae!“ Von Schweden ist also hier kei-
ne Rede mehr. |
Die Linne’schen Originale, 3 J'J, beschreibt Verity als
kleine, blasse nordische Rasse mit spärlichen, klei-
nen Markierungen der Unterseite. Eine genauere
Darstellung oder gar ein Bild fehlt. Nur ein Stück trägt einen
Zettel, vermutlich mit dem Namen, aber ohne Fundortangabe; sonst
würde Verity kaum bemerken, es bestehe nur ein geringer Zwei-
fel an der schwedischen Herkunft der Stücke.
Es bleibt nun freilich unerwiesen, dass Linne- bei der
Benennung der virgaureae jene Originale vor Augen gehabt
habe. Verity nimmt das an; Fruhstorfer spricht vor-
sichtiger nur von „derlei“ Dokumenten. Zwischen den von
Verity untersuchten und denjenigen Exemplaren, die Fruh-
storfer meint, besteht auch ein wesentlicher Unterschied.
2 schwedische Z'g‘, Typen Fruhstorfer's, sowie meine 12 5'/'
7 22 aus Schweden und Norwegen bis Tromsö hinauf, zeigen nur
individuelle Schwankungen; einzelne messen 25—26, die meisten
27—29 mm, sind also nicht gerade klein; die Z’g' lebhaft rotgolden
mit verschieden breiten schwarzen Säumen; die QQ leuchtend rot-
gelb, auf den Hfl teils fast nicht, teils ziemlich stark verdüstert;
beide Geschlechter unten vorn heller oder dunkler orange, hinten
hellbräunlich bis rotbraun, die schwarzen Punkte und weissen Flek-
ken mässig kräftig.
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 7
Da nun ein Namenstypus sein muss, stimme ich mit
Fruhstorfer überein, dass diese skandinavischen
Exemplare denselben darstellen mögen.
Hier will ich bemerken, dass Freyer’s oranula aus Lapp-
land mit diesen typischen virgaureae L. nichts zu tun haben.
Seine Bilder, welche Zwerge von 20 mm Spannung zeigen, haben
ungewöhnlich stark ausgebogene Vfl; 5’ oben blass, breit schwarz-
randig; 2 vorn hellgelb, stark punktiert, hinten schwarz mit gold-
gelber Randbinde, beide unten vorn gelb, hinten grau, kräftig punk-
tiert. — Die wenigsten Autoren, welche oranula anführen, kennen
(diese Bilder; sonst önnten sie nicht alle — Oberthür und Re-
bel ausgenommen — sie ganz anders beschreiben und sogar ab-
bilden (Gerhard, Seitz). Ich selbst habe nie Aehnliches ge-
sehen; einige lappländische Stücke, 3 ZZ‘ 1 2 meiner Sammlung
sind ganz anders und gleichen auch den übrigen schwedischen nicht.
Ich werde mich aber hüten, für sie nach berühmten Mustern eine
neue Rasse zu erfinden.
Anders steht es mit estonica Huene 1833! Die etwas
gekürzte Originalbeschreibung lautet:
/ klein, intensiv rotgolden, breit schwarzrandig, schwarze Rand-
zacken der Hfl gross, meist ein schwarzer Querstrich auf den Vfl,
bei einigen schwarze Punkte in deren Spitze, wie bei miegii. —
Q stark verdunkelte Hfl, oft auch Vfl dunkler als bei deutschen,
oft auf Hfl weisse Flecken, wie bei montana M. Dür.-Esthland.
Die Unterseite wird mit keinem Wort erwähnt, Bilder derselben
fehlen. Die einzigen mir bekannten Figuren bei Seitz (T.76.6)
geben auch nur Oberseiten. Man muss also an weiterem Ma-
terial untersuchen, wie sich estonica (bezw. esthländische)
zu skandinavischen Stücken verhalten mögen. Hier kann ich
Fruhstorfer’s Angabe, dass schwedische, finnische und esth-
ländische gleich seien, bestätigen.
17 J'g' 11 PP aus Esthland, Livland, Finnland stehen mir zu
Gebote. Dazu zähle ich ruhig 3 Z'f' 1 2 vom Ural, deren Her-
kunft Fruhstorfer mir bestritt, während Ribbe sie mir ver-
bürgt (auch der Staudinger-Rebel-Oatalog nennt den Ural als Hei-
mat von estonica). Der Vergleich lehrt, wenn man wieder indi-
viduelle kleine Verschiedenheiten in Kauf nimmt, volle Ueber-
einstimmung zwischen allen diesen und den skan-
diravischen Exemplaren. Ich hatte längst alle in meiner
Sammlung als estonica vereinigt, habe sie aber jetzt als typische
virgaureae L. zusammengesteckt.
:Der Name estonica Huene scheint auch
mir neben virgaureaeL. nicht mehr haltbar
zu sein.
Aber diese kleine Namensform tritt gelegentlich noch in ganz
anderen Gegenden auf. Vermutlich gehören zu ihr z. B. die
Exemplare, die Caflisch unter dem unrichtigen Namen
oranula vom Stilfser Joch, Berge-Rebel aus Tirol und
Steiermark, Oberthür unter dem passenderen Namen esto-
8 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
nica von Chamonix und vom Lautaret erwähnt. Ich selbst
habe in den Walliser Alpen oft 'd' gefangen, die ich von
schwedisch-esthländischen nicht unterscheiden kann.
Für Deutschland und Oesterreich- Ungarn hat
Fruhstorfer mehrere eigne Rassen aufgestellt; zu den deut-
schen Rassen zählt er zunächst (p. 32):
1.) F. virgaureae L., die sogenannte „nimotypische“
ursprünglich schwedische Form.
Sie soll von den ÖOstseeprovinzen her „sicher bis Königsberg
auftreten, während sie für den Westen und Süden noch festzustellen
wäre.“ — Wenn aber die 2 Jg‘ 1 2 aus Königsberg, die er. mir
als seine Typen gesandt hat, „alles“ sind, was er von dort besitzt,
so muss ich ihre Gültigkeit bestreiten. J edenfalls unterscheiden sich
die Jo von schwedisch-esthländischen weit mehr, als von norddeut-
schen; nur das abgeflogene, zerfetzte @ gleicht estonica. Aber 3
Exemplare beweisen nichts.
Weiteres Material bleibt also abzuwarten.
2.) F. chrysorhoas Fruhst. — Ehe der Autor der zu-
erst bei Altona festgestellten Form diesen Namen gab, hat er
1908 von ihr zweierlei 22 angemeldet: solche mit oben
dunkeln und solche mit hellen Hfl — ohne weitere Be-
schreibung! Die hellen taufte er galsnintha”) — 1917
(p. 33) nennt er die „aesamtrasse*“ chrysorhoas, von
der galsnintha eine 2 Nebenform sei. Auch jetzt fehlt
eine Beschreibung; er bezeichnet sie nur als
„ausserordentlich gross und jenen virgaureae
entsprechend, welche man allgemein als typi-
sche virgaureae zu betrachten gewohnt war.“
Allerdings verweist er für die dunkeln 22 auf ein Bild bei
Seitz und für beide 22 auf das seltene Hübner’sche Werk.
Das ist alles; und nun mag sich der geneigte Leser selbst aus-
malen, wie etwa chrysorhoas aussehen könnte. Für die
dd, von denen nie gesprochen wird, hat die Phantasie beson-
ders freien Spielraum.
Er fügt bei: „Wie weit sich die Territorialrasse bis
ins Herz Deutschlands verbreitet, vermag ich nicht zu
sagen. Eine „Serie“ JS aus Homburg passt noch recht
gut dazu. Verbürgte Dokumente aus Sachsen dagegen sind
sind schon „grundverschieden“, viel kleiner und
=) Der Name galsnintha steht in Fruhstorfers Originalarbeit
mehrmals, zum Teil mit Fettschrift. Da er vom Autor nie widerrufen
worden ist, muss er beibehalten werden, trotzdem er von demselben neu-
erdings in 'galsuinth a umgewandelt worden ist,
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. g
bilden einen entschiedenen Uebergang zu
süddeutschen. Dagegen möchte ich virgaureae aus
dem ungarischen Flachland trotz ihrem an-
sehnlichen Habitus bei chrysorhoas belassen.“
(Merkwürdig ist, dass er ungarische „trotz“ ihrem ansehnli-
chen Habitus den „ausserordentlich grossen“ chrysorhoas
zuteilt.)
Als Fruhstorfers Typen liegen mir vor: 2 fd’ aus
Altona, eine „Serie“ von 2 Zdf' aus Homburg und 2 Jd aus
— Sachsen, wo doch die Exemplare so „grundverschieden“ sein
sollen! dazu 4 22 aus Altona, 2 davon als galsuintha
und 1 von diesen mit dem Zettel „Type“ (richtig: Typus)
bezeichnet; aus Ungarn kein Stück!
Die JS messen 28—31 mm, sind also nicht „ausseror-
dentlich gross“; zu den grössten gehören die 2 sächsischen,
die also nicht „viel kleiner“ sind; alle schmal schwarzrandig;
unten vorn hell, hinten etwas dunkler orange oder hellockerfarben,
mit kleinen schwarzen Punkten und weissen Flecken. Freyer
(T.115) Labram (1836T.57) Gerhard (T.6) Berge (1876 T.15)
Berge-Rebel (T. 13) Eckstein (Schmttlge. Dtschlds.1913 T.14)
malen sie entsprechend, Hofmann (1887 T. 3) Seitz (T. 76. a)
mit breiteren Säumen. Die Unterseite bei Seitz stimmt ziemlich
genau. — Die 292 messen 30—32 mm, sind oben alle hell rotgelb
wie bei Gerhard, Rebel, Eckstein, kräftig punktiert, zwei
davon, darunter eine galsnintha, auf den Hfl etwas verdunkelt,
doch lange nicht so stark, wie das Bild bei Seitz, auf das Fruh-
storfer verweist. Ueberhaupt unterscheiden sich oben alle 4 22?
So wenig, dass mir ihre Trennung in 2 Formen unerklärlich ist.
Unterseits sind alle dunkler, als die 6 '5', zumal hinten ockerfar-
ben bis leberbraun, die weissen Flecken auffallender, die Anal-
flecken greller.
In ihrer Gesamtheit machen die 10 Typen einen einheit-
lichen und wesentlich anderen Eindruck, als die nordischen.
Deshalb erscheint es richtig, sie durch den Namen chysor-
hoas von jenen zu trennen. Ob aber diese Form als abge-
schlossene „deutsche Territorialrasse“ gelten darf,
als welche Fruhstorfer sie bezeichnen möchte, ist fraglich.
Wenn er jetzt nur von ihrer Ausbreitung vom Norden her „bis
ins Herz Deutschlands“ redet, so vergisst er, dass er mir
(29. IX. 1916) schrieb: „Hier bei Genf fliegt noch
die deutsche Rasse, die ich von Altona bis
Württemberg verfolgen konnte.“ Somit würde sich
nach seiner eigenen Aeusserung chrysorhoas (eben die deut-
sche Rasse) wenigstens südwestlich weit über die deutschen
Grenzen hinaus erstrecken.
10 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1918,
Zu dieser Frage möchte ich auf Grund des folgenden mir
vorliegenden Materials (mit Ausschluss der Frubstorfer’schen
Typen) Stellung nehmen:
Stettin F
Berlin-Spandaun .
Insel Alsen
Altona
Schlesien .
Sachsen
Erzgebirge
Riesengebirge
Mähren s
Böhmen {
Nieder-Oesterreich
Ungarn
Karpathen
Transsylvanien .
Bosnien .
Pullach (Isartal)
Nürnberg
Tirol DS
Kärnten-Krain .
Thüringen
Magdeburg
Sion)’.
Wiesbaden s
Bornich (Rhein)
Lützelstein Murat
Karlsruhe
Freudenstadt H
Bergstrasse (Bad).
Strassburg !
Schwarzwald . .
Kleinkems (Bad).
Leopoldshöhe (,„).
Belgien .
8
„nlonrlIala&lawrmw | owwwromrmwnum | md,
lswwwrrmml luuulwmol| | mn | vol lHmwr 40
35 5)
148
Davon bespreche ich vorweg 2 vor längerer us erhaltene
d'd' aus Altona.
Der eine entspricht genau meiner obigen Beschreibung der
Fruhstorfer'schen Typen; der zweite ist am Hinterrand kräftiger
gezackt, unten viel dunkler als jene, mindestens so dunkel wie das
dunkelste seiner 29. Da dieser y‘ aber schwerlich einer zweiten
holsteinischen Form angehören dürfte, muss ich annehmen, Holstein
beherberge innerhalb der chrysorhoas helle und
dunkle Jf gemischt.
Solche ff mit teils heller, teils dunkler Unterseite besitze
ich nun in allen Abtönuugen aus den verschiedensten Gegenden
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 11
reichlich. Von Stück zu Stück wechselt, oft am gleichen Ort,
die Breite der Flügelsäume, die Grösse der schwarzen Punkte
und der weissen Flecke der Unterseite, auch die Entwicklung
der roten Analflecke. Bezeichnend ist aber für alle diese Stük-
ke eine durchschnittlich geringe Grösse der
schwarzen Punkte. Der Gesamteindruck bleibt — trotz
individuellen, graduellen Schwankungen, gleichgültig, ob es sich
um nord-, ost-, mittel-, west-, süddeutsche, um belgische, böh-
mische, ungarische, bosnische f'f handelt. Stettin und Wies-
“baden, Insel Alsen und Schwarzwald liefern im Wesentlichen
gleiches Material.
Aber genau so verhalten sich die 2 ff, die Fruhstorfer
mir aus der Genfer Gegend, die 5 fc‘, die er mirals „atha-
nagild“ aus dem Engadin sandte, ferner sehr zahlreiche J’d‘,
die mir vom Jura, von Basel bis Genf, aus der Zentralschweiz, ein-
zelne, die mir von Zermatt und dem Lötschental, andere, die mir
von den Südabhängen der Alpen, aus den italienischen Zentralgebir-
gen, aus Piemont, den Seealpen, den Pyrenäen, ja vom Pontus, vom
Ural und vom Altai bis zum Amur vorliegen. — Und nicht
anders steht es mit den 2%, welche mindestens in den ver-
schiedensten Teilen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, des
schweizerischen Hügellands, aber oft auch in allen anderen er-
wähnten Gegenden genau die Merkmale der chrysorhoas,
wenigstens auf der Unterseite, aufweisen und höchstens in ge-
birgigen Gegenden eine stärker verdunkelte Oberseite haben
(Rassen juvara, alexandrae, cissites etc. —
Scharfe Grenzen lassen sich hier mit noch so viel Künstelei
nicht ziehen.
Somit ist die Form chrysorhoas neben der Na-
mensform virgaureae J]. anzuerkennen als gut cha-
rakterisiertte, aber über ganz Deutschland und
mehrere Nachbarländer verbreitete, ja zum
Teil noch viel weiterhin ausstrahlende Ne-
benform. Die Abtrennung von galsnintha ist ganz über-
flüssig, da zwischen ihr und chrysorhoas alle Uebergänge
vorkommen. |
3.) F. juvara Fruhst., die angeblich dritte deutsche Rasse,
wird vom Autor, der sie 1908 benannt hat, folgendermassen
beschrieben:
„Bayerische Exemplare differieren von norddeutschen
durch geringere Grösse, die fast ganz schwarzen Hfl, den fast dop-
pelt so breiten Submarginal- resp. Terminalsaum. Unterseite dunk-
ler, das anale Rot breiter, kompakter, die Schwarzpunktierung der
V£l reduziert. — Patria: Bayern, Typen von Passau“
19 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
Die neue Rasse wurde also mit der (da-
mals noch nicht benannten) norddeutschen
(cehrysorhoas) verglichen, die nicht nur da-
mals, sondern auch seither vom Autor: nie
beschrieben worden ist. — 1909 fügt er bei:
„Hfl sehr” dunkel — südliches Bayern bis Ungarn
verbreitet“ — Jetzt (p. 33) sagt er: „Die Namenstype soll die
auffallend verdunkelte Ortsfo rm der süddeutschen Ge-
biete umschreiben. Als „Type“ wurden 29 aufgefasst mit fast
ganz geschwärzter Oberseite der Hfl. Derlei Exemplare finden ihre
vollkommenste Entwicklungsrichtung auf österreichischem
Boden, auf der Fatra, der hohen Tatra, wo sie in
alexandrae üb ergehen. Nach Westen begegnen wir juvara
imsüdlichen Württemberg und im Schweizer Jura“
Hier kehren als eigentliches Merkmal der juvara nur
die schwarzen Hfl wieder, als ob sie ganz aus solchen
bestünde. Weitere Kennzeichen sind nicht er-
wähnt; von den o’d ist nie die Rede — Die
Patria wird schwankend angegeben: ein Mal geht juvara
von Passau durch Ungarn, ein zweites Mal ist sie süddeutsch,
ein drittes Mal auf der Tatra am schönsten, ein viertes Mal
fliegt sie im Schweizer Jura. Dabei vergisst Fruhstorfer,
dass er (p. 33) Ungarn und er an mich vom 29. IX. 1916)
Württemberg schon als Heimat der chrysorhoas genannt
und dass er Süddeutschland (ebenfalls p. 33) eine mit der „grund-
verschiedenen“ sächsischen verwandte Rasse zugeschrieben hat.
Als Typen liegen mir von ihm nur 7 22 vor:
Eines derselben aus Passau, als „Type“ bezeichnet, ist stark
abgeflogen, seine Färbung verwischt; es hat hellgelb-
rote, braun umsäumte, kräftig gefleckte Vfl, dunkelbraune, rotgelb
umsäumte Hfl, ist unten vorn genau so orange, hinten genau so
ockerfarben, wie seine 2 Typen von chrysorhoas und gals-
nintha. — Das zweite Passauer %, auch stark abgeflogen,
ist auf den Hfl schon ziemlich heller. Die übrigen 2? von Beuron
und „Ungarn“ sind teils der „Type“ ähnlich, teils hinten heller. —
dd‘ fehlen!
Unter meinem oben aufgezähltem Material finde ich
nun viele 22 (z.B. von Berlin, Dresden, Erzgebirge, Böh-
men, Krain, Bosnien, Thüringen, Schwarzwald,) die mit
den 7 juvara-Typen völlig übereinstimmen. Ziehe ich
vollends die aus den gleichen Gegenden, sowie aus Ungarn mir
vorliegenden Zc‘, die er ganz vernachlässigt, zum Vergieich her-
bei, so ergibt sich für mich die überzeugende Tatsache, dass
alle, von ihm als Heimat von juvara ge-
nannten Gegenden von chrysorhoas bewohnt
sind. Er hat zufällig von solchen einige bay-
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 13
erische Jund ungarische 2% erhalten,;,:die
dunkler sind, als seine 4 einzigen chrysor-
hoas 22 von Altona und hat sie zu einer ei-
genen Rasse gestempelt, entgegen seinem ersten
Plan, „ungarische bei chrysorhoas zu belassen.“ Von ei-
ner Rasse juvara kann also keine Rede sein.
Masuaen)go ınanna,.ıgehört. zu. chrysor-
hoas: ein juvara & ist einfach ein auf den
Hfl verdunkeltes chrysorhoas {%, das neben hel-
leren 2? überall vorkommen kann, wo es überhaupt virgau-
reae gibt.
4.) F. alexandrae Fruhst. — D% ganze erste „Kenn-
zeichnung“ (1909) lautet:
„Nahe galsuintha und juvara, aber noch grösser, mit dop-
pelt so breiten Punkten als estonica. Hfl oberseits ganz schwarz,
ebenso der Basalteil der Vfl bis zur Mitte. — Patria: Ural, Turgojak.“
Diese ärmliche Darstellung, welche beim Leser die genaue
Kenntnis dreier anderer Rassen voraussetzt, gründete sich auf
ein einziges $, nämlich auf dasjenige, das ich jetzt als
Typus aus dem Ural vor Augen habe. Dieses einzige
hat 8 Jahre lang die ganze Rasse alexandrae
darstellen müssen, bis es 1917 Geschwister be-
kam, aber nicht aus dem Ural, sondern aus Transsilvanien
(2 22), der Wachau (1 ?) und von der Fatra (1 2).
Die 5 22 stellen also das ganze Typenmate-
rial Fruhstorfers dar! — 1917 ergänzt er seine erste
Darstellung folgendermassen :
„Alexandrae stellt das melanotische Extrem der
Entwicklungsrichtung dadarch vor, dass nicht nur die gesamte Ober-
fläche der Hfl tief schwarz überdeckt ist, mit Ausnahme der rot-
elben Randmonde, sondern auch die Basis der Vfl.e. Der Randsaum
di Vfl beginnt sich zu verbreitern und die Unterseite bleibt ziem-
lich konstant ockerfarben, mit bräunlicher Beimischung auf den Hfl.
Die schwarze Diskalpunktierung der Hfl schwächer als bei vir-
gaureae von deutschen oder alpinen Fundorten. — Vorkommen:
Ural, herrschende Form in Transsilvanien, auf der Tatra, selbst in
Nieder-Oesterreich als Aberration.“
Erst diese nachträglichen Angaben gestatten einigermassen,
sich von alexandrae ein Bild zu machen. — Fruhstor-
fer’s Typen sind, bis auf 2 ordentlich erhaltene, stark ab-
geflogen ;
Die 5 22 sind 28—32 mm gross, auf den Hfl schwarz, auf
den Vfl basal sehr dunkel, auch breit braun umsäumt, kräftig
punktiert, ähnlich den juvara-Typen, unten wie chrysorhoas
22 gefärbt und gezeichnet.
14 Deutsche Entom. Zeitsehrift Iris. Dresden 1918.
—_
Ich begreife deshalb, dass der Autor von „Annäherung“
an (die mit chrysorhoas identischen) galsnintha und
juvara, ja von „Uebergängen“ zwischen letzteren und alex-
andrae spricht. Auch finde ich Aehnlichkeit mit einzelnen
meiner 22 (z. B. aus Jura, Schwarzwald, Böhmen, Bosnien).
Kämen seine Typen aus einer beschränkten Gegend, so könnte
man an eine melanotische Ortsform denken. Sie beweisen
aber nur, dass in 3 Gebirgen, die Hunderte
oder — wie die Tatra vom Ural — Tausende
von Kilometern auseinander stehen, ganzedÖ
auffallend dunkle ?% gefangen worden sind,
die aber von solchen aus manchen andern Gegenden nicht verschie-
den sind. Daraus zu folgern, dass alle übrigen 2 2 jener- Gebirge
und alle, die in den ungeheuern dazwischen liegenden Flächen Un-
garns und Russlands leben, gleich beschaffen seien, ist ein ge-
waltiger Trugschluss. Zudem hat ja Fruhstorfer das unga-
rische Flachland schon als Wohngebiet von chrysorhoas
und juvara genannt. |
Da ich nun aus den Beskiden, den Karpathen, aus Trans-
silvanien und dem Ural 0" besitze, welche nur als chry-
sorhoas gelten können, steht es für mich fest, dass alex-
andrae nichts anderes ist, als eine extrem verdunkelte chry-
sorhoas. Für mich sind galsnintha, juvara und
alexandrae die vollkommensten Parallelen zu den teils sehr
hellen, teils mässig, teils stark verdüsterten $? von tityrus
Poda (dorilis Hufn.), wie sie auf jeder Wiese neben einander
fliegen können, die kaum verschiedene Namen verdienen und
denen kein Mensch die Bezeichnung von Rassen erteilen wird.
In der Schweiz glaubt Fruhstorfer, wie er es
wegen ihrer besonderen geographischen Verhältnisse erwartet
hat, nicht weniger als 5—6 „gut differenzierte Ras-
sen“ unterscheiden zu können; zunächst wieder:
1.) F. juvara. — Es war mir höchst überraschend, dass
ich 1916 einige ihm geliehene Stücke aus dem Berner Jura
als juvara bestimmt zurück erhielt, nachdem er mir kurz
vorher geschrieben hatte: „uvara kommt von Passau
bis zur Tatra vor.“ Tatsächlich stimmen dieselben, wie
seine eignen ju vara-Typen, laut meinen obigen Angaben mit
chrysorhoas deutscher Gegenden überein. Noch deutlicher
beweist dies eine grössere Zahl weiterer mir vorliegender Jura-
Exemplare, zumal eine neue Serie von 12 O'd’ 7 22 von Tra-
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Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 15
melan, die alle Uebergänge von heller chrysorhoas-gals-
nintha zu juvara und alexandrae zeigen.
Einem meiner Jura $7, das oben in hellster Färbung mit
einem seiner galsnintha 22 wetteifert, das er aber nicht —
mitten unter den dunklen übrigen — als solches, bezw. als
chrysorhoas wollte gelten lassen, gab er die Etikette
„juvara-helle Form“ nur um diese Rasse zu retten, die
doch von Rechts wegen schwarze Hfl haben muss!
2.) Eine weitere schweizerische Rasse nennt Fruhstor-
fer nach Meyer-Dür (1853) „montana.“ Die ganze
Beschreibung dieses Autors lautet:
„Die von Meissner erwähnte Varietät des © aus den Alpen-
tälern, mit weissen Punkten vor der Hflbinde zeichnet
sich ausserdem aus: durch eine trübe braungelbe Grund-
farbe der V£fl und die durch schwarze Ueberstäubung fast
ganz verdüsterte der Hfl. Ein ® zeigt sogar auf den Vfl
eine Reihe weisser Punkte. — Die dazu gehörigen Jg‘ sind viel
kleiner als die der tieferen Regionen und nähern sich durch die
spitzen, am Rand fast senkrecht abgeschnitte-
nen Vfl der nordischen Var. Oranuia Freyer aus Lappland.
Alle meine Exemplare dieser Var. montana wurden Mitte August
am Rhonegletscher gefangen.“
Meyer-Dür hatalso der von Meisner (nicht Meissner)
kurz angegebenen $ Form den ersten Namen erteilt, aber aus-
ser der verdunkelten Oberseite kein Merkmal erwähnt, nament-
lich über die Unterseite nichts bemerkt. Zudem
ist er im Irrtum, wenn er den oran ula cf spitze, senkrecht ab-
geschnittene Vfl andichtet; Freyer’s Bilder zeigen im Ge-
genteil, wie ich oben angab, stark ausgebogene Vfl. — So ist
seine Darstellung das Muster einer unvollständigen Beschreibung.
Fruhstorfer aber macht sich dieselbe ruhig zu eigen;
ja er gibt sie nur zur Hälfte, d. h. nur so weit wieder, als sie
die dd‘ betrifft. In seinen weitschweifigen Erörterungen findet
man auch nichts Neues von den 22 ausgesagt. Die Unterseite
verschweigt auch er!
Nun ist eine verdunkelte Oberseite der virgaureae 2%
höherer Lagen, oft schon von 1000 M., geradezu die Regel;
hellglänzende, rotgelbe sind selten. Das weiss jeder, der ir-
gendwo im Hochgebirge gejagt hat. Das beweisen auch die
sogenannten cissites Fruhstorfer’s aus Uri, die alexan-
drae aus den Karpathen. Das allein war es auch, was Meyer-
Dür zur Aufstellung seiner montana bewog.
Für mich ist montana nichts Einheitliches»
keine „auf das Wallis und den Vinschgau be
16 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
schränkte Territorialrasse“, sondern ein Sammel-
surium von meist kleinen, oft aber bis 32 mm messenden J’d’
und 7% aller möglichen alpestren und alpinen Höhenlagen.
Die do‘ sind oben meist besonders feurig, oft an den Vfl be-
sonders breit schwarzrandig, an’ den Hfl stark gezähnt, auch
nicht selten mit deutlichem schwarzem Mond in den .Vfl. (Ab.
lunulata m.) Die 22 zeigen alle erdenklichen Abtönungen
der Oberseite: fahlgelb, braungelb, braun, ja schwärzlich, oft
nur noch wenig Glanz; sie neigen viel mehr, als solche tieferer
Lagen, zu keilförmigen Verlängerungen (Ab. disco-elongata
m.) und Verschmelzungen (Ab. disco-juncta und paral-
lela m.) der schwarzen Oberseitenflecke und zur Entwicklung
weisser Punkte auf den Hfl. (Ab. albopunctata. Huene.)
Beide Geschlechter pflegen kräftige, nicht selten auch etwas ver-
längerte Punkte unterseits zu zeigen. Aber die Unterseitenfär-
bung wechselt ungemein: strohgelb, heller oder dunkler orange,
grau: im Ganzen selten ist die Ockerfärbung, wie bei chry-
sorhoas auf den Hfl; doch besitze ich solche Jo" und 22
mehrfach aus den Walliser Tälern. Alle diese Färbungen kön-
nen sich aber bei Individuen finden, die neben einander gefan-
gen werden, wie ich das bei meiner oben erwähnten Lötschen-
taler Beute beobachtet habe. Eine Trennung in Formen müsste
hier uferlos werden. Deshalb habe ich von jeher alle aus den
verschiedensten Gebirgstälern stammenden, oben verdunkelten
22 samt ihren ZF — typische zermattensis ausgenom-
men — in meiner Sammlung unter der Firma montana ver-
einigt, unbekümmert um ihre Unterseiten, genau so wie Meyer-
Dür und Fruhstorfer es auf dem Papier tun.
Wie wenig übrigens Letzterer sich an der geradezu lieder-
lichen Beschreibung des Ersteren stösst, und wie sehr bei ihm
der Begriff einer „Kennzeichnung“ von dem allgemein üblichen
abweicht, lehren folgende überschwängliche Worte (p. 36):
„Der Name zermattensis Fallou hat einen umfassen-
deren und vollwertigen Ersatz gefunden. Ich freue
mich, dassich den vollgültigen Namen Meyer-Dür's
verwenden darf, weil er durch eine Diagnose gestützt no-
menklatorische Rechte erworben hat.“
Und nun wirft er kurzerhand montana und zermat-
tensis zusammen und erklärt den von Fallou, Frey, Favre,
Wheeler und mir einer ganz besonderen Form vorbehalte-
ner Namen für „hinfällig“. Derselbe habe „nur Verwirrung
und Misverständnisse“ hervorgerufen und verdiene gleichsam
in der Versenkung zu verschwinden.
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 17
Woher rühren aber diese Verwirrung und
Misverständnisse? Keineswegs vom DBenenner der
zermattensis. Denn Fallow’s genaue und ausführliche Be-
schreibung steht turmhoch über der von Fruhstorfer unbe-
denklich angenommenen ‚Meyer-Dür’s. Sie lautet — kurz
gefasst :
„gg ‚unten mit schwärzlichen Vfl-Säumen und schwärzlichen
Hflflächen, ohne Spur von Gelb, ausser kleinen Analflecken; alle
Flügel kräftig gezeichnet. 22 oben nicht rotgelb, sondern sepia-
braun, nur einzelne mit hellem Diskus; Unterseite wie bei den J’g".
Die Flecken der Oberseite bald rundlich, bald länglich, zuweilen
‘ strahlenförmig mit dem Mittelmond verbunden. Die Hälfte der PP
zeigt auf den Hfl eine Kette weisser Punkte.“
Zu dieser Kennzeichnung im wahren Sinn liefert er ein
vortreffliches Bild, leider nur der Oberseite des ?, das auf
den Hfl weiss punktiert ist, und das er ausdrücklich als „Typus“
der Var. zermattensis bezeichnet, natürlich ohne nicht-
weisspunktierte auszuschliessen.
Was die „schwärzliche* Unterseite der Flügel betrifft, so ist
der Ausdruck wohl etwas übertrieben; es gibt ausnahmsweise Stücke,
wo er genau passt; meist ist die Färbung tief rauchgrau oder dun-
kelbraun, immerhin von derjenigen gewöhnlicher montana sehr
abweichend.]
Kaum ein Autor haf sich aber bemüht, Fallou’s Text
und Bild anzusehen. Einzig Favre (Macrolepid. du Valais
1899) und ich (1911) haben dessen Beschreibung durch wörtli-
chen Abdruck nochmals zur allgemeinen Kenntnis zu bringen ver-
sucht. Trotzdem ging die Legende weiter, zermattensis seinur
eine oben dunkle 2 Form. Auch Hofmann (1887) und Spuler
. (1909) halfen die Verwirrung vermehren, jener, indem er das
„unten braun“, dieser, indem er es „oben blass“ nannte. Und
dass Seitz, statt Fallou’s prächtiges Bild zu kopieren, ein
viel helleres $ auch nur von der Öberseite wiedergab, trug
auch nicht zur Aufklärung bei.
Fruhstorfer aber hatte, als er mich 19:14 besuchte
und meine zermattensis zu sehen wünschte, Fallou’s
Beschreibung und Bild nie gesehen gehabt und äusserte, er ha-
be eben alles, was um Zermatt fliege, für zermattensis
genommen. Dass er aber auch jetzt bei diesem Irrtum ver-
harrt, zeigt seine letzte Arbeit, worin er (p. 37) wie schon
19038, behauptet, er habe 1905 in 9 Wochen 800 zermat-
tensis gefangen. Ein solches Waidmannsheil war mir in 3
Jahrzehnten, bei vielen und aufmerksamen Walliser Jagden nie
beschieden. Er begeht also einen tadelnswerten Fehler, wenn
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologisehen
- Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1918,
I.
en. un
18 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
er jene Form als gleichbedeutend mit montana unter
diese stellt.
[Beiläufig gesagt, ist sein Name seriata für oben weisspunk-
tierte zermattensis PP ganz überflüssig, weil laut Fallou die
weissen Punkte zum Typus gehörwm; um so überflüssiger, als für
weiss oder bläulichweiss punktierte virgaureae 99 3 ältere Na-
men bestehen (albopunctata Huene- 1883, caeruleopunctata
Gillmer 1905, später zu Gunsten von albopunctata widerrufen, albi-
puncta Lamb. 1908). Fruhstorfer kennt offenbar die Literatur
über palaearktische Lycaeniden zu wenig.]
Ganz unrichtig ist nun Fruhstorfer’s Behauptung, alle
Autoren seit Favre hätten zermattensis als geographi-
sche Bezeichnung aufgefasst. Favre selbst führt für diese
Form ausser Zermatt auch Simplon, Zinal, Evolena, Maderaner
und Gadıinental an, Staudinger-Rebel Tirol, Wheeler
verschiedene Orte in Graubünden, Piemont und Montblanc-Gebiet.
Aber Fruhstorfer hat diese Angaben willkürlich unter-
drückt oder bei ganz anderen Formen angeführt.
Wenn er endlich von mir sagt, ich hätte „den Standpunkt mit
Nachdruck verteidigt, dass zermattensis ursprünglich eine be-
stimmte Aberration umschreiben sollte,“ so irrter. Im Gegen-
teil habe ich 1911 betont, dass nach meinen Beobachtungen diese
Form „in allen Walliser Tälern einen ziemlich gros-
sen Prozentsatz aller virgaureae“ ausmac he.
Auf Grund meines jetzigen reicheren Materials von mehr als 300
Walliser Exemplaren kann ich das vollauf bestätigen. Denn
trotz Anlegung eines strengen Massstabes finde ich unter den-
selben wenigstens 6 bis 80%, zermattensis, ein Verhältnis,
wie es bei Aberrationen nie erreicht wird.
Für mich ist zermattensis eine beim d unten,
beim $2 oben und unten extrem verdunkelte
Gebirgsform. die alle — als montana zu vereinigen-
den — übrigen Bergformen in dieser ‘Eigenschaft übertrifft
Ihre Verbreitung aber ist nicht so eng, wie Fruhstorfer
behauptet, vielmehr sehr ausgedehnt, vom piemontesischen
Hochgebirge über alle Zentralalpen hinweg bis mindestens ins
Tirol hinein. Gerade unter meinen Cogner und Tiroler Stük-
ken passen mehrere. auch solche, die Fruhstorfer mir als
cissites bestimmte, besonders gut zu zermattensis Fallou.
3.) eissites Fruhst. — „Rasse der Urschweiz.“
Der Autor stellt zu dieser Form alle virgaureae, für wel-
che Meisner (1818) Gadmental und Grimsel, Meyer-Dür
(1852) Guttannen, Wengernalp, Furka, Glarus, Favre (1899)
und Wheeler (1903) das Maderanertal in Uri, ich (1911)
I.
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 19
den Hasleberg angegeben haben — gerade als ob er alle be-
treffenden Stücke gesehen und genau übereinstimmend gefun-
den hätte. Hinterher erklärt er allerdings Glarus als unsicher.
Hauptwohnsitz der neuen Rasse sei, Uri, von wo sie „zu den
. östlichen Berner Alpen vorgedrungen“ sei. Dass dabei der
2260 m hohe Sustenpass hätte überflogen werden müssen,
kommt für ihn nicht in Betracht; ebenso wenig, dass die Fur-
ka im Wallis liegt und von Urner und Berner Fundorten durch
die höchsten Gebirge getrennt ist; ebenso wenig, dass Meyer-
Dür als Fangplatz seiner montana den Rhonegletscher an
der Furka nennt, so dass also diese Stelle 2 „Ortsrassen“ ne-
ben einander beherbergen müsste. Trotz alle dem ist ihm
cissites eine „urschweizerische“* und zugleich „nächst
osthelderi die prächtigste Rasse der Schweiz.“
‚Sie sei nur von keinem Autor als solche erfasst worden, weil
sie alle sich mit zu knappem Material begnügt hätten. — Sei-
ne Beschreibung (p. 35) lautet:
„Cissites vereinigt in sich die Charaktere
der osthelderi mit. jenen. von zermattensis. Die
dd erreichen die Grösse mittlerer oder kleiner osthelderi; auch
gewinnt deren Flügelsaum (oben oder unten?) jene Ausdehnung,
welche für die Südrasse typisch ist; sie übertreffen dadurch alle
Walliser und Engadiner um ein Bedentendes. Die 22 bilden
eine natürliche geographische und morphologi-
sche Transition_von zermattensis zu osthelderi 2%.
In der Grösse erreichen sie wiederum mittlere transalpine 29, und
in der Färbung stehen sie gleichfalls osthelderi nahe, näher als
ihren Walliser Schwestern. Vfl von fahlgelbbraun bis zu dunkel-
graubraun variierend, äusserst kräftig schwarz gefleckt, ohne jedoch
die derben Keilflecken der osthelderi zu erreichen, aber auch nie
so zierlich punktiert, wie die vorwiegend orangefarbenen Jura-Indi-
viduen. Unterseits sind sie wesentlich dunkler als „meine grosse
Walliser Serie“, auch fehlt ihnen der intensiv orangefarbene Anflug,
welcher die Jurarasse auszeichnet. Es stellt sich vielmehr bereits
der grünliche Anflug der Hfl ein, ein Charakteristikum der trans-
alpinen Repräsentanten der Kollektivspezies.“
Diese wiederum nur vergleichenden, nicht aber schar!
kennzeichnenden Erörterungen wären durch eine kurze Schil”
derung der Ober- und Unterseite beider Geschlechter vorteilhaft
ersetzt worden. Dabei stützt sich Fruhstorfer auf höch-
stens je ein Dutzend JS’ und 22 (darunter 5 eigene dd’ 10 2%
aus Uri), inbegriffen 1 0‘ aus dem Meiental, 4 "1% aus
dem Hasletal, die ich ihm gesandt hatte. — Seine mir vorlie-
genden Typen sind 2 ZT 9 2%, alle aus dem Kanton Uri,
(Erstfelder Tal, Susten): |
0 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
Einer seiner Ycf' könnte eben so gut aus dem Jura stammen;
er hat nicht die geringste Aehnlichkeit mit zermattensis oder
osthelderi; der zweite stimmt genau mit vielen /üf von ost-
helderi. — Die 29, alle auf den Hfl, einzelne auch auf der Basis
der Vfl mehr oder weniger verdunkelt, aber bis auf 2 noch mit rot-
gelb glänzendem Diskus, gleichen. meist unterseits helleren oder
dunkleren chrysorhoas und können ruhig zur montana-Gruppe
gezählt werden; ein einziges hat die ockerbraune, basal grünlich
schimmernde Unterseite der Hfl von osthelderi.
Ausser diesen Fruhstorfer’schen liegen mir 19 7 10 22
aus den von ihm als Wohnbezirke von cissites bezeichneten
Gegenden (Uri, Hasletal, Grimsel) vor — ein Gemisch von
Individuen, die teils zur chrysorhoas, teils zu montana,
teils zu osthelderi zu stellen wären. Gemeinsame Merk-
male, welche ihre Zusammenfassung zu einer einheitlichen Form
rechtfertigen könnten, fehlen gänzlich !
Am auffallendsten war mir Fruhstorfer’s Verhalten
gegenüber 7 SS 4 22 meiner Sammlung aus Tirol (Trafoi und
Gomagoi am ÖOrtler, Unser-Frauen, Taufers.) Ich hatte sie zu
meinen Walliser zermattensis gesteckt, die sie zum Teil in
der verdunkelten Unterseite überbieten. Nun schrieb er mir:
„Die vom Ortler gehören zu cissites, der
Rasse der Urschweiz, das 2? von Taufers’za
zermattensis.“ Jetzt schreibt er darüber (p. 36): „Viel
interessanter ist das Auftreten von cissites im Ortler-
gebiet und im südlichen Tirol, wo dem cissi-
tes äusserst nahe verwandte Individuen ge-
funden werden und sich in der Sammlung Courvoisier befinden.“
Jenes 2 von Taufers aber ist von zermattensis ganz ver-
schieden durch seine sehr blasse Unterseite. Und aus dem
Ortlergebiet besitzt das Basler Museum neben 4 montana 2
drei, welche nur als tynische zermattensis gelten können.
Somit hätte das Ortlergebiet nicht weniger als 3 „distinkte Ras-
sen“ neben einander.
Ich denke, das Mitgeteilte genüge für den Nachweis, dass
die „gut differenzierte urschweizerische
Rasse cissites“* in der Luft steht.
4.) F. athanagild Fruhst. - Die erste Darstellung
(1908) lautet:
„Verglichen mit fast 100 4‘ 2 von zermattensis Falloui differie-
ren Jo aus dem Engadin durch ihre Kleinheit und-ähnlich juvara
verdunkelte Unterseite mit ausgedehnteren analen bleichroten Mond-
flecken. Die Q9 sind alle so hell wie forma gals-
nintha, habituell jedoch viel kleiner, jenen von estonica nahe-
kommend und unterseits von zermattensis sowohl wie estonica
2 Deutsche Entom. Yeitschrift Iris. Dresden 1918.
= > er
differierend durch die dunkel ockergelbe Grundfarbe, — Patria:
Engadin Juli-August 1902, H. Fruhstorfer les;
Ganz anders lautet die neueste Beschreibung (t3TiPR. 38):
„Die Graubündner Rasse stellt die Verbindung von mon-
tana zur Juraform dar, indem die P9 oberseits wieder (!) das
vorwiegend orangefarbene Kolorit der virgaureae
tieferer Regionen annehmen. In der Kleinheit und auch im Charak-
ter der gg halten sie jedoch starr am Habitus der montana
rediviva fest. Die 2% variieren erheblich, viel mehr
als Walliser 29, weil Exemplare mit orange farbener, fast
lehmgelber und grau überhauchter Oberseite der
Vfl vorkommen, so dass durch letztere ihre strenge Atfinität mit
montana bewiesen wird, während die umgekehrt do minieren-
den rotbraunen 9% bereits wieder die Juraform vortäuschen.
Das Material, welches mir Herr Prof. C. anvertraut hat, ist in die-
sem Sinn besonders instraktiv. Vorkommen: Graubünden, Engadin
(Type) 6 Jg‘ 1 2 1902. Fruhstorfer leg. Rosegg 1. cf 2 00, ber-
engadin 2 29, Brigels 1 2 (Coll. Courv.)“*
Durch Vergleichung hätten Beschreibungen lässt sich leicht
feststellen erstlich: dass Fruhstorfer 1908 (wie noch 1917)
nur eın einziges Engadiner 2 besass und auf
Grund dieses einzigen aussagte, wie alle
Engadiner 22 aus ssähen. — Ferner: dass diese Enga-
diner 22 zwischen 1908 (wo sie alle so hell wie gals-
nintha waren) und 1917 eine merkwürdige Wandlung erfah-
ren haben müssen. Jetzt zeigen die wenigen 6 ihm vorliegen-
den PP eine ganze Musterkarte von Färbungen: „rorwie-
send orangefar benes Kolorit“, „dominier-
ende rotbraune“ Farbe, daneben „fast lehmgelbe
und grau überhauchte Oberseite“, und im Gan-
zen „variieren sie viel mehr als Walliser.
Wie erklären sich diese Gegensätze ?
Im Jahre 1916 erhielt Fruhstorfer von mir die 5 von
ihm aufgezählten Graubündner 2%. Als sie zu mir zurück-
kehrten, hatte er sie alle als „athanagild“ bestimmt. Auf
meine Einwendung, dass keines dem andern gleiche, sie also;
nicht eine einheitliche Rasse bilden könnten, antwortete er
„Die Engadiner in ihrer Gesamtheit bilden die Rasse athana-
gild. Selbeist nicht in allen Gliedern bestän-
dig; aber die ganze Herde hat Merkmale, welche wir bei 100
zermattensis in gleicher Weise ausgebildet nicht feststel-
len können.“ Dabei vergass er nur, diese Merkmale zu nen-
nen. Ich war also nicht klüger als vorher und konnte mir
irgend eines meiner 2% als '„nimotypisch“ auswählen.
Immerhin scheinen ihn meine Exemplare davon überzeugt
zu haben, dass nicht alle Engadiner 2? wie galsnintha
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chryrophanus virg. L. u. seine Nebenf. 92
aussehen. Das kommt nun in seiner letzten Beschreibung zum
Ausdruck. Doch fällt er jetzt ins andre Extrem, indem er sie
viel mehr als Walliser 2% variieren lässt, während bekannt-
lich in keiner Gegend so wechselnde Färbungen der 2? vor-
kommen, wie gerade im Wallis.’
Mir liegen 5 Zf 1 2 als Fruhstorfers Typen vor,
alle mit der Etikette „Engadin“, das 2 als „Type“ bezeichnet:
Von den ZJ'S misst einer 27, die anderen messen 29—30 mm,
sind also nicht gerade klein. Alle sind oben wie unten vielen
chrysorhoas Jc aus dem Jura oder von deutschen Orten ge-
nau gleich. Das 9 misst nur 26 mm und gleicht in der Färbung
beidseits einem von Fruhstorfer's galsnintha 9%, gehört also
ebenfalls zu chrysorhoas. Es hat aber 9 Jahre lang den weib-
lichen Teil der Rasse athanagild darstellen müssen!
Neben Fruhstorfers Typen verfüge ich jetzt über
10 dd‘ 10 ?2 (darunter 5 eigne dd’ 6 2?) aus dem Enga-
din und den in dasselbe mündenden Seitentälern (Rosegg,
Morteratsch, Bevers) und Passstrassen (Flüela, Albula).
Einige messen 27, weitaus die meisten 29—32 mm. Die Jcf
haben wechselnd breite Säume, wie andere alpine 5'y' auch; unten
zeigen sie strohgelbe bis orangefarbene Vfl, graugelbe oder heller
oder dunkler ockerfarbene H£fl und bald schwächer, bald stärker aus-
gesprochene rötliche Analmonde; 4 Z'g' aber haben die typische
Färbung von zermattensis, als welche sie mir gelten; 10°
hat sogar einen fast schwarzen Ton der Hil mit dem grünlichen
Schimmer der osthelderi. — Von den 2 ist nur ein mir ge-
höriges genau wie das Fruhstorfer’sche von der hellen Färbung sei-
ner galsnintha. Alle übrigen haben oberseits mindestens basal
verdunkelte Vfl, alle verdunkelte, einer sogar geradezu schwarze Hfl,
wie richtige montana 99; 5 von den 11 29 sind auf den Hfl
weiss punktiert, eine Erscheinung, die ich stets nur bei stark ver-
düsterten Stücken beobachtet habe. Die Unterseite der 2P zeigt
alle möglichen Färbungen, am häufigsten die Ockerfarbe der Hfl
wie bei chrysorhoas; ein @ aus Bevers ist typisch zer-
mattensis.
Es ist also bei allen mir vorliegenden 15 Jd’ und 11 2?
keine Rede vom „Dominieren“ dieser oder jener Färbung. Sie
bilden, um mit Fruhstorfer zu reden, eine „nicht in al-
len ihren Gliedern beständige“, vielmehr eine recht buntschecki-
ge „Herde“, aber keine einheitliche „Rasse“. Und von dem
aus dem Wallis über den Simplon zum Engadin fortschreiten-
den „Aufhellungsprozess“, der sich bei den Engadiner ?*?
schliesslich in einem „Maximnm der Rötung der Oberseite“
kundgeben soll, ist nichts zu bemerken. -
Nun aber muss es mir gestattet sein, nach Fruhstor-
fer’s Beispiel ausser Engadinern auch Exemplare aus dem
übrigen Graubünden (mit Ausnahme der Südtäler)
23 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
zu berücksichtigen. Führt er doch 1908 Stelvio und Bergell
(nach Frey), Sedrun im Rheintal (nach Wheeler), jetzt
Brigels im Rheintal (auf Grund eines meiner ?) als Fundorte
der „Engaliner Rasse“ an. Ja zuletzt hat er diese ausdrück-
lich zur „araubündner Rasse“ umgetauft. Ich verfü-
ge — neben den Engadinern — über folgende Graubünd-
ner Stücke:
g’ 2?
Vorder-Rheintal (Tschamest, Somoix, Brigels) . . 5) 9)
Hinter |, ea a a 2
Aibalatal (Filisur,, Bergüin) ., ;.0. Jaıeild sung 3
N N ea ek >
Fratugau (Klosters; Farna) . , . : „040“ 2 1
26 14
Auch diese Gesellschaft ist genau so bunt, wie diejenige
aus dem Engadin; irgendwelche Uebereinstimmung fehlt gänz-
lich: 10 ff (von Tschamest, Somoix, Davos, Klosters, Bergün)
verhalten sich wie transalpine osthelderi; 3 (Tschamest,
Brigels, Davos) wie Jura-chrysorhoas; die übrigen haben
charakterlos wechselnde Unterseiten. — Unter den 22 sind 3
(Somoix, Bergün) ausgesprochen, 2 (Splügen) annäbernd ost-
helderi, 3 (Somoix, Davos) richtige chrysorhoas, die
übrigen einfach montana.
So gelange ich zum Schluss, dass es eine Enga-
diner oder Graubündner Lokalrasse atha-
Dasıld nicht gibt!!
5.) F. osthelderi Fruhst. — Die Originalbeschrei-
bung (1909) lautet:
„J' nahe zermattensis, jedoch viel grösser, der
schwarze Diskalsaum der V£l fast doppelt so
breit, Hfl stärker schwarz gezähnt. Unterseite
dunkler ockerfarben, die schwarzen Makeln bei beiden
Geschlechtern viel grösser. 2 oberseits auf. den Vfi ähn-
lich athanagild vom Engadin, jedoch dichter grau beschuppt,
Hfl fast ganz schwarz mit deutlichen blauen Submarginal-
punkten, — Patria: Fornazzatal, Piemont, (ogne, Iselle, Tessin,
Fusio 11 $% 2 22."
1917 kommen dazu einige Ergänzungen:
„Auch die 22 dokumentieren, dass sie einer bereits konsolidier-
ten Rasse angehören; die Hfl Oberseite ist „in der Re-
gel verdunkelt; unter 30 Exemplaren sind nur 2 vom „andro-
tropen Kolorittypus.“ Die Unterseite beider Geschlech-
ter bemerkenswert durch einen manchmal sogar schwärzlich-
grünen Anflug der Hf£l.“ — Beigefügt werden neue Fund-
orte: Val Antigorio, Anzasca, Crevola, Mesocco, Blenio, Piora; als
wahrscheinlich Bergell, Veltlin, Poschiavo, „in welchem letzteren sie
bereits an Ansehen verliert,“
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 24
Als benütztes Material werden aufgezählt: 75 Jo‘ 30 22
— eine achtbare Zahl, die schon zu gewissen Schlüssen be-
rechtigen kann. — Ich besitze durch-Fruhstorfer längst
18 JS 3 2%, zu denen neuerdings 9 22 als seine Typen
kamen; überdies habe ich vor mir viele Exemplare aus den
von ihm genannten oder sonst in Betracht kommenden Gegen-
den, zusammen 138 Jo’ 75 2%, nämlich:
of 2
Val Leventina (Airolo, Rodi, Sn DE NE 29
Zion" . SALHEMWER, 1 2
5 Campolungo (Dalpe) ER 7
Lukmanier . 1 Da VAR A 1 —
Val Blenio und ‚Campo 2 A nn
n„ Mesoco . . RE EN N 10
„ Calanca 1 _
Monte Cenere 1 3
Novaggio 9 1
Val Verzasca — I
Ob. Bellinzona. 2 Er
Valle Maggia (Fusio etc) . 22 3
Centovalli und Val Vigezzo 4 —_
Val Antigoria und Formazza 2 —
„ Anzasca (AOBERDEN 4 2
Monte Generoso . 1 =
Südseite des Simplon mit Laquin und Val Vedro 19 8
Val Poschiavo . . x 1 +
Bormio (Ober Veltlin) 1 1
Fuldera im Münstertal . 1 77
138 75
213
Auf Grund dieses dem Fruhstorfer’schen nach der Zahl der
Individuen und der Fundorte sehr überlegenen Materials kann
ich zur Vervollständigung seiner Diagnose typischer ost-
helderi folgendes mitteilen:
cf durchschnittlich die grössten der Art, viele 32—35, einzel-
ne bis fast 40, manche aber nur 30, ja 23 mm messend. Flügel-
schnitt gerundet, oft aber Vfl spitz; oben stark rotgolden, schwarze
Vfl-Säume, besonders gegen die Spitze, breit. bis 3 mm, schwarze
Hil-Zacken sehr kräftig, zuweilen als freie Punkte abgelöst. Un-
ten: Vfi orange, breit dunkel umsäumt, kräftig punktiert, Hfl dun-
kel ockerbraun, oft grünlich angeflogen, auch kräftig punktiert,
weisse Flecke gut entwickelt. — 2 9 durchschnittlich kleiner, man-
che nur 28, viele 30, einzelne bis 32 mm messend; Färbung oben
sehr wechselnd: hellgelb, rötlich, matter oder schon vorn verdun-
kelt, zumal hinten oft fast schwarz. Einzelne so hell, wie hellste
galsuintha, andere sehr dunkel. Keines meiner 75 QR zeigt
blaue Saumpunkte! Alle oben kräftig punktiert, die Punkte wie
bei vielen montana Q% oft keilförmig. Unterseite wie bei den
dd, oft auf den Hfl noch dunkler,
35 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918,
So der Typus! Fruhstorfers Vergleich mit zer-
mattensis trifft insofern zu, als die Unterseite Aehnlich-
keit zeigt. Weshalb aber hat er bei zermattensis die
Unterseite, die doch bei ihr entscheidend ist, so völlig ver-
Schwiegen ? |
Dem Typus entsprechen aber bei weitem nicht alle in den
Wohngebieten der osthelderi gefangenen Exemplare,
Etwa bei 25°/,, zumal bei 22 tiefer gelegener Gegenden, sind
beide Seiten, besonders die untere, stark aufgehellt, so dass
letztere sich derjenigen hellster chrysorhoas nähert.
Beständig bleibt nur die beidseits kräftige Zeichnung und der
bräunliche Vfl-Saum.
Ein 2 von Gondo, am heissen Südabhang des Simplon, erhielt
Fruhstorfer von mir zur Einsicht. Darüber schrieb er mir
(19. XI. 1916): „Wunderbar ist Ihr kleines osthelderi Q aus
der Gondoschlucht. Es ist eine Ausgeburt der Hölle-
fähig, die schönsten Rassen zu verderben.“ (Bei
läufig. bemerkt: ein auffallendes Zugeständnis, dass ein Stück ganze
Rassen verderben kann!) Jenes @ nun ist von irgendwelchen
chrysorhoas aus dem Jura oder aus Deutschland nicht zu un-
terscheiden. Fruhstorfer ist durch diesen unausschaltbaren
Störenfried sehr beunruhigt worden.. Aber er wusste sich zu helfen;
denn jetzt schreibt er (p. 40) darüber: „Am Südabhang des
Simplon, jedoch in höheren Lagen, z.B. in der Gon-
doschlucht, modifiziert sich osthelderi zu einer
interessanten alpinen Form: Die Exemplare werden
kleiner, oben feuriger rot, die Unterseite lebhaft ockerfarben,
ohne Spuren grauer, grüner oder gelblieher Beimischung. Ein
solches @ befindet sich in der Sammlung Cour-
voisier vom 24. VIII. 1583. — Dabei liegt Gondo in der „alpi-
nen“ Höhe von 860 m., ganze 240 m. über und 5 Kilometer von
Iselle, das mir Fruhstorfer am 19. XI. 1916 als „typische
Lokalität der geographischen Lokalrasse ost-
helderi“ bezeichnet hatte. Das 9 ist ferner oben „feurig rot“,
während, wie er ganz gut. weiss, alpine 92 fast immer verdunkelt
sind. Endlich ist es ein 9, und aus diesem einen 9
macht er wieder eine ganze neue Form. Aber es
galt eben auch hier, die Rasse zu retten, in welche dasselbe sonst
nicht hinein gepasst hätte. {
Ausser diesem zur Nebenform von osthelderi gestem-
pelten, tatsächlich von chrysorhoas nicht unterscheidbaren
? gehören noch 15 andere aus dem Stammgebiet der ost-
helderi kommende $22? zu chrysorhoas; auch 7 dd
müssen letzterer zugezählt werden; 3 J’d’ von Airolo und vom
verhängnisvollen Gondo stimmen gar mit der, chrysorhoas
nahe verwandten, wo nicht zu ihr gehörigen virgaureola
Stdgr. überein, deren Unterseite fast erloschene Markierung
zeigt. Manche 2% nähern sich sehr zermattensis. Etwa
Prof. Dr. Courvoisier. Veh. Chrysophanus virg. L.u. seine Nebenf. I6
ein Dutzend fo’ und ?2 aber haben gelbgraue statt ockerfar-
bene Unterseiten; diese ??, zu denen die meist abgeflogenen
Fruhstorfer’schen 9 Typen von Locarno gehören, sind auch
oberseits viel heller, als solche aus höheren Lagen, und schei-
nen einen Uebergang zur sogenannten apennina Üalb. der
italienischen Zentralgebirge zu bilden. 2 22 des Basler Mu-
seums aber, aus dem Anzascatal, sind unglaublich verschieden:
das eine unten typisch osthelderi, das andere der andalu-
sischen miegii Vogel mit ihrer ganz hellen Färbung beider
Seiten zum Verwechseln ähnlich.
Endlich beweisen mir gewisse schon besprochene Vorkomm-
nisse zwingend, dass osthelderi keineswegs nur
transalpin ist, sondern auch nördlich der Alpen, weit weg
von Tessin und Italien, genau gleich auftritt, zum Teil mitten
unter anderen Formen. 1916 schriebich an Fruhstorfer,
ich besitze einen stattlichen d' vom Hasletal im Berner Ober-
land, den ich von osthelderi nicht unterscheiden könne.
Er antwortete: „Dass osthelderi im Oberhasle-
tal vorkömmt, ist vollkommen ausgeschlos-
sen; dort können nur JS auftreten, die entfernt an ost-
helderi erinnern.“ Nichdem ich ihm das d’ geschickt hatte,
bekannte er zwar: „Es ist der ausgesprochenste
osthelderi, den ich je gesehen,“ bestritt nun
aber dessen für mich zweifellose Herkunft. — Ich besitze aber
noch 2 JS’ und 1 2, die ich selbst im Hasletal gefangen ha-
be, und von denen ich oben schon sprach, die ich jedoch nur
als osthelderi betrachten kann; besonders 1 J’ und das 9,
welche die meisten meiner transalpinen Exemplare in der dun-
keln, grünlich angelaufenen Unterseitenfärbung noch übertreffen.
Er hat mir sie aber, treu seiner vorgefassten Meinung, dass
osthelderi in der Zentralschweiz „ausgeschlossen“ sei, als
cissites bestimmt. — Auch an die vorhin besprochenen
10 ZT 5 22 aus Graubünden, die zu seiner athanagild
gar nicht, dafür um so besser zu osthelderi passen, sei
hier erinnert; ebenso an den bei Besprechung der Form alex -
andrae erwähnten osthelderi 5 aus Transsilvanien.
Endlich betone ich, dass unter 9 mir vorliegenden bosnischen
dd 3 typisch osthelderi sind, während die anderen und
10 22 au chrysorhoas gehören. Trotz all dem bekenne
ich, dass typische osthelderi ganz wohl einen eigenen
Namen verdienen. Sie liefern einen gewissen Parallelismus zu
typischen zermattensis, indem sie in hauptsächlich süd-
97 Deutsche Entom, Zeitschrift Irie. Dresden 1918.
lichen Gegenden eine ähnliche extreme Verdunkelung der Unter-
seite aufweisen, wie jene in den Alpen.
6.) F. pelusiota Fruhst.e — Ueber diese angebliche
Rasse schrieb der Autor 1910 (Ent. Ztschr. Stuttgt. p. 144):
»„g sehr nahe osthelderi“ — weiter erfährt man nichts
über den g‘. „Das 2 wird am besten alseine stattliche zer-
mattensis bezeichnet. Die Cogne 2% differieren aber von 23 22
aus Zermatt und 3 22 vom Nordabhang des Simplon in meiner
Sammlung durch die robustere Zeichnung, d.h. in Folge
ihrer Grösse verdoppelte schwarze Makeln aller Flügel und sehr
breite weisse Binden der Hfl. — Patria: Cogne Juli 1910.“
In dieser wiederum höchst dürftigen „Kennzeichnung“ hü-
tet sich der Autor vor genauer Angabe der Zahl seiner 'I'ypen.
Indem er aber von den Cogne ?? spricht, gibt er sich den
Anschein, als hätte er deren eine ganze Anzahl vor Augen ge-
habt. Tatsächlich ergibt sich aus folgender Ergänzung zu sSei-
nen ersten Angaben (p. 39), dass er 1910 wie 1917 nur
ein Cogner $ besass, das nun wieder sei-
nen Teil der Rasse darstellen musste:
„Pelusiota würde ich, wenn die Form erst heut beschrieben
würde, als Höhenform der osthelderi bezeichnen. Pelusiota
hat durchaus die Charaktere der osthe}deri bewahrt; nur blei-
ben die JS in der Grösse etwas hinter mittleren transalpinen vir-
gaureae zurück; der schwarze Saum ist weniger ausgedehnt, die
Grundfärbung der Unterseite bleicher. Das 9 gieicht dem cissi-
tes £; doch ist es auf den Hfl oberseits weniger schwärzlich ; vom
osthelderi ® differiert es durch kleinere schwarze
Fleckung der V£fl. — Fundorte dieser transalpinen Höhentorm ;
Cognetal (Type) Macugnaga. 4 JJ 19“
Wer aus diesen verworrenen Angaben das Wesen der neu-
en Form ergründen kann, «den bewundere ich. Der 7 war
1910 ganz nahe osthelderi; auch 1917 „bewahrt er durch-
aus dessen Charaktere“ -- nur fehlen ihm von diesen die wich-
tigsten: Grösse, breite schwarze Säume, sehr dunkle Unterseite.
Das 2 war 1910 eine „stattliche zermattensis* — nur
sah es ganz anders aus; 1917 gleicht es der cissites —
nur ist es heller! Auch die schwarze Fleckenzeichnung wech-
selte zwischen 1910 und 1917: damals war sie „robust“, jetzt
ist sie „klein“. — Dazu kommen widersprechende Angaben
über die Heimat von osthelderi und pelusiota: 1909
war erstere, 1910 und 1917 ist letztere die Lokalrasse von
Cogne; p. 39 wird Macugnaga im Anzascatal als Wohnort von
pelusiota, p. 40 dieses gleiche Tal als Wohnort von ost-
helderi genannt.
Fruhstorfer’s pelusiota-Typen sind:
3 dd‘ 12 aus Cogne, 2 Sg’ aus Macugnaga. Einen der letz-
teren, der typisch osthelderi ist, schalte ich sofort aus; die
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Shrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 98
übrigen 4 JJ, alle nur 26—28 mm messend, entfernen sich von
osthelderi durch ihre blasse Unterseite sehr und gehören ein-
fach zur alpinen montana. — Auch das, wie erwähnt, einzige,
angeblich „stattliche“, tatsächlich nur 28 mm messende, stark
abgeflogene, zerfetzte Rassenweib aus Cogne, ist ein
oben ziemlich verdunkeltes, auf den Hfl weisspunktiertes, einfach als
montana zu bezeichnendes Exemplar.
Somit fällt für mich die ganze, auf so
wenige und mit der Beschreibung so gar
nicht stimmende Exemplare gegründete Ras-
se pelusiota in ein klägliches Nichts zu-
sammen.
7.) F.theages Fruhst. — Darüber lesen wir (p. 40):
„g eine Transition von athanagild zu ost-
helderi, im Habitus genau die Mitte haltend zwischen beiden.
Die Vfl haben bereits die spitze Form der Engadiner und Zermatter
virgaureae und nicht die gerundete der transalpinen osthel-
deri; deren schwarze Umrandung ist jedoch viel ausgedehnter,
ohne dass jedoch die robusten Randflecken der H£fl, welche ost-
helderi eigen sind, erreicht werden. Auch der Farbenton der
Unterseite auf den Vil, zwar entschieden dunkler als bei athana-
gild, erreicht nicht mehr das gesättigte Grün der osthelderi.
Und vollends reduziert sind im Gegensatz zu letzteren die
schwarzen Punktflecken der Vfl, so dass sie eben
noch den winzigen Punktreihen der Engadiner Exemplare gleichen.
— Vorkommen: Poschiavotal zwischen le Prese bei 900 und Brusio
bei ungefähr 700 M. — Das 2 hoffte ich im nächsten
Jahr zu erbeuten“ Na:
Ich füge bei, dass er mir über ein 2 aus Bormio im Ober-
Veltlin, das ich ihm geschickt hatte, am 3. XII. 1916 schrieb:
„Die grösste Freude hat Ihr 2 aus Bormio
bei mir hervorgerufen Ich besitze dazu
3 Od aus Brusio im Poschiavotal.“ Er hat dem-
selben denn auch die Etikette „theages“ angesteckt. Die-
ses gleiche 2 verleugnet er aber jetzt völ-
lig, offenbar weil es eben doch nicht „zu den 3 JS“ gehört,
vielmehr ein chrysorhoas 2 ist. —- Dagegen hat er mir
alsseine einzigen theages-Typen2 co geschickt.
Sie messen 30 mm, sind oben breit schwarzrandig, haben keine
spitzeren Vfl als manche osthelder:, und gleichen auf der Un-
terseite genau ebensolchen mit kräftiger Punktierung.
Auch ein mir gehöriger /', der mit jenem ®@ bei Bormio
gefangen worden ist, stimmt zu osthelderi. Bis auf Wei-
teres betrachte ich deshalb theages als identisch mit
osthelderi, die ja nach Fruhstorfer’s eigener Angabe
im Poschiavotal vorkommen, aber dort „bereits an Ansehen
verlieren“ soil.
m
239 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
8.) Rasse des westlichen Wallis? — Am
19. Xl. 1916 schrieb er mir: „Die grösste Freude bereiteten
mir de hellen 2? Exemplare von Finshauts,
die ersten Anwärter einer sich ausbilden-
den Arealform -— sehr natürlich an der
Peripherie des Bezirks der zermattensis und
deshalb schon der Uebergang zu den For-
men der Genfer Region.“ — Jetzt schreibt er
(p. 37) in ähnlichem Sinn, indem er weitläufig erörtert, wie
die 2?2.der westlichen, südwärts ausstrahlenden Walliser Täler
viel heller seien als die fast durchweg verdunkelten, deren
Mittelpunkt das Zermatter und Saaser Tal seien. Es handle
sich also offenbar um die Entstehung einer neuen
Rasse.
Leider muss ich dieser Weissagung entschieden entgegnen.
Es war der reine Zufall, dass ich ihm nicht alle meine 22 aus
jenen Walliser Tälern sandte, sondern anscheinend nur helle.
Tatsächlich befinden sich unter 26 Jo‘ und 22 28, die ich aus
den Tälern von Finshauts bis Turtman vor mir habe und meist
selbst besitze, manche sehr dunkle und einige, die völlig typi-
schen zermattensis entsprechen. Umgekehrt sind unter
meinen Exemplaren aus den Vispertälern und aus dem diesen
nördlich gegenüberliegenden Lötschental viele mit sehr heller
Oberseite. — Die „Anwärter der neuen Arealform“ werden
sich also wohl mit Geduld wappnen müssen. 1 0 2 22 von
Martigny sind richtige chrysorhoas.
9.) Rassen der Genfer Region? — Oben er-
wähnte ich schon, dass Fruhstorfer mir 1916 schrieb, bei
Genf fliege noch „die deutsche Rasse“ also diejenige,
die er jetzt chrysorhoas nennt; und soeben führte ich sei-
nen Ausspruch über „die Formen der Genfer Re-
gion an. Jetzt scheinen sich diese (p. 37 unten) auf „die
Rasse der Genfer Region“ vermindert zu haben —
also lauter Widersprüche! Was soll gelten ?
Seine Typen sind 2 ZZ 1 Q aus der Genfer Gegend (Jura und
Savoyen); 1 „‘ trägt eine vorläufig leere Etikette, ebenso das 9,
der andre Z' einen „Type‘-Zettel. Vermutlich war für die 3 Stücke
wieder ein eigner Rassenamen vorgesehen. Alle 3 sind aber
typische chrysorhoas, wie sie im ganzen Jura fliegen. —
Auch 15 J’Z 1 9, die ich neuerdings von Genfer Sammlern aus
der Genfer Gegend (Saleve etc) und vom nahen St. Cergues im
Waadtländer Jura erhalten habe, sind ausnahmslos chrysorhoas.
Eine eigene Rasse der Genfer Region
existiert also nicht,
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 30
10.) F.inalpinus Verity. — 1913 bei der Schil-
derung der Linne’schen Originale in London äusserte Verity:
es empfehle sich. von der „nimotypischen“ nordischen Rasse
diejenige der zentraleuropäischen Gebirge abzutrennen, die sich
immer durch badeutendere Grösse, leuchtendere Färbung und
kräftigere Zeichnung von jener unterscheide. Er schlug für sie
den Namen inalpinus vor.
Aus diesen Angaben spricht, wie Fruhstorfer richtig
bemerkt, völlige Unkenntnis der zentraleuropäischen virgau-
reae. Fast alles, was Verity beliauptet, ist unhaltbar.
Dagegen anerkennt Fruhstorfer mit Verity die im pie-
montesischen Valdieri fliegenden virgaureae als Typus von
inalpinus. Bis jetzt fehlt aber jede Beschrei-
bung dieser Form. Das hat Fruhstorfer nicht
gehindert, einem meiner Sc aus den Seealpen die Etikette
inalpinus anzustecken. Dieser 0’ aber, sowie 1 0'2 22 aus
Valdieri in meiner Sammlung sind wieder nur chrysorhoas,
wie sie im Jura oder bei Altona fliegen!
Hier kann ich beifügen, dass, was ich von virgaureae
aus den italienischen Zentralgebirgen (als sogenannte F. apen-
nina Calb.), den Seealpen, den französischen Pyrenäen besitze,
von ehrysorhoas nieht wesentlich verschieden ist, nur
sind die italienischen ?2? meist oben sehr hell rotgelb. Doch
will ich nicht auch in den Fehler verfallen, aus etwa 2 Dut-
zend Stücken beider Geschlechter, die ich besitze, weitgehende
Schlüsse zu ziehen.
Ferner erwähne ich, dass Fruhstorfer 1916 ein Pär-
chen aus Digne mir mit den Etiketten „temesa“ und mit
seinen Typezetteln versehen hat. Offenbar hat er eine eigene
Digner Rasse schaffen wollen, aber zum Glück darauf verzich-
tet, denn auch diese Stücke sind nur chrysorhoas.
Von armenischen virgaureae glaubt Fruhs-
torfer (p.42) „sie werden einer unbeachte-
ten Rasse angehören, deren Entwicklungs-
linie ziemlich nahe kommen wird der
aureomicans Heyne aus dem Taurus.“ Das
begreife ich sehr: mir liegen, hauptsächlich aus Staudinger’schem
Material, 10 &J der Form armeniaca BHaas und 27 JS
3 2? von aureomicans vor. Jene sind robust, breit
schwarzrandig, unten kräftig gezeichnet und stets durch einige
sehwarze Punkte auf dem Vfl Apex ausgezeichnet. Letztere
haben sie mit der F. miegii Vogel aus Castilien gemein, die
aber schlanker, in beiden Gesehlechtern oben und unten auf-
si Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918
fallend hell ist, wie mir 175 Staudinger’sche und einige eigene
Exemplare zeigen. Die Form aureomicans weicht von
allen anderen virgaureae bedeutend ab: die d’0’ haben
sehr spitze Vfl, ganz schmale Säume, die 7? ungemein helle,
goldgelbe Oberseite mit starken Flecken, beide Geschlechter
mehr oder weniger geschwärzte Hfl und eine sehr schwach punk-
tierte, nur sperrenweise weissgefleckte, aber mit reizendem
Goldschimmer überhauchte Unterseite, so dass die Form bei-
nahe für eine gute Art gelten könnte.
F. virgaureola Stdgr. — Der Autor beschreibt (Iris
1892 p, 314) die im Kenteigebirge an der russisch-mongoli-
schen Grenze aufgefundene Form als in der Grösse zwischen
deutschen und nordischen stehend (30—33 mm); die d’d" sei-
en breiter schwarzrandig, als deutsche, beide Geschlechter un-
ten auf den Hfl nicht gelbbraun, sondern dunkelgrau (das Bild
bei Seitz T. 76b ist zu gelb) und nur schwach oder gar
nicht weiss gefleckt. Es kämen aber zwischen beiden Formen
viele Uebergänge vor. Der Staudinger-Rebel-Katalog nennt als
Heimat von virgaureola auch Daurien und die Nordmon-
golei, für „gewöhnliche“ virgaureae aber auch Altai und
Sibirien. Fruhstorfer nennt das eine „zoogeographische
Unklarheit.“ Er kennt keine Kentei-Exerplare; dagegen ge-
nügen ihm 5 Sd’ 1 2 aus Irkutsk, um eine neue Form der
Niederungen an virgaureola anzuschliessen. Auf Grund
der 5 dd" stellt er fest, dass dieses Geschlecht dort „stets“
besonders spitze Vfl habe, und auf Grund des einen 9, dass
der von Staudinger übersehene „prächtigste Trennungs-
charakter“ dieses Geschlechts in den auffallend breiten dunklen
Flügelsäumen bestehe.
Auf Grund eines mir vorliegenden Materials von etwa 6!)
fcS und $% der Form virgaureola aus Altai, Baikal und
Kenteigebirge, sowie von etwa 90 JS‘ und 22 „gewöhnlicher“
virgaureae aus dem Juldus und dem Changaigebiet kann
ich nun Staudinger’s Angaben durchaus bestätigen; in-
dem typische „deutsche“ Exemplare (die wir jetzt als chry-
sorhoas bezeichnen dürfen), typische virgaureola und
zwischen ihnen alle erdenklichen Uebergänge in allen erwähn-
ten Gebieten, vom Altai bis zum Amur, vorkommen. Aber
auch mitten in Europa beobachtet man, wie ich oben einmal
erwähnt habe, ausnahmsweise typische Exemplare von vir-
gaureola, wie ich denn solche von Airolo, Gondo uud aus
den Seealpen besitze. — Dass die virgaureola Jo spit-
Prof. Dr. Courvoisier. Ueb. Chrysophanus virg. L. u. seine Nebenf. 3»
zere Vfl hätten, als andere Formen, und die 22 breiter dunkel
umsäumt seien, als solche irgendwelcher anderer Herkunft, wie
Fruhstorfer behauptet, stimmt (lagegen gar nicht.
Zusammenfassend kann ich mich hinsichtlich der europäi-
schen Formen dahin aussprechen: dass als Namensform
der virgaureae L. ganz wohl skandinavisch-
estländische Stücke bezeichnet werden dürfen; dass
ferner Fruhstorfer’s Bezeichnung chrysorhoas für
die hauptsächlich deutsche, a"er auch österreichisch-ungarisc he
und zum Teil schweizerische etc. Flach- und Hügellandsform
anzuerkennen sei; eben so seine Bezeichnung osthelderi
für die hauptsächlich transalpine Form. — Unbegründet
erscheinen mir dagegen — bis zum zwingenden Gegenbeweis
an Hand eines sehr grossen Materials — alle übrigen von ihm
vorgeschlagenen Benennungen: juvara, alexandrae,
athanagild, cissites, pelusiota und theages
— Zu montana M. Dür wären alle montanen und alpinen..
oben verdunkelten 2? samt ihren ff zu zählen. — Als oben
und unten extrem verdunkelte 0 und ® Alpenform endlich ist
zermattensis Fallou unbedingt beizubehalten.
Prof. Dr. L. G. Courvoisier Tr.
Am 8. April ist Prof. Dr. Courvoisier an einer Lungen-
entzündung gestorben, gerade während des Druckes vorstehen-
der Arbeit. Mit tiefem Schmerz trauert der Entomologische
Verein Iris um sein hochgeschätztes Mitglied, um seinen ver-
ehrten Mitarbeiter, dessen von reichster Erfahrung, peinlichster
Genauigkeit und regstem Forscherfleiss zeugende Arbeiten zu
veröffentlichen der Iris stets eine Genugtuung und Freude war.
Der Verein wird seiner stets in Dankbarkeit und Ver-
elhırung gedenken.
Dr. W.
Der nördlichste Fundort für die Frühlingsbrut von
Colias croceus.
Von W. Fritsch, Kloster Donndorf (Unstrut).
Nachdem durch gütige Mitteilung des Herrn Präsidenten
Freiherrn v. d. Goltz-Strassburg das Vorkommen der ersten
Brut von Üolias croceus (edusa) auf deutschem Reichsgebiet,
nämlich im Elsass bei Strassburg und Zabern, festgestellt wer-
den konnte, bin ich nunmehr durch eine ebenso dankenswerte
Nachriekt des Herrn Ph. Gönner-Gelnhausen (Hessen-Nassau)
33 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
in der Lage, ein noch weit nördlicheres Vorkommen der Früh-
jahrsbrut dieses so unsteten Falters mit Sicherheit festlegen zu
können. Herr Gönner schreibt mir, Col. croceus käme in sei-
ner Heimat bei Kaichen in der Wetterau in je-
dem Jahre vor und zwar an einer ganz bestimmten engbegrenz-
ten Stelle, einem sonnigen Hohlwege, der nach Nordosten von
einem hohen Bahndamm begrenzt wird und im Südosten an
ein Stück Brachland grenzt. Dort habe er den Sonderling je-
den Sommer einzeln angetroffen. 1911 sei croceus ausseror-
dentlich häufig gewesen, und auch im Vogelsberg war er über-
all auf blühendem Klee und auf den grossen Viehweiden sehr
zahlreich anzutreffen und zwar in den Monaten August und
September. „Eingewanderte Stücke sind es sicherlich nicht;
sonst hätten sie gewiss von ihrer Frische etwas eingebüsst.
In diesem Jahre (1911) beobachtete ich auch zum ersten Male
bei Kaichen die Frühlingsgeneration. Ich
schlenderte Ende April an einem Waldrande entlang, um
cardamines zu fangen; da auf einmal taucht etwas Gelbes vor
mir auf, ein Colias croceus f. Es war. der erste und letzte
Falter von croceus, den ich so früh im Jahre zu sehen Gelegen-
heit hatte, und mir war das kleine Erlebnis recht wertvoll.“
Soweit der Gewährsmann. Bemerkenswert ist auch hier die
enge Begrenzung und der xerothermische Charakter der dauern.
den Fundstelle, die schliesslich einmal in einem besonders gün-
stigen Jahrgang ausnahmsweise die Frühjahrsbrut entstehen
liess. Somit überschreitet die gen. vernalis von Colias croceus
nach Norden den 50. Breitengrad und zwar an der Stelle,
wo es auch die Juliisotherme von + 20°C. tut und wo gleich-
zeitig das Frühlingsdatum vom 22. April bis 28. April den 9.
Längengrad östlich von Greenwich erreicht.
H. Sauter's Formosa-Ausbeute:
Pyralididae, Subfam. Pyraustinae.
Von Embrik Strand, (Berlin).
Bei der Bearbeitung der im Deutschen Entomologischen
Museum aufbewahrten, von Sauter gesammelten Formosa-Pyrau-
stinen habe ich mich der Hauptsache nach den einschlägigen
systematischen Arbeiten Hampson’s in Fauna of British India
und den dazu gehörenden Supplementen in Journal of the Bom-
bay Natural History Society sowie der Monographie in Proc.
„ „Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“ herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1918,
I,
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust. 34
Zool. Soc. London 1898 -1899 angeschlossen. Man vergleiche
übrigens die Einleitung zu meiner gleichzeitig in Druck gesand-
ten Bearbeitung der Galleriinae, Crambinae, Schoenobiinae,
Anerastiinae und Phyeitinae Sauter’s in Stettiner Entomolog.
Zeitung, welche Einleitung auch für vorliegende Arbeit Geltung
hat. Die Sterictinae, Endotrichinae, Pyralidinae und Hydro-
. campinae werden in den Entomologischen Mitteilungen behan-
delt werden. Weitere Arbeiten über Sauter’s im genannten
Museum sich befindende Heteroceren habe ich veröffentlicht in
Entomol. Mitteilungen 3. p. 328 und 337, 4. p. 12 und 6. p. 312,
Supplementa Entomologica 3. p. 35 und 4. p. 4, Deutsche En-
tomolog. Zeitschrift 1915. p. 29 und Archiv für Naturgeschichte
1914. A.:10. p. 117: und 125,: 1915. A. 8. p.:34,' 191572
12.:p- 190, 1916. A. 1.’p: 137 und 1916 A SR HE
Subfam. Pyraustinae
Gen. Aripana Mr.
Aripana (Pyralocymatophora Strand n. subg.)
frenulalis Strand n. sp.
3 ff von Kosempo X. und XI. 1911.
Nach Hampsons’ Pyraustinenmonographie käme die Art zu
Sect. II. A der Gattung Entephria, womit er dann Aripa-
na vereinigt hat, während er in Fauna of British India Ari-
pana als Section der Gattung Pyenarmon Led. aufführt.
Wie Hering (1901) führeich Aripana als selbständige Gattung
auf. — Unserer Art charakteristisch ist das Vorhandensein eines
Glasfleckes in der Zelle des Vfl sowie die merkwürdige Form des
Frenulum, das in einer grossen kugelförmigen Erweiterung en-
det. Der Glasfleck ist länglich, subellipsenförmig, um seinen
längsten Durchmesser von der Flügelbasis und um reichlich sei-
nen kürzeren Durchmesser vom Vorderrande entfernt. — Von
diaphana (Ür.) Sn. igt die Art leicht durch das Fehlen eines
schwarzen Punktes in der Vflzelle zu unterscheiden, dagegen
ist ein schwarzer und verhältnismässig grosser, einen Querfleck bil-
dender Diskozellularfleck vorhanden. Die ganzen Flügel sind,
wenn gut erhalten, graubräunlich überzogen, nur die Basalhälfte
der Hfl bleibt weisslich. Das Üostalfeld der Vfl ist ziemlich
dicht mit schwärzlichen Querstrichen gezeichnet. Im Anal-
winkelfelde der Vfl ist ein runder schwarzer Fleck; die zwei
halbringförmigen Costalflecke und der Apicalfleck stimmen recht
gut mit Cramer’s Bild (t. 115, f. G.) überein, an Querbinden
sind aber im Vfl nur Andeutungen vorhanden und zwar zieht
eine von dem distalen Costalhalhringfleck bis zum Fleck im
35 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
Analwinkelfelde, jedoch ohne diesen Fleck ganz zu erreichen,
während vom Hinterrande in 5,5 mm Entfernung von der Flü-
gelwurzel eine gegen den proximalen der beiden Costalhalbringe
gerichtete, die Flügelmitte nicht erreichende undeutliche Binde
entspringt. Im Hinterflügel treten die mit diaphana ziem-
lich gut übereinstimmenden Zeichnungen deutlicher als im Vfl
auf: schwarzer Punkt an der Flügelspitze, gegen die Mitte des
Saumes, im Analwinkel und auf der Discozellulare.. Abdominal-
rüeken hat zwei subbasale schwarze, der Quere nach geordnete
Punkte, während das vorletzte Abdominalsegment gelb, oben
aber mit zwei schwarzen Punktflecken gezeichnet ist; die äus-
serste Spitze des Abdomen ist ebenfalls gelb. Flügelspannung
20, Vfllänge 10 mm. — Aehnelt ferner „Conchylodes“
privalis Sn. (in: Tijds. v. Entomol. 43. p. 282, t. 16. £. I.)
aber kleiner, der Dorsalrand der Vfl trägt einen schwar-
zen subbasalen Punkt und der Anfang der oben beschriebenen,
auf dem Dorsalrande entspringenden Postmedianbinde tritt eben-
falls fleckförmig hervor, die Grundfärbung ist trüber als bei
privalis ete.e Von cribrata F. abweichend u. a. durch
das Vorhandensein des Discozellularfleckes der Vfl, von meri-
talis Wlk. durch die schwarze Querstrichelung des Costalfeldes
derselben Flügel. Der Hinterleib den Analwinkel ziemlich weit
überragend, bei einem Exemplar mıt gespreiztem Analbüschel.
P. S. Durch das am Ende verdickte Frenulum, wodurch
das Tier an die Cymatophoridae erinnert, nimmt dasselbe un-
ter den Pyralididen eine so eigentümliche und einzig dastehende
Stellung ein, dass es deswegen nicht einfach in der Gattung
Aripana bleiben kann, trotzdem es sonst damit so gut über-
einstimmt, auch in Färbungs- und Zeichnungstypus, dass eine
Trennung unnatürlich erscheinen würde. Vorläufig möge dafür
die neue Untergattung Pyralocymatophora m. aufge-
stellt werden.
Aripana (?) diehocrocidalis Strand n. sp.
Ein f von Kosempo IX. 1911.
Würde nach Hampson’s Monographie zu seiner Section
II. A. der Gattung Entephria gehören, weicht aber von der
in Fauna of Brit. India Aripana genannten Gruppe dadurch
ab, dass die Fühler annulat und nicht ziliiert (nur ganz fein
pubesziert) sind.. — Die Art erinnert sehr an Dichocrocis
(„Haritala“) definita Butl. (in: Ill. Het. Br. mus. VII.
p- 97, t. 135, f. 9), weicht aber ab durch die scharf mar-
kierte, tief schwarze Saumbinde, durch den freien (bei defi-
nita mit der Antemedianbinde zusammenhängenden) Discozel-
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb. Pyral., Subfam. Pyraust. \ 36
lularflieck etc. Uebrigens sind die generischen Unterschiede
zwischen DichocrocisLed. und Aripana Mr. gering und von
fraglichem Wert. Dass das Exemplar keine Mittel- und Hinter-
tibien mehr hat, erschwert auch noch die Gattungsbestimmung.
Flügelspannung 18 mm, Vfllänge 9 mm, Körperlänge eben-
falle 9 mm. |
Beide Flügel blass rahmfarbig mit schwarzen Zeichnungen.
Im Vfl ein subbasaler und costaler, abgerundeter Querfleck;
dann fängt in 3 mm Entfernung von der Flügelwurzel auf dem
Costalrande eine gerade, nach hinten verschmälerte und den
Hinterrand linienschmal erreichende Querbinde an; der Discal-
fleck ist kreisrund, im Durchmesser etwa 0,7 mm, scharf mar-
kiert, isoliert; von der Basis der Rippe 5 bis zum Hinterrande
erstreckt sich eine schmale, verloschene, graubräunliche, wurzel-
wärts leicht konvex gebogene, schräg nach hinten und ein we-
nig nach innen verlaufende Querbinde; in 6 mm Entfernung
von der Flügelwurzel fängt eine auf dem Vorderrande leicht er-
weiterte, sonst fast linienschmale, aber dennoch scharf mar-
kierte, gegen den Analwinkel gerichtete, aber im Felde 2 en-
dende, in ihrer Hinterhälfte fast unmerklich saumwärts konvex
gebogene Binde an; endlich eine tiefschwarze, scharf markierte,
ı/, mm breite Saumbinde, die sich auch auf dem Hfl fortsetzt.
Letzterer hat einen kleinen, isolierten, einen Querstrich bilden-
den Discozellularfleck, kurz hinter und etwas saumwärts von
diesem fängt eine sich bis zum Analwinkel hinziehende, linien-
schmale Binde an und von kurz hinter dem Costalrande, in 2
mm Entfernung von der Flügelspitze bis im Felde 2, erstreckt
sich eine ebensolche, fast gerade Binde. Die Fransen beider
Flügel sind grau, mit hellerer Basallinie, schwarzer Subbasal-
binde und unbedeutend hellerer Medianbinde.
Unterseite kaum gelblich angeflogen, im Vfl im Costalfelde
und Saumfelde bräunlich überzogen, im Vfl sind die Zeichnun-
gen der Oberseite erkennbar, aber nur der Discozellularfleck und
die Postmedianbinde deutlich, im Hfl fehlt die Saumbinde ganz,
die anderen Zeichnungen sind zwar undeutlich, aber doch erkenn-
bar. Die Zeichnung der Oberseite der Fransen schimmert durch.
Der Körper wie die entsprechende Flügelfläche gefärbt, der
Halskragen mit zwei schwärzlichen Punktflecken neben einander,
die Schulter mit je einem ebensolchen, an der Basis des Ab-
dominalrückens sind zwei solche, an der Basis des 3. Segmen-
tes sind zwei etwas grössere und vielleicht zusammenhängende
schwarze Flecke, und die Abdominalspitze trägt oben einen
37 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
schwarzen Fleck. Afterbüschel ockergelblich. Palpen und
Stirn weisslich.
Aripana lactiferalis Wlk. (paucipunctalis Sn
ab. apicipicta Strand n. ab.
Ein 0 von Kosempo I. 1910. —- Von Snellens Abbildung
(in: Trans. Ent. Soc. 1890. t XIX, f. 2) dadurch abweichend,
dass die Vfl einen, allerdings undeutlichen schwärzlichen Apical-
fleck zeigen; will man diese Form besonders benennen, so möge
sie ab. apicipicta m. heissen. Ferner ist bei derselben der
distale schwarze Üostalfleck nicht halbmondförmig ausgerandet,
und von. ihm erstreckt sich nach hinten eine schwarze Linie,
welche die gelbe Binde wurzelwärts begrenzt; auch die sich
auf den Hfl fortsetzende gelbe Binde ist innen durch eine
dunkle Linie begrenzt; der postmediane schwarze Üostalfleck der
Vfl ist nur ein Punkt und dem distalen Costalfleck eher näher
als dem Discozellularfleck, während es nach Snellen’s Abbildung
eher uıngekehrt wäre.
Aripana cribrata F. (caberalis Gn.)
Unicum von Kosempo I. 1910.
Gen. Zinckenia Z.
Zinckenia fascialis Cr.
Je ein 2 von Anping V. 1912 und Polisha I. 1909, ein d’
von Anping VI. 1909.
Gen. Eurrhyparodes Sn.
Eurrhyparodes tricoloralisZ. (abnegatalis WIk.)
Ein 2 von Anping VII. 1911. — Die Färbung und
Zeichnung der Flügel stimmen mit Lederers Abbildung unter
dem Namen Botys abnegatalis WiIk., abgesehen davon
dass die grossen blaugrau-metallischen Flecke an seiner Abbil-
dung nicht erkennbar sind, ferner sind bei meinem Exemplar
von den gelben Binden der Vfl die distale hinten und die me-
diane in ihrer vorderen Hälfte unterbrochen und das Abdomen ist
gebändert wie von Zeller beschrieben. Die in weiblichem Ge-
schlecht schwer zu unterscheidende E. bracteolalis Z. soll
in Japan weit verbreitet sein.
Eur. bracteolalis Z. weicht, wenn man darunter die
von Snellen in Tijds. v. Entom. 26. t. 8, f. 3, 3a, 3b, unter
dem Namen E. stibialis abgebildete Form versteht, durch
folgendes ab:
Sie ist weniger gelb gezeichnet als vorliegendes Exem-
plar, hat im costalen Drittel der Flügel fast gar keine gelben
Zeichnungen (nur subapicale Punkte im Vfl, sowie die Saum-
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral,, Subfam. Pyraust. 38
oder Fransenpunkte), die einzige auffallende gelbe Zeich-
nung der Vfl ist der fast kreisrunde Dorsalfleck (bei dem vor-
liegenden Exemplar von E, tricoloralis ist dieser Fleck
etwa eckig birnenförmig und nicht oder kaum grösser als der
subapicale gelbe Querfleck (oder -binde) im Costalfelde dessel-
ben Flügels), ferner ist die Blaufleckung bei stibialis spärli-
cher, und Abdomen ist als einfarbig gelblichweiss dargestellt.
Eurrhyparodes nymphulalis Strand n. sp.
Ein f von Suisharyo II. 1912.
Wenn man von dem Verlauf der Rippe 10 der Vfl abse-
hen würde, wäre die Art von der Hydrocampinengattung
Nymphula gar nicht zu unterscheiden; auch die spezifischen
Merkmale, Färbung, Zeichnung, Habitus, sind wie die der Nym-
phula-Arten der Gruppe foedalis. Nach Hampsons Cha-
rakteristik beider Gattungen in Fauna of British India müsste
man annehmen, dass die Ausrandung des Hflsaumes nahe der
Spitze bei Eurrhyparodes ein Unterschied wäre, in der
Tat findet sich diese Ausrandung aber z. T. auch bei Nym-
phula, z. B. bei foedalis. Daher ist es bedenklich, wenn
Hampson bei „some specimens of Nymphula nymphaeata,
responsalis, and affinialis“, die Rippe 10 von der
Zelle entspringen lässt, denn man könnte ihn dabei in Verdacht
haben, dass er in der Tat zu diesen Nymphula-Arten Exem-
plare gestellt hätte, die zu ganz anderen Gattungen gehören. Ich
bemerke jedoch ausdrücklich, dass ich mich bei N. nymphae-
ata davon überzeugt habe, dass Exemplare wie von Hamp-
son angegeben tatsächlich vorkommen und anscheinend auch
nicht so selten sind.
Flügelspannung 19, Vfllänge 9,5, Körperlänge 8 mm.
Alle Flügel graubräunlich mit weisslichen und schwärzli-
chen Zeichnungen. Aehnlich wie bi Nymphula foeda-
lis zieht eine weisse Postmedianquerbinde über beide Flügel.
Sie fängt auf dem Vorderrande des Vfl in 7 mm Entfernung
von der Flügelwurzel- an und ist daselbst wurzelwärts von ei-
nem schwarzen Querfleck begrenzt, von kurz hinter dem Vor-
derrande bis zur Rippe 2 bildet sie eine saumwärts schwach
konvexe Krümmung und ist auf dieser Strecke in 5 Fleckchen
mehr oder weniger deutlich aufgelöst, von denen Nr. 2 von
vorn erheblich grösser als die anderen ist, indem er sich wur-
zelwärts erweitert und reichlich so lang wie breit ist, während
die anderen Querflecke breiter als lang sind; wurzelwärts sind alle
schwarz begrenzt. Von dem hinteren dieser Flecke bis zur Fortset-
zung der Binde, die um 2 mm weiter wurzelwärts sich befindet,
39 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
ma 1 0000000000020
senkrecht auf den Hinterrand gerichtet ist, wie es scheint ohne die-
sen ganz zu erreichen, und eine fleckförmige Erweiterung bildet,
zieht nicht wie bei Nymphula foedalis eine längsgerichtete
Binde, sondera die Postmedianbinde ist auf dieser Strecke tat-
sächlich unterbrochen (wenigstens bei diesem Exemplar.) Der
Discozellularfleck ist schwarz, weiss umrandet (vorn kaum!) und
zweimal breiter als lang. In der Zelle, um 1,2 mm weiter
wurzelwärts, ist ein kleiner, schwarzer, aussen weiss gerandeter
Punktfleck. 2 mm von der Flügelwurzel zieht eine weiss-
liche, schwarz gerandete, leicht wellig gebogene Querbinde und
an und nahe der Wurzel scheinen etwa 4 oder 5 kleine schwar-
ze Flecke zu sein, die aber etwas abgerieben und daher un-
deutlich geworden sind.
Die Fransen sind hellgrau mit einer schwarzen Teilungs-
linie in der inneren Hälfte. Im Saumfelde, den Saum berüh-
rend, zieht eine feine weisse, scharf zickzackförmig gebrochene
Linie, die dreieckige schwarze Saumflecke wurzelwärts begrenzt.
An der Flügelspitze ist ein kleiner weisslicher Schrägwisch. —
Der Hfl weicht wenig vom Vfl ab. Saumfeld und Fransen
sind ganz gleich, im Mittel- und Wurzelfelde dagegen ist die
dunkle Bestäubung spärlicher, so dass der dorsale und der sub-
mediane Teil dieser Felder grösstenteils weiss sind. Die Fort-
setzung der Postmedianlinie der Vfl trennt das dunkle Saumfeld
von den helleren Partien ab; sie besteht aus einer äusseren
weissen, und inneren schwarzen Hälfte und verläuft der Haupt-
sache nach wie im Vf. — Unterseite der Vfl hell asch-
grau mit durchschimmernden Zeichnungen der Oberseite; die
der Hil grauweisslich und im Saumfelde ganz schwach graulich
bestäubt, mit schwarzem, scharf markierten Discozellularfleck
und schwarzer, unregelmässig zickzack wellenför miger Postmedian-
\inie, die wie oben verläuft. In beiden Flügeln sind die Fran-
sen wie oben und der Saum mit schwarzen Querpunktflecken
bezeichnet.
Der Körper wie die entsprechende Flügelfläche gefärbt,
das letzte Rückensegment ist weiss, das vorletzte rotbraun, Kopf
graubräunlich, aber mit weisslicher Stirn, Palpen an der Spitze
des zweiten Gliedes schwarz, das winzig kleine dritte ist weiss.
Gen. Agrotera Schrk.
Agrotera posticalis Wilem.
Es liegen mir 16 Exemplare vor und zwar 2 2% von
Kosempo X. 1911, ein Z von Suisharyo II. 1912 und 13 JG
von Kosempo VII. und X. 1911. Die Art ist erst 1911 be-
schrieben worden (in: Trans. Ent. Soc. London 1911. p.
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.:-Pyral., Subfam. Pyraust. 40
374—5, aus Japan); die Beschreibung ist etwas kurz gefasst
und weicht durch die Angabe, dass im Vfl „a blackish dot in
the cell“ vorhanden sei ab; ein solcher Fleck fehlt bei meinen
Exemplaren, es ist aber möglich, dass. bei wenig gut erhaltenen
Stücken die schwarze Antemedianlinie unterbrochen sein kann,
so dass dadurch künstlicherweise ein Fleck in der Zelle gebil-
det wird. Meine Exemplare sind ausserdem zum Teil grösser,
indem sie bis 22,5 mm spannen bei 11 mm Vfllänge (/')
(Wileman gibt 18 mm als Maximum der Flügelspannung an), die
meisten spannen aber nur etwa 15 mm (was mit der Mini-
mumangabe Wileman’s stimmt); die beiden 22 spannen et-
wa 17 mm.
Die von Hering in der Stett. Entom. Zeitung 62. p. 319
(1901) unter dem Namen A. effertalis WIk. u. a. aus Ja-
pan angegebene Art wird wohl, wenigstens zum Teil, mit der
vorliegenden spezifisch identisch sein und überhaupt ist es mir
fraglich, ob A. posticalis etwas mehr als eine Form von
A. effertalis WIk. (in: List 17. p. 348 (1858), von Cey-
lon) ist; leider enthält Wileman’s Beschreibung keinen Ver-
gleich mit letzterer, jedenfalls sehr ähnlichen Art. Dass die
hellen Stellen der Fransen bald rein weiss, bald gelblich sein
können, geht aus meinem Material hervor, fällt also als spezi-
fischer Differentialcharakter fort. Von der in Illustr. Het.
Br. Mus. IX. t. 174, f. 19, gegebenen Abbildung von A. effer-
talis weichen meine Exemplare ab durch nicht gelbes Costal-
feld der Vfl und durchgehends weniger gelbes Costalfeld der Hfl;
die mittleren Tibien sind lang behaart, nicht aber die hinteren.
Von der Originalbeschreibung von A. effertalis abweichend
u. a. durch die graubräunliche statt hellgelbe Unterseite der
Flügel, wohl aber ist die Körperunterseite hellgelb bis weiss-
lich und so ist vielleicht Walker’s Beschreibung zu verstehen;
der Kopf ist vorn nicht weiss, sondern vielmehr dunkel, braun
bis dunkel ockerbraun ; weisse Flecke auf dem Thorax sind
nicht vorhanden, sondern dieser ist gelb wie das Basalfeld der
Vfl und orangefarbig gefleckt und punktiert und ebenso wenig
gibt es weisse Zeichnungen auf dem Abdomen; der Discozel-
lularfleck der Vfl ist schwarz mit orangegelber Einfassung we-
nigstens saumwärts. Uebrigens kommt in Walker’s Beschrei-
bung insofern ein Lapsus vor, als es in der lateinischen Diag-
nose heisst: „[alae] posticae costa margineque exteriore
[von mir gesperrt] pallide flavis“, in der englischen Beschrei-
bung dagegen: „Hind wings pale yellow... .... along the
interior margin“; letzteres stimmt mit meinen Stücken, —
41 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918,
Eine weitere nahe verwandte Art ist A. basinotata Hamps.,
bei unserer Art ist aber das gelbe Basalfeld beider Flügel ein
wenig grösser sowie schärfer und regelmässiger begrenzt, die
schwarze Postmedianlinie der Vfl ist nur ganz wenig sinuös
und auch der wurzelwärts gerückte hintere Teil derselben be-
findet sich ausserhalb des Niveaus der Spitze der Zelle, die
schwarze Subbasalzeichnung des Costalfeldes der Vfl bildet nur
einen ganz kurzen Strich oder Querfleck; et. — Zur Section
I der Gattung nach Hampson’s „Fauna of British India“; un-
ter der Basis der Vfl liegt längs der Thoraxseite ein langer
kräftiger Haarpinsel, der jedoch offenbar leicht abgerieben wird.
Gen. Marasmia Led.
Marasmia (pauperalis Strand n. sp.)
Von Suisharyo XU. 1911 liegt eine nunmehr bloss aus
den Flügeln bestehende kleine weibliche Pyraustine vor, die in
der Sammlung Sauter’s sonst nicht vorhanden ist, deren Be-
stimmung aber unter diesen Umständen natürlich nicht mit völ-
liger Sicherheit möglich ist. Es ist eine Art von 8-9 mm
Vfllänge; im Geäder ist vor allen Dingen charakteristisch,
dass der freie Teil der Rippe 8 der Hfl auffallend kurz ist, in-
dem sie erst kurz innerhalb der Flügelspitze und nahe dem
Vorderrande sich von 7 abzweigt. Sonst ist am Geäder nichts
besonders Bemerkenswertes; in beiden Flügeln ist 2 von der
Ecke ziemlich weit entfernt, 3, 4 und 5 sind deutlich, wenn
auch wenig und zwar etwa gleich weit unter sich entfernt.
Die Rippen 10 und 11 der Vfl nicht gestielt. — Nach diesen
Merkmalen muss es sich um die Gattung Marasmia han-
deln; auch der Zeichnungstypus stimmt mit Marasmia (ve-
nilialis) gut überein. Von venilialis WIk. weicht die
Art aber, unter Vergleich mit der Abbildung der damit syno-
nymen M. cicatricosa Led. (in seiner Monographie in der
Wiener Entom. Monatsschr. VII, t. 12, f. 8 (1863)), durch
folgendes ab: Die Färbung ist nicht so grau, sondern mit ei-
nem rötlichen Ton, eine dunkle Saumbinde ist nur angedeutet,
die dunkle Postmedianlinie der Vfl fehlt, dagegen scheinen die
beiden anderen Querbinden der Vfl wie auf dem Bild zu sein, auf
der Discozellulare ist ein dunkler Querstrich, aber sonst sind in
der Zelle keine Zeichnungen mehr vorhanden, im Hfl verhält
sich die distale Querlinie wie auf dem Bild; währen die proxi-
male Linie nur durch den dunklen Querstrich auf der Discozel-
lulare angedeutet ist; die Fransen sind in beiden Flügeln mit
scharf markierter Teilungslinie versehen; dunkle Flecke auf der
Costa sind nicht vorhanden.
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam Pyraust, 42
Gen. Gnaphalocrocis Led.
Cnaphalocrocis medinalis Gn.
Zwei Exemplare von Kosempo VII. X, 1911.
Gen. Nevrina Gn.
Nevrina procopia Cr.
Unicum von Kosempo VIII. 1909.
Gen. Pagyda WiIk.
Pagyda botydalis Sn.
Drei zum Teil schlecht erhaltene TE von Kosempo
X. 1911 gehören nach dem mir vorliegenden Vergleichsmaterial
und Hampson’s Abbildung seiner P. aurantialis (in: Il.
Het. Br. Mus. IX. p. 169. t. 175, f. 17) zu dieser Art, die.
sonst von Indien, Ceylon, Borneo und Sumatra bekannt ist.
Pagyda amphisalis WIk.
Ein S von Kosempo X. 1911 stelle ich zu dieser in Ja-
pan offenbar häufigen Art, indem ich sie im Anschluss an He-
ring (in: Stett. Entomol. Zeitung 62. p. 220) als mit Pag.
quadrilineata Butl. (diein: Trans. Ent. Soc. London 1831..,
nicht 1894 wie Hering angibt, p. 586 beschrieben ist) spezi-
fisch identisch betrachte. Die Flügelspannung beträgt 22, die
Vfllänge 11, die Körperlänge ebenfalls 11 mm. Die Beschrei-
bung von P. quadrilineata passt mit der Ausnahme, dass
im Vfi 5 Querlinien vorhanden sind, von denen aber die sub-
basale der Vfl ganz verloschen ist, ferner ist die äussere Hälfte
der Fransen nicht rein weiss, sondern schmutzig gelblich-
weiss, die Palpen sind nur oben und unten weisslich, aussen
aber dunkelgrau mit einem mittleren gelblichen Fleck ; der
Hinterrücken des Thorax ist blass gelblic. — Von
P. botydalis Sn. leicht zu unterscheiden u. a. durch be-
deutendere Grösse, mehr gerade verlaufende und schärfer mar-
kierte Querbinden, von denen die distale in beiden Flügeln vom
Saume weiter als bei botydalis entfernt ist. — Sollten die
angegebenen Unterschiede von amphisalis eine besondere
Nebenform-Benennung rechtfertigen, so würde ich f. amphi-
saloides m. vorschlagen.
Gen. Ereta WIk.
Ercta elutalis Wik.
Von Kosempo X—XI. 1911 liegen 5 fd 1 2 und von
Taihorin XI. 1911 ein / vor, die zu dieser Art gehören dätf-
ten. Nur bei einem J’ sind die Mitteltibien vorhanden und
so, dass sie die für elutalis charakteristische- Falte nebst
Haarpinsel erkennen lassen; bei diesem Exemplar ist also die
Bestimmung ganz sicher. Die übrigen zeigen in den erkenn-
43 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918,
baren Merkmalen gar keine Abweichungen, die ich für spezi-
fisch halten könnte. Also werden wohl alle E. elutalis
sein, die in der orientalischen Region weit verbreitet sein soll.
In Grösse weichen die Exemplare unter sich erheblich ab, sonst
aber nicht. Charakteristisch sind die langen, gestielten, auf-
gerichteten Schuppen auf den Hfl.
Gen. Syngamia Gn.
Syngamia floridalis Z.
4 Exemplare von Suisharyo X. 1911 und eins von Kagos-
hima in Japan 1911. |
Gen. Nosophora Led.
Nosophora taihokualis Strand n. sp.
Ein f von Taihoku 7. IV. 1912.
Flügelspannung 23, Vfllänge 11,5, Körperlänge (wie im-
mer ohne Palpen gemessen!) 12, mit den Palpen reichlich 13
mm lang.
Bräunlich schwarze, leicht violettlich und gelblich schim-
mernde Flügel mit weissen Flecken, von denen ein etwa fla-
schenförmiger, hinten erweiterter, 2,8 mm breiter, 1,3 mm lan-
ger, wyrzelwärts quergeschnittener, aussen in der vorderen Hälfte
ausgeschnittener Fleck kurz ausserhalb der Discozellulare und ein
ganz kleiner, länglich viereckiger Fleck in der Zelle ; vielleicht
sind in der Basalhälfte des Dorsalfeldes Andeutungen hellerer
Flecke vorhanden. Hfl mit einem abgerundeten, 1,5 mm brei-
ten und nicht ganz so langen, von der Flügelwurzel um 3,5
mm entfernten, dem Saume etwas näheren, in den Feldern 2,
3 und 4 gelegenen Discalfleck. Die Fransen beider Flügel ein-
farbig schwarz. Unterseite beider Flügel grauschwärzlich mit
starkem gelben und fast gar keinem violettlichen Schimmer.
Der Körper wie die entsprechende Flügelfläche, jedoch das
Metanotum bezw. die Basis des Hinterleibsrückens jederseits mit
einem grossen weisslichen Fleck und ferner sind weiss: Die
äusserste Spitze des Hinterleibes, die Tegulae, Scheitel und
Stirn, während die ganze Körperunterseite mehr oder weniger
weisslich ist. Die Beine hellgraulich, an den Tarsen oben
dunkler, auch die vorderen Tibien stellenweise dunkel. Die
Palpen grauschwärzlich, an der Basis unten heller. Fühler
blass braungelblich.
Färbung und Zeichnung stimmen so gut mit der Beschrei-
bung von N. triguttalis Warr. (in: Ann. Mag. Nat. Hist.
(6) 18. p. 173; Hamps. in Fauna Brit. India IV. p. 289), die
übrigens nach Hampson in Journ. Bombay Nat. Hist. Soc. XV. p.
214 den Namen incomitata Swinh. (in: Ann. Mag. Nat,
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam Pyraust. 44
Hist. (6) 14. p. 205) führen muss, dass ich sie damit identifiziert
hätte, wenn nicht Hampson diese Art zu einer Sectio, die sich
durch „Hind wing of male with a ridge of hair on underside
below subcostal nervure from near base to beyond the cell“
auszeichnet, gestellt hätte, denn von diesem Merkmal ist bei
meinem Exemplar gar nichts zu erkennen. Es stimmt aber
auch nicht ganz mit der Gruppe Analtes im Sinne Hamp-
son’s insofern, als die Rippen 4 und 5 der Hfl an der Basis
unter sich deutlich getrennt sind. Dies mag ein individuell
variierendes Merkmal sein, eine Form von N. althealis WIk.
kann es aber nicht sein, dazu ist der Unterschied in der Fär-
bung zu gross. Die Unterseite der Vfi zeigt in und am Ende
der Zelle kleine Schuppenhöcker, die jedenfalls nicht mit den
„tufts of rough hair“, die ebenda in der Hampsonschen Gruppe
II Bb (sec. Fn. Brit. Ind.) vorkommen, identisch sein kön-
nen. — Unter der Basis des einen Flügels findet sich ein
Büschel kräftiger, bandförmiger, teils weisser und teils ocker-
gelblicher, schräg abstehender, nach hinten und aussen gerich-
teter Schuppen, deren Ursprungsstelle nicht genau festzustellen
ist; an der anderen Seite sind nur Reste solcher Schuppen
vorhanden.
Gen. Gydalima Led.
Cydalima nigropunctalis Brem.
Ein schlecht erhaltenes / von Suisharyo II. 1912 gehört
zu dieser paläarktischen Art. Die Flügelspannung beträgt 30
mm, die Vfllänge 15 mm.
Cydalima pfeifferae Led.
Unikum vom Banshoryo Distrikt, Sokutsu VI. 1912.
Gen. Dichocrocis Led.
Dichocroeceis punctiferalis Gn.
Unicum von Hoozan IX. 1910.
Gen. Hedylepta Led.
Hedylepta bianoralis Wk.
Ein Exemplar von Kosempo I. 1910 dieser aus Sarawak
beschriebenen Art, mit Exemplaren von den Khasia Hills gut
übereinstimmend. Ein nicht gut erhaltenes Exemplar von Suis-
haryo X. 1911 wird derselben Art angehören. Beide od. —
Die Art ähnelt H. tristrialis Brem. (in: Lep. Ost-Sibir. p.
68, t. 6, f. 7), aber die mittlere Querbinde der Vfl #t nicht
oder nur andeutungsweise zickzackförmig gekrümmt, die Fran-
sen auch der Hfl sind dunkel etc.
Hedylepta ($ubhedylepta n. subg.) pilocro-
cialis Strand n. sp.
45 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
ae EN IE re re a u Ze ug
Ein Pärchen von Kosempo XI. 1911
2. Aehnelt „Botys“ lugubralis Leech (in: Entomol.
22. p 67, t. 3, f. 6), aber grösser (Flügelspannung 32, Vfl-
länge 16, Körperlänge 13 mm), der Gesamteindruck der Fär-
bung ist schwärzlich, die Vfl sind gestreckter, die Unterseite
ist entschieden heller als die Oberseite und im Diskus der Vfl
nicht dunkler, die Vorderhälfte der postmedianen Binde der Vfl
ist apicalwärts leicht konkav gekrümmt, während sie bei lu-
gubralis ebenda konvex gekrümmt ist, die postmediane Bin-
de der Hfl ist etwa wie die der Vfl gekrümmt, nämlich gegen
den Analwinkel stark konvex, unmittelbar dahinter aber plötz-
lich stark wurzelwärts eingebuchtet und ebenda, in der sub-
dorsalen Falte, fleckförmig erweitert; die Diskalmakeln der Vfl
treten kräftiger hervoretc. Von H. tristrialis abweichend,
durch bedeutendere Grösse, durch den Verlauf der Postmedian-
binde beider Flügel etc. — Eine weitere verwandte Art scheint
Nacoleia perstygialis Hamps. (in: Ann. Mag. Nat. Hist.
(8) IX. p. 440 (1912) ) zu sein, die aber kleiner ist („Exp. 20
mm“) und nach der Beschreibung nur einen Discoidalfleck im
Vfl haben soll, etc. (Hampson betrachtet Hedylepta be-
kanntermassen nur als eine Gruppe von Nacoleia) — d’ Kör-
perlänge 16 mm. Mit grossem, schmutzig weisslichen Afterbüschel.
Die Antennen des J' sind charakteristisch durch das verdickte,
am Ende dreieckig und zahnförmig erweitert erscheinende und
daselbst mit dichtem Schuppenpolster oben und einem haken-
förmigen Schuppenfortsatz innen versehene Basalglied; auch die Geis-
sel ist an der Basis verdickt, wenn auch nur wenig und sich nach aus-
sen ganz allmählig verjüngend, fein pubesciert, nicht oder kaum
ziliiert. Charakteristisch ist ferner die Rippe la der Vfl, in-
dem sie verhältnissmässig gross (fast bis zur Mitte der Rip-
pe 1b reichend) und stark dorsalwärts konvex gekrümmt ist;
sie verhält sich bei beiden Geschlechtern gleich. Der Scheitel
des 5 trägt am Innenrande jedes Auges einen senkrecht ge-
richteten, nach aussen konvex gebogenen Schuppenfortsatz ; von
vorn gesehen erscheint der Zwischenraum zwischen diesen
„Hörnern“ halbkreisförmig. Die Tegulae stehen etwas ab, las-
sen zwischen sich eine Furche und bilden je zwei leistenför-
mige, längsgerichtete Schuppenerhöhungen. Die Patagia sind
von auffallend grossen, spatelförmigen Schuppen gebildet, ste-
hen jedenfalls hinten etwas ab und überragen den Metatho-
rax; ob sie bei diesem Exemplar ganz unbeschädigt sind, ist
etwas fraglich. Weder Mittel- noch Hintertibien mit besonde-
ren Merkmalen. Das Tier erinnert sehr an die Gattung Pile-
Embrik Strand. H. Sauter’s r'orm.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust. 46
crocis Led., weicht aber u. a. dadurch ab, dass die Rippen
4 und 5 der Hfi nicht basalwärts stark genähert sind. Rippe
7 der Vfl ist an der Basis unverkennbar gebogen. An der Ba-
sis des Hfl, am Vorderrande, erscheint oben ein kleiner hyali-
ner Fleck (nur beim ‘).
Das Tier ist keine typische Hedylepta, wohl aber
lässt es sich in dem bunten Gemisch, das Hampson unter dem
Namen Nacoleia (incluive Hedylepta) zusammenfasst,
ohne Zwang unterbringen. Auf den ersten Blick sehr charak-
teristisch wäre die starke, dorsalwärts konvexe Krümmung der
Rippe 1a der Vfl, jedoch ist ein ähnliches, wenn auch wohl
selten so ausgeprägtes Verhalten dieser Rippe bei den Pyralidi-
den in der Tat lange nicht so selten, wie man nach Hampson’s
Geäderabbildungen annehmen könnte, Die Gesamtabweichun-
gen von der Gattung sind jedoch so bedeutend, dass die Auf-
stellung einer neuen Untergattung (oder Sectio im Sinne Hamp-
son’s) berechtigt sein dürfte. Diese möge Subhedylepta m.
genannt werden.
Hedylepta sauterialis Strand n. sp.
3 ff von Kosempo I. 1910. Ein schlecht erhaltenes 7
von Taihoku 7. IV. 1912 dürfte conspezilisch sein. — 0’ Nach
den mir vorliegenden, aus Khasia Hills und wahrscheinlich
vom Autor selbst stammenden Exemplaren von Hed. fusci-
pennis Swinh. abweichend durch geringere Grösse (Flügel-
spannung 21.5, Vfllänge 11, Körperlänge 10 mm), die ganze
Oberseite zeigt einen violetilichen Anflug und schwachen gelb-
lichen Schimmer, auch die Unterseite der Flügel erscheint, und
zwar noch deutlicher als die Oberseite, heller als bei fusci-
pennis, indem sie graubraun mit schwachem gelblichen
Schimmer ist, die schwarzen Querbinden der Oberseite treten
dadurch schärfer hervor, dass sie an der Aussenseite, zum Teil
wohl auch innen, fein und schwach gelblich begrenzt sind; die
äussere Binde, die am Vorderrande von der Flügelwurzel um
7.5 mm entfernt ist, bildet zwischen dem Vorderrande und der
Rippe 4 eine wurzelwärts ganz schwach konvexe Krümmung,
steht sonst etwa senkrecht auf dem Vorderrand und erreicht
nach hinten kaum die Rippe 2: die mittlere Qwörbinde, die
vorn mit dem Discozellularfieck endet, den Vorderrand des Flü-
gels also nicht erreicht, wohl aber den Hinterrand, ist an ihren
beiden Enden um 5 mm von der Flügelwurzel entfernt, er-
scheint hinter dem ziemlich scharf markierten und auffallenden
Discozellularfleck ganz oder fast ganz, unterbrochen und bildet
in ihrem ganzen Verlauf eine saumwärts schwach konvexe
47 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
Krümmung; die proximale Binde ist ebenso deutlich wie die
beiden anderen, erreicht beide Flügelränder, ist daselbst um
2,5 mm von der Flügelwurzel entfernt und bildet eine leichte,
saumwärts konvexe Krümmung. In der Zelle ein tiefschwarzer
Punktfleck, der von dem Discozellularfleck doppelt so weit wie
von der proximalen Querbinde entfernt ist. Von den Binden
des Vfl setzen sich nur die proximale und die mediane auf den
Hfl fort; erstere erreicht den Dorsalrand, erscheint aber hinter
dem Discozellularfleck, der scharf markiert und in die Quere
gezogen ist, ganz oder fast ganz unterbrochen, dabei eine saum-
wärts konvexe Krümmung bildend; die mediane Binde erscheint
in ihrer vorderen Hälfte saumwärts konkav, in ihrer hinteren
Hälfte umgekehrt, im Ganzen also S-förmig gekrümmt. Auf
der Unterseite tritt in beiden Flügeln ebenso scharf oder noch
schärfer als oben der Discozellularfleck hervor, von den Binden
ist aber nur die distale erkennbar, oder im Costalfelde der Hfl
kann ausserdem die proximale angedeutet sein. Saumlinie fehlt,
wohl aber tragen die sonst wie die Flügelfläche gefärbten Fran-
sen eine feine hellere Basallinie, die leicht für Saumlinie ge-
halten werden lönnte; die Endhälfte der Fransen ist meistens
ein wenig heller, mehr graulich, als ihre Mitte.
Oberseite des Körpers wie die Flügelfläche gefärbt, die des
Abdomen mit undeutlich helleren Hinterrandbinden. Die ganze
Unterseite des Körpers sowie die Spitze des Afterbüschels weiss.
Die Palpen in den basalen zwei Dritteln ihrer Länge unten
weiss. Die bei meinem Exemplar schlecht erhaltenen Beine
weiss oder hellgraulich, die Vordertibien jedoch an beiden En-
den mit dunklerem Ring oder Halbring. Die Antennen unten
braungelblich, oben grau.
Von der sehr ähnlichen H. bianoralis WIk. unter-
scheidet sich unsere. Art unter anderem dadurch, dass die dis-
tale Querbinde der Vfl saumwärts konkav' gebogen ist, bei
bianoralis dagegen saumwärts konvex; ferner ist die Fär-
bung von letzterer Art dunkler und matt, also ohne den bei
unserer Formosa-Art vorhandenen gelblichen Schimmer und
ohne violettlichen Anflug. — Die Patagien sind offenbar so
schlecht erhalten, dass ihre Länge nicht mehr sicher erkenn-
bar ist. — Das 2 weicht, soweit erkennbar, nicht wesent-
lich ab. |
Gen. Nacoleia WIk.
Nacoleia charesalis WIk. |
Je ein 2 von Kosempo X. 19ı1l und Suisharyo X1l. 1911
halte ich für dieser Art angehörig, ‚leider sind sie nicht ganz
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subform Pyraust, 48
tadellos erhalten. Charakteristisch ist das Discozellularzeichen
der Vfl, das aus zwei schwarzen, parallelen, reichlich 1 mm
langen Querstrichen, die durch einen weniger dunklen Schatten. -
unter sich verbunden sind, besteht. In der Mitte der Zelle sind zwei
ähnliche Querpunktflecke. In beiden Fällen kann man von „an-
nulus“ oder „reniform spot“ (Hamps.) oder „ringlet*“ (WIk.)
nicht gut sprechen. Die dunkle Postmedianlinie der Vfl ist
mitten saumwärts konkav, vor und hinter dieser Krümmung
saumwärts konvex gebogen, also so: $ ; hinter der Rippe 2 ist
sie unterbrochen, wurzelwärts verschoben und verläuft zwischen
2 und dem Hinterrande fast gerade, wenn auch schräg. Die
Art ähnelt der Abbildung von Botys obscuralis in Le-
derers Monographie t. 11, f. 9, aber durch das Fehlen von
gelblicher Grundfarbe und dunkler Saumbinde sofort zu unter-
scheiden. Eine Abbildung der Art unter dem Namen Phae-
dropsis molusalis gibt Hampson im IX. Bande der Illustr.
Heter. Brit. Museum, worauf er in Fauna of British India
nicht hinweist.
Gen. Sylepta Hb.
Sylepta luctuosalis Gn.
Drei Exemplare von Kosempo X—XI. 1911, mit solchen
von den Khasia Hills übereinstimmend.
Sylepta (Lygropia) quaternalis Z.
Unicum dieser weit verbreiteten Art von Kosempo X. 1911.
Sylepta iopasalis WIk. v. leopardalis Mr.
Unicum (f) von Kosempo X. 1911. In Färbung und
Zeichnung mit der Originalabbildung genau übereinstimmend.
Hampson vereinigt leopardalis mit S. iopasalis WIk.,
nach der Abbildung von letzterer Art in Lepidoptera of Ceylon
Ill, t. 182, f. 14, verglichen mit derjenigen von leoparda-
lis in Lepid. Atkinson t. 7, f. 26, wären sie jedoch so ver-
schieden, dass sie mindestens ais Varietäten zu unterschei-
den wären; Hering, der von „iopasalis“ ein reiches Material
hat untersuchen können, ist denn auch zu der Ueberzeugung
gekommen, dass beide Formen sicher artsverschieden sind.
Nach Hering wären aber bei leopardalis am zweiten Ab-
dominalsegment schwarze Seitenflecke vorhanden, die aber hier
fehlen oder höchstens durch je einen schwarzen Punkt ange-
deutet sind, andererseits passt seine Beschreibung-von „iopa-
salis“ so ziemlich gut auf vorliegendes Stück, dass ich nicht
ganz sicher bin, ob Hering in der Tat nicht die vorliegende
Form als iopasalis behandelt hat. Seine Bemerkung über
Ungenauigkeit der Originalabbildung von leopardalis in be-
49 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
zug auf die Fühler, stimmt mit meinem Exemplar. Da mein
Material für eine Entscheidung über die Artrechte von leo-
.pardalis nicht ausreicht, so führe ich sie vorläufig als Neben-
form auf; klar ist mir nur, dass sie nicht als glattes Synonym
—— behandelt werden darf. — P. S. Nachträglich noch ein Z von
Kosempo X. 1911.
Sylepta imbutalis WIk.
9 ZZ: Suisharyo X. 1911, Kosempo X. 1911, Taihoku 7.
IV. 1912, Polisha IV. 1910. — Die Originalbeschreibung (in:
List Het. Br. Mus. XXXIV. p. 1283 (1865)) ist nicht gelun-
gen. Die Art ähnelt unserer einheimischen S. ruralis Scop.
Um auf Abbildungen ähnlicher orientalischer Falter hinzuwei-
sen, sei die von Paliga celafalis WIk. in Ill. Het. Brit.
Mus. IX. t. 173, f. 6 erwähnt, unsere Art ist aber im Grunde
mehr strohgelb, die Zeichnungen weniger deutlich, das Saum-
feld ist, wenn auch schwach, verdunkelt etc. Von Vergleichs-
exemplaren von den Khasia Hills weichen die Formosaner ab
durch ein wenig hellere Grundfärbung und die Grösse scheint
durchgehends ein klein wenig bedeutender zu sein (Flügelspan-
nung bis 27 mm bei 13,5 mm Vfllänge und 12,5 mm Körper-
länge), der Körper überragt den Analwinkel weniger und die
Vfl dürften weniger spitz bezw. ihr Saum weniger schräg als
bei den indischen Stücken sein. Da die typische Lokalität der
Art Ceylon ist, so muss man wohl annehmen, dass die Exem-
plare von den Khasia Hills der Hauptform jedenfalls mehr ent-
sprechen als die Formosa-Exemplare. Sollte für die Fornıosa-
Form eine besondere Benennung nötig werden, so würde ich
var. (?) taihokualis m. vorschlagen.
Die Art ähnelt der u. a. in Japan vorkommenden S. tar-
dalis Snell., diese Art hat aber nach der Abbildung rotbraun-
gelbliche Vfl mit deutlicheren Zeichnungen, darunter scharf
markiertem Discozellularfleck und Zellpunkt, gefleckte Fransen
(auch im Hfl), im Dorsalfelde der Vfl ist kaum eine submedi-
_ ane Binde vorhanden, der Saum der Vfl ist (ebenfalls nach der
Abbildung) schräger, unten haben beide Flügel scharf markierte
Saumbinde, der Saum der Hfl ist weniger konvex, der Hinter-
leib überragt die Hfl etwas weiter.
Sylepta maculalis Leech
Ein 2 von Punkiko VIII. 1911.
Die Zeichnungen haben die grösste Aehnlichkeit mit de-
nen von Pyrausta mundalis South (in: Trans. Ent.
Soc. London 1901, p. 511, t. 15, f. 19), jedoch sind die Rip-
pen nicht dunkel, die proximale dunkle Querbinde der Hfl ist
‚ Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1918. er
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.- Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust. 50
unterbrochen und nicht längs der Rippe 5 mit der distalen
Binde verbunden, die Fransen sind dunkel, nur ein: kleiner
Wisch in denen des Analwinkels der Vfl ist gelb, und die Fran-'
sen der Dorsalhällte des Hfl sind grösstenteils weisslich, alle
helle Partien der Flügelfläche sind blassgelb statt „pearly-
white“, etc. — Aehnelt ferner Pyrausta robusta Mr,
aber Metathorax ist hellgelblich gezeichnet (vielleicht bei fri-
schen Exemplaren einfarbig hellgelb), die beiden distalen hellen
Flecke der Vfl sind nicht dunkel punktiert oder gestrichelt und
erreichen nicht den Vorderrand; ein gutes Unterscheidungs-
merkmal ist ferner, dass die Type von P. robusta, die ich
habe vergleichen können, unten im Hfl einen scharf markier-
ten dunklen Discozellularfleck hat, der bei vorliegender Art nur
ganz schwach angedeutet ist. Ausserdem ist das dunkle Saum-
feld im Vfl hier breiter als bei P. robusta (Type!) die hel-
len Flecke sind blasser, alle Zeichnungen schärfer markiert und
regelmässiger. Dazu — last but not least — der Gattungs-
unterschied !
Sylepta maculalis wurde beschrieben in Entomo-
logist 22. p. 67, t. IH, f. 11 (1889) (sub Botys), nach ei-
nem J; später (in: Trans. Ent. Soc. London 1901. p. 465)
hat Leech die Art mit Recht zu Sylepta gestellt und wei-
tere Fundorte angegeben, so dass sie nach ihm schon aus Ja-
pan, Central- und West-China bekannt wurde. — Von der
nach „one not very good male“ verfassten Originalkennzeich-
nung weicht vorliegendes $ nicht wesentlich ab. Dass Leech
1901 nichts von sexuellen Unterschieden angibt, deutet darauf
hin, dass auch nach seinem, wahrscheinlich beide Geschlechter
enthaltendem Material solche jedenfalls gering sein müssen_
Erwähnen möchte ich nur, dass bei meinem Exemplar die dis,
talen Flecke, die Leech als unter sich getrennt abbildet, hie_
mehr oder weniger zusammenhängend sind, und dass die bei_
den schwarzen Binden der Hfl insofern abweichen, als die dis
tale beim 2 schmäler und stärker gekrümmt oder wenn man
will gebrochen als beim / ist, während die proximale zweimal
unterbrochen ist, wodurch der Discozellularfleck isoliert wird.
Sylepta (?) Iulalis Strand n. sp.
Ein d' von Anping V. 1911.
Flügelspannung 23, Vfllänge 11, Körperlänge 12,5 mm.
Beide Flügel hellbraun mit violettlichem Anflug und schwärz-
lichen Zeichnungen, bestehend aus fast linienschmalen Querbin-
n und (Querflecken; Dorsalfeld der Hfl ein wenig heller. Im
eine Antemedianbinde, die auf dem Vorderrande um 2,5 mm
51 ’ Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
ee
von der Flügelwurzel entfernt ist, sich zuerst schräg nach hin-
ten und aussen bis zur Medianlängslinie der Zelle erstreckt,
- dann einen abgerundeten, wurzelwärts offenen Winkel bildend, sich
etwa senkrecht auf den Hinterrand fortsetzt. Zwischen dieser Bin-
de und dem Discozellularfleck, der Binde ein klein wenig nä-
her, findet sich in der Zelle ein kleiner dunkler Punkt. Der
Discozellularfleck ist verhältnissmässig recht deutlich und etwas
‘in die Quere gezogen, subellipsenförmig. Hinter diesem Fleck,
zwischen der Rippe 2 und dem Hinterrande sich erstreckend,
ist eine unregelmässig zickzack-wellenförmige, aussen heller an-
gelegte Querbinde, die auf dem Hinterrande um 5 mm von
der Flügelwurzel entfernt ist und dann sich direkt auf den Hfl
fortsetzt una.bis zu dessen Hinterwinkel oder kurz vor dem-
selben sich erkennen lässt. Auf dem Vorderrande, in 3 mm
Entfernung von der Flügelspitze, fängt eine ähnliche, ebenfalls
aussen heller angelegte, aber weniger deutliche Querbinde an,
die sich bis zum Analwinkel fortsetzt und auch noch auf dem
Hfl erkennbar ist, allerdings als eine höchst undeutliche, sub-
limbale, nur angedeutete Wellenbinde. Die Antemedianbinde
der Vfl setzt sich auf den Hfl als ein Querfleck in der Zelle
fort; hinter und etwas saumwärts von diesem findet sich im
Dorsalfelde eine schwärzliche, aussen heller angelegte Wellen-
binde. Die einzige von diesen Zeichnungen, die als scharf mar-
- kiert bezeichnet werden kann, ist der Discozellularfleck der Vfl.
Fransen beider Flügel hellgrau mit dunklerer Teilungsbinde. —.
Unterseite beider Flügel ein wenig heller, etwas graulich ange-
flogen und mit gelblichem Schimmer, an den Hfl am hellsten.
- Die Postmedianbinden schimmern undeutlich durch, der Dis-
cozellularfleck ist in beiden Flügeln scharf markiert. Das Dor-
salfeld des Hfl ist grauweisslich. Der Körper ist unten weiss-
lich, oben wie die Flügel, oder auf dem Hinterleib ein wenig
heller. — Die Gattungsbestimmung wird erschwert durch das
Fehlen der Hinterbeine und die abgebrochenen Antennen.
Dürfte zur Sect. VII. (Hamps.) von Sylepta gehören.
Die Labialpalpen sind für eine Sylepta etwas kurz,
wenig aufgerichtet und das dritte Glied ist von dem zweiten
nicht deutlich zu unterscheiden, was aber vielleicht durch Rup-
pigwerden der Beschuppung sich erklärt.
Sylepta derogata F.
Ein 0’ von Kosempo X. 1911.
Sylepta evergestialis Strand n. sp.
Ein ® von Kosempo X. 1911.
Flügelspannung 26, Vfllänge 12,5, Körperlänge 11,5 mm.
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam Pyraut. 52
Aehnelt Sylepta im butalis Wik., aber lebhafter
gelb, deutlicher gezeichnet etc.
Vfl goldgelblich mit violettbräunlichen Zeichnungen und
zwar: Eine Saumbinde, die etwa 2 mm breit ist und in den
Feldern 2, 3 und 4 je einen ‚Wisch von der Grundfarbe ein-
schliesst, welche Wische fast ganz zusammengeflossen sind;
diese Binde reicht jedoch nicht zum Saum, der linienschmal
gelb bleibt; der Discozellularfleck, ein Fleck dahinter, der noch
mehr in die Quere gestreckt sowie leicht saumwärts konvex ge-
bogen und etwas schräg gestellt ist; um 2,2 mm ausserhalb
des Discozellularfleckes ist ein mit diesem paralleler, zwischen
den Rippen 5 und 9 sich erstreckender Fleck und in der Zelle,
um 1,5 mm von der Discozellulare, ist ein kleinerer, mehr rund-
licher Fleck, hinter dem eine bis zum Hinterrande reichende,
bindenförmige Zeichnung sich findet, die aber durch die Rippen
aufgeteilt zu werden scheint. Alle diese Flecke sind mehr oder
weniger in die Quere gezogen. Im Hfl ist die Färbung und
die Saumbinde wie im Vfl, jedoch die von ihr eingeschlossenen
gelben Flecke grösser und nicht ganz isoliert, ein Discozellularfleck
wie im Vfl ist vorhanden und dahinter verläuft eine schräge
Querbinde, die auf dem Vorderrande um 7, auf dem Hinter-
rande um 4 mm von der Wurzel entfernt ist und ganz leicht
saumwärts konkav gebogen erscheint. Unterseite heller, blasser,
die Zeichnungen der Oberseite durchschimmernd, aber beson-
ders im Hfl höchst verloschen. Der Körper wie die entspre-
chende Flügelfläche gefärbt, die Bauchseite jedoch noch heller,
fast rein weiss. Beine weisslich. — Erinnert an S. imbuta-
lis WIk. und aurantialis FE.
Sylepta haryoalis Strand n. sp.
Ein 2 von Suisharyo X. 1911.
Flügelspannung 21, Vfllänge 10, Körperlänge 9 mm.
Beide Flügel strohgelb (vielleicht etwas abgeblasst!) mit
ziemlich starkem gelben Schimmer, in der Basalhälfte mit vio-
lettem Anflug, und mit graubräunlichen Zeichnungen und eben-
solcher Saumbinde, jedoch so verloschen, dass die Zeichnungen
nur noch zur Not einigermassen unverkennbar sind. Die Vfl
mit schmaler, submedianer, von der Flügelwurzel um 5 mm
entfernter Querbinde, die den Discozellularfleck einschliesst und
unmittelbar hinter der Zelle leicht saumwärts konvex gebogen
ist, auf die beiden Flügelränder aber so ziemlich senkrecht ge-
richtet ist. Ferner hat der Vfl eine um 7,5 mm von der Flü-
gelwurzel entfernte Postmedianbinde, die wie die submediane
verläuft, jedoch in der Mitte noch stärker saumwärts konvex
63 Deutsche Entom, Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
gebogen ist. Die Saumbinde ist vorn etwa 2 mm breit, hinten
nur halb so breit. Jedenfalls scheint die postmediane Binde
leicht gezähnt und an den Rippen mehr oder weniger unter-
brochen zu sein. Ob eine Antemedianbinde vorhanden gewesen ist
oder nicht, lässt sich nicht mehr sicher feststellen; ein dunk-
ler Punktfleck in der Zelle scheint vorhanden zu sein. Im Hfl
ist der Discozellularfleck um fast 3 mm von der Flügelwurzel
entfernt und ziemlich deutlich ; sonst trägt dieser Flügel eine
Postmedianbinde, welche die direkte Fortsetzung von der Medi-
anbinde der Vfl bildet, am Vorderrande von der Flügelspitze
um 2,5 mm entfernt, an der Rippe 3 um 1,5 mm von dem
Saum entfernt, zwischen dieser Rippe und dem Vorderrande
leicht saumwärts konkav gebogen, von der Rippe 3 an fast ge-
rade sich bis zum Analwinkel erstreckend. Ferner hat Jder Hfl
im Dorsalfelde in 4 mm Entfernung von der Flügelwurzel eine
fast gerade, kaum die Zelle erreichende Querbinde. Unten sind
beide Flügel wie oben, jedoch ein klein wenig heller. Körper
und Extremitäten wie die Flügel.
Hat viel Aehnlichkeit mit der P yr austa delicata-
lis South (in: Trans. Ent. Soc. Lond. 1901, p. 499, mit
Taf. XV, Fig. 27), ıst aber kleiner, die Fransen 'ohme dunklere
Basallinie, die Unterseite beider Flügel ohne dunklere Submar-
ginallinie, die Vorderhälfte der Postmedianbinde ist gleichmäs-
sig gebogen (während sie bei delicatalis eine Knickung
bildet), etc. Die Färbung ist bei delisatalis ein wenig
trüber. — Als Sylepta etwas fraglich; das Endglied der
Palpen ist nämlich zu spitz.
Sylepta kosemponis Strand n. sp. (Hapalia
fraterna Mr. ?
4 0’d' von Kosempo I. 1910 und X. 1911.
Hat jedenfalls die grösste Aehnlichkeit mit S. („Hapa-
lia“) fraterna Mr., Lepid. Ceylon, t. 183, f. 9 (nec t.
181, f. 8), die nach Hering (in: Stett. Entom. Zeit. 62. p. 78
(1901)) auch in Japan vorkommt 'ınd (gegen Hampson) von
S. aurantiacalis F. v. R. verschieden ist, dieser Na-
me kann aber der Art auf alle Fälle nicht bleiben, wenn
man die Gattung in Hampson’s Sinne auffasst, weil Moore noch
eine Sylepta fraterna beschrieben hatte, welche die
Paginapriorität hat. Nach Hampson wäre allerdings der Name
Botys aurea Butl., Ill. Heteroc. Br. Mus. Bd. III, eine
ältere Bezeichnung für Hapalia fraterna Mr. in der Tat
dürfte aber Hampson bei der Synonymisierung dieser beiden Ar-
ten sich ebenso geirrt haben wie bei der Rehauptung, dass Hap.
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust, 54
fraterna gleich S. aurantiacalis sei. Unter diesen
Umständen bleibt nichts anderes übrig, als die vorliegende Art
neu zu benennen.
Von S. aurantiacalis F.v.R. abweichend durch
mehr orangegelbe, in beiden Flügeln gleiche Grundfarbe, län-
geren Hinterleib (die ganze Körperlänge beträgt 16 mm bei
30 mm Flügelspannung und 15 mm Vfilänge), am Saume der
Vfl und Spitze der Hfi keinen dunklen Wisch, die Antemedian-
binde beider Flügel nur ganz leicht gebogen und zwar im Dor-
salfelde der Vfl und Costalhälfte der Hfl gerade und senkrecht
auf dem Rande stehend, ein dunkler Fleck in der Zelle der Vfl
nicht vorhanden, dagegen dürfte der dunkle Dis«ozellularfleck
durchgehends stärker hervortreten als bei aurantiacalis,
zumal er mit der ebenfalls wenig gekrümmten, auch im Hfl,
wo sie bis zum Analwinkel sich erstreckt, fast gerade verlau-
fenden Submedianbinde nicht zusammenhängt, letztere Binde
bildet im Costalfelde der Hfl eine fleckförmige Erweiterung,
die ebenso sehr oder noch mehr auffallend als der Discozellu-
larfleck der Vfl ist, die distale Binde der Vfl erstreckt sich bis
zum Analwinkel und ist in ihrer ganzen Länge leicht wellig-
zickzackförmig gekrümmt, anscheinend ohne im Felde 4 eine
so deutliche Ausbuchtung wie bei aurantiacalis zu bil-
den. Unterseite beider Flügel ockergelb mit kleinem dunklen
Discozellularpunkt in beiden Flügeln, im Vfl mit einem dunk-
len Punkt in der Zelle, einem im Felde 5 und, als deutlichste
Zeichnung, einem dunklen Querfleck im Dorsalfelde, der der
Submedianbinde der Oberseite entspricht und wohl immer vor-
handen sein wird, während die übrigen Zeichnungen der Unter-
seite wahrscheinlich mitunter fehlen, die distale Binde beider
Flügel lässt sich bei den vorliegenden Exemplaren unten zur
Not erkennen.
Gen. Prorodes Swinh.
Prorodes mimica Swinh.
Ein 2 von Alikang IX. 1909.. — Die Orıginalbeschrei-
bung findet sich in Ann. Mag. Nat. Hist. (6) XIV. p. 205
(1894) und bezieht sich auf beide Geschlechter. Aus Hamp-
sons Behandlung der Art in Fauna of Brit. India geht nicht
sicher hervor, ob er beide Geschlechter gekannt hat, denn der
Artbeschreibung ist das Zeichen „F“ allein vorgesetzt, wohl
aber wird in der Gattungsbeschreibung von dem 2 gesprochen.
— Zum Vergleich liegen mir männliche, wahrscheinlich von
Swinhoe stammende Exemplare aus den Khasia Hills vor, die
von unserem $ eigentlich nur durch die Palpen sowie gerin-
|
|
i
55 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918,
—_
gere Grösse abweichen. Das 2 spannt 33 mm bei 16 mm Vil-
länge und 15 mm Körperlänge, die 0'7’ messen bezw. 30, 14,5
und 15 mm. Auffallend ist der Unterschied in den Palpen bei-
der Geschlechter; beim © erscheint das Endglied im Profil nur
ganz wenig schmäler als das Mittelglied, etwa so lang wie die-
ses und fast unmerklich gegen die stumpf gerundete Spitze ver-
schmälert, beim 2 erscheint das Endglied im Profil etwa nur
halb so breit wie das am Ende quergeschnittene Mittelglied und
viel kürzer als dieses, überhaupt fast knopflörmig erscheinend,
dem Ende des Mittelgliedes aufsitzend. Auch in Draufsicht er-
scheint das Endglied nur etwa halb so breit wie das Mittelglied,
jedoch nicht von diesem scharf abgesetzt. Die Maxillarpalpen
erscheinen beim d im Profil am Ende quergeschnitten und
durch Schuppen erweitert, beim 2 am Ende abgerundet und
ncht oder kaum erweitert. Wie schon von Hering angegeben
in: Stett. Entom. Zeit. 62. p. 295 (1901) ), ist die Art in der
irientalischen Region weit verbreitet.
Gen. Lampridia. Sn.
Lampridia (?) vetustalis Strand n. sp.
Ein 2 von Kosempo 1. 1910.
Leider nicht tadellos erhalten. — Hat die grösste Aehn-
lichkeit mit Snellens Abbildung von Lampridia fuligi-
nalis Snell. in Tijds. v. Entomol. 27 (1883) p. 43, t. 4, f. 4,
welche Art ebenda, Bd. 23 (1380) p. 234 aus Üelebes beschrie-
ben wurde. Von der Abbildung weicht mein Exemplar nur
durch folgendes ab: Die postmediane Querlinie der Hfl ist
dem Saume ein wenig näher und zeigt in der Mitte eine scharfe,
wurzelwärts konvexe Krümmung ebenso wie die postmediane
Linie der Vfl, während die Medianlinie der Vfl im Dorsalfelde
eine saumwärts konvexe, ziemlich scharfe Krümmung zeigt; die
beiden schwarzen Querbinden am Ende der Zelle der Vfl er-
scheinen vora und hinten unterbrochen (ob „künstlich“*?) und
bilden somit eine quergestellte, an beiden Enden ganz oder teil-
weise unterbrochene, annähernd ellipsenförmige Figur; ob diese
mit der erwähnten Medianlinie am Aussenrande direkt zusam-
menhängt oder ob Linie und Rand dicht nebeneinander, sub-
parallel, aber also frei verlaufen, lässt sich an dem Exemplar
nicht mit Sicherheit erkennen ; in der Mitte zwischen der Me-
dianlinie und der Antemedianlinie der Vfl der Figur lässt sich
an meinem Exemplar eine weitere, parallel zur Medianlinie ver-
laufende schwarze Linie erkennen, die an der Figur höchstens
nur unten angedeutet ist. Die Unterseite meiner Form weicht
von der Figur dadurch ab, dass beide Flügel eine schwarze
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam Pyraust. 56
Saumzeichnung wie an der Oberseite zeigen, im Hfl ist auch
die Postmedianlinie erkennbar, im Vfl verlängert sich die Post-
medianlinie weiter dorsalwärts, dagegen ist die proximale der
beiden Querbinden am Ende der Zelle nicht gegen den Dorsal-
rand verlängert. Vfllänge 9—10, Körperlänge 8—9 mm.
Die Gattung Lampridia Snell. (l. c. 1880, p. 234)
ist in Hampson’s Fauna of Brit. India Moths sowie in seiner
„Classification“ in Proc. Zool. Soc. London 1898 überhaupt
nicht zu finden; wegen ihrer aufgerichteten Palpen hätte sie
eben in dieser Abteilung der Pyraustinen untergebracht werden
müssen. Hampson führt sie aber 1899 als ihm unbekannt auf.
Von der typischen Lampridia-Art weicht nun die vorlie-
gende in betreff der generischen Merkmale durch Folgendes ab:
Die Hfl meines Exemplares mit weniger geradem Saum (wenn
Snellen die Hfl als „ongewoon“ klein beschreibt, so scheint das
mir mit seiner Abbildung nicht gut zu stimmen) und der von
Snellen abgebildete Frontalfortsatz ist nicht vorhanden, wohl
aber ist mein Exemplar ebenda offenbar etwas beschädigt, so
dass darüber nichts sicheres gesagt werden kann. Die drei-
eckige Form uües Endgliedes der Labialpalpen ist zwar nicht so
ausgeprägt, wie an Snellens Abbildung, jedoch unverkennbar.
Sonst würde die Art ganz gut mit Lygropia Led. sich ver-
einigen lassen. — Der Rüssel ist kräftig entwickelt und stark
beschuppt. Die Maxillarpalpen klein und fadenförmig.
Lygropia (Led.) Hamps.
Lygropia syleptalis Strand n. sp.
Ein 2 von Kosempo I. 1910.
Flügelspannung 29, Vfllänge 13,5, Körperlänge 13 mm.
— Die Vfl erscheinen für eine Lygropia zu langgestreckt. —
Hat die grösste Aehnlichkeit mit dem Bild von Acharana
similis Mr. in Lep. of Ceylon, jedoch erscheinen die Vfl mei-
nes Tieres gestreckter etc. Beide Flügel braun, die vorderen mit
schwachem rötlichen Anflug und ein klein wenig heller als die hin-
teren erscheinend. Vfl mit drei matt schwarzen, verloschenen,
höchstens !/, mm breiten Querbinden, von denen die proximale
3,5 mm von der Flügelbasis entfernt und schwach saumwärts
konvex gebogen ist sowie den Costalrand nicht erreicht, sondern
an der Subcostale aufhört, dabei jedoch, wie es scheint, einen
etwa 1,5 mm langen Längsast saumwärts längs der Subcostale
entsendet. Auch die zweite, mediane Binde reicht nach vorn
nur bis zur Subcostale, ist gerade oder höchstens nur im Dor-
salfelde leicht saumwärts konvex gebogen, schliesst den Disco-
zellularfleck ein und ist um 6,5 mm von der Flügelwurzel ent-
57 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1918.
——
fernt. Die dritte Binde ist hinten verschmälert und erreicht
kaum die Rippe 2, während sie nach vorn den Costalrand ganz
oder fast ganz erreicht, von der Flügelwurzel um 9 mm ent-
fernt und saumwärts schwach konvex gebogen ist. Fransen mit
schwarzer Basallinie, sonst bleigraulich und etwas glänzend, im
Analwinkel weiss. Hfl mit zwei ähnlichen, aber noch weniger
deutlichen Binden, von denen die distale die unmittelbare Fort-
setzung von der medianen im Vfl bildet, in ihrer vorderen
Hälfte saumwärts konkav, in der hinteren saumwärts konvex
gebogen ist (beides jedoch ganz schwach) und nach hinten kaum
die Rippe 2 erreicht. Die proximale Binde liegt gegenüber der
proximalen im Vfl und besteht nur aus dem als einen Quer-
strich erscheinenden Discozellularzeichen und einer von diesem
schräg nach hinten und aussen verlaufenden, saumwärts konvex ge-
bogenen schwachen Andeutung einer Binde, welche Andeutung
die Dorsalfalte kaum überschreitet und nur in gewisser Rich-
tung gesehen erkennbar ist. Fransen wie im Vfl mit dunkler
Basallinie, sonst heller als im Vfl und zwar weiss und glän-
zend. — Unterseite beider Flügel etwas heller als oben
und zwar am deutlichsten im Hfl, gelbliclk weiss schimmernd.
in beiden Flügeln schimmert der Discozellularfleck durch und
ebenso die distale Querbinde in beiden Flügeln. Oberseite des
Körpers wie die Flügel, die Unterseite und Beine weiss. —
Rippe 7 der Vfl ist kaum gekrümmt und nicht 849 genähert,
also keine Sylepta! Aehnelt aber S. cohaesalis WIk.
Gen. Glyphodes Gn.
Glyphodes (Dysallacta) negatalis WIk.
Ein d von Anping VI. 1911.
Glyphodes (Pachyarches) marinata F.
(psittacalis Hb.)
7 dd‘ von Kosempo X. 1911. — Wenn Hampson in Fau-
na of Brit. India die Art unter den Formen mit „Palpi uptur-
ned“ anbringt, hat er das Richtige nicht getroffen, denn die
Palpen sind in der Tat vorgestreckt oder bei den meisten Exeın-
plaren sogar schräg nach unten gerichtet. Die Körperunterseite
als „pale blue“ zu beschreiben ist auch nicht ganz zutrefiend ;
sie ist weisslich mit mehr oder weniger schwachem grünlichen
oder bläulichen Anflug. Diese Exemplare spannen 24—30 mm
bei 12—13,5 mm Vflläng. Die Fransen sind weder unten
noch oben „fulvous“, sondern hellgrau. Der Saum beider Flü-
gel mit feinen schwarzen Punkten, die aber bei geflogenen
Exemplaren vielfach undeutlich geworden sind.
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust. 58
Glyphodes crithealis WiIk.
Ein 2 von Kankau (Koshun) V. 1912. Kleiner (Flägel-
spannung 21.5, Vfllänge 11.5, Körperlänge 10.5 mm) und
dunkler als die zum Vergleich ‚vorliegenden JS, die weissen
Flecke der Vfl kleiner.
Glyphodes canthusalis Wk.
Unicum von Kosempo X. 1911.
Glyphodes itysalis WIk.
Von dieser schon früher von Formosa bekannten Art lie-
gen mir 4 22 und 7 Ü/ von Formosa: Kosempo X—XII
1911. und I. 1910, Kanshizei Vl. 1907—09 (JS Unicum!)
vor; ausserdem hat Sauter 2 ff von Karapin in Japan VIII,
1911 mitgebracht. — Die.Angabe Hampsou’s, dass die schrä-
ge, feine, weisse Postmedianlinie im Hfl an der Rippe 2 am
Saume endet, ist unzutreffend; sie endet in der Tat weit hin-
ter der Rippe 2 und zwar bei beiden Geschlechtern, die über-
haupt nach Färbung und Zeichnung unter sich kaum zu unter-
scheiden sind. Die hellen Partien von Kopf und Thorax sind
nicht rein weiss, sondern schmutzig gelblichweiss. Auch die
schräge, beiden Flügeln gemeinsame Postmedianlinie ist nicht
rein weiss, sondern schmutzig weiss. Das Mittelglied der Pal-
pen ist aussen schwärzlich mit Andeutung eines helleren Flek-
kes, der Afterbüschel des / ist nicht ganz schwarz, sondern
grösstenteils grau bis bräunlichgelb, allerdings mit schwärzlichen
Haaren dazwischen. Die weissen Fransen sind an der Spitze
der Vfl und am Analwinkel der Hfl schwarz gefleckt (was übri-
gens auch im englischen Teil der Originalbeschreibung an-
gegeben ist.)
Glyphodes actorionalis Wk.
Ein 2 von Kosempo V. 1911, mit dem Bilde in: Moore,
Lepid. Ceylon t. 180, f. 1 auch in betreff der ae über-
einstimmend.
Glyphodes pyloalis WIk.
Es liegen 2 fS von Suisharyo X. 1911 und ein © von
Kosempo I. 1910 vor, die von der aus China, Japan und In-
dien angegebenen Gl. pyloalis Wik. nicht spezifisch ver-
schieden sein werden, aber die dreieckige weisse Submedian-
binde der Vfl schliesst vorn einen dunklen Fleck ein, die post-
mediane weisse Binde der Vfl reicht nicht ganz bis zur Rippe,
die Grösse ist ziemlich gering (2 Flügelspannung 22, Vfllänge
11,5 mm, oc’ bezw. 21 und 11 mm), der Abdominalrücken an
der Basis mit einem weisslichen Längsstreifen. — Uebrigens
weichen die von Butler und von Moore gelieferten Abbildungen
59 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918,
der Art unter sich erheblich ab; wenn letztere wirklich eine
Art darstellen, so werden auch die vorliegenden Exemplare die-
ser Art angehören, was auch mit dem einschlägigen Vergleichs-
material übereinstimmt.’ Die Originalbeschreibung (in: Walkers
List XIX. p. 973—4 (1859) ) gibt kein klares Bild von der Art.
Glyphodes indica Saund.
Ein Exemplar von Taihoku 7. IV. 1912, zwei von „For-
mosa“.
Gen. Lepyrodes Gr.
Lepyrodes perspectata F. (neptis Cr)
5 Stück von Kosempo I. 1910 und X. 1911. Die beiden
subapicalen Flecke der Vfl sind an dem gegeneinander gerich-
teten Ende breit quergeschnitten (im Gegensatz zu dem Bild in
„Fauna Brit. India“). — Hampson hat in Journ. Bombay Nat.
Hist. Soc. XV. p. 217 folgende „Berichtigung“ zu seiner Be-
handlung dieser Art in Fauna of British India: „Lepyro-
des neptis should stand as pueritia Üram., the figures
on his plate beeing lettered wrongly.and insert Phalena
'perspicata, Fabr. Syst. Ent. p. 640 (1775), which has
priority.“ Diese Bemerkung über Cramers Figuren kommen
mir wenigstens etwas fraglich vor; die einzige Angabe im Text,
die positiv für die Richtigkeit Hampsons Auffassung sprechen
würde, wäre, dass pueritia von der Koromandelküste, ne p-
ist dagegen von Surinam sein soll. Es finden sich jedoch so
viele nachweisslich falsche Vaterlandsangaben bei Cramer, dass
darauf allein nicht viel Verlass sein kann. Was Cramer über
die Unterseite der Flügel von neptis sagt, passt wenigstens
ebensogut auf vorliegende Art wie seine Angaben über diejenige
von pueritia. ‚Dass letztere von Cramer für eine Pyralis,
neptis dagegen für eine Noctua erklärt wird, beweist auch
nichts. Dem sei aber wie ihm wolle, mit der Identifizierung
mit „perspicata“ Fabr. hat Hampson jedenfalls das Richtige
getroffen, demnach wird Cramers Name ein Synonym werden
und interessiert uns daher weniger. Aber die Art heisst bei
Fabriecius perspectata, nicht perspicata!!
Lepyrodes geometralis Gn. (geometrica-
lis Led. nec Gn.)
Unicum (2) von Kosempo I. 1910.
Gen. Grocidolomia 2.
Crocidolomia suffusalis Hamps.
Ein f' von Kosempo X. 1911.
Zur Sectio I, Gruppe Aa (Hamps. 1898) gehörig, mit
C. suffusalis Hamps. (in: Ill. Het, Br. Mus, 8. p. 135, t,
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb. Pyral., Subfam. Pyraust. 60
155, fig. 4, 12) nahe verwandt, würde aber abweichen durch
das Fehlen eines dunkleren Medianquerfeldes im Vfl, jedoch ist
Andeutung eines solchen erkennbar, und die nicht ganz tadel-
lose Erhaltung des Exemplares erklärt vielleicht den Unterschied.
Jedenfalls ist aus der Kennzeichnung von Ü. suffusalis
kein Merkmal zu finden, das nicht beim vorliegenden Exemplar
zutreffen würde, wenn man dabei die Erhaltung des letzteren
berücksichtigt. Die Art ist in Indien weit verbreitet. Die Flü-
gelspannung wird auf 26-28 mm angegeben; mein Exemplar
spannt 26 mm bei 13 mm Vfllänge und 14 mm Körperlänge.
Crocidolomia binotalis Z.
Je ein d' von Anping V. 1912 und Alikang V. 1911, ein
@ von Anping V. 1912. -- Durch Hampson’s Bestimmungs-
tabelle der Gattungen in „Fauna of Brit. India Moths“ kann
man auf Omphisa Mr. kommen; die Charakteristik le'zterer
ist jedoch 1. c. (p. 382, Fig.) insofern als mangelhaft zu be-
zeichnen als die Figur die Maxillarpalpen als „long and filiform“
darstellt, was auch mit der Bestimmungstabelle (p. 249) über-
einstimmt, während es in der Beschreibung heisst: „Maxillary
palpi large!“ Letzteres ist unzutreffend. — Die Art war schon
von. Formosa bekannt.
Gen. Sameodes Sn.
Sameodes cancellalis 2.
Von dieser in der orientalischen und der äthiopischen Re-
gion verbreiteten Art liegen zwei Stück Üo von Anping V.
1911 vor. — Wenn der Afterbüschel als „schwarz“ beschrie-
ben wird, so ist das nicht ganz genau, denn er ist oben und
seitlich von graubräunlichen bis braungelblichen Haaren umge-
ben. Die Vfllänge beträgt 8,5 mm.
Sameodes miltochristalis Hamps.
3 fc‘ von Kosempo 1. 1910 und X. 1911.
Das Tierchen ist charakteristisch u. a. durch die langen
und zwar fast gleichlangen Tibialsporen, lithosienähnliches
Aussehen und den Glasfleck im Hfl nahe der Basis; ferner ist
bei allen drei Exemplaren die Hinterleibsspitze nach oben ge-
krümmt. Das dritte Palpenglied ist spitz, nach unten geneigt,
dem zweiten Glied fast anliegend. Die Antennen sind fein zi-
liiert, sonst einfach. Maxillarpalpen fadeuförmig. Stirn einfach,
abgeflacht, fast senkrecht. Die Tibien IU an der Basis oben
dicht und lang behaart. Die Femora und ebenso die Vflcosta
ohne besondere Merkmale. Die Gattungsbestimmung ist auch
hier mit Schwierigkeiten verbunden; wegen der gleichlangen
Tibialsporen, die, trotzdem sie ein gutes Merkmal bilden, von
61 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
'Hampson in Fauna Brit. India bei der Sect. II der Gattung,
wozu die Art gehört, gar nicht erwähnt werden, könnte man
versucht sein, das Tier in Isocentris Meyr. unterzubringen,
dagegen spricht aber u. a. das deutlich frei vorstehende, wenn
auch geneigte dritte Palpenglied. Das Merkmal der Länge der
Tibialsporen misst aber Hampson in dieser Gattung in konse-
quenter Weise keine grosse Bedeutung bei, denn er rechnet zu
Sameodes unter anderen peritalis Wlk., bei der die
äusseren Sporen halb so lang wie die inneren sind, cancel-
lalis Zell., bei der dieselben ganz klein sind und die End-
sporen sogar fehlen bezw. von einem kleinen Schuppenbüschel
ersetzt werden, und vorliegende Art, die wiederum, nach die-
sem Merkmal, eine neue Gruppe vertreten würde, was er aber,
wie gesagt, nicht einmal erwähnenswert finde. Von der Be-
stimmungstabelle in Hampsons „Classification“ (1898) wäre ab-
weichend, dass die Rippe 7 der Vfl im basalen Viertel ihrer
Länge etwas gekrümmt und dem Stiel von 849 genähert ist,
ein Merkmal, das aber nicht als wichtig betrachtet werden kann
und bei anderen Sam eodes-Arten vielleicht sich nicht findet.
— Von der Artbeschreibung weicht ab, dass die Patagia kei-
nen dunklen Fleck zeigen, er mag aber vielleicht abgerieben
sein; die Antemedianbinde der Vfl ist nicht stark gekrümmt
(in der Beziehung weichen aber die drei Exemplare ein wenig
unter sich ab) und schwarze Striche innerhalb derselben und
unter der Zelle sind nicht erkennbar, die Postmedianlinie scheint
durch eine Punktreihe ersetzt zu sein, die Postmedianreihe der
Hfl verläuft zwar ziemlich gerade zwischen Vorderrand und
Rippe 2, ist aber dahinter plötzlich unterbrochen und wurzel-
wärts um 2 mm verschoben. Leider sind meine drei Exem-
plare nicht tadellos erhalten, so dass die Zeichnungen nicht
mehr genau erkennbar sind. — Sollte meine Form von der
typischen miltochristalis verschieden sein, so möge sie
den Namen var (?) equicalcaralis m. bekommen.
Gen. Analyta Led.
Analyta (Hyperanalyta) pseudoapicalis
Strand n. sp.
Ein von Anping VI. 1911.
Das Basalglied der Palpen mit vorgestreckter Schuppen-
bürste wie bei Leucinodes; sonst ist aber nur ein Palpus
vorhanden und zwar auch nicht tadellos, weshalb über die
Palpen keine ausführlichen Angaben gemacht werden kön-
nen. Frontalfortsatz stark entwickelt. Antennen verdickt, ab-
geflacht und laminat, Dass das Tier nicht zu Leucinodes
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subform Pyraust. 62
Sehört, zeigen die Rippen 4 und 5 der Hfl, die nicht an der
Basis getrennt, sondern sogar kurz gestielt sind. Bei Ana-
lyta sollten sie aber eigentlich unter sich nur stark genähert
sein. Will man aus diesem Grund unser Tierchen generisch
oder subgenerisch abtrennen, so möge der Name Hyperana-
Iyta m. eintreten. — Spezifisch stimmt es mit der Beschrei-
bung von Leucinodes apicalis Hamps. (in Fauna of
Brit. India Moths IV. p. 371) von Dharmsala und Ceylon
recht gut überein, weicht aber, ausser durch den Gattungsunter-
schied durch geringere Grösse ab: Flügelspannung 17, Vfllän-
ge 8,5, Körperlänge 8,5 mm, die dunklen Zeichnungen von
Kopf, Thorax und Abdomen sind nicht einfarbig schwarz, son-
dern braun mit schwarzen Pünktchen, was auch für das Pasal-
feld der Vfl gilt, das, ebenso wie die drei übrigen Körperteile
weisse Punkte und Flecke unter den dunklen führt. An der
Basis der Hfl finden sich nur wenige vereinzelte dunkle Schup-
pen, die gelbe Posimedianlinie der Hfl ist da, wo die Ein-
buchtung an der Rippe 2 sein sollte, breit unterbrochen
(abgerieben ?), dürfte aber der Hauptsache nach wie bei Leuc.
apicalis verlaufen, statt eines subapicalen schwarzen Fleckes
haben die Hfl zwei subapicale schwarze Punktflecke. (Der Hin-
terleib des Exemplares ist zum Teil stark abgerieben, eine sub-
apicale schwarze Querbinde scheint aber vorhanden zu sein,
wenn auch wohl mit weisslichen Schuppen eingemischt.) —
Von Analyta albicillalis Led., die (gegen Hampson)
wenigstens als Form von sigulalis Gn. unterschieden wer-
den muss, durch obige Merkmale abweichend, im Vfl sind der
dunkle apicale und subapicale Fleck nur durch eine helle Linie
getrennt etc.
Gen. Leucinodella Strand n. g.
Leucinodella agroterodes Strand n. sp.
Ein 2 von Kosempo X. 1911.
Hat grosse Aehnlichkeit mit meiner Analyta pseu-
doapicalis, aber die deutlich getrennten Rippen 4 und 5 der
Hfl zeigen sofort, dass es keine Analyta sein kann. Von
Leucinodes aber dadurch abweichend, dass die Stirn kei-
nen Fortsatz trägt, nur leicht gewölbt ist; ferner erscheint das
dritte Palpenglied aufgerichtet und nicht besonders klein oder
sehr spitz, sondern vielmehr vorn mitten (im Profil gesehen)
gewölbt vorstehend und an der Spitze ziemlich stumpf. Hat
ferner Aehnlichkeit mit Caprinia Felderi Led., aber klei-
ner (Flügelspannung ca. 20, Vfllänge 9, Körperlänge 8 mm),
die Hfl haben einen kleinen schwarzen Fleck im Analwinkel,
63 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
am Kopfe ist jedenfalls der Scheitel weiss, auch die Spitze des
Abdomen nicht schwarz, ferner ist es überhaupt keine Capri-
nia, denn die Maxillarpalpen erscheinen hier filiform, die
Labialpalpen weniger dick, weniger konisch und, insbesondere
das Endglied, auch sonst abweichend geformt, allerdings dürf-
ten beide nicht ganz tadellos erhalten sein. Ihre Form ist wie
bei den Gattungen Agrotera Schrank und Aetholix Led.;
ob man dabei von dem Endglied behaupten will, dass es „set
on at an angle* ist oder nicht, kann so ziemlich eine Ge-
schmackssache sein. Von Agrotera abweichend durch
die in beiden Flügeln unter sich deutlich getrennten Rip-
pen 3- 4—)5.
Die Art weicht von Caprinia Felderi Led. (vgl.
Lederers Monographie t. 13, f. 18) ferner dadurch ab, dass
das dunkle Saumfeld der Vfl nicht den Analwinkel erreicht,
sondern mit Rippe 3 Halt macht und dass es nahe seinem pro-
ximalen Rande einen kleinen dreieckigen Wisch einschliesst so-
wie nur teilweise den Vorderrand erreicht; das dunkle Costal-
teld hat etwa in der Mitte der Zelle zwei kleine stumpf zahn-
. förmige Erweiterungen ; der dunkle Fleck am Ende der Hfl er-
scheint weniger regelmässig sowie breiter als lang, im ganzen
erheblich kleiner als bei Cap. Felderi. Zu bemerken ist
jedoch, dass mein einziges Exemplar der neuen Art etwas ab-
geflogen ist, weshalb die dunklen Partien vielleicht tiefer
schwarz und bei frischen Exemplaren etwas anders geformt
sein dürften.
Gen. Hellula Gn.
Hellula undalisE.
Ein 2 dieser so ziemlich kosmopolitischen Art von Ko-
sempo VII. 1911. Ein stark abgeflogenes d von Anping IV.
1912. — Lederer gibt bei dieser Gattung an: „Nebenpalpen
(die Herrich-Schäfer IV. Bd. p. 10 deutlich sieht) nicht vor-
handen.“ Dabei irrt jedoch Lederer; ich sehe, ebenso wie
H.-Sch., die Nebenpalpen ganz deutlich! — Es wird in der
Beschreibung der Gattung zum Teil (Hampson, Spuler) ange-
geben, dass die Rippen 4 und 5 der Hfl aus einem Punkt ent-
springen, andere (z. B. Heinemann) bezeichnen sie als kurz ge-
stielt. In der Tat kommt beides vor; wie bei so manchen
Faltern ist der Unterschied zwischen „aus einem Punkt“ und
„kurz gestielt“ nicht konstant und als Differentialcharakter da-
her von wenig Wert. Bei dem vorliegenden d' ist der Stiel
gar nicht sehr kurz.
Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust. 64
Gen. Thliptoceras Swinh.
Thliptoceras areolifera Strand n. sp.
Ein & von Suisharyo Il. 1912.
cf (Leider nicht tadellos erhalten). llügelspannuug 21>
Vfllänge 11,5, Körperlänge 10 mm. Das ganze Tier erschein
flüchtig angesehen einfarbig dunkel borkbraun, die Hfl ein we”
nig mehr graulich getönt. Die Vfl zeigen eine tiefschwarze,
unregelmässig ziekzackförmig gebrochene, aussen durch eine
ebenso dicke, hellgrauliche Linie eingefasste Postmedianquerlinie,
die auf dem Vorderrande in 8 mm Entfernung von der Flügel-
wurzel anfängt und sich quer über den Flügel bis zum Hinter-
winkel erstreckt, diesen jedoch nicht oder kaum ganz errei-
chend; in der Mitte bildet sie einen saumwärts offenen, fast
halbkreisförmigen Bogen, während sie vor und hinter diesern
scharfwinklig-zickzackförmig gebrochen ist. Es liegt Grund vor
anzunehmen, dass eine ähnliche Antemedianlinie vorhanden ist,
was sich jedoch wegen nicht guter Erhaltung des Exemplares
ebenda nicht sicher erkennen lässt. Die Fransen sind im Grun-.
de ein wenig heller als die Flügelfläche und zeigen zwei dunkle
Teilungslinien, von denen die proximale die deutlichste ist, weil
fast rein schwarz gefärbt; ausserdem werden die Fransen durch °
7 helle, internervale Längsstriche, von denen derjenige im Hin-
terwinkel der deutlichste ist, geschnitten. Im Hfl haben die
Fransen nur eine, die proximale, Teilungslinie und sie sind nur
undeutlich geschnitten. Der Saum beider Flügel undeutlich
schwarz punktiert. Unterseite beider Flüge! dunkel graubraun,
die braune Besprenkelung im Saum- und Costalfelde am deut-
lichsten, das Dorsalfeld der Vfl scharf markiert heller, hell blei-
graulich und etwas glänzend, während das Dorsalfeld der Hfl
von der übrigen Flügelfläche nur unbedeutend heller und nicht -
deutlich begrenzt ist. Im Vfl kommt die schwarze, aussen hei=—
ler begrenzte postmediane Querlinie der Oberseite auch unten F
zum Vorschein und ebenso die Zeichnungen der Fransen ; sonst |
lässt sich im Vfl unten, wo jedenfalls keine Zeichnungen abge-
rieben sein dürften, nur noch ein schwärzlicher Discozellular-
fleck erkennen, während auf der Unterseite der Hfl eine Fort-
setzung der postmedianen Binde der Vfl angedeutet ist. Der
Körper ist oben wie die entsprechende Flügelfläche gefärbt, der
Bauch ist blass graugelblich gefärbt, die Brust ebenso oder noch
mehr weisslich gewesen, die einzigen vorhandenen- Beine I zei-
gen bei der gleichen hellen Grundfarbe schwärzliche Halbringe
oder Flecke an Tibia und Tarsen. Palpen schwärzlich, unten
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. 65
in der Basalhälfte weisslich, die äusserste Spitze hell. Fühler
mit Andeutung feiner Ringelung.
Was generische Merkmale anbelangt, so ist charakteristisch,
dass 10 aus der Zelle entspringt, aber mit 849 anastomosiert und
also eine, allerdings ganz kleine Areola bildet, ein Merkmal, das
schon von Hampson als bei Pyrausta ausnahmsweise vor-
kommend angegeben wurde. Von Pyrausta würde anschei-
nend abweichen, dass das letzte Palpenglied iänger ist, als bei
dieser Gattung gewöhnlich, sowie von dem vorhergehenden Glied
sich ziemlich deutlich unterscheiden lässt. Der ganze Palpus
ragt um etwa die doppelte Länge des Kopfes vor diesem her-
vor und ist (ob Zufall?) schräg nach vorn und unten gerichtet.
Die Maxillarpalpen müssen sehr klein sein, denn sie sind mit
Sicherheit nicht zu erkennen. Von den Fühlern ist nur der eine
einigermassen komplett vorhanden; die ganze Geissel ist ziliiert
und zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie in ihrer
proximalen Hälfte etwas verdickt und knieförmig gebogen sowie
unmittelbar ausserhalb des Kniees mit wenig deutlichen Schup-
penzähnen und mit einem oder zwei längeren ebensolchen be-
‚setzt ist. Das Basalglied zeigt keine Zahnbildung, wohl aber
ist es innen (etwas nach oben gerückt) mit einem gewölbten
Höcker versehen, der jedoch in gewisser Richtung unverkenn-
bar ist. — Am besten dürfte die Art mit Thlipto ceras
(Swinh.) Hamps. zu vereinigen sein; das Vorhandensein einer
Areola bei dieser Gattung wurde jedoch meines Wissens bisher
nicht angegeben, sie mag aber übersehen worden sein. Die
Vfispitze ist nicht so ausgezogen, und der Saum also nicht so
schräg wie bei Thl. cascale Swinh.; die Art steht inso-
fern Thl. stygiale Hamps. näher.
Gen. Archernis Meyr.
232.570 Aechernis humilis Swinh.
Ein nicht tadellos erhaltenes J’ von Kosempo X. 1911
halte ich für spezifisch identisch mit eben so bestimmten Stük-
ken von den Khasia Hills.
Archernis tropicalis Wik.
3 22 von Kosempo I. 1910 und X. 1911. — Schon
längst von Formosa bekannt.
Gen. Isocenttris Meyr.
Isocentris filalis Gn.
5 Exemplare: Kosempo I. 1910 und X. 1911, Kankau
(Koshun) IV und VIII. 1912.
Isocentris illectalis Wik,
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1918. En
66 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subform Pyraust
Je ein Exemplar von Kosempo I. 1910 und Taihoku 7.
IV. 1912.
Gen. Grocidophora Led.
Crocidophora kosemponialis Strand n. sp.
4 22: Kosempo 1. 1910 und Alikang IX. 1909, 5 dd:
Suisharyo ll. 1912, Kosempo I. 1910.
Passt nicht recht in irgend welche der generischen Unter-
gruppen Hampson’s; die männlichen Fühler haben am Ende
oben sowohl am ersten als am zweiten Glied einen kleinen
Schuppenzahn oder Schuppenhöcker, aber sonst keine der Aus-
zeichnungen, die bei Crocidophora an den Fühlern vor-
kommen können. Retinaculum ist zwar stark entwickelt, aber
normal, und die Flügelmembran zeigt auch keine Besonder-
heiten. Die Art ähnelt offenbar Cr. calvatalis Swinh.
(als Thliptoceras in Trans. Ent. Soc. London !890. p.
275 beschrieben; cfr. auch Hampson in Fauna Brit. India,
Moths IV. p. 395), aber u. a. durch die sexuellen Auszeich-
nungen der Cr. calvatalis zu unterscheiden.
d' ? Flügelspannung 31-33, Vfllänge 16—17, Körper-
länge 15 (2), 17 (f) mm. — Färbung grau, bei reinen Exem-
plaren offenbar fast schwärzlich und mit Andeutung violettlichen
Anflugs in der Proximalhälfte der Flügel. Vfl mit einer höchst
verloschenen dunkleren Querbinde, die auf dem Vorderrande in
1l mm Entfernung von der Flügelwurzel anfängt, bis hinter
den Basalteil der Rippe 2 eine saumwärts konvexe Krümmung
bildet, um dann, einen rechten, nach hinten offenen Winkel
bildend, plötzlich gerade und auf den Hinterrand fast senkrecht
gerichtet sich bis zu diesem fortzusetzen, daselbst in® mm
Entfernung von der Flügelwurzel, und dann auf den Hfl über-
gehend, im Costalfelde gerade, dann saumwärts konvex gebogen
und den Hinterrand nicht ganz erreichend. Ein schwarzer,
ebenfalls undeutlicher Discozellularquerstrich ist in beiden Flü-
geln erkennbar. Fransen wie die obere Flügelfläche und zwar
auch unten, wo die Flügelfläche heller ist, dabei die beiden
Zeichnungen deutlicher hervortreten lassend. Unterseite des
Körpers und Extremitäten hellgrau bis weiss, Oberseite wie die
Flügel oben. Palpen unten weiss, sonst schwach ockerfarbig
angeflogen, aussen mit Andeutung einer dunkleren Längslinie.
Auch Kopf und Halskragen scheinen Jeicht GCRARTEENTE angeflo-
gen zu sein.
Crocidophora nectariphila Strand n. sp.
Ein Z von Kosempo X. 1911,
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. 67
Von Crocidophora würde abweichen, dass die Rippe
3 der Vfl von der Ecke der Zelle entfernt ist. — Generische
Merkmale mögen angegeben werden:
Pyraustine. Die Rippen 4 und 5 beider Flügel an der Basis
etwas genähert, jedoch im Vfl von nahe der Basis an diver-
gierend, im Hfl nur eine kurze Strecke parallel und nahe bei-
sammen verlaufend. Rippe 7 der Hfl mit 8 anastomosierend
aber nur an einer kurzen Strecke, die von Basis und Apex
etwa gleich weit entfernt ist; der freie Teil von 8 ist also lang.
Im Vfl ist 7 gerade und von der Basis an von 8+9 divergie-
rend ; letztere sind ziemlich lang gestielt, indem die Spitze des
Stieles fast in der Mitte zwischen Zell- urd Flügelspitze sich
befindet, der freie Teil von 9 ist also nicht kurz. Die Zelle
der Hfi kurz, die der Vfl fast halb so lang wie der Flügel.
Die Palpen vorgestreckt, ihr frei vorstehender Teil etwa so lang
wie der Kopf, der Länge nach eine gleichmässige nach oben
konvexe Krümmung bildend, das Endglied somit geneigt, im
Profil von der Basis oder von nahe der Basis des Mittelgliedes
an bis zur Spitze gleichmässig verjüngt. Die Maxillarpalpen
subfiliform, wie die Labialpalpen gekrümmt, am Ende eher ein
_ wenig zugespitzt als erweitert, die schräge, unten leicht vorste-
hende Stirn erheblich überragend, von oben also gut sichtbar.
Die Fühler leicht verdickt und komprimiert, nur unter dem
Mikroskop eine feine und ganz kurze Ziliierung erkennen lassend
etwa drei Viertel so lang wie der Vfl. Körperbau ziemlich
robust, Abdomen den Analwinkel nur ganz kurz überragend.
Die hinteren Beine mässig lang, ohne bemerkenswerte Beschup-
pung oder Behaarung, ihre Tibien quadricalcarat, aber der äus-
sere Mediansporn rudimentär, während der äussere Apicalsporn
halb so lang wie der entsprechende innere Sporn ist. Sowohl
Vorder- als Hinterrand der Vfl leicht konvex, der Hinterwinkel
breit gerundet; im Hfl bilden Saum und Hinterrand eine gleich-
mässige Krümmung, die Spitze ist ziemlich stumpf, die Breite
gleich der des Vtl.
‚Vf bräunlich ockerfarbig, so weit erkennbar ganz einfar-
big, jedoch lässt der Vorderrand basalwärts einige schwarze
Schuppen erkennen; Fransen wie die Flügelfläche, an ihrer
Spitze jedoch ein wenig heller. Hfl hell ockergelb; die Fran-
sen in ihrer Basalhälfte ebenso gefärbt, am Analwinkel sowie
sonst in ihrer Apicalhälfte weisslich. Unten sind die Flügel
strohgelb, im Vfl sind jedoch die Costalhälfte und der grösste
(vordere) Teil des Saumfeldes, im Hfl die Spitze schwach
68 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust.
bräunlich bestäubt. Der Körper wie die entsprechende Flügel-
fläche gefärbt. Vfllänge 10, Körperlänge ebenfalls 10 mm.
Crocidophora carapına Strand n. sp.
Ein J von Karapin VIII. 1911 (Japan!)
Flügelspannung 20, Vfllänge 10, Körperlänge 9,5 mm.
Erinnert sehr an Crocidophora Butleri South im:
Trans. Entom. Soc. London 1901. p. 480, t. 15, f. 12, aus
Ost-China), aber sofort durch das Vorhandensein eines rein
weissen Querflecks in der Zelle, welcher Fleck die Mitte des
Hinterrandes des gelben, auch bei ©. Butleri vorhandenen
Costalfleckes berührt, 1,2 mm breit und 0,8 mm lang, vier-
eckig und scharf markiert ist, zu unterscheiden. Der gelbe Costal-
fleck ist auch viereckig, 2,5 mm lang und nur etwa '/, so breit. Von
C. Butleri abweichend ist ferner, dass die dunkle Discal-
partie nicht zahnförmig in die gelbe Saumbinde der Vfl ein-
tritt, und dass der bei Butleri vorhandene zweite Costalfleck
der Vfl hier nur einen gelblichen Längswisch bildet. Hfl dunk-
ler als an fig. eit., mit einer schwachen Andeutung einer dunk-
len Medianquerbinde, die sich auf den Vfl deutlicher fortsetzt,
auf dem Hinterrande um 4,5, auf dem Vorderrande um 5,5 mm
von der Flügelwurzel entfernt ist und zweimal eine saunıwärts
konvexe Krümmung bildet. Im Vfl ist auch eine dunkle, un-
deutliche, wenig gebogene Antemedianquerbinde vorhanden. Die
Spitze des Hinterleibes ist in einer Länge von 1,5 mm gelb,
dagegen ist an der Basis des Hinterleibes, oder auf dem Thorax
oder dem Kopf keine gelbe Färbung vorhanden. Unterseite wie
oben, jedoch die gelben Partien blasser und die dunklen mit
einem graugelblichen Schimmer und dadurch etwas heller als
oben erscheinend, die Hfl in der basalen Hälfte des Costalfeldes
gelblichweiss erscheinend, die dunkle Postmedianquerbinde in
beiden Flügeln erkennbar und im Vfl in einem schwarzen, das
Distalende des gelben Costalflecks berührenden Fleck endend.
Hfl mit dunklem Discozellularflieck, der mitten zwisehen der
Flügelwurzel und der dunklen Postmedianquerbinde gelegen ist.
Die ganze Unterseite des Körpers ist schmutzig weisslich und
so sind auch die Beine abgesehen von einer dunklen Halbbinde
oder einem Fleck an der Mitte der Femora. Palpen braun; das
Basalglied und (von der Spitze abgesehen) die Unterseite des
Mediangliedes weiss. .Fühler dunkel, das Basalglied gelb.
Von der Gattungsdiagnose weicht ab, däss die Rippen 4
und 5 der Hfl gestielt sind, jedoch kurz und auch in beiden
Flügeln nicht ganz gleich, weshalb diesem Merkmal keine grosse
Bedeutung beizulegen sein dürfte, Die Fühler sind leicht ver-
De ci Brlomı (Zeitschrift Iris, ‚Dosden. 1918. 69
dickt und seitlich zusammengedriückt, nicht ziliiert, nur mit ei-
ner mikroskopisch feinen Pubescenz unten. Der Analbüschel
klein. Nach Hampsons Bestimmungstabellen würde man aller-
dings nicht oder kaum auf diese Gattung kommen können. Die
äusseren Sporen der Hintertibien haben die für Crocido-
phora charakteristische Eigentümlichkeit, dass sie fast rudi-
mentär sind. Stirn unten mit einer schwachen Leiste.
| Gen. Maruca WIk.
Maruca amboinalis Feld. et Rogenh. (simiala-
lis Sn.)
Zwei Stück von Kosempo I. 1910, X. 1911. — Von der
so ähnlichen, in allen Tropen vorkommenden M. testula-
lis Hb.-Geyer leicht u. a. durch die kleineren Flecke der Vfl
und der weniger eingeschnittenen Proximalrand der Saumbinde
zu unterscheiden. Ferner sind die Palpen so verschieden, dass,
wie schon Snellen (in: Midden-Sumatra p. 73) hervorgehoben
hat, die Gattungsidentität in Frage gestellt wird.
Gen. Tetridia Warr.
Tetridia caletoralis Wk.
8 Ex. von: Anping VIII. 1911 und IV. 1912, Kosempo X.
1911 und VII. 1911. Alles Zf; das 2 soll überhaupt sel-
ten sein.
Gen. Pachynoa Led.
Pachynoa melanopyga Strand n. sp.
Ein f' von Kosempo IV. 1911.
Flügelspannung 24, Vfllänge 12, Körperlänge 12 mm
Körper gelb, Afterbusch schwarz, oben mit abstehenden gelben
Schuppendeckeln. Vfl goldgelb mit violettbräunlichen Flecken
und zwar ist das 2 mm lange Basalfeld so gefärbt, dann folgt
in 3/mm Entfernung von der Wurzel eine ganz schmale, eben-
so gefärbte Querbinde, die ganz leicht saumwärts konvex gebo-
gen ist und weder Vorder- noch Hinterrand ganz erreicht.
Endlich trägt die Flügelmitte einen subtriangulären, hinten zu-
gespitzten, ebenso gefärbten, unbestimmt begrenzten Querwisch,
der wahrscheinlich bisweilen mit der vorhergehenden Binde zu-
sammenfliesst. Fransen einfarbig hell goldgelb, stark glänzend.
Hfl einfarbig hell goldgelb, im Costalfelde noch heller. Unter-
seite strohgelb mit ganz schwachem gelblichen Schimmer. die
Apicalhälfte der Vfl stärker gelb gefärbt. Der subtrianguläre
dunkle Discalwisch der Oberseite der Vfl tritt unten als ein
abgerundeter, die Discozellulare umfassender Fleck auf. Kamm-
zähne der Antennen zum Teil so lang wie der Durchmesser des
Gliedes. Palpen oben gebräunt, unten an der Basis weisslich,
#0 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb. : Pyral., Subfam. Pyraust
sonst gelblich. Körperunterseite und Beine weisslich. Fühler
braungelblich bis rötlich. — Der Stiel von 8+9 ist undeutlich .
und schwer zu erkennen.
Gen. Phlycetaenodes Gn.
Phlyctaenodes anpingialis Strand n. sp.
Ein £ von Anping IV. 1912.
Beide Flügel hell ockergelb, fast schwefelgelb, mit matt
graulichen Zeichnungen, die so undeutlich sind (NB. das Exem-
plar ist nicht abgerieben !), dass sie nur in gewisser Richtung
gesehen unverkennbar sind; es sind nur ganz schmale, fast.
linienschmale Querbinden und zwar im Vfl: Eine postmediane,
auf dem Vorderrande wie auf der Rippe 2 um Il mm von der
Flügelwurzel entfernte, fast unmerklich saumwärts konvex ge-
bogene, sonst wellig-zickzackförmige Querbinde zwischen dem
Vorderrande und der Rippe 2, eine mediane, den Hinter-, aber
nicht den Vorderrand erreichende, vorn um 8,5, hinten um 7
mm von der Flügelwurzel entfernte Medianquerlinie, die zwei-
mal saumwärts konvex gebogen ist, nämlich zwischen dem Vor-
derrande und der Rippe 2 und zwischen letzterer und dem
Hinterrande und zwar ist die vordere dieser Krümmungen die
stärkste; Andeutung einer dritten und zwar antemedianen Binde
dürfte vorhanden sein, was ich aber als diese Binde deuten
möchte ist hier in den beiden Flügeln etwas verschieden, je-
doch in beiden Fällen leicht saumwärts konvex gebogen. Die
deutlichste aller Binden ist die postmediane der Hfl, die von
kurz hinter dem Vorderrande bis zur Rippe 2 verläuft, in der
Mitte leicht saumwärts konkav, dahinter aber saumwärts kon-
vex gebogen erscheint. Eine zweite Binde im Hfl ist in 5,5
mm Entfernung von der Flügelwurzel vorhanden, aber nur hin-
ter der Zelle, gegen den Analwinkel gerichtet, aber denselben
nicht erreichend. Fransen wie die Flügelfläche. Unterseite bei-
der Flügel noch heller, blasser; im Vfl ein dunkler Querwisch
auf der Discozellulare; um 1,3 mm weiter wurzelwärts in der
Zelle ist ein dunkler Punkt; um 3 mm ausserhalb der Disco-
zellulare verläuft eine Querbinde zwischen dem Vorderrand und
der Rippe 3, die von vorn nach hinten an Dicke abnimmt,
vorn saumwärts konkav, dahinter saumwärts konvex gebogen
ist; ausserdem zeigt das Saumfeld eine leichte. schattenartige
Verdunkelung, die auf dem Vorderrande 3 mm breit ist, nach
hinten aber an Breite allmählich abnimmt. Im Hfl schimmert
die Postmedianbinde der Oberseite durch; sonst zeigen die Hfl
nur noch Andeutung eines Discozellularfleckes.
Deutsche Entom. Zeitachrift En Drocdan 1918. 7
Der Körper wie die entsprechende Flügelfläche, die Unter-
seite der Palpen und die Vorderbrust rein weiss, die Tarsen
ebenso, während die Tibien weiss mit olivengrauen Zeichnun-
gen sind.
Flügelspannung 31, Vfllänge 15, Körperlänge 14 mm.
Phlyetaenodes massalis Wik.
Ein 2 von Anping 29. V. 1911.
Von der von Meyrick in Trans. Entom. Soc. London
1884. p 338 —339 gegebenen Beschreibung von Phlyct. mas-
salis WIk. (sub Eurycreon) durch Folgendes abweichend:
Die von Meyrick als „pale ochreou;“ bezeichneten Partien sind
hier grau mit nur schwachem ockerfarbigen Anflug, dass der
Costalrand der Vfl dunkler als das Costalfeld wäre, ist nicht
erkennbar und dürfte auch nicht auf Abreiben zurückzuführen
sein, denn das Exemplar ist gut erhalten; in der Dorsalfalte
der Vfl ist ein tiefschwarzer Längsstrich, der, wenn daselbst
auch linienschmal, den Saum erreicht; der grösste Teil der Vfl-
fläche ist dunkelgrau bis grauschwärzlich, indem die rötliche
Ockerfärbung nur als diese Binde an den drei Rändern erhal-
ten ist; die von kurz vor der Flügelspitze bis zum #/, des
Hinterrandes sich erstreckende Binde ist schmutzig grauweiss-
lich, innen schwarz angelegt, aussen von einer bis zum Saume
reichenden, rötlich ockerfarbigen, die schwarzen, mehr oder we-
niger durch eine schwarze Linie verbundenen Saumpunkte ein-
schliessenden Binde begrenzt; die Hfl sind grau mit schwachem
ockerfarbigem Anflug, nur im Costalfelde etwas weisslich, eine
dunklere Saumbinde ist nicht vorhanden.
Ob die angedeuteten Unterschiede zur Aufstellung einer
Nebenform berechtigen, möge dahingestellt bleiben. Jedenfalls
ist die Art in Hampson’s Sinne variierend. Eventuell möge
vorliegende Form formosibia m. genannt werden.
Gen. Diasemia Gn.
Diasemia impulsalis WIk.
9 oder 10 fS (ein Ex. ohne Kopf und Hinterleib!) von:
Suisharyo X. und XII. 1911, Kosempo XIl. 1911, Anping VI.
1911 und 24. V. 1911; 4 22 von: Anping 24. V. 1911.
Taihoku 7. IV. 1912, Kosempo VII. 1911.
Nach Hampson würde man diese Art für die paläarktische
D. litterata Scop. halten müssen, in der Tat ist sie aber
davon verschieden und wird gleich D. impulsalis WIk. sein,
was insofern auch mit Hampson übereinstimmt, alser impul-
salis als Synonym zu litterata stellt. Von europäischen
litterata Scop. weichen die Formosa-Tiere ab durch: Weni-
72 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral,, Subfam. Pyräust-
ger scharf markierte helle Zeichnungen, die postmediane weiss-
liche Querbinde der Vfl bildet mitten eine kleine, saumwärts
offene, winkelförmige Knickung, verläuft aber sonst gerade,
während bei litterata mitten bloss eine Krümmung, keine
Knickung vorhanden ist, und die beiden Enden der Binde
schräg saumwärts geneigt sind, unter sich also nicht in einer
Geraden gelegen sind; diese Binde ist in der vorderen Hälfte
werzelwärts meistens nicht deutlich begrenzt, weil daselbst ein
weisslicher Wisch sich findet, bei litterata dagegen ist sie
wurzelwärts überall scharf dunkel begrenzt, auch in der Mitte,
wo ein kleiner weisser Querfleck parallel zur und zwar inner-
halb der Binde sich befindet; auch im Hfl bildet die Postme-
dianlinie mitten eine schärfere Knickung und ist wurzelwärts
weniger scharf begrenzt; die weissliche Färbung des Median-
feldes der Vfl bildet einen subtriangulären, aussen mitten mehr
oder weniger verflossenen, den Vorderrand bisweilen fast er-
reichenden Fleck, der bei litterata kleiner, schärfer markiert,
aussen und vorn isoliert, vom Vorderrande immer deutlich ent-
fernt und ausgeprägt dreieckig ist; dieser Fleck setzt sich auf
dem Hfl als eine vorn erweiterte und aussen nicht scharf be-
grenzte Binde, die bei litterata schmäler und schärfer mar-
kiert ist, fort. Diese Bemerkungen beziehen sich sämtlich auf die
vorliegenden fc, während die ??, nach dem Material zu urteilen,
noch weniger scharf markiert gezeichnet sind, indem die hellen
Binden wegen graubräunlicher Bestäubung von der Grundfarbe
nicht sehr abweichen. Die Fransen sind wie bei litterata
dunkel mit hellen Fleckchen, die aber nicht wie bei litterata
rein weiss sind: ausserdem zeigen sie immer zwei deutliche
helle Teilungslinien, je eine an der Basis und in der Mitte.
Die Fühler schwärzlich, oben mit feinen helleren Halbringen.
Die Originalbeschreibung von D. impulsalis (als „lsop-
teryx?“ in: List Lep. Het. Br. Mus. XVII. p. 404 (1859) )
ist so wenig gelungen, dass meine Bestimmung sich darauf nur
in zweiter Linie stützt.
Die Grösse variiert in weiten Grenzen, denn während ein
d' von Anping nur 6 mm lange Yfl hat, wird sie bei einem /
‘von Suisharyo 9 mm lang (das Exemplar von Anping ist zwar
nicht gut erhalten, ich glaube jedoch, dass es dieselbe Art ist.)
Diasemia accalis WIk. (spilonotalis Sn.)
Ein f von Polisha IV. 1910 möchte ich zu dieser Art
stellen im Anschluss an Snellen’s Beschreibung seiner spilo-
notalis in „Midden-Sumatra“ IV. 8. p. 73 (1887) und He-
rings Bemerkungen in Stettiner Entom. Zeitung 62. p. 315
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918, 78
(1901). Die Art wurde von Walker aus Shanghai beschrieben.
Von der vorhergehenden Art abweichend durch dunklere Fär-
hung, der submediane dunkle Dorsalfleck der Vfl erstreckt sich
nach vorn nur bis zur Zelle, die Fransen sind nicht gefleckt,
wohl aber mit zwei Teilungslinien versehen, die Zilien der
Antennen erscheinen z. T. kräftiger und zeigen eine etwas
kranzförmige Anordnung.
Diasemia calcaralis Strand n. sp.
Ein d’ von Taihorin XI. 1911.
Vfllänge 7, Körperlänge 8 mm.
Beide Flügel im Grunde weisslichgrau, aber so dicht grau-
bräunlich besprenkelt, dass die Grundfarbe zum grossen Teil
verdrängt wird, insbesondere im Saum- und Basalfelde; letz-
teres ist nahe der Basis am dunkelsten (Zufall?). Eine schmale
schwarze Antemedianbinde der Vfl ist am Hinterrande von der
Flügelwurzel um 2 mm entfernt, erstreckt sich schräg nach
vorn und ein wenig nach aussen, dabei eine leichte, wurzel-
wärts offene Krümmung bildend, bis, in die Zelle, erleidet
. dann aber im Costalfelde eine Knickung oder ein Verschieben
um etwa il mm wurzelwärts und die Binde ist schliesslich senk-
recht auf den Vorderrand gerichtet. Um 2,5 mm weiter saum-
wärts ist eine weitere Querbinde, die im Dorsalfelde gerade ist
und etwa bis zur Rippe 3 sich erstreckt; zwischen dieser und
dem Costalrande bildet die Binde nun eine saumwärts konkave
Verbindung, worin der Discozellularfleck sich befindet. Zwi-
schen dieser Binde und dem Saume, auf dem Vorderrande von
letzterem um 2 mm entfernt, verläuft eine leicht wellenförmige
Querbinde bis in den Analwinkel. Saum mit schwacher schwar-
zer Linie, die an der Spitze leicht fleckförmig erweitert ist.
Fransen beider Flügel in der Basalhälfte strohgelblich mit
schwarzen Punkten, in der Endhälfte grau. — Hfl wie die Vfl;
zwischen Analwinkel und Zelle verläuft eine schmale, schwarze,
saumwärts leicht konvex gebogene Querbinde und im Felde zwei,
nahe dem Saume ist ein schwärzlicher Fleck. Unterseite der
Vfl dunkelgrau, der Hfl weisslichgrau, beide ohne irgend welche
deutliche Zeichnungen. Fransen hell mit einer Reihe dunklerer
Punkte. Der Körner oben wie die Flügel, der Hinterleib mit
undeutlichen helleren und dunkleren Querbinden; Unterseite
und Beine grauweisslich, die Tibien I und Tarsen I schwarz
mit weissen Ringen. — Gegen die Zugehörigkeit zu Diase-
mia würde sprechen, dass die Tibialsporen nicht gleich lang
sind, die Rippen 3—5 in beiden Flügeln unter sich deutlich
entfernt sind und die Stirn etwas schräg ist.
74 Fmbrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam Pyraust
Diasemia lepidoneuralis Strand n. sp.
Zwei Exemplare von Suisharyo X. 1911. und eins (Type)
von Kosempo X. 1911.
Vfllänge 7, Flügelspannung 14, RN 6 mm.
Vvfl graubräunlich mit tiefschwarzen Zeichnungen: Eine
Antemedianbinde, die auf dem Dorsalraude in 2,5 mm Entfer-
nung von der Flügelwurzel anfängt, zuerst linienschmal ist,
hinter der Mediane sich aber fleckförmig erweitert und dann
noch je einen Punktfleck in der Zelle und am Vorderrande bil-
det, welche Punktflecke wohl mehr oder weniger zusammen-
hängend sein werden, während die ganze Binde leicht S-förmig
gebogen ist und am Vorderrande weniger weit von der Flügelwur-
zel als am Hinterrande entfernt ist; auf der Discozellulare zwei
schwarze Punkte, von denen der hintere der grösste ist; end-
lich eine schwarze Postmedianbinde, die auf dem Vorderrande
in 1,5 mm Entfernung von der Flügelspitze anfängt, gerade und
schräg nach hinten und innen bis «dicht innerhalb des Anal-
winkels verläuft, bei allen drei Exemplaren aber hinter ihrer
Mitte breit unterbrochen ist. Saumlinie schwärzlich, Fransen
dunkel gefleckt und mit Andeutung dunkler Teilungslinie. Hfl
oben und unten grau, unten mit undeutlichem schwärzlichen
Discozellularfleck, einem ebensolchen‘ Fleck hinter und etwas
innerhalb des Discozellularfiecks und einer Postmedianbinde,
die nur in der Costalhälfte einigermassen deutlich ist; diese
Hflzeichnungen der Unterseite scheinen jedoch manchmal ganz
zu fehlen. Beide Flügel unten mit undeutlicher dunkler Saum-
linie und mit dunklen Punktflecken an den Fransen. Körper
wie die entsprechende Flügelfläche gefärbt. Palpen schwärz-
lich, unten, insbesondere basalwärts weiss, oben hellgraulich.
Stirn und Scheitel graugelblich. Vorderbeine teilweise ge-
schwärzt.
Von Diasemia calcaralis m. abweichend unter an-
derem durch die zeichnungslosen Hfl. Die Zugehörigkeit zu
Diasemia ist nicht ganz sicher; die Tibialsporen sind un-
gleich lang, die Stirn etwas abgeflacht und schräg und die An-
tennen können als fast einfach bezeichnet werden. Die apicale
Verdickung der Maxillarpalpen ist ziemlich schwach.
Gen. Hemiscopis Warr.
iHemiscopis suffusalis WIk. var. (?) obscur-
salis Strand n. var.
Unicum (2) von Kosempo XI. 1911.
Die in der Beschreibung erwähnte „white line above each
eye erstreckt sich in der Tat am inneren Augenrande von
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1918. 25
u
dem höchsten Punkt desselben bis zu den Maxillarpalpen, ver-
läuft also in der Tat in ihrer ganzen Länge am inneren
Augenrande. Die Endsegmente des Abdomen sind nicht „ful-
vous“, sondern von derselben graubraunen, schwach violettlich
angeflogenen Färbung wie die proximalen Segmente. Die post-
mediane Querlinie ist zweimal saumwärts konvex gebogen, näm-
lich, wie in der Originalbeschreibung angegeben, gegenüber der
Discozellulare, wo die Krümmung ganz stark ist, und in dem
Dorsalfelde, wo sie ganz schwach, fast unmerklich ist; auf der
Dorsalfalte bildet sie eine kleine, saumwärts offene Knickung.
Die im Hfl hinter dem Ende der Zelle sich befindende, braun-
schwarze, nicht rein schwarze Figur ist eigentlich nicht V-för-
mig, sondern keilförmig, weil am breiten Ende keine Spalte
vorhanden ist. Die Unterseite der Hfl ist nicht ockerfarbig,
sondern hell graubräunlich, am Vorderrande am meisten ge-
bräunt und mit schwachem gelblichen Schimmer; die dunkle
Postmedianlinie ist höchst undeutlich.. Die Abbildung in Ill,
Het. Br. Mus. IX. t CLXXII, f. 18 passt mit der Ausnahme,
dass die an der Figur als gelb dargestellten Partien im inneren
' Medianfelde der Vfl und am Dorsalrande grau mit violettlichem
Anflug sind. Die Zeichnungen sind ganz wie bei meinem Ex-
emplar; also wäre die Beschreibung der proximalen Figur der
Hfl nicht ganz genau. — Nach den Angaben von Hering (in:
Stett. Ent. Zeit. 62, p. 278 9 (1901)) ist Hem. suffusa-
lis sehr variierend und die obigen Abweichungen wären nach
anderen Beschreibungen der Art keine. Daher bin ich geneigt,
in der vorliegenden Form nur eine Varietät oder Aberration
von suffusalis zu sehen; sie möge als var. (?P) obscursa-
lis m. bezeichnet werden. Von der japanischen H. cinerea
Warr. (in: Ann. Mag. Nat. Hist. (6) 9. p. 296) ist sie wahr-
scheinlich verschieden.
Gen. Calamochrous Led.
Calamochrous pyraustalis Strand n. sp.
Je ein 0’ von Kankau (Koshun) VIII. 1912 und von Ko-
sempo X. 1911.
Erinnert an Pyrausta terrealis Tr., jedoch sind bei-
de Flügel breiter, die vorderen mehr dreieckig mit steilerem
Saum, der hinter der Spitze ganz leicht ausgerandet ist,
weshalb die Spitze ein wenig schärfer erscheint; die Hfl mehr
einfarbig ohne dunklere Saumbinde. Aehnelt ferner Pyru-
sta coorumba Hamps., aber die Oberseite ist ohne „aar-
ginal series of whitish specks“ und die Unterseite ohne „mries
of black specks“., — Auch bei dieser Art macht die sseere
76 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust,
Unterbringung in einer Gattung Schwierigkeit. Die äusseren
Mediansporen der Hintertibien sind nur !/, so lang wie die in-
neren. Die Rippen 4 und 5 der Hfl würde ich als an der Ba-
sis einander kurz genähert bezeichnen. Rippe 7 der Vfl ist
‚leicht gekrümmt und 849 etwas genähert. Die Erweiterung
der Maxillarpalpen durch Schuppen ist ganz gering; die Art ist
somit ein Calamochrous s. str.
Die Type ist von Kankau. Bei diesem Exemplar treten
die dunkleren linienschmalen Querbinden der Vfl deutlicher her-
vor, weil die Flügel im Grunde etwas heller sind,. während bei
der Cotype die braunen Vfl nur in gewisser Richtung die Zeich-
nung unverkennbar zeigen. Die proximale Querbinde ist sehr
schräg, am Hinterrande um 5, am Vorderrande um 3 mm von
der Flügelwurzel und fast ganz gerade. Die zweite Binde ent-
springt auf dem Hinterrande in der Nähe der ersten Binde,
divergiert aber nach vorn von ihr und ist leicht saumwärts kon-
vex gebogen. Die dritte Binde ist auf dem Vorderrande um
4 mm von der Flügelspitze entfernt, ist im Üostalfelde senk-
recht auf den Rand gerichtet, macht dann aber zwischen den
Rippen 7 und 2 eine saumwärts konvexe Krümmung und scheint
den Hinterrand nicht zu erreichen. Die Fransen beider Flügel
sind in der Basalhälfte schwarz, in dsr Endhälfte schneeweiss.
Die Hfl sind ein wenig heller, mehr graulich, als die Vil; die
mediane Binde letzterer setzt sich auf dem Hfl gegen den Anal-
winkel, jedoch ohne diesen zu erreichen fort, während in der
Dorsalhälfte des Hf, um 1 mm weiter wurzelwärts, eine gera-
de, schräge, auch den Hinterrand nicht erreichende Linienbinde
vorhanden ist. Unterseite beider mit gelblichem Schimmer und
dadurch ein wenig heller als die matte Oberseite erscheinend.
Körper wie die entsprechende Flügelfläche gefärbt, die Stirn
weiss gerandet, der Rüssel weiss, die Palpen unten weiss.
Flügelspannung 23, Vfllänge 11,5, Körperlänge 12 mm.
Calamochrous tranquillalis Led.
Ein 2 von Shisa V—VI. 1912.
Gen. Pionea Gn.
Pionea suisharyonensis Strand n. sp.
9 Exemplare von Suisharyo X. 1911, X1l. 1910, 11. 1912,
darunter nur ein 2.
2. Vfllänge 10, Körperlänge 9,5 mm. — Vfl hellbraun
mit rotgelblichem Anflug, im Saumfelde ein wenig heller als im
Median- und Basalfeldee Das Medianfeld wird aussen von einer
wenig regelmässigen zickzack-wellenförmigen schwarzen Linie
begrenzt, die auf dem Costalrande in 7 mm Entfernung von
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. 77
der Flügelwurzel anfängt, daselbst etwa senkrecht auf den Vor-
derrand gerichtet ist, dann fast gerade, nur ganz leicht saum-
wärts konvex gebogen, bis zur Rippe 5 oder 4 verläuft, krümmt
sich dann im Felde 2 plötzlich basalwärts bis sie nicht mehr
als 4,5 mm von der Flügelwurzel entfernt ist, macht dann eine
Knickung in umgekehrter Richtung bis sie 5 mm von der Flü-
gelwurzel entfernt ist und erreicht so den Innenrand, auf die-
sen senkrecht gerichtet. Der zickzack-wellenförmige Verlauf der
Linie ist in den vorderen zwei Dritteln ihrer Länge am deut-
lichsten, aber auch hinten erkennbar; der im Felde 2 wurzel-
wärts gerichtete Verlauf ist eher eine zweimalige Knickung, als
eine Krümmung. Aussen liegt dieser Linie eine gelblichweiss-
liche ebensolche an, wodurch sie noch stärker hervortritt. Eine
ähnliche, aber (jedenfalls bei diesem Exemplar) weniger deut-
liche schwarze Antemedianlinie ist auf dem Vorderrande fast
4 mm, auf dem Hinterrande um weniger als 5 mm von der
Flügelwurzel entfernt, und bildet in der Zelle einen wurzelwärts
offenen Winkel, von dem aus sie fast senkrecht auf den Hinterraud
gerichtet ist. Auf der Discozellulare ist, ein feiner schwärzlicher
Querstrich, der parallel zu der gegenüber demselben sich befinden-
den Postmedianlinie verläuft und vielleicht mit dem hinte-
ren Teil dieser verbunden ist. Die Fransen erscheinen schwärz-
lich mit bleigraulichem Glanz. Die Saumlinie ist unten und
oben mit tiefschwarzen punktförmigen Querstrichen bezeichnet.
Die Unterseite ist heller, insbesondere im Saumfelde, hell grau-
bräunlich mit schwachem gelblichen Schimmer, ohne andere
Zeichnungen als die schwarzen Saumpunkte und die Postme-
dianlinie, die allerdings fast nur durch ihre äussere hellere Be-
grenzung hervortritt, nur ihr Vorderrand erscheint schwärzlich
und zwar als ein Querwisch. Auch die Fransen sind ein we-
nig heller als oben. — Hl oben hellgrau, unten blass stroh-
gelblich mit gelblichem Schimmer, beiderseits mit schwarzen
Saumpunkten und einem schwärzlichen Punktwisch an der Ba-
sis der Rippen 3—5 und wenigstens oben Andeutung eines
schwärzlichen Discozellularfleckes, während eine schwärzliche
Postmedianlinie umgekehrt unten am deutlichsten ist; sie bil-
det die direkte Fortsetzung der Postmedianlinie der Vfl, ver-
läuft (abgesehen von einer etwas stärkeren Krümmung zwischen
den Rippen 2—5) etwa parallel zum Saume, ist von diesem
um 2—2,5 mm entfernt und ist, wenigstens bei diesem Exem-
plar, auf den Rippen unterbrochen und also in der Tat eine
Fleckenreibe bildend. Die Fransen der Hfl sind wie die ent-
sprechende Flügelfläche oder ein wenig. heller gefärbt. Kopf
78 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb. Pyral., Subfam. Pyraust.
und Thorax hellbraun, so weit noch erkennbar; die ganze Un-
terseite jedoch weiss, die Abdominalsegmente oben dunkel grau-
lich mit schmalem grauweisslichem Hinterrand. Palpen hraun,
unten bis fast zur Spitze schneeweiss. Die inneren Augenrän-
der ein wenig heller als ihr Zwischenraum. Die Fühler grau-
lich, unten heller, Beine weiss, Vordertibien mit dunklen
Dufthaaren. -—— Hinterleib den Analwinkel überragend. Vfispitze
scharf; vor derselben ist der Rand etwas konvex, hinter der-
selben ganz leicht konkav; der Analwinkel nur ganz leicht ab-
gerundet. Auch im Hfl ist der Saum hinter der Spitze schwach
ausgerandet. — Die Arterinnertan Botys albipedalis Sn.
(in: Tijdschr. v. Entom. 41, t. 8, f. 12), unterscheidet sich
aber u. a. durch die schwarzen Saumpunk:e. Aehnelt ferner dem
Bild von Pionea mandronalis WIk. (in: Il. Het. Br.
Mus. IX. t. 173, f. 19), aber die Hfl sind ohne dunkle Saum-
binde und die Vfl ohne dunkle Binde zwischen Saum und Post-
medianbinde, umgekehrt fehlen bei mandronalis die hier
vorhandenen schwarzen Saumpunkte, wodurch unsere Art sich
auch von P. ferrugalis Hb. sofort unterscheidet, insofern
die Punkte wenigstens der Oberseite der ferrugalis, wenn
überhaupt vorhanden, weniger deutlich sind, ferner sind bei
ferr. die Hfl verhältnissmässig dunkler und die Vfl ein wenig
gestreckter. — Die äusseren der mittleren Sporen der Hinter-
tibien sind verschwindend klein, die inneren dagegen recht lang
(mehr als doppelt so lang wie der Durchmesser des Gliedes)
die beiden apicalen Sporen sind an Länge unter sich wenig ver-
schieden. Die Anastomose von 7+8 im Hfl ist lang.
Das J weicht vom ® nicht nennenswert ab, abgesehen
von ein wenig geringerer Grösse: Vfllänge und Körperlänge je
kaum 9 mm.
Pionea (?) nea Strand n. sp.
Ein 2 von Suisharyo X. 1911.
Aehnelt Pionea brevialis WIk., ist aber u. a. durch
die Fransen sofort zu unterscheiden. — Sehr ähnlich „Croci-
dophora (?)“ gensanalis South (in: Trans. Ent. Soc.
1901. p 481, t. 15, f. 9), aber kleiner (Flügelspannung ca. 24,
Vfllänge 11,2, Körperlänge 9,5 mm), die ganze Färbung ist
heller, mehr goldgelblich, dunklere Saumbinde ist kaum vor-
handen, im Hfl scheint die ganze Flügelfläche gleich gelb zu
sein, die Querbinde ist gerade, nicht heller gerandet und er-
reicht ganz oder fast ganz den Analwinkel, die submediane
Knickung der Postmedianbinde der Vfl scheint hier schärfer zu
sein, die Fransen beider Flügel dunkel bleifarbig, glänzend und
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. 79
mit einer feinen dunkleren, wenig deutlichen Teilungslinie und
Andeutung dunkler Saumlinie in beiden Flügeln. [Der Verlauf
einer Antemedianlinie im Vfl ist bei diesem Exemplar nicht er-
kennbar, weil nicht gut erhalten.] Die Binden sind nicht
schwärzlich, sondern obendrein ziemlich hell bräunlich. Uner-
seite der Vfl graubräunlich mit gelblichem Schimmer; zur Not
lässt sich eine schwache Andeutung der Postmedianbinde der
Oberseite erkennen. Unterseite der Hfl strobgelblich mit gelb-
lichem Schimmer und ganz okne Zeichnungen. Thoraxseiten
sind weiss, sonst ist der Körper wie die entsprechende Flügel-
fläche gefärbt. — Könnte auch mit Pyr. flavalis Schiff.
verglichen werden und ebenso mit Thliptoceras („Hapa-
lia“) cascale Swh. (in: Trans. Ent. Soc. 1890, p. 271, t. 8
f. 18), aber u. a. das Vorhandensein der dunklen Saumbinden
und der Verlauf der Postmedianbinden der T. cascale wei-
chen ab. Dass es überhaupt kein Thliptoceras ist, zeigen
z. B. die Palpen, die nicht doppelt so lang wie der Kopf sind,
der äussere Mediansporn der Hintertibien ist durchaus nicht
„minute“, sondern halb so lang wie der andere Sporn etc.
- Endglied der Palpen ziemlich lang und aus der Behaarung her-
ausragend, jedoch nicht von dem vorhergehenden deutlich ab
gesetzt.
Pionea $chenklingi Strand n. sp.
Ein cd von Suisharyo 1I. 1912 und eins von Kosempo X.
1911, ein 2 von Suisharyo X. 1911.
| J' Flügelspannung 17, Vfllänge und Körperlänge je 9,3 mm.
Vfl lebhaft magentarot, jedoch am Hinterrande eine etwa
I mm breite, den Analwinkel nicht erreichende Binde, die
ebenso wie die Hfl hell rehfarbig ist. Auf dem Vorderrande,
in 3,5 mm Entfernung von der Flügelspitze, fängt eine feine,
dunkle, undeutiiche, gleichmässig saumwärts konvex gebogene
Querlinie an, die den Hinterrand nicht ganz zu erreichen. scheint
Auf der Discozellulare findet sich ein ähnlicher Querstrich und hin.-
ter dem sich eine feine ebensolche, saumwärts konvex gebogene
oder eine stumpfe, wurzelwärts offene Knickung bildende Quer-
linie, die sich auf den Hfl fortsetzt, wo sie die Rippe 2 nicht
überragt, dabei in der vorderen Hälfte saumwärts konkav, in
der hinteren saumwärts konvex gebogen ist. Auf dem Vorder-
rande der Vfl, in 2 mm Entfernung von der Flügelwurzel,
fängt die Antemedianlinie an, verläuft ganz schwach saum wärts
konvex gebogen bis zum Hinterrande, denselben in 2,5 ınm
Entfernung von der Flügelwurzel erreichend und scheint sich
anf den Hil fortzusetzen, wo sie jedoch erst im Dorsalfelde
80 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust.
— srl a 000m
deutlich zum Vorschein kommt und in den Analwinkel ausläuft.
In beiden Flügeln ist die Basalhälfte der Fransen wie die Flü-
gelfläche, die Endhälfte dagegen rein weiss, und schwarze Saum-
punkte fehlen ganz. Unterseite beider Flügel rehgrau, im Hfl
am hellsten, das Dorsalfeld der Vfl ist weiss. Unterseite des
Körpers weiss, Oberseite wie die Oberseite der Hfl, jedoch
Thoraxrücken und Halskragen etwas ockerfarbig und rötlich
angeflogen. Beine weiss, am I. Paar sind Femora und Tibien in-
nen graulich beschuppt. Palpen grau, an der Basis unten weiss.
— Bei der Cotype ist die Unterseite der Hfl heller und beide
Flügel zeigen ganz deutlich die Postmedianlinie etwa wie oben.
Beim 2 ist die Rotfärbung der Vfl, soweit nach dem einen
Exemplar zu urteilen ist, weniger lebhaft, abgeblasst, mit deut-
licher hervortretenden Querlinien, während die Färbung der Hfl
ockerfarbig übertönt ist.
Erinnert an Pionea pseudocrocealis South 2 aus
Japan (in: Trans. Ent. Soc. London 1901. p. 492, t. XV. f. 14),
ist aber kleiner, die Vfl mit zıemlich scharf markiertem Disco-
zellularquerstrich, und die Hfl mit ebensolcher Querlinienzeich-
nung, die Unterseite weicht ab etc. Auch Pionea puralis
South (l.c.p. 493—494, t. XV, f. 16) ähnelt sehr, soll aber
27 mm spannen, ihre postınediane Querbinde im Vfl zeigt in
ihrer costalen Hälfte eine saumwärts oflene Knickung, die mei-
ner Art fehlt etc. Ferner ist Pionea minnehaha Pryer
(in: Cist. Entom. II. p. 234, t. IV, f. 9 (1877)) jedenfalls
sehr ähnlich sowohl in Färbung als Zeichnung und da sie weit
verbreitet ist (aus Japan, Kiushiu, Korea und Ost-China ange-
geben), so hätte man an die Identität glauben können, wenn
die Distalbinde der Vfl nach Pryer’s Zeichnung zu urteilen nicht
weniger gekrümmt wäre und diese Flügel mit 4 Querbinden,
also mehr als bei meiner Art, ausgestattet zu sein scheinen. —
Die Rippen 4—5 beider Flügel sind unter sich deutlich getrennt.
PA0n08 (Ar).
Von Suisharyo X. 1911 liegt eine männliche Pyralide vor,
die an Pionea ferrugalis Hb. erinnert, übrigens aber so
mangelhaft erhalten ist, dass eine sichere Bestimmung ausge-
schlossen ist.
Gen. Pyrausta Schrk.
Pyrausta celatalis WIk.
Je ein Exemplar von Kosempo X. 1911 (2), Suisharyo
XlI. 1911 (Sf) und Kankau (Koshun) IV. 1912 (2) halte ich
für dieser Art angehörig, sie sind aber alle drei nicht tadel-
los erhalten.
TAFEL I.
A
bichtdruck Gıaph. Werke Markert & Sohn, Dresden.
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. 81
Pyrausta masculina Strand n. sp.
Ein c' von Suisharyo X. 1911.
Leider nicht tadellos erhalten. Flügelspannung 13, Vil-
länge 6,5 mm. Erinnert etwasan Pionea ferrugalis Hb.,
weicht aber ab u. a. durch die distale- dunkle Querbinde der
Vf. Vfl bräunlich mit drei dunkelbraunen Querbinden und
zwar eine am Ende des basalen Drittels des Flügels, die den
Vorderrand nicht zu erreichen scheint, in der Zelle sich fleck-
föormig erweitert und den Hinterrand kurz innerhalb seiner
Mitte erreicht, im Dorsalfelde eine schwache, wurzelwärts kon-
vexe Krümmung bildend; ferner eine Medianbinde, die auf der
Discozellulare einen schwarzen Doppelquerfleck bildet und von
da an so ziemlich gerade sich bis zum Hinterrande erstreckt,
denselben unweit des Hinterwinkels erreichend; endlich eine
ostmedianbinde, die auf dem Vorderrande in 1,8 mm Entfer-
nung von der Flügelspitze anfängt und sich als eine gerade,
parallel zum Saume verlaufende, bis etwa zur Rippe 4 sich
erstreckende Binde fortsetzt, die dann unleutlich wird, eine plötz-
liche Knickung und gleichzeitig saumwärts gerichtete Verschie-
bung zu erfahren scheint und, eine saumwärts konvexe Krüm-
mung bildend, den Hinterwinkel erreichen dürfte. Diese Binden
sind mehr oder weniger hellgelblich eingefasst, insbesondere
ist der Zwischenraum der beiden Proximalbinden in der
Zelle hell gefärbt. In der hinteren Hälfte des Saumfeldes ist
ein ziemlich deutlicher hellgelblicher Saum, sonst ist der Saum
mit einigen schwarzen Punkten bezeichnet. Die Hfl wie die
Vfl, jedoch nur mit zwei Binden, welche die Fortsetzung der
beiden Proximalbinden der Vfl bilden und wellig gekrümmt
verlaufen. So weit noch erkennbar, wären die Fransen heller
als die Flügelfläche. Hfl unten strohgelblich, die Vfl etwas
bräunlich bestäubt, beide mit den dunklen Binden der Oberseite
durchscheinend. Unterseite des Körpers sowie die Extremitäten
weiss, oben dürfte der Körper die Färbung der entsprechenden
Flügelfläche haben, die Spitze des Abdomen jedoch etwas heller.
Fühler braungelblich.
Pyrausta suisharyella Strand n. sp.
Ein 2 von Suisharyo X 1911.
Beide Flügel braunschwarz mit ziemlich starkem violetten
und gelblichen Schimmer und zwar unten wie oben, unten je-
doch ein wenig heller, mit stärkerem gelblichen und weniger
violettem Schimmer. Vfl mit einem weissen subapicalen und
subcostalen Querfleck, der um 3 mm von der Flügelspitze ent-
fernt, 2 mm breit und 1 mm lang ist und den Vorderrand
„ Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1918,
82 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb. Pyral., Subfam. Pyraust,,
fast berührt, von Gestalt einer vorn abgestumpften Ellipse.
Die Fransen wie die Flügel, jedoch mit Andeutung einer hel-
leren Basallinie.e Im Hfl an der entsprechenden Stelle (etwa
2,8 mm von der Flügelspitze) ein ähnlicher weisser Fleck, der
jedenfalls ebenfalls quergestellt ist, dessen Form aber nicht mehr
genau zu erkennen ist. Unten sind die weissen Flecke ein we-
nig. kleiner und nicht so scharf markiert. Die Discozellulare
beider Flügel erscheint unten leicht erhöht und ein klein we-
nig dunkler, weil wegen der Erhöhung einen Schatten werfend.
Der Körper wie die entsprechende Flügelfläche, Unterseite der
Palpen und des „Ialses“ weiss. Die Augen schwarz mit fei-
nen hellen Querlivien.
Fiügelspannung 23, Vfllänge 11, Körperlänge 10 mm:
Erinnert etwas an Pyr. quadrimaculalis South 190},
aber sicher verschieden.
Pyrausta suisharyonalis Strand n. sp.
Je ein Exemplar von Suisharyo X. 1911 (ey (Type) und
Kosempo I. 1910 (auch 2)
Antennen schwach annuliert und ziliiertt. Die Rippen 4
und 5 der Hfl sind basalwärts etwas genähert.
Flügelspannung 20, Vfllänge 10, Körperlänge 9 mm. —
Beide Flügel schwarz mit bronzigem und violettlichem Schim-
mer, der in gewisser Richtung ziemlich stark erscheint, und mit
goldgelben Zeichnungen. Im Vfl ist in reichlich 2 mm Ent-
fernung von der Flügelbasis eine ganz schmale, saumwärt®
leicht konvex gebogene, aussen dunkler eingefasste Querbinde
und fast Z mm weiter saumwärts ist noch eine ähnliche, aber
unterbrochene Querbinde, die den apicalwärts leicht konkav ge-
bogenen Discozellularfleck bildet und sich auf dem Hfl zu einer
vorn 2 mm breiten, aber hinten zugespitzten Querbinde, die
den Dorsalrand erreicht, erweitert. Das Charakteristikum der
Vflzeichnung bildet die 4 mm von der Flügelspitze entfernte,
schwach apicalwärts konkav gebogene, reichlich 1 mm breite,
zwischen dem Costalrande und der Rippe 2 sich erstreckende
goldgelbe Querbinde, die durch eine schwarze Linie von einem
ausserhalb derselben gelegenen, kleinen, dreieckigen, gelben
Costalfleck getrennt wird. Die Fransen beider Flügel ein we-
nig heiler als die Flügelfläche, insbesondere in der Endhälfte;
im Analwinkel erscheinen sie am Ende weisslich. Die Zeich-
nungen der Unterseite sind blasser und nicht so scharf mar-
kiert, sonst aber von denen der Oberseite nicht wesentlich ab-
weichend ; auch die Grundfarbe ein wenig blasser. Die ganze
Unterseite des Körpers und die Beine sind silberweiss und et-
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. 83
u
was glänzend, die Tibien z. T. dunkler gezeichnet. Palpen un-
ten weiss, sonst schwärzlich. Die ganze Rückenseite des Kör-
pers schwarz. |
Aehnelt Botys jucundalis Led. (t. 8, f. 17 seiner
Monographie), aber bei unserer Art ist die distale gelbe Quer-
zeichnung der Vfl breiter und mehr fleckförmig, die gelbe Quer-
binde der Hfl endet hinten spitzer etc.
Pyrausta tapa Strand n. sp.
Ein Sf von Kosempo XI. 1911. |
Zur Sectio I, Gruppe B, nach Hampson’s Fauna of Brit.
India. — Erinnert etwas an Botys extinetalis Led. (in
der Monographie (Wiener Entom. Monatsch. vol. VID t. 9, £.
18), deren legitiimer Name Pyrausta vitellinalis Koll.
ist, die Grösse ist aber geringer (Flügelspannung 22, Vfllänge
11,5, Körperlänge 12,5 mm), die Postmedianbinde dor Vfl ist
in der Dorsalhälfte stark eingekrümmt, indem sie da so verläuft
wie bei Botys obscuralis (l.c.t. 11, f. 9), von dieser
weicht die Binde jedoch dadurch ab, dass sie zwischen der Rip-
pe 2 und dem Costalrande eine gleichmässige Krümmung zu
bilden scheint (allerdings ist in dem Costalfelde die Binde nicht
ganz bis zum Rande erkennbar, offenbar weil der Flügel da-
selbst nicht ganz tadellos erhalten ist). Von obscuralis
wäre ferner abweichend, dass der Discozellularfleck keinen Ring
bildet, sondern mitten dunkel ausgefüllt ist sowie fast so lang
wie breit und scharf eckig erscheint, dagegen besteht die Ma-
kel in der Zelle aus einem Ring, der wenig kleiner als der
Discozellularfleck und nur um seinen Durchmesser von diesem
entfernt ist. Die Antemedianbinde und Subbasalbinde verlau-
fen so weit erkennbar wie bei obscuralis. Die Postmedian-
binde der Hfl wie bei letzterer Art, jedoch mit einer kleinen
submedianen, saumwärts offenen Knickung. Sonst gibt es im
Hfl keine andere Binde als eine um 1,5 mm weiter wurzel-
wärts gelegene, subparallele, wellenförmige Binde im Dorsalfelde,
während die Basalhälfte des Hfl zeichnungslos ist und im Costal-
felde nur noch die Postmedianbinde hineinreicht. Die Grund-
farbe der ganzen Oberseite ist strohgelb, mit nur schwachem
gelblichen Schimmer, möge aber bei ganz frischen Exemplaren
nicht unwesentlich anders aussehen; die feinen, undeutlichen
Zeichnungen erscheinen graubräunlich. Die spärlich erhaltenen
Reste der Fransen sind weisslich. Die Unterseite ist noch et-
was blasser; die Zeichnungen der Oberseite schimmern ganz
undeutlich durch. Körper wie die Flügel; die Palpen unten
weiss, oben hellbraun, |
84 Embrik Strand. H. Sauter’s !orm.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust.
Pyrausta pata Strand n. sp.
Ein d von Kosempo X. 1911.
Der äussere Mediansporn der Hintertibien ist kaum halb
so Jang wie der innere. Hintertibien glatt beschuppt. Vfl ohne
Grube in und jenseits des Endes der Zelle. Thorax ohne Schup-,
penfächer unten an der Basis der Vf. — Die Art ähnelt sehr
Pionea rubiginalis Hb., die u. a. aus Japan angegeben
wurde, ist aber zu unterscheiden durch die schärfer gezeichne-
ten, bezw. in der Endhälfte weisseren Fransen, die Rippen bei-
der Flügel sind nieht dunkler als ihre Umgebung, das dunkle
Saumfeld ist oben wie unten und nicht so scharf markiert wie
bei rubiginalis, die postmediane Binde der Vfl ist schärfer
markiert und am Vorderrande dreieckig erweitert, die anteme-
diane Binde ist gleichmässig gekrümmt, bildet also keinen Win-
kel, unten in den beiden Flügeln geht die Saumbinde so all-
mählich in das Mittelfeld über, dass sie als Binde nicht mehr
erkennbar ist, Vfllänge 9 mm. Dazu kommt — last but not
least — der Gattungsunterschied! Es ist aber zu bemerken,
dass die hier angegebenen spezifischen Unterschiede sich auf
den Vergleich zweier 2? von rubiginalis mit dem vorlie-
genden d' gründen. — Aehnelt ferner Pyrausta machae-
raslis WIk. var. suavalis WlIk. (in: List Het. Br. M. 34. p.
1448), aber verschieden. — Eine weitere ähnliche Art dürfte
sein, was Leech als Samia fumidalis n. sp. in Entomolo-
gist 22. p. 70, t. IV. f. 8 beschreibt und abbildet.
Pyrausta austa Strana n. sp.
Ein 2 von Kosempo I. 1910.
Flügelspannung 18, Vfllänge 9, Körperlänge 8,5 mm.
Charakteristisch u. a. durch die scharfe Knickung in der
vorderen Hälfte der Postmedianbinde der Vfl, sowie durch den
scharf markierten Discozellularfleck der Vfl. |
Beide Flügel im Grunde braungelb, mit braunen, fast linien-
schmalen Querbinden, von denen die postmediane auf dem Vor-
derrand der Vfl in 6,5 mm Entfernung von der Flügelwurzel
anfängt, gerade und schräg nach hinten und ein wenig nach
innen bis ins Feld 6 sich erstreckend, dann, eine scharf mar-
kierte Knickung bildend, zuerst saumwärts, dann nach hin-
ten und dann etwas nach innen, somit zwischen den Feldern
2 und 6 eine saumwärts ziemlich stark konvexe Krümmung
bildend, scheint aber den Hinterrand nicht zu erreichen. Der
Discozellularfieck bildet eine quer-halbmondförmige, ca 1 mm
messende Figur, die um weniger als 1 mm vom Vorderraude
entfernt ist; von hinter demselben bis sum Hinterrande erstreckt
Deutsche Entem. Zeitschrift Iris. Dresden 1918, 85
ne kassiere Pre
sich eine unregelmässig wellenförmige, wie es scheint zweimal
unterbrochene Querbinde. In etwa 2 mm Entfernung von der
Flügelwurzel fängt auf dem Vorderrande die Antemedianbinde
an, die, leicht saumwärts xonvex und etwas zackig gebogen,
sich bis zum Hinterrande erstreckt. Der Saum mit schwarzen,
in die Quere gezogenen Punkten. Auf dem Hfl setzt sich die
Median- und wahrscheinlich auch die Antemedianbinde fort;
erstere ist wenigstens in der Mitte der Flügelfläche saumwärts
konvex gebogen. Saum wie im Vfl. Unten sind beide Flügel
einfarbig strohgelb, stark gelb glänzend; als einzige Zeichnung
lässt sich der Discozellularfleck in beiden Flügeln erkennen.
Körper wie die entsprechende Flügelfläche, oder unten noch
heller. Palpen an der Basis unten weisslich. Beine teil-
weise weiss.
Pyrausta (?) sp. (kosemponalis Strand n. sp. ?)
Ein 0" von Kosempo X. 1911,
Flügelspannung 19,5, Vfllänge 9 mm.
Das Exemplar ist leider fast ohne Kopf und ganz ohne
Hinterleib, kann also nicht sicher bestimmt werden, um so mehr
als auch die Flügel nicht ganz tadellos erhalten sind. Die
Grundfarbe ist gelblich, mehr oder weniger bräunlich bestäubt
und mit dunklen (braunen bis schwärzlichen) Zeichnungen: im
Vfl eine gleichmässig saumwärts konvex gekrümmte, um 2 mm
von der Flügelwurzel entfernte Querbinde; um 2 mm weiter
saumwärts ist der Discozellularfleck, der dunkelste und am
schärfsten markierte von allen vorhandenen Zeichnungen, als
ein saumwärts leicht konkav gebogener, doppelt so breiter als
langer Querfleck; zwischen diesem und der Antemedianbinde,
von letzterer nur halb so weit wie von jenem entfernt, findet
sich ein kleinerer Querfleck in der Zelle; eine Postmedianbinde,
die breiter als die Antemedianbinde zu sein scheint, fängt auf
dem Vorderrande in 5,5 mm Entfernung von der Flügelwurzel
an, verläuft quer über den Flügel, eine saumwärts konvexe
Krümmung bildend, bis zur Rippe 2, biegt dann plötzlich wur-
zelwärts bis hinter den Discozellularfleck, dann gerade und fast
senkrecht auf den Hinterrand sich erstreckend, denselben in 4
mm Entfernung von der Flügelwurzel erreichend. Ausserhalb
dieser Binde verläuft jedenfalls eine ziemlich breite und scharf
markierte gelbe Binde, dann scheint der Rest des Saumfeldes
dunkel bestäubt zu sein. — Ueber die Mitte der Hfl verläuft
eine lebhaft gelbe, 1,5 mm breite, scharf markierte Querbinde,
welche die direkte Fortsetzung von der gelben Postmedianbinde
der Vfl bildet, zwischen Vorderrand und Rippe 4 gerade, da-
86 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust.
hinter saumwärts leicht konkav gebogen, den Hinterrand in 3
mm Entfernung von der Flügelwurzel erreichend.. Das Saum-
feld ist dunkel, wie es scheint aber. mit einer etwas helleren,
unbestimmt begrenzten limbalen oder sublimbalen Binde. Innen
wird diese Binde von einer ‘schmäleren, schwärzlichen, scharf
markierten, etwas unregelmässigen Binde begrenzt, während das
Wurzelfeld sonst, von dem sich wie im Vfl verhaltenden Disco-
zellularfleck abgesehen, gelb ist. Unterseite beider Flügel hell
graubräunlich, leicht violettlich getönt und mit gelbem Schim-
mer. Von den Zeichnungen der Oberseite sind die gelbe Quer-
binde der Hfl und ihre Fortsetzung im Vfl sowie der aussen
und innen gelblich begrenzte Discozellularfleck der Vfl erkenn-
bar. — Die Antennen erreichen jedenfalls die gelbe Postmedian-
binde der Vfl. Die kurzen Sporen der Hintertibien sind nicht
ganz halb so lang wie die langen.
Pyrausta faecalis Strand n. sp.
2 2@2 von Kosempo I. 1910, ein 7 ebenda X. 1911.
cd‘ Flügelspannung 30, Vfllänge 15, Körperlänge 14 mm.
Beide Flügel hellbraun, das Basal- und Medianfeld der Vfl mit
violettem Anflug, beide Flügel mit etwas goldigem Schimmer.
Im Vfl ist auf der Discozellulare ein kleiner tiefschwarzer Quer-
fleck und 1,5 mm weiter wurzelwärts ist ein tiefschwarzer run-
der Punkt in der Zelle. Sonst zeigt der Vfl drei schmale,
höchst undeutliche, schwärzliche Querbinden und zwar eine
antemediane Binde, die auf dem Hinterrande um 3,5, auf dem
Vorderrande um 2,5 mm von der Flügelwurzel entfernt und
apicalwärts leicht konvex gebogen ist; eine submediane Binde,
die auf dem Hinterrande um 7 mm von der Flügelwurzel ent-
fernt ist und sich gerade und schräg nach vorn und aussen bis
zur Basis der Rippe 3 erstreckt; endlich eine Postmedianbinde,
die auf dem Vorderrande in 11 mm Entfernung von der Flügel-
wurzel anfängt, schräg nach hinten und innen, apicalwärts leicht
konkav gebogen, bis zur Rippe 3 sich erstreckt, dann eine
stumpfe Knickung macht, um sich gerade oder ganz leicht saum-
wärts konkav gebogen schräg nach hinten und innen, sub-
parallel zum Saume und von diesem um etwa 2 mm entfernt,
bis zum Hinterrande zu erstrecken. Im Hfi ist der Discozel-
lularfleck wie im Vfl, von der Flügelwurzel um 3,8 mm ent-
fernt; die Medianbinde der Vfl setzt sich auf dem Hfl, fast ge-
rade verlaufend, bis zum Hinterrande des Saumes fort und um
1,5 mm weiter wurzelwärts, damit subparallel verlaufend, lässt
sich in der Dorsalhälfte eine weitere Querbinde zur Not erken-
nen Die Fransen wie die Flügelfläche. Unterseite beider
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresdea 1918, 8%
Flügel heller, ins Silbergrauliche übergehend, basalwärts, ins-
besondere im Hfl, mit scharf markiertem Discozellularfleck und
im Vfl mit ebensolchem Punkt in der Zelle; die Postmedian-
binde beider Flügel tritt etwa so deutlich wie oben auf. Ober-
seite des Körpers wie die der Flügel; seine Unterseite, die
Beine und Unterseite der Palpen silberweiss.
Das $ ist, nach dem vorliegenden Material zu urteilen,
eher ein wenig kleiner als das /, indeın die Vfllänge höchstens
14, die Körperlänge 12 mm beträgt. Die Grundfarbe der Ober-
seite beider Flügel ist etwas heller als beim 7 und daher er-
scheinen die dunklen Binden etwas deutlicher, der Discozellu-
larfleck ist dagegen weniger scharf markiert und ebenso der
Zellfleck der Vfl. Die Postmedianbinde der Vfl steht im Ver-
hältnis zum Vorderrande weniger schräg und alle dunklen Bin-
den sind ein wenig breiter als beim f. Dagegen erscheint die
Unterseite ein wenig trüber als beim 0’, weil der violettliche
Anflug stärker ist. Endlich erscheinen die Vfl ein wenig kür-
zer und stumpfer, bezw. ihr Saum weniger schräg als beim d’.
Während beim 0’ die Hinterleibsspitze den Analwinkel weit
überragt, reicht sie hier nur ganz wenig weiter als jener. —
Zur Hampson’s Sect. I. (1896) am besten wehörend, jedoch ist
der äussere Mediansporn der Hintertibien nicht ganz halb so
lang wie der innere.
Pyrausta hoozana Strand n. sp.
Ein J’ von Hoozan IX. 1910.
Flügelspannung 22, Vfllänge 11, Körperlänge 11 mm.
Beide Flügel braun, mit schwachem violettlichen Anflug
und leichtern gelblichen Schimmer; die Zeichnungen gelb. Im
Vfl ein oder zwei kleine gelbliche Längswische nahe der Basis;
eine ganz schwach saumwärts konvex gekrümmte, von der Flü-
gelwurzel um 2,5 mm entfernte, den Costalrand nicht ganz er-
reichende Antemedianbinde; in der Zelle zwei tiefschwarze,
unter sich um 1,6 mm entfernte, gleichgrosse, runde Punkt-
flecke, von denen der eine den Discozellularfleck bildet, und
deren Zwischenraum gelblich it. Um 2 mm ausserhalb der
Zelle verläuft eine schwärzliche Linienquerbinde, die fast senk-
recht auf den Vorderrand gerichtet ist, aussen von einer brei-
teren gelben Binde begrenzt wird und nach hinten nur bis zur
Rippe 4 reicht, wenn auch eine feine und undeutliche Verbin-
dung mit einem runden, im Durchmesser 1,6 mm messenden
Fleck im Dorsalfelde hinter der Zellspitze erkennbar ist, welcher
Fleck durch eine schmälere, senkrecht gerichtete Binde mit dern
Hinterrande verbunden ist. Im Hfl ist eine verwischte gelbe,
88 Embrik Strand. H. Sauter’s Form.-Ausb.: Pyral., Subfam. Pyraust
mitten ganz oder fast ganz unterbrochene Querbinde, die auf
dem Vorderrande in 5 mm Entfernung von der Flügelwurzel
sich findet und deren hintere Hälfte sich in nur 3,5 mm Ent-
fernung von der Flügelwurzel befindet und sich dann in gera-
der Linie direkt bis in den Analwinkel erstreckt. Die proxima-
len zwei Drittel des Costalfeldes der Hfl und die äusserste Basis
derselben ist silberweisslich. Oberseite des Körpers wie die der
Flügel, die Unterseite silbergraulich. Die Unterseite der Flügel
heller als die Oberseite, mit ziemlich starkem messinggelblichen
Schimmer; die Postmedianbinde und die Zell- bezw. Disco-
zellularflecke der Oberseite sind auch unten erkennbar. Palnen
braun, unten, von der Spitze abgesehen, jedoch weiss. An-
tennen unten bräunlich, oben graulich. — Das Exemplar ist
leider nicht tadellos erhalten.
Gen. Puriella Strand n. g.
Proboscis und Frenulum vorhanden. Körperbau gracil,
mit langen und dünnen Beinen, die Hintertibien mit zwei ziem-
lich langen Endsporen, von denen der innere doppelt so lang.
wie der äussere ist und mit zwei postmedianen Sporen, von
denen der innere länger als der längste Endsporn ist, während .
der äussere ganz rudimentär ist, so dass er nur zur Not er-
kennbar ist, weshalb diese Tibien fast beliebig als tricalcarat
oder quadricalcarat bezeichnet werden können. Abdomen den
Analwinkel überragend. Mediana der Hfl nicht pectinat. Maxil-
Jarpalpen vorhanden, ziemlich lang, jedoch die Spitze der La-
bialpalpen nicht erreichend, fadenförmig. Die Labialpalpen
schräg aufgerichtet, das Niveau des Scheitels erreichend, das
Endglied pfriemenförmig, ziemlich scharf zugespitzt, sonst sind
die Palpen seitlich zusammengedrückt und unten etwas schnei-
dig erscheinend. BeideFühler sind leider abgebrochen, so dass
nur etwa 10 proximale Glieder vorhanden sind; diese zeigen
keine besondere Merkmale, erscheinen leicht geringelt, mit fei-
ner, etwas kranzförmig angeordneter Ziliierung dicht bekleidet.
Stirn schräg abgeflacht, unten etwas vorstehend. — Im Vf
entspringt 2 weit innerhalb der Ecke, wenn auch nicht aus der
Mitte der Zelle, 3 von nahe der Ecke, 4 und 5 fast aus einem
Punkt, 849 sind lang gestielt, 7 mit 8+9 ganz kurz gestielt
oder bisweilen wohl aus einem Punkt entspringend (die nicht
ganz tadellose Erhaltung und Spannung des Exemplares er-
schwert die Untersuchung des Geäders!), das‘ Verhalten von
10—12 bleibt aus demselben Grunde etwas fraglich, jedoch
scheint 10 frei und parallel zu 9 zu sein und 11 dürfte weit
basalwärts entspringen. Im Hfl entspringt 2 weit innerhalb der
+
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918, 89
Ecke, 3 und der lange Stiel von 4+5 aus derselben, 7 und 8
eine weite Strecke zusammenfallend.. — Aufgerichtete Schup-
pen oder Schuppenanhäufungen in der Zelle nicht erkennbar.
— Habitus etwas Hydrocampinenähnlich ; Baeranpt als Pyrau
stine fraglich.
Puriella problematica Strand n. sp.
Ein $ von Taihorin XII. 1911.
Yfl graubräunlich, im Medianfelde mit schwacher, im
Saumfelde, aber nur in seiner distalen Hälfte, mit stärkerer
goldgelblicher Färbung, das l!/, mm lange Basalfeld weiss oder
weisslich ; in etwa 2 mm Entfernung von der Basis verläuft
eine wenig deutliche, weissliche, saumwärts ganz schwach kon-
vex gebogene, durch einen Strich der Grundfarbe gespaltene
Querbinde; eine ähnliche, aber schärfer markierte, weil rein
weisse, etwa gerade, postmediane Querbinde ist am Vorderrande
von der Flügelspitze um 1'!/, mm entfernt, daselbst ungefähr
1 mm breit, sonst ein wenig schmäler, endet in oder ein klein
wenig innerhalb des Analwinkels und wird von einem schwach
S-förmig gebogenen Striche der Grundfarbe geteilt (ge-
spalten). Zwischen dieser Binde, die das Charakteristicum
der Vflzeichnung bildet, und dem Saume ist das graubräunliche,
in seiner distalen Hälfte jedoch, wie gesagt, goldgelbliche Saum-
feld; die gelbe Partie desselben schliesst eine wenig deutliche
Querreihe schwarzer Pünktchen oder ganz kurzer Längsstrichel-
chen ein, welche Reihe im Analwinkel zu enden scheint, nach
vorn aber vom Saume ganz leicht divergiert. Die Fransen hell- .
graulich, so weit erkennbar ohne Teilungslinie. Die Unterseite
ist graubräunlich mit Ancdeutung eines dunkleren Discozellular-
punktfleckes und weisser Postmedianbinde, die fast so deutlich
wie oben ist, deren dunkler Teilungsstrich aber noch deutlicher
als oben ist und ausserdem sich näher dem Aussenrande der
weissen Binde findet und nur im Dorsalfelde eine Krümmung
erfährt; eine ganz schmale, an der Flügelspitze etwas erweiterte
Saumbinde ist gelblich und erstreckt sich am Vorderrande bis
zu der Postmedianbinde. — Hfl graubräunlich, ohne gelbliche
Färbung, dagegen mit dunklerer, borkbrauner Besprenkelung.
die an 4—5 Stellen sich fleckenförmig verdichtet und dabei
eine Postmedianbinde andeutet; das Basalfeld ist in derselben
Ausdehnung wie im Vfl weiss und zwar rein weiss und von
solcher Färbung sind auch eine Vorderrandbinde und eine Saum-
binde, welche letztere die direkte Fortsetzung der Postmedian-
binde der Vfl bildet, an der Flügelspitze aber den Flügelrand
Richt ganz erreicht; die Fransen rein weiss, im Analwinkelfelde
99 Bimbrik Strand, H. Sauter's Form -Ausb.: Pyral., Sablant Bryant,
und am Innenrande dunkel besprenkelt, an der Flügelspitze
dunkel geteilt. Unterseite grauweisslich mit schwarzem Disce-
zellularquerfleck und ebensolcher, mitten stark saumwärts kon
vex gebogener, schmaler Postmedianquerbinde; die Fransen wie
eben. — Körper weiss, Abdumen etwas graulich, die Pal,
pen unten, innen und am ganzen Endglied weiss, sonst grau-
ühler gelblichweiss, Beine weiss, die Tibien 1 grau. — Vi-
länge 6, Körperlänge 7 mm.
Artenverzeichnis.
Seite
Agrotera posticalis Wilen . . . 39
Analyta (Hyperanalyta n) psendospicelis Strand nap. 61
Arehernis humilis Swinh.. lea 65
5 srPpicalia Wi. 4; ® Li AAN Fe
Aripana eribrata®. .. : ae
| dichoerocidalis Strand n. sp 35
» (Pyraloeymatophera n.sg.) frenulalin Strand m. sp. 34
" lsctiferalis Wik ab. epicipietzem.ab . . . 87
Calamochrous pyraustalis Strand u.2p.. - . =... 78
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Helluta undalisF. . 63
Hemiseopis suttusalis Wik v. (Yobscursalieätrendnn. 7%
ssosentris filalis m . :.v. ee ONE SER
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 198.
Isocentris illectalis Wi. .
Lampridia (?) vetustalis Strand n. 2.
Lepyrodes geometralis Gn. .
perspectataF. (neptis Cr.).
Lygropia syleptalis Strand n. sp.
Leucinodella (n. g) agroterodes Strand n. sp.
Marasmia pauperalis Strand n. sp.. . u
Maruca amboinalis Feld. et. Rog.
Nacoleia charesalis Wik.
Nevrina procopia Cr.
Nosophora tai okualis Strand n. sp.
Pachynoa melanopyga Strand n. .
Pagyda amphisalis WIk.
amphisaloides Strand
botydalis Sn.
Phlyetaenodes anpingialis S Strand n. E;
Ik.
massalis
f{ormosibia Strand.
Pionea nea Strand n. sp
Schenklingi Strand n. ".
suisharyonensis Strand n. sp.
Prorodes mimica Swin. .
Puriella (n. g.) problematica Strand n. -
Pyrausta austa Strand n. sp. . . % EL
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celatalis WIk.
faecalis Strand n. sp.
hoozana Strand n. sp. .
kosemponalis Strand n. sp.
masculina Strand n. FB
pata Strand n. sp.
suisharyella Strand n. sp. ;
suisharyonalis Strand n. a
tapa Strand .n. sp. SEN
Sameodes cancellalis Z.
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equicalcaralis Strand n. sp.
miltochristalis Re
Sylepta derogata F
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Syngamia floridalis Z. Se ET. ah N
Tetridia caletoralis Wik. i y 3 Abe
Thliptoceras areolifera Strand n. sp. Er ei
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ımbutalis WIk. cum var. () taihokualis Strand n.rar.
iopasalis WIk. v a re Mr. hier
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3 Bücherbesprechung.
Bücherbesprechung.
Colias myrmidone Esp., die Stammform und ihre Abarten in Oester”
reich-Ungarn von Geh. Hofrat Pieszezek, Wien. Oesterr. Ent.-
Ver. Wien 1917,
benennt sich eine in Buchform erschienene Zusammenfassung von3 Arbeiten’
die der geschätzte Verfasser 1905, 1911 und 1917 bereits einzeln veröffent
lichte, und die mit 3 neu angefertigten farbigen Tafeln geschmückt ist, au
denen alle besonderen, in Oesterr.- Ungarn vorkommenden Formen von myr-
midone ausgezeichnet abgebildet sind. Im 1. Teil wird die Variabilität von
myrmidone eingehend besprochen, wobei Verf. — entgegen der von Standfuss
vertretenen Ansicht einer sprunghaften Entwicklung von der weissen zur oran-
genen Färbung — auf Grund seines reichen Materials zu dem Schlusse
kommt, dass die weisse Form sich erst nach und nach zu der orangenen
ausgebildet hat. Im 2. Teil bespricht Verf. die Verbreitung von €. myr-
m;done in ÖOesterr.-Ungarn und ihre Variabilität, wobei interessante
ab errative Formen genau beschrieben und abgebildet werden, z. B.
ab. schwabi Piesz., ab. gartneri Skala, ab 2 obscura Skala, ab 5 gri-
seomarginata Berger, ab. hartmannı loukl. Die in manchen Gegenden,
z. B. bei Judenburg in verschiedenen Jahren in wechselnder Menge un-
ter der Stammform vorkommende ab. © alba hält P. wie Standfuss fin
eine Rückschlagsform. Im 3. Teil wird die Zucht von myrmidone und
ab. alba aus dem Ei, sowie deren Variabilität besprochen. Hier wird
das Resultat langjähriger mühevoller Zuchtversuche vorgelegt und mit
grosser Wahrscheinlichkeit festgestellt, dass die ab. alba eine nach den
Mendels’schen Regeln sich vererbende Form ist. Der strikte Nachweis
ist deshalb noch nicht erbracht, weil stets Eier von gefangenen PP ver-
wendet wurden, die annehmbar sämtlich von oranrenen J'f befruchtet
waren (da ja weisse g'g‘ bisher nicht bekannt), in der Gefangenschaft
aber die Copula von myrmidone noch nicht erzielt wurde. Hinsichtlich
der Nomenklatur stellte P. fest, dass die jetzt als Stammform bezeich-
nete Form (die orangene) eigentlich var. amicans zu benennen ist, da
die Espersche Type der jetzt als ab. micans benannten Form genan ent-
spricht, dieser Name also eigentlich einzuziehen ist und ab. micans als
Stammform myrmidone zu gelten hat. Ei und Raupen in den einzelnen
Stadien werden genau. beschrieben. Die Eigentümlichkeiten der Lokal-
rassen blieben auch bei der künstlichen Zucht gewahrt.
Das Studium der verdienstvollen, sorgfältigen Arbeit kann nur drir-
gend empfohlen werden. |
Dr. W.
A. Schultze, Die Papilioniden der Kolorie Kamerun (Archiv für
Biontologie IV. Band, 2. Heft) mit 3 Tafeln, Berlin 1917.
Als Fortsetzung der Charaxiden und Apaturiden im 1. Heft ge-
nannter Zeitschrift hat der Verfasser nunmehr die Papilioniden veröffent-
licht, er hat das Vorkommen von 37 Arten in Kamerun festgestellt.
Nach einleitenden Worten über ihre Verbreitung, Lebensweise, über die
grossen Licken in der Kenntnis ihrer ersten Stände schildert er die
einzelnen Arten mit bemerkenswerten Hinweisen in systematischer Hin-
sicht. Die 22 sind im allgemeinen selten, die Erforschung der ersten
Stände sehr erschwert, soweit es ihm gelang, gibt er die Beschreibung
der Raupen, so von P. dardanus Brown, cynorta F., bromius Dbl., me-
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918. 92
nestheus Dr. und pylades FE. Auf den 2 farbigen von Werner und
"Winter nach Aquarellen des Verfassers hergestellten Tafeln kommen die
prachtvollen Raupen einiger Arten, so P. demodocus Esp., menesth.
us Dr., leonidas F., ucalegonides Stgr., dardanus Brown, cynorta Fe,
bromius Dbl. und einige Falter (P. schultzei Auriv.) in vollendeter Weise
“ur Darstellung. Die 3. Tafel enthält einige Photographien von Papilio-
niden an feuchten Stellen, Uferschlick saugend. Die vornehme prächtige
Ausstattung und die vorzügliche Schilderung des Naturlebens dieser Fal-
ter wird bei Liebhabern viel Interesse erwecken.
E. Möbius.
Zugänge zur Bücherei v. 15. XI.1917 bis 1.V1.1918.
| 1. Eingänge durch Geschenke:
Heller K.M., Neue Huamboica-Arten (Stett. Entom. Zeit. 1917.)
sr Eine neue aberrante Eustrophinengattung (Tijdsch. v.
Entomol. 1918) Geschenke des Verfassers.
Piepers u. Snellen, The Rhopalocera of Java. IV. Teil, Erycinidae, Ly-
caenidae, 1918. Geschenk der Verfasser.
Seiler, Anregung zu neuen Aufgaben auf dem Gebiete der
| Psychidenbiologie. (Entom. Zeitschr. Frankfurt J. 31)
B Gescheuk des Verfassers.
Smits van Borgst, 'Tunisian Hymenoptera, Haag 1913
2 EEE „ Naamlijst der in de lIchneumonen.-Collectie van Het
| Rijk aanwesige Genera en Species der Familie Ich-
_ neumonidae 1918. Geschenke des Verfassers. |
Uffeln, II. Nachtrag. Die Grossschmetterlinge Westphalens. Ge-
schenk des Verfassers. |
Schultze A., Die Papilioniden der Kolonie Kamerun (Arch. f. Bionto-
logie IV. Bd.) Geschenk des Verfassers.
Bauer, Beitrag zur Microlepidopterenfauna von Naumburg a. 8.
(Mitteil. d. Entom. Gesellsch. Halle 1917) Geschenk
des Verfassers.
Pieszezek, Colias myrmidone Esp. Wien 1917 (Geschenk d. Oesterr.
Entom. Vereins)
2. Eingänge durch Kauf und Tausch:
Culot, Noctuelles et Geometres d’ Europe Liv. 46—49.
Seitz, Exotica Nr. 249—266.
Closs u. Hannemann, System. Verzeichnis der Grossschmetterlinge des Ber-
liner Gebietes, Berlin-Dahlem 1917 (Supplementa En-
tomologica Heft VI)
Erklärung d. wissensch. Käfernamen aus Reitters Fauna
Germanica, Stuttgart 1917.
Kranchers Entomol. Jahrbuch 1918.
3. Zeitschriften.
Entomol. Zeitschr. Frankfurt a. M. XXXI. J. Nr. 16—26; XXXII, Nr.1—4
Intern. Entom. Zeitschr. Guben 11. J. Nr. 17—26; 12. J. Nr. 1—5.
Zeitschr. d. Oesterreich. Entomol. Ver. 2. J. Nr 9; 8. J. Nr. 1-3.
Deutsche Entomol. Zeitschr. 1917, Heft: I—-IV und Beihett.
Schenkling,
m
g4. Zugänge zur Bücherei vom 15. XI. 1917 bis 1. VI. 1918.
Wiener Entom. Zeitung 36. J. VI—X. Heft; = & IJ-- III: Heft.
Insektenbörse 34. J., Nr. 24—26; 35. J., Nr.
Societas entomologica XXXIl. J. Nr. 13; XXX J. Nr. 1-5.
Verb zool. bot. Gesellsch. Wien 67. Bd., 5.—10. Heft; 68. Bd. Heft: 1
AAUE E n range Insektenbiologie Ba. XI, Heft 9—12, Bd. XIV
eft: 1—2.
Entom. Rundschau 84. J. Nr. 12—13; 35. J. Nr 1-5.
Entom. Mitteil. Berlin-Dahlem Bd. VI, Nr. 10-12 Bd. VII, Nr. 1—3.
Kosmos 1917, Heft: 12; 1918, Heft: 1—5. Bölsche, Schutz- und Trutz-
bündnisse in der Natur, Floericke, Forscherfahrten in Feindesland
Fischer-Defoy, Schlafen und Träumen.
Coleopt. Rundschau VI. J. Heft 10—12; VII. J. Heft 1—2.
Stett. Entom. Zeit. 78. J., Heft: 1.
Aus der Heimat, 30. ]. Heft: V-VI.
Mitteil. Münchener Entom. Gesellsch. 8. J. Nr. 5_10,
Jahrb. d. Nassauischen Ver. f. Naturkunde 70. J.
XXVIll. Jahresb. d. Wiener Entom. Vereins 1917, Ä
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De - jährli he Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist in den
ersten drei Monaten eines jeden Verein-jahres zu zahlen (an den
| Rechnungsführer G. Kretzschinar, Bismarckplatz 6).
Den Herren Mitzli-dern, welche ihren Beitrag zu zahien verzesuen haben, wird
das zweite (Anfang Juli erschkinende) Heft gegen Nachnahr:e des Beitrages, zurüg-
lieh der Portokosten, zug*sands (soweit nach den betreffenden Ländern Naet;nahme
zuwiässig ist).
Die Zeitschrift erscheint in Vierteljahrsheften.
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte können nur inner-
halb der Frist eines Jahres, vom Erscheinen dieser Hefte an ge-
rechnet, berücksichtigt werden.
Mitglieder erhalten auf Wunsch die früheren Hefte und Sonder-
drueks unserer Zeitschrift zu halben Preisen mit Ausnahme von Band I,
Heft 1—3, und Band VII und VIII, welche vergriffen sind. Anfragen sind
an den Bücherwart (E. Möbius, Dresden-Fr., Schlachthofring 3) erbeten.
Der Inhait der Deutschen Entomologischen Zeitschrift Iris besteht, ausser
aus wissenschaftlichen Mitteilungen, aus Vereinsnachrichten, Bücherbesprechungen
und Nekrologen, die letzten sechs Jahrgänge bringen von ersteren die folgenden:
Band XXVI, 1912
(mit 8 Tafeln und mehreren Textfiguren).
Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte palaearkt. Macrolepidopteren IV,
V und VI. Courvoisier L. Ueber Zeichnongs-Aberrationen bei Lycaeniden.
Denso, P. Palaearktische Schmetterlingsformen. Hartert, E. Gegen die Zulassung
von Ausnahmen vom Prioritätsgesetz. Martin, L. Ein neuer Papilio aus Celebes.
Ein seltener Ixias. Zwei neue Euploeen aus Celebes. Zwei neue Delias aus Celebes.
Martini, W. Beiträge zur Kenntnis der Elachista-Raupen. Grapholita oxytropidis,
eine neue Wicklerart aus Thüringen. Kleine Mitteilungen. Miller, E. Neue Rho-
paloceren aus Transkaukasien. Neustetter, H. Neue oder wenig bekannte
Cimothoe-Arten. Philipps, F. Eine interessante Aberration und Hermaphroditen
meiner Sammiungz. Rebel, H. Beitrag zur Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens.
Rothke, FM. Beitr. z. Kennt. von Arctia figurata und ihren Formen. Sasse, Th.
Saturnia pyri forma alticola. Schopfer, E. Epiblema niselli und Varietäten.
Seiler, R. Die Zucht von Aporophyla nigra Hw. Sheljuzhko, L. Eine neue
Form von Melitaea didyma 0. Sterz, ©. Beitr. zur Macrolepidopterenfauna der
Insel Teneriffa. Eine neue Form von Polia dubia ans Spanien. Drei neue Bomby-
eiden-Formen des palaearktischen Faunengebietes. Walther, H. Lichtfangergeb-
nisse im Jahre 1912, Zerny, H. Neue Heteroceren aus dem naturhistorischen
Hofmuseum in Wien.
Band XXVil, 1913
(mit 8 Tafeln, 1 Bildnis und mehreren Textfiguren).
Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte palaearktische Macrolepidopteren
vH. Bryk, F. Apologie der bewusst von mir afgestellten Synonymen. Chap-
mann, T. A. Zur Biologie von Prays eurtisellus ab. rustiens. Denso, P. Celerio
hippophats. Palaearktische Schwärmerhybriden. Ceierio zygophyli. Fruhstorfer,
. Ein neuer Sericinus aus China. Neue indo-australische Rhopaloceren. Neue
Arhopala-Rassen. Neue Lycaeniden. Konias, R. Colias crocea ab. v. Linstow.
Das systematische Verzeichnis und Lycaena argus und argyrognomon. Mabille,
P. Le: genres Charmion de Nicev. et Oerane Eiw. Martin, L. Neue KRhopa-
locercn aus Celebes (2 Teile). Zwei neue Danaidenformen aus Celebes und Sa-
leijer. Martini, W. Zur Biologie von Prays ab. rusticus Hw. Möbius, E.
Septemberfäng in Bozen. Rebel, H. Zur Unterscheidung und Synonymie einiger
Arten der Gatt. Gracilaria. Schweitzer, K. Die Grossschmetterlinge des Vogt
lands, Sheljuzhko, L. Gegen unnütze und bewusste Aufstellung von Synonymen.
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Band XXVIlIl, 1914
(mit 4 Tafeln, 2 Textfiguren und 2 Kartenskizzen).
Courvoisier, L. G. Zur Synonymie des Genus Lyeaena. Fiedler, C. Das
bisher unbekannte Weibchen von Charaxes cognatus Vollh. Fruhstorfer, H. Neue
Lycaenidaee Neue Arhopala-Rassen. v. d. Goltz. Erebia epiphron vogesiaca.
John, O. Das Weibchen von Epicraptera alice John. Konlas, R. Colias crocea
ab. micans forma nova. Martin, L. Die Tagfalter der Insel Celebes. Petry, A.
Zwei für Deutschland neue Mikrolepidopteren. Püngeler, R. Neue palaearktische
Macrolepidopteren. Rebel, H. Zweiter Beitrag zur Lepidopterenfauna Unter-
Aegyptens. Ueber eine Microlepidopterenausbeute aus dem westlichen Thisn-Schan-
Gebiet. Schopfer, Ed. Beitrag zur Microlepidopterenfauna der Dresdener Gegend,
Seitz, A. Euchlo& falloui forn. lucida Shelj. Spröngerts, J. R. St. Martin-
Vesubie, Seealpen. Stauder, H. Microlepidopteren des Triester Gebietes und aus
Istrien. Neue Lepidopterenformen aus dem österreichischen Litorale. Lycaena
argus L. Q@ flavodentata aberr. nov. Bemerkungen über Euchlo& falloui Allard
(2 = seitzi Böber) und Amicta ecksteini Led. Stertz, ©. Eine neue Heterocere
aus Algerien. Walther, H. Ueber die Zucht von Arctia cervini Fall.
Band XXIX, 1915
(mit 10 Tafeln und 3 Textfiguren)
Bang-Haas, O. Rhopalocera der Chotan-Ausbeute 1914. Zur Kenntnis
von Parnassius delphius und verwandter Arten. Einiges über Parnassius. Ein-
heitliche Aberrationsbenennung der Gattung Parnassius. Einige seltene Pieriden-
Aberrationen. Fassl, A. H. Neue Pieriden aus Südamerika. Neue Schmetter-
linge aus Südamerika. Drei Schmetterlingszwitter aus Südamerika. Fiedler, C.
Das bisher unbekannte Männchen von Charaxes pyrrhus editha Ribbe. Fritsch.
Zur Phaenologie von Colias crocea Foner. Fruhstorfer, H. Eine neue palaearkt.
Charaxes-Rasse. Neue Formen der Gattung Luthrodes und Uebersicht der be-
kannten Rassen auf Grund morpholog. Untersuchungen. Neue Terinos-Rassen,
Gaede. Neue afrikanische Heterveeren des Berliner Zoolog. Museums. Lepidop-
teren von Herrn P. Range in Nama-Land, D. S. W. Afrika, gesammelt. v. Linstow.
Die Entstehung von Amphydasis betularia ab. doubledayaria. Martin, Dr. L.
Tagfalter der Insel Celebes.. Möbius, E. Beschreibung der. Raupe von Gnophos
spröngertsi Püng. Rebel, Dr. H. Revision der palaearkt. Epermenia-Arten.
Stauder, H. Neue mediterrane Lepidopterenformen. Stertz, O. Mitt. über
palaearkt. Heteroceren. Mitt. über die Zuchtergebnisse des Genus Chondrostega
im Allgemeinen. Mitt. über meine algerischen Reisen. Mitt. über eine Zucht von
Arctica caja.
Band. XXX, 1916
(mit 2 Tafeln)
Caradja, H. Beitr. zur Kenntn. der geogr. Verbreitung der Pyraliden und
Tortriciden des europ. Faunengebietes nebst Beschreibung neuer Formen. Fritsch,
W. Phaenol»eische Anmerkungen. Eine neue Form von Deilephila gallii Rett.
Neustetter, H. Neue und wenig bekannte afrikanische Rhopaloceren. Pfitzner, R.
Die Lepidopteren der Sprottauer Gegend. Martini, W. Verzeichnis Thüringer
Falter aus den Familien der Pyralidae-Micropteridae. Fruhstorfer, H. Neues
über die alte Art Satyrus fagi Scop. Nochmals Limenitis rivularis Scop.
v. d. Goltz. Noch einmal Erebia epiphron vogesiaca. Rebel, Dr. H. Ueber
eine Microlepidopterenausbeute aus dem östlichen Tannuola-Gebiet. Zöllner, H.
Piötzliches und häufiges Auftreten von Lygris pyropata Hb. in Ostpreussen 1915/16.
Gaede, M. Neue Lepidopteren des Berliner Zoologischen Museums. -
Band XXXI, 1917
(mit 2 Tafeln und 2 Bildnisbeilagen).
Cretschmar, M. Zur Bio!ogie von Caligula (Saturnia Schrk.) boisduvali Ev
Fruhstorfer, H. Neue palaearktische Lycaeniden. Altes und Neues über Ere -
bien. Monographische Uebersicht alter und neuer Erebiaformen. Lange, E. Agr-
tis collina Bdv. und ihr Vorkommen im sächsischen Erzgebirge. Möbius, E.
Agrotis lorezj Stgr. in Deutschland. Schütze, K. T. Argyrestia illuminatella.
Stauder, H. Colias crocea mediterranea Stdr. Stichel, H. Abermalige Be-
gründung des Namens Limenitis rivularis Skop. für Limenitis camilla autorum.
.
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34
238,00
% Deutsche
Entomologische Zeitschrift
| ale. ‚|
„Lris
RR | herausgegeben RE
Entomologischen Verein Iris zu Dresden.
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IE’
Jahrgang 1918. Drittes und viertes Heft.
Ti De (Mit: 5 Textabbildungen.)
15. Februar 1919.
Sehriftleiter: Dr. H. Walther.
Preis für Nichtmitglieder des Vereins: 8 Mark.
04 Kommission bei
R. Friedländer & Sohn
- Berlin, Carlstrasse 11.
%
BDruek von Oskar Hensel, Gottenberg.
Inhalts-Uebersicht.
f " Seite
Rebel, Prof. Dr. Zur Kenntnis palaearktischer Talaeporiiden %-—112
Stertz, O0. Mitteilungen über EIPUDERE URRTENL N Mabille
und n. var. jordana Stertz . . . 112-114
Stertz, 0.7 Berichtigungen und oshacnen zu meinen Mit-
teuDINBEN über kanarische und algerische Großschmetter-
Inge, Iris, Jahrgang 1912 und 195 . . ......14 48
Schütze, K. T. Beitrag zur Kenntnis einiger Sn ie LE
Hering, M. Zur Biologie und a Ne von
Sceythris temperatella Led. . . ... ee ee
Sheljtuzhko, L. Einige Ergänzungen zu meinen RR z . 180--133
Walther, (Dt; (Arnkädromorphes Falter’ von ee fran-
conica Dep- Ch Wa HE E ER ARE Eee Dh a H
Stertz,, Ö. +, Ss, ÜRRTRRSBANENSE NE NEL N ENRRRG a a Ne
Fritsch, W. Bhuektrenee RN SR
Zugänge zur Bücherei vom 1. VI. bis 1 x... a
Vereinsnachrichten . . . SarL an ee
Alphabetische Liste der hesprüchenen Arten, arafkth und |
Aberrationen . . ... h ; RTL RED IT
In allen Angelegenheiten der Schriftleitung (Manuskripte, Tafeln, |
Bücherbesprechungen, Korrekturen usw.) bittet man, sich an den Schrift-
leiter Dr. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstrasse 4 zu wenden. Die
Verfasser erhalten 25 Sonderdrucke kostenfrei, nach ‚Vereinb. zung (bei
Einsendung des Manuskriptes) auf Wunsch mehr. Für die Form und
den Inhalt der in dieser Zeitschrift‘ veröffentlichten Aufsätze sind die
Autoren allein verantwortlich.
Vorstand
des Entomologiechen Vereins „Iris” zu Dresden. 5
Vorsitz.: Hofrat Prof. Dr. phil. K.M. Heller Dres. Franklinstr. 22.
Stellvertreter: Dr. med. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstr. 4.
Schriftf.: Dr. med. Joh. Krüger, Dresden N., Löbauerstr. 22.
Stellvertr.: ice R. Zeumer, Dresden A., Schlossstr. 22.
Rechnungsf.: Kaufm, G. Kretzschmar, Dresden, Bismarchplatz 6.
Bücherwart: Pe E. Möbius, Dresden, Schlachthofring 3.
Schriftl.: Dr. med. H. Walther, Dresden N. 8, Böhmertstrasse 4.
Stellvertreter: Amtstierarzt E. Möbius, Dresden; ‚Schlachthofring Br
Sitzungen: Mittwochs 8 /, Uhr abends im ‚Hauptrestaurant des
Zoologischen an Gäste stets willkömrnen,
Nouanmeldungen von Mitgliedern werden an den Vorsitzenden
erbeten.
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2
Zur Kenntnis palaearktischer Talaeporiiden.
Von Prof. ‘ER Reb el, Wien.
(Mit Fig. 1 und 2 auf Tafel D).
Obwohl das Naturhistorische Hofmuseum in Wienan Ta-
laeporiiden ein Material besitzt, welches in seiner Reich-
haltigkeit kaum von einer zweiten kontinentalen Sammlung
überboten werden dürfte, erwies sich meine Absicht, eine Re-
vsion dieser Familie zu "geben, derzeit doch noch als verfrüht.
Das Haupthindernis bildet die Unzulänglichkeit in der Ünter-
scheidung der Solenobiä-Arten, von welchen allein schon
in Mittel- und Südeuropa zweifellos eine viel höhere Zahl vor-
kommt, als man bisher annahm. Wie bei den meisten Mi-
kropsychiden, wozu in weiterem Sinne auch die Epich-
nopteryginae und Fumeinae zu stellen sind, herrscht
- nämlich auch bei den Solenobia-Arten eine so -weitge-
hende Uebereinstimmung in den gewöhnlich zur Unterscheidung
verwendeten äusseren Merkmalen vor, dass vielleicht nur eine,
an grossen Serien durchzuführende Untersuchung des männ-
lichen Genitalapparates eine bessere Beurteilung des spezifischen
Wertes der Formen bringen könnte. Für eine solche’ umfang-
‘ reiche Untersuchung reicht aber derzeit auch das Material des
‚Hofmuseums noch nicht aus, welches gerade von zweifellos neu-.
en Arten oft mır einzelne Stücke besitzt.
Um jedoch dem künftigen Forscher einen Hinweis zu bie-
ten, wo vor Allem kritische morphologische Untersuchungen
-nottun, habe ich im Nachstehenden auch eine Reihe Soleno-
bia- Formen diagnosticiert, von welchen sich die meisten als art-
berechtigt erweisen dürften, wenn auch ihre schärfere, in Form
einer allgemeinen Bestimmungstabelle auszudrückende Unter-
scheidung zur Zeit noch nicht durchführbar erscheint.
Wie ich bereits bei Bearbeitung der Psychiden im Spu-
ler’schen Werke annahm, umfassen die Talaeporiiden nur die
Gattungen Talaeporia Hb., Bankesia Tutt und Sole-
nobia Z., wozu noch die rein mediterrane Gattung Sciope-
tris. Meyr. kommt. Trotz der vielfachen Uebereinstimmung
der Talaeporiidao mit den Psychidas glaube ich derzeit doch,
dass es angezeigter erscheint, für erstere den Rang einer eige-
nen Familie beizubehalten, wofür vor Allem im männlichen
Deutsche Entomologische Zeitschrift Iris“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden, Jahr» ang 1918
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; Prof. H. Rebel. _ Zur Kenntnis palaearktischer Talaeporüden. 95
Sir JE ; ER N
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96 Deutsehe Entom. Zeitschrät Iris. Dresdea 1918
Geschlecht die längeren, bloss bewimperten Fühler, die länge-
ren Hinterschienen, die drei Innenrandsadern der Hfl und die
am Afterwinkel derselben tineidenartig verlängerten Fransen
sprechen.
Was die geographische Verbreitung der Talaeporii-
den, welche auf die nördliche Hemisphaere beschränkt zu sein
scheinen, anbelangt, so reichen Talaeporia und Soleno-
bia vom arktischen Gebiete bis an den Nordrand des Medi-.
terrangebietes, eine Solenobia-Art findet sich in Ostsibi-
rien, eine andere in Nordamerika. Die Arten der Gattung
Bankesia sind vorwiegend westmediterran, bis in die
Schweiz, Friaul und nach England reichend, nur eine findet
sich in Kleinasien. Die Gattung Sciopetris scheint auf den
Südwesten des Mediterrangebietes beschränkt zu sein.
Sciopetris melitensis n. sp. ()
Ein einzelnes, nur teilweise gut erhaltenes, männliches
Stück dieser neuen, sehr kleinen Art wurde von Adolf An-_
dres während seiner Kriegsgefangenschaft auf der Insel Malta,
wahrscheinlich im Februar 1915, erbeutet und von ihm bereits
unter dem von mir (i. l.) gegebenen Namen angeführt.*)
Eine Aufhellung des Geäders ergab nur auf den Vfl ein
einwandfreies Resultat, da die Hfl bei der Praeparation zum
Teil gefaltet blieben und den Adernverlauf nicht deutlich er-
kennen liessen. Trotzdem habe ich versucht, die folgende Ge-
äderskizze zu entwerfen, welche namentlich auf den Vfl das für
die Gattung Sciopetris Meyr.**) so charakteristische Fehlen
von Ader R 2 und R 5 aufweist, was die, Zugehörigkeit des
vorliegenden Stückes zu der genannten Gattung, von welcher
bisher nur die typische Art (technica Meyr.) und eine wei-
tere, fraglich hierher gehörige (pretiosa Stt.), beide aus Al-
gerien bezw. Marokko stammend, bekannt waren, wohl ausser
Zweifel stellt. |
Wegen der durch Verlust zweier Radialendäste der Vfl am
weitest vorgeschrittenen Spezialisierung des Geäders stelle ich
die Gattung Sciopetris an die Spitze der Talaeporiiden
und lasse darauf erst die Gattung Talaeporia folgen, mit
welcher sie auch habituell grössere Aehnlichkeit hat, Keines-
*) Entom. Rundsch. 33. Jahrg. p. 51, N. 82,
*#) Ent. Monthl. Mag (2) II (1891) p. 58,
Prof. H. Rebel. Zur Kenntnis palasarktischer Talaeporiiden. 97
falls geht es an, die beiden einander näherstehenden Gattungen
Bankesia und Solenobia durch Sciopetris zu tren-
nen. Fast möchte ich für letztere auch einen talaeporienarti-
gen Röhrensack vermuten.
Tafelıl, Fig. 2.
Geäder von Sciopetris melitensis Rbl.
F- Am (stark beschädigten) Kopf lassen sich Spuren der rau-
"hen Behaarung und der kurzen Bewimperung der Fühler er-
kennen. Das Basalglied der Fühler ist doppelt so lang als breit,
die vorgestreckten Labialpalpen sind sehr kurz und dünn und
überragen kaum die Stirne Die Hinterschenkel und Hinter-
- schienen durch anliegende Schuppen stark verbreitert, letztere
- mit langen Mittel- und Endsporen. Der Hinterleib kurz, ta-
laeporien artig. |
Die samt den breiten Fransen einfarbig lehmgelben Vfl
zeigen nur unregelmässig zerstreute schwärzliche Schuppen, ei-
nen nach der Mitte schwach eingedrückten Vorderrand, eine
sehr stumpf gerundete Spitze und einen ganz abgerundeten
- Innenwinkel. In ihrem Geäder fehlt Ader R 2 und Ader R5,
sonst ist dasselbe Talaeporiiden-artig, doch scheint eine „ein-
geschobene“ Zelle zu mangeln.
Die Hfl, von 3/, Vflbreite, sind staubgrau, mit sehr brei-
ten lehmgelben Fransen. Wie bereits bemerkt, wurde mir ihr
Geäder (ohne weitere Beschädigung des einzigen Stückes) nicht
vollkommen klar. Es scheinen alle Adern vorhanden zu sein.
' Vielleicht ist auch die Mittelzelle (durch Erhaltensein des
Längsstammes M) geteilt. Die Haftborte ist ausnehmend lang.,
Die Unterseite aller Flügel ist eintönig gelblichgrau. Vfl-
länge 6, Exp. 11,5 mm.
Von der typischen Art (Se. technica) unlerkchördel sich die
vorliegende melitensis wohl spezifisch durch die einfärbigen,
vollständig zeichnungslosen, nür mit einzelnen schwarzen Schup-
pen ganz unregelmässig bestreuten Vfl.
Die noch fraglich zur Gattung Sciopetris gestellte preti-
os& Stt. ist eine zarte, bleich gefärbte Art mit deutlich gegit-
terten Vfl, mit welcher Sc.-technica kaum zusammenfallen kann,
wie Tutt*) vermutete. Sie dürfte vielleicht eher in die Gat-
tung Bankesia zu stellen sein.
*) Brit. Lepid. II p. 288.
98 Deutsehe Entom. Veitschrift Iris, Dresden 1918.
Talaeporia autumnella n. sp. (J)
In Pisino, im Inneren Istriens, wurde von Dr. E. Gal-
vagniam 24. September 1904 eine Art in zwei männlichen,
Eine neuerliche eingehende Untersuchung der Se von Pi-
sino, von welcher Dr. Galvagni in sehr dankenswerter Weise
ein Stück dem Hofmuseum widmete, ergab deren unzweifelhafte
Verschiedenheit von T. defoliella und eine nähere Verwandt-
schaft zu T. tubulosa Retz.
Die dichten Kopfhaare sind wie bei T. tubulosa lebhaft
lehmgelb, die schlanken, hellgeringten Fühler zeigen’eine viel
kürzere Bewimperung. Die kräftigen, langen Palpen sind wie
frischen Stücken erbeutet, welche ich nach der späten Flugzeit er
für Talaeporia (Bankesia) defoliella Const. zu hal-
ten geneigt war, von welcher mir nur ein defektes, von Con-
stant selbst erhaltenes Originalstück zum Vergleiche vorlag.
Bei beiden Arten in Ader R 4 und R 5 der Vfl in Ueberein- °
stimmung mit Talaeporia langgestielt.
bei tubulosa lang behaart, lassen aber das Endglied nicht abge- 5
setzt erscheinen. Die sonstigen Körperteile sind, abgesehen von
der viel geringeren Grösse der Art, wie bei tubulosa gebildet 3
und gefärbt.
Die Flügel sind jedoch viel schmäler und gestreckter als
bei tubulosa, namentlich die Hfl nicht gleichbreit den Vfl,
sondern nur von 3/, Breite derselben. Die Färbung und Zeich-
nungsanlag e weist auch hier eine weitgehende Uebereinstim-
nıung auf, nur ist die Gelbfleckung der Vfl noch schärfer, aus-
gedehnter und viel heller glänzend und verdrängt im Saumfelde
die bräunliche Grundfarbe so stark, dass letztere dort nur mehr
in einer Anzahl dicker Öuersirichelchen auftritt. Auch die
Fransen sind vorherrschend gelblich, gegen den Innenwinkel
mehrmals dunkel durchschnitten. Die staubgrauen, : schmalen
Hfl sind samt den Fransen einfärbig. Die Unterseite der Vfl
bräunlich, jene der Hfl grau. Vfllänge 5,5, Exp. 11,6 mm. —
Je eine Type im Hofmuseum und in der Sammlung "Dr. Gal-
vagnis.
Die kürzere Bewimperung. der Fühler und die beträchtlich
schmälere Flügelform schliesst den Gedanken einer allfälligen
zweiten (südlichen) Generation von T. tubulosa aus. Ueber die
Verschiedenheit gegen T. defoliella Const. ist das DIENEN zu
vergleichen.
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Prof, 3. Rebel Zur Kesptnis palaearktischer Talaeporiden,. 99
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_ Talaeporia defoliella Const. — Kat. N. 4432.
Nach den beiden Beschreibungen”) des Autors, im Ver-
gleich mit einem mir vorliegenden Originalstück, ist sie eine
noch kleinere Art, mit noch schmäleren Flügeln und von viel
düsterer Allgemeinfärbuhg als T. autumnella. Die Kopfhaare
sind braungrau, (nicht lehmgelb), und nicht so wollig, sondern
vielmehr beiderseits gegen den Scheitel gestrichen, die Fühler
schlank, fast bis 3/, des Vorderrandes reichend, sehr schwach be-
wimpert, gegen die Spitze mit schwach vortretenden Gliederenden.
Die Palpeu schlank, von zirka 2 Augendurchmesserlänge, locker be-
haart. Die Flügel sehr gestreckt, die Vfl mit sehr schrägem Saum
und ganz fehlendem Innenwinkel, sind düster bräunlichgrau, sehr
undeutlich heller gegittert, mit einer Verdunkelung am Quer-
ast und einer ganz verschwommenen Verdunkelung in der Mitte
des Innenrandes, welche basal- und saumwärts durch je einen
hellen Punkt begrenzt wird. Helle Fleckchen am Vorderrande
ehlen. Die Fransen sind einfärbig dunkel.
Die schmalen Hfl mit geraderem, nicht so bauchigem Saum
und sehr langer Haftborste, sind hell staubgrau, ihre Fransen
am Afterwinkel nur von doppelter Flügelbreite als Länge.
Die Unterseite aller Flügel glänzend grau. Vfllänge 4—4,5,
Ä Bar: 8-10 mm.
Von Constant im Golf Juan (Alpes maritimes) in ı der
ersten Novemberhälfte 1890, früh am Morgen, in einem Kiefer-
wäldchen erbeutet.
Die Art steht besser in Ser Gattung Talaeporia, als bei
Bankesia, wohin ich sie im Katalog (N. 4432) fraglich stellte,
Bankesia conspurcatellaZ. — Kat N. 4427.
Das Hofmuseum besitzt 4 Originalstücke Manns von Livor-
no. Diese kleine, trüb ockergelbe Art wurde oft
Die von Chretien unter dem Namen conspurcatella veröffe::!
‚lichte, sehr ausführliche Lebensgeschichte aus der Um.:
bung von Paris bezieht sich auf B. Staintoni Wish.
(Natural. 1893 p. 103; 1908 p. 260),
Bankesia alpestrella Hein — Kat. N. 4430.
Vor Jahren liess ich mir von Anderegg aus Gamsen
(Wallis) Säcke mit lebenden Raupen dieser Art schicken, wel-
che Ende Juni eintrafen. Aus dem Sacke genommen waren
die Raupen 7 mm lang, nach vorne verjüngt, wachsgelb. Der
*) Bull. Soc. Ent. France 1895 p. 51; Ent. Rec. XI (1899) p. 256.
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100 Doutsene Entem. Zeitschrift Iris Dresden 1918
runde Kopf schwarzbraun, der Pro- und Mesothorax mehr
bräunlich, mit feiner gelblicher Mittellängslinie. Letztere auch
mit einer breiteren solchen an den Seiten, der Metathorax nur
mehr mit kleinen bräunlichen Chitinplatten, welche in der Mitte
und an den Seiten breit gelb geteilt sind. Auch das Analseg-
ment mit bräunlicher Chitinplatte.e Der Hinterleib zeigt auf
den mittleren Segmenten erhaltene bräunliche Fleckchen u. zw.
zwei kleine, eng beisammen stehende nahe dem vorderen Seg-
mentrande, zwei viel grössere, weiter von einander abstehende
wehr in der Segmentmitte, und an den Seiten je einen solchen
schräg gestellten Fleck. Unterhalb desselben finden sich noch
zwei Reihen erhabener Punkte. Die bräunlichen Brustbeine
sind in den Gelenken gelber. Oberhalb derselben liegt eine
schmale, längliche, bräunliche Chitinplatte. Kopf und Brust-
segmente sind mit einzelnen feinen Haaren besetzt.
-Der weiche, nur mit weissem Material flaumig bekleidete
Sack erinnert in seiner Form etwas an jenen der Diplodoma
marginepunctella, es fehlt ihm jedoch die zweite Hülle (Ueber
sack). Er ist unten flach, seitlich eingefallen, selten melır ge-
wölbt, Zuweilen sind scharfe Seitenkanten und ein deutlicher
Rückenkiel vorhanden. Die Kopföffnung besteht aus einem
unterseits gelegenen Querspalt. Die Nahrung der Raupen be-
steht aus Steinflechten.
Schon Ende Juni bemerkte ich aus einem leer angekom-
menen Sack junge Räupchen schlüpfen. Diese waren nur 0,7
mm lang, schmutzig weiss mit dunkler Dorsale, schwarzem
Kopf und Brustschildern, jenes am Metathorax hell geteilt.
Aus Mangel an entsprechendem Futter gingen sie hald ein,
Noch Ende September waren einige, scheinbar erwachsene
Raupen unverpuppt. Die Entwickelung dürfte eine zweijähri-
6 sein.
> Das Hofmuseum besitzt aus der Sammlung Eppels-
heim-Meess ein geflogenes Stück mit der Bezeichnung
„Pyrenaeen“. Dasselbe weicht durch geringere Grösse (12 mm
Exp.) und viel kürzere Fühlerbewimperung von alpestrella wohl
spezifisch ab. Färbung und Zeichnung stimmen damit überein.
Bisher wurde B. alpestrella nur in den südlichen Alpentälern
der Schweiz gefunden.
Bankesia juliella*) n. sp. d.
Ein von Dr. H. Zerny am Matajur im-Küstenlande am
3. Juli ’13 erbeutetes frisches männliches Stück (M. C.) und
*) Forum Juli, Friaul.
Prof. H. Rebel. Zur Kenntnis palaearktischer Talaeporiiden. ' 101
zwei weitere männliche Stücke im selben Jahre, bereits am 18.
Mai bei Reifenberg (Görz) durch A. Naufock gefangen (in
coll. Hauder-Linz) gehören einer neuen, sehr charakteristischen
Aıt an.
Die stark überhäugende Kopfbehaarung ist bleichgelb und
bedeckt auch die schwer aufzufindenden Nebenaugen. Die nur
bis '/; des Vorderrandes reichenden Fühler sind bleichgelb,
schwärzlich _gefleckt, mit schwach vortretenden Gliederenden
und schütterer, mässig langer Bewimperung Die Labialpalpen
sind kurz (beiläufig nur von doppeltem Augendurchmesser in
der Länge) und lang grau behaart, so dass ihre Gliederung
nicht ersichtlich ist. Der Thorax ist hell bräunlichgrau, des-
gleichen die Beine, deren Vorder- und Mittelschienen aussen
schwärzlich verdunkelt erscheinen, wogegen die mit einzelnen
langen Haaren (und 2 langen Sporenpaaren) versehenen Hinter-
schienen hell bräunlichgrau bleiben. Die hellgelblichen Tarsen
aller Beine sind aussen breit schwärzlich gefleckt. Der schmäch-
tige Hinterleib ist bräunlichgrau beschuppt mit unterseits gelb-
lichem Afterbusch.
Die gestreckten Vfl mit stumpf -gerundeter Spitze, schrä-
gem Saum und vollständig gerundetem Innenwinkel haben 12
Randadern (Ader R 2 ist vorhanden).
Tafelll, Fig. 1.
Bankesia juliella Rbl. (4: 1)
Ihre bleichgelbe Grundfarbe erscheint durch schwärzliche
Gitterung stark eingeschränkt. Diese Gitterung verdichtet sich
an der Wurzel, bildet eine durch helle Flecke zerrissene breite
Mittelbinde und eine Reihe grösserer Würfelflecke, welche am
Vorderrand vor der Spitze beginnen und längs des Saumes und
Innenrandes bis zur Endigung der Mittelbinde sich erstrecken.
Die breiten, bleichgelben Fransen sind in ihrer Wurzelhälli.
verdunkelt und längs der Adern bis an ihr Ende schwärzli-h
durchschnitten.
Die sehr schmalen Hfl sind nur 2/; so breit als die \il,
mit schwach gerundeter Spitze, hell staubgrau; ihre am Innen-
winkel sehr langen Fransen sind noch bleicher grau. Die Un-
terseite aller Flügel ist grau, jene der Vfl beträchtlich dunkler
mit durchscheinender lichter Fleckung der Oberseite. Vfllänge
5, Exp. 10 mm. |
Von den übrigen Bankesia-Arten durch die viel kürzere
Bewimperung der nur schwach gezähnten Fühlergeissel, geringe
102
Grösse, sehr bieichgelbs: Grundfarbe der nie breiter schw
licher Mittelbinde versehenen Vfl, und nicht Hervortreten einer
stärkeren Verdunkelung desselben am Querast leicht zu unter-
scheiden.
Bankesia pallida Stgr. Hor. Ken 268 (1880), E
Tutt Brit. Lep. Vol. II p. 195 -- Kat. N. 4431. Bi:
Anlässlich der Vorarbeiten zur Nein des Lepidop-
terenkataloges ersuchte ich Dr. Staudinger, um Zusendung
der Typen der von ihm publizierten Talaeporia pallida, um
deren Gattungszugehörigkert feststellen zu können. Dr. Stau-
dinger sandte mir 2 Originalstücke von Amasia, von denen ei-
nes das Fangdatum „16. April“ trug. i
Die Untersuchung der. Stücke ergab, dass die vi die voile
Adernzahl besitzen, das heisst, dass auch Ader R 2 vorhanden
ist, und dass auf den Vfl keine Ader gestielt ist. Die Palpen
sind sehr kurz und dünn, beiläufig nur von 1!/, Augendurch- - °
messer an Länge. Nebenäugen konnte ich keine entdecken.
Die Bewimperung der Fühler stimmte mit jener bei Tal. tubu-
losa überein. Die Kopfhaare dürften im frischen Zustande
blassgelb sein. a
Nach der Palpenform und der dünnen Eeschuppung der
gestreckten, hellen Vfl ist die Art als eine Bankesia anzuspre-
' chen und findet am Besten neben der etwas kleineren B. al-
pestrella Hein. ihren Platz. | 1
Die Angabe Tutts (l. e. 196), dass ein in Staintons
Sammlung befindliches, von Staudinger selbst erhaltenes Stück
der T. pallida aus Amasia eine echte Solenohin- Art, und von
S. mannii kaum zu trennen sei, beruht weile auf einem
Irrtum Staudinger’s (oder eines Angestellten von ihm) bei Ab- E
gabe des Stückes an Stainton. Die Originalstücke von T. Dr
lida bewiesen, dass es sich um keine Solenobia-, sondern um j
eine Bankesia-Art handelt.
z Gattung Solenobia.
Um einer Anzahl nur unter nomina i. l. in der Museai: =
sammlung vorhandenen und zum Teil auch schon in der Lite-
ratur erwähnten Arten eine nomenklatorische Berechtigung zu
verleihen, werden im Nachstehenden kurze Beschreibungen der- _
selben gegeben, wenn dieselben auch aus den im Vorworte er-
wähnten Gründen nur einen provisorischen Wert besitzen soll- 3
ten. Von allen übrigen palaearktischen Solenobiaarten werden
wenigstens sichergestellte Fundorte erwähnt. Zunächst sol
RE OR TIE Bu a EAST)
“ Be > « RR 4 s J i Fir
3
: Zr E Kenntnis palaensktischer Talaeporii den. | 108.
8 a auch der Heraah einer kudardng der palaearktischen Soleno-
bia Arten nach den augenfälligen Merkmalen der männlichen
# zere, und der Säcke gemacht werden.
E: Er Ei Kopf so breit als der Prothorax. | Sack nach
2 REN Bewimperung der Fühler in der | dem Ge-
2 L | Längeverschieden. Vorderrand der | schlecht ver- | Clathrella
E Cla- | fl sehr stark eingedrückt, alle | schieden, WIR
E Sr Adern der Hfl ungestielt. Die beimodurch
|. thrella| pestgeschiedene Artgruppe. Wahr- |starkgewölb- | desertella
E- Gruppe | scheinlich ursprünglich Steppen- | te Flächen | Rbl.
“bewohner (Relikte der Intergla- | blasig auf-
En -| zialzeit). getrieben,
|
’ ho Te PEN ARRER re ARE
2 Kopf schmäler als der Prothorax. |Sack sehr ge- |
h IL Bewimperuug der Fühler ‚kürzer | streckt, nie Mannii 2.
K: Mannii| als die Geisselbreite. V.R. der Vfl |rauh beklei- | suifunella
ö Gruppe | aur schwach eingedrückt, alle | det. Bei y' u. Chr.
E Adern der Hil ungestielt. Erg | Q gleich.
a Kopf hchnißler als der Prothorax. triquetrella
© Bewimperung der Fühler dicht, HR
E-- III. | meist von doppelter Geisselbreite. | Sack kurz fumosella
BE? mr -ı Vorderranl der Vfl wechselnd. | und breit, oft Hein. i
%. ‚-F4U®7 | Ader M 2 und M 3 der Hfl meist |rauh beklei- | pineti Z.
I ‚trella getrennt entspringend oder nur |det, Bei | lichenella
PX @ruppe| kurz gestielt. Parthenogenesis | und Q gleich. (L) Z.
® scheint nur in dieser Gruppe re- alpicolella
Ik | gelmässig vorzukommen. Er Behr .
R Den 2 ae
E..:. | | siculellaRbı.
= Re Le ’ Wockei Hein
En Se aehusr e ir Preises | Sack Met [Nükerli
70797 | and nur wenig über Geisselbreite. and. kurz, Sie | Ineauapzch.
spicu- Vorderrand der Vfl wechselnd. en in 2 aa,
4 s1LS | Ader n 2 und M 3 der Hfl oft und $ gleich, | larella Chret.
EEE triglavensis
| x“ Rbl.
-Solenobia clathrella F.R. — Kat. N. 4437.
‘Die Art ist auf trockenen Hügeln nur sehr lokal verbreitet.
Der Sack ist stets nur am Boden zu finden und wird zur Ver-
wandlung zumeist an Grashalme oder trockenen Stengeln von
_ Artemisia angesponnen. Die Verbreitung ist eine sehr lokale,‘
Sichere Fundorte in Niederoesterreich sind Bisamberg (Rbl.),
-- Mauer (Mn.), Retz (Preissecker), in Ungarn Bätorliget (Nyirbätor,
E Predota Säcke d, 2 M. C.) und nach Treitschke auch Ofen.
E —— Diese grösste Solenobia-Art wurde oft mit $. triquetrella
EHER verwechselt,
% y ”
4
F »
E:
3
104 Deutsche Emtona. Zeitschrift Iris. Dresden 1918,
Solenobia desertella n.sp. (0').
Ein einzelnes, gut erhaltenes Z‘, welches von H. Hausen
in der Kirghisen Steppe, südlich von Orenburg, am 26. April
1892 gefangen wurde und an das Hofmuseum gelangte, steht
der S. clathrella F. R. in der breiten Kopfbildung, robus-
ten Körperbau und schmalen, am Vorderrand stark eingedrück-
ten Vfl zunächst. Die Fünler sind jedoch bei desertella be-
trächtlich länger bewimpert (über Geisselbreite), die Grösse ist
eine viel geringere (Vfllänge 6, Exp. I2 mm, gegen 8: 16 bei
clathrella), die Flügel sind beträchtlich schmäler, so dass der
wie bei clathrella mit hellerem llaarbüschel am Analende ver-
sehene Hinterleib mit !/, seiner Länge die Hfl überragt. Die
wie bei clathrella gefärbten Vfl sind gröber schwärzlich
gezeichnet. Ihre Gitterzeichnung verläuft schräger gegen die
Flügelbasis. Eine Verdunkelung am Querast ist kaum ange-
deutet. Die Hfl, deren Adern (wie bei clathrella) sämtlich un-
gestielt verlaufen, sind beträchtlich heller, weissgrau. Auch
unterseits tritt der Färbungsunterschied zwischen den dunklen
Vfl und den hellen Hfl sehr deutlich hervor.
Solenobia Mannii Z. — Mann Wien Mts. VIII. p. 184."
— Uhryk. Rov. Lep. X. p. 60.
Die Art ist in den Kalkgebirgen bei Wien bis in die Vor-
alpen verbreitet. Der Sack wird an Felsen oder Steinmauern
angesponnen. Auch von Budapest wurde die Art nachgewie-
sen (Uhryk. l. c.), desgleichen aus Rumänien Ich hatte sie
auch aus der Umgebung Triest’s (leg. Stauder) zur Bestim-
mung. Was ihr Vorkommen bei Brussa anbelangt, so findet
die Angabe Mann’s (l. c.) „Mitte April in den Morgenstun-
den auf Berglehnen in Gebüschen geflogen“ durch zwei geflo-
gene od" seine Bestätigung, welche den Fundortsnachweis „Brus-
sa, Mann 1863“ tragen. Später scheint Mann auch andere
Stücke mit gleichem Fundorte versehen zu haben.*)
Solenobia suifunella Chr. — Kat. N. 4443.
Diese von Nikolsk und Wladiwostock beschriebene Art ist
mir in Stücken aus dem Ussuri — bezw. Amurgebiet unbe-
kannt. Christoph vergleicht sie mit der viel kleineren
S. Wockei Hein, von der sie sich auch durch kürzere Be-
wimperung der Fühler, und stumpfere, dunkler gefärbte Flügel
(auch Hfl) und grössere und dunklere Flecke der. Vfl am Vor-
der- und Hinterrand unterscheiden soll.
*) Vgl. das im folgenden bei $. Nickerlii Gesagte.
Prof: H. Rebel. Zur Kenntnis palaearktischer Talaeporiideu, 165
Das Hofmuseum besitzt 2 f und ein % von Irkutsk
(Baikalsee leg. OÖ. Hesse 1/14. Mai 14), welche ich trotz der
weiten Entfernung des Fundortes wegen ihrer sehr bedeuten-
den Grösse und dunklen Färbung ebenfalls für suifunella halte.
Auch die kürzere Bewimperung der Fühler und die dunklen
Hfl stimmen mit den Angaben Christophs. Das eine der bei-
den cd” ist geflogen und zeigt eine auffallende Verdunkelung am
Querast der Vfl, welche bei dem zweiten gezogenen 0” fehlt.
Diese Stücke von Irkutsk stehen der S. Mannii sehr nahe,
übertreffen sie aber noch beträchtlich an Grösse, (Vfllänge 9,
Exp. 18 mm), und haben dunkler graue Hfl. Die weissgrauen
Flecken der Vfl sind grösser, derber, aber ebenso zahlreich, wie
bei Mannii, also jenen bei Wokei nur in der Grösse, aber
nicht in der Anzahl der Fleckenreihen ähnlich. Auch der Sack
(0’) ist jenem von Mannii ganz ähnlich, gleich gebildet und
‘wie jener nur mit zum Teil schwarzen Sand bekleidet, aber
noch länger (12 mm). Das 2 ist von Mannii $ nicht zu
unterscheiden. |
Solenobia friquetrella F. R. — Kat. N. 4439.
Eine im männlichen Geschlechte, wie es scheint, überall
recht seltene Art, welche sich durch die stumpfen, matt staub-
grauen, nur ganz verloschen hellgegitterten Vfl auszeichnet.
Der Sack ist in beiden Geschlechtern, zum mindesten am rück-
wärtigen Ende, durch Sand und braune Chitinreste sehr rauh
bekleidet. Das Hofmuseum besitzt eine Anzahl männlicher
Stücke, jedoch nur einige mit genauen Fundortsnachweisen:
Erlangen (Hofmann), Wiesbaden (Rössl.) und Wolfsberg (Höfner).
Eine parthenogenetische Form des $ (lichenella aut.) ist
auch in der Umgebung Wiens häufig und könnte nach der Ge-
stalt und Bekleidung des Sackes zu triquetrella gehören (vgl.
später lichenella).
Solenobia fumosella Hein. — Kat. N. 4440.
Ist mir in Stücken aus Hannover unbekannt. Zwei d’
aus Braunschweig (Hoffmann) stehen der triquetrella sehr nahe,
sind dunkler, die Vfl mit schärferer Spitze, ebenso verloschen
gegittert. Die Bewimperung der Fühler erreicht die doppelte
Geisselbreite. Ein dabei befindlicher, wohl weiblicher Sack ist nur
_ mit schwärzlichen und weisslichen Flechtenteilen ‚bekleidet, ohne
daran haftende Insektenteile.
Solenobia pineti ZZ. — Kat. N. 4441.
Durch die viel gestreektere Form der am Vorderrand stark
eingedrückten, dunkler grauen und deutlich weiss gegitterten
Vfl leicht von triquetrella zu unterscheiden] Die Rewimperung
106.
der Fühler ist auch hier sehr lang. Der Sack nur mit dunk-
len Flechtenteilen bekleidet, ist kurz und breit. Er findet sich
vorwiegend an Föhrenstämmen. Die Art scheint am weitesten
nordwärts zu reichen. h ee
Solenobia lichenellaL. — Kat. N. 4442.
Der Name "bezieht sich nur auf eine parthenogenetische
Form, über welche bei den Auteren verschiedene Ansichten
herrschen. Wahrscheinlich sind auch mehrere Formen darun-
ter verstanden worden. Linne scheint‘ nach dem Fundorte
an Mauern und Felsen („super muros et rupes“) schwerlich die
parthenogenetische Form des $ von pineti vor sich gehabt zu
haben. Auch Zeller (L. E. VII. p. 353) beschreibt als liche-
nella eine parthenogenetische Form mit einem Sack vom Aus-
sehen jenes der triquetrella. Nur leinemann (p. 23) spricht,
einer Vermutung Hofmanns (Ps p. 51) folgend, lichenella -
mit Bestimmtheit als die parthenogenetische Form von pineli an.
Hoffentlich gelingt es Herrn Dr. J. Seiler (Berlin-Dah-
lem), der sich derzeit mit den Fortpflanzungsproblemen der
Psychiden und Talaeporiiden beschäftigt, durch Kreuzungsver-
suche auch über S, lichenella Klarheit zu schaffen.
Solenobia alpicolelia n. sp. (f). — Hauder. Mikro-
lep. Oberösterr. (1913) p. 276 N. 1186. — Karny, Bestim-
mungstabellen III p. 81.
Schon seit Jahren wurde mir aus den Alpen Niederöster-
reichs, Oberösterreichs, Steiermarks, Kärntens, Krains und Ti-
rols eine Solenobia-Art im männlichen Geschlechte bekannt,
deren Flugzeit dem Vorkommen entsprechend, welches in Hö-
henlagen zwischen 1400 und 2400 m Seehöhe reicht, von Mitte
Juni bis Ende Juli fällt.
Die Art variiert, wie alle Solenpbia Auen: in einzelnen
Merkmalen. Im Allgemeinen lässt sie sich am Besten mit
S. pineti Z. vergleichen. Die Bewimperung der Fühler ist län-
ger und erreicht. fast die doppelte Geisselbreite. Die Vfl sind
am Vorderrand nicht eingedrückt, haben eine schärfere Spitze
und einen schrägeren Saum als bei pineti, die Hfl sind ent-
schieden schmäler, mit meist kurz gestielten Adern M2 und M3.
Die Grundfarbe der Vfl ist ein glänzendes Bräunlich-
grau und lässt die Adern sehr deutlich dunkel hervortreten.
Die weisse Fleckung ist viel grösser, derber, aber spärlicher als
bei pineti, zuweilen in den Saumzellen zusammengeflossen.
Längs des Saumes liegen auf den Adernenden bei frischen
Stücken sehr auffallende, dunkel bräunlichgraue Flecken, des-
"Prof. H. Rebel. Zur Kenntnis palaearktischer Talaeporiiden. 107
gleichen tritt am Querast der Vfl ein -schwärzliches Fleckchen
oft sehr deutlich hervor. Die in ihrer Endhälfte glänzend weiss-
grauen Fransen sind, von den dunklen Saumfleckchen ausge-
hend, in Fortsetzung der ‚Adernrichtung zuweilen breit dunkel
durchschnitten. |
Die Hfl sind sehr hell staubgrau, mit sehr deutlich her-
'vortretenden Adern und weisslich glänzenden Fransen. Vfl-
länge 7—7 5, Exp 14—15 mm.
Von 8. Wockei Hein trennt sich alpicolella durch die
dichtere, längere Fühlerbewimperung, bedeutendere Grösse,
durch’ die schärfere Spitze der gestreckteren Vfl, auf welchen
die Adern deutlicher hervortreten, und die meist gestielten
Adern M 2 und M 3 der ebenfalls gestreckteren Hfl.
Da es nicht ganz ausgeschlossen erscheint, dass spätere
Untersuchung an noch reicherem Material die Annahme meh-
rerer in die alpine Zone reichender Solenobia-Arten notwendig
machen werden, — wie ich selbst im folgenden zur Aufstel-
lung der S. triglavonsis nich genötigt sehe — will ich
den Typus der alpicolella auf die vorliegenden Stücke von fol-
genden Fundstellen beschränken: Schneeberg (N. Oe.), wo
ich auf der Alpelleiten (ce. 1400 m) und höher, ober dem
B.. Baumgartnerhaus anfangs Juni 1890 Säcke an Felsen sammelte
und auch am 14. Juni ein zog. Mit diesem Stück stimmen
solche vom Raxplateau (leg. Preissecker 17, Juli ’98) und
Stücke von der Südseite des Dachsteins, Brandriedel oberhalb
der Austriahütte in c. 1800 m Seehöhe zwischen Legföhren
(leg. Hauder und Mitterberger, 30. Juli ’09). Weitere typische
Stücke liegen mir vor von Gurgl (leg. Stange, 30. Juli ’07 ein
ganz frisches /, ein geflogenes ebendaher vom 23. Juli ’06)
von Sellajoch (leg. Rebel 29. Juli ’06), aus dem Adamelloge-
biet (Leipzigerhütte 2400 m leg. Rebel 23. Juli ’05), Triglav
(leg. Kautz 23. Juli ’12.) Ein "zeflogenes J von Monte Piano
(leg. Mann 1876) gehört zweifellos auch hierher.
Von’G. Höfner erhielt ich vor Jahren Stücke aus der
Umgebung Wolfsbergs (Kärnten), die unter einander sehr ab-
weichen und wohl verschiedenen Artem angehören. Eines der-
selben am 5. Juli, wahrscheinlich im Gebiete der Saualpe (Zeih)
‚erbeutet, kann wohl mit Sicherheit zu alpicolella gezogen wer-
den, umsomehr als damit ein Stück von. Arosa (Graubünden,
c. 1700 m leg. Stange 25. Juli ’03) übereinstimmte, welches
ich zur Ansicht hatte. Auch die von Höfner (Fauna Köärn-
tens Il. p. 811) erwähnten 8. Mannii von Petzen und Guggen-
‚berg bei Hermagor dürften zu alpicolella gehören,
PZ
108 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
Die Säcke von alpicolella, welche ich am Schneeberge
sammelte, gleichen sehr jenen von S. Nickerlii d.h. sie sind
kurz gerstenkornförmig, nur mit Flechtenteilen, zum Teil von
dunkler Färbung, bekleidet
Solenobia siculella n. sp. (JS).
Ein sehr gut erhaltenes S (nur die Fühler sind bis auf
Stümpfe abgebrochen) mit der ‚Bezeichnung „Sizilien (Mann)
1858“ und einer gelben, ebenfalls die Herkunft „Sizilien“ be-
zeichnenden Scheibenmarke versehen, lässt sich mit keiner an-
deren Art ungezwungen vereinen. Trotz des doppelten Vater-
landsnachweises halte ich einen Irrtum Manns über die Her-
kunft.des Stückes nichs für ganz ausgeschlossen, da er im Be-
richte über seine sizilianische Ausbeute*) keine Solenobia spec.
anführt und auch in der späteren Literatur über die Fauna
Siziliens keine solche angegeben wird. Nachdem Mann
aber schon am 10. April 1858 in Palermo eintraf, könnte das
Stück der Erscheinungszeit nach allerdings dort gefangen wor-
den sein. Der Fundort Sizilien für eine Solenobiaart wäre
umso interessanter, als er nicht bloss der südlichste für Ver-
treter dieser Gattung wäre, sondern überhaupt aus Mittel- und
Süditalien bisher keine Angaben für das Vorkommen von So-
enobiaarten vorliegen Bankesia- oder Sciopetris-Ar-
lten wären cCort eher zu erwarten.
Das Stück steht zwischen den Arten Mannii Z. und
Wockei Hein., letzterer aber näher. Von beiden unterschei-
det es sich durch die viel gröbere weisse Fleckung der Vfl,
d.h. die weissen Gitterflecken sind grösser als bei irgend einer
anderen mir bekannten Solenobiaart mit scharf begrenzt blei-
bender Gitterung der Vfl, und die kurze Stielung von Ader
M 2 und M 3 der Hfl, welche bei den beiden anderen Arten
ungestielt verlaufen.
Von Mannii ist sieulella überdies noch leicht durch
geringere Grösse, breitere Vfl mit schärferer Spitze, viel spär-
lichere weisse Gitterflecken, und durch sieben bräunliche Saum-
flecken und deutlich durchschnittene Fransen derselben zu trennen.
Von Wockei überdies durch bedeutendere Grösse, schär-
fere Vfispitze, schrägeren Saum, grössere weisse Flecken in der
Mittelzelle und am Innenrand, deutlicher durchschnittenen Fran-
sen zu unterscheiden. Die Bewimperung der Fühler (so weit
noch erkennbar) stimmt mit Wockei überein.
Vfllänge 7.2, Exp. 14 mm, gegen 8: 16 bei Manni und
6: 12 bei Wockei.
*) Wien. Ent. Monatsschrif# III. Band,
a) ee a nn
Prof. H. Rebel. Zur Kenntnis palaearktischer Talaeporiiden. 109
Io
Solenobia Wockei (falso Wockii) Hein. —
Kat. N. 4444.
Durch etwas bedeutendere Grösse, breitere Flügel und na-
mentlich im Saumteil viel schärfer weissgefleckte Vfl, welche
auch eine schärfere Spitze besitzen, von 8. Nickerlii zu unter-
scheiden. Der Sack ist etwas kürzer und breiter, oft mit fei-
nem Sand bekleidet. Sichere Fundorte liegen in der Umge-
bung Breslaus (Graetz, Oswitz leg. Wocke). Ein Stück mit der
Bezeichnung Hannover befindet sich in der Musealsammlung.
Solenobia Nickerlii Hein. — Wlsghm. in Tutt Brit.
| Lep II p. 182 — Kat. N. 4445,
Die Art scheint im kontinentalen Mitteleuropa in weiter
Verbreitung vorzukommen. Die Angaben für inconspicu-
ella aus Württemberg, Bayern, Kärnten, Ober- und Nieder-
österreich beziehen sich mit Sicherheit auf Nickerlii.
Ueber die Unterschiede gegen inconspicuella, wel-
che bei Serienvergleich sehr auffallend sind, ist das bei letzte-
rer Art Gesagte zu vergleichen.
Von der noch nahestehenden Wockei unterscheidet sich
Niekerlii durch geringere Grösse, schmälere Flügel, kleinere,
weniger hervortretende weissgraue Flecken der viel stump-
feren Vfl. Ader M 2 und M 3 der Hfl sind (wie bei Wockei)
an ihrem Ursprung meist getrennt, oder nur sehr kurz gestielt.
Ich fand die Säcke von Nickerlii sehr zahlreich an Zäu-
nen im Prater (Wien) und zog in Anzahl beide Geschlechter.
Aus der Herzegowina (Jablanica) und Albanien (Maranai)
liegen zwei frische, grosse d' vor, welche ich als 8. incon-
spicuella anführtet), und später orientella (i.1.) be-
nannte, unter welchem Namen auch Dr. Schawerda?) ein
Stück von Serajevo aufzählt.
Zwei weitere Z’ mit der Bezeichnung „Mann, Brussa 1863«
kann ich von Nickerlii nicht standhaft unterscheiden” und ver-
mute fast, dass Mann, der in Vaterlandsangaben oft ganz
gewissenlos vorging, Stücke aus der Umgebung Wiens mit dem
Fundorte „Brussa“ bezeichnete). Auch Dr. Staudinger
erwähnt?) eine Solenobia-Art aus Mazedonien, welche ihm
‚„inconspicuella“, also richtig wohl‘ Nickerlii, zu sein schien.
!) Ann. Naturh. Hofm. XIX p. 370, XXVII p. 338.
2) zool. bot. Verh. 1916 p. 254.
?) vgl. das vorne bei $. Mannii Gesagte.
*) Hor. Soc. Ent. Ross. XV p. 269.
.
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110 ‘ Deutsche Entom. Zeitschrift Iris Dresden an x
Solenobia ingerenichells Stt. — Kat. N. 4446. Cor. 2
Eine grössere Serie von Stücken (über 20 07), welche das
Hofmuscum aus England erhielt, lässt es mir unzweifelhaft er-
scheinen, dass diese Art auf dem Kontinent mit der weit ver-
breiteten S. Nickerlii Hein, verwechselt wurde und in ihrem
Vorkommen tatsächlich auf England beschränkt zu sein scheint.
Inconspicuella besitzt viel gestrecktere schmälere
Flügel als Nickerlii und einen, viel stärker eingedrückten Vor-
derrand der Vfl. Die Grundfarbe der Vfl ist stärker glän-
zend (glatter), schmutzig graubraun, die weissgrauen Flecken
sind grösser, aber viel uudeutlicher begrenzt, die Fransen auf
den Adernenden meist deutlicher braun durchschnitten. Die
Länge der Fühlerbewimperung übertrifft (wie bei Nickerlii) die
Geisselbreite.e Ader M 2 und M 3 der Hfl sind länger gestielt.
Vfllänge 6, Exp. 12 mm. FE
Von den deutschen Autoren hat Zeller die Art nach
englischen Stücken richtig beschrieben, ihm folgend auch Hei-
nemann, wogegen Hofmann die süddeutschen Nickerlii
verkannte und für inconspieuella hielt. ©
Das 2 und der Sack gleichen sehr jenen von Nickerlii. Tr.
\
—— Solenobia adriatieca n. sp (0) — Rbl. Rov ‚Lop.- i
XXIII (1916) p. 119.
Von Zengg (Kroatien, leg. Dobiasch 24. März 1915) ke:
gen zwei -gut erhaltene c” vor, welche bestimmt eine von
Nickerlii gut geschiedene ‘Art bilden.
Die Fühler sind merklich länger (über !/s des Vorder
des reichend), ihre Bewimperung noch etwas länger als bi
Nickerlii. - Die Ecken der Fühlerglieder treten nach !/, der 1
Geissellänge etwas hervor. Ihre Geissel ist braun, undeutlich
weisslich gefleckt Die Flügel sind viel schmäler und viel hel-
ler. Die Vfl haben eine beträchtlich schärfere Spitze, ihre hel-
len Flecken sind auffällig ausgedehnter (grösser) und hängen
ober dem Innenrand und vor Schluss der Mittelzelle zusammen.
Die weissgrauen Hfl zeigen Ader M2 und M 3 aus einem
Punkt entspringend. Die Fransen aller Flügel sind seidenglän-
zend weisslich. Der Körper ist ziemlich dunkel bräunlich,
Vfllänge. 5 5.5, Exp. 11—11.5 mm. N -
Ein etwas geflogenes f aus Istrien (H. Kozina, leg. Nau-
fock, 10. Mai ’08) zeigt etwas breitere und dunklere Flügel,
gehört aber nach den langen Fühlern wohl auch zu adriatica.
/
Prof. H. Rebel. Zur Kenntnis 'palaearktischer Talaeporiiden. 111
—_
$Solenobia larella Chröt., Le Naturaliste (28) 1906 p. 56.
Die von Chretien im Gebiete der Penna Lara (Guadarrama)
‚in allen Stadien entdeckte Art, ist mir in natura unbekannt.
- Sie soll der $. incon spicuella zunächst stehen, jedoch
grösser sein (li-1l4 mm Exp.), Fühler unter '/s, die Wim-
perung von Geisselbreite, Ader 6 und 7 der Hil sind weit ge-
trennt, der Sack kurz und breit, soll eher jenem von 8. tri-
quetrella gleichen.
Solenobia trigiavensis n. sp. (A).
Herr Rob. Spitz und Oberkaurat H. Kautz fanden au
der Flugstelle von Fıumea raiblensis am "Triglav in einer Höhe
von 2400 m 17. bis 22. Juli 1912 zwei Solenobia Ar-
ten”), von welchen die eine zu der im Vorstehenden von mir
beschriebenen alpicolella,- die andere jedoch. einer neuen Art
aus der Inconspieuellagruppe angehört, die sich durch aus-
nehmend lange, seidenglänzende, heil gelblichgraue Fransen al-
ler Flügel sehr auszeichnet.
Die Fühler reichen nur bis '/s des Vorderrandes, ihre
schüttere Bewimperung erreicht die Geisselbreite. Die Kopf-
haare sind hellgelbgrau Die Flügel sind ausserordentlich ge-
streckt, nach aussen erweitert. Die Vfl zeigen einen eingedrück-
ten Vorderrand, eine stumpf gerundete Spitze und sehr schrä-
gen Saum. Ihre hellgraue Grundfarbe wird bei dem-einen der
beiden zur Beschreibung vorliegenden Stücke durch gelblich
weisse, zusammengeflossene Gitterung so sehr eingeschränkt,
- dass die graue Grundfarbe nur in der Basalhälfte in Form un-
terbrochener Querstreifen auftritt, in der Aussenhälfte jedoch
nur einen länglichen Fleck am Querast und kleine dunkle Fleck-
chen auf allen Adernenden bilde. Der Vorderrand ist gegen
die Spitze gelblich, mit den 2 recht hervortretenden Fleckchen
von Ader Rl undR 2.
Das zweite in Grösse, Flügelform und Fransen ganz über-
einstimmende Stück zeigt vorherrschend staubgrau gefärbte Vf
‚mit verloschen heller Gitterung.e Die dunklen Punkte auf den
Adernenden sind auch hier am Vorderrand vor der Flügelspitze
am deutlichsten. Die Hfl sind bei beiden Stücken sehr hell,
‘(weisslich) grau, mit aus einem Punkt entspringenden Adern
M 2 und M 3. Die Fransen aller Flügel sind, wie bereits er-
"wähnt, ausnehmend lang, gelblichweiss seidenglänzend. Vfl-
länge 6.5, Exp. 13.5 mm.
*) Verh. zool. bot. Ges. 1913 p. 17.
Deutsche Entomologische Zeitschrift „Iris“, herausgegeben vom nase Ansagen
Verein Iris zu Dresden. Jahrgang 1918.
vImI
112 Deutsche Entom. Zeitsehrift Iris. Dranien ns -
>
Die auf dem Kalikelagersn Hngnlete! an Bläner: angespon-
nen gefundenen Säcke gehörten beiden Geschlechtern an, wie
ein verkrüppelt entwickeltes ' und leere weibliche aus den |
Säcken stehende Puppenhüllen beweisen. Der Suck ist 6 mm -
lang, von der gewöhnlich dreikantigen Form, schwärzlich mit
feinem weisslichen Kalkstaub untermischt. Er ist bein. 2 E
gleichlang, mit etwas stumpferen Enden. Ä
Die langen Fransen und die an der Wurzel so BT.
bezw. nach aussen so stark erweiterten Vfl trennen triglavenaie
leicht von anderen Arten der Inconspicuellagruppe, ausserdem
die kürzere Bewimperung der Fühler auch sofort von der grös-
seren, «derberen, an gleicher Fundstelle vorkommenden 8 al-
pieolella. DR a,
Mitteilungen über Hypomecia quadrivirgula - |
Mabille und n. var. jordana Stertz. 23
Yon Otto Stertz, Breslau. > ;
(Tafel I. Fig 3 bis 6). - 5
Von Herrn Dr. Nissen, Algier erhielt ich 1914 1 von
Hypomeeia quadrivirgula Mabille aus Guelt-el-stel,
südliches Älyerien, das von meinen aus dem Jordantal stammen-
den Sammlungsstücken (2 d'd' 1 2) erheblich abweicht. Be
Herr Professor Dr. Rebel, dem ich das Exemplar zusandte,
hielt es für eine der guadrivirgula Mab. nahestehende _
gute Art. Ich nahm an, dass das K. K. !lofmuseum ee.
auch nur die Palaestinaform besitzt, was mir auch SE
Herr Professor Dr. Rebel bestätigte. Se
Im Mai vorigen Jahres konnte ich bei Herrn O. Bang-Haas 2
das bier in Betracht kommende Material besichtigen; es waren
dies 3 FÜ aus Guelt-el-stel, 1 aus Sfax, Tunesien und 5
SS der Form aus dem Jordantale. Letztere hatte Herr Dr. 3
O. Staudinger seiner Zeit zu quadrivirgula Mab. gezogen. 4
Herr Ö. Bang-Haas hat mir jetzt in liebenswürdiger Weise
das ganze Material zugesandt. “ Die eingehende Untersuchung
beider Arten ergab soviel Uebereinstimmendes, dass die aus
dem Jordantal als Lokalform der Mabille’ schen Art zu gelten
hat und dass ich jene somit als var. jordana'(Fig. 3 dd, Fig.
4 9) beschreiben will. a
Herr Amtsgerichtsrat Rudolf Püngeler in Aachen hatte die N
Güte, mir die allerdings sehr knappe Beschreibung Mabilles zu _
u.
2 0. Sterta. Mitteilungen über Hypomecia quadrivirgula Mabille. 118
senden, die übersetzt wie folgt lautet: „Vil grau, schwärzlich
gestreift, Vorderrand mit einigen weissen Strichelchen ; eine
Reihe von vier weissen Strichelehen durch eine schwarze Linie
abgeschnitten oberhalb ‚des Innenwinkels, zwei andere weisse
Strichelchen unterhalb der Spitze. Hfl beim f weiss, Fühler
gekämmt.“ Später hat Mabille die Art in den „Novitates Lepi-
dopterologicae* abbilden lassen; indess waren ıneins Bemühun-
gen, sie mir zu verschaffen, vergeblich, Da Mabille nur den
d' erwähnt, scheint er das @ damals gar nicht gekannt zu haben.
Eines der Stücke aus Algier, das sehr rein ist (Fig. 5)
lässt sich nach der Diagnose ivicht erkennen, bei den anderen
2 Sc ist das schon schwieriger, dagegen bildet der 0” aus
Tunesien (Fig. 6) den Uebergang zur var. jordana.
Uebereinstimmend bei beiden Formen sind die Gestalt und
Flform, die Grösse (beide haben 28/32 mm Spannweite der Vfl),
die weissen Strichelchen am Vorderrand, die zarmtgekämmten
männlichen Fühler, der schlanke sehr lange Hinterleib, der un-
gefähr um ein Drittel den Hfirand überragt, die gescheckten
Fransen, die nackten Augen und die sehr kräftigen scharf be-
| Sahertan‘ Beine.
Bei der algerischen Form (Fig. 5 0") ist die Grundfarbe der
Vfl eintönig dunkelgrau, die runde äussere Makel nur durch
zwei weisse Punkte angedeutet. Bei der var, jordana d
(Fig. 3) sind die Vfl viel heller grau, im Aussenrandteil stehen
eine Anzahl, eirca 6-8 unregelmässige Strichelchen, die meist
nach oben zu kürzer werden. Entgegen den sehr scharfen vier
weissen Strichelchen, bei der Mabille’schen Art, sind sie bei var.
jordana zahlreicher und breiten sich hier zu unregelmässigen
kleineren und grösseren weissen Fleckchen aus. Sehr charak-
teristisch ist bei allen Stücken aus Palaestina das Vorhanden-
sein einer Anzahl schwarzer glänzender Pünktchen in der Ge-
gend der Subdorsalrippe. Diese sind nur bei einem einzigen
algerischen Stück leicht angedeutet und bei dem Stück aus Tu-
'nesien deutlich erkennbar. Uebrigens bildet dieses Stück, wie
die Abbildung Fig. 6 zeigt, einen Uebergang zur var. jordana,
Die Hfl dieser sind zum Teil etwas weniger weiss und die
Saumlinie dentlicher erkennbar als bei der anderen; die Unter-
seite aller Flügel entsprechend heller, der Mittelpunkt auf den
Hfl meist vorhanden.
Das 2 der var. jordana (Fig, 4) hat schmälere, Bere.
tere Vfl; die Grundfarbe dieser ist dunkel rauchgrau, die Ma-
kein nur verloschen sichtbar, die Zeichnung ähnlich derjenigen
des J’, die Fühler fadenförmig. Die Hfl dunkelgrau, Fransen
EL OR ER BEER TE
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i #
114 Deutsehe Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
hell; der Hinterleib ebenfalls schlank und so lang wie beim J’.
Die Unterseite aller Flügel entsprechend dunkler.
Der Beschreibung lagen vor: 4JS quadrivirgula
Mabille und 5 Jo der var. jordana aus der Sammlung
Dr. O. Staudinger und Bang-Haas. 2 dc‘ der letzteren aus
der Sammlung von Wolf in Breslau und 2 fo’ I % aus der
meinigen.
Berichtigungen und Ergänzungen zu meinen
Mitteilungen über kanarische und algerische Gross-
schmetterlinge, Iris Jahrgang 1912 und 1915.
Von:Otto Stertz; Breslau.
R' Ä
Ueber Hadena atlanticum Bak. berichtet Herr
Professor Dr. Rebel in den Verh. d. K. K. zoologisch-
botanischen Gesellschaft, Wien 1914 p. 151 wörtlich „Nach
freundlicher Mitteilung von Sir & F. Hampson ist die von mir zu-
istzt als Hadena atlanticum angeführte Art von den
Kanaren nicht identisch mit der von Baker als Hadena
atlanticum beschriebenen Art von Madeira.“ Letztere ist
nach Hampson (Cat. VI. p. 324 Fig. 166) nur eine Form
der albostigmata Bak., ebenfalls von Madeira und hat
doppelkammzähnige Fühler, wogegen die männlichen Fühler
der kanarischen Art bloss sägezähnig und bewimpert sind“*)
Ich gebe daher der unbenannt scheinenden Art den Namen
asurpatrix.
Soweit Herr Professor Dr. Rebel. Ich verweise ‚bezüglich dieser
neuen Art auf meinen Bericht, Iris 1912 p. 19. Tafel 1
Fig. 9 und 10.
Da mir seiner Zeit die Korrektur über meine Teneriffa-
arbeit versehentlich nicht zuging, will ich auf einige einge-
schlichene Fehler verweisen. , p. 20 Caradrina rebeli
Stdgr. ist eine gute Art und keine Varietät zu selini B. Gen.
Diese Abänderung nahm Herr Dr. Denso ohne mein Wissen vor,
p- 20 Cucullia blattariae Esp. und nicht clat-
tariae. ; > =
N) Kislleich hat Dr. Staudinger seiner Zeit nicht den richtigen Ty-
pus von Hadena atlanticum erhalten, so dass ich keinen Unter-
schied im Fühlerbau feststellen konnte. Ann. Naturhist. Hofmuseum XIII
p- 365 und XXI p. 28.
an
©. Stertz. Berichtigungen und Ergänzungen. 115
p-21Abrostola tripartita Hufn. ist eine von Hamp-
son als canariensis beschriebene besondere Art. — Er-
wähnenswert erscheint mir hier noch, dass sowohl mein Freund
Gustav Leo Schulz, wie auch Herr Schumacher auf ihren mehr-
jährigen Streifzügen auf Teneriffa, trotz ihrer eifrigen Tätigkeit,
kein Stück von Aspilates collinaria Holt — White er-
beuten konnten. Ich fing davon 1988 und 1909 3 Jod" und
1 2 am Tage auf trockenen Wiesen in der Nähe des botani-
schen Gartens im Sonnenschein.
Schliesslich erwähne ich noch, dass genannte Herren von
Tephroclystia stertzi Rebel 1912 und 1913 eine
kleine Anzahl erbeuteten.
'Zu meinen Mitteilungen über algerische Lepidopteren Iris
1915 habe ich folgende Irrtümer richtig zu stellen:
p. 139 Nr. 70 Rivula sericealis var. venipon-
tana ist ein dieser Art sehr ähnlicher Mikro.
p. 139 Nr. 72 Leucanitis cailino ist nach Herrn
Püngeler var. philippina Aust.
p. 140 Nr. 79 Acidalia macilentariaH. 8. ist irr-
tümlich aufgeführt.
p. 14° Nr. 82 Acidalia asellaria ist nach Herrn
Püngeler nicht diese, sondern confinaria H.S. var.
talsarıa DH; SS...” |
p. 140 Nr. 83 Mit Acidalia cervantaria Mill. kam
auch deren var. depressaria Stdgr. vor.
p. 140 Nr. 8 Acidalia immistaria H. S. von mir
irrtümlich aufgeführt, ist nach Herrn Püngeler incisa-
ria Stdgr.; nicht aufgeführt wurde von mir Acidalia
bisetata Hufn., von’ welcher ieh dort einige Stück e
erb.utete.
p. 140 Nr. 94 Larentia multipunctata Stdgr. irrtüm-
lich aufgeführt; hingegen erbeutete ich Larentia mul-
tistrigaria Hev. var. miaria Mill.
p. 141- Larentia disjunctaria Lah wurde von mir
erbeutet, von mir aber mit oxybiata Mill. verwechselt,
von welch letzterer Art ich aber ebenfalls einige Stücke fing.
p. 141. Nr. 115 Gnopharmia colchidaria Led. irr-
tümlich aufgeführt; es ist dies nach Herrn Püngeler
Boarmia omararia ÖOberth.
Beitrag zur Kenntnis einiger Sesien,
Von Oberlehrer K. T.’ Schütze in Rachlau.
Sesia cephiformis 0.
Es ist eine sehr eigentümliche Erscheinung, dass S. ophi-
formis noch überall als Seltenheit gilt. Für die Heide, über-
haupt für das Flachland, mag das seine Berechtigung. -
dort kommt die Weisstanne, Abies alba Mill., nicht vor, im Berg-
lande aber, wo diese mehr oder weniger regelmässig zu finden
ist, dürfte auch die Sesie nirgends fehlen. Ihre Lebensweise,
die ich in meinen „Grossschmetterlingen der sächs.: Oberlausitz“
im Jahrgang 1896 dieser Zeitschrift veröffentlicht habe, scheint B
sehr wenig bekannt zu sein, ich will daher nochmals“ amzs
Worte darüber sagen.
Vielfach findet man noch den Wachhölder Juniperus com-
munis L, als Nährpflanze angegeben. Ich halte es für ganz
ausgeschlossen, dass sie darin lebt, und sollte wirklich der Wach-
holder eine Sesie beherbergen, dann wird es sicher eine andre
Art sein. Sesienraupen sind, soweit ich sie kenne, nicht poly-
phag, meist halten sie sich nur an eine Pflanze, und wenn sie
in zwei verschiedenen vorkommen, -so sind es ER nahe ver-
wandte Pflanzen. Wachholder und Weisstanne sind aber nicht
mit einander verwandt. Nach Seiler in den „Grossschmetter-
lingen von Dresden und Umgegend“ soll cephiformis auch in
Fichte, Picea excelsa Linx., leben, als Beweis kann er allerdings
nur eine Puppenhülle anführen, die or an einem Baume gefun-
den hatte. Ob das cephiformis gewesen ist, muss solange als
recht zweifelhaft angesehen werden, bis sich der zur Puppen-
hülle gehörige Schmetterling tatsächlich als diese Art erwiesen
hat. Ich habe viel an und in schadhaften- Stellen von Fichten
herumgeschnitten, niemals aber die Spur einer Sesienraupe ent-
decken können. Nur die Raupe von Grapholitha duplicana Zett
kommt darin vor. Und bei uns ist cephiformis nicht besonders
selten, war es wenigstens früher nicht. Dank allzueifriger Be-
mühungen einiger Sammier haben sich freilich die Verhältnisse
etwas geändert, nicht nach der besseren Seite. Ich halte nach
wie vor und trotz aller gegenseitigen Behauptungen darau fest,
dass cephiformis nur in Weisstanne zu finden ist, sie ist nur
zu wenig gesucht worden. Die Sammler sind gewöhnt, die
Sesien für ausgesprochene Sonnentiere zu halten, und daher
widerstrebt es ihnen, im Waldesdunkel nach Sesienraupen zu
suchen. Aber ein jedes Tierchen hat sein Pläsierchen. Cephi-
2
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63%
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Et Behlfge, | Beitrag zur Kenntnis einiger Sesien. 117
formis liebt nun einmal den Schatten, das ist um nichts merk-
- würdiger als der Umstand, dass flaviventris Stgr. die Sümpfe
“ zum Aufenthalt gewählt hat.
Br In meinem Jagdgebiet, den Wäldern am Üzorneboh im
Lausitzer Gebirge, hat noch zu meiner Zeit ein Sammler von
bedeutendem Ruf viel gearbeitet: Schilde. Cephiformis hat er
_ aber nicht gefunden. In dem Wahne befangen, dass Wach-
I holder ihre Futterpflanze ist, war er ungezählte Male wie blind
f an vollbesetztien Tannen vorbeigegangen, hatte die Kothäufchen
| an den krebsigen Stellen nicht beachtet und die zur Flugzeit
| des Falters oft zahlreich aus der Rinde ragenden Puppenhüllen
| nicht bemerkt. Als wir einmal auf einen sonnigen Bergabhang
| bei Döhlen kamen, wo damals viel Wachholder wuchs, sagte er
F zu mir: „Hier könnte cephiformis vorkommen,“ und belehrte
| mich, wie ich sie suchen soll. Ich habe seinen Rat befolgt,
| bin dem Juniperus weidlich zu Leibe gegangen und habe man-
chen Aerger mit dem struppigen Gesellen gehabt; aber alle
Mühe war umsonst.
Nur durch Zufall habe ich geraume Zeit nach Sehildes
‚Tode eephiformis in Weisstanne entdeckt, und das ging folgen-
dermassen zu: Es begab sich zu der Zeit, als ich anfing mit
- Volldampf in Kleiuschmetterlingen zu arbeiten, dass ich am
| Waldrande eine junge Tanne bemerkte, die hatte in Mannes-
= höhe eine kugelrunde Verdickung am Stamme, so gross wie eine
Faust. Ich sah mir das Ding genau an, und da einige Kot-
| häufchen daran zu bemerken waren, witterte ich sofort Klein-
| - schmetterlingsraupen darin. Da die Tanne infolge des Kropfes
ohnehin dem Tode verfallen war, hielt ichs für keinen Forst-
frevel, sie abzuschneiden, um in den Besitz der Knolle zu ge-
| langen. Zu Hause wurde diese jeden Tag einer genauen Be-
| trachtung unterzogen, doch war keine Veränderung zu bemerken.
Aber eines schönen Tages, es war vormittags, sassen gleich drei
|
Sesien-Männchen daran, wunderbar schöne Tierchen; am näch-
sten Tage kamen noch zwei Weibchen. Und das war Sesia
cephiformis.
Pe: Das Nächste war nun, dass ich mich im Walde nach wei-
| teren Knollen umschaute. Von demselben Kaliber fand ich
| aber nur wenige; dagegen traf ich an älteren Tannen nicht
| selten und oft sehr umfangreiche Verdickungen am Stamme,
| teilweise aufgesprungen. Solche kranke Stellen, die man oft
E ‚auch an Apfelbäumen sieht, nennt man Krebs oder Wolt, ein
Name so schlimm wie der andere; denn ein davon befallener
Baum ist meist dem Tode geweiht. Diese Krebskrankheit der
HN ER Pe Late FR a
118). Donkekle Malen. Zuischrih Ira Miresden 1BI8-
Weisstanne wird verursacht durch einen Pilz, Aeeidium elati- -
num; durch sein Mycel werden Rinde und Bast auffallend ver-
dickt, und darin leben die Raupen. Ins Holz gehen sie nicht.
Gross war meine Freude, als ich an vielen solchen Knollen
Schlupflöcher, ab und zu auch eine Puppenhülle fand. Zum
Eintragen wars natürlich in diesem Jahre zu spät, aber im
nächsten Winter, Februar und März, gings mit Hochdruck an °
die Arbeit. Stärkere Bäume abzusägen war nicht ratsam, die
Forstleute haben darüber andere Ansichten als der Sammler;
>
ich versuchte also die Raupen herauszuschneiden, und das ge-
lang vollkommen. Freilich ist diese Art von Raupengewinnung
nicht ganz leicht; denn. die Rinde, besonders die alte, ist oft
‚sehr hart. Mit einem gewöhnlichen Taschenmesser kommt man
da nicht weit, und auch vom besten ist bald die Spitze abge-
brochen, weil die Arbeit mehr ein Wuchten als ein Schneiden
ist. Auch dauerts gar nicht lange, ds hat man Blasen an den
Fingern und im Handteller. Manchmal rutscht das Messer aus,
dann stösst man mit den llingerknöcheln die harte, rissige
Rinde, und das kostet allemal ein Stück Haut, Blut fliesst, und
das vermischt sich mit Harz, Rinden- und Flechtenteilchen,
sodass nach und nach die Hände vollständig verklebt sind.
Ich, habe mir später ein starkes Messer angeschaftt, einen so-
genannten Schnitzer, der ist viel handlicher und widerstands-
fähiger. Alle Unannehmlichkeiten nimmt man aber ‚gern im
Kauf, wenn die Mühe nicht vergebens ist. Ich habe oft aus
einer Knolle zehn, manchmal zwanzig und mehr Raupen heraus-
geschnitten, manchmal aber auch keine gefunden. Hin und
wieder fand ich Waldesteile, in denen fast alle Knollen von
Spechten aufgehackt waren. Beim Ausschneiden muss man sehr
vorsichtig zu Werke gehen, weil man sonst viele Raupen zer-
schneidet. In toten Knollen braucht man nicht zu suchen, da-
rin leben bloss Käferlarven. Wenn man an grünen Knollen
keine Kothäufchen sieht, dann lasse man das Messer in der
Tasche; denn sie sind unbewohnt. Ferner ist wohl zu beäch-
ten, dass die cephiformis-Raupe zweijährig ist. Einjährige
Raupen lasse man in ihrer Wohnung im Walde, ihre Zucht im
Glase ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden, und die mei-
sten gehen dabei doch zu Grunde. Meine FE an obenge-
nannter Stelle, dass man aus einjährigen Raupen noch im selben
Jahre den Falter erziehen kann, beruht auf Irrtum, Knollen,
auf denen die Kothäufchen sehr feinkörnig sind, lasse man un-
berührt, sie sind von einjährigen Raupen bewohnt. Bei dem
zwecklosen Zerwühlen solcher Knollen verderben die allermeisten :
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a EN ET nn ar Fe a 2 SE REN Fear. re 27 2 A A ES FR a a T Bee ER SER
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2.8 T, Schütze. Beitrag zur Kenntnis einiger Sesien. 119
Raupen, teilweise werden sie zerschnitien, zerquetscht, oder sie
fallen heraus, oder sie müssen verhungern, wenn die pilzbehaftete
Rinde zerstört ist; denn in gesunde Rinde gehen sie nicht.
Ich will mich aber über das Sammeln der Raupen nicht weiter
verbreiten; besser als jede Anweisung sind für den verständigen
Sammler eigene Beobachtung und Erfahrung, und für unver-
ständige schreibe ich überhaupt nicht. Es ist ratsam, die Ar-
beit vor eintretender Frühjahrswärme zu beendigen, ehe die
‘Raupen Anstalt zur Verpuppung machen. Zu Hause nehme
ich dann ein oder mehrere Wassergläser, Stutzgläser, bringe
einige der abgeschnittenen Rindenstücke hinein, setze die Rau-
pen dazwischen und fülle die Zwischenräume mit Sägespänen
aus. Es dürfen nicht ganz trockene, sondern noch saftige Rin-
denstücke genommen werden, weil manche Raupen noch eine
Zeitlang fressen. Die Sägespäne kann man nach einigen Wochen
wieder ausschütten, um den Faltern das Herauskommen zu er-
leichtern. So gelingt die Zucht tadellos. Es empfiehlt sich
nicht, die Gläser zuzudecken ; in geschlossenen Gefässen schim-
. melt die Rinde sehr leicht, und dadurch verderben viele Raupen.
Nun könnte jemand, besonders der Forstmann, gegen das
Herausschneiden der Raupen seine Bedenken haben. und leicht
zu der Ansicht kommen, dass die Tannen dadurch geschädigt
werden. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Ich habe sehr
viele Tannen in dieser Weise behandelt, aber keine einzige ist
nach solcher Operation eingegangen, im Gegenteil kann ich viele
zeigen, die dadurch gesund geworden und zu neuen Kräften
gekommen sind. Durch das Schneiden und Ablösen der oberen
Rindenschicht wird das Mycel im Wachstum gestört, und das
Aescidium stirbt ab.
Wenn auch cephiformis in unseren Wäldern nicht mehr
in der Anzahl zu finden ist wie ehemals, als z. B. einer meiner
Sammelfreunde aus einer einzigen, nicht besonders grossen Knolle
67 Falter zog, so ist doch nicht zu befürchten, dass sie ganz
verschwinden wird, es müsste denn der Fall eintreten, dass die
Tanne ganz aus der Liste der forstlichen Nutzhölzer gestrichen
wird, Manche Forstverwaltungen sind leider schon soweit. Die
Anschwellungen sind oft in nicht erreichbarer. Höhe, bewohnt
sind sie aber trotzdem. Es ist eine Besonderheit der Tannen-
sesie, dass sie auch hoch geht, sogar in die Kronen der höch-
sten Tannen. Als wir noch überständiges Holz hatten, fand
ich mehrfach an den starken Tannenästen, die mindestens 15 m
hoch gestanden hatten, bewohnte Knollen. Es empfiehlt sich
daher, und wir tun das jedes Jahr, die Holzschläge zu mustern
120 VE Deutsche BR Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
und die Stamm- N Asthnschwellunen der Tanken zu unter-
suchen; man wird manchmal reiche Beute machen, j
Ich hoffe, dass nach meinen Darlegungen cephiformis nun
an vielen Orten aufgefunden und bekannter werden wird. Aus
unseren Wäldern sind schon viele Hunderte teils an Staudinger
und Bang-Haas, meist aber tauschweise an zahlreiche Sammler
in den verschiedensten Ländern abgegeben worden; dabei zeigte
sichs, dass der Falter fast überall unbekannt war. Als mein
verstorbener Sammelfreund Amtstierarzt Köhler-Bautzen die er-
sten nach Wien schickte, wurden sie von dortigen Sammlern
nur mit Misstrauen aufgenommen und für tipuliformis Cl. ge-
halten, und es kostete ihm viel Mühe, die Herren vom Gegen-
teil zu überzeugen. Einige Jahre später aber boten Wiener
Sammler selbst cephiformis an, sie hatten sie vermutlich. in
dortigen Wäldern gefunden.
S. cephiformis nov. ab. fumosa.
Herr Eisenbahnsekretär Adler aus Bautzen legte mir 3 dd
und 1 2 und Herr Anstaltsbeamter Starke aus Bautzen 2 dd
von 8. cephiformis von ganz sonderbarer Färbung vor. Die
sind wohl ölig geworden, dachte ich. Das konımt sonst bei
dieser Art wenig vor, trotzdem die Raupe zwei Jahre lang n
harzreichen Tannen lebt. Ich unterwarf darum eins der
schlimmsten Stücke einer Entfettungskur, aber die Färbung än-
derte sich nicht im mindesten. Sie machten den Eindruck, als
wären sie geräuchert, es soll darum diese Abänderung den Na-
men fumosa- erhalten. Ich habe lange geschwankt, ‚sie über--
haupt zu benennen, schliesslich dachte ich aber: mach ichs
nicht, dann tuts ein andrer, und es sind schon ‚sehr oft neue
Namen auf Grund viel weniger in die Augen fallender Farben-
abänderungen gegeben worden.
Ich will nachstehend die Beschreibung eines normalen
Falters geben und daneben (hinter dem :) die Färbung der
fumosa; das zu Vergleichende ist durch gesperrten Druck ge-
kennzeichnet:
Rücken mit 2 gelben Längsstreifen: braungelb; Hinter-
rücken mit gelben Haaren: braungelbe Spuren: Brustseiten
mit grossem gelben Fleck: braungelb; Vorderhüften vorn
mit gelbem Streif: braungelb; “Schienen und Metatarsen am
Ende gelb: DrOAmEReNG > Augenring unterhalb “der Fühler
schneeweiss: weiss; Hinterkopf ringsum mit gelbem
Haarring: ganz schwarz ; ; Palpen oben schwarz, unten gelb:
schwarzbraun ; Hinterleib mit 3 gelben Ringen: bräunlich-
Du a a ie a4:
EB g* - x 4 Schütze. Au. zur Kenntnis einiger Sesien. 131
E- es und sehr kml; Afterbusch des Z' schwarz mit kleinem
gelben Haarbüschel in der Mitte: mit wenigen braungelben
Haaren; Afterbusch des £ oben breit gelb, am Grunde
und unten schwarz: schwarz mit wenigen braungelben Haaren ;
Vfl an der Wurzel mit gelben Haarfransen: grau; am Vor-
derrande oft mit gelben Schuppen und gewöhnlich mit feiner
gelber Linie in der Vorderrandzelle: ganz schwarz; im Saum-
felde mit 5 gelben Linien zwischen den Rippen: schwarz,
Linien bei schrägauffallendem Lichte rotbraun; Hfl unten am
— Vorderrande gelb, an der Wurzel mit gelben Fransen:
- schmal braungelb. Fransen grau.
Erwähnt mag noch ‚sein, dass 1 % normal gefärbt und
bloss der Afterbusch ganz schwarz ist. Bei@ fg ist das Gelb
etwas weniger gebräunt, die Hinterleibsringe sind äusserst schmal.
Bei 1 J fehlen die Binden ganz, nur der letzte ist sehr schmal
gelb. Ich habe Hunderte von cephiformis gezogen, eine Ab-
änderung ist mir aber niemals vorgekommen, nur einmal erhielt
ich 1 d', dem eine Hinterleibsbinde fehlte.
Sesia formicaeformis Esp.
Die Raupe dieses schönen Glasflüglers lebt im Holze glatt-
— blättriger Weiden, meist am Grunde junger Triebe. Doch ist
_ es nicht jedermanns Sache, sie aufzusuchen, und so mancher
‘schon hat geschnitten, bis ihm die Finger bluteten, aber alle ö
Mühe war umsonst. Durch Zufall bin ich einer andern Lebens-
weise der Raupe auf die Spur gekommen. Im Winter 1916
fand ich bei Klix an zweijährigen Trieben von Salix fragilis L.,
nur auf-einem Strauche, grosse und kleine runde fast holzige
- Gallen mit glatter netzartiger Oberfläche. Sie waren mir un-
bekannt, also nahm ich eine Anzahl mit. Zu Hause fand ich
bei näherer Besichtigung an einigen einzelne Löchlein, und in
einem derselben steckten ein paar Kotkrümchen. Da die Gallen
- mikroskopischen Gallmilben, Phytopten, ihre Entstehung ver-
- danken, konnte der Kot nicht von diesen herrühren, es musste
sich also jemand anders hier eingemietet haben. Ich fing an
- zu schneiden und kam bald auf eine Raupe, aus der ich nicht
klug werden konnte; ich war geneigt, sie für eine Klein-
schmetterlingsraupe zu halten. Nach und nach fand ich 3
Raupen, aber bloss eine entwickelte sich nach längerem Weiter-
_ fressen zu einer kümmerlichen Puppe; die andern beiden gin-
gen ein, sie hatten, _wie mir spätere Versuche zur Gewissheit
machten, das Herausnehmen aus der Wohnung nicht vertragen
| könne. An der verkümmerten Puppe erkannte ich, dass os
122 aatsehe Entom. Zeitsearift Lris. Drasies 1918,
u nn m
sich um eine Sesie handelt, an ich glaubte schon eine neue
Art entdeckt zu haben. Aber als ich später den Falter heraus-
schälte, hatte ich eine unzweifelhafte formicaeformis vor mir.
Neu war also das Tier nicht, wohl aber die Lebensweise der
Raupe; denn ich kann mich nicht erinnern, irgendwo gelesen
zu haben, dass diese Art in I’hytopten- -Gallen lebt.
Man findet solche Gallen an ‚lattblättrigen Weiden nur
selten, desto regelmässiger aber an Sahlweiden, Salix caprea L.
Manche von ihnen erreichen eine ansehnliche Grösse, viele ha-
ben ganz sonderbare Formen, alle sind aussen höchst unregel-
mässig und rauh und machen ihrem Namen „Wirrzöpfe“ alle
Ehre. Aus solchen bei Rachlau gefundenen Gallen habe ich die
Sesie mehrfach erzogen. Da sie, zu zeitig in die Stube ge-
nommen, sehr bald vertrocknen, ist es ratsam, sie nicht vor
Mai einzutragen; denn die Raupe, welche kaum halberwachsen
überwintert, frisst im Frühjahre weiter. Nach diesen Mitteilun-
gen ist es den Sammlern leichter gemacht den schmucken Fal-
ter zu erlangen.
Zur Biologie und systematischen Stellung von
Scythris temperatella Led.
Mit fünf Textabbildungen.
Von Martin Hering, z. Zt. Königsberg i. Pr.
Der Anlass zu den nachfolgenden Ausführungen war eine
Sendung des Herrn Professor Sureya-Bey (Landwirtsehaftliche
Hochschule zu Konstantinopel) an das Zoologische Museum in
Berlin, die mehrere Exemplare eines kleinasiatischen Getreide-
schädlings enthielt, die von Prof. Karsch als Scythris tempe-
ratella ld. determiniert wurden. Aaf meine Bitte erhielt ich
von Prof. Sureya-Bey später reichhaltiges biolegisches Material
über diese Art, wofür ich ihm an dieser Stelle meinen herzlichsten
Dank ausspreche. Auf Grund dieses Materials und der von ihm
beigefügten Notizen will ich versuchen, einen Einblick in die
Lebensweise und die systematische Stellang dieses Schädlings
zu geben
Der Falter wurde zuerst von Lederer in den Verhandlun-
gen der zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien 1855 als -
Ozecophora temperatella beschrieben. Er hat ihn woh
ur @attung Oeeophora auf Gruad einer rein äusserlichen Achn-I
.
4 i
cc Pr
Sc re ei 4
’ NE
EIER REN DERBENE 5
M. Hering. Zur Biologie ete. von Scythris temperatella. 123
lichkeit des männlichen Falters mit einigen Arten der Gattung
Oecophora oder Borkhausenia gestellt; wie z. B. mit B. tinc-
tella Hb. oder B. panzerella Stph. Im übrigen weist der Falter
keine Merkmale auf, die auf eine Verwandtschaft mit den Oe-
cophorinen schliessen lassen. Lederer erkannte das selbst
und wies darauf hin, dass sich für die Art eine passendere
Stelle bei den letzten Tineen-Gattungen in der Nähe von Ela-
chista finden würde. Die Diagnose Lederers bezog sich nur auf
männliche Stücke; bei dem grossen Sexualdimorphismus dieser
Art war es erklärlich, dass auch das ‘2 als besondere Art be-
schrieben wurde Staudinger beschrieb es (Hor. VII. S. 266
t. 3. £.17.) und bildete es ab.*) Obwohl er dieses 2 als Bu-
talis ochrolitella bezeichnet, fügt er am Schlusse seiner
Diagnose hinzu: „Es ist dies ein aberrierendes 2 der VDeco-
phora temperatella Ld.“
Stainton beschreibt in „The Tineina of Syria and Asia
'minor“ (1867) ebenfalls die S 7’ unter Oecophora temperatella
Led., die 2 2 dagegen als Decophora fuscofasciata, wo-
‚bei er allerdings schon „an praecedentis 2?* in Klammern da-
hinter setzt; am Schlusse der Diagnose erklärt auch er, dass
er sehr geneigt sei, die Art als das 2 von Oec. temperatella Ld.
aufzufassen. Ich werde weiter unten noch auf die Systematik
der Art zu sprechen kommen.
Als Vaterland der Art wird Cypern, Syrien, Palästina und
das mittlere und westliche Kleinasien angegeben. Stainton er-
hielt seine Stücke aus Palästina und sagt, dass es dort „rather
generally distributed“ sei. Sureya-Bey gibt an, dass der Falter
in Kleinasien und Syrien verbreitet sei. Die gefangenen Exenı-
plare stammen von Denizli (Smyına) und einige Stücke,- die
ich mir von der Firma Staudinger & Bang-Haas kommen liess,
aus Merdin. Andere Fundorte der Art sind mir bisher noch
nicht bekannt geworden, und es ist wohl wahrscheinlich, dass
der Falter auf diese Gebiete beschränkt ist. Ueber die Biologie
dieser Art scheint bisher in Deutschland noch nichts veröffent-
licht zu sein, was umso verwunderlicher ist, als der Falter
doch an den Stellen, wo er auftritt, ausserordentlich häufig zu
sein scheint. |
Die Art richtet nach den Angaben von Sureya besonders
Schaden an den Blättern der Gerste an. Gelegentlich soll sie
jedoch auch an andern Pflanzen vorkommen. S. schrieb: „peut
.*) Anmerkung: In dem Kataloge von Staudinger-Rebel muss es bei
der Angabe des Synonymes Ochrolitella Stgr. 9 anstatt Z' heissen,
124 Deutsche Entom. Zeitschrift Tri |
vivre sur g. q. plantes sauvages.“ Ich omas, dass damit die
Blätter einiger Arten von wilden Gräsern gemeint sein werden. BE
Er fügt noch hinze#: „L’ insecte fait beaucoup de degäts pen-
dant P’annee trop seche.“ Dr. La Baune berichtete, dass ‚die
Larve in den Blättern von- Gerste und Weizen miniere.
‚ Genaueres über die Art und Weise der Eiablage konnte
ich nicht in Erfahrung bringen. Unter dem mir Tue
Material befanden sich eine Anzahl Eier, die in Formol kon- 4
serviert waren, und von denen ich 7 Stück untersucht habe. )
Das Ei ist dottergelb, von elliptischer Gestalt, ungefähr ®’, mm E
lang und ®/, mm breit. Die Oberfläche der Eischale lässt bei
175/, lin: Vergrösserung deutlich: eine papillöse oder runzelige
Struktur erkennen; doch muss ich. dahingestellt sein lassen, ob
das nicht eine durch die Fixierung in Formol here 4
künstliche Erscheinung ist. Das Mikropylarfeld liegt seitlich,
die Seite, die das Mikropylarfeld trägt, ist, fast unmerklich,
etwas abgeplattet. Die Erhebung des Feldes über die Ober:
fläche der Eischale ist. äusserst gering. E
Die Raupe misst in erwachsenem Zustande 310 mm in E
der Länge. Sie ist ockerfarbig gelbbraun; der Kopf ist schwarz
und trägt vorn drei mehr oder weniger deutliche rotbraune
Flecken, die auch ganz verschwinden können. Das Nacken-
schild ist halbmondförmig, schwarz durch eine feine ockergelbe
Linie in der Mitte geteilt. Die Segmente tragen dunkelbraune
Punktwarzen. Die Thorakalsegmente besitzen nur eine. Suse
von ihnen, die 6 Punktwarzen enthält, die beträchtlich grösser,
ale die der übrigen Segmente sind. Die übrigen Segmente
tragen je zwei Querreihen solcher Punktwarzen; die am Vorder-
rande der Segmente gelegenen Punktwarzen sind kleiner und
tragen kürzere Borsten als die an den Hinterrändern gelegenen.
Während aber die vordere Reihe immer je ‘sechs solcher Punkte
trägt, enthalten die an den Segmerthinterrändern gelegenen 3
Reihen immer nur zwei. Am Abdominalende befindet sich
oben noch ein dunkel schwarzbraunes Analschildchen.
Die Thorakalbeine sind schwarzbraun, an den Enden blau- z
grau goringt. Der Grund derselben ist. schwarzbraun, mit
darauf folgendem ockergelblichen Ring. Zwischen den Brust-
beinen liegen je zwei kleinere und rechts und links von ihnen
je eine grössere braune Punktwarze; dazu kommen auf dem ersten
und zweiten Abdominalsegment an der Stelle, wo auf den
übrigen Segmenten die Bauchfüsse stehen, rechts und links je
zwei Punktwarzen, von denen meist die äussere die grössere
ist, doch kann es auch umgekehrt der Fall sein, mitunter sind
un X
M. Br Biologie etc. von Seythris temperatelln 35
nn ULLI nn mn
‚auch beide zu einer einzigen verschmolzen. Die Bauchfüsse
tragen einen ganzen Kranz von schwarzbiaunen Häkchen an
ihrer Sohle, Etwas nach vorn und auswärts liegen an ihrem
Grunde immer drei Punktwarzen beisammen, die gewöhnlich
in der Lage der Eckpunkte eines gleichseitigen Dreieckes ange-
ordnet sind. Selten findet man unter ihnen Verschmelzungen.
Die letzten Abdominalsegmente sind an der Stelle, wo auf deu
andern Segmenten die Bauchfüsse stehen, mit je einer Punkt-
- warze, selten deren zwei, besatzt.
Die Afterfüsse (Nachschieber) sind nur vorn mit einem
Halbkreis von Zähnchen besetzt.
Die Stigmen liegen auf dem ersten Segment analwärts von
der am weitesten seitlich gelegenen Punktwarze der Oberseite;
auf den Abdominalsegmenten liegen sie in einer Reihe mit
‚der vorderen Querreihe von Punktwarzen.
Die Raupe lebt minierend in den Blättern von Weizen
und Gerste, wahrscheinlich auch zuweilen in denen von andern
Gräsern. Fast alle Minen, die ich untersuchte, zeigten, dass
die Raupe in der Blattspitze mit der Mine begann und von
dort nach der Blattscheide zu weiterging. Da das Blatt seiner
ganzen Breite nach ausgeweidet wird, erhält es ein strohgelb-
lich weisses, auffallendes Aussehen. Der Kot wird nicht aus
der Mine entfernt, sondern sammelt sich am unteren Ende der-
selben in-kleineren oder grösseren Krümchen.
Diese Lebensweise der Raupe ist umso auffallender, als
sie von der aller andern Scythris-Arten verschieden ist Mir
ist überhaupt aus der ganzen Familie der Scythrididen keine
einzige Art bekannt, deren ‚Raupen als Blattminierer leben,
obwohl sie sonst die verschiedensten Lebeusweisen fül:ren.
Diese Tatsachen, im Verein mit den weiter unten sich ergeben-
den ‚morphologischen Differenzierungen der Imago, weist wohl
darauf hin, dass dieser Art eine Ausnahmestellung unter den
übrigen Seythris- Arten zukommt.
Zur Verwandlung verlässt die Raupe die Mine. Die Ver-
puppung geschieht wohl an oder in der Erde in einem weissen,
ziemlich festen Gespinnst, das mit Sandkörnern und Erdklümp-
chen besetzt ist. Vollständige Puppen -befanden sich leider
nicht unter dem mir übermittelten Material; die Gespinnste
enthielten nur die leeren Puppenhülsen. Diese waren pechbraun
und besassen eine ausserordentlich stark verlängerte Rüssel-
scheide, die erst ganz kurz vor dem Abdominalende aufhört.
Die Imagines weisen einen ausgeprägten Sexualdimorphis-
mus auf, Die Jo sind beträchtlich grösser als die ? ?, was die
186 Deutsche Butem. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
Länge der Flügel anbetrifft; vergleicht man allerdings die
Körpergrösse, so ist der Unterschied nicht so auffallend. Schon
Staudinger bezeichnet das Exemplar, das. er beschreibt, als et-
was verkrüppelt; in der Tat haben fast alle von mir untersuch-
ten 2 2 eine Anlage zu. einer Falten- oder Runzelbildung der
Flügel, namentlich der Vfl, was besonders auffällt, wenn. man,
wie z. B. beim Spannen, den ganzen Flügel in eine Ebene zu
bringen sucht. Es ist das ein Analogon zu der beim cd” unge-
fähr an der Stelle der Querader befindlichen Knickung. Die
Farbe ist bei frischen Stücken bei f und 2 ein dunkles Ocker-
gelb, beim J” oft etwas heller. Stainton fügt hinzu: „with a
very faint greenish tinge.“ Ich konnte an frischen. Stücken
einen grünlichen Farbton nicht feststellen; ganz deutlich erschien
er aber an den älteren Stücken, die ich von Staudinger & Bang-
Haas bezog. Ich vermute, dass Stainton bei seiner Aufstellung
der Diagnose auch einige solcher älteren Stücke zur Verfügung
gehabt hat. Man kann eine ähnliche Beobachtung auch an
der bei uns heimischen Borkhausenia tinctella Hb. machen; die
frisch geschlüpften Stücke, die man im Mai an den Bäumen
von Obstalleen usw. oft sehr häufig sitzen sieht, haben densel-
ben ockergelben Ton wie Sc. temperatella in ihrer Flüyelfarbe.
In der Sammlung -verlieren sie denselben jedoch, manchmal
schon nach wenigen Wochen, und sie besitzen dann ein blasses
Ockergelb, aus dem der rötliche Ton, der den frischen ‘Stücken
eigen ist, fast ganz verschwunden ist; sie lassen dann einen ähn-
lichen schwach grünlichen Ton erkennen.
Besonders charakteristisch für diese Art aber ist das eigen-
artige Flügelgeäder. Staudinger stellte die Art in die Nähe
von Se. cuspidella Schiff., eine Anordnung, die sich auch in dem
Kataloge von Staudinger-Rebel wiederfindet. Untersucht man
aber bei beidan Arten das Flügelgeäder, so ergeben sich einige
ganz auffallende Verschiedenheiten.
Der erste Ast der Ader II. Puimpeingt bei Sc. teihperatelis
viel weiter wurzelwärts als bei Sc. cuspidella.. Während Sec.
cuspidella das von den meisten Autoren angegebene Kennzeichen
der Scythrididen besitzt, dass nämlich der 4. und 5. Endast
der Ader II. die Spitze des Vorderflügels umfassen, trifft dieses
Merkmal auf Se. temperatella nicht zu. Bei allen untersuchten
' Stücken, sowohl bei den J' ? als auch bei den 2 2 fand ich nie-
mals Ader II, unterhalb der Spitze münden; stets endigte
II, an der Costa. Dieses Merkmal, das so auffällig vom Ty-
pus des Scythrididen-Geäders abweicht, hätte mich fast bestimmt,
zusammen mit der abweichenden Lebensweise der Raupe, die
SM Hering. Zur Biologie etc. von Seythris temperatella. 197
Art als überhaupt nicht zu dieser Familie gehörig zu betrachten,
hätte mich nicht der Bau der Analftsätze davon abgehalten.
- Eine Folge der mehr kostalen Lage der Ader II, ist das Ver-
halten der Aeste des Aderstammes III. Alle 3 Aeste verlaufen
‚ungefähr gleichweit voneinander getrennt, während die übrigen
- Seythris-Arten die Tendenz zeigen, AstIII, und IV , miteinander
su verschmelzen. Die vollständige Verschmelzung beider Aeste
konnte ich bei Sc. euspidella feststellen.
Eine Abweichung weist auch das Geäder des Hinterflügels
| auf, obwohl ich diese nicht für so wesentlich für die Gattungs-
E zugehörigkeit auffasse, wie die costale Mündung von Ader IL,
Im Vfl. Während bei vielen Scythris-Arten die Neigung vor-
| herrscht, Ader II, und Ill, des Hfl gestielt oder ganz ver-
schmolzen verlaufen zu lassen, sind bei unserer Art diese Aeste
Se. temperatella : Sc. euspidella
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Fig. 1. Fig. 2.
völlig getrennt. Diese Trennung ist besonders scharf ausgeprägt
dadurch, dass die Mittelzelle zwischen ihnen offen ist, ein Um-
stand, den auch Lederer in seiner Diagnose schon richtig an-
I gibt. Doch darf man der Tatsache der offenen Diskoidalzelle
| nicht zuviel Bedeutung beilegen, da diese Erscheinung auch
| bei andern Scythris-Arten auftritt. Bei Sc. cuspidella dagegen
| fand ich III, und III, völlig verschmolzen; die Mittelzelle
war bei dieser Art geschlossen.
Unter den mir zugesandten Exemplaren befanden sich eine
grössere Anzahl in Kopula. Ich untersuchte daraufhin auch
| noch die Analfortsätze der f'.. Da das Material sehr stark zu-
| sammengedrückt war, konnte ich eine genauere Untersuchung
Er; Deutsche Eiimofoeinche Zeitschrift „Leis“, herausgegeben vom Entomologischen
Verein Iris zu Dresden. Fee 1918,
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3 i28 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, Dresden 1918.
des eigentlichen Genitalapparates noeh nicht vornehmen; diene
soll einer späteren Arbeitgvorbehalten bleiben. Nur möchte ich
die am elften Körpersegmente befindlichen Fortsätze ein wenig
Fig. 4.
zu charakterisieren versuchen. Figur 3 zeigt diese Fortsätze von
der Seite gesehen, Figur 4 stellt eine Ansicht von oben, vom
Dorsum aus, dar. Der Tergit des 11. Segmentes ist "durch
einen eigenartigen, ventralwärts gekrümmten Fortsatz ausge-
zeichnet; Figur 5 zeigt diesen Fortsatz isoliert. An der Basis
ist er verbreitert, im Endteil zeigt er auf der ventralwärts ge-
legenen Seite eine rinnige Bildung. Der ganze Fortsatz ist mit
kleinen warzenartigen Punkten besetzt; von oben sieht man im
Basalteille zwei nebeneinanderliegende kreisförmige erhabene
Wulste (Fig. 4). Ventralwärts entsendet er einen Fortsatz (Fig. 3).
Der Sternit zeigt eine eigentümliche Spaltung, deren Ergebnis
zwei Pseudovalven sind. Diese sind sehr stark entwickelt und
tragen besondere, von der übrigen Bekleidung der Segmente
verschiedene Haare oder Borsten. Am Ende dieser Zipfel steht °
eine Gruppe von ziemlich steifen Borsten; sie stehen schräg,
nach oben und innen zu gerichtet. Diese dienen, wie ich bei
den in Kopula befindlichen Exemplaren immer deutlich fest-
stellen konnte, dazu, in das Abdomen des ? eingekrallt zu
werden und so ein Festhalten während des Begattungsaktes zu -
ermöglichen. Oralwärts davon liegen zwei Polster von weicheren, °
kürzeren Haaren; auch diese mögen als Festhaltungsorgane
fungieren, Endlich findet sich nahe der Basis dieser Fortsätze
noch eine Gruppe von Borsten, die in der Stärke denen am
Ende gleichen, womöglich noch stärker als diese sind. Trotz °
genauer Untersuchung konnte ich in keinem Falle bei den in
Kopula befindlichen Tieren feststellen, dass sich das Z° mit
diesen Borstenbüscheln an dem % festhielt ; das wird meiner
Meinung nach auch infolge der stark oralen: Lage derselben
nicht möglich sein. Ich vermute, dass diese Büschel als Füh-
rungsorgane für den Penis beim Kopulationsakt eine Rolle
spielen. Zwischen diesen dorsalen und ventralen Fortsätzen °
M Hering. Zur Biologie etc. von Scythris temperatell.. 129
liegen die Suslchen Genitalorgane, die ich später einmal
‚genauer zu beschreiben gedenke. |
Ein Vergleich der Analfortsätze mit denen der anderen
Seythris-Arten zeigt. ihre grosse Aehnlichkeit mit denen von
Sc. laminella HS. Ich erwartete. nun bei dieser Art auch ein
ähnliches Flügelgeäder zu finden. In dieser Erwartung sah ich
mich jedoch getäuscht. Wohl war auch bei Se. laminella die
Diskoidalzelle der Hinterflügel offen; aber das auffälligste Merk-
mal, das Münden der Adern II, in die Costa, konnte ich nicht
feststellen. Der Vorder flügel von Se, laminella zeigte das normale
Geäder der Sceythrididen. Es war mir das ein Beweis für die
Tatsache, dass man die Ausgestaltung des Genitalapparates
nicht allein zur systematischen Einteilung verwenden darf, son-
‘ dern auch andere morphologische und biologische Merkmale
heranziehen muss, wenn man nicht zu gekünstelten Zusammen-
stellungen kommen will.
Diese morphologischen und biologischen Untersuchungen be-
stärkten mich in der Meinung, die mir bei der ersten Ansicht
‚des Falters schon aufgestiegen war, dass wir es bei temperatella
mit keiner eigentlichen Scythris zu tun haben, und dass für
diese Art eine neue Gattung aufgestellt werden muss. Begrün-
det liegt diese Aufstellung einmal in dem abweichenden Verlaufe
der Ader Il, und zum andern in der eigentümlichen Lebens-
weise der Raupe als Blattminiererin. Obwohl der letztere Grund
und.der bei den Sceythrididen nirgends vorkommende Verlauf
der Ader II, zur Costa auf eine entfernte Stellung von den
Seythrididen hinweisen, möchte ich doch auf @rund des Baues
der Analanhänge die ‘neue Wattung in der Nähe der Gattung
' Seythris belassen. Ich schlage vor, die neue Gattung als
Syringopais nov. gen.”)
zu bezeichnen und als Typus derselben S. temperatella fest-
zuhalten.
i Vielleicht bilden die vorstehenden Ausführ ungen für manchen
eine Anregung, sich noch weiter mit dem schwierigen Problem
| der Aufteilung der Gattung Scythris, in der so viele heteroge-
| ne Arten vereinigt sind, zu befassen.
& *) Anmerkung: Von söpty&, övptyyos = Mine und rak — Kind,
bezieht sich auf die minierende Lebensweise der Raupe.
180 Er Deutsche Ken Zeitschrift Due‘ Dieedis. um. ? a
Finige Ergänzungen zu meinen Arbeiten.
Von L. Sheljuzhko (Kiew).
e: Fa
Parnassius acdestis patrieius Niepelt. Fe ya
Der Name cretatus Shelj. (Iris, XXVIH, p. 18, 1914) m
als Synonym von patricius Niepelt (Intern. Ent. Zeitschrift
Guben, V, p. 291; 1912) einzuziehen und die Fundortangabe
„Pamir c.“ als talsch zu streichen.
Schon nach Erscheinen meines Aufsatzes „Neue Rhopalo- >
ceren vom Pamir“ (Iris, | c.), wo ich u.a. ein aus der Deckert’- °
schen Sammlung stammendes Parnassius 2 als P. delphius or
tatus (subsp. nov.} beschrieb und abbildete, erhielt ich das
von E. Strand bearbeitete Werk- „Lepidoptera Niepeltiana“, wo
(p. 56, t. VII, f. 1—3) die Beschreibung und Abbildungen 3
von P. patricius Niep. gegeben sind und überzeugte mich. von.
der Identität dieser beiden Formen. Der Urbeschreibung von
patricius Niepelt (l. c.) habe ich wohl darum nicht genügende
Achtung gewidmet, weil als Fundort von patricius Thian-Shan
und von cretatus Pamir c. angegeben war. Inzwischen stellte
es sich aber heraus, dass die letzte Angabe wohl falsch ist.
Herr Otto Bang-Haas machte mir in einem Briefe vom 17. 1:
1914 eine Mitteilung darüber, die ungefähr mit seinen später
veröffentlichten Angaben (Iris XXIX, p. 169, 1915) A
sammenfällt.
0. Bang-Haas hält patrieius Niep., der als eigene Art be- °
schrieben wurde, für eine Rasse von P. acdestis Gr. Gr., was
ich für höchst wahrscheinlich annehme. Ausser patrieius Be
(= eretatus) müssen, nach O. Bang-Haas, als acdestis-Rassen
noch cinerosus Stich. (= diaphana Verity) und priamus Bıyk =
angesehen werden. Der Formen-Kreis von acdestis ist noch
sehr wenig bekannt, wohl darum, weil das betreffende Material
nur selten und schwer zugänglich ist und auch darum, weil
die acdestis-Formen den delphius-Formen sehr. nahe kommen 4
und bis heute noch leicht verwechselt werden.
Ich zweifele nicht, dass es sich herausstellen wurde FR 5.
manche bis jetzt als delphius-Rassen angesehene Formen zu
acdestis gehören. So scheint es mir mit lampidius . Fruhst. und 3
lathonius Bryk der Fall zu sein.
Möchte sich diese Annahme als richtig erweisen, so hätten
wir folgende acdestis-Rassen ; I
=
x
Ur
-
ne LI Sheljuzbko. Einige Ergänzungen zu meinen Ärbeiten. 131
Parnassius acdestis Hess Gr OT. 8 SmIng.
2 „. ‚einerosusStich. (-diaphana Verity) Ta-tsien-lu
= anın DEISMUSDEYR., 2272. :.0 0.71... Ak-sa
patricius Niepelt (= eretatusShelj.) Thian-Shan
” ”
RR »„ lampidiusl'ruhst.(=whiteiBingh.*) Kampa-dzong
£ =, ssdathomus Beyköo 12 34 90). + Gjangtse
1.
Euchloö falloui morpha aest. lucida Shelj.“”)
Nach Dr. A. Seitz (Iris, XXVIlU, p 32, 1914) soll die,
als 5 einer neuen Art von Röber beschriebene und abgebildete
(in Seitz, Gross-Schmett. d. Erde, I, p. 52, t. 20 g.) Euchlo&
seitzi, das 2 der Sommergeneration , von Euchlo& falloui dar-
stellen, weshalb also der von mir für die Sommerform auf-
Br. gestellte Name lucida (Iris, XXVI, p. 166, 1913) mit seitzi
. Röber identisch wäre. Ohne das Original von seitzi gesehen
' zu haben, kann ich mich nicht mit voller Sicherheit über die
| Frage äussern und will nur hier auf einige von Röber an-
gegebene Merkmale hinweisen, die solcher Identität gänzlich zu
widersprechen scheinen und die mich veranlassten, in seitzi ein
typisches falloui-2 zu vermuten. Auch andere Autoren, wie
Verity (Rhopal. Palaear., p. 172), Aurivillius (in Seitz, Gr.
_ Schmett. d. Erde, XIII, p. 49) und Stauder (Zeitschrift für
wissensch. Insektenbiologie, IX, p. 183) stellen seitzi als S$y-
nonym von falloui (2?) hin und wohl nicht darum, weil, wie
es Dr. Seitz annimmt, die Unterschiede der a zu
gering sind, sondern, weil sie wohl überhaupt keine Unterschiede
zwischen seitzi und typischen falloui 22 ersehen konnten.
Die Beschreibung von Röber lautet wie folgt: „E. seitzi
spec. nov. (20 f.) wurde von Dr. Seitz Mitte Mai gleich-
zeitig mit falloui in Biskra erbeutet. Sie ist etwas
_ kleiner als falloui, die schwarze Aussenrandzeichnung reicht
bis zum ersten Medianaste, die Hfl sind gelblichweiss, die
silberweissen Binden der Hfiunterseite schmäler
und zum Teile kürzer, de grünen Zeichnungen
e dunkler. (nicht mit gelber, sondern grauer Bei-
*) Da mir das Werk von Bingham Augenblicklick nicht zugänglich
| ist, kann ich die Identität von whitei und lampidius, die ©, Bang-Haas
(Iris AXIKX, p. 166) annimmt, nicht prüfen,
se Die in Bd. XX VIII veröffentlichte Arbeit von H. Stauder:
„Bemerkungen über Euchlo& falloui Allard“ ist Herrn Sheljuzhko infolge
des a bei Abfassung dieser Ergänzung noch nicht bekannt.
Schriftleitung der „Iris“.
NEIN
- 139 Deutsche Entom. een Iris. Den 1918.
mischung), auch ist ihre Lage stwas verändert und die
Apikalzeichnung der Vfl reicht (wie oberseits) bis zum ersten
Medianaste. Diese Art ist anscheinend noch seltener als
falloui.“ (1. ec.) : "2
Das Erste, was uns auffällt, ist das gleichzeitige Vorkom- 4
men von sSeitzi und der ty pischen falloui, so dass man wohl
leicht annehmen könnte, dass auch das Orginal von seitzizu der
ersten, nicht zur zweiten Generation gehört. Dr. Seitz (l.e.) er-
klärt dies in folgender Weise: „Die Vermutung, dass Euchl.
falloui in Biskra zwei Generationen habe, ist insofern -richtig
als ein Teil der im Frühling (Februar — März) aus dem Ei
kriechenden Raupen noch im gleichen Jahr den Falter ergibt,
ein Teil aber als Puppe überliegt. E. falloui fliegt auf dem
Col de Sfa bei Biskra vom Februar bis in den Juni; eine eigent- E
liche Pause in dieser Flugzeit besteht nicht.“ Viel schwerer
wäre es zu erklären, warum Röber bestimmt von „silberweissen® 3
Binden der Hflunterseite spricht und diesen wohl besondere
Bedeutung gibt, da er bei der Beschreibung von falloui
diese Rinden einfach „weiss“ nennt. Noch mehr, er beschreibt
diese Binden, was auch aus der Abbildung zu ersehen ist, als
„schmäler und zum Teile kürzer,“ und die zwischen ihnen E
stehenden grünen Zeichnungen sollen dunkler und mit grauer,
nicht gelber Beimischung sein. Dies alles ist bei lucida gerade
umgekehrt. Beiihr sind Binden der Hflunterseite weiss, nur
stelle nweise mit etwas Perlmutter-Glanz (silberweiss können
sie keinesfalls genannt werden), diese Binden sind etwas breiter
und die dazwischen liegenden grünen entsprechend schmäler, u
auch sind die grünen Zeichnungen sehr verschwommen und
haben deutliche gelbe Beimischung. Was hat nun lucida ge
meinsames mit der Beschreibung von seitzi ?
Seitz (l. c.) erwähnt garnicht die Röber’sche Beschreibung,
verweist aber auf die Abbildung, wo wirklich kein Silber in 2
den Binden der Hflunterseite von seitzi (20 g.) ist. Wenn
wir aber die Abbildung, a—d der "Tafel 22, wo diverse |
Formen von Euchlo& belemia, falloui und belia dargestellt sind,
durchsehen, so finden wir, dass das .„Silber“ oder besser der 4
„Perlmutter“ der Unterseite nirgends zum Vorscheine kommt,
so dass sein Fehlen als Mangel der Technik gut erklärt sein 2
kann, desto mehr, als in der Beschreibung, wie oben erwähnt,
die Binden snisdracklich „silberweiss“ genannt sind. 2,
Seitz (l.c.) sagt noch, dass die Frühlings-2? von falloui- x
sich scharf von den Sommer-29 unterscheiden. Ich besitze.nur
zwei falloui 22, die zweifellos Frühlingsstücke sind und schon
2
H. Walther. _ Gymandromorpher Falter v. Malac. franc. 133
.—_—
diese Exemplare zeigen deutlich, dass die von Seitz angegebenen
Merkmale nicht beständig sind. So sollen z.B nach Seitz die
Frühlings-2 2 grösser, als die fo’ sein. Das eine von meinen
22 ist in der Grösse den meisten J’d" gleich, das zweite
is ‚kleiner und überschreitet nicht die Grösse der Abbildung
von seitzi. Nach Seitz-ist „der Zellschlussfleck mehr als 4 mal
so gross als bei der Sommerform.“ Bei meinem grösseren
ist dieser Fleck ungefähr von der Grösse des Fleckes der Abbil-
dung von seitzi. |
. Aus dem Gesagten ersieht man, dass es wohl recht schwierig,
wenn nicht unmöglich war, in der Röber’schen seitzi meine
, lueida zu erkennen. Auch jetzt, nach den Ausführungen von
Dr. Seitz, scheint mir diese Identität mehr als zweifelhaft.
Gynandromorpher Falter von Malacosoma
franconica Esp.
Von Dr. H. Walther, Loschwiz.
(Tafel IL. Fig. 7 und 8.)
Im Jahre 1911 zog ich aus Stettiner Raupen ein zwittriges
Exemplar von Malacosoma franconica, das auf Tafel I Fig. 7
von oben, Fig. 8 von unten wiedergegeben ist. Das Stück ist
als unvollkommen halbierter Zwitter zu bezeichnen. Linker
Fühler, linke Hälfte von Kopf und Thorax ist weiblich, rechter
Fühler, rechte Kopf- und Thoraxhälfte männlich. Die Teilungs-
linie liegt in der Mitte, ist deutlich ausgeprägt, sowohl ober-
‚wie -unterseits. Der Leib ist ebenfalls in der Mitte geteilt und
rechts rein männlich, während links nur rotbraune Farbein-
mischungen an'den weiblichen Charakter erinnern; auch diese
‘sind nur angrenzend an den Thorax deutlich, verlieren sich
nach dem After zu ganz. Die Form des Leibes ist männlich,
‚das Afterende macht ganz einen männlichen Eindruck, ebenso
der äussere Genitalapparat. Der innere ist nicht untersucht.
Während die Hfl oben und unten männlich sind, ist der rechte
Vfl männlich, der linke rein weiblich und zwar oben wie unten.
Oskar Schultz, Berlin, erwähnt in seiner 1898 abgeschlos-
senen Zusammenstellung der beschriebenen gynandromorphen
' Makrolepidopteren der palaearktischen Fauna (1ll. Wochenschr.
f. Entomol. Bd. il. 1897) 3 bekannte vollkommen halbierte
Zwitter von franconica.
Das Stück befindet sich in meiner Sammlung.
134 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris, D D
"Iris die betrübende Nachricht von dem am 9. November nach
steht, abweichend von meinem Manuskript:
Otto Stertz f. e Aue
-
Während des Druckes der Abhandlung p.112 115 erhielt di die
langem Leiden erfolgten Tode des Kaufmanns Otto Stertz in
Jannowitz a. Riesengebirge im Alter von 71 Jahren. Die Iris verliert
in ihm ein langjähriges Mitglied und einen treuen Mitarbeiter,
die Lepidopterologie einen ihrer eifrigsten Jünger. Viele und
weite Reisen benutzte er zur Vervollständigung seiner hervor-
ragenden Sammlung, die schon zu Lebzeiten in Besitz des
Herrn Schumacher in Schwerin überging. Die „Iris“ wird hei
stets ein treues Gedenken bewahren. en
Er veröffentlichte in unserer Zeitschrift folgende Abhand- 2
lungen: - e
Eine neue @eometride aus dem Wallis: Bd. xV (1902).
Beiträge zur ee in der Insel Tour
Bd. XXVI (1912).
Eine neue Form von Polia dubia Dan. aus Spanien d. De
Drei neue Bombyciden-Formen des paläarktischen Faunen- ©
gebivtes (l. c.).
Eine neue Heteroeere aus Algerien. Bd. XXVIII (1914).
Mitteilungen über paläarktische Heteroceren. Bd. XXX ie
(1915). _
‘ Mitteilungen über meine algerischen Reisen (]. c.).
Mitteilung über eine Zucht von Arctia caja (l. ce.).
EM
PR (a, re!
. C f
te) Y H u Bet Pr
, aa ©:
Berichtigung. -
Im Jahrgangs XXX, 1916 dieser Zeitschrift, . 24,
_
zz
E
Deilephila gallii Rett. | | b
statt Dilephila galii Rott., : 2
welche letzte Schreibweise des Gattungs-, Art- und
namens ich für die richtige halte. >.
W. Fritsch, Donndorf CERSENE
er
EN
a Te u EEE VE Sn a nee Rn
ee Er 3 VE REN E, 2 EN Eee ö F Ye ih ?
FA Fe ag 6 Net
RN,
Zugänge zur Bücherei F 135
Zugänge zur Bücherei vom 1. VI. bis 1. XII. 1918.
1. Eingänge durch Geschenke:
— Sehawerda H., 11. Nachtrag zur Belege zenfenne Bosniens und der
Br > Herzegowina (Verh k.k. Zool.bot. Ges. 1918), Geschenk des Verfassers,
| Hering M, Neue Hesperiden aus China (Mitteil. Zool. Mus. Berlin Bd. 9).
Geschenk des Verfassers.
Strand E.. Meine entomol. Publikationen 1897-1918 (Wiener Entom.
Zeit. 1918), Geschenk des Verfassers.
2. Eingänge durch Kauf:
Culot, Noctuelles et Geometres d’ Europe Livr. 50 u. 51.
Seitz, Exotica Nr. 267-269.
3. Zeitschriften:
Entom. Zeitschr. Frankfurt a. M. XXXI. J. Nr. 5-17.
Intern. Entom. Zeitschr. Guben 12. J. Nr. 6-18.
Zeitschr. d. Oesterreich. Entomologen Vereines 3. J. Nr. 6 —10.
Deutsche Entom. Zeitschr. 1917 Beiheft 2, 1918 Heft I u. I.
Wiener Entom. Zeitung XXXVIL J., IV’. —VII. Heft.
Insektenbörse 35. J Nr. 11—12.
Societas entomologica 33. J. Nr. 6—11. :
Entomol. Rundschau 35. J. Nr. 6—11.
Verhandl. k. k. zool. bot. Ges. Wien 68. Bd. 2.—5. Heft.
Zeitschr. f. wiss Insektenbiol. XIV. Bd. 3.—6. Heft.
Entomol. Mitteil. Berlin-Dahlem VII. Bd. 4.—12. Heft,
Kosmos 1918. 6.—11. Heft. Kurth, Zwischen Keller und Dach.
Aus der Heimat 31. J. L.—III. Heft.
Mitteil. d. Entomologia Zürich 1918, Heft 4. -
Mitteil. d. Schweizerisch. Entom. Ges. Vol. XII, Heft 9 u. 10.
Stettiner Entom. Zeitschr. 28. J. IL. Heft.
136 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris: Dresden 1918.
Vereinsnachrichten.
Die Vorstandsämter lagen im abgelaufenen Vereinsjahre in
den Händen nachstehender Herren: | Bi
Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr. phil. K. M. Heller,
Stellvertreter: Dr. med. !l. Walther,
Schriftführer: Dr. med. Joh. Krüger,
Stellvertreter: Kaufmann R. Zeumer,
Rechnungsführer: Kaufmann G. Kretzschmar,
Bücherwart: Amtstierarzt E. Möbius,
Sehriftleiter: Dr. med. H. Walther,
Stellvertreter: Amtstierarzt E. Möbius.
Das verflossene Vereinsjahr hatte noch mehr als die Vor-
jahre unter den Einwirkungen und Schwierigkeiten des Welt-
krieger zu leiden, die sich namentlich in den letzten Monaten
aul fast allen Gebieten und in allen Beziehungen bemerkbar
"machten und deren Folge zum Teil auch das verspätete Er-
scheinen dieser Zeitschrift ist.
Als Mitglieder wurden folgende Herren aufgenommen: -.
Hauptmann von Bartha, zurzeit Wien, Richard Seiler in
Grosszschachwitz (Sohn des vorigen Jahres verstorbenen stellv.
Vorsitzenden Robert Seiler, Dresden,) Schumacher in Schwerin,
Döhring in Königsberg, Prof. Schwangard in Tharandt, Hering
in Königsberg, Biedermann in Wickersdorf bei Saalfeld, Steg-
miller in Habelschwerdt i. Schl., Dr. Ebert in Kassel, Dr.
Wehrli in Basel. Durch Austritt Tee der Verein die Mitglie-
der: Stertz in Breslau und Riemel in München, durch Tod |
Zerling in Laubegast, der sich bei den Dresdner Irismit-
gliedern allgemeiner Beliebtheit erfreute und. durch seine mit
Ernst und Eifer betriebenen Forschungsarbeiten noch so viel für
die Entumologie erhoffen lies. Einen weiteren schmerzlicken
Verlust erlitt der Verein durch den Tod von Prof. Courvoisier,
dessen letzte Arbeit die Zeitschrift noch bringen konnte. Herr
Stertz verstarb leider bald nach seinem schon durch schwere
Krankheit bedingten Austritt. Ferner hat auch infolge der
Kriegsverhältnisse der entomologische Verein Pacta Stettin sei-
nen Austritt erklärt. E |
Allen Gönnern, Freunden und Mitarbeitern des Vereins;
sei auch hierdurch nochmals herzlicher Dank für ihre Unter-
stützung ausgesprochen, zugleich mit der Bitte um weiter®
Untertsützung im kommenden Jahr, |
-_
a a Fr
ee
‚Vereinsnachrichten. Puter ty
Von den Vorführungen und Besprechungen an den Vereins-
abenden sei kurz folgendes berichtet:
5. Dezember 1917. Herr Möbius berichtet über Erebia
, manto Esp. und legt die Ausbeute dieser Falter aus Oberstdorf
im Allgäu vor, Herr Marquardt zeigt Ereb. manto aus den
Vogesen, Pyrenäen und Tirol.
2. Januar 1918. Herr Möbius zeigt eine weitere Anzahl
von im Juli 1917 in Oberstdorf gefangenen Erebienarten. Be-
merkenswert ist eine grössere Reihe der dortigen euryale-Form
(v isarica Rühl), die sich besonders durch ihre düsterroten
Binden, die rote Umgrenzung der Ozellen in den weisslichbrau-
nen Binden der Hflunterseite der d'cC' und bei den Weibchen
durch breite weisse, meist scharf begrenzte Binden daselbst
kennzeichnet. Nur drei von einer grösseren Anzahl 2 2 zeig-
ten diese Binden ebenso gelb, wie die 2? durchgehends bei der
Stammform des Riesengebirges. Unter letzterer (ab. ochracea
Wheeler) findet man auch selten einmal ein 2 mit weisser
Binde der Hflunterseite, genau so wie es die Regel ist bei ab.
isarica. Bei der Schweizer Form (von Vorbrodt nicht glücklich
var. helvetica benannt, denn sie fliegt in dieser Form auch in
Tirol u. s. w.) sind die. weissen. Binden der Hflunterseite
mehrfach nur in Spuren vorhanden und vicht scharf begrenzt,
mehr oder weniger durch braune Schuppen der Grundform
verdeckt. Es bildet somit die allgäuer Form ein ausgesproche-
nes Bindeglied zwischen der Riesengebirgsstammform und der
Form der Zentral- und Südalpen, wie schon Osthelder in den
Mitteilungen der Münchner Entomolog. Ges. 7. Jahrg. Nr. 38
eingehend dargelegt hat. |
6. Februar 1918. Herr Kretzschmar demonstriert eine An-
zahl Zygaenenarten, im Steinbruch bei Weinböhla gefangen.
Herr Möbius zeigt ebenfalls eine Anzahl Zygaenen, dabei
ein JS, Z., filipendulae ab: flava, 1917 bei Regensburg ge-
fangen. Ein Tier davon ist ein Hybrid, Z. angelicae >< peu-
cedani d”.
6. März 1918. Herr Heller macht auf einen in der Wiener
entomologischen Zeitung erschienenen Aufsatz von Hendel, Wien,
betitelt: Zur Kritik der strikten Anwendung des Prioritätsprinzips
in der Nomenklatur, aufmerksam. Ausserdem widmet er dem
kürzlich verstorbenen Praeparator am hiesigen entomologischen
Museum, Herrn Brade, der durch seine Tätigkeit Beziehungen
zur Iris "hatte, Worte warmer Anerkennung für seine geleiste-
ten Dienste,
ek 1918.
138 Deutsche Entom. Zeitschrift Iris.
5. Juni 1918. Herr Möbius zeigt eine Reihe: von Kohle
' weisslingen, deren Raupen er merkwürdiger Weise erst BE
Dezember vorigen Jahres gefunden hat. Die Zucht aus ihnen
hat keine besonderen Varietäten, sondern nur die charakteristi- x
schen Exemplare der Frühjahrsform chariclea ergeben. Gleich-
zeitig demonstriert er eine Raupe von Lemonia dumi, die er am
2. 6. hinter Weinböhla an einer Hyeraciumblüte fressend ge =
funden hat.
7. August 1918, Herr Heller berichtet über den Erwach 3
der Felsche’schen Käfersammlung, Leipzig und- Ihre Unterbrin- 7
gung im hiesigen Museum. =. $
2. Oktober 1918. Herr Walther demonstriert verschiedene
meist gezogene Eulenarten, darunter: Agrotis musiva aus Bi E
von Südtirol erzogen, die Räupchen überwinterten klein, ergaben
im Juni die Falter. Sehr variable Falter von Agrotis collina 2
aus Raupen, die im Frühjahr im Erigebirge gesammelt waren.
Caradrina gilva aus Eiern von Südtirol; die Zucht ergab noch 2
im Herbst einige Falter, während mehrere Raupen erwachsen
überwinterten; von diesen entwickelte sich ‘sine im nächsie =
Frühjahr zum "Falter. Plusia ain, die Eier ebenfalls aus Süd-
tirol, war leicht zu ziehen und er gab schon Anfang Mai schöne
Falter. e:
Herr Möbius zeigt einen Teil seiner im Juli in Oberstdorf
gefangenen Falter vor. Bemerkenswert sind eine Acron. euphorbiae 3
mit breiter schwarzer Mittelbinde der Vfl, ferner ein vollstän-
dig geteilter Zwitter von Ell. v. prasinaria, welcher frisch ge-
schlüpft auf :dem Wege sitzend gefunden wurde. Die linke
Hälfte ist weiblich, die rechte männlich. Links befindet sich - 3
ein . fadenförmiger q Fühler, rechts ein gekämmter J’ Fühler. -
Die beiden linken Flügel sind schmäler als die rechten männ-
lichen. Die Chitinanhänge der männlichen Genitalien sind. E
nur rechts vorhanden und ragen im Bogen um das linke weib-
liche abgestumpfte Leibesende. Hervorragend schön ist eine
fast schwarze Aberration von Mel. aurelia 0%’, es besitzen die ;
Flügel im Aussenfeld keilförmige braunrote Fleckenreihen, der
Falter ähnelt sehr, ist aber noch dunkler, der Fig. 361 in
Et. lepid. comp. Bd. IV von Oberthür. Letzterer benannte diese
Aberration ab. melanoptera und erhielt den ee Falter 3
aus Berlin. in
Herr Schopfer demonstriert eine Anzahl neuer Mikros der
sächsischen Fauna. Se.
Herr Kretzschmer zeigt die im Laufe dieses Jahres im
Steinbruch bei Weinböhla erbeutsten a ER
nr DES aa a Fe
ET EN D a I f ai
a ed ee Enz EEE m ‚
a . “ Fire
139
ee
| 6. November 1918, ee recminlung: Nach Er-
= = Skating. des Kassenberichtes, ferner der Berichte über Prüfung des
Rechnungswerkes und der Bibliothek, die von den versammelten
Mitgliedern gebilligt werden, werden die Vorstandswahlen vor-
genommen. Dieselben- ergeben die Wiederwahl sämtlicher Vor-
Se standsmitglieder.
Pe Herr Walther demonstriert noch eine Anzahl Eulen, O. rubi-
| ginea Stammform und ab. graslini. Die Eier stammten von
3 einem graslini 2 aus Südtirol und die Zucht ergab alle Ueber-
7 _gänge von der Stammform, dann mit ganz leichter Einstreuung
4 weisser Flecke bis zur ausgesprochenen graslini.
u Herr Kretzschmar legt eine Anzahl Stücke von Satyrus
3 brisdis vor, aus verschiedenen Gegenden stammend; ein Teil
1 davon ist an dem im vorigen Jahre wieder bekannt gewordenen
4 Fundorte in der Dresdner Umgebung gefangen. Die in den
1 Alpen erbeuteten Stücke zeigen gegenüber den einheimischen
_ sehärfer contrastierende Färbung.
R: Dresden, den 18. Dezember 1918.
ee & Dr. Krüger,
er en | 2. Zt. Schriftführer.
u E /
E 3
j
IE: '
Aspilates
Bankesia alpestrella Hein.
Hypomecia quadrivirgula Mab.
Solenobia adriatica Rbl. .
pallida Stgr.
Caradrina rebeli Stgr.
Chrysoph:nus virgaureae L. und Nebenformen .
Colias croceus Foure.
Cueullia blattariae Esp.
Dilephila galii Rott. . .
Euchlo& falloui lucida Shelj. ARE
Gropharmia-colchidaria "Led, 72°. 22 mn. .3=2%
Alphabetische Liste
der besprochenen Arten, Varietäten und Aberrationen.
(Die. neuen Formen sind kursiv gedruckt).
Abrostoln tripartita ab. canariensis Hamps.
kcid:lia asellaria HS. j Ä
bisetata Hufn, .
cervantaria Mill,
„... var. depressaria Stgr. A E
coufinaria var. Talsarıa HS... 12. 4 m 3
immistaria HS. x
incisaria Stgr.
macilentaria HS. . !
collinaria Ho!t- White
conspurcatella Z.
juliella Rbl.
omararia Oberth.
Hadena atlanticum Bak.
albostigmata 2 A RE
usurpatrix Rbl. 3
. Jor ‚dana Stertz
Larentia disjunctaria a
multipunctata Stgr
var. miaria Mill,
oxybiata Miss.
Leucanitis cailino var. philippin« Aust.
Malacosoma franconica Esp. ;
Parnassius acdestis patricius Niep. Me BEE
Pyraliden a. Formosa Namensverzeichnis . . . . =».
Rivula sericealis var. oenipontana Hellw. .
Sciopetris melitensis Rbl. .
Scythris temperatella Led.
Sesia cephbiformis OÖ.
LINE, Fumosa. Schütze
formicaeformis Esp.
alpicolella Rbl.
clathrella F.R.
esertella Ebl, 72.0
fumosella Hein, „ ',
Seite
115
115
115
115
23
-.,ı- 2:
Deutsche Entom. Zeitschrift Iris. Dresden 1918.
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” r nd 5 « - x - a) #
N # B 5 h Er BE
* P eh SE Pie Fr 2 ar #3 5 =
inconspicuella tt.
larella Chret.
Sr lichenella L . .
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nickerlii Hein. .
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‚suifunella Chr.
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RT Te RE
Syringopais temperatella Led. . . . ....
Talaeporia ausumnella Rbl. . ; ;
defoliella Const. .
Tephroclystia stertzi Rbi.
Ka
X 7
IR,
a u
RE DR
Der jährliche Mitgliedsbeitrag von 10 Mark ist in den
ersten drei Monaten eines jeden Vereinsjahres zu zahlen (an den
Rechnungsführer G. Kretzschmar, Bismarckplatz 6). .
Den Herren Mitgliedern, welche ihren Beitrag zu zahlen vergessen haben, wird
das zweite (Anfang Juli erscheinende) Heft gegen Nachnahme des Beitrages, zuzüg-
lich der Portokosten, zugesandt (soweit nach den betreffenden Ländern Nachnahme
zulässig ist).
Die Zeitschrift erscheint in Vierteljahrsheften.
Reklamationen wegen nicht empfangener Hefte können nur inner-
halb der Frist eines Jahres, vom Erscheinen a, Hefte an ge-
rechnet, berücksichtigt werden.
Mitglieder erhalten auf Wunsch‘ die früheren Hefte und Sonder-
drucke unserer Zeitschrift zu halben Preisen mit Ausnahme von Band I,
VII und VIII, welche vergriffen sind. Anfragen sind an den Bücherwart
(E. Möbius, Dresden-Fr., Schlachthofring 3) erbeten.
Der Inhalt der Deutschen Entomologischen Zeitschrift Iris besteht, ausser
aus wissenschaftlichen Mitteilungen, aus Vereinsnachrichten, Bücherbesprechungen
und Nekrologen, die letzten sechs Jahrgänge bringen von ersteren die folgenden :
Band XXVI, 1912
(mit 8 Tafeln und mehreren Textfiguren).
Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte palaearkt. Macrolepidopteren IV,
V und VI. Courveisier L.. Ueber Zeichnnngs-Aherrationen bei Lycaeniden.
Denso, P. Palaearktische Schmetterlingsformen. Hartert, E. Gegen die Zulassung
von Ausnahmen vom 'Prioritätsgesetz. Martin, L. Ein.neuer Papilio aus Celebes.
Ein seltener-Ixias. _ Zwei neue ” Euploeen aus Celebes. Zwei neue Delias aus Celebes.
Martini, W. Beiträge zur Kenutnis der Elachista-Raupen. Grapholitha oxytropidis,
eine neue Wicklerart aus Thüringen. Kleine Mitteilungen. Miller, E. Neue Rho-
aloceren aus Transkaukasien. Neustetter, H. Neue oder wenig bekannte
imotho&-Arten. -Philipps, F. Eine interessante Aberration und Hermaphroditen
meiner Sammlung. Rebel, H. Beitrag zur Lepidopterenfauna Unter-Aegyptens.
Rothke, M. Beitr. z. Kennt. von’ Arctia figurata und ihren Formen. Sasse, Th.
‘ Saturnia pyri forma alticola.. Schopfer, E. Epiblema nisella und Varietäten.
Seiler, R. Die Zucht von Aporophyla nigra Hw. Sheljuzhko, L. Eine neue
Form von Melitaea didyma.O. Stertz, O. Beitr. zur Macrolepidopterenfauna der
Insel Teneriffa. Eine neue Form von Polia dubia aus Spanien. Drei neue Bomby-
eiden- Formen des palaearktischen Faunengebietes. Walther, H. Lichtfangergeb-
nisse im Jahre 1912. Zerny, H. Neue Heteroceren aus dem naturhistorischen
Hofınuseum in Wien. |
Band XXV, 1913
(mit 8 Tafeln, 1 Bildnis und mehreren Textfiguren).
\
'Bang-Haas, A. Neue oder wenig bekannte rang Macrolepidopteren
VII: Bryk, F. Apologie der bewusst von mir aufgestellten Synonymen. Chap-
"mann, T. A. Zur Biologie von Prays eurtisellus ab. rusticus. Denso, P. Celerie
/ hippophais. Palaearktische Schwärmerhybriden. Celerio zygophyli. Fruhstorfer,
Ein neuer Serieinus aus China. Neue indo-australische Rhopaloceren. Neue
Arhopala- -Rassen. Neue Lycaeniden. Konias, R. Colias crocea ab. ‘v, Linstow.
' Das systematische Verzeichnis und Lycaena argas und argyrognomon. Mabille,
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linge aus Südamerika. Drei Schmetterlingszwitter aus Südamerika. Fiedler, C.
Das bisher unbekannte Männchen von Charaxes pyrrhus editha Ribbe. Fritsch
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Stauder, H. Neue mediterrane Lepidöpterenformen.. Stertz,’O. Mitt. “über
palaearkt. Heteroceren. Mitt. über die Zuchtergebnisse des Genus Chondrostega
im Allgemeinen. Mitt. über meine algerischen Reisen. Mitt. über eine Zucht von
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Band XXX, 1916
(mit 2 Tafeln)
Caradja, H. Beitr. zur Kenntn. der geogr. Verbreitung der Pyraliden und
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Die Lepidopteren der Sprottauer Gegend. Martini, W. Verzeichnis Thüringer
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eine Microlepidopterenausbeute aus dem östlichen Tannuola-Gebiet. Zöllner, H.
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(mit 2 Tafeln und 2 Bildnisbeilagen).
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