Zeitschrift für Zoologie
Insekten als Symbole göttlicher Verehrung
und Schädlinge des Menschen
Hermann Levinson und Anna Levinson
Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Seewiesen
SPIXIANA + Supplement 27 +» München, 15. Dezember 2001 + ISSN 0177-7424 * ISBN 3-931516-98-9
Insekten als Symbole göttlicher Verehrung
und Schädlinge des Menschen
Ausgewählte Kapitel der kulturgeschichtlichen
und angewandten Entomologie
Hermann Levinson und Anna Levinson
oPIXIANA
ZEITSCHRIFT FÜR ZOOLOGIE
herausgegeben von der
ZOOLOGISCHEN STAATSSAMMLUNG MÜNCHEN
SPIXIANA bringt Originalarbeiten aus dem Gesamtgebiet der Zoologischen Systematik mit Schwerpunkten in
Morphologie, Phylogenie, Tiergeographie und Ökologie. Manuskripte werden in Deutsch, Englisch oder
Französisch angenommen. Pro Jahr erscheint ein Band zu drei Heften.
Umfangreiche Beiträge können in Supplementbänden herausgegeben werden.
SPIXIANA publishes original papers on Zoological Systematics, with emphasis on Morphology, Phylogeny,
Zoogeography and Ecology. Manuscripts will be accepted in German, English or French. A volume of three
issues will be published annually. Extensive contributions may be edited in supplement volumes.
Redaktion — Editor-in-chief
M. BAEHR
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SPIXIANA - Journal of Zoology
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oPIAIANA
Zeitschrift für Zoologie
Supplement 27
Insekten als Symbole göttlicher Verehrung
und Schädlinge des Menschen
Ausgewählte Kapitel der kulturgeschichtlichen
und angewandten Entomologie
Hermann Levinson und Anna Levinson
Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Seewiesen
Verlag Dr. Friedrich Pfeil » München, 15. Dezember 2001 + ISSN 0177-7424 * ISBN 3-931516-98-9
Editorische Notiz
Prof. Dr. Hermann Levinson und Dr. Anna Levinson arbeiten seit 1971 am Max-Planck-
Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen (Oberbayern) u.a. über Sinnes- und
Ernährungsphysiologie verschiedener Insekten- und Milbenarten sowie über die Wir-
kungsweise fraß- und paarungsanregender Reizstoffe (Kairomone und Pheromone).
Außerdem beschäftigen sie sich mit umweltfreundlichen Strategien zur Eindämmung
von Schädlingspopulationen (bspw. Insektistasis und Akaristasis) sowie mit kulturge-
schichtlichen Aspekten der Biologie.
N tea
Insekten als Symbole göttlicher Verehrung
und Schädlinge des Menschen
Die scheinbar zwiespältige Beziehung der altägyptischen Priester zu dem heil-
igen Skarabäus, der in ihrem Totenbuch einerseits göttlich verehrt und ander-
erseits auch bekämpft wurde.
Die Vignette zu Spruch 30 zeigt einen Verstorbenen bei dem käfergestaltigen
Gott Khepri, der seine Sündlosigkeit vor dem Jenseitsgericht beteuert (links).
Die Vignette zu Spruch 36, die den Toten beim Speeren eines Käfers zeigt, sollte
an die Abwehr mumienzerstörender Insekten erinnern (rechts).
SPIXIANA | Supplement 27 | 1-119 | München, 15. 12. 2001 | ISSN 0341-8391 | ISBN 3-931516-98-9
Inhaltsverzeichnis
Seite
Insekten als Symbole göttlicher Verehrung und Schädlinge des Menschen
Eimletendes Vorwort... en needs hehe he 9
NN El DEREN EURE RHELTERE LEIHEN LER RE 10
Goethes Insekten und Insekten-Nachbildungen in Weimar
Goethe’s insects and insect copies in Weimar ...............eeesesessneseenesesnenenenennenenennn M
Einleitumern.. ee matter tneenshere lese san nanchnhatsdne hen neenrs ent harnekee rin nehshsashnetentnenrgerene 12
@wethes#Verhaltnis Zur Natur mn a HN Be 12
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Eatemolosische Studien. LH MER IE IR a 14
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Nachbildungenteinersinszikaden. nn neeenkeheaenhens 22
Insekten Nachbildung mit paradexen. Merkmalen ........n..2u0screereueeseneeesneereenenseereene 22
Nashbildunsensvon Dunekatem!.........arcenrpensseesenensnossnsnnssensanesezenenassestcerstnegersngorsernern 25
Dane 30
TEEN en Re ehgaesneh nennen nr läkaunatnsehunnid tanatlfsaeshbnnens Sı
Venerated beetles and their cultural-historical background in ancient Egypt
Kulturgeschichtliche Bedeutung der heiligen Käfer in Altägypten ................. 33
ee 34
Inoduchion re ET nen 35
Further amuletic tenebrionids recovered from the First-Dynasty grave 120
SIE ee 36
Fragments and stone imitations of jewel beetles (Buprestidae) .............e- 42
First-Dynasty imitations of a click beetle species (Elateridae) dedicated
ta Nein the'bellicose Goddesstor Sars rer een nee nen nausnennegeneseteere 43
Chronology of adoring elongate, oval and roundish beetles in ancient Egypt... 45
Biological and mythological aspects of dungball-rollers (Scarabaeinae) and
una eolleeforst(Coprinae)...... Au rer nennen 47
Seazabaeinae and Coprinae as models for stone searabs.........nnenersenetenee 51
Scarab monuments consecrated to Khepri, God of the Rising Sun ............ 55
Religious implications of Scarabaeinae and Coprinae .......uueeseeneeenenenneneennnenennn 39
Epilogue ..... 8.2.8220 nen Targa ER anna near an ae ee
Zusammenfassung:
Kulturgeschichtliche Bedeutung der heiligen Käfer in Altägypten ...................-
a. Iherverehrung als relioiose-Vorstellume. 2... 0ne ee
b. Zeitfolge der verehrten Buprestidae, Elateridae, Tenebrionidae
und 'Scarabaeidae....ku... Mlbr
Nachahmung geheiligter, länglicher und rundlicher Käfergattungen .............
d. Dungkugel-rollende und Dung-speichernde Blatthornkäfer,
die die Gottheiten des Sonnenaufgangs, der Welterschaffung
2)
und-der:Auferstehung verkörpem „nenne
Acknowledsemenis. 2.2... Re RE
Tıterature ee ee REN
Die Anfänge der Schädlingsabwehr im orientalischen Altertum
The beginnings of pest control in the ancient Orient .................n een
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Die biblischen Schädlingsplagen ... 2. ....2.............0n ee a
Gottgewollte Schädlingsplagen und deren Abwendung mit Hilfe von Gebeten
Der jugendliche Gott Horus als Beschützer vor gefährlichen Tieren ....................-
Verwarnung der Insekten, die die Verstorbenen und ihre Grabbeigaben
a
Mechanische Schutzmaßnahmen vor Gesundheits- und Vorratsschädlingen ......
Schädlingsabwehrende Verfahren während des Mittleren Reiches
umdispaterer Zeit er. en er ee
Schadilinesabwehrende Raucherungen 2... en. een
BieWNirkungssweiserder dutienden?Hlarze undıDrogen nr... ee
Schwetellals’Räuchermittelew ner et el
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Danksasums:..........u2r.u02.0 00 es enge ee ae ana erere ee
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Steuerung vorratsschädlicher Insektenpopulationen mittels Insektistasis
Insectistasis as a means of controlling pest populations
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Kurative und präventive Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung ................
Pheromone, vortatsschädihicher Insektenarten............. er en
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SPIXIANA | Supplement 27 Be] München, 15. 12. 2001 | ISSN 0341-8391 | ISBN 3-931516-98-9
Insekten als Symbole göttlicher Verehrung
und Schädlinge des Menschen
Die früheste Begegnung zwischen Insekt und Mensch beruht wohl auf der außerordent-
lichen Faszination, die manche Kerbtiergattungen auf phantasiebegabte Beobachter
ausübten und womit diese Tiere zu nachhaltig mythischer Bedeutung gelangten. Gött-
liche Verehrung, Schutz und Glaube an ein Weiterleben nach dem physischen Tod sind
Attribute, die derartige Insekten dem ägyptischen Menschen schon während der Zeit
des Alten Reiches (ca. 2686-2181 v. Chr.) verliehen hatten. Harmlose und schädliche
Insektenarten wurden jedoch erst später systematisch voneinander getrennt, d.h. ge-
raume Zeit nachdem die Vorstellung von Insekten als göttliche und schützende Sym-
bole einen festen Platz im Bewußtsein der alten Ägypter eingenommen hatte.
In frühdynastischer Zeit (ca. 3100-2686 v. Chr.) glaubten die ägyptischen Priester an
eine “imaginäre Schädlingsabwehr” und meinten, schädliche bzw. lästige Tiere von
mumifizierten Toten sowie deren Nahrungsmitteln mit Hilfe lädierter Hieroglyphen
und anderer Warnungszeichen langfristig vertreiben zu können. Die ersten hand-
schriftlichen Aufzeichnungen über tatsächlich wirksame Maßnahmen zur Verminde-
rung von Schädlingsbefall stammen aus einer hieratischen Papyrusrolle, die vermutlich
während der Regierungszeit des Königs Amenhotep I (XVIllte Dynastie) geschrieben
und 1875 von Ebers veröffentlicht wurde. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen
Insekten, die man für schädlich oder harmlos hielt, entstand erst im IX. vorchristlichen
Jahrhundert in Mesopotamien, wo sie an der vierzehnten Har-Ra-Hubullu-Tafel eingra-
viert ist.
Die beiden ersten Abhandlungen dieses Bandes befassen sich vorwiegend mit eigen-
tümlichen Käfer- und Zikadenarten sowie deren mythischer Bedeutung in den Hoch-
kulturen des alten Ägypten und Griechenland, während die beiden folgenden Beiträge
die Dezimierung schädlicher Insektenpopulationen in Altertum und Gegenwart betref-
fen.
Weiterführende Literatur
Ebers, G. M. 1875. Papyrus Ebers. Das hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter
in hieratischer Schrift. Mit hieroglyphisch-lateinischem Glossar von Ludwig Stern. — Engel-
mann Vlg., Leipzig, 2 Bände
Landsberger, B. 1934. Die Fauna des alten Mesopotamien nach der 14. Tafel der Serie Har-Ra-
Hubullu. — Hirzel Vlg., Leipzig
Levinson, H. & A. Levinson 1994. Origin of grain storage and insect species consuming desiccated
food. — Anz. Schädlingskunde, Pflanzenschutz, Umweltschutz 67: 47-60
-- &--1998. Control of stored food pests in the ancient Orient and classical Antiquity. -J. Appl.
Ent. 122: 137-144
Würdigung
Seit nahezu einem Jahrzehnt besteht eine inspirierende Verbindung zwischen den
Autoren und einigen Mitarbeitern der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM),
vornehmlich den Entomologen Dr. Martin Baehr, Herrn Max Kühbandner und Dr.
Gerhard Scherer sowie der Bibliotheksleiterin Dr. Juliane Diller und der Fotografin Frau
Marianne Müller. Die Autoren danken von ganzem Herzen den genannten Kolleginnen
und Kollegen, für die vielen anregenden Gespräche, die Hilfeleistung bei der Bestim-
mung fossiler Käferarten sowie für die Literaturbeschaffung und Anfertigung fotogra-
fischer Aufnahmen.
Frau Angelika Albrecht, Sekretärin der ZSM, hat das gesamte Manuskript freundli-
cherweise auf Computer-Disketten übertragen.
10
SPIXIANA | Supplement 27 | 11-32 | München, 15. 12. 2001 | ISSN 0341-8391 | ISBN 3-931516-98-9
Goethes Insekten und Insekten-Nachbildungen
in Weimar
Hermann Levinson & Anna Levinson
“Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare?
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre ..
J. W. von Goethe, um 1819
(“Wilhelm Meisters Wanderjahre”)
Levinson, H. & A. Levinson (2001): Goethe‘s insects and insect copies
in Weimar. — Spixiana Suppl. 27: 11-32
Among the numerous objects of natural history and art collected by
J. W. von Goethe, relatively few insect specimens and insect imitations
may be seen in the Goethe-Nationalmuseum at Weimar. A marvellous
iridescent curculionid beetle, Entimus imperialis (Figs 1a,b), some intact
silkworm moth cocoons and wasp nests as well as five ancient sculp-
tures of insects remained in the above collections. There are two beau-
tiful imitations of a male Cicada (Tibicen), carved in blackish-green ser-
pentine which probably originated from ancient Greece (Figs 6a-d), a
sculptured imaginary insect revealing the characteristics of a beetle and
a hemipteran bug (Figs 7a,b) as well as two yellowish faience-made
imitations of the dung beetle genera Scarabaeus and Catharsius, of ancient
Egyptian origin (Figs 8a,c and 9a,b). The underside of the faience Scara-
baeus reveals a male dwarf on top of the sign nb of the Egyptian Sover-
eign and symbolizes the Creator-God Ptah of Memphis (Fig. 8b), while
the underside of the faience Catharsius shows the Supreme God’s name
Amun in two types of writing (Fig. 8d). Such dung beetle imitations
were commonly employed in ancient Egypt and served as apotropaic
amulets.
Goethe’s entomological work includes comparative anatomical stud-
ies concerning the external and internal metamorphosis and wing for-
mation of the magpie moth Abraxas grossulariata (Fig. 2), the convolvulus
hawk-moth Agrius convolvuli (Fig. 5), the spurge hawk-moth Hyles eu-
phorbiae (Fig. 4), the privet hawk-moth Sphinx ligustri as well as the
silkworm moth Bombyx mori (Fig. 3). He also observed larval parasita-
tt
tion in certain lepidopterous species by caterpillar flies (Tachinidae) and
ichneumon flies (Ichneumonidae) and attempted to device taxonomic
systems classifying the Apidae and Lepidoptera.
Goethe’s biological investigations were certainly not performed in
congruence with current scientific research and the results obtained can
hardly be incorporated to present-day life science. However, Goethe’s
findings are nowadays as interesting and significant as they were in
former time.
Prof. Dr. Hermann Levinson und Dr. Anna Levinson, Max-Planck-
Institut für Verhaltensphysiologie, D-82319 Seewiesen bei Starnberg,
Germany.
Einleitung
Der vielseitig schöpferische Dichter, Denker und Forscher Johann Wolfgang von Goe-
the (1749-1832) hat nicht nur in der Literatur, in der bildenden Kunst und Theaterkultur,
sondern auch in den Naturwissenschaften Unvergleichliches geschaffen. Die teils
grundlegenden teils praxisbezogenen Gebiete - einschließlich Anatomie, Botanik, Che-
mie, Land- und Forstwirtschaft, Meteorologie, Mineralogie, Optik und Zoologie —, die
Goethe bearbeitete, nahmen einen beträchtlichen Teil in seinem Lebenswerk ein und
drängten sogar zeitweilig sein dichterisches Schaffen in den Hintergrund. Goethes
gesamtes Wirken ist ohne Bezug auf die Natur undenkbar; somit sind Dichter und
Naturforscher wechselseitig miteinander verbunden.
In seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten vereinte Goethe zumeist Beobachtungen
und Versuchsergebnisse mit ideell-spekulativen Vorstellungen zu einer vom Neoplato-
nismus geprägten Naturphilosophie. Er ließ sich stets von seiner Intuition leiten, lehnte
thematische Einseitigkeit sowie Spezialistentum ab und war gegen rein kausale Erklä-
rungen der Natur, in der für ihn immer ein Rest des Geheimnisses verblieb.
Goethes Verhältnis zur Natur
Der erste Glaubensartikel war für Goethe stets der bedeutendste: “Der Gott, der mit der
Natur in unmittelbarer Verbindung stehe, sie als sein Werk anerkenne und liebe, dieser schien
ihm der eigentliche Gott ...” (“Dichtung und Wahrheit” I, 1. Buch). Seine Vorstellung von
der Natur entspricht einer nahezu religiösen bzw. kultischen Haltung gegenüber der
Schöpfung im Sinne von B. de Spinozas “Deus sive natura”, wobei das Allumfassende
der Gestirne, Erdkruste, Flora, Fauna und Landschaft besonders betont ist. Ebenso sieht
er mit Spinoza “Gott in der Natur, die Natur in Gott”; diese Idee der Einheit von Gott
und Natur beschrieb er in der Strophe:
“Und es ist das ewig Eine, das sich vielfach offenbart:
Klein das Große, groß das Kleine, alles nach der eignen Art;
Immer wechselnd, fest sich haltend, nah und fern und fern und nah,
So gestaltend, umgestaltend — zum Erstaunen bin ich da.”
(“Parabase” 1820)
12
Goethes unerschütterliches Vertrauen in die Natur findet seinen Ausdruck in dem Satz:
“Sie hat mich hereingestellt, sie wird mich auch wieder herausführen” (Tiefurter Journal
1782). Während seiner Studienreise in Italien bezeichnete Goethe die Natur als “das
einzige Buch, das auf allen Blättern großen Gehalt bietet” (“Italienische Reise” II, 9. März
1787). In Italien gewann auch das Naturerlebnis den Vorrang vor dem Kunsterlebnis,
wobei das erstere hauptsächlich in zahlreichen Landschaftszeichnungen seinen Aus-
druck fand.
Biologische Studien
Schon während seiner frühen Weimarer Jahre (etwa 1776-1780) wünschte sich Goethe
mehr Freiheit von seinen staatsdienstlichen Verpflichtungen, um sich entsprechend
seiner eigentlichen Neigung den Wissenschaften und Künsten widmen zu können. Die
Anfänge seiner umfangreichen naturwissenschaftlichen Studien fallen schließlich in die
Zeit vor seiner Reise nach Italien (von September 1786 bis April 1788). Goethes dama-
lige Aufgaben, die naturwissenschaftlichen und künstlerischen Sammlungen und An-
stalten des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach zu beaufsichtigen, verleiteten ihn
u.a. zu intensiver Beschäftigung mit der vergleichenden Anatomie und Morphologie an
der Universität Jena. Bereits damals von seiner Konzeption einer “Urform” (Archety-
pus) und wechselseitigen Verwandtschaft aller Lebewesen durchdrungen, bewies er
1784 das Vorhandensein des Zwischenkieferknochens (“Goethebein” = os intermaxilla-
re), den man bislang nur bei den Wirbeltieren kannte, auch beim Menschen. Damit
deutete Goethe etwa 75 Jahre vor Darwin auf eine evolutionäre Entwicklung der Tiere
hin. Während seiner vergleichend-anatomischen Untersuchungen an Pflanzen und
Tieren prägte er erstmals den Begriff der “Morphologie” zur Bezeichnung der Wissen-
schaft von der Gestalt und dem Bau der Organismen bzw. ihrer Organe sowie deren
Umgestaltung im Verlauf der Ontogenese. Aufgrund der Erkenntnis, daß Staub-, Kron-,
Kelch- und Fruchtblätter umgestaltete Laubblätter sind, “entwarf” Goethe seine ideelle
“Urpflanze” (1790), um die Phylogenese der Pflanzen erklären zu können. Außerdem
legte er umfassende Sammlungen von Naturalien und Kunstobjekten an, die von J. C.
Schuchardt (1848) erstmals inventarisiert wurden. Goethes morphologische Studien
wurden im Rahmen seiner gesammelten Schriften zur Naturwissenschaft von D. Kuhn
bearbeitet sowie 1964, 1977 und 1986 herausgegeben.
Goethes Insekten
Die Insektensammlung im Goethehaus am Frauenplan zu Weimar soll nach Schuchardt
(1849) insgesamt 235 Käferexemplare, aufbewahrt in fünf Schachteln, mit zugehörigem
Namensverzeichnis (Kat. II, S. 285, Nr. 42, 43), einige Seidenspinnerkokons (Kat. II,
S. 285, Nr. 45) und Wespennester sowie einen Skorpion (Kat. III, S. 285, Nr. 44) beinhal-
tet haben. Entsprechend einer persönlichen Mitteilung von Frau Gisela Maul, Kustodin
am Goethe-Nationalmuseum in Weimar, ist diese Käfersammlung zwischenzeitlich mit
Ausnahme eines Diamantenkäfers (vormals Brillantkäfer) namens Entimus (vormals
Curculio) imperialis (Kat. III, S. 285, Nr. 41) bis zur Unkenntlichkeit ruiniert worden
(Maul 1999).
18
Bei Goethes Diamantenkäfer (Kat. III, S. 285, Nr. 41) handelt es sich eindeutig um
den aus Südamerika stammenden Rüsselkäfer Entimus imperialis Forster (Entimini,
Curculionidae), der zu den prachtvollsten Käferarten der Erde zählt. Die metallisch-
grünblaue Dorsalseite der dreieck-ähnlichen Elytra dieser Rüsselkäferart erinnert an
ein aus winzigen Smaragden zusammengesetztes Kleinod. Die Flügeldecken sind mit
je sechs dorsalen und vier lateralen, leuchtend-grünblauen Grubenstreifen versehen
(Abb. 1a), die beiderseits mit flaumigen Rändern umgeben sind. Die unpigmentierten
Schuppen in den Gruben der Flügeldecken von Entimus imperialis sind mit schrägen
Lamellen ausgefüllt, deren Neigungswinkel in scharf abgegrenzten Zonen verschieden
sind, so daß im Sonnenlicht vorwiegend grünblau sowie blau, gelb, orangenfarbig und
rot reflektierende Tupfen erscheinen (Abb. 1b; Mason 1926, 1927). Man kann sich
demnach gut vorstellen, daß Goethe diesen prachtvollen Käfer wegen seiner lichtreflek-
tierenden Strukturfärbung behalten und in einem allseits verglasten Kästchen aufbe-
wahrt hat (vgl. “Farbenlehre”, “Naturwissenschaftliche Schriften”).
Entomologische Studien!
Während der Jahre 1789, 1796-1798 und 1800-1802 führte Goethe eine Reihe von grund-
legenden Beobachtungen und Versuchen zur postembryonalen Entwicklung des Stach-
elbeerspanners Abraxas grossulariata Linne (vormals Phalaena grossularia), des Liguster-
schwärmers Sphinx ligustri Linne?, des Windenschwärmers Agrius convolvuli Linne
(vormals Sphinx convolvuli), des Wolfsmilchschwärmers Hyles euphorbiae Linne (vor-
mals Sphinx euphorbiae) sowie des Maulbeerseidenspinners Bombyx mori Linne aus (vgl.
Abb. 2, 3,4 und 5).
Die wichtigsten Erkenntnisse, die sich aus den genannten Untersuchungen ergaben,
lassen sich etwa folgendermaßen darstellen: Infolge intensiver Nahrungsaufnahme
wachsen die Schmetterlingsraupen schnell heran und sind deshalb genötigt, sich öfters
zu häuten, d.h. sie müssen eine neue Körperdecke (Cuticula) bilden, um ihre zu eng
gewordene, frühere Cuticula abstreifen zu können. Goethe verglich die wiederholten
Häutungen (Ecdysis) der wachsenden Raupen mit der periodischen Abtrennung und
Erneuerung der Borkenschicht an älteren Baumstämmen. Erst durch wiederholte Häu-
tungen wird das stufenweise Larvenwachstum ermöglicht und so lange fortgesetzt, bis
die Raupen ihre endgültige Körpergröße erhalten haben. Die Anzahl der Häutungen ist
artspezifisch und hängt auch teilweise von der vorhandenen Nahrung, Feuchtigkeit
und Temperatur ab. Die Raupen der Schwärmer (Sphingidae)? ändern nach der Häu-
tung oft Färbung und Muster ihrer Cuticula und reagieren besonders heftig, wenn man
sie bei der Häutung mittels taktiler Reize stört. Einige Tage vor der Verpuppung stellen
1 Die Bezeichnung “Entomologie” (Insektenkunde) wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts an-
stelle des früher üblichen Synonyms “Insektologie” eingeführt und von Linne (1707-1778) in
seiner binären Nomenklatur benutzt.
2 Der Gattungsname, von dem sich die Bezeichnung der Familie Sphingidae ableitet, geht auf
Reaumur (1736) zurück. Dieser Autor verglich das Erscheinungsbild der Raupe des Liguster-
schwärmers in Ruhestellung mit der steinernen Sphinx (ägypt. Ssp änh) in Giza, die den dort
begrabenen König Khephren (ägypt. Hafra, ca. 2558-2532 v. Chr.) “bewachen sollte” (siehe
auch Fußnote 4).
14
die Raupen ihre Nahrungsaufnahme ein und entleeren ihren Darmkanal. Anschließend
suchen sie einen geeigneten Verpuppungsort, verfertigen dort mit Hilfe ihrer labialen
Spinndrüsen ein ovales und nestartiges Gespinst (Kokon), in dessen Schutz die Verpup-
pung erfolgt. Die Raupe des Wolfsmilchschwärmers baut meistens Fremdpartikel (z.B.
Pflanzenfragmente und Erdklümpchen) in ihr Gespinst ein, wogegen die Maulbeersei-
denspinnerraupe partikelfreie Kokons herstellt. Nach Goethe wird das Sekret der
Spinndrüsen als Flüssigkeit abgegeben, die an der Luft zu einem Gespinstfaden erstarrt
und von den verpuppungsbereiten Raupen zur Herstellung des Puppenkokons benutzt
wird. Letztere können entweder dicht gesponnen — wie bei dem Seidenspinner-Kokon,
locker gesponnen - wie bei dem Wolfsmilchschwärmer-Kokon, oder spärlich gewoben
sein — wie bei dem Gespinst des Stachelbeerspanners. Schwärmerraupen legen ihr
Gespinst zumeist in einer selbst verfertigten Erdhöhle an, während Raupen des Stach-
elbeerspanners sowie des Maulbeerseidenspinners oberirdische Gespinste herstellen.
So leblos die Puppe (Chrysalis) auch erscheinen mag, so erfolgt doch unterhalb ihrer
Körperdecke die Metamorphose, d.h. die Umwandlung des letzten Larvalstadiums in
die fortpflanzungsfähige Imaginalform des Insekts. Goethe entdeckte, daß die larvalen
Muskelgewebe innerhalb der jungen Puppe (mit Hilfe von histolytischen Enzymen und
phagozytierenden Haemolymphzellen) weitgehend verflüssigt werden, wobei die
Abbauprodukte zur Bildung der imaginalen Muskulatur (besonders der Flügelmus-
keln) verwendet werden. Die gleichzeitig stattfindende Histolyse und Histogenese sind
also eng miteinander verbundene Vorgänge. Dabei entwickeln sich die bereits in der
embryonalen Larve vorhandenen Imaginalanlagen zu den Organen des adulten In-
sekts. Bei den Lepidoptera ist die imaginale Differenzierung der meisten Organe schon
in der älteren Puppe erkennbar. So werden beispielsweise die beißend-kauenden
Mundwerkzeuge (besonders die gezähnten Mandibulae) der Raupe von dem spiralig
ausrollbaren Saugrüssel (aus den beiden Maxillargaleae bestehend) des Falters ersetzt.
Die lateralen Einzelaugen (meist 6 Stemmata an jeder Seite) und die zwei winzigen
Antennen (vormals Fühlhörner) an der Kopfkapsel der Raupe werden von zwei großen
Facettenaugen (aus vielen Ommatidien bestehend) und zwei langen mehrgliedrigen
Fühlern des Falters® abgelöst. Die kaum gegliederten Bauchfüsse (Pedes spurii) sowie
die beiden Nachschieber (Postpedes) der Raupe gehen verloren und anstatt der sechs
larvalen Brustbeine entstehen die drei gegliederten Beinpaare des Falters. Die in den
Brustbeinen der verpuppungsreifen Raupe befindlichen Flügelanlagen entwickeln sich
zu den ausgestülpten, geäderten und schuppenbedeckten Vorder- und Hinterflügeln
des Schmetterlings. Die Tracheen (vormals Bronchien) der Raupe erhalten in den
Tracheen und Tracheolen des Falters eine bedeutend größere Ausdehnung und Lei-
stungsfähigkeit. Das verhältnismäßig einfache Nervensystem der Larve wird im adul-
ten Insekt umgestaltet und durch ein größeres Gehirn sowie fusionierte Ganglien
ersetzt. Der Pflanzengewebe verdauende Darmkanal der Raupe wird im Schmetterling
in einen nektarresorbierenden Verdauungstrakt verwandelt. Die Gonaden beider Ge-
schlechter entwickeln sich sukzessiv in der neonaten Raupe über die Puppe bis zum
Falter, während das larvale Herzgefäß von dem adulten Insekt weitgehend übernom-
men wird. Die meisten Organe des geschlechtsreifen Falters entstehen jedoch nicht
3 Die den Wangen (Genae) entspringenden Antennen sind bei den Schwärmern schnurförmig
gekantet und mit distaler Spitze, bei den Spannern fadenförmig sowie bei den männlichen
Spinnern stark gekämmt.
15
a
Abb. 1a,b. Dorsale Ansicht eines aus Obidos (Brasilien) stammenden Diamantenkäfers (a)
(Länge ca. 28 mm, Breite ca. 10 mm) namens Entimus imperialis Forster (Entimini, Curculioni-
dae) sowie eines ca. 2 mm breiten Feldes an dessen Flügeldecken (b).
Der grünblau schillernde Rüsselkäfer ist die einzige, unversehrt gebliebene Käferart aus Goe-
thes Insektensammlung. Die unpigmentierten Schuppen in den Gruben der Elytra bestehen aus
Lamellen, deren Neigungswinkel in scharf abgegrenzten Zonen verschieden sind, so daß
grünblau, gelb und rot reflektierende Tupfen erscheinen.
Fotos: Marianne Müller, mit freundlicher Genehmigung der Zoologischen Staatssammlung
München.
Abb. 2. Goethes Versuchsinsekten: Stachelbeerspanner Abraxas grossulariata Linne (Geometri-
dae).
Raupe (Fig. 1); Raupe, an ihrem Gespinstfaden hängend (Fig. 2); Puppe (Fig. 3); fliegender
(Fig. 4) sowie ruhender Falter (Fig. 5), dessen Flügelspannweite ca. 40 mm beträgt (nach
Roesel von Rosenhof, 1746-1761).
Abb. 3. Goethes Versuchsinsekten: Maulbeerseidenspinner Bombyx mori Linne (Bombycidae).
Ausgewachsene Raupe (Fig. 15); Kokon, geöffnet (Fig. 17) sowie ein flugunfähiges, eierlegen-
des Weibchen (Fig. 20), mit einer Flügelspannweite von ca. 45 mm (nach Roesel von Rosenhof,
1746-1761, verändert).
16
Urassıs II_Parn 1oxum_NocroRnoRrum.
Abb. 2
CLASSIS I.PAPILIONUM NOCTURNORUM.
Abb. 3
17
unmittelbar aus den entsprechenden Raupenorganen, sondern sind als Imaginalanla-
gen in dem Embryo vorgebildet.
Goethe bemerkte, daß die Extremitäten des pharaten Schmetterlings in einer Mu-
mienpuppe (Pupa obtecta) äußerlich sichtbar sind. Außerdem sind Bein-, Flügel-, Füh-
ler- und Rüsselscheiden solcher Mumienpuppen durch Häutungsflüssigkeit mit der
Körperoberfläche verbunden. Nähert sich die Puppenruhe ihrem Ende, so wird die
Puppencuticula zunehmend durchsichtiger und die Färbung der Falterflügel deutlicher
erkennbar. Schließlich reißt die Puppenhülle an vorgebildeten Bruchlinien an Kopf und
Rücken sowie entlang der Flügelscheiden auf, und der Falter schlüpft mit noch wei-
chen, geschrumpften und dem Körper anliegenden Flügeln aus der Exuvie. Sodann
sieht man, wie aus dem Enddarm des Insekts einige Tropfen trüben gelb-roten Puppen-
kotes (Meconium), der sich während der Puppenruhe gesammelt hat, abgesondert
werden. Der frisch geschlüpfte Falter führt muskuläre Pumpbewegungen aus, nimmt
mit seinem Saugrüssel Luft auf und preßt dadurch Haemolymphe in die Längsadern
der schlaffen Flügel. Diese strecken sich dann zusehends und erhärten, bis sie ihre
endgültige Flugtüchtigkeit erlangt haben. Am 30. Juli 1796 beschrieb Goethe die Zeit-
dauer der einzelnen Phasen dieses Vorgangs bei dem Stachelbeerspanner: etwa 10
Minuten nach dem Falterschlupf aus der Puppe erfolgt die Ausscheidung des Puppen-
kotes, etwa 8 Minuten danach tritt Haemolymphe in die Längsadern der Flügel ein und
etwa 12 Minuten später ist die Ausdehnung beider Flügelpaare abgeschlossen, wäh-
rend für deren vollständige Glättung und Erhärtung noch etwa 30 Minuten erforderlich
sind. Der Prozeß von der Imaginalhäutung bis zur vollständigen Flügelentwicklung
beansprucht bei Abraxas grossulariata insgesamt etwa 1 Stunde, bei Agrius convolvuli
jedoch etwa 3 Stunden. Es gelang auch, dauerhafte Präparate sämtlicher Stadien der
Falterentwicklung herzustellen und aufzubewahren.
Daneben erkannte Goethe den entscheidenden Einfluß des Klimas (Temperatur und
Luftfeuchte) auf Raupenwachstum und Metamorphose, wobei er fand, daß “... solche
Puppen — an kühlen Orten aufbewahrt — jahrelang ihre Entwicklung verzögern, indes andere —
warm und trocken gehalten — sehr bald zum Vorschein kommen: doch sind letztere kleiner und
unansehnlicher als jene, welchen die gehörige Zeit gegönnt war”. Das Wachstum der Raupen
wird ebenfalls durch Kühlung verlangsamt, während es durch mäßige Erwärmung
beschleunigt wird. Bei dauernd gemäßigt bleibender Wärme wären fortwährendes
Raupenwachstum und Faltervermehrung vielleicht möglich. Mittlerweile wissen wir,
daß die Stoffwechselrate poikilothermer Tiere bei erhöhter Außentemperatur beträcht-
lich steigt, womit auch die Entwicklung der Insekten entsprechend beschleunigt sein
würde.
Schließlich ist bemerkenswert, daß sich Goethe gelegentlich auf J. Swammerdams
“Biblia naturae sive Historia Insectorum” (1737), R. A. F. de Reaumurs “Histoire des
Insectes” (1734-1742), P. Lyonets “Traite anatomique de la Chenille qui ronge le bois de
Saule” (1760), A. J. Rösel von Rosenhofs “Monatlich herausgegebene Insektenbelusti-
gungen” (1746-1761) sowie auf C. von Linnes “Systema Naturae”, Eds. 1-13 (1735-1793)
bezog und aus diesen Schriften gewiß wertvolle Anregungen für seine entomologi-
schen Studien erhielt.
Goethe hat sich noch verschiedentlich mit Insekten aufgrund von theoretischen und
praktischen Überlegungen befaßt. So sezierte er mehrere holometabole Insektenarten,
um den Bau ihrer Fortpflanzungsorgane, Körperdecke, Muskulatur, Sinnesorgane,
Spinndrüsen und Tracheen sowie ihres Nervensystems und Verdauungstraktes zu
untersuchen. Er unternahm auch den Versuch, die Apidae und Lepidoptera systema-
tisch zu ordnen. Außerdem beobachtete er die Parasitierung von Schmetterlingsraupen
mit Raupenfliegen (Tachinidae, Brachycera) und Schlupfwespen (Ichneumonidae,
Apocrita) sowie deren pathogene Wirkung auf die Wirtsorganismen und zog die An-
wendung solcher Schmarotzer zur Schädlingsdezimierung in Betracht. Die entomolo-
gischen Arbeiten Goethes waren nicht zur Veröffentlichung vorgesehen, sondern soll-
ten hauptsächlich zu didaktischen Zwecken, wie für Vorträge und Demonstrationen,
herangezogen werden (Kuhn 1964, 1986).
Metamorphosen im Pflanzen- und Tierreich waren der Grundbegriff von Goethes
Naturphilosophie und in weiterem Sinn auch von seiner Weltanschauung. Als Natur-
gesetz nahm er einen allmählichen und bruchlosen Wandel infolge von progressiver
Weiterentwicklung einer Urgestalt bis hin zu höheren Lebensformen an, während ihm
die Vorstellung von spontanen und katastrophenähnlichen Umwälzungen widerstreb-
te. Die eigenartige Verflechtung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit dichterischen und
künstlerischen Arbeiten spiegelt sich bei seinen naturwissenschaftlichen Themen häu-
fig wider. Das betrifft auch die seit der Antike beliebte Darstellung von biologischen
Erkenntnissen in poetischer Form, die Goethe in seinen Lehrgedichten “Metamorphose
der Pflanzen” (1798) und “Metamorphose der Tiere” (1800) übernommen hat. Es
scheint, daß Goethes Denken in ganz anderen Bahnen als die der zeitgenössischen
Naturwissenschaften verlaufen ist. Man kann seine naturwissenschaftlichen Überle-
gungen wohl kaum im Rahmen der gegenwärtigen Naturforschung erfassen. Trotzdem
sind Goethes biologische Studien und Erkenntnisse deshalb nicht weniger interessant
und bedeutungsvoll.
Goethes Insekten-Nachbildungen
Sein reges Interesse für Insekten und Altertümer mag Goethe zum Sammeln altägyp-
tischer und altgriechischer Skulpturen einschließlich insektenförmiger Nachbildungen
veranlaßt haben. Die kleine und gediegene Sammlung vorwiegend altägyptischer
Kunstobjekte, die zuerst von Schuchardt (1848) und später von Hummel (1980) katalo-
gisiert wurde, wurde uns freundlicherweise von Frau Margarete Oppel, Kustodin am
Goethe-Nationalmuseum in Weimar, gezeigt. Die Sammlung enthält zehn altägypti-
sche Statuetten, die höchstwahrscheinlich aus der Spätzeit (ca. 747-332 v. Chr.) stam-
men (Schuchardt 1848, Kat. II, S. 9-10, Nr. 1-6 sowie S. 335, Nr. 101-102), und besteht aus
zwei Darstellungen des Vegetations- und Jenseitsgottes Osiris (ägypt. wsjr), zwei
Skulpturen dessen Schwestergattin Isis (ägypt. ast) mit dem Knaben Horus (ägypt.
hr-sa-ast), Darstellungen der Entbindungsgöttin Thoeris (ägypt. ta-wrt), dreier Toten-
diener im Jenseits (ägypt. Swbtj), eines Mannes mit dem Königskopftuch (ägypt. nms)
und Lendenschurz (ägypt. Snd wt), des Horusauges (ägypt. wdat) sowie fünf Nachbil-
Abb. 4. Goethes Versuchsinsekten: Wolfsmilchschwärmer Hyles euphorbiae Linne (Sphingi-
dae).
Jüngere (Fig. 1) und ältere Raupe (Fig. 2), mit einem abstehenden dorsalen Horn an ihrem 8.
Abdominalsegment, an ihrer Futterpflanze Euphorbia cyparissias; Puppe (Fig. 3) sowie fliegen-
der (Fig. 4) und ruhender Falter (Fig. 5), mit einer Flügelspannweite von ca. 70 mm (nach Roesel
von Rosenhof, 1746-1761).
19
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Abb. 4
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CLASSIS LPAPILIONUM NoC TURNORUM. |
1
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Abb. 5
21
dungen von Insektengattungen (Schuchardt 1848, Kat. IL, S. 10, Nr. 7-9 und 9a), die
wahrscheinlich im alten Ägypten bzw. antiken Griechenland häufig vorkamen‘*.
Trotz seiner Abneigung gegen die Tiervergottung fand Goethe Gefallen an Statuen
altägyptischer Gottheiten sowie an Tieramuletten und wünschte sich sogar, nach sei-
nem Ableben in einem Pyramidengrab beigesetzt zu werden (von Wilpert 1998). Zu
Eckermann bemerkte er (am 2. Mai 1824 bzw. 15. Februar 1830), daß der Tod ja nur ein
Übergang von einer uns bekannten Existenz in ein anderes Dasein wäre. Über letzteres
wüßten wir zwar nichts, doch sei unser Geist “ein Wesen ganz unzerstörbarer Natur”.
Goethes Vorstellung von einem diesseitigen und einem jenseitigen Dasein entspricht
dem altägyptischen Glauben an ein verklärtes Weiterleben der Verstorbenen nach
ihrem Tod (ägypt. änh).
Nachbildungen einer Singzikade
Die Abbildungen 6a-d zeigen zwei Insekten-Nachbildungen (Länge ca. 39 mm, Breite
ca. 15 mm), die Schuchardt (1848, Kat. II, S. 10, Nr. 7, 9) als ägyptische Skarabäen und
Hummel (1980) als ägyptische Heuschrecken bezeichnet haben. Diese Nachbildungen
stellen jedoch zweifellos Singzikaden der Familie Cicadidae (Auchenorrhyncha,
Homoptera) dar und sind höchstwahrscheinlich altgriechischer Herkunft. Zikaden sind
im baum- und regenarmen sowie wüstenreichen Ägypten ohnehin kaum vorhanden
(Linnavuori 1964) und besitzen deshalb auch keinen hieroglyphischen Namen (Budge
1978). Im Gegensatz zu den heiligen Pillendrehern (ägypt. hprr) und Heuschrecken
(ägypt. snhm), hatten sie im alten Ägypten weder göttliche Eigenschaften noch waren
sie ein Sinnbild der Auferstehung (vgl. Pyramiden-Texte 888, 1695 bzw. 891, 892).
Die stilisierten Nachbildungen männlicher Zikaden (Abb. 6a-d) sind aus schwarz-
grünem glattem Stein, höchstwahrscheinlich Serpentin, geschnitten und sind einer
mediterranen Singzikade der Gattung Cicada (Tibicen) Linne auffallend ähnlich. Zwei
große Komplexaugen stehen seitlich an der Kopfkapsel hervor, das verhältnismäßig
schmale Pronotum (Halsschild) grenzt an das relativ breite Mesonotum (mittlere Rük-
kenplatte), die harthäutigen und geäderten Vorderflügel überragen das Hinterleibsen-
de (Pygidium) und sind an der Basis mit dem Mesothorax (mittleres Brustsegment)
verbunden. Die Flügel der “ruhenden” Steinzikade sind dachförmig über dem kegelar-
tigen Hinterleib (Abdomen) zusammengelegt, wobei ein nahezu dreieckiges Feld am
Notum (Rückenplatte) frei bleibt (Abb. 6a,c). Die ventrale Ansicht beider Steinzikaden
4 Hieroglyphische Wörter sind (zumeist in Klammern) in Übereinstimmung mit den Wörter-
büchern von Budge (1978) und Hannig (1995) in lateinischen Buchstaben wiedergegeben.
Abb. 5. Goethes Versuchsinsekten: Windenschwärmer Agrius convolvuli Linne (Sphingidae).
Raupen mit einem abstehenden dorsalen Horn an ihrem 8. Abdominalsegment sowie unter-
schiedlicher Färbung im dritten (Fig. 1) und vierten Stadium (Fig. 2); Kotablage einer Raupe
(Fig. 3); Puppe mit Rüsselscheide außerhalb ihres Körpers (Fig. 4) sowie Falter mit geöffneten
Flügeln (Spannweite ca. 100 mm) und ausgerolltem Saugrüssel. Dieser ist ungewöhnlich lang
und besteht aus den beiden verlängerten und miteinander verfalzten Hohlrinnen (hier gespal-
ten) der Galeae (Fig. 5) (nach Roesel von Rosenhof, 1746-1761).
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P a a
zeigt drei Paar kräftige und angewinkelte Beine, zwischen deren vorderstem Paar der
zurückgeklappte Stech- und Saugrüssel (Rostrum) liegt, sowie den in 7 bzw. 8 Segmen-
te aufgeteilten Hinterleib. Charakteristisch für die männlichen Singzikaden sind ihre
beiden Trommelorgane, deren halbkreisförmige Opercula (Deckel) beiderseits am er-
sten ventralen Hinterleibssegment der Steinzikaden erkennbar sind (Abb. 6b,d).
Unterhalb der beiden Opercula einer lebenden Singzikade befindet sich je eine
konvexe Schallmembran, die durch eine Sehne mit dem Singmuskel der mittleren
Bauchplatte sowie einer abdominalen Resonanzkammer verbunden ist. Bei aufeinander
folgender Muskelkontraktion und -Erschlaffung wird die Schallmembran entsprechend
eingedrückt und entspannt, wodurch sie in rasche Schwingungen gerät (ca. 1,5-
8,0 kHz). Die Gesangsstrophen der in Griechenland häufig vorkommenden Cicada ple-
beja (Scopoli) dauern meist 11 und seltener 22-33 Sekunden, wobei ihr Hinterleib
mitschwingt, wenn die Schallfrequenz steigt. Der Zikadengesang wird gegen Abend
leiser und verstummt schließlich bei vollständiger Dunkelheit. Die Männchen der
Gemeinen Zikade singen vorwiegend während der heißen Tageszeit, wobei sie häufig
an Feigen-, Maulbeer- und Ölbäumen verharren, um artgleiche und paarungsbereite
Weibchen anzulocken. Dabei bleiben die Weibchen der Zikaden stumm, da sie keine
Trommelorgane besitzen.
Der klassische Name “Acheta” bezeichnet die im Mittelmeergebiet lebenden größe-
ren Singzikadenarten, und zwar die Rotadrige Zikade Tibicen haematodes Scopoli (Länge
ca. 38 mm), die Mannazikade Cicada (Tettigia) orni Linne (Länge ca. 40 mm) sowie die
Gemeine Zikade Cicada plebeja Scopoli (Länge ca. 54mm). Bei den nachgebildeten
Singzikaden konnten nicht alle Merkmale des Vorbildes berücksichtigt werden. Zwi-
schen den vorgewölbten Komplexaugen einer lebenden Cicada plebeja liegen auf dem
Scheitel (Vertex) - im Dreieck angeordnet - drei punktförmige Ocelli (Nebenaugen), am
Vorderkopf die beiden kurzen siebengliedrigen Borstenfühler sowie der stark vorste-
hende Clypeus (Kopfschild). Die Vorder- und Hinterflügel sind glasartig, unbehaart
und von einem gabelästigen Geäder durchzogen. Das vordere Flügelpaar ist bedeutend
länger als das hintere. Der Körper ist gedrungen und kegelförmig. Die Schenkel (Femo-
ra) des ersten Beinpaares sind deutlich verdickt und an der Ventralseite mit Zähnchen
versehen. Zwischen dem vordersten Beinpaar liegt der zurückgeklappte Stech- und
Saugrüssel (Rostrum), dessen Spitze die Region zwischen den Coxae (Hüften) des
zweiten Beinpaares erreicht.
Nach Aristoteles (384-322 v. Chr.) kamen zwei Zikadengruppen im antiken Grie-
chenland vor, nämlich “... die kleinen Zikaden, die zuerst erscheinen und zuletzt sterben,
sowie die großen singenden Zikaden, die später kommen und früher verenden ...; die großen
Singzikaden nennt man Acheta, während die kleinen Tettigonia heißen” (Historia animalium
V, 30). In der altgriechischen Literatur wurden die Singzikaden öfters mit Göttern in
Verbindung gebracht oder selbst göttlich verehrt. Überdies wurden sie von Gott Apollo
geliebt und von dessen neun Musen mit der Singfähigkeit beschenkt (Beavis 1988). Von
der Verehrung, die die klassischen Lyriker diesen Insekten entgegenbrachten, erhält
man eine Vorstellung in dem Gedicht “An die Cicade” von Anakreon (um 580-
495 v. Chr.), das von Goethe (1781) ins Deutsche übertragen wurde:
24
“Selig bist du, liebe Kleine, Süßen Frühlings süßer Bote.
Die du auf der Bäume Zweigen, Ja, dich lieben alle Musen,
Von geringem Trank begeistert, Phöbus selbst muß dich lieben,
Singend wie ein König lebst! Gaben dir die Silberstimme;
Dir gehöret eigen alles, Dich ergreifet nie das Alter,
Was du auf den Feldern siehest, Weise, zarte Dichterfreundin,
Alles, was die Stunden bringen: Ohne Fleisch und Blut Geborne,
Lebest unter Ackersleuten, Leidenlose Erdentochter,
Ihre Freundin, unbeschädigt, Fast den Göttern zu vergleichen.”
Du den Sterblichen Verehrte,
Insekten-Nachbildung mit paradoxen Merkmalen
Die phantasievoll gestaltete Nachbildung einer unbestimmbaren Insektengattung
(Abb. 7a,b) wurde aus schwarz-grünem glattem Stein, höchstwahrscheinlich aus Ser-
pentin, geschnitten und von Schuchardt (1848) als ein ägyptischer Skarabäus (Kat. I,
S. 10, Nr. 8) sowie von Hummel (1980) als eine ägyptische Heuschrecke bezeichnet. Die
dorsale Seite dieses Steininsekts (Abb. 7a) ist einem großen Käfer (Länge ca. 33 mm,
Breite ca. 17 mm) mit zwei glatten Elytra, einem breiten und frontal nach innen gewölb-
ten Pronotum sowie einer trapezartigen, augen- und fühlerlosen Kopfkapsel nachemp-
funden. Andererseits zeigt die Ventralseite des Steininsekts (Abb. 7b) an dessen Kopf-
unterseite einen zurückgelegten Stech- und Saugrüssel (Rostrum), der charakteristisch
für Schnabelkerfe (Hemiptera) ist. Der ventrale Thorax mit den drei robusten Beinpaa-
ren ist bizarr und stark stilisiert. Das Phantasie-Insekt sowie die beiden steinernen
Singzikaden wurden Goethe von seinem Sohn aus Florenz im Herbst 1830 zugeschickt
(“Goethes Werke”, Bd. 48). Die mythische Bedeutung der widersprüchlichen Insekten-
Nachbildung ist nicht bekannt.
Nachbildungen von Dungkäfern
Zahlreiche mehr oder weniger stilisierte Nachbildungen von Dungkäfern wurden im
alten Ägypten aus Speckstein (Steatit), Fayence’, Kalkstein, Glas, Halbedelsteinen und
seltener aus Gold, Silber, Harz und Elfenbein angefertigt sowie vorwiegend während
der Zeitspanne von der Sechsten bis zum Ende der Dreißigsten Dynastie (ca. 2345-343
v. Chr.) getragen. Derartige Dungkäferkopien wurden meist mit einer flach geschliffe-
nen Unterseite versehen, um dort hieroglyphische Inschriften bzw. apotropäische oder
glücksbringende Bildmotive einzugravieren. Die Käfernachahmungen waren entlang
ihrer Längsachse mit einer durchgehenden Bohrung ausgestattet, damit man sie mit
5 Fayence (ägypt. thmt) besteht im wesentlichen aus Kieselsand, der mit Kalk und Natron
versetzt, glasiert und bei hoher Temperatur gebrannt wurde. Dieses Material wurde in
Ägypten schon seit der Prädynastischen Periode (ca. 5500-3100 v. Chr.) zur Anfertigung von
Amuletten und Schmuck benutzt; zur massenhaften Herstellung von Steinskarabäen kam es
jedoch erst während der Achtzehnten Dynastie (ca. 1550-1295 v. Chr.) zur Anwendung.
25
Abb. 7a,b. Insekten-Nachbildung mit paradoxen Merkmalen (Länge ca. 33 mm, Breite ca.
17 mm) aus Goethes Sammlung, die aus glattem schwarz-grünem Stein (höchstwahrscheinlich
Serpentin) hergestellt wurde.
Die Dorsalseite (a) des Steininsekts ähnelt einem länglichen Käfer, der mit zwei glatten Elytren,
einem breiten, einwärts gewölbten Halsschild sowie einer trapezförmigen, augen- und fühler-
losen Kopfkapsel ausgestattet ist. Die Ventralseite (b) weist am Kopf einen zurückgelegten
Stech- und Saugrüssel auf, wie ihn die Schnabelkerfe (Hemiptera) besitzen. Die unproportio-
nierte Ventralseite zeigt drei stark stilisierte Beinpaare. Eine mythische Bedeutung des Phanta-
sie-Insekts ist nicht nachweisbar.
Fotos: Sigrid Geske, mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Weimarer Klassik / Museen.
Schnüren, Ketten oder Ringen verbinden und als schützende Amulette (ägypt. mkt)
oder als Siegelringe (ägypt. htm) am Körper tragen konnte.
Ein Vergleich zwischen der Oberseite einer Nachbildung und der Dorsalseite ähn-
lich aussehender Käfer läßt bereits auf die Familie bzw. Gattung schließen, die dem
Bildhauer als Vorlage gedient hat (vgl. Abb. 8a,c und 9a,b; Levinson & Levinson 1996).
Die beiden aus gelblicher Fayence° nachgebildeten Dungkäfer sind altägyptischer
Herkunft (Schuchardt 1848, Kat. IL, S. 10, Nr. 9a) und stellen stilisierte Kopien eines
heiligen Pillendrehers (Abb. 8a,b; Länge ca. 18 mm, Breite ca. 13mm) der Gattung
Scarabaeus (= Ateuchus) Linne sowie eines nicht-pillendrehenden, männlichen Dungkä-
fers (Abb. 8c,d; Länge ca. 16 mm, Breite ca. 11 mm) der Gattung Catharsius Hope dar.
Die Pillendreherkopie (Abb. 8a,b) hat einen vierzackigen Kopfschild (Clypeus), der
beiderseits von einer vorstehenden Wange (Gena) flankiert und von der schmalen Stirn
(Frons) abgesetzt ist, sowie einen unpunktierten Halsschild (Pronotum) und zwei glatte
Flügeldecken (Elytra) mit je einer Dreieckskerbe, die die Schulterbeulen andeuten soll
26
(Abb. 8a). Aufgrund dieser Merkmale nehmen wir an, daß der im Niltal weitverbreitete
Scarabaeus sacer als Vorbild für die Pillendreherkopie diente (Abb. 9a). Die erheblich
stilisierte Nachbildung eines männlichen Dungkäfers der Gattung Catharsius (Abb. 8c)
ist mit einem konvexen ungezackten Kopfschild, der beiderseits von einer Wange
flankiert ist, einem an der Basis breiten und oben spitzen sowie nach vorn gerichteten
Stirnhorn, einem relativ breiten und glatten Halsschild sowie mit zwei Flügeldecken,
die je eine kleine eingekerbte Schulterbeule haben, ausgestattet. Bei der teils mangelhaf-
ten Nachahmung fehlen u. a. der steil abfallende Vorderteil des Halsschildes sowie die
Längsstreifen an den Flügeldecken (Abb. 9b). Dennoch kann man aufgrund der vorhan-
denen Merkmale annehmen, daß die Kopie eines ebenfalls im Niltal vorkommenden
männlichen Catharsius (Hope) beabsichtigt war.
Die gravierte Unterseite des nachgebildeten Skarabäus (Abb. 8b) zeigt einen kahl-
köpfigen und langarmigen Zwerg (ägypt. nmw, griech. Pataikos), der in Ägypten schon
während der Dritten Zwischenzeit (ca. 1069-747 v. Chr.) als eine Erscheinungsform des
memphitischen Schöpfergottes Ptah galt. Der abgebildete Zwerg steht über dem Hiero-
glyphenzeichen nb, das Herr oder Vorgesetzter bedeutet. Der Name Pataikoi stammt
von dem Geschichtsschreiber Herodotos (484-425 v. Chr.), der über solche Zwerge als
Schutzgötter der seefahrenden Phönizier berichtete. Während der Dritten Zwischenzeit
und der anschließenden Spätzeit (ca. 1069-332 v. Chr.) wurden Figuren männlicher
Zwerge als apotropäische Gottheit dargestellt und besonders in Form von Amuletten
zur Abwehr bösartiger Wesen getragen (Bonnet 1952). Wir können annehmen, daß die
synergistische Schutzwirkung, die man sich durch die Verbindung eines Pataikos mit
einem Skarabäus vorstellte, den Trägern solcher Amulette ein erhöhtes Sicherheitsge-
fühl vermittelte.
Hummel (1980) berichtet über die Unterseite des nachgebildeten Catharsius-Käfers,
daß dort der Name des thebanischen Staatsgottes Amun in zweierlei Schreibarten
eingraviert ist. Man findet den Gottesnamen sowohl in ägyptischer Kursivschrift
(ägypt. Jmn) als auch kryptographisch in Hieroglyphen eingetragen (] + maat + ntrt).
Amun, der bedeutendste Gott im altägyptischen Pantheon, war seit Beginn der Acht-
zehnten Dynastie (ca. 1550-1295 v. Chr.) mit dem Sonnengott Re synkretisch verbun-
den. Figürliche Darstellungen dieses kryptischen Urgottes kamen nur selten an Stein-
skarabäen vor, wogegen der Name Amun häufig an solchen Gemmen als hieroglyphi-
sches Kryptogramm (Text mit verschlüsselter Bedeutung) verzeichnet war (Hornung &
Staehelin 1977). Die große Anzahl der Steinskarabäen mit dem ausgeschriebenen Na-
men Amun (hauptsächlich während des Neuen Reiches sowie der späteren Dynastien)
bekundet, wie verbreitet der Glaube der alten Ägypter an die Schutzkraft von Amulet-
ten war, die als Symbole der Götter Amun und Khepri galten (Abb. 8d).
Man kann die Familie der Scarabaeidae (Lamellicornia) entsprechend der Beschaf-
fungsweise ihrer Nahrung u.a. in Dungkugel-rollende Scarabaeinae und Dung-spei-
chernde Coprinae einteilen. Nachbildungen der Gattungen Gymnopleurus Illiger, Kheper
Janssens, Mnematidium MacLeay und Scarabaeus Linne der Unterfamilie Scarabaeinae
sowie der Gattungen Catharsius Hope, Copris Geoffroy und Heliocopris Hope der Unter-
familie Coprinae wurden als kleine apotropäische Amulette (Länge meist 0,6-2,7 cm)
sowie als Siegelringe getragen. Nachbildungen einiger Arten der Gattungen Scarabaeus
und Kheper dienten auch als Herzskarabäen (Länge meist 5,0-6,0 cm), die die Verstor-
benen vor Verdammung im Totengericht schützen sollten.
Die Dungkäfer gelangten zu ihrer außergewöhnlichen Symbolik aufgrund von sorg-
27
Abb. 8a-d. Stilisierte Nachbildungen von zwei Dungkäfer-Gattungen aus Goethes Sammlung,
in dorsaler (a,c) und ventraler Sicht (b,d).
Die aus gelblicher Fayence hergestellten Dungkäfer-Kopien stellen einen heiligen Pillendreher
der Gattung Scarabaeus Linne (a,b; Länge ca. 18 mm, Breite ca. 13 mm) sowie ein Männchen der
nicht-pillendrehenden Gattung Catharsius Hope (c,d; Länge ca. 16 mm, Breite ca. 11 mm) dar.
Ein vierzackiger Kopfschild, der beiderseits von einer vorstehenden Wange flankiert ist, ein
unpunktierter Halsschild sowie zwei glatte Flügeldecken mit je einer größeren Schulterkerbe
(a) sind charakteristische Merkmale von Scarabaeus sacer (vgl. Abb. 9a), das vermutliche Vorbild
für diese Pillendreher-Kopie. Ein ungezackter Kopfschild, ein an der Basis breites und oben
spitzes (aufrechtes) Stirnhorn, ein breiter und glatter Halsschild sowie zwei Flügeldecken mit
je einer kleinen Schulterkerbe (c) sind Kennzeichen eines männlichen Dungkäfers der Gattung
Catharsius (Abb. 9b).
Auf der flachen Unterseite (b) des Steinskarabäus (a) ist die Reliefdarstellung eines männlichen
Zwergs (ägypt. nmw, griech. Pataikos), der über dem Herrschaftszeichen nb steht, ersichtlich.
Eine zwerghafte Gestalt galt in Ägypten schon seit der Dritten Zwischenzeit (ca. 1069-747 v. Chr.)
als Symbol des memphitischen Schöpfergottes Ptah und wurde häufig als Amulett, besonders
in Verbindung mit einem Steinskarabäus, nachgebildet sowie zum Schutz seines Trägers vor
28
Abb. 9a,b. Zwei vorwiegend im Niltal und in den angrenzenden Wüstenbezirken vorkom-
mende Dungkäfer-Arten.
a. Scarabaeus (= Ateuchus) sacer Linne (Länge ca. 33 mm, Breite ca. 20 mm) ist schwarz mit
schwach gestreiften Flügeldecken sowie einem vierzackigen Kopfschild, der beiderseits von je
einer Wange umgeben ist, und gehört zu den Dungkugel-rollenden Scarabaeinae. b. Der
männliche Catharsius sesostris Waterhouse (= Catharsius pithecius Olivier) (Länge ca. 22 mm,
Breite ca. 13 mm) ist glänzend schwarz mit schwach gestreiften Flügeldecken, vorgewölbtem
zackenlosem Kopfschild, zwei kleinen Höckern auf dem Halsschild sowie einem aufrecht
stehenden Stirnhorn, das dem artgleichen Weibchen fehlt. Diese Art gehört zur Unterfamilie
der Dung-speichernden Coprinae, die niemals Dungkugeln rollen. Im alten Ägypten wurden
während der beiden Millennia von der Sechsten bis zum Ende der Dreißigsten Dynastie (ca.
2345-343 v. Chr.) bedeutend mehr steinerne Nachbildungen von Scarabaeus sacer (a) als von
Catharsius sesostris (b) angefertigt und getragen.
Fotos: Dr. Anna Levinson, Seewiesen, mit freundlicher Genehmigung der Zoologischen Staats-
sammlung München.
bösartigen Wesen getragen. Die flache Unterseite (d) des nachgebildeten Catharsius-Käfers (c)
ist durch den Namen des thebanischen Staatsgottes Amun gekennzeichnet, der in Kursivschrift
sowie als hieroglyphisches Kryptogramm eingraviert ist. Die - besonders während des Neuen
Reiches (ca. 1550-1069 v. Chr.) — zahlreich verwendeten Steinkäfer mit diesem Gottesnamen
zeigen, wie verbreitet der Glaube an die Schutzkraft von Amuletten war, die die Götter Amun-
Re und Khepri gleichzeitig symbolisierten.
Fotos: Sigrid Geske, mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Weimarer Klassik/ Museen.
29
fältiger Beobachtung ihrer Lebensgewohnheiten sowie deren religiöse Assoziation. Die
frühzeitigen Bewohner des Niltals sahen in ihrer ländlichen Umgebung, wie die Scara-
baeinae ihre Dungkugeln formten und eifrig über den Boden wälzten, um sie in einer
Erdaushöhlung als Nahrungsvorrat aufzubewahren. Imagines der Scarabaeinae und
Coprinae, die nach erfolgter Larvalentwicklung und Metamorphose von ihren leerge-
fressenen Brutbirnen (ägypt. nhpw) ausschlüpften und an die Erdoberfläche krochen,
erweckten bei den alten Ägyptern den Eindruck, daß sie zeugungslos sowie unterir-
disch geboren wurden (ägypt. hpr m ta). Die Ikonographie des morgendlichen Sonnen-
gottes (ägypt. Hprj) beruht auf den Erscheinungsbildern der Dungkugel-rollenden
Käfergattungen, die angenommenerweise den Sonnenball (ägypt. Jtn) von der Unter-
welt (ägypt. dwat) heraufholten und über das Himmelsgewölbe (ägypt. aht) rollten. Die
altägyptische Bezeichnung des Dungkäfers hprr ist von dem Verbum hpr (d.h. werden
oder entstehen) abgeleitet, nachdem man den chthonischen Käfer für eine Inkarnation
des “verborgenen” und “von selbst entstandenen” (ägypt. hpr ds f) Schöpfergottes
Atum (ägypt. Jtmw) hielt. Die Vorstellung von diesem “väterlichen Schöpfergott” be-
wirkte wohl auch, daß die Dungkäfer für eingeschlechtlich männlich gehalten wurden.
Demnach galten Dungkugel-rollende sowie Dung-speichernde Gattungen der Blatt-
hornkäfer (Lamellicornia) im alten Ägypten als Symbole der Gottheiten des Sonnenauf-
gangs (ägypt. Hprj) sowie der Weltschöpfung (ägypt. Jtmw). Menschen, die Nachbil-
dungen dieser “heiligen Dungkäfer” an ihrem Körper trugen, waren zeitlebens und
auch nach dem Tod von den genannten Gottheiten beschützt und konnten auf ein
Weiterleben im Jenseits (ägypt. jarw sht) hoffen.
Im alten Ägypten hingen die Menschen an ihrem Leben mit außerordentlicher
Inbrunst. Da ihr sehnlichster Wunsch war, den eigenen Tod zu überwinden, dachten sie
sich mancherlei Zaubermittel und Amulette aus, die sie im diesseitigen wie im jensei-
tigen Leben vor dem Sterben bewahren sollten. Auf diese Weise glaubten sie, dem Tod
widerstehen und im “Schönen Westen” (ägypt. jmnt nfrt) weiterleben zu können (vgl.
Totenbuch, Kap. 83). Goethe hat die altägyptische Vorstellung von der Auferstehung zu
einem verklärten Dasein in seinem Gedichtzyklus “West-östlicher Divan” wieder auf-
gegriffen. So schrieb er in der Ode “Selige Sehnsucht” die Sentenz:
“Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.”
Danksagung
Besonderer Dank gebührt Frau Dipl.-Biol. Gisela Maul und Frau Margarete Oppel, Kustodin-
nen am Goethe-Nationalmuseum in Weimar, die uns die besprochenen Natur- und Kunstob-
jekte Goethes großzügigerweise zur Verfügung gestellt haben. Herrn Dr. Martin Baehr und
Herrn Max Kühbandner, Zoologische Staatssammlung München, sind wir ebenfalls zu vielem
Dank verpflichtet für die Überlassung einiger südamerikanischer Rüsselkäferarten (Entimus
imperialis, Entimus splendidus) sowie nordafrikanischer Dungkäferarten (Scarabaeus sacer, Cathar-
sius sesostris). Frau Dr. Juliane Diller, Zoologische Staatssammlung München, verdanken wir
die Beschaffung schwer zugänglicher Literatur und Frau Dr. Martina Ullmann, Institut für
30
Ägyptologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, danken wir für die Übersetzung
der kryptographischen Inschrift an einem Steinkäfer.
Frau Sigrid Geske, Stiftung Weimarer Klassik/Museen, Weimar, sowie Frau Marianne
Müller, Zoologische Staatssammlung München, haben die fotografischen Aufnahmen angefer-
tigt und der Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, hat die Reproduktionen der Kupferstiche von
Roesel von Rosenhof hergestellt, wofür wir uns herzlich bedanken.
Literatur
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32
SPIXIANA | Supplement 27 | 33-75 | München, 15. 12. 2001 | ISSN 0341-8391 | ISBN 3-931516-98-9
Venerated beetles and their cultural-historical background
in ancient Egypt
Hermann Levinson & Anna Levinson
“Deus sive natura”
B. de Spinoza, 1677
Levinson, H. & A. Levinson (2001): Venerated beetles and their cul-
tural-historical background in ancient Egypt. - Spixiana Suppl. 27: 33-75
The dwellers of ancient Egypt were meticulous observers of animal
and plant life and were particularly impressed by conspicuous animal
genera of their rural environment. The vertebrate and invertebrate an-
imals venerated by them since the Early Dynastic Period (- 3100-
2686 BC)' comprised amphibian, avian, mammalian, reptile as well as
arachnid, chilopod and insect genera. The ancient Egyptians have also
been aware of amphibian and insect metamorphosis and knew the
transformation of the immature into adult stages of frogs, toads, flesh
flies, hide beetles and dung beetles.
The elongate (oval) ankh-beetles? including buprestid, elaterid and
tenebrionid genera were adored from the later Predynastic Period until
the end of the First Intermediate Period (- 3500-2055 BC), while the
roundish kheprer-beetles? including scarabaeine and coprine genera
were venerated from the Sixth Dynasty until the end of the Thirtieth
Dynasty (- 2345-343 BC). The tenebrionids Akis, Blaps and Ocnera were
adored in the form of skeletal cases and worn as apotropaic pendants by
the deceased, while the tenebrionids Scaurus and Tentyria were copied
in semiprecious stone, the elaterid Lanelater, the buprestids Acmaeodera
and Steraspis, the scarabaeine genera Gymnopleurus, Kheper, Mnematid-
ium and Scarabaeus (= Ateuchus) as well as the coprine genera Catharsius,
Copris and Heliocopris were mainly copied in faience, schist, steatite,
various (semi)precious stones, gold and silver and venerated by the
living and the deceased.
1 Dates are based on the chronological table of the British Museum Dictionary of ancient Egypt
n
z
(Shaw & Nicholson 1996).
Hieroglyphic words (mostly in parenthesis) are transliterated by Latin letters in accordance
with the dictionaries of Budge (1978) and Hannig (1995). - ankh (‘nh) = resurrection and
eternal life; kheprer (hprr) = scarab beetle consecrated to the Deity of Sunrise.
33
The iconography of God Khepri was mainly based on the images of
the genera Gymnopleurus, Kheper, Mnematidium and Scarabaeus which
were supposed to roll the sunball from the Underworld upwards and
subsequently accross the sky. God Khepri was identified with the Cre-
ator-God Atum, who was considered to be self-engendered like the
Deity of Sunrise. The latter was also equated with Sun-God Re, because
the presumed sun-circuit was imagined as the dung beetle’s ball being
rolled across the ground to a subterranean cavity, wherefrom eventually
a new-born dung beetle emerged. From the First Intermediate Period
until the end of the Thirtieth Dynasty (- 2181-343 BC) God Khepri was
innumerably represented in the form of stone copies of dungball-rolling
(Scarabaeinae) and dung-collecting beetles (Coprinae), which served as
apotropaic charms and signet rings (length: 0.6-2.7 cm), heart scarabs
protecting the deceased’s heart (length: 3.5-11 cm), funerary scarabs
watching over the vulnerable mummies (length: 2-6 cm), royal medals
commemorating significant events (length: 5-11 cm) as well as votive
monuments set up in sanctuaries (length: 1-1.5 m). Human beings wear-
ing or doing homage to such stone scarabs were permanently linked
with Sun-God Khepri and protected by this Deity. The unusual impact
of the above coleopteran genera on the ancient Egyptian religion is
certainly unique among the cultures of the Old World.
Prof. Dr. Hermann Levinson und Dr. Anna Levinson, Max-Planck-
Institut für Verhaltensphysiologie, D-82319 Seewiesen bei Starnberg,
Germany.
Preface
The present contribution is neither an essay on conventional entomology nor on history
but rather a supplement to both subjects. It is to be hoped that entomologists will enjoy
an assessment of their discipline in view of the fascinating cultural history of coleopter-
an genera being venerated or consecrated by the ancient Egyptians. It is certainly not
an exhaustive study of the subject nor does it claim to answer all queries.
In this treatise we have attempted to describe venerated coleopteran genera and
species being either employed as such or as stone and metal imitations as well as to
comment on their religious and cultural significance in predynastic and dynastic Egypt.
In doing so, we intended to identify the skeletal cases of the elongate dull-grey beetles
discovered in grave 120 at Tarkhan (near the Fayum depression) which originated from
the time of Den, probably fifth King of the First Dynasty (- 2950 BC). We also attempted
to correlate the structural and behavioural characteristics of certain coleopterans with
the adoration rendered to them by the ancient Egyptians. A brief outline of predynastic
and dynastic chronology (Table 3) is included for reasons of clarity.
The skeletal cases of the elongate beetles (Figs 2a-h; UC. 36337) from the above
archaeological site where kindly lent to us by Dr. Rosalind M. Janssen, Curator of the
Petrie Museum of Egyptian Archaeology, University College, London.
34
Introduction
The philosopher F. W. Nietzsche (1844-1900) wrote about 120 years ago that one may
estimate the morality of men on base of their attitude to animals. In his book “Human,
all too human” (1880) he expressed his indignation with the selfish conduct of his
contemporaries towards living beings: “When some animals inflict damage on us, we aim
to destroy them in every possible way and the measures to this end are often very cruel, but when
certain animals are of use to us, we exploit them ...”. Interestingly enough, the ancient
dwellers of the Nile valley had a completely different opinion on this matter and
regarded every animal as a creature of God, whose love and care belonged to all living
beings including the harmful ones. A hymn dedicated to Amun-Re (the Supreme God
of the Egyptian pantheon), originating from the early Eighteenth Dynasty (- 1550-
1352 BC), reveals the ever-recurring act of creation induced by this Deity:
“Hail to you, Amun-Re ...
you are the only one who created all beings,
who gives breath to the unborn in the egg
and nourishes the young serpent,
who provides mosquitoes with all their needs,
who feeds worms and fleas
and supplies food to mice hiding in their niches ...”
(Papyrus de Boulagq 17, translated by Scharff 1922).
Moreover, the religious concept of the early Egyptians regarded animals and man as
natural partners being equally entitled in life and death and rejected the credo of man’s
sovereign rule over the animal kingdom, as outlined in the Bible (Genesis I, 26)°. The
ancient Egyptians also favoured the idea of man’s transfiguration into an animal
(partial or complete) as a means of pluralizing the possibilities of human existence
(Hornung 1967). In view of the great esteem granted to various animals in ancient
Egypt, it is not surprising that several genera of birds, mammals and reptiles as well as
some arachnid, chilopod and insect genera were venerated before the Early Dynastic
Period (- 3100-2686 BC).
In prehistoric time, the Egyptians imagined divine powers to be linked predomi-
nantly to animals and in a smaller degree to plants and inanimate matter, found in their
environment. This was certainly due to an age-long acquaintance of the inhabitants of
the Nile valley with the superiority of animals to man, who was often threatened by
beasts as well as depending upon their availability. Prior to the Neolithic Period (before
5500 BC), the hunter-gatherers probably noticed conspicuous attributes in some ani-
mals and were impressed by their capability to adapt, protect and defend themselves
in dangerous situations. Threatening or colourful appearance, spectacular behaviour,
availability of an armoured body wall, piercing thorns and stings as well as repugnant
and toxic secretions found in certain animals must have evoked cautious attention in
human observers. It is likely that such attributes motivated the early Egyptians to adopt
3 Then God said: “Let us make human beings in our image, after our likeness, to have dominion over
the fish in the sea, the birds of the air, the cattle, all wild animals on land, and everything that creeps
on the earth.” (Genesis I, 26).
35
animal adoration (zoolatry) as a concept. Animals became thus mediators of divine
control and primeval features, symbolizing e.g. procreative capacity by the bull, fertility
by the hippopotamus, maternity by the cow, vigilance by the dog, enduring flight by the
hawk and awareness of death by the jackal. A sacred animal was considered to be the
ba (i.e. psychic force or soul) of a Deity, e.g. a ram, an Apis bull and a crocodile were
respective ba’s of the Gods Amun, Ptah and Sobek. The Egyptians eventually replaced
the animal forms of their Gods by images comprising a human body with the head of
a mammal (e.g. ape, bull, lion, ram), a bird (e.g. hawk, ibis, vulture), an amphibian or
reptile (e.g. frog, crocodile, serpent) or an arthropod (e.g. beetle, milliped, scorpion)
during the Early Dynastic Period. Moreover, the animal and human body parts of
deities were often interchanged. For example, Goddess Hathor was shown either as a
cow, a woman with the head of a cow or as a woman with the ears or horns of a cow
carrying the solar disc on her head, while God Khepri was frequently represented as a
dung beetle moving the sunball (Figs 8c,d, 9) or appearing inside the Solar Disc (Figs
7b,c) or as a dung beetle with (un)folded wings or as a human being carrying a dung
beetle above or instead of his head (Figs 1a,b).
One should recall that the spiritual world of the ancient Egyptians is not immediate-
ly understandable by the man of western civilization. The latter attempts to compre-
hend the universe by reason, logic and analysis which would have been completely
alien to the dwellers of the Nile valley. The ancient Egyptians, Babylonians as well as
the Greeks (to some extent) utilized magical and symbolic images in their way of
thinking. This symbolic evocation was based on the supposed correspondence among
things as well as the relationship between microcosm and macrocosm, being visually
and intuitively understood. The world was certainly a totality for the ancient Egyptian
as it is for us nowadays, and the universe does not provide less enigmas to us than to
the man of ancient time.
It may appear odd to represent for instance the firmament as a cow, the God of
Writing and Knowledge as an ibis or the Morning Sun as a dung beetle, but a people
maintaining a mythical view of the world relies upon an imaginative rather than a
reasonable outlook. Like the Evening Sun setting in the west to renew its cyclical
journey in the morning, the deceased were usually buried in the western part of Egypt,
so that they may gain new life in the realm of the dead. This imaginative outlook
eventually led man towards the divine, the meaning of human existence and to an
attempt to portray this meaning by suitable images. All Egyptian magic was rooted in
the firm belief in a secret force named hekau, which evoked supernatural effects. This
secret force was also an attribute of the Gods and could be effectively employed by the
mortuary priests, who were believed to be capable of exorcising the “powers of death“
and securing a lasting survival of the deceased.
Further amuletic tenebrionids recovered from the First-Dynasty grave 120
at Tarkhan
We have recently reported on an archaic clay jar (UC. 36337; Petrie Museum of Egyptian
Archaeology, London) comprising 116 skeletal cases of Prionotheca coronata Olivier
(Tenebrionidae) as well as 75 smaller skeletal cases of elongate dull-grey beetles discov-
ered in grave nb. 120 at Tarkhan (near the Fayum depression), which was dated to the
36
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Figs 1a,b. Anthropomorphic and zoomorphic versions of God Khepri symbolized by a dung
beetle.
a. Anthropomorphic beetle-headed version of God Khepri, originating from a royal tomb of
the XIX Dynasty (- 1295-1186 BC). Hprj, God of the Rising Sun, is dressed in divine clothing
and seated on a throne decorated by the emblem of united Lower and Upper Egypt. The regalia
displayed by the Deity are the was-sceptre (representing happiness and well-being) in his right
hand, the ankh-sign (promising eternal life) in his left hand, and the nhähä-flail (representing
authority) protruding between his knees. Two adjoining wall paintings in the tomb of Queen
Nefertari reveal the Gods Khepri and the falcon-headed Re-Harakhty with a Sun Disc above his
head (not depicted) as the respective morning and midday images of the Solar Deity rising from
the eastern horizon, passing through the zenith and setting in the western sky. The large wall
painting of God Khepri was found in the antechamber of the rock-hewn tomb of Queen
Nefertari, principal wife of King Rameses II (Usermaatre Setepenre, - 1279-1213 BC), in the
Valley of Queens in western Thebes. The photograph was made by Mr. G. Leichter, Luxor.
b. Hieroglyphic ideograms of some customary versions of Khepri, the Deity of Sunrise, shown
from top to bottom: walking dung beetle, seated God with a dung beetle replacing his head,
flying dung beetle, walking God with a pair of hawk-wings instead of his arms and a dung
beetle replacing his head.
37
c
Figs 2a-h. Dull-grey skeletal cases of certain chthonic tenebrionid species, found in an archaic
clay jar (UC. 36337, Petrie Museum of Egyptian Archaeology, London) which were unearthed
from the First-Dynasty grave nb. 120 at Tarkhan (- 2950 BC).
The depicted beetle carcasses had been skilfully hollowed out by human hand, in order to use
them as apotropaic pendants protecting the deceased in their presumed Underworld (dwat).
Skeletal cases of the following species were found: Akis elevata (Solier), dorsal view of male
(a, -19x9.5 mm) and female (c, -17.5%x8 mm), ventral view of male (b) and female (d).
38
8
Blaps bifurcata (Solier), dorsal (e, -30x 7.5 mm) and ventral view (f). Ocnera (syn. Trachyderma)
hispida (Forskäl), dorsal (g, -16x 11 mm) and ventral view (h). The identification of the tene-
brionid species was confirmed by Dr. Roland Grimm, Stuttgart, and the photographs were
made by Mrs. Marianne Müller, Munich.
39
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40
time of King Den (-2950 BC) of the First Dynasty (Levinson & Levinson 1996). The
skeletal cases of the smaller dull-grey beetles were found to originate from additional
deserticolous tenebrionids (Figs 2a-h), viz. males (Figs 2a,b) and females (Figs 2c,d) of
Akis elevata (Solier 1836), Blaps bifurcata (Solier 1848) (Figs 2e,f) and Ocnera (syn. Trachy-
derma) hispida (Forskäl 1775) (Figs 2g,h). The above species were checked by comparison
with present-day specimens found in the Zoologische Staatssammlung München using
the taxonomic keys and lists of Koch (1935) and Gebien (1937). The identity of those
tenebrionids was confirmed by Dr. Roland Grimm (Stuttgart).
Akis elevata can be readily recognized by the inflected extensions on both sides of the
pronotum and two short inner ribs on the posterior region of the elytra (Figs 2a,c). Male
Akis elevata are provided with a pointed process on both posterior edges of the prono-
tum (Fig. 2a), while the respective processes on the female’s pronotum are relatively
short and blunt (Fig. 2c). Blaps bifurcata reveals the typically oval, elongate body shape
with a truncate pronotum, distinct ribs on the posterior region of the elytra as well as
a mucronate process extending from each elytron. However, these caudal tips were
partly broken off in the fossil specimens (Figs 2e,f). Ocnera hispida is characterized by
elytra which are densely covered with rows of coniform and posteriorly directed
tubercles as well as erect hairs. The latter were largely abraded from the fossil speci-
mens (Fig. 2g). The epipleural margin of the elytra bears three rows of pointed denticles
(Fig. 2h). The depicted beetle cases either comprise pro-, meso- and metathorax, elytra
and abdomen (Figs 2a-f) or consist of meso- and metathorax, elytra and abdomen (Figs
2g,h), revealing a dorsal length and breadth of -19x9.5 mm in male Akis elevata,
-17.5x 8 mm in female Akis elevata, - 30 x 7.5 mm in Blaps bifurcata and - 16x 11 mm in
Ocnera hispida.
The skeletal cases of the above tenebrionid species were found to be densely impreg-
nated with fine sand particles, probably due to sintering in the course of underground
storage for nearly five millennia. They were usually deprived of their head, legs and last
two abdominal sternites (nbs. 4 and 5). The prothorax was frequently cut off from the
beetle carcasses, while the entrails were removed from the skeletal cases (Figs 2c-h).
However, in some specimens of Akis elevata the prothorax and forelegs were left on the
beetle cases (Figs 2a,b). The well-preserved carcasses of those tenebrionids had been
skilfully hollowed out by human hand - 4.9 millennia ago, with the aim of wearing the
(1,2) The Dungball-rollers named Scarabaeinae and the Dung-collectors called Coprinae differ
with regards to their nesting behaviour. (1) Scarabaeinae shape mammalian excrements into
nutritive balls and subsequently roll them to distant underground nests. (2) Coprinae are stock-
ing masses of animal excrements in subterranean burrows which they have dug beneath dung
heaps deposited by pasture animals. (3) Passalacqua (1826). (4) Pendants comprising dummies
made of gold, lapis lazuli, steatite, stoneware or serpentine. (5) Keimer (1931, 1936). (6) Pendants
comprising dummies made of gold, stoneware or steatite. (7) Hendrickx (1996). (8) Schist frag-
ments comprising copies of Lanelater notodonta arıd the evil-averting symbol of Goddess Nei-
th. (9) Emptied beetle cases to be worn on cords. (10) see chapter “Further amuletic tenebrionids
recovered from the I“ Dynasty grave 120 at Tarkhan”. (11) Dummies made of amethyst or
carneol. (12) Frequently made of steatite, faience, alabaster, schist, serpentine or semiprecious
stones, and rarely of gold, silver or bronze. (13) Petrie (1917). (14) Bishara (1978). (15) Scarabaeus
sacer. (16) probably Heliocopris gigas, see chapter “Religious implications of Scarabaeinae and
Coprinae”. (17) probably Heteronychus licas. (18) Prionotheca coronata, Levinson & Levinson
(1996).
41
beetle cases on strings or chains as amulets protecting the deceased in their imaginary
Netherworld (jmnt nfrt)?.
Many deserticolous tenebrionids have a subterranean and cryptic way of life, while
they are well protected against various enemies by their armoured and bulky exoskel-
eton, disgusting taste as well as repulsive and poisonous secretions. It is most likely that
these chthonic and protective attributes motivated the early Egyptians to venerate Akis
elevata, Blaps bifurcata and Ocnera hispida (Figs 2a-h) as well as Prionotheca coronata
(Levinson & Levinson 1996) and to employ them as apotropaic amulets for the deceased.
The tenebrionid species served as funerary emblems in the form of threaded skeletal
beetle cases, while stone dummies of the latter were neither discovered in predynastic
nor in archaic graves. The convenient handling of such armoured and durable beetle
cases rendered the use of stone imitations superfluous. However, stone-made dummies
of other venerated tenebrionids were employed in later time: amethyst- and carneol-
made imitations of Scaurus (Fabricius) and Tentyria (Latreille) originating from the First
Intermediate Period (- 2181-2055 BC) were found by Keimer in 1936 (Tab. 1).
Fragments and stone imitations of jewel beetles (Buprestidae)
The family Buprestidae or jewel beetles comprises most brilliantly coloured insects,
among which many species display an iridescent green or blue splendour. The beetle
fauna of Egypt comprises at least 27 buprestid genera which mainly inhabit the regions
of the Nile Delta, western coast and Sinai peninsula. Bright sunshine usually induces
jewel beetles to spread their wings and to take off. When alarmed, they may drop to the
ground and feign death until the danger has passed. This behaviour could have sug-
gested to the early Egyptians that such buprestid beetles are capable of regaining their
life after death. Their unique green or blue lustre and vigorous flight must have
symbolized life and rebirth, motivating the Egyptians to adore, embalm and copy those
splendid beetles.
Keimer (1931, 1936) recorded representative findings of body parts and stone imita-
tions of buprestids from various archaeological sites and periods. A predynastic neck-
lace comprising interlocked prothoracic segments of iridescent green colour, excised
from Steraspis sqguamosa, was discovered in the necropolis of Armant (- 9 km scuthwest
of Luxor), while a Twelfth-Dynasty necklace composed of threaded fruits and bright
green femora of Steraspis squamosa was found in the burial ground of el-Lisht (- 50 km
south of Cairo). Moreover, one of King Tutankhamun’s (- 1336-1327 BC) throw-sticks
was covered with tree bark and decorated by beautifully iridescent elytra of buprestid
beetles.
Amuletic and decorative stone imitations of Acmaeodera polita Klug (metallic bluish-
green dorsum, - 14x4 mm), Steraspis sguamosa Klug (metallic green dorsum with red
margin, -38x16 mm) and some other buprestids were produced during the later
Predynastic, Protodynastic and Early Dynastic Periods as well as during the Old
Kingdom and First Intermediate Period (i.e. - 3500-2055 BC). Crude buprestid copies
were made of green serpentine and discovered in the cemeteries of Nagada, Abydos
(Upper Egypt) and Tarkhan (near the Fayum depression), while additional copies of
jewel beetles cut in reddish cornelian were unearthed from a cemetery in Abusir el-
Meleq (Lower Egypt). A necklace bearing a life-like copy of Steraspis squamosa (devoid
of legs and antennae) originated from the First Dynasty and was found in Abusir el-
42
Meleg. A First-Dynasty copy of Acmaeodera polita, provided with striate elytra and made
of green faience, was recovered from the burial ground of Abydos, while a necklace
comprising a copy of the same species in dark blue lapis lazuli from the First Interme-
diate Period was found in Girgah (Upper Egypt). Since jewel beetles had first been
embalmed and interred in Thebes (Passalacqua 1826), numerous copies of Buprestidae,
made of green and blue stone, were employed for an amuletic and decorative purpose
throughout the Old Kingdom and First Intermediate Period.
First-Dynasty imitations of a click beetle species (Elateridae) dedicated to Neith,
the bellicose Goddess of Sais
An apotropaic gold-dummy (JE. 35706; Egyptian Museum of Cairo) closely resembling
the click beetle Lanelater (Arnett 1952) notodonta (Latreille 1823) was found in tomb nb.
1532 of the First-Dynasty Cemetery at Nag el-Deir (opposite Girgah) in Upper Egypt
(Keimer 1931, Hendrickx 1996). The dummy (- 63x21 mm) was covered by gold foil,
inlaid by blue paste with the evil-averting symbol of Neith (Belligerent and Mortuary
Goddess) along the median line between the elytra (Fig. 3b); it was originally discov-
ered as two complementary parts at the above archaeological site (Reisner 1908, 1932).
One should recall that the present species name notodonta (i.e. provided with pronotal
teeth, Fig. 3a) was given to this elaterid species by Latreille in 1823, while its previous
generic name Agrypnus (Eschscholtz 1829) was changed to Lanelater by Arnett in 1952
on base of conflicting taxonomic considerations (von Hayek 1973).
Figs 3a-d reveal an oval body shape of both gold-dummy and Lanelater notodonta,
while the two pointed processes on the posterior edges of the click beetle’s pronotum
are not evident on the gold-dummy (Figs 3b,d). The small and almost transverse head,
the stippled pronotum as well as the striate elytra are alike in the click beetle and its
imitation. Moreover, the gold-dummy is provided with a semioval, vertical mesoscutel-
lum being engraved in the centre between the posterior margin of the pronotum and the
inclined border of the elytra (Figs 3a,b). The structures, evident on the ventral side of
the gold-dummy, definitely recall the jumping equipment occurring on the pro- and
mesosternum of Lanelater notodonta (Figs 3c,d). The prosternal peg and the mesosternal
pouch can be clearly seen in the middle of the border line between the prosternum and
mesosternum of the gold-dummy. When the prosternal peg, capable of suddenly
penetrating the mesosternal pouch, is retained by this receptacle, the elaterid is clicking
and leaping upwards from an inverted position (Evans 1972a,b, 1975). The ventrum of
the gold-dummy (Fig. 3d) represents an inverted click beetle in pre-jump position
wherein both forelegs are withdrawn to the prosternum, midlegs retracted to the
mesosternum, hindlegs held tightly on the ventral abdomen and antennae inserted to
the prosternal grooves, while the prosternal peg is retained by the catch of the mesos-
ternal pouch (Figs 3c,d).
The shield-like elytra (protecting the membranous hind wings of the click beetle)
were labelled by the image of two crossed arrows, bound together on the anterior part
of a staff and marked centrally on the collateral fore wings of the gold-dummy (Fig. 3b).
The above cult-sign was considered as a protective emblem of the Warrior-Goddess
Neith from the Protodynastic Period (- 3200-3050 BC) until the end of the Fifth Dynasty
(- 2494-2345 BC; Tab. 1). Moreover, Hendrickx (1996) remarked that Lanelater notodonta
per se served as an emblematic personification of Neith, as evident from a fragmentary
43
Figs 3a-d. Dorsal (a) and ventral view (c) of Lanelater notodonta (Latreille), magnified to the size
of an apotropaic gold imitation (b,d) of this click beetle species.
The gold dummy (length -63 mm) was recovered from a First-Dynasty grave (nb. 1532) at
Naga ed-Deir in Upper Egypt (Keimer 1931, Hendrickx 1996) and is preserved in the Egyptian
Museum of Cairo (JE 35706). The depicted click beetle specimen (length - 32 mm) was collected
in Qaljubija (Delta region) in 1992. The close resemblance between the beetle dummy (b,d) and
Lanelater notodonta (a,c) is obvious, except for the lacking pronotal teeth, its gold surface and
dark blue cult-sign of the Warrior-Goddess Neith. This cult-sign comprises two crossed arrows
being tied up by a ribbon to a staff and is superimposed on the striate dorsum of the beetle
dummy (b). The ventrum of the beetle dummy (d) reveals the retracted antennae and legs as
well as the prosternal peg being held by the catch of the mesosternal pouch. This posture
suggests that the copied click beetle is about to click and to leap (c,d). The photographs were
made by Mrs. Marianne Müller, Munich.
protodynastic plate (E. 578, Musees Royaux d’Art et d’Histoire, Brussels) showing a
life-like relief of the above elaterid species provided with two human arms holding the
divine was-sceptre in each hand. Further evidence for the apotropaic significance of
Lanelater notodonta is provided by a protodynastic relief palette (E. 6261, Musees Royaux
d’Art et d’Histoire, Brussels) revealing two confronted click beetles next to the evil-
averting symbol of Goddess Neith (Hendrickx 1996, Houlihan 1996). The latter consists
of two small, shield-like wing cases of click beetles transfixed by two crossed arrows on
a long staff (cf. Fig. 3b). The same evil-averting symbol of Neith can also be seen on both
tomb stelae of Queen Merneith (probably the fifth Sovereign of the First Dynasty) which
had been found in the Royal Cemetery of Abydos (Emery 1991, Spencer 1993).
The ancient Egyptians were attentive observers of nature and knew the peculiarities
44
of many plant and arthropod species thriving in the Nile valley. Hence, it is conceivable
that they were deeply impressed by the conspicuous behaviour of click beetle species
being capable of leaping without using their legs. The Elateridae of Egypt comprise at
least 11 genera which mainly inhabit the Nile Delta and valley, the western coast and
the Sinai peninsula. When disturbed, the elaterids often drop to the ground and simul-
taneously retract their legs and antennae, in order to evade capture. Having landed
upside down, the click beetles become temporarily immobilized and apparently feign
death (thanatosis). Such quiescent elaterids suddenly produce a click-like sound and a
spectacular jump, whereupon they may reach the ground in upright position and run
off to a safe shelter. This unique behaviour sequence can be regarded as a protective
adaptation of click beetles to their biotope, whereby they will evade risks threatening
their life. On base of the above survival tactics, it is likely that click beetles were
considered sacred to Goddess Neith who protected the ancient provinces of the South-
ern and Northern Shield in the western Nile Delta, where elaterids probably occurred
in abundance.
Chronology of adoring elongate, oval and roundish beetles in ancient Egypt
Tab. 1 provides evidence for the timely employment of venerated beetle genera pertain-
ing to the darkling beetles (Tenebrionidae), jewel beetles (Buprestidae), click beetles
(Elateridae) as well as dungball-rollers (Scarabaeinae) and dung-collectors (Coprinae).
The elongate and leaping click beetles (e.g. Lanelater notodonta Latreille, Figs 3a,c) were
venerated and copied from the Protodynastic Period to the Fifth Dynasty (- 3200-
2345 BC), while the oval and conspicuously coloured jewel beetles (e.g. Acmaeodera
polita Klug, Steraspis sguamosa Klug) were adored and copied from the later Predynastic
Period up to the end of the First Intermediate Period (- 3500-2055 BC). Certain elongate
and sturdy darkling beetles including Akis elevata (Solier), Blaps bifurcata (Solier) and
Ocnera hispida (Forskäl) (Figs 2a-h), were venerated in the form of skeletal cases during
the First Dynasty (- 3100-2890 BC), while other tenebrionid genera, viz. Scaurus (Fabri-
cius) and Tentyria (Latreille), were adored and copied in amethyst and cornelian during
the First Intermediate Period (- 2181-2055 BC). However, an exceptionally roundish
tenebrionid species, Prionotheca coronata (Olivier), was venerated in the form of skeletal
cases during the later Predynastic Period (- 4000-3300 BC) and the First Dynasty
(- 3100-2890 BC). It is likely that Prionotheca coronata, originating from the predynastic
tomb B 17 of Diospolis parva, is one of the earliest coleopteran species venerated in the
funerary cult of prehistoric Egypt (Levinson & Levinson 1996).
Adoration of the above buprestid, elaterid and tenebrionid beetles was gradually
superseded by veneration of the roundish dung beetles, pertaining to the subfamilies
Scarabaeinae and Coprinae (suborder: Lamellicornia), during the Sixth Dynasty and the
First Intermediate Period (- 2345-2055 BC). An elongate, oval beetle was the hiero-
glyphic determinative for a ‘nh (= eternal life) beetle (first recorded in Pyramid Texts
1633 and 2107)‘, while a roundish beetle was the respective determinative for a hprr
4 These early funerary texts were carved on the internal walls of the pyramids belonging to the
last King of the Fifth Dynasty (- 2375-2345 BC) and six Kings of the Sixth Dynasty (- 2345-
2181 BC) at Saqgara (Lower Egypt).
45
Figs 4a-c
46
(= sacred scarab) beetle (first mentioned in Pyramid Texts 366 and 1301)* (Faulkner
1969). Veneration of the elongate, oval beetles (named “nh) was abandoned during the
Eleventh Dynasty and eventually replaced by the roundish dung beetles (named hprr)
which were copied for this purpose from the Eleventh Dynasty (- 2055-1985 BC) up to
the end of the Thirtieth Dynasty (- 380-343 BC).
The following chapters are devoted to the entomological and mythological aspects
of those roundish lamellicorn beetles being either rollers of dungballs (e.g. Gymnopleu-
rus Illiger, Kheper Janssens, Mnematidium MacLeay, Scarabaeus Linne) or collectors of
dungcelods (e.g. Catharsius Hope, Copris Geoffroy, Heliocopris Hope).
Biological and mythological aspects of dungball-rollers (Scarabaeinae)
and dung-collectors (Coprinae)
Human interest in coprophagous lamellicorn beetles can be traced back prior to the time
of the Sixth Dynasty (- 2345-2181 BC). The ancient Egyptians associated dungball-
rolling beetles (Scarabaeinae) with their primeval Sun-God and gave them the name
hprr, i.e. sacred scarab beetle. The common names of the dung beetle in classical
antiquity were Kantharos in ancient Greece (Aristophanes, - 445-385 BC) and Scarabae-
us in ancient Rome (Plinius Secundus, AD 23-79). The Greek word Kantharos was
probably derived from the beetle’s capability to utilize dung of asses as a food source
(Kanthön = ass), while the Latin term Scarabaeus is reflected by an annotation of Plinius
Secundus, viz. “Scarabaeus qui pilas volvit” (a ball-rolling dung beetle).
Figs 4a-c. Dorsal view, colour, size and sexual dimorphism of some dung beetle species
(Scarabaeinae and Coprinae) serving as main prototypes of venerated beetles which were
employed as amulets, stone seals and medals from the Sixth Dynasty until the end of the
Thirtieth Dynasty (- 2345-343 BC).
Subfamily Scarabaeinae: Sc. s. = Scarabaeus (syn. Ateuchus) sacer (Linne): black, subopaque,
-33 x 20 mm; Mn. m. = Mnematidium multidentatum (Klug): black, slightly shining, - 30 x 18 mm;
Kh. ae. = Kheper aegyptiorum (Latreille): copper-red, metallic-green or metallic-blue, - 36 x 22 mm;
Gy. 8. = Gymnopleurus geoffroyi (Fuessly): black, opaque, - 16x9 mm.
Subfamily Coprinae: Ca. s. = Catharsius sesostris (Waterhouse): black, slightly shining, male
-22x13 mm, female -18x 11mm; Co. h. = Copris hispanus (Linne): shining black, male
-26x15 mm, female -22x 11 mm; He.g. = Heliocopris gigas (Linne) syn. Heliocopris isidis (La-
treille): black-brown, shining, lateral reddish hairs, male - 50x29 mm, female - 46 x 26 mm.
The species of the Scarabaeinae hardly reveal external differences between the sexes, while the
horn-bearing species of the Coprinae display a pronounced sexual dimorphism. The head and
prothoracic region of the males and females of certain coprine species is depicted in lateral
view.
a. Heliocopris gigas: Male with two vertical horns projecting from the clypeus, two horizontal
horns laterally protruding from the pronotum as well as a truncate hump extending from the
median pronotum. Female with a three-notched ridge on the head as well as a median
protrusion and two lateral notches emerging from the pronotum.
b. Copris hispanus: Male with a long incurved horn on the head and a long declivity of the
anterior pronotum. Female with a short cephalic horn and a short prothoracic declivity.
c. Catharsius sesostris: Male with an erect cephalic horn, two lateral protrusions on the prono-
tum and a long prothoracic declivity. Female with a short cephalic elevation and a short
prothoracic declivity. The photographs were made by Dr. Anna Levinson, Seewiesen.
47
One of the most significant events in the life of scarab beetles is gathering and storing
of animal dung, which is subsequently utilized as food supporting sexual maturation
of the adults as well as growth and development of the larvae. Since the pulpy excre-
ments of ruminants are quickly drying up under intense insolation, dung beetles have
to locate such droppings soon after defecation by grazing animals. The lamellate
antennal clubs of dung beetles (being provided with numerous olfactory sensilla) are
capable of recognizing dung volatiles (including amines, ammonia, fatty acids, indole,
mercaptans, phenol derivatives, skatol, sulphides and water) among which some com-
ponents will guide the beetles to their rapidly desiccating food. When those beetles are
searching for dung, they hold their antennae aloft with both clubs spread open. The
dung beetles are likely to gain most of their nutrients from the microbial flora (compris-
ing bacteria, fungi, moulds and yeasts) thriving on animal faeces and to a lesser extent
from the dung as such (which is nutritionally inadequate). Some dung beetle species,
belonging to the subfamilies Scarabaeinae’ or dungball-rollers and Coprinae’ or dung-
collectors, which differ with regard to their foraging and nesting behaviour, are depict-
ed in Figs 4a-c. The adults of Scarabaeinae shape recently deposited mammalian excre-
ments into nutritive balls and roll them to distant and self-made underground nests,
while the adults of Coprinae stock masses of mammalian excrements in subterranean
burrows which they dig underneath dung heaps of pasture animals (Figs 5a-e).
Plutarch (AD - 45-120) described the above activities, as understood by the ancient
Egyptians: “The tribe of scarab beetles has no female, but all the males release their sperm into
around mass which they construct, since they are no less occupied in arranging for a food supply
than in preparing a place to rear their young ... they roll up the round pellet of material by
pushing it from the opposite side, just as the sun seems to turn the heavens in the direction
opposite to its own course, which is from east to west.” Horapollo (AD 4" Century) also
reported on the views of the ancient Egyptians (Cory 1840, Boas 1993) concerning the
reproductive behaviour of scarab beetles: “To denote the only begotten, or birth, or a father,
or the world, or a man, they drew a scarab beetle. The only begotten, because this animal is self-
produced and unborn of a female. Its birth only happens in the following way: when the male
wishes to have offspring, he collects some cow dung and forms a small sphere of it, resembling
the shape of the world. The male rolls this dungball by his hindlegs from east to west, while he
faces the east, so as to give it the shape of the world, as the world is born from east to west. Having
dug a cavity in the ground, the scarab beetle buries the dungball in it and leaves it there for 28
days. On the 29th day (when the conjunction of moon and sun as well as the birth of the world
occur) he rolls the dungball into water, whereupon the ball breaks open and a new beetle emerges.
The scarab beetle symbolizes birth for this very reason. It also signifies a father since it is
engendered by a father only and world because its birth occurs in the shape of the world and a
man since females do not exist among those beetles.”
Some of the statements on reproduction of dung beetles made by the above authors
are incorrect from an entomological viewpoint, while they are certainly of mythological
significance. J. H. Fabre (1897, 1899) has proved once for all that the dungballs, being
rolled by male and female Scarabaeus sacer to their underground niches, merely serve as
adult food and never as an oviposition site. In her nest, the mated female transforms
another dungball (usually consisting of goat or sheep excrements) into a pear-shaped
food supply, wherein she deposits a single egg.
5 Taxonomie nomenclature is based on Balthasar (1963) and Janssens (1940a,b).
48
Figs 5a-e. Food acquisition and brood care by dungball-rolling Gymnopleurus Illiger (Scara-
baeinae) and dung-collecting Copris Geoffroy (Coprinae).
a. Freshly deposited dung of herbivorous mammals (usually cow or sheep droppings) is raked
in by the front tibiae of female and male Gymnopleurus spp. (Illiger) and is pulled beneath the
beetle’s ventrum, where the dungball is shaped. The completed dungball (diam. - 18 mm) is
rotated between the claws of both hindlegs, while the beetle is walking on his forelegs in reverse
direction (arrow). Sexually mature males and females often alternate each other in rolling their
dungball to a distant and self-constructed underground nest (modified from Prasse 1957).
b. The female of Gymnopleurus spp. converts the dungball into a pear-shaped substrate (length
- 20 mm) providing shelter and food to the growing offspring. When the hitherto cooperative
male leaves the underground nest, the female will lay a single egg into the apical, porous
chamber of the brood pear and will then also withdraw from the nest.
c. Foraging and reproduction by cooperatively breeding Copris spp. (Geoffroy) are shown in
three successive steps (after Halffter & Matthews 1966). Deeply beneath a dung heap (- 13-
18 cm), the female digs a nesting gallery which merges into a large chamber serving as a dung
store. The male is carrying dung from the heap to the gallery, while the female is gathering this
food in the store.
d. The stored dung is moulded by female and male beetles to yield a fermented dung cake,
which is surrounded by an insulating air layer.
e. The female usually cuts 3-5 similar portions from the above dung cake, shaping them into
ellipsoid brood substrates, each being provided with an apical egg cell. The female is caring for
her offspring (preventing growth of fungi, repairing damaged brood cells) as long as the latter
are immature. The females of both dung beetle genera are exceptional in having one ovary only
and lay very few eggs throughout life. The preadult stages of those genera are accordingly well
protected in their brood chambers.
Brood care by dung beetles mainly depends on a maternal instinct providing the
offspring with an optimal environment, food supply and shelter for preimaginal devel-
opment (cf. Figs 5a-e). The egg is invariably laid into the narrow part of the brood pear,
where the larva successively feeds on the compressed, bacteria-infested dung of the
neck and lumen until it moults to a pupa and later to a pharate scarab beetle. The
preimaginal development of Scarabaeus sacer may require about one month in the warm
desert region (dSrt) adjacent to the Nile valley (kmt), which is in congruence with a
49
respective statement made by Horapollo. Strangely enough, the classical authors failed
to describe the preimaginal stages of Scarabaeinae and Coprinae. Horapollo’s sugges-
tion that eclosion of a dung beetle from its hard cocoon shell is caused by “the father
beetle who throws it into water”, is certainly wrong. In fact, the hard cover of the brood
Table 2. Stone scarabs grouped according to the time of use, engraved base, purpose and
availability in ancient Egypt (1).
Time, -BC Dynasty(ies) Scarab Engravings on base Main use Rate of
length occurrence
in cm
2345-2125 VI*-VII® 0.6-1.3 ornamental design amulet (2) scarce
2055-1550 XI*-XVIIR 1.0-2.2 designs, hieroglyphics adornment (3) frequent
2055-525 XIB-XXVI® 1.3-2.0 royal throne names amulet (2) abundant
2055-1750 XI#-XII® 1.9-2.7 titles and names amulet (2), seal (4) abundant
of officials
1650-1550 XV!-XVII® 1.9-2.7 titles and names amulet (2), seal (4) scarce
of officials
2055-1750 XI®-XIIE 1.0-2.1 figures and names amulet (2) scarce
of Gods
1650-343 XVH-XXXH 1.0-2.1 figures and names amulet (2) frequent
of Gods
1550-343 XVIIP-XXX" 1.1-2.1 blessings and good mascot frequent
wishes
1550-1295 XVII® 5.2-11.0 historical events memorial scarab scarce
1795-1550 XIN®-XVI® 3.5-11.0 Spell 30B of Book heart scarab (5) scarce
of the Dead
1550-343 XVIE-XXx® 3.5-11.0 Spell 30B of Book heart scarab (5) frequent
of the Dead
747-343 XXVEXXXT 5.0-6.0 figures of Osiris, funerary amulet (6) frequent
Isis, Nephtys
664-343 XXVIR-XXX# 2.0-3.0 no engravings funerary amulet (7) frequent
(1) Data based on the works of Petrie (1917), Ward (1978) and Ben-Tor (1989). (2) Protective
objects put on living or dead persons, which were supposed to avert hostile forces. (3) Scarabs
were also employed as personal jewellery. (4) To stamp documents and seal receptacles.
(5) Heart scarabs, usually made of green stone (symbolizing renewed life), were suspended by a
cord from the neck of the deceased during the Judgement of the Dead. A heart scarab was later
attached to the ventral chest in the heart region and held by the wrappings of the mummy. Spell
30B of the Book of the Dead, engraved on the flat underside of the heart scarab, was believed to
prevent the heart from testifying against the deceased, while weighing his heart against the
feather of Goddess Maat. (6) Mostly blue- or green-glazed scarabs with wings, which were
adjusted to the bead net or wrappings of the mummy. (7) Stone scarabs, copied nearly true to
nature, were attached to various regions of the mummy.
50
pear containing the pharate adult is drenched with water, either due to the annual Nile
flood (between July and September) or by occasional rainfall, whereupon the dung
beetle is able to emerge from the softened brood pear.
The religious conception of a dung beetle, e.g. Scarabaeus sacer, Mnematidium multi-
dentatum and Kheper aegyptiorum (Figs 4a-c; Tab. 1), as an embodiment of the Creator-
God Atum (= Jtmw) who merged with the Sun-God Re (=R‘w) during the late Old
Kingdom (- 2345-2181 BC), led to the selection of Khepri (=Hprj) as God of the Rising
Sun. Khepri was often depicted as a scarab beetle with folded wings (Figs 7b, 8c, 9) or
with extended hawk-wings (Fig. 8d), a scarab beetle-headed man (Figs la,b) or aman
with a scarab beetle above his head. This Deity is attested as early as from the Fifth
Dynasty (- 2494-2345 BC) when certain utterances of the Pyramid Texts (e.g. nb. 222 and
606)* invoked the sun to appear in the name of God Khepri. The ancient designation of
a scarab beetle (hprr) was derived from the verb “to be created” or “to come into
existence” (hpr), since the early Egyptians regarded the dung beetle as an incarnation
of the “paternal” Creator-God Atum who was self-engendered like a newly emerged
and quasi self-created scarab beetle. The embodiment of the male Creator-God by the
image of a dung beetle may thus explain, why the ancient Egyptians considered the
dungball-rollers (Scarabaeinae) to be unisexually males. Moreover, male and female
Scarabaeus sacer could not have been readily distinguished unless their tibiae were
carefully examined. A close fringe of dark brown hairs on the fore- and hind tibiae as
well as relatively wide middle tibiae are evident in males of the above species.
Horapollo described three “forms” of dung beetles which were consecrated to
ancient Deities. The first genus, being “cat-like” and provided with six ray-like cephalic
protrusions (as evident in Scarabaeus and Kheper spp.), was dedicated to Khepri, God of
the Rising Sun (cf. Figs 4a-c, 6c). This author also claimed that the genus Scarabaeus has
“30 toes” representing the thirty days of a monthly solar cycle. Since tarsi are lacking in
both forelegs of Scarabaeus spp., the midlegs and hindlegs of the latter merely reveal a
total of 20 tarsal segments. Hence it is likely that Horapollo also counted the 8 notches
and 2 terminal spurs occurring on both forelegs, whereby he attained a total of “thirty
toes”. The second genus being double-horned and “bull-shaped” (as evident in male
Heliocopris gigas Linne, Figs 4a-c) was sacred to Khonsu, God of the Moon, and the third
genus being single-horned and “resembling an ibis” (as evident in male Copris hispanus
Linne, Figs 4a-c) was considered sacred to Thot, God of Writing and Knowledge.
Despite of failing to roll dungballs overground, dung-collecting Coprinae were prima-
rily consecrated to God Khepri (in addition to the above Deities) and were often
reproduced in stone as small scarab dummies as well as monumental votive scarabs
(Tabs 1, 2, Figs 7a,d). It is worth recalling that Coprinae display marked external
differences between male and female beetles, whereas Scarabaeinae hardly reveal a
sexual dimorphism.
Scarabaeinae and Coprinae as models for stone scarabs
Innumerable stone artefacts in the shape of dung beetles, ranging from stylized to life-
like forms, were manufactured and worn in ancient Egypt (Tab. 2) from the beginning
of the Sixth Dynasty until the end of the Thirtieth Dynasty (- 2345-343 BC). Such scarabs
were mostly made of glazed steatite (soapstone) and faience as well as alabaster
Sl
(gypsum), amethyst, feldspar, jasper, cornelian (chalcedony), lapis lazuli, schist, serpen-
tine, and rarely of ivory, resin, bronze, silver and gold. They were usually provided
with a flat underside and a central perforation along the longitudinal axis, in order to
add inscriptions to their base and to put them on threads or mount them as swivels to
metal rings. The earliest stone scarabs were small (length: 0.6-1.3 cm) and engraved by
ornamental designs on their flat underside, had an amuletic purpose and were em-
ployed from the Sixth to the Eighth Dynasties (Ward 1978). As evident from Table 2, the
medium-sized scarabs (length: 1-2.7 cm) were either protective amulets (engraved on
the underside with royal names, divine names and figures as well as good wishes) or
served as stamp seals (engraved on the underside with names and titles of officials)
which were largely employed as signet rings. Other medium-sized scarabs (length: 1.4-
2.2 cm) were decorated by geometrical designs, hieroglyphics, animal and human
figures, and probably had a magical purpose, while the larger-sized and unperforated
scarabs (length: 3.5-11 cm) served as memorial, heart and funerary emblems.
W. M. F. Petrie (1917) was probably the first to notice a pronounced similarity
between stone scarabs and certain beetle genera pertaining to the Scarabaeinae, Copri-
nae and Cetoniinae (Figs 4a-c, Tab. 1). The following characteristics are obvious in stone
imitations of dung beetle genera: Scarabaeus with a serrated clypeus (i.e. four V-shaped
notches surrounded by two genae) on a lunate or merging head, Gymnopleurus with a
bilobed clypeus and a lateral indentation on both elytra, male Catharsius with a smooth
clypeus and an erect cephalic horn on an almost square head, male Copris with asmooth
clypeus and a cephalic horn, male Heliocopris with a smooth clypeus bearing two erect
horns and Hypselogenia with a long rostrum extending from the head. The medium-
sized stone scarabs were mostly copies of the genus Scarabaeus, being amply used from
the Sixth to the Thirtieth Dynasties, while the less frequent mimics of the genera
Catharsius and Copris were in use from the Twelfth to the Sixteenth Dynasties. Stone
imitations of the genus Gymnopleurus were seldomly made and used from the Eight-
eenth Dynasty up to the Twentyfifth Dynasty, whereas copies of the cetoniid Hypselo-
genia were scarcely produced and only used from the Twelfth Dynasty up to the
Eighteenth Dynasty.
It is not surprising that Scarabaeus sacer (Linne) was copied more frequently than
other dungball-rollers, since it was likely to be the most abundant species among the
Scarabaeinae found in ancient Egypt (Alfieri 1976). The nesting habits of Catharsius
sesostris (Waterhouse), Catharsius inermis (Castelnau), Copris hispanus (Linne) and Helio-
Figs 6a-c. Heart scarab as compared to a scarab beetle.
The depicted heart scarab (size - 5.7x4.1x 2.5 cm), carved in grey-green serpentine, probably
originated from the XIXth Dynasty (- 1295-1186 BC) and belonged to a standard-bearer named
Kenro. It has a realistically shaped dorsum comprising a pronotum with many concave dots
and striate elytra (a). The flat base of the heart scarab (b) carries the following hieroglyphic text
partly taken from chapter 30B of the Book of the Dead: “Recitation by Osiris Kenro / O my heart
which I had from my mother! O my heart which I had from my mother! O my heart of my different ages!
Do not stand up as a witness against me / in the presence of the Keeper of the Balance” (Freud Museum,
London; Inventory nb. 4004). Head, pronotum, elytra and forelegs of the stone scarab (a)
resemble the corresponding body parts of Scarabaeus laticollis (Linne) (ec). It is most probable that
this species was utilized as a model for the production of such heart scarabs.
Figs 6a-c
53
copris gigas (Linne) (Coprinae) were definitely less conspicuous than those of Gymnop-
leurus spp. and Scarabaeus spp. (Scarabaeinae), as the former habitually store dung in
subterranean burrows just below mammalian droppings, rather than shaping and
rolling dungballs above ground (Figs 5a-e). However, the males of Coprinae, being
provided with one or two eye-catching cephalic horns (Figs 4a-c), probably motivated
the ancient Egyptians to observe and to copy these peculiar dung beetles. Despite their
relatively small size, Gymnopleurus spp. (Figs 4a-c) were occasionally carved in stone,
since they were eye-catching due to the fact that pairs of male and female beetles roll
their dungballs jointly (Fig. 5a). Bishara (1978) remarked that the genus Hypselogenia
(Burmeister) does not occur in Egypt and could have been mistaken for another cetoniid
species, viz. Oxythyrea noemi (Reiche), which is found in the Arabian desert and the Sinai
peninsula.
Memorial scarabs were produced in order to glorify the names of Kings and Queens
as well as to remember historical events. Such scarabs (length: 5.2-11 cm), issued e.g. by
King Amenhotep III (- 1390-1352 BC), can be grouped according to the events they
commemorate into medals recording his marriage with Queen Tiy, successful bull and
lion hunts, construction of an artificial Jake in western Thebes as well as arrival of a
Mitannian princess to the King’s court. Moreover, the memorial scarabs issued by King
Amenhotep IV (- 1352-1336 BC) were dedicated to the Sun Disc Aten, King Amenhotep
IV and Queen Nefertiti (Budge 1987; Tab. 2).
The memorial scarabs originating from the reign of King Amenhotep III reveal the
dorsal characteristics of Kheper and Scarabaeus spp., including a four-notched clypeus,
bilaterally protruding genae, two eyes on the posterior head capsule, an angular margin
of the posterior pronotum as well as a humeral callosity on each elytron, while other
memorial scarabs issued by Kings Amenhotep III and Amenhotep IV display an unser-
rated clypeus and a curved margin of the posterior pronotum, being characteristic for
female Heliocopris spp. (Coprinae).
Heart scarabs (length: 3.5-11 cm) were usually carved in green stone, e.g. basalt,
feldspar, jasper, phyllite, serpentine (Fig. 6a) and less frequently cut in black stone
including amphibolite, basalt, phyllite and steatite. Selection of the above colours was
based on their symbolic value: green signified renewed vegetation and resurrection,
while black symbolized the Underworld and funerary Deities (Wilkinson 1994). More-
over, the ancient Egyptians preferred green over other colours for heart scarabs, since
a supplement to chapter 30B of the Book of the Dead asked for the use of green nmhf-
stone (probably jade) for the production of such amulets. Heart scarabs are remarkable
for the inscription of the above chapter on their flat underside (Fig. 6b). The text of
chapter 30B of the Book of the Dead, originating from the Papyrus of Ani (BM 10470),
was translated by Faulkner (1985) and runs as follows:
“O my heart which I had from my mother! O my heart which I had from my mother! O my heart
of my different ages! Do not stand up as a witness against me, do not be opposed to me in the
tribunal, do not be hostile to me in the presence of the Keeper of the Balance, for you are my ka
which was in my body, the protector who made my members hale. Go forth to the happy place
whereto we speed; do not make my name stink to the Entourage who make men. Do not tell lies
about me in the presence of the God; it is indeed well that you should hear!”
This spell was supposed to help the deceased during the Judgement of the Dead when
his or her heart was weighed against the feather of Goddess Maat (Deity of Truth and
54
Justice) on the great Balance. When a position of equilibrium was attained between
both, the deceased was granted eternal life (maä-hrw) in the realm of God Osiris. The
deceased was then found worthy of resurrection (“nh), i.e. his heart was equated with
the hearts of Gods Re and Osiris and approved for travelling in the Sun Boat on its
eternal circuit.
Heart scarabs were occasionally employed from the Thirteenth Dynasty up to the
Seventeenth Dynasty (- 1795-1550 BC), while they were more frequently used during
the period ranging from the Eighteenth Dynasty up to the Thirtieth Dynasty (- 1550-
343 BC). Prior to the Eighteenth Dynasty, heart scarabs were usually unframed, where-
as in later time they were often provided with a gold frame and suspended on a cord
(Tab. 2).
The dorsal side of numerous heart scarabs reveals a crescent-like forehead compris-
ing a four-notched clypeus and two laterally protruding genae, two eyes on the poste-
rior head capsule as well as an angular margin of the posterior pronotum and a humeral
callosity on each elytron. An obvious resemblance between stylized heart scarabs and
Scarabaeus sacer (Linne), Scarabaeus cristatus (Fabricius), Scarabaeus gangeticus subspec.
isidis (Castelnau), Scarabaeus puncticollis (Latreille), Scarabaeus sennaariensis (Castelnau)
and Kheper aegyptiorum (Latreille) renders their use as models for the above imitations
most probable. Some of the heart scarabs resembling Scarabaeus laticollis (Linne) were
provided with distinctly striate elytra and were covered either amply or sparsely with
concave dots on the pronotum, recalling this region in Scarabaeus semipunctatus (Fabr-
icius) or Scarabaeus laticollis (Figs 6a-c).
Funerary scarabs, cut in naturalistic (length: mostly 2-3cm) or stylized shape
(length: mostly 5-6 cm) and varying from light green to dark blue in colour, were
usually attached to the surface of the ventral abdomen, chest, neck and hands of human
mummies. Many scarabs of this type were also provided with a pair of feathered (hawk-
like) wings as well as small holes and loops around or under the scarab’s body, so that
the protective amulets could be stiched on the mummy’s wrappings or be incorporated
to the bead net, by which mummies of the Late Period (- 747-332 BC) used to be
enveloped (Tab. 2; Andrews 1994).
The funerary scarabs (with flat base) and naturalistic scarabs (with convex base)
were often imitations of the genera Kheper, Mnematidium and Scarabaeus (Figs 4a-c). The
forelegs, midlegs, hindlegs, prothorax and striate elytra of naturalistic scarabs were
carved almost true to nature. Heart, funerary and naturalistic scarabs were usually
copies of dungball-rollers (Scarabaeinae) and served as symbols of resurrection.
Scarab monuments consecrated to Khepri, God of the Rising Sun
It is likely that every temple in ancient Egypt was originally provided with an oversize
votive scarab on a pedestal, representing the latter as “the primeval mound” or bnbn-
stone® from which the Sun-God emerged, in order to initiate the creation of the universe.
Several gigantic and stylized scarab monuments originating from the New Kingdom
(- 1550-1069 BC), the Late Period (- 747-332 BC) or the Ptolemaic Period (- 332-30 BC)
were discovered in modern time, and some of them are displayed in Figures 7a-d.
6 Corresponding to the ancient Greek term Omphalos.
55
W
| Si |
3
3
Nasen
ee -
Figs 7a-d. Gigantic stone scarabs originating from the New Kingdom, the Late Period or the
Ptolemaic Period.
a. The grey granite monument (height -2m) of King Amenhotep III (Nebmaatre, - 1390-
1352 BC), originally set up on the west bank of the Nile in Thebes, was dedicated to Khepri (God
of the Rising Sun), Re (Sun-God of Midday) and Atum (God of the Setting Sun). An oversized
imitation of a dung beetle (length - 1m) resembling a female Heliocopris (Hope) of the subfamily
Coprinae on top of a plinth was worshipped as an image of the Morning Sun. The front side
of the column depicts, i.a. the winged Sun Disc of Re, Amenhotep III offering wine to Atum as
well as the following inscription: “Nebmaatre is loved by Khepri, who came forth from the earth, while
creating himself”. Photograph taken by Prof. Dr. Jean Capart (1923), by kind permission of the
Fondation Egyptologique Reine Elisabeth, Bruxelles.
b. Part of a lime stone relief (c) resembling an oversize dung beetle carved at the entrance to
the tomb of King Sety I (Menmaatre, - 1294-1279 BC) in western Thebes. The upright scarab
beetle is shaped almost true to nature and is similar to the genera Kheper and Scarabaeus
(Scarabaeinae). Photograph taken by Dr. Kurt Lange (1952).
[@)
c. A drawing of the relief picture evident at the entrance to the tomb of King Sety I in Thebes.
The scarab beetle representing the Morning Image (Hprj) is shown next to the ram-headed
Night Image (Jwf) of the Sun-God (R°w) within the Solar Disc (Jtn), suggesting the daily
reappearance of the sun following its nocturnal journey through the Underworld.
d. A huge simplified imitation of a dung beetle exhibited in the British Museum of London
(Inventory nb. EA 74) was probably copied from a female Heliocopris (Hope) (Coprinae). The
monolithic scarab is made of green granite and rests on an oval plinth, beneath which a square
pedestal with bevelled edges and without an inscription is found. The stone beetle has a length
of -152 cm, a breadth of - 86 cm and a height of - 84 cm. It probably originated from the Saite
Dynasty (- 664-525 BC) or the Ptolemaic Period (- 332-30 BC) and was initially set up in a
temple at Heliopolis (Hall 1913). Photograph taken by Dr. Anna Levinson (1992), by kind
permission of the Department of Egyptian Antiquities, British Museum, London.
57
A columnar monument of grey granite (height -2m) comprising an oversize imitation
of a dung beetle (length - 1 m) which recalls a female of some coprine genus, possibly
Heliocopris (Hope), can be seen on the east bank of the sacred lake in Karnak (Fig. 7a).
The monument was originally set up during the reign of King Amenhotep III (Nebmaa-
tre, - 1390-1352 BC) on the west bank of the Nile in Thebes. The flattened front of the
column reveals the winged Solar Disc of Re (Sun-God at midday) with two suspended
serpents representing the Goddesses Nekhbet and Wadjet, who were supposed to
protect Upper and Lower Egypt, as well as King Amenhotep III kneeling and offering
two pitchers of wine to Atum (God of the Setting Sun) and a supplementary text
confirming that Nebmaatre is loved by Khepri, who created himself and emerged from
the earth. This unique scarab monument was thus dedicated to the three images of the
Heliopolitan Sun-God and was probably set up in an ancient local temple.
A greyish-green granite monument (Fig. 7d) comprising a colossal scarab (length
-1.5 m, breadth - 0.9 m) on the platform of an oval plinth and a bevelled substructure
is preserved in the British Museum of London (EA nb. 74). The monument was brought
from Constantinople, whither it was taken after the Roman occupation of Egypt (Hall
1913) and is supposed to have originated from the Saite Dynasty (- 664-525 BC) or the
Ptolemaic Period (-332-30 BC) and probably served as a votive memorial in some
unknown sanctuary. The stone scarab reveals a smooth lunate clypeus with two lateral
genae, as well as a cephalic elevation and declivity, and may thus be a rather stylized
imitation of a female Heliocopris (Hope) pertaining to the subfamily Coprinae. Moreo-
ver, a huge reddish granite scarab resembling the greyish-green colossal scarab in the
British Museum (cf. Fig. 7d) is found to the east of “Pompey’s Pillar” (erected in honour
of Diocletian, - AD 297) close to the site of the former Ptolemaic temple of Serapis in
Alexandria.
An upright limestone relief depicts an enlarged dung beetle of the genus Scarabaeus
or Kheper being provided with a four-notched clypeus, two lateral genae, toothed front
tibiae as well as a damaged tarsus and a terminal spur extending from each hind tibia
(Figs 7b,c). This remarkably naturalistic imitation is evident at the entrance to the tombs
of King Sety I (Menmaatre, - 1294-1279 BC) and other Kings of the Ramesside Period
(- 1294-1069 BC) in western Thebes (Hornung 1988). The scarab beetle (hprr) assumed
to embody the God of the Morning Sun (Hprj), next to the ram-headed man as God of
the Night Sun (Jwf)’”, are shown within the Solar Disc (Jtn) representing God of the
Daytime Sun (R‘w; Fig. 7c). This relief symbolizes the daily reappearance of the sun
following its supposed nocturnal journey through the Underworld and also suggests a
perpetual motion of the universe. The scarab beetle rolling his dungball was interpreted
by the priests of ancient Heliopolis (jwnw) as a means of propelling the sun across the
sky and as a symbol of the daily regeneration of this celestial body.
The Sun-God of the ancient Egyptians was also imagined as an association of three
major Deities pertaining to the solar orbit, viz. Khepri, God of Sunrise; Re, God of the
Midday Sun; Atum, God of Sunset. It follows that the day and night cycle of the sun
comprised the three phases induced by the above Deities. In this context it is notewor-
thy that the British Museum of London possesses a large relief sculpture (EA nb. 980),
representing a composite Deity (Fig. 10) consisting of a headless scarab beetle (standing
for Khepri), the body and wings of a falcon (signifying Re-Harakhty) and the four-
7 Linked to the Creator-Gods Atum of Heliopolis (jwnw) and Khnum of Elephantine (Abw).
58
horned head of a man provided with an erected genital (symbolizing Atum), which
originated from the Ptolemaic Period (- 332-30 BC). The above icon is certainly an
outstanding example of syncretism, i.e. a process resulting in the fusion of two or more
Deities into a single God, which often recurred in the course of development of the
ancient Egyptian religion.
Religious implications of Scarabaeinae and Coprinae
Among the numerous insect taxa occurring in the Nile valley and its environment,
relatively few coleopteran genera have plaid a unique röle in the religious culture of
ancient Egypt. The dramatic changes in form and behaviour of an enclosed grub
developing into a six-legged and four-winged dung beetle, the particular skill of Scara-
baeinae in shaping and rolling dungballs to feed their adults, and shaping dung pears
to nourish their larvae (Figs 5a,b) as well as the startling cephalic horns of male
Coprinae (Figs 4a-c) certainly aroused the curiosity of the dwellers on the Nile. Since the
early Egyptians observed that dung beetles quasi emerged spontaneously from clods of
dung, it can be understood that they associated these scarab beetles with the process of
creation. The early priests interpreted the above peculiarities and allegorized the dung
beetle as an incarnation of the Deity of Sunrise (Hprj), the Creator of the Universe
(Jtmw) as well as the Protector of the Deceased in their final Judgement (cf. chapter
“Scarabaeinae and Coprinae as models for stone scarabs”). Moreover, the scarab bee-
tle’s hiding his dungball below ground was seen as an allegory of the Solar Disc (Jtn)
setting in the western sky and entering the Underworld (dwat). This conception is
corroborated by God Khepri’s sailing in his Nocturnal Barque (mesktt) following sunset
(Amduat and Book of Gates, first hour; Hornung 1972, 1997).
Notably, some scarabaeid beetles were recognized as divine insect genera, ritually
mummified and buried during the Dynastic and Greco-Roman Periods. The Agricultur-
al Museum at Dokki (Cairo) exhibits specimens of such embalmed scarabaeid species
being interred in crudely carved and decorated coffins of limestone or bronze. The
mummified beetles found in the above museum are female Heliocopris gigas (Coprinae)
and Scarabaeus sacer (Scarabaeinae), while a resin-embalmed specimen of Heteronychus
licas (Dynastinae) is exhibited in the British Museum of London (Bishara 1978).
The Allard Pierson Museum of Amsterdam possesses an embalmed and linen-
wrapped dung beetle mummy (body length -5 cm) resembling the dung-collecting
genus Heliocopris (Hope) (Fig. 8a). Since both clypeal horns and the median pronotal
hump, being characteristic of male Heliocopris gigas (Figs 4a-c), are missing on the
cephalothorax of the above beetle mummy, we may conclude that the latter is a female.
Regrettably, the coffin pertaining to this mummified dung beetle has not been found.
On the other hand, the Vienna Museum of History of Art exhibits a wooden coffin
provided with a convex and dark blue faience lid displaying the copy of a dung beetle
as well as a depression (- 6.8x 4.8x 2.5 cm) in the lower part of the coffin, wherein the
mummified beetle was previously accomodated (Fig. 8b). However, this beetle mummy
had been lost in the course of time. The stylized dung beetle on the coffin lid resembles
Scarabaeus laticollis (Linne) on base of its striate elytra as well as Scarabaeus semipunctatus
(Fabricius) due to its dotted pronotum. This impressive scarab coffin may have originat-
ed from Karnak and the Twentieth Dynasty (- 1186-1069 BC).
59
b
Figs 8a-d. Divinity of certain dung beetles, their significance for the vindication of the deceased
in afterlife and the primeval Scarab-God Khepri emerging from his brood chamber (nwt or
nhpw).
60
=
c. Copy of a stylized Scarabaeus laticollis (cf. Fig. 6c) rolling between his hindlegs a dungball, i.e.
the imaginary Solar Disc of Sun-God Re. The amuletic scarab beetle was supposed to grant
vindication to the deceased at the ceremony of weighing the heart in the Hall of Judgement
before Osiris, God of the Underworld. The deceased is depicted, while revealing a heart amulet
to the Sacred Scarab Beetle behind an offering table. This amulet was an oval heart-like stone
vessel provided with two lateral protrusions and a flat-topped rim. Hieratic funerary papyrus
of Ast-Wert, daughter of Tanahebu. Ptolemaic Period, - 250-150 BC (British Museum, Invento-
ry nb. 10039/3).
d. See page #2.
a. Mummified dung beetle (body length -5 cm) originally embalmed and wrapped in linen,
which is likely to represent a female of Heliocopris (Hope). Provenance and date of the beetle
mummy are unknown (Allard Pierson Museum, Inventory nb. 10186). A considerable part of
the wrappings was lost in the course of time, while uncovered cuticle regions reveal residues
of linen and embalming material. Some body parts including the head capsule and pronotum
appear completely wrapped in linen, whereas the prosternum, abdomen and elytra are scarcely
covered by fabric. Like other venerated animals, specimens of Heliocopris (Hope) were mum-
mified and interred in coffins after death, in order to render “immortality” to these vigorous
and startling dung beetles. The photograph was kindly made available by Dr. Willem M. var
Haarlem, Allard Pierson Museum, Amsterdam.
b. Coffin consisting of a rectangular wooden base (- 15x 11.5x5 cm) and an oval convex lid
(-12.9x9.4x5.5 cm) of dark blue faience, which reveals a stylized dung beetle resembling
Scarabaeus laticollis (Linne) as well as Scarabaeus semipunctatus (Fabricius). The semicircular
silhouette of clypeus and genae and the almost pentagonal dotted pronotum of the faience
beetle are characteristic for Scarabaeus semipunctatus, while the clearly striate elytra of the beetle
imitation are typical for Scarabaeus laticollis. An upper cavity (- 7.4x5.4x3.9cm) and a lower
cavity (-6.83x4.8x2.5 cm) in the coffin’s lid and base (facing each other) were meant to
accomodate the embalmed insect. However, amummified scarab beetle has not been found in
the coffin. A hieroglyphic inscription on the margin of the faience lid mentions name and title
of the donator. Probable origin of the scarab coffin is Karnak, XX'" Dynasty (- 1186-1069 BC).
Photograph and information were kindly made available by Prof. Dr. Helmut Satzinger,
Ägyptisch-Orientalische Sammlung, Kunsthistorisches Museum, Vienna (Inventory nb. 5023).
61
Fig. 8d. Solar resurrection symbolized by the emergence of a scarab beetle with unfolded
wings, from a large dungball (nwt or nhpw). The Funerary Papyrus of Nu (XVII" Dynasty)
records this by the sentence: “I have flown up like the primeval ones, I have become Khepri ...”. As
evident, the scarab beetle is pushing by his forelegs a small solar disc representing the rising
sun. Metamorphosis of a larva to a pupa and subsequently to an adult insect within the nwt or
nhpw is followed by penetration of the former through the hollowed dungball, wing spreading
and flying upwards. — Wall painting in the sarcophagus chamber of King Rameses VI (Neb-
maatre Meryamun, - 1143-1136 BC) in Thebes (Book of the Earth, Part D, 3rd Register, 11th
Scene).
During the Dynastic, Ptolemaic and Roman Periods, the Egyptians regarded death
as a temporary interruption of survival rather than cessation of life; they imagined that
eternal life can be achieved by preventing decay of the deceased’s body following its
ritual mummification, continual supply of food and drink as well as giving piety to the
Gods. The ancient Egyptians believed that a person or an animal consists of a body (ht),
shadow ($wt) and name (rn) as well as three spiritual components, viz. the ba (i.e.
psychic force or soul), the ka (i.e. life-force) and the akh (i.e. blessed dead), which were
indispensable for the existence in afterlife. The akh, resulting from reunification of the
ba with his ka, was considered to be the mode of existence of a deceased man or animal
in the Underworld (dwat). It follows that mummification and burial of the dead dung
beetles provided a “home for their spiritual components” and thus ensured their well-
being in eternity (pr n sbb nhh).
A large scarab beetle rolling by his hindlegs a small dungball (representing the Solar
Disc of Sun-God Re) was believed to ensure the vindication of a deceased person who
62
is kneeling before this scarab beetle and revealing to him a heart amulet consisting of
a stone imitation of the human heart with a flat-topped rim and bilateral protrusions
(recalling blood vessels) (Fig. 8c). In Dynastic Egypt the human heart (haty, jb) was
regarded as a central organ, being the source of intellect, memory and personality.
Chapter 125 of the Book of the Dead shows the scene of weighing the deceased’s heart
(psychostasia) against the feather of Maat (Goddess of Truth and Justice) before Osiris
(God of the Netherworld) and 42 divine judges (cf. Papyrus Ani, BM 10470). The
deceased had to recite the so-called Negative Confession denying the commitment of
major and minor delicts throughout his or her life. When eventually he received a
favourable verdict, the deceased was presented as one “true of voice” (maä-hrw) and
became justified for admission to the Netherworld. A heart scarab, inscribed with
chapter 30B of the Book of the Dead (Figs 6a,b) was placed on the mummy’s chest and
was tightly wrapped within the bandages, in order to prevent the heart from making
any harmful utterance directed against the deceased. Chapter 28 of the Book of the Dead
was supposed to guarantee that the heart will be returned to his owner in the Nether-
world, as written in the Papyrus of Nu (BM 10477/5): “... see this heart of mine, it weeps
in the presence of Osiris and pleads for mercy ...”.
The dungball-rolling Scarabaeinae owe their prominent röle in symbolism to metic-
ulous observation as well as mythical and religious contemplation on these beetles by
the ancient Egyptians. The rolling of perfectly spherical dungballs to distant under-
ground nests, the supposed asexual reproduction (without gametogenesis) of the Scara-
baeinae and their apparent emergence from the earth were closely linked to the concept
of the sun’s circuit and the morning image of the Sun-God rising from the Underworld
(cf. chapter “Biological and mythological aspects of dungball-rollers ...”). The hiero-
glyphic name of the dung beetle was hprr while the corresponding verb “to become or
to come into being” was hpr, which was a key-word for regeneration in ancient Egypt.
The designation of the God of Sunrise was Hprj, whose most important attributes were
(1) paternal self-procreation (hpr ds f), (2) capability of metamorphosis (hprw), (3)
chthonic existence (hpr m ta) as well as (4) flying up to the firmament (hfd r pt s). The
above features, observed in the dungball-rolling Scarabaeinae, were ascribed to the God
of Sunrise by the ancient Egyptians (Assmann 1975).
The Book of the Underworld (Amduat, origin - 1504 BC) and the Book of Gates
(origin - 1323 BC) describe the perilous journey of the Sun-God and his transformations
in the Underworld during the twelve hours of the night (Hornung 1972). The Sun-God
starts his journey at the western horizon by travelling in his Nocturnal Barque (mesktt)
as aram-headed Deity (called Flesh of Re) and standing in a shrine, which is protected
by a serpent. The sixth hour of the night reveals the disintegration and subsequent
regeneration of the Sun-God, the tenth night hour shows him as a revived scarab beetle
holding by his forelegs an oval clod of dung, while the twelfth hour of the night depicts
God Khepri as a new-born scarab beetle, emerging from the Underworld. Eventually he
sails up in his Diurnal Barque (mändt) from the eastern horizon, in order to “shine
between the thighs of Sky-Goddess Nut”.
The nocturnal transformations of the Sun-God recall the metamorphosis of the
immature stages of a dung beetle into a newly ecdysed imago within the concealed and
dark brood chamber (named either nwt or nhpw). The Book of the Earth is depicted by
wall paintings and texts in the mortuary chamber of King Rameses VI (- 1143-1136 BC).
One of the above illustrations shows a scarab beetle holding a small Solar Disc, while
63
penetrating his hollowed brood chamber, followed by spreading his wings and flying
upwards. This drawing was certainly intended to symbolize the matutinal resurrection
of the Solar Disc before entering his daily orbit (Fig. 8d).
An alternative version to the nocturnal journey of the Sun-God through the Under-
world, evident on the ceiling of the cenotaph of King Sety I (- 1294-1279 BC) and the
sarcophagus chamber of King Rameses IV (- 1153-1147 BC), was called the Book of Nut
(Hornung 1997). Goddess Nut, considered to be the personification of the vault of
heaven, was shown as an outstretched woman being arched over the earth and support-
ed by Air-God Shu, while touching the western and eastern horizons by her hands and
feet. She was believed to be the mistress of all celestial bodies, who were presumed to
be her children, “entering her mouth and emerging from her womb”. Nut was also consid-
ered to be the mother of Sun-God Re, whom she swallowed at sunset, passing him
through her body overnight, whereupon he was reborn from her, womb as the beetle-
shaped God Khepri at dawn.
Moreover, the funerary Papyrus of Priestess Anhai (Twentieth Dynasty, - 1150 BC)
depicts an additional version of the Sun-God’s passage from the eastern to the western
sky (Fig. 9). God Nun (personifying the watery chaos) is lifting up the Solar Barque from
the primeval waters, where Creator-God Khepri (i.e. a large scarab beetle accompanied
by seven Deities) is sailing and delivering the rising sun to Sky-Goddess Nut (in upside
down position) being supported by God Osiris, Ruler of the Netherworld (Papyrus
Anhai, BM 10472). The subsequent journey of the Sun-God through the Netherworld
brings about metamorphosis of the ram-headed Nocturnal Sun (Jwf) into a scarab beetle
symbolizing the new-born God Khepri. Life and death are thus reciprocally engen-
dered.
Epilogue
The venerated beetle species pertaining to the Buprestidae, Elateridae, Tenebrionidae
and Scarabaeidae were probably abundant in the ancient Nile valley (kmt) and adjoin-
ing desert region (dSrt). Human observers of those beetles must have been deeply
impressed by their imposing appearance, startling behaviour, protective measures and
safe hiding places. The adored coleopterans can thus be compared to some other
chthonic and aposematic arthropod species, e.g. the arachnid Leiurus quinquestriatus and
the centiped Scolopendra adhaerens which were consecrated to the protective Deities
Selket and Sepa, and recorded for the first time in Pyramid Texts nb. 1375 and 244
(Faulkner 1969). The above invertebrates and their admired attributes may have ap-
peared to the early dwellers of the Nile valley as a microcosmic reflection of the world
around them.
The elongate ‘nh-beetles (including buprestid, elaterid and tenebrionid species)
were adored from the later Predynastic Period up to the end of the First Intermediate
Period (i.e. during - 1.4 millennia), whereas the roundish hprr-beetles (including spe-
cies of Scarabaeinae and Coprinae) were venerated from the Sixth Dynasty until the end
of the Thirtieth Dynasty (i.e. for -2 millennia). The ‘nh-beetles, being the first group of
venerated coleopterans, served as apotropaic charms, while the subsequently adored
hprr-beetles were regarded as a manifestation of Sun-God Khepri rising as the Morning
Sun from the Netherworld, as an image of Creator-God Atum who came into being of
64
himself as well as a symbol of cosmogony (pawtj tawj) and resurrection (“nh). Most of
the “nh- and hprr-species (except for the earlier tenebrionids; Figs 2a-h) were amply
copied and employed as stone or metal amulets, which were applied as a magical means
to protect the living and the dead (mkt).
The principle of metamorphosis (Greek: transformation) was a prevalent component
in the mind of the ancient Egyptians. The hieroglyphic term hprw (conversion) was
probably inspired by knowledge on the transformation of tadpoles into frogs and toads
(Ranidae and Bufonidae), larvae of cyclorrhaphous flies as well as dermestid and
scarabaeid beetles into the corresponding adult insects. The early dwellers of the Nile
valley, known as meticulous observers of their rural environment, must have been
amazed by the conversion of a long-tailed tadpole (legless, two-legged and subsequent-
ly four-legged) into an adult frog. Hence, they wrote hfn by the outlines of atadpole and
qrr by the contours of a frog. Funerary priests had discovered that human mummies
were frequently infested by necrophagous larvae which developed into blowflies (Cal-
liphora spp.) and carrion beetles (Dermestes spp. and Necrobia spp.) in the corpse of the
deceased (Levinson & Levinson 1994). Fully grown larvae of the above genera usually
left the body tissues and penetrated the resinous skin coating of the mummy. The
priests, having observed larvae, pupae and adults of blowflies and carrion beetles being
retained between the mummy’s bandages, concluded the transformation of such larvae
into adult insects (cf. Papyrus de Gizeh nb. 18026; Lieblein 1895). There is no doubt that
the ancient Egyptians knew that a dung beetle larva undergoes metamorphosis (hprw)
by moulting to amummy-like pupa and subsequently to an adult dung beetle within
the oval brood chamber. This assumption is corroborated by the terms nwt and nhpw
(dung-made brood chamber) as well as hprw (transformation) which were currently
used hieroglyphic words. Moreover, the ancient Egyptians saw the eclosion of a dung
beetle from an apparently motionless pupa as a metaphor for resurrection of the dead
(cf. Fig. 8d).
The strongest influence which beetles ever had on man of the Old World occurred
in the culture and religion of ancient Egypt. One can imagine that the pre- and proto-
dynastic dwellers of the Nile valley were often afraid of fatal injury or excessive
suffering, while they longed for protection and safety. Hence, they readily believed that
clicking, leaping, dazzling and startling beetles would help to protect them against
illness and decay, in life and in death (cf. Figs 3a-d). The hieroglyphic term for the
elongate buprestid, elaterid and tenebrionid species (Figs 2a-h, 3a-d) was written by the
contours of a slender beetle and associated with the word for “eternal life” (“nh), while
the corresponding name for the roundish scarabaeidiform species was written by the
outlines of a scarab beetle (Figs 4a-c) whose designation was derived from the word “to
become” (hpr). The early inhabitants of the Nile valley also knew that some roundish
beetles were shaping, rolling and burying their dungballs underground (Figs 5a,b),
from where eventually more dung beetles would appear by crawling out of the same
locality.
The ancient Egyptians imagined their Sun-God as an impressive dung beetle repre-
senting Khepri (God of Sunrise) who lifts up the sunball from the nocturnal firmament
to the diurnal sky (cf. Fig. 9), across which the celestial globe is rolled to the western
horizon by Re-Harachty (God of the Daytime-Sun), whereupon the sunball is lowered
to the nocturnal sky by Atum (God of Sunset), causing the cyclical reoccurrence of
sunrise and sunset (cf. Fig. 7c). The dung beetle became thus a lasting symbol of rebirth
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Fig. 9. Partial aspect of a funerary papyrus of Priestess Anhai from Thebes (XXth Dynasty,
- 1150 BC) revealing the ever-recurring cycle of sunrise and sunset (Britsh Museum, EA 10472).
The primeval Deity Nun is raising from the primordial waters the Diurnal Barque (mändt)
carrying the Sun-God Khepri in the form of a Scarabaeus beetle (accompanied by seven Deities)
who lifts up the morning sun. God Khepri is presenting the large sunball to Sky-Goddess Nut
being suspended upside-down from the firmament and supported by Osiris (ruler of the
Underworld), which symbolizes the reversal of the solar orbit to the nocturnal passage through
the dark Netherworld. In this passage from the western horizon, the Night Bark (mesktt) is
carrying the nocturnal ram-headed Sun-God (Jwf) to the eastern sky to repeat his solar orbit.
66
in the same shape, after death. This may have been the reason for providing the
deceased with sculptured imitations of dung beetles, in order to ensure their “immor-
tality” in afterlife (Figs 6a,b). Stone-made scarab amulets became popular with many
people for almost two millennia and their original task of ensuring rebirth after death
eventually changed to that of a good luck charm. Aelianus (AD - 175-235) and Plutarch
(AD - 45-125) remarked that the Egyptian soldiers used to wear scarab rings and seals,
because they saw the dung beetle as a symbol of manliness and bravery. The warriors
also believed that their scarab amulets will safely protect them against casualties in the
battle-field and, if necessary, ensure their resurrection in the life to come.
The religion of the ancient Egyptians gradually declined during the Roman Period
(30 BC-AD 395), while the symbolism of the sacred dung beetle survived in a different
form. Christianization of ancient Egypt was completed during the 3rd Postchristian
Century, when the hieroglyphic script had been replaced by Greek writing. The initial
conception of presenting the sacred dung beetle as a parentless, “only begotten crea-
ture” appealed to some Christian Fathers, and the Bishop of Milan Ambrosius (AD 339-
397) likened Jesus Christ to a “bonus scarabaeus” (Expositio Evangelii secundum Lu-
cam X, 113). This parable is based on the suggestion that both Christ and the scarab
beetle had achieved marvellous creations due to employing used-up material. Howev-
er, another Christian Father, Hieronymus (AD 347-420), interpreted the above subject
in a different manner and rejected the idea of equating Christ to a dung beetle on base
of ethical considerations (Dölger 1930). Moreover, the mythos of ancient Egypt had an
inspiring and lasting influence on the culture and religion of classical antiquity.
Zusammenfassung:
Kulturgeschichtliche Bedeutung der heiligen Käfer in Altägypten
a. Tierverehrung als religiöse Vorstellung
In den vorhergehenden Kapiteln haben wir versucht, die Kulturgeschichte der heiligen
Käfergattungen vergleichend darzustellen sowie deren strukturelle und verhaltensmä-
ßige Besonderheiten mit den zoolatrischen (tierverehrenden) und religiösen Bräuchen
der Bewohner Altägyptens während prädynastischer und pharaonischer Zeit in Wech-
selbeziehung zu bringen. Die von den vorzeitigen Ägyptern ausgeübte Zoolatrie ergab
sich höchstwahrscheinlich aus der gottähnlichen Verehrung verschiedener Tiergattun-
gen, die durch eindrucksvolle Merkmale und Eigenschaften besonders auffielen, z.B.
ein bedrohliches oder farbenprächtiges Erscheinungsbild, gepanzerte Körperdecke,
widerwärtige bzw. toxische Körperausscheidungen oder andere bewundernswerte
Kennzeichen. Die frühdynastischen Bewohner des Niltals (kmt) und der benachbarten
Wüstenregion (dSrt) sahen in den harmlosen sowie schädlichen Lebewesen ihrer Um-
welt ausschließlich Geschöpfe Gottes, die sie für gleichwertige und gleichberechtigte
Gefährten des Menschen in Leben und Tod hielten. Seit archaischer Zeit (- 3100-
2868 v. Chr.) verehrten die Ägypter verschiedene Wirbeltier-Gattungen, die zu den
Amphibien, Reptilien, Säugetieren und Vögeln gehören, sowie manche wirbellose, zu
den Arachnida, Chilopoda und Insecta gehörende Gattungen.
Die heiligen Tiere wurden meist durch ein religiöses Tabu-Gebot vor Verletzung
beschützt, als ba oder Seele der Gottheiten verehrt und als steinerne Nachbildungen in
besonderen Kulttempeln aufgestellt und göttlich angebetet. Die heiligen Tiere, ein-
67
294]
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Fig. 10. Composite Solar Deity consisting of Gods Khepri, Re-Harakhty and Atum.
A partly damaged relief sculpture reveals a composite Deity comprising a four-horned head
with adjacent neck and a protruding phallus of aman representing God Atum, the pronotum,
three pairs of legs and both elytra of a headless scarab beetle embodying God Khepri as well
as the body and wings of a falcon representing God Re-Harakhty. Gods Atum (imagined as
Evening and Night Sun), Re-Harakhty (envisaged as Midday Sun) and Khepri (visualized as
Morning Sun) were syncretized to represent a uniform Deity of the solar orbit. The depicted
icon (- 36x23 cm) is originating from the Ptolemaic Period (- 332-30 BC) and is preserved in
the stores of the British Museum in London (EA nb. 980). Syncretism, a process by which two
or more Gods were fused into a single idolized Deity, was an often recurring aspect of the
ancient Egyptian religion. Photograph taken by Dr. Anna Levinson, Seewiesen, by kind permis-
sion of the Department of Egyptian Antiquities, British Museum of London.
68
schließlich der Dungkugel-rollenden Gattung Scarabaeus (= Ateuchus) (Linne) sowie der
Dung-speichernden Gattung Heliocopris (Hope) wurden nach ihrem Tod, entsprechend
dem rituellen Brauch, einbalsamiert und als Mumien in Särgen beerdigt.
b. Zeitfolge der verehrten Buprestidae, Elateridae, Tenebrionidae und Scarabaeidae
Die in Altägypten gottähnlich oder göttlich verehrten Coleoptera lassen sich entspre-
chend ihrer Körperform in längliche bzw. ovale sowie rundliche Käfer einteilen. Die
länglichen Käfergattungen, die als ‘nh (d.h. Auferstehung bzw. ewiges Leben) bezeich-
net wurden, beinhalten die Prachtkäfer Acmaeodera polita (Klug) und Steraspis sguamosa
(Klug), den Schnellkäfer Lanelater notodonta (Latreille) (Abb. 3a-d) sowie die Schwarz-
käfer Akis elevata (Solier), Blaps bifurcata (Solier) und Ocnera (=Trachyderma) hispida
(Forskäl) (Abb. 2a-h). Die alten Ägypter huldigten diesen Käfern von der späten Prädy-
nastischen Periode bis zum Ende der Ersten Zwischenzeit (- 3500-2055 v. Chr.), d.h.
während etwa 1,4 Millennia. Die rundlichen Käfergattungen, die hprr (d.h. Heilige
Dungkäfer) genannt wurden, enthielten die Dungkugel-rollenden Gymnopleurus (Ili-
ger), Kheper (Janssens), Mnematidium (MacLeay) und Scarabaeus (Linne) sowie die Dung-
speichernden Catharsius (Hope), Copris (Geoffroy) und Heliocopris (Hope) (Abb. 1a,b,
4a-c, 5a-e, 6a-c, 7a-d, 8a-d, 9); die Ägypter verehrten diese Dungkäfer göttlich von der
Zeit der Sechsten bis zum Ende der Dreißigsten Dynastie (- 2345-343 v. Chr.), d.h.
während etwa zwei Millennia. Die ausnahmsweise rundliche Tenebrioniden-Gattung
Prionotheca (Solier) enthielt wohl erstmals heilig verehrte Käferarten, die während der
Prädynastischen Periode bis zum Ende der Ersten Dynastie (- 4000-2890 v. Chr.) den
Verstorbenen als schützende Beigabe in ihre Gräber mitgegeben wurden.
Die Schwarzkäfer-Gattungen Akis (Herbst), Blaps (Motschulsky) und Ocnera (Fi-
scher) wurden lediglich als Körperhüllen - bestehend aus Meso- und Metathorax nebst
Elytren und Abdomen, wovon die beiden letzten Sternite abgeschnitten sowie Kopf,
Prothorax und sämtliche Beine entfernt wurden (Abb. 2a-h) - verehrt und den Verstor-
benen als apotropäische Anhänger während der Ersten Dynastie (- 3100-2890 v. Chr.)
in die Gräber mitgegeben. Andere Schwarzkäfer-Gattungen, und zwar Scaurus (Fabri-
cius) sowie Tentyria (Latreille), wurden während der Ersten Zwischenzeit (- 2181-
2055 v. Chr.) verehrt sowie in Amethyst oder Karneol nachgebildet. Die ebenfalls ver-
ehrten Gattungen der Prachtkäfer (Buprestidae), Schnellkäfer (Elateridae) und Blatt-
hornkäfer (Scarabaeinae und Coprinae) wurden vorwiegend in Fayence, Halbedelstein,
Schiefer, Steatit sowie in Silber und Gold nachgeformt.
Die Schnellkäferart Lanelater notodonta (Abb. 3a-d) wurde der Kriegsgöttin Neith aus
Sais geweiht und ab der Protodynastischen Periode bis zum Ende der Fünften Dynastie
(- 3200-2345 v. Chr.) göttlich verehrt, wogegen die Dungkugel-rollenden Scarabaeinae
sowie die Dung-speichernden Coprinae (Abb. 4a-c, 5a-e) von der Zeit der Sechsten
Dynastie bis zum Ende der Dreißigsten Dynastie (- 2345-343 v. Chr.) als Offenbarung
des Morgensonnengottes Khepri (Hprj) sowie des Schöpfergottes Atum (Jtmw), die die
Auferstehung und Welterschaffung symbolisierten, galten.
c. Nachahmung geheiligter, länglicher und rundlicher Käfergattungen
Bei der Nachbildung von Gattungen der Buprestidae, Elateridae und Scarabaeidae
haben die altägyptischen Bildhauer besonders auffällige Merkmale sorgfältig ausgear-
beitet, z.B. den kleinen querliegenden Kopf, den gepunkteten Halsschild (Pronotum),
69
das ovale Mesoscutellum, die gerieften Flügeldecken, den prosternalen Fortsatz und
die entsprechende mesosternale Scheide an der Attrappe von Lanelater notodonta (Abb.
3a-d) sowie die ovale und grünblaue Körperoberfläche, fast rechteckige Kopfkapsel mit
den beiden großen Augen und dem großen Halsschild an den Attrappen von Steraspis
squamosa (Klug). Die Nachahmungen von Dungkäfern (Scarabaeinae und Coprinae)
weisen hauptsächlich folgende Eigenheiten auf: einen halbmondförmigen bzw. über-
gangslosen Kopf, dessen Kopfschild (Clypeus) vier aneinander grenzende und spitze
Zacken trägt, die beiderseits von einer vorstehenden Wange (Gena) flankiert sind, eine
winkelförmige Halsschildbasis und zumeist einen Schulterstreifen (humeral callosity)
an jeder Flügeldecke der Nachbildungen von Kheper und Scarabaeus (Abb. 6a, 7b), einen
zweilappigen ungezackten Kopfschild sowie je eine Einkerbung am oberen Seitenrand
beider Flügeldecken der Kopien von Gymnopleurus, einen glattrandigen Kopfschild
sowie ein aufrecht stehendes Horn an der nahezu viereckigen Kopfkapsel der Nachah-
mungen von männlichen Catharsius, einen glattrandigen Kopfschild und ein rückwärts
gebogenes Kopfhorn an den Nachbildungen von männlichen Copris sowie einen glat-
trandigen Kopfschild nebst zwei aufrecht stehenden Kopfhörnern an den Nachahmun-
gen von männlichen Heliocopris (Abb. 4a-c). Es ist bemerkenswert, dass Käfergattungen
mit gezacktem Kopfschild (Scarabaeinae) viel häufiger als Käfergattungen mit glattran-
digem Kopfschild (Coprinae) nachgebildet wurden.
Körperhüllen der Tenebrioniden-Gattungen Akis, Blaps, Ocnera und Prionotheca so-
wie Nachbildungen von Scaurus und Tentyria, Nachahmungen der Prachtkäfer-Gattun-
gen Acmaeodera und Steraspis sowie Kopien der Schnellkäfer-Gattung Lanelater dienten
als Unheil abwehrende Zaubermittel (mkt), die ihre Träger und besonders deren mu-
mifizierte Körper vor jeglichen Gefahren und Krisen behüten sollten. Unzählige Nach-
ahmungen von Dungkäfern (Scarabaeinae und Coprinae) aus mineralischen, metalli-
schen und organischen Rohstoffen — meistens aus glasiertem Steatit (Speckstein) und
Fayence sowie Alabaster, Amethyst, Feldspat, Jaspis, Karneol, Lapislazuli, Schiefer und
Serpentin sowie seltener aus Bronze, Elfenbein, Harz, Gold und Silber - wurden wäh-
rend des Zeitraumes von der Sechsten Dynastie bis zum Ende der Dreißigsten Dynastie
(- 2345-343 v. Chr.) hergestellt und getragen. Derartige Dungkäfer-Kopien wurden
zumeist mit einer flach geschliffenen Unterseite versehen, um dort Inschriften oder
Zeichnungen einzugravieren. Die nachgeahmten Käfer wurden entlang ihrer Längsach-
se mit einer durchgehenden Bohrung versehen, damit man sie an Schnüren oder Ketten
aufhängen bzw. mit Metallringen verbinden konnte.
Nachbildungen der Dungkugel-rollenden Gattungen Gymnopleurus, Kheper, Mnema-
tidium und Scarabaeus sowie der Dung-speichernden Gattungen Catharsius, Copris und
Heliocopris (Länge: 0,6-2,7 cm) wurden als schützende Amulette (mkt) sowie Siegelringe
(htm) getragen (Tab. 1,2). Die größeren Nachahmungen der Scarabaeus-Arten, z.B.
cristatus, gangeticus, laticollis, puncticollis, sacer und semipunctatus sowie Kheper aegyp-
tiorum (Länge: 3,5-11 cm), dienten vorwiegend als Herzskarabäen, die die Verstorbenen
vor Verdammung im Totengericht beschützen sollten (Abb. 6a-c, Tab. 2). Grüne oder
blaue Steinnachbildungen der Gattungen Kheper, Mnematidium und Scarabaeus wurden
häufig mit geschlossenen bzw. gespreizten Flügeln entweder stilgerecht (Länge meist
5-6 cm) oder fast naturgetreu (Länge meist 2-3 cm) hergestellt und den mumifizierten
Verstorbenen als schützende Amulette beigegeben. Die annähernd naturgetreu geform-
ten Dungkäfer-Kopien hatten wirklichkeitsnah gemeißelte Körper und Beine, womit
die Absicht des Bildhauers, die heiligen Skarabäuskäfer (hprr) als Auferstehungssym-
70
bol (“nh, nkaka) darzustellen, ersichtlich ist. Andere stilisierte Nachbildungen von
Kheper, Scarabaeus sowie weiblichen Heliocopris wurden als königliche Medaillen (Länge
meist 5-11 cm) zur Erinnerung an besondere Ereignisse hergestellt (Tab. 2) sowie als
übergroße Votivdenkmäler (Länge - 100-150 cm) in den Kulttempeln aufgestellt (Abb.
7a,d).
d. Dungkugel-rollende und Dung-speichernde Blatthornkäfer, die die Gottheiten
des Sonnenaufgangs, der Welterschaffung und der Auferstehung verkörpern
Im alten Ägypten nannte man sie hprr oder Heilige Dungkäfer; der diesbezügliche
Name in Altgriechenland war kantharos, d.h. Eselsdungkäfer, während die entspre-
chende Bezeichnung im alten Rom “scarabaeus qui pilas volvit” oder Kugel-rollender
Dungkäfer lautete. Die Wahl eines Dungkäfers (Scarabaeinae sowie Coprinae) zum
Sinnbild von mindestens zwei Erscheinungsformen des Sonnengottes beweist die
Wahrnehmungsfähigkeit der frühzeitigen Bewohner Ägyptens von den Eigentümlich-
keiten gewisser Käfergattungen des Niltals und der benachbarten Wüste sowie die
Vorstellungsgabe der Beobachter bei ihren Bestrebungen, das Universum zu verstehen.
Die Ikonographie Khepris, Gott des Sonnenaufgangs, basierte vorwiegend auf den
Erscheinungsbildern der Dungkugel-rollenden Käfergattungen Gymnopleurus, Kheper,
Mnematidium und Scarabaeus, die angenommenerweise den Sonnenball (Jtn) von der
Unterwelt (dwat) aufwärts und danach über das Himmelszelt rollten (Abb. 9). Die
frühzeitigen Bewohner des Niltals sahen in ihrer ländlichen Umgebung, wie die Dung-
käfer ihre Kugeln formten und eifrig über den Boden rollten, um sie dann in eine
Erdaushöhlung zu versenken (Abb. 5a,b); schließlich erklärten die Ägypter den Tages-
und Nachtkreislauf des Sonnengestirns aufgrund der oben genannten Erkenntnisse.
Bekanntlicherweise waren die frühzeitigen Bewohner des Niltals genaue Naturbe-
obachter und wussten auch von der Metamorphose (griech. Formveränderung) der
Kerbtiere und Lurche, einem augenfälligen Entwicklungsvorgang, den sie hprw nann-
ten. Zweifellos kannten die altägyptischen Priester die eindrucksvolle Verwandlung
der rudimentären Jugendformen in die geschlechtsreifen Imaginalstadien der Frösche
(Ranidae), Kröten (Bufonidae), Dungkäfer (Scarabaeidae), Schmeißfliegen (Calliphori-
dae) sowie der Speckkäfer (Dermestidae) und übernahmen das Gedankengut der Um-
formung in ihre religiösen Vorstellungen.
Dungkäfer, die von ihren ausgehöhlten und benetzten Brutbirnen (genannt nhpw)
ausschlüpften und an die Erdoberfläche gelangten, erweckten den Eindruck einer
unterirdischen Selbstzeugung (hpr ds f). Die diesen Vorgang beobachtenden Ägypter
sahen deshalb die Dungkäfer als Inkarnation des Gottes Khepri, d.h. “dessen, der von
sich selbst entstand” (Abb. 8d). Früheste Aufzeichnungen, die sich auf Khepri als Gott
der Morgensonne beziehen, stammen aus den Pyramidentexten der Fünften Dynastie
(- 2494-2345 v. Chr.), deren Sprüche 222 und 606 das tägliche Erscheinen des Sonnen-
balles im Namen des Gottes Khepri bezeugen. Diese Gottheit wurde ursprünglich mit
dem Schöpfergott Atum gleichgesetzt, da dieser ebenso wie Gott Khepri, “von sich
selbst entstand” und mit dem Sonnengott Re verglichen wurde, nachdem die Vorstel-
lung vom Tages- und Nachtkreislauf der Sonne auf dem oberirdischen Rollen der Kugel
eines Dungkäfers sowie der unterirdischen Aufbewahrung der Dungkugel beruhte
(Abb. 5a,b).
Seit der Ersten Zwischenzeit bis zum Ende der Dreißigsten Dynastie (-2181-
343 v. Chr.) wurde Khepri, Gott der aufgehenden Sonne, unzählige Male als kleine
71
Steinnachbildungen von Dungkugel-rollenden sowie Dung-speichernden Blatthornkä-
fern dargestellt (Abb. 4a-c, Tab. 1, 2). Menschen, die derartige Dungkäfer-Kopien an
ihrem Körper trugen, waren zeitlebens und noch im Tode mit Khepri verbunden sowie
von dieser Gottheit beschützt.
Table 3. Brief chronology of ancient Egypt (1).
Period Time, -BC (2) Dynasties (3)
Palaeolithic 500 000-5500
Predynastic:
Badarian 5500-4000
Amratian (Nagada I) 4000-3500
Gerzean (Naqgada II) 3500-3100
Protodynastic (Nagada Ill) 3200-3050
Early Dynastic 3100-2686 It-II«
Old Kingdom 2686-2181 IrZvS
First Intermediate 2181-2055 VII®-XI" (partly)
Middle Kingdom 2055-1650 XI-XIV$
Second Intermediate 1650-1550 XVA-XVII
New Kingdom 1550-1069 XVIIR-XX"
Third Intermediate 1069-747 XXTE-XXTIV"
Late 747-332 XXVE-XXXT*
Ptolemaic 332-30
Roman 30-AD 395
(1) Modified from Shaw and Nicholson (1996). (2) Dates prior to 747 BC are approximate. (3)
Royalties mentioned in this treatise include: Merneith, Den (I* Dyn.), Unas (V'" Dyn.), Teti,
Userkara, Pepi I, Merenra, Pepi II, Nitigret (VI" Dyn.), Tutankhamun, Amenhotep II, Amenhotep
IV (XVII Dyn.), Sety I, Rameses Il, Nefertari (XIX Dyn.), Rameses III - Rameses XI (XX" Dyn.).
Acknowledgements
This investigation could not have been completed without the considerable support rendered
by several colleagues working in museums and research institutes. The authors wish to express
their sincere gratitude to Dr. Rosalind M. Janssen, Curator of the Petrie Museum of Egyptian
Archaeology, University College London, for kindly making available the archaic beetle cases
of tomb 120 in Tarkhan (UC. nb. 36337) employed in this research. They are also indebted to
Dr. Roland Grimm, Landesfischereiverband Baden-Württemberg, Stuttgart, for his kind help in
the identification of the tenebrionid species from the above archaeological site.
The authors are most grateful to Dr. Alan Jeffrey Spencer, Department of Egyptian Antig-
uities, British Museum London, for permission to photograph the huge granite imitation of a
coprine dung beetle (Fig. 7d) and the relief sculpture of a composite Solar Deity (Fig. 10), to Prof.
PL
Dr. Luc Limme and Dr. Patrick de Smet, Koniklijke Musea voor Kunst en Geschiedenis,
Brussels, for a photograph of the colossal scarab monument at Karnak (Fig. 7a) as well as to Dr.
Stan Hendrickx, of the above Museum, for the stimulating discussion concerning venerated
click beetles.
Sincere thanks are due to Prof. Dr. Helmut Satzinger, Ägyptisch-Orientalische Sammlung,
Kunsthistorisches Museum, Vienna, for a photograph of the faience coffin depicting a stylized
imitation of Scarabaeus laticollis (Fig. 8b) as well as to Dr. Willem M. van Haarlem, Allard Pierson
Museum, Amsterdam, for a photograph of the mummified dung beetle resembling Heliocopris
gigas (Fig. 8a).
Permission to use the comprehensive collections of Buprestidae, Elateridae, Scarabaeidae
and Tenebrionidae as well as the excellent library facilities of the Zoologische Staatssammlung
München (ZSM) is gratefully acknowledged. Sincere thanks are due to Dr. Martin Baehr and
Mr. Max Kühbandner for reference specimens of several buprestids, elaterids, scarabaeids and
tenebrionids as well as useful hints, to Dr. Juliane Diller and Mrs. Annemarie Reiss for kindly
procuring inaccessible literature, and to Mrs. Marianne Müller for preparation of the photo-
graphs included in Figs 2a-h and 3a-d.
Translation of some parts of the hieratic Papyrus of Giza nb. 18026 by Dr. Martina Ullmann,
Institut für Ägyptologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, is gratefully acknowl-
edged. Dr. Theo Weber, Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Seewiesen, has kindly
reproduced Figures la,b, 4a-c, 5a-e, 9 and 10.
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SPIXIANA | Supplement 27 | 77-106 | München, 15. 12. 2001
ISSN 0341-8391 | ISBN 3-931516-98-9
Die Anfänge der Schädlingsabwehr
im orientalischen Altertum
Hermann Levinson & Anna Levinson
»Nihil est enim simul et inventum et perfectum«
M. T. Cicero, Brutus 71
Levinson, H. & A. Levinson (2001): The beginnings of pest control in
the ancient Orient. — Spixiana Suppl. 27: 77-106
Evidence of pest calamities in the ancient Orient comes from the Old
Testament of the Bible (written 10'-6'" Pre-Christian Century) and early
Assyrian records (dated 8"-7"' Pre-Christian Century). These plagues
being caused by potential disease vectors including head and body lice
(Figs 1a-d, 2a-c), itch mites, biting flies and mosquitoes, were mentioned
in the book of Exodus (8, 12-15, 16-28) and probably occurred in the 13"
Century BC, while the calamities resulting from devastating swarms of
the desert locust (Figs 3a,b, 4) were described in the books of Exodus (10,
1-20) and Joel (1, 2-12) and probably occurred in the 13'" and 8'" Pre-
Christian Centuries, respectively. During the above period of time, man
believed that his affliction by pest calamities is ordained by divine will
and that God alone can help to avert the threatening peril (Figs 5, 6).
Their firm belief in resurrection and eternal life motivated the ancient
Egyptians to invent mummification during the Third Dynasty (- 2686-
2613 BC), in order to protect the body of the deceased against harmful
and destructive organisms. The early Egyptians also warned dangerous
snakes and insects (including carrion-feeding clerid and dermestid spe-
cies and some bostrychid, curculionid, ptinid, silvanid and tenebrionid spe-
cies) to refrain from damaging the mummified corpses and foodstuffs of
the deceased in their tombs by showing threatening messages and
drawings to such invaders (Book of the Dead, Chapters 35, 36; Figs
7a-d).
Some pest-averting methods employed in the acient Orient were
based on mechanical means of protection. Ancient Egyptian priests
shaved the hair from their head and body by flint or copper razors and
repeatedly washed their body by day and night, in order to prevent
infestations by ectoparasitic arthropod species. The Egyptian women
often anointed their long hair by lice-averting incense cones (Fig. 2c).
The dwellers of the marshy Delta and river region wrapped their body
77
by close-meshed nets during the night, while the inhabitants of the drier
areas slept in high towers, in order to protect themselves against mos-
quitoe bites. Protection of harvested grain against insect and mite infes-
tations by storage of unthreshed corn ears (Fig. 8) and application of
earth dust to the granaries was probably employed for the first time at
the end of the Hyksos Period (- 1650-1550 BC).
Early prescriptions of chemical pest control, based mainly on repul-
sion rather than extermination of detrimental organisms, were recorded
in the medical Papyrus of Ebers (written - 1550 BC, Fig. 9). Considerable
amounts of fragrant resins and herbaceous drugs were first fumigated
in ancient Egypt and Babylon between the 26" and 20'" Century BC, and
in Palestine since the 13" Pre-Christian Century. Fumigations were
mainly performed in sanctuaries by means of larger or smaller censers
being either placed on an altar (Fig. 10) or kept by hand (Fig. 11). Thus,
worshipping and pest control went hand in hand and the removal of
pest organisms was paralleled by the conciousness that religious obliga-
tions have been fulfilled. Sacred premises such as tabernacles, temples
and tombs as well as dwelling houses and stores were more or less
frequently fumigated by various incense blends.
Several ingredients of incense blends and ointments were found to act
as repellents, insectistatics or insecticides, in accordance to the air-borne
concentration and target species. The more effective ingredients of those
incense blends and ointments were the resins of myrrh (Commiphora
abyssinica, C. gileadensis) and frankincense (Boswellia sacra, B. carteri) as
well as the essential oils of citronella grass (Andropogon nardus, A. win-
terianus), calamus roots (Acorus calamus), cinnamon bark (Cinnamomum
ceylanicum), dill seeds (Anethum graveolens) and juniper berries (Juniperus
communis, J. phoenicea).
The early dwellers of the Dead Sea region (in southern Palestine) were
certainly acquainted with the stifling smell of burning sulphur during
the devastation of the cities Sodom and Gomorra in the 18% Pre-Chris-
tian Century. However, the use of sulphur dioxide as a fumigant was
first mentioned in Homer’s “Odyssey” during the 8" Century BC and
eventually recommended for pest control in Roman viniculture during
the 2"! Pre-Christian Century.
Prof. Dr. Hermann Levinson und Dr. Anna Levinson, Max-Planck-
Institut für Verhaltensphysiologie, D-82319 Seewiesen bei Starnberg,
Germany.
Einleitung
Die Einteilung der Lebewesen in “nützliche” und “schädliche” Organismen beruht auf
anthropozentrischem Denken, das für die Natur gewiß belanglos ist; im Gefüge der
gesamten Umwelt erfüllen die Lebewesen ohnehin ihre wechselseitig angepaßten Auf-
gaben. Allgemein bezeichnet der Mensch als Schädlinge massenhaft auftretende Orga-
nismen, die ihm und seinen Nutztieren bzw. seinen Pflanzenkulturen Krankheiten
zufügen oder angebaute sowie gelagerte Nutzpflanzen vertilgen, verunreinigen oder
anderweitig beschädigen. Natürlicherweise stellt sich zuweilen zwischen schädlichen
und nützlichen Organismen ein ökologisches Gleichgewicht ein, das jedoch im Laufe
der Menschheitsgeschichte des öfteren erheblich und nachhaltig gestört wurde. Ob
78
ursprünglich harmlose Arten zu Schädlingen bzw. ursprünglich schädliche Arten im
Laufe der Zeit unschädlich werden, hängt weitgehend von den jeweiligen Umweltbe-
dingungen ab. Manche relativ harmlosen Arthropodenarten wurden wohl erst zu
bedeutsamen Schädlingen, nachdem einige ihrer bevorzugten Wirtspflanzen in ausge-
dehnten Monokulturen angebaut wurden. Aus wahllos blutsaugenden Arthropoden-
arten entstanden erst Schädlinge, nachdem sie sich bevorzugt an die Blutaufnahme bei
Menschen anpaßten und dadurch zu gefährlichen Krankheitsüberträgern wurden. Die-
se Ernährungsänderung der blutsaugenden Arten fand möglicherweise während der
Seßhaftwerdung der jagenden und sammelnden Menschen im Verlauf der Neusteinzeit
(ca. 10000-8000 v. Chr.) statt.
Während der Frühgeschichte des alten Orients (einschließlich der Gebiete vom
Persischen Golf über Mesopotamien und die Levante bis in das ägyptische Nilland) sah
man in den Ungezieferplagen und Schädlingskalamitäten das Walten göttlicher Kräfte,
die die harmonische Umwelt wegen der Sündhaftigkeit der Menschen aus dem Gleich-
gewicht brachten. Die Furchtbarkeit solcher Heimsuchungen, in Form von Krankheits-
epidemien und massenhafter Erntevernichtung sowie Dürre und Hungersnot, hatten
viele Menschen an sich selbst erfahren und als harte Bestrafung ihrer Sündhaftigkeit
verstanden. Zunächst glaubte man, eine Abwendung derartiger Katastrophen durch
Gebete, religiöse Rituale sowie magische Handlungen erreichen zu können. Als jedoch
die Menschen des alten Orients begannen, Getreide mengenmäßig anzubauen (ca. 4000
v.Chr.) sowie Vorräte für Zeiten, in denen Nahrungsmittel nur ungenügend zur Ver-
fügung stehen, zu speichern (ca. 2500 v.Chr.), wurden wirksame Maßnahmen zur
Schädlingsabwehr erforderlich (Levinson & Levinson 1985).
Zum Verständnis der Geschichte der Schädlingsabwehr von Pflanzenkulturen und
Menschen sind wir gehalten, das massenhafte Auftreten schädlicher Tiere, die von
ihnen verursachten Schäden und Krankheiten, das daraus resultierende Verhalten der
betroffenen Menschen sowie deren diesbezügliche Gegenmaßnahmen - mit Hilfe von
herkömmlichen Methoden der Geschichtsforschung — zu untersuchen. Die Schwierig-
keit bei der nachstehend dargestellten Untersuchung lag u.a. darin, die biologisch und
chemisch erfaßbaren Tatsachen mit dem kulturgeschichtlichen Verlauf in Einklang zu
bringen sowie die dabei auftretende, wechselseitige Beeinflussung zu klären. Die in
unserer Arbeit besprochenen Geschehnisse sind auf die altorientalischen Bereiche der
Ägypter, Assyrer, Babylonier, Hethiter und Juden sowie auf die Zeitspanne vom 27. bis
zum 2. vorchristlichen Jahrhundert beschränkt.
Die biblischen Schädlingsplagen
Die frühesten Beschreibungen von Massenvermehrungen schädlicher Insekten im alten
Orient entstammen dem Alten Testament der Bibel, deren Niederschrift im 10. vor-
christlichen Jahrhundert, während der Regierungszeit der Könige David und Salomo,
begonnen und im 6. Jahrhundert v.Chr., während des Babylonischen Exils der Juden
weitgehend vollendet wurde (Rogerson 1985). Da die archäologische Forschung die
historische Treue des Alten Testaments zu einem erstaunlich großen Teil nachweisen
konnte, ist die biblische Geschichte zu einer benutzbaren Dokumentationsquelle ge-
worden.
Über die Heimsuchung Ägyptens von den zehn berüchtigten Plagen, die wahr-
7)
scheinlich während der Regierungszeit des Pharao Ramses II. (ca. 1279-1213 v. Chr.)
oder des Pharao Merenptah (ca. 1213-1203 v.Chr.) stattfanden, wird im Zweiten Buch
Mose (Exodus 7-12) berichtet. Bekanntermaßen war der Zweck dieser Plagen, die
Entlassung der Hebräer aus dem Niltal zu beschleunigen (Exodus 6, 1).
Drei dieser Plagen, nämlich parasitisches Ungeziefer, Fliegenplage und Heuschrek-
kenschwärme, beruhen unmittelbar auf den Auswirkungen massenhafter Insektenver-
mehrung, während sich drei andere Plagen, und zwar Viehseuchen, Geschwüre an
Mensch und Vieh sowie Finsternis, wahrscheinlich aus den erstgenannten drei Plagen
ergaben. Man kann annehmen, daß Viehseuchen (die Fünfte Plage) sowie Geschwürbil-
dung (die Sechste Plage) die Folgen massenhafter Fliegenvermehrung (die Vierte Plage)
waren, während die — drei Tage dauernde - Finsternis (die Neunte Plage) wahrschein-
lich von der Verdunkelung des Himmels durch dichte Heuschreckenschwärme (die
Achte Plage) herrührte. Eine Übersetzung des biblischen Textes der Dritten Plage aus
dem Zweiten Buch Mose ist nachstehend teilweise wiedergegeben.
“Aaron streckte seine Hand mit dem Stab aus und schlug damit in den Staub des Bodens. Da
kam Ungeziefer (bibl. kinim) über Mensch und Vieh, aller Staub des Bodens in ganz Ägypten
wurde zu Ungeziefer.” (Exodus 8, 13)
Nach Bodenheimer (1928) sollte das biblische Wort kinim nicht mit Läuse übersetzt,
sondern als Sammelbegriff für parasitisches Ungeziefer aufgefaßt werden. Dazu zählen
vor allem der Pest und Flecktyphus übertragende Rattenfloh (Xenopsylla cheopis), die
Fleckfieber, Fünftagefieber und Rückfallfieber verbreitende Kleiderlaus (Pediculus hu-
manus corporis) und Kopflaus (Pediculus humanus capitis) (Abb. 1a-d) sowie die Hautent-
zündungen verursachende Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei). Mit Ausnahme der hautfres-
senden Krätzmilbe sind diese Arten blutsaugende Parasiten, die die Erreger der ge-
nannten Seuchen von erkrankten auf gesunde Menschen übertragen können. Im alten
Orient wurde die massenhafte Verlausung der Leute wahrscheinlich durch enges Zu-
sammenleben und Benutzung faltenreicher Kleidung gefördert. Auch das übliche Tra-
gen üppiger und langhaariger Frisuren sowie das häufige Anlegen und Wechseln
verschiedener Perücken dürfte erheblich zur Verlausung der Menschen im alten Ägyp-
ten beigetragen haben (Abb. 2a,b). Die seit der 18. Dynastie (ca. 1550-1295 v. Chr.)
benutzten Salbkegel zum Einfetten und Parfümieren des Haupthaars wehrten Kopfläu-
se nur vorübergehend ab (Abb. 2c). Man fand sogar Eier von Kopfläusen, die noch an
den Haaren der Mumien hafteten und die trotz eifrigen Gebrauchs hölzerner Kimme
mit einfacher und doppelter Zinkenreihe nicht beseitigt werden konnten.
Der Text der Vierten biblischen Plage berichtet über massenhafte Vermehrung von
Fliegen und deren Folgen:
“Es kamen Fliegen (bibl. arow) in großer Menge in das Haus des Pharao, in die Wohnungen
seiner Diener, über ganz Ägypten; das Land hatte unter den Fliegen sehr zu leiden.”
(Exodus 8, 20)
Wahrscheinlich folgte die Fliegenplage auf die Zweite Plage (Exodus 7, 26-8, 11), wobei
unzählige Frösche den - infolge massenhafter Vermehrung von Mikroorganismen -
rotbraun gewordenen Nil (die Erste Plage, Exodus 7, 14-24) verließen und später an
Land verendeten (Cloudsley-Thompson 1976). Die ungewöhnlich große Menge ver-
80
Abb. 1a-d. Dorsalansicht der Kopflaus (Pediculus humanus capitis) sowie Eier der Kopflaus und
der Kleiderlaus (Pediculus humanus corporis).
Die Zeichnung zeigt das 2,4-2,6 mm lange Männchen (a) und das 2,6-3,1 mm lange Weibchen
(b) der Kopflaus in Vergrößerung. Drei Eier der Kopflaus an einem Haar (c), wovon das
unterste eine beginnende Embryonalentwicklung aufweist, das darüber befindliche mit einem
vollständig entwickelten Embryo fast schlüpfreif ist und das oberste nur noch als leere Eischale
mit anhängendem Deckel erkennbar ist. Rechts davon sieht man ein Ei der Kleiderlaus
(P. humanus corporis) an Stoff-Fasern der Unterkleidung in Vergrößerung (d).
Die leicht übertragbare Kopflaus hält sich zeitlebens an Kopfhaaren auf und ernährt sich,
ebenso wie ihre Larvenstadien, vom Kopfblut des Menschen. Die kelchförmigen, weißlichen
Eier (ca. 0,8x 0,3 mm), auch Nissen genannt, sind mit einem kronenförmigen Deckel versehen
und durch hohen Druckwiderstand gekennzeichnet. Die Eier der Kopfläuse werden an Kopf-
haare und die der Kleiderläuse an Leibwäsche dermaßen festgekittet, daß sie mit mechanischen
Mitteln oder mit Wasser nur schwer entfernbar sind. Bei reichlicher Blutnahrung, gleichmäßi-
ger Temperatur (28-30 °C) und Fehlen natürlicher Feinde können sich die Larven auf einem
behaarten Menschenkopf in etwa drei Wochen zu vermehrungsfähigen Kopfläusen entwik-
keln. Menschen, die ihre Haare selten schneiden, sowie Frauen und Kinder mit langer Haar-
tracht werden stärker von Kopfläusen befallen als Leute mit kurzgeschnittenem Haupthaar.
Läusebefall läßt sich wegen der starken Haftbarkeit der Eier durch normale Haarwäsche sowie
Kämmen und Bürsten nur unvollständig beseitigen. Kleider- und Kopfläuse sind berüchtigte
Überträger von Fleckfieber (Erreger: Rickettsia prowazekii), Fünftage-Fieber (Erreger: Rickettsia
quintana) und Rückfallfieber (Erreger: Borellia recurrentis).
faulter Froschleichen lockte gewiß verschiedene Fliegenarten der Familien Calliphori-
dae (Schmeißfliegen), Muscidae (Vollfliegen), Sarcophagidae (Aasfliegen) und Tabani-
dae (Bremsen) zur Eiablage und ermöglichte letztlich die Entwicklung zahlloser Flie-
genschwärme, die eine Reihe von Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Dysente-
rie, Typhus, Cholera, Bindehautentzündungen sowie Wurminfektionen, von den Aus-
scheidungen kranker auf gesunde Menschen übertragen konnten. Andere Fliegenarten,
die bei der Vierten Plage eine Rolle gespielt haben könnten, gehören zu den Sandfliegen
(Psychodidae) und Stechmücken (Culicidae). Bekanntermaßen übertragen die blutsau-
genden Weibchen der Sandfliegengattung Phlebotomus Kala-azar (= Eingeweide-Leish-
81
Abb. 2a-c
82
maniasis) sowie kutane Leishmaniasis (=Orientbeule), während die Weibchen der
Stechmückengattung Anopheles Malaria tropica und Malaria tertiana sowie die Weib-
chen von Aedes aegypti Gelbfieber und Dengue verbreiten können.
Blutsaugende und fleischfressende Fliegenarten verursachten wahrscheinlich die —
im Text der Fünften und Sechsten Plage (Exodus 9, 1-12) erwähnten — Viehseuchen
(bibl. dewer) und Geschwüre (bibl. schechin). So überträgt beispielsweise der Waden-
stecher (Stomoxys calcitrans) beim Blutsaugen an Huftieren den Milzbranderreger (Ba-
cillus anthracis), während die fleischfressenden Larven der Rinderdasselfliege (Hypoder-
ma bovis) Dasselbeulen bei Haustieren und manchmal auch bei Menschen hervorrufen.
Der Bibeltext der Achten Plage behandelt die verheerenden Auswirkungen einfallender
Heuschreckenschwärme (Abb. 3a,b). Interessanterweise ähnelt die biblische Bezeich-
nung für Heuschrecken arbeh dem hebräischen Wort harbeh (=viel), womit das mas-
senhafte Auftreten dieser Insekten betont wird:
“Als der Morgen kam, hatte der Ostwind die Heuschrecken (bibl. arbeh) herbeigetragen ... sie
bedeckten die Oberfläche des ganzen Landes, die davon verdunkelt wurde, und fraßen alle
Feldgewächse und alle Baumfrüchte, die der Hagel übriggelassen hatte, so daß in ganz Ägypten
nichts Grünes an den Bäumen und kein Kraut auf dem Felde übrigblieb ... da ließ Jahwe einen
starken Westwind wehen. Dieser nahm die Heuschrecken mit und trieb sie in das Schilfmeer.”
(Exodus 10, 13, 15, 19)
An der biblischen Beschreibung ist besonders interessant, daß der Ostwind die Heu-
schreckenschwärme landeinwärts brachte, während sie der Westwind aus Ägypten
hinausführte. Diese Tatsache trifft für die gegenwärtige Zeit ebenso zu wie für die Zeit
der Achten Plage. Nur mit Hilfe eines kräftigen Passatwindes, der mindestens 24
Abb. 2a-c. Altägyptische Haartrachten und Perücken.
a. Zu festlichen Anlässen getragene Damenperücke (ca. 1550-1069 v. Chr.), deren Kopfteil aus
hellen Löckchen und deren Nackenteil aus ca. 50 cm langen, geflochtenen Zöpfchen (etwa 400
Haare pro Zöpfchen) bestand. Die in etwa 300 Flechten endende Perücke war aus Menschen-
haaren hergestellt (British Museum London, Department of Egyptian Antiquities, EA no. 2560).
b. Aus Schafwolle gefertigte Perücke (ca. 712-332 v. Chr.), deren Kopfteil aus dunklen Locken
und deren Nackenteil aus ca. 60 cm langen Strähnen bestand (Ägyptisches Museum SMPK,
Berlin, Inventar-Nr. 6911).
c. Oberägyptische Damen, die je einen wohlriechenden Salbkegel auf ihren Köpfen haben. Die
Salbkegel sollten ihr langes Haupthaar parfümieren, einfetten und vor Eiablage der Kopfläuse
(Pediculus humanus capitis) schützen. Teilansicht eines Festmahls auf einem thebanischen Wand-
gemälde, ca. 1400 v. Chr. (British Museum London, EA no. 37986).
Die Perücke gehörte zur Fest- und Staatskleidung der männlichen und weiblichen Angehöri-
gen des Königshauses und der Beamtenschaft sowie zur Ausstattung der Götter und Göttin-
nen. Während in frühdynastischer Zeit nur die Vornehmen Perücken anlegten, trugen diese
Haartracht seit der Fünften Dynastie (ca. 2494-2345 v. Chr.) auch Diener, Arbeiter und Hirten.
Im Alten Reich (ca. 2686-2181 v. Chr.) wurden vorwiegend kurze Lockenperücken (in Anleh-
nung an das Kraushaar der Ureinwohner des Niltals) sowie Strähnenperücken (der Haartracht
der von Norden eingedrungenen Eroberer entsprechend), deren Haarsträhnen bis zu den
Schultern herabfielen, getragen. Als Material zur Herstellung der Perücken diente vorwiegend
Menschenhaar sowie manchmal Tierhaar; das letztere wurde gelegentlich mit eingeflochtenen
Pflanzenfasern verstärkt. Schließlich wurden die fertigen Frisuren mit Bienenwachs gefestigt
und mit Salbkegeln glänzend gemacht (Lexikon der Ägyptologie 1982).
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Abb. 3a,b. Schwärme der Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria).
a. Teilansicht eines fliegenden Schwarmes. Das Gewicht sämtlicher Tiere eines großen Schwar-
mes kann auf 80000 Tonnen kommen. Da das Durchschnittsgewicht einer 2 Wochen alten
Wüstenheuschrecke 1,7-2,0 g beträgt, kann ein derartiger Schwarm aus 40 bis 47 Milliarden
Tieren bestehen. Heuschreckenschwärme fliegen stets mit dem Wind, dessen Richtung sich
allerdings jahreszeitlich ändert. Die Schwärme fliegen häufig mit einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit von 12-18 km pro Stunde und einer maximalen Höhe von ca. 200 m. Die Luft
muß wenigstens 19-23 °C warm und verhältnismäßig trocken sein, damit die Schwärme fliegen
können (Anti-Locust Research Centre 1966).
b. Teilansicht eines Schwarmes, der sich auf wachsende Pflanzen niedergelassen hat. Da eine
Wüstenheuschrecke pro Tag nahezu ihr Körpergewicht an grünen Pflanzenteilen konsumiert,
kann ein Schwarm sogar großflächige Pflanzenkulturen in relativ kurzer Zeit kahl fressen. Dem
Reifungsfraß der Wüstenheuschrecken folgt die Paarung, die 3 bis 14 Stunden dauern kann.
Nach der Begattung bleibt das Männchen häufig noch auf dem Rücken des Weibchens und
wird von diesem bei der Suche nach einem geeigneten Ort zur Eiablage mitgetragen. Vor dem
Ablegen der Eier prüft das Weibchen mit Hilfe seiner Legeröhre, ob der Boden genügend
feucht, sandig und salzarm ist. Wenn dies zutrifft, bohrt das Weibchen seinen dehnbaren
Hinterleib 8-10 cm tief in den Boden, legt dort seine Eier in länglichen Päckchen zu 20 bis 100
Stück und umhüllt sie zum Schutz mit einem allmählich hart werdenden Schaum. Zumeist
werden 100 bis 300 Eier pro Weibchen gelegt. Die frisch geschlüpften Larven gelangen mit Hilfe
der Schaumhülle an die Erdoberfläche. Die ersten 5 Entwicklungsstadien der Wüstenheu-
schrecke sind Larven mit zunehmend größerer Körperlänge, wogegen das 6. Entwicklungssta-
dium das erwachsene Insekt mit einer Flügelspannweite von ca. 10 cm ist (Baron & Schwenke
1975).
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Abb. 4. Heuschreckenspeise im alten Assyrien. Zwei Speisenträger mit Wüstenheuschrecken,
aufgereiht an vier Fleischspießen, wie sie an der Tafel des assyrischen Königs Sanherib (705-
681 v. Chr.) serviert wurden. Gezeichnet nach einem Sockelrelief, das in der Ruine des Königs-
palastes zu Niniveh/Nordmesopotamien gefunden wurde (Martini 1923).
Das massenhafte Auftreten der Heuschrecken, die Leichtigkeit, sie zu fangen, zu rösten oder
zu braten, ihr Wohlgeschmack und hoher Nährwert (durchschnittlicher Gehalt an Protein ca.
18,5 % und Fett ca. 5 %) machten sie zu einem beliebten Nahrungsmittel im alten Orient. Indem
der Mensch die Heuschrecken als Nahrungsquelle benutzte, holte er sich einen kleinen Teil der
von ihnen verursachten Verluste zurück.
Stunden andauert, können Heuschreckenschwärme ihre — westlich der Arabischen
Wüste gelegenen - Einzugsgebiete erreichen (Baron & Schwenke 1975). Die Hauptflüge
der Heuschreckenschwärme erfolgen also stets mit dem Wind, und zwar in Ausrich-
tung auf Gebiete, wo sich konvergierende Luftströmungen treffen und wo die Entste-
hung von Regen wahrscheinlich ist. Solche Gebiete haben den - zur Eiablage erforder-
lichen - feuchten Boden sowie genügend vorhandene Nahrungspflanzen für das erste
Larvenstadium.
Die verheerenden Ernteschäden und Hungerkatastrophen, die Heuschrecken-
schwärme einschließlich ihrer Nachkommen verursachen, mußten die Bewohner des
alten Orients nachhaltig beeindruckt haben. Diese Tatsache ist durch einige frühe
Dokumente belegt. So findet sich eine besonders eindrucksvolle Schilderung einer
Heuschreckenplage in Palästina zur Zeit der späteren Propheten (8. Jh. v. Chr.) im Buch
Joel des Alten Testaments. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um Schwärme
der Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria), deren erstes Larvenstadium (das noch
85
ungeordnet umherhüpft) mit dem biblischen Namen jelek, deren - bereits in Gruppen
wandernde - Larven (Stadien 2-5) mit dem Wort khasil und deren geschlechtsunreife,
rotbraune Imagines mit dem Namen gasam, sowie geschlechtsreife, gelbliche Imagines
mit dem Namen arbeh bezeichnet wurden. Nachstehend ist die entsprechende Bibel-
stelle wiedergegeben:
“Höret dies, ihr Ältesten, und horchet auf, all ihr Bewohner des Landes. Ist solches je geschehen
in eueren Tagen oder in den Tagen euerer Väter? Erzählen sollt ihr davon eueren Kindern, und
euere Kinder wieder ihren Kindern, und deren Kinder dem künftigen Geschlecht. Was der
Schäler (bibl. gasam) übrigließ, das fraß die Heuschrecke (bibl. arbeh), was die Heuschrecke
übrigließ, das fraß der Hüpfer (bibl. jelek), was der Hüpfer übrigließ, das fraß der Grasfresser
(bibl. khasil) ... denn ein Volk ist eingefallen in mein Land, stark und ungezählt. Seine Zähne
sind wie Zähne eines Löwen, ein Gebiß hat es wie eine Löwin. Meinen Weinstock hat es
verwüstet, meinen Feigenbaum hat es vernichtet. Es hat ihn abgeschält und zu Boden geworfen,
weiß wurden seine Ranken ... Verdorrt ist der Weinstock, verwelkt der Feigenbaum, Granat-
apfelbaum und die Dattelpalme, verdorrt alle Bäume des Feldes; alle Freude der Menschenkinder
ist geschwunden.” (Joel 1, 2-7, 12)
In dieser dramatischen, jedoch nicht übertriebenen Schilderung der verwüsteten Wein-
stöcke und Obstbäume hat sich der Prophet nur in Bezug auf die Einmaligkeit der
Heuschreckeninvasion geirrt. In früherer wie in späterer Zeit hatte die Bevölkerung des
Orients stets unter periodisch einfallenden Schwärmen der Wüstenheuschrecken zu
leiden (z.B. die große Heuschreckeninvasion im unteren Niltal während des 13.
Ih. v.chr))
Abb. 5. Darstellung eines assyrischen Würdenträgers, der um Abwendung von Heuschrek-
kenplagen vor dem Gott Assur betet (Quala’at Schergat/ Nordmesopotamien), an einem senk-
recht aufgestellten Ziegel (Andrae 1925).
Die Aufnahme zeigt einen bemalten und glasierten Tonziegel (56,0 x 27,5 cm), der Assur, den
assyrischen Nationalgott, sowie einen Würdenträger, der diesen Gott zum Schutz vor Heu-
schreckenplagen anfleht, darstellt (Inventar-Nr. VAASS 897, Vorderasiatisches Museum, Ber-
lin). Der Gott steht auf einem Sockel und erhebt seinen rechten Arm, um dem Würdenträger
Sprecherlaubnis zu erteilen, während er den göttlichen Ring und Stab in seiner linken Hand
hält. Auf dem Kopf trägt er die Götterkrone mit der achtstrahligen Sternscheibe auf dem
Scheitel, und daneben kann man die Sonne des Schamasch, den Mond des Sin und die Venus
der Ischtar (die Gestirne der Hauptgottheiten) erkennen. Der barhäuptige Würdenträger steht
vor Assur in ehrfürchtiger Haltung, seinen rechten Unterarm und ausgestreckten Zeigefinger
hat er erhoben und seine linke geöffnete Hand dem Gott vorgehalten. Über seinem Kopf ist eine
fast naturgetreu gemalte Wüstenheuschrecke in Augenhöhe des Gottes ersichtlich. Die ur-
sprünglichen Farben des Ziegels sind im Laufe der Jahrhunderte teilweise verblichen, so daß
die Heuschrecke jetzt vorwiegend in Konturen sichtbar ist (neuassyrische Periode, ca. 746-
727 v. Chr.).
Das Gemälde stellt das Anliegen des Betenden in überzeugender Weise dar. Wer jemals die auf
die Felder niedergehenden Heuschreckenschwärme (Abb. 3a,b) sowie die Hilflosigkeit der
Bauern gegen solche Schwärme erlebt hat, wird wohl seinen Gott um Abwendung der verhee-
renden Plage angefleht haben. Es ist bemerkenswert, daß die assyrischen Könige Sargon II (722-
705 v. Chr.), Sanherib (705-681 v. Chr.) und Assurbanipal (669-629 v. Chr.) die erheblichen Schä-
den, die Wüstenheuschrecken während ihrer Regierungszeit verursachten, aufzeichnen ließen.
86
Abb. 5
[6,0]
Andererseits ließ das massenhafte Auftreten der Wüstenheuschrecken sowie deren
Schmackhaftigkeit in geröstetem Zustand, diese Insekten im Lichte einer naheliegenden
und bequem erreichbaren Nahrungsquelle erscheinen. So wurden Heuschrecken bei
den Assyrern im Palast des Königs Sanherib (ca. 705-681 v. Chr.) in Niniveh (Nord-
Mesopotamien) bei Festmahlzeiten gereicht (Martini 1923, Abb. 4). Auch Johannes der
Täufer hatte sich in der Wüste von Heuschrecken und wildem Honig ernährt (Evange-
lium nach Matthäus 2, 4). Auf diese Weise holte sich der Mensch einen kleinen Teil des
- durch Heuschreckenfraß verursachten — Schadens zurück, indem er die Schadinsek-
ten zu einem Nahrungsmittel machte.
Gottgewollte Schädlingsplagen und deren Abwendung mit Hilfe von Gebeten
Schon während des zweiten vorchristlichen Jahrtausends war das Verhältnis der orien-
talischen Völker zu pflanzenschädlichen und krankheitsübertragenden Tieren größten-
teils einheitlich. Schädlinge und Ungeziefer erschienen als gottgegebene Strafe, gegen
die - außer reuevollem Gebet und demütigem Opfer - nichts zu machen war. So zeigte
beispielsweise ein aus Assyrien stammender bemalter Tonziegel (Abb. 5) einen Wür-
denträger, der vor dem Gott Assur (assyrischer Nationalgott) steht und um Schutz vor
Heuschreckenplagen betet (Andrae 1925). Die Hilflosigkeit der damaligen Menschheit
angesichts der zahllosen und verheerenden Übermacht schädlicher Tiere bewirkte
letztlich, daß sie sich in das Unvermeidliche fügte und und lernte, damit zu leben. So
wurde beispielsweise die Allgegenwart unzähliger Fliegen in und um menschliche
Behausungen zu einer ständigen Begleiterscheinung des täglichen Lebens. Die — von
Feldschädlingen verursachten - Ernteverluste während des Neuen Reiches (ca. 1550-
1069 v. Chr.) müssen sehr groß gewesen sein, wie man der Klage des ägyptischen
Bauern, die im Papyrus Anastasi (5, 16) überliefert ist, entnehmen kann:
“Der Wurm hat die Hälfte der Nahrung genommen, das Nilpferd die andere. Es hat viele Mäuse
auf dem Feld gegeben und die Heuschrecken sind niedergefallen. Das Vieh hat gefressen und die
Spatzen haben gestohlen. Den Rest, der auf der Tenne liegt, haben die Diebe geraubt.”
In späterer Zeit kam es zu einer Begrenzung der tolerierbaren Insektenanzahl an
Nahrungsmitteln. So besagte eine entsprechende Vorschrift aus dem Talmud (Baba
Batra 6, 2), daß z.B. auf dem Markt angebotene Feigen nur zu einem Zehntel mit
Insektenlarven befallen sein dürfen. Die Niederschrift des Talmuds (Sammlung und
Erklärung der jüdischen Gesetze) wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. begonnen und im
6. nachchristlichen Jahrhundert abgeschlossen (Lewysohn 1858).
Der jugendliche Gott Horus als Beschützer vor gefährlichen Tieren
Im pharaonischen Ägypten galt Gott Horus (Sohn des Auferstehungsgottes Osiris und
dessen Gattin Isis) als wichtigster Beschützer der Menschen vor bedrohlichen, giftigen,
fleisch- und pflanzenfressenden Tieren sowie vor Schädlingskalamitäten im allgemei-
nen. Tafeln und Amulette, an deren Vorderseite der - auf Krokodilen stehende - Gott
Horus abgebildet ist, waren schon während der zweiten Hälfte des Neuen Reiches (ca.
1550-1069 v. Chr.) weit verbreitet. Meistens hält der jugendliche Horus (griech. Harpo-
88
crates) gefährliche bzw. schädliche Tiere (Skorpione, Schlangen, Löwen sowie Gazel-
len) in seinen Händen, während über seinem Kopf die Maske des Haus- und Familien-
gottes Bes dargestellt ist. Beiderseits des Horus-Kindes sieht man in der Regel die
Lotuspflanze des Duftgottes Nefertem (Beschützer Unter- und Oberägyptens) sowie
die Papyrusstaude, auf deren Blüten ein gekrönter Falke steht (Abb. 6). Angeregt wurde
diese Darstellung durch den Mythos der verborgenen Kindheit des Horus in den
Sümpfen des Nildeltas und seinem Sieg über alle schädlichen Tiere, die ihn dort
bedrohten. Die Vorder- und Rückseite dieser Tafeln ist zumeist mit Beschwörungsfor-
meln und Gebeten um göttlichen Schutz vor gefährlichen Tieren versehen (Daressy
1903, Roeder 1915):
“.... Wehre mir ab alle Löwen der Wiiste, alle Krokodile auf dem Strom, alle Würmer, die mit
ihrem Munde beißen und mit ihrem Schwanze stechen ...”
An öffentlichen Plätzen stehende Horusstelen wurden manchmal von Wasser berieselt,
damit letzteres die göttliche Kraft der Bilder und Texte aufnehmen und, beim Trinken
oder bei Berührung, auf schutzsuchende Menschen übertragen kann.
Verwarnung der Insekten, die die Verstorbenen und ihre Grabbeigaben vertilgen
Seit der Regierungszeit des Königs Djoser und seines Beraters Imhotep (ca. 2667-
2648 v.Chr.) schützte man in Ägypten den Körper der Verstorbenen vor Zerstörung
und Zerfall durch Schadorganismen, weil die Hinterbliebenen sich vorstellten, daß der
Tod nur eine Übergangsphase zu einem neuen Leben im Jenseits darstellt. Die Mumi-
fizierung war ein von den alten Ägyptern erfundenes und während dynastischer Zeit
(ca. 2667 v.Chr.-395n.Chr.) vorwiegend benutztes Verfahren zur Erhaltung des
menschlichen Körpers. Während des Neuen Reiches (ca. 1550-1069 v.Chr.) wurden
dazu die Eingeweide und das Gehirn (aber nicht Herz und Nieren) des Verstorbenen
operativ entfernt, die Leiche mit Hilfe von kristallinem Natron während ca. 40 Tagen
getrocknet, von innen gereinigt (z.B. mit Palmwein) und mit aromatischen Drogen
gefüllt (z.B. Cassia, Myrrhe und Zedernharz), zugenäht und schließlich mit langen
Leinenstreifen (die mit Gummi imprägniert waren) fest umwickelt. Auf diese Weise
hergestellte Mumien blieben augenscheinlich unversehrt, wurden jedoch nach sehr
langer Zeit von manchen Insektenarten befallen und angefressen (Levinson & Levinson
1985).
Das während des Neuen Reiches (18.-20. Dynastie) und der Saitenzeit (26. Dynastie)
verfaßte ägyptische Totenbuch besteht aus etwa 190 Kapiteln, die dem Verstorbenen ein
verklärtes Dasein im Jenseits verheißen sollten und Beschwörungssprüche enthalten,
die den mumifizierten Körper vor mannigfaltigen Gefahren, einschließlich der Zerstö-
rung durch Tierfraß, schützen sollten (Budge 1898). So enthält Kapitel 35 des Totenbu-
ches einen Spruch, der verhindern soll, daß der Verstorbene im Jenseits von gefährli-
chen Schlangen angegriffen wird. Die dazu gehörende Vignette zeigt einen Verstorbe-
nen, der mit einer Lanze eine giftige Schlange durchbohrt (Abb. 7b, rechts). Kapitel 36
besteht aus einer Beschwörungsformel zur Abwehr von gefährlichen Insekten namens
Apschait:
89
“Bleibe fern von mir du, der du Kiefer hast, die nagen! Erfahre denn: ich bin Khnum, der Herr
von P’schenu (Kom Ombo), der die Sprüche der Götter dem Re (Sonnengott) überbringt. Ich
habe die Botschaft an Re weitergegeben.“
Die zu dem gleichen Kapitel gehörenden Vignetten zeigen zwei Verstorbene, die je-
weils eine andere Insektenart mit einem Speer durchbohren (Abb. 7a,b, links) sowie
zwei Verstorbene, die zwei verschiedene Insektenarten mit einem erhobenen Messer
bedrohen (Abb. 7c,d). Das in Abb. 7a dargestellte Insekt ist wahrscheinlich ein Dung-
käfer (Scarabaeidae), während das in Abb. 7b links gezeigte Insekt möglicherweise
einen Rüsselkäfer (Curculionidae) darstellt. Das auf dem Sockel stehende Insekt (Abb.
7c) ähnelt einer Schabe (Blattidae), während das Insekt der Abb. 7d nicht identifizierbar
ist. Da sich Dungkäfer an - mit Mikroorganismen angereicherten — Tierexkrementen
ernähren und Rüsselkäfer vorwiegend Samenfresser sind und die Nahrung der Scha-
ben sowohl pflanzlicher wie tierischer Herkunft ist, konnten die in den Vignetten des
Totenbuches abgebildeten Insekten wohl kaum den Körper der Verstorbenen gefähr-
den, sondern eher ihre zahlreichen Grabbeigaben und Lebensmittel-Vorräte befallen
und fressen. Insekten, deren bevorzugte Nahrung die mumifizierten Körper verstorbe-
ner Menschen und Tiere sind, gehören vorwiegend zu den Familien der fleisch- und
aasfressenden Speckkäfer (Dermestidae) und Buntkäfer (Cleridae). Tatsächlich wurden
einige Arten der Gattungen Dermestes, Necrobia und Corynetes, zuweilen in größerer
Anzahl, in den Schädeln mehrerer Mumien des Neuen Reiches und der Ptolemäischen
Periode (332-30 v.Chr.) gefunden (Pettigrew 1834, Allaud 1908). Demnach würden
diese karnivoren Käferarten den im Totenbuch mit Apschait bezeichneten mumien-
feindlichen Insekten am ehesten entsprechen (Levinson & Levinson 1994). Die große
Angst der alten Ägypter vor Zerstörung des mumifizierten Körpers sowie Vertilgung
der unentbehrlichen Grabvorräte der Verstorbenen durch gefährliche Tiere führte auch
zu dem bedeutsamen Spruch im Kapitel 163 des Totenbuches:
“Um den Leichnam eines Mannes nicht in der Unterwelt zugrunde gehen zu lassen ... und um
sein Fleisch und seine Knochen vor Insekten zu schützen.”
Abb. 6. Altägyptischer Glaube an den Beistand der Götter zur Schädlingsabwehr.
Es war in erster Linie der kindliche Gott Horus (griech. Harpocrates), der die Menschen von der
Spätzeit bis zum Ende der Römerzeit (747 v.Chr. -395n. Chr.) vor gefährlichen bzw. giftigen
Tieren und Krankheiten bewahren sollte. Er war der Sohn des Auferstehungsgottes Osiris und
dessen Schwester-Gattin Isis, hatte seine Kindheit in den schädlingsbevölkerten Sümpfen des
Nildeltas verbracht, galt als widerstandsfähig gegen alle gefährlichen Tiere und wurde wohl
deswegen als Schutzgott auserkoren.
Eine Stele aus grauem Schiefer (44 x 24x 10 cm) von der ersten Hälfte der Ptolemäer-Zeit (ca.
332-150 v. Chr.), die in Alexandria gefunden wurde, zeigt das göttliche Horus-Kind mit der
Knabenlocke, auf den Köpfen von zwei Krokodilen stehend sowie mit einem Skorpion, zwei
Schlangen und einer Oryxantilope in seiner rechten Hand, zwei Schlangen und einem Löwen
in seiner linken Hand. Beiderseits der schädlichen Tiere sind rechts die Lotuspflanze des
Duftgottes Nefertem und links eine Papyrusstaude mit dem gekrönten Horus-Falken (Haroe-
ris) zu erkennen, während über dem Kopf des jugendlichen Horus die Maske des Haus- und
Familiengottes Bes als zugeordnete Gottheit sichtbar ist. Die Hieroglyphentexte auf der Vorder-
und Rückseite der Schutzstele sollten die Macht haben, die oben genannten Gefahren abzuwen-
den (Daressy 1903).
90
Abb. 7a-d. Verwarnung der grabschändenden Tiere.
Da in der altägyptischen Vorstellung der Tod nur eine Übergangsphase zum Fortleben im
Jenseits war, bemühte man sich seit der Zeit der Dritten Dynastie (ca. 2686-2613 v. Chr.), die
Toten zu mumifizieren, d.h. ihre Körper vor Zerstörung durch Schadorganismen zu bewahren.
Die abgebildeten Vignetten aus Kapitel 35 und 36 des ägyptischen Totenbuches (benutzt seit
Anfang der 18. Dynastie) zeigen Verstorbene, die einen Mistkäfer (a), einen Rüsselkäfer (b, links)
und eine Schlange (b, rechts) mit einem Speer durchbohren sowie eine Schabe (c) und ein kaum
identifizierbares Insekt (d) mit einem erhobenen Messer bedrohen (Budge 1898). Die dargestell-
ten Schädlinge haben wahrscheinlich nur die Nahrungsmittelvorräte der Verstorbenen ver-
zehrt, während die in dem Totenbuch als Apschait bezeichneten Schadinsekten wahrscheinlich
Speckkäfer (Dermestidae) und Buntkäfer (Cleridae) waren, die die vertrockneten Gewebe der
Mumien tatsächlich fressen und verdauen (Levinson & Levinson 1985).
Die angedrohte (c,d) bzw. vollzogene (a,b) Vernichtung der Grabschädlinge war gewiß nur
symbolisch gemeint. Die gefährlichen Insekten und Schlangen sollten ja nur mit Hilfe der Bilder
und Sprüche verwarnt und demzufolge verscheucht werden. Da sämtliche Tiere als gleichbe-
rechtigte Wesen der Götterschöpfung anerkannt waren, galt deren Tötung als schwere Sünde,
worauf die Rache ihrer Nachkommen nicht ausbleiben würde.
Mechanische Schutzmaßnahmen vor Gesundheits- und Vorratsschädlingen
Von der Bedrohung und Abschreckung der Tiere, die die Unversehrtheit der Verstor-
benen samt ihren Nahrungsvorräten gefährdeten, bahnte sich die Entwicklung wirksa-
merer Maßnahmen zum Schutz vor Schadorganismen an. Da sich die mythischen und
psychologischen Wege der Schädlingsabwehr als unzureichend erwiesen, ersann man
Verfahren, die auf rationelleren Überlegungen basierten.
Verschiedenartige Fliegenwedel, meistens aus einem Holzgriff mit einem anschlie-
ßenden Strohbüschel, Roßschweif oder Straußenfedern bestehend, waren schon am Hof
der Pharaonen der 18. Dynastie (ab dem 16. Jh.v.Chr.) sowie bei den assyrischen
Königen (ab dem 7. Jh.v.Chr.) zum Verscheuchen zudringlicher Fliegen sowie zur
Kühlung in häufigem Gebrauch. Auf mehreren Abbildungen sieht man die Monarchen
außerhalb des Palastes stets in Begleitung eines Wedelträgers von hohem Rang.
Herodot (ca. 484-425 v.Chr.), der die hygienischen Gepflogenheiten des alten Ori-
ents ausführlich erkundet hatte, schilderte im zweiten Band seines Geschichtswerkes,
die im Nilland üblichen Schutzmaßnahmen gegen Stechmücken:
“Gegen die Stechmücken, die in den Sumpfländern reichlich vorhanden sind, werden dort
folgende Verfahren angewendet: den oberhalb der Sumpfgebiete wohnenden Ägyptern gewähren
ihre Türme, auf die sie hinaufsteigen, um dort zu schlafen, großen Nutzen, denn die Stechmük-
ken sind infolge der Winde nicht imstande, in die Höhe zu fliegen.
Aber die Bewohner der Sumpfgebiete haben keine Türme, sie wenden ein anderes Verfahren
an, um sich vor den Stechmücken zu schützen: jedermann nimmt in der Nacht das Netz, das ihm
am Tage zum Fischfang dient. Er windet es um das Bett, in dem er schlafen will, kriecht hinein
und schläft ungestört darunter. Wenn er nur — in sein Gewand oder sein Bettuch gehüllt —
schliefe, so würden die Mücken durchstechen; durch das Netz aber versuchen sie es gar nicht.”
(Herodot, Historien II, 95)
Daraus läßt sich folgern, daß die Bewohner des Niltals vielleicht das erste Verfahren zur
Verhütung von Mückenstichen entdeckt haben.
Vorbildlich war auch die Reinlichkeit der altägyptischen Priester zur Vorbeugung
gegen Befall mit Ektoparasiten:
“Sie scheren sich den ganzen Körper einen Tag um den anderen, damit sich bei ihnen, als
Gottesdienern, weder Läuse noch anderes Ungeziefer festsetzen können. Sie tragen nur saubere,
leinene Kleidung und Sandalen aus Papyrusschilf ..., sie waschen sich zweimal am Tag und
zweimal bei Nacht mit kaltem Wasser.” (Herodot, Historien II, 37)
Da Herodot wiederholt berichtete, daß er sein Wissen von den Priestern selbst erfragt
hat, können wir annehmen, daß der Zweck der genannten Reinlichkeitsvorschriften
von den Priestern so aufgefaßt wurde, wie er es mitteilte.
Nachdem Jakobs Sohn Josef (bibl. tsaph-nat pa-a-neah), wahrscheinlich gegen Ende
der Hyksos-Zeit (ca. 1650-1550 v. Chr.), zum Vorsteher der Nahrungsmittellager Ägyp-
tens ernannt wurde, ließ er landesweit große Kornspeicher errichten und mit dem
Getreide des Ernteüberflusses füllen (Genesis 41, 48, 49). Dabei kam erstmals die
Aufbewahrung von ungedroschenem Getreide als wirksame Vorratsschutzmaßnahme
zur Anwendung (Abb. 8). Der Koran (geschrieben während der Regierungszeit des
Kalifen Otman, 644-656 n. Chr.) beschreibt diesen Vorgang folgendermaßen:
93
94
Abb. 8
“Josef sagte: ihr sollt sieben Jahre wie üblich saen. Was ihr dann erntet, das bewahrt in den
Ähren a = ae es zu dreschen —, aufer der geringen Menge, die ihr während dieser Zeit
verzehrt . (Koran, Sure 12, 47)
Der innerhalb der Kornähren angehäufte Feldstaub bedeckt die Oberfläche der Getrei-
dekörner mit einer feinen Pulverschicht, die den Befall mit getreidefressenden Insekten-
arten verhindert. Die Josefsgeschichte im Sefer Hajaschar (Buch des Rechtschaffenen)
berichtet über eine zusätzliche Maßnahme der Anwendung staubfeiner Pulver gegen
Getreideschädlinge:
“Auf Befehl Josefs mufßte das Getreide ungedroschen aufbewahrt und die Böden der Speicher mit
dem Erdstaub der Felder, auf welchen das Getreide gewachsen war, bestreut werden, auf daß das
Korn nicht verderbe ...” (Anonymus, 1630)
Die Ackererde des Niltals, die in trockenem Zustand ein feiner und haftbarer Staub ist,
war demnach ein wirksamer Getreideschutz vor vorratsschädlichen Insektenarten ein-
schließlich Brotkäfer (Stegobium paniceum), Buckelkäfer (Gibbium psylloides), Getreideka-
puziner (Rhyzopertha dominica), Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis), Kornkä-
fer (Sitophilus granarius), Reismehlkäfer (Tribolium castaneum), Tabakkäfer (Lasioderma
serricorne) sowie Speichermotten (Phycitinae). Überreste dieser Insektenarten konnten
tatsächlich in altägyptischen Gräbern der (prä)dynastischen Epoche gefunden und ihr
Vorkommen in damaligen Vorratslagern (woraus die Nahrungsbeigaben für die Ver-
storbenen entnommen wurden) nachgewiesen werden (Hoffmann 1964, Levinson &
Levinson 1985). Aufgrund von Zachers Befunden (1963) wissen wir, daß Asche, Bento-
nit, Holzkohle und Sandstaub sowie sehr fein gemahlene Mineralien, vornehmlich
Aluminiumoxyd (Al,O;), Kieselgel (SiO,), Magnesiumoxyd (MgO) sowie Calciumcar-
bonat (CaCO,) auf mehrere Insektenarten tödlich wirken, indem sie die Körperoberflä-
che der eingepuderten Schädlinge vergrößern und letztere infolge von unkompensier-
barem Wasserverlust zum Absterben bringen. Die wasserentziehende Wirkung der
genannten Pulver beruht hauptsächlich auf einer Veränderung der wachshaltigen In-
sektenepikutikula, die dadurch ihre Aufgabe im Verdunstungsschutz nicht mehr erfül-
len kann (Parkin 1944).
Die hohe Wirksamkeit der an der Körperdecke der Insekten haftenden Staubpartikel
hängt allerdings auch von dem Vorhandensein einer sehr niedrigen Luftfeuchtigkeit ab,
die für das damalige Klima Ägyptens gewiß zutraf. Die Repellenz-Wirkung der Staub-
partikel für manche Insektenarten beruht wahrscheinlich auf einer länger dauernden
Reizung der zahlreichen an den Beinen, Mundwerkzeugen und Fühlern befindlichen
Sinneshaare. Übrigens bedienen sich auch heutzutage warmblütige Tiere des Einstäu-
Abb. 8. Einlagerung von Bündeln ungedroschener Getreideähren in altägyptischen Kornspei-
chern.
Emmer (Triticum dicoccum) und Gerste (Hordeum hexastichum) wurden im Niltal ein bis zweimal
pro Jahr geerntet. Bei der Ernte wurde das obere Halmdrittel einschließlich der Ähren mit einer
am Innenrand scharf gezähnten Sichel geschnitten. Seit der Zweiten Zwischenzeit (ca. 1650-
1550 v. Chr.) wurden die Kornähren ungedroschen und wechselweise nach oben und unten
übereinander geschichtet, so daß sie aneinander haften. Bei derartiger Aufbewahrung konnte
das von feinen und adhäsiven Staubpartikeln bedeckte ungedroschene Korn jahrelang unver-
sehrt von vorratsschädlichen Insekten gelagert werden.
95
bungsverfahrens zur Beseitigung schädlicher Insekten und Milben von ihrem Fell oder
Gefieder; so wälzen oder baden sich beispielsweise Hunde und Spatzen in trockenem
Wüstensand, um sich von ihren Ektoparasiten zu befreien.
Schädlingsabwehrende Verfahren während des Mittleren Reiches
und späterer Zeit
Vor einem Jahrhundert erläuterte Felix von Oefele die in Ägypten seit dem Mittleren
Reich (ca. 2055-1650 v. Chr.) übliche Denkweise der antipathischen Therapie (von Oefe-
le 1901). Da seinerzeit die Tiere als dem Menschen gleichberechtigte Wesen der Götter-
schöpfung anerkannt waren, wurde in dem Töten schädlicher Tierarten eine ebenso
boshafte wie gefährliche Tat gesehen. Man fürchtete auch, daß sich die Nachkommen
dieser Tierarten für die Tötung rächen könnten und sah sich deshalb veranlaßt, die
Schädlinge nur abzuwehren oder zu verscheuchen. Aus diesem Grund beobachteten
die altägyptischen Priester die wechselseitigen Antipathien zwischen den menschen-
schädlichen Organismen und anderen Tierarten. Sie stellten sich beispielsweise vor,
daß das Fett von Vögeln, die sich von stechenden Insekten ernähren oder das Fett von
Katzen, die Mäuse fressen, die genannten Beutetiere vertreiben müsse. Abgesehen
davon, entstehen beim Ranzigwerden tierischer Fette freie Fettsäuren, wovon beson-
ders n-Caprylsäure, n-Caprinsäure sowie Laurinsäure abschreckende bzw. entwick-
lungshemmende Wirkung für manche Insekten- und Milbenarten ausüben (Rodriguez
1972, Levinson & Levinson 1979). Die wechselseitig abschreckende Wirkung der Stoff-
wechselausscheidungen von Mäusen und Ratten unterschiedlicher Herkunft wurde
ebenfalls bemerkt und zur Abwehr dieser schädlichen Nagetiere herangezogen. Die
Vorstellung von der antipathischen Therapie wurde auch während der Ptolemäischen
(332-30 v. Chr.) und der Römischen Epoche (30 v. Chr.-395n. Chr.) beibehalten.
Die von Georg Ebers 1872 in Luxor erworbene und nach ihm benannte Papyrusrolle
(Höhe 30 cm, Länge 223 cm) ist in hieratischer Schrift (= Priesterschrift) geschrieben,
wurde höchstwahrscheinlich um 1550 v. Chr. verfaßt und geht inhaltsmäßig sicher auf
eine bedeutend ältere Zeit als das 16. vorchristliche Jahrhundert zurück. Bei der Über-
setzung dieser Urkunde, die sowohl von Joachim (1890), Ebbell (1937) als auch von
Deines et al. (1958) ausgeführt wurde, ergaben sich einige Schwierigkeiten bei der
Erkennung der einzelnen Heilmittel, deren Zuordnung und Anwendung schließlich
doch identifiziert werden konnte. Der Papyrus Ebers ist eines der wichtigsten Doku-
mente altägyptischer Medizin, das auch hochinteressante Vorschriften zur Ungeziefer-
abwehr enthält (Abb. 9). Die wichtigsten dieser Vorschriften sind nachstehend kurz
zusammengefaßt:
a. Mittel zur Beseitigung von Flöhen (ägypt. py) und Läusen (ägypt. ktt): gleiche Teile
Dattelmehl und Wasser zu einem Volumen von 2hnw (= 960 ml) einkochen. Einen
Schluck der lauwarmen Flüssigkeit in den Mund nehmen und auf jede mit Flöhen und
Läusen befallene Körperpartie versprühen.
b. Mittel zur Vermeidung von Stichen der Bremsen (ägypt. aff) und Wespen (ägypt.
bjw): wenn der Körper eines Menschen mit dem Fett des insektivoren Vogels gnw
(wahrscheinlich Oriolus oriolus) eingerieben wird, soll er nicht mehr von Fliegen und
Wespen gestochen werden.
96
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Abb. 9. Hieratische Vorschriften zur Schädlingsabwehr aus dem 16. vorchristlichen Jahrhun-
dert.
Die ersten geschichtlich nachweisbaren Vorschriften zur Abwehr tierischer Schädlinge von
Menschen und ihren Behausungen stammen aus dem nach Georg Ebers benannten medizini-
schen Papyrus. Diese im 16. vorchristlichen Jahrhundert verfaßte, 223 cm lange hieratische
Schriftrolle enthält zahlreiche Erkenntnisse der ägyptischen Heilkunde des Alten Reiches (ca.
2686-2181 v. Chr.) sowie des Mittleren Reiches (ca. 2055-1650 v. Chr.) und wurde von Joachim
(1890), Ebbell (1937) sowie von Deines et al. (1958) übersetzt. Der Papyrus Ebers enthält eine
umfassende Zusammenstellung alter Erfahrungen auf dem Gebiet der Inneren Medizin, Chir-
urgie und Therapie sowie etwa 900 Rezepte, die mindestens ein Drittel der neuzeitlichen
Heilmittel vorwegnehmen.
Die fotografische Aufnahme zeigt die Zeilen 15-21 der Spalte 97 in der Schriftrolle, wo Mittel,
die Bremsen und Wespen abwehren, Ungeziefer von Häusern vertreiben sowie Verfahren zur
Räucherung (cf. Abb. 10 und 11) von Räumen und Kleidungsstücken beschrieben sind.
c. Mittel, die Ungeziefer (ägypt. sbt) von Häusern fernhalten: bbt-Pflanzen (wahr-
scheinlich Inula conyza) mit Holzkohle fein zermahlen und das Gemisch in den Räumen
verstreuen und die Wände mit einer wässerigen Lösung von Natron (vorwiegend aus
Na,CO, NaHCO, sowie NaCl und Na,SO, bestehend) behandeln.
d. Mittel, die den Fraß von Kleinnagern verhindern sollen: Mäuse (ägypt. pnw) meiden
Nahrungsmittel, die vorher mit dem Fett eines Katers (ägypt. mjw) bestrichen wurden.
Fußboden und Wände des Kornspeichers mit erwärmtem Gazellenkot oder mit einem
Gemisch aus Kot und Urin von Mäusen bestreichen. Dieses Verfahren soll verhindern,
dafs Kleinnager gelagerte Durra (Sorghum vulgare) fressen.
e. Mittel, die das Eindringen gefährlicher Schlangen (ägypt. hfäw) in Wohnhäuser
verhindern: eine Schlange wird ihr Nest nicht verlassen, wenn man in dessen Öffnung
entweder einen getrockneten jnt-Fisch (Tilapia nilotica), eine Küchenzwiebel (Allium
cepa) oder Natron legt.
f. Zur Räucherung von Räumen und Kleidungsstücken wird eine Mischung wohlrie-
chender Drogen und Harze (ägypt. kyphi) empfohlen, die meistens folgendermaßen
zusammengesetzt ist: Alo&-Holz, inkwwn-Körner, Kalmus-Wurzeln, Mastix-Harz,
Myrrhe, Papyrusstaude, Sbt-Harz, Storax, Wacholderbeeren, Weihrauch sowie Zimt-
baumrinde. Die Bestandteile werden zerkleinert, vermischt und in kleinen Portionen in
97
ein offenes Feuer gestreut. Die Mischung kann auch mit Honig verrührt, erwärmt und
anschließend zu kleinen Kugeln geformt werden.
Die im Papyrus Ebers beschriebenen Mittel und Verfahren zur Ungezieferabwehr sind
keinesfalls sinnlose Quacksalbervorschriften, sondern beruhen großenteils auf der
Anwendung ausgewählter Drogen, deren schädlingsbeseitigender Einfluß wohl auf-
grund von empirischen Beobachtungen ermittelt wurde. Die Inhaltsstoffe und Wir-
kungsweise einiger dieser Mittel können heutzutage angegeben werden. Ein dünner
Wandbelag von Natronkristallen dürfte darüberlaufende Insekten an ihrem letzten
Beinsegment dehydrieren bzw. verätzen und demzufolge verscheuchen.
Höchstwahrscheinlich absorbiert pulverisierte Kohle manche Wachs- und Zement-
bestandteile der hauchdünnen, äußeren Körperhülle (Epikutikula) der Insekten, wobei
letztere rasch Wasser verlieren und flüchten. Die für einige Tierarten widerwärtig
riechende Dürrwurz (Inula conyza, Compositae) wirkt sowohl insektistatisch als auch
bakteriostatisch und soll außerdem Ungeziefer und manche Kriechtiere verscheuchen
(Manniche 1989). Die antihelminthische Wirksamkeit von Inula helenium beruht weitge-
hend auf ihrem Gehalt an den Sesquiterpenen Alantolacton, iso-Alantolacton und
Dihydro-iso-Alantolacton. Die seit ältester Zeit bekannte Repellenz-Wirkung der Kü-
chenzwiebel (Allium cepa, Liliaceae) für Schlangen dürfte von ihren flüchtigen Inhalts-
stoffen, Allylpropyldisulfid, Propylmercaptan, 3-Amino-3-carboxypropyldimethyl-sul-
foniumhydroxyd sowie Rhodanwasserstoffsäure, hervorgerufen werden.
Schädlingsabwehrende Räucherungen
Räucherungen mit duftenden Harzen (Gemische aus Gummen, Lignanen, Terpenen,
Phenolderivaten und Phenylpropanverbindungen) sowie mehr oder minder flüchtigen
Drogen wurden bereits zwischen dem 26. und 20. vorchristlichen Jahrhundert in Ägyp-
ten und Babylonien vorgenommen. Nach dem Auszug aus Ägypten (13. Jh. v. Chr.)
verbrannten die jüdischen Priester auf einem goldbeschichteten Altar (Abb. 10) in dem
Offenbarungszelt morgens und abends wohlriechende Harze als Räucheropfer (Exodus
30, 1-10). Im alten Orient hatten diese Räucherungen in erster Linie kultische und
magische Bedeutung, erfüllten jedoch stets auch hygienische und medizinische Aufga-
ben. In Ägypten waren sie ein wesentlicher Bestandteil des Götterkultes in den Tem-
peln sowie der Ritualhandlungen bei der Mundöffnung, Darbringung von Opfergaben
und bei Besuchen in den Grabstätten.
Im Alten Reich (ca. 2686-2181 v. Chr.) benutzte man meist einen, mit Räucherwerk
(ägypt. käpt) gefüllten großen Tontopf, dessen Boden mit einem senkrechten Griff
versehen war, für Räucherungen, deren Dauer verlängert werden konnte, indem man
das Gefäß mit einem perforierten Tondeckel verschloß. Im Mittleren und Neuen Reich
kamen Metallpfannen verschiedener Größe mit einem seitlich angebrachten, langstieli-
gen Griff zur Anwendung. Derartige Räuchergeräte hatten meistens die Form eines
menschlichen Unterarms, auf dessen geöffneter Hand sich ein bauchiges Metallgefäß
zur Verbrennung des Räucherwerkes befand, während in der Mitte des Stiels ein
Behältnis zur Aufbewahrung des Räucherwerkes angebracht war und der hintere
Abschluß des Gerätes mit einem Falkenkopf verziert war. Das bauchige Verbrennungs-
gefäß wurde zumeist mit Öl oder mit Holzkohle beschickt, wonach das Brennmaterial
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Abb. 10. Räucheraltar des jüdischen Hohepriesters, gezeichnet (Rimmel 1865) nach Angaben
des Alten Testamentes (Exodus 30, 1-5).
Der tragbare Altar war quaderförmig, 0,9-1,0 m hoch, 0,4-0,5 m breit und lang, mit je einer
kleinen und spitzen Pyramide an den vier Ecken der Opferplatte versehen und aus Akazien-
holz hergestellt. Die vier Seitenwände, die Opferplatte einschließlich der kleinen Pyramiden
sowie die beiden Tragstangen des Altars waren mit Gold beschichtet.
Der Räucheraltar war vor der Bundeslade im Offenbarungszelt aufgestellt und diente aus-
schließlich der Opferung von sakralem Räucherwerk (bibl. k’toret samim) in einem besonderen
Räuchergefäß (Flavius Josephus, ca. 37-101 n. Chr.). Darin verbrannte der Hohepriester Aaron
morgens und abends zerkleinertes Räucherwerk, das meistens aus gleichen Teilen Myrrheharz
(bibl. nataph), Räucherklaue (bibl. schechelet), Galbanumharz (bibl. chelbena) und Weihrauch-
harz (bibl. liwona saka) sowie Salz bestand (Exodus 30, 1-9, 34-38).
entzündet wurde. Die kleinen Räucherkugeln wurden einzeln und in Abständen in die
Flammen geworfen, was in den alten Flachbildern als eine Kette einzelner Kügelchen
dargestellt ist (Abb. 11).
Das sakrale Räucherwerk der altorientalischen Priester enthielt folgende Grundbe-
standteile (Lexikon der Ägyptologie 1984, Exodus 30, 34-38): Weihrauch-Harz (Boswellia
sacra, B. carteri, Burseraceae), Myrrhe-Harz (Commiphora abyssinica, C. gileadensis, Bur-
seraceae), Storax-Harz (Liquidambar orientalis, Hamamelidaceae), Mastix-Harz (Pistacia
lentiscıs, Anacardiaceae), Galbanum-Harz (Ferula galbaniflua, F. gummosa, Umbelli-
ferae), Räucherklaue (bibl. schechelet) sowie Salz.
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Abb. 11. Stuckrelief eines Räucherarms aus der Grabstätte des Prinzen Amon-her-chopeschef,
Sohn des Pharao Ramses III (ca. 1184-1153 v. Chr.) im Tal der Königinnen (Brunner-Traut 1976).
Der gestielte Räucherarm (ägypt. shtpy) trägt einen endständigen Falkenkopf mit der Sonnen-
scheibe des Gottes Re-Harachte und davor einen becherartigen Behälter zur Aufbewahrung des
Räucherwerkes (ägypt. käpt). Am Anfang des Stiels befindet sich das bauchige Räuchergefäß
aus Metall, das entweder mit glühender Holzkohle oder brennendem Öl beschickt wird.
Derartige Räucherarme wurden häufig zu einer Räucherbatterie gebündelt. Das Räucherwerk
bestand zumeist aus kleinen Kugeln, die Mastixharz, Myrrheharz, Weihrauchharz sowie Na-
tron enthielten (Galling 1925).
Der Priester hielt den Räucherarm stets in der rechten Hand, während er die Räucherkugeln
dem Aufbewahrungsbecher mit der linken Hand entnahm und nach und nach zur Verbren-
nung in das Räuchergefäß warf, wovon dann der duftende und schädlingsabwehrende Rauch
aufstieg. Die Räucherarme kamen, neben den größeren Räucherbecken, erstmals während des
Mittleren Reiches (ca. 2055-1650 v. Chr.) zur Anwendung und dienten während des Neuen
Reiches (ca. 1550-1069 v. Chr.) zur Ausführung regelmäßiger Kulthandlungen vor den Götter-
statuen und verklärten Toten, wobei sie gleichzeitig das Ungeziefer von den Verstorbenen und
Lebenden sowie von ihren Aufenthaltsorten vertrieben.
Das Grabrelief zeigt die Bewegung eines Räucherkügelchens quasi kinematographisch in
kleine Zeitabschnitte zerlegt, so daß man den illusorischen Eindruck von mehreren Kügelchen,
die sich auf der gleichen Wurfbahn befinden, erhält (Lexikon der Ägyptologie 1984).
100
Die Ägypter vermischten die genannten Bestandteile und formten daraus zumeist
kleine Kugeln, während sie die Juden häufig als pulverisierte Mischung für die Räuche-
rungen benutzten.
Der Verbrauch an sakralem Räucherwerk war im alten Orient beträchtlich. Herodot
gab den Jahresverbrauch an Weihrauch-Harz für den Tempel des Gottes Bel Marduk in
Babylon (während der Regierungszeit des Königs Hammurapi, ca. 1792-1750 v. Chr.)
mit nahezu 3,0x 10? Kilogramm an, während man im Tempel des Gottes Amun in
Theben (zur Zeit der 19. Dynastie, ca. 1307-1169 v. Chr.) etwa 4,0 x 10° Liter Weihrauch-
Harz und Myrrhe-Harz pro Jahr verbrannte.
Das heilige Salböl des Alten Testaments diente zum Salben der Gesetzeslade, des
Brandopferaltars, des Räucheraltars, der geweihten Geräte sowie der Wände des Offen-
barungszeltes. Es war ein Extrakt der Inhaltsstoffe von Myrrhe, Zimt, Cassia und
Kalmus bzw. Kamelgras in Olivenöl (Exodus 30, 23-29). Nach dem Auftragen des
Salböls auf die Kultgegenstände und Zeltwände verdampften die flüchtigen Inhalts-
stoffe des Extraktes allmählich in den Luftraum des Offenbarungszeltes.
Die Wirkungsweise der duftenden Harze und Drogen
In pharaonischer Zeit vertrauten die alten Ägypter auf die reinigende und belebende
Wirkung des Räucherns (Lexikon der Ägyptologie 1984), wobei man die dabei auftre-
tende Entwesung der Toten und ihrer Grabbeigaben zweifellos auf den Einfluß der
Räucherungen zurückführen muß. Diese Behauptung ist mit der Tatsache, daß die
Räuchermischungen des Papyrus Ebers sowie der altorientalischen Priester wirksame
Bestandteile zur Ungezieferabwehr enthalten, belegt. So lösen schon geringe Mengen
von verflüchtigtem Weihrauch-Harz (Boswellia carteri) eine Repellenz-Wirkung bei
Getreidemotten (Sitotroga cerealella) und Speisebohnenkäfer (Acanthoscelides obtectus)
aus, während die Verdampfung von einem Gramm dieses Terpenharzes in einem
Luftraum von 50 Litern die Abtötung von nahezu 100% der erstgenannten und etwa
45% der letztgenannten Insektenart innerhalb von 24 Stunden hervorruft (Dibs &
Klingauf 1983). Außerdem werden bei der Räucherung von Weihrauch- und Myrrhe-
Harz antimikrobiell wirkende Phenolverbindungen freigesetzt.
Der geschälte und getrocknete Wurzelstock der Kalmuspflanze (Acorus calamus)
enthält 1,5-3,5% ätherisches Öl, dessen Hauptbestandteil cis-B-Asaron imstande ist,
Bohnenkäfer (Callosobruchus chinensis), Khaprakäfer (Trogoderma granarium), Kopfläuse
(Pediculus humanus capitis) sowie Stubenfliegen (Musca domestica) zu sterilisieren
(Schmidt 1986).
Citronellaöl, das ätherische Öl von Andropogon nardus, weist einen hohen Gehalt an
Citronellal, Citronellol und Geraniol auf und ist ein wirksames Abwehrmittel für
gewisse Stechmücken-Arten (Culicidae) sowie für die Indische Honigbiene (Apis cerana
indica). So wird die Nahrungsaufnahme der genannten Honigbiene in Gegenwart von
nur 10?% Citronellaöl bereits um die Hälfte vermindert (Kumar et al. 1986). Außerdem
wirkt das ätherische Öl von Andropogon winterianus insektistatisch, indem es die Fort-
pflanzungsrate des Reiskäfers (Sitophilus oryzae) bei einer Nahrungskonzentration von
10*.um ca. 50 % herabsetzt (Singh et al. 1989).
Das ätherische Öl von Dillsamen (Anethum graveolens), mit einem vorherrschenden
Gehalt an d-Carvon, ist ein wirksames Repellens für Reismehlkäfer (Tribolium confu-
101
sum); ein Dillsamenextrakt verscheucht ca. 77% bzw. ca. 68% der Reismehlkäfer von
Papierflächen, die einen Monat zuvor mit 680 bzw. 340 ug Dillsamenextrakt pro cm?
imprägniert wurden (Su 1985).
Das ätherische Öl der Zimtrinde (Cinnamomum ceylanicum), dessen Hauptbestand-
teile Zimtaldehyd, trans-Zimtsäure und Eugenol sind, bewirkt im Bereich von 10* bis
10° % der Umgebungsluft zunächst Repellenz und bei dreistündiger Einwirkungsdau-
er Vernichtung von ca. 40% Speisebohnenkäfern, ca. 60% Getreideblattläusen (Meto-
polophium dirhodum) sowie 100% Getreidemotten (Klingauf et al. 1983).
Wacholderbeeren (Juniperus communis) enthalten 1,0-2,5% eines ätherischen Öles,
das vorwiegend aus a-Pinen, ß-Pinen, Terpinen-4-ol und Terpenylacetat sowie aus
Campher und Caryophyllen besteht. Dieses ätherische Öl verursacht im Bereich von
10° bis 10°% der Umgebungsluft zuerst Abschreckung und bei dreistündiger Einwir-
kungsdauer Vernichtung von etwa 60 % Speisebohnenkäfern, ca. 67 % Getreideblattläu-
sen und 100% Getreidemotten (Klingauf et al. 1983). Die angeführten Beispiele veran-
schaulichen die schädlingsabwehrende Wirkung der flüchtigen Bestandteile häufig
benutzter Räuchermittel und Salböle des alten Orients.
Schwefel als Räuchermittel
Die Heilige Schrift berichtet über die Einwohner der Städte Socdom und Gomorra, am
Südwestende des Toten Meeres, die wegen ihrer Sittenlosigkeit von einem göttlichen
Schwefel - und Feuerregen vernichtet wurden:
“Da ließ Jahwe auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer (bibl. gaphrit waesch) vom
Himmel herabregnen. So zerstörte er diese Städte, die ganze Umgebung, alle Einwohner der
Städte und alles, was auf dem Erdboden wuchs.” (Genesis 19, 24-25)
Nur Abrahams Neffe Lot und seine beiden Töchter blieben von dem Desaster ver-
schont. Abraham beobachtete von fern die Zerstörung der beiden Städte:
“Er schaute hinüber nach Sodom und Gomorra und sah das ganze Gefilde jenes Landes. Rauch
stieg auf aus dem Erdboden, wie der Rauch eines Schmelzofens.” (Genesis 19, 28)
Der Bericht des Alten Testaments läßt vermuten, daß sich die Naturkatastrophe von
Sodom und Gomorra während des 18. Jahrhunderts v. Chr. ereignete und daß damit
erstmals das Vorkommen erheblicher Schwefelmengen in der Jordansenke erwähnt ist.
Trotzdem scheint es während biblischer Zeit noch keine beabsichtigte Räucherung mit
Schwefel gegeben zu haben.
Erst zur Zeit des Dichters Homer begegnen wir in Griechenland einem nachweisba-
ren Einsatz von brennendem Schwefel zur Schädlingsabwehr. Homer (bzw. dessen
Schüler) schrieb wohl im 8. Jahrhundert v. Chr. das hexametrische Gedicht Odyssee
über den listenreichen König von Ithaka, der nach dem Fall Trojas in zehnjähriger
Irrfahrt zu seiner Gattin Penelope und seinem Sohn Telemachos zurückkehrte. Der 22.
Gesang des Gedichtes enthält wahrscheinlich einen der frühesten Belege für die Räu-
cherung von Räumlichkeiten mit brennendem Schwefel im alten Griechenland:
“Und er rief Eurykleia, die treuliche Amme, und sagte: Alte, nun bring mir Feuer und
fluchabwehrenden Schwefel, auf daß ich den Saal ausräuchere ... und sie brachte Feuer und
Schwefel. Odysseus säuberte räuchernd den Saal der Männer, das Haus und den Hofraum.”
(Odyssee, 22. Gesang, 480, 490)
Das Vorkommen von elementarem Schwefel in heißen Quellen von vulkanischen Ab-
lagerungen ist in einigen Mittelmeergegenden (z.B. Euboea, Kykladen, Lipari, Neapel,
Palästina und Sizilien) seit dem frühesten Altertum bekannt. Schwefel existiert bei
Zimmertemperatur als gelbes amorphes Pulver oder als gelbe rhombische Kristalle, die
beim Erhitzen an der Luft mit bläulicher Flamme zu gasförmigem Schwefeldioxyd
(SO,) und kleinen Mengen Schwefeltrioxyd (SO) verbrennen. Wahrscheinlich ist
Schwefel das älteste anorganische Räuchermittel, dessen schädlingsabwehrende Wir-
kung hauptsächlich auf der Giftigkeit des Schwefeldioxyds für verschiedenartige Glie-
derfüßer und Pilze beruht (Shepard 1939).
Aristoteles (384-322 v. Chr.) hatte das Geruchsvermögen der Ameisen (Formicidae)
entdeckt und gefunden, daß geflügelte sowie ungeflügelte Ameisen Honigduft von
einer erheblichen Entfernung wahrnehmen können, während sie ein mit Schwefel
beflecktes Nest augenblicklich verlassen. Konkrete Angaben zur Schädlingsabwehr mit
Schwefeldämpfen hinterließ dann ein römischer Autor namens M.P. Cato (234-
149 v. Chr.), der sich auf die Werke von Aristoteles und Theophrast bezog. Cato schrieb
das erste Buch über Landwirtschaft (De agri cultura) und befürwortete die Eindäm-
mung von Schädlingsbefall mittels Schwefel in geschmolzenem Bitumen (Rückstand
der Erdöldestillation). Er empfahl, die Dämpfe des erhitzten Schwefel und Bitumen-
Gemisches auf die Rebstöcke zu blasen bzw. eine schwefelhaltige Salbe ringsum an die
Rebstöcke zu streichen (Levinson & Levinson 1998).
Ausklang
Auf den vorhergehenden Seiten haben wir versucht, die Ungezieferplagen sowie die
damit kausal zusammenhängenden Anfänge der Schädlingsabwehr im alten Orient zu
skizzieren. Allerdings erscheint es uns zweifelhaft, ob man einen so weitläufigen Ge-
genstand lückenlos behandeln kann. Rückblickend auf unsere Darstellung könnte man
die herausragenden Tatsachen folgendermaßen zusammenfassen:
Die Menschen des alten Orients litten häufig unter schweren Ungezieferplagen,
Seuchen, Ernteverlusten und Hungersnöten, die großenteils infolge von Schädlingsbe-
fall an Menschen und Tieren, angebauten Pflanzen sowie gespeicherten Nahrungsmit-
teln hervorgerufen wurden. Während des Altertums sah man in derartigen Schicksals-
schlägen die Bestrafung für einen sündhaften Lebenswandel und glaubte, nur die
Götter könnten die Menschen vor Schädlingskalamitäten und deren Folgen beschützen.
Seit Beginn des Alten Reiches (27. Jh. v. Chr.) wurde jedoch bedeutsame Abhilfe
geschaffen. Schon während der Zeit der 3. Dynastie (ca. 2686-2613 v. Chr.) erfanden die
Ägypter, geleitet von ihrem unerschütterlichen Jenseitsglauben, ein Verfahren zur
Haltbarmachung des Körpers der Verstorbenen sowie zur Abwehr schädlicher Orga-
nismen von letzteren. Später erfanden sie physikalische Maßnahmen zum Schutz schla-
fender Menschen vor Stechmücken, die auf deren Fernhaltung mittels hochgelegener
Schlafstätten und engmaschiger Netze beruhen sowie die Anwendung von besonderen
Kämmen, Rasiermessern und Salben zur Kopfpflege und häufige Waschungen zur
Entparasitierung des Körpers. Ebenso entdeckten sie duftende Harze und Drogen und
103
erfanden Geräte für Räucherungen, die gleichzeitig sakrale und schädlingsabwehrende
Aufgaben erfüllten. Gegen Ende der Hyksos-Zeit (ca. 1650-1550 v. Chr.) führte Jakobs
Sohn Josef die Lagerung von ungedroschenem Getreide als erste Maßnahme zum
Schutz gelagerter Nahrungsmittel ein und erfand auch ein wirksames Verfahren zu
nachhaltiger Abwehr vorratsschädlicher Gliederfüßer, indem es ihre Körperdecke
wasserdurchlässig macht. Die Maßnahmen basierten großenteils auf der altägyptischen
Vorstellung der antipathischen Therapie, die Abwehr und nicht Vernichtung der schäd-
lichen Tiere bezweckte.
Ägypten, Syrien und Palästina waren von 332-30 v. Chr. unter griechischer Verwal-
tung und von 30 v. Chr. -395 n. Chr. unter römischer Herrschaft. Während dieser etwa
727 Jahre dauernden Vorherrschaftsperiode entstanden enge wirtschaftliche und kultu-
relle Beziehungen zwischen dem jeweiligen Mutterland und dessen nahöstlichen Pro-
vinzen. So erhielten Athen und Rom häufige Getreidelieferungen sowie Angaben zu
deren Speicherung. Man kann annehmen, daß die reiche Erfahrung auf dem Gebiet der
Nahrungsspeicherung und Schädlingsabwehr, die sich besonders in Ägypten gesam-
melt hatte, während der Ptolemäischen und Römischen Periode zu den Einwohnern
Athens und Roms gelangte, die sie benutzen und weiterentwickeln konnten.
Anmerkung. In der vorliegenden Abhandlung sind die altägyptischen Wörter in Über-
einstimmung mit den Wörterbüchern von Budge (1978) und Hannig (1995) in lateini-
scher Schreibweise wiedergegeben, während die Jahreszahlen der chronologischen
Übersicht des British Museum Dictionary of Ancient Egypt (Shaw & Nicholson 1996)
entsprechen.
Danksagung
Die Autoren danken Frau Dr. L. Jakob-Rost, Direktorin des Vorderasiatischen Museums (Ber-
lin), Frau Dr. C. A. R. Andrews, Department of Egyptian Antiquities, The British Museum
(London) sowie Herrn Dr. J. Karig, Ägyptisches Museum SMPK (Berlin) für die großzügige
Überlassung von Fotografien einiger Museumsobjekte; ebenso danken sie Frau Dr. R. Drenk-
hahn, Kestner Museum (Hannover) und Frau U. Gruhl, Institut für Ägyptologie der Universität
München, für hilfreiche Beschaffung schwer zugänglicher Literatur. Herrn Dr. A. Grimm,
Institut für Ägyptologie der Universität München und Herrn Dr. M. Krebernik, Institut für
Assyriologie und Hethitologie der Universität München danken wir für freundliche Überset-
zung einiger alter Texte. Herr Dr. Th. Weber, Max-Planck-Institut (Seewiesen), hat die Repro-
duktionen der Abbildungen hergestellt, wofür wir herzlich danken.
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Steuerung vorratsschädlicher Insektenpopulationen
mittels Insektistasis
Hermann Levinson & Anna Levinson
“The philosophy of pest control based on eradication of the pest species
is the antithesis of integrated pest control ...”
R. F. Smith & H. T. Reynolds, 1966
Levinson, H. & A. Levinson (2001): Insectistasis as ameans of control-
ling pest populations in the storage environment. — Spixiana Suppl. 27:
107-119
Predominant coleopteran storage pests include species of the families
Anobiidae, Bostrychidae, Bruchidae, Cucujidae, Curculionidae, Derm-
estidae, Silvanidae and Tenebrionidae, while the most common lepidop-
terous storage pests comprise species pertaining to the Galleriinae, Ge-
lechiidae and Phycitidae (Tab. 1). The larvae of these storage pests are
often polyphagous and consume a variety of dried seeds, plant and
animal tissues as well as processed foodstuffs, on which they build up
dense populations and become serious competitors of man. The female-
produced sex pheromones of -15 coleopteran and -7 lepidopterous
species as well as the male-produced aggregation pheromones of - 16
coleopteran species infesting stored foodstuffs have been extensively
studied and the molecular and chiral structures of their main compo-
nents identified and synthesized (Tab. 2). Nanogram-amounts of these
pheromones transmit “molecular messages” triggering the reproductive
instinct of responsive insects, in which they induce mating, insemina-
tion and fecundation (Figs la,b, 2a,b).
Bearing in mind that the sensory responses to pheromones and food
attractants, optical preference for certain geometrical forms, thigmotac-
tic responses as well as a circadian periodicity of courtship behaviour
are essential for mate finding und copulation in storage insects, highly
efficient means to detect and to decimate populations of such pest
species could have been designed (Figs 1c, 2c). Various types of pherom-
one-baited traps are presently employed for the surveillance and mass
trapping of pest populations, causation of insectistasis, timing and
checking of curative measures and combined administration of pherom-
ones and insecticides in the storage environment (Tab. 3). Insectistasis
can be readily achieved by considerably reducing the number of insects
in a pest population due to continual insect captures in attractant traps
107
being provided with sex or aggregation pheromones and an immobiliz-
ing device (Figs lc, 2c) or alternatively by inhibition of mating due to
permeation of the storage atmosphere by overdosed pheromones.
In contrast to postponed control measures applied to exceedingly
dense pest populations (Fig. 3), the use of an insecticidal treatment
should be timed in accordance with the extent of trap catches (Fig. 4). As
long as the pest population remains within the limits of insectistasis
(Fig. 4), monitoring of the population density is performed at long time
intervals (empty circles). When the pest population has increased to the
level of intense growth (Fig. 4), as traced by larger and more frequent
insect trappings (black circles), application of an insecticide is required
to prevent a further increase of the pest population as well as to reduce
its density to the level of insectistasis.
Another possibility of causing insectistasis is inhibition of mating in
storage insects following permeation of the storage atmosphere by over-
dosed sex pheromones. Disrupted mating may either result from con-
fused mate recognition or neural habituation by conspecific males or
females, due to excessive availability of pheromone-releasing sources.
The main advantage of insectistasis is maintenance of a minimized
pest population combined with considerable restriction of insecticidal
applications, whereby the risk of ecological contamination and the de-
velopment of insecticide-resistant strains would be diminished and the
cost-benefit ratio of storage protection be improved.
Eine verhältnismäßig neue Strategie der Schädlingsmanipulation in
Vorratslagern, bestehend aus einer Kombination von kurativen und
präventiven Maßnahmen, bewirkt Insektistasis, d.h. einen Zustand,
worin die Populationsdichte der vorratsschädlichen Insekten dermaßen
vermindert ist, daß langfristige Nahrungsmittellagerung ohne nennens-
werte Schädigung möglich wird. Insektistasis kann durch wiederholte
Verdünnung einer Schädlingspopulation aufgrund massenhafter Insek-
tenfänge an Köderfallen, die Sexual- bzw. Aggregationspheromone ver-
strömen, hervorgerufen werden.
Prof. Dr. Hermann Levinson und Dr. Anna Levinson, Max-Planck-
Institut für Verhaltensphysiologie, D-82319 Seewiesen bei Starnberg,
Germany.
Einleitung
Die Anfänge der Nahrungsspeicherung lassen sich besonders gut im alten Ägypten
(hieroglyph. kmt) zurückverfolgen, wo diese vorsorgende Maßnahme durch öfters
ausbleibende Nilüberflutung sowie nachfolgende Hungersnöte motiviert wurde. Be-
reits in neolithischer Zeit (ca. 6000-3000 v. Chr.) wurden in Unterägypten Schilfkörbe,
die mit einem Deckel verschließbar und in den Boden eingelassen waren, als Nahrungs-
speicher benutzt, während seit dem Alten Reich (ca. 2686-2181 v. Chr.) großangelegte
und luftdurchlässige Vorratslager zur langfristigen Aufbewahrung großer Mengen
getrockneter Samen, Früchte und anderer Nahrungsmittel dienten (Levinson & Levin-
son 1985, 1994).
Eine Reihe polyphager Käfer- und Mottenarten, die man heutzutage als vorrats-
schädliche Insekten bezeichnet (Tab. 1), stammen höchstwahrscheinlich von dereinst
108
frei lebenden Arten ab, die sich an mehr oder weniger verwitterten und vertrockneten
sowie teils nährstoffarmen Nahrungsmitteln entwickeln und fortpflanzen konnten. Die
Anpassung dieser später äußerst schädlich gewordenen Insektenarten an die neu er-
worbenen Speicherbiotope dürfte mit Hilfe ihrer hochentwickelten Sinnesorgane -
besonders ihrer geruchs- und geschmackswahrnehmenden Sensillen, die der Nah-
rungswahl, der bisexuellen Aggregation und der Erkennung ihrer Geschlechtspartner
dienen - stattgefunden haben (Levinson & Levinson 1995).
Von den zahlreichen an Vorratsgütern vorkommenden Arthropodenarten verursa-
chen etwa 30 Käferarten, 12 Mottenarten und 3 Milbenarten beträchtlichen wirtschaft-
lichen Schaden an gespeicherten und getrockneten Nahrungsmitteln. Die häufigsten
vorratsschädlichen Käferarten gehören den Familien der Bohrkäfer (Bostrychidae),
Nagekäfer (Anobiidae), Plattkäfer (Cucujidae bzw. Silvanidae), Rüsselkäfer (Curculio-
nidae), Samenkäfer (Bruchidae), Schwarzkäfer (Tenebrionidae) sowie der Speckkäfer
(Dermestidae) an, während die verbreitetsten vorratsschädlichen Mottenarten zu den
Familien der Fruchtzünsler (Phycitidae), Palpenmotten (Gelechiidae) und Wachsmot-
ten (Galleriinae) zählen (Tab. 1). Die Larven dieser Speicherschädlinge sind großenteils
polyphag und ernähren sich an verschiedenartigen trockenen Früchten, Samen, pflanz-
lichen und tierischen Geweben sowie an deren Verarbeitungsprodukten; daran entwik-
keln und vermehren sie sich zu verhältnismäßig dichten Schädlingspopulationen, die
zu erheblichen Nahrungskonkurrenten des Menschen werden können.
Tab. 1. Häufig vorkommende vorratsschädliche Arthropodenarten.
Ordnung Familie Gattung Art Deutscher Name
Coleoptera Anobiidae Lasioderma serricorne Tabakkäfer
Stegobium paniceum Brotkäfer
Bostrychidae Rhyzopertha dominica Getreidekapuziner
Bruchidae Acanthoscelides obtectus Speisebohnenkäfer
Cucujidae Cryptolestes ferrugineus Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer
furcicus Türkischer Leistenkopfplattkäfer
Curculionidae Sitophilus granarius Kornkäfer
oryzae Reiskäfer
zeamais Maiskäfer
Dermestidae Trogoderma granarium _ Khaprakäfer
Silvanidae Oryzaephilus surinamensis Getreideplattkäfer
mercator Erdnussplattkäfer
Tenebrionidae Tribolium confusum Amerikanischer Reismehlkäfer
castaneum Rotbrauner Reismehlkäfer
Lepidoptera Galleriinae Corcyra cephalonica Reismotte
Gelechiidae Sitotroga cerealella Getreidemotte
Phycitidae Anagasta kuehniella Mehlmotte
Cadra calidella Rosinenmotte
Acarina Acaridae Acarus siro Mehlmilbe
Carpoglyphidae Carpoglyphus lactis Backobstmilbe
Glycyphagidae Glycyphagus domesticus Hausmilbe
109
Kurative und präventive Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung
Die gegenwärtig verfügbaren Verfahren zur Eindämmung von Schadinsekten in Vor-
ratslagern können generell in kurative und präventive Maßnahmen eingeteilt werden.
Herkömmliche kurative Verfahren beruhen zumeist auf dem Einsatz gasförmiger oder
rückstandsbildender Insektizide, beispielsweise auf kontinuierlicher Abgabe von Phos-
phorwasserstoff (Phosphin), gewonnen aus Phosphiden (z.B. Alumiumphosphid und
Magnesiumphosphid) in Gegenwart von Feuchtigkeit, Verdampfung von Methylbro-
mid (Monobrommethan)', Dichlorvos (DDVP)? bzw. Malathion (Cythion)’ sowie Ver-
sprühung von Pyrethroiden* oder auch Anreicherung hermetisch begrenzter Lufträu-
me mit Kohlendioxyd. Hemmung der Fortpflanzungsfähigkeit vorratsschädlicher In-
sekten, verursacht durch sterilisierende Gamma-Strahlen bzw. chemische Stoffe, Er-
schütterung der Schadinsekten in Prallmaschinen (Entoleter) sowie Ansteckung der
Schadinsekten mit spezifischen Krankheitserregern, zählen ebenfalls zu den kurativen
Maßnahmen, die jedoch bisher keine breite Anwendung fanden. Der kurative Vorteil
adsorbierender Stäubemittel (z.B. Calciumcarbonat, Calciumphosphat, Kaolin sowie
Silika-Aerogele) als Getreideschutz gegen vorratsschädliche Insekten wird durch die
vermutlich schädliche Wirkung auf die menschliche Gesundheit sowie den abreiben-
den Einfluß dieser feinen Pulver auf Maschinenteile abgewertet.
Vorratslagerung bei erniedrigten Temperaturen, bedingt durch andauernde Luftzir-
kulation oder unmittelbare Kühlung sowie der Schutz trockener Nahrungsmittel mit
Hilfe von Insekten-undurchdringlichem Verpackungsmaterial sind nutzbringende Prä-
ventivmaßnahmen. Hormon-nachahmende und fraßabschreckene Wirkstoffe sowie
Soll wegen seines umweltgefährdenden Einflusses in Zukunft nicht mehr benutzt werden.
O-(2,2-Dichlorvinyl)-O, O-dimethylphosphat.
S-[1,2-bis-(ethoxycarbonyl)-ethyl]-O, O-dimethyldithiophosphat.
Synthetische Insektizide, die den Pyrethrinen aus Chrysanthemum cinerariaefolium nachgebil-
det wurden.
PONmH+
Abb. 1a-c. Die Lockwirksamkeit einer weiblichen Dörrobstmotte (Plodia interpunctella), einer
Polyäthylenkapsel, die mit synthetisch hergestelltem Sexuallockstoff -— Hauptkomponente:
(Z,E)-9,12-Tetradecadien-1-yl acetat (TDA) — imprägniert ist, sowie einer streifenförmigen,
pheromonbeköderten Klebefalle für mehrere Fruchtzünsler-Arten (Phycitidae, Tab. 2).
a. Das von der ausgestülpten Pheromondrüse einer weiblichen Dörrobstmotte (Flügelspann-
weite - 13mm) abgegebene Sexualpheromon verbreitet sich als Duftwolke in der Umgebung,
wo es von den olfaktorischen Sensillen einer männlichen Dörrobstmotte (Flügelspannweite
- 17mm) wahrgenommen wird. Diese wird von dem Duftreiz erregt und läuft unter heftigem
Flügelschwirren zu dem paarungsbereiten Weibchen. b. Die mit synthetischem Sexuallock-
stoff imprägnierte Polyäthylenkapsel verströmt den Duftstoff langfristig und lockt damit zahl-
reiche männliche Dörrobstmotten in die Nähe der Pheromonkapsel. Ein angelocktes Männchen
hat sich auf dem Kapselverschluss niedergelassen, schwirrt erregt mit seinen Flügeln und
macht vergebliche Paarungsversuche. c. Wenn man eine Sexualpheromon-enthaltende Poly-
äthylenkapsel (b) einem beiderseits klebstoffbezogenen Papierstreifen (- 75x5 cm) zuordnet
und mehrere dieser Vorrichtungen, -1m von den Speicherwänden entfernt, senkrecht auf-
hängt, erhält man äußerst wirksame Köderfallen für männliche Phycitidenarten. Die abgebil-
dete Pheromonfalle kann zahlreiche Männchen verschiedener Zünslerarten, z.B. Anagasta kuehni-
ella, Cadra cautella, Ephestia elutella und Plodia interpunctella (Tab. 1, 2) fangen und festhalten.
110
ir 5
Eh
Abb. 1a-c
111
Nährstoff-Gegenspieler könnten ebenfalls zur Entwicklung präventiver Maßnahmen
für den Vorratsschutz genutzt werden.
Pheromone vorratsschädlicher Insektenarten
Die Verwendung synthetisch nachgebildeter Sexuallockstoffe zur Eindämmung vor-
ratsschädlicher Insektenpopulationen ist zweifellos ein bedeutsamer Beitrag der insek-
tenphysiologischen Forschung zur angewandten Entomologie. Die nach außen abgege-
benen und flüchtigen Botenstoffe erwiesen sich als hochwirksames Fanginstrument zur
Populationsverminderung verschiedener Insektenarten, die gespeicherte Nahrungs-
mittel befallen und konsumieren. Sexualpheromone der Weibchen von - 15 Käferarten
und -7 Mottenarten sowie Aggregationspheromone der Männchen von - 16 Käferar-
ten, die gefürchtete Vorratsschädlinge sind, wurden aus chemischer sowie physiologi-
scher Sicht eingehend untersucht, die molekulare und chirale Struktur ihrer Hauptkom-
ponenten aufgeklärt und synthetisch nachgebildet (Tab. 2, Levinson & Levinson 1995).
Tab. 2. Vorratsschädliche Insektenarten, deren Lockstoffe isoliert und synthetisch nachgebildet
wurden.
Pheromone, die von Weibchen bzw. Männchen abgegeben werden, sind mit “W” bzw. “M”
bezeichnet und können als Sexualpheromon “S” für den entsprechenden Geschlechtspartner
oder als Aggregationspheromon “Agg” für beide Geschlechter wirken.
Ordnung/ Gattung Art Art Art Abgabe Pheromontyp
Familie
Coleoptera
Anobiidae Lasioderma serricorne Ww S
Stegobium paniceum Ww S
Bostrychidae Prostephanus _truncatus M Agg
Rhyzopertha dominica M Agg
Bruchidae Acanthoscelides obtectus M S
Callosobruchus chinensis maculatus W S
Cucujidae Cryptolestes ferrugineus pusillus furcicus M Agg
Curculionidae Sitophilus granarius oryzae zeamais M Agg
Dermestidae Anthrenus flavipes verbasci W >)
Attagenus elongatulus megatoma W S
Dermestes maculatus M Agg
Trogoderma granariıum glabrum inclusum W S, Agg
Silvanidae Oryzaephilus _mercator surinamensis M Agg
Tenebrionidae Tribolium castaneum confusum M Agg
Lepidoptera
Galleriinae Corcyra cephalonica M 5
Gelechiidae _Sitotroga cerealella W 5
Phycitidae Anagasta kuehniella W S
Cadra cautella figulilella W 3
Ephestia elutella W 5
Plodia interpunctella W 3
112
Minimale Mengen solcher Lockstoffe (im Nanogramm-Bereich) übermitteln empfäng-
lichen Insekten “molekulare Botschaften”, die ihren Fortpflanzungstrieb anstoßen und
damit die Anlockung, Paarung und Befruchtung artgleicher Geschlechtspartner herbei-
führen (Abb. 1a,b; 2a,b). Aufgrund der Sinnesreaktionen vorratsschädlicher Insekten-
arten entsprechend ihrer Pheromone bzw. Fraßlockstoffe, ihrer optischen und taktilen
Reize, einschließlich ihrer Verhaltensperiodizität, konnten wirkungsvolle Fangvorrich-
tungen zur Entdeckung und Eindämmung von Insektenbefall hergestellt werden
(Burkholder 1976, Fleurat Lessard et al. 1976, Levinson 1974). Schließlich kamen ver-
schiedenartige zwei- oder dreidimensionale, kegel- oder prismenförmige sowie multi-
tubuläre Fallen oder andere Fangvorrichtungen mit kontinuierlicher Abgabe von Sexu-
al- bzw. Aggregationspheromonen für die Köderung und Festhaltung der Männchen
bzw. Männchen und Weibchen vorratsschädlicher Insektenarten zu weltweiter Anwen-
dung (Abb. Ic, 2c; Barak et al. 1990; Buchelos & Levinson 1993; Trematerra 1994; White
et al. 1990). In einer kürzlichen Rückschau der Thematik gab Plarre (1998) die nachste-
hend genannten Einsatzmöglichkeiten von Pheromonen zur Manipulation vorrats-
schädlicher Insekten an (Tab. 3).
Männchen der Speichermotten Anagasta, Cadra, Ephestia und Plodia spp. (Phycitidae)
reagieren auf das Sexualpheromon ihrer Weibchen meist zusammen mit figürlichen
Reizen, während beide Geschlechter der vorratsschädlichen Käfer Cryptolestes, Dermes-
tes, Oryzaephilus, Prostephanus, Rhyzopertha, Sitophilus und Tribolium spp. auf das Aggre-
gationspheromon artgleicher Männchen, zumeist in Gegenwart spezifischer Fraßlock-
stoffe, ansprechen. Männliche Speichermotten haben bei geringer Helligkeit eine be-
trächtliche Sehschärfe und fliegen auf Pheromon-abgebende und in “Lockstellung”
befindliche Weibchen zu, wobei sie auch von optischen Merkmalen geleitet werden.
Während der Lockstellung richten die Mottenweibchen ihren Hinterleib aufwärts (op-
tisches Merkmal), um daraus ihre Legeröhre und Pheromondrüse rhythmisch auszu-
stülpen (Pheromonfreisetzung). Die Pheromonabgabe weiblicher Speichermotten so-
wie die entsprechende Reaktion der Männchen unterliegen einer artspezifischen Rhyth-
mik. So locken weibliche Anagasta kuehniella ihre Männchen üblicherweise in der Mor-
gendämmerung (- 05.00-07.00 h), wogegen weibliche Cadra cautella artgleiche Männ-
chen während der ersten Nachthälfte (- 22.00-24.00 h) und weibliche Cadra figulilella
ihre Männchen erst kurz vor oder nach Mitternacht (- 23.00-01.00 h) anlocken. Ande-
rerseits kann man das Lockverhalten weiblicher Ephestia elutella und Plodia interpunctella
fast die ganze Nacht hindurch (- 22.00-05.00 h) beobachten. Die Zeitspanne der Flug-
aktivität männlicher Speichermotten entspricht annähernd den Lockperioden artglei-
cher Weibchen (Traynier 1970, Takahashi 1973).
Tab. 3. Anwendungsmöglichkeiten von Pheromonen zur Steuerung vorratsschädlicher Insek-
tenpopulationen.
(a _Frühentdeckung und Überwachung von Insektenbefall in Vorratslagern.
(b) Massenfang von Schadinsekten sowie Verursachung von Insektistasis.
(c) Bestimmung des geeigneten Zeitpunktes für kurative Behandlungen.
(d) Erfolgsüberprüfung von kurativen Behandlungen.
(e) Paarungsunterbrechung von Schadinsekten mittels hochdosierter Sexualpheromone.
(f) Gleichzeitige Verabreichung von Pheromonen und Insektiziden (Attraktizide).
113
c
Abb. 2a-c. Anlockung eines männlichen Khaprakäfers, Trogoderma granarium (Körperlänge
- 1,5 mm) zur Begattung eines artgleichen Weibchens (Körperlänge - 3,2 mm) sowie Aggrega-
tion zahlreicher Khaprakäfer in einer Pappfalle, die mit synthetisch hergestelltem Weibchen-
pheromon, einer 9:1-Mischung von (R,Z):(R,E)-14-Methyl-8-hexadecenal imprägniert ist.
a. Das Khaprakäferweibchen bildet das oben genannte Pheromon in einer exokrinen Drüse des
letzten Abdominalsegments und entlässt den Duftstoff in die Umgebungsluft, um artgleiche
Männchen anzulocken. b. Nachdem ein männlicher Khaprakäfer ein artgleiches und paa-
rungsbereites Weibchen geruchlich erkannt hat, betastet er mit Fühlern und Palpen dessen
Hinterleibsende und Geschlechtsöffnung und begattet dieses Weibchen. c. Vergrößerte Teil-
ansicht einer aus gefalteter Wellpappe gefertigten Kontaktfalle (- 8x8 cm), die mit synthetisch
hergestelltem Pheromon weiblicher Khaprakäfer imprägniert ist. Eine solche Köderfalle lockt
zahlreiche Khaprakäfer beider Geschlechter in die engen Kanälchen der Vorrichtung und hält
sie dort aufgrund ihrer thigmotaktischen Reizbarkeit zurück.
114
Die Weibchenpheromone der oben genannten Speichermottenarten enthalten (Z,E)-
9,12-Tetradecadien-1-yl acetat (TDA) als gemeinsame Hauptkomponente, die als Sexu-
allockstoff für die Männchen dieser sympatrisch vorkommenden Arten wirkt. Das
Weibchenpheromon von Cadra cautella enthält neben TDA noch (Z)-9-Tetradecen-1-yl
acetat (TA), das die Lockwirksamkeit von TDA für artgleiche Männchen erhöht und
diese für Männchen von Anagasta kuehniella und Plodia interpunctella herabsetzt. (Z,E)-
9,12-Tetradecadien-1-ol (TDO), eine zusätzliche Nebenkomponente der Weibchenphe-
romone von Anagasta kuehniella, Cadra cautella, Ephestia elutella und Plodia interpunctella,
verstärkt die Lockwirksamkeit von TDA für männliche Ephestia elutella und Plodia
interpunctella und unterdrückt das Anlockungsvermögen von TDA und TA für männ-
liche Cadra cautella. Das Weibchenpheromon von Sitotroga cerealella (Gelechiidae) ent-
hält (Z,E)-7,11-Hexadecadien-1-yl acetat als Hauptbestandteil, der artgleiche Männchen
während der gesamten Skotophase zur Paarung lockt.
Wie wirken nun die Pheromonkomponenten auf die Riechorgane der Speichermot-
ten? Die Reizung einzelner Riechsensillen an den Fühlern männlicher Anagasta kuehni-
ella, Ephestia elutella und Plodia interpunctella mit den oben genannten Pheromonbe-
standteilen (die synthetisch hergestellt wurden), führte zu charakteristischen Rezeptor-
potentialen und Nervenimpulsen. Die registrierten Meßwerte erlauben die Schlußfol-
gerung, daß zwei unterschiedliche Rezeptorzellentypen in den Riechsensillen der Spei-
chermottenarten vorhanden sind, wovon der eine auf TDA sowie TA und der andere
auf TDO selektiv anspricht (Levinson & Levinson 1982, 1995).
Diese scheinbar geringen Wahrnehmungs- und Verhaltensunterschiede tragen au-
ßer den gegenseitigen morphologischen Abweichungen zu einer gesicherten Artentren-
nung dieser in beschränkten und dunklen Lufträumen fliegenden Speichermotten bei.
Insektistasis
Die Populationsdynamik der schädlichen Insekten in einem Vorratslager offenbart sich
in periodischen Schwankungen zwischen Bereichen niedriger und hoher Bevölkerungs-
dichte, die vorwiegend von dem Fortpflanzungspotential einer Art, dem Vorhanden-
sein ungenügender bzw. reichhaltiger Nahrungsquellen, dem Vorherrschen eines un-
günstigen bzw. optimalen Raumklimas sowie von unvorhersehbaren Ursachen abhän-
gig sind. Die in regelmäßigen Zeitabständen an Pheromonfallen registrierten Insekten-
fänge veranschaulichen die Zunahme, Beständigkeit und Abnahme der Populations-
dichte einer schädlichen Insektenart in einem räumlich begrenzten und klimatisch
gemäßigten Nahrungsspeicher. Die in Abbildung 3 dargestellte Kurve zeigt die dreistu-
fige Einteilung einer Population vorratsschädlicher Insekten in die Bereiche Insektista-
sis (niedrige Populationsdichte), Wachstumsphase (mittlere Populationsdichte) sowie
wirtschaftlicher Schaden (übermäßige Populationsdichte). Eine Insektizidbehandlung
erfolgt zumeist erst, nachdem die Insektenpopulation das Ausmaß wirtschaftlichen
Schadens erreicht hat (siehe Pfeil). Danach wird die Insektenpopulation, falls sie nicht
Insektizid-resistent ist, bis in den Bereich der Insektistasis verdünnt und kann letztlich
wieder zu ihrem früheren Ausmaß anwachsen.
Im Gegensatz zu dem verspäteten Einsatz kurativer Maßnahmen gegen eine schon
überaus dichte Schädlingspopulation sollte man Insektizidanwendungen am besten
mit der Anzahl der Insektenfänge an Pheromonfallen zeitlich koordinieren (Abb. 4).
Solange sich die Populationsdichte im Bereich der Insektistasis bewegt, führt man die
115
Insektizidanwendung
Populations-
überwachung:
O©—Onicht häufig
wirtschaftlicher Schaden
Wachstumsphase
Populationsdichte
Zeit
Abb. 3. Herkömmlicher Vorratsschutz mittels Insektizidanwendung.
Die drei offensichtlichen Bereiche einer Schädlingspopulation - Insektistasis, Wachstumsphase
und wirtschaftlicher Schaden — werden anhand von quantitativen Insektenfängen an Phero-
monfallen in längeren Intervallen überwacht (leere Kreise). Insektizideinsatz erfolgt erst, nach-
dem wirtschaftlicher Schaden stattgefunden hat. Der Zeitpunkt der Insektizidbehandlung ist
durch einen Pfeil oberhalb des Kurvenplateaus angedeutet.
Populationsüberwachung:
wirtschaftlicher Schaden OO nicht häufig
@- häufig
Insektizidanwendung
Wachstumsphase |
Populationsdichte
Zeit
Abb. 4. Vorratsschutz basierend auf Insektistasis.
Solange die Schädlingspopulation im Bereich der Insektistasis bleibt, wird die Populationsdich-
te aufgrund der quantitativen Insektenfänge an den Pheromonfallen in längeren Zeitabständen
(leere Kreise) überwacht; geht jedoch die Populationsdichte in die der Wachstumsphase über,
erhöht man die Überwachungsfrequenz (volle Kreise). Der Insektizideinsatz sollte rechtzeitig
und in Übereinstimmung mit steigenden Insektenfängen an den Pheromonfallen spätestens in
der Phase des Populationswachstums erfolgen (Pfeil oberhalb des Kurvengipfels).
116
Populationsüberwachung regelmäßig in größeren Zeitabständen (leere Kreise) aus.
Falls sich die Schädlingspopulation über den Bereich der Insektistasis hinaus vermehrt
hat, wie dies aufgrund von größeren und häufigeren Insektenfängen an den Pheromon-
fallen ersichtlich ist (volle Kreise), ist der geeignete Zeitpunkt für eine Insektizidbe-
handlung gegeben, um damit die Populationsdichte der Insektistasis wieder zu errei-
chen. Fortwährende Insektenfänge an Pheromonfallen könnten gegebenenfalls auch
ohne Insektizidanwendung genügen, um langfristig Insektistasis aufrechtzuerhalten,
besonders wenn die Fortpflanzungsbedingungen für vorratsschädliche Insekten weni-
ger günstig sind (cf. Levinson & Buchelos 1988, Trematerra 1994).
Eine andere Möglichkeit der Verursachung von Insektistasis einer vorratsschädli-
chen Insektenpopulation beruht auf Paarungshinderung infolge von Anreicherung des
Luftraumes mit hochdosiertem Sexualpheromon. Höchstwahrscheinlich resultiert die
diesem Vorgang zugrundeliegende Orientierungshemmung der männlichen Ge-
schlechtspartner aus deren gestörtem olfaktorischen Erkennungsvermögen bzw. aus
deren neuraler Gewöhnung an übermäßig vorhandene Quellen des weiblichen Sexual-
pheromons. Adaptation der Pheromonrezeptoren an häufig wiederholte Reize des
weiblichen Sexualpheromons führt schließlich zu einem Verlust der Weibchen-Lock-
wirkung für die männlichen Geschlechtspartner. So konnte eine sehr dichte Population
von Cadra cautella zur Stufe der Insektistasis vermindert werden, nachdem mikrover-
kapseltes Sexualpheromon in dem befallenen Nahrungsmittelspeicher überall reichlich
verteilt wurde (Prevett et al. 1989), während eine überdichte Population von Anagasta
kuehniella in einem Süßwarenlager mittels Überschwemmung des Lagerraumes mit
TDA (aus zahlreichen Quellen stammend) gleichermaßen eingedämmt werden konnte
(Süss et al. 1997).
Epilog
Seit mehr als einem Jahrhundert wurde die Bekämpfung von schädlichen Insekten auf
rasche Vernichtung der meisten Einzeltiere einer Schädlingspopulation mit Hilfe von
nachhaltigen bzw. flüchtigen Insektiziden ausgerichtet (Shepard 1947). Wahllose Insek-
tenvertilgung, einschließlich harmloser und nützlicher Arten, Auslese Insektizid-
resistenter Stämme sowie Umweltverseuchung mit Pestiziden sind als unerwünschte
Nebenwirkungen dieses Verfahrens bekannt. Eine verhältnismäßig neue Strategie der
Schädlingsmanipulation (bestehend aus der Verbindung zwischen kurativen und prä-
ventiven Maßnahmen) bezweckt die Verursachung von Insektistasis (griech. stasis =
Stillstand), d.h. einem Zustand, worin die Populationsdichte vorratsschädlicher Insek-
ten in ein Ausmaß vermindert wird, das langfristige Nahrungsmittellagerung ohne
nennenswerte Schädigung zuläßt (Levinson & Levinson 1985).
Insektistasis entsteht also nach erheblicher Verdünnung einer Schädlingspopulation
infolge von massenhafter Insektenanlockung an artspezifische Köderfallen, die Sexual-
bzw. Aggregationspheromone kontinuierlich abgeben sowie eine Insekten-immobili-
sierende Vorrichtung enthalten. Die wesentlichen Vorteile dieser Strategie bestehen in
der langfristigen Erhaltung einer maximal verdünnten Schädlingspopulation (Abb. 3, 4)
verbunden mit stark eingeschränkter Pestizidanwendung und daher geringfügiger
Umweltbelastung sowie einem günstigen Kosten/Nutzen-Verhältnis dieser Vorrats-
schutzstrategie.
117
Danksagung
Die Anfertigung der graphischen Darstellungen (Abb. 3, 4) verdanken wir Herrn Dr. Theo
Weber, Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Seewiesen.
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